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Ich bin nicht wichtig

22.12.2013Johannes 1,19-28

Ablenkungen im Alltag und im Gottesdienst

So, und jetzt hoffe ich, ich habe Sie nicht abgelenkt. Sie können sich auch so anmelden, liebe Frau Rumpf. Sie können mir das nachher einfach noch einmal sagen.

Jetzt habe ich mich ablenken lassen – so leicht ist das. Man ist so leicht abgelenkt. Auch im Gottesdienst: Ein Baby schreit, ein Handy klingelt oder, wenn es ganz schlecht läuft, fällt eine Bibel runter. Solche Ablenkungen kennen wir alle.

Ich denke, wir kennen auch alle diese etwas größeren Ablenkungen – Dinge, die in unser Leben kommen und uns eine Zeit lang einfach unseren Fokus auf einen bestimmten Punkt lenken, sodass man vielleicht den sprichwörtlichen Wald vor lauter Bäumen nicht sieht.

Menschen, denen es so ging, begegnen wir in unserem heutigen Predigttext. Und das ist der Predigttext, mit dem wir diese Adventsserie über den Wegbereiter Jesus abschließen wollen.

Wir kommen heute nun zum ersten Mal dahin, dass wir diesen Wegbereiter Jesus selbst in Aktion sehen. In den letzten drei Wochen haben wir die Ankündigung aus Maleachi gehört, dass dort jemand kommen wird – ein Bote, ein Wegbereiter.

Wir haben dann ganz konkret gesehen, wie dieser Wegbereiter angekündigt wurde: den kinderlosen Eltern Zacharias und Elisabeth, dass ein Sohn geboren werden würde, Johannes der Täufer.

Dann haben wir letzte Woche betrachtet, wie dieser Sohn geboren wird und der Vater in den Lobpreis einstimmt. Wir haben das gerade eben gemeinsam noch einmal gebetet.

Heute sehen wir nun diesen Wegbereiter in Aktion, und zwar im Johannesevangelium, Kapitel 1, die Verse 19 bis 28. Ich möchte uns zu Beginn diesen Text lesen. Vers 28 werde ich nachher nicht so genau betrachten, aber ich lese ihn jetzt mit.

Nachher schauen wir uns dann die Verse 19 bis 27 an. Sie finden den Text, wenn Sie mitlesen wollen, auf Seite 107 und 108.

Das Zeugnis des Johannes und die Fragen der Delegation

Und dies ist das Zeugnis des Johannes, als die Juden Priester und Leviten von Jerusalem zu ihm sandten und ihn fragten: Wer bist du?

Er bekannte und leugnete nicht, sondern sagte: Ich bin nicht der Christus.

Sie fragten ihn weiter: Bist du Elija? Er antwortete: Ich bin es nicht. Bist du der Prophet? Er verneinte auch das.

Da sprachen sie zu ihm: Wer bist du dann? Damit wir Antwort geben können denen, die uns gesandt haben. Was sagst du von dir selbst?

Er sagte: Ich bin die Stimme eines Predigers in der Wüste, der den Weg des Herrn ebnet, wie der Prophet Jesaja gesagt hat.

Die Abgesandten waren von den Pharisäern, und sie fragten ihn: Warum taufst du denn, wenn du nicht der Christus bist, noch Elija, noch der Prophet?

Johannes antwortete: Ich taufe mit Wasser, aber mitten unter euch ist einer getreten, den ihr nicht kennt. Der wird nach mir kommen, und ich bin nicht wert, dass ich seine Schuhriemen löse.

Dies geschah in Betanien, jenseits des Jordans, wo Johannes taufte.

Eine Abordnung von Priestern und Leviten kam zu Johannes dem Täufer. In der Tat kam sie zu einem der Ehren. Als Sohn des Priesters Zacharias stammte Johannes der Täufer selbst aus dem Priestergeschlecht.

Doch er war ganz anders als die anderen Priester. Er schien nicht den klassischen Priesterdienst auszuüben. Tatsächlich war er als junger Mann sehr früh in die Wüste gegangen und hatte dort einige Zeit wohl für sich alleine gelebt.

Dann kam er eines Tages aus der Wüste zurück, und seine äußere Erscheinung war, sagen wir mal, ungewöhnlich.

