Die universelle Schuld vor Gott
Heute stehen wir in Römer 3, ab Vers 9. Wir betrachten bis und mit Vers 31, und ich lese den Text zuerst vor:
Was nun? Haben wir einen Vorzug? Durchaus nicht! Denn wir haben sowohl Juden als auch Griechen zuvor beschuldigt, dass sie alle unter der Sünde sind. Wie geschrieben steht: Da ist kein Gerechter, auch nicht einer; da ist keiner, der verständig ist; da ist keiner, der Gott sucht. Alle sind abgewichen, sie sind allesamt untauglich geworden; da ist keiner, der Gutes tut, da ist auch nicht einer. Ihr Schlund ist ein offenes Grab, mit ihren Zungen handelten sie trügerisch, Schlangengift ist unter ihren Lippen. Ihr Mund ist voller Fluchen und Bitterkeit; ihre Füße sind schnell, Blut zu vergießen. Verwüstung und Elend ist auf ihren Wegen, und den Weg des Friedens haben sie nicht erkannt. Es ist keine Furcht Gottes vor ihren Augen.
Wir wissen aber, dass alles, was das Gesetz sagt, es zu denen redet, die unter dem Gesetz sind, damit jeder Mund verstopft werde und die ganze Welt dem Gericht Gottes verfallen sei. Darum wird aus Gesetzeswerken kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden; denn durch Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde.
Jetzt aber ist ohne Gesetz Gottes Gerechtigkeit offenbart worden, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten, Gottes Gerechtigkeit aber durch Glauben an Jesus Christus gegen alle und auf alle, die glauben. Denn es ist kein Unterschied, denn alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist. Den hat Gott dargestellt als ein Sühnmittel durch den Glauben an sein Blut, zur Erweisung seiner Gerechtigkeit wegen des Hingehenlassens der vorher geschehenen Sünden unter der Nachsicht Gottes, zur Erweisung seiner Gerechtigkeit in der jetzigen Zeit, dass er gerecht sei und den rechtfertige, der des Glaubens an Jesus ist.
Wo ist nun der Ruhm? Er ist ausgeschlossen worden. Durch was für ein Gesetz? Der Werke? Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens. Denn wir urteilen, dass ein Mensch durch Glauben gerechtfertigt wird, ohne Gesetzeswerke. Oder ist Gott der Gott der Juden allein, nicht auch der Nationen? Ja, auch der Nationen; denn es ist der eine Gott, der die Beschneidung aus Glauben und die Vorhaut durch den Glauben rechtfertigen wird.
Heben wir nun das Gesetz auf durch den Glauben? Das sei ferne! Sondern wir bestätigen das Gesetz.
Bis dahin. Wir haben bisher in Römer 1 und 2 und dann eben auch in 3,1 bis 8 gesehen, dass der Apostel Paulus den Beweis vorlegt, dass die ganze Welt vor Gott schuldig ist. Und zwar haben wir gesehen: Nach der ganz wichtigen Einleitung des Römerbriefes, ab Kapitel 1, Vers 18, beginnt der Apostel Paulus über die Völker der Welt zu sprechen, die keinen Bezug haben zur Bibel, die aber Gott sehr wohl durch ihren Verstand erkennen können als Schöpfer hinter der Natur, hinter der Schöpfung.
Und wir haben gesehen: Es wurde deutlich gemacht, dass die Menschen auch ohne Bibel nicht zu entschuldigen sind, wenn sie an Gott vorbeigehen und nicht umkehren. Aber dann haben wir gesehen: Ab Kapitel 2, Vers 17 wird deutlich gemacht, dass auch das jüdische Volk, das die Bibel bekommen hat, vor Gott schuldig ist. Und dann wird hier die Frage gestellt, in Kapitel 3, Vers 9, wo wir jetzt beginnen, neu zu betrachten: Was nun? Haben wir, gemeint ist: Wir Juden, einen Vorzug? Und die Antwort ist: Durchaus nicht, denn wir haben sowohl Juden als auch Griechen zuvor beschuldigt, dass sie alle unter der Sünde sind.
Also ist es nicht so, dass man als Jude vor Gott in Bezug auf Errettung eine Sonderstellung hätte. Diesen Vorzug gibt es nicht. Wir haben allerdings gesehen, es gibt sehr viele Vorteile, die man als Jude bekommen hat, nicht wahr? Das hatten wir in Kapitel 3, Vers 1 gelesen: Was ist nun der Vorteil der Juden oder war es der Nutzen der Beschneidung? Und die Antwort fiel: in jeder Hinsicht. Natürlich hat das jüdische Volk, das Volk Israel, eine ganz besondere Stellung, denn es ist Gottes irdisches Volk, von ihm auserwählt. Und darum wird in Kapitel 3, Vers 2 gesagt: Denn zuerst einmal sind ihnen die Aussprüche Gottes anvertraut worden. Nur dieses Volk bekam die Bibel, zunächst eben das Alte Testament, also viele Vorzüge.
Aber wenn es darum geht, wo werde ich die Ewigkeit verbringen, wie werde ich errettet, da hat man als Jude oder mit jüdischer Abstammung keinen Vorzug. Und darum wird hier gesagt: Was nun? Haben wir einen Vorzug? Durchaus nicht! Denn wir haben sowohl Juden als auch Griechen zuvor beschuldigt, dass alle unter der Sünde sind. Das haben wir alles ausführlich gesehen.
Und nun bringt der Apostel Paulus eine Serie von Bibelstellen, um zu beweisen, dass alle Menschen Sünder sind, dass alle Menschen vor Gott schuldig sind, dass alle Menschen in ihrem Wesen verdorben sind. Und zwar bringt der Apostel hier sechs Zitate aus dem Alten Testament. Übrigens: In Römer 3 insgesamt bringt der Apostel Paulus sieben Zitate, die alle dazu da sind, um zu zeigen: Wir Menschen, ob Juden oder Nichtjuden, spielt keine Rolle, wir sind alle Sünder vor Gott, wir sind alle verloren. Wir haben alle das Gericht Gottes, das gerechte Gericht Gottes, verdient.
Und das ist interessant: Sieben Zitate aus dem Alten Testament. Das erinnert mich an ein anderes Kapitel, in dem eben auch sieben Zitate aus dem Alten Testament gebracht werden, um die Hauptaussage des Kapitels zu unterstreichen. Das heißt: Hebräer 1. In Hebräer 1 wird die Herrlichkeit des Herrn Jesus in einer grandiosen Art und Weise vorgestellt. Gleich zu Beginn werden sieben Herrlichkeiten von ihm als Gott und Mensch in einer Person vorgestellt, und dann wird das unterstrichen mit sieben Zitaten aus dem Alten Testament.
Und was sich da wirklich lohnt, ist, wenn man Hebräer 1 studiert, dass man diesen Zitaten nachgeht und schaut, in welchem Zusammenhang sie vorkommen. Das macht das Ganze noch grandioser. Da gehen einem Schätze und Reichtümer des Glaubens auf. Das ist wirklich einfach fantastisch, grandios, einzigartig.
Darum: Jetzt in Kapitel 3 von Römer, da haben wir einen Kontrast. Da geht es nicht um die Herrlichkeit, sondern es geht um die Verlorenheit, die Verdorbenheit des Menschen, und das wird unterstrichen mit sieben Zitaten. Aber auch da ist es eben ein Reichtum, wenn man diesen Zitaten nachgeht im Alten Testament und auch sieht, in welchem Zusammenhang sie vorkommen.
