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Von Jesus beten lernen – und was der Heilige Geist damit zu tun hat

24.05.2025
SerieTeil 8 / 17E21 Hauptkonferenz 2025
Warum fällt Beten so schwer? Jesus zeigt: Du darfst zu Gott kommen wie ein Kind zum Vater – und der Heilige Geist gibt dir dafür Mut, Vertrauen und klare Worte.

Einleitung und Gebetsanrufung

Bevor wir Gottes Wort aufschlagen und noch einmal dafür beten, will ich euch den richtigen Titel meiner Predigt verraten. Er hat es nämlich nicht ins Programmheft geschafft und schon gar nicht auf die Kärtchen. Wahrscheinlich war er zu lang: Von Jesus beten lernen und was der Heilige Geist damit zu tun hat.
Darum geht es: Von Jesus beten lernen und was der Heilige Geist damit zu tun hat.
Ich möchte doch mal mit uns beten:
Unser Vater, wir bitten dich, öffne die Augen unserer Herzen, damit wir die Wunder in deinem Wort sehen, damit wir mehr und mehr von dir lernen und dich erkennen. Und lehre uns beten. Amen.

Die Schwierigkeit des Gebets und die gemeinsame Herausforderung

Der walisische Prediger Martin Lloyd Jones schreibt in seinem Buch über den Dienst des Predigers: Der nächsten Frage nähere ich mich mit großer Scheu, viel Zögern und einem Empfinden völliger Unwürdigkeit. Ich vermute, dass wir alle in diesem nächsten Punkt viel mehr versagen als irgendwo anders, nämlich in Bezug auf das Gebet. Ich habe immer gezögert, dieses Thema zu behandeln. Ich habe über das Gebet gepredigt, wenn es in einem Text vorkam, den ich durcharbeitete. Aber ich habe mir nie angemaßt, ein Buch oder eine Broschüre über das Gebet zu schreiben.
Martin Lloyd Jones vermutet wohl leider zu Recht, dass wir alle in Bezug auf das Gebet mehr versagen als irgendwo anders. Gott fordert uns in seinem Wort immer wieder zum Gebet auf: betet unablässig, in Gebet haltet an, haltet fest am Gebet. Aber wer von uns kann diese Aufforderungen lesen und sagen: Ja, das mache ich, das ist kein Problem?
Die nächste Herausforderung sind Gottes Verheißungen, die er uns für das Gebet gibt. Sie sind so kostbar: Alle eure Sorgen werft auf ihn im Gebet, denn er ist besorgt für euch. Befiehl dem Herrn deinen Weg im Gebet und vertraue auf ihn, so wird er handeln. Aber inwiefern passt dein Gebetsleben zu diesen Verheißungen?
Dass wir in dieser Herausforderung alle im selben Boot sitzen, gibt uns die schöne Möglichkeit, einander zu ermutigen und miteinander zu wachsen. Tut es bewusst als Gemeinde in den Gemeinden, aber nutzt auch nachher die Schlange bei der Essensausgabe, das gemeinsame Essen und andere Gelegenheiten, um euch ehrlich über euer Gebetsleben auszutauschen, um euch über eure Kämpfe damit auszutauschen und um euch gegenseitig zu ermutigen.

