
Ein Engel hat einem Mann gesagt, dass er drei Wünsche frei hat, was Engel normalerweise nicht tun. Der Mann beginnt natürlich darüber nachzudenken, was er sich wünschen könnte.
Der Engel sagt: „Moment, egal was du dir wünschst, dein Nachbar wird das Doppelte davon bekommen.“
Der Mann überlegt und wünscht sich als Erstes einen Ferrari. Schwupps, da ist der Ferrari. Aber der Nachbar hat zwei davon.
Beim zweiten Wunsch entscheidet er sich für eine Villa am See. Auch das wird erfüllt. Doch der Nachbar besitzt jetzt zwei neue Häuser.
Nun kommen missgünstige Gedanken auf. Was soll er als dritten Wunsch wählen? Er denkt noch einmal nach und sagt schließlich: „Ich wünsche mir neununddreißig Grad Fieber.“
Missgünstige Gedanken sind manchmal sehr ungünstig für das Gegenüber. Habsucht bedeutet, immer nur wollen, wollen, wollen zu wollen. Habsucht und Hass sind ein Geschwisterpaar; sie hängen ganz eng miteinander zusammen.
Wir kommen also zu diesem zehnten, abschließenden Gebot, das wir in 2. Mose 20 lesen: „Du sollst nicht das Haus deines Nächsten begehren. Du sollst nicht begehren die Frau deines Nächsten, noch seinen Knecht, noch seine Magd, weder sein Rind noch seinen Esel.“
Wenn wir noch hinzufügen, ja, die neue Möbeleinrichtung, gepackte Koffer und irgendetwas anderes, das deinem Nächsten gehört, wird deutlich, wie umfassend dieses Gebot ist.
Bei den Zehn Geboten, wenn wir insgesamt einen Schritt zurückgehen und die Tage, die wir gerade erlebt haben, reflektieren, müssen wir uns vorstellen, dass Gott sozusagen mit uns durch unser Lebenshaus geht. Er nimmt dich an die Hand und führt dich durch jedes Zimmer.
Am längsten verweilt er in der Kammer, in der er selbst anzutreffen ist. Wir haben ja mit der grundlegenden Aussage begonnen: „Ich bin der Herr, dein Gott.“ Zu Beginn der Zehn Gebote stellt sich der Gesetzgeber, Gott selbst, vor und sagt: „Ich habe dich aus Ägypten herausgeführt. Ich bin der Herr, dein Gott.“
Wenn du letzten Freitagabend, also vor zehn Tagen, dabei warst, haben wir gesagt: „Ich bin der Herr, dein Gott“, so spricht Gott. Und wir sollten darauf antworten: „Du bist der Herr, mein Gott!“
In dem stillen Kämmerlein, wie Jesus es nennt, begegnen wir diesem Gott. Dort dürfen wir genau so beten: „Du bist der Herr, mein Gott!“ Das ist ganz grundlegend und nicht ohne Grund dem Ganzen vorangestellt.
Gott möchte in diesem Kämmerlein, diesem stillen Kämmerlein, unser Lob empfangen. Das kann ich jedem nur empfehlen: tatsächlich, wie Jesus sagt, wenn wir beten, die Tür hinter uns zumachen und zu dem Vater beten, der im Verborgenen ist.
Und der Vater, der im Verborgenen ist, wird euch erhören, so hat es Jesus verheißen.
Und dann kam es mir an den Abenden so vor, als ob Jesus selbst durch diese Zimmer geht, überall die Fenster öffnet und frische Luft sowie Sonne hereinlässt. Ging es euch auch so, dass er diese einzelnen Zimmer aufräumt, damit wir uns wohlfühlen?
Im Schlafzimmer erklärt er das Gebot vom Ehebrechen. Dort haben wir uns ausführlich darüber unterhalten, und es gab noch einmal Rückfragen, auf die ich am nächsten Abend eingehen konnte.
Das Ehren der Eltern bewegt jeden von uns, das haben wir sicherlich auch gemerkt. Dieses Thema verhandelt er mit uns im Kinderzimmer.
Vom Sabbat erfahren wir im Arbeitszimmer. Dort hält er dir vielleicht auch gleich das geklaute Büromaterial unter die Nase, das du in der Firma mitgehen lassen hast. Dann spricht er vom Stehlen.
An das falsche Zeugnis erinnert er uns im Lesezimmer, wo irgendein Klatschmagazin über diverse Menschen herzieht.
