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Der verkannte König

30.03.2014Markus 15,16-32

Begegnung und erste Gespräche über den Glauben

Während unseres Urlaubs vor einigen Wochen haben meine Frau Sarah und ich einen jungen Moslem kennengelernt. Es war vor allem seine Initiative, dass wir sehr schnell auf den Glauben zu sprechen kamen. Danach war es meine Initiative, dass wir sehr schnell auf Jesus zu sprechen kamen.

Der junge Moslem hatte mit vielem, was ich zu Jesus zu sagen hatte, und mit vielem, was uns auch in den Predigten der letzten Monate und Jahre aus Markus 1 bis 14 beschrieben wurde, kein sonderlich großes Problem. Auch wenn er einige Dinge vielleicht anders verstand, konnte er im Großen und Ganzen den Berichten über das Leben von Jesus bis hin zu unserem heutigen Predigttext gut folgen.

Aber als wir dann auf das zu sprechen kamen, was in unserem heutigen Predigttext beschrieben wird – Markus 15, Verse 16 bis 32, die wir gerade gehört haben – bekam ich vehementen Widerspruch. Mein muslimischer Freund erklärte mir, dass es doch absurd sei, dass Gott tatenlos zusehen würde, wenn der perfekte, der vollkommen liebenswerte Christus Jesus brutal ans Kreuz geschlagen wird.

Er erklärte mir vom Koran, dass nach muslimischem Verständnis Gott mächtig ist und sich deshalb über die Pläne der Menschen hinwegsetzt. In Sure 3,54 heißt es im Koran: „Und sie schmiedeten Ränke, die Menschen, aber auch Allah schmiedete Ränke, er kann es am besten.“ Deshalb hat Gott es eben nicht zugelassen, dass die Menschen ihre bösen Pläne ausführten, so erklärte er mir weiter. Gott hat eingegriffen, um den Christus zu retten.

So lehrt es der Koran in Sure 4,157: „Sie sagten, die Menschen, wir haben Christus Jesus, den Sohn der Maria und Gesandten Gottes, getötet. Aber sie haben ihn in Wirklichkeit nicht getötet und auch nicht gekreuzigt. Vielmehr erschien ihnen ein anderer ähnlich, so dass sie ihn mit Jesus verwechselten und töteten.“

Mal ganz ehrlich: Das, was der Koran über Jesus lehrt, passt doch eigentlich viel besser in unser Heldenverständnis. Der große Held, der voller Liebe großartige Dinge tut und gegen den sich die Menschen verschwören und der scheinbar sterben muss, wird im letzten Moment gerettet, und ein Schurke stirbt an seiner Stelle. So ist das in jedem guten Film, in jedem Roman.

Und was uns in unserem Predigttext beschrieben wird, passt so überhaupt nicht dazu. Und wenn uns das nicht komisch und seltsam vorkommt, dann doch eigentlich nur deshalb, weil wir diesen Bericht vielleicht schon so oft gehört haben. Das Drama nimmt unaufhaltsam seinen Lauf, und der Held muss sterben – und wird nicht gerettet.

Ist das nicht eigentlich problematisch? Warum lässt ein doch auch nach christlichem Verständnis allmächtiger Gott das zu? Wie ist es denn nun um die Liebe Gottes bestellt, wenn er Jesus, von dem wir Christen ja behaupten, dass er der Sohn Gottes ist, so leiden lässt? Wie ist es um die Liebe eines Gottes bestellt, der seinen eigenen Sohn so etwas erleben lässt, ihn so leiden lässt, ihn sogar sterben lässt?

Das sind die Fragen, über die ich heute Vormittag im Rahmen dieser Predigt über Markus 15,16-32 nachdenken möchte. Ich möchte das in drei Abschnitten tun.

Zuerst wollen wir einfach nur den Text betrachten: das Leiden Jesu. Dann wollen wir den Hintergrund dieses Textes betrachten. Wir werden dabei kurz ins Alte Testament schauen und der Frage nachgehen: Hat Gott wirklich alles im Griff? Wie ist es um die Allmacht Gottes bestellt? Schließlich wollen wir darauf schauen, was es letztendlich mit all dem auf sich hat. Was ist die Bedeutung der Dinge, die uns hier beschrieben werden? Dabei wollen wir insbesondere darüber nachdenken, wie es um Gottes Liebe bestellt ist.

Das sind die drei Dinge, auf die wir heute Vormittag kurz schauen wollen.

Zuerst der Text: Wenn wir Markus 15,16-32 betrachten, müssen wir feststellen, dass die Reaktion meines muslimischen Freundes sehr gut nachvollziehbar ist. Das Markus-Evangelium hat einen Helden – in der Tat, die ganze Bibel hat einen Helden: Jesus Christus. Und hier, nach all dem, was Jesus getan hat, erleben wir, wie er uns als ein komplett passives Opfer vor Augen gestellt wird.

Wir sehen dabei vor allem in diesem Text, wie Jesus verspottet, geschlagen und gedemütigt wird. Das sehen wir gleich zu Beginn in den ersten Versen, in Versen 16 bis 20. Dort wird uns die Demütigung und Verspottung Jesu durch die Soldaten vor Augen geführt. Die Szene, die uns hier beschrieben wird, ist wohl das Brutalste, was die Bibel – was das Markus-Evangelium zumindest zu bieten hat.

In Vers 15, also ganz am Ende des Textes, den wir letzte Woche betrachtet haben, heißt es, dass Jesus gegeißelt wurde vor der Kreuzigung. Markus erspart uns jegliche Details, aber wir wissen aus anderen Berichten über Geißelungen, wie das ablief: Der Gefangene wurde im Normalfall entkleidet und dann ausgepeitscht. Es war keine normale Peitsche, sondern eine Geißel. Das heißt, vorne waren noch Stacheln an diesen Lederriemen oder kleine Bleiklumpen eingenäht, sodass dieses Peitschen, dieses Geißeln, fürchterliche Wunden verursachte. Die Haut hing in Fetzen.

Das ist die Situation, mit der wir nun zu Vers 16 kommen. Die Soldaten haben ihr Werk der Geißelung getan und nehmen jetzt den blutüberströmten Jesus. Sie verkleiden ihn, machen sich ihren Spaß, ziehen ihm etwas über, das aussieht wie ein Purpurmantel, wie ein königliches Gewand – was auch immer das genau war. Dann geben sie ihm auch noch eine Krone. Sie flechten Dornen zusammen und pressen sie auf seinen Kopf. Dann machen sie sich lustig über ihr Opfer, verhöhnen ihn.

So heißt es im Vers 18: „Sie fingen an, ihn zu grüßen: ‚Gegrüßt seist du, der Judenkönig!‘“ Und sie schlugen ihn mit einem Rohr auf das Haupt, spien ihn an, fielen auf die Knie und huldigten ihm. Als sie ihn so verspottet hatten, zogen sie ihm den Purpurmantel aus und zogen ihm seine Kleider an. Dann führten sie ihn hinaus, damit sie ihn kreuzigen konnten.

Hohn und Spott über den, der da sterben muss. Und damit hat das noch kein Ende. Dieser Hohn und Spott geht noch weiter. Wir sehen in Vers 29, dass auch am Kreuz selbst, als Jesus schon am Kreuz hängt, die Menschen über ihn spotten und ihn verhöhnen. So heißt es im Vers 29: „Und die Vorübergehenden lästerten ihn, schüttelten ihre Köpfe und sprachen: ‚Ha, du, der du den Tempel abbrichst und in drei Tagen wieder aufbaust, hilf dir nur selbst und steig herab vom Kreuz!‘“

Desgleichen verspotteten ihn auch die Hohenpriester untereinander samt den Schriftgelehrten und sprachen: „Er hat Anna geholfen und kann sich nicht selber helfen. Ist er der Christus, der König von Israel? So steig er nun vom Kreuz, damit wir sehen und glauben.“ Denn selbst die beiden Männer, die mit ihm gekreuzigt wurden – dieses gleiche Schicksal ereilte auch sie – schmähten ihn ebenfalls.

