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Einführung in den 1. Petrusbrief

1. Petrus31.05.2008
Leiden sind kein Irrtum. Wer Christus vertraut, muss nicht an der Not verzweifeln: Der Weg führt durch Prüfungen, aber am Ende steht echte Hoffnung statt billiger Vertröstung.

Einleitung und thematische Rahmung

Heute Nachmittag wollen wir miteinander den ersten Petrusbrief durcharbeiten. Ich beginne zunächst mit den ersten Versen: 1. Petrus 1,1.
Petrus, Apostel Jesu Christi, an die Fremdlinge von der Zerstreuung in Pontus, Galatien, Kappadokien, Asien und Bithynien, auserwählt nach Vorkenntnis Gottes des Vaters, durch Heiligung des Geistes, zum Gehorsam und zur Blutbesprengung Jesu Christi: Gnade und Friede sei euch vermehrt.
Das Thema des ersten Petrusbriefes kann man überschreiben mit dem Titel: Durch Leiden zur Herrlichkeit. Den Brief würde ich ganz kurz so zusammenfassen: Der erste Petrusbrief richtet sich an jüdische Christen, die lernen mussten, was es bedeutet, an einen unsichtbaren Messias zu glauben, dessen Weltreich noch in der Zukunft liegt. Dieser Brief zeigt, wie Christen in der Zeit zwischen dem Weggang des Herrn Jesus in den Himmel und der Aufrichtung des messianischen Reiches in der Zukunft bei der Wiederkunft Christi sich verhalten sollen. Immer wieder wird das Leben Jesu hier auf Erden als anspornendes Vorbild dafür hingestellt.
Was hier also in einem ganzen Brief gezeigt wird, dieser Weg durch Leiden zur Herrlichkeit, wird als Prinzip ganz kurz umschrieben in Apostelgeschichte 14,22. Wenn wir da kurz aufschlagen: Es geht hier um die erste Missionsreise des Apostels Paulus. Da wurden mehrere Gemeinden gegründet, und kurz danach hat Paulus diese Gemeinden noch einmal besucht und sie gestärkt und vertieft. Ich lese deshalb Apostelgeschichte 14 bereits ab Vers 21:
Und als sie jener Stadt das Evangelium verkündigt und viele zu Jüngern gemacht hatten, kehrten sie nach Lystra und Ikonium und Antiochia zurück, indem sie die Seelen der Jünger befestigten und sie ermahnten, im Glauben zu verharren, und dass wir durch viele Trübsale in das Reich Gottes eingehen müssen.
Hier wird die Botschaft, die der Apostel Paulus diesen jungen Gemeinden weitergegeben hat, in einem Satz zusammengefasst: Sie ermahnten, im Glauben zu verharren, und dass wir durch viele Trübsale in das Reich Gottes eingehen müssen. Also erklärt er: Das Christsein ist nicht ein Leben ohne Probleme, sondern wir gehen durch Trübsale. Aber am Schluss wartet die Herrlichkeit, das Reich Gottes. Der Weg führt durch Leiden in die Herrlichkeit.
Und wir sehen, dass der Apostel Paulus ein ganz anderes Evangelium verkündigt hat als viele heute verkündigen, die sagen, wenn jemand ein Christ ist, dann müsste er eigentlich nicht dies und das und jenes leiden. Genau das Gegenteil: durch viele Trübsale in das Reich Gottes eingehen müssen.
Dann Lukas 24,26: Da sehen wir, das war genau der Weg des Herrn Jesus. Der Auferstandene erklärt den Emmausjüngern Folgendes: Musste nicht der Christus, das heißt der Messias, dies leiden und in seine Herrlichkeit eingehen? Und von Mose und von allen Propheten anfangend erklärte er ihnen in allen Schriften das, was ihn betraf.
Also hat das Alte Testament klargemacht: Der Messias wird einmal kommen, und zwar sollte er leiden, sterben und dann in die Herrlichkeit eingehen. Zuerst leiden und dann die Herrlichkeit. Und dieses Grundprinzip, dieses Beispiel des Herrn Jesus, wird im ersten Petrusbrief – das werden wir noch ganz deutlich sehen – als Grundlage hingestellt, dass im Prinzip der Weg der Christen genau so ist: zuerst durch Schwierigkeiten, Nöte und Leiden, aber dann am Ende die Herrlichkeit.
Die Propheten des Alten Testaments haben ja beschrieben, der Messias wird kommen. Aber es ist klar, dass er zweimal kommen sollte, denn an vielen Stellen wird er beschrieben als der Leidende und an vielen anderen Stellen als der Herrschende. Und wir können aus dem Alten Testament selbst klar machen, dass die Reihenfolge diese sein sollte: zuerst leiden und dann herrschen.
Und nun zeigt der erste Petrusbrief, wie zwischen diesen beiden Erscheinungen des Messias eine lange Zwischenzeit liegen sollte, und die Gläubigen in dieser Zwischenzeit müssen eben diesen Weg gehen: durch Leiden zur Herrlichkeit.

Auftrag, Adressaten und geistlicher Hintergrund

Der Autor des Briefes nennt sich gleich am Anfang des Briefes Petrus, Apostel Jesu Christi. Es geht also hier um einen Brief des Führenden der zwölf Apostel. Die Apostel waren speziell für Israel. Darum waren es zwölf Apostel, entsprechend den zwölf Stämmen. Und man darf nicht vergessen: Die zwölf Stämme waren damals im Land vorhanden.
Natürlich waren die zehn Stämme weggeführt worden, damals 721 v. Chr. nach Assyrien. Aber schon in der Zeit davor gab es aus diesen zehn Stämmen viele Überläufer. Sie gingen ins Südreich, und sie wurden zusammen mit denen aus dem Stamm Juda und Benjamin nach Babylonien deportiert. Und sie kamen mit ihnen auch wieder zurück aus Babylon. So gab es zur Zeit des Herrn Jesus Israeliten aus allen zwölf, also zehn und zwei Stämmen, im Land Israel. Und die hat man dann zusammenfassend Juden genannt, entsprechend dem führenden Stamm Juda.
Aber wir kennen ja zum Beispiel die Prophetin Hanna, Lukas 2, die auf den Messias wartete. Und von ihr wird gesagt, sie war aus dem Stamm Asser. Und der Apostel Paulus sagt vor Agrippa in Apostelgeschichte 26: Unser zwölfstämmiges Volk dient Gott Tag und Nacht, wir sagen im Tempel.
Und der Jakobusbrief wurde ja geschrieben: Jakobus, den zwölf Stämmen in der Zerstreuung, seinen Gruß. Also dieser Führende der zwölf Apostel, die einen speziellen Dienst hatten für Israel, dieser Petrus schreibt diesen Brief. Im Gegensatz eben zum Apostel Paulus, der speziell einen Dienst hatte unter den Gläubigen aus den Heidenvölkern, also den nichtjüdischen Völkern, war Petrus eben beauftragt, den jüdischen Christen zu dienen. In Galater 2,7 wird auch klargemacht, dass dies sein spezieller Auftrag war.
Paulus berichtet über seine Begegnung mit Petrus und anderen in Jerusalem, Galater 2,7: Sondern im Gegenteil, als sie sahen, dass mir das Evangelium der Vorhaut anvertraut war, gleich wie Petrus das der Beschneidung. Denn der, welcher in Petrus für das Apostelamt der Beschneidung gewirkt hat, hat auch in mir in Bezug auf die Nationen, oder die Heiden, gewirkt. Und als sie die Gnade erkannten, die mir gegeben ist, gaben Jakobus und Kephas, das ist der aramäische Name für Petrus, und Johannes, die als Säulen angesehen wurden, mir und Barnabas die Rechte der Gemeinschaft, auf dass wir unter die Nationen, das heißt unter die Heiden, sie aber unter die Beschneidung, unter die Juden, gingen, nur dass wir der Armen eingedenk wären, dessen ich mich auch befleißigt habe, also zu tun.
Und jetzt wird daraus auch klar, an wen Petrus schreibt. Er sagt ja: den Fremdlingen von der Zerstreuung. Für Zerstreuung steht im Griechischen Diaspora. Und das ist der Fachausdruck für Juden, die im Ausland leben. Solche Juden im Ausland gab es nicht erst ab dem Jahr 70, als die große weltweite Zerstreuung der Juden ihren Anfang nahm, sondern schon in den Jahrhunderten davor begannen immer mehr Juden, an allen möglichen Orten rund ums Mittelmeerbecken Wohnsitz zu nehmen und Handel zu treiben.
Petrus schreibt nun also an solche Diasporajuden, die im Ausland wohnten, in Pontus, Galatien, Kappadozien, Asien und Bithynien. Das sind alles Bezeichnungen von verschiedenen Provinzen im Gebiet der heutigen Türkei. Asien zum Beispiel war eine Provinz ganz in der Westtürkei, also gegen das Mittelmeer. Da finden sich die sieben Gemeinden aus Offenbarung 2 und 3: Ephesus, Smyrna, Pergamos, Thyatira, Sardes, Philadelphia, Laodizea, aber auch Kolossä und Hierapolis, die Stadt, die auch im Kolosserbrief erwähnt wird, am Schluss. Ein Gebiet etwa so groß wie die Schweiz. Und eben das war eine dieser zahlreichen Provinzen, an die Petrus schrieb, also an Juden im Gebiet der heutigen Türkei, die in der Diaspora lebten.
Er hat diesen Brief diktiert an Silvanus, Kapitel 5, Vers 12: Durch Silvanus, den treuen Bruder, wie ich dafür halte, habe ich euch mit wenigem geschrieben, euch ermahnend und bezeugend, dass dies die wahre Gnade Gottes ist, in welcher ihr steht.
Wir werden sehen: Diese Juden gingen durch viel Not und Verfolgung. Und da hätten sie leicht denken können, irgendetwas ist falsch, wenn wir leiden. Und er sagt: Ich habe euch extra diesen Brief geschrieben, damit ihr feststellt, dass ihr in der wahren Gnade Gottes steht. Merken wir: eine ganz andere Botschaft als viele heute verkündigen.
Also, Silvanus, ein anderer Name für Silas, hat das Diktat von Petrus aufgeschrieben. Ich habe hier alle Stellen angegeben in Apostelgeschichte 15, 16, 17 und 18, wo dieser Silas noch vorkommt.
Silas ist übrigens der aramäische Name und hat die gleiche Bedeutung wie der hebräische Name Saul. Saul, Shaul, heißt der Gefragte, also der Begehrte, Gefragte. Und Sche'il, das ist Aramäisch für der Gefragte. Griechisch ausgesprochen hat eben Sha'ul eben Saulus und Sche'il Silas.
Aber wie das so üblich war: Juden hatten damals oft einen Namen, einen typisch jüdischen Namen, und einen typisch nicht jüdischen Namen. Das konnte eben, wenn es nötig war, auch ein Schutz sein. Wie schon bei Ester, die hieß ja eigentlich hebräisch Hadassa, Myrte, aber sie hatte einen persischen Decknamen, also einen Decknamen, um eben ihre jüdische Identität nicht unbedingt preiszugeben. Dieser persische Name war Ester, das heißt Stern, Star. Das ist die gleiche Wurzel: Ester, Stern.
Und so hatte Silas eben einen lateinischen Namen, Silvanus, der ähnlich klang wie Silas, oder? Sil, Sil, Silvanus, das heißt eigentlich der „Wäldliche“, ja? Silva ist der Wald, und der Silvanus, das ist der Waldmann. Silas: Waldmann.

Petrus als Hirte und die Bewahrung des Glaubens

Nun, warum hat Petrus diesen Brief geschrieben? In Erfüllung des Auftrags, den er vom Herrn bekommen hatte, damals in Lukas 22, im Zusammenhang mit seiner Verleugnung. Lukas 22,31: Der Herr aber sprach: Simon, Simon, siehe, der Satan hat euer begehrt, euch zu sichten wie den Weizen. Ich aber habe für dich gebetet, auf dass dein Glaube nicht aufhöre. Und du, wenn du einst zurückgekehrt bist, so stärke deine Brüder.
Der Herr hat ihm vorausgesagt, dass er zu Fall kommen wird. Aber er hat ihm auch vorausgesagt, weil er ein wahrer wiedergeborener Gläubiger war, dass es eine Zurechtbringung geben wird. Und wenn er dann zurechtgekommen sein wird, dann soll er seine Brüder stärken im Hirtendienst. Und genau das tut er hier in diesem Brief.
Er hat selber erlebt, was es heißt, als Gläubiger zu fallen, und wie schwach unser Glaube ist, wenn wir nicht die Kraft Gottes bekämen, damit der Glaube erhalten bleibt bis ans Schluss. Und der Herr sagt: Ich habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhöre.
Es gibt ja nach Lukas 8 solche Menschen, die dem Samen entsprechen, der gesät wird auf das Steinige, nicht auf die gute Erde, wo es dann richtig Frucht gibt, sondern auf das Steinige. Da geht das Samen zuerst auf, und dann verdorrt es bald. Und der Herr Jesus sagt dort, das sind die, die das Wort mit Freuden aufnehmen, und sobald dann Schwierigkeiten kommen, fallen sie ab. Und der Herr sagt dort ausdrücklich, sie glauben für eine Zeit.
Man kann gläubig sein, ohne wiedergeboren zu sein. Aber es ist eben dieser Glaube, der nicht bleibt bis ans Ende. Und bei Petrus sollte der Glaube bis zum Ende gehen, aber nicht aus seiner eigenen Kraft. Ich habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhöre. Aber mit diesem Brief stärkt er seine Brüder.
Und er sagt hier diesen Gläubigen in Vers 2: Ihr seid auserwählt nach Vorkenntnis Gottes des Vaters. Also diese Auserwählung ist nicht einfach aus dem Nichts heraus geschehen, sondern nach Vorkenntnis Gottes. Die alte Zürcher hat hier falsch übersetzt: nach Zuvorbestimmung Gottes.
Ich mag mich noch erinnern, wie Paul Kiene, das ist der Autor von dem Buch Über die Stiftshütte, das Heiligtum Gottes in der Wüste Sinai mit den schönen farbigen Bildern, mir damals vor Jahrzehnten gesagt hat, er sei zu einer Frau gekommen, die war da am Weinen und hat ihre Bibel gelesen. Dann hat er gefragt: Ja, was ist los? Und dann sagt sie: Ich habe hier im ersten Petrusbrief gelesen, auserwählt nach Zuvorbestimmung Gottes. Und da hat er gesagt: Das ist aber eine falsche Übersetzung. Hier steht: auserwählt nach Vorkenntnis Gottes.
Vorkenntnis, er hat mir damals erklärt, das ist das Wort Prognosis auf Griechisch, und wir kennen das von der Wetterprognose her. Die Wetterprognose bestimmt nicht einfach, was morgen für ein Wetter ist, sondern sie erkennt im Voraus, was sein wird. Und so hat Gott uns im Voraus gekannt, und er wusste ganz genau: Wenn ich diesen Menschen ziehen werde zur Buße, wird er schliesslich nachgeben und bereit sein zur Bekehrung.
Und diese Menschen, die Gott so im Voraus erkannt hat, die hat Gott auserwählt. Wozu? Zum Gehorsam und zur Blutbesprengung Jesu Christi. Diese Menschen, die bereit sein werden, die Gnade Gottes schliesslich anzunehmen, nicht weil sie Gott suchen würden. Römer 3 sagt, da ist keiner, der Gott sucht, Vers 10. Aber Gott sieht jeden Menschen, das ist Römer 2,4, und Gott hat gesehen, welche Menschen diesem Zug schliesslich nachgeben werden. Und die hat er auserwählt. Die sollen mit dem Blut meines Sohnes gereinigt werden, zur Blutbesprengung Jesu Christi.
Und dann ist diese Frau wieder froh geworden.
Es ist also nicht einfach so, Gott hat gewisse Menschen bestimmt, die werden errettet, und andere gehen einfach verloren. Nein, Gott will, dass alle Menschen errettet werden. 1. Petrus 2,4. Er gibt allen die Möglichkeit zur Bekehrung, aber nicht alle nehmen diese Bekehrungsmöglichkeit wahr. Römer 2,4 sagt, dass es Menschen gibt, die nach ihrer Unbußfertigkeit und ihrem störrischen Herzen sich selber immer mehr Zorn Gottes aufhäufen, weil sie sich nicht im Klaren sind, dass die Güte Gottes sie zur Buße leiten will.
Also, diese gläubigen Juden sind auserwählt nach Vorkenntnis Gottes des Vaters, durch Heiligung des Geistes. Das heißt, der Heilige Geist bewirkt, dass sie geheiligt werden. Und sie sind bestimmt worden, eben zum Gehorsam gegenüber dem Evangelium und zur Blutbesprengung Jesu Christi. Und ihnen wünscht er Gnade und Friede.
Friede, das war der jüdische Gruss, Schalom oder aramäisch Schlam. Die Heiden im Römischen Reich, da wo man Griechisch sprach, die haben sich gegrüsst mit Chaire, freudig. Und das Wort Chaire, ganz leicht abgeändert, gibt das Wort Charis, Gnade. Und so ist eigentlich der Gruss Gnade und Friede der Gruss unter den Nichtjuden und der Gruss der Juden. Denn die Gemeinde besteht eben aus Menschen, die herausgerufen sind, sowohl aus dem jüdischen Volk, aus dem Volk Israel, als auch aus den nichtjüdischen Heidenvölkern.
Und so grüsst er diese Juden, die zusammengehören zu einer Gemeinde Gottes in der heutigen Zeit mit den nichtjüdischen Gläubigen. Die grüsst er mit Gnade und Friede, und da sollen sie immer mehr erhalten. Natürlich: Friede mit Gott hat jemand ab der Bekehrung. Römer 5,1: Da wir nun gerechtfertigt worden sind aus Glauben, so haben wir Frieden mit Gott. Das ist etwas Grundlegendes seit der Bekehrung. Da darf ein wahrgläubiger wissen: Gott hat nichts mehr gegen mich, hat die ganze Schuld auf seinen Sohn gelegt, es ist Friede mit Gott da.
Aber der praktische Friede im Herzen, den verlieren wir ja immer wieder. Und so hat der Herr Jesus ja gesagt in Johannes 14 in seiner Abschiedsrede: Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. „Frieden lasse ich euch“, das ist dieser grundlegende Friede mit Gott durch das Werk des Herrn Jesus. Aber „meinen Frieden“, das ist der Friede, den der Herr Jesus in seinem Herzen als Mensch empfunden hat, auch als er durch all die Leiden hindurchging in seinem Leben, Leiden der Ablehnung und Verwerfung. Diesen Frieden, den gibt er uns immer wieder neu.
Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Gnade und Friede sei euch vermehrt.