Das ungewöhnliche Auftreten und Wirken Johannes des Täufers

So lesen wir, und wir haben es gerade gehört, dass er ein Gewand aus Kamelhaaren trug und einen ledernen Gürtel um seine Lenden. Er aß Heuschrecken und wilden Honig. Ich kann Sie beruhigen: Das war auch damals nicht der gewöhnliche Dresscode. Und es war auch nicht die normale Nahrung, die man gewöhnlich aß. Käfer mit Süßigkeiten – lecker!

Es war also schon eine sehr skurrile Gestalt. Und nicht nur sein Äußeres war etwas seltsam, sondern auch das, was er tat. Er hielt sehr radikale Bußpredigten. Wir haben gerade einen kleinen Einblick aus dem Matthäusevangelium über diese Art des Predigens bekommen. Er rief die Menschen zur Buße auf und taufte sie dann.

Das Erstaunlichste an allem war nicht nur, wie er aussah und was er tat, sondern dass die Menschen zu ihm kamen. Menschenmassen kamen zu ihm, hörten seine Botschaft und ließen sich taufen. Er wurde nicht einfach ignoriert. Das hätte man doch erwartet, wenn da so eine abgerissene Gestalt aus der Wüste kommt – wahrscheinlich noch ein paar Heuschrecken zwischen den Zehen, Honig im Bart – und den Leuten predigt.

Ich meine, wir kennen doch solche Leute. Haben Sie vielleicht schon mal jemanden in der Stadt gesehen, der etwas abgerissen aussieht oder in der U-Bahn herumläuft und plötzlich anfängt, den Leuten zu sagen: „Wir gehen alle in die Hölle.“ Was tun wir mit solchen Menschen? Wir sehen sie vielleicht mitleidig an, wahrscheinlich schauen wir einfach weg oder ignorieren sie.

Aber hier ist es ganz anders. Bei Johannes kommen die Menschenmassen zusammen und tun, was er sagt. Sie bekennen ihre Sünden und lassen sich taufen. Ohne jede Frage wirkt hier eine außergewöhnliche Kraft, eine Vollmacht, die rein menschlich nicht zu erklären ist.

Daher ist es gut nachvollziehbar, dass eine Delegation kommt und die Frage stellt: Wer bist du? Was hat es mit dir auf sich? Vielleicht gaben auch die Umstände, unter denen die Delegation zusammengekommen war, schon Antworten. Sie hofften, dass dieser Mann vielleicht der Messias sein könnte, auf den sie schon so lange warteten.

Johannes’ klare Selbstverneinung und seine wahre Rolle

Johannes sah sich auf jeden Fall dazu veranlasst zu sagen: „Ich bin nicht der Christus.“ Das ist sein erstes Bekenntnis auf die Frage: „Wer bist du?“ Er antwortet klar und deutlich: „Ich bin nicht der Christus.“ Es ist ganz wichtig, dass ihr das versteht. Wenn ihr auf den Christus wartet, dann wartet weiter, denn ich bin es nicht.

Die nächste Frage lautet: „Bist du Elia?“ Diese Frage ist naheliegend. Wir wissen vielleicht aus dem Alten Testament, dass der Prophet Elia zur Zeit seines Wirkens eine etwas ungewöhnliche Gestalt war. Auch er war nicht so gekleidet, wie man das damals tat, und auch er hielt sehr radikale Predigten.

Außerdem hatte der letzte Prophet des Alten Testaments, Maleachi, den Menschen angekündigt, dass eines Tages, noch bevor der Christus kommt, ein Bote vor ihm hergesandt werden würde – ein Elia. Etwa vierhundert Jahre später wurde dann tatsächlich Zacharias angekündigt, dass sein Sohn – dieser „wundersam ihm und seiner unfruchtbaren Frau geschenkte Sohn“ – vor dem Christus hergehen werde, im Geist und in der Kraft Elias.

Johannes hätte mit gutem Recht sagen können: „Ich bin der verheißene Elia.“ Aber er tut es nicht. Er antwortet faktisch korrekt, dass er rein physisch nicht der aus dem Himmel zurückgekehrte Elia ist, sondern seine eigene Person. Er sagt: „Ich bin nicht Elia, physisch bin ich Johannes, ich bin nicht Elia.“

Dabei geht er nicht auf das ein, was Jesus später über Johannes bezeugte: dass er, wenngleich er nicht physisch Elia ist, sehr wohl der Elia ist, der kommen sollte. Warum tat Johannes das? Warum nahm er für sich nicht in Anspruch, Elia zu sein, obwohl er es in gewisser Weise war?

