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Kann denn Liebe Sünde sein?

11.03.1965

Einsamkeit und Suche nach Erlösung

Ich möchte über die Worte sprechen, die ich in diesen Vorträgen ständig zu hören bekomme. Heute hatte ich ein Gespräch mit einem Herrn, den ich nicht kenne. Nach drei Sätzen sagte er: „Sehen Sie, mir kann keiner etwas vorwerfen, mir kann keiner etwas nachsagen.“

Ich antwortete: „Oh, kommen Sie doch am Sonntag, da rede ich darüber.“ Verstehen Sie, das sind moderne Schlagworte. Heute Abend haben wir also das Schlagwort: „Kann denn Liebe Sünde sein?“ Eine Frage, die offenbar sowohl die jungen Leute im französischen Übertragungssaal als auch die älteren hier hinten interessiert.

Dazu muss ich mit einer merkwürdigen Beobachtung beginnen. Wir haben festgestellt, dass der moderne Mensch schrecklich einsam ist. Wir leben viel dichter aufeinander als unsere Vorfahren. Die meisten Menschen wohnen in Städten, in Mietshäusern. Doch je enger wir zusammenleben, desto einsamer werden wir.

Ich kenne sehr viele Männer, die, wenn sie ehrlich sind, sagen: „Ich habe keine Ahnung, was meine Frau wirklich bewegt und denkt.“ Und sie sagen auch, ihre Frau habe keine Ahnung, was sie selbst bewegt. Wir leben nebeneinander her.

Ein sechzehnjähriger Junge, ich war lange Zeit Jugendpfarrer, sagte mir einmal: „Ich habe keinen Menschen, dem ich mein Herz ausschütten könnte.“ Ich sagte: „Rede doch kein dummes Zeug. Du hast doch Arbeitskollegen.“ Er antwortete: „Ja, Arbeitskollegen. Da macht man ein paar Witze zusammen oder spricht über die Arbeit. Aber da ist keiner, dem ich mein Herz ausschütten könnte.“

Ich fragte weiter: „Du hast doch eine Mutter?“ Er erwiderte: „Die hat so viel zu tun, sie hat keine Zeit, sie versteht mich auch nicht.“ Und wie ist es mit deinem Vater? Da wurde er böse: „Oh, der Alte“, sagte er, „der kommt um fünf von der Arbeit, schimpft ein wenig und dann geht er in seinen Klub. Ich habe keinen, dem ich mein Herz ausschütten könnte.“

Der moderne Mensch ist so entsetzlich einsam. Verzeihen Sie, sind da wirklich zwei Stühle frei? Also, sind zwei Stühle frei, bitte zwei Frauen, gehen Sie da eben durch. Das geht ja mit bestem Willen nicht, da werde ich verrückt dabei. Gehen Sie doch rasch durch, gehen Sie rasch durch, gehen Sie rasch durch. Helfen Sie, winken Sie einander, handeln Sie christlich. Setzen Sie sich nicht neben leere Stühle und tun so, als stünden da nicht viele Menschen.

Ich mache weiter. Oh, die verstehen nicht. Kommen Sie ganz herum, gehen Sie ganz herum, gehen Sie ganz herum. Sagen Sie mir jetzt zu und sehen Sie: Diese Einsamkeit, in der wir alle mehr oder weniger leben, verbündet sich mit der härtesten Macht, die es im irdischen Leben gibt. Und die stärkste Macht, die es im irdischen Leben gibt, ist die Sexualität.

Die Verbindung von Einsamkeit und Sexualität

Und nun sucht der Mensch von heute Indosexualität, die Erlösung von der Einsamkeit. Der 15-jährige Junge sucht eine Freundin, damit er jemanden hat, dem er sein Herz ausschütten kann. Der Mann, der neben seiner Frau lebt, beginnt ein Verhältnis mit der Sekretärin, weil er sagt: „Meine Frau versteht mich nicht.“

Verstehen Sie diese merkwürdige Einheit? Die Einsamkeit verbündet sich mit der Triebhaftigkeit, und so sucht der Mensch Erlösung aus der Einsamkeit.

Nun brechen alle Dämme nieder. Jeder Film, jeder moderne Roman kündigt es jubelnd an: „Du darfst über deinen Körper frei verfügen!“ Wenn man sich solche Feste ansieht oder Menschen auf einer Party trifft – besonders junge Leute – dann höre ich nur so reden. Ja, wir haben eine größere Freiheit als unsere Vorfahren. Lamour, alles ist in Gloria und Herrlichkeit.