Lobpreis, Wiedergeburt und das zukünftige Erbe

Dann kommt ein Gebet in Vers 3: „Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus.“ So beginnen drei Briefe im Neuen Testament: 2. Korinther 1,3, Epheser 1,3 und hier ebenfalls.
In 2. Korinther 1,3 heißt es: „Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Erbarmung und Gott alles Trostes, der uns tröstet in all unseren Drangsalen usw.“ Und in Epheser 1,3 heißt es: „Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christus, wie er uns auch auserwählt hat und so weiter.“
Diese drei Briefe beginnen also jeweils in Vers 3 mit diesem Gebet. Aber jedes Mal geht es um ein anderes Thema. In 2. Korinther 1,3 geht es um das Thema des Trostes, den Gott uns gibt. In Epheser 1,3 geht es um den Reichtum der Erlösung, den wir haben. Und hier geht es darum, wie Gott uns ans Ziel bringen wird, sicher ans Ziel bringen wird.
„Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der nach seiner großen Barmherzigkeit uns wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi aus den Toten.“ Hier sehen wir ganz klar: Petrus spricht zu wahren Gläubigen. Er sagt ausdrücklich, dass Gott, der Vater, uns wiedergeboren hat, und zwar auf der Grundlage des Werkes des Herrn Jesus, durch seine lebendige Hoffnung, durch die Auferstehung Jesu Christi aus den Toten.
Und das Ziel ist, dass Gott uns Folgendes geben will, Vers 4: „zu einem unverweslichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbteil, welches in den Himmeln aufbewahrt ist für euch.“ Hier geht es also um etwas, das noch in der Zukunft liegt. In Epheser 1,3 beschreibt der Apostel Paulus, was wir Gläubige alles schon haben. Aber hier geht es um etwas, das wir noch nicht haben.
Dieses himmlische Erbteil, es geht hier um das Paradies, es geht um den Tempel Gottes im Himmel, offenbar in diesem Zusammenhang. Es geht hier um das himmlische Jerusalem, diese herrliche Stadt Gottes im Himmel, die in Hebräer 11,12 und 13 erwähnt wird.
Dieses Erbteil wird hier beschrieben als unverweslich. Man muss sich überlegen: Was ist das Gegenteil? Verweslich, also etwas, das vergeht. Hier aber geht es um etwas, das nie vergehen wird. Dann unbefleckt: Alles, was wir hier auf der Erde haben, selbst die schönste Hausmauer, wird wieder frisch gestrichen, und schon bald hat sie wieder einen Flecken. Das wird dort nie befleckt werden. Und unverwelklich im Gegensatz zu den schönsten Blumen, die wir bekommen können, die aber schon nach einigen Tagen welken. Die Schönheit dieses Erbteils wird nie vergehen.
Es ist aufbewahrt im Himmel. Und jetzt sagt Petrus: „für euch, die ihr durch Gottes Macht, durch Glauben, bewahrt werdet zur Errettung, die bereit ist, in der letzten Zeit geoffenbart zu werden.“ Hier spricht Petrus über eine zukünftige Errettung, die in der Endzeit stattfinden wird. Das ist die Entrückung.
Also: In der Zukunft wird der Herr Jesus wiederkommen, und er wird uns so offenbaren. Wir werden ihn dann zum ersten Mal sehen, und dann wird er uns aus dieser Welt mit all ihren Versuchungen, Nöten und Leiden herausretten. Aber erst dann. Jetzt haben wir diese Errettung noch nicht. Wir gehen noch durch Nöte. Aber hier wird von den Wiedergeborenen gesagt, dass sie durch Gottes Macht bewahrt werden bis zum Ende. Nicht durch unsere eigene Treue, sondern durch Gottes Macht. Das ist das, was Petrus selbst erlebt hatte, als er den Herrn so schmählich verleugnet hatte in der Vornacht der Kreuzigung. Und der Herr Jesus hat gesagt: „Ich habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhöre.“ So hat Gott ihn bewahrt und den Glauben erhalten.
Die Wiedergeburt war etwas, das man schon im Alten Testament bekam, wenn jemand sich bekehrt hatte. Und die Wiedergeburt bedeutet ja, dass wir Leben aus Gott bekommen. Und dank diesem neuen Leben, das übrigens der Herr Jesus selbst ist, wird ein Mensch ein neuer Mensch. Warum war Mose ein so treuer Mensch, wie er in 4. Mose 12 beschrieben wird? Nicht, weil er so besonders gesetzlich war, sondern weil er wiedergeboren war.
Aber was er noch nicht hatte, was allgemein die Gläubigen im Alten Testament noch nicht hatten, war dies: Ab Pfingsten bekamen die Gläubigen den Heiligen Geist, der in ihnen wohnt. Die Wiedergeburt bedeutet also: Christus ist mein Leben. Und das ist nicht dasselbe wie der Empfang des Heiligen Geistes. Der Gläubige heute hat eben beides.
Natürlich kam der Heilige Geist im Alten Testament zeitweise über Propheten, aber es war üblich, dass er immer wieder wegging. Und der Herr Jesus sagt den Gläubigen in Johannes 14, dass der Heilige Geist bei euch sein wird in Ewigkeit und dass er in euch sein wird. Ja, so waren die Jünger, die elf der zwölf Jünger: Das waren schon vor dem Kreuz und vor Pfingsten wahre Gläubige, aber den Heiligen Geist hatten sie noch nicht.
Und der Herr Jesus sagt ja in Johannes 17 in seinem Gebet zum Vater: „Ich habe keinen verloren, außer dem Sohn des Verderbens, auf dass die Schrift erfüllt würde.“ Also hat er die Elf bewahrt. Judas aber war nie ein wahrer Gläubiger, und darum nennt der Herr ihn „der Sohn des Verderbens“.
Und in Johannes 15, das war ja, als Judas bereits draußen war, an diesem Vorabend der Kreuzigung, da sagte der Herr Jesus zu seinen Jüngern: „Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.“ Das waren schon wahre Gläubige. Aber sie hatten noch nicht den Heiligen Geist.
Darum sagt der Herr Jesus in Lukas 11,13, dass der Vater denen den Heiligen Geist geben wird, die ihn darum bitten. Und wir sehen: Es gab ja eine Gebetsversammlung vor Pfingsten in Jerusalem, Apostelgeschichte 1. Da hat man noch um den Heiligen Geist gebetet. Und an Pfingsten ist er gekommen. Seither müssen wir nicht mehr beten, denn Epheser 1,13 und 14 sagt, dass ein Mensch mit dem Heiligen Geist versiegelt wird, nachdem er das Evangelium geglaubt hat.
Also: Von diesen Wiedergeborenen wird hier gesagt, dass sie durch Gottes Macht bewahrt werden zur Errettung in der letzten Zeit, wenn der Herr Jesus wiederkommt. Und zwar wird gesagt: durch Gottes Macht, durch Glauben. Gottes Macht drückt sich darin aus, dass er diesen Glauben in uns erhält bis zum Schluss.
So wird ein wahrer Gläubiger auch bis ans Ende kommen und überwinden, auch wenn er zwischendurch fallen kann, wie Petrus gefallen ist. Es war schwer, diese Verleugnung des Herrn. Aber der Herr hat ihn zurechtgebracht. So ist Petrus eben das Beispiel dafür, wie Gott einen Gläubigen durchträgt und den Glauben bis zum Schluss erhält.

Prüfungen, Freude und das Ziel des Glaubens

Und dann sagt er in Vers 6, worin ihr frohlockt. Das bezieht sich auf die Rettung, die bei der Entrückung kommen wird. Und die Gläubigen freuen sich über diese Rettung, sie frohlocken darüber.
Worin ihr frohlockt, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es nötig ist, betrübt seid durch mancherlei Versuchungen. Wir denken manchmal: Oh, ist das lang, diese Not. Aber das ist unsere menschliche Sicht. Aus göttlicher Sicht ist es eine kleine Zeit. Und darum sagt auch der Apostel Paulus in Römer 8, dass die Leiden der Jetztzeit nicht wert sind, verglichen zu werden mit den Herrlichkeiten, die an uns geoffenbart werden.
Und dieses Wort gilt auch für Menschen, die jahrzehntelang gelitten haben in ihrem Leben. Das will dieses Leiden nicht irgendwie verkleinern, aber es zeigt uns, wie Gott die Dinge sieht. Und im Vergleich mit der Ewigkeit werden wir dann auch rückblickend sagen können: Es war eine kleine Zeit.
Und dann steht hier: wenn es nötig ist. Nicht wahr, wenn wir durch Nöte gehen, dann denken wir manchmal: Ist das wirklich nötig? Aber glücklicherweise müssen wir nicht entscheiden, ob das nötig ist. Und dann sieht man: Der eine hat den Eindruck, der hat nie Probleme, bei dem geht alles rund, mit den Kindern geht es rund, mit der Arbeit geht es rund, alles gelingt. Und warum ich? Das ist Gottes Weisheit. Er bestimmt eine kleine Zeit, wenn es nötig ist, Betrübnis durch mancherlei Versuchungen oder Erprobungen, Prüfungen, kann man auch übersetzen.
Auf dass die Bewährung eures Glaubens, viel köstlicher als die des Goldes, das vergeht, aber durch Feuer erprobt wird, erfunden werde zu Lob und Herrlichkeit und Ehre in der Offenbarung Jesu Christi. Also die Not wird hier verglichen mit dem Feuer, das das Gold läutert. Die Schlacken rund ums Gold werden durch den Schmelzofen beseitigt, und hier wird der wahre Glaube mit Gold verglichen. Aber dieser Glaube ist viel köstlicher als Gold. Und das verstehen wir umso besser heute, wo der Goldpreis so steigt. Es ist so kostbar, Gold! Aber der Glaube ist noch viel köstlicher als das Gold, weil Gold nicht ewig bleibt.
Es ist zwar ein Edelmetall. Es gibt Menschen, die gerne in Edelmetall investieren, denn das hat immer einen Wert. Und da muss man nicht Angst haben, das kommt dann plötzlich so wie Kupfer und bekommt dann so einen Grünspan usw. Aber die Bibel sagt: Das Gold vergeht. Wann? Ja, in 2. Petrus 3 wird beschrieben, wie einmal die Welt nach dem tausendjährigen Reich vergehen wird. Alle Elemente werden aufgelöst werden, im Brand werden sie zerschmelzen. Dann vergeht das Gold. Also das Gold bleibt nur so lange, wie diese Schöpfung bleibt.
Aber der Glaube, der bleibt. Und zwar so, dass einmal, wenn der Herr Jesus wiederkommt, wir Gottes Lob bekommen werden. Es wird uns Herrlichkeit und Ehre zuteilwerden für die Treue und das Durchhalten in der Schwierigkeit. Das können die verschiedensten Formen von Leiden sein. In Römer 8 zum Beispiel wird gesagt, dass wir heute noch in uns seufzen und auf die Erlösung des Leibes warten. Also unser Körper ist noch nicht erlöst, und darum werden Gläubige auch krank. Und das nicht nur einfach, weil Gott auch durch Krankheit züchtigen kann. Nein, der Apostel Paulus sagt, dass die Galater bereit gewesen wären, sich die Augen auszureißen und Paulus zu geben. Also er hatte ein Augenproblem. Und die Galater wären bereit gewesen für eine Augentransplantation, wenn das möglich gewesen wäre. Ist ja auch heute nicht möglich, war damals nicht möglich. Aber das zeigt: Paulus hatte ein Problem mit seinen Augen, und darum hat er auch den Galaterbrief, den er eigenhändig geschrieben hat, mit so großen Buchstaben geschrieben: Galater 6, seht, mit welch großen Buchstaben ich euch geschrieben habe, mit eigener Hand.
Dann in Philipper 2 sehen wir Epaphroditus, einen Mitarbeiter von Paulus. Der war so treu, und durch seinen treuen Dienst ist er fast gestorben. Und Paulus sagt in 2. Timotheus 4 am Schluss: Trophimus habe ich krank in Milet zurückgelassen. Und in 1. Timotheus 5, Vers 20 folgende sagt er unter anderem zu Timotheus, er solle nicht nur immer Wasser trinken, sondern auch ein wenig Wein gebrauchen, wegen seines häufigen Magenleidens und seines häufigen Unwohlseins, also medizinisch etwas Wein gebrauchen.
Ja, wie ist das möglich? Eben weil unser Leib noch nicht erlöst ist. Das kommt erst bei der Wiederkunft Jesu. Aber wenn wir so treu bleiben in den Prüfungen, wird das einmal dazu führen, dass es zu Lob und Herrlichkeit und Ehre gereichen wird, wenn der Herr Jesus wiederkommt in der Offenbarung Jesu Christi.