Johannes wusste um seinen Auftrag. Er wusste, dass er ein Wegbereiter war. Es würde den Menschen nicht helfen, wenn er jetzt die Aufmerksamkeit auf sich ziehen würde. Er wollte nicht ihre Aufmerksamkeit, sondern auf jemand anderen hinweisen. Deshalb verneinte er, Elia zu sein.

Schließlich kommt die dritte Mutmaßung: „Bist du der Prophet?“ Er antwortet: „Nein.“

Der „Prophet“ ist ein besonderer Hinweis. Für uns ist das vielleicht nicht sofort nachvollziehbar, weil es viele Propheten gab. Aber für die Juden war „der Prophet“ derjenige, den Mose angekündigt hatte. Mose hatte in seiner Abschiedsrede erklärt: „Der Herr wird euch einen Propheten erwecken aus euren Brüdern, wie mich. Dem sollt ihr gehorchen.“

Das hatte Mose gesagt: ein Prophet wie er, der das Volk in die Freiheit führen sollte, der dem Volk Gottes Willen offenbaren und sie belehren sollte – ein Retter und ein Herr. Johannes wusste sehr genau, dass er nicht dieser Prophet ist. Dieser Prophet war ein anderer, er musste erst noch kommen.

So weiß Johannes von sich weg und sagt: „Nein, ich bin das nicht. Schaut nicht auf mich! Bin ich Christus? Auch Elia bin ich letztendlich nicht. Schaut doch nicht auf mich!“

Johannes’ Demut und die Delegation lässt nicht locker

Es ist ganz interessant, wie dieser Dialog verläuft. Ich will ja niemandem etwas unterstellen, aber ich weiß aus eigener Erfahrung und auch aus Begegnungen mit anderen Menschen: Wenn man jemanden fragt, „Bist du nicht der Rainer?“, dann lautet die Antwort normalerweise nicht einfach „Nein, bin ich nicht“, sondern eher „Nee, ich bin der Lars.“ Oder man fragt: „Bist du nicht der Christian?“ – und die Antwort ist: „Nein, ich bin der Markus. Ich war hier lange Ältester, du müsstest mich doch kennen, und ich mache das und das.“

Wir würden normalerweise nicht einfach nur „Nein“ sagen. Stattdessen würden wir anfangen, über uns zu reden. Viele von uns, zumindest ich, würden wahrscheinlich versuchen zu erklären, wer wir sind. Johannes hingegen tut das nicht. Das liegt ihm ganz fern. Er will auf gar keinen Fall Menschen an sich binden. Er möchte nicht, dass die Menschen bei ihm bleiben oder ihren Blick auf ihn richten. Stattdessen will er sich darauf vorbereiten, dass sie den sehen, der nach ihm kommt.

So erklärt er, dass er weder der Christus, noch Elija, noch der Prophet ist. Die Menschen lassen sich davon jedoch nicht so leicht abwimmeln. Sie fragen weiter, sie geben nicht auf. Sie sagen: „Wer bist du dann?“ Schließlich ist er von jemandem gesandt worden, und sie erwarten eine Antwort. „Wer bist du? Was sagst du von dir selbst?“

Jetzt wird es schwierig. Johannes kann nicht mehr einfach „Nein“ sagen. Er muss eine Antwort geben. Deshalb erklärt er: „Ich bin die Stimme eines Predigers in der Wüste, die den Weg des Herrn ebnet, wie der Prophet Jesaja gesagt hat.“

Die Bedeutung von Johannes’ Selbstbeschreibung

Und das ist eine spannende Antwort. Wirklich eine richtig spannende Antwort. Ich bin eine Stimme eines Predigers in der Wüste. Es geht nicht um mich als Person, schaut nicht auf mich. Ich bin nur eine Stimme, nur eine Stimme.

Schaut nicht auf mich, sondern hört gut zu, denn ich bin die Stimme eines Predigers. Predigern kann man auch mit geschlossenen Augen gut zuhören, denn es geht nicht um die Prediger. Man muss sie nicht genau anschauen. Es geht um den, auf den sie hinweisen. Und das ist das Zweite, was er tut.

