Nun wollen wir den zweiten Timotheusbrief anfangen miteinander zu lesen.
Wir haben oft über Abschnitte aus dem ersten Timotheusbrief hier Predigten
gehabt. Aus dem Zweiten, das erste Kapitel etwa, den Vers 10, den ich heute
gar nicht besonders erwähnen will. Das haben wir oft gehabt: Jesus Christus
hat dem Tod die Macht genommen, aber wir wollen heute einmal
zusammenhängend anfangen, das zu lesen. 2. Timotheus eins Vers 1-14:
Paulus, ein Apostel Christi Jesu durch den Willen Gottes, nach der
Verheißung des Lebens in Christus Jesus, an meinen lieben Sohn Timotheus.
Das war natürlich nicht der biologische Sohn, sondern das ist 'n Titel, den
der Paulus für dieses vertraute Verhältnis nimmt.
Gnade, Barmherzigkeit, Friede von Gott, dem Vater, und Christus Jesus,
unserem Herrn. Ich danke Gott, dem ich diene von meinen Vorfahren her, mit
reinem Gewissen, wenn ich ohne Unterlass deiner gedenke in meinem Gebet Tag
und Nacht, und wenn ich an deine Tränen denke, verlangt mich, dich zu
sehen, damit ich mit Freude erfüllt werde.
Mir tut es immer leid nachher bei der Auslegung, wenn man über viel nicht
reden kann. Sie wissen, dass ich mich immer auf ein paar Punkte beschränke.
Das wäre hochinteressant, über das Gebets-Leben des Paulus zu reden, oder
was hier seelsorgerlich zwischen den beiden lief, und der Sehnsucht, sich
zu treffen. Das wird alles nachher nicht zur Rede kommen.
Denn ich erinnere mich an den ungefärbten Glauben in dir, der zuvor schon
gewohnt hat in deiner Großmutter Lois, und in deiner Mutter Eunike. Ich bin
aber gewiss, auch in dir. Aus diesem Grund erinnere ich dich daran, dass du
erweckst die Gabe Gottes, die in dir ist, durch die Auflegung meiner Hände.
Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft,
und der Liebe, und der Besonnenheit. Darum schäme dich nicht des Zeugnisses
von unserem Herrn, noch meiner, der ich sein Gefangener bin, sondern leide
mit mir für das Evangelium, in der Kraft Gottes. Er hat uns selig gemacht
und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unseren Werken, sondern nach
seinem Ratschluss, und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus
Jesus, vor der Zeit der Welt, jetzt aber offenbar ist durch die Erscheinung
unseres Heilandes Christus Jesus, der dem Tod die Macht genommen, und das
Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat, durch das
Evangelium, so dass ich eingesetzt bin als Prediger, und Apostel und
Lehrer. Aus diesem Grund leide ich dies alles. Aber ich schäme mich dessen
nicht, denn ich weiß, an wen ich glaube, und bin gewiss, er kann mir
bewahren, was mir anvertraut ist bis an jenem Tag. Halte dich an das
Vorbild der heilsamen Worte, die du von mir gehört hast, im Glauben und in
der Liebe in Christus Jesus. Dieses kostbare Gut, das dir anvertraut ist,
bewahre durch den heiligen Geist, der in uns wohnt.
Ich behaupte, wir leben in einer verrückten Zeit. Sehr interessant, wie Sie
das ansehen. Man könnte ja viel erwähnen, was in unserer Zeit verrückt und
spleenig ist. Wissen Sie, was ich im Moment als das Verrückteste ansehe?