Liebe zu Christus, prophetische Perspektive und die Engelwelt

Und jetzt Vers 8, ganz interessant: Welchen ihr, Jesus Christus, obgleich ihr ihn nicht gesehen habt, liebt; an welchen glaubend, obgleich ihr ihn jetzt nicht seht, ihr mit unaussprechlicher und verherrlichter Freude frohlockt.
Wie ist das möglich? Petrus schreibt ein Rundschreiben an viele verschiedene Provinzen. Also kann er ja nicht alle Gläubigen kennen. Und trotzdem sagt er ganz pauschal: Ihr habt Jesus Christus noch nie gesehen.
Heute würden dann einige protestieren und sagen: Halt, wir haben eine Vision gehabt, ich habe ein Bild gehabt. Aber ihr sagt, ihr habt ihn noch nie gesehen. Und trotzdem liebt ihr ihn.
Er sagt nicht einfach: Ihr habt ihn lieb. Als der Herr Jesus nach der Auferstehung in Johannes 21 Petrus gefragt hat: Liebst du mich mehr als diese?, da hatte Petrus ja gesagt: Wenn alle sich an dir ärgern, ich werde mit dir bis in den Tod gehen. Und er hatte seinen Herrn verleugnet.
Der Herr sagt: Liebst du mich mehr als diese? Er antwortet: Du weißt, dass ich dich lieb habe. Er benutzt einen Ausdruck, der schwächer ist. Er kann nicht sagen: Ich liebe dich. Ich habe dich lieb. Und dann fragt Jesus wieder: Liebst du mich? Er sagt nicht mehr: mehr als die anderen. Und Petrus sagt: Du weißt, dass ich dich lieb habe. Es wird also so abgeschwächt.
Und das dritte Mal nimmt der Herr Jesus den schwächeren Ausdruck und sagt: Hast du mich lieb? Und dann wird er ganz traurig und sagt: Herr, du weißt alles, du weißt, dass ich dich lieb habe.
Aber hier schreibt er diesen Gläubigen: Welchen ihr, obgleich ihr ihn nicht gesehen habt, liebt. Ihr glaubt an ihn, ihr seht ihn jetzt nicht. Und das zeigt uns, dass selbst in der Zeit der Apostel das nicht normal war, dass jemand eine Vision hatte.
Natürlich hatte Paulus den Herrn Jesus gesehen, nicht nur einmal bei der Bekehrung, sondern er hatte ganz spezielle Offenbarungen. Und er war sogar entrückt in den dritten Himmel, 2. Korinther 12. Und auch Johannes später auf Patmos hat den Herrn wirklich gesehen. Aber das war nicht das Übliche.
Also auch in der apostolischen Zeit war eine Vision etwas ganz Aussergewöhnliches. Und so kann Petrus also ganz allgemein sagen: An welchen glaubend, obgleich ihr ihn jetzt nicht seht, ihr mit unaussprechlicher und verherrlichter Freude frohlockt.
Da beschreibt er die Tiefe der christlichen Freude. Es ist ja so: Gott gibt dem Menschen natürliche Freude. Das sagt Paulus auch in seiner Predigt zu den Heiden in Apostelgeschichte 14. Da sagt er, Gott hat sich euch kundgetan, indem er euer Herz mit Speise und Fröhlichkeit gefüllt hat. Das sagt er zu den Götzendienern und den Heiden dort in Apostelgeschichte 14: Gott hat euch Freude gegeben.
Das ist die natürliche Freude, die der Mensch hat. Das gibt Gott, sonst könnte der Mensch das Leben gar nicht ertragen. Die natürlichen Freuden also. Und er sagt hier im Gegensatz dazu: Die Freude der Gläubigen, das ist unaussprechliche, verherrlichte Freude. Mit dem man frohlockt.
Unaussprechliche Freude, also Freude, die man nicht beschreiben kann. Das erklärt sich so: Der Herr Jesus wird genannt in 2. Korinther 9,15 die unaussprechliche Gabe. Er ist unbeschreiblich. Und darum sagt auch Johannes am Schluss von Johannes 21: Wenn ich alle Herrlichkeit des Herrn Jesus in seinem Leben aufgeschrieben hätte, so würde selbst die Welt, Kosmos auf Griechisch, die geschriebenen Bücher nicht fassen. Eben weil der Herr Jesus die unaussprechliche Gabe Gottes ist.
Aber wer die unaussprechliche Gabe kennt, der bekommt eine unaussprechliche Freude. Und dann sagt er: Das Ende eures Glaubens, das ist die Errettung der Seele. Da spricht er wieder eben über dieses letztendliche Herausreissen aus dieser Welt bei der Entrückung.
 1. Thessalonicher 5,23 sagt, dass Gott, dass Jesus Christus uns bewahrt, den Geist, die Seele und den Leib bis zu seiner Ankunft. Und da wird er uns retten. Das ist diese Errettung der Seele in der Zukunft, wenn der Herr uns aus dieser Welt herausnimmt.
Und jetzt über diese Rettung sagt Vers 10: Über welche Errettung Propheten nachsuchten und nachforschten, die von der Gnade gegen euch geweissagt haben, forschend, auf welche oder welcherlei Zeit der Geist Christi, der in ihnen war, hindeutete, als er von den Leiden, die auf Christus kommen sollten, und von den Herrlichkeiten danach zuvorzeugte.
Also Petrus erklärt: Die Propheten haben nicht alles verstanden, was Gott ihnen geoffenbart hat, wenn sie von dem kommenden Messias, griechisch Christus, gesprochen haben. Und sie wollten wissen: Worauf bezieht sich das? Die Leiden des Messias, das war Jesaja 53, und dann sein späteres Herrschen, die Herrlichkeiten danach.
Aber es war klar, oder wird hier klargemacht: Die Reihenfolge ist die Leiden, die auf Christus kommen sollten, und die Herrlichkeiten danach. So wie wir das in Lukas 24 schon gelesen haben, Vers 26: Musste nicht der Christus dies leiden und in seine Herrlichkeit eingehen?
Die haben also studiert: Wie muss man das genau verstehen?
Und dann heißt es in Vers 12: Welchen es geoffenbart wurde, dass sie nicht für sich selbst, sondern für euch die Dinge bedienten, die euch jetzt verkündigt worden sind durch die, welche euch das Evangelium gepredigt haben, durch den vom Himmel gesandten Heiligen Geist, in welche Dinge Engel hineinzuschauen begehren.
Also es gab Dinge, da wurde den Propheten im Alten Testament mitgeteilt: Das betrifft jetzt nicht euch, sondern das betrifft Gläubige in einer späteren Zeit. Aber sie haben davon gesprochen, dass der Messias einmal kommen wird und diese Rettung durch seinen Tod bewerkstelligen wird.
Und jetzt wird hier gesagt: All diese Dinge, die mit dieser Rettung der Gläubigen zusammenhängen, das sind Dinge, in welche Engel hineinzuschauen begehren. Der griechische Ausdruck bedeutet sogar, lange Hälse machen. Die Engelwelt musste sich entscheiden, und ein Teil der Engelwelt hat rebelliert und ist mit Luzifer gefallen. Und für die gibt es kein Zurück mehr.
 Hebräer 2 sagt, dass Gott die Engel nicht ergreift, das heißt, um sie herauszuführen, sondern diese Rettung hat er nur für Menschen bestimmt. Also die Entscheidung der Engel war endgültig, definitiv, da gibt es kein Zurück. Das ist auch damit zu erklären, dass die Engel mehr ein höheres Wissen über die Konsequenzen hatten, als Adam das hatte. Und mit dieser höheren Entscheidungsverantwortung war diese Entscheidung definitiv, kein Zurück.
Und die gefallenen Engel werden ewig verloren gehen. Und ein Teil der Engel, die Gott treu bleiben, die werden auch genannt in 1. Timotheus 4: die auserwählten Engel. Also auch dort gibt es eine Auserwählung, interessant, nicht?
Aber bei den Menschen gibt es diese Rettung. Und die Engelwelt ist überwältigt zu sehen, was Gott mit Menschen vorhatte und schliesslich auch ausgeführt hat. Darum möchten sie gerne in diese Dinge hineinschauen.
In 1. Korinther 4 sagt Paulus: Wir sind ein Schauspiel geworden, sowohl Engeln als Menschen. Also wie eine Arena: Wir sind in der Arena, und die Engel sitzen in ihren Zuschauerreihen, und sie schauen zu, was Gott mit uns macht.
Und in 1. Korinther 11 steht ja im Zusammenhang mit Kopfbedeckung und langem Haar der Frau, die Frau soll ein Zeichen der Macht auf ihrem Haupt haben, um der Engel willen. Weil die Engelwelt interessiert ist zu sehen: Wie ist das, wenn es um Autorität geht bei den Menschen? Und zwar bei den erlösten Menschen.
Das Problem war ja: Luzifer, lateinisch für Glanzstern, so wird der Satan genannt in Jesaja 14,12, wollte sein wie Gott. Also der Sündenfall in der Engelwelt geschah durch Nichtanerkennung der Autorität Gottes. Und der Sündenfall der Menschen genauso, denn Adam und Eva wollten sein wie Gott.
Und jetzt sind sie interessiert: Wie ist das bei den erlösten Menschen? Anerkennen sie die Autoritätsstrukturen, wie Gott sie in die Schöpfung gestellt hat? Also dass die Frau die Autorität des Mannes anerkennt oder nicht. Und darum: um der Engel willen, weil die Engelwelt uns beobachtet, und die sind interessiert: Was bewirkt die Erlösung bei den Gläubigen?
Also das muss man in diesem Zusammenhang sehen. Und Epheser 3,10: Da wird über die Gemeinde Gottes gesprochen, und da heißt es, dass jetzt, heute, durch die Gemeinde den Fürstentümern und Gewalten in den himmlischen Örtern, das sind die Engel, kundgetan wird die mannigfaltige oder vielfarbige Weisheit Gottes.
Also durch die Gemeinde erfährt die Engelwelt Gewaltiges darüber, wer Gott ist, indem sie den Heilsplan bewundern, den Gott mit uns ausgeführt hat.

Heiligkeit, Gottesfurcht und der Wandel in der Fremdlingschaft

Und jetzt Vers 13: Deshalb umgürtet die Lenden eurer Gesinnung, seid nüchtern und hofft völlig auf die Gnade, die euch gebracht wird bei der Offenbarung Jesu Christi.
Im Altertum kleidete man sich so, dass man zu Hause das Oberkleid ausgezogen oder weggelegt hat. Auch den Gürtel hat man abgelegt. Man trug die Kleider ein wenig weit. Aber sobald man aufbrach, um irgendwo hinzugehen, nahm man das Oberkleid und gürtete sich.
Wenn Petrus sagt: Deshalb umgürtet die Lenden eurer Gesinnung, dann heißt das: Seid bereit zum Aufbruch. Seid völlig auf die Gnade, die euch gebracht wird in der Offenbarung Jesu Christi. Da geht es um die Entrückung. Seid bereit, wenn der Moment kommt, in dem Jesus Christus für uns offenbar wird. Wir haben ihn noch nie gesehen, aber dann werden wir ihn sehen. Und das haben wir nicht irgendwie verdient, dass er kommt. Es ist reine Gnade. Auf diese Gnade sollen wir fest hoffen, darauf warten.
Und dann Vers 14: Als Kinder des Gehorsams. Das heißt: gehorsame Kinder. Ich muss erklären: Im Hebräischen hat man viel weniger Adjektive als auf Deutsch. Adjektive sind die Wie-Wörter, ja? Wie ist etwas? Gehorsam ist ein Adjektiv. Das ist aber kein Problem. Man drückt Adjektive aus, indem man ein Hauptwort im Genitiv anhängt. Also: ein Kind des Gehorsams, sein gehorsames Kind. Oder in Hebräer 1 das Wort seiner Macht, das ist sein mächtiges Wort. Oder in Kolosser 1,12 der Sohn seiner Liebe, das ist sein geliebter Sohn.
Nun, Petrus hätte im Griechischen, er schrieb ja Griechisch, genug Adjektive gehabt. Aber man empfand die Ausdrucksweise als etwas würdiger, wenn sie so an die Sprache des Alten Testaments angelehnt war. Darum hat er eben geschrieben: Als Kinder des Gehorsams. Als gehorsame Kinder des Vaters sollen sie sich weiterbilden, aber eben nicht mehr so wie früher. Bildet euch nicht nach den vorigen Lüsten in eurer Unwissenheit.
Die lernen ja von klein auf. Als Eltern versucht man, den Kindern gute Sachen beizubringen. Aber gleichzeitig haben sie ein Parallelprogramm. Sie werden noch von anderen gebildet, in der Schule. Und sie werden in der Schule auch gebildet von Mitschülern und Mitschülerinnen sowie Lehrer und Lehrerin, so spricht man ja dort. Da werden sie weitergebildet, gerade in solchen Gebieten, den Lüsten.
Aber jetzt sagt Petrus: Als Kinder, als gehorsame Kinder, bildet euch nicht nach den vorigen Lüsten in eurer Unwissenheit, sondern wie der, welcher euch berufen hat, heilig ist, seid auch ihr heilig in allem Wandel. Denn es steht geschrieben. Jetzt kommt ein Zitat aus 3. Mose 11,45: Seid heilig, denn ich bin heilig.
Also hier erklärt Petrus: Wir müssen in unserer Heiligkeit, in der praktischen Heiligkeit, Fortschritte machen. Da sollen wir eben in der Schule Gottes Fortschritte machen. Heilig bedeutet abgesondert vom Bösen, reserviert für Gott. Und zunehmende Heiligkeit im Leben bedeutet, dass wir Dinge, die böse sind, so wie wir sie schrittweise erkennen, aus unserem Leben hinaus tun und uns immer mehr ganz Gott zur Verfügung stellen. So sollen wir eben nach dieser Heiligkeit trachten, so wie es im Alten Testament schon gefordert wurde: Seid heilig, denn ich bin heilig.
Vers 17: Und wenn ihr den als Vater anruft, der ohne Ansehen der Person richtet, nach eines jeden Werk, so wandelt die Zeit eurer Fremdlingschaft in Furcht.
Also jetzt spricht er hier über diesen Lebensweg, durch die Leiden, in die Herrlichkeit. Und da sagt er: Dieser Lebensweg, dieser Wandel, dass ihr die Zeit eurer Fremdlingschaft, die sollt ihr wandeln in Gottesfurcht. Und das ist das ABC des Christentums: Gottesfurcht. Sprüche 1,7 ist ja der Schlüsselvers der Sprüche, und dort steht, dass die Furcht des Herrn der Weisheit Anfang ist. Das ist eben der Ausgangspunkt der Bildung in der Schule Gottes: Gottesfurcht. Und so sollen wir unseren Weg gehen.
Er spricht hier über die Zeit der Fremdlingschaft. Ja, wir wissen ja, diese Juden waren ja Ausländer dort in der Türkei. Er sagt ja in 1. Petrus 1,1 den Fremdlingen von der Diaspora. Aber das hat nun eine wichtige Bedeutung für uns. Obwohl die meisten von uns wohl einen Schweizer Pass haben, und wenn nicht diesen roten Pass, dann irgendeinen anderen Pass, also niemand von uns ist ein wirklicher Fremdling in dem Sinne, aber trotzdem müssen wir immer vor Augen haben, Philippa 3,20 sagt: Unser Bürgertum ist in den Himmeln.
Also, wir müssen sehen: Diese Mitgliedschaft in einem Staat hier auf Erden, das ist nur etwas Vorübergehendes. Aber eigentlich sind wir hier auf Erden Fremdlinge, denn unser eigentliches Zuhause ist in der Herrlichkeit. Und so ist das nicht nur wahr für diese Juden damals: So wandelt die Zeit eurer Fremdlingschaft in Furcht, in Gottesfurcht. Das ist auch für uns wahr. Diese Zeit der Fremdlingschaft hier auf Erden, die sollen wir in Gottesfurcht vorangehen.