Also: Während es in Hebräer 1 um die Herrlichkeit des Herrn Jesus geht, sieben Zitate, geht es hier um die Nichtherrlichkeit der Menschen, unterstrichen durch sieben Zitate. Und wenn ich sage Nichtherrlichkeit, dann ist das eine Anspielung auf den zentralen Vers, auf den die ganze Beweisführung von Römer 1,18 hinführt, hinleitet, über Kapitel 2, Kapitel 3: Die ganze Menschheit ist schuldig, Römer 3,23. Ganz genau gesagt, fängt der Vers, den hoffentlich alle auswendig können, so an: Es ist kein Unterschied. Das ist so ein ganz zentraler Vers, auch für die Evangeliumsverkündigung, weil er in einem Satz klar macht, dass alle Menschen vor Gott schuldig sind.
Und wenn wir das Evangelium weitergeben, wenn wir diese Grundlage nicht schaffen können, dass eben die Menschen das akzeptieren: Wir sind vor Gott schuldig, dann können wir nicht mit der guten Botschaft kommen. Das nützt gar nichts. Das Problem heute ist: Wenn man das Evangelium verkündigt und die Menschen haben gar nicht den Eindruck, dass sie verloren sind oder sündig sind, dann verstehen sie das Evangelium gar nicht. Wir können nicht Antworten an Leute geben, die gar keine Fragen haben. Es bringt einfach nicht viel. Zuerst muss klargemacht werden: Ja, wir sind alle schuldig. Und dann kann man darüber sprechen, dass es eine gute Nachricht gibt, wie man aus dieser Verlorenheit herauskommen kann.
Und darum ist es so wichtig, dass man Römer 3,22 und 23 auswendig kann: Denn es ist kein Unterschied, das ist noch Vers 22, dann kommt Vers 23: Denn alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes. Ich weiß, das wird unterschiedlich übersetzt, gerade die Luther-Übersetzung ist in vielen Ohren einfach so drin: ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten. Aber es ist zu frei übersetzt. Die Elberfelder ist wörtlich und übersetzt ganz korrekt: erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes. Also der Mensch ist eben nicht herrlich in seiner Verlorenheit, und er kann sich schon Mühe geben, gut zu leben, gute Dinge zu machen und sich eben doch um andere zu bemühen, trotz Egoismus. Aber es muss einem klar sein: Alle Bemühungen taugen nichts, wenn wir meinen, wir könnten so die Herrlichkeit Gottes erreichen. Das ist die Aussage.
Also: Die Nichtherrlichkeit des verlorenen Menschen wird unterstrichen mit sieben Zitaten, und die Herrlichkeit des Herrn Jesus in Hebräer 1 wird unterstrichen mit sieben Zitaten. Erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes. Und gleich kommt dann eben die Antwort des Evangeliums: und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist. Und von da an geht dann der Römerbrief eben dazu über, um zu zeigen: Wie wird man errettet? Wie kann man errettet werden? Wie kann man mit Gott in Gemeinschaft kommen? Wir können es nicht. Aber weil wir es nicht konnten, hat Gott einen Weg geschaffen, indem er von oben her kam und so die Türe geöffnet hat. Aber das kommt alles, das ist ein bisschen Vorwegnahme.
Jetzt sind wir eben bei diesen Zitaten. Das Erste, das wir jetzt anschauen, ist Römer 3, Vers 10. Diese ganze Serie aus verschiedenen Teilen des Alten Testaments, nämlich Psalm 14, Psalm 5, Psalm 140, Psalm 10, Jesaja 59 und Psalm 36, das wird alles eingeleitet mit: wie geschrieben steht. Das ist der typische Ausdruck im Neuen Testament, wenn aus den von Gott inspirierten Büchern des Alten Testaments zitiert wird: wie geschrieben steht. Und dann wird eben Psalm zitiert, und zwar ganz ausführlich. In Vers 10: Da ist kein Gerechter, auch nicht einer. Und das geht weiter über Vers 11, 12 bis zum Schluss von Vers 12, also 10, 11, 12 ein Zitat.
Jetzt schlagen wir Psalm 14 auf. Man könnte ja auch noch die Parallelstelle nehmen, es wird nämlich zweimal so ausgedrückt, auch in Psalm 53. Aber schlagen wir Psalm 14 auf. Ich lese ab Vers 1:
Psalm 14, dem Vorsänger. Von David. Der Tor spricht in seinem Herzen: Es ist kein Gott. Sie haben Böses getan, sie haben abscheuliche Taten verübt; da ist keiner, der Gutes tue. Der Herr hat vom Himmel herniedergeschaut auf die Menschenkinder, um zu sehen, ob ein Verständiger da sei, einer, der Gott suche. Alle sind abgewichen, sie sind allesamt verdorben; da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer. Haben keine Erkenntnis alle, die Frevel tun, die mein Volk fressen, als äßen sie Brot? Den Herrn rufen sie nicht an. Da überfiel sie ein Schrecken, denn Gott ist unter dem gerechten Geschlecht. Ihr macht zum Hohn den Plan des Elenden, weil der Herr seine Zuflucht ist. O, dass aus Zion die Rettung Israels da wäre! Wenn der Herr das Schicksal seines Volkes wendet, soll Jakob frohlocken, Israel sich freuen.
Da geht es zunächst um den Toren. Vers 1: Der Tor spricht in seinem Herzen. Das hebräische Wort nawal, der Mann von Abigail, dieser törichte, gottlose Mensch, der hieß ja Nabal, oder hebräisch spricht man heute aus nawal, mit einem weichen B. Und das heißt nicht nur einfach ein Dummer, sondern das meint jemand, der frech über Gott hinweggeht und jemand, der eben Gott ablehnt, Gott hasst und auch seine Gebote hasst. Also: Es ist dumm und gottlos. Diese Kombination ist schrecklich.
Und der Ausdruck „Der Tor spricht in seinem Herzen“ – Reden in seinem Herzen, das ist der hebräische Ausdruck, um zu sagen: etwas innerlich, innerlich denken. Das wird gar nicht laut gesagt. In seinem Herzen drin, verborgen, spricht er: Gott gibt es nicht. Da steht es in der Bibel: Es ist kein Gott, es gibt keinen Gott. Und die Ablehnung Gottes hat eben viel Böses zur Folge, weil dann eben wichtige Barrieren gegen das Böse fallen weg. Man sagt: Es gibt ja keine absolute Wahrheit, es gibt kein absolut richtig oder falsch, also ist es jedem selber überlassen. Und darum der nächste Satz: Sie haben Böses getan, sie haben abscheuliche Taten verübt, da ist keiner, der Gutes tut. Und es wirkt deutlich, dass hier eben die ganze Menschheit im Blickwinkel steht.
Vers 2: Der Herr hat vom Himmel herniedergeschaut auf die Menschenkinder. Also Gott schaut die ganze Menschheit an, die Menschenkinder, und er sucht jemanden, der aus der Menschheit heraus gerecht ist, ob ein Verständiger da sei, einer, der Gott suche, und es wird geantwortet: Es gibt keinen.
