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Inspiration und Irrtumslosigkeit

SerieTeil 1 / 3Die Bibel - das Wort Gottes
Kann man der Bibel trauen, wenn sie in menschlichen Sprachen steht? Die Frage ist: Spricht Gott wirklich durch sie – bis ins kleinste Detail, oder bleibt alles nur Auslegungssache?

Einführung in das Thema und die Grundfrage nach Gottes Reden

heute Abend etwas auszuführen über die Bibel als Gottes Wort. Das Manuskript umfasst natürlich mehr, als wir in den drei Stunden miteinander durchnehmen. Der Sinn davon ist, dass man damit noch etwas Weiterführendes und Unterstützendes hat zu dem, was man heute mündlich vernehmen kann. Aber ich möchte im Prinzip doch in der Reihenfolge des Manuskripts den Abend durchgehen.
Das Thema in der ersten Stunde lautet Inspiration und Irrtumslosigkeit. Und da möchte ich zunächst ein paar Bemerkungen machen über die Bibelsprachen und überhaupt über die Sprachen der Welt. Etwas ganz Wichtiges ist zu erkennen, dass Gott ein Gott ist, der spricht.
Ganz besonders bemerkenswert ist der Anfang des Hebräerbriefes, wo das so eindrücklich umschrieben wird: Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten, hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn. Es gibt gottlose Mitmenschen, die denken, dass wir in einem Universum leben, in einem sinnlosen Universum, in dem uns gewissermaßen die Leere des Weltalls stumm angähnt. Sie sind also der Meinung, wir leben in einem Universum, in dem kein Gott zu uns spricht.
Die Bibel lehrt so prinzipiell: Gott ist ein Gott, der spricht. Er hat gesprochen, und der Höhepunkt war dann sein Sprechen durch die Person seines Sohnes. Der Herr Jesus wird in Johannes 1,1 genannt das Wort, der Logos. Übrigens meint Logos nicht das einzelne Wörtlein, sondern Wörter in zusammenhängender Reihenfolge. Das spricht also von Kommunikation. Und dadurch, dass der Sohn Gottes so heißt, wird deutlich, dass Sprechen zum Wesen Gottes gehört.

Der Ursprung der Sprache und ihre Bedeutung für die Schrift

In Titus 1,2 erfahren wir, wenn Paulus sagt: in der Hoffnung des ewigen Lebens, dass Gott, der nicht lügen kann, es verheissen hat vor ewigen Zeiten. Da erfahren wir in Kapitel 1, Vers 2, dass Gott vor ewigen Zeiten gesprochen hat. Und wir fragen uns: Zu wem hat er damals gesprochen? Es gab das Universum nicht, es gab die Menschen nicht, es gab die Engel nicht, die Tiere und die Pflanzen nicht. Es ist ganz einfach: Gott hat zu seinem Sohn gesprochen. Und hat ihm verheissen, dass er den einst einmal erlösten Menschen das Leben des Sohnes, das ewige Leben, schenken würde.
Also, da erfahren wir etwas von einem geheimen Rat Gottes. Eliphas, einer der Freunde Hiobs, stellt ja in Hiob 15,8 die Frage: Hast du dem geheimen Rat Gottes zugehört und die Weisheit an dich gerissen? Da lernen wir etwas über den geheimen Rat Gottes, wie also Gott schon vor ewigen Zeiten innerhalb der Gottheit gesprochen hat. Und nun verstehen wir daher auch besser, dass Gott ein Gott ist, der zu uns Menschen sprechen wollte. Das Sprechen Gottes an uns durch die Bibel ist daher etwas ganz, ganz Fundamentales.
Und wir kommen jetzt zu der klassischen Inspirationsstelle im Neuen Testament, 2. Timotheus 3,16. Dort heisst es: Alle Schrift, oder die ganze Schrift, ist von Gott eingegeben. Theopneustos auf Griechisch: eingegeben, inspiriert, ganz wörtlich von Gott gehaucht.
Und nun ist es hier sehr wichtig zu erkennen, was der Text sagt. Es heisst hier nicht, dass die Bibelschreiber von Gott inspiriert waren. Das steht nicht da. Das ist natürlich richtig; das steht in 2. Petrus 1,20, dass Propheten geweissagt haben, getrieben vom Heiligen Geist, nicht geleitet, sondern getrieben. Aber hier steht etwas, das geht weit darüber hinaus: Alle Schrift, das heisst das, was aufgeschrieben ist, ist von Gott inspiriert.
Denn würde man an die Inspiration der Bibelschreiber glauben, dann könnte man immer noch einwenden: Ja, aber vielleicht haben die dann bei der Abfassung der Bibel dennoch eigene Gedanken nebst der Offenbarung Gottes mit eingetragen. Und das wäre verheerend. Dann wäre eben doch nicht unbedingt alles, was geschrieben ist, Gottes Wort. Aber 2. Timotheus 3,16 lehrt: Alles, was aufgeschrieben ist in der Heiligen Schrift, ist von Gott inspiriert. Theopneustos: Gott gehaucht.