Erlösung durch das Blut Christi und Freiheit von menschlichen Traditionen

Vers 18: Indem ihr wisst, dass ihr nicht mit verweslichen Dingen, mit Silber oder Gold, erlöst worden seid von eurem eitlen, von den Vätern überlieferten Wandel, spricht er wieder über Silber und Gold. Und er sagt: verwesliche Dinge.
Aber wir haben ja schon gesehen: Gold ist ein Edelmetall. Ich habe mich gerade vor kurzem jemand gefragt: Wie muss man das verstehen? In Jakobus 5 zum Beispiel heißt es, eure Schätze sind verrostet. Jakobus 5,2: Euer Reichtum ist verfault, und eure Kleider sind mottenfressig geworden. Euer Gold und Silber ist verrostet, und ihr Rost wird zum Zeugnis sein wider euch. Und euer Fleisch fressen wie Feuer.
Ja gut, hier ist klar, dass bildlich gesprochen wird. Denn wie kann der Rost von Gold eben das Fleisch fressen wie Feuer? Da merkt man, dass hier bildlich gesprochen wird über die Vergänglichkeit des Reichtums. Und wie verweslich Silber und Gold ist, das sehen wir im Moment gerade mit dem, was mit der UBS geschehen ist. Von der Bank hätten wir es am wenigsten erwartet. Also mir geht es so, also gerade nicht von dir. So stabil hat das ausgesehen. Aber da sieht man, wie eben Gold und Silber verrostet und eben schließlich sogar das Fleisch fressen kann wie Feuer.
Hier sagt Petrus auch: Silber oder Gold, verwesliche Dinge. Ja gut, spätestens dann nach dem Tausendjährigen Reich, wenn Gott Himmel und Erde auflösen wird, die Elemente im Brande aufgelöst werden, 2. Petrus 3, wird alles Edelmetall vergehen. Es ist verweslich. Aber hier sagt Petrus: Das, was uns erlöst hat, das ist eben nicht wie Silber und Gold.
Und die katholische Kirche, die sich auf Petrus als den ersten Papst beruft, hat gelehrt: Wenn man Geld gibt, Gold und Silber, dann kann man dadurch aus dem Fegefeuer erlöst werden. Dabei sagt dieser Petrus so klar: Indem ihr wisst, dass ihr nicht mit verweslichen Dingen, mit Silber oder Gold erlöst worden seid, sondern mit dem kostbaren Blut Christi. Und in Apostelgeschichte 3, als Petrus mit Johannes zum Tempel ging, sah er einen Gelähmten. Und dann sagt er ihm: Sieh uns an. Silber und Gold habe ich nicht. Der erste Papst, der kein Silber und Gold hat. Wie geht das? Ja, und hier sagt er, das ist sowieso verweslich. Was wirklich bleibt, das ist das Blut Jesu Christi, die Grundlage unserer Erlösung.
Also nicht mit Silber oder Gold erlöst worden seid von eurem eitlen, von den Vätern überlieferten Wandel, sondern mit dem kostbaren Blute Christi, als eines Lammes ohne Fehl und ohne Flecken.
Wovon sind wir erlöst worden? Es lohnt sich, mit einer Konkordanz dem nachzugehen, was das Blut Jesu Christi alles bewirkt. Da findet man: Wir sind durch sein Blut gerechtfertigt. Das heißt, Gott spricht einem Menschen, der das Blut Jesu in Anspruch genommen hat, gerecht. Er sagt: Das ist ein gerechter Mensch, weil Gott alle Schuld weggetan hat durch sein Blut. Dann liest man, dass wir durch das Blut Jesu geheiligt sind, für Gott abgesondert. Und da lohnt es sich also, dem nachzugehen. Was wird alles gesagt über das Blut Christi? Durch das Blut Christi haben wir Vergebung der Sünden usw.
Und hier wird gesagt: erlöst von eurem eitlen, von den Vätern überlieferten Wandel. Was ist das? Wir müssen das ein bisschen rückübersetzen auf Hebräisch. Wandel kann man rückübersetzt mit Halacha wiedergeben. Halach heißt gehen, wandeln. Halacha ist Wandel. Aber was bedeutet dieses Wort im Judentum? Die Halacha, das sind die rabbinischen Auslegungen, die verbindlich sind für alle Juden, wie man als Jude zu leben hat und wie man die Gesetze genau anwenden muss.
Zum Beispiel sagt die Halacha: In der Tora steht, du sollst das Böcklein nicht in der Milch seiner Mutter kochen. Das Gebot ist klar. Also ein Ziegenböcklein soll man nicht extra in der Muttermilch kochen, so dass eigentlich diese Milch, die da gewesen war, um das Leben zu geben, das Leben zu erhalten, so muss ich sagen, dass man darin ein geschlachtetes Böcklein noch verkochen würde. Damit wird also diese Wertschätzung der mütterlichen Pflege ausgedrückt. So ganz ähnlich wie in 5. Mose 22: Wenn du auf dem Wege gehst und zufällig ein Vogelnest siehst, dann darfst du die Eier nehmen, aber die Vogelmutter sollst du auf jeden Fall fliegen lassen. Damit auch das Muttertier einen ganz speziellen Schutz hat, denn das Muttertier wäre ganz einfach zu schnappen, weil es sich so einsetzt für die Jungen. Das darf man nicht nehmen, fliegen lassen.
Jetzt haben die Rabbiner sich aber überlegt: Ja gut, aber wie kann ich sicher sein, dass nicht einmal zufällig die Milch, die ich habe, gerade die Milch ist, die ich beim Kochen des Fleisches benutze? Also müssen wir es so machen: Ganz prinzipiell darf man Milchprodukte und Fleischprodukte nicht mischen. Ja, aber das ist doch ein Problem. Wenn man das Geschirr wäscht, ist es ja nicht immer ganz hundertprozentig sauber. Vor allem wenn die Ehemänner das machen, wenn sie helfen. Darum ist es ja möglich, dass ganz kleine Fleischüberreste im Geschirr zurückbleiben, und dann nimmt man Milchprodukte, und das wäre vielleicht gerade eben Muttermilch, und dann kommt beides miteinander in den Magen. Das ist so wie ein Kochkessel. Also man muss zwei Geschirre haben: für Milchprodukte, für Fleischprodukte.
Ja, aber wie ist das, wenn ich eben Fleisch esse und dann noch Käse? Ja, das könnte ja sein, dass der Käse gerade von der Mutter von diesem Tier ist, und dann kommt das zusammen da im Bauch in den Kochkessel. Kein Problem, also man darf Fleisch essen, aber so und so viele Stunden danach darf man erst wieder Milchprodukte essen.
Das heißt, man macht aus einem Gebot eine Riesensache, die so richtig typisch für Judentum geworden ist, obwohl das in der Bibel gar nicht gemeint war. Und das ist die Halacha. Und die hat alles Mögliche geregelt, geregelt, geregelt, geregelt und übergeregelt. Und der Herr Jesus greift ja diese Überlieferungen der Ältesten an in Markus 7, und er sagt: Ihr habt sogar Gesetze aufgestellt, durch die die Gebote Gottes aufgehoben werden. Das ist tatsächlich so. Das Beispiel, das der Herr Jesus dort in Markus 7 erwähnt, das findet man im Talmud, dem wichtigsten rabbinischen Dokument, in dem eben diese Halacha-Gesetze zusammengefasst sind. Und Petrus sagt: Das ist dieser eitlen, von den Vätern überlieferte Wandel, Halacha, und von all diesen Gesetzen, die über das Wort Gottes hinausgehen.
Darum hat der Herr Jesus ja oft genau am Sabbat etwas getan, was man gemäß der Halacha nicht durfte, aber gemäß dem Gesetz Mose richtig war. Der Herr hat sich immer genau an die Gebote im Gesetz Mose gehalten, aber nicht an die Halacha, wenn die Halacha eben darüber hinausging. Und so sagt Petrus diesen gläubigen Juden: Ihr seid erlöst von diesen menschlichen, überzogenen Gesetzen durch das Blut Christi.
Was kann das bedeuten für jemanden, der nicht aus dem Judentum kommt, zum Beispiel aus der katholischen Kirche? All diese Gesetze, die Menschen da aufgestellt haben, kann man alles über Bord werfen: erlöst von diesem eitlen, von den Vätern überlieferten Wandel durch das Blut Christi, von allen möglichen Traditionen, die Menschen uns aufgelegt haben als ein Joch, das aber nicht mit dem Wort Gottes übereinstimmt. Frei, erlöst durch das Blut Christi.
Wie gesagt, es lohnt sich, all den Stellen nachzugehen, wo gesagt wird, was das Blut Christi alles bewirkt. Das ist eine Wirkung des Blutes Christi, das uns frei macht von den Gesetzen, Geboten der Menschen, um allein dem Willen Gottes, dem Wort Gottes zu entsprechen.
Ja, und dann wird erklärt: Dieses kostbare Blut Christi ist das Blut eines Lammes ohne Fehl und ohne Flecken. Die Opfer im Alten Testament durften ja keinen Fehler haben, also nicht lahm sein, blind oder irgend so, sondern mussten perfekt sein, ein Bild des vollkommenen Erlösers. Und sie sollten auch nicht irgendwelche Flecken haben. Und so war das eben ein Hinweis auf den Herrn Jesus, der absolut vollkommen war als Mensch auf dieser Erde. Und darum konnte er für uns sterben.
Welcher zwar zuvor erkannt ist vor Grundlegung der Welt, aber geoffenbart worden am Ende der Zeiten um euretwillen, die ihr durch ihn glaubt an Gott, der ihn aus den Toten auferweckt und ihm Herrlichkeit gegeben hat.
Die Erlösung war von Gott vorgesehen schon vor Erschaffung der Welt, weil Gott alles wusste, wie es kommen wird mit dem Sündenfall. Gott hat den Sündenfall nicht geplant, aber er wusste, dass er kommen wird. Und Gott hat die Erlösung im Voraus gesehen, wie das Wort verwandt ist mit Prognosis. Und so wurde der Herr Jesus schon klar vor Erschaffung der Welt gesehen, dass er einmal der Erlöser sein sollte. Aber er sollte nicht gerade nach dem Sündenfall kommen. Gott hat ihn zwar angekündigt in 1. Mose 3,15, der Same der Frau, der einmal der Schlangenkopf zertreten würde, aber er sollte erst viel später kommen, am Ende der Zeiten, in der Endzeit.
Ja, aber war das vor zweitausend Jahren schon die Endzeit? Ja, man muss natürlich erklären, was man meint, wenn man von Endzeit spricht. Die Bibel spricht über die ganze Zeit des Alten Testamentes, über die Zeit des Gesetzes, und dann sollte der Messias kommen, und das war am Ende dieser Zeit des Wartens. Also hat Gott die ganze Menschheitsgeschichte eingeteilt in zwei Perioden: eine Periode des Wartens auf den Erlöser und dann die Zeit, wo der Erlöser gekommen ist und seine Erlösung geschaffen hat. Und so war das am Ende der Zeit des Wartens.
Aber in Matthäus 24 sagen die Jünger dem Herrn Jesus: Was ist das Zeichen der Vollendung des Zeitalters und das Zeichen einer Wiederkunft? Luther hat dort nicht gut übersetzt, er sagt: Was ist das Zeichen des Endes der Welt. Aber die Wiederkunft Christi ist ja nicht am Ende der Welt, denn danach muss ja noch das tausendjährige Reich kommen, gemäß Offenbarung 20, und erst dann kommt die Auflösung der Welt. Aber schon das Alte Testament macht klar: Zwischen dem ersten Kommen und dem zweiten Kommen des Messias, da ist eine Zeitperiode. Und die Jünger fragen: Was ist das Zeichen der Vollendung des Zeitalters? Also was ist das Zeichen, wenn diese Zwischenzeit zwischen dem ersten und dem zweiten Kommen des Herrn Jesus zu Ende geht, also die Endzeit dieser Zwischenzeit zwischen dem ersten und dem zweiten Kommen des Herrn Jesus? Und das wird in der Bibel genannt: Endzeit, die letzte Stunde, die letzten Tage, am Ende der Zeit, am Ende der Jahre usw. Es gibt viele Ausdrücke.
Also wir müssen unterscheiden hier: am Ende der Zeiten, das ist am Ende dieser Zeit des Wartens, genau so in Hebräer 1: Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten, hat er an diesem Ende der Tage zu uns geredet im Sohn. Man muss übersetzen: an diesem Ende der Tage, nicht am Ende dieser Tage, an diesem Ende der Tage. Das war das Ende dieser Wartezeit, in dem Sinn Endzeit. Und dann haben wir eben das Ende dieser Zwischenzeit zwischen dem ersten und dem zweiten Kommen Christi.
Und so kann man die Leute widerlegen, die sagen: Wieso sprecht ihr heute von Endzeit? Die Endzeit hat ja begonnen vor zweitausend Jahren. Da muss man sagen: Ja bitte, welche Endzeit? Das war die Endzeit des langen Wartens und der Zeit des Gesetzes, und jetzt sagen wir, wir sind in der Endzeit kurz vor dem Kommen des Herrn Jesus zum zweiten Mal. Und im Textzusammenhang wird das eigentlich immer klar in der Bibel, was gemeint ist. Also immer, wenn gesprochen wird über das Ende der Tage, sagen wir Daniel usw., und geht es dann um die große Drangsal und das Kommen des Herrn Jesus als König, da ist klar: Das ist die Endzeit zwischen dem ersten und dem zweiten Kommen.
Ja, also welcher zwar zuvor erkannt, vor Grundlegung der Welt, aber geoffenbart worden am Ende der Zeiten um euretwillen, die durch ihn glauben an Gott, der ihn aus den Toten auferweckt und ihm Herrlichkeit gegeben hat, damit euer Glaube und eure Hoffnung auf Gott sei.
Also sie haben den Messias kennengelernt. Er sagt diesen Juden: Ihr habt euren Glauben eben an diesen Gott, der den Messias aus den Toten auferweckt hat. Sie haben geglaubt an diesen leidenden Messias. Und jetzt gab es ein großes Problem für Juden: Ist Jesus Christus wirklich der Messias? Er hatte das Weltreich nicht aufgerichtet, der Friede ist nicht gekommen. Und der erste Petrusbrief macht klar: Das ist alles nur eine Frage der Zeit. Also das Lamm Gottes ist gekommen, der Herr Jesus hat gelitten, und jetzt müssen wir auch durch Leiden hindurchgehen. Und dann, nach dieser langen Zeit des Wartens, wird er dann kommen, zur Entrückung, und gleich darauf, um als König sein Reich auf Erden aufzurichten.

Wiedergeburt durch das Wort und die ersten praktischen Konsequenzen

Ja, jetzt gehen wir noch weiter.
Vers 22: Da ihr eure Seelen gereinigt habt durch den Gehorsam gegen die Wahrheit zur ungeheuchelten Bruderliebe, so liebt einander mit Inbrunst aus reinem Herzen, die ihr nicht wiedergeboren seid aus verweslichem Samen, sondern aus unverweslichem, durch das lebendige und bleibende Wort Gottes.
Wieder betonte er: Ihr seid wiedergeboren. Und zwar durch das Wort Gottes. Der Same ist das Wort Gottes, so auch in Lukas 8 beim Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld. Dort wird erklärt: Der Same ist das Wort Gottes. Und jetzt erklärt Petrus, was das für ein Wort ist, indem er aus Jesaja zitiert.
 Jesaja 40,6-8: Alles Fleisch ist wie Gras, und alle seine Herrlichkeit wie des Grases Blume. Das Gras ist verdorrt, und seine Blume ist abgefallen; aber das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit.
Eben, die Menschen sind wie Blumen auf der Wiese: kurze Zeit wunderschön, und schon ist es vorbei. Ja, es geht so schnell. Es gibt noch ein paar Hilfsmittel. Meine zwölfjährige Tochter hatte an der Bezirksschule die Frage in Geologie, was Falten und Decken sind, und das wusste sie einfach nicht. Dann hat sie ganz cool geschrieben: Ja, Falten sind das, was man im Gesicht hat, und Decken sind das, was man sich nachts deckt.
Sie weiß schon von den Problemen der Falten, sie hat auch noch keine einzige. Aber die kommen so schnell. Eben, die Blume vergeht so schnell. All das ist vergänglich, für eine kurze Zeit. Aber das Wort Gottes, durch das wir wiedergeboren worden sind, zeigt uns, dass wir Sünder sind. Und es zeigt uns den Herrn Jesus, der für uns gestorben ist. Wenn wir das im Glauben annehmen, bekommen wir das Leben aus Gott und werden wiedergeboren.
So geschieht die Wiedergeburt durch das Wort Gottes, und dieses Wort bleibt in alle Ewigkeit. Wir werden es auch im Himmel haben, die Bibel. In Psalm 119 steht: Dein Wort steht in den Himmeln in Ewigkeit. Es gibt nicht nur das Buch des Lebens im Himmel. Offenbar werden um zwanzig Uhr die Bücher aufgetan, und das Buch des Lebens wird aufgetan. Es gibt eine ganze Bibliothek im Himmel, aber das wichtigste Buch ist die Bibel.
Und jetzt erklärt Petrus: Dies aber ist das Wort, welches euch verkündigt worden ist. Wörtlich steht hier: das Wort, das euch evangelisiert worden ist, als frohe Botschaft verkündigt worden ist.
Und nun kommen die praktischen Konsequenzen aus der Wiedergeburt.
Kapitel 2, Vers 1: Legt nun ab alle Bosheit und allen Trug und Heuchelei und Neid und alles üble Nachreden! Und wie neugeborene Kindlein seid begierig nach der vernünftigen und unverfälschten Milch, damit ihr durch dieselbe wachst zur Errettung, wenn ihr anders geschmeckt habt, dass der Herr gütig ist.
Also, wir sind ja in der Schule Gottes, wo wir uns weiterbilden. Diese Bildung war die Rede in 1. Vers 14, und dazu gehört eben das Ablegen von solchen Dingen wie Bosheit, Trug, Heuchelei, Neid und übles Nachreden. Dinge, die unglaublich klebrig sind.
Und dann wird gesagt, ihr sollt sein wie neugeborene Kindlein. Die kann man wirklich mit nichts anderem stillen als mit Muttermilch. Ja, man kann Spielzeug hineingeben, das nützt nichts, wenn es noch so toll ist. Man muss Muttermilch geben. Und so wie diese kleinen Kinder wirklich nichts anderes im Kopf haben als Muttermilch, so sollen wir auf das Wort Gottes aus sein. So ist der Vergleich.
Er sagt nicht: Alle ihr Gläubigen, auch die, die schon lange im Glauben stehen, seid alles frisch geborene Babys. Nein, er sagt: Wie neugeborene Kindlein sollen wir begierig sein nach dieser Milch des Wortes Gottes. Und das wird hier genannt vernünftige Milch und unverfälschte Milch. Also nicht nur irgendwelche Zusätze, die gar nicht dazugehören, sondern wahres Wort Gottes, reines Wort Gottes.
Und dann sagt er: Und so wächst ihr zur Rettung. Damit ist wieder gemeint die Rettung in der Zukunft, bei der Entrückung. Also die Bibel spricht in verschiedenen Arten von Rettung. Sie spricht über die Rettung in der Vergangenheit. Bei der Bekehrung werden wir gerettet vor der Hölle, und darum sagt Epheser 2 davon, dass Gott uns errettet hat, abgeschlossen in der Vergangenheit, errettet hat.
Aber dann wird auch gesprochen über diese Rettung in der Zukunft, das ist bei der Entrückung. Und es gibt noch mehr, aber wir kommen später darauf.
Und dann sagt er: Wenn ihr anders geschmeckt habt, dass der Herr gütig ist. Das kommt aus dem Alten Testament, aus Psalm 34. Und er wird uns im Petrusbrief noch weiter begegnen, dieser Psalm 34. Darum schlagen wir ihn zum ersten Mal auf. Ich lese Psalm 34,8 beziehungsweise 34,9, je nach Bibelausgabe: Schmeckt und seht, dass der Herr gütig ist; glückselig der Mann, der auf ihn traut.
Dass der Herr gütig ist, schmecken und sehen. Und er sagt: Wenn ihr anders geschmeckt habt, dass der Herr gütig ist. Es ist ganz wichtig, dass Gläubige davon überzeugt sind, dass der Herr gütig ist. Denn so leicht, wenn wir eben durch Schwierigkeiten hindurchgehen, kommt der Versucher und sagt: Der Herr meint es nicht gut mit dir. Und das ist etwas ganz Gefährliches, wo man leicht ausrutscht als Gläubiger.
Und diese tiefe Überzeugung, der Herr ist gütig, schmeckt und seht, dass der Herr gütig ist, das kann man sich aneignen, indem man das Rezept von Psalm 103 immer wieder praktiziert: Lobe den Herrn, meine Seele, und all mein Inneres seinen heiligen Namen. Und dort steht auch: Und vergiss nicht alle seine Wohltaten.
Dass wir uns auch immer wieder darüber nachdenken und im Klaren werden: Was hat der Herr uns in der Vergangenheit schon alles getan? Und wie oft hat er uns aus Schwierigkeiten, wo wir gedacht haben, wie sollen wir jemals da rauskommen, wieder herausgeführt, wieder einen Weg gezeigt? Und diese tiefe innere Überzeugung, der Herr ist gütig, das muss eine Basis sein. Und so kann man eben wachsen als Gläubiger.