Beim Thema Töten haben wir im Wohnzimmer vor dem Fernseher gesessen. Du kannst jeden Abend irgendwo so einen Krimi oder eine Serie verfolgen, in der es um Mord und Totschlag geht.
Bei den falschen Göttern stehen wir in der Garage vor dem neuen BMW X3.
So hat Gott mit uns quasi das ganze Haus durchstöbert.
Und jetzt, jetzt geht er mit uns einen Stock tiefer. Du sollst nicht begehren – zum Schluss geht es also in den Keller unserer Seele, ins Unterbewusstsein. Dort geht es um unseren Trieb: den Selbsterhaltungstrieb, den Fortpflanzungstrieb, vielleicht auch den Herdentrieb, also das Gefühl, sich von der Masse mitreißen zu lassen.
Das zehnte Gebot hinterfragt unser Herz. Das ist unser innerer Antrieb, sozusagen unser Motor. Es ist gut, dass wir diesen Motor haben, denn er bringt unser Leben auf Touren. Wir haben Lust – Lust auf ein saftiges Steak oder auf Männer. Wir haben Lust zu leben.
Jeder von uns möchte zumindest Momente der Lebensfreude genießen: Lust am Autofahren, Lust am Wohnen – so heißt ja auch ein Magazin. Lust an sich ist nichts Schlimmes. Wenn wir in die Bibel schauen, steht im Psalm 1: „Glückselig ist der Mann, der seine Lust hat am Gesetz des Herrn.“
Lust an sich gehört dazu, sie treibt uns ein Stück weit an und ist zunächst einmal neutral beziehungsweise okay. Denken wir an das wunderbare Lied von Joachim Neander: „Lobe den Herrn, den mächtigen König der Ehren, meine geliebte Seele, das ist mein Begehren.“ So weit geht er sogar – Begehren. Begehren hat für uns vielleicht einen etwas negativen Klang, aber hier heißt es: „Lobe den Herrn, das ist mein Begehren.“
Jetzt ertönt dieser Motor nicht nur als Lobgesang, sondern klingt zuweilen auch unzufrieden. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn ich etwas nicht habe. Dann fühle ich mich irgendwie benachteiligt, schaue aus dem Fenster und beneide entsprechend die anderen.
Es sind Dinge, die ich noch nicht habe, oder Dinge, die ich nicht mehr habe. Dieses unzufriedene Verlangen ist die Begierde. Sie lässt uns das Gras des Nachbarn grüner erscheinen, als es tatsächlich ist.
Es ist übrigens tatsächlich so: Wenn man einen Rasen schräg von oben betrachtet, wirkt er grüner, als wenn man direkt darauf steht. Von dort aus sieht der Rasen nicht mehr so grün aus. Der Rasen des Nachbarn wird immer grüner erscheinen.
Das haben wir ja vorhin im Anspiel sehr gut nachvollzogen. Es sieht immer besser aus, wenn man den anderen aus der Distanz betrachtet. Wenn man sich aber wirklich in seine Rolle oder seine Situation hineinversetzt und sich die Mühe macht, zu überlegen, warum sie das tun, was sie tun – denn der andere ist ja eigentlich gar nicht mein Nächster – dann sieht die Sache oft ganz anders aus.
Aber so sind wir: Wir vergleichen uns, verrenken uns die Hälse, weil wir selbst nicht zufrieden sind.
„Tja, Neid muss man sich verdienen“, sagen manche. Was für ein Unsinn! Neid muss man sich abgewöhnen, sonst zerfrisst er den Kolben.
Einen Motor sollte man in bestimmten Situationen zurückschalten. Auch die Bremse macht Sinn.
Ich habe 16 Jahre in Dillenburg-Manderbach gewohnt. Manderbach liegt auf einem Berg, und egal, in welche Richtung man fährt – ob nach Sechshelden, nach Dillenburg oder nach von Hausen – es geht immer bergab.
Wenn ich nicht rechtzeitig auf die Bremse trete, trägt es mich aus der Kurve. Das ist schon sehr gefährlich. Deshalb bremse ich sogar für Sechshelden. Andere sagen lieber: „Lieber das Leben riskieren, als den Schwung zu verlieren.“ Aber hier sollten wir ein bisschen vorsichtig sein.
Gott meint mit diesem Gebot ja gar nicht, dass du nicht mehr fahren sollst. Gott sagt: Fahre sachte, benutze die Bremse, damit du die Kurve kriegst. So hast du eine gute Lebensfahrt und kommst vor allem am Ziel an.
