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Furcht, Gedanken und Fragen

Jesu Leben und Lehre, Teil 31/662
19.04.2021Lukas 1,57-66
SERIE - Teil 31 / 662Jesu Leben und Lehre

Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.

Episode einunddreißig: Furcht, Gedanken und Fragen

Geburt und Namensgebung eines besonderen Kindes

Hinter uns liegt das Magnifikat. Maria, die Mutter Jesu, bleibt noch drei Monate bei ihrer Verwandten Elisabeth und kehrt dann nach Hause zurück.

Dann lesen wir in Lukas 1,57: „Für Elisabeth aber erfüllte sich die Zeit, dass sie gebären sollte, und sie gebar einen Sohn.“ Natürlich passiert, was passieren muss: Die Nachbarn und Verwandten kommen und freuen sich. Die alte Elisabeth hatte ein Kind zur Welt gebracht. Wer hätte das gedacht?

Aber die Geschichte geht noch ein bisschen weiter. Lukas 1,59 berichtet: „Und das geschah am achten Tag, da kamen sie, das Kind zu beschneiden, und sie nannten es nach dem Namen seines Vaters, Zacharias.“ Völlig verständlich, was sie tun. Ein jüdischer Junge wurde beschnitten – am achten Tag, wie es das mosaische Gesetz fordert. Und am Tag der Beschneidung bekam er seinen Namen. Da er der erste Sohn war, erhielt er den Namen seines Vaters. Zacharias ist zudem ein guter biblischer Name.

Doch an dieser Stelle entsteht ein Problem. Der Engel Gabriel hatte Zacharias befohlen, den Jungen „Johannes“ zu nennen, was „Gott ist gnädig“ bedeutet. Nur wussten das die Nachbarn und Verwandten natürlich nicht. Elisabeth aber wusste es. Zacharias, der immer noch stumm war, musste es ihr irgendwie mitgeteilt haben. Und weil Elisabeth es wusste, intervenierte sie.

 Lukas 1,60: „Und seine Mutter antwortete und sprach: ‚Nein, sondern er soll Johannes heißen.‘“ Problem nur: Keiner in der Verwandtschaft hieß so.

Man merkt, alles rund um dieses Kind ist mehr als merkwürdig. Das fängt mit dem Alter der Eltern an, geht über die Ankündigung im Tempel weiter, einen Vater, der nicht reden kann, und jetzt noch ein Name, der dieses Kind nicht an die Familie bindet, sondern es ganz bewusst von ihr entfernt. Das war schon komisch.

Die Entscheidung des Vaters und die Öffnung seines Mundes

Und die Lösung? Nun ja, man fragt den Vater. Er stand bisher im Hintergrund. Klar, er konnte nicht sprechen, und das schon seit Monaten. Das macht einen nicht unbedingt zum Mittelpunkt des Interesses.

Aber jetzt wird eine Entscheidung benötigt. So lesen wir in Lukas 1,62-63: „Sie winkten aber seinem Vater zu, wie er etwa wolle, dass er heißen sollte. Und er forderte ein Täfelchen und schrieb darauf: ‚Johannes ist sein Name‘.“ Und alle wunderten sich.

Zacharias entscheidet zugunsten von Johannes. Das muss er ja auch, denn das war die Anweisung des Engels. Alle wundern sich. Doch sie wundern sich noch viel mehr, denn es geht weiter.

Sogleich wurde sein Mund geöffnet und seine Zunge gelöst. Er redete und lobte Gott. Zur Bestätigung, dass Johannes genau der richtige Name für dieses merkwürdige Kind war, fängt Zacharias wieder an zu sprechen. Sein Stummsein ist vorbei, er redet und lobt Gott (Lukas 1,65-66).

Furcht kam über alle, die um sie herum wohnten. Auf dem ganzen Gebirge von Judäa wurden all diese Dinge besprochen. Alle, die es hörten, nahmen es zu Herzen und sprachen: „Was wird wohl aus diesem Kind werden? Denn auch des Herrn Hand war mit ihm.“

Die Bedeutung von Furcht, Nachdenken und Fragen im Glaubensleben

Jetzt erkennen wir ein wenig, was Gott vorhatte. Gott ist ein Gott, der Herzen bewegen will. Er benutzt Menschen, um andere Menschen zum Nachdenken zu bringen. Hier steht, dass diese Dinge besprochen wurden und dass man sich die Dinge zu Herzen nahm.

Menschen stellen sich Fragen über die Zukunft, weil sie merken, dass Merkwürdiges geschieht. Ich frage mich manchmal, ob es einer der großen Flüche unserer Zeit ist, dass Menschen vor lauter Ablenkung und unter einer Flut von Informationen und Ansprüchen begraben sind. Ständig geht es um Selbstoptimierung und Genussmaximierung. Der moderne Mensch nimmt sich kaum noch Zeit, um sich zu fürchten, nachzudenken oder Fragen zu stellen.

