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Die drei Fehler von Salomo, Rehabeam & Jerobeam

1. Könige 11-1621.02.2010
Serie•Teil 9 / 9Männer...
Wie bleibst du mit Gott lebendig, statt nur routiniert zu funktionieren? Salomo zeigt: Ein guter Start schützt nicht vor dem schleichenden Abgleiten.

Einleitung und Ausgangspunkt der Predigt

Ich begrüsse euch ganz herzlich. Den Gästen sei gesagt: Wir stecken gerade in unserem Bibelleseplan, und wir haben in der vergangenen Woche 1. Könige 11-16 gelesen. Deswegen wird es jetzt auch um diese Abschnitte in der Predigt gehen.
Ich weiss nicht, wer von euch 1. Könige 11-16 zum ersten Mal gelesen hat. Wenn man es zum ersten Mal liest, finde ich es total frustrierend. Ich finde es deshalb so frustrierend, weil man in den Kapiteln davor Salomo begegnet ist. Salomo ist eine unglaublich positive Figur. Er ist so ein Typ, bei dem man sagt: Da fängt er mit seiner Regentschaft an, und Gott sagt: Was kann ich dir geben? Und Salomo sagt nicht: Ich hätte gern einen Starfighter und fünf Panzer und noch ein bisschen Infanterie, damit ich mich hier gut behaupten kann. Nein, er sagt: Ich brauche Weisheit. Ich möchte jemand sein, der in diesen Regierungsgeschäften einfach mit Weisheit, mit göttlicher Weisheit und mit göttlicher Erkenntnis seinen Dienst tut.
Und das fängt so schön an. Und dann liest man 1. Könige 11. Und irgendwie, also mir geht es dann immer so, und es geht mir heute noch so, dass sich in meinem Bauch eine ganz positive Grundstimmung Salomo gegenüber aufbaut. Und dann heisst es da in 1. Könige 11: Der König Salomo aber liebte viele ausländische Frauen. Da denkt man sich: Mann, oh Mann, oh Mann, oh Mann, na gut. Und zwar neben der Tochter des Pharao, die hatte er ja schon, moabitische, ammonitische, edomitische, sidonische, hethitische. Also er hatte so ein bisschen ein Flair für, wir würden heute sagen, exotische Frauen, für die, die so ein bisschen anders kommen. Was ja an sich unter Männern irgendwie noch verständlich ist.
Nur sagt Salomo nicht einfach: Na ja, ich habe da so eine Vorliebe, und die gefallen mir halt. Sondern er heiratet sie auch immer gleich. Das sind Frauen von den Nationen, von denen der Herr zu den Söhnen Israel gesagt hatte: Ihr sollt nicht zu ihnen eingehen, und sie sollen nicht zu euch eingehen, fürwahr, sie würden euer Herz ihren Göttern zuneigen. An diesen hing Salomo mit Liebe. Und er hatte, da legt man jetzt die Ohren an, 700 vornehme Frauen und 300 Nebenfrauen. Für jeden, der verzweifelt versucht, eine Ehe mit einer Frau zu führen, und denkt: Ich finde es manchmal schon eine Herausforderung. Und es gelingt. Ich bin dankbar dafür. Aber bei 700 plus 300, das wäre einfach, da ist das Wort Overkill schon gar kein Begriff mehr dafür.
Und seine Frauen neigten sein Herz. Und jetzt wird es traurig: Und es geschah zur Zeit, als Salomo alt geworden war, da neigten seine Frauen sein Herz anderen Göttern zu. Und spätestens an dieser Stelle überkommt mich immer so eine Welle der Traurigkeit. Ich denke mir: Schade, einfach schade.
Schade deshalb, weil das Thema Könige und Frauen schon in 5. Mose 17, also lange vor Salomo, so ein halbes Jahrtausend vor Salomo, eigentlich abgehandelt wird. In 5. Mose 17 heisst es in Vers 14: Wenn du in das Land kommst, das der Herr, dein Gott, dir gibt, und es in Besitz genommen hast und darin wohnst und sagst: Ich will einen König über mich setzen, wie alle Nationen, die rings um uns her sind, dann sollst du nur den König über dich setzen, den der Herr, dein Gott, erwählen wird. Aus der Mitte deiner Brüder sollst du einen König über dich setzen; du sollst nicht einen Ausländer über dich setzen, der nicht dein Bruder ist.
Und dann kommen Einschränkungen an den König. Nur soll er sich nicht viele Pferde anschaffen, und er soll das Volk nicht nach Ägypten zurückführen, um sich noch mehr Pferde anzuschaffen, denn der Herr hat euch gesagt: Ihr sollt nie wieder auf diesem Weg zurückkehren. Und jetzt kommt es: Er soll sich nicht viele Frauen anschaffen. Also, das war eine Gefahr. Ein König konnte sich einen Harem anlegen, das war in der damaligen Zeit völlig normal. Aber Gott sagt: Wenn ihr einen König habt, dann soll der aus eurer Mitte sein, ein Israelit. Er soll nicht viele Pferde haben, er soll nicht militärische Macht anhäufen, und er soll sich nicht viele Frauen anschaffen, damit sein Herz sich nicht von Gott abwendet.
Und genau das passiert. Ich lese einfach 1. Könige 11 nochmals, die Verse 6 bis 8: Und Salomo tat, was böse war in den Augen des Herrn. Genau das passiert: Sein Herz wendet sich von Gott ab. Und er folgte dem Herrn nicht so treu nach wie sein Vater David. Da wird das beschrieben: Damals baute Salomo eine Höhe für Chemosch, das Scheusal der Moabiter, auf dem Berg, der Jerusalem gegenüberliegt, und für Moloch, das Scheusal der Söhne Ammon. Ebenso machte er es für alle seine ausländischen Frauen, die ihren Göttern Rauchopfer und Schlachtopfer darbrachten.
Schade, also wirklich schade.