Es geht darum, dass du am Ende dort ankommst, wo Gott dich erwartet – in seiner Gegenwart. Darum geht es doch bei unserer Lebensfahrt.
Du sollst nicht begehren. Begehren ist etwas anderes als wünschen. Wir alle haben Wünsche, und diese dürfen wir auch haben. Es geht hier also nicht um Askese, bei der wir auf alles verzichten und unseren Lebensstandard so weit wie möglich herunterfahren.
Begehren bedeutet vielmehr, dass nicht ich einen Wunsch habe, sondern dass der Wunsch mich besitzt. Ich bin gedanklich ständig damit beschäftigt, was ich noch alles bekommen kann, damit es mir gut geht.
Es ist ein Unterschied, ob ich eine Frau schön finde oder ob ich diese Frau für mich haben will. Ebenso ist es ein Unterschied, ob ich nüchtern anerkenne, dass mein Freund die bessere Wohnung oder das bessere Leben hat, oder ob ich ihm das nicht gönne. Zum Beispiel, wenn ich sehe, wie sie schön frühstücken und es gut haben, und ich ihnen das nicht gönne.
Es ist auch ein Unterschied, ob ich mir ein teures Buch kaufe oder ob ich darüber nachdenke, wie ich es am besten stehlen kann. Das ist der entscheidende Unterschied.
Begehren ist zumindest die Vorstufe einer Sünde. Klar, für Diebstahl kannst du zur Rechenschaft gezogen werden, aber nicht für Begierde. Dafür kann dich niemand anklagen.
Was die Lust für den Ehebruch ist und die Wut für den Mord, das ist die Begierde für den Diebstahl. Auf der einen Seite stehen Ehebruch, Mord und Diebstahl – dagegen kann die Justiz vorgehen. Lust, Wut und Begierde hingegen, wie sie hier genannt werden, passen nicht ins Strafrecht. Kein Richter kann Begehren verurteilen.
Hier merken wir, dass Begehren die Vorstufe ist. Gott warnt uns deshalb abschließend noch einmal grundsätzlich: Pass auf, dass es gar nicht erst so weit kommt, dass du zum Ehebrecher, Mörder oder Dieb wirst.
Das zehnte Gebot betrifft also die Gedanken und die Gefühle. Das Böse beginnt im Inneren, in unseren Herzen. Deshalb kann das Böse nicht durch die Verhinderung äußerer Taten besiegt werden.
Das ist auch nicht die Botschaft dieser Tage gewesen. Ich habe nicht gesagt: „Bitte bring keinen um, reiß dich zusammen und geh ab Montag nicht wieder los, um im Supermarkt die Sachen unbehelligt über die Kasse zu bekommen.“
Es geht nicht darum, Straftaten zu vermeiden. Vielmehr ging es in diesen Tagen um die Veränderung unserer Herzen. Wie oft haben wir darüber gesprochen, dass Gott unser Herz verändern will? Dass er uns sozusagen ein neues Herz geben möchte – ein Herz, das von Jesus bewohnt ist, in das das Licht Gottes eingezogen ist, das die Dunkelheit vertreibt.
So werden wir zu neuen Menschen, zu Gottes Kindern. So viele, die Jesus, das Licht, aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu sein. Das ist eine neue Identität, eine Veränderung meines Innersten. Darum geht es.
Darauf zielt das zehnte Gebot noch einmal ab.
Wenn wir der Gier freien Lauf lassen, bleibt sie logischerweise nicht im Inneren. Selbst wenn es nur ein Gedanke ist – vielleicht habe ich ja gar nichts getan – muss man ihn nur pflegen und immer wieder nähren. Dann wird er größer werden und nicht mehr im Inneren bleiben, weil irgendwann nicht mehr genug Platz ist.
Wenn die Gier dann herauskommt, führt sie zu Lügen, Diebstahl, vielleicht zu Ehebruch oder sogar zu Mord. Schauen wir uns nur König David an. Er war mit mehr Frauen verheiratet, als sich Silvio Berlusconi je hätte träumen lassen. Und doch sieht er im Nachbarhaus eine noch hübschere Frau baden. Auch wieder so eine Szene, oder?
David ging auf dem Dach seines Hauses, während seine Leute alle im Krieg waren. Er gönnte sich ein paar Tage Urlaub, kannte den Spruch „Müßiggang ist aller Laster Anfang“ wohl noch nicht. Dann schaut er zu den Nachbarn rüber und sieht eine nackte Frau, die gerade badet. Da wird die Begierde in ihm geweckt.