Schrift, Irrtumslosigkeit und die Frage nach dem menschlichen Anteil

Wenn wir sprechen, brauchen wir Luft. Im luftleeren Raum geht überhaupt nichts. Dort können wir weder sprechen noch hören. Wenn wir reden, spielt also die Luft, die durch den Luftkanal, durch unseren Sprechapparat hindurchgeht, eine fundamentale Rolle.
Wenn nun die Schrift gottgehaucht ist, bedeutet dies, dass es Gottes direkte Rede an uns ist. Gott spricht hier direkt durch das Geschriebene. Deshalb ist es wichtig: Die Bibel ist Gottes Wort und nicht, wie Karl Barth als Neoorthodoxer gesagt hat, die Bibel enthalte Gottes Wort. Das klingt schön, ist aber grundfalsch. Denn wer sollte uns dann erklären, was an welcher Stelle Gottes Wort in der Bibel ist? Natürlich würden dann schon alle Stellen, die einem nicht so ganz passen, und da hat jeder natürlich seine eigenen Probleme, nicht mehr als Gottes Wort gelten.
Das Zeugnis in 2. Timotheus 3,16 ist jedoch unverfänglich klar. Und vielleicht noch ein Punkt: Dieses Kapitel steht im Zusammenhang mit der Prophetie über die letzten Tage. 2. Timotheus 3,1 sagt: Dies wisse aber, dass in den letzten Tagen schwere Zeiten sein werden. Es ist doch eindrücklich, dass diese klassische Inspirationsstelle ausdrücklich in Verbindung mit der Endzeit steht. Und es ist die Zeit, in der die Christenheit in großem Maß die Inspirationslehre aufgegeben hat.
Wenn wir also in frühere Jahrhunderte zurückgehen, war es eigentlich selbstverständlich, dass die Bibel Gottes Wort ist. Im Gefolge der Aufklärungszeit, im 17. Jahrhundert, ist das mehr und mehr aufgegeben worden, auch in der protestantischen Theologie. Nun leben wir in der Endzeit. Es ist die Zeit, in der diese Dinge in Frage gestellt werden, entweder ganz offen oder auch auf sehr feine, subtile, aber dafür umso bösartigere Weise.
Nun hat Karl Barth gesagt, und ich erwähne ihn nochmals, denn er wird ja unter Evangelikalen immer populärer heute: Die Bibel kann ja nicht Gottes Wort sein, denn sie ist ja in menschlichen Sprachen verfasst worden. Und was menschlich ist, ist fehlerhaft. Die Römer haben das richtig gesagt: Errare humanum est, Irren ist menschlich. Was menschlich ist, das ist auch zwingend irrtum- und fehlerbehaftet.
Aber wenn wir uns Gedanken über das Wesen der menschlichen Sprache machen, dann lernen wir aus der Bibel: Gott ist der Urheber der menschlichen Sprachen. In 1. Mose 2 sehen wir, wie Gott Adam als erwachsenen, heiratsfähigen Mann erschaffen hat, und zwar so, dass er fähig war, Sprache zu verstehen und auch zu sprechen. Ihm war die Sprache gewissermaßen vollständig als System auf die Festplatte aufgelegt worden.
Später finden wir in 1. Mose 11 die Geschichte von der Sprachenverwirrung. Auch dort ist Gott der Urheber der Sprachen, nicht der Mensch, der die Sprachen entwickelt hat, wie man vor kurzer Zeit im Spiegel lesen konnte: wie aus Grundlauten und Urlauten im Lauf von Tausenden von Jahren schließlich moderne Sprachen entstanden seien. Das war ein sehr törichter Artikel. Wissenschaftlich war nur der Anspruch.