Ich bin 40 Jahre Pfarrer in einer Großstadt im Ruhrgebiet, und ich habe gesehen, dass es mit der Lamour gar nicht so herrlich bestellt ist, wie es im Kino und in modernen Romanen erzählt wird. Es gibt auf keinem Gebiet heute eine so große Not wie auf dem Gebiet des Geschlechtlichen. Not.

Ich könnte jetzt lange reden von gebrochenen Herzen und zerstörten Ehen, aber das will ich gar nicht. Sehen Sie, die Not auf diesem Gebiet – verstehen Sie mich? Spreche ich langsam genug? – die Not auf diesem Gebiet liegt, glaube ich, darin, dass unsere Zeit nicht mehr weiß, was eigentlich gut ist und was böse.

Ist Ehescheidung gut, wenn es nicht mehr gut zusammenläuft? Ist der Geschlechtsverkehr außerhalb und vor der Ehe in Ordnung oder ist er böse? Ist die lesbische Liebe, wenn ein Mädchen das andere liebt, geschlechtlich in Ordnung, wenn sie so veranlagt ist, oder nicht? Ist die Homosexualität, dass ein Mann einen Jungen liebt oder junge Männer sich lieben, in Ordnung oder nicht?

Verstehen Sie, was gut ist, was böse? Wir wissen es nicht mehr.

Die Frage nach Gut und Böse in der Sexualität

Da stand eines Tages vor mir ein junges Pärchen – er und sie. Er war vielleicht neunzehn Jahre alt, sie achtzehn. Leichtsinn und Sünde standen ihnen ins Gesicht geschrieben.

Ich schaute die beiden an und sagte: „Nun, was mit euch los ist, das kann man ja von weitem erkennen.“

Daraufhin grinste sie – dieses kleine Flittchen, sagen wir im Deutschen. Kennen Sie den Ausdruck? Wie sagt man das auf Französisch? Sie verstehen, ja. Sie lächelte mich an und sagte: „Oh, Herr Pastor, da ist doch nichts dabei. Das ist doch unser Recht, das ist Privatsache, das geht niemanden etwas an.“

Verstehen Sie den Ausdruck „da ist nichts dabei“? Versteht man das hier? Das spielt doch keine Rolle. Dabei wippte sie auf den Zehenspitzen und lächelte mich holdselig an.

Diese Frage hat mich gepackt. Hören Sie gut zu: Wer hat denn eigentlich darüber zu bestimmen, ob etwas dabei ist? Wer hat zu bestimmen, was erlaubt und was nicht erlaubt ist? Wer hat zu sagen, was gut und was böse ist? Wer in aller Welt darf bestimmen, was ich darf und was ich nicht darf?

Der Pfarrer? Oh nein, der Pfarrer natürlich nicht. Die Tante, die alte Tante, die sich über die jungen Leute aufregt? Die hat auch nichts zu sagen. Haben die Romanschreiber und die Drehbuchautoren im Kino zu bestimmen, was gut und böse ist? Ich glaube nicht. Hat die öffentliche Meinung das Recht, zu bestimmen, was gut und böse ist?

Ich meine, es gibt doch nur einen, der das zu sagen hat – und dieser eine ist der lebendige Gott, der uns geschaffen hat. Leuchtet Ihnen das ein?

Hören Sie: Wenn es keinen Gott gibt, dann können Sie tun, was Sie wollen. Fragen Sie nach niemandem und tun Sie, was Sie wollen. Aber haben Sie den Mut, darauf zu sterben! Nicht die letzten fünf Minuten, in denen Sie rufen: „Herr Pfarrer, helfen Sie mir!“

Wenn es keinen Gott gibt, können Sie tun, was Sie wollen. Wenn aber Gott lebt – und er lebt wirklich – dann hat er zu sagen, was gut und böse ist. Habe ich richtig gesprochen?

Wenn Sie mich fragen: „Woher weißt du, dass Gott lebt?“, dann sage ich Ihnen: Weil er sich in Jesus offenbart hat und zu mir gekommen ist. Wenn ich behaupte, es gibt ihn nicht, und dann besucht er mich, dann muss ich zugeben: Er ist da. Gott hat uns besucht, und darum wissen wir, dass er lebt.

Ich wiederhole den Satz: Seit Jesus gekommen ist, ist Gottes Leugnung Unwissenheit oder böser Wille.

Sie können für Ihr Leben Gott absetzen, dann können Sie tun, was Sie wollen. Aber dann müssen Sie riskieren – Sie müssen riskieren, dass Sie in Ewigkeit ohne Gott sind. Das ist die Hölle. Man kann in die Hölle kommen – das heißt: ewig ohne Gott.