Ihr Lieben, das ist das Erste, was wir hier in unserem Text sehen müssen: Jesus Christus wurde brutal misshandelt und dann auch noch verspottet und verhöhnt.

Als Zweites sehen wir, dass Jesus so geschwächt war durch die Folter, dass er nicht einmal mehr das tun konnte, was ein Gekreuzigter normalerweise tun sollte. Er hatte scheinbar nicht mehr die Kraft, den Querbalken des Kreuzes zu dem Ort zu bringen, wo er dann gekreuzigt werden sollte. Deshalb wurde ein anderer hinzugezogen.

So heißt es in Vers 21: Die Soldaten zwangen einen, der vorüberging, mit Namen Simon von Kyrene, der vom Feld kam – also ein Unbeteiligter, der Vater des Alexander und des Rufus –, dass er Jesus das Kreuz trage. Sie brachten ihn zur Stätte Golgatha, das heißt übersetzt Schädelstätte.

Ja, wir sehen also: Jesus ist so geschwächt, dass er nicht einmal mehr sein eigenes Kreuz tragen kann.

Die Kreuzigung selbst wird uns mit nur ganz wenigen Worten beschrieben. In Vers 24 heißt es: „Sie kreuzigten ihn, teilten seine Kleider und warfen das Los, wer was bekommen sollte. Es war die dritte Stunde, als sie ihn kreuzigten.“ Zwischen diesen beiden Hinweisen, dass er gekreuzigt wird, steht dieser kurze Satz: „Und sie teilten seine Kleider und warfen das Los, wer was bekommen sollte.“

Das ist das Dritte, was wir sehen sollten: Die Soldaten machen sich noch über die letzten Besitztümer von Jesus her, während er da noch lebend am Kreuz hängt. Dort hängt Jesus und leidet, und die Männer, die unten am Kreuz stehen, haben nichts Besseres zu tun, als Lose zu ziehen, in der Hoffnung, vielleicht noch irgendetwas von diesem Geschundenen zu bekommen.

Das ist das Letzte, was sie sich von Jesus noch erhoffen: vielleicht ein Kleidungsstück, wahrscheinlich blutdurchtränkt. Was für eine Verachtung, was für eine Verachtung des Sterbenden!

Und dann schließlich sehen wir, warum Jesus sterben musste. In Vers 26 steht geschrieben, welche Schuld man ihm gab: nämlich der König der Juden. Das alles geschieht – diese Verspottung und Verhöhnung, dieses brutale Schlagen, dieses Jesus völlig entkräftet sein Lassen und ihn dann noch verhöhnen am Kreuz, seine Kleidung verlosen und ihn dort töten – weil er der König der Juden sei.

Das glaubt natürlich keiner, das ist ein Witz, das war die absurde Anklage der Hohenpriester. Pilatus hat es nicht geglaubt, die Hohenpriester selber haben es nicht geglaubt, keiner glaubt es. Wir sehen ja, wie sich die Menschen darüber lächerlich machen, wie die Soldaten sich vor ihm verneigen und sagen: „Du willst König sein?“ Wie die Menschen am Kreuz ihn verspotten: „Ach, du willst König sein?“

Keiner glaubt das. Aber er muss dafür sterben, obwohl jeder davon überzeugt ist, dass das gar nicht stimmt. Eine verkleidete Witzfigur.

Das kann uns nicht unberührt lassen, Jesus so am Kreuz zu sehen. Mir sagte letzte Woche ein Gemeindemitglied, dass ihr bei diesen Berichten von Jesu Leiden immer die Tränen kommen, und sie fragte mich, ob irgendetwas mit ihr nicht stimmt. Ich habe mir wirklich gedacht: Ich glaube, mit uns allen anderen stimmt etwas nicht. Das kann uns doch nicht unberührt lassen.

Alles in uns sollte sich doch dagegen auflehnen. Wie kann es sein, dass der liebe Herr Jesus, der nie jemandem etwas zu Leide getan hat, der so voller Liebe war zu den Menschen, der Kranke heilte, der den Hungrigen zu essen gab, der Sündern von der Gnade begegnete, so leiden und sterben muss?

Ich kann verstehen, warum mein muslimischer Freund die biblische Botschaft, diesen Bericht, absurd findet, warum er davon überzeugt war, dass das einfach nicht stimmen kann, weil Gott in seiner Allmacht und Liebe so etwas doch niemals zulassen würde.

So kommen wir genau zu diesen Fragen: Hat Gott wirklich alles im Griff? Ist Gott tatsächlich ein Gott der Liebe, obwohl er das zulässt?

Die Antwort auf die erste Frage findet sich in einem späteren Zusatz zu unserem Predigttext. Da wird sich zumindest schon mal angedeutet, wenn ihr vorhin mitgelesen habt, als der Predigttext vorgelesen wurde, wenn ihr die Bibel aufgeschlagen habt auf Seite 64 im hinteren Teil, dann fällt euch auf, dass dort ein Vers fehlt. Nach Vers 27 kommt Vers 29, Vers 28 fehlt.

Das hat damit zu tun, dass Vers 28 mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ein späterer Zusatz ist, etwas, das erst im zweiten Jahrhundert hinzugefügt wurde. Wahrscheinlich, weil derjenige, der das hinzufügte, das Gefühl hatte, man müsse erklären, was hier geschieht.

Wer dann in die Fußnote schaut, sieht: Vers 28 findet sich erst in späteren Überlieferungen. Dort steht dieser ominöse Vers 28, der da lautet: „Da wurde die Schrift erfüllt, er ist zu den Übeltätern gerechnet worden.“ Es ist nur ein Rückverweis auf das Alte Testament, auf den Propheten Jesaja.

Das heißt, in diesem späteren Zusatz wird angedeutet, dass Gott sehr wohl alles im Griff hat, dass er es nämlich selbst im Alten Testament schon angekündigt hatte.

Wer das Alte Testament sorgfältig liest oder es gut kennt und dann zu diesem Bericht kommt, der sieht lauter Erfüllung von alttestamentlichen Prophetien.

Ich möchte aus Zeitgründen nur einen einzigen Textabschnitt aus dem Alten Testament mit uns betrachten, nämlich Psalm 22, und auch dort möchte ich nur die erste Hälfte des Psalms lesen: Psalm 22, Verse 2 bis 19.

In diesem Psalm Davids heißt es:
„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferner. Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts finde ich keine Ruhe. Du aber bist heilig, der du thronst über den Lobgesängen Israels. Unsere Väter hofften auf dich, und da sie hofften, halfst du ihnen heraus. Zu dir schrien sie und wurden errettet, sie hofften auf dich und wurden nicht zu Schanden. Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und verachtet vom Volke. Alle, die mich sehen, verspotten mich, sperren das Maul auf und schütteln den Kopf. ‚Erklage es dem Herrn, der helfe ihm heraus und rette ihn, hat er Gefallen an ihm?‘ Du hast mich aus meiner Mutterleibe gezogen, du ließest mich geborgen sein an der Brust meiner Mutter. Auf dich bin ich geworfen, von Mutterleib an, du bist mein Gott. Von meiner Mutterschoß an, sei nicht ferner von mir, denn Angst ist nah, denn es ist hier kein Helfer. Gewaltige Stiere haben mich umgeben, mächtige Büffel haben mich umringt, ihr Rachen sperren sie gegen mich auf wie ein brüllender und reißender Löwe. Ich bin ausgeschüttet wie Wasser, alle meine Knochen haben sich voneinander gelöst, mein Herz ist in meinem Leibe wie zerschmolzenes Wachs, meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe, und meine Zunge klebt mir am Gaumen. Du legst mich in des Todes Staub, denn Hunde haben mich umgeben. Und der bösen Rotte hat mich umringt, sie haben meine Hände und Füße durchgraben. Ich kann alle meine Knochen zählen, sie aber schauen zu und sehen auf mich herab. Sie teilen meine Kleider unter sich und werfen das Los um mein Gewand.“

Ein Freund hat mir mal erzählt, dass er, als er diesen Psalm das erste Mal gelesen hat, davon überzeugt war, dass in seiner Bibelausgabe ein Fehler war. Er sagte, hier seien versehentlich Worte von Jesus als Psalm Davids abgedruckt worden. Ich kann verstehen, dass er das geglaubt hat. Es ist ein bisschen witzig, aber ist es nicht faszinierend, diese Worte zu hören, die Gott durch den Mund des Propheten David tausend Jahre bevor wir zum Kreuz kommen, gesprochen hat?