Die Vielfalt der Sprachen als Hinweis auf Gottes Handeln

Aber was können wir sagen? Das biblische Zeugnis ist in dieser Hinsicht klar. Wir können auch sagen, dass die ältesten Sprachen überaus komplex sind. Als ich Akadisch gelernt habe – das ist ja eine der ältesten Sprachen –, musste ich für Babylonisch bei einem Verb fast tausend Verbformen lernen.
Vergleicht man das mit Schweizerdeutsch, ich sage nicht, Schweizerdeutsch sei eine primitive Sprache. Aber niemand muss mir sagen, Akadisch sei primitiv, also je älter, desto primitiver. Diese Entwicklung der Sprachen kann uns kein Mensch darlegen, vielmehr kann man das Gegenteil zeigen.
Und würde die Evolutionslehre der Sprachen stimmen, müssten ja auch die Sprachen der eingeborenen Völker primitiver sein als die Sprachen des Abendlandes. Das ist überhaupt nicht so. Oftmals sind die Sprachen in der Dritten Welt komplexer als europäische Sprachen. Ja, woher kommt das? Das kommt einfach daher, dass Gott der Urheber der Sprachen ist.
Man kann die über 6.000 Sprachen weltweit in Verwandtschaftsgruppen einteilen. Man kann sie in etwa 50 bis 100 verschiedene Sprachstämme unterteilen, und die Sprachstämme sind dann untereinander überhaupt nicht miteinander verwandt.
Woher kommt das, dass man die Sprachen der Welt nicht auf eine Sprache zurückführen kann? Ganz einfach, weil man sie auf eine Reihe von Sprachen zurückführen muss, die Gott in Babel erschaffen hat. Sie sind Gottes Werk. Und daraus folgt nun eine wichtige Sache: Menschliche Sprachen sind eigentlich Gottes Sprachen. Und Gott hat die Sprachen der Menschen so erschaffen, dass sie fähig waren, seine Gedanken zu übermitteln.
Das gilt nun einerseits für die Bibelsprachen Hebräisch, Aramäisch im Alten Testament und Griechisch im Neuen Testament, aber auch für alle Sprachen der Welt. Das heißt: Alle menschlichen Sprachen sind fähig, Träger des Wortes Gottes zu sein. Das ist ein wichtiger Grundsatz für die Bibelübersetzung.
Also kann man die Bibel auf Schweizerdeutsch übersetzen? Jawohl, Schweizerdeutsch ist fähig, Gottes Wort wirklich weiterzugeben. Natürlich wurden die Sprachen im Laufe der Zeit in ihrem vollen Reichtum abgeschliffen. Aber Gott hat Reparaturmechanismen eingebaut, auf die gehe ich jetzt nicht ein. Reparaturmechanismen, die dazu führten, dass die Sprachen zu allen Zeiten hundertprozentige Kommunikationsmittel sein durften, auch heute im 21. Jahrhundert.
Aber es zeigt uns eben: Wichtig ist, dass die Bibelsprachen in der Lage sind, Gottes Wort weiterzugeben, aber auch die Sprachen der Übersetzungen sind dazu in der Lage.