Oder Sie glauben, dass Gott ist. Dann müssen Sie fragen, was er bestimmt, auch auf dem Gebiet des Sexuellen. Es geht nicht, zu tun, was man will, und dann hinterher noch fromm zu sein. Ist doch klar, oder?

Ich sage Ihnen: Gott lebt. Und darum hat er zu sagen – nicht ich, nicht einer meiner Brüder hier, sondern Gott hat zu sagen, kein Romanschreiber und kein Produktionsleiter im Film –, was Sünde und was keine Sünde ist.

Gottes Willen zur Sexualität

Und nun fragen wir: Was sagt Gott auf dem Gebiet des Sexuellen? Zweiter Teil: Was sagt Gott zum Gebiet des Geschlechtlichen?

Mich fragte einmal ein junger Mann, sehr interessiert: „Hat denn Gott darüber etwas gesagt?“ Dann erwähnte er einen deutschen Dichter, den die Nazis auch getötet haben, Tucholsky. Er sagte: „Von hier ab, von der Brust ab aufwärts bin ich ein Christ, von der Brust abwärts bin ich ein Heide. Das geht Gott nichts an.“

Das sagt die Bibel nicht. Das geht nicht. Entweder lebt Gott und er lebt wirklich, dann muss ich ihm ganz gehören und fragen: Sagst du etwas darüber? Und da sagt er: Ja.

Was sagt denn Gott zum Gebiet des Geschlechtlichen? Gott sagt zu unserer Geschlechtlichkeit: Ja. Ganz am Anfang der Bibel steht, Gott schuf sie – einen Mann und eine Frau. Es ist nicht so, dass dieses ganze Gebiet tabu ist, dass man nicht darüber sprechen dürfte. Gott schuf mich als Mann. Ich bin verheiratet und hatte sechs Kinder. Zwei sind leider schrecklich umgekommen. Ich liebe meine Frau heute noch.

Ich möchte euch Frauen und Mädchen sagen: Seid mal richtige Frauen und nicht kopierte junge Männer. Wir verstehen das. Und ihr jungen Männer, bitte, seid richtige Männer und keine Hampelmänner. Versteht: Gott sagt Ja zu unserer Geschlechtlichkeit.

So schuf er mich, dass eine sexuelle Spannung in unserem Leben ist. So hat mich Gott geschaffen. Es ist töricht zu tun, als wenn das nicht da wäre und als wenn man nur schmutzig darüber reden könnte. Gott sagt Ja zu unserer Geschlechtlichkeit.

Gott schützt die Geschlechtlichkeit durch einen Zaun – durch die Ehe. Gott hat diese wundervolle Institution geschaffen. Ich könnte das aus der Bibel nachweisen, aber die Zeit ist zu kurz. Gott hat diese wundervolle Institution geschaffen, die unter anderem ein Zaun ist um unsere Geschlechtlichkeit: die Ehe.

Nun müsste ich über die Ehe sprechen. Ach du liebe Zeit, was sind die meisten Ehen für eine langweilige, alberne und traurige Angelegenheit! Ich möchte alle Ehemänner und Ehefrauen heute Abend bitten: Fangen Sie heute Abend noch einmal ganz von vorne an!

Einmal kam zu mir ein junger Mann und klagte über seine Frau. Er jammerte, was sie für eine böse Frau sei und so weiter. Er saß mit dem Rücken zum Fenster. Da sehe ich, dass sie draußen vorbeigeht. Sie schnupperte wohl, wo er ist. Dann habe ich ihm nichts gesagt, sondern sagte: „Einen Moment“ und ging raus, holte die Frau herein und brachte sie in ein anderes Zimmer.

Dann fragte ich den jungen Mann: „Haben Sie Ihre Frau nicht mehr lieb?“ Er antwortete: „Natürlich habe ich sie lieb.“

Ich sagte: „Haben Sie ihr das auch heute Morgen gesagt?“ Er meinte: „Das kann ich doch nicht jeden Morgen sagen.“

„Doch“, sagte ich, „das müssen Sie ihr jeden Tag sagen.“

Dann ging ich zur Frau und fragte sie: „Was ist mit Ihrem Mann?“ Sie antwortete: „Oh, das ist ein böser Mensch.“ Und dann schimpfte sie.