Die Gefahr des geistlichen Abgleitens im Alter

Ich habe manchmal Angst vor dem Alter. Nicht, weil man im Alter nicht mehr so schnell unterwegs ist oder vielleicht manches nicht mehr kann. Ich habe nicht vor den körperlichen Einschränkungen des Alters Angst. Ich habe manchmal Angst davor, dass ich jetzt Christ bin. Wie wird das sein in zehn, zwanzig, dreißig, vierzig Jahren?
Ein Salomo, der wirklich, wenn man der Bibel nachgeht, der weiseste Mann ist, zeigt mir, dass Weisheit an sich noch kein Schutz davor ist, im Alter den Glauben irgendwie falsch zu leben. Ich glaube, dass im Alter das Wissen zunimmt. Ich glaube auch, dass im Alter Dinge zunehmen, die gut sind. Man hat Dinge geschafft, man kann zurückschauen auf das, was man erreicht hat, und das ist erst einmal gut.
Aber gleichzeitig steckt im Alter eine Riesengefahr. Die Gefahr ist, dass man zurückschaut, dass man daran denkt, was man alles erreicht hat, dass dieses Intime, dieser ganz persönliche Umgang mit Gott, dieses ständige Stückchen Herausgefordertsein, langsam verloren geht. Du bist mit zwanzig, du kommst zum Glauben, du liest das erste Mal die Bibel. Gerade bei den Teenies unterhalten wir uns heute darüber, wie man die Bibel lesen soll. Du liest mit frischem Eifer, du liest das durch, und dann steht das da, und dann machst du das einfach. Und das machst du auch zehn Jahre später vielleicht noch. Dann hast du das zwanzig Jahre gemacht, und dann läuft dein Leben halbwegs. Und plötzlich bist du vielleicht fünfzig, und du denkst dir: Na ja, ich bin jetzt dreißig Jahre dabei, ich habe da eine ganze Menge erreicht.
Für diese großen Sachen, die großen Veränderungen, ist irgendwie Vergangenheit. Und so Stück für Stück schleicht sich da etwas ein, was das Neue Testament die heimlich oder leicht umstrickende Sünde nennt. Es fängt gar nicht groß an. Es fängt so ein klein bisschen an. Ich kann mir das vorstellen: Du hast tausend Frauen, von denen viele sagen: Ich würde so gerne mal wieder auf eine andere Weise anbeten. Du hast hier einen schönen Tempel, Salomo, das gefällt mir auch alles, aber weißt du, ich bin von früher das so ein bisschen anders gewohnt. Kann ich nicht mal so ein bisschen, so ein klein bisschen, so wie früher?
Am Anfang stell ich mir vor: Wo kommen wir denn da hin, wenn du deinem Moloch hier ein Opfer bringst? Aber kannst du dir vorstellen, wie fünf Jahre lang die Frau immer wieder kommt: Können wir nicht mal? Und können wir nicht mal? Und können wir nicht mal? Zehn Jahre lang? Und irgendwann sagst du: Na klar, komm, bau dir so ein kleines Ding da oben auf der Höhe. Gut. Und damit fängt das an, Stück für Stück, Stück für Stück. Und noch mal zehn Jahre später ist dein Herz weg, und der weiseste Mann fällt.
In Sprüche 4,18, das kommt von Salomo, sagt er: Der Weg des Gerechten ist wie das strahlende Morgenlicht, ja, wie so eine Sonne, die aufgeht. So stellt sich Gott den Weg, das Leben eines Gläubigen, vor. Und Salomo ist derjenige, der es nicht schafft, wo die Sonne aufgeht und sagt: Boah, dann kommt eine Sonnenfinsternis, und damit hört es auf. Es gibt nicht diese Sicherheit, dass, wenn du mit Gott gut startest, es auch gut aufhört.
Und deswegen habe ich wirklich Respekt vor dem Alter. Und das Buch der Könige, ihr werdet das sehen, bringt noch ein paar Beispiele, wo Leute in ihren jungen Jahren für den Herrn gebrannt haben, gut drauf waren. Und im Alter, oh ja, da ist auch ein bisschen entspannter alles. Ihr habt schon einen gelesen: Asa. Nur, dass das Buch der Könige mit ihm noch nett umgeht. Wenn ihr Chronik lest, werdet ihr es merken. Am Anfang Reformen, am Ende na ja, da erhofft er sich dann Hilfe von woanders, und das mit Gott ist irgendwie so ein Ding der Jugend.
Früher, da war ich mal so mit Gott gut drauf. Aber jetzt ist das irgendwie ... Ich habe mich daran gewöhnt, das ist nicht mehr so wichtig, es ist so ein bisschen in Vergessenheit geraten. Da wird er fußkrank, dann heißt es in 2. Chronik, und er suchte die Ärzte, aber nicht mehr Gott. Ich bin für Ärzte, ja, aber da merkt man: Gott ist so eine Nebensächlichkeit geworden. Gott ist einer, über den man nicht mehr nachdenkt.
Früher, ja, als ich jung war und als ich alles angefangen habe, da habe ich ihn gebraucht, mit zwanzig und mit dreißig. Aber jetzt bin ich älter, jetzt läuft mein Leben, jetzt habe ich es. Wozu brauche ich noch Gott? Das ist die Gefahr. Und es ist die simple Lektion dieses Buches Könige, dass das Leben mit Gott ein Marathon ist, dass es sich nicht als Sprint herausstellt, wo man einmal durchstartet und das war es.