Gott hat das getan, damit wir erkennen können, dass das, was hier am Kreuz geschieht, nicht Ausdruck davon ist, dass Gott die Kontrolle verloren hat, dass er vielleicht doch nicht allmächtig ist, sondern dass wir erkennen können: Gott hat alles im Griff. Alles kommt genau so, wie er es vor aller Zeit geplant hatte und wie er es im Psalm 22 und durch die Schriften und die Propheten angekündigt hatte.

Und Jesus selbst hatte es angekündigt. Jesus selbst hatte schon einige Zeit zuvor, bevor er verraten und verhaftet wurde, seinen Jüngern erklärt, was passieren würde, wenn sie nach Jerusalem kommen.

In Markus 10,33 heißt es:
„Siehe, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und der Menschensohn wird überantwortet werden den Hohenpriestern und Schriftgelehrten.“ So kam es. „Sie werden ihn zum Tode verurteilen.“ So kam es. „Und den Heiden überantworten,“ also Pilatus und den Soldaten, „und so kam es. Die werden ihn verspotten und anspeien und geißeln und töten.“ Und so kam es. Aber Jesus weist darüber hinaus, und nach drei Tagen wird er auferstehen.

Gott hat alles im Griff.

Und doch stellt sich die Frage: Warum? Warum musste es so kommen? Warum war es notwendig, dass der Vater seinen eingeliebten Sohn diese fürchterlichen Qualen, diesen herzlosen Hohn und Spott, diesen unwürdigen Tod erleiden ließ? Oder um die Frage mit den Worten meines muslimischen Freundes zu stellen: Was ist das für ein Gott, der so etwas tut?

Das bringt uns zu unserem dritten Punkt: Lass uns darüber nachdenken, was uns dieser Text über Gottes Liebe offenbart. Wieso tut ein Gott der Liebe das? Wieso lässt der Gott der Liebe es zu, dass sein ein geliebter Sohn entsprechend eines lang erdachten Plans, der im Alten Testament verkündet wurde, so fürchterlich leiden und sterben musste?

Jesus selbst hat es erklärt, auch das schon lange vor dem Kreuz. Er hat erklärt, warum er gekommen ist, warum der ewige Gott in Jesus Christus überhaupt Mensch geworden war. Er ist gekommen, nicht, dass er sich dienen lasse als König Jesus, als König der Juden, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.

Das ist Ausdruck der Liebe Gottes.

Was wir in unserem Text beschrieben bekommen, all dieses Leiden, dieses Sterben, ist Ausdruck der Liebe Gottes zu uns Menschen. Gott der Vater und Gott der Sohn haben diesen Plan erdacht und führen ihn nun aus. Gott selbst kommt zu uns Menschen, um dann für uns Menschen zu sterben.

Er gab sein Leben als Lösegeld für Menschen, als Lösegeld für Menschen, die ihre Schuld, die sie auf sich geladen haben, niemals wieder gutmachen könnten. Ein Lösegeld, das du und ich niemals zahlen können. Deswegen war dieses Lösegeld notwendig. Es musste gezahlt werden.

Damit du und ich nicht das erleiden, was Jesus hier an unserer Statt erleidet.

Warum? Nur weil Gott nicht nur ein Gott der Liebe ist, sondern auch – Gott sei Dank – ein gerechter Gott.

Wir alle haben Verlangen nach Gerechtigkeit. Ich denke, keiner von uns fände es in Ordnung, wenn zum Beispiel die brutalen Soldaten, von denen wir gerade gelesen haben, oder diese Hohenpriester, die voller Spott und Hohn den unschuldigen Jesus ans Kreuz nageln und töten lassen, nur weil sie selbst ein bisschen besser dastehen wollen und weil er ihnen irgendwie im Wege steht.

Keiner von uns fände es okay, wenn man sagen würde: „Ach, ist schon in Ordnung, passt schon.“ In uns ist etwas, das danach ausschreit: Hier muss Gerechtigkeit her! Das darf nicht sein!

Die gerechte Strafe für eine solche Rebellion gegen Gott, gegen den Sohn Gottes, ist der Tod. Die haben es verdient zu sterben, nicht Jesus.

Wie ist das mit uns? Wie ist es mit uns?

Es ist gut nachvollziehbar, dass wir, wenn wir diesen Bericht lesen, uns mit Jesus identifizieren. Das ist gut so. Es ist normal, dass wir uns mit ihm identifizieren und eben nicht mit den Soldaten, nicht mit den Räubern am Kreuz, nicht mit den Hohenpriestern und Schriftgelehrten, nicht mit den Schaulustigen, die sich über ihn lustig machen.

Aber wir sollten erkennen: Tief in unseren Herzen sind wir viel mehr wie sie als wie Jesus.

Aufgrund unserer Sündennatur – und ich weiß, manchem wird das nicht gefallen, dass ich das sage – aber das ist das Zeugnis der Bibel, und das ist das, was wir alle wissen, wenn wir uns nur ehrlich anschauen:

Aufgrund unserer Sündennatur sind wir nicht vollkommen gut. Im Gegenteil.

Die Bibel beschreibt alle Menschen mit den Worten: „Das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf.“ Das ist eine Beschreibung aller Menschen nach der Flut.

Und weil das so ist, stellt sich der natürliche Mensch, wenn Gott nicht eingreift und etwas grundlegend verändert, gegen Gott und lässt Gott nicht Gott sein, so wie die Hohenpriester Jesus nicht Jesus sein lassen wollten.

Sie wollten keinen Christus, sie wollten keinen Herrn der Herren, keinen König der Könige.

Das ist das Problem aller Menschen.

Und nur deshalb, nur deshalb musste Jesus das über sich ergehen lassen, nur weil es keinen anderen Weg gab. Es gab nur diesen einen Weg: Der gerechte Gott musste die gerechte Strafe für die Sünden der Soldaten und Hohenpriester und Menschen wie dir und mir bestrafen.

Und weil Gott ein Gott der Liebe ist, einer unvorstellbar großen Liebe, entschied er sich dafür, die Strafe, die wir verdient hätten, genauso wie die Soldaten und Hohenpriester, auf sich selbst zu nehmen.

Deswegen kam Jesus.

Der Apostel Paulus beschreibt das im Römerbrief, Kapitel 5, Verse 6 bis 8, mit diesen Worten:
„Denn Christus ist schon zu der Zeit, als wir noch schwach waren, für uns Gottlose gestorben. Nun stirbt kaum jemand um eines gerechten Willen, um des guten Willen wagt er vielleicht sein Leben, Gott aber!“

„Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“

Ihr Lieben, wenn wir das erkennen, wenn wir diese Wahrheit akzeptieren, dann bekommt der Bericht vom Kreuz eine ganz neue Bedeutung für uns.

So möchte ich noch einmal über ein paar Stationen, die uns hier beschrieben werden, nachdenken und sie jetzt aus diesem Blickwinkel betrachten: aus dem Blickwinkel der Liebe Gottes, der sich für uns am Kreuz aufopfert.

Lasst uns mal schauen auf Simon von Kyrene.