David lässt die Frau holen, schläft mit ihr, und ihren Mann lässt er anschließend auf dem Schlachtfeld töten. Es ist tatsächlich bis zum Äußersten gekommen: Ehebruch und Mord. Eine Geschichte, gegen die Familien im Brennpunkt auf RTL ein Witz sind. Was mit der Gier nach der Frau des Nächsten begann, führt eben zu großer Sünde.
Gier ist also kein Strafbestand, aber sie führt zu Straftaten. In den Gefängnissen sitzen ausschließlich Männer und Frauen wegen unbeherrschter Gier – sei es Habgier, Machtgier oder sexuelle Gier. Darum redet uns das zehnte Gebot ins Gewissen: Pass auf, lass es nicht so weit kommen!
Das ist sozusagen wie ein Warndreieck. Wie viele Meter muss man es vom Unfall- oder Pannenort entfernt aufstellen? Sind es 50 oder 100 Meter? Was ist richtig? Ich möchte nichts Falsches sagen.
Wo genau muss man das Warndreieck hinstellen? Helft mir! Sagen wir, es sind 100 Meter. Wir legen das jetzt mal so fest: 100 Meter, okay?
Dieses Gebot ist also sozusagen wie ein Warndreieck, das uns warnen möchte, bevor es gefährlich wird. Wer hier nicht bremst, gefährdet sich selbst und auch andere.
Im Einzelnen heißt es: Du sollst nicht das Haus deines Nächsten begehren. Viele Menschen wollen einfach das haben, was ihre Nachbarn, Kollegen oder Freunde besitzen – sei es die neue Küche, der besondere Urlaub oder, wie wir gesehen haben, ein eigenes Haus. Das gilt auch dann, wenn sie sich das eigentlich gar nicht leisten können, weil das Einkommen dafür nicht ausreicht.
Was ist also zu tun? Man muss mehr Geld verdienen, also mehr arbeiten, Überstunden machen oder vielleicht sogar einen weiteren Job annehmen, um sich das Gewünschte leisten zu können. Das ist zwar legal, aber ist es auch gut?
Ich habe den Eindruck, dass die meisten Menschen mehr arbeiten, als verantwortbar ist. Natürlich gibt es Jobs, bei denen das nicht anders geht, aber viele gefährden dadurch ihre Gesundheit. Aufgrund dieses Dauerstresses belasten sie ihre Familie, finden keine Zeit mehr für ihre Kinder und erst recht nicht mehr für Gott – für das Allerwichtigste. Gerade in diesen Tagen haben wir gesagt, dass wir Zeiten brauchen, in denen wir vor Gott kommen, uns von ihm ausrichten lassen für unseren Alltag, sein Wort verstehen und im Alltag umsetzen. Dafür haben die meisten keine Zeit mehr.
Und das alles nur, um mehr Geld zu haben. Wie gesagt, manche können da irgendwie nicht raus, aber ich möchte allgemein sagen: Würde bei vielen Familien die Lebensqualität nicht steigen, wenn sie statt zu begehren auf manche materiellen Dinge verzichteten und dafür mehr Zeit füreinander und mehr Zeit für Gott hätten?
Mahatma Gandhi hat das treffend formuliert, als er sagte: Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier. Bedürfnisse haben wir alle. Meine Erfahrung ist, dass Gott uns auch nicht hängen lässt, wenn wir ihm vertrauen. Er hört das Gebet, das wir so oft im Mund führen: "Unser tägliches Brot gib uns heute."
Hast du schon einmal wirklich gehungert oder gefroren, weil du dir die passenden Winterkleidung nicht leisten konntest? Unser tägliches Brot gib uns heute.
Eines der ersten Gebote erhielten unsere biblischen Vorfahren im selben Buch, im 2. Mose, Kapitel 16, noch vor den großen Zehn Geboten. Sie saßen in der Wüste, irgendwo zwischen dem Reich des Pharao und dem verheißenden Land. Dieses Gebot lautete: "So viel sammeln, wie jeder für seine Familie braucht" (2. Mose 16,16).
Nach der Flucht aus Ägypten ließ Gott Manna regnen. Sie hatten ihr tägliches Brot um sich herum, das sie einsammeln sollten. Es war ihnen vom Himmel gegeben, und Gott sagte ihnen, dass es genug davon gibt.