Biblische Belege für Inspiration bis ins Detail

Nun ein paar wichtige Stellen zur Inspiration.
Ich habe bereits auf 2. Petrus 1,21 verwiesen, wo erklärt wird, dass die Weissagung, die Prophetie, nicht von Menschen eingegeben wurde, sondern dass Menschen vom Heiligen Geist getrieben wurden. Und das ist eben mehr als in Römer 8, wo es ganz allgemein heißt, dass die Gläubigen Söhne Gottes sind und durch den Geist Gottes geleitet werden. Getrieben ist noch mehr. Und da liegt der Punkt mit drin, dass nichts Eigenes da hineinkommen durfte.
 2. Timotheus 3,16 haben wir erklärt, was das „Gott gehaucht“ bedeutet. Aber wichtig ist weiter Matthäus 5,17-18, wo der Herr Jesus erklärt: „Meint nicht, dass ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn wahrlich, ich sage euch: Bis dass der Himmel und die Erde vergehen, soll auch nicht ein Jota oder ein Strichlein von dem Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist.“
Hier bezieht sich der Herr Jesus auf den einzelnen Buchstaben. Er spricht von dem Jota, und das war gewählt, weil das hebräische Jota damals der kleinste Buchstabe war, nur ein kleines Strichlein. Aber der Herr geht noch weiter. Er sagt: „oder ein Strichlein“, wörtlich im Griechischen Keraja, Hörnchen. Und Hörnchen, das sind Teile gewisser hebräischer Buchstaben. Zum Beispiel K und B im Hebräischen sind fast gleich. Ihr könnt das nachher dann in der hebräischen Bibel, da auf den Büchern Tisch, ausgelegt nachvollziehen. Fast nicht zu unterscheiden, aber ein kleines Hörnchen unten beim B unterscheidet B von K. Und so gibt es noch andere Buchstaben.
Der Jesus geht also hier auf den einzelnen Buchstaben ein und weiter auf das Hörnchen, das einzelne Buchstaben voneinander scheidet. Es sind also Buchstabenteile, die Hörnchen. Das macht deutlich: Es geht nicht darum, dass die Bibel irgendwie nur sinngemäß eingegeben worden wäre, sondern es geht um eine Verbalinspiration, die also bis in die Wahl des Buchstabens hineinging.
Aber es wird ja manchmal so von kritischer Seite ein bisschen lächerlich gemacht. Da sagt man: Ihr seid so buchstabengläubig, ihr hängt am Buchstaben. Ja gut, mit allem Recht kann man das auf dem PC mal ausprobieren. Da hat man einen Text, und dann kann man doch alles markieren, und dann machen wir mal alle Buchstaben weg, und dann sieht man, was noch übrig bleibt. Der Buchstabe und der Sinn sind ja nicht voneinander zu trennen. Wenn wir den Buchstaben verlieren, verlieren wir auch den Inhalt. Es ist ganz einfach im Prinzip.
 Psalm 19 spricht über das Zeugnis Gottes in der Schöpfung, dann über das Zeugnis Gottes in seinem Wort und schließlich im dritten Teil über das Zeugnis Gottes durch den einzelnen gläubigen Menschen. Ich zitiere aus Vers 7 und 8: „Das Gesetz des Herrn ist vollkommen, es erquickt die Seele; das Zeugnis des Herrn ist zuverlässig, macht weise den Einfältigen. Die Vorschriften des Herrn sind richtig.“
Vollkommen, zuverlässig, richtig. Es gibt Leute, die sagen uns tatsächlich, so Begriffe wie Irrtumslosigkeit der Schrift seien philosophische Konzepte, die Fundamentalisten eingetragen hätten. Mitnichten. Das lerne ich doch aus der Bibel: vollkommen, zuverlässig und richtig. Das heißt einfach, dass nichts falsch ist, dass nichts unvollkommen ist.
Gut, da hat vor kurzem einer erklärt, er glaube, dass die Bibel vollkommen ist, aber nicht unfehlbar. Ja gut, was soll man da sagen? Ja, da muss man sagen: Übersetz es mal auf Französisch, und dann merkt man, das geht gar nicht mehr so. Man muss einfach rückübersetzen in eine andere Sprache, dann merkt man plötzlich: Ja, er unterscheidet Begriffe, die man gar nicht voneinander trennen kann. Das sind Konzepte, die gehören zusammen. Was vollkommen ist, kann auch nicht Irrtum enthalten.
Und dann noch Psalm 12, Vers 7, eine ganz interessante Stelle, wo von Gottes Wort gesagt wird, dass es wie Silber im irdenen Schmelztiegel sei, siebenmal gereinigt. Also jegliche Schlacke ist entfernt. Es gibt nichts Menschliches beigemischt in der Bibel, das irgendwie Gottes Wort entwerten würde.

Jesus Christus als Schlüssel zum Verständnis der Schrift

Nun, wie können wir zu dieser Überzeugung gelangen? Ich möchte etwas über Jesus Christus und die Bibel sagen. Zuerst kann ich einem Menschen deutlich machen, warum ich von ganzem Herzen glaube, dass Jesus Christus der Erlöser ist.
Im Alten Testament gibt es über dreihundert Prophezeiungen, die sich nachweislich in Jesus von Nazareth erfüllt haben. Ich verweise dazu in der Fußnote auf mein Buch Der verheißene Erlöser, in dem ich diesem Thema noch genauer nachgehe. Durch die erfüllte Prophetie können wir zeigen, dass Jesus der Sohn Gottes ist, der Messias, wie er im Alten Testament angekündigt war.
Nun sehe ich aber auch: Der Herr Jesus erkannte das Alte Testament in allen Teilen als Gottes Wort an. Zum Beispiel spricht er in Lukas 24,25-27 über das Alte Testament und zeigt, wie aus allen drei Teilen des Alten Testaments, dem Gesetz, den Propheten und den Schriften, alles auf ihn hingewiesen hat. Das ist die jüdische Einteilung des Alten Testaments. Ebenso ist es in Lukas 24,44-46.
Und in Matthäus 5 haben wir bereits gesehen, wie der Herr auch den einzelnen Buchstaben ausdrücklich in Verbindung mit dem Gesetz erwähnt. Der Herr Jesus erkannte das ganze Alte Testament an. Weiterhin kündigte er an diesem feierlichen Vorabend der Kreuzigung, als die Schatten von Golgatha bereits auf unseren Herrn gefallen waren, den Heiligen Geist an.