Ja, da kommt dieser scheinbar unschuldige Mensch an einem Freitagmorgen vom Feld in die Stadt hinein. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als wenn hier ein zum Tode verurteilter böser Mensch sein Kreuz aus der Stadt herausschleppt, um dort am Kreuz zu sterben.

Und jetzt wird der Unschuldige, der mit der ganzen Sache nichts zu tun hat, genommen und muss durch den Mob hindurch das Kreuz des Sünders tragen.

Aber eigentlich ist es ja genau andersherum.

Eigentlich kommt hier ein Mensch, so wie du und ich, ein Sünder, in die Stadt hinein und trifft auf den Einzigen, der ohne Schuld ist, und trägt nur für eine kleine Wegstrecke das Kreuz, das er verdient hätte und der andere nicht.

Er trägt auch nur den Querbalken, im Übrigen. Und dann kommen sie nach Golgatha, und dann legt er diesen Querbalken ab und ist frei und darf gehen.

Aber der Unschuldige, Jesus, wird brutal ans Kreuz genagelt und getötet.

Das ist doch das, was hier geschieht.

Jetzt stell dir mal vor, du wärst an diesem Morgen vom Feld in die Stadt hineingekommen. Stell dir mal vor, du wärst in der Situation gewesen. Jetzt stell dir mal vor, die Soldaten hätten dich gegriffen und gesagt: „Trag ihm das Kreuz!“

Wie hättest du reagiert? Als guter, frommer Mensch hättest du gesagt: „Gott, was soll denn das jetzt? Am Weg nach Hause, Frühstück wartet, und jetzt so ein Mist!“

Hättest du Jesus kritisch beäugt: „Ist der wirklich zu schwach? Kann er das nicht selber tragen? Ich habe eigentlich etwas Besseres vor.“

Oder hättest du ihn voller Dankbarkeit angeschaut und gesagt: „Komm, Jesus, ich nehme den Querbalken. Komm, geh zum Kreuz, geh, gib dein Leben für mich!“

Wie hättest du reagiert?

Die Frage ist gar nicht so theoretisch, wie du denkst.

Jesus sagt in seinem Wort: „Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.“

Das heißt, die Frage stellt sich für dich heute: Bist du bereit, einen Simon von Kyrene Dienst zu tun, ein bisschen Kreuz zu tragen? Das ist Teil der Nachfolge.

Ich weiß nicht, wie dein Kreuz aussieht. Vielleicht musst du manchmal etwas Hohn und Spott über dich ergehen lassen, weil du dich zu Jesus bekennst. Vielleicht führt Jesus dich an Orte, an die du lieber nicht gehen würdest. Vielleicht mutet er dir Dinge zu oder gibt dir Dinge nicht, die du nicht haben willst oder die du gerade haben möchtest.

Ich kenne dein Kreuz nicht, aber ich weiß, dass wenn du Jesus nachfolgst, du immer wieder auch mal ein Kreuz tragen musst.

Aber Gottes Wort sagt dir, dass Jesus dir nie mehr auferlegen wird, als du tragen kannst. Er wird dir nie mehr auferlegen, als du tragen kannst.

Und Jesus selbst hat uns zugesagt, dass er da ist für uns, um uns zu helfen, zu erquicken und zu stärken, sodass das Joch, das uns auferlegt wird, letztendlich leicht ist.

Und genau das zeigt Jesus uns hier.

Genau deshalb hat er dieses Kreuz, das wir nicht tragen können, auf sich genommen. Deshalb hat er die Last deiner Sünden auf sich genommen.

Das ist das Erste, was wir klar erkennen sollten: Simon von Kyrene, ein ganz normaler Mensch, so wie du und ich, trägt nur den Querbalken des Kreuzes für ein kleines Stück.

Jesus hingegen nimmt dann dieses Kreuz auf sich und stirbt für uns.

Das Zweite, was wir sehen sollten: Die Soldaten am Kreuz erhoffen sich von Jesus nichts anderes mehr als ein paar blutdurchtränkte Kleidungsstücke, und sie losen um das Gewand.

Die Sünder erkennen dabei richtig, dass sie vom Tod Jesu profitieren.

Da war Jesus so viel mehr zu bieten als ein blutdurchtränktes Kleidungsstück.

Dort am Kreuz nimmt Jesus die Schuld von uns Menschen auf sich.

Und das, was er dort allen, die zu ihm kommen, anbietet, was er ihnen gibt, ist eine Kleidung, die so viel besser ist als ein altes Gewand, das irgendwann sowieso kaputt sein wird.

Er gibt uns die Kleider der Gerechtigkeit, die er für uns vollbracht hat. Das sind die Kleider, die wir wirklich brauchen, wenn wir aufs Kreuz schauen.

Schließlich sehen wir, dass Jesus als König der Juden verhöhnt wird.

Doch was aussieht wie die Katastrophe schlechthin, das ist Triumph.

Was wir hier sehen, was der Text uns nicht weiter erklärt, er gibt uns nur einen Blick darauf: Das ist die Thronbesteigung von König Jesus.

Die beginnt hier.

Satan verliert seine Macht, die Macht der Sünde wird gebrochen.

Die Leute verspotten König Jesus, sagen: „Wenn du ein König bist, dann komm doch vom Kreuz runter und hilf dir selbst!“

Aber weil Jesus der König aller Könige ist, bleibt er am Kreuz und hilft uns.

Mein muslimischer Freund meinte, dass Gott aufgrund seiner Liebe zu Jesus in seiner Allmacht es niemals zulassen würde, dass das geschehen kann.

Dabei verkennt er, dass Gott gerade aufgrund seiner einzigartigen Liebe zu uns diese Dinge genau so geschehen lässt.

Eines Tages wird er – und wird jeder Mensch – erkennen, dass Jesus Christus tatsächlich der König der Juden ist und der König aller Könige.

Dann wird sich jedes Knie vor ihm beugen – aber nicht mit Hohn und Spott – und jede Zunge wird bekennen – und auch das nicht spöttisch –, dass Jesus Christus der Herr und König ist.

Die, die sich ihm zuvor zugewandt haben, die erkennen, dass der, der da hängt, wirklich unschuldig ist und dieses Kreuz mir gebührt und er es für mich auf sich nimmt.

Die, und nur die, werden dann erleben, dass das, was dort geschieht, keine Katastrophe ist, sondern der Weg zur Herrlichkeit.

Diesen Weg hat Jesus für dich freigemacht, wenn du ihn anerkennst als den König aller Könige.

So möchte ich dich zum Abschluss fragen: Siehst du in dem grausamen Leiden von Jesus die grenzenlose Liebe Gottes?

Ihr Lieben, das sollte uns emotional bewegen, und es sollte unsere Herzen füllen mit großer Freude und Dankbarkeit.

Es sollte uns neu motivieren, für König Jesus zu leben.

Ich möchte uns einladen, gemeinsam aufzustehen, jetzt, um miteinander und zueinander die Worte aus Hebräer 12, Verse 1 bis 3, die hier in der Bimmelwand stehen, zu lesen.

Lasst uns das einander zusprechen in Anbetracht dessen, was wir gehört haben.

Lasst uns ablehnen alles, was uns stört, und die Sünde, die uns schändlich umschlägt.

Nun lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns geschwind ist, nun aussehend zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der wohl der Welt die Treue haben konnte, das Kreuz erduldet und die Schande gering achtete und sich die Selbstsucht zur Rechnung des Todes Gottes bedenkte.

Wir haben den Widerspruch gegen die Sicht von Bundesländern erholt, weil ihr nicht Macht werdet und den Mut nicht sehen lasst.

Euer Wirken das in uns, gib uns diesen Mut, dir nachzufolgen und für dich zu leben, denn du verdienst es.

Danke, dass du uns freigemacht hast von aller Schuld, weil du unsere Schuld auf dich genommen hast, Herr, und ich bete, dass ein jeder das hier erkennt und dann erleben darf, wie du regierst.