Persönliche Umkehr und die Frage nach der ersten Liebe

Ich weiß noch, letzte Woche, oder war es vorletzte Woche? Ich habe eine Predigt vorbereitet über Lukas 9, und mitten in der Vorbereitung sehe ich da einen Text. Ich studiere den Text noch einmal kurz durch. Ich kannte den Text, und da fällt es mir wirklich wie Schuppen von den Augen. Und ich denke mir: Jürgen, wann hast du das eigentlich das letzte Mal gelebt, so wie es da steht?
Es war so ein Text über Nachfolge, ja, über dieses alles Investieren ins Reich Gottes und Gott nachfolgen mit ganzem Herzen. Und ich dachte mir: Wann hast du das eigentlich das letzte Mal erlebt? Und ich dachte zurück, und logisch, und ich sah mich mit Bärbel da vor zwölf Jahren in Rudow, jeden Samstag Flyer von Briefkasten zu Briefkasten, Flyer reinstecken, Flyer reinstecken, Flyer reinstecken, einladen für den Bibelkreis, der bei uns war, viele Gespräche führen, Anzeigen schalten in diesem kleinen Blättchen, das da geworfen wurde, mittwochs dafür beten, dass Leute kommen, mit ihnen ringen.
Und ich dachte mir: Jürgen, wo ist denn das heute? Und ich musste zugeben, mir selber zugeben: Dieser erste Biss ist so ein Stückchen weg. Er hat mich getroffen, er hat mich tief getroffen, er hat Buße getan darüber und dann für mich entschieden: Das muss sich ändern. Da möchte ich wieder hin. Ich möchte diese erste Liebe definitiv wieder haben. Und zu der ersten Liebe gehören einfach auch die Taten der ersten Liebe.
Ich möchte mich nicht damit zufriedengeben zu sagen: Na ja, klar, schau doch auf mein Leben, habe ich alles erreicht, ist doch schön. Sondern ich möchte nach vorne schauen, und ich möchte heute mir die Frage stellen: Wie ist meine Beziehung zu Gott heute? Nicht, wie war sie vor zwanzig Jahren, wie war sie vor zehn Jahren, wie war sie womöglich noch vor drei Jahren. Wie ist sie denn heute? Wie war sie in der letzten Woche? Wie war deine Beziehung zu Gott in der letzten Woche?
Nicht die intellektuelle Ebene, sondern dieses Verliebtsein, dieses Brennen, dieses ein Stückchen Begeistertsein von Gott. Das geht ein bisschen rauf und runter, das ist mir völlig klar. Aber jetzt mal so ganz grundsätzlich: Ist das so eine Entwicklung, so Jahr für Jahr, Jahr für Jahr, dass man sich halt dran gewöhnt? Klar, man ist halt Christ, ja, und so.
Bei Salomo scheint das so zu sein. An einer Stelle ein Fehler, und dann geht das so langsam, aber stetig bergab. Und ich möchte euch Mut machen, an der Stelle dranzubleiben. Mut, weil es nicht nur unser geistliches Leben kostet, wenn wir diesen Weg einschlagen wie Salomo, wenn wir Kompromisse eingehen, wenn Sünde sich in unser Leben einschleicht. Es kostet auch das geistliche Leben unserer Kinder. Und da wird es dann plötzlich dramatisch. Oder der Leute, mit denen wir zu tun haben. Es können auch Enkel sein, es können Arbeitskollegen sein, es können Leute sein, denen wir in der Schule begegnen.
Ich sehe Salomo, der nicht bereit ist, auf das Gebot Gottes zu hören, und ich erlebe seinen Sohn Rehabeam ein Kapitel später, der nicht einmal mehr auf den Gedanken kommt, in einer schwierigen strategischen, politischen Frage überhaupt noch Gott zu fragen. Der eine hört nur weg, der andere hört gar nicht mehr hin, denn für den ist das gar kein Punkt mehr. Obwohl 5. Mose 17, in dem Kapitel, wo ich euch vorhin etwas vorgelesen habe, es ganz klar heißt, dass der König ein Vorbild sein soll im Umgang mit der Bibel.
Das geht so weit, dass es da heißt: Und es soll geschehen, wenn er, der König, auf dem Thron seines Königreiches sitzt, dann soll er sich eine Abschrift dieses Gesetzes in ein Buch schreiben, und sie soll bei ihm sein, die Abschrift, und er soll alle Tage seines Lebens darin lesen. Warum soll der König immer in der Bibel lesen? Damit er den Herrn, seinen Gott, fürchten lernt, um alle Worte dieses Gesetzes und diese Ordnungen zu bewahren und sie zu tun.
Darum: Der König ist das Vorbild, der König zeigt, wo es langgeht. Und da, wo wir in einer ähnlichen Verantwortung stehen, da zeigen wir, wo es langgeht. Die Ältesten zeigen, wie man Christsein lebt, die Eltern zeigen, wie man Christsein lebt. Da, wo ich jemanden kenne, der mich zum Vorbild hat, zeige ich, wie man Christsein lebt, ganz praktisch. Und wo ich das nicht zeige, zeige ich auch etwas, einfach deshalb, weil wir Eltern ihre Kinder erziehen.
Wie prägen wir andere Menschen? Durch zwei Dinge: einmal durch das, was wir sagen. Und das ist wichtig. Aber zweitens durch das, was wir leben, genau. Und wenn du in deinem Leben bestimmte Dinge nicht lebst, dann verspreche ich dir: Dann wird deine Umgebung, dann werden die Leute, die du prägst, das nicht übernehmen.

