Die Rückkehr des verlorenen Sohnes und die bedingungslose Liebe des Vaters
Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist. Episode 573: Gottes Freude über Buße, Teil 5.
Wir waren stehen geblieben bei Lukas 15,21: „Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin nicht mehr würdig, dein Sohn zu heißen.“
Das ist das, was der Sohn denkt: „Ich bin nicht mehr würdig, dein Sohn zu heißen.“ Und irgendwie stimmt das auch. Würdig ist er nicht mehr. Doch das ist dem Vater völlig egal.
Lukas 15,22: „Der Vater aber sprach zu seinen Sklaven: Bringt schnell das beste Gewand heraus und zieht es ihm an, tut einen Ring an seine Hand und Sandalen an seine Füße.“
So sieht es aus, wenn sich Verzweiflung in Wiederherstellung verwandelt. Wenn der Vater dem Sohn das beste Gewand, einen Ring und Sandalen bringen lässt, wird äußerlich sichtbar, wer der Sohn für den Vater ist – nämlich ein echter Sohn der Familie.
Der Rückkehrer ist kein Niemand, der sich jetzt erst anstrengen darf, um wieder als vollwertiges Mitglied in den Kreis der Familie aufgenommen zu werden. Ganz im Gegenteil: Noch ungewaschen und völlig unansehnlich wird er geehrt und geschmückt. Jeder soll sofort sehen, mit wem er es zu tun hat.
Hier kommt kein Landstreicher, hier kommt kein Verlierer, hier kommt einer, der vom Vater geliebt wird.
Die Feier der Wiederherstellung als Ausdruck göttlicher Freude
Lukas 15,23: „Und bringt das gemästete Kalb her. Schlachtet es, und lasst uns essen und fröhlich sein!“ Das gemästete Kalb war für ganz besondere, meist religiöse Feste gedacht. Der Vater möchte jedoch richtig groß feiern. Deshalb ist ihm nur das Beste gerade gut genug: Schlachten, Essen, fröhlich sein.
Wie bereits erwähnt, dreht sich unser Gleichnisdiskurs um das Thema Freude. Es ist die Freude, die Gott empfindet, wenn ein Sünder zu ihm umkehrt. Ebenso ist es die Freude, die wir erahnen und nachempfinden dürfen, wenn wir durch evangelistische Bemühungen Anteil an der Bekehrung eines Menschen zu Gott haben.
Diese Feier, die der Vater hier ins Rollen bringt, ist ein Bild für die übermäßige Freude Gottes über verlorene Söhne und Töchter, die zurückkehren.
Lukas 15,24: „Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden, war verloren und ist gefunden worden.“ Und sie fingen an, fröhlich zu sein. Das ist also der Grund für die Party: Da war einer tot und ist wieder lebendig, da war einer verloren und ist gefunden worden. Derjenige, von dem der Vater dachte, er würde ihn nie wiedersehen, ist wieder da!
Der Grund für das Gleichnis: Gottes Freude über Umkehr
Kurz ein Rückblick: Warum erzählt der Herr Jesus dieses Gleichnis?
Die Antwort lautet: Weil Pharisäer und Schriftgelehrte darüber murren, dass er Zeit mit Zöllnern und Sündern verbringt. Ihre Frage lautet: „Warum machst du das, Jesus? Du bist doch ein respektabler Rabbi. Da gibt man sich doch nicht mit solchem Gesindel ab!“
Die Antwort auf solche Anfragen ist: Ich tue das, weil ich um die Freude weiß, die Gott hat, wenn sich ein Sünder bekehrt. Ich lebe für die Freude meines Vaters im Himmel.
Bitte versteht das gut, was hier steht. Warum evangelisieren wir? Eine Möglichkeit wäre, weil wir uns wünschen, dass Menschen gerettet werden. Aber das ist nicht das, was der Herr Jesus uns hier als Motivation vorstellt.
Natürlich ist es nobel und richtig, wenn wir uns die Errettung von Menschen wünschen. Aber der Herr Jesus verbringt Zeit mit Zöllnern und Sündern, weil er um die Freude weiß, die der Vater an jedem verlorenen Sohn und jeder verlorenen Tochter hat, die wieder nach Hause kommt.