Danke, dass dieses Kreuz eine Kraft hat, die die Welt nicht kennt, aber die du uns offenbart hast durch dein Wort.

Amen.

Lasst uns im Stehen das Schlusslied singen.

Das Leiden Jesu als Herausforderung für den Glauben

Und wenn uns das nicht komisch und seltsam vorkommt, dann liegt das wohl nur daran, dass wir diesen Bericht vielleicht schon so oft gehört haben. Das Drama nimmt unaufhaltsam seinen Lauf, und der Held muss sterben – ohne gerettet zu werden.

Ist das nicht eigentlich problematisch? Warum lässt ein Gott, der doch auch nach christlichem Verständnis allmächtig ist, so etwas zu? Wie steht es um die Liebe Gottes, wenn er Jesus, von dem wir Christen ja behaupten, dass er der Sohn Gottes ist, so leiden lässt? Wie ist es um die Liebe eines Gottes bestellt, der seinen eigenen Sohn so etwas erleben lässt, ihn so leiden lässt und ihn sogar sterben lässt?

Das sind die Fragen, über die ich heute Vormittag im Rahmen dieser Predigt über Markus 15,16-32 nachdenken möchte. Ich werde das in drei Abschnitten tun.

Zuerst wollen wir einfach nur den Text betrachten: das Leiden Jesu. Danach wollen wir den Hintergrund dieses Textes anschauen. Dabei werden wir kurz ins Alte Testament blicken und der Frage nachgehen: Hat Gott wirklich alles im Griff? Wie steht es um die Allmacht Gottes?

Zum Schluss wollen wir darauf schauen, was es letztendlich mit all dem auf sich hat. Was ist die Bedeutung der Dinge, die uns hier beschrieben werden? Dabei wollen wir insbesondere darüber nachdenken, wie es um Gottes Liebe bestellt ist.

Das sind die drei Themen, auf die wir heute Vormittag kurz schauen wollen.

Das Leiden Jesu im Markus-Evangelium

Wenn wir Markus 15,16-32 betrachten, müssen wir zunächst feststellen, dass die Reaktion meines muslimischen Freundes sehr gut nachvollziehbar ist. Das Markus-Evangelium hat einen Helden – in der Tat hat die ganze Bibel einen Helden: Jesus Christus.

Hier, nach all dem, was Jesus getan hat, erleben wir, wie er uns als ein komplett passives Opfer vor Augen gestellt wird. Besonders in diesem Text sehen wir, wie Jesus verspottet, geschlagen und gedemütigt wird. Bereits zu Beginn, in den Versen 16 bis 20, wird uns die Demütigung und Verspottung Jesu durch die Soldaten deutlich vor Augen geführt.

Die beschriebene Szene ist wohl das Brutalste, was die Bibel – zumindest das Markus-Evangelium – zu bieten hat. In Vers 15, also ganz am Ende des Textes, den wir letzte Woche betrachtet haben, heißt es, dass Jesus vor der Kreuzigung gegeißelt wurde. Markus erspart uns jegliche Details, aber wir wissen aus anderen Berichten über Geißelungen, wie das ablief.

Der Gefangene wurde normalerweise entkleidet und dann ausgepeitscht. Dabei wurde keine gewöhnliche Peitsche verwendet, sondern eine Geißel. Das bedeutet, dass an den Lederriemen vorne Stacheln oder kleine Bleiklumpen eingenäht waren. Diese Geißel verursachte fürchterliche Wunden. Die Haut hing in Fetzen.

Das ist die Situation, mit der wir nun zu Vers 16 kommen. Die Soldaten haben ihr Werk der Geißelung getan. Nun nehmen sie den blutüberströmten Jesus und verkleiden ihn. Sie machen sich ihren Spaß, ziehen ihm etwas über, das wie ein Purpurmantel oder ein königliches Gewand aussieht – was genau es war, bleibt unklar.

Dann geben sie ihm auch noch eine Krone. Sie flechten Dornen zusammen und pressen sie auf seinen Kopf. Anschließend verhöhnen sie ihr Opfer. So heißt es in Vers 18: Sie fingen an, ihn zu grüßen: „Gegrüßt seist du, der Judenkönig!“ Sie schlugen ihn mit einem Rohr auf das Haupt, spien ihn an und fielen auf die Knie, um ihm zu huldigen.

Nachdem sie ihn so verspottet hatten, zogen sie ihm den Purpurmantel aus und zogen ihm seine eigenen Kleider wieder an. Dann führten sie ihn hinaus, um ihn zu kreuzigen. Hohn und Spott lasteten auf dem, der sterben musste.

Doch damit endet der Hohn und Spott noch nicht. Wir sehen in Vers 29, dass auch am Kreuz selbst, als Jesus schon hängt, die Menschen über ihn spotten und ihn verhöhnen. Dort heißt es: Die Vorübergehenden lästerten ihn, schüttelten ihre Köpfe und sprachen: „Ha, du, der du den Tempel abbrichst und in drei Tagen wieder aufbaust! Hilf dir nur selbst und steig vom Kreuz herab!“

Ebenso verspotteten ihn die Hohenpriester untereinander samt den Schriftgelehrten. Sie sagten: „Er hat Anna geholfen, und kann sich nicht selbst helfen. Ist er der Christus, der König von Israel? Dann soll er jetzt vom Kreuz steigen, damit wir es sehen und glauben!“

Denn selbst die beiden Männer, die mit ihm gekreuzigt wurden, erlebten dasselbe Schicksal. Auch sie schmähten ihn.

Ihr Lieben, das ist das Erste, was wir hier in unserem Text sehen müssen: Jesus Christus wurde brutal misshandelt und dann auch noch verspottet und verhöhnt.

Jesus’ Schwäche und die Kreuzigung

Als Zweites sehen wir, dass Jesus durch die Folter so geschwächt war, dass er nicht einmal mehr das tun konnte, was ein Gekreuzigter normalerweise tun sollte. Er hatte offenbar nicht mehr die Kraft, den Querbalken des Kreuzes zu dem Ort zu tragen, an dem er gekreuzigt werden sollte.

So wurde ein anderer hinzugezogen. Im Vers 21 heißt es, dass die Soldaten schließlich einen Vorübergehenden zwangen, mit Namen Simon von Kyrene, der vom Feld kam, Jesus das Kreuz zu tragen. Simon von Kyrene ist vermutlich der Vater des Alexander und des Rufus. Sie brachten Jesus mit dem Kreuz zu der Stätte Golgatha, was übersetzt „Schädelstätte“ bedeutet.

Wir sehen also, dass Jesus so geschwächt war, dass er nicht einmal mehr sein eigenes Kreuz tragen konnte.

Die Kreuzigung selbst wird nur mit wenigen Worten beschrieben. In Vers 24 heißt es: „Sie kreuzigten ihn und teilten seine Kleider und warfen das Los, wer was bekommen sollte. Es war die dritte Stunde, als sie ihn kreuzigten.“

Zwischen diesen beiden Hinweisen auf die Kreuzigung steht der kurze Satz: „Und sie teilten seine Kleider und warfen das Los, wer was bekommen sollte.“ Das ist das Dritte, was wir sehen sollten: Die Soldaten machen sich noch über die letzten Besitztümer von Jesus her, während er lebendig am Kreuz hängt.

Jesus leidet dort, und die Männer, die unten am Kreuz stehen, haben nichts Besseres zu tun, als Lose zu ziehen, in der Hoffnung, noch etwas von diesem Geschundenen zu erhalten. Das ist das Letzte, was sie sich von Jesus erhoffen – vielleicht ein Kleidungsstück, wahrscheinlich blutdurchtränkt.

Was für eine Verachtung, welch eine Verachtung des Sterbenden!

Schließlich sehen wir, warum Jesus sterben musste. In Vers 26 steht über ihm geschrieben, welche Schuld man ihm gab, nämlich: „Der König der Juden.“

All diese Dinge geschehen: die Verspottung und Verhöhnung, das brutale Schlagen, das völlige Entkräften Jesu und seine Verhöhnung am Kreuz, das Verlosen seiner Kleidung und schließlich sein Tod – und das alles, weil er der König der Juden sein soll.