Der lebendige Stein und das geistliche Priestertum

Vers 4: Zu ihm kommend, zu diesem gütigen Herrn, als zu einem lebendigen Stein, von Menschen zwar verworfen, bei Gott aber auserwählt, kostbar.
Hier wird der Herr Jesus genannt: der lebendige Stein, der auserwählte Stein, der kostbare Stein. Wir werden gleich mehr über diesen Stein hören und seine Bedeutung.
Und jetzt wird erklärt: Seid auch ihr selbst als lebendige Steine aufgebaut, ein geistliches Haus, ein heiliges Priestertum, um darzubringen geistliche Schlachtopfer, Gott wohlannehmlich durch Jesus Christus.
Also sagt Petrus: Die Gläubigen bilden zusammen ein Tempelhaus. Aber es ist eben nicht ein wörtliches Haus, sondern ein geistliches Haus. Jeder Gläubige ist an diesem Haus ein Stein. Und wie hat Petrus sich am Anfang des Briefes genannt? Petrus, ein Stein, Petros, ein Stein, Apostel Jesu Christi, an die Fremdlinge.
Und jetzt sagt er: Alle Gläubigen sind lebendige Steine. Übrigens, den zweiten Brief beginnt er nicht mit Petrus. Im zweiten Brief sagt er: Simon Petrus, Knecht und Apostel Jesu Christi. Und das hat einen Zusammenhang mit dem Brief, denn Simon spricht von diesem alten Petrus vor der Bekehrung. Er spricht dann über das Problem der Versuchung aus uns heraus. Aber Petrus war eben ein gläubig Gewordener. Darum nennt er sich Simon Petrus, der auch das neue Leben in sich hat, nicht nur noch die alte Natur von Adam her.
Aber hier im ersten Brief geht es um das geistliche Haus, und darum sagt er: Petrus, ein Stein. Alle Gläubigen sind lebendige Steine, werden aufgebaut zu einem Tempelhaus, und sie sind noch mehr: Sie sind zusammen ein Priestertum. Jeder Gläubige ist ein Priester. Jetzt wissen wir, woher die Reformatoren das hatten. Sie sagten, die Bibel lehrt das allgemeine Priestertum. Es gibt nicht eine Klasse von Priestern und den Rest, der das dumme Volk ist, sondern jeder Gläubige ist ein Priester.
Hier steht es: ein heiliges Priestertum, um Gott darzubringen geistliche Schlachtopfer, Gott wohlannehmlich durch Jesus Christus. Nicht wirklich Opfertiere bringen, sondern geistliche Schlachtopfer. Das heißt, wir kommen in der Anbetung zu Gott und sprechen zu Gott dem Vater über seinen Sohn, wie er sich als Opfer, als das Lamm ohne Fehler und ohne Flecken hingegeben hat, wie kostbar sein Blut ist, das Menschen erlöst hat von einem eitlen, von den Vätern überlieferten Wandel und so weiter und so fort.
Das ist die Aufgabe der Gemeinde heute: ein Priestertum zu sein, das eben Gott anbetet. Und das ist wahrer Gottesdienst. Viele Menschen denken, Gottesdienst ist, wenn Gott uns bedient. Ja, das ist nicht wirklich Gottesdienst, wenn wir in der Predigt das Wort bekommen. Der, der predigt, der dient Gott, ja, aber die, die zuhören, die werden bedient. Aber weil wir alle Priester sind, sollen wir alle in der Anbetung zu Gott kommen und über den Herrn Jesus als Opfer sprechen.
Jetzt machen wir die wohlverdiente halbstündige Pause. Wir sollten weiterfahren.
Wir haben gesehen in 1. Petrus 2, der Herr Jesus ist der lebendige Stein, die Gläubigen kommen zu ihm als lebendige Steine und werden zusammen aufgebaut: ein geistlicher Tempel, ein geistliches Haus. Und jetzt zeigt Petrus ab Vers 6, dass diese Gedanken im Alten Testament Wurzeln haben.
Nicht wahr, schon der Herr Jesus hat ja in Matthäus 16 gesagt, nachdem Petrus das Bekenntnis abgelegt hat: Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Da hat der Herr Jesus gesagt: „Du bist Petros, ein Stein, und auf diesen Felsen, Petra, werde ich meine Gemeinde bauen.“ Der Herr Jesus sagt nicht: Du bist Petros, und auf diesen Petros werde ich meine Gemeinde bauen, sondern er sagt: Du bist Petros, ein Stein, und auf diese Petra, Fels, werde ich meine Gemeinde bauen.
Wer ist denn dieser Fels? Im Alten Testament wird Gott an so vielen Stellen der Fels genannt, und so bezieht sich Fels eben auf das Bekenntnis des Petrus: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Und das wird jetzt durch Petrus selber aus dem Alten Testament dargelegt.
Vers 6: Denn es ist in der Schrift, das heißt im Alten Testament, enthalten. Jetzt kommt ein Zitat aus Jesaja 28,16, das auch schon die Rabbiner früher im Judentum auf den Messias gedeutet haben: Siehe, ich lege in Zion einen Eckstein, einen auserwählten, kostbaren, und wer an ihn glaubt, wird nicht zu Schanden werden.
Also die Rabbiner wussten schon früher: Der Messias wird hier Eckstein genannt. In Zion ist der Tempelberg in Jerusalem. Erst in nachbiblischer Zeit, ab etwa 100 nach Christus, wurde ein Nachbarhügel Zion genannt. Darum nenne ich den Zion römisch zwei und den biblischen Berg Zion Zion römisch eins. Der ist identisch mit dem Berg Moria, 1. Mose 22, 2. Chronika 3,1.
Also, hier geht es um einen Eckstein auf dem Tempelberg, auserwählt, kostbar. Da wird also klargemacht, was gemeint ist: Der Herr Jesus ist der lebendige Stein, Vers 4, er ist der Eckstein auf dem Tempelberg. Also auch in 1. Petrus 2,4: „Lebendiger Stein, bei Gott auserwählt, kostbar“ – das sind alles Anspielungen auf diese Stelle in Jesaja 28, wo der Messias Eckstein genannt wird.
Und dann weiter Vers 7: Euch nun, die ihr glaubt, ist die Kostbarkeit. Dieser Stein ist ja kostbar den Ungläubigen. Aber jetzt kommt ein Zitat aus Jesaja 8,14, zuerst aus Psalm 118,22: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist zum Eckstein geworden.
Das ist eine ganz interessante Stelle, weil im Aramäischen zur Zeit des Herrn Jesus der Ausdruck Bauleute eine Bezeichnung für Schriftgelehrte war. Und darum hatte also dieses Wort damals in den Ohren den Klang: Der Stein, den die Schriftgelehrten verworfen haben, dieser ist zum Eckstein geworden.
Der Eckstein war ja im Altertum der wichtigste Baustein auf einem vorbereiteten Fundament aus Fels. Natürlich nur die Dummen bauten auf dem Sand, Matthäus 7 am Schluss. Da setzte man einen ersten Baustein auf, und seine Position gab bereits zwei Mauerlinien an. So war das der Eckstein, nach dem alles andere ausgerichtet werden musste.
Nun, Jesaja 28 macht klar: Der Jesus sollte Eckstein sein für ein neues Gebäude, nach dem sich alles ausrichten muss. Aber Psalm 118 sagt: Dieser Stein wird von den Schriftgelehrten verworfen werden. Das ist eben der verworfene Messias, der von den Führern des jüdischen Volkes abgelehnt wurde. Und er sollte aber Grundlage werden für ein neues Gebäude.
Und jetzt kommt noch ein Zitat aus Jesaja 8,14: ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses. Die Ungläubigen, die sich, da sie nicht gehorsam sind, an dem Wort stoßen, wozu sie aufgesetzt worden sind.
Also, für die Gläubigen ist der Herr Jesus der Stein, der auserwählt kostbar ist. Für euch ist die Kostbarkeit. Aber für die Ungläubigen ist er der verworfene Stein. Und er ist noch mehr ein Stein des Anstoßes, also ein Stein, über den man stolpert und dadurch zu Fall kommt.
Und wenn man Jesaja 8 dort liest, von diesem Stein, dann wird dort erzählt, dass die Bewohner von Jerusalem zerschmettert werden, gefangen weggeführt. Und so war schon aus Jesaja 8 klar: Wenn der Messias kommt, wird er abgelehnt werden, und dadurch wird es zu einer nationalen Katastrophe kommen, eben zerschmettert, gefangen und so weggeführt.
Und Petrus sagt: Die Ungläubigen stoßen sich an Jesus Christus, wozu sie auch gesetzt worden sind. Jetzt könnte man denken: Aha, die sind dazu bestimmt worden, dass sie sich eben an Jesus Christus ärgern. Die Logik ist die: Er sagt, die sich, da sie nicht gehorsam sind, an dem Wort stoßen. Jeder, der nicht das Evangelium annehmen will, der ist dazu gesetzt, dass er sich schlussendlich daran ärgert. Das ist also die Folge aus dem Nicht-sich-bekehren-Wollen. Die führt dazu, dass jemand sich eben richtig ärgert und darüber zu Fall kommt.
Jetzt ist noch etwas ganz besonders interessant. Da wird also vom Eckstein gesprochen. Aber schlagen wir mal auf Jesaja 8,16 im Alten Testament auf, da steht: Darum so spricht der Herr, der Ewige: Siehe, ich gründe einen Stein in Zion, einen bewährten Stein, einen kostbaren Eckstein, aufs Festeste gegründet. Wer glaubt, wird nicht ängstlich eilen.
Eckstein, und dann wird aber gesagt, wörtlich: ein Eckstein von festestem Fundament. Dieser Stein wird hier genannt Eckstein und Fundament, von festester Gründung. Ja, aber das ist doch eigenartig, weil im Altertum war ja eben das Fundament und der erste Stein, der Eckstein, das waren zwei verschiedene Bauteile. Aber auf dem Tempelberg war das ausnahmsweise anders.
Auf dem höchsten Punkt des Tempelberges befindet sich ein riesiger Fels, heute in der Omar-Moschee, im Felsendom, drin. Das war, wie die neuesten archäologischen Forschungen aus den 1990er-Jahren gezeigt haben, der Ort, wo das Allerheiligste Salomos gebaut wurde, und zwar so, dass das Allerheiligste direkt auf diesem Felsen gebaut war.
Und man sieht: Die Südmauer war direkt auf den Felsen aufgelegt. Es gibt nämlich dort eine abgeplattete Region von 3,15 Meter Breite. Das entspricht genau sechs Königsellen, die 52,5 Zentimeter waren. Und in 2. Chronika 3, wie gesagt, die Mauerstärke des Allerheiligsten waren sechs Ellen. Aber nur die Südmauer hat eine Spur auf dem Felsen.
Wo waren die Nordmauer und die Westmauer? Die waren direkt entlang der steilen Böschung, der natürlichen steilen Böschung dieses Felsens. Und wenn man das so einzeichnet, also entlang dem Felsen, Westmauer, Nordmauer und auf dem Felsen die Südmauer, dann gibt es von Mauer zu Mauer exakt zwanzig Königsellen. Also zwanzig mal 42,5 Zentimeter.
Ja, aber in 2. Chronika steht, dass das Allerheiligste des Salomo-Tempels 20 mal 20 Ellen war. Jetzt kann man da ein Quadrat vervollständigen, dann weiß man genau, wo der Scheidevorhang durchging. Und dann sieht man ganz zentral eine rechteckige Vertiefung, die schön parallel verläuft zu den Mauerlinien. Und zwar mit einer Grundfläche von 1,5 auf 2,5 Ellen. Das sind genau die Maße der Bundeslade.
Und in 2. Chronika 8 steht, dass Salomo einen Ort eingerichtet hat, im Sprachort, im Allerheiligsten, um dahin die Lade des Bundes zu setzen. Also wir haben genau die Spur heute noch sichtbar von der Bundeslade im Allerheiligsten dort vor Augen.
Ja, und jetzt sehen wir: Dieser Fels war das Fundament, denn die Südmauer war ja auf ihm aufgelegt. Aber gleichzeitig war dieser Fels der Eckstein, denn die Westmauer des Allerheiligsten und die Nordmauer waren genau entlang seiner natürlichen Position gebaut. So vereinigt er Eckstein und Fundament in einem.
Und genau das ist ja, was wir hier haben: Der Herr Jesus ist dieser kostbare Eckstein, und er ist gleichzeitig das Fundament. Und das bestätigt jetzt auch wieder in Matthäus 16: Der Herr Jesus ist der Fels, auf dem die Gemeinde aufgebaut wird.
Und jetzt schauen wir noch etwas ganz Schönes: Hier in 1. Petrus 2,8 heißt der Herr Jesus ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses. Das Wort für Fels des Ärgernisses ist Petra des Ärgernisses. Petrus nennt den Herrn Jesus Petra, Fels, und sich selber bezeichnet er im ersten Vers des Briefes als Petros, ein Stein.
Aber der Herr Jesus wird ja auch genannt lebendiger Stein. Da benutzt Petrus ein neutrales Wort. Ich habe das hier bei den Besonderheiten aufgeführt, dort benutzt er das Wort lithos. Und er sagt, auch die Gläubigen nennt er lithos, lebendige Steine.
Übrigens, das kennen wir von Lithografie. Ja, ursprünglich hat man das eben auf Steine gemacht, diese Druckvorlagen, darum litho. Steineinzeichnung heißt Lithografie. Ja, lithos. Und mit diesem neutralen Wort kann also Petrus sowohl den Herrn Jesus bezeichnen, den Eckstein, der aber gleichzeitig ein Fels ist, denn dieser Felsbrocken in der Omar-Moschee heute, das ist nicht ein Steinchen. Ja, eben, man kann ihn bezeichnen als Fels, Petra, oder man kann ihn auch bezeichnen als Stein.
Die Rabbiner haben diesen Felsen im Tal Moria bezeichnet als Evenschetia, das ist der Grundstein, eben weil er Fundament war. Aber sie bezeichnen ihn auch als Stein. Nun also wird klar: Der Herr Jesus ist die Petra, dieses Fundament, das aber gleichzeitig auch Eckstein ist.
Und nun: Die Gemeinde ist nach diesem Urbild in Jerusalem gebaut. Nach dem Herrn Jesus muss sich alles ausrichten. Nicht wir können Statuten machen und so und so, sondern wir müssen alles ausrichten nach dem Herrn Jesus. Und er selber ist das Fundament, auf dem alles ruht, auf dem alles gründet.