Die Verheißung des Geistes und die Entstehung des Neuen Testaments

 Johannes 14,26: Wenn aber der Sachwalter gekommen ist, den ich euch von dem Vater senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, so wird er von mir zeugen. Der Heilige Geist wird also von Jesus Christus zeugen.
Bereits zuvor heißt es in Johannes 14,26: Der Sachwalter aber, der Heilige Geist, den der Vater senden wird in meinem Namen, jener wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. Und in Johannes 16,12-13: Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht aus sich selbst reden, sondern was er hören wird, wird er reden, und das Kommende wird er euch verkündigen.
 Johannes 14,26: Der Heilige Geist wird die Jünger an die Reden Jesu erinnern. Das hat seinen besonderen Niederschlag in der Verfassung der vier Evangelien gefunden. Dort begegnet uns die Erinnerung des Heiligen Geistes an die Worte Jesu.
 Johannes 15,26: Der Heilige Geist wird Zeugnis ablegen. Das hat sich besonders in der Abfassung der Apostelgeschichte niedergeschlagen, also in einer inspirierten Kirchengeschichte der ersten drei Jahrzehnte des Christentums. Dort finden wir das Zeugnis über Jesus.
Und schließlich Johannes 16,13: Der Geist der Wahrheit wird in die ganze Wahrheit leiten. Dies hat seinen besonderen Niederschlag in der Abfassung der Lehrbriefe des Neuen Testaments gefunden, also in den Lehrbriefen der neutestamentlichen Apostel und Propheten. Dort haben wir die Wahrheit.
Und schließlich: Das Kommende wird er euch verkündigen. Das hat sich ganz besonders in der Abfassung des letzten Bibelbuches niedergeschlagen, das übrigens das einzige vollumfänglich prophetische Buch im Neuen Testament ist, in der Offenbarung.
Nun können wir sagen: Jesus Christus leitet uns hin zum Alten Testament, und er leitet uns hin zum Neuen Testament. Und zwar anerkennt er im Alten Testament die Dreiteilung im Judentum. Das Gesetz nennt man Tora, die Propheten Nevi'im und die Psalmen Ketuvim, die Schriften.
Die Psalmen als dritter Teil werden im Judentum auch Psalmen genannt, weil dieses Buch am Anfang dieser Reihe, dieses Teiles, steht. Die Psalmen stehen also für alle weiteren Schriften, die darin enthalten sind.
Die Einteilung der Bibelbücher in unseren deutschen Bibeln folgt nicht der hebräischen Einteilung. Das ist kein Drama, aber man muss es einfach wissen. Die Einteilung ist also anders gemacht. Im dritten Teil, Psalmen oder Schriften, kommen dann Psalmen, Prediger, Hohes Lied und so weiter, aber auch zum Beispiel das Buch Daniel, Erste Chronik und Zweite Chronik. Man kann einmal eine hebräische Bibel nehmen und im Inhaltsverzeichnis nachsehen, wie die Bücher dort eingereiht sind.
Aber es gibt also diese Dreiteilung: Gesetz, Propheten und Schriften.