Vorbild, Prägung und die Verantwortung gegenüber der nächsten Generation

Ich hatte mir überlegt, ob ich das blöde Beispiel bringe, aber ich bringe es nicht. Ich bleibe einfach mal im Allgemeinen.
Aber ich habe oben bei den Rockerchicks, wo ich eben herkomme, etwas gesagt, weil ich ihnen gesagt habe: Lest oft die Bibel. Und dann habe ich ihnen gesagt: Jetzt etwas zwischen euch und mir, was ihr euren Eltern nicht sagen dürft. Und ich habe dann gesagt: Auch wenn eure Eltern nicht in der Bibel lesen, lest ihr.
Ich weiß, wie wenig christliche Eltern die Bibel lesen. Ich habe mit Dutzenden, mit Hunderten von Teenagern jedes Jahr durch die Camps zu tun. Ich weiß, dass von denen, die mir da begegnen, nicht einmal zehn Prozent dabei sind, die mir sagen: Meine Eltern sind mir in geistlichen Dingen ein Vorbild. Nicht einmal zehn Prozent.
Aber ich habe ungefähr sechzig, siebzig Prozent Leute, die mir sagen: Jürgen, ich suche verzweifelt nach Vorbildern. Ich suche nach Menschen, die mir helfen, zu verstehen, wie Christsein funktioniert, die meine Fragen beantworten.
Ich muss heute oft den Kindern sagen, dass sie sich nicht an ihren Eltern orientieren. Ich hoffe, das ist bei euch anders, aber das ist die Realität. Und ich bewundere an der Stelle ein Stückchen die Zeugen Jehovas, die kriegen das relativ gut hin, dass ihre Kinder auch Zeugen Jehovas werden, leider. Und wisst ihr warum? Weil die das Richtige tun. Die haben den Lebensstil, und den Lebensstil geben sie weiter. Und wir schaffen das nicht.
Du glaubst mir nicht? Wenn du mir nicht glaubst, gebe ich dir einen Tipp: Geh doch mal an einem Sonntag in die Kinderstunde, wenn der Lernbibelvers abgefragt wird. Sei mal dabei, und du wirst merken: Wir haben ein Problem.
Was gibst du weiter? Was ist das, was dein Leben repräsentiert? Ein Salomo anscheinend geht langsam runter, ein Rehabeam sieht das, kriegt das mit, er erlebt seinen Vater. Und dann kommt er in Leitungsverantwortung. Dann wird Rehabeam König. Dann steht das Volk da und sagt: Wir würden dich gerne zum König machen. 1. Könige 12 ist das. Wir wollen dich zum König machen, aber wir haben da ein Problem, weißt du: Das, was Salomo so in seinen letzten Tagen gemacht hat, das war so ein bisschen drückend, ein bisschen viel Steuern, ein bisschen viel Abgaben. Könntest du das nicht ein bisschen leichter machen?
Jetzt steht Rehabeam da, und er fragt weder Gott, noch hört er auf die wenigen Leute, auf die es sich lohnen würde zu hören, nämlich auf die Ältesten. Und ich habe mir die Frage gestellt: Warum hört Rehabeam als König nicht wenigstens auf die Freunde seines Vaters? Die Antwort steht leider nicht im Text, aber sie ist unglaublich naheliegend. Die Antwort lautet meines Erachtens zwingend: weil Rehabeam erlebt hat, ganz praktisch, was die letzten Jahre mit Salomo passiert ist, wie er abgerutscht ist im Götzendienst, wie die politischen Verhältnisse sich zu seinen Ungunsten entwickelt haben, wie er einfach immer mehr Last auf das Volk gelegt hat und wie er einfach merkt: Das funktioniert nicht.
Was kriegen deine Kinder, was kriegen die Leute, die dir begegnen, von deinem geistlichen Leben mit? Dass es funktioniert? Das ist die Frage. Rehabeam hat das nicht. Mir tut es für ihn leid, mir tut Rehabeam richtig leid. Ich wünschte mir, dass wir an den Stellen, wo wir in einer ähnlichen Verantwortung stehen, einfach mit unserem Leben ein Vorbild sind.
Denn wenn wir das nicht tun, dann wird es nicht nur sein, dass wir unser eigenes Leben nicht auf die Reihe kriegen, dass wir uns an irgendeiner Stelle verzetteln und dann diese tausend Frauen, vielleicht sind es tausend Handtaschen oder es sind tausend Zeitschriften, keine Ahnung, irgendwo verzetteln und unser Leben geht den Bach runter. Das Schlimme ist: Wir prägen die nächste Generation. Und die wird wahrscheinlich in eine von zwei Richtungen vom Pferd fallen.
Da, wo wir mit Gott so dieses komische Ding leben wie Salomo, da werden in der Folge zwei Fehler sich wahrscheinlich einstellen. Und die beiden Fehler sieht man an zwei Personen. Das eine ist an Rehabeam, das andere an Jerobeam. Ich hoffe, ihr habt es gelesen. Jerobeam ist der Böse, der dann von Rehabeam, dem Sohn Salomos, der eigentlich König werden soll, ganz, ganz nebenbei mal so zehn Stämme abgreift und sagt: Ich werde König im Norden. Also Jerobeam ist im Norden König und Rehabeam plötzlich im Süden.
An beiden Geschichten, an beiden Personen lässt sich auf gute Weise zeigen, wie man nicht leben soll. Es lassen sich zwei Prinzipien ableiten, was Menschen falsch machen im Leben mit Gott, was jemand falsch macht wie Salomo und wie sich das dann auf die Nachfolgegeneration auswirkt. Die beiden Seiten fangen wir mit Rehabeam an.
Da steht die Frage da von dem Volk: 1. Könige 12,4: Dein Vater hat unser Joch hart gemacht, du aber erleichtere nun den harten Dienst deines Vaters und sein schweres Joch, das er auf uns gelegt hat. Rehabeam, wirst du das Joch leicht machen?
Das Joch ist ein Bild für die praktische Seite einer Regierung des Königs, da, wo der König festlegt: Abgaben, Arbeitsleistungen, Kriegsdienste. Wenn er so einen Bauer hat, Joch ist dieses Ding, was man hier so rüberlegt, der Bauer steht hinten, und über das Joch führt er das, was da vorne läuft. Also das Joch, nicht der Bauer legt sich das Joch um, sondern er legt es dem Ochsen auf, und indem er das Joch auflegt, führt er den Ochsen. Ein König, das Joch eines Königs, das ist das, was er tut, die praktische Seite seiner Regierung.
Tja, da kommt ein Volk und sagt: Das Joch ist mir zu schwer. Wie sieht die richtige Antwort aus: leichter machen oder schwerer? Rehabeam entscheidet sich für schwerer machen. Das geht total schief.