Gott wirkt – das ist die eine Seite. Aber wir tun uns sehr schwer damit, zuzuhören und auf sein Wirken zu reagieren. Dabei fängt alle Veränderung genau damit an. Es ist dieser Dreiklang aus sich fürchten, sich Gedanken machen und sich Fragen stellen, der unser Leben voranbringt.

Es gibt einen Grund, warum Furcht in der modernen Theologie einen schlechten Ruf hat. „Wir sollen uns nicht fürchten“, wird oft gesagt. Oder es wird 1. Johannes 4,18 zitiert, wo es heißt: „Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus.“ Dabei wird allerdings vergessen, darauf hinzuweisen, welche Furcht hier gemeint ist.

Es ist nämlich die Furcht vor einer Verurteilung im jüngsten Gericht. Eine Furcht, die wirklich kein echter Christ zu haben braucht, weil wir nicht ins Gericht kommen. Ich glaube, Furcht hat einen schlechten Ruf, weil sie so gut für uns ist. Es ist klug und gut, wenn wir Gott fürchten.

Gottes Furcht ist nicht nur der Anfang von Erkenntnis und Weisheit, sie bewahrt uns auch davor, dass wir uns vor Menschen fürchten oder vor dem, wovor Menschen Angst haben.

Gottesfurcht als Schutz und Orientierung

Mein persönlicher Anti-Corona-Vers stammt aus Jesaja 8, die Verse 12 und 13:

"Ihr sollt nicht alles Verschwörung nennen, was dieses Volk Verschwörung nennt. Das, was sie fürchten, sollt ihr nicht fürchten und nicht davor erschrecken. Den Herrn der Heerscharen, den sollt ihr heiligen, er sei eure Furcht und er sei euer Schrecken."

Ich finde diese zwei Verse einfach klasse. Wenn ich mich vor Gott fürchte, wenn ich ihm mit heiligem Respekt begegne, dann fühle ich mich sicher. Paulus würde sagen: Bewirkt euer Heil mit Furcht und Zittern.

Dann bin ich sicher. Sicher, weil ich mich nicht mehr vor dem fürchte, was die Seelen meiner Nachbarn und Arbeitskollegen zermürbt.

Und noch einmal: Es ist nicht die Furcht vor dem abschließenden Gericht, sondern das Wissen darum, dass der heilige, ewige Gott nicht unser Buddy ist und nicht mit uns auf einer Stufe steht. Er liebt uns, aber bleibt dabei Schöpfer und Herr.

Ich mag das gern noch einmal betonen: Es ist der Dreiklang aus sich fürchten, sich Gedanken machen und sich Fragen stellen, der unser Leben voranbringt.

Wo wir diesen Aspekten unseres Lebens keinen Raum geben und uns keine Zeit dafür nehmen, wo wir uns von einer Entertainment-Kultur leben lassen statt selbst zu leben, da werden wir Gottes Wirken in der Welt und Gottes Handeln an uns verpassen.

Herausforderungen des Glaubens in der heutigen Zeit

Und ich würde sogar noch weiter gehen: Wir leben im wahrsten Sinne des Wortes in den letzten Tagen. Vor unseren Augen ereignet sich das, was man getrost einen Abfall vom Glauben nennen kann. Das Evangelium ist in Deutschland auf dem Rückzug.

Die Angriffe auf den Glauben kommen mit einer derartigen Wucht und Menge, dass mir manchmal schwindelig wird. Dabei spreche ich nicht einmal von eigenen Überzeugungen, sondern allein von der Kenntnis der Bibel – Fehlanzeige.

Das Leben wird zum Spiel. Vor unseren Augen spielt sich die Gamifizierung des Glaubenslebens ab. Aus reifen Kindern Gottes werden, wie es in 1. Korinther 14 beschrieben wird, Kinder, die am Verstand unreif sind – Babychristen, die weit davon entfernt sind, Irrlehre zu erkennen, geschweige denn ein geistlich reifes Leben zu führen oder das Evangelium verteidigen zu können.

Mache ich mir Sorgen? Ja, definitiv, sogar große Sorgen. Große Sorgen, weil es der Dreiklang aus sich fürchten, sich Gedanken machen und sich Fragen stellen ist, der unser Leben voranbringt. Das war so, als Johannes der Täufer geboren wurde, und das ist heute nicht anders.

Einladung zur Selbstreflexion und Abschluss

Was könntest du jetzt tun? Du könntest für dich darüber nachdenken, wo du geistlich stehst. Wie sieht es mit der Gottesfurcht aus? Wie steht es um die Zeit, die du zum Nachdenken nutzt? Gibt es gute Fragen und gute Gespräche in deinem Leben?

Das war es für heute. Morgen geht es weiter. Der Herr segne dich, lasse dich seine Gnade erfahren und lebe in seinem Frieden. Amen!

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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