Das glaubt natürlich niemand. Das ist ein Witz, die absurde Anklage der Hohenpriester. Pilatus hat es nicht geglaubt, die Hohenpriester selbst haben es nicht geglaubt, niemand glaubt es.

Wir sehen ja, wie sich die Menschen darüber lächerlich machen. Die Soldaten verneigen sich vor ihm und sagen: „Du willst König sein?“ Die Menschen am Kreuz spotten: „Ach, du willst König sein?“

Keiner glaubt das. Aber Jesus muss dafür sterben, obwohl alle überzeugt sind, dass es nicht stimmt. Er ist eine verkleidete Witzfigur.

Emotionale Reaktion auf das Leiden Jesu

Das kann uns nicht unberührt lassen, Jesus so am Kreuz zu sehen.

Letzte Woche sagte mir ein Gemeindemitglied, dass ihr bei den Berichten über das Leiden Jesu immer die Tränen kommen. Sie fragte mich, ob mit ihr etwas nicht in Ordnung sei.

Da habe ich wirklich gedacht: Ich glaube, mit uns allen anderen stimmt etwas nicht. Das kann uns doch nicht unberührt lassen. Alles in uns sollte sich dagegen auflehnen.

Wie kann es sein, dass der liebe Herr Jesus, der nie jemandem etwas zu Leide getan hat, der so voller Liebe zu den Menschen war, der Kranke heilte, den Hungrigen zu essen gab und Sündern mit Gnade begegnete, so leiden und sterben muss?

Ich kann verstehen, warum mein muslimischer Freund die biblische Botschaft, diesen Bericht, absurd findet. Er war überzeugt, dass das einfach nicht stimmen kann, weil Gott in seiner Allmacht und Liebe so etwas niemals zulassen würde.

Hat Gott alles im Griff? Ein Blick auf den Text und das Alte Testament

Und so kommen wir genau zu diesen Fragen: Hat Gott wirklich alles im Griff? Ist Gott tatsächlich ein Gott der Liebe, obwohl er das zulässt?

Die Antwort auf die erste Frage findet sich in einem späteren Zusatz zu unserem Predigttext. Dieser Zusatz wird zumindest angedeutet, wenn ihr vorhin mitgelesen habt, als der Predigttext vorgelesen wurde. Wenn ihr die Bibel aufgeschlagen habt, auf Seite 64 im hinteren Teil, fällt euch auf, dass dort ein Vers fehlt. Nach Vers 27 folgt Vers 29, Vers 28 fehlt.

Das hat damit zu tun, dass Vers 28 mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ein späterer Zusatz ist, etwas, das erst im zweiten Jahrhundert hinzugefügt wurde. Wahrscheinlich, weil derjenige, der das hinzufügte, das Gefühl hatte, man müsse erklären, was hier geschieht.

Wer dann in die Fußnote schaut, sieht, dass Vers 28 dort steht, sich aber erst in späteren Überlieferungen findet. Dort steht dieser ominöse Vers 28, der lautet: „Da wurde die Schrift erfüllt, er ist zu den Übeltätern gerechnet worden.“ Es ist nur ein Rückverweis auf das Alte Testament, auf den Propheten Jesaja.

Das heißt, in diesem späteren Zusatz wird angedeutet, dass Gott sehr wohl alles im Griff hat. Er hatte es nämlich selbst im Alten Testament schon angekündigt. Wer das Alte Testament sorgfältig liest oder es gut kennt und dann zu diesem Bericht kommt, sieht lauter Erfüllungen von alttestamentlichen Prophetien.

Psalm 22 als Hintergrund zum Leiden Jesu

Ich möchte aus Zeitgründen nur einen einzigen Textabschnitt aus dem Alten Testament mit uns betrachten, nämlich Psalm 22. Dort möchte ich nur die erste Hälfte des Psalms lesen, Psalm 22, die Verse 2 bis 19.

In diesem Psalm Davids heißt es:

„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferner. Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts finde ich keine Ruhe. Du aber bist heilig, der du thronst über den Lobgesängen Israels. Unsere Väter hofften auf dich, und da sie hofften, halfst du ihnen heraus. Zu dir schrien sie und wurden errettet, sie hofften auf dich und wurden nicht zu Schanden.

Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und verachtet vom Volke. Alle, die mich sehen, verspotten mich, sperren das Maul auf und schütteln den Kopf: ‚Erklage es dem Herrn, der helfe ihm heraus und rette ihn; hat er Gefallen an ihm?‘

Du hast mich aus meiner Mutterleibe gezogen, du ließest mich geborgen sein an der Brust meiner Mutter. Auf dich bin ich geworfen, von Mutterleib an, du bist mein Gott. Von meiner Mutter Schoß an, sei nicht ferner von mir, denn Angst ist nah, denn es ist hier kein Helfer.

Gewaltige Stiere haben mich umgeben, mächtige Büffel haben mich umringt. Ihr Rachen sperren sie gegen mich auf wie ein brüllender und reißender Löwe. Ich bin ausgeschüttet wie Wasser, alle meine Knochen haben sich voneinander gelöst. Mein Herz ist in meinem Leibe wie zerschmolzenes Wachs. Meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe, und meine Zunge klebt mir am Gaumen. Du legst mich in des Todes Staub, denn Hunde haben mich umgeben, und der bösen Rotte hat mich umringt. Sie haben meine Hände und Füße durchgraben. Ich kann alle meine Knochen zählen, sie aber schauen zu und sehen auf mich herab. Sie teilen meine Kleider unter sich und werfen das Los um mein Gewand.“

Ein Freund hat mir einmal erzählt, dass er, als er diesen Psalm das erste Mal gelesen hat, davon überzeugt war, dass in seiner Bibelausgabe ein Fehler war. Er sagte, die hätten hier Worte von Jesus versehentlich als einen Psalm Davids abgedruckt. Ich kann verstehen, dass er das geglaubt hat. Es ist ein bisschen witzig, aber ist es nicht faszinierend, diese Worte zu hören, die Gott durch den Mund des Propheten David tausend Jahre bevor wir zum Kreuz kommen gesprochen hat?

Gott hat das getan, damit wir erkennen können, dass das, was hier am Kreuz geschieht, nicht Ausdruck davon ist, dass Gott die Kontrolle verloren hat oder dass er vielleicht doch nicht allmächtig ist. Sondern damit wir erkennen können: Gott hat alles im Griff. Alles kommt genau so, wie er es vor aller Zeit geplant hatte und wie er es im Psalm 22 und durch die Schriften und die Propheten angekündigt hatte.

Jesus kündigt sein Leiden selbst an

Und Jesus selbst auch. Jesus hatte es angekündigt. Schon einige Zeit zuvor, bevor er verraten und verhaftet wurde, erklärte er seinen Jüngern, was passieren würde, wenn sie nach Jerusalem kommen.

In Markus 10,33 heißt es: „Siehe, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und der Menschensohn wird den Hohenpriestern und Schriftgelehrten überantwortet werden.“ So kam es.

Sie verurteilten ihn zum Tode. Auch das geschah. Dann übergaben sie ihn den Heiden, also Pilatus und den Soldaten. Auch das geschah. Diese verspotteten ihn, spien ihn an, geißelten ihn und töteten ihn. Auch dies geschah genau so.

Doch Jesus geht darüber hinaus. Nach drei Tagen wird er auferstehen. Gott hat alles im Griff.

Die Frage nach dem Warum: Gottes Liebe im Leiden Jesu

Und doch stellt sich die Frage: Warum? Warum musste es so kommen? Warum war es notwendig, dass der Vater seinen eingeborenen Sohn diese fürchterlichen Qualen, diesen herzlosen Hohn und Spott, diesen unwürdigen Tod erleiden ließ?