Jetzt sehen wir: Daraus kann der Apostel Paulus dann in Römer 3,22,23 den Schluss ziehen, den allgemeinen Schluss: Denn es ist kein Unterschied, alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes. Das ist nicht einfach nur so auf gewisse Menschen bezogen, die ein bisschen böser sind als andere, sondern wirklich alle Menschen fallen aus Gottes Sicht unter dieses Urteil. Alle sind abgewichen, sie sind allesamt verdorben, da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer.
Interessant ist, dass diese Gottlosen hier im Psalm 14 dann im Weiteren als Feinde Israels vorgestellt werden. Also aller Israelhass hat eigentlich seine Wurzel in der allgemeinen Verdorbenheit der ganzen Menschheit. Das ist etwas, was eben zusammenhängt mit dem, dass der Mensch ein Sünder ist. Darum gibt es den Israelhass. Aber interessant: Der Psalm endet mit: O, dass aus Zion die Rettung Israels da wäre! Wenn der Herr das Schicksal seines Volkes wendet – andere Übersetzungen haben die Gefangenschaft –, aber die bessere Übersetzung ist: Wenn der Herr das Schicksal seines Volkes wendet, soll Jakob frohlocken, Israel sich freuen.
Eine Hausaufgabe, das gibt es eben auch an biblischen Tagen: Man suche mit der Konkurrenz, dafür eignet sich ein Handy, und dann sucht man alle Stellen, wo das vorkommt: das Schicksal wenden oder, je nach Übersetzung, die Gefangenschaft wenden. Und dann fällt auf: Das ist ein Ausdruck, der in der biblischen Prophetie ständig vorkommt. Einmal im Buch Hiob. Hiob geht durch große Nöte hindurch, nicht wahr? Und verzweifelt, aber am Schluss wird alles gewendet, und dort steht in Hiob 42, dass Gott die Gefangenschaft Hiobs wendete. Aber das war nicht eine Gefangenschaft, sondern das war ein Schicksal. Darum merkt man: Die Übersetzung ist besser: Gott hat das Schicksal Hiobs gewendet.
Und Hiob ist eben ein Bild des Volkes Israel. Hiob hatte einen besonderen Stand. Aber er kam in große Nöte hinein und wurde von seinen Freunden sogar aufs Heftigste angegriffen und kritisiert. Aber Gott hat ihn durch all diese Not hindurchgeführt, und am Schluss gab es eine Wende, und er bekam alles doppelt zurück, genauso wie es in Jesaja heißt, dass Gott Israel in der Zukunft nach all den Entbehrungen, all den Nöten und auch nach der kommenden großen Drangsal, die noch über Israel kommen wird, alles doppelt erstatten wird. Hiob ist gerade ein Bild von dem Volk Israel.
Und darum nur ein kleiner Hinweis, wer sich interessiert für Literatur: Gerade in der Literatur sind ja oft jüdische Schriftsteller von Bedeutung, und das Thema Hiob, das findet man ständig in der Literatur und gerade bei jüdischen Autoren. Das hat Juden ständig beschäftigt, dieses Buch Hiob. Zu Recht, denn das hat sehr viel zu tun mit dem jüdischen Volk. Aber eben die Verheißung in all diesen prophetischen Stellen, die man dann mit der Konkurrenz heraussucht, zeigt: Gott wird das Schicksal seines Volkes in der Endzeit wenden, indem er das jüdische Volk aus allen Völkern, zerstreut unter allen Völkern, gehasst und verfolgt, wieder zurückbringt in das Land der Väter und ihren Staat gründet. Und in dieser Zeit wird Jesus Christus wiederkommen und dem Chaos der Welt eben ein Ende gebieten und seine Herrschaft, die Herrschaft des Tausendjährigen Reiches, aufrichten.
Also hat das sehr viel zu tun mit der heutigen Zeit. Gerade jetzt, in dieser Not des Krieges im Nahost, dieses Gebet: O, dass aus Zion eben der Erretter käme, hat umso mehr eine Bedeutung. Aber der langen Rede kurzer Sinn: Also Psalm 14, da geht es um die Verdorbenheit der Menschheit universell. Und es wird aber auch klargemacht, dass eben aus dieser Verdorbenheit der Hass auf Israel hervorkommt, aber Gott wird für Israel einmal eine große Wende schaffen, und davor stehen wir heute noch, vor dieser Wende.
Aber eben der Apostel Paulus will jetzt da nicht über Israel sprechen im Speziellen, sondern will klarmachen: Alle Juden und Nichtjuden sind vor Gott schuldig. Und er nimmt Psalm 14 und zeigt diese allgemeine Beschuldigung der Menschheit. Die trifft eben zu auf Juden und auf Nichtjuden. Und ein besonderer Ausdruck dieser Verdorbenheit des Menschen ist der Atheismus. Und dieser Atheismus ist eben nicht nur unter den Völkern der Welt da, sondern auch unter dem jüdischen Volk. Ich meine, auch heute in Israel: Wie viele sind Atheisten oder wenigstens Agnostiker? Das sind die, die sagen: Ja, ganz sicher kann man es nicht sagen, dass es keinen Gott gibt. Aber es ist einfach nicht klar. Agnostiker. Aber das kommt eigentlich eben aus dieser Trennung von Gott durch die Sünde.
Noch etwas in Römer 3, das ich besonders betonen möchte: In Römer 3, Vers 11 heißt es aus Psalm 14 zitiert: Da ist keiner, der Gott sucht. Das ist noch ein ganz wichtiger Punkt. Das macht klar, dass niemand von uns und keiner weltweit, der heute ein erretteter Gläubiger ist, hat Gott von sich aus gesucht. Wir hätten Gott nie gesucht. Es musste so sein, dass Gott an unseren Herzen wirkt und uns zieht. Der Herr Jesus sagt in Lukas 19,10: Der Sohn des Menschen ist gekommen, zu suchen und zu erretten, was verloren ist. Also es braucht das Werk des guten Hirten, der dem verlorenen Schaf nachgeht. Wir wären als verlorene Schafe nicht auf die Idee gekommen: Ach, wie blöd, bin ich da einfach so krumme Wege durch die Wüste gegangen und habe mich da im Gestrüpp verwickelt, ich kehre doch einfach geradewegs wieder zurück zu dem guten Hirten. Nein, der gute Hirte musste kommen und uns holen.
Und in Johannes 6,44 heißt es, können wir das aufschlagen: Johannes 6,44: Niemand kann zu mir kommen, wenn der Vater, der mich gesandt hat, ihn nicht zieht; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag. Also hier wird wieder klargemacht: Niemand kann gerettet werden, wenn Gott nicht den ersten Schritt getan hätte. Aber er hat es getan. Und er tut es für alle Menschen, das ist wichtig. Der Vater zieht, und darum haben wir ja heute Morgen, als es um die zweite Säule des Calvinismus ging, haben wir aus Römer 2,4 gelesen: Oder verachtest du eben den Reichtum der Güte Gottes, seinen Langmut und seine Geduld, die dich zur Buße leitet? Und nach deinem störrischen und unbußfertigen Herzen häufst du dir selber Zorn auf, wenn du dann am Tag des Gerichts unter die ewige Verdammnis fällst. Ich habe es jetzt ein bisschen umschrieben mit eigenen Worten. Das ist die Aussage von Römer 2,4 und 5. Aber eben: Es ist Gott, der zieht, der zieht bei allen. Man kann diesem Zug widerstehen, da geht man verloren, Römer 2,5. Aber der Vater zieht, und ohne sein Ziehen würde niemand errettet werden.