Das Vorrecht, mit Gott zu reden

Dass Gott zu uns redet, das ist schon ein gewaltiges Wunder. Aber es ist fast ein noch größeres Wunder, dass wir zu Gott und mit Gott reden dürfen und Gemeinschaft mit ihm haben dürfen.
Aber Gott macht deutlich, dass er es liebt, wenn wir zu ihm beten. Er neigt sein Ohr zu uns herab, wenn wir zu ihm beten. Es ist nicht so, dass er unsere Informationen bräuchte, um zu wissen, was hier draußen oder hier unten abgeht oder in unseren Herzen. Aber Gott weiß, dass wir keine wirkliche Freude und keinen wirklich wertvollen Schatz in unserem Leben finden, außer wenn wir durch Jesus Christus mit ihm verbunden sind.
Und deswegen gibt es wohl kaum etwas Wichtigeres im Leben, als zu wissen, wie und was wir beten sollen.
In Lukas 11 treffen wir Jesus beim Beten an: Es geschah, als er an einem Ort war und betete. Jesus zog sich häufig bewusst zurück, um allein zu sein mit seinem Vater und zu beten. Beten war die absolute Priorität Nummer eins in Jesu Leben, und er musste um diese Gebetszeiten kämpfen.
Sein Leben war sehr ausgefüllt, da war immer etwas los. Viele Menschen wollten etwas von ihm. Rund um die Uhr hatte er seine Jünger um sich, und sie waren nicht leicht zu erziehen. Sein Leben war voll genug, um abends erschöpft ins Bett zu fallen und morgens, wenn er aufstand, direkt wieder weiterzumachen.
Aber seine Beziehung zu seinem Vater im Himmel war für Jesus so wichtig, dass er keinen Tag ohne Gemeinschaft, ohne explizite Gemeinschaft mit seinem Vater haben wollte und auch haben konnte. Und wenn er dafür morgens auf etwas Schlaf verzichten musste oder tagsüber mühsam einen Ort suchen musste, wo er allein sein konnte, war es Jesus diese Mühe wert.
Er brauchte unbedingt diese besonderen Zeiten mit seinem Vater, allein mit seinem Vater, Zeit mit seinem Vater, Gemeinschaft mit seinem Vater. Und das brauchen wir auch an jedem Tag.
Seine Jünger hatten immer wieder Gelegenheiten, ihn dabei zu beobachten. Vielleicht haben sie auch manchmal gehört, was er gebetet hat. Vielleicht dachten sie, sie hören ihm heimlich zu, aber heimlich ist so eine Sache, wenn man bei Jesus ist. Und sie dachten schon häufiger: So wie Jesus betet, das kennen wir gar nicht. Wir wollen auch so beten.
Und diesmal gehen sie zu Jesus und sprechen ihn an und sagen: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte. Herr, wir haben dich beim Beten beobachtet, wir haben etwas davon gehört, wir wollen auch so beten. Wie kann man so beten? Worauf kommt es an? Bring es uns bei, wie man betet.
Und Jesus lässt sich nicht zweimal bitten. Er sagt ihnen: Wenn ihr betet, dann sprecht: Vater, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Unser nötiges Brot gib uns täglich. Und vergib uns unsere Sünden, denn auch wir selbst vergeben jedem, der uns schuldig ist. Und führe uns nicht in Versuchung. Amen.
So kurz und so kostbar. Wie gut, dass die Jünger gefragt haben.