Ich muss ehrlich sagen, dass ich das ganz stark finde: Leben für die Freude des Vaters, evangelisieren, weil im Himmel Party sein soll. Nicht meine Erfolge, ja noch nicht einmal die Errettung des Sünders stehen im Mittelpunkt, sondern die Freude des Vaters. Und der weiß, wie man es so richtig krachen lässt.
Die Reaktion des älteren Bruders und die Herausforderung des Zorns
Lukas 15,24-26: "Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden, war verloren und ist gefunden worden." Und sie fingen an, fröhlich zu sein.
Sein älterer Sohn aber war auf dem Feld. Als er kam und sich dem Haus näherte, hörte er Musik und Reigen. Er rief einen der Diener herbei und erkundigte sich, was das sei.
Was zeichnet den älteren Sohn aus? Er ist der Pflichtbewusste. Als er nach Hause kommt, sind die Feierlichkeiten schon voll im Gange – Musik und Reigen. Es scheint, als wüssten alle Bescheid, nur er nicht. Also fragt er einen Diener, denn er will wissen, was hier abgeht.
Lukas 15,27: Der Diener sprach zu ihm: "Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wieder erhalten hat."
Jetzt weiß der ältere Bruder also Bescheid. Sein jüngerer Bruder ist wieder da, und der Vater freut sich sehr darüber, dass er ihn gesund wieder erhalten hat. Wird er sich auch freuen? So: "Juhu, mein kleiner Bruder ist wieder da, wie schön!"
Noch einmal der Hinweis: Das Gleichnis ist für die Pharisäer und Schriftgelehrten.
Lukas 15,28: "Er aber wurde zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber ging hinaus und redete ihm zu."
Wir haben jetzt quasi noch einen verlorenen Sohn. Dieser ist zwar nicht in der Fremde, aber eben doch draußen. Diesmal macht sich der Vater auf den Weg, um zu ihm hinauszugehen.
Der ältere Sohn ist zornig. Die Frage ist: Warum? Der Vater hatte das Erbe doch unter seinen beiden Söhnen aufgeteilt. Der jüngere Sohn kann dem Älteren nichts mehr wegnehmen. Also, was macht ihn so zornig?
Bevor ich in der nächsten Episode diese Frage beantworte, möchte ich mit einem seelsorgerlichen Hinweis schließen.
Zorn ist häufig mehr als nur eine Sünde. Es lohnt sich, den eigenen Zorn nicht nur moralisch als falsch zu bewerten, sondern ihn als Chance zur Selbsterkenntnis zu nutzen.
Wenn du zornig wirst, frage dich deshalb: Warum? Was geht hier gerade ab? Wird durch meinen Zorn vielleicht eine viel tiefer liegende Problematik sichtbar? Vor allem dann, wenn ich ganz plötzlich aus der Haut fahre oder in Situationen, in denen es total unangemessen ist.
Versteht ihr, was ich sagen will? Zorn ist meistens Sünde, das stimmt. Aber Zorn ist häufig auch ein geistlicher Warnhinweis – so wie Fieber, das auf eine Erkrankung hindeutet.
Deshalb frage dich das nächste Mal, wenn du zornig wirst: Wo kommt dieser Zorn her? Bin ich vielleicht stolz? Oder steckt da ein rebellischer Geist in mir? Gibt es vielleicht gekränkte Frömmigkeit? Oder ist da, wie bei jemandem, der keine Buße tun will, ein Unwille?
Was kommt da als Zorn aus meinem Herzen? Das ist die Frage.
Zorn ist meistens Sünde, aber Zorn ist auch eine Chance – nutze sie!
Bei dem älteren Sohn wissen wir nämlich nicht, ob er diese Chance genutzt hat.
Was könntest du jetzt tun? Stell dir diese Frage: Was würde sich in deinem Leben ändern, wenn du konsequent zur Freude Gottes leben würdest?
Abschluss und Ermutigung zum Ausdruck von Freude
Das war es für heute. Bringe heute deine Freude an den Geschwistern zum Ausdruck und schreibe drei nette SMS.
Der Herr segne dich, lasse dich seine Gnade erfahren und lebe in seinem Frieden. Amen.