Das ist die Aussage: Niemand kann zu mir kommen, wenn der Vater, der mich gesandt hat, ihn nicht zieht. Aber er macht es. Und noch etwas: Johannes 16,8. Der Herr Jesus spricht über den Heiligen Geist, und er sagt von dem Heiligen Geist, der an Pfingsten kommen sollte: Und wenn er gekommen ist, wird er die Welt überführen von Sünde und von Gerechtigkeit und von Gericht; von Sünde, weil sie nicht an mich glauben; von Gerechtigkeit aber, weil ich zu meinem Vater hingehe und er mich nicht mehr sieht; von Gericht aber, weil der Fürst dieser Welt gerichtet ist.
Der Heilige Geist überführt von Sünde. Das griechische Wort ist eigentlich das Wort, das man auch gebrauchen konnte, wenn ein Richter einen Angeklagten mit Beweisen, mit Indizien, mit Fakten dazu bringt, dass er schließlich sagen muss: Doch, ich habe es getan. Ständig abgestritten, bis er überführt wurde, so dass es gar keinen Ausweg mehr gibt, als zuzugeben. Ja. Und das macht der Heilige Geist. Das heißt also: Der Sohn sucht, Lukas 19,10; der Vater zieht, Johannes 6,44; und der Heilige Geist überführt. Der dreieine Gott wirkt, und darum können Menschen gerettet werden.
Dieses Werk tut Gott an allen Menschen, ohne Ausnahme, weil Gott möchte, dass alle errettet werden. Aber wir müssen betonen: Das ging nicht von uns aus. Wir hätten Gott nie gesucht. Jetzt kann jemand sagen: Wenn ich mich so zurück erinnere an meine Kindheit, ich habe als Kind schon solche Fragen gehabt, wie ist das mit Gott und wer hat diese Welt gemacht, und es hat mich einfach interessiert, was nach dem Tod kommt. Ich war ja suchend. Aber das ist nicht, weil das dann von einem selbst ausgekommen ist, sondern es war bereits, dass Gott gewirkt hat. Der Heilige Geist wirkt, und er wirkt auch da, wo Menschen die Bibel nicht lesen, wirkt er in den Herzen. Und darum ist es auch wichtig, wenn man vor Evangelisation steht, dass man für die Menschen betet, dass die Herzen bereits vor der Evangelisation, wo sie dann das Wort Gottes hören direkt und wie man errettet werden kann, dass ihre Herzen zubereitet werden. Und das macht Gott.
Und darum sieht man eben manchmal so erstaunliche Beispiele von kleinen Kindern: Die Eltern sind überhaupt nicht religiös oder so, und ein Kind stellt ständig so tiefe Fragen. Aber auch das ist nicht, weil das Kind eben so besonders gut ist, sondern weil Gott so gut ist und in den Herzen wirkt. Ohne das geht es nicht. Das ist die Schlussfolgerung aus Römer 3, Vers 11: Da ist keiner, der Gott sucht. Und trotzdem suchen Menschen Gott. Und wir haben sogar eine wunderbare Verheißung in Jeremia 29. Ich lese des Zusammenhangs wegen ab Vers 11:
Denn ich weiß ja die Gedanken, die ich über euch denke, spricht der Herr, Gedanken des Friedens und nicht zum Unglück, um euch Ausgang und Zukunft und Hoffnung zu gewähren. So ist Gott. Gott hat grundsätzlich über uns alle Gedanken des Friedens. Vers 12: Und ihr werdet mich anrufen und hingehen und zu mir beten, und ich werde auf euch hören; und ihr werdet mich suchen und finden, denn ihr werdet nach mir fragen mit eurem ganzen Herzen; und ich werde mich von euch finden lassen, spricht der Herr.
Also, dann kommt übrigens eine solche Stelle aus der Serie, die man noch suchen muss: und ich werde euer Schicksal wenden und euch sammeln aus allen Nationen. Aber was Gott hier eben zu Israel spricht, hat eine grundsätzliche Bedeutung: Gott hat über uns Menschen Gedanken des Friedens, er möchte nicht unser Unglück, er möchte uns Zukunft und Hoffnung geben, Vers 11. Und dann hat man gemerkt und mitgezählt: sieben Verben – anrufen, hingehen, beten, suchen, finden, fragen – und dann wird eben auch die Verheißung gegeben, dass man Gott finden wird. Und jetzt versteht man Matthäus 7,7-8 richtig. Ich weiß noch, wie meine Primarlehrerin gesagt hat, jemand hat seinen Bleistift wiedergefunden oder was es auch war: Wer suchet, der findet, aus der Bergpredigt. Aber das hat wirklich nichts zu tun mit dem verlorenen Bleistift, sondern das hat zu tun damit, wenn jemand Gott sucht. Ernsthaft und ehrlich, von ganzem Herzen, dann wird er Gott finden. Das ist eine wunderbare Verheißung: Wer sucht, der findet, und wer anklopft, dem wird aufgetan werden.
Aber wichtig: Hier wird gesagt: Denn ihr werdet nach mir fragen oder trachten mit eurem ganzen Herzen, und dann gibt es eben die Verheißung: und ich werde mich von euch finden lassen. Das ist dann das finale Verb finden.
Jetzt stellt sich die Frage: Alle sind abgewichen, Römer 3, Vers 12, sie sind allesamt untauglich geworden, da ist keiner, der Gutes tut. Und trotzdem gibt es so viele reiche Leute, die unglaublich viel Gutes tun und von ihrem Reichtum sogar große Beträge spenden. Und es gibt auch Leute, die nicht reich sind, aber sie sind keine Christen, und auch sie haben Mitleid, Erbarmen mit anderen, und sie spenden, sie geben oder setzen sich da und dort ein. Warum sagt die Bibel: Da ist keiner, der Gutes tut, da ist auch nicht einer? Weil Gott eben unser Tun, unser moralisches Tun betrachtet aus dem grundsätzlichen Blickwinkel. Wozu hat er uns erschaffen? Die Frage: Wozu lebe ich? Wozu bin ich da?
Nun, Kolosser 1 gibt uns eine sehr schöne und klare Antwort. Da wird der Herr Jesus, der Sohn Gottes, als Schöpfer vorgestellt. Der Vater hatte die Pläne für die Schöpfung, der Sohn hat sie ausgeführt, wie bei der Erlösung: Der Vater hatte die Pläne, die Auserwählung zur Vorbestimmung von Ewigkeit her. Aber der Sohn ist gekommen und hat die Erlösung am Kreuz durchgeführt.
Jetzt bei der Schöpfung, Kolosser 1,16: Es geht um Jesus Christus, denn durch ihn sind alle Dinge geschaffen worden, die in den Himmeln und die auf der Erde, die sichtbaren und die unsichtbaren, es seien Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Gewalten. Das sind verschiedene Abstufungen in der Hierarchie, also in der jenseitigen Welt. Hat das Sichtbare und das Unsichtbare geschaffen. Und dann heißt es: Alle Dinge sind durch ihn und für ihn geschaffen. Wieder ein Konzentrat, wie man sich gewohnt ist in den Briefen von Paulus speziell. Es beginnt mit: Denn durch ihn sind alle Dinge geschaffen worden. Ganz wörtlich im Griechischen heißt es: in ihm. Ich habe drei Dinge: In ihm sind alle Dinge geschaffen worden, durch ihn – das ist das griechische Wort dia, durch ihn – und für ihn, eis, auf ihn hin.