Auserwähltes Volk, Zeugnis und Unterordnung im Alltag

Jetzt kommt Vers neun. Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitztum, damit ihr die Tugenden dessen verkündigt, der euch berufen hat aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht; die ihr einst nicht ein Volk wart, jetzt aber ein Volk Gottes seid; die ihr nicht Barmherzigkeit empfangen hattet, jetzt aber Barmherzigkeit empfangen habt.
Hier spielt Petrus auf Hosea 1 an, wo Gott zu seinem Volk, zu einem auserwählten Volk, sagt: Wegen eurer Untreue und eurem Götzendienst will ich euch nicht mehr als mein Volk. Ihr seid lo ami, nicht mein Volk. Und so wurde in Folge von Hosea Israel nicht mehr gesehen als das Volk Gottes, sondern als ein Volk, das Gott auf die Seite gestellt hat: nicht mein Volk. Aber dort in Hosea steht, dass in der Endzeit einmal wieder die Zeit kommt, wo Gott dieses Volk, das er auf die Seite gestellt hat, wieder bezeichnet als mein Volk, ami.
Aber damals, als Petrus den Brief schrieb, da war Israel, das jüdische Volk, immer noch lo ami. Und darum gab es auch keine Bundeslade mehr im Zweiten Tempel im Allerheiligsten. Die Bundeslade war ja das Zeichen des Bundes zwischen Gott und seinem Volk, aber sie fehlte im Zweiten Tempel. Das Zeichen, das zeigte: Das ist mein Volk, fehlte. Das war nur im ersten Tempel da.
Und jetzt sagt Petrus diesen Juden: Ihr wart einst nicht ein Volk, lo ami, aber jetzt seid ihr Gottesvolk. Dadurch, dass diese Juden sich bekehrt hatten, zum Glauben an den Messias kamen, gehören sie jetzt zum himmlischen Volk Gottes, natürlich zusammen mit allen Nichtjuden, die sich auch bekehrt haben. Und so kann er ihnen sagen: Ihr wart einmal nicht ein Volk Gottes, aber jetzt seid ihr Gottesvolk. Ihr hattet einst nicht Barmherzigkeit empfangen, wie das in Hosea 1 steht, aber jetzt habt ihr Barmherzigkeit empfangen. Also er sagt: Ihr seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitztum.
Jetzt ist noch wichtig: In Vers 5 haben wir gelesen: ein heiliges Priestertum, und dann in Vers 9: ein königliches Priestertum. Das sind zwei verschiedene Seiten. Was tut das heilige Priestertum? Anbeten, um darzubringen geistliche Schlachtopfer, Gott wohlgefällig durch Jesus Christus. Was tut das königliche Priestertum? Damit ihr die Tugenden dessen verkündigt, der euch berufen hat aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht. Das ist nicht das Reden zu Gott wie bei der Anbetung, sondern das ist das Reden zu den Menschen von Gottes Herrlichkeit. Das ist die Aufgabe der Evangelisation.
Also wichtig ist: Die Gemeinde hat die Aufgabe, Gott zu dienen in der Anbetung. Und die Gemeinde hat die Aufgabe, den Menschen zu dienen in der Evangelisation, in der sie die Größe und Herrlichkeit Gottes den Menschen mitteilt. Das sind also diese beiden Seiten. Man darf nicht eine Seite überbetonen gegenüber der anderen. Das muss eben ausgeglichen sein.
Vers 11: Geliebte, ich ermahne euch als Fremdlinge und als die ihr ohne Bürgerrecht seid. Das war ganz wörtlich für sie, oder? Aber für uns ist es eben insofern wahr, obwohl wir einen Nationalpass haben, sind wir eben doch eigentlich Fremdlinge, die ihr eigentliches Bürgerrecht im Himmel haben, dass ihr euch enthaltet von den fleischlichen Lüsten, welche gegen die Seele streiten, indem ihr euren Wandel unter den Nationen ehrbar führt, auf dass sie, worin sie gegen euch als Übeltäter reden, aus den guten Werken, die sie anschauen, Gott verherrlichen am Tag der Heimsuchung.
Also er sagt: Ihr müsst euer Leben hier auf der Erde so gestalten, dass euer Wandel in den Augen der ungläubigen Menschen um euch herum ehrbar ist. Und das soll zur Folge haben, wenn einmal der Tag der Heimsuchung kommt, das heißt, wenn der Messias kommt als der Richter der Welt, dass die ungläubigen Menschen dann sagen müssen: Ja, eigentlich waren das eben nicht komische Leute, sondern die haben wirklich so gelebt, wie Gott das will.
Vers 13: Unterwerft euch nun aller menschlichen Einrichtungen um des Herrn willen, es sei dem König als Oberherrn oder dem Statthalter als denen, die von ihm gesandt werden zur Bestrafung der Übeltäter, aber zum Lobe derer, die Gutes tun; denn also ist es der Wille Gottes, dass ihr durch Gutes tun die Unwissenheit der unverständigen Menschen zum Schweigen bringt.
Jetzt spricht Petrus über unser Verhalten in dieser Welt. In Vers 11 und 12 über das Verhalten allgemein gegenüber den Ungläubigen um uns herum. Jetzt ab Vers 13 bis 15 über unser Verhalten gegenüber der Regierung, der wir unterstellt sind. Und er sagt: Unterwerft euch nun aller menschlichen Einrichtung um des Herrn willen. Ich kann menschliche Einrichtung unterstreichen, das heißt, dass die Einrichtungen nicht immer hundert Prozent sind, weil sie menschlich sind. Das heißt, es gibt Stellen auf den Straßen, wo man sagen muss: Wenn man sich ein bisschen überlegt, könnte man da ohne Problem zwanzig Stundenkilometer schneller fahren. Aber es sind eben menschliche Einrichtungen, und Petrus sagt: Unterwerft euch den menschlichen Einrichtungen, nicht weil sie so toll sind, sondern um des Herrn willen, also zu seiner Ehre.
In Titus 3 wird gesagt, wir sollen uns der Obrigkeit unterwerfen, dort eigentlich um des Zeugnisses willen, und in Römer 13 wird gesagt, um des Gewissens willen, dass wir eben nicht ein schlechtes Gewissen haben müssen. Und dort wird auch gesagt, dass man das nicht nur einfach wegen der Strafe machen soll. Es gibt manche, die gehorchen, weil sie wissen: Da muss ich so viel bezahlen. Aber Römer 13 zeigt, das soll eigentlich nicht die Motivation sein, um der Regierung zu gehorchen, weil man bezahlen muss, sondern eben um des Gewissens willen, um des Zeugnisses willen und hier um des Herrn willen.
Und man bedenke: Der König damals als Oberherr, das war der Kaiser von Rom. Und zwar zu der Zeit, ich habe das aufgeführt bei Zeit und Ort der Abfassung, die inneren Hinweise im ersten Petrusbrief zeigen, dass der Brief geschrieben wurde in der Zeit von etwa 63, 64 nach Christus, als es bereits gewisse Christenverfolgungen gab, zur Zeit von Nero. Wir kommen darauf in Kapitel 4, Vers 12. Das war ein so schlimmer Mensch. Später zum Beispiel schreibt, ich glaube, das war Tertullian, der schreibt: Nero hat die Christen verfolgt, und das ist eigentlich eine Ehre, weil alles, was dieser Mensch verfolgt hat, das war gut. Also er sagt, es war eine Ehre, wenn man unter Nero verfolgt wurde. Das zeigt eigentlich, dass das Christentum etwas Gutes sein muss, denn er hat alles Gute gehasst.
Und so wird aber hier trotzdem gesagt, man soll sich dieser Obrigkeit unterwerfen, dem Statthalter auch unterwerfen als tieferem Beamten im Reich. Und es wird doch gesagt: Allgemein haben selbst diese verdrehten Regierungen doch die Auswirkung, dass sie im Allgemeinen Übeltäter bestrafen und Gutes belohnen. Also es war selbst unter Nero nicht so, dass Mörder im Allgemeinen gut geheißen waren und Räuber und Diebe gut geheißen waren. Selbst eine verdrehte Regierung führt doch im Allgemeinen dazu, dass Böses bestraft wird und Gutes belohnt wird.
Ja, vor einiger Zeit hat ja eine Journalistin in Deutschland ein ganz besonderes Beispiel dafür gegeben, dass sie sich in den letzten Jahren in den Bericht gehalten hat, dass sie sich in den Bericht geäußert hat, dass sie sich in den Bericht geäußert hat, dass sie sich in den Bericht geäußert hat, dass sie sich geäußert hat, dass sie sich geäußert hat, dass sie sich geäußert hat, dass sie sich geäußert hat, dass sie sich geäußert hat, dass sie sich geäußert hat, dass sie geäußert hat, dass sie geäußert hat, dass sie geäußert hat, dass sie geäußert hat, dass sie geäußert hat, dass sie gesagt hat, dass es auch gewisse Dinge gab im Hitlerreich, die eigentlich ganz in Ordnung waren. Ja, sogar in einer so perversen Regierung war es noch möglich, dass gewisse Dinge staatlich in Ordnung waren. So verliert man die Stelle beim Radio oder beim Fernsehen, aber da ich ja beides nicht zu befürchten habe, kann ich das schon sagen.
Vers 15 haben wir gesehen: Es ist der Wille Gottes, dass wir durch unser Handeln, das nennt Petrus hier Gutes tun, die Unwissenheit der unverständigen Menschen zum Schweigen bringen. Das war ihm wichtig, dass auch das römische Reich sah: Christen sind nicht gefährlich für die Stabilität des Staates. Man muss keine Revolution von ihnen befürchten. Die unterwerfen sich dem Staat. Es gibt Ausnahmen, wenn der Staat etwas fordert, das gegen den Willen Gottes geht, dann gilt Apostelgeschichte 4 und 5: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Aber es sind nur Ausnahmen. Kein Staat muss sich fürchten vor diesen Ausnahmen. Auch die Sowjetunion hätte sich nie fürchten müssen vor den Christen. Zu keinem Moment waren sie gefährlich, aber sie haben gewusst: Versammeln dürfen wir uns, auch wenn die Regierung sagt, das darf man nicht, denn die Bibel fordert, dass die Gläubigen zusammenkommen. Die Kinder im Glauben unterweisen, das dürfen wir, auch wenn der Staat es verbietet, weil die Bibel uns das so lehrt. Aber da, wo es sonst Anordnungen gab, da haben sich die sowjetischen Christen daran gehalten.
Vers 16: Als Freie und die nicht die Freiheit zum Deckmantel der Bosheit haben, sondern als Knechte Gottes, erweist allen Ehre, liebt die Brüderschaft, fürchtet Gott, ehrt den König. Auch da sehen wir: absolut ungefährlich. Sogar dieser schlimme Nero musste seine Ehre bekommen als Staatschef.
Vers 18: Ihr Hausknechte, seid den Herren unterwürfig in aller Furcht, nicht allein den Guten und Gelinden, sondern auch den Verkehrten. Denn dies ist wohlgefällig, wenn jemand um des Gewissens vor Gott willen Beschwerden erträgt, indem er ungerecht leidet. Denn was für ein Ruhm ist es, wenn ihr ausharrt, indem ihr sündigt und geschlagen werdet? Wenn ihr aber ausharrt, indem ihr Gutes tut und leidet, das ist wohlgefällig bei Gott.
Jetzt spricht er also die Gläubigen an, die Knechte beziehungsweise Sklaven waren, und er sagt: Auch diese Herren haben nichts zu befürchten. Als Christen müsst ihr da in eurer Arbeit treu sein, und zwar nicht nur bei den Guten und Gelinden. Die gab es auch, es war nicht alles nur tyrannische Sklaventreiber. Aber er sagt auch bei denen, die mehr als schwierig waren, den Verkehrten. Also Petrus ruft nicht auf zu einer Revolution, einer sozialen Revolution, dass das Sklaventum eben auf die Art abgeschafft wird, dass die Sklaven sich erheben. Nein, er sagt, ihr müsst die Situation akzeptieren.
Aber wir können also alle diese Stellen, die so sprechen über Knechte und ihre Herren, auf das Berufsleben übertragen, also wie wir im Berufsleben, man kann es auch auf die Schule übertragen, überall dort, wo wir jemandem, der über uns gestellt ist, Gehorsam schulden, in einer solchen Situation stehen. Zum Zeugnis. Und eben hier wird gesprochen über Beschwerden ertragen um des Gewissens vor Gott willen, ungerecht leiden. Und er sagt, es ist ja nichts Besonderes, wenn ihr leidet, weil ihr sündigt. Also hätten solche Sklaven ausrufen und toben und wüten können, oder? Und dann wären sie noch viel mehr verhauen worden. Aber Petrus sagt, es ist ja nichts Besonderes, wenn ihr dann leiden müsst, die werden verhauen. Nein, ihr müsst eben bereit sein, auch ungerecht zu leiden, als Zeugnis für Gott.
Also im ganzen Abschnitt geht es um den Wandel auf dieser Erde. Und jetzt wird der Herr Jesus als Beispiel vorgeführt, denn hierzu seid ihr berufen worden; denn auch Christus hat für euch gelitten, euch ein Beispiel hinterlassend, auf dass ihr seinen Fußstapfen nachfolgt, welcher keine Sünde tat, noch wurde Trug in seinem Mund erfunden. Das sind alles Anspielungen auf Jesaja 53. Dort wird vom Messias gesagt, dass er keine Sünde tat, kein Trug in seinem Mund erfunden wurde, der Gescholtene nicht widersprach, leidend nicht drohte, sondern sich dem übergab, der gerecht richtet.
Welcher selbst unsere Sünden an seinem Leib auf dem Holz getragen hat, auf dass wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Und jetzt spielt er wieder auf Jesaja 53 an: durch dessen Striemen ihr heil geworden seid. Und wieder auf Jesaja 53 spielt er an, denn ihr ginget in die Irre, wie Schafe. Dort steht: Wir alle gingen in die Irre wie Schafe. Aber ihr seid jetzt zurückgekehrt zu dem Hirten und Aufseher eurer Seelen.
Also der Herr Jesus ist das Beispiel für Leiden, so wie er gelitten hat als der Vollkommene. So gehen auch Gläubige durch Leiden hindurch, und sie denken dabei, wie der Herr Jesus das gemacht hat. Da können wir in den Evangelien lesen, wie er reagiert hat auf die Ungerechtigkeit der Menschen, und so können wir immer von ihm lernen.
Übrigens: „Hirt und Aufseher eurer Seelen“ ist die Entnahme des Herrn Jesus. Seelen ist durch das Wort „psychä“ hier wird der Herr Jesus genannt der Hirte und Aufseher unserer Psychen. Viele Gläubige denken: Der Psychologe – was ist der Aufseher meiner Psyche? Aber der Herr Jesus wird hier genannt der Hirte und Aufseher unserer Psyche, unserer Seele. Das kann auch eine Hilfe sein, wenn man auf diesem Gebiet Nöte hat.