Er weist also nicht nur darauf hin, dass ich als Prediger keine Rolle spiele, wenn nur die Stimme. Er sagt noch Bemerkenswertes: Meine Botschaft ebnet den Weg des Herrn. Das ist die Funktion des Bußpredigers: Er ebnet den Weg des Herrn, macht euch bereit dafür, dass der Herr kommt.

Und Johannes zitiert hierbei und macht das ganz deutlich den Propheten Jesaja. Es ist ganz interessant, sich mal anzuschauen, was der Prophet Jesaja genau gesagt hat, Jesaja 40,3. Es ruft eine Stimme in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserem Gott.

Johannes sagt: Ich bin der, der vor Gott kommt, ich gehe vor Gott her. Könnt ihr euch das vorstellen? Hier kommen Menschen, die sich fragen: Okay, was hat es mit diesem Typen auf sich? Und er sagt ihnen: Ich bin hier, weil Gott zu euch kommt, Gott selbst kommt zu euch.

Ich glaube, in dem Moment hätte ich viele Fragen gehabt. Johannes, woher weißt du das? Gott? Du meinst Jahwe, du meinst den Allmächtigen, den Schöpfer aller Dinge? Kommt zu uns? Woher weißt du das? Wann kommt Gott? Was soll ich tun? Und woran erkennen wir ihn, wenn er kommt? Wie würde er aussehen?

Ich weiß nicht, wie es euch ginge, wenn euch jemand sagen würde: Am Heiligabend kommt Gott. Dort kommen Menschen, nicht nur symbolisch, er kommt. Jesus kommt wieder, hat er gesagt. Stellt euch vor, jemand würde euch ankündigen: Am 24.12. wird Jesus kommen.

Stellt euch vor, der Mann spricht mit einer Vollmacht, dass, obwohl er völlig abgerissen ist, unglaubliche Dinge geschehen und Menschen zu ihm kommen. Würdet ihr euch nicht fragen: Jesus, woher können wir wissen, dass du es dann wirklich bist? Wie erkennen wir dich? Was sollen wir tun? Müssen wir uns irgendwie vorbereiten?

Und die Leute hören jetzt diese Aussage des Johannes: Gott kommt, ich bereite ihm nur den Weg. Gott kommt. Und die Leute, diese Delegation, da rein, da raus – völlig falscher Fokus.

Jetzt reden wir mal nicht darüber. Wir haben eine ganz wichtige Frage für dich, Johannes: Wer bist du eigentlich? Verrückt, oder?

Die falschen Fragen der Delegation und Johannes’ klare Antwort

Die nächste Frage, die wir hören, lautet: „Warum taufst du denn, wenn du nicht der Christus bist, noch Elija, noch der Prophet?“ Fast so, als hätten sie die vorherige Aussage nicht gehört. Was für eine deplatzierte Frage, nicht wahr?

Gott kommt.

Aber dann folgt eine ganz andere Frage: „Lars, wo hast du die Krawatte her?“ Es geht nicht um meine Krawatte – die ist von Aldi oder C&A, das spielt keine Rolle. Es geht um Gott.

Dann kommt noch: „Erklär mal deinen Sack, das ist auch...“

Sie hätten Johannes genauso gut fragen können: „Wo hast du den Kamelmantel her? Der ist ja cool, oder?“ Oder: „Schmecken die Heuschrecken wirklich? Mit Honig?“

Sie haben überhaupt nicht verstanden, was Johannes gerade gesagt hat. Ihr ganzer Fokus ist falsch ausgerichtet. Sie verstehen nicht, was Johannes ihnen hier erklärt. Er bereitet den Weg für den Herrn, aber sie schauen weiter nur auf Johannes.

Johannes lässt sich von seinem Auftrag nicht abbringen. Er weiß: Mein Job ist jetzt nicht, auf diese irregeleiteten Fragen groß einzugehen. Deshalb antwortet er meist nur mit einem Halbsatz und weist sofort wieder auf Jesus hin.

