
Ein äußerst dringlicher Neujahrsvorsatz
Ja, schön, dass wir doch noch ein bisschen voller geworden sind, trotz der ungewohnten vielen Lücken. Nun ist es, wie jeder von euch weiß, jedes Jahr dasselbe: Menschen – vielleicht tatsächlich du und ich – nutzen den Jahreswechsel in gewissem Sinne, um sich Vorsätze zu machen.
Ich habe über eine Studie gelesen, die ermittelt hat, welche Vorsätze in Deutschland von den meisten Menschen für das Jahr 2024 gewählt wurden. Ich habe einfach mal ein paar Beispiele herausgesucht.
51 Prozent der Befragten haben sich vorgenommen, im nächsten Jahr mehr Geld zu sparen – also weniger Geld auszugeben, etwa für schöne Autos oder Ähnliches. 48 Prozent wollen mehr Sport treiben. Ich weiß nur, ich habe mich letztes Jahr auch im Fitnessstudio angemeldet, aber nicht wegen des Jahreswechsels, glaube ich. Die Studioleiterin sagte, das sei ein Klassiker: Man unterschreibt meist einen Einjahresvertrag. Nach dem Jahreswechsel steigen die Anmeldungen stark an, aber nach etwa zwei Monaten kommen viele nicht mehr. Das ist dann ihr Pech, denn das Geld müssen sie trotzdem bezahlen.
46 Prozent der Befragten wollen sich gesünder ernähren, 38 Prozent wollen der Familie und den Freunden mehr Raum im Leben geben. 22 Prozent möchten mehr für die Umwelt tun, und 6 Prozent wollen Veganer oder Vegetarier werden.
Wir merken, das ist alles gar nicht verkehrt – außer vielleicht der letzte Punkt mit dem Verzicht auf Fleisch. Vielleicht gibt es tatsächlich Punkte, über die es Sinn macht, nachzudenken.
Ich finde, bei den Vorsätzen, die ich eben vorgelesen habe, sind schon gute Sachen dabei: mehr Zeit für die Familie nehmen, sich gesünder ernähren oder Ähnliches. Das sind Dinge, über die man nachdenken kann, um sein Leben zu prüfen.
Vielleicht gibt es ja auch bei dir zum Jahreswechsel Punkte, bei denen du nachdenkst und merkst, dass du in einem Lebensbereich Verbesserungspotenzial hast – wenn nicht sogar Nachholbedarf. Das kann ja auch sein.
Vielleicht hast du dir Vorsätze vorgenommen: Du versuchst seit heute wieder, in einem Jahr die Bibel durchzulesen. Das ist ein richtig guter Vorsatz zum Jahreswechsel – in einem Jahr die Bibel durchzulesen. Vielleicht ist dein Vorsatz, mehr zu beten.
Wir merken also: Es gibt viele gute Dinge, die man sich zum Anlass nehmen kann, um zum Jahreswechsel wieder ein bisschen mehr Schwung ins Leben zu bringen.
Die Dringlichkeit eines geistlichen Vorsatzes
Nun, mir geht es gar nicht darum, ausführlich über die Sinnhaftigkeit von Neujahrsvorsätzen zu sprechen oder erst recht über das Durchhalten solcher Vorsätze. Vielmehr möchte ich heute eine Dringlichkeit ans Herz legen. Und das ist kein reißerischer Titel, ich kann das Wort kaum aussprechen. Nein, es ist kein hochtrabender Titel.
Zunächst wirkt es vielleicht hochtrabend: ein äußerst dringlicher Neujahrsvorsatz. Doch ihr werdet gleich merken, dass dieser Vorsatz, den ich euch heute vorstellen möchte, überhaupt nicht hochtrabend ist. Überhaupt nicht.
Ich will euch heute einen Neujahrsvorsatz zeigen, den man sich für dieses Jahr vornehmen kann. Aber wir werden anhand des Bibeltextes sehen, dass es dabei gar nicht um einen Jahresvorsatz geht, sondern um eine Lebensaufgabe – wenn nicht sogar um ein Lebensziel. Und nicht nur das: Es ist ein Lebensstil.
Worum es heute geht, was wir neu bedenken sollen, und da ist jeder von uns gemeint, der Christ ist: Es ist so dringlich, dass Paulus selbst den Timotheus vor ein geistliches Gericht zieht. Paulus sagt zu Timotheus: „Ich ermahne dich jetzt so ernst.“ Er steht in diesem Gerichtssaal und spricht vor dem Angesicht Gottes, der in dein Leben schaut, und vor Jesus Christus, der dich richten wird. Ja, der tatsächlich darüber richten wird, wie du in diesen Dingen gelebt hast.
So ernst ist es heute. Paulus sagt: „Ich ermahne dich so ernstlich, Timotheus, vor Gott, vor seinem Angesicht, vor Jesus Christus, der uns Christen richten wird, wegen einer Sache.“ Wegen dieser Sache, wegen dieses Neujahrsvorsatzes, den wir uns heute anschauen wollen.
Dann macht Paulus einen Doppelpunkt, zumindest im Deutschen, und sagt: „Predige das Wort.“ Nicht als großer Prediger in der Gemeinde, sondern „predige das Wort“, indem du hinausgehst in die Welt.
Und wir merken: Warum legt Paulus so viel Wert darauf, dass er den Himmel als Gerichtssaal öffnet? Wir werden uns die Stelle gleich anschauen. Paulus sagt: „Ich ermahne dich vor Jesus Christus, der die Toten und Lebendigen richten wird, um seines Reiches willen, um seiner Erscheinung willen: predige das Wort!“ Und zwar zu denen, die es nicht hören wollen.
Wir fragen uns: Wäre das nicht ein neuer Neujahrsvorsatz für uns? Klar, es gibt unterschiedliche Arten von Begabung. Aber zum Zeugnisgeben ist jeder von uns berufen. Dort, wo Gott ihn hingestellt hat, ist jeder von uns berufen.
Und Timotheus, ja, ein Mensch voller Menschenfurcht. Gerade da sagt Paulus zu ihm: „Oh Timotheus, ich habe dich die ganze Zeit versucht zu ermutigen, dir den Geist Gottes groß gemacht, der dir Kraft in deiner Schwachheit gibt. Aber ich muss dich jetzt auch daran erinnern: Gott schaut ganz genau auf diesen Dienst, den du bekommen hast.“ In unserem Text steht: „Vollbringe den Dienst, den du bekommen hast.“
Gott schaut ganz genau hin. Am Ende wird Jesus Christus richten, ob du ein treuer Zeuge warst oder ob du dich in deiner Menschenfurcht im Alltag zurückgelehnt hast.
Und wir denken: Wow, was für ein dringlicher Neujahrsvorsatz, wenn wir bedenken, dass wir in dasselbe Gericht kommen. Ja, wir kommen ins Gericht, liebe Christen. Nicht wegen unserer Sünde, nicht wegen unserer Sünde. Aber der Herr wird beurteilen, was wir durch unseren Leib gewirkt haben.
Das heißt, wir werden gleich noch lesen, dass wir alle vor dem Richterstuhl Gottes erscheinen, damit jeder von uns bekommt, was er durch seinen Leib gewirkt hat.
Und manchmal muss man das einfach auch mal neu wissen.
Die Ermahnung des Paulus an Timotheus
Und deswegen dieser Titel: ein äußerst dringlicher Neujahrsvorsatz. Schlagt mit mir 2. Timotheus Kapitel 4 auf. Ihr werdet sehen, dieser Ernst stammt von Paulus.
2. Timotheus 4,1-8. Achtet jetzt ganz besonders auf die einzelnen Worte im ersten Vers.
Daher bezeuge ich dir ernstlich. Paulus versucht hier, so viel Ernst wie möglich in den Text zu legen. Er sagt: „Ich bezeuge dir ernstlich, Timotheus, was?“ – noch kommt er gar nicht zum „Was“, sondern er fügt hinzu: „Vor Gottes Angesicht und des Herrn Jesus Christus, der Lebendige und Tote richten wird, um seiner Erscheinung und seines Reiches willen.“
Hier merken wir, dass Paulus den ganzen Ernst, den es gibt, in Vers 1 legt und dann einen Doppelpunkt setzt. Danach sagt er uns, was so ernst ist: „Verkündige das Wort, tritt dafür ein, wann es gelegen oder ungelegen ist. Überführe, tadle, ermahne mit aller Langmut und Belehrung!“
Und zu wem? Zu denen in der Gemeinde, die dich bejubeln? Nein. Denn es wird eine Zeit kommen, in der sie die gesunde Lehre nicht ertragen werden. Sie werden sich selbst nach ihren eigenen Lüsten Lehrer suchen, weil sie empfindliche Ohren haben. Sie werden ihre Ohren lieber von der Wahrheit abwenden, Timotheus. Trotzdem sollst du das Wort predigen, auch zu denen, die es nicht hören wollen.
„Du aber bleibe nüchtern in allen Dingen, erdulde die Widrigkeiten“, die aus Vers 4 stammen, wenn sie sich von dir abwenden. Und „tue das Werk eines Evangelisten und richte deinen Dienst völlig aus.“
Warum muss er den Dienst völlig ausrichten? Denn Paulus wird schon geopfert – ein Mitarbeiter weniger – und die Zeit des Aufbruchs ist nahe.
Paulus sagt: „Ich habe den guten Kampf gekämpft“ (Vers 7), „den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt.“ Jetzt steht Paulus vor demselben Richter aus Vers 1.
„Von nun an liegt für mich die Krone der Gerechtigkeit bereit, die mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag zuerkennen wird. Nicht aber mir allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung liebgewonnen haben.“
Paulus ist am Schluss derjenige, der sich auf dieses Gericht freut, weil er in gutem Kampf gekämpft hat.
Die Herausforderung, das Wort auch denen zu predigen, die nicht hören wollen
Wir haben hier einen Bibeltext, in dem Paulus Timotheus eindringlich ermahnt, den Ungläubigen die Bibel zu predigen. Es geht darum, dass es Menschen geben wird, die Timotheus nicht hören wollen – das ist das Publikum. Paulus schickt Timotheus zur Predigt zu Leuten, die ihn nicht hören wollen.
Wenn man in Kapitel 3, Vers 5 schaut, sieht man, dass es sich um Menschen handelt, die eine sehr religiöse Ader haben. Sie sind sehr religiöse Leute, die zwar die wahre biblische Wahrheit nicht vertragen, sich aber dennoch theologische Lehre holen. Man könnte hier von einer Namenschristenheit sprechen. Timotheus ist also gesandt zu Leuten, die denken, sie seien gläubig, vielleicht Christen, die sich sogar in die Kirche setzen und sich Lehre und Predigten anhören, die ihren Ohren gefallen. Diese Menschen zeigen einen Anschein von Gottesfurcht, und manches wirkt sehr fromm in ihrem Leben.
Doch das Schlimme daran ist: In Kapitel 4, Vers 4 wollen sie die wahre biblische Botschaft von Sünde, Umkehr, Rettung und Alleinglauben nicht hören. Das ist das Publikum, zu dem Paulus Timotheus schickt – eine religiöse Welt, die Christus nicht hat. Auf uns angewandt könnte man von Namenschristen, religiösen Traditionen und Ähnlichem sprechen.
Für Timotheus ist es seine Aufgabe, diese Botschaft zu verkünden – egal, ob sie es hören wollen oder nicht. Was soll Timotheus tun? In den Versen 2 und 5 sagt Paulus ihm bereits, dass sie es nicht hören wollen. Was soll er trotzdem tun? Er soll das Wort predigen und es trotz allem tun. In Vers 5 heißt es: Tue das Werk eines Evangelisten, erfülle deinen Dienst, deine Berufung und ertrage die Widrigkeiten.
Timotheus war schüchtern und hatte Menschenfurcht. Er wollte nicht mitleiden, wie es in Kapitel 1, Verse 7 und 8 beschrieben wird. Er war ein Kämpfer, der am liebsten in seiner christlichen Blase geblieben wäre. Lieber Christ heute, wenn du vielleicht genauso mit Menschenfurcht zu kämpfen hast und nicht mitleiden willst, halte es aus, wenn sie ihre Fackeln und Mistgabeln erheben. Das ist, was Paulus sagt: Timotheus, halte es aus, wenn du predigst und sie vor deinem Haus rebellieren. Halte es aus!
Denn sie wollen es nicht hören. Das ist die Aufgabe, die Timotheus in diesem Abschnitt bekommen hat. Diese Aufgabe ist umrahmt von Kapitel 4, Vers 1, wo Paulus Timotheus klarmacht, dass sein Dienst und seine Aufgabe vor den allsehenden Augen Gottes stattfinden. Gott wird beurteilen und richten, ob Timotheus in seiner Menschenfurcht bleibt oder ob er sagt: „Okay, ich leide mit, jetzt trete ich hinaus und bin Zeuge für meinen Herrn Jesus Christus.“ Das wird der Herr beurteilen.
Diese Aufgabe ist also umrahmt von Kapitel 4, Vers 1, wo Paulus Timotheus klar macht, dass sein Dienst vor Gott stattfindet, der alles sieht und richten wird. Das ist die Anfangsermahnung.
Der zweite Rahmen dieses Textes ist in den Versen 7 und 8 zu finden. Dort zeigt Paulus sich selbst als gutes Vorbild zu genau diesem Thema. Er freut sich auf den Richter, auf das Preisgericht. In Vers 8 sagt Paulus, dass er sich auf den gerechten Richter freut, der in Jesus Christus ist. Paulus hat sein Leben für das Evangelium hingegeben, gelitten und sich nicht geschämt. Er ging sogar bis in den Tod und freut sich nun, diesen gerechten Richter zu treffen.
In Vers 1 ist das Ganze noch eine Ermahnung: „O Timotheus, deine Menschenfurcht ist keine Ausrede“ (siehe Kapitel 1 und 2). Paulus hat den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet und den Glauben bewahrt. Er hat sich für das Evangelium hingegeben und freut sich darauf, mit strahlenden Augen Christus zu sehen (Vers 7 und 8).
Wenn man Vers 1 und Vers 8 vergleicht, erkennt man, dass Paulus denselben Inhalt in zwei unterschiedlichen Facetten beschreibt: Einmal als Ansporn für Timotheus, einmal als Freude auf die Belohnung.
In Vers 1 lesen wir von dem Herrn Jesus, der richten wird. In Vers 8 kommt das Wort „Jesus“ nicht vor, aber es wird vom gerechten Richter gesprochen. Hier geht es also um das Preisgericht.
Paulus ermahnt Timotheus um der Erscheinung Jesu willen (Vers 1). In Vers 8 wird gesagt, dass die Krone des Lebens diejenigen erhalten, die sich sehr auf die Erscheinung Jesu Christi gefreut haben und alles für ihn hingegeben haben. So sieht man die Parallelen: Einmal als Ermahnung, einmal als Ermutigung.
Das Ziel ist erreichbar, denn Paulus hat es selbst erreicht. Er gibt nicht nur kluge Ratschläge, sondern ist ein Zeuge, der mit seinem Leben den guten Kampf gekämpft hat.
Zwischen diesen beiden Säulen – der Ermahnung und der Ermutigung – bewegen wir uns. Das war ein kurzer Überblick über diesen Text.
Zwei zentrale Punkte zur Umsetzung des Vorsatzes
Also worum es geht: Im Großen und Ganzen handelt der Text davon, dass Paulus Timotheus an einen richtenden Gott erinnert.
In den Versen zwei bis sechs erklärt Timotheus, wie er ein gutes Urteil in diesem Bereich erhalten kann. Dabei ist besonders wichtig – und das werden wir noch sehen –, dass dies nicht einfach durch die Verkündigung des Wortes Gottes geschieht. Paulus schreibt ganz genau, wie es geschehen soll, mit welcher Haltung und welchem Vorgehen.
Ich weiß nicht, ob ich euch bis hierhin davon überzeugen konnte, dass dies wahrscheinlich ein äußerst dringlicher Neujahrsvorsatz ist. Wenn wir das auf uns herunterbrechen und uns bewusst machen: Der Herr wird auch dich und mich vor dem Richterstuhl Gottes richten. Nicht wegen unserer Sünde, sondern wegen unseres Dienstes und wie wir Zeugnis gegeben haben, wie es der Kontext sagt.
Für mich ist das ein äußerst dringlicher Neujahrsvorsatz. Ob ich den einen oder anderen von euch schon ein bisschen überzeugen konnte, weiß ich nicht. Aber wir werden das Ganze jetzt noch einmal in zwei Punkten anschauen:
Erstens: Erkenne den Ernst der Lage – Christus wird dein Lebenswerk beurteilen.
Zweitens: Verkündigung nach biblischen Maßstäben – was wird er beurteilen?
Der erste Punkt lautet also: Erkenne den Ernst der Lage, denn Christus wird dein Lebenswerk beurteilen.
Erkenne den Ernst der Lage: Christus wird dein Lebenswerk beurteilen
Der ganze Textabschnitt beginnt schon deutlich früher. Im Grunde geht es darum, dass Timotheus das Wort Gottes in die Welt tragen soll. Natürlich müssen wir das Ganze ausgewogen betrachten. Timotheus hatte eine sehr besondere Aufgabe – eine Aufgabe in einem Maßstab, wie wir ihn heute nicht haben. Trotzdem ist die geistliche Wahrheit aus diesem Text auch für dich und mich anwendbar.
Nicht jeder von uns wird Missionar, nicht jeder hat dieselben Leistungsfähigkeiten, Kraft oder Kapazitäten. Außerdem befinden wir uns in unterschiedlichen Lebenssituationen. Ganz nüchtern betrachtet sollten wir uns nicht falsch mit anderen vergleichen.
Jeder von uns steht an verschiedenen Punkten, aber jeder kommt mit Ungläubigen in Kontakt. Das fängt in der eigenen Familie an, bei unseren Kindern. Der Kreis zieht sich weiter bis in die Nachbarschaft, zu Arbeitskollegen, ungläubigen Freunden – sofern wir solche Beziehungen pflegen – und auch zu Vereinsmitgliedern, wenn wir Zeit haben, Vereine zu besuchen. Ich bin tatsächlich ein Freund davon, das auch zu Evangelisationszwecken zu tun. Ebenso gilt jeder spontane Kontakt, den Gott uns über den Weg schickt.
Jeder von uns steht mitten in der Welt. Und jeder von uns ist von Gott ganz bewusst mitten in diese Welt gestellt – in seinen kleinen Kosmos. Das kann zum Beispiel ein Babyvorbereitungskurs sein, ganz plump ausgedrückt.
Die Frage, und ich sage das sehr selbstkritisch, ist: Bist du genau dort in deinem Umfeld ein Licht, weil du jemand bist, der das Wort Gottes hochhält? Das ist eine sehr ernste Frage. Bist du in deinem kleinen Kosmos jemand, der für Jesus Christus leuchtet, weil er das Wort Gottes hochhält?
Wäre das nicht ein ehrenhafter Neujahresvorsatz? Dort, wo Gott dich tagtäglich mit Menschen in Kontakt stellt, diese Situationen als von Gott gegeben anzunehmen und die Menschen neu mit Jesus Christus zu konfrontieren?
Wie gut, dass wir Kalender verteilen, und wie gut, dass es einen Büchertisch gibt – aber das sind Highlights. Wir sind in den Alltag gesandt von Jesus Christus. Wäre es nicht ein ehrenhafter oder äußerst dringlicher Neujahresvorsatz, wieder mehr Menschen mit Jesus Christus zu konfrontieren?
Nun, Paulus beginnt mit Vers 1, und ich wüsste wirklich nicht, wie man ein Thema ernster formulieren könnte. Gerade bei diesem Text ist es schwierig, Emotionen hineinzuschreiben. Wie will man da noch mehr Ernst hineingeben als in Vers 1?
Versteht ihr, wie ernst das ist? Paulus verwendet extra das Wort „ernstlich“ oder „nachdrücklich“. Er sagt: „Timotheus, ich ermahne dich so ernstlich.“ Und er macht ganz bewusst klar: Timotheus, Jesus wird die Lebendigen und die Toten richten.
Eine kurze Klammer dazu, weil es nur ein Nebenthema ist: Manche fragen sich vielleicht, was mit „Tote und Lebendige“ gemeint ist. Es sind auf keinen Fall Gläubige und Ungläubige, denn der Kontext sagt das nicht.
Es geht hier, wie wir in Vers 18 lesen, um das Gericht, bei dem Paulus später eine Krone bekommt. Das „Lebendige und Tote“ meint einfach das, was in 1. Thessalonicher 4 beschrieben wird, wo es um die Wiederkunft Christi geht. Dort heißt es, dass die Lebendigen den Toten nicht zuvorkommen. Denn wenn Christus kommt, werden sowohl die Toten auferstehen als auch die Lebendigen in den Himmel aufgenommen. Wir werden eins mit Christus.
Es ist also eine Aussage, dass Jesus, egal ob die Menschen schon gestorben sind oder noch leben, sie richten wird. Und zwar nicht, indem er dich in die Hölle schickt – darum geht es hier nicht. Er wird dein Lebenswerk richten.
Das können wir gerne im 2. Korinther 5,10-11 anschauen. Paulus schreibt dort: „Wir“ – was meint er mit „wir“, wenn er zu Christen schreibt? Meint er hier Ungläubige? Nein, er meint uns, die Gläubigen.
Er schreibt: „Denn wir alle müssen vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden.“ Lass diese Worte mal auf der Zunge zergehen: Wir alle, keiner ausgenommen, müssen vor dem Richterstuhl Christi erscheinen. Jeder von uns, der gläubig ist, empfängt das, was er durch den Leib gewirkt hat – sei es gut oder böse.
Wir alle müssen vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden.
Spannend in diesem Zusammenhang ist, dass Paulus weiß, dass er vor das Preisgericht muss (Vers 11). Was ist seine Reaktion darauf?
In 2. Korinther 5,11 heißt es: „Deshalb, weil wir wissen, dass der Herr zu fürchten ist, suchen wir, die Menschen zu überzeugen.“ Seine Reaktion ist also, die Menschen zu überzeugen, sie zu Christus zu führen.
Das heißt ganz klar: Wir alle werden einmal zum Thron Gottes gerufen, zu diesem Richterstuhl, wo Jesus Christus, der die Lebendigen und die Toten richten wird, sitzen wird. Wir müssen alle dort erscheinen, und jeder von uns wird das empfangen, dessen Leben bewertet wird.
In 2. Timotheus 4,1 heißt es: „Vor dem Angesicht Gottes“ – der ganz genau sieht, ob wir ein Licht sind für den Herrn. Im Kontext geht es um Evangelisation und Zeugnisgabe.
Wir werden dort erscheinen, um unseren Lohn abzuholen – beziehungsweise unsere Lohntüte, egal ob sie leer oder voll ist. Wir bekommen, was wir durch unseren Leib gewirkt haben.
Das ist der Grundgedanke, den wir im 2. Timotheus Kapitel 4 klar sehen: Paulus bezeugt vor dem Angesicht Gottes und des richtenden Jesus Christus, dass Timotheus Folgendes tun soll: Verkündige das Wort.
Das ist die Aufgabe. Paulus stellt Timotheus, der nicht viel Lust auf Evangelisation hat, vor das Preisgericht Gottes und macht ihm klar: Dein Dienst, deine Aufgabe, Zeugnis für Jesus Christus zu sein, geschieht vor dem Angesicht Gottes.
Vielleicht kann man sich das nächste Mal, wenn man Menschenfurcht hat, ein Stück weit mehr überwinden – statt lieber in der Komfortzone zu bleiben.
Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber was Paulus ganz ernst in Vers 1 sagt, ist: Gott wird das beurteilen. Und ich rede hier nicht zu denen, die schon am Machen und am Rödeln sind, die ihr Zeugnisgeben ernst nehmen und sich anfechten lassen.
Ich glaube, dieser Text richtet sich vor allem an diejenigen, die Menschenfurcht haben und nicht die Kosten tragen wollen. Das ist der eigentliche Textzusammenhang.
Diese Ermahnung „O lieber Christ, der Herr wird es beurteilen“ richtet sich an die, die nicht mitleiden wollen. Darum geht es im gesamten 2. Timotheusbrief.
Das war Timotheus. So hart, wie es am Anfang klingt, muss ich einfach die Ernstlichkeit von Paulus entfalten.
Wenn es dein und mein Problem ist, dass wir kein Zeugnis geben – einfach wegen Menschenfurcht, weil wir nicht aus der Komfortzone kommen wollen und damit Jesus Christus im Grunde verleugnen – dann müssen wir uns mit in das Gericht in Vers 1 ziehen lassen.
Wir müssen uns bewusst machen, dass wir vor dem Angesicht Gottes stehen und Jesus uns für diese Werke richten wird. Er wird gerecht richten.
Dieses Gericht ist nicht wegen deiner Sünde – das ist erledigt –, sondern es geht um das Gericht, in dem beurteilt wird, ob du ein treuer Zeuge für ihn warst.
Verkündigung nach biblischen Maßstäben: Umgang mit Halbwahrheiten und Herausforderungen
Paulus geht nun im zweiten Punkt etwas tiefer auf die Verse zwei bis sechs ein. Ich möchte diesen zweiten Textabschnitt mit einigen Halbwahrheiten zum Thema Evangelisation in diesem Kontext beginnen.
Zunächst einmal: Das Erste ist nicht einmal eine Halbwahrheit, sondern ein Missverständnis. Es geht darum, Ungläubige zu erreichen, und zwar im biblischen Kontext. Anstatt mit der Bibel zu überzeugen, benutzen wir Lockmittel. Kennt ihr das? Ich kenne das, und ich habe es oft gemacht. Lockmittel zu benutzen, ist weit verbreitet.
Zum Beispiel: „Wenn du dich bekehrst, wird der Herr dir bestimmt eine gute Ehefrau schenken, du wirst eine gute Ehe haben.“ Das ist ein Lockmittel. Sind das gute Argumente? Ja, natürlich. Kann der Herr das machen? Natürlich. Ist das die Verheißung, die du bekommst, wenn du dich bekehrst? Nein, das ist ein Lockmittel.
Auch materieller Segen wird oft als Lockmittel verwendet: „Gott segne dich auf deiner Arbeit, du wirst ein glückliches Leben haben.“ Ja, wir werden ein glückliches Leben haben, aber diese Worte sind anders gemeint. Im Herrn sind wir glücklich. Was ist die Wahrheit? Schaut in Kapitel 3, Vers 12 nach.
Wenn es um Evangelisation geht, benutzen wir oft Lockmittel. Kapitel 3, Vers 12 – was ist die Wahrheit? Ist es ein Lockmittel zu sagen: „Du wirst das glücklichste und gesegnetste Leben haben“? Was sagt Paulus in Kapitel 3, Vers 12? Hat jemand von euch schon einmal vor der Bekehrung jemanden zum Glauben geführt und gesagt: „Ich möchte dich ja nicht abschrecken, aber es könnte sein, dass du verfolgt wirst“? Meistens versucht man solche Wahrheiten kleinzuhalten, bis man jemanden über das Ufer gezogen hat. Dann kann man die Wahrheit auspacken.
Das erste Missverständnis ist also klar. Nun zur zweiten Halbwahrheit, und das ist ganz spannend. Ich sage das, weil unser Bibeltext all das entlarven wird.
Die zweite Halbwahrheit ist bewusst eine Halbwahrheit, denn da ist auch Wahrheit drin. Ich weiß nicht, wie du beim Zeugnisgeben vorgehst, aber kennst du das: Wir warten, bis Gott die Türen öffnet? Kennst du das, dass du so lange still bist, bis das Gespräch zufällig genau in die richtige Richtung gelenkt wird und du dann endlich zwei Sätze sagen kannst? Drei Wochen wartest du, bis die Gelegenheit da ist. Kennst du das?
Was ist die Wahrheit? Kapitel 4, Vers 2. Dort heißt es: „Gelegen und ungelegen“ – wir werden uns gleich noch damit beschäftigen. Das klingt nämlich ganz anders als: „Ich warte drei Wochen, bis Gott endlich das Gespräch richtig lenkt und ich endlich die Möglichkeit habe, zwei Sätze zu sagen.“ Das werden wir noch hören.
Eine weitere Halbwahrheit ist: „Ich leuchte durch mein Leben, anstatt zu verkündigen.“ Warum? Weil ich die Leute nicht nerven will. Sie sollen ja durch mein Leben merken, dass ich glaube, und sie werden mich bestimmt ansprechen.
Was ist die Wahrheit? Natürlich bezeugt unser Leben, dass die Schrift wahr ist und lebensverändernde Kraft hat. Aber wo steht in der Schrift, dass die Leute allein durch mein Leben gläubig werden? In Römer 10, Vers 17 heißt es: „Der Glaube kommt aus der Verkündigung.“
Wie ihr merkt, versuche ich die ganze Zeit, das Gewicht auf das Wort Gottes in der Evangelisation zu legen. Die Frage ist: Warum legen wir so viel Wert auf das Wort? Warum ist das der Hauptweg? Warum ist es nicht gut, Lockmittel zu benutzen, um Menschen zu ködern? Hauptsache, sie bekehren sich – oder?
Der Grund liegt im gleichen Kontext, Kapitel 3, Verse 16 und 17. Das Wort Gottes ist Gottes Mittel, um Menschen zu überzeugen. Deshalb verkündigen wir das Wort Gottes. Es ist Gottes Weg, um Menschen zu retten. So einfach ist das.
Deshalb nehmen wir keine Abkürzungen, nur weil sie uns angenehmer erscheinen. Es ist nicht einfach, das Wort Gottes zu predigen. Denn was haben wir im Textzusammenhang gelesen? Die Leute wollen es nicht hören. Und sie werden es sich auch spüren lassen, dass sie es nicht hören wollen.
Trotzdem: Tue das Werk eines Evangelisten. Hör nicht auf zu reden. Fang nicht an zu schweigen.
Verkündige das Wort zu jeder Zeit – gelegen und ungelegen
Nun, erstens: Wann sollen wir verkündigen? Das ist eine wichtige Anwendung für dich und mich, wenn wir morgen am Gartenzaun stehen. Versteht ihr? Wann sollen wir verkündigen?
Vers 2 sagt: Wann sollen wir für das Wort eintreten, es verteidigen? Antwort: Zu gelegener und ungelegener Zeit. Was meint Paulus damit? Das Wort „gelegen“ fand ich besonders spannend. Ich habe den Vers nie so richtig verstanden. Das Wort „gelegen“ kommt noch einmal im Neuen Testament vor, und zwar in Markus 14,11.
Wisst ihr, was dort passiert? Judas suchte eine gelegene oder gute Gelegenheit, um Jesus zu verraten. Genau das meint dieses „gelegen“. Judas hat Jesus nicht verraten, als es kompliziert werden konnte, auch nicht, als ein großer Trubel um ihn herrschte. Nein, Judas hatte Zeit. Er hat die Situation abgecheckt und genau gewartet, bis Jesus an der richtigen Stelle war. Zu gelegener Zeit hat er Jesus verraten.
Jetzt verstehen wir, wenn hier steht: „Predige das Wort zu gelegener Zeit“, dann sind das genau die Situationen, in denen wir abwarten und schauen, wann der richtige Moment ist. Wann öffnet Gott mir eine Tür, wo es passend ist, jetzt einen Satz zu sagen, einen Traktat herauszuziehen und ihn zu geben oder etwas Ähnliches?
Das ist die gelegene Zeit, wenn ich eine offene Tür habe, weil mich mein Arbeitskollege anspricht, weil sich das Thema zufällig in die richtige Richtung entwickelt oder weil ich eingeladen wurde, auf einer Beerdigung zu predigen. Und es gibt natürlich nichts Natürlicheres, als über den Tod zu predigen. Versteht ihr? Das sind die gelegenen Situationen, in denen man ein bisschen planen, gucken und warten kann, bis sich die perfekte Situation ergibt.
Aber wisst ihr was? Paulus spricht auch von ungelegenen Situationen. Das heißt, ich soll das Wort auch verkündigen, wenn niemand hören will und wenn mir keine Tür geöffnet wird. Wenn das Gespräch stark gegen den Glauben geht, wenn ich plötzlich Dinge sagen muss, die meinen Zuhörern nicht gefallen, oder wenn ich einfach mal aus dem Blauen heraus mit einem Ungläubigen zu tun habe. Wenn ich sehe, dass er sündigt, soll ich ihn aus dem Blauen heraus vor das Gericht Gottes ziehen und sagen: „Oh, mein lieber Freund, dafür wirst du einmal bezahlen.“
Macht das jemand von uns? Ist das unsere Aufgabe? Laut Vers 2 sollen wir überführen, tadeln und ermahnen – ja, auch zu ungelegener Zeit. Das bedeutet nicht, dass wir als Besserwisser auftreten, sondern dass wir die Situation nutzen, um das Wort Gottes zu geben, damit das Gewissen befleckt wird und die Menschen offen werden für das Evangelium.
Ich möchte kurz meine theologische Überzeugung teilen: Ich glaube, dass Gott am Ende jede Tür öffnet – sowohl die gelegenen als auch die ungelegenen. Er bereitet jedes Werk vor, damit ich in ihm wandle. Aber ich glaube auch fest, dass viele von uns, ich ganz oben, oft nur auf die gelegenen Situationen warten und sie vielleicht nutzen. Gleichzeitig verpassen wir aber die vielen ungelegenen Situationen.
Unsere Evangelisation ist deshalb oft schwach und punktuell. Wir führen alle fünf Wochen mal ein Gespräch über den Glauben. Der Samen, den wir ausstreuen, ist sehr dünn, doch heimlich hoffen wir auf Erweckung.
Was bezeugt Paulus vor dem Angesicht Gottes? Beginne, für das Wort einzutreten – in den gelegenen, aber auch in den ungelegenen Situationen. Natürlich mit Feingefühl. Wenn du jemandem jeden Tag ein Traktat in die Hand drückst, verschließt er sich nur gegen dich. Natürlich mit Verstammung und Feingefühl.
Jemand hat das mal ganz gut angewandt: Es hat nichts mit ungelegener Situation zu tun, wenn gerade eine Braut von ihrem Vater zum Traualtar geführt wird und du ihr noch schnell zwischen Kirchentür und Traualtar einen Traktat geben oder sie auf den Glauben ansprechen willst. Das hat damit gar nichts zu tun.
Wir sollen sehr weise und feinfühlig sein und die Dinge gut überlegen. Aber nicht immer nur auf diese scheinbaren, halbwahren „immer offenen Türen“ warten. Ich hoffe, ihr habt nicht missverstanden, was ich meinte. Diese gelegenen Situationen, wie Judas sie genutzt hat bei Jesus, sind die perfekten Situationen.
Aber manchmal wollen wir auch mutig sein und einfach mal aus dem Blauen heraus mit Leuten ins Gespräch kommen.
Wie soll die Verkündigung geschehen? Überführen, Tadeln und Ermahnen
Wie sollen wir laut Paulus mit dem Wort umgehen, wenn wir endlich die Situation ergreifen? Dabei müssen wir Vers 2 im Zusammenhang betrachten. Es geht hier um Menschen, die nicht offen für den Glauben sind. Das ist ganz wichtig. Vers 2 zeigt deutlich, wie man mit Ungläubigen ins Gespräch kommt oder grundsätzlich vorgehen sollte – und zwar mit Weisheit.
Das ist im Grunde eine Abhandlung. Wir lesen Vers 2 im Kontext von Vers 4, wo es um Leute geht, die denken, sie seien gläubig, aber eigentlich gar nicht offen für den wahren Glauben sind. Das passt sehr gut in unsere Zeit, in der wir mit Menschen sprechen, die traditionell aus einem nahen christlichen Hintergrund kommen, glauben, gläubig zu sein, und man sich fragt, wie man sie vom Gegenteil überzeugen kann. Kennst du das? Wie schafft man es, sie vom Gegenteil zu überzeugen?
Was sagt Paulus zu Timotheus? Er sagt, dass du das Wort nutzen musst, wirklich die Bibel, um diese Menschen zu überführen und zu tadeln. Das sind die ersten zwei Punkte. Ich fand es interessant, als ich die Wortbedeutung erforschte: John MacArthur erklärt, dass diese beiden Worte von ihrer Bedeutung her ziemlich ähnlich sind. In diesem Kontext zielt das Wort „überführen“ eher darauf ab, den Verstand der Leute mit biblischen Argumenten zu überzeugen. Wenn jemand eine komplett andere Meinung hat, die nicht biblisch ist, dann geht es beim Überführen darum, mit guten Argumenten das Denken dieser Leute zu beeinflussen. So sollen sie erkennen, dass ihre Sichtweise falsch ist und sie sich auf einem Irrweg befinden – sei es in Fragen der Ehe oder anderer Themen.
Das zweite Wort ist „tadeln“. Hier geht es darum, nach der Überführung den Prozess fortzusetzen, bei dem man das Herz erreicht und die Person sich schließlich besudelt fühlt. Zuerst überzeugst du sie also, dass sie auf dem Holzweg ist. Dann sorgst du dafür, dass sie merkt, dass sie befleckt ist, dass sie gesündigt hat. So läuft dieser Vorgang ab.
Dann kommen die Worte „ermahnen“ und „ermutigen“. Das meint den nächsten Schritt: Nach der Überführung legst du den freundlichen Arm um die Person und hilfst ihr, eine ermutigende Veränderung vorzunehmen. Es geht also auch um den ermutigenden Aspekt, das An-die-Hand-Nehmen und das Führen zum Kreuz.
Soweit erstmal zu diesen drei Begriffen. Im Alltag müssen wir also mit Menschen, die unsere Botschaft nicht hören wollen, beginnen, sie von ihrer Sünde zu überführen. Das ist es, was Paulus hier sagt. Wir müssen ansetzen bei Leuten, die denken, sie seien fromm, und sie von ihrer Sünde überzeugen. Dadurch werden sie sich schuldig fühlen. Sie dürfen nicht links liegen gelassen werden, sondern wir zeigen ihnen liebevoll den Weg zum Kreuz.
Das erfordert Mut. So sollt ihr vorgehen, wenn ihr mit Ungläubigen in Kontakt kommt. Natürlich feinfühlig, ganz klar. Und natürlich ist das hier sehr komprimiert geschrieben. Manchmal dauert das, was in Vers 2 steht, wie wir gleich noch sehen werden, mehrere Monate. Also: Schritt für Schritt.
Was Paulus schreibt, müssen wir gleich am Schluss noch genauer betrachten. Ich wusste schon, dass es heute ein bisschen länger wird, aber ich habe es nicht anders hinbekommen.
Paulus sagt in Vers 3 und Vers 5: Die Leute wollen es nicht hören. Das müssen wir immer im Hinterkopf behalten. Was tun wir dann so oft? Kennst du das? Die Leute wollen es nicht hören, und irgendwann denkt man: Ach, wie traurig, der hat schon alles gehört in seinem Leben. Was wird wohl für ein Gericht auf ihn warten? Und man hört auf, an ihm zu arbeiten. Kennst du das? „Der hat schon alles gehört, seit seiner Jugend, seit seiner Kindheit.“
Was sagt Paulus? Schau in Vers 2 am Schluss: Bleib geduldig dran bei diesen Personen. Überzeuge sie immer weiter von der Schrift. Bleib dran, auch wenn sie nicht hören wollen. Sie werden sich die Ohren zuhalten, sagt er. Aber bleib dran mit Belehrung. Mache die ersten drei Schritte: Überzeuge mit der Schrift, zeige die Befleckung des Gewissens auf und zeige immer wieder den Weg zum Kreuz. Tue das sehr langmütig und geduldig, ohne die Geduld zu verlieren und die Person aufzugeben. Bleib an ihr dran.
Und tue es sehr belehrend – nicht von oben herab, sondern gut fundiert aus der Schrift. Warum? Weil du darauf vertrauen kannst, dass alle Schrift von Gott gegeben ist und dazu da ist, zu überführen (vgl. 2. Timotheus 3,16). So sollen wir evangelisieren: durch Lehren, indem wir verschiedene Themen mit ihnen durchgehen. Und in geduldiger Weise, während sie sich noch die Ohren zuhalten, hoffen, dass der Geist Gottes das Wort nutzt, um sie zu überführen.
Aber das braucht Mut, Freunde. Es erfordert, aus der Komfortzone herauszutreten. Wenn wir im Garten unter dem schönen Sonnenschirm sitzen und den Nachbarn sehen, müssen wir vielleicht ganz bewusst auf ihn zugehen. Es braucht Mut, vor Arbeitskollegen hinauszutreten, sie in die Gemeinde oder in den Hauskreis einzuladen.
Gleichzeitig heißt es in diesem Text: Wir leiden mit. Weil die Leute die Botschaft nicht hören wollen, werden sie über uns spotten. Sie werden uns als Verrückte hinstellen. Aber wir bleiben geduldig. Wir halten den Spott aus, während wir an den Menschen arbeiten.
Wir halten den Spott aus. Vers 5 fordert uns auf, Widrigkeiten zu erdulden. Wir lehren die Leute weiter, auch wenn sie spotten. Wir geben nicht auf, sondern suchen weiter den Kontakt. Und während sie mit Fackeln und Mistgabeln vor unseren Türen stehen, machen wir ihnen auf und bieten ihnen einen Tee an. Wir vertrauen darauf, dass Gott sein Werk tut.
Liebe Gemeinde, Vers 5 am Schluss richtet euren Dienst völlig aus. So ermahnt Paulus heute Timotheus, der bald sterben wird, und muss ihn noch einmal ernstlich ermahnen, sich nicht hinter seiner Menschenfurcht zu verstecken. Auch wir dürfen uns freuen, wenn wir auf Anerkennung vor der Welt verzichten.
Das Opfer, das wir bringen, wenn wir unsere Menschenfurcht ablegen, wird reichlich belohnt. Vers 8 sagt, dass ein gerechter Richter das sehr gut sieht, was wir Gutes bewirkt haben. Er sieht, wie schüchtern du eigentlich bist, und wird dir umso mehr Lohn geben, wenn er sieht, wie du aus deiner Schüchternheit heraustrittst.
Die Kraft des Heiligen Geistes und die Hoffnung auf Veränderung
Wisst ihr, was Jesus gesagt hat? Ihr werdet meine Zeugen sein – wann? Wenn der Heilige Geist Gottes auf euch kommt.
Das war keine Option, sondern eine Feststellung: Du wirst sein Zeuge sein, wenn sein Geist über dich kommt.
Und was tut Paulus mit einem Timotheus, der in seinem Wesen so schwach ist? In Kapitel 1, Verse 6 bis 8 heißt es: „Timotheus, du wirst sein Zeuge sein. Aus diesem Grund erinnere dich daran, deine Gnadengabe Gottes wieder anzufachen, die durch die Auflegung meiner Hände in dir ist.“
Warum? Denn Gott hat dir nicht den Geist der Furchtsamkeit gegeben. In deinem Fleisch hast du Furcht – auch Petrus hatte Furcht, bevor er den Geist Gottes bekommen hat.
Aber wir haben den Geist Gottes, und auch wenn wir uns schwach fühlen, zieht es uns umso mehr hin zum Kreuz, zu Jesus Christus. Diese Erkenntnis: „Herr, du wirst mein Lebenswerk einmal richten, und du siehst, wie schwach ich bin. Du siehst, dass ich mich nicht traue, du siehst, dass ich nicht mitleiden will.“
Doch in Kapitel 1, Vers 7 steht: „Wir haben nicht den Geist der Furchtsamkeit bekommen, sondern der Kraft.“ Das heißt, wir haben Hoffnung.
So kann Gott uns zu mutigen Menschen umgestalten. Er kann es tun. Und es ist gleichzeitig ein Kampf – das sehen wir bei Timotheus über viele, viele Jahre. Das wird deutlich, wenn man den ersten Korintherbrief und den zweiten Timotheusbrief vergleicht.
Es war seine lebenslange Schwäche, aber keine Ausrede.
Ich hoffe, dass wir heute ein Stück weit erkennen können, wie dringend dieser Neujahrsvorsatz ist: Wir wollen Zeugen sein dort, wo uns Christus hingestellt hat.
Vielleicht können wir noch zusammen beten und den Herrn darum bitten. Amen.