Ehe, innere Schönheit und das Zeugnis der Frauen

Dann kommt in Kapitel drei jetzt nicht mehr das Verhältnis gegenüber einem Vorgesetzten, sondern das Verhältnis in der Ehe.
Gleicherweise ihr Frauen, seid euren eigenen Männern unterwürfig, auf dass, wenn auch etliche dem Worte nicht gehorchen, sie durch den Wandel der Frauen ohne Wort gewonnen werden, indem sie euren in Furcht, keuschen Wandel angeschaut haben.
Es werden die Frauen angesprochen, wie sie ein Zeugnis sein können als Ehefrauen. Und da wird auch gezeigt, dass es die Schwierigkeit gibt, dass es Männer gibt, die dem Wort nicht gehorchen. Das betrifft natürlich nicht nur die ungläubigen Ehemänner. Auch in 1. Korinther 7 sehen wir: Da sind korinthische Leute zum Glauben gekommen, aber nicht unbedingt beide Ehepartner, sondern nur die Frau oder der Mann. Und dann wird dort in 1. Korinther 7 gezeigt, wie man dann handeln soll.
Dass man als Gläubiger nicht ein ungleiches Joch eingehen darf mit einem Ungläubigen oder einer Ungläubigen, das wird klar gelehrt als Gebot in 2. Korinther 6: Seid nicht in einem ungleichen Joch mit Ungläubigen, denn welche Gemeinschaft hat Licht und Finsternis? Das geht nicht. Aber wenn jemand doch einen Weg des Ungehorsams gegangen ist oder wenn jemand eben erst später zum Glauben gekommen ist, dann gibt es eben die Situation mit Männern, die nicht dem Wort gehorchen.
Aber es kann auch sein, dass ein Ehemann gläubig ist und trotzdem nicht bereit ist, sich Gottes Wort zu beugen. Das ist sehr schwierig für eine Frau. Und ihr wird gesagt, sie soll nicht dauernd sprechen und reden. In einer solchen Situation möchte man am liebsten so viel reden, bis der andere im Redeschwall erstickt ist, mit seinem Ungehorsam. Aber hier sagt Petrus: Durch euren Wandel ohne Wort gewonnen. Also, die haben bestimmt schon alle genug gesprochen. Und dann kommt die Zeit, wo man einfach schweigen muss, beziehungsweise eben einen Akzent darauf legt: ohne Wort durch den Wandel gewinnen.
Und da wird gesprochen, indem sie euren in Furcht, das heisst in Gottesfurcht, keuschen Wandel angeschaut haben. Keusch heisst rein und speziell mit dem Akzent in Bezug auf das Sexuelle. Also das zeigt auch, wie wichtig es ist, was die Kleidung anbetrifft. Gerade dort kommt ja bei der Frau und auch bei der Ehefrau eben das Keusche zum Ausdruck.
Und natürlich könnte jemand sagen: Ja, aber ich habe einen Mann, einen ungläubigen Mann, der will, dass ich mich so und so kleide. Aber die Bibel sagt, man solle ihn gewinnen mit dem keuschen Wandel. Also geht es nicht darum, dass man da Kompromisse macht und meint, dadurch würde man den Mann gewinnen, sondern der Mann sieht ja eigentlich: Aha, die Frau will wirklich ganz reserviert sein für mich und nicht für andere, für die Öffentlichkeit.
Also: indem sie euren in Furcht keuschen Wandel angeschaut haben. Deren Schmuck sei nicht der auswendige, durchflechtende Haare und Umhängen von Gold oder Anziehen von Kleidern, sondern der verborgene Mensch des Herzens, in dem unverweslichen Schmuck des sanften und stillen Geistes, welcher vor Gott sehr köstlich ist.
Denn also schmückten sich auch die heiligen Frauen, die ihre Hoffnung auf Gott setzten, indem sie ihren eigenen Männern unterwürfig waren, wie Sarah dem Abraham gehorchte und ihn Herr nannte, deren Kinder ihr geworden seid, wenn ihr Gutes tut und keinerlei Schrecken fürchtet.
Hier wird nicht gesagt, die Frauen sollen sich nicht schmücken, sondern es wird gesagt, was der Schmuck ausmachen soll. Es sagt nicht: die keinen Schmuck haben, sondern: deren Schmuck sei nicht der auswendige, sondern der verborgene Mensch des Herzens, der unverwesliche Schmuck des sanften und stillen Geistes, welcher vor Gott sehr köstlich ist. Also hier geht es um den inneren Wert einer Frau.
Es ist auch nicht so, dass diese Stelle sagt, man dürfe die Haare nicht flechten, man dürfe keine Zöpfe machen. Aber hier wird gesagt, deren Schmuck soll nicht darin bestehen. Ich weiss, es gibt Leute, die können die Haare so flechten, dass, wenn man eine Person zum ersten Mal sieht, man nur das sieht. Die haben etwa tausend Zöpfe oder Flechten. Das macht dann wirklich im Äusseren den Schmuck dieser Person aus. Das ist das, was zwingend ins Auge fällt. Und wenn etwas so ins Auge sticht, dann wird das Auge auch abgelenkt von dem, was eigentlich der innere, verborgene, die verborgene Schönheit einer Person ist. Und darum sage ich: Der Schmuck soll der verborgene Schmuck sein, der soll also nicht durch einen äusseren Schmuck überfremdet werden. Das ist der Punkt.
Hier steht, sich nicht schmücken durch Anziehen von Kleidern. Aber Kleider muss man ja anziehen, das ist ja klar. Es sollen nicht die Kleider den Schmuck der Person ausmachen. Und da merkt man: Es geht um das Mass. Es ist genau das Gleiche in 1. Timotheus 2,8 und folgende. Dort geht es auch nicht um ein absolutes Verbot von Schmuck, sondern es geht auch dort wieder um das Mass.
Und es ist in jeder Kultur so: Es gibt natürlich Italiener zum Beispiel. Sie haben ein anderes Empfinden für Schmuck als, sagen wir, Deutsche, um ein bisschen neutral zu sein, so zwischendurch. Aber in jeder Kultur gibt es ein Mass und ein Übermass. Und Petrus zeigt eben: Der Akzent soll sein auf diesem Verborgenen, darin soll die Schönheit zum Ausdruck kommen.
Und es ist tatsächlich so: Es gilt das Gesetz der Inflation. Wenn eine Frau übergoldet ist und übersilbert und dann auch noch Kitsch, das erniedrigt den Wert, den inneren Wert. Das ist einfach so. Und das will Petrus hier betonen, dass dieses Zeugnis, dieser innere Schmuck der Person, welcher vor Gott sehr köstlich ist, zum Ausdruck kommen soll.
Merken wir, wie das Wort köstlich ständig vorkommt im Petrusbrief? Ich habe das ja hier zusammengestellt bei den Besonderheiten, der letzte Punkt: kostbare Dinge. Im 1. Petrusbrief, 1,7, da haben wir die kostbare Bewährung des Glaubens gehabt; 1,18, das kostbare Blut Christi; in 2,4 der kostbare lebendige Stein; 2,6 der kostbare Eckstein; 2,7 die Kostbarkeit des Ecksteins für die Gläubigen; der kostbare verborgene Mensch des Herzens, der unverwesliche Schmuck des sanften und stillen Geistes der gottesfürchtigen Frauen. Und es geht im zweiten Brief weiter: 2. Petrus 1,1 spricht von dem kostbaren Glauben und in 1,4 von den kostbaren Verheissungen.
Und woher hat Petrus dieses Lieblingswort kostbar? Jesaja 28,16. Das zitiert er ja in 2,6, denn es ist in der Schrift enthalten: Siehe, ich lege in Zion einen Eckstein, einen auserwählten, kostbaren. Der Ausdruck kommt aus dem Alten Testament, und sehen wir: Das Alte Testament hat den Sprachgebrauch von Petrus so geprägt. Und überall sieht er kostbare Dinge.
Ja, und dann sagt Petrus: Und übrigens, ein Vorbild für gläubige Frauen, das sind die heiligen Frauen im Alten Testament, und dazu gehört zum Beispiel Sarah ausdrücklich. Und Sarah war ja ungewöhnlich schön. Das muss ein Phänomen gewesen sein, weil die Rabbiner in der rabbinischen Literatur immer wieder von der Schönheit Sarahs sprechen. Und es war ja so: Als Abraham mit Sarah nach Ägypten hinunterging, 1. Mose 12, da sagte er ihr: Du musst sagen, dass du meine Schwester seist, weil die Ägypter sehen werden, dass du eine schöne Frau bist, und dann werden sie mich töten. Und dabei war die Frau 65, damals Pensionsalter, und er hatte Angst.
Und tatsächlich: Der Pharao in Ägypten, dieser Pharao aus dem Alten Reich, wollte Sarah heiraten, und er war dann entsetzt, als er herauskam, dass Sarah verheiratet ist. Es ist ja gar nicht einfach die liebe Schwester, und er hat sie zurückgegeben. Also schon noch beeindruckend.
Und jetzt wird im Petrusbrief gerade gesagt: Diese Sarah ist ein Vorbild für die gläubigen Frauen, die eben diesen verborgenen Schmuck haben. Und da erwähnt er nicht Sarah, weil sie so übergoldet gewesen wäre, so extrem, oder? Sondern als wirkliches Beispiel für heilige Frauen, die ihre Hoffnung auf Gott setzten.
Übrigens, Abraham hat einen Fehler gemacht. Er sagt in 1. Mose 12: Siehe, du bist ein Weib, schön von Ansehen. Es wird geschehen, wenn die Ägypter usw. Wenn man weiterliest, heisst es: Die Ägypter sahen, dass die Frau sehr schön war. Und es ist schon wichtig, dass Männer ihren eigenen Frauen sagen, nicht dass sie schön sind, sondern dass sie sehr schön sind, weil sonst werden das die anderen sagen. Und das ist dumm, das sollte der Mann sein, der die besten Komplimente gibt und nicht die anderen.
Ja, und dann heisst es in Vers 6: deren Kinder ihr geworden seid, wenn ihr Gutes tut und keinerlei Schrecken fürchtet.

Das Verhalten der Männer, gemeinsames Gebet und der Weg des Friedens

Jetzt kommen die Männer dran. Es geht immer noch um das Thema Wandel in dieser Welt, um ein Zeugnis in dieser Welt des Leidens.
Ihr Männer, gleicherweise wohnt bei ihnen nach Erkenntnis als bei einem schwächeren Gefäß. Durchschnittlich haben Frauen 70 der Körperkraft eines Mannes. Natürlich gibt es solche, die Militärdienst machen; die bekommen dann mehr. Aber es ist objektiv so, auch wenn die Feministinnen das einfach nicht akzeptieren wollen: Es sind ganz klare Unterschiede da. Und Männer sollen das eben wissen. Wenn sie es manchmal vergessen, dann sagt es die Frau schon ab und zu.
Ihr Männer, gleicherweise wohnt bei ihnen nach Erkenntnis als bei einem schwächeren Gefäß, dem weiblichen, und gebt ihnen Ehre. Also, das Wohnen bei ihnen umschließt natürlich auch die Sexualität, wo immer wieder beachtet werden muss, dass diese Rücksichtnahme gilt: schwächeres Gefäß, das weibliche, ihnen Ehre gebend.
Also, die Bibel sagt ganz klar: Frauen sollen geehrt werden. Wir müssen nicht warten, bis die Feministinnen das herausgefunden haben; das haben wir schon längst in der Bibel gelesen. Und da wird weiter erklärt, dass sie auch Miterben der Gnade des Lebens sind, auf dass eure Gebete nicht verhindert werden.
Also, Ehemänner müssen wissen: Wenn sie im Streit mit ihrer Frau leben oder ungelöste Konflikte haben, dann hat das einen Einfluss auf die Gebetserhörung. Gebete werden verhindert. Aber man muss es so verstehen: auf dass eure Gebete nicht verhindert werden, also die Gebete der Männer, aber natürlich zusammen mit den Frauen, den Ehefrauen. Das gemeinsame Gebet ist absolut unabdingbar für eine Ehe. Wenn Ehepaare nicht zusammen beten können, dann ist garantiert ein Problem vorhanden, ein schwerwiegendes. Aber das kann man lösen, indem man zusammen betet. Und natürlich braucht das Vertrauen. Ja, das soll man ja in der Ehe haben, weil man sich beim Beten oft sogar noch mehr öffnet als im Gespräch. Da kommen wirklich tiefste innere Dinge zum Ausdruck.

Allgemeine Ermahnungen, Leiden um der Gerechtigkeit willen und die Verteidigung des Glaubens