Jetzt, was bedeutet „in ihm erschaffen“? Das ist der griechische Instrumental, der ausdrückt, dass es eben in seiner Kraft geschehen ist. Der Herr Jesus hat die Welt, das ganze Universum, in seiner eigenen Kraft als ewiger Sohn Gottes erschaffen, in ihm. Durch ihn bedeutet, dass er es persönlich ausgeführt hat. Also die Erschöpfung in 1. Mose 1 hat Jesus Christus, der Sohn, nach den Plänen des Vaters persönlich ausgeführt. Und für ihn heißt, dass die ganze Schöpfung zu seiner Ehre erschaffen worden ist. Die ganze Schöpfung soll ihm dienen.
Und jetzt wird klar: Wenn wir gute Dinge tun, aber das nicht für den Schöpfer tun, dann ist das eigentlich Zielverfehlung. Interessant ist: Das Wort Sünde, hamartia auf Griechisch, heißt ganz wörtlich Zielverfehlung. Das ist so. Und auch im Hebräischen das Wort sündigen, chata, und dann das Hauptwort Sünde, chattah, heißt Zielverfehlung. Das wird zum Beispiel im Buch der Richter gebraucht für Scharfschützen mit Pfeilbogen, die ihr Ziel nicht verfehlen. Aber dieses Wort chattah, was sonst bedeutet sündigen, nicht sündigen heißt nicht das Ziel verfehlen, sündigen heißt das Ziel verfehlen. Also ist alle unsere Bemühung, die nicht ausgerichtet ist auf die Ehre Gottes, vor Gott unakzeptabel.
Das ist so schwierig bei der Evangeliumsverkündigung, weil viele Menschen denken: Ich bin doch sehr gut. Ich habe das wirklich nicht oft erlebt, aber einmal habe ich das erlebt, als Teenager, wir haben Traktate weitergegeben, da hatte eine Frau wirklich an der Türe zu uns gesagt, wir waren zu zweit: Ich habe noch nie gesündigt in meinem Leben. Ich weiß nicht, wie wir es schaffen. Können Sie sich mit zurück erinnern, da und dort und diese schlechten Gewissen und auch diese Situationen, wo man etwas getan hat, man wusste, es ist falsch, man hat es trotzdem getan. Ich glaube, das muss jeder sich an solche Situationen erinnern. Da kann niemand mir sagen: Ich bin vor Gott unschuldig, es ist nur ein Schicksal und Adam hat gesündigt, aber ja, darum sind da alle Sünder, aber ich nicht. Natürlich, wir haben alle bewusst gesündigt. Und trotzdem gibt es Vergebung.
Aber wenn man das versteht, dass eben Taten erst dann für Gott einen Wert haben, wenn sie ihm die Ehre geben und sie ihm eben nicht rauben. Und das ist auch zum Beispiel ganz wichtig in der Kunst. Kunst, die nicht dazu da ist, dass Gott verherrlicht wird, ist Zielverfehlung. Das ist so. Kunst um der Kunst willen. Aber was ist der Sinn davon? Dann wird Musik plötzlich zum Lärmen und Malerei zum Schmieren. Aber es gibt eben Malerei zur Ehre Gottes. Es gibt Maler, die haben die Natur so eindrücklich dargestellt aus ihrer persönlichen Perspektive, also mit einer persönlichen Note. Es ist eben nicht eine Fotografie, es ist etwas anderes. Zur Ehre des Schöpfers.
Und gerade zum Beispiel die barocke Musik, also in der Zeit von Bach, Händel usw. Da hat man ganz bewusst zur Ehre des Schöpfers komponiert und wollte auch die Ordnung des Universums, der Sterne, der Planeten musikalisch abbilden durch Fugen und Fugetten und überhaupt durch mehrstimmige Musik. Besonders die sollte darstellen, wie alles da harmoniert im Universum. Es ist alles mathematisch vollkommen durchdacht. Musik zur Ehre Gottes. Aber eben wenn Musik Gott die Ehre wegnimmt, dann ist sie letztlich Lärm, organisierter Lärm.
Und jetzt wird eben klar: Das wollte ich einfach noch rübergebracht haben, weil diese Frage kommt dann immer wieder auf: Wieso heißt es denn da, da ist keiner, der Gutes tut? Da ist auch nicht einer. Eben man muss wissen: Gutes tun in den Augen Gottes ist dann, wenn etwas getan wird, um ihn zu ehren, auf ihn ausgerichtet. Und dann haben wir den Sinn des Lebens gefunden. Und dann kann man beim letzten Tag wirklich sagen: Jetzt kann ich gehen, weil mein Leben war auf den Herrn ausgerichtet.
Wir gehen weiter. Vers 13: Da kommt jetzt ein Zitat aus Psalm 5. Dort beschreibt David seine Feinde. Aber hier benutzt der Apostel Paulus die Beschreibung der Feinde Davids, um eben die Menschheit allgemein zu charakterisieren. Da wird also das, was dort in einem bestimmten Zusammenhang ist, hier verallgemeinert, und das ist eben ganz wichtig beim Bibellesen. Wir lesen Geschichten und Geschichten, und jetzt: Was ist der Bezug zu unserem Leben? Da müssen wir eben nach und nach herausfinden, wo in diesen biblischen Geschichten allgemeine Grundsätze ausgedrückt werden, die sich eben auch auf mein Leben übertragen lassen.
Und das ist auch wichtig bei Predigten. Es gibt manchmal Leute, die sagen: Das war überhaupt keine praktische Predigt, das war einfach nur Lehre. Aber jetzt ist die Frage: Wenn man predigt, ist es schon wichtig, dass man immer wieder direkte Bezüge macht, wie man das anwenden kann. Aber das trifft dann vielleicht Frau Müller in der Gemeinde. Aber Herr Neuhäusler ist in einer ganz anderen Situation, und er hatte dann eigentlich nichts Direktes. Darum müssen diese Anwendungen gemacht werden, das ist ganz wichtig. Aber man muss auch selber beim Zuhören aktiv sein. Aktives Zuhören in der Gemeinde bedeutet: Und was könnte das jetzt für mein Leben bedeuten? Und diese Erklärung und jene Darlegung, und dann wird plötzlich alles viel direkter und viel praktischer. Also beide müssen arbeiten: der, der vorne steht und erklärt, aber auch der Zuhörer.
Und so ist es eben hier wieder: Paulus nimmt aus einem bestimmten Zusammenhang, im Psalm 14 und jetzt im Psalm 5, einen Vers und zeigt einen allgemeinen Grundsatz. Ja, diese Feinde Davids sind eben Feinde, weil sie zu dieser verdorbenen Menschheit gehören. Da sind alle schuldig geworden, Juden und Nichtjuden. Das betont der Jude Paulus in Römer 3. Also, das hat nichts mit Antisemitismus zu tun, wenn man sagt, alle Juden sind Sünder. Genauso, wie das nicht mit Menschenhass zu tun hat, wenn man sagt, alle Menschen sind Sünder. Das ist einfach die Diagnose, die zuerst gestellt werden muss, bevor man über die Heilung sprechen kann. Und wir sind jetzt hier in Römer 3 immer noch bei der Diagnose.