Er sagt: „Ich taufe mit Wasser, aber er ist schon mitten unter euch getreten, den ihr nicht kennt. Der wird nach mir kommen. Ich bin nicht wert, dass ich seine Schur im löse.“

Er sagt auf gut Deutsch: „Schaut nicht auf mich. Macht euch nicht so viele Gedanken über das, was ich hier tue. Hört zu, ich bin die Stimme eines Predigers, hört mir doch zu! Ich bin nicht wichtig. Es geht um den, der da kommt.“

Tatsächlich ist er schon gekommen, er ist schon mitten unter euch, aber ihr habt ihn noch nicht erkannt. Macht die Augen auf, ebnet dem Herrn den Weg, macht Platz für Gott, macht ihm Platz in euren Herzen.

„Gott ist mit uns. Immanuel ist zu Recht sein Name: Gott mit uns.“

Das ist der Grund, warum Johannes da ist. Das ist wichtiger als alles andere. Er ist der Wegbereiter, um die Menschen auf den vorzubereiten, der nach ihm kommt.

Die Gesandten dachten, Johannes wäre etwas ganz Besonderes, etwas Bedeutendes. Johannes sagt dagegen: „Schaut, ich habe eine Rolle – ich bin die Stimme eines Predigers. Aber im Vergleich zu Jesus, im Vergleich zu Gott, im Vergleich zu dem, dem ich den Weg bereite, bin ich völlig unbedeutend. Ich bin nicht einmal wert, dass ich ihm die Schur im löse – nicht einmal diese geringste Tat, die man jemandem tun könnte beim Fußwaschen. Nicht einmal dazu habe ich Wert, im Vergleich zu Jesus.“

Wenn Jesus in den Fokus kommt, dann ist alles andere wirklich nebensächlich.

Die jüdische Delegation versteht das nicht. Ihr Fokus ist fehlgeleitet. Sie stellen einfach die falschen Fragen.

Und so stellt sich die Frage für uns: Wie ist das mit uns? Haben wir Jesus im Fokus?

Die Herausforderung der Adventszeit und die Notwendigkeit des Wegbereiters

Die Welt ist voller Ablenkungen. In der Adventszeit erleben wir dies in ganz besonderer Weise.

Jedes Jahr nehmen wir uns vor, uns wirklich auf das Fest vorzubereiten. Wir wollen uns nicht vom Weihnachtstrubel anstecken lassen, dieser Hektik keinen Raum geben und uns nicht in die Geschenkauforgie einklinken. Stattdessen wollen wir uns auf das große Geschenk konzentrieren: auf Jesus.

Doch jedes Jahr scheitern wir daran. Immer wieder lassen wir uns ablenken, und alle guten Vorsätze sind schnell vergessen. Deshalb brauchen wir diesen Wegbereiter immer wieder für unser Leben. Wir brauchen jemanden, der uns sagt: Okay, Geschenke sind schön, eine schöne Feier ist schön, Freunde zu Besuch sind schön, das Haus aufzuräumen ist wunderbar, den Baum zu schmücken ist super, leckeres Essen ist schön – aber das ist alles unwichtig.

Ihr dürft es genießen, dagegen ist nichts einzuwenden, aber letzten Endes ist es unwichtig. Es geht bei Weihnachten nicht darum, einfach nur ein schönes Fest zu feiern. Es geht darum, dass Gott selbst zu uns Menschen gekommen ist.

So möchte ich jeden Einzelnen hier fragen: Bist du vorbereitet? Ist dein Fokus auf Jesus ausgerichtet? Weißt du, dass du ihn brauchst und letztendlich nur ihn?

Es gibt viele legitime Weihnachtswünsche, viele Dinge, um die wir bitten können, viele Fragen, die wir stellen dürfen. Aber es gibt nichts, was wir unbedingt brauchen – zumindest nicht, wenn wir Jesus haben. All die anderen Dinge, um die wir bitten und die wir vielleicht auch geschenkt bekommen, für die wir wirklich dankbar sein dürfen, sind eines Tages vollkommen wertlos, wenn wir Jesus nicht haben.

Deshalb ist die Botschaft des Johannes auch heute noch relevant für uns. Durch seine Bußpredigten macht er den Menschen deutlich: Ihr schaut auf die falschen Dinge. Ihr knüpft eure Hoffnung und eure ganze Identität an die falschen Dinge. Ihr lebt für die falschen Sachen, tut Dinge, die ihr nicht tun solltet, und schaut nicht auf den, auf den ihr schauen solltet.