Und jetzt kommt eine Zusammenfassung, ein Abschluss ab Vers 8: „Endlich aber: Jetzt kommen so allgemeine Ermahnungen, die alles Bisherige abschließen. Der Brief ist noch nicht fertig, aber wir werden gleich sehen: Der erste Zyklus des Briefes ist fertig. Endlich aber seid alle gleichgesinnt, mitleidig, voll brüderlicher Liebe, warmherzig, demütig und vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern im Gegenteil segnet, weil ihr dazu berufen worden seid, dass ihr Segen ererbt.“
Und jetzt wird das Ganze belegt mit einem Zitat aus Psalm 34. Ja, Psalm 34 kennen wir ja: „Seht und schmeckt, dass der Herr gütig ist.“ Da wurde ja schon angespielt in Kapitel 2. Und jetzt kommt ein ausführliches Zitat ab Vers 10 bis 12, das ist Psalm 34, Verse 13 bis 17: „Denn wer das Leben lieben und gute Tage sehen will“ – ha, wer möchte das nicht, ein gutes Leben haben ohne Leiden? Ja, jetzt gibt es ein Rezept, und das in einem Brief, der so ausgesprochen über Leiden spricht. Das ist interessant. Denn wer das Leben lieben und gute Tage sehen will, was muss man machen? „Der enthalte seine Zunge vom Bösen und seine Lippen, dass sie nicht Trug reden; er wende sich ab vom Bösen und tue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach. Denn die Augen des Herrn sind gerichtet auf die Gerechten, und seine Ohren auf ihr Flehen; das Angesicht des Herrn aber ist wider die, welche Böses tun.“
Und jetzt erklärt Petrus: „Und wer ist, der euch Böses tun wird, wenn ihr Nachahmer des Guten geworden seid?“ Also es ist wirklich so: Wenn wir diese Dinge einhalten, also nicht böse reden, nicht lügen, andere nicht belügen, wenn wir uns vom Bösen abwenden, Gutes tun, den Frieden suchen, ihm nachjagen und ein Gebetsleben führen, dann hat das Auswirkungen, wie es uns geht. Und es ist wirklich so: Wenn ein Mitarbeiter in der Firma so lebt, dann haben im Allgemeinen die Mitarbeiter, die anderen, die schätzen das. Und das führt im Allgemeinen dazu, dass es einem recht gut gehen kann.
Und so sehen wir: Der erste Petrusbrief lehrt, es kommt darauf an, wie wir leben. Wir können viele Leiden im Leben vermeiden durch biblischen Lebenswandel. Aber das ist jetzt nicht ein Rezept, und so geht es einem immer gut. Jetzt sagt Petrus aber: Manchmal werde ich kritisiert, wenn ich etwas sage, und dann sage ich: Ja, die Bibel sagt auch immer wieder „aber“. Hier zum Beispiel: „Aber wenn ihr auch leiden solltet um der Gerechtigkeit willen, glückselig seid ihr.“ Also wenn es halt dann doch sein soll, dass wir für das, was wir gerecht leben, trotzdem leiden müssen, denn das erleben wir auch. Es gibt Leute, die stehen zum Herrn und wollen seinen gerechten Weg gehen, und dann kann das negative Folgen haben. Es ist nicht so, dass man durch richtiges Leben immer nur gut lebt, aber es ist doch eine allgemeine Regel, dass es jemandem dann gut geht. Wenn jemand freundlich ist, umgänglich mit den Menschen, hat das einfacher als jemand, der ständig mürrisch reagiert. Aber es ist nicht eine sichere Sache ohne Ausnahmen.
Jetzt gilt ein Aber. Und dann sagt Petrus: Ihr seid aber überglücklich, wenn das so ist, wenn ihr um der Gerechtigkeit willen leiden müsst, denn da könnt ihr gerade ein Zeugnis sein, wie wir früher gesehen haben. Und jetzt sagt Petrus weiter, er zitiert aus Jesaja 8: Oh, das kennen wir schon! Wir haben in Kapitel 2 von dem Fels des Ärgernisses gelesen, und da steht: „Fürchtet aber nicht ihre Furcht, noch seid bestürzt, sondern heiligt Christus, den Herrn, in euren Herzen.“ Im Zusammenhang geht es darum: Wir sollen nicht das fürchten, was die ungläubigen Menschen fürchten, sondern wir sollen unseren Blick auf den Herrn, auf Christus, haben und ihm den ersten Platz im Herzen geben.
Und jetzt sagt Petrus weiter: „Seid aber jederzeit bereit zur Verantwortung gegen jeden, der Rechenschaft von euch fordert wegen der Hoffnung, die in euch ist, aber mit Sanftmut und Furcht, indem ihr ein gutes Gewissen habt, damit, worin sie gegen euch als Übeltäter reden, die zu Schanden werden, welche euren guten Wandel in Christus verleumden. Denn es ist besser, wenn der Wille Gottes es will, für Gutes zu leiden als für Böses tun.“
Jetzt sagt er: Ihr müsst immer bereit sein zur Verantwortung. Verantwortung, Verantwortung – hier ist das Wort Apologia. Apologie ist zum Beispiel eine Verteidigungsrede. Wenn ein Angeklagter vor Gericht sich verteidigen muss, dann hält er eine Apologie. Hier sagt Petrus: Wir müssen unseren Glauben erklären können, darlegen können gegenüber den Menschen, die uns fragen. Nicht wahr, es gibt beim Zeugnis die Möglichkeit, dass wir auf Menschen zugehen, solche, die uns gar nicht gefragt haben, etwas zu hören. Das braucht es auch. Wenn wir warten, bis die Leute zu uns kommen, dann können wir manchmal ganz lange warten. Aber es gibt doch die Leute, die kommen, die sagen: Warum lebst du so? Warum? Und dann sagt er: Dann müsst ihr Rechenschaft ablegen können über die Hoffnung eures Glaubens, aber tut das mit Sanftmut und Furcht, also nicht indem ihr die Leute runtermacht. Habt dabei Gottesfurcht. Ihr müsst es so tun, damit ihr ein gutes Gewissen dabei habt und so, dass die Leute, die gegen uns reden als Christen, beschämt werden, wenn sie die Wahrheit hören, warum wir als Christen so denken, warum wir als Christen so handeln.
Aber diese Bereitschaft ist ganz wichtig, und darum ist es auch wichtig, dass wir uns Mühe geben zu lernen: Wie kann ich den christlichen Glauben erklären, anderen gegenüber begründen? Und es gibt Leute, die denken, da muss ich jahrzehntelang studieren. Nein, man lernt das, indem man es macht. Das ist einfach so. Schwimmen lernt man auch, indem man es einfach mal macht. Und so ist es auch mit dem Glauben erklären: Man muss einfach machen, und nächstes Mal wird es noch besser. Und dann sieht man: Aha, dort hätte ich das eigentlich so sagen müssen, dann wird es nächstes Mal noch besser.
Ja, und jetzt sind wir hier, nach diesen allgemeinen Erklärungen, Ermahnungen, am Ende des ersten Teiles des Petrusbriefes. Schauen wir uns mal die Gruppenstruktur an auf dem Blatt. Da wird geschrieben, dass der Petrusbrief aus zwei Zyklen besteht, aus zwei Teilen, und diese Teile entsprechen der Tora, den fünf Büchern Mose. Jetzt zeige ich das ganz kurz: Da hatten wir doch die Verse 1 bis 12, das ist ein Abschnitt für sich nach der Begrüssung, und dieser Abschnitt entspricht dem ersten Buch Mose. Dann kommen die Verse 13 bis 25, das entspricht dem zweiten Buch Mose, und dann Kapitel 2, 1 bis 10, das entspricht dem dritten Buch Mose.
Ich erkläre: Im ersten Abschnitt ging es doch darum um das Leben aus Gott. Gott hat uns wiedergeboren, es ging um das Erbteil, dieses unverweltliche Erbteil im Himmel, es ging um die Glaubensprüfung wie Gold im Feuer, und es ging um den Messias, den die Propheten angekündigt hatten. Nun, im ersten Buch Mose sehen wir, wie Gott Adam das Leben einhaucht, da wurde eine lebendige Seele. Im ersten Buch Mose sehen wir, wie Gott Abraham, Isaak und Jakob verheißt, das Land Kanaan als Erbteil zu geben. Und in 1. Mose 22 haben wir das Kapitel über die Glaubensprüfung, wo Abraham aufgerufen wird, Gott seinen Sohn Isaak darzubringen. Ständig wird an Abraham, Isaak und Jakob angekündigt, dass von ihnen einmal der verheißene Erlöser abstammen wird. Das sind genau wesentliche Grundelemente im ersten Buch Mose.
Dann der nächste Abschnitt, Vers 13: „Deshalb umgürtet die Lenden eurer Gesinnung.“ Im zweiten Buch Mose wurden die Israeliten aufgerufen, sie sollen sich gürten, den Stock in die Hand nehmen und das Passahlamm in Eile essen, denn sie müssen bereit sein, um in dieser Nacht aufzubrechen. Und hier in diesem Abschnitt haben wir: „Indem ihr wisst, dass ihr nicht erlöst worden seid mit Silber oder Gold, sondern durch das kostbare Blut Jesu Christi“, bereit zum Aufbruch, das kostbare Blut des Lammes.
Und dann das dritte Buch Mose zeigt: Israel ist ausgezogen aus Ägypten, und dann mussten sie ja die Stiftshütte, den transportablen Tempel, bauen. Und danach rief Gott, 3. Mose 1, Vers 1, aus dem Tempel, aus der Stiftshütte, und er sagt: Wenn jemand mir ein Opfer bringen will, dann wird das Brandopfer erklärt, das Speisopfer, das Friedensopfer, das Sündopfer und das Schuldopfer und so weiter und so fort. Da wird der Priesterdienst erklärt. Und genau in diesem Abschnitt 2,1 bis 10 geht es darum: Die Gläubigen sind ein geistliches Tempelhaus, sie sind ein heiliges Priestertum, ein königliches Priestertum, um Gott darzubringen geistliche Schlachtopfer. Das ist genau das Thema vom dritten Buch Mose.
Dann kommt das vierte Buch Mose, das ist das Buch der Wüstenwanderung, wie das erlöste Volk nun durch eine schwierige Welt, durch die Wüste hindurchgehen muss, ans künftige Ziel. Und genau der weitere Abschnitt 2,11 ff. Da wird gezeigt, wie man als Gläubiger einen treuen Wandel in dieser Welt führen soll, in allen möglichen Umständen: gegenüber der Regierung, den Menschen allgemein, gegenüber dem Vorgesetzten, gegenüber dem ungehorsamen Ehemann usw.
Und das fünfte Buch Mose, das war die Abschiedsrede von Mose am Ende der Wüstenwanderung. Da hat er nochmals das ganze Gesetz zusammengefasst und erklärt, wie man das dann im verheißenen Land anwenden muss, ganz konkret. Und das entspricht diesem Abschnitt 3,8 und folgende, wo nochmals ganz dicht die wichtigen Dinge des christlichen Lebens vorgestellt werden. Als Abschluss: „Endlich aber seid alle gleichgesinnt, mitleidig, voll brüderlicher Liebe, barmherzig, demütig usw. usf.“
Ja, und jetzt käme der zweite Teil, aber es ist schon fünf Uhr gewesen. Darf ich noch zehn Minuten anhängen? Und wer auf den Zug gehen muss, darf ungeniert gehen, das ist kein Problem oder was auch immer. Ja, die Bibelstudientage sind ja hauptsächlich Einführungen in Bibelbüchern, es geht ja nicht um eine Vers-für-Vers-Auslegung, obwohl wir das jetzt so ein bisschen in diese Richtung gemacht haben, und jetzt kann ich eben das so wie normalerweise gedacht als Übersicht machen.
In den weiteren Versen spricht Petrus über Christus, der für unsere Sünden gelitten hat, Vers 18: „Der Gerechte für die Ungerechten, damit er uns zu Gott führe, getötet nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht nach dem Geist, in welchem er auch hinging und predigte den Geistern, die im Gefängnis sind, welche einst ungehorsam waren, als die Langmut Gottes harrte in den Tagen Noas, während die Arche zugerichtet wurde, in welche wenige, das ist acht Seelen, durch Wasser gerettet wurden.“
Jetzt kommt wieder ein neuer Zyklus. Der entspricht dem ersten Buch Mose, und da geht es jetzt hier um die Sintflut, 1. Mose 6–9, um Noah. Hier wird erklärt: Der Herr Jesus hat gelitten, und er ist als Mensch gestorben, getötet nach dem Fleische. Als Gott konnte er nicht sterben, darum ist der Herr Jesus Mensch geworden, getötet nach dem Fleische. Aber er wurde dann lebendig gemacht durch den Heiligen Geist am dritten Tag, auferweckt durch die Kraft des Heiligen Geistes, aber lebendig gemacht nach dem Geiste.
Und jetzt erklärt Petrus: In der Kraft dieses Geistes ist Christus hingegangen und hat den Menschen zur Zeit Noas gepredigt. Wann ist das geschehen? Es gibt Ausleger, die sagen, das habe auch Luther so gelehrt: Christus sei nach seinem Tod ins Totenreich hinabgestiegen, zu den Verlorenen, und habe ihnen dort das Evangelium gepredigt. Und die Alphasöhner, die sagen, Christus habe dort den Menschen gepredigt und sie hätten noch eine zweite Chance nach dem Tod gehabt, um errettet zu werden.
Aber die Wahrheit ist diese: Der Herr Jesus ging ins Paradies, da, wo die Erlösten sind, und er sagte dem Schächer am Kreuz: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ Aber in 1. Mose 6 sagt Gott: „Mein Geist soll nicht ewiglich mit dem Menschen rechten, der ja fleischig ist; und seine Tage seien hundertundzwanzig Jahre.“ Dann wird Noah berufen, die Arche zu bauen, und Noah war ein Prediger der Gerechtigkeit, 2. Petrus 2,4. Noah hat durch die Kraft des Heiligen Geistes gepredigt, aber diese Menschen waren ungehorsam, wie es hier steht: „Welche einst ungehorsam waren, als die Langmut Gottes harrte in den Tagen Noas.“ Es geht hier übrigens nur um die Leute zur Zeit von Noah, es geht nicht um alle alttestamentlichen Menschen. Und das waren nicht Leute, die nichts gehört haben, sondern das waren Leute, die hatten gehört. Noah hat hundertzwanzig Jahre lang gepredigt. Das bedeutet nicht, die Menschen sollen jetzt nur noch hundertzwanzig Jahre alt werden, denn nach der Sintflut wurden sie immer noch viel älter. Nein, das war hundertzwanzig Jahre Zeugnis. Und dann kam die Sintflut und hat sie alle weggerafft.
Und jetzt sind diese Menschen, das heißt ihre Geister, im Gefängnis. Im Totenreich, wo sie warten auf das künftige Gericht vor dem großen weißen Thron, Offenbarung 20. Nun, der Herr Jesus hat diesen Geistern im Gefängnis gepredigt, aber nicht, als er gestorben war, sondern zur Zeit von Noah. Nicht wahr: Wenn ich Hans heute das Evangelium erklären würde, morgen kommt er wegen eines Vergehens in den Knast, dann kann ich am Dienstag sagen: Ich habe Hans im Knast das Evangelium verkündigt. Nicht: Ich habe Hans im Knast das Evangelium verkündigt, sondern: Hans im Knast das Evangelium verkündigt. Und hier, wie gesagt, Christus ist in diesem Geist hingegangen und hat diesen Menschen, diesen Geistern, also diesen menschlichen Geistern, gepredigt. Sie sind jetzt im Gefängnis.
Und warum macht er das? Weil er eine Verknüpfung machen will zwischen der Sintflut und dem, was am Kreuz geschehen ist. Er sagt nämlich im Weiteren: „Welches Gegenbild auch euch jetzt errettet, das ist die Taufe.“ Gegenbild, also ich lese nach der alten Elberfelder, die ist hier sehr genau, nicht alle Übersetzungen sind so genau wie da: „Welches Gegenbild auch euch jetzt errettet, das ist die Taufe.“ Gegenbild, griechisch Antitypos, heißt ein anderes Bild für dasselbe. Aha, die Taufe ist ein Bild, und das mit der Sintflut ist auch ein Bild. Nicht wahr, bei der Taufe wird der Täufling untergetaucht. Das ist das Bild des Grabes: Ich bin mit Christus begraben in seinem Tod. Da kommt er wieder rauf, es ist ja nur ein Bild, darum hält man die wieder rauf, und das bedeutet: Ich bin mit Christus auferweckt zu einem neuen Leben.
Und genau dasselbe haben wir in der Sintflut. Die Arche ist ein Bild von Jesus Christus. Die Gläubigen, Noah und seine Familie, gingen hinein. Gott schloss die Türe. Die Arche ging durch die Wasser des Gerichts. Das Gericht Gottes kam auf die Arche, aber die drinnen wurden verschont. Und so ist der Herr Jesus in das Gericht Gottes gegangen am Kreuz, und diejenigen, die an ihn glauben, sie haben nichts von diesem Gericht gespürt. Und trotzdem können sie sagen: Ich bin mit Christus gekreuzigt, und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir. Sie sind in Christus, und das Werk des Herrn Jesus am Kreuz, sein Tod, sein Leiden, wird ihnen zugerechnet. Also beides, die Sintflut und die Taufe, sprechen von dem Tod und der Auferstehung Christi.
Und übrigens noch schön: Die Arche landete am Schluss auf dem Ararat, und das Datum der Landung – ich habe jetzt nicht mehr Zeit, um das genau darzulegen – ist exakt der gleiche Tag wie der Tag der Auferstehung im Neuen Testament, der gleiche Kalendertag. Das ist gewaltig.
Eben Petrus will den Zusammenhang herstellen zwischen Sintflut und Taufe, Tod und Auferstehung Christi, und darum sagt er: Eben Christus ist für uns gestorben, er ist im Geist hingegangen, hat den Menschen damals zur Zeit von Noah gepredigt, die sind jetzt im Gefängnis, und eben die Taufe ist ein anderes Bild von diesem Tod und der Auferstehung Christi, die dasselbe ausdrückt wie die Sintflut. Und er sagt hier: Die Taufe ist nicht ein Ablegen der Unreinigkeit des Fleisches, also da wird nicht plötzlich durch die Taufe das Böse in uns, das wir von Adam geerbt haben, ausgerissen. Nur ein Bild, nur, aber ein ganz besonderes Bild. Denn Petrus sagt: „Die Taufe rettet euch!“ „Welches Gegenbild auch euch jetzt errettet, das ist die Taufe.“
Merken: Petrus sagt nicht, die Taufe hat euch errettet. Er spricht dazu: Erlösten, indem wir dieses wissen, dass sie nicht mit wesentlichen Dingen erlöst worden seien. Aber hier sagt er: Die Taufe rettet euch in der Gegenwart immer wieder. Ja, er sagt, die Taufe ist das Begehren eines guten Gewissens vor Gott, und dieses Wort für Begehren kann man übersetzen mit Begehren, Abmachung, Verpflichtung. Der Täufling – und das betone ich ganz besonders, wenn ich Leute taufe, die zum Glauben gekommen sind – dass ihr jetzt eine Abmachung mit Gott macht. Euer altes Leben ist begraben, vorbei, darum werde ich euch untertauchen. Aber wenn ihr wieder hochkommt, das bedeutet: Jetzt will ich in einem neuen Leben mit dem Herrn Jesus leben. Das ist eine Abmachung vor Gott. Ihr verpflichtet euch vor Gott: Ich kann, aber ich möchte jetzt ein Leben führen, wo ich ein gutes Gewissen haben kann vor Gott.
Und das hilft. Plötzlich kommt man in eine Situation und denkt: Oh, ich muss mich entscheiden. Aber wenn ich diesen Weg wähle, dann komme ich letztlich wieder in mein altes Leben zurück. Und wenn ich mich so entscheide, dann kann ich wirklich einen Weg gehen, wo ich ein gutes Gewissen vor Gott habe. Was habe ich damals am so und so vielten bezeugt, vor Gott abgemacht? Ein gutes Gewissen. Ich wähle diesen Weg. Dann hat mich die Taufe in dem Moment gerettet vor einem falschen Weg. Und so rettet die Taufe jemanden. Es ist ganz wichtig: Wenn jemand auch zwanzig Jahre noch nicht getauft worden ist nach seiner Bekehrung, dann soll das noch machen. Das hat wirklich einen praktischen Einfluss, es ist eine Abmachung. Das ist eine Hilfe, um diesen Weg der Jüngerschaft zu gehen.

Zweiter Zyklus: Sünde, Dienst, Verfolgung und Gemeindeordnung

Jetzt fasse ich einfach zusammen: In Kapitel 4, ab Vers 1 bis 6, spricht Petrus über das vergangene Leben in der Sünde. Er sagt, jetzt ist es genug, dass wir früher so gelebt haben. Das entspricht dem zweiten Buch Mose: Israel in der Sklaverei in Ägypten. Aber dann kam ja die Erlösung. Und jetzt ist die Zeit der Sklaverei endlich vorbei, der Sklaverei der Sünde.
Dann kommt ein nächster Abschnitt, Kapitel 4, Vers 7 bis 11. Da sagt Petrus, dass jeder Gläubige eine Gnadengabe empfangen hat, und damit sollen wir Gott dienen. Interessant: Er kennt ja die vielen Leute gar nicht, aber er sagt nicht: Einige haben eine Gabe empfangen. Er sagt: Ein jeder hat eine Gabe, eine Gnadengabe, griechisch Charisma, empfangen. Dient damit Gott. Das heißt, jeder Gläubige bekommt mit der Bekehrung eine Gnadengabe. Es ist nicht etwas, das dann irgendwann einmal nach zehn Jahren plötzlich über einen kommt, und dann hat man eine Gabe. Oh, mit der möchte ich nichts zu tun haben. Nein, sondern Gott gibt bei der Wiedergeburt und beim Empfang des Heiligen Geistes jedem Gläubigen mindestens eine Gabe. Und er sagt: Dient damit einander!
Und da haben wir das Thema vom dritten Buch Mose. Da geht es um den Dienst für Gott.
Dann, ab Kapitel 4, Vers 12 bis 19, spricht Petrus über Verfolgung. Da geht es um diese Christenverfolgung unter Nero. Und da haben wir das Thema des vierten Buches Mose: der Gang durch die Wüste mit all den Nöten und Bedrängnissen des Lebens.
Schließlich ist Kapitel 5 eine allgemeine Ermahnung wieder an die Gläubigen, entsprechend dem fünften Buch Mose. Da erklärt er, wie Hirten in der Gemeinde sich verhalten sollen. Er spricht darüber, wie Jüngere sich gegenüber Älteren verhalten sollen. Aber auch für alle Gläubigen ist wichtig, dass alle Demut zeigen und sich unter Gottes mächtige Hand beugen.
Dann spricht er darüber, wie Satan die Gläubigen angeht, als brüllender Löwe, und wie wir ihm widerstehen müssen. Und schließlich sagt Petrus in Vers 10: Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus, nachdem ihr eine kleine Zeit gelitten habt, er selbst wird euch vollkommen machen, befestigen, kräftigen, gründen. Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Also, er macht Mut: Wir gehen durch Leiden, aber es ist der Gott der Gnade, der uns hilft, dass wir ans Ziel kommen.
Und am Schluss grüßt er noch: „Frau Petrus grüßt mit, es grüßt euch die Miterwählte.“ Ja, früher hat Petrus mit dem Herrn herumgereist, und er sagt: Wir haben Frau, Haus und Äcker verlassen und sind ihm nachgefolgt. Aber es war natürlich so, dass der Herr mit den Jüngern auch immer wieder nach Kapernaum zurückgekehrt ist. Es war aber eine schwierige Zeit. Doch offensichtlich war es später so, dass Frau Petrus ihn begleiten konnte.
Jetzt schreibt er diesen Brief und sagt: Die Miterwählte in Babylon grüßt euch auch. In Babylon? Ja, Babylon. Gab es diese Stadt damals noch? Ja, natürlich. Und das war im Irak ein Ort, wo viele Juden lebten, viele Juden dort. Babylon kann übrigens heißen: die Stadt Babylon oder den Südirak im Allgemeinen. Es gab dort im Südirak und sogar in Babylon selber viele Juden, und das ist offensichtlich ein Hinweis darauf, dass Petrus unter den Juden im Irak auch gewirkt hatte und so seinen Brief geschrieben hat in die Türkei.
Es gibt viele, die sagen: Ja, Babylon ist hier ein Deckname für Rom. Ja, das wäre nicht absolut unmöglich, denn Babylon in der Offenbarung, die später geschrieben wurde, ist ja ein Name für Rom. Aber warum braucht er einen Decknamen, wenn er da öffentlich in Rom gewirkt hat? Muss er nicht den Decknamen im Brief haben. Und so ist eigentlich durchaus naheliegend, dass er eben unter den Juden im Südirak gewirkt hat und von dort aus diesen Brief geschrieben hat.

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