Ich sagte: „Haben Sie ihn nicht mehr lieb?“ Sie sagte: „Natürlich habe ich ihn lieb, aber wenn er so ist …“

Ich sagte: „Moment, haben Sie ihm gesagt, dass Sie ihn lieb haben?“

„Ach, das brauche ich ihm doch nicht jeden Tag zu sagen.“

„Doch“, sagte ich, „das müssen Sie ihm jeden Tag sagen.“

Dann habe ich sie zueinander geführt und die Tür von außen zugeschlossen. Die Ehe wurde danach sehr glücklich. Sie haben gelernt, dass man sich das jeden Tag sagen muss, nicht wahr?

Ihr Ehefrauen, das wollt ihr jeden Tag von eurem Mann hören, und ihr Männer wollt es auch von euren Frauen, nicht nur einmal.

Wissen Sie, die Bibel sagt, dass der Mensch am Anfang im Paradies lebte und dann von Gott unter Sündewillen vertrieben wurde. Zwei Dinge durfte er mitnehmen aus dem Paradies: den Sonntag und die Ehe. Zwei Dinge erinnern in dieser argen Welt an das Paradies: den Sonntag und die Ehe.

Und was haben wir daraus gemacht? Ja, aus dem Sonntag und aus der Ehe? Es sind so viele junge Leute, die sagen: „Es ist genug!“ Fangen Sie neu an! Sagen Sie Ihrer Frau heute Abend: „Liebe Frau, von heute Abend an wollen wir uns sagen, dass wir uns lieb haben und nicht streiten.“

Gott sagt Ja zur Sexualität. Gott schützt sie durch die Ehe.

Gottes Wunsch nach einer reinen Jugend

Gott will also eine reine Jugend. Ich weiß, dass Sie vielleicht mit den Achseln zucken und sagen: „Du altmodischer Mann, das musst du Gott sagen.“ Ich sage Ihnen nicht meine Meinung, sondern den Willen Gottes. Gott ändert seine Meinung nicht alle fünf Minuten wie wir. Gott bleibt bei seinem Willen, und dieser Wille ist, dass die Jugend rein sein soll.

Ich möchte Ihnen erklären, wie das in der Bibel gemeint ist. In der Bibel werden wir gelehrt, dass Gott unser Leben führt. Junger Mann, Gott hat ein Mädchen für dich bestimmt. Du kennst sie vielleicht noch gar nicht, aber ihr sollst du jetzt schon die Treue halten. So etwas ist der Grundgedanke der Bibel: eine reine Jugend, die auf eine ganz große Liebe hinführt, die dann Ehe sein soll.

Eine reine Jugend – damit ich nicht missverstanden werde, ich wiederhole es – ist es Sünde vor Gott. Vor ihm werden wir alle einmal stehen. Sie werden vor Gott stehen, und wenn Sie jetzt sagen: „Ich glaube das nicht“, dann kann ich Ihnen antworten: Warten wir es ab. In hundert Jahren sind wir alle tot, dann wissen wir, ob Sie Recht hatten oder die Bibel. Gott wird uns richten. Vor ihm ist Ehebruch Sünde, Scheidung ist Sünde, Geschlechtsverkehr außerhalb der Ehe ist Sünde, lesbische Liebe ist Sünde, Homosexualität ist Sünde.

Als ich das einmal sagte, stand ein junger Mann auf und sagte: „Sie sind ja nicht nur altmodisch, Sie sind verrückt.“ Da habe ich gesagt: Moment, junger Mann! Ich sprach einmal mit einem bedeutenden Psychiater, einem der modernen Seelenärzte, und der sagte: „Was Sie jetzt hier sagen, ist genau unsere Überzeugung. Ein Mädchen kann im Grunde nur einmal lieben. Ihr Herz ist wie eine Knospe, die einmal aufgeht. Und ein Mädel, das vier, fünf, sechs Jungs gehabt hat und dann den siebten heiratet – verzeihen Sie, dass ich so grob spreche, aber wie der Arzt sagte – ist für die Ehe versaut, denn sie liebt im Grunde immer den Ersten.“

Darum sind viele Ehen so verkraftbar, wenn die Jugend verdorben war. Ich habe einmal in Lübeck – dies ist eine Stadt im Norden Deutschlands – vor einer großen Schar Jugend über dieses Thema gesprochen. Danach stand eine Ärztin auf und bat darum, dass die jungen Mädchen in den großen Saal im Gemeindehaus gehen. Dort kamen 600 Mädels zusammen.