Wir alle brauchen Umkehr – das ist das, was Buße bedeutet. Wir brauchen Umkehr zurück zu dem, der uns gemacht hat, mit dem wir leben sollen und von dem wir uns alle abgewandt haben.

Kehret um! Erkennt an, dass ihr in eurem Leben so viel Müll angesammelt habt, so viele falsche Dinge und so viel Schuld, die weg muss.

Deshalb kommt Johannes und tauft die Menschen im Wasser. Das ist letztlich nichts anderes als ein Bekenntnis: Ja, ich habe Schuld in meinem Leben. Ich brauche Reinigung, eine Reinheit, mit der ich wieder zu Gott kommen kann.

Und dann sagt er ihnen nicht, mit dieser Taufe ist alles erledigt, geht froh nach Hause und feiert jetzt Weihnachten. Er sagt den Menschen: Bereitet euch vor, bereitet euch vor, damit er jetzt kommen kann. Damit ihr ihn empfangen könnt. Ihr müsst erkennen, dass ihr ihn braucht, dass ihr einen Retter braucht.

Jesus als der vollkommen reine Retter

Und dann kam Jesus. Und dann kam er, derjenige, der, wie wir gehört haben, die Taufe nicht brauchte. Er brauchte sie nicht, weil er vollkommen rein war. Da musste nichts abgewaschen werden.

Im Wasser der Taufe wurde Jesus nicht sauber, sondern schmutzig. Unsere Sünden wurden dort hineingewaschen, und er ging hinein und nahm unsere Sünden mit auf sich. Das ist letztendlich das, was passiert: Er identifiziert sich mit uns und unserer Schuld.

Aber er bleibt rein, weil er vollkommen rein ist, und Gott bestätigt seine Reinheit. Dann führt er dieses reine Leben weiter. Schließlich geht er ans Kreuz und lässt sich von bösen Menschen bewusst ans Kreuz nageln. Er tut das, weil er sagt: „Ich muss noch irgendwie wirklich eure Schuld nehmen.“ Das Wasser der Taufe hat euch nicht wirklich rein gemacht; ihr habt eure Schuld noch. Eure Schuld verdient Strafe, und diese Strafe nimmt er auf sich.

So tut er am Kreuz das, was er durch seine Taufe nicht tun konnte. Er nimmt die Schuld der Menschen auf sich, damit Menschen sie ihm wirklich geben können und wirklich wissen können: Jesus kann mir helfen, Jesus ist wirklich der Retter.

Dann hat er die Macht des Todes und der Sünde gebrochen. Er ist am dritten Tag auferstanden. Danach verheißt er den Menschen ein Leben in Fülle. Eines Tages bei ihm werdet ihr ein Leben haben, ein ewiges Leben, das ihr euch hier noch gar nicht vorstellen könnt. Es wird weit über das hinausgehen, was ihr jemals auf all eure Weihnachts- oder Wunschzettel schreiben könnt. Es wird so viel besser sein.

Wenn wir Jesus haben, dann haben wir das alles. Dann haben wir alles, was wir brauchen – für dieses Leben, für das Sterben und für die Ewigkeit.

Hast du das erkannt? Wenn du das erkannt hast, dann kann bei dir Weihnachten kommen. Dann kann der Herr kommen, und du wirst ihn mit Freude annehmen. Dazu musst du nicht bis zum 24.12. warten. Das kannst du jeden Tag in deinem Leben tun, sogar heute. Du kannst dich ihm im Gebet zuwenden und ihn bitten, dich von aller Schuld reinzumachen und deinem Leben wirkliche Bedeutung zu geben.

Die fortwährende Bedeutung von Johannes’ Botschaft

Durch seine Bußpredigten hat Johannes den Weg bereitet und geebnet. Jesus sagte dazu: „Wenn du zu mir kommst, werde ich dich nicht von mir stoßen. Ich werde dich liebend annehmen. Komm im Gebet zu mir.“

Nun weiß ich, dass die allermeisten unter uns das schon getan haben. Vielleicht denken einige vorschnell: Dann brauchen wir Weihnachten nicht mehr. Wir haben das ja für uns schon erlebt. Aber wir feiern es jedes Jahr, genauso wie wir jede Woche Gottesdienst feiern und regelmäßig Abendmahl halten. Denn wir brauchen diese Erinnerung immer wieder. Unser Leben ist voller Ablenkungen, und wir verlieren den Herrn oft aus dem Blick.