Den Vorruhestand. Also da werden doch tatsächlich heute bewährte, erfahrene
Frauen und Männer im besten Alter gefeuert, auf die Straße gesetzt, und die
Begründung? Ja, ich will gar nicht von den geplünderten Rentenkassen reden,
irgendein Buchhalter wird ja mal feststellen, in ein paar Jahren, dass das
alles nimmer finanziert werden kann. Aber ich rede nicht vom Geld. Ich rede
auch nicht von der menschlichen Tragik für die Betroffenen! Die ist ja
unheimlich schwierig. Ich will auch nicht in Frage stellen, dass die jungen
Leute hoch motiviert und leistungsstark sind, denen man da jetzt eine
Chance gibt. Sondern ich habe den Eindruck, dass das Ganze irgendwo nicht
richtig aufgeht. Da erzählt mir neulich ein Ingenieur, der sogar in der
Solartechnik tätig ist, in der ganzen Welt zuhause war, sagt, mich haben
sie also auch mit 52 dann abgesägt, und jetzt muss ich meinen Garten
schoren, und die Büsche schneiden. Das ist jetzt mein Job. Da haben sie
zwei junger französische Ingenieure an meine Stelle gesetzt, und der Umsatz
ist auf 10 % zurückgegangen. Warum? Hätten die mir nur zwei Jahre gegeben,
und ich hätte diese jungen Leute, die, sagt er, die sind erstklassig, aber
eins fehlt denen: ganz praktische Lebenserfahrung! Hätten sie mir die
gegeben, und ich hätte die das erste Mal begleiten dürfen, in den Firmen
einführen dürfen, dann hätte das einen reibungslosen Übergang gegeben. Aber
er sagt, niemand hat auf mich gehört, und wir Alten gelten heute nichts
mehr.
Das könnte ja heute unter uns Christen ähnlich sein: Nicht, dass wir von
Herzen mit einstimmen wollten in das Lied: Jugend, Jugend, über alles, über
alles in der Welt. Wir freuen uns an so vielen jungen Leuten. Ist das nicht
ein Bild da oben? Guck mal diese herrliche Galerie junger Leute an. In
unserem Gottesdienst. Wo gibt es denn noch sowas? Ich ziehe den Hut vor
jedem jungen Menschen, der Jesus nachfolgt, der in der Jugend eine
Entscheidung für Jesus gefällt hat. Und wir wissen, mit welch einer Hingabe
junge Leute heute Jesus dienen. Und wir haben Respekt vor ihrem Können und
vor ihren Gaben. Und doch brauchen junge Leute reife, bewährte Christen,
die ihnen helfen, mit einem Stück Erfahrung, sie zu begleiten. Und das ist
das Schöne unserer Jungen, in unserer Gemeinde ist das mit den jungen
Leuten überhaupt kein Problem, dass das so schön miteinander geht. Und ich
hoffe auch, dass Sie das selber wahrnehmen, und dass sie auf junge Menschen
zugehen. Und dass Sie jungen Menschen das mitgeben. Man muss ja genau
aufpassen, wenn Paulus den Timotheus seinen Sohn nennt, weil manche schon
in der Begrifflichkeit sich verraten. Man kann ja sagen, das ist mein Sohn,
so wie mein Team, meine Gemeinde. So, das ist meine Arbeit. Und da ist so
ein Anspruch drauf, das ist ein Imperium, das ist beim Paulus nicht
gemeint. Und junge Leute sind manchmal auch da ein bisschen allergisch,
wenn man ihnen Verantwortung nicht abgeben will. Das meine ich auch nicht.
Ich finde das ja bei uns wunderbar, dass die jungen Leute die volle
Verantwortung haben. Und auch in ihrer Jugendarbeit, auch in ihren Gruppen
und Kreisen, dass man sie nirgendwo kontrolliert, und sie nirgendwo beäugt.
Aber das ist wunderbar, wenn man immer wieder zusammensitzen kann, und dann
über ein paar Punkte reden, was braucht man zum Wachsen im Glauben, was
macht man zur Reife? Und die beiden Timotheus-Briefe sind Musterbeispiele,
wie Paulus uns Ratschläge gibt. Keiner von uns kann auf diesen Rat
erfahrener Christen verzichten. Solange wir leben, brauchen wir den Rat
erfahrener Leute. Und wenn Sie einmal meine Bibliothek sehen, dann werden
Sie verwundert sein, wie viele alte vergilbte Bücher da drin sind. Und wenn
Sie die Bilder an meiner Wand ansehen, wie viel Köpfe da hängen, von
Menschen, die schon lang gestorben sind. Wir brauchen die Lebenserfahrung.