Also, was wird da gesagt, Vers 13: Ihr Schlund ist ein offenes Grab, mit ihren Zungen handelten sie trügerisch. Fällt uns auf, wie in diesen Versen – wir haben sie ja am Anfang zusammenhängend gelesen – wie viel Körperteile erwähnt werden. Also in Vers 13 Schlund. In meiner Bibel habe ich mit einem kleinen grünen Strich das sofort kenntlich gemacht, also Schlund, da habe ich nur gerade den Anfang des Wortes. Man muss ja nicht das ganze Wort unterstreichen, sondern sie ist am Schluss die ganze Bibel unterstrichen, weil alle Wörter wichtig sind. Also nur kleiner Strich. Aber dann sieht man sofort in meiner Bibel die Körperteile. Ja, Vers 13 Schlund, dann Zungen. Der Schlund, das ist wirklich der ganze Rachen, der wird verglichen mit einem offenen Grab, das hat schon etwas Tierisches an sich. Ja, man denkt gleich an den Rachen eines Löwen, ja, so etwa: Ihr Schlund ist ein offenes Grab.
Und das offene Grab, das hat ja drinnen eine Leiche, ganz unten. Und die Leiche ist bereits im Verwesungszustand. Das beginnt ja sofort nach dem Tod. Bei uns geht es ein bisschen länger als im Mittleren Osten. Im Mittleren Osten begräbt man die Leute am gleichen Tag, weil eben der Verwesungsprozess sofort losgeht und dann gibt es ja diesen säuerlichen Geruch. Aber interessant wäre mal: Wir könnten sehen, was da in der Luft herumfliegt. Es fliegt herum Fetzen von DNA und verschiedensten Molekülen, diese langen Moleküle, die ja in der Natur nicht einfach so entstehen können, sondern das zeigt ganz klar, dass ein Schöpfer da ist. Aber diese langen Ketten, die brechen dann und beginnen herumzufliegen. Ja, also, und da entstehen dann eben – man könnte sprechen von einer Art Gas, Verwesungsgas.
Hier wird also der offene Mund des sündigen Menschen verglichen mit einem Grab, aus dem der Verwesungsgeruch aufsteigt und die DNA-Fetzen herumfliegen. Ihr Schlund ist ein offenes Grab. Und dann eben Zungen. Und nochmals Vers 13: Schlangengift ist unter ihren Lippen. Und dann, Vers 14, wird der Mund erwähnt: Ihr Mund ist voller Fluchen. Und in Vers 15 die Füße und in Vers 18 die Augen: Es ist keine Furcht Gottes vor ihren Augen. Also Schlund, Zungen, Lippen, Mund, Füße, Augen – alles Mögliche. Wenn man den Menschen betrachtet, ist von der Sünde betroffen.
Und an welcher Stelle erinnert uns das? Jesaja 1. Ja, ich höre es schon. Also es kam rüber: Da wird der verlorene Zustand des Menschen vorgestellt. Jesaja 1,5: Warum solltet ihr noch weiter geschlagen werden, da ihr nur den Abfall mehren würdet? Jetzt kommt es: Das ganze Haupt ist krank. Augen, Mund, Lippen, Schlund – das ganze Haupt ist krank. Man könnte auch sagen: das ganze Gehirn, das ganze Haupt ist krank, und das ganze Herz. Es ist von der Fußsohle bis zum Haupt nichts Gesundes an ihm: Wunden und Striemen und frische Schläge; sie sind nicht ausgedrückt und nicht verbunden und nicht mit Öl erweicht worden. Von der Fußsohle bis zum Scheitel nichts Gesundes. Und in Römer 3 werden ein paar Teile aus diesem kranken Körper beschrieben.
Und sehen wir in Vers 13 mit diesem Zitat aus Psalm 5, da wird gezeigt, wie bei der Sündhaftigkeit des Menschen gerade also dieser Bereich von Rachen, das beginnt also ganz da unten. Im Arabischen ist es ganz wichtig, dass man mit dem Rachen spricht, weil die Buchstaben wie ein, rein, die werden ganz da unten gebildet. Das haben wir im Deutschen nicht, aber wenn man Arabisch lernt, dann kann man in der Grammatik lernen: Diese Muskeln braucht man im Deutschen nur beim Sich-Übergeben, und da spricht man also von da unten, ja, ein, ein, rein. Ja, aber das hat alles mit Sprache zu tun. Und dann der ganze Apparat von da unten, von den Stimmbändern her über Zungen und Zähne, lebt, und das hat alles zu tun mit Sprechen. Und hier wird ganz stark dieser Bereich angesprochen: Schlund, Zunge, Lippen, Mund. Warum? Weil die Sündhaftigkeit des Menschen gerade in der Kommunikation besonders deutlich zum Vorschein kommt. Wie haben wir gesprochen und wie haben wir uns in unserem Leben gerade durch das Wort versündigt?
In Jakobus 3 wird die Zunge ganz ausführlich behandelt, und dort wird gesagt: Ein kleines Feuer, das einen ganzen Wald anzündet. Und darum wird das hier so in den Vordergrund gestellt. Schlund ein offenes Grab, mit ihren Zungen handeln sie trügerisch, eben man sagt Dinge so, um zu täuschen. Mit der Sprache kann man so viel Unrecht tun, sogar indem man das Richtige sagt, aber einfach das Wichtige weglässt. Und das ist so entscheidend.
Und gerade auch bei Konflikten unter Menschen: Es ist so, in Sprüchen lesen wir: Im Konflikt hat der Erste immer Recht. Wenn der Erste seine Seite darstellt und erzählt, dann sagen alle: Jetzt ist die Sache klar für mich. Und dann heißt es aber in der zweiten Vershälfte in Sprüche 17: Wenn dann der andere kommt und die Sache klärt, ausforscht, dann ist vorbei. Und oft ist es eben: Die erste Partei hat schon die Wahrheit gesagt, aber nicht die ganze.
So bin ich mir vorgekommen vor ein paar Tagen in Saudi-Arabien. Da standen wir vor dem Dschabal Makla, der gehört zu dem Massiv Dschabal al-Lawz. Da wird ja von manchen gesagt, das ist der richtige Berg Sinai. Und die Spitze dort ist schon speziell, die ist schwarz. Argument: Ja, die Bibel sagt, der Berg Sinai hat im Feuer gebrannt. Okay, es ist eindrücklich, wenn man so die Bilder sieht, die andere geschossen haben, ja, wirklich schwarze Spitze, ja. Und dann muss man eben hingehen und muss eben auf dem Dschabal Makla oben – das ist eine schwierige Tour, gefährlich, man kann leicht abrutschen und so weiter, es gibt kaum Wege und der Weg ist lang. Also wir haben so zehn Stunden eingesetzt, rauf und runter. Aber dann oben Aussicht genießen, und dann sieht man überall im Nordwesten Saudi-Arabiens diese schwarzen Kuppen. Das gehört zur Geologie dort, und das ist kein Ruß, das sind keine Verbrennungsfolgen, sondern das ist Basaltgestein, sehr typisch für die Gegend. Basalt, körniger Granit und dann auch der rote Granit, die ständig kombiniert in der ganzen eindrücklichen Wüste, aber überall dieser schwarze Basalt, sehr eisenhaltig und magnesiumhaltig. Da gibt es eben Oxidation, und darum wird die Außenseite schwarz, jetzt in diesem Fall. Oxidation kann ja auch bedeuten, dass der Stein rot wird. Schwarz, aber das ist ganz typisch, hat nichts damit zu tun.