Trotzdem begannen sie plötzlich zu horten. Wenn sie mehr sammelten, als sie für den täglichen Gebrauch benötigten, fing das Manna an zu stinken. Dann kamen Würmer und fraßen daran herum. Das Ganze begann sich zu bewegen und wurde ein wenig eklig.
Ich glaube, wir bräuchten heute mehr von diesen Würmern, damit das, was wir ständig sammeln, nicht mehr brauchbar ist. So würden wir merken, dass es reicht, das zu haben, was wir brauchen, und nicht viel mehr.
Das Nächste ist hier: Du sollst nicht begehren die Frau deines Nächsten.
Wenn Blicke schwängern könnten, hätten wir wahrscheinlich eine höhere Geburtenrate in Deutschland. Wenn eine attraktive Frau an einer Baustelle bei uns in Dillenburg vorbeikommt, wo wir in der Herfichtstadt wohnen, werden gerade überall die Straßen aufgerissen, weil dort Glasfaserkabel verlegt werden.
Wenn also so eine Frau vorbeigeht, erinnern mich die Arbeiter manchmal an Hunde, denen ein Leckerli vorgehalten wird. Es zeigt sich eine fast schon animalische Gier, die sie ein bisschen nervös macht.
Es ist leicht, dem Lockruf der Hormone zu folgen. Aber einer der Unterschiede zwischen Mensch und Tier ist, dass der Mensch intelligent genug ist, ein wenig vorauszudenken und aus der Vergangenheit zu lernen. Er ist normalerweise in der Lage, die Konsequenzen seines Handelns zu erfassen.
Ja, Gott hat uns mit Intelligenz ausgestattet. Habt ihr das in letzter Zeit schon mal gesagt? Zur Keuschheit oder hier zur Zurückhaltung auf diesem Gebiet: Enthaltsamkeit, wie die Bibel sagt, ist noch niemandem zum Verhängnis geworden.
Es ist kein Bedürfnis wie Nahrung oder Schlaf, sondern wir reden hier von Trieben. Wir haben neben dem Motor auch die Bremse gleich mitgeliefert bekommen. Gottes Idee vom Menschen schließt die Benutzung dieser praktischen Einrichtung mit ein.
Wir haben diese Bremse. Also geh auch auf die Bremse, wenn du siehst, dass du in Gefahr gerätst.
Die Kummerkasten-Tante Ann Landers, eine US-amerikanische Ratgeberkolumnistin, ist schon seit über zwanzig Jahren tot. Dennoch erhielt sie einst einen Brief.
In diesem Brief stand: „Liebe Anne, ich habe über mehrere Monate mit drei verschiedenen Frauen geschlafen. Bis vor ein paar Tagen wusste keine von ihnen von den anderen, und alles lief prima. Dann aber haben sich zwei von ihnen zufällig kennengelernt und sind mir auf die Schliche gekommen. Jetzt sind sie sauer auf mich. Was soll ich bloß machen? P. S. Bitte halten Sie mir jetzt keine Moralpredigt, ein Mann in der Falle.“
Ann Landers antwortete: „Lieber Mann in der Falle, so ziemlich das Einzige, was den Menschen vom Tier unterscheidet, ist das göttlich gegebene Gewissen. Da Sie offensichtlich so etwas wie ein Gewissen nicht besitzen, sollten Sie sich mit Ihrem Problem am besten an einen Tierarzt wenden.“
Das war’s, mir hat sie nicht geschrieben. Lass nicht zu, dass dich deine Hormone ruinieren. Geh auf die Bremse und nicht kopflos auf die Pirsch.
Dann geht es weiter: noch seinen Knecht, noch seine Magd, wieder sein Rind, noch seinen Esel, noch irgendetwas, das deinem Nächsten gehört. Knecht oder Magd, das sind ja Angestellte.
Das geschieht, wenn Firma Raffke und Gierschlund anderen Betrieben die besten Mitarbeiter abwerben. Da wird also geschoben: „Der kann es besser, und der sollte bei uns arbeiten“ und so weiter. Menschen vergleichen sich unentwegt.
Millionäre, die von Milliardären umgeben sind, fühlen sich arm. Verrückt, oder? Ja, Raffke kann uns tatsächlich verrückt machen.
Was viele Raffkes gar nicht bemerken, ist: Wer viel hat, der hat auch viel Stress. Es gibt ja diese Würmer, es gibt Rost und es gibt Motten, die das zerstören, was wir haben.