Wie die Ärztin mir erzählte, kam einer auf sie zu und fragte: „Hat der Pfarrer Recht? Sind wir verdorben für die Ehe?“ Da sagte sie: „Ja, das sage ich Ihnen als Ärztin.“ Aber dann fragte sie: „Habt ihr denn alle euer erstes Liebeserlebnis schon hinter euch?“ Einige Mädchen fingen an zu weinen. Zum ersten Mal sah die Ärztin die grenzenlose Ratlosigkeit und Not auf diesem Gebiet.

Dann sagte sie zu diesen Mädchen: „Hört zu, es ist furchtbar, wie ihr mit eurem Herzen und eurem Leib umgegangen seid. Und man sollte die jungen Männer lehren, dass man mit den Mädchen nicht so spielt. Das wird Gott richten.“ Aber sie betonte auch: „Ihr habt die Möglichkeit, noch einmal ganz von vorne anzufangen. Es gibt wirklich die Chance, ganz neu euer Leben zu beginnen.“

Dann herrschte eine atemlose Stille, als sie sagte: „Darum hat Gott die Schranken zerbrochen, die uns von ihm trennen, und seinen Sohn gesandt, Jesus. Er ist nicht nur Trost für ein paar Mütterchen, er ist es auch, aber vor allem brauchen junge Menschen Jesus, um ihr Leben neu anfangen zu können.“

Warum diese Vorträge gehalten werden

Warum halte ich solche Vorträge? Ich habe nichts davon, ich verdiene nichts daran, und mein Arzt sagt: „Lassen Sie es.“

Aber es brennt mir auf der Seele, wie eine Menschheit ohne Heiland lebt und zugrunde geht. Wie eine Jugend ohne Heiland lebt und zugrunde geht und meint, das Christentum sei nur ein bisschen dummes, altes Zeug.

Gott schickt seinen Sohn in die Welt, damit alle, die es verspielt haben, neu anfangen können. Und damit diejenigen, die es noch nicht verdorben haben, eine starke Hand haben, die ihnen hilft.

Ich darf noch einmal zurückblicken. Sehen Sie, was ich eben sagte: Was sagt Gott zum Geschlechtlichen? Er sagt ja dazu, dass wir Männer und Frauen sind. Er schützt das durch die Ehe und will eine reine Jugend. Das leuchtet auch dem Vernünftigsten ein. Da sagt jeder: „Natürlich, das wäre sogar richtig.“ Aber nun kommt das Aber. Und nun kommt mein dritter Teil, den kann ich nur mit „Aber“ überschreiben. Den möchte ich mit einer Geschichte aus der Bibel beginnen, einer fantastischen Geschichte: Dass der Sohn Gottes, der Herr Jesus, Mensch geworden ist.

Also hören Sie: Wenn ich von Jesus rede, dann zittert mein Herz. Es sagte mir einmal jemand – ich spreche wohl zu schnell auf der Freundesliste – es sagte mir einmal jemand: „Jesus war ein Religionsstifter.“ Da habe ich gesagt: „Sie meinen einen anderen als ich. An Religionsstiftern haben wir keinen Bedarf, wir haben in Deutschland so viele gehabt.“

Ich meine den, der aus einer anderen Dimension, aus der Welt Gottes, in unsere dreidimensionale Welt kam. Ich meine den Sohn Gottes. Das ist das größte Wunder, dass Gott seinen Sohn schickt. So sehr hat Gott diese dreckige Welt geliebt, dass er seinen Sohn gab, damit alle, die sich ihm anvertrauen, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.

Jesu Umgang mit Sünde und Vergebung

Sie wollen doch leben, Leben haben. Dieser Jesus steht einmal und predigt. Plötzlich gibt es ein Geschrei, und ein Volkshaufen aus Priestern, vornehmen Leuten, Ratsherren und Pöbel schleppen eine junge Frau heran. Sie ziehen sie grob, ihre Bluse ist zerrissen, und sie führen sie vor Jesus.

Dann sagt einer: „Herr Jesus, diese junge Frau haben wir beim Ehebruch ertappt. Im Gesetz Gottes steht, dass Ehebrecher mit Steinen totgeworfen werden. Du bist immer so barmherzig – sag uns, ob sie den Tod verdient hat.“

Jesus schaut die Frau an und sagt: „Ja, die Hurer und Ehebrecher werden das Reich Gottes nicht ererben. Steinigt sie!“ Doch dann fügt er hinzu: „Halt! Sie hat den Tod vor dir! Aber es soll der den ersten Stein werfen, der ohne Sünde ist – im Gebet, in Gedanken, Worten oder Werken.“

Jesus beugt sich nieder, sieht niemanden an und schreibt etwas in den Sand. Als er sich wieder aufrichtet, steht nur noch die junge Frau da. Die Bibel sagt, sie gingen hinaus, weil sie von ihrem Gewissen überführt waren. Keiner konnte den Stein werfen.