Gottes Herrschaft als Gegenbild zu menschlichem Druck

Wo finden wir, dass das Joch leicht sein muss? Die Antwort lautet: Wir finden es im Neuen Testament. Denn wir schauen uns einfach einmal an, was der optimale Gottkönig zu diesem Thema sagt. Und da finden wir beim Herrn Jesus in Matthäus 11, dass er ausgehend von diesem Bild etwas über seine Art zu herrschen sagt.
Es ist wichtig, dass wir verstehen, dass der König immer Gott repräsentiert. Das heißt: Die Herrschaft des Königs, oder von mir aus die Herrschaft von Eltern über ihre Kinder oder von Ältesten über die Gemeinde oder von Leuten, die irgendwo in Verantwortung stehen, muss sich immer an der Herrschaft Gottes orientieren. Wir können die Herrschaftsprinzipien Gottes nicht einfach über Bord werfen.
Und der Herr Jesus sagt in Matthäus 11, ich lese mal ab Vers 27: Alles ist mir übergeben von meinem Vater. Und niemand erkennt den Sohn als nur der Vater, noch erkennt jemand den Vater als nur der Sohn und wem der Sohn ihn offenbaren will. Jesus sagt: Ich habe das Gotteserkenntnismonopol. Wenn du Gott erkennen willst, brauchst du mich.
Und dann sagt er: Kommt her zu mir, all ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben. Das ist das, was der Gottkönig sagt. Wenn du schon genug Last in deinem Leben hast, wenn du schon eigentlich nicht mehr weißt, wie du es noch schaffen sollst, dann lade ich dich ein.
Vers 29: Nehmt auf euch mein Joch. Da ist dieser Gedanke, ja? Begebt euch unter meine Königsherrschaft und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig. Vers 30: Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.
Merkt ihr was? Rehabeam steht vor der Frage: Soll ich das Joch schwer machen oder leicht? Der Herr Jesus sagt: Wo ich König bin, da ist das Joch leicht. Der Herr Jesus sagt nicht: Da gibt es nichts mehr zu tun. Er sagt: Wenn du Gott erkennen willst, brauchst du mich. Und übrigens: Die Art und Weise, wie ich mit dir umgehe, hat damit zu tun, dass du von mir lernst. Und du musst lernen, du sollst lernen, das ist eine Chance. Aber die Last, die ich dir auflege, die ist leicht.
Und wenn ihr das mal durchdenkt, dann werdet ihr feststellen, dass die Kirchengeschichte voll davon ist, dass man gerade das Lernen, gerade die Lehre benutzt hat, um ein unglaublich schweres Joch auf die Menschen zu legen. Dass man plötzlich Dinge verboten hat, die eigentlich erlaubt sind, wie zum Beispiel heiraten, und dann rutscht man ab ins Zölibat, rutscht man ab in ganz komische Sachen. Dass man auf der anderen Seite Dinge erlaubt, die eigentlich verboten sind: Kreuzzüge, nehmen wir das mal als schönes Beispiel. So könnte ich vieles zeigen, wo falsche Lehre in der Kirchengeschichte genau wie bei Rehabeam ein zu schweres Joch auf die Menschen drauflegt. Und das ist eine Gefahr.
Wenn wir Gott nicht kennen, dann rutschen wir ganz schnell dahin, dass wir Menschen zu sehr belasten. Dass wir aus welchen Gründen auch immer sagen: Ja, wir haben halt einfach nur, der ist ein bisschen unsicher. Und er denkt sich: Mann, wenn ich jetzt hier so den Druck rausnehme, vielleicht laufen die mir alle weg. Okay, und er versucht, mehr Druck zu machen. Und indem er mehr Druck macht, repräsentiert er Gott und Gottes Herrschaft immer weniger.
Wollt ihr wissen, wie Gott herrscht? Ich gebe euch den schönsten Text zum Thema Gottesherrschaft. Es ist nicht Matthäus 11, obwohl ich den schon fast auf eins gesetzt hätte. Aber der schönste Text kommt aus Jesaja 40, und das ist ein Text, den wir tief verinnerlichen müssen, von dem ich mir wünschte, dass ihn jeder Mensch, jeder Christ, ganz tief verinnerlicht.
Das ist eine Vision. Jesaja 40, Vers 9: Auf einen hohen Berg steig hinauf, du Freudenbotin Zion, erhebe mit Macht deine Stimme. Und am Ende: Siehe da, euer Gott! Vers 10: Siehe, der Herr kommt mit Kraft. Und sein Arm übt die Herrschaft für ihn aus. Siehe, sein Lohn ist bei ihm, und seine Belohnung geht vor ihm her.
Da steht jemand und sagt: Schaut euch Gott an! Gott kommt, und seine Belohnung kommt. Er ist ein kräftiger Gott. Du denkst dir: Haha, und jetzt kommt der Vers. Und den lernt auswendig, wenn ihr an der Stelle Probleme habt mit euch. Wenn du manchmal den Eindruck hast: Ich schaffe dieses ganze Leben mit Gott nicht, das wird mir einfach zu viel. Wenn du vor Gott stehst wie das Volk vor Rehabeam und den Eindruck hast: Ich möchte jetzt endlich ein bisschen weniger Last in meinem Leben, dann lern diesen Vers auswendig. Aber das ist die Antwort.