Die Vollständigkeit des biblischen Kanons

Das Neue Testament hat der Herr Jesus gewissermaßen angekündigt, und zwar in vier Teilen: die Evangelien, das ist die Erinnerung; die Apostelgeschichte, das Zeugnis; die Briefe, die ganze Wahrheit; die Offenbarung, das Zukünftige.
Und so haben wir schließlich drei und vier zusammen, also sieben Teile. Die Zahl sieben ist in der Bibel die Zahl der Vollkommenheit. So ist die Heilige Schrift abgeschlossen, und die Schriftpropheten haben ein Ende gefunden. Nach der Offenbarung ist nie mehr ein Schriftprophet aufgestanden, der Autorität gehabt hätte, irgendein Bibelbuch hinzuzufügen. Das hat aufgehört.
Nun fassen wir zusammen: Die erfüllte Prophetie des Alten Testaments führt uns zu Jesus Christus hin, und Jesus Christus führt uns zum Glauben an die ganze Heilige Schrift hin. Aber wir können dann auch im Einzelnen zeigen, wie die Bibel Gottes Wort ist. Dafür eignet sich besonders die Prophetie als Gottes Siegel auf der Bibel.
Im Buch Hesekiel zum Beispiel findet man siebenundsiebzigmal den Refrain, in Variationen: und ihr werdet erkennen, dass ich der Herr bin. Es wird irgendetwas vorausgesagt, und im Zusammenhang kommt dann der Refrain, zum Beispiel in Hesekiel 5,13; 6,7; 10,13; 14 usw.: Und ihr werdet, oder sie werden, erkennen, dass ich der Herr bin.
Ich will sagen: Erfüllte Prophetie hilft dem Menschen zu erkennen, dass in diesem Buch, in der Bibel, der ewige Gott spricht, der nicht Zeit und Raum unterworfen ist wie die Geschöpfe. Übrigens sind auch Satan und die Engel Raum und Zeit unterworfen. In Daniel 10 entschuldigt sich ein Engel für drei Wochen Verspätung. Dann war er also an Ort und Zeit gebunden. Aber Gott nicht.
Gerade darin kommt die göttliche Seite der Bibel zum Tragen.

Prophetie als Gottes Siegel und das Beispiel Daniel

Ich habe bereits gesagt, dass sich in Bezug auf Jesus Christus über 300 Prophezeiungen erfüllt haben. Allein im Buch Daniel kann man 200 erfüllte Prophezeiungen in der Weltgeschichte nachweisen. Ich habe im Skript auch Bücher angeführt, in denen man das nachlesen kann.
Ich möchte ein Beispiel zeigen: Daniel 9,25-27 über die Jahrwochen. Das ist ein Beispiel, das viele von euch kennen. Aber ich weiss nicht, ob alle es auswendig kennen. Darum macht es nichts, wenn ich es noch einmal sage. Vielleicht wisst ihr es dann auswendig.
Ich denke, es ist ganz wichtig, dass man das, wenn man plötzlich herausgefordert wird, auf der Strasse oder am Arbeitsplatz, dann in der Pause, nicht während der Arbeit, aber in der Pause, darlegen kann. Nimm mal ein Blatt Papier. Schau mal, der Text ist so und so:
So wisse denn und verstehe: Vom Ausgehen des Wortes, Jerusalem wiederherzustellen und zu bauen, bis auf den Messias, den Fürsten, sind sieben Jahrwochen und zweiundsechzig Jahrwochen.
Und dann könnt ihr erklären: Wir haben einen Ausgangspunkt. Ein Befehl geht heraus, Jerusalem wieder zu bauen, das damals in Schutt und Asche lag. Der weitere Zeitpunkt: Der Messias kommt, der verheissene Erlöser, als Fürst. Dazwischen liegen sieben und zweiundsechzig, will sagen neunundsechzig Jahrwochen.
Nun, wir finden einen Erlass zum Wiederaufbau Jerusalems in Nehemia 2. Und das ist dort schön datiert auf Nisan, bei uns März/April, 445 vor Christus. Das Königsjahr ist dort dieses Jahr.
Wann ist Jesus als Messiasfürst aufgetreten? Nur einmal, am Palmsonntag. Johannes 12 beschreibt das: der Einzug Jesu nach Jerusalem. Das war auch im Passamonat Nisan, also März/April 32 nach Christus.
Wie komme ich auf 32 und nicht auf 30 oder 33? Ganz einfach: Man nimmt ein Lexikon und schaut nach Lukas 3,1. Jesus begann zu predigen im fünfzehnten Jahr des Kaisers Tiberius. Tiberius bestieg den Thron um 14 nach Christus. 14 plus 15 gibt 29. In Lukas 13,6-9 wird über drei Jahre gesprochen, die Jesus Christus benutzte, um öffentlich zu predigen. 29 bringt uns auf das Jahr 32 nach Christus.
67 haben wir schon zusammengerechnet.
Was ist eine Jahrwoche? Eine Jahrwoche ist eine Einheit von sieben Jahren. Eine Woche dauert normalerweise sieben Tage, eine Jahrwoche sieben Jahre. Die prophetischen Jahre der Bibel dauern 360 Tage. Das kann man nachlesen in Offenbarung 11,2-3, wo 3,5 Jahre, also 3,5 Jahre, gleichgesetzt werden mit 1260 Tagen. Also 1260 geteilt durch 3,5. Auf dem Taschenrechner kann man das dann vormachen, den muss man auch dabei haben. Und dann, das kann man nur noch mit Taschenrechner heute. Das kann man nicht mehr rechnen.
69 mal 7 mal 360 Tage gibt 173 Tage. Und dann kann man sagen: Das passt exakt hinein zwischen März/April 445 vor Christus und März/April 32 nach Christus, wenn man alle Verschiebungen zum Sonnenjahr also mit einberechnet. Ich habe das in meinem Buch Jerusalem, Hindernis für den Weltfrieden, Seite 34 und folgende, im Detail ausgeführt. Also passt wunderbar hinein.
Das wäre nun eine der 300 Prophezeiungen auf Jesus Christus hin. Nicht schlecht, oder? Das muss man uns zeigen aus dem Koran oder aus den Veden der Hindus. Nirgends findet man so etwas.
Und dann sagen wir: Jetzt geht es aber noch weiter.
Vers 25b: Strassen und Gräben werden wiederhergestellt und gebaut werden, und zwar in Drangsal der Zeiten. Das war eine schwierige Zeit, dieser Wiederaufbau. Das ist die Zeit der neunundvierzig Jahre, der sieben ersten Jahrwochen.
Und dann heisst es weiter: Und nach den zweiundsechzig Jahrwochen wird der Messias ausgerottet werden und nichts haben. Genau am Ende der sieben und zweiundsechzig Jahrwochen trat er auf als Fürst, fünf Tage später wurde er gekreuzigt.
Die Prophetie geht weiter: Und das Volk des kommenden Fürsten wird die Stadt und das Heiligtum zerstören. Und deutet an, in der Folge: Im Jahr 70 haben die Römer Jerusalem und den Tempel dem Erdboden gleichgemacht.
Also, wo findet man ein religiöses Buch in dieser Welt, das uns solche Prophetie vortragen kann? Nirgends.
Dann kann man erklären, und das weckt in mir ein tiefes Vertrauen in die Inspiration der Bibel. Und ich kann auch dort vertrauen, wo ich die Bibel selber nicht nachkontrollieren kann, aber einfach weil ich sehe, wie umwerfend die Bibel ist in dem, was ich nachvollziehen konnte. Und zweitens, weil ich volles Vertrauen habe in Jesus Christus, wenn er sagt, die ganze Schrift ist glaubwürdig.