Stellen Sie sich vor, die junge Frau stünde jetzt hier, und Jesus sagte: „Wer unter euch ohne Sünde ist – in Gedanken, Worten oder Werken – der darf den ersten Stein auf sie werfen.“ Es sollte aufstehen, wer den ersten Stein werfen könnte. Aber niemand tat es, auch ich nicht.

Dann sind wir ja hier eine richtige Sünderversammlung. Dann sind wir hier eine verdammte Sünderversammlung – verdammt im ernsten Sinn des Wortes.

Aber sehen Sie, diese Leute haben einen Fehler gemacht: Sie sind weggelaufen und haben ihre dunkle Sünde und Schuld mitgenommen. Umgekehrt hätten sie es machen sollen: zu Jesus hingehen und sagen: „Herr Jesus, wir alle stehen hier mit unserer schmutzigen Sünde in der Hand. Du bist der Einzige, der Sünden tilgen, ausstreichen und vergeben kann.“

Hier sitzen lauter Leute, die ihre Schuld haben – auch in diesem Gebiet. Gehen Sie nicht von Jesus weg! Gehen Sie zu Jesus hin!

Jesu Opfer und Erlösung

Ah, ich muss jetzt von Jesus reden! Gehen Sie mit mir hinaus vor die Tore Jerusalems, auf diesen Hügel Golgatha. Dort ragt hoch in den Himmel ein Kreuz, und an diesem Kreuz ist der Sohn Gottes angenagelt. Die Dornenkrone zerreißt sein Haupt, und sein Gesicht ist von Blut überströmt.

Schauen Sie Jesus am Kreuz an! Dort stirbt er für Sie. Es gibt niemanden hier im Saal, für den Jesus nicht gestorben ist. Die Bibel verwendet viele Bilder dafür. Einmal braucht sie das Gleichnis, dass Jesus ein Lösegeld bezahlt – so wie man einen Sklaven loskauft, ein Lösegeld, um uns zu erkaufen.

Jesus hat uns erkauft, damit wir nicht mehr der Einsamkeit, den Trieben und der Sünde gehören sollen. Dann hat man Jesus in ein Grab gelegt, doch am dritten Tag sprengt er das Grab, steht von den Toten glorreich auf und ist jetzt hier im Saal. Er lebt, und sehen Sie, er hat Sie erkauft.

Nun geht es darum, ob Sie ihm sagen wollen: Herr Jesus, dann brauche ich das alte, schmutzige Leben gar nicht weiterzuführen. Dann darf ich mit dir gehen. Ein gewaltiger Schritt! Niemand soll hinten sagen, ich bin zu jung dafür, und niemand vorne sagen, ich bin zu alt dafür. Tun Sie den Schritt! Stellen Sie sich vor, Sie wissen doch, was Sklaven sind. Früher wurden Menschen verkauft, Sklaven. Da stand ein junger Mann auf dem Sklavenmarkt. Er schämte sich, und dann kommt ein freundlicher Herr und sagt: „Ich kaufe ihn los.“

„Was kostet er?“ „Eine hohe Summe.“ Und die zahlt er hin. Dann sagt man: „Das Sklave nennt man los. Geh mit diesem Mann.“ „Wie, mit dem freundlichen Herrn?“ „Ja, die Ketten werden ihm abgenommen.“ Jesus hat für Sie einen Kaufpreis bezahlt, nicht mit Gold oder Silber. Er hat sein Blut für Sie alle hingegeben!

Und nun bleiben Sie in Ihrem alten Dreck, Schmutz, Sünde und Unglauben? Wie dumm, wie dumm, wie dumm! Nachdem Jesus Sie erkauft hat, dürfen Sie es fassen und mit ihm gehen. Geben Sie ihm heute Abend Ihr Leben!

Wissen Sie, Jesus starb nicht nur für uns, sondern wir dürfen mit ihm sterben! Es ist so schwer, das in kurzer Zeit zu erklären. Lassen Sie mich noch so sagen: Jesus vergibt meine Vergangenheit. Ich darf ihm sagen: Herr Jesus, ich war ein ganz schmutziger Mensch. Das sind die und die schmutzigen Geschichten. Ich lege sie unter dein Kreuz, ich lege sie dir hin. Und dann darf ich aufschauen zu seinem Kreuz und wissen, er macht auch meinen Schaden gut. Denn Jesus starb für mich.