Oder, um die Frage mit den Worten meines muslimischen Freundes zu stellen: Was ist das für ein Gott, der so etwas tut?

Das bringt uns zu unserem dritten Punkt. Lassen wir uns darüber nachdenken, was uns dieser Text über Gottes Liebe offenbart. Wieso tut ein Gott der Liebe das? Wieso lässt der Gott der Liebe zu, dass sein geliebter Sohn, entsprechend eines lang erdachten Plans, der im Alten Testament verkündet wurde, so fürchterlich leiden und sterben musste?

Jesus selbst hat es erklärt, und zwar schon lange vor dem Kreuz. Er hat erklärt, warum er gekommen ist, warum der ewige Gott in Jesus Christus überhaupt Mensch geworden ist. Er ist gekommen, nicht um sich dienen zu lassen als König – als König der Juden –, sondern um zu dienen und sein Leben als Lösegeld für viele zu geben.

Das ist Ausdruck der Liebe Gottes. Was wir in unserem Text beschrieben bekommen – all dieses Leiden, dieses Sterben – ist Ausdruck der Liebe Gottes zu uns Menschen. Gott der Vater und Gott der Sohn haben diesen Plan erdacht und führen ihn nun aus. Gott selbst kommt zu uns Menschen, um dann für uns zu sterben.

Er gab sein Leben als Lösegeld für Menschen, als Lösegeld für Menschen, die ihre Schuld, die sie auf sich geladen haben, niemals wieder gutmachen könnten. Ein Lösegeld, das du und ich niemals zahlen können. Und deswegen war dieses Lösegeld notwendig. Es musste gezahlt werden, damit du und ich nicht das erleiden, was Jesus hier an unserer Statt erleidet.

Gottes Gerechtigkeit und Liebe im Kreuzestod

Warum? Nicht nur, weil Gott ein Gott der Liebe ist, sondern auch, Gott sei Dank, ein gerechter Gott.

Wir alle haben ein Verlangen nach Gerechtigkeit. Ich denke, niemand von uns fände es in Ordnung, wenn zum Beispiel die brutalen Soldaten, von denen wir gerade gelesen haben, oder diese Hohnpriester, die voller Spott und Hohn den unschuldigen Jesus ans Kreuz nageln und töten lassen – nur weil sie selbst ein bisschen besser dastehen wollen und weil Jesus ihnen irgendwie im Weg steht – ungestraft davonkämen.

Keiner von uns fände es okay, wenn man sagen würde: „Ach, ist schon in Ordnung, passt schon.“ In uns ist etwas, das laut danach schreit: Hier muss Gerechtigkeit her! Das darf nicht sein!

Die gerechte Strafe für eine solche Rebellion gegen Gott, gegen den Sohn Gottes, ist der Tod. Sie haben es verdient zu sterben – nicht Jesus.

Unsere Schuld und die Notwendigkeit des Opfers

Wie ist das mit uns? Wie ist es mit uns?

Es ist gut nachvollziehbar, dass wir uns beim Lesen dieses Berichts mit Jesus identifizieren. Das ist auch richtig so. Es ist normal, dass wir uns beim Lesen vom Leiden und Sterben Jesu mit ihm identifizieren und nicht mit den Soldaten, den Räubern am Kreuz, den hohen Priestern und Schriftgelehrten oder den Schaulustigen, die sich über ihn lustig machen.

Doch wir sollten erkennen: Tief in unseren Herzen sind wir viel mehr wie sie als wie Jesus. Aufgrund unserer sündigen Natur – und ich weiß, manchem wird es nicht gefallen, dass ich das so sage – ist das Zeugnis der Bibel eindeutig. Wenn wir uns ehrlich anschauen, sind wir aufgrund unserer sündigen Natur nicht vollkommen gut. Im Gegenteil: Die Bibel beschreibt alle Menschen mit den Worten: „Das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf.“

Diese Beschreibung gilt für alle Menschen nach der Sintflut. Weil das so ist, stellt sich der natürliche Mensch, wenn Gott nicht eingreift und etwas grundlegend verändert, gegen Gott. Er lässt Gott nicht Gott sein – so wie die Hohenpriester Jesus nicht Jesus sein lassen wollten. Sie wollten keinen Christus, keinen Herrn der Herren, keinen König der Könige.

Das ist das Problem aller Menschen. Und nur deshalb, nur deshalb musste Jesus das über sich ergehen lassen. Es gab keinen anderen Weg. Es gab nur diesen einen Weg: Der gerechte Gott musste die gerechte Strafe für die Sünden der Soldaten, der Hohenpriester und der Menschen wie dir und mir tragen.

Weil Gott aber ein Gott der Liebe ist, einer unvorstellbar großen Liebe, entschied er sich dafür, die Strafe, die wir verdient hätten – genauso wie die Soldaten und Hohenpriester –, auf sich selbst zu nehmen. Deswegen kam Jesus.

Das Opfer Jesu als Ausdruck göttlicher Liebe

Der Apostel Paulus beschreibt dies im Römerbrief, Kapitel 5, Verse 6 bis 8, mit folgenden Worten:

„Denn Christus ist zu der Zeit, als wir noch schwach waren, für uns Gottlose gestorben. Nun stirbt kaum jemand für einen Gerechten; für einen guten Menschen wagt man vielleicht sein Leben. Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“

Ihr Lieben, wenn wir das erkennen und diese Wahrheit akzeptieren, erhält der Bericht vom Kreuz eine ganz neue Bedeutung für uns.

Neue Perspektiven auf bekannte Stationen des Kreuzwegs

Und so möchte ich noch einmal über einige Stationen nachdenken, die uns hier beschrieben werden. Ich will sie jetzt aus dem Blickwinkel betrachten, aus dem Blickwinkel der Liebe Gottes, der sich für uns am Kreuz aufopfert.

Schauen wir auf Simon von Kyrene. An einem Freitagmorgen kommt dieser scheinbar unschuldige Mensch vom Feld in die Stadt hinein. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als würde hier ein zum Tode verurteilter böser Mensch sein Kreuz aus der Stadt herausschleppen, um dort am Kreuz zu sterben.

Jetzt wird der Unschuldige, der mit der ganzen Sache nichts zu tun hat, genommen und muss durch den Mob hindurch das Kreuz des Sünders tragen. Aber eigentlich ist es genau andersherum. Eigentlich kommt hier ein Mensch, so wie du und ich, ein Sünder, in die Stadt hinein und trifft auf den Einzigen, der ohne Schuld ist.

Simon trägt nur für eine kleine Wegstrecke das Kreuz, das er eigentlich selbst verdient hätte – und der andere nicht. Übrigens trägt er nur den Querbalken. Dann kommen sie nach Golgatha, und dort legt Simon diesen Querbalken ab und ist frei. Er darf gehen. Aber der Unschuldige, Jesus, wird brutal ans Kreuz genagelt und getötet. Das ist doch das, was hier geschieht.

Stell dir mal vor, du wärst an diesem Morgen vom Feld in die Stadt hineingekommen. Stell dir vor, du wärst in dieser Situation gewesen. Jetzt stell dir vor, die Soldaten hätten dich gegriffen und gesagt: „Trag ihm das Kreuz!“ Wie hättest du reagiert?

Als guter, frommer Mensch hättest du vielleicht gesagt: „Gott, was soll denn das jetzt? Ich bin auf dem Weg nach Hause, das Frühstück wartet, und jetzt so ein Mist!“ Hättest du Jesus kritisch beäugt? „Ist er wirklich zu schwach? Kann er das nicht selber tragen? Ich habe eigentlich etwas Besseres vor.“ Oder hättest du ihn voller Dankbarkeit angeschaut und gesagt: „Komm, Jesus, ich nehme den Querbalken. Komm, geh zum Kreuz, geh, geh für mich. Ich brauche das. Nimm mein Kreuz auf dich, ich trage es ein Stück. Jesus, geh, gib dein Leben für mich!“ Wie hättest du reagiert?