Wie ist Gott? Gott sagt, oder über Gott sagt Jesaja: Er wird seine Herde weiden wie ein Hirte. Die Lämmer wird er in seinen Arm nehmen und in seinem Gewandbausch tragen, die säugenden Muttertiere wird er fürsorglich leiten. Wahnsinn! Ich lese das noch einmal vor, weil ich den Vers so wichtig finde: Er wird seine Herde weiden wie ein Hirte. Da, wo du Leitungsverantwortung hast, denk an das. Die Lämmer wird er in seinen Arm nehmen und in seinem Gewandbausch tragen, die säugenden Muttertiere wird er fürsorglich leiten.
Da ist einer König und stellt sich die Frage: Wie soll ich ein Volk führen? Die Antwort lautet: So wie Gott führt. Und weißt du, wie Gott führt? Gott haut nicht immer noch Druck drauf und noch eine Regel drauf und noch mal drauf, und irgendwann brichst du allmählich zusammen und kriegst nichts mehr mit. Nein, Gott sagt: Ich kenne dich, und ich möchte dein Hirte sein. Und weißt du was? Manchmal bist du so schwach. Manchmal bist du so klein wie ein Lamm. Weißt du, was ich dann mit dir tue? Dann werde ich dich tragen. Ich werde dich tragen.
Wenn du ganz unten bist in deinem Leben und sagst: Das kann doch nicht sein, ich schaffe das nicht, dann möchte ich dir von heute Morgen oder heute Nachmittag von hier vorne sagen: Du musst es nicht schaffen. Die Herrschaft Gottes ist keine Herrschaft, wo, wenn man es nicht schafft, man noch eins obendraufgelegt bekommt. Sondern Gott ist bereit, dich zu tragen, da, wo du nicht mehr weiterkannst. Vielleicht bist du so tief unten, dass du sagst: Ich schaffe es nicht. Dann lass dich in diese Arme fallen, das ist die Herrschaft Gottes.
Und wenn du sagst, mir wird das manchmal zu viel, und ich finde das mit den Mutterschafen als Bild so schön, weil ich einfach weiß, dass es manchmal gerade den Müttern zu viel wird. Ja, du hast die Kinder, und du hast vielleicht noch, wie meine Frau, einen anstrengenden Ehemann. Und dann denkst du so manchmal: Okay, und jetzt soll ich noch stille Zeit machen, und jetzt soll ich noch beten, und jetzt kommt noch eine Anforderung von vorne in der Predigt, vielen herzlichen Dank. Wenn das dein Thema ist, dann schau mal, was hier steht: Die säugenden Muttertiere wird er fürsorglich leiten.
Gott ist nicht einer, der sagt: Ich habe hier eine Regel, und die gilt für alle. So nach dem Motto: Die hundert Meter muss man in unter zwölf Sekunden laufen. Da weiß ich, dass Dirk das schafft, das hat er mir mal gesagt. Ich habe es nie geschafft in meinem Leben, das gebe ich offen zu. Nie. Ich bin nie unter 14, ja doch, 13,5 hatte ich mal als beste Zeit. Ich bin einfach kein Läufer. Ich komme von diesem blöden Startblock nicht weg, das bin ich nicht.
Und Gott sagt: Wenn du so bist, wenn du merkst, die Last ist dir zu viel, wenn du merkst, ich schaffe es nicht, weil meine Lebensumstände wie bei einem säugenden Muttertier sind, wo du einfach merkst: Im Moment hängt alles an mir, da gibt es andere Dinge, die saugen gerade die Kraft aus mir raus. Soll ich dir was sagen? Dann fahr einen Gang zurück. Gott ist kein Gott, der dich wie so ein Handtuch, was nass ist, auswringen will, bis der letzte Tropfen raus ist. Gott ist nicht so ein Ding, wo man dann so eine halbe Zitrone draufsteckt und dann rümmelt man da so lange, bis wirklich der letzte Kern und der letzte Tropfen Saft rausgekommen ist. Das ist nicht Gott. Diese Vorstellung von Gott ist falsch.
Und jetzt merken wir Rehabeams Präsentation von Gott: dieses Bah, noch einen drauf und noch einen drauf. Ihr wollt ja, wenn mein Vater euch mit Geiseln gezüchtigt hat, ich nehme die Skorpione. Das ist nicht Gott. Den Fehler begehen wir, wenn wir in unserem Leben nicht mit Gott leben, dann werden wir auf dieser Seite womöglich vom Pferd fallen. Wir werden Dinge von den Menschen um uns herum verlangen, die Gott nie verlangt hat. Wir werden einen Zwang, wir werden Druck aufbauen, wo es überhaupt keinen Zwang und Druck gibt.
Gott ist ein sehr differenzierter Gott, und deswegen ist die Antwort, die Rehabeam dem Volk hätte geben müssen, die richtige Antwort hätte geheißen: Es tut mir leid, dass Salomo in seinen späten Tagen so weit von Gott weggekommen ist, dass er so eine Last auf euch gelegt hat. Das ist falsch, so ist Gott nicht, und so regiert Gott nicht. Hört damit sofort auf. Er hätte das Volk behalten, der Gott richtig repräsentiert.