So hat Johannes den Weg bereitet und uns diese Botschaft gegeben, damit wir immer wieder neu den Blick auf Jesus richten können. Auch heute darfst du, wenn du schon ein Kind Gottes bist, erst recht immer wieder zu ihm kommen. Du darfst mit all deinen Sorgen und Nöten zu ihm kommen, mit allem, was dich bewegt, mit aller Schuld. Er ist da für dich.

Manchmal machen wir es vielleicht so wie die Delegation, die zu Johannes kam. Wir haben eine Frage, auf die wir uns fokussieren. Vielleicht tun wir gut daran, uns durch diesen Text noch einmal daran erinnern zu lassen: Vielleicht stellst du einfach die falsche Frage. Schau doch erst einmal auf Jesus. Hör doch erst einmal auf ihn. Vielleicht hat er etwas ganz anderes für dich. Vielleicht denkst du, du brauchst das, aber vielleicht hat er etwas viel Besseres für dich.

Nachfolge des Wegbereiters: Den Blick auf Jesus richten und andere hinweisen

Ich möchte uns Mut machen, gerade in dieser Vorweihnachts- und Weihnachtszeit immer wieder auf Jesus zu schauen. Er ist der Anfänger und Vollender unseres Glaubens, der gute Hirte, der uns durch unser Leben führt – selbst durch die dunklen Täler – hin zu einer grünen Aue voller Fülle.

Wenn wir Jesus im Fokus haben und unseren Blick auf ihn richten, möchte ich uns ermutigen, das zu tun, was Johannes tut. Was tut Johannes hier? Er, der Jesus erkannt hat – er hat ihn bei seiner Taufe erkannt, wie wir hier lesen –, weist Menschen auf ihn hin. Dies geschieht nach der Taufe Jesu.

Wir werden am Heiligen Abend noch intensiver darüber nachdenken. Doch heute möchte ich uns schon kurz dazu ermutigen, diesem Beispiel zu folgen: Wegbereiter des Herrn zu sein. Johannes war sehr darauf bedacht, die Menschen nicht an sich selbst zu binden und den Fokus nicht auf sich zu lenken. Stattdessen wies er immer wieder von sich weg auf den, um den es wirklich geht.

Diesem Vorbild sollten wir in aller Demut folgen. Wir sollten Menschen mutig zur Buße rufen und ihnen sagen: Du brauchst Umkehr, du brauchst Veränderung, du brauchst Reinigung in deinem Leben. Dann sollten wir ihnen verkünden, dass Gott selbst in Jesus Christus zu uns Menschen gekommen ist. Dadurch kann unser Leben eine neue Orientierung bekommen, ja, ein ganz neues Leben. Wir können frei werden von aller Schuld und ein Leben in Fülle führen.

Wenn wir zu sehr darauf bedacht sind, was die Menschen über uns denken, wenn wir zu sehr danach streben, Anerkennung bei den Menschen zu bekommen, wird es schwer werden, das zu tun. Denn die Botschaft des Johannes, die Botschaft des Evangeliums, ist zwar die beste Nachricht, die Menschen hören können, aber sie ist auch eine anstößige Botschaft. Manche werden diese Botschaft nicht hören wollen.

Wenn wir jedoch darauf achten, die Menschen nicht an uns zu binden und nicht Anerkennung bei den Menschen zu suchen, sondern auf Jesus hinzuweisen, damit viele ihn erkennen, dann werden wir mit viel Mut und der nötigen Demut versuchen, Menschen an Christus zu binden – und nicht an uns.

Jesus im Zentrum der Gemeinde und persönliche Reflexion

Und so möchte ich uns schließlich auch fragen: Wie ist das mit uns gemeinsam als Gemeinde? Haben wir als Gemeinde Jesus im Fokus? Steht Jesus im Zentrum dieser Gemeinde? Sind wir bestrebt, die Menschen nicht durch irgendwelche anderen Dinge abzulenken, sondern sie ständig auf den hinzuweisen, der der Herr der Gemeinde ist? Das brauchen die Nichtchristen genauso wie die Christen.