Je mehr man besitzt – das ist wahrscheinlich auch eine Erfahrung, die manche gemacht haben – desto mehr Stress hat man auch. Hast du ein Auto, musst du jetzt um die Jahreszeit vier Reifen wechseln. Hast du schon ein zweites Auto, musst du acht Reifen wechseln. Du musst also zweimal darauf achten, rechtzeitig zum TÜV zu kommen, und doppelt Steuern und Versicherungen zahlen usw.
Das ist schon mal verdoppelt. Je mehr man hat, desto mehr Stress hat man, desto mehr Arbeit hat man. Man will mit seinem Besitz Sorgen vorbeugen, schafft sich aber in Wirklichkeit nur neue.
Noch einmal will Gott uns schützen, damit wir uns nicht verrennen und nicht ständig Sorgen um unseren Lebensstandard haben. Ein schönes Sprichwort sagt: Der Neider sieht nur das Beet, den Spaten sieht er nicht.
Gott meint damit, du sollst nicht begehren. „Lass dich nicht von deinen Wünschen beherrschen, sondern herrsche du über sie.“ Das hat auch Kain einmal gesagt. Ja, die Sünde klopft an deine Tür, aber du sollst über sie herrschen.
Wir sind in der Lage dazu, so wie die Menschen damals nach der Schöpfung über die Tiere herrschen sollten. Es gibt ja nicht die Herrschaft der Tiere, wie George Orwell das in einem Roman beschrieben hat. Diese Herrschaft existiert in Wirklichkeit nicht.
Deshalb musst du dich auch nicht von der Sünde oder von Begierden beherrschen lassen, sondern wir sollen darüber herrschen und „Nein“ sagen, wo es möglich ist. Natürlich können wir unsere Gefühle nicht einfach wie ein Hemd ablegen, aber wir können sie beeinflussen.
Eines der wirksamen Mittel gegen das Begehren ist etwas, das uns Eckart vorhin schon gesagt hat: Dankbarkeit. Du hast gesagt, das blitzt hier und da schon mal durch.
Wenn wir dankbar sind für das, was wir haben, dann schränkt das unser Begehren schon einmal sehr, sehr stark ein.
Wenn du grün vor Neid bist auf die grünere Wiese des Nachbarn, dann richte deinen Blick doch einmal auf deine eigene Wiese und sei dankbar für das, was du hast. Wenn du dann noch anfängst, sie regelmäßig zu gießen, hast du auch eine Chance, selbst grün zu werden. Du blühst und wächst, wenn du dankbar bist.
Ich spreche hier von Dankbarkeit als einer Lebenshaltung. In dieser Haltung der Dankbarkeit nehme ich das Gute wahr, das Gott mir täglich schenkt: meinen Körper, der ein Wunderwerk ist, meinen Herzschlag, die Atmung, das Denkvermögen, die Sinne, Hände und Füße.
Unsere Kinder werden in wenigen Wochen dankbar sein, wenn der Nikolaus Spielzeug oder Süßigkeiten in ihre Stiefel steckt. Solltest du nicht auch Gott dankbar sein, dass er in deine Stiefel zwei gesunde Beine als Geschenk gelegt hat? Dass du gesund bist und dass du diese Lebensumstände vorfindest, in denen du dich bewegen darfst?
Wir haben so viel Grund, dankbar zu sein. Wir haben Luft zum Atmen, wir genießen die Schönheit der Natur, Essen, Trinken, Partner, Familie, Freunde, das Dach über dem Kopf, Einkommen, Kleidung und Mobilität. Ermutigende Worte, nette Anrufe, ein schönes Buch, Kaminfeuer.
Und wenn dann noch die geistlichen Segnungen dazukommen – der Glaube, die Hoffnung, das ewige, beständige Leben, das Gott uns gibt, auch Brüder und Schwestern im Glauben, die mit mir den Weg gehen, der Frieden mit Gott und vieles andere mehr – dann wird die Dankbarkeit noch größer.
In der Dankbarkeit sehe ich diese Dinge nicht nur und halte sie mir, wie in diesem Moment, mal so kurz vor Augen. Ich spreche meinen Dank auch aus und sage es Gott: Wie reich beschenkst du mich doch!
Sollte Dankbarkeit nicht eine neue Kategorie in unsere Gebetszeit einnehmen? Wir bitten oft – ja, es sind oft so Stoßgebete: Er hilft mir jetzt hier, räumt das aus dem Weg und so weiter. Wir sagen, was er alles machen soll, statt dass wir mal für das danken, was wir haben.