Die Frage ist gar nicht so theoretisch, wie du denkst. Jesus sagt in seinem Wort: „Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.“ Das heißt, die Frage stellt sich für dich heute: Bist du bereit, einen Simon-von-Kyrene-Dienst zu tun und ein bisschen Kreuz zu tragen? Das ist Teil der Nachfolge.

Ich weiß nicht, wie dein Kreuz aussieht. Vielleicht musst du manchmal Hohn und Spott über dich ergehen lassen, weil du dich zu Jesus bekennst. Vielleicht führt Jesus dich an Orte, an die du lieber nicht gehen würdest. Vielleicht mutet er dir Dinge zu oder gibt dir Dinge nicht, die du nicht haben willst oder die du eben gerade haben möchtest.

Ich kenne dein Kreuz nicht, aber ich weiß, dass du, wenn du Jesus nachfolgst, immer wieder auch mal ein Kreuz tragen musst. Gottes Wort sagt dir aber auch, dass Jesus dir nie mehr auferlegen wird, als du tragen kannst. Er wird dir nie mehr auferlegen, als du tragen kannst.

Jesus selbst hat uns zugesagt, dass er da ist für uns – um uns zu helfen, um uns zu erquicken und um uns zu stärken. So ist das Joch, das uns auferlegt wird, letztendlich leicht.

Genau das zeigt Jesus uns hier. Deshalb hat er dieses Kreuz, das wir nicht tragen können, auf sich genommen. Deshalb hat er die Last deiner Sünden auf sich genommen.

Die Soldaten und das Losen um Jesu Kleider

Das ist das Erste, was wir klar erkennen sollten: Simon von Kyrene, ein ganz normaler Mensch, so wie du und ich, trägt nur den Querbalken des Kreuzes für ein kleines Stück. Jesus hingegen nimmt dann dieses Kreuz vollständig auf sich und stirbt für uns.

Das Zweite, was wir sehen sollten: Die Soldaten am Kreuz erhoffen sich von Jesus nichts anderes mehr als ein paar blutdurchtränkte Kleidungsstücke. Sie losen um das Gewand. Die Sünder erkennen dabei richtig, dass sie vom Tod Jesu profitieren. Doch Jesus hatte so viel mehr zu bieten als ein blutdurchtränktes Kleidungsstück.

Dort am Kreuz nimmt Jesus die Schuld von uns Menschen auf sich. Das, was er dort allen anbietet, die zu ihm kommen, ist eine Kleidung, die so viel besser ist als ein altes Gewand, das irgendwann sowieso kaputt sein wird. Er gibt uns die Kleider der Gerechtigkeit, die er für uns vollbracht hat. Das sind die Kleider, die wir wirklich brauchen, wenn wir aufs Kreuz schauen.

Schließlich sehen wir, dass Jesus als König der Juden verhört wird. Doch was aussieht wie die Katastrophe schlechthin, ist Triumph. Was wir hier sehen, erklärt der Text nicht weiter, er gibt uns nur einen Blick darauf: das ist die Thronbesteigung von König Jesus. Die beginnt hier. Satan verliert seine Macht, die Macht der Sünde wird gebrochen.

Die Leute verspotten König Jesus und sagen: „Wenn du ein König bist, dann komm doch vom Kreuz runter und hilf dir selbst.“ Aber weil Jesus der König aller Könige ist, bleibt er am Kreuz und hilft uns.

Mein muslimischer Freund meinte, dass Gott aufgrund seiner Liebe zu Jesus in seiner Allmacht es niemals zulassen würde, dass so etwas geschehen kann. Dabei verkennt er, dass Gott gerade aufgrund seiner einzigartigen Liebe zu uns diese Dinge genau so geschehen lässt.

Eines Tages wird jeder Mensch erkennen, dass Jesus Christus tatsächlich der König der Juden und der König aller Könige ist. Dann wird sich jedes Knie vor ihm beugen, aber nicht mit Hohn und Spott. Und jede Zunge wird bekennen, und auch das nicht spöttisch, dass Jesus Christus der Herr und König ist.

Diejenigen, die sich ihm zuvor zugewandt haben, erkennen, dass der, der da hängt, wirklich unschuldig ist. Sie erkennen, dass dieses Kreuz mir gebührt und er es für mich auf sich nimmt. Nur sie werden dann erleben, dass das, was dort geschieht, keine Katastrophe ist, sondern der Weg zur Herrlichkeit.

Diesen Weg hat Jesus für dich freigemacht, wenn du ihn anerkennst als den König aller Könige.

So möchte ich zum Abschluss fragen: Siehst du in dem grausamen Leiden von Jesus die grenzenlose Liebe Gottes? Ihr Lieben, das sollte uns emotional bewegen und unsere Herzen mit großer Freude und Dankbarkeit füllen. Es sollte uns neu motivieren, für König Jesus zu leben.

Ich möchte uns einladen, gemeinsam aufzustehen, um miteinander und füreinander die Worte aus Hebräer 12,1-3 zu lesen, die hier an der Bimmerwand stehen. Lasst uns das einander zusprechen in Anbetracht dessen, was wir gehört haben. Lasst uns ablehnen, was uns stört, und die Sünde, die uns schändlich umschlägt.

Nun lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns geschwind ist, und aussehend zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der wohl der Welt die Treue bewahren konnte. Er hat das Kreuz erduldet und die Schande gering geachtet und sich gesetzt zur Rechten des Thrones Gottes.

Wir haben den Widerspruch gegen die Sicht der Welt ertragen, weil wir nicht Macht und Mut sehen lassen. Euer Wirken in uns, gib uns diesen Mut, dir nachzufolgen und für dich zu leben, denn du verdienst es.

Danke, dass du uns freigemacht hast von aller Schuld, weil du unsere Schuld auf dich genommen hast, Herr. Ich bete, dass jeder das hier erkennt und dann erleben darf, wie du regierst.

Danke, dass dieses Kreuz eine Kraft hat, die die Welt nicht kennt, aber die du uns offenbart hast durch dein Wort. Amen.

Lasst uns im Stehen das Schlusslied singen.

Einladung zur Nachfolge und Dankbarkeit

So möchte ich dich zum Abschluss fragen: Siehst du in dem grausamen Leiden von Jesus die grenzenlose Liebe Gottes? Ihr Lieben, das sollte uns emotional bewegen. Es sollte unsere Herzen mit großer Freude und Dankbarkeit füllen. Es sollte uns neu motivieren, für König Jesus zu leben.

Ich möchte uns einladen, gemeinsam aufzustehen und jetzt die Worte aus Hebräer 12,1-3, die hier an der Bimmerwand stehen, miteinander und füreinander zu lesen. Lasst uns diese Worte einander zusprechen, angesichts dessen, was wir gehört haben. Lasst uns alles ablehnen, was uns stört, und die Sünde, die uns schändlich umschlingt.

Nun lasst uns mit Geduld laufen in dem Kampf, der uns bestimmt ist. Dabei richten wir unseren Blick auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens. Er hat die Welt überwunden, das Kreuz erduldet und die Schande gering geachtet. Er hat sich selbst der Strafe des Todes unterworfen.

Wir haben den Widerspruch gegen die Sünde überwunden, weil ihr nicht mutlos werdet und den Glauben nicht verliert. Wir bitten dich, wirke in uns und gib uns den Mut, dir nachzufolgen und für dich zu leben. Denn du verdienst es.

Danke, dass du uns von aller Schuld freigemacht hast, weil du unsere Schuld auf dich genommen hast, Herr. Ich bete, dass jeder hier das erkennt und erleben darf, wie du regierst.

Danke, dass dieses Kreuz eine Kraft hat, die die Welt nicht kennt, die du uns aber durch dein Wort offenbart hast. Amen.

Lasst uns im Stehen das Schlusslied singen.