Ich habe mich beim Predigtschreiben gefragt: Wofür ist die FEG Münchenmitte bekannt? Ist sie die Gemeinde mit vielen Akademikern? Die sehr schöne Gemeinde mit tollen Räumen? Ja, da bin ich für beides sehr dankbar – für die schönen Räume noch mehr als für die Akademiker. Aber sind wir bekannt als eine Gemeinde, in der Jesus Christus im Zentrum steht, in allen Dingen? Ist das eine Gemeinde, in der Christus verkündigt wird, in der Christus besungen wird, in der Christus angebetet wird?

Sind wir eine Gemeinde, in der im Kindergottesdienst nicht irgendwelche Morallehren oder irgendwelche Bespaßung stattfinden, sondern das Evangelium von Jesus Christus verkündet wird? Haben wir einen Büchertisch, auf dem nicht nur ein bisschen nette Unterhaltungsliteratur liegt, sondern Jesus Christus im Zentrum steht?

Ich sage ganz ehrlich: Ich bin dankbar dafür, dass ich nicht mit hundert Prozent vielleicht, aber doch letztendlich einen Haken dahinter machen kann und sagen kann: Ja, doch, ich habe den Eindruck, unsere Gebetsgemeinschaften sind in den letzten Jahren noch christuszentrierter geworden. In unseren Predigten hoffe ich sehr, dass Christus immer im Zentrum steht. Ich hoffe, dass diese Gemeinde wirklich geprägt ist davon, dass Christus in allen Dingen im Zentrum steht.

Und doch weiß ich, wie leicht es ist, diesen Fokus zu verlieren. Denn die Ablenkung gibt es auch für uns als Gemeinde überall. Und so möchte ich uns Mut machen, uns auch hier von Johannes den Weg weisen zu lassen und zu bedenken, dass manchmal das Gute des besten Feind ist. Ich möchte uns Mut machen, alle Zeit wachsam zu sein und darauf zu achten, dass wir Menschen nicht versehentlich ablenken, sondern dass wir in unserem eigenen Leben Jesus immer im Blick haben und Menschen immer wieder auf ihn hinweisen – in unserem ganz persönlichen Leben und als Gemeinde.

Denn er ist derjenige, den wir alle mehr brauchen als irgendetwas oder irgendjemand sonst. Und da ist es doch letztendlich auch egal, was die Menschen jetzt von mir denken. Ob sie sagen, der hampelt mir zu viel rum – das ist mir ehrlich gesagt wurscht, solange ihr Christus hört. Es ist mir wurscht, ob die Krawatte schön oder hässlich ist, solange ihr von Christus hört. Es ist mir sogar wurscht, ob ihr sagt, in die Gemeinde gehe ich jetzt oder in eine andere Gemeinde, aber es muss eine Gemeinde sein, die Christus verkündigt.

Es geht doch nicht darum, die Menschen an die FEG Münchenmitte oder an Matthias Lohmann oder Lars Güll oder irgendwen zu binden. Es geht darum, Menschen an Christus zu binden. Und so geht es mir darum, dass wir alle diesen Blick immer wieder haben, dass es die Botschaft, die Johannes so klar vor Augen hat, ist: Sie bahnt einen Weg, unserem Gott in unsere Herzen hinein – einmal und immer wieder – und dann hin zu den Herzen der Menschen, auf dass sie Christus erkennen.

Gebet um den richtigen Fokus und Abschluss

Lieber himmlischer Vater, darum wollen wir dich bitten: Schenk uns den richtigen Fokus. Es geht nicht um Johannes, und es geht nicht um uns. Es geht auch nicht um die FG München Mitte. Es geht allein um dich.

So möchte ich dich bitten, dass du uns klar vor Augen stellst, wie sehr du uns liebst und wie gut du es mit uns meinst. Lass uns in dir erkennen, dass wir uns immer wieder und in allen Situationen auf dich werfen können. In dir finden wir Erfüllung, Freude, Zuversicht und Hoffnung.

Euer Herr, ich bete für die unter uns, die vielleicht noch nie zu dir gekommen sind. Gib ihnen Mut, zu dir zu kommen. Euer Herr, ich bete für uns, die wir vielleicht den Fokus etwas verloren haben. Richte uns immer wieder neu auf dich aus.

Euer Herr, mach uns bereit und mach unsere Herzen bereit. Hilf uns, dir den Weg zu bahnen, damit du immer wieder und immer mehr in unsere Herzen einziehen kannst. So wollen wir auf dich schauen, voller Anbetung. Amen.