Wir wollen doch nichts anderes predigen, als was einst ein Ludwig Hofacker,
oder ein Martin Luther gepredigt hat. Mag die Sprache heute, oder die
Bildwelt heute ein wenig anders sein, aber die Sache der Nachfolge Jesu ist
doch nichts anderes, als das, was die Apostel und Propheten wollten. Und da
können wir nur immer wieder lernen, von denen, die Vorbilder waren, von
denen, die uns Ratgeber sein können, die uns helfen, wie wir unseren Weg
richtig gehen können. Und man kann nur lernen von diesem Verhältnis, das
Paulus zu diesem Timotheus hat, den er seinen treuen Sohn nennt. Da meint
er den richtigen. Einer, der dieses Verhältnis so echt lebt, Dann auch in
einer Familie, da soll es ja auch kein falsches Verhältnis sein, so dass
die Kinder meinen, sie werden bevormundet, oder gegängelt. Wo die volle
Freiheit gegeben ist, und doch so ein herrliches Verhältnis des Vertrauens
da ist, dass man sich doch beraten kann, und in kritischen Fragen auch
Rücksprache halten kann. Wir wollen lernen! Unsere ganze Reihe ist ja
überschrieben: Vom Wachsen. Ich würde auch sagen, von der Reife im Glauben,
wie man da wächst und zunimmt.
Jetzt will ich aus diesem Abschnitt nur drei Sachen herausgreifen. Da wäre
natürlich noch viel, viel, mehr drin. Deshalb, also, ich könnte auch sechs
Punkte machen, aber dann reicht's wieder mit der Zeit nicht. Drei Dinge
will ich herausgreifen.
Das erste: Erinnere dich der Gabe. Das steht im sechsten Vers. Erinnere
dich daran, dass Du erweckst die Gabe Gottes, die in dir ist. Das ist eine
ungewöhnliche Sprache. Wie würden wir sagen? Ich erinnere dich an deine
Bekehrungsstunde. Das machen wir immer wieder. Wir erzählen von unserer
Bekehrungsstunde. Die Bekehrungsstunde, oder die Entscheidungsstunde ist
eine wichtige Stunde, egal, ob sie sie mit der Uhr benennen können, oder ob
Sie sagen, es zog sich auch über einen Zeitraum hin. Das ist nicht so
wichtig, sondern, dass Sie sagen, früher lebte ich so, heute lebe ich
anders. Man muss einst und jetzt unterscheiden können. Das ist für uns sehr
wichtig, weil wir in einer Zeit leben, wo viele Mitchristen nie eine klare
Unterscheidung machen zwischen: Mit Jesus leben, oder: Ohne Jesus leben.
Für uns hat das einen großen Wert. Mir fällt aber auf, dass Paulus, wenn
ich recht beobachte, ganz, ganz selten über seine Bekehrungsstunde redet
vor Damaskus. Ich hab nachgedacht, welchen Grund das vielleicht haben
könnte. Nicht, dass sie nicht wichtig war, das war ja die entscheidende
Wende des Lebens, als ihm Jesus erschienen ist. Wenn er auf die Wende
seines Lebens anspricht, dann redet er immer davon, dass Gott ihn erwählt
hat, bevor die Welt geschaffen wurde. Warum gebraucht er diese Redeweise?
Gott hat mich erwählt vor Grundlegung der Welt. Er möchte die
Barmherzigkeit Gottes rühmen, wie die das Lied vorhin geblasen haben O
Gnade Gottes, wunderbar". Gottes Erbarmen hat mich gesucht und gefunden.
Und Gott hat von der Ewigkeit her alles in die Wege geleitet, um mich zu
sich zu führen. Ja, warum denn? Ist das so betont? Es könnte ja immer auch,
wenn wir von der Entscheidungsstunde reden, ein wenig Ruhm dabei sein, dass
wir angeben wollen, und sagen, ja ich mich eben entschieden, ich bin so
fromm gewesen, das war meine Leistung! Und dabei war es doch nur Geschenk.
Und ganz ähnlich spricht Paulus hier zu Timotheus nicht von der Bekehrung,
sondern: In deinem Leben ruht eine Gabe. Und die Gabe ruht in dir seit den
Zeiten deiner Oma Lois, und deiner Mama Eunike. Was waren denn das für
Frauen? Dem Namen nach waren sie beide Griechen, also offenbar heidnische
Frauen. Wir wissen aber aus anderen Briefen, dass es offenbar jüdische
Gläubige waren. Beterinnen, die den Gott Israels schon kannten. Dann mag es
ja manchmal in unserem Glaubensleben so sein, dass wir die Wurzeln unseres
Glaubens gering achten. Ich höre das oft bei jungen Leuten, dass sie sagen,
ja früher war alles nichts. Wir vergessen dann, was wir schon in den
Kinderstunden, im Kindergottesdienