
Einführung und Bibeltext
Im Römerbrief sind wir heute Morgen in Kapitel 13 bei den Versen 8 bis 14 angekommen. Hier müsst ihr euch nicht stören, ich glaube, es muss noch einmal irgendwie gebunden werden. Da gab es ein Problem – kein Problem. Wir haben unsere Bibel dabei und lesen aus Römer 13,8-14.
Dort heißt es: Seid niemandem irgendetwas schuldig, außer einander zu lieben. Denn wer den anderen liebt, hat das Gesetz erfüllt. Denn die Gebote „Du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht begehren“ und wenn es ein anderes Gebot gibt, sind in diesem Wort zusammengefasst: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“
Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. Die Erfüllung des Gesetzes ist also die Liebe. Und handelt als solche, die die Zeit erkennen, dass die Stunde schon da ist und sie aus dem Schlaf aufwachen. Denn jetzt ist unsere Rettung näher, als da wir zum Glauben kamen.
Die Nacht ist weit vorgerückt und der Tag ist nahe. Lasst uns nun die Werke der Finsternis ablegen und die Waffen des Lichts anziehen. Lasst uns anständig wandeln wie am Tag – nicht in Schwelgereien und Trinkgelagen, nicht in Unzucht und Ausschweifungen, nicht in Streit und Eifersucht.
Sondern zieht den Herrn Jesus Christus an und treibt nicht Vorsorge für das Fleisch, damit Begierden wach werden.
Die Motivation eines anderen Lebensstils
Also, das ist der Text für uns heute Morgen zum Römerbrief. Wir müssen uns vielleicht zunächst daran erinnern, denn es ist schon eine Weile her, seit wir das letzte Mal im Römerbrief unterwegs waren. Paulus sagt in Römer 12, dass Christen anders denken können. Sie können anders denken und auch anders leben.
Jetzt müssen wir mal schauen, ob wir den Text hier haben. Egal, er kommt gleich. Christen können anders leben als Menschen, die Jesus nicht kennen. Deshalb sollten sie das auch tun. Christen leben anders als Nichtchristen, weil sie einen anderen Lebensstil haben. Das liegt daran, dass sie ein anderes Lebensziel verfolgen.
Dieses andere Lebensziel wird von einer besonderen Motivation bestimmt: Ich will zu Gottes Ehre leben. Wenn diese Motivation fehlt, dann lassen wir es einfach bleiben. Jesus selbst hat einmal gesagt: Die Menschen sollen eure guten Werke sehen und dadurch euren Vater im Himmel preisen.
Das heißt also: Wenn dein Nachbar sieht, wie du lebst, soll er nicht von dir begeistert sein, sondern von deinem Gott. Der Nachbar auf deiner rechten Seite soll deinem Nachbarn auf der linken Seite nicht mehr aufhören, davon zu erzählen, was dein Gott in deinem Leben tut.
Und du selbst sollst von der Sehnsucht gepackt sein, dass Gott sich wirklich über dein Leben freuen kann. Das muss die Motivation sein, einen anderen Lebensstil zu leben – einen Lebensstil, den man sieht.
Die Liebe als zentrales Kennzeichen
Ein sehr markantes Kennzeichen dieses neuen Lebensstils oder Seins, den wir im Text gelesen haben, ist die Liebe. Davon schreibt Paulus hier im Römerbrief, Kapitel 13: „Seid niemand etwas schuldig, außer dass ihr einander liebt.“ Das bedeutet, es ist eine Bringschuld. Es ist nicht etwas, worauf ich warten darf, sondern etwas, das ich dem anderen bringen soll. Dem Herrn Jesus ist es sehr wichtig, dass ich diese Liebe in meinem Leben lebe.
Deshalb habe ich die Verse 8 bis 10 mit dem Satz überschrieben: „Gott freut sich über dich, wenn du seine Liebe lebst.“ Gott freut sich über dich, wenn du seine Liebe lebst.
Es sind die letzten Stunden, die Jesus hier auf dieser Erde verbringt. Wir hören ihm zu im Johannes-Evangelium, Kapitel 13. Dort sagt er: „Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebt, damit, wie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebt. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“
Diese Worte haben ihn bewegt. Sie sind sehr herausfordernd: Liebt einander! Der Maßstab ist, wie ich euch geliebt habe. Das heißt, die Liebe des Herrn Jesus ist das Vorbild dafür, wie ich andere lieben darf und in der Kraft des Heiligen Geistes auch lieben kann.
Persönliche Reflexion und Herausforderung
Wie geht es mir, wenn ich solche Texte höre? Der Text ist ja sehr eng mit unserem heutigen Text aus dem Römerbrief verbunden. Vielleicht denke ich: Genau das sollte die EFA sich mal zu Herzen nehmen. EFA heißt ja „Evangelium für alle“. Das können sie predigen: Evangelium für alle, ja, ja. Aber es heißt nicht „liebt alle“. Das leben sie nämlich nicht.
So kann ich den Text hören: Schade, ich komme in meinem persönlichen Leben nicht weiter. Das ist eine Art und Weise, den Text zu hören. Vielleicht gibt es ja genug Gründe, wo du sagst: Genau deshalb habe ich Recht mit meiner Einstellung.
Aber man kann den Vers auch anders hören, den Jesus in seinen letzten Stunden gesagt hat. Ich kann mich fragen: Wie kann ich diese Liebe leben? Wie kann ich diese Liebe umsetzen in meinem Alltag?
Ich kann sagen: Herr, wenn das deine Sehnsucht ist, dass ich diese Liebe lebe, dann soll das auch meine Sehnsucht sein. Egal, was die anderen machen, die interessieren mich doch zunächst mal gar nicht. Es geht um mich, Herr. Ich will für dich diese Liebe leben.
Und wenn das unsere Sehnsucht wird: Herr, ich will, dass du mein Leben gebrauchen willst, damit diese Liebe sichtbar wird, dann sind wir wieder zurück hier in Römer 13.
Die Liebe als Erfüllung des Gesetzes
In Römer 13 wird die Liebe sehr konkret beschrieben. Paulus greift dabei auf die zehn Gebote, den Dekalog, die zehn Worte zurück und macht deutlich: Hinter diesen Geboten steht die Liebe. Das ist das, was Gott wichtig war, als er diese Gebote seinem Volk gab.
Wenn ich jemanden liebe, werde ich nicht in seine Ehe eingreifen. Das ist der Gedanke hinter diesem Gebot. Ich werde vorsichtig mit meinen Worten umgehen, um ihn nicht zu verletzen. Außerdem werde ich ihm seine Zeit nicht stehlen – etwas, das heute oft vorkommt.
Ich werde auch nicht neidisch auf ihn sein und mir wünschen: „Mann, ich möchte genauso attraktiv sein wie er“ oder „Ich möchte so begabt und erfolgreich sein wie er.“ Liebe zeigt sich darin, dass ich dem anderen von Herzen gönne, mehr zu haben als ich und in manchen Bereichen sogar besser zu sein als ich.
Liebe hat das Beste für den anderen im Blick – nicht für mich selbst. Jesus hat vorgelebt, was es bedeutet, sein Leben hinzugeben und sich nicht selbst zum Mittelpunkt der eigenen kleinen Welt zu machen.
Jesus möchte, dass ich heute Morgen von diesem Gedanken gepackt werde: „Ich will so leben wie du, ich will so lieben wie du.“
Die Grenzen eigener Kraft und die innere Haltung
Aber wenn wir ernsthaft beginnen, diese Liebe zu leben, dann werden wir sehr schnell merken, dass wir das aus eigener Kraft nicht schaffen.
Dann werde ich mit der Tatsache konfrontiert, die wir indirekt in Vers 9 lesen: „Ich liebe zunächst einmal mich selbst.“ Das Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ setzt voraus, dass ich mich selbst liebe. Das ist ganz tief in meinem – ich unterstreiche das für mich persönlich – Betriebssystem verankert.
Wenn es beim Aldi nur noch ganz wenige dieser genialen Kinderhosen gibt, die woanders viel teurer sind, und ich habe sie in der Hand, dann ist es nicht in meinem Betriebssystem, der Frau neben mir zu sagen: „Ach, ich habe gesehen, Sie waren jetzt so langsam, darf ich Ihnen diese Kinderhose anbieten?“
In meinem Betriebssystem ist eher drin: „Tja, wer zu langsam ist, dem bestraft das Leben.“ Aber die Frage ist: Ist das die Liebe, von der Paulus hier in Römer 13 redet?
Interessant ist, dass Paulus in diesen Versen nicht sagt: „So kannst du Gottes Liebe leben“, sondern er setzt hier mehr auf Vermeidung. Er geht hier mehr mit dem „Du sollst nicht“ um. Und das hat er sehr bewusst gewählt, das merkt man am Abschluss. Denn auch dort steht nicht: „Tu demnächst Gutes“, sondern dort steht: „Tu demnächst nichts Böses.“ Also auch hier geht es um Vermeidung.
Das ist schon mal ein ganz wichtiger Schritt, wenn ich Gottes Liebe leben will: demnächst nichts Böses zu tun.
Mir sagte das letztens ein Pastor so im Vertrauen: Er sagt, bei Donald Duck gibt es ja manchmal solche Denkblasen. Und wenn ihm jemand etwas Böses getan hat, dann siehst du da, so wie auf der Piratenflagge, eine Bombe, eine Explosion und so weiter.
Er sagt: So geht es mir manchmal, wenn die Leute mich ärgern. Ich kann das nachvollziehen. Ich habe im neuen Gemeindebrief oder so eine Situation beschrieben, wo ich gemerkt habe: „Hey, das ist nicht die Liebe, die ich normalerweise hier lebe, sondern da kommt etwas ganz anderes aus meinem Herzen heraus.“
Aber das Gute ist: Ich muss bei diesen Defiziten nicht stehenbleiben. Auch Paulus in Römer 13 hat nicht das Ziel, mich in irgendeiner Weise fertigzumachen. Gott will mir die Kraft schenken, dass ich seine Liebe leben kann.
Das ist viel mehr als nur das äußere Einhalten von Geboten.
Die innere Haltung als entscheidender Faktor
Wenn man diese Zeilen so liest, könnte man meinen: Okay, Mutter Teresa hat alles richtig gemacht, oder? Sie hat das Gesetz gelebt und erfüllt, alles klar. Doch dann reiße ich die Sätze aus dem gesamtbiblischen Kontext.
Denn auch dieser Text steht auf dem Fundament der Bergpredigt. Dort macht der Herr Jesus zum Beispiel deutlich, was Ehebruch wirklich bedeutet. Sobald ich jemanden begehrlich ansehe, habe ich die Ehe bereits gebrochen. Ebenso erklärt er, was Töten bedeutet, und viele andere Dinge. Es geht darum, dass es mein Inneres betrifft und nicht nur das äußere Halten.
Paulus sagt im Korintherbrief einmal: Du kannst dich sogar verbrennen lassen, aber wenn du das nicht aus Liebe zu Jesus tust, dann nützt es dir nichts – vergiss es. Es geht also nicht nur um das Äußere, sondern auch um die innere Haltung. Darauf kommt es Gott an. Das ist viel wichtiger: meine innere Einstellung als das, was ich äußerlich tue.
Die Frage muss sein: Warum will ich diese Liebe leben, von der Paulus in Römer 13 spricht? Nicht weil ich nach dem Motto lebe: „Tue Gutes und rede darüber“, sondern weil es meine Sehnsucht ist, dass Jesus selbst in meinem Leben durch diese Liebe sichtbar wird. Dass Gott sich über mein Leben freuen kann.
Und ich weiß, ich kann das nicht aus eigener Kraft. Aber das Faszinierende ist, dass der Herr Jesus es durch mich leben will.
Die Kraftquelle für das Leben in Liebe
Und die Frage ist: Wie geht das? Steht er einfach nur da und sagt: Tu nichts Böses? Wie ist das möglich, wenn man mich zum Beispiel ständig böse behandelt?
Interessant ist, wenn ihr diesen Text noch einmal durchlest, dass der Herr Jesus hier eine ganze Kategorie von Geboten ausgelassen hat. Diese kommen überhaupt nicht vor. Was er hier beschreibt, sind Gebote, die mit dem Nächsten zu tun haben – aber nicht Gebote, die mit Gott zu tun haben und zunächst einmal mein Verhältnis zu Gott beschreiben.
Ich bin der Herr, dein Gott, und deshalb muss ich nicht selbst Gott sein. Das ist die Freiheit, in die er mich hineinstellt. Und das ist die Kraftquelle, um anders leben zu können. Ich kann Gottes Liebe leben, weil er mir die Kraft dazu schenkt. Er hat mich geliebt und seinen Sohn für mich gegeben.
Wenn ich nicht von dieser Hingabe, die er mir deutlich gezeigt hat, hin und weg bin, dann kann ich seine Liebe nicht leben. Ich kann den anderen nicht lieben, indem ich mich zusammenreiße und sage: „Das werde ich jetzt irgendwie schaffen, indem ich überlege, was ich ihm jetzt Gutes tun kann.“
Wenn ich den anderen lieben will, muss ich mich zunächst einmal damit beschäftigen, wie sehr Gott mich geliebt hat, wie sehr ich von Gott selbst geliebt bin. Das kann ich zum Beispiel machen, indem ich entsprechende Bibelverse lese, zum Beispiel Galater 2,20. Dort sagt Paulus: „Ich lebe im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat.“
Das hat ihn beeindruckt und deswegen motiviert. Oder 2. Korinther 5,14: „Die Liebe des Herrn Jesus drängt mich“, sagt Paulus. Nicht mehr für mich selbst zu leben. Erst einmal das Überzeugtsein, dass der Herr mich liebt, und deshalb muss ich nicht mehr für mich selbst leben.
Oder 1. Johannes 4,19: „Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat.“ Hier ist Gott gemeint. Seine Liebe kommt zuerst, und dann kann ich das in meinem Alltag umsetzen.
Super wäre es, wenn ich solche Bibelstellen auch noch auswendig lerne, um mir das immer wieder deutlich zu machen: Ich bin ein Geliebter, Gott hat mich von ganzem Herzen lieb. Das wird meine Begeisterung über diese Liebe fördern. Und das wird es auch möglich machen, dass ich es in meinem Alltag lebe.
Ich stehe dann da und sage: Herr, warum hast du mich geliebt? Ich weiß es nicht, es ist unglaublich, aber ich darf das glauben und ich halte daran fest. Und dann ist es mein Wunsch, dass ich sage: Herr, ich will, dass du dich über mein Leben freust. Ich will mich von dir gebrauchen lassen, damit das sichtbar wird in meinem Alltag.
Liebe zeigt sich auch in Korrektur
Und weil du mich liebst, muss ich dem anderen nichts Böses tun. Nicht nur das, ich darf ihm sogar Gutes tun. Gutes tun heißt, diese Liebe zu leben.
Übrigens kann Gottes Liebe zu leben auch bedeuten, den anderen zu korrigieren. Das macht mir keinen Spaß, aber es zeigt deutlich: Du bedeutest mir etwas. Wenn mir der andere nichts bedeutet, sage ich: „Ist doch egal, soll er doch machen, was er will.“
Wenn er mir aber etwas bedeutet, sage ich: „Hey, das ist falsch, was du tust. Du gehst von Jesus weg.“ Das ist auch ein Ausdruck von Liebe. Liebe heißt nicht nur, den anderen zu streicheln, sondern ihm auch zu sagen: „Hey, du verträumst dein Leben.“
Die Dringlichkeit des Erwachens
Und dann kommt Paulus zum nächsten Gedanken. Ich habe die nächsten Sätze ab Vers elf überschrieben mit: Gott freut sich über dich, wenn du auf Jesus wartest. Grunde genommen ist das so. Alle sind wach, das ist wie ein Wecker – der Vers elf hier.
Wenn er hier sagt: „Und dies tut als solche, die die Zeit erkennen, dass die Stunde schon da ist“, dann meint er, dass sie aus dem Schlaf aufwachen. Nicht nur am Sonntagmorgen im Gottesdienst, sondern in eurem Alltag. „Begreift“, sagt er, nachdem er deutlich gemacht hat, was es heißt, aus der Liebe zu leben und dass die Stunde geschlagen hat.
Hör auf, länger im Sessel zu sitzen und groß darüber zu diskutieren, was du meinst. Soll man es darauf ankommen lassen, dass Gottes Liebe in meinem Leben sichtbar wird oder nicht? Dass er Ehre bekommt? Paulus macht deutlich – und das haben wir auch im Vorprogramm gehört –, dieser Lebensstil der Liebe wird uns etwas kosten.
Jesus hat gesagt: „Wenn du das Leben willst“, auch was hier in Römer 13 steht, „dann verleugne dich selbst und nimm dein Kreuz auf dich und folge mir nach.“ Ich habe die Tage von D. A. Carson einen Kommentar über diesen Vers gelesen und fand es sehr gut, was er dazu sagt. Er meint, Jesus will sagen, dass seine Nachfolger der Selbstsucht absterben, sich dem Glanz und dem Reiz der Welt gegenüber für tot erklären und bereit sein müssen, auch demütigste Leiden auf sich zu nehmen.
Das ist leicht geschrieben. Das haben wir nicht gleich gelebt. Und Paulus sagt: „Ey, wach auf aus deinem Traum!“ Denn das passt gar nicht in unsere Vorstellung vom Christsein. Wir denken, wenn ich Christ bin, dann geht es mir doch immer gut.
Ich habe neulich ein Lied in einer Gruppe gesungen. Da hieß es: „Jesus, du Glücklichmacher, du Heimatgeber, du, du, du…“ Ich bin dann zu einem Verantwortlichen hingegangen und habe gesagt: „Dieses Lied halte ich für theologisch zumindest für sehr, sehr grenzwertig.“ Denn Jesus ist nicht mein Dienstleister. Es geht in meinem Leben um seine Ehre.
Wir denken oft: Wenn ich Christ bin, dann geht es mir doch gut. Gott kümmert sich um mich, er sorgt dafür, dass ich möglichst luftgefedert durch mein Leben komme. Aber selbst wenn wir in diesen Wellness-Dingen denken, im Wellness-Christentum, dann kommt das in der Bibel nicht vor.
Ich glaube, es ist wichtig, das zu begreifen, was Paulus uns heute Morgen hier sagen will. Er sagt, unsere Rettung ist näher als zu dem Zeitpunkt, als wir zum Glauben kamen. Und Rettung heißt in diesem Zusammenhang in Römer 13 die Wiederkunft des Herrn.
Das kann man mit Hebräer 9,28 belegen. Dort heißt es: Jesus wird zum zweiten Mal erscheinen denen zum Heil oder zur Rettung, die ihn erwarten.
Die Erwartung der Wiederkunft Jesu
Das bedeutet, mein Leben läuft auf einen ganz bestimmten Augenblick zu. Vielleicht habt ihr auch einen Terminplaner, in dem ihr vorne die Daten eingetragen habt, an denen ihr wisst: „Okay, dann und dann muss ich etwas tun.“ Wenn man ein bisschen weiterblättert, gibt es oft noch eine To-do-Liste. Diese kann man noch nicht genau terminieren, aber man weiß, dass man die Aufgaben erledigen muss.
Du kannst dir die Begegnung mit Jesus schon fest in deinen Terminplaner eintragen. Ganz sicher wird sie sein. Manchmal leben wir so, als ob wir denken: „Vielleicht irgendwann wird es mal sein.“ Dabei kann es ganz schnell gehen. Trag es ein, damit du es nicht vergisst. Paulus will deutlich machen, dass du es nicht vergisst: Ich werde diesem Herrn begegnen.
Mein Leben läuft auf diesen einen Punkt zu, auf den es schlussendlich ankommen wird. Paulus sagt hier: Der Tag ist nahe. Der Tag, an dem mein Leben von Jesus beurteilt wird. Es ist gut, heute über diesen Tag nachzudenken. Überlege, wie Herr Jesus wohl die Dinge beurteilen wird, für die ich meine Zeit eingesetzt habe.
Wird er vielleicht sagen: „Ja, Mensch, das finde ich schön. Du hast wirklich dein Leben für die Dinge eingesetzt, die mir wichtig sind.“ Oder muss Jesus zu mir sagen: „Sorry, du hast viel erreicht in dieser Welt, die Leute haben dich bewundert, du hast viel Geld verdient, die Leute waren wirklich begeistert von dir, aber für mich hat dein Leben gar nichts gebracht.“ Diesen Moment wird es geben. Den kannst du dir eintragen. Von diesem Tag redet Paulus hier in Römer 13.
Vielleicht sagt der Herr zu mir: „Hey, du hast im Gottesdienst gesungen, ein Leben gegeben für den Herrn der Welt. Hundertmal hast du es gesungen, und doch hast du dein Leben für dich selbst behalten. Du bist deinen eigenen Zielen hinterhergelaufen.“
Geht es dir mit dem Gedanken so, dass meine Rettung, also die Wiederkunft des Herrn, nahe ist? Ich werde vor ihm stehen. Das ist der finale Punkt, auf den mein Leben zuläuft. Ich glaube, wenn wir einmal vor Jesus stehen, wird es nicht wirklich überraschend sein, wie er unser Leben beurteilt.
Ich weiß nicht, wie es euch als Schüler geht. In Mathe wusste ich schon immer ungefähr, in welchem Bereich meine Note lag. Die war nicht überraschend. Wenn es eine Vier war, dann war das noch überraschend. Es gab manche Arbeiten, bei denen ich wusste, dass es garantiert keine Vier wird. Das hatte ich irgendwie so im Blut, wenn ich die Arbeit geschrieben hatte.
Manchmal tun wir so, als ob wir sagen: „Na ja, ich werde dann schon sehen, was Jesus sagt.“ Aber du weißt ganz genau, in welchem Bereich er dein Leben beurteilen wird. Es ist ziemlich dumm zu denken, Gott sagt in seinem Wort: „Irre dich nicht, wer sparsam sät, wird sparsam ernten.“ Und du denkst: „Na ja, da steht es zwar, aber bei mir wird es wahrscheinlich anders sein.“
Johannes sagt es in 1. Johannes 2,28: „Kinder, bleibt in ihm, damit wir, wenn er offenbar werden wird, Freimütigkeit haben und nicht beschämt werden bei seiner Ankunft.“ Sei vorbereitet auf diesen Termin am Ende deines Lebens, bei dem du Jesus freudig entgegengehen kannst.
Lass dich nicht von den Versprechungen dieser Welt ködern. Verschwende dein Leben nicht für Ziele, die in der Ewigkeit keinen Wert haben.
Wir waren auf der JFB, da hatten wir einen Referenten, der sehr direkt war. Er sprach mit jemand anderem, der sagte: „Ich habe nicht viel Zeit für Gemeindearbeit, ich habe nicht viel Zeit, mich für Gemeinde Jesu einzusetzen.“ Darauf antwortete er sehr persönlich: „Du bist selbst schuld. Du wolltest immer höher, höher, höher auf der Karriereleiter, und jetzt stehst du da und hast keine Zeit mehr.“
Ich sage dir: Wenn du dann bei deinem tollen Haus am Rasen entlangläufst mit deinem Rasenmäher, dann sag immer: „Du, ich Depp, ich Depp, ich Depp, ich Depp, ich Depp.“ Weil du dein Leben für Ziele eingesetzt hast, die für Gott überhaupt nicht wichtig sind. Sehr herausfordernd, oder?
Paulus schüttelt mich aber auch in diesem Text und sagt: „Mensch, werd wach!“ Das sagt er wörtlich: „Mach die Augen auf!“
Die Gefahr der Hypnose durch Wohlstand und gesellschaftlichen Druck
Ich fand es interessant, als ich diesen Text in der Sprache nachgelesen habe, in der Paulus ihn schrieb. „Schlaf“ heißt ja „Hypno“. Ich will da nicht zu viel hineininterpretieren, aber manchmal habe ich das Gefühl, dass wir in Westeuropa so etwas wie hypnotisiert sind von den vielen Möglichkeiten, die wir haben. Wir schlafen sozusagen, weil wir Erfolg haben, Geld besitzen, attraktiv sind und Bequemlichkeit genießen. Das nimmt mein Denken so gefangen, dass ich nicht mehr begreife, welche Stunde geschlagen hat.
Ich selbst gehöre nicht zu der Fraktion der Endzeitpropheten, die immer ganz genau wissen, welches tagespolitische Ereignis jetzt irgendwie in Gottes Heilsplan einzuordnen ist. Aber ich nehme wahr, dass viele Gemeinden dem Denken dieser Zeit auf der einen Seite hinterherlaufen, während andere mehr und mehr unter Druck geraten, weil sie das nicht tun.
In den letzten Wochen ging es mir so, dass ich dachte: Wow, das ist aber wieder richtig konzentriert. Da wird ein Pfarrer zu einer Pfarrerin nach dem Motto „Wie fortschrittlich die Kirche doch ist“ eingeladen. Auf dem Kirchentag in Hamburg, der Anfang Mai zu Ende ging, wurde ein führendes Mitglied der Grünen eingeladen, um die Interessen Homosexueller zu vertreten. Dieses Bundestagsmitglied arbeitet derzeit an einem Gesetzesentwurf, der therapeutische Hilfe für homosexuelle Jugendliche, die sich verändern wollen, unter Strafe stellen soll. Das will man durchsetzen.
Eine jüdisch-messianische Gemeinde, die ebenfalls auf diesem Kirchentag teilnehmen wollte, wurde jedoch ausgeladen. Begründet wurde das damit, dass sie nicht dialogfähig sei, weil sie möchte, dass Menschen Jesus kennenlernen. Das sei nicht dialogfähig.
Ich akzeptiere nicht einfach, was man mir diktiert. Ich habe einen Beitrag des Norddeutschen Rundfunks gesehen, der mich wirklich aufgeregt hat. Dort hieß es, es sei in Freikirchen üblich, dass vor allem nicht akademische Eltern ihre Kinder schlagen würden. Schade für euch, wenn ihr nicht studiert habt. 60 Prozent der Kinder in Freikirchen hätten keine Lebensfreude. Also muss man schon mal durchzählen: eins, zwei, drei, vier – das sind schon ganz traurige Gesellen mit Suizidgedanken. Aber wir müssen weiter schauen: 60 Prozent, das ist eine große Zahl.
Als Argument wurde dann ein Buch genannt: „Eltern Hirten der Herzen“, das auf den jugendgefährdenden Index gesetzt wurde. Ab Ende April darf es, sorry, nicht mehr an Kinder weitergegeben werden. Das Buch von John MacArthur „Wir wollen es besser machen“ wurde in diesem Filmbeitrag ebenfalls sehr kritisch gesehen, hat es aber noch nicht ganz auf den Index geschafft.
Wenn man das innerhalb von ein paar Tagen mitbekommt, merkt man, dass das eine gezielte Kampagne ist. Das wird nicht abebben, das kommt erst richtig in Schwung.
Ich persönlich lese keine Romane, aber ich sprach kürzlich mit einer Person, die immer wieder Bestsellerromane liest. Diese Person sagte mir, ihr fällt auf, dass neben den zunehmenden pornografischen Beschreibungen in diesen Büchern immer mehr Christen in den Handlungen vorkommen – und zwar sehr schräge Christen. Auch biblische Werte werden immer mehr ins Lächerliche gezogen. Das scheint System zu haben.
Wenn man das zum ersten Mal liest, denkt man: Was ist das für eine komische Aussage? Aber wenn man es zum zehnten Mal liest – und normalerweise kennt man ja auch gar keinen Christen, wenn man irgendwo arbeitet und Jesus nicht kennt – dann denkt man: Ah ja, so sind die Christen wahrscheinlich, ein bisschen schräge, durchgeknallte Chaoten. So werden sie dargestellt.
Das ist etwas, was auf breiter Front läuft. Paulus sagt hier: Hey, wach auf aus deinem Traum! Hör auf zu denken, dass alles so weiterlaufen wird wie bisher.
Was auch verloren geht, ist, dass christliche Schulen sehr stark unter die Lupe genommen werden. Da erdreisten sich christliche Lehrer doch tatsächlich, die Schöpfung als glaubwürdiges Modell neben der Evolution zu lehren. Ich habe kürzlich von einer Lehrerin gehört, dass sie sagte: Wenn jemand mit dieser Frage kommt, haben wir die klare Anweisung, nur noch an die Schulleitung zu verweisen, weil man hier massiv Druck ausübt.
Dann kommen zwei Schlagworte, die ich kaum noch hören kann, fast immer vor. Das erste heißt „wissenschaftsfeindlich“ – das sei wissenschaftsfeindlich. Was denn großartig bewiesen sei, wird nicht gesagt. Das zweite ist noch besser: „rückwärtsgewandt“. Leute, die an biblischen Werten festhalten, seien rückwärtsgewandt. Das sind typische Totschlagargumente, die überhaupt nicht zur Sache beitragen. Das ist keine sachliche Diskussion mehr.
Paulus sagt: Erkennt die Stunde! Wacht auf aus dem Schlaf. Man könnte hinzufügen: Verabschiedet euch von dem Gedanken, dass ihr als Christen weiterhin gerecht behandelt und ernst genommen werdet. Freundet euch damit an, dass es in unserem Land schwerer werden wird, Jesus nachzufolgen und seinen Weg zu gehen. Ich glaube, das ist das, was sich eindeutig abzeichnet.
Umgang mit Herausforderungen und der Blick auf die Erlösung
Also, was sollen wir tun? Den Kopf in den Sand stecken und sagen: „Ah, dann will ich da nicht mehr hin, ich lese keine Zeitung mehr, ich kappe mein Internet, dann lebe ich besser“? Vielleicht ja, aber den Kopf in den Sand zu stecken bringt mich nicht wirklich weiter.
Vor allem sagt der Herr Jesus: Heb dein Haupt auf und wisse, dass sich deine Erlösung naht. Freu dich auf deinen wiederkommenden Herrn und bereite dich auf den größten Augenblick deines Lebens vor. Du wirst vor Jesus stehen. Wie kann ich mich darauf vorbereiten? Das ist der Gedanke, den Paulus in Vers zwölf aufnimmt. Da wird er sehr konkret. Er sagt: Lege die Werke der Finsternis ab.
Dann zählt er in Vers dreizehn auf: Schwälgerei, Trinkelage, Unzucht, Ausschweifung, Streit, Eifersucht. Vergiss nicht, Paulus schreibt dir als Christen. Wie würdest du denn damit umgehen, wenn jemand zu dir sagt: „Ey, leg mal deine Schwälgerei ab, leg mal deine Unzucht ab, leg mal deine Trinkelage ab!“ Das ist ja heftig. Was denkst du denn von mir?
Paulus kannte das menschliche Herz. Er schreibt an Christen, die in der Sünde zu Hause waren. Und vielleicht spricht Paulus heute Morgen auch dich an. Dann überhöre Gottes Weckruf nicht. Hör ganz genau hin. Versteck dein Alkoholproblem nicht länger. Jesus kennt es sowieso und er will dir helfen, frei zu werden. Oder hör auf, dich weiter mit pornografischen Gedanken zu füttern, ihnen nachzuträumen und sie zu stimulieren. Das sind Werke der Finsternis!
Das ist wie meine Jacke, die ich hier anhabe. Paulus sagt: Zieh diese Jacke aus, zieh die Werke der Finsternis aus! Das Gleiche gilt auch für einen ausschweifenden Lebensstil. Ich gönne mir jeden Luxus, aber für Gottes Sache habe ich weder Zeit noch Geld – und sorry, schon gar keine Kraft, weil ich ja woanders eingespannt bin.
Wenn Leute bei einer Olympiade auf dem Siegertreppchen stehen, dann haben sie ihr ganzes Leben bis dahin diesem Sport geopfert. Sie haben auf ganz vieles verzichtet, sonst wären sie nicht unter den ersten drei. Und wir als Christen denken, Jesus nachzufolgen, na ja, das geht auch ohne Einsatz, das geht auch ohne Opfer. Wenn wir das denken, dann kennen wir die Bibel nicht.
Jesus hat immer wieder betont: Es wird dich etwas kosten, mir nachzufolgen. Ohne Opfer wird es nicht gehen. Ich erzähle noch mal eine Sache von der Jugendferienbibelschule, auf der ich war, von dem besagten Referenten. Er brachte einen sehr interessanten Gedanken. Er hat gesagt: Wenn du bereit bist, Jesus dein ganzes Leben zu opfern – deine Zeit, dein Geld, deinen Einsatz –, nicht nur „Okay, ich gebe mal was“, sondern wenn es wirklich ein Opfer für dich ist, wird es dich auch auf dem Weg mit ihm bewahren.
Denn du weißt, es war bisher sehr teuer, diesen Weg mit Jesus bis hierhin zu gehen. Es hat mich alles gekostet. Es hat mich vielleicht Beziehungen gekostet, es hat mich viel Geld gekostet, es hat mir viel Einsatz gekostet. Und ich will diesen Weg weitergehen. Ich bin gespannt.
Er hat mir ein Buch gegeben, das heißt Radical auf Englisch, und er sagt, dieses Buch hat sehr viel in meinem Leben verändert. Mal sehen, was es bei mir verändert.
Aber ich glaube, wir sind echte Tagträumer, wenn wir meinen, Jesus nachzufolgen heißt, am Sonntagmorgen im Gottesdienst zu sitzen, und das reicht. Es ist doch komisch: Wenn wir beruflich weiterkommen wollen, dann wissen wir, wir müssen dazulernen. Dann wissen wir, wir müssen Zeit investieren, wir müssen unser Herz da reinlegen, um weiterzukommen.
Aber für Gott reicht ein Leben mit angezogener Handbremse völlig aus. Und vielleicht haben wir so eine laxe Haltung zu Streit und Eifersucht, was Paulus hier sagt, und wir merken gar nicht, dass diese Dinge uns auf dem Weg der Nachfolge blockieren. Das sind Werke der Finsternis. Und du brauchst gar nicht darüber nachzudenken, wie du Gottes Liebe lebst, wenn diese Werke der Finsternis deine Jacke sind, mit der du einfach herumläufst, von der Paulus sagt, du sollst sie ausziehen.
Das biblische Grundgesetz heißt: Wer der Begierde eines sündigen Charakters folgt, der Begierde seiner Augen, dem Hochmut seines Lebens, sagt Johannes, der kann die Liebe des Vaters nicht leben. Das ist ausgeschlossen, das beißt sich. Mach dir nichts vor. Du kannst nur auf der einen Seite diesen Dingen folgen oder auf der anderen Seite sagen: Ich will in der Liebe des Herrn stehen.
Der Weg zur Liebe und das Anziehen der Waffen des Lichts
Die Frage ist natürlich, wie ich die Liebe des Vaters in mein Leben hineinbekomme, von der Paulus in unserem Abschnitt spricht. Eines war klar: Er hat gesagt, du sollst die Werke der Finsternis ablegen. Zum Beispiel, indem du sagst: „Ich will der Eifersucht keinen Nährboden in meinem Leben geben.“ Natürlich kommen diese Gefühle hoch, aber ich sage zu Jesus: Danke, du bist dafür gestorben. Danke, ich will diesen Weg nicht mehr weitergehen – und ich muss es auch nicht mehr.
Du sagst, das ist anstrengend, das ist Kampf? Natürlich! Was hast du denn gedacht? Auf dem Weg mit Jesus ist es Kampf. Aber es ist kein Kampf, bei dem ich auf einen Sieg hin kämpfe. Vielmehr komme ich vom Sieg her. Ich weiß, er hat gesiegt, und deswegen nehme ich das in meinem Leben in Anspruch.
Paulus sagt: Zieh die Waffen des Lichts an. Das ist ein Gedanke, der parallel zu Vers 14 steht, wo er sagt: Zieh den Herrn Jesus an. Das hat mich gefreut, als ich das gelesen habe. „Zieh den Herrn Jesus an“ ist quasi wie eine zweite Jacke, die du anziehst. Da steht nämlich nicht: „Näh dir jetzt erst mal eine Jacke“, denn dann würde ich ziemlich dumm dabei aussehen – da würde keiner rauskommen. Die Jacke ist da, und ich kann diese Jacke anziehen und mit ihr herumlaufen. Denn die Jacke des Herrn Jesus ist da.
Er will durch mich leben und wartet darauf, dass ich ihn machen lasse, dass er mir seine Kraft schenken kann. Geht das? Zum Beispiel so: Herr Jesus, ich kann jetzt gar nicht damit umgehen, dass diese Frau so beliebt ist oder dass sie einen so tollen Mann hat und ich nicht. Aber danke, dass du mir die Kraft schenkst, es ihr von Herzen zu gönnen und nicht meinen Gefühlen hinterherzulaufen.
Musst du überhaupt gar nicht. Du läufst deinen Gefühlen auch nicht hinterher, wenn du morgens aufwachst und weißt: In zwei Stunden muss ich bei der Arbeit sein. Du sagst: Ich habe absolut keinen Bock, stehst aber trotzdem auf. Deshalb ist es auch hier wichtig, dass ich sage: Herr, ich will deinen Weg gehen und ich will mit deiner Kraft rechnen.
Natürlich ist es ein Kampf, und in der Regel verändert sich mein Denken nicht so schnell. Das ist auch ein Prozess. Aber ich weiß, dass Gott sich darüber freut, wenn ich anders handle, wenn ich mich darüber freuen darf, dass er jetzt mein Leben verändert.
Ihr wisst das aus eurem Alltag mit den Jacken: Es ist ein ständiges Wechseln der Kleidung. Aber der Herr Jesus möchte, dass ich immer mehr und länger mit dieser weißen Jacke herumlaufe. Wenn ich nicht daran denke oder andere Dinge da sind, kann es manchmal sein, dass ich wieder in die Werke der Finsternis hineinkomme. Aber es ist ein Prozess.
Ich komme immer mehr da heraus, und der Herr Jesus wird in meinem Leben immer sichtbarer. Wo er Veränderung schenkt, darüber kann ich mich freuen.
Der Prozess der Heiligung und Ermutigung zum Durchhalten
Aber vielleicht noch eine Sache: Wenn du da sitzt und denkst, hey, da sollte sich so viel in meinem Leben verändern. Vielleicht noch einmal ein Zitat aus dem Unterricht – also für die jungen Leute: Die JFB gibt es noch im Herbst, ja, also könnt ihr auf jeden Fall kommen.
Jemand sagte auf der JFB als Referent: „Weißt du, ich komme aus einer völlig chaotischen Familie, hatte keine Ahnung vom Evangelium. Und es gibt manche Dinge in meinem Leben, die werde ich nicht los, zum Beispiel Verlassensängste. Die sind einfach da, also mit denen muss ich umgehen, aber das ist nicht etwas, was von mir abfällt. Ich bin auf dem Weg mit Jesus, und es ist ein Prozess. Ich komme von hier und freue mich, dass ich hier bin – super!“
Und da muss ich mir auch Zeit geben. Meine Tochter, die ja groß geworden ist mit dem Evangelium, ist heute an manchen Punkten schon viel weiter als ich mit zwanzig war. Sie ist heute zwanzig. Aber da, wo ich mit zwanzig war, ist sie lange nicht, weil sie viel mehr Gottes Wort gehört hat und darauf eingegangen ist.
Es war mir hilfreich, dass er sagte, wir müssen hier auch mehr in Familienverbänden zusammendenken. Es ist nicht nur immer das individuelle, einzelne Leben, sondern das, was Gott an Familien tut. Und da, wo der Segen der Eltern natürlich bei den Kindern auch sichtbar wird.
Er sagt: „Meine Schritte werden langsam sein, aber sie sind beständig. Und wenn ich hier stehe und zurückschaue, dann muss ich sagen, da hat Gott so viel an meinem Leben getan. Deswegen freue ich mich, und ich muss nicht ständig darauf schauen, aber diesen Weg habe ich noch zu laufen.“
Ich glaube, das ist auch wichtig, das mal im Blick zu haben und nicht zu meinen: „Hey, ich lebe immer vom Defizit.“ Schau auf das, was Gott in deinem Leben getan hat. Da, wo Gott Veränderung schenkt, freu dich darüber, dass Gottes Sieg von Golgatha in deinem Leben sichtbar geworden ist. Das ist dann ein anderer Lebensstil.
Paulus beschließt diesen Text damit, dass er sagt: „Ich treffe keine Vorsorge für das Fleisch.“ Das heißt, ich gehe nicht immer wieder den sündigen Gedanken nach und philosophiere darüber, sondern ich sage: Stopp, das will ich nicht denken, das ist nicht mehr mein Leben. Ich gehe bewusst in eine andere Richtung.
Ich lasse mich auch nicht von den Werken der Finsternis auffressen. Wenn Sünde da ist, bekenne ich sie, sage: Das ist Sünde, das bekenne ich, und dann gehe ich weiter. Ich lasse mir die Kraft schenken, anders zu leben.
Und ich glaube, wenn du so unterwegs bist, dann wirst du merken: Hey, da passiert was in meinem Leben. Da passiert nicht nur etwas, dass ich sonntags in den Gottesdienst gehe und mich da hinsetze und denke: Okay, ich habe etwas Neues gehört. Sondern ich werde merken, wie in meinem Alltag Dinge anders werden. Ich werde merken, wie Jesus mein Leben verändert.
Da wird Leben mit Jesus plötzlich wieder spannend. Wenn du also denkst: „Hey, ich erlebe so wenig mit Jesus“, sei doch mal bereit, etwas für ihn zu investieren. Sei doch mal bereit, dein Leben zu checken: Lebe ich vielleicht in den Werken der Finsternis? Dann kann es überhaupt nicht spannend mit ihm sein.
Sag: Ich nehme seine Kraft in meinem Alltag in Anspruch. Ich will nicht auf der Stelle stehen bleiben, sondern vorwärts gehen mit ihm.
Weißt du auch noch was? Jesus macht dich nicht erst fit in einem geistlichen Fitnessstudio. Du musst nicht erst da in die Maschine und richtig reinhauen, damit du Muskeln bekommst und dann für mich in irgendeiner Form wirken kannst.
Du darfst kommen, wie du bist. Du kannst so schwach sein, wie du bist. Du darfst Jesus deine leeren Hände ausstrecken und sagen: „Herr, gebrauche mich und zeig mir, was dir in meinem Leben nicht passt.“
Wenn dich zum Beispiel dein Filmkonsum stört: „Herr Jesus, den will ich dir geben.“ Fällt dir das vielleicht schwer? Kein Problem, ich schiebe es dir hin.
Ich habe von jemandem gehört, der hatte eine Sammlung von – ich weiß nicht, welcher Musikrichtung –, das waren irgendwelche ganz seltenen Rockmusiklieder oder so. Er sagte: „Oh, das könnte ich bei eBay verkaufen, da würde ich richtig Geld kriegen.“ Und sein Seelsorger sagte zu ihm: „Guck mal, was du machst. Also das musst du jetzt selber entscheiden.“
Er orientierte sich an einer Stelle in der Apostelgeschichte, wo es darum ging, dass sie Bücher verbrannten. Dann setzte er sich hin, hatte so eine Lochzange, nahm noch einen Freund mit und vernichtete alle die wertvollen CDs, die er sich über Jahre zusammengesammelt hatte.
Das war ein Stück weit Freiheit in seinem Leben, ein Stück weit wurde deutlich: Hier hat jemand eine weiße Jacke an und geht mit dem Herrn weiter.
Das ist es, was mich fasziniert.
Ich habe diese Tage ein Zeugnis gehört von jemandem, der hat Marihuana zu Hause angebaut und andere Leute beraten, wie man das macht – im Swimmingpool Marihuana zu züchten und was weiß ich wo überall – und dann zu Drogen zu verarbeiten.
Er hat eine Eigenschaft: Was er macht, das macht er ganz. Und jetzt ist er Christ geworden. Jetzt dreht er gute Filmclips für gute christliche Veranstaltungen. Das macht er auch ganz.
Jesus verändert Leben. Daran darf ich mich festhalten.
Zusammenfassung und Schlussappell
Es ging heute Morgen darum, auf der einen Seite Gottes Liebe zu leben. Dazu bist du berufen. Habt es neu im Blick – das ist Heiligung!
Wir diskutieren sehr oft: Was bedeutet Heiligung eigentlich? Was heißt es vom Hebräischen her? Was bedeutet es im Griechischen? Heiligung heißt, dass du lieber wirst, dass du lieber wirst als vor zwei Jahren. Daran ist Heiligung erkennbar.
Das Zweite, worum es ging, war: Gott freut sich über dich, wenn du aus deinem Schlaf aufwachst und auf Jesus wartest. Das war der Pauluswecker, der uns aus unserer Hypnose rausholen will. Er will uns sagen: Hey, überleg mal, es gibt den größten Moment in deinem Leben. Trag ihn schon mal auf deiner To-do-Liste ein: Du wirst vor Jesus stehen, und dann wird dein Leben beurteilt.
Du weißt schon jetzt in deinem Bauchgefühl, was dann kommt. Wer sparsam sät, wird sparsam ernten. Dann stellt sich die Frage: Worauf setze ich, wenn ich das weiß und trotzdem noch in Dinge investiere, die in Norddeutschland, sagt man, in Watt gebaut sind? Wenn das Wasser kommt, siehst du sie nicht mehr. Dann bin ich wirklich stockdoof, das zu machen.
Ich glaube, es ist wichtig, das auch mal vor Augen zu haben und zu sagen: Herr, für dich will ich leben. Mein Leben soll dir gehören. Jim Elliot hat es mal gesagt: Er ist ein Narr, der nicht das hergibt, was er sowieso nicht behalten kann. Amen.
Schlussgebet
Herr Jesus, dieser Text hat mich persönlich sehr herausgefordert, Deine Liebe zu leben und zu begreifen. Es geht um mehr, als nur durch unser Leben zu gehen. Es geht darum, dass Du in unserem Leben sichtbar wirst.
Es geht darum, aufzuwachen und zu verstehen, dass wir einmal vor Dir stehen werden. Wir wollen uns nicht in unserem Alltag verlieren.
Herr, wir möchten Dich bitten, besonders für unsere Geschwister in Syrien. Sie erleben diese Herausforderungen in ihrem Alltag viel intensiver und präsenter als wir. Schenke ihnen immer wieder den Blick zu Dir, dass sie ihre Häupter erheben und wissen: Unsere Erlösung naht.
Herr, ich möchte auch für uns bitten. Dass wir die Zeichen, die wir sehen, und das, was wir um uns herum erleben, richtig deuten. Dass wir nicht denken, es seien nur Wellen, die kommen und gehen, sondern begreifen, dass es ein Weckruf für uns als Gemeinde sein kann – auch für mich persönlich.
Amen.