Erstes Lernfeld: Vertrauen eines Kindes

Wir wollen auch davon lernen, und wir wollen mit Hilfe von drei Punkten einmal genauer auf dieses Gebet schauen.
Der erste Punkt ist: Bete zu Gott wie ein kleines Kind zu seinem Vater.
Die Folie kommt erst nach der Predigt. Jesus sagt seinen Jüngern, wie sie beten sollen, und er sagt ihnen zu Beginn: Vater, geheiligt werde dein Name. Vater, sagt er, sollen sie sagen. Sie sollen beten: Vater.
Staunst du noch darüber? Hast du gestern Abend gestaunt? Wir haben Lieder gesungen, in denen wir ganz besonders unseren Vater angerufen haben. Oder hast du dich daran gewöhnt, Gott mit Vater anzureden? Es gibt allen Grund dafür, darüber zu staunen und nicht aufzuhören, darüber zu staunen, dass wir zu Gott als zu unserem Vater beten dürfen. Ja, sogar wir müssen es.
Jesus will, dass du den Schöpfer, der das gesamte Universum mit den entferntesten Galaxien und jede kleine Mücke auf diesem Planeten Erde mit geschaffen hat aus dem Nichts heraus, den Gott, der so heilig ist, dass kein Mensch ihn ansehen kann, ohne zu sterben, Jesus will, dass du diesen Gott deinen Vater nennst und dass du jederzeit zu diesem Gott kommst wie ein kleines Kind zu seinem Vater.
Warum ist das keine freche Anmaßung? Warum darfst du das?
In Johannes 1,12 lesen wir: Allen jedoch, die ihn aufnahmen und an seinen Namen glaubten, gab er das Recht, Gottes Kinder zu werden. Sie sind aus Gott geboren worden.
Gott ist dein Vater, weil er dich in seiner Gnade als sein Kind adoptiert hat. Und es war sehr teuer für Gott, dich als sein Kind zu adoptieren. Der Preis für Gott war, als Vater seinen eigenen geliebten Sohn Jesus Christus hinzugeben, ihn zu bestrafen, ihn zu verlassen. Nur so konnte er einen Sünder und einen Feind wie dich und mich als eigenes Kind adoptieren.
Und nur so kannst du im Gebet wie ein kleines Kind zu Gott als seinem Vater kommen, denn du bist nun sein Kind, wenn du an Jesus glaubst, und du bleibst sein Kind. Daran ändert dein Versagen nichts. Du musst Gott nichts beweisen, du kannst Gott übrigens gar nichts beweisen. Er liebt es, dich sein Kind beten zu hören. Er liebt es, dich zu segnen, und er liebt es, deine Gebete nicht nur nach dem zu erhören, was du wie ein Kind bittest, sondern viel, viel mehr zu tun, als du dir jemals erbitten und ausdenken kannst.
Das ist unser Vater.
Was hat der Heilige Geist damit zu tun, dass wir wie Kinder zu unserem Vater beten dürfen? In Römer 8, ab Vers 14 schreibt Paulus: So viele, die durch den Geist Gottes geleitet werden, die sind Söhne Gottes. Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, wieder zur Furcht, sondern einen Geist der Sohnschaft habt ihr empfangen, indem wir rufen: Abba, Vater. Der Geist selbst bezeugt zusammen mit unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind.
Das Wirken des Heiligen Geistes in uns ist notwendig, um so beten zu können, wie Jesus es lehrt. Ohne den Heiligen Geist können wir nicht wie kleine Kinder zu unserem Gott als Vater kommen. Es ist der Heilige Geist, der uns mit zuversichtlichem Vertrauen in Gottes Liebe erfüllt.
Tim Keller schreibt dazu in seinem hervorragenden Buch über das Gebet: Der Heilige Geist gibt den Gläubigen eine existenzielle innere Gewissheit, dass ihre Beziehung zu Gott nicht mehr von ihrer Leistung abhängt, sondern von Gottes Vaterliebe. Der Heilige Geist nimmt eine theologische Wahrheit und verwandelt sie in eine tiefe innere Zufriedenheit und Freude. Wir dürfen wissen, dass Gott auf unser Rufen mit der intensiven Liebe und Fürsorge eines Vaters antwortet, der den Schmerzensschrei seines Kindes hört, weil wir in Jesus seine Kinder sind, dem wahren Gottessohn.
Also, wann immer du anfängst zu beten, nimm dir Zeit, dir klarzumachen, dass du nun als Kind zu deinem Vater kommst, und du brauchst den Heiligen Geist, um diese wunderbare Klarheit im Gebet zu haben.

Zweites Lernfeld: Gottes Herrlichkeit zuerst suchen

Wir kommen zum zweiten Punkt: Bewundere vor allem Gott, bewundere vor allem Gott. Und dazu kommen wir mit dem Beginn des Gebets, das Jesus die Jünger lehrt: Geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, und in der Bergpredigt, wo Jesus das Vaterunser auch lehrt, ergänzt er noch: Dein Wille geschehe.
Über diese Bitten schreibt Johannes Calvin in seinem Kommentar: In diesen ersten drei Bitten sollen wir uns selbst aus den Augen verlieren und die Herrlichkeit Gottes suchen. Wir sollen die Majestät Gottes jedem anderen Grund zur Sorge, den wir haben, vorziehen.
Die Bewunderung eines wirklichen Kunstwerks macht das Kunstwerk nicht kunstvoller und bewundernswerter, als es eh schon ist. Es bekommt einfach die Bewunderung, die es verdient. Und so geht es bei der Verherrlichung Gottes darum, dass wir seine Herrlichkeit und Schönheit bewundern, die er ohnehin schon hat, die er einfach verdient.
Wir gehen diese drei Bitten einmal kurz durch.
Geheiligt werde dein Name. Bete darum, dass Gott in den Augen aller Menschen großartig ist, und fang bei dir selbst an. Geheiligt bedeutet: Gott ist anders, Gott ist einzigartig, er ist großartig, er ist herrlich, er ist einfach nur bewundernswert.
Die Bibel zeigt uns an manchen Stellen, wie die Bewunderung Gottes in der Himmelswelt aussieht. Denkt an Jesaja 6, Offenbarung 4 und 5. Und was wir dort lesen, ist äußerst spektakulär und unfassbar schön. Und diese herzliche, ausgelassene, hingegebene Bewunderung verdient Gott zu jeder Zeit bis in Ewigkeit und auch von dir an jedem Tag. Deswegen bete darum, dass du darin wächst.
Dein Reich komme. Bete darum, dass Gott in den Herzen aller Menschen König ist, und fang bei dir an. Frag dich selbst: Regiert Gott mein Leben, und freust du dich darüber, dass er dein Leben regiert? Regiert er deine Sehnsüchte, deine Gedanken, dein Reden, deine Entscheidungen? Wünschst du dir, dass er in deiner Gemeinde das absolute Sagen hat?
Als die Jünger Jesu in Apostelgeschichte 1 unmittelbar vor der Himmelfahrt, also am Donnerstag, Jesus noch einmal Fragen nach der Errichtung seiner Königsherrschaft, was sagt er ihnen als Antwort auf die Frage nach der Errichtung seines Reiches, seiner Königsherrschaft? Ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist, und ihr werdet meine Zeugen sein, sowohl in Jerusalem als auch in Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde.
So errichtet Jesus hier auf der Erde sein Königreich. Wir sind aktuell in Stufe drei von Jesu Plan, und wenn er wiederkommt, wird die Beziehung zwischen Gott und seinem Volk ihren herrlichen Höhepunkt erreichen. Ein Reich, in dem es keinen Tod mehr gibt, keine Trauer, keine Schmerzen, kein Geschrei, wo Gott selbst bei seinem geliebten Volk wohnen wird.
Dein Wille geschehe. Bete darum, dass Gottes Wille von allen Menschen getan wird, und fang bei dir damit an. Als Sünder bist du immer wieder geneigt, dazu zu denken, dass es dann am besten läuft und dir dann am besten geht, wenn alles so läuft, wie du es willst, wenn es nach deinem Willen geht, wenn du alles im Griff hast.
Das ist ein gefährlicher Irrtum. Denn wirklich segensreich und gut für dein Leben ist es, wenn alles nach Gottes Willen läuft, wenn sein Wille geschieht. Jesus selbst weiß, was es bedeutet, Gottes Willen, den Willen des Vaters, über seinen eigenen Willen zu stellen. Beginn mal mit ihm im Garten Gethsemane am Abend vor seiner Kreuzigung.
Er hat den unfassbaren Schrecken vor Augen, der darin liegt, die Sünde der ganzen Welt auf sich zu nehmen und deswegen vom Vater verlassen zu werden. Das sieht er auf sich zukommen, und er ist erschrocken. Und er wirft sich zu Boden, mit dem Gesicht zur Erde, und betet: Mein Vater, wenn es möglich ist, lass diesen bitteren Kelch an mir vorübergehen, aber nicht wie ich will, sondern wie du willst.
Und er betet ein zweites Mal: Mein Vater, wenn es nicht anders sein kann und ich diesen Kelch trinken muss, dann soll dein Wille geschehen. Und genau so betet er ein drittes Mal, damit du und ich nicht selbst die ewige Strafe für unsere Sünden gegen Gott erdulden müssen, sondern wir uns im Glauben auf Jesus werfen können.
Das liegt daran, dass Jesus selbst das Gebet gebetet hat, was er uns hier lehrt: Vater, dein Wille geschehe! Und er war dem Willen des Vaters gehorsam bis zum Tod am Kreuz. Wie erschütternd und wie herrlich!
Was hat der Heilige Geist damit zu tun, wenn es darum geht, Gott über alles zu bewundern und anzubeten? Wenn wir Gott in seiner Heiligkeit, seiner Einzigartigkeit, seiner Majestät erkennen und bestaunen wollen als der, der er ist, dann haben wir mit unserem angeborenen natürlichen Sinn keine Chance.
Ich lese mal vor, was Paulus schreibt in 1. Korinther 2, ab Vers 9. Es ist ein etwas längerer Text, aber ich sage nicht viel dazu. Hört mal gut zu. Es heißt ja in der Schrift: Kein Auge hat je gesehen, kein Ohr hat je gehört, und kein Mensch konnte sich jemals auch nur vorstellen, was Gott für die bereithält, die ihn lieben. Uns aber hat Gott dieses Geheimnis durch seinen Geist enthüllt, durch den Geist, der alles erforscht, auch die verborgensten Gedanken Gottes. Nur Gottes Geist ist dazu imstande, denn genau so, wie die Gedanken eines Menschen nur diesem Menschen selbst bekannt sind, und zwar durch den menschlichen Geist, genau so kennt auch nur der Geist Gottes die Gedanken Gottes. Niemand sonst hat sie je ergründet. Wir aber haben diesen Geist erhalten.
Ein Mensch, der Gottes Geist nicht hat, lehnt ab, was von Gottes Geist kommt. Er hält es für Unsinn und ist nicht in der Lage, es zu verstehen, weil ihm ohne den Geist Gottes das nötige Urteilsvermögen fehlt.
Ohne das Wirken des Heiligen Geistes können wir nicht erkennen, wer und wie Gott ist. Wir brauchen unbedingt den Heiligen Geist, um Gott so zu bestaunen und so anzubeten und so zu bewundern, wie er ist. Ohne den Heiligen Geist können wir gar nicht so beten, wie Jesus uns lehrt zu beten.

Drittes Lernfeld: Abhängigkeit im Alltag

Wir kommen zum dritten Punkt heute Morgen: Bitte Gott als deinen vollkommenen Vater, für dich zu sorgen.
Unser nötiges Brot gib uns täglich, und vergib uns unsere Sünden, denn auch wir selbst vergeben jedem, der uns schuldig ist. Und führe uns nicht in Versuchung.
Ich zitiere noch einmal Tim Keller aus seinem Buch: In den ersten drei Bitten des Vaterunsers haben wir Gott als unsere wahre Speise, unseren wahren Reichtum und unser wahres Glück erkannt. Und jetzt fordert Jesus uns auf, unsere persönlichen Gebetsanliegen an dieser neuen Herzenseinstellung auszurichten, die wir in den ersten drei Bitten erhalten haben. Jetzt fordert Jesus uns auf, unsere persönlichen Gebetsanliegen an dieser neuen Herzenseinstellung auszurichten.
Wenn wir im Gebet mit unseren persönlichen Anliegen zu Gott kommen, dann denken wir schnell mehr an uns als an Gottes Ehre. Ich brauche jeden Tag Brot, ich brauche jeden Tag Vergebung, ich brauche jeden Tag Bewahrung vor Versuchung, deswegen bete ich darum. Damit aber unser Beten dem entspricht, wie unser Herr Jesus Beten lehrt, müssen wir uns immer wieder klar machen, dass wir vor allem und mehr als all das Gott selbst brauchen. Wir brauchen Brot, wir brauchen Vergebung und Bewahrung für das viel größere Ziel der Gemeinschaft mit Gott, der Freude an Gott und der Verherrlichung Gottes mit unserem Leben.
Wir können jetzt nicht alle drei Bitten noch durchgehen, wir konzentrieren uns einmal auf das tägliche Brot. Und hier geht es nicht um das Brot vom Bäcker, sondern allgemeiner um unsere Grundbedürfnisse. Was sind deine Grundbedürfnisse? Essen, sauberes Wasser, Schlaf, Kleidung, ein Dach über dem Kopf, Gesundheit, Gemeinschaft – das mag sein. Und viele von uns genießen diese Dinge, seit sie denken können, vielleicht bis auf ein paar Schnupfen zwischendurch.
Wir haben einige ukrainische Geschwister in unserer Gemeinde, die im Februar 2022 von einem Tag auf den anderen kein Dach mehr über dem Kopf hatten. Hat Gott an diesem Tag ihr Gebet nicht erhört? Manche Geschwister unserer Gemeinde können den Gottesdienst nicht mehr besuchen, möglicherweise nie mehr, weil sie krank sind. Hat Gott ihr Gebet um ihre Grundbedürfnisse überhört?
Wenn wir an Grundbedürfnisse denken, dann kann es gut sein, dass Gott und ich unterschiedliche Ansichten darüber haben, was Grundbedürfnisse sind. Aber wisst ihr was? Gott weiß es besser. Wenn du zu Gott betest, dann darfst du ihm sagen, was du brauchst. Und du darfst erwarten, dass Gott dein Gebet erhört. Aber weil du wie ein kleines Kind zu Gott als deinem himmlischen Vater kommst, bittest du anders. Du bittest im Vertrauen darauf, dass dein himmlischer Vater besser weiß als du selbst, was du wirklich brauchst, und es dir in seiner Liebe auch gibt.
Bei uns Eltern ist es ja auch so: Eltern, die jede Bitte ihrer Kinder erfüllen, sind keine guten Eltern. Ich hoffe, ich schocke jetzt niemanden mit dieser Aussage. Aber es ist ziemlich leicht nachzuvollziehen.
Wir begleiten einmal eine Familie auf dem Weg zum Zoo. Sie sind unterwegs im Auto, ein paar Kinder sitzen mit im Auto. Der sechsjährige Junge sagt: Papa, lass mich auch mal fahren. Papa sagt: Nein, das ist keine gute Idee. Wenn wir wieder nach Hause kommen, nimmst du dein Dreirad, ich nehme meinen Roller, und dann fahren wir zusammen eine Runde.
Wir gehen mit ihnen in den Zoo hinein. Die Familie kommt an einem Strauch vorbei mit schönen roten Beeren, also nicht mit Ä, mit Doppel-E, schöne rote Beeren. Papa, darf ich eines davon essen? Die sehen so lecker aus! Nein, mein Schatz, sie sind giftig. Ich habe hier etwas anderes für dich, eine leckere Kirsche, wo immer die jetzt auch herkommt.
Die Familie im Zoo kommt am Raubtiergehege vorbei, und da läuft ein süßes kleines Tigerbaby herum. Die Dinger sind wirklich knuffig. Mama, kann ich so eins als Haustier haben? Es ist so süß! Nein, mein Schatz, das machen wir besser nicht. Wir informieren uns mal nach einem Hund oder einer Katze oder Hühnern.
Die Eltern haben natürlich die Bitten ihrer Kinder nicht so erfüllt, wie die Kinder gebeten haben, denn die Kinder wussten gar nicht, wie unvernünftig ihre Bitten waren. Es waren einfach Bitten aus ihrem Herzen heraus. Die Eltern wussten es besser und erhörten ihre Bitten nach ihrem besseren Verständnis. Dreirad statt Auto, Kirsche statt giftige Beere, Huhn statt Tiger.
Gott erhört dein Gebet oft anders, als du betest. Und erwarte, dass du oft nicht verstehst, wie Gott dein Gebet erhört, denn er weiß es besser. Er ist Gott, und du bist es nicht. Und darin kannst du jeden Tag neu zur Ruhe kommen, sogar mitten im größten Leid, sogar mitten in Schmerzen, die du nicht aushalten kannst. Du kannst dich ja darauf verlassen, dass dein Vater dich liebt und dass er genau weiß, was für dich gut ist.
Was hat jetzt der Heilige Geist mit unseren persönlichen Bitten zu tun? Wir brauchen den Heiligen Geist, und wir müssen im Heiligen Geist beten, damit wir wissen, worum wir bitten sollen. Und das zeigt er uns in der Bibel, in dem Wort, das der Heilige Geist selbst inspiriert hat. Wenn wir wachsen wollen im Gebet, in der Freude am Gebet, im Gebet nach Gottes Willen, dann brauchen wir Gottes Wort und den Heiligen Geist, der uns dafür die Augen öffnet.
Ich will an dieser Stelle kurz das kleine, kostbare Büchlein von Don Whitney empfehlen, in deutscher Übersetzung Mit der Bibel beten. Oder in Englisch. Es gibt auch im Internet sehr gute zusammenfassende Vorträge von ihm über das Thema. Sehr hilfreich, sehr belebend für unser Gebetsleben mit Hilfe des Wortes Gottes.