Und sag auch mal aus Dankbarkeit deinen Mitmenschen, wie schön es ist, dass es sie gibt. Das verändert die ganze Atmosphäre in einer Gemeinschaft: Wie schön, euch zu haben!
Indem ich mir das bewusst mache und ausspreche, wird mir klar, wie reich ich eigentlich bin. Das Gefühl des Begehrens schwindet, und die Gier trocknet aus.
Altenfreund im wahrsten Sinne des Wortes – ein alter Freund, der 2007 im Alter von 88 Jahren verstorben ist.
Als junger Mann hatte Heinz einen schlimmen Unfall, ein Zugunglück, bei dem 40 Menschen ums Leben kamen. Dabei erlitt er einen doppelten Schädelbasisbruch und war seitdem vollkommen taub. Er hätte also Grund gehabt, andere zu beneiden und kriesgrämig zu sein oder zu werden.
Als ich ihn das letzte Mal im Krankenhaus besuchte – er hatte einige Tage zuvor einen Schlaganfall erlitten – sah er mich zur Tür hereinkommen. Dann strahlte er mich an und sagte: „Markus, mir ist hier nicht langweilig. Ich finde den ganzen Tag Gründe, Gott zu danken.“ Das hat er mir öfter mal gesagt.
Ich habe ihn, als er noch in Dillenburg wohnte – eigentlich war er ein alter Frankfurter –, einmal die Woche besucht. Dort hat er mir öfter erzählt, dass er, wenn es ihm mal schlecht ging, wie Krümel auf dem Tisch alles zusammensammelte, wofür er danken konnte. Wenn er dieses Häufchen dann sah, konnte er sich wieder freuen. Das habe ich von ihm gelernt: „Ich finde den ganzen Tag Gründe, Gott zu danken.“
Da saß also kein bemitleidenswerter Krüppel auf seinem Bett, sondern eigentlich ein beneidenswerter Mann. Seine letzten Worte mir gegenüber waren: „Markus, vergiss nie das Danken.“ Einen zweiten Schlaganfall eine Woche später hat er dann nicht überlebt.
Sicher ist Dank kein Allheilmittel, aber probier es mal aus. Mach doch in der nächsten Woche mal einen Dankbarkeitsspaziergang, bei dem du nichts mit Gott besprichst außer dem, was dich reich und dankbar macht. Du wirst wahrscheinlich trotzdem weiter Wünsche haben, aber du wirst dich nicht mehr so von ihnen beherrschen lassen.
Lass mich schnell noch etwas zum Anfang der Bibel sagen. Eva im Garten Eden sah, dass der Baum gut zur Speise ist. Das heißt, hier wurde ihr körperliches Verlangen angeregt, denn es gab etwas Leckeres zu essen. Dann heißt es weiter, der Baum war eine Lust für die Augen. Das bedeutet, ihre Seele, ihr Sinn für Schönheit, wurde angesprochen – das Gefühl war hier geweckt. Schließlich war der Baum begehrenswert, begehrenswert, Einsicht zu geben. Damit wurde ihr Verlangen nach dem Göttlichen, ihr Geist, angeregt. Sie erwartete also eine Horizonterweiterung.
Das heißt, der ganze Mensch – mit allem, was dazugehört: Körper, Seele und Geist – wird von diesem Stromstoß des Begehrens erreicht.
Jetzt gibt es Leute, die meinen, wenn sie erst einmal ihren Körper im Griff haben und die Triebe beherrschen, dann sind sie mit dem Problem der Sünde fertig. Aber das ist falsch. Andere sagen, das Denken sei das Problem. Aus dem Denken komme der Zweifel, also hören sie auf zu denken. Aber das ist ebenfalls falsch.
Wieder andere meinen, das Unterbewusste oder die Gefühle seien das Problem. Auch das ist falsch. Der ganze Mensch ist Sünder – komplett. Das offenbart uns das Gesetz. Der ganze Mensch ist Sünder.
Du kannst all das leugnen und dich schämen, dass du der Sünde auf den Leim gegangen bist. Du kannst es versuchen, so wie Adam und Eva, die die Textilindustrie gegründet haben, indem sie sich ein paar Feigenblätter machten und sich dahinter versteckten. Du kannst also versuchen, das irgendwie abzudecken und zu leugnen.