Nun, es war die Wahrheit: Wow, die Bergspitze ist schwarz. Aber man müsste doch aussagen, und übrigens da und da und da und da und da ist alles auch schwarz. Ja, da fühlt man sich irgendwie reingelegt, obwohl die Wahrheit gesagt wurde, aber eben nicht die ganze Wahrheit. Und dann im Konflikt sagt der eine: Der Berg oben ist schwarz, und der andere sagt: Ja, und dort und dort und dort und dort und dort ist es auch schwarz. Und dann wird ihm gesagt: Schlangengift ist unter ihren Lippen.
Schlangengift ist wirklich etwas sehr, sehr Gefährliches. Aber man muss doch auch betonen, dass Schlangengift zu einem großen Prozentsatz besteht, sagen wir mal 90 oder 95 Prozent, aus Proteinen. Proteine sind gesund. Und dann gibt es eben noch etwas dazu, das macht dann schlussendlich 100 aus, und das kann zu schweren Lähmungen und bis zum Tod führen. Das heißt also: Bei Schlangengift ist das meiste gut, aber einfach nicht alles. Und wenn man daran denkt: Schlangengift ist unter ihren Lippen, so vieles ist richtig, aber das Ganze ist durchsetzt von etwas Tödlichem, Lähmendem, Schädlichem.
Und dann kommt – das war jetzt ein Zitat aus Psalm 140, Vers 4 – und das nächste Zitat: Ihr Mund ist voller Fluchen und Bitterkeit. Fluchen beinhaltet das Übelreden über Gott, aber man kann auch den Menschen fluchen, Übelreden über andere Menschen, und zwar zu ihrem Schaden. Und Bitterkeit ist etwas ganz Gefährliches. Das ist eben etwas, was nicht einfach so von einem Tag auf den anderen entsteht, sondern es ist etwas, was wächst. Darum wird auch in Hebräer 12 davor gewarnt vor einer Wurzel der Bitterkeit, die aufwachsen kann. Und wenn diese Wurzel wirklich sich ausreift, dann ist es so schwierig, das Unkraut wieder wegzubringen. Und unser Reden kann eben auch dadurch verseucht sein, durch das böse Reden über andere und durch Bitterkeit. Aber hier wird gezeigt: Das ist das Problem der Menschheit!
Und weiter dann ein Zitat aus Jesaja 59,7,8. Ist aufgefallen, alles Zitate aus dem Psalm und jetzt noch aus Jesaja: Ihre Füße sind schnell, Blut zu vergießen, Verwüstung und Elend ist auf ihren Wegen, und den Weg des Friedens haben sie nicht erkannt. In Jesaja 59 spricht Gott zu Israel. Wir merken: In diesen Versen geht es im Kontext, wenn man nachgeht, geht es um Feinde Israels, aber es geht auch um Israel selbst, denn der Apostel Paulus sagt ja im Vers 9: Denn wir haben sowohl Juden als auch Griechen zuvor beschuldigt, dass sie alle unter der Sünde sind, wie geschrieben steht. Und darum kommen diese Zitate. Aber der Zusammenhang ist wichtig.
Und schlagen wir auf Jesaja 59 auf. Ich weiß, es geht schon in Kapitel 58, Vers 14, zu 59,1 ist ein fließender Übergang. Da spricht Gott immer noch zu Israel und sagt: Siehe, die Hand des Herrn ist nicht zu kurz, um zu retten, und sein Ohr nicht zu schwer, um zu hören. Aber eure Ungerechtigkeiten haben eine Scheidung gemacht zwischen euch und eurem Gott, und eure Sünden haben sein Angesicht vor euch verhüllt, dass er nicht hört. Also wird Israel gegenüber gesagt: Es gibt eine Trennung zwischen Gott und Mensch, und diese Trennung ist die Folge der Sünde des Menschen. Und natürlich, das stimmt für Israel, und das stimmt auch für die ganze Welt. Darum müssen wir diese Verse in der Anwendung auch für alle Menschen.
Und wie oft habe ich in evangelistischen Vorträgen – und übrigens, wenn ich sage evangelistische Vorträge, das sind nicht immer, aber manchmal sind das Vorträge, da würden andere sagen: Das war ein Lehrvortrag, das war kein evangelistischer Vortrag. Aber wir müssen nie vergessen: Die ganze Bibel ist evangelistisch. Und wo wir auch über die Bibel sprechen, da sollte man auch immer wieder daran denken, es ist sehr wahrscheinlich, dass Leute da sind, die sind gar noch nicht gerettet. Darum ist es mir auch ein Anliegen, in allen möglichen Lehrvorträgen trotzdem irgendwie zu erklären, wie bekehrt man sich. Irgendwann zwischendurch, dass erklärt wird, man muss seine Sünden bereuen und Gott bekennen und glauben, dass der Herr Jesus die Strafe, die ich verdient habe, am Kreuz auf sich genommen hat. Und darum: Jede Predigt, jeder Vortrag sollte evangelistisch sein, aber auch weiterführend für die Gläubigen. Das sind nicht zwei verschiedene Dinge.
Und eben hier haben wir so einen wichtigen Vers, der eben zeigt: Eure Ungerechtigkeiten haben eine Scheidung gemacht zwischen euch und eurem Gott. Es gibt eine Trennung zwischen Gott und Mensch, und darum haben wir von Natur aus keine Gemeinschaft mit Gott. Aber es kann sein, dass wir vielleicht schon als Kind – und wenn wir das verdrängt haben in der Teenagerzeit, da können auch viele wirklich ein Trauerlied davon erzählen, wie sie ganz bewusst ihre Gotteserkenntnis als Kind beiseite geschoben haben. Und dann kamen gewisse Erfahrungen in den Zwanzigern, und vielleicht kam es dann doch zur Bekehrung. Aber eben: Warum hat man schon als Kind nicht einfach Gemeinschaft mit Gott? Weil von Anfang an eine Trennung da ist, und diese Trennung muss überwunden werden.
Nun, der Apostel Paulus zitiert Jesaja 59, um zu zeigen, Vers 7: Ihre Füße laufen zum Bösen und eilen, unschuldiges Blut zu vergießen. Ihre Gedanken sind Gedanken des Unheils, Verwüstung und Zertrümmerung ist auf ihren Bahnen, den Weg des Friedens kennen sie nicht, und kein Recht ist in ihren Spuren, ihre Pfade machen sie krumm, wer irgend sie betritt, kennt keinen Frieden.
Aber in diesem Kapitel, das er da zitiert, ist schon der Grundsatz auch erklärt: Es gibt eine Scheidung zwischen Gott und Menschen, aber es gibt einen Ausweg. Vers 1: Siehe, die Hand des Herrn ist nicht zu kurz, um zu retten, und sein Ohr nicht zu schwer, um zu hören. Wenn wir kommen, wenn wir ihn suchen von ganzem Herzen, dann wird er sich von uns finden lassen.
Wir gehen weiter. In Römer 3, das nächste Zitat, Vers 18, stammt aus Psalm 36, Vers 2: Es ist keine Furcht Gottes vor ihren Augen. Ehrfurcht vor Gott ist ein ganz wichtiger Schutz gegen Sünde. Aber weil eben diese Ehrfurcht fehlt, dann ist es auch quasi wie ein Türöffner in den Abgrund der Sünde.