Der zweite Irrweg: Religion als pragmatische Selbstsicherung

Der zweite Fehler, in den man reinrutschen kann, ist mit dem Namen Jerobeam verbunden. Jerobeam bekommt die zehn Stämme, er wird plötzlich König. Das war ihm vorher verheißt worden. Gott sagt, dass es so kommen wird. Er wusste es.
Und dann steht er da und stellt sich die Frage: Wie schaffe ich das, dass die Leute, die jetzt im Norden wohnen, weiterhin zu mir halten? Man muss dafür ein bisschen Geographie verstehen: Im Norden wohnen die zehn Stämme, und im Süden ist der Tempel. Dreimal im Jahr müssen alle Leute, über die ich König bin, nach Jerusalem ziehen, um dort Gott anzubeten. Super!
Und Jerobeam denkt sich: Wenn die das machen, wen treffen die denn in Jerusalem? Na, Rehabeam. Was wird da passieren, wenn sie da immer hinziehen? Irgendwann werden sie sich die Frage stellen, ob sie mich noch brauchen. Vielleicht erschlagen die mich. Ich muss dafür eine Lösung finden.
Und dann wird er user friendly. Wenn ihr es gelesen habt, sagt er dann: Ach, es ist viel zu weit für euch, immer nach Jerusalem zu ziehen. Nein, nein, das geht einfacher. Lasst uns hier in Bethel einen neuen Tempel bauen. Das ist nicht so weit für euch, das ist angenehm. Ja, mit großen, schweren Rucksäcken kommt ihr da schnell hin.
Und wo wir gerade dabei sind, da neue Tempel zu bauen: Was haltet ihr davon? Es ist doch eh immer so ein bisschen schwierig, einen Gott anzubeten, der da noch nicht mal so richtig zu sehen ist. Unsichtbare Götter, das ist auch nicht so, so dass er. Lasst uns das ein bisschen einfacher machen, etwas zum Anschauen. Wie wäre es mit einem Kalb? Das hatten wir schon mal in der Geschichte, hat sich doch fast bewährt. Also komm, dann war noch mal ein Kalb da und ein Kalb da.
Und wo wir gerade dabei sind, machen wir einen neuen Feiertag. Den führen wir auch noch ein. Der Text sagt dann, er hat ihn sich ausgedacht. Lustig: Du sitzt da als König und denkst dir, an welchem Tag mache ich jetzt den größten Feiertag meines Landes? Das ist ein schöner Gedanke, ja? Du überlegst so ein bisschen und denkst dir: Ja, dann machen wir einen großen Feiertag. Und dann sagst du einfach: Jetzt Feiertag.
Und plötzlich hast du Israeliten, das sind ja noch Israeliten, und die beten auch noch Gott an, den Gott der Bibel. Aber sie beten ihn nicht mehr im Tempel an, sondern sie haben da neue Heiligtümer. Und weil wir gerade keine Leviten als Priester haben, werden andere Leute eingesetzt. Es entsteht so eine ganz neue Struktur, die es vorher überhaupt nicht gab, die auch nichts mit der Bibel zu tun hat, die überhaupt nicht das abbildet, was Gott eigentlich will.
Es geht nur um eine Sache: Ich möchte meine Regentschaft nicht verlieren. Ich will als König bleiben. Und deswegen baue ich mir meine eigene Organisation. Und was bleibt auf der Strecke? Die eigentliche Anbetung Gottes. Das ist ganz schrecklich.
Kennen wir das Prinzip aus der Christenheit? Ja, die Kirchengeschichte ist voll davon, dass Kirchenfürsten anfangen, über Menschen zu herrschen, sie an sich zu binden statt an Gott, und dass man unbiblische Rituale und Verbote einführt, um diesen direkten Zugang der Menschen zu Gott zu verhindern. Dieses „Nee, du gehst mir nicht nach Jerusalem in den Tempel“, um das irgendwie aufzuheben. Und plötzlich gibt es Verbote, die Bibel zu lesen. Plötzlich gibt es Verbote, direkt zu Gott zu beten. Da braucht man plötzlich wieder so eine Priesterschicht zwischen einem selbst und Gott. Ja, das kommt dann plötzlich, und man denkt sich: Ist ja komisch, wo kommt denn das her?
Es trägt alles noch diesen Schein von Frömmigkeit. Aber wenn man genau hinschaut, dann ist das eigentlich schriftwidriger Pragmatismus. Man macht etwas, was nicht in der Bibel steht, wegen eines ganz anderen Grundes.
Das sind die zwei Seiten. Auf der einen Seite bin ich zu streng, ich will zu viel, ich baue Gesetze und Gebote auf, die es gar nicht gibt. Das ist Rehabeam. Auf der anderen Seite nehme ich das, was da steht, und nehme es nicht ernst. Ich mache mein eigenes Ding. Der eine ist zu streng, man nennt das legalistisch. Und der andere ist zu offen, man nennt das pragmatisch.
So, das sind die zwei Seiten. Und Rehabeam fordert diese Loyalität auf eine falsche Weise ein. Er tut so, als wäre Gott ein Gott des Drucks, und das ist falsch. Jerobeam macht, was er will, und er bringt so zum Ausdruck: Pff, ganz Gottes, pff. „Was kostet euch die Welt, was Gott geschrieben hat? Es ist egal, wie du mit Gott umgehst. Hauptsache, du gehst irgendwie so ein bisschen mit ihm um. Wenn du so ein gutes Gefühl dabei hast und so ein bisschen was machst zur rechten Zeit und jetzt gar nichts machst, dann ist irgendwie egal.“ Beides ist falsch.