Persönliches Vertrauen, Auslegung und praktische Grundsätze

Nun, warum vertraue ich der Bibel? Ich formuliere das jetzt bewusst sehr persönlich.
Erstens: Ich habe durch die erfüllte Prophetie klar erkannt, dass Jesus der Messias ist. Jesus Christus anerkannte die ganze Bibel. Er gab den Aposteln seine Autorität und kündigte die Inspiration des Neuen Testaments an. Die von Jesus Christus den Aposteln verliehene Autorität begründet die Glaubwürdigkeit der Apostel als Zeugen. Und so darf ich seiner Aussage voll und ganz vertrauen, so wie Paulus in 2. Timotheus 1,12 sagt: Ich weiß, wem ich geglaubt habe.
Wie gehen Glauben und Wissen zusammen? Da haben wir es: Ich weiß, wem ich geglaubt habe. Es ist nicht ein Sprung, ein blinder Sprung ins Dunkle, sondern ich weiß, warum ich mein Vertrauen auf Jesus Christus gesetzt habe. Ich habe in 34 Jahren Glaubensleben erfahren, wie eine Schwierigkeit nach der anderen gelöst werden konnte. Aber manchmal muss man auch bereit sein, ein paar Jahre zu warten.
Ein paar Beispiele, wie man Probleme lösen kann:
Erstens: Beim Bibellesen braucht es Demut. Ich bin als Mensch limitiert, bezüglich Erfahrung, Wissen, Bildung, Wahrnehmung, Gesichtskreis, Logik etc. Ich bringe nachher ein Beispiel. Das klingt jetzt alles sehr abstrakt, aber mit Beispielen wird das lustig.
Zweitens: Was sagt der hebräische, aramäische und griechische Grundtext? Wenn ein Problem aufkommt und man es mit der Übersetzung irgendwie nicht lösen kann, dann kann man sich fragen: Wie steht es im Grundtext? Denn inspiriert ist nur der Grundtext, nicht eine Übersetzung. Das ist ein Grundprinzip.
Drittens: Exakte Berücksichtigung der Wortbedeutungen, der Grammatik und des Sprachgebrauchs. Man muss unterscheiden: Ist es Poesie? Wenn zum Beispiel in Psalm 19 gesagt wird, dass die Sonne sich freut, wie ein Held ihre Bahn zu durchlaufen, dann ist das Poesie. Und wenn ein Dichter heute sagen würde: vom Himmel die Kuppel von Azur, dann unterstellen wir ihm auch nicht Beschränktheit. Ist es Prosa, Erzählung, ist es Apokalyptik? Das sind also so prophetische Bilder wie ein Löwe mit Adlersflügeln oder ein grausames Tier mit zehn Hörnern usw. Ist es Symbolik, ist es Geschichtsschreibung etc. Man muss auch die Sitten, Gebräuche, alten Gesetze und Hintergründe berücksichtigen.
Außerdem ist die Heilsgeschichte zu beachten, die großen Bögen, die umfassenden Zusammenhänge, die Offenbarungsentwicklung innerhalb der Bibel und die unterschiedlichen Heilszeitalter: Unschuldszeitalter im Paradies, die Zeit vom Sinai-Gesetz, die Gnadenzeit, das tausendjährige Reich usw. usf.