Das ist eine große Erleichterung. Die Vergangenheit ist abgetan. Das ist wundervoll. Und Jesus macht frei.

Beispiel aus dem Leben: Befreiung durch Jesus

Ich muss Ihnen ein Beispiel erzählen. Ich hatte einen Freund, der heute in der Ewigkeit lebt. Er wohnte in Berlin und war ein Jesusjünger. Er kümmerte sich auch um einen Mann, der ein Knecht der Sünde war. Dieser Mann hatte seine Probleme nicht mit den Mädchen, sondern mit dem Alkohol. Der Teufel hat viele Ketten, nicht wahr?

Eines Tages hörte mein Freund, dass dieser Mann wieder drei Tage lang getrunken hatte. Er ging zu seiner Wohnung und fand ihn in der Küche am Tisch sitzen, Kaffee trinkend. Sein kleiner fünfjähriger Sohn war ebenfalls dabei. Mein Freund blieb an der Tür stehen und sagte: „Nun ist wieder einmal alles schiefgelaufen.“

Da sprang der Mann auf, ging in die Kammer nebenan und holte ein Wäscheseil – Sie wissen schon, so ein Seil, an dem man Wäsche aufhängt. Er fing an, seinen kleinen Jungen auf dem Stuhl festzubinden und verschnürte ihn. Dann schrie er den Jungen an: „Steh auf!“ Der Junge weinte und sagte: „Ich kann nicht.“

Darauf antwortete der Trinker: „Sehen Sie, so geht es mir. Ich möchte aus meinem Schmutz heraus, aber ich kann nicht.“ Mein Freund lachte und sagte: „Ach, dummes Zeug.“ Er zog ein Taschenmesser heraus, schnitt das schöne Wäscheseil durch und sagte zum Jungen: „Steh mal auf!“ Und da stand der Junge auf.

Der Mann sagte: „Ja, wenn die Stricke zerschnitten werden…“ Mein Freund fragte: „Was meinst du denn, warum der Sohn Gottes in die Welt gekommen ist, warum er am Kreuz gestorben und auferstanden ist? Das ist doch kein Kinderspiel! Er ist gekommen, um deine Stricke der Sünde und des Todes zu zerschneiden! Steh auf, du darfst ein neues Leben gehen. Glaube es!“

Der Mann staunte. Mein Freund redete nicht von Moral. Er wusste genau, wie böse unser Herz ist, und er war da auch nicht vom Papier. Aber er sprach davon, dass ein Erlöser gekommen ist, der Sohn Gottes, der das Gebet erhört: „Schaffe mir, Gott, ein reines Herz.“

Das Recht auf Liebe und die verschiedenen Arten der Liebe

Nun möchte ich noch einen kleinen Schlussteil anhängen. Können Sie mir noch fünf Minuten zuhören, ohne einzuschlafen?

Sehen Sie, wir haben ein Recht auf Liebe. Das Wort Liebe kommt im Neuen Testament sehr häufig vor. Und nun ist das Neue Testament in Griechisch geschrieben. Es ist schrecklich, denn heute Abend muss ich mit Ihnen noch Sprachstudien betreiben. Sie denken vielleicht: Hätte er lieber Französisch gelernt!

Im Griechischen gibt es zwei Worte für Liebe. Das eine heißt Eros, Erotik. Das ist die Liebe zwischen den Geschlechtern, mit all ihren Facetten. Es umfasst nicht nur die Sexualität, sondern das ganze Gebiet – das ist Eros.

Dann gibt es noch ein Wort für Liebe, das heißt Agape. Wenn von der Liebe Gottes die Rede ist, zum Beispiel: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn gab“, dann steht dort Agape. Die Liebe, die Agape, kommt aus dem Herzen Gottes in unser armes, einsames Leben. Und wir dürfen sie weitergeben wie einen Brunnen, der niemals versiegt.

Es gibt von dem Schweizer Dichter Konrad Ferdinand Meyer ein schönes Gedicht, „Der römische Brunnen“. Darin beschreibt er einen Brunnen mit Schalen, in die das Wasser in die oberste Schale kommt und dann immer weiterfällt und fällt. So kommt die Liebe Gottes durch Jesus in unser Herz und darf weiterfließen zu anderen.