Nun, nach diesen sechs Zitaten – ein Zitat hatten wir letztes Mal behandelt in Römer 3, Vers 4, aus Psalm 51, aus dem Bußpsalm von David. Auch dort wird eben erklärt: Der Mensch ist schuldig, aber Gott ist gerecht. Sieben Zitate. Und jetzt die Schlussfolgerung aus alldem in Vers 19: Wir wissen aber. Ist das nicht interessant? Ich meine, wie oft habe ich schon mit Menschen gesprochen und die haben mir gesagt: Ja, also da geht es ja um Glauben, da geht es nicht um Wissen. Aber wenn die wüssten, wie die Bibel formuliert ist. Aber das Problem ist meistens: Sie lesen die Bibel nicht.
Jetzt wäre das eine weitere Hausaufgabe, alle Stellen herauszusuchen im Römerbrief, wo es heißt: wir wissen. Also das kommt die ganze Zeit vor. Und ich habe das einfach in meiner Bibel so gemacht: Ich schreibe am Rand „ww“ und umkreise das. Da kann ich durch den Römerbrief gehen: Kapitel 2,2: Wir wissen aber, dass das Gericht Gottes nach der Wahrheit ist. Dann, ah, 3,19: Wir wissen aber, dass alles, was das Gesetz sagt, es zu denen redet, die unter dem Gesetz sind. Und dann 5,3: Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Trübsale, da wir wissen. Sagen wir es wieder. Und dann Kapitel 6: da wir dieses Wissen, dass unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, da wir wissen, dass Christus aus den Toten auferweckt ist. Also ich will nicht die ganze Arbeit wegnehmen, aber einfach zeigen, wie es lohnt sich, mit der Bibel zu arbeiten und hineinzuschreiben, und dann kann man das nächste Mal wieder darauf aufbauen.
Es gibt ja Leute, die sagen, in der Bibel sollte man induktiv studieren. Was ist das? Das ist schon gut. Induktiv heißt: Ich lese, sagen wir jetzt Vers 19: Wir wissen aber, dass alles, was das Gesetz sagt, es zu denen redet, die unter Gesetz sind, damit jeder Mund verstopft werde und die ganze Welt dem Gericht Gottes verfallen sei. Induktiv ist, dass man jetzt versucht, herauszufinden, was wird hier ausgesagt. Eine Hilfe ist: Man versucht, diesen Vers nochmals mit ganz anderen Worten auszudrücken. Wenn man das kann, dann hat man nämlich bewiesen, dass man den Vers verstanden hat. Und sonst muss man einfach Stück für Stück gehen und dann den nächsten Vers und den nächsten Vers, und so kommt man induktiv vom Einzelnen immer mehr zum Allgemeinen hin.
Der Unterschied ist, wenn man die Bibel deduktiv studiert. Da beginnt man mit der Gesamtübersicht und versucht dann, den einzelnen Vers in der Gesamtübersicht zu verstehen. Und das kann man so machen, indem man zum Beispiel das calvinistische System nimmt, ausgehend: Es ist ein System. Und warum nehme ich jetzt gerade das? Ich könnte ja irgendetwas anderes sagen, aber heute Morgen war das gerade das Thema. Und dann nehme ich Römer 8,29: Die, welche er zuvor erkannt hat, die hat er zuvorbestimmt. Ich weiß von dem gesamten System, dass die Auserwählung, die Zuvorbestimmung, bedingungslos ist. Also kann die, die er zuvor erkannt hat, nicht eine Vorbedingung sein, Zuvorbestimmung. Also muss das Wort etwas ganz anderes bedeuten, auch wenn es im Altgriechischen eben das bedeutet: zuvor erkennen. Das wäre dann deduktiv, ja, man geht von einem System aus und versucht, das Einzelne dann eben vom Gesamten zu erklären. Und das kann ein Problem sein.
Aber trotzdem ist deduktives Bibelstudium nützlich. Warum? Der Apostel Paulus sagt in Apostelgeschichte 20, zu den Ältesten von Ephesus – schlagen wir auf Apostelgeschichte 20,26 und 27: Deshalb bezeuge ich euch an dem heutigen Tag, dass ich rein bin von dem Blut aller; denn ich habe nicht zurückgehalten, euch den ganzen Ratschluss Gottes zu verkündigen. Der Apostel Paulus hat eine Übersicht gegeben über die ganze Bibel, über die ganzen Pläne und Wege Gottes. Und er sagt, das war nötig, hätte ich das nicht gemacht, würde ich mich an euch schuldig machen. Also war es wichtig, dass der Apostel Paulus eben die große Übersicht gegeben hat, aber diese Übersicht muss eben richtig sein, das ist der Punkt. Und dann helfen solche Übersichten, auch zum Beispiel die Übersichten über die sieben Heilszeitalter, die sieben Bündnisse und so weiter, das hilft, um dann einzelne Verse besser zu verstehen, aber nicht, um sie zurechtzubiegen. Aber eben das Ganze muss gesund sein, und das ist genau das, was der Apostel Paulus sagt in 2. Timotheus 1. Gleich kommt die Pause, ich habe es nicht vergessen, aber das möchte ich vorher noch hineinbringen:
2. Timotheus 1,13: Halte fest das Bild gesunder Worte, die du von mir gehört hast, in Glauben und Liebe, die in Christus Jesus sind. Bewahre das schöne, anvertraute Gut durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt. Er sagt nicht: Bewahre oder halte fest die Worte, sondern er sagt: Halte fest das Bild gesunder Worte. Und bei Bild steht in der Elberfelder in der Fußnote erklärend: Umriss, Form, Muster. Also der Apostel Paulus hat so eine Gesamtübersicht gegeben über die ganze Bibel, aber das war eben das Bild oder der Umriss gesunder Worte. Da darf kein Krankheitskeim drin sein. Und wenn ein Krankheitskeim drin ist, zum Beispiel ein Keim, der sagt, Gott hat nicht die ganze Menschheit geliebt, um sie zu retten, obwohl Johannes 3,16 sagt: Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, dann ist da ein Krankheitskeim drin.
Und übrigens das Wort gesund im Griechischen, da heißt es hygiainō, davon kommt Hygiene. Und Hygiene hat sehr viel damit zu tun, dass man gefährliche, krank machende Keime tötet. Die dürfen nicht da sein, sonst ist die Lehre eben nicht gesund. Und der Apostel sagt: Halte fest, das ist ein Umriss gesunder Worte. Und dann sagt er, dass er bewahren soll das schöne anvertraute Gut. Also das, was der Apostel Paulus so an Übersicht gegeben hat, das war schönes anvertrautes Gut, und dann konnte Timotheus deduktiv von dem Deduktiven ausgehen und induktiv die Schrift studieren, Vers für Vers, und dann kann man das ins Ganze einordnen.
Also es sind zwei Vorgehensweisen, die sich ergänzen müssen, und die kann man immer wieder gegenseitig abkorrigieren. Am Schluss muss es wirklich logisch aufgehen, also nicht plötzlich mit Tricks, ja, da ist etwas Geheimnisvolles. Nein, es muss zusammenpassen, und man muss eben auch sehen, wo vielleicht ein Keim da ist, abtöten, dass wir nach dem gesunden Wort vorgehen.
So, und jetzt erholt euch eine halbe Stunde, dann geht es weiter.