Schluss: Drei Lektionen und der Weg in der Mitte

Wenn du mich fragst, was Gott von uns möchte, dann denke ich, dass Gott drei Dinge möchte. Und die wären mir heute wichtig.
Der erste Punkt ist Salomo. Hör bitte im Alter nicht auf, die Bibel mit einem suchenden Herzen zu lesen, das ehrlich nach Korrektur verlangt. Hör damit einfach nicht auf. Und da, wo Gott ganz klar sagt, was zu tun ist, halt dich daran.
Rehabeam finde ich ganz wichtig. Ich finde ihn gerade für uns wichtig, die wir eine bibelzentrierte Gemeinde sein wollen. Ich finde ihn deshalb so wichtig, weil immer die Gefahr besteht, dass, wenn man viel aus der Bibel predigt, der Eindruck entsteht: noch mehr, noch mehr, weiter, schneller, höher. Und deswegen ist es so wichtig, dass wir hier von Rehabeam begreifen, dass Gott kein Gott des Drucks ist. Er hat seine Gebote zu unserer Freude gegeben. Er will unser Leben in seine Hand nehmen und nach seinen Prinzipien umformen. Aber er ist ein Hirte, der unsere, der deine persönlichen Grenzen kennt. Er will dir helfen, er will dich beschenken. Er ist bereit, dich für eine Weile zu tragen, wenn du dich so schwach fühlst wie ein kleines Lamm. Und er ist bereit, dich zu unterstützen, wenn du den Eindruck hast, dass dir jetzt alles zu viel wird. Dass wir das nie vergessen.
Das ist der Grund, warum ich jetzt ohne Probleme einfach in Urlaub fahre. Na ja, was sage ich jetzt dazu? Ich mache jetzt Pause. Und das ist in Ordnung. Ich muss nicht die nächsten sechs Wochen überlegen, ob ich jetzt eigentlich ein schlechtes Gewissen haben muss. Nein, das muss ich nicht. Denn Gott kennt mich. Gott weiß: Jürgen ist urlaubsreif, er braucht jetzt eine Pause. Ich habe es inzwischen auch verstanden, und jetzt mache ich Pause.
Und Jerobeam: Wenn Rehabeam heißt, pass auf, dass Gott und dein Gott nicht ein Gott des Drucks ist, dann heißt Jerobeam: Nimm Gott ernst. Wo Gott unbequem wird, und es ist für ihn unbequem geworden, an Gott festzuhalten, da ist es keine gute Lösung, Gottes Gebote einfach zu ignorieren und irgendetwas zu machen, was nur irgendwie ähnlich aussieht. Das ist keine Lösung. Gott will dein Herz. Du brauchst ihm nichts vorzuspielen. Und da, wo du weißt, dass Dinge schieflaufen, wo du Dinge bewusst nicht tust, die Gott eigentlich will, da rate ich dir, schnell das Richtige zu tun, bevor irgendjemand kommt und dir sagen muss, dass es falsch ist, so wie im Fall von Jerobeam, dem Propheten, bevor das ganze Ding den Bach runtergeht.
Drei einfache Lektionen eigentlich, oder? Ein alter Mann, der im Alter abbricht, ein junger Mann, der es irgendwie zu eng sieht, und ein anderer junger Mann, dem alles egal ist. Und wenn du mich fragst, wo der richtige Weg ist, dann ganz einfach in der Mitte. Und diese Mitte zu finden, zu behalten und zu leben, das wünsche ich euch von ganzem Herzen, jetzt für die nächsten Wochen, wenn ich weg bin, und natürlich für den Rest eures Lebens. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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