Wenn wir vom Recht auf Liebe sprechen, möchte ich Ihnen sagen: Für die Agape haben wir seit Jesus’ Kommen schrankenloses Recht. Fragen Sie mich heute einmal nach meiner politischen Überzeugung – ich habe gesagt: Die erste ist, dass ich nicht mehr mitmache beim Hass. Nicht mehr mitmachen beim Hass! Lassen Sie es nicht zu, dass Hass in Ihr Herz eindringt!

Seit Jesus dürfen wir lieben. Was ist das schrecklich, wenn ich diese Nachrichten aus den USA höre, wo sich Menschen wegen Hautfarbe töten. Da blutet meinem Heiland das Herz. Sie dürfen lieben, auch in Häusern, in denen Streit herrscht.

Als junger Pfarrer hatte ich 150 Konfirmanden und besuchte ihre Eltern. Sie wohnten alle in großen Häusern, und überall herrschte Streit. Einmal fragte ich die Kinder: „Wo gibt es denn keinen Streit?“ Vier oder fünf standen auf und sagten: „Bei uns nicht, wir wohnen allein im Haus.“ Da fragte ich: „Warum ist bei euch kein Streit?“ Und sie antworteten: „Weil wir alleine wohnen.“

Da dürfen Sie lieben, auch wenn man mir sagt: „Herr Pastor, aber wenn Sie wüssten, was für eine böse Frau das ist!“ Nun, Sie dürfen sie lieben. Sie dürfen jeden Hass niederlieben!

Ich habe eben gesagt: Gott sagt Ja zu unserer Sexualität. Er schützt sie durch einen Zaun – die Ehe. In unserer abendländischen Welt gibt es viele Mädchen, die nicht heiraten können. Das ist eine schreckliche Folge der furchtbaren Kriege, die ich verabscheue. So viele Mädchen haben keine Männer, die sie heiraten könnten, weil diese auf den Schlachtfeldern liegen.

Für ein Mädchen ist das nicht einfach. Sie möchte ihre ganze Liebe einem Mann geben, aber es hat sie keiner gewollt oder es war kein passender Mann da. Und ich muss diesem Mädchen auch ein Wort sagen: Bitte brecht nicht in fremde Ehen ein. Es gilt für euch Gottes Gesetz, dass Gott die Sexualität durch die Ehe schützt.

Ich möchte Ihnen gerade sagen: „Machen Sie Ihr Leben reich durch Agape.“ Ich mag die Geschichte in der Bibel von einem älteren Fräulein, das starb – Tabea hieß sie. Man holte den Petrus zur Beerdigung. Damals konnten sie sich noch leisten, einen Apostel zur Beerdigung zu holen, heute höchstens einen Pfarrer. Aber sie holten den Apostel.

Petrus kam in die Trauerstube, die voll mit Menschen war. Da war ein blinder Mann, der sagte: „Ich war so alleine, aber sonntags von drei bis vier kam Tabea und hat mir vorgelesen. Das waren die Sternstunden meines Lebens.“ Ein paar Kinder weinten und sagten: „Unsere Eltern kümmerten sich nicht um uns, aber Tabea hat sich um uns gekümmert.“ Eine alte Witwe sagte: „Den Pullover hat mir Tabea gestrickt.“

Auf einmal waren viele Menschen da. Tabea hatte eine größere Familie als manche verbitterte Frau, die Mann und Kinder mit ihrer Verbitterung vergrämt. Verstehen Sie? Agape wurde weitergegeben, und das ist unser eigentliches Recht auf Liebe: Dass wir, wo die Welt hasst und eiskalt ist, seit Jesus lieben dürfen – sogar unsere Feinde.

Sogar unsere Feinde, nicht nur die Nachbarn, die Freunde. Finden Sie nicht auch, dass Jesus eine große Chance für uns ist? Ein Mann sagte mir einmal nach einem solchen Vortrag: „Pastor Wusch, reden Sie doch von praktischen Sachen und nicht immer von Jesus.“ Da habe ich laut gelacht und gesagt: „Mann, es gibt nichts Praktischeres als Jesus.“

Er ist da, sein Tod war Wirklichkeit. Ohne ihn zu leben heißt, wie eine Fledermaus im Dunkeln zu leben. Als er in mein Leben kam, wurde alles verändert und neu. Keine Sekunde mehr möchte ich ohne ihn leben.

Wir wollen jetzt beten. Wir bleiben sitzen.

Herr Jesus, Du kennst unsere dunklen Geheimnisse. Gib, dass wir unser Leben Dir geben. Du hast uns erkauft. Nun lass uns mit Dir in die Freiheit gehen und Menschen werden, die in der Welt des Hasses leben können!