Abschluss: Ermutigung durch Christus und Gottes Güte

Richten wir noch einmal unseren Blick auf unseren Herrn und Retter Jesus Christus zum Abschluss.
Was könnte dich mehr zum Gebet ermutigen als die Liebe unseres Herrn Jesus Christus? Warum kannst du zu Gott als seinem Vater beten, obwohl es Jesus ein einziges Mal unmöglich war, zu seinem Gott als Vater zu beten? Als er am Kreuz hing und deine und meine Schuld gerade auf ihm lag und sich der volle Zorn Gottes auf ihm entlud, konnte er nicht „mein Vater“ beten. Sonst hat er immer gebetet: „Vater, mein Vater.“ Aber hier ruft er in seinem größten Schmerz: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“
Weil er das ausgehalten hat, darfst du in jedem deiner Gebete zu Gott als zu deinem Vater beten.
Warum kannst du beten: „Dein Wille geschehe“? Wir haben es gesehen: weil Jesus auch im Garten Gethsemane gebetet hat: „Dein Wille geschehe, koste es, was es wolle.“ Und er war gehorsam bis zum Tod am Kreuz.
Und warum können wir voller Zuversicht und Vertrauen in Gottes Güte und Liebe jeden Tag neu beten: „Unser tägliches Brot, das, was ich brauche, gib mir heute“? Weil unser Vater seinen eigenen Sohn, den er so sehr liebt, nicht verschont, sondern ihn für uns hingegeben hat. Und wie könnte er uns mit ihm nicht auch alles schenken, alles Kleinere? Und alles ist kleiner, als seinen Sohn Jesus hinzugeben.
So darfst du wissen, dass er dir nichts vorenthält, was dir zum Besten dient.