Die meisten halten sich versteckt, die meisten halten sich bedeckt. Pädagogen oder Psychologen geben nicht zu, dass unser Herz böse ist. In den meisten Fällen gestehen Psychologen das nicht ein: dass unser Herz böse ist, so wie die Bibel sagt, dass der Mensch ein Sünder ist – nach Körper, Seele und Geist, der komplette Mensch in Sünde gefallen ist.
Wenn Psychologen das zugeben würden, wäre das eine Selbstanklage. Und wenn es keine Lösung für das Problem der Sünde gibt, dann müssten wir sie tatsächlich verleugnen. Das machen viele Menschen heute: Sie verleugnen das, sie decken es zu und so weiter. Sie sagen, das Herz des Menschen sei nicht böse.
Ohne die Vergebung durch Christus könnten wir allenfalls die Symptome der Sünde behandeln. In diesem Fall bliebe ich dabei zu sagen: Sei ein bisschen dankbarer. Doch damit kommen wir nicht zum Kern des Problems. Denn das Herz des Problems liegt in unserem Herzen selbst.
Jesus sagt in Markus 7: „Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen böse Gedanken hervor: Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habsucht.“ Habsucht zählt hier sozusagen noch einmal die Folgen auf, die entstehen, wenn Menschen die Zehn Gebote nicht einhalten.
Darum musste Jesus am Kreuz sterben. Er ist für unsere Sünden ans Kreuz gegangen, hat unsere Sünden auf sich geladen und das Gericht Gottes getragen, damit wir frei werden können von der Last der Sünde.
Deshalb besitzen wir als Christen die Dreistigkeit, offen und ehrlich über unsere Fehler und Schwächen zu sprechen. Wir wissen, dass es eine Lösung gibt. Unsere Sünden sind in Christus Jesus vergeben. Er hat die Lösung vollbracht. Seine Erlösung ist unsere Lösung.
Wenn du Jesus bis heute noch nicht um Vergebung deiner Sünden gebeten hast, dann ist dieser Vormittag ein guter Zeitpunkt dafür. Sag ihm: Herr, ich bin es leid, mir ständig den Hals zu verdrehen und jedem Trugbild nachzugaffen. Ich drehe mich nicht mehr um, ich gönne meinem Nacken ein bisschen Ruhe.
Ich möchte dir zum Abschluss noch drei Tipps geben, wie du dem Begehren begegnen kannst.
Erstens: Das Herz des Problems liegt in unserem Herzen selbst. Bitte um Vergebung und Reinigung. Tu es heute Morgen! Bekehr dich heute Morgen, stell dich ganz auf die Seite von Jesus und sei dankbar für das, was er für dich getan hat. Es geht nicht nur um die äußeren Umstände, sondern vor allem um die geistlichen Segnungen. Er verheißt uns ewiges Leben, wenn wir ihm vertrauen. Gott wird uns unsere Sünden nicht mehr vorwerfen, wenn wir einmal vor ihm stehen, weil Jesus Christus das Gericht für uns getragen hat. Er ist unser Erlöser. Nimm das für dich persönlich in Anspruch.
Zweitens: Freu dich an dem, was du hast, und sag Gott Danke. Ein Ausdruck von Dankbarkeit ist es auch, den Zehnten zu geben – selbst wenn das zehnte Gebot dies nicht unmittelbar fordert. Vorhin sind hier so Kollektendosen durch die Reihen gegangen. Das ist ein biblischer, alttestamentlicher Maßstab. Allerdings ist es fast schon ein Neutestamentlicher. Auf der letzten Seite des Alten Testaments wird noch einmal vom Zehnten gesprochen. Dort heißt es, dass wir zehn Prozent von dem, was wir haben, geben sollen. Es ist, als wolle Gott diese Aufforderung ins Neue Testament hineinrufen. Das ist kein schlechter Maßstab. Allerdings solltest du dich nicht einschränken lassen. Markus hat gesagt: Gib den Zehnten. Wenn du mehr geben willst, gib mehr! Wenn du reich beschenkt bist, gib reichlich von dem, was du hast. Das ist ebenfalls ein Ausdruck von Dankbarkeit.
Drittens: Heute Morgen haben wir mit dem kleinen Kämmerlein angefangen. Erinnerst du dich? Du bist der Herr, mein Gott. Das dritte, was ich dir mitgeben möchte, ist: Lasst uns diesen Gott anbeten! Lobe den Herrn, den mächtigen König der Erde. Meine geliebte Seele, das ist mein Begehren.