Weitere Beispiele zur Auslegung und zum Umgang mit Einwänden

Jetzt Beispiele: Wann wurde Jesus Christus gekreuzigt? In Markus 15,25 heißt es: in der dritten Stunde. Und in Johannes 19,14 steht, dass es um die sechste Stunde war, als Jesus Christus noch vor Pilatus stand. Wir fragen uns: Was sagt der Grundtext? Dasselbe.
Nun fragen wir uns über Sitten und Gebräuche. Es gab damals in Israel zwei Zeitrechnungen parallel: die römische Zeitrechnung, bei der man die Stunden ab Mitternacht zählt, und die jüdische Zeitrechnung, bei der man die Stunden ab Sonnenaufgang zählt. Markus benutzt die jüdische Rechnung: Kreuzigung um neun Uhr. Johannes benutzt die römische Rechnung, und das kann man an anderen Stellen auch wieder so deutlich machen. Die sechste Stunde war also sechs Uhr morgens bei Pilatus. Das Problem hat sich gelöst.
Also, das wäre Punkt eins: Demut. Punkt vier: Berücksichtigung von Sitten und Gebräuchen.
Zu der Zahl der Sterne: Die Bibel sagt in Jeremia 33,22, dass man die Sterne nicht zählen kann, und könnte man es, würde Gott Israel verwerfen. Was sagte die Wissenschaft dazu? Ptolemäus, ein großer Wissenschaftler der Antike, hatte ein Verzeichnis mit 1.056 Sternen. Kepler arbeitete mit einer Liste von 1.005 Sternen. Also: Irgendwie muss es doch zählbar sein, hat man darum gedacht, Gott hätte Israel definitiv verworfen.
Nun, heute wissen wir: Man muss ein bisschen besser sehen als nur kurzsichtig. Und auch die Brillen nützen noch nichts. Man braucht Fernrohre, gewaltige Fernrohre, und dann sieht man: Die Sterne sind nicht zu zählen.
Konnte Mose die fünf Bücher Mose schreiben? Früher hat man gesagt: unmöglich. Damals war man zu primitiv. Die Archäologie hat heute gezeigt, dass man in der Zeit von Mose oder kurz davor die Buchstabenschrift erfunden hat, und zwar in dem Raum, wo Israel war. Also wusste man es früher einfach nicht besser, und darum hat dann die liberale Theologie darauf aufgebaut: Mose kann es nicht geschrieben haben, darum ist es eine spätere Fälschung.
Hat es Belsatsar gegeben? Auch das hat man erst später mit der Archäologie belegen können. Aber da waren gelehrte Leute so dumm zu sagen: Ja, wenn die Bibel das sagt, aber wir haben keine Hinweise, dann ist das falsch in der Bibel. Aber Demut hätte gesagt: Wir wissen es nicht besser. Wir wissen es einfach nicht, aber in der Bibel steht es.
Jetzt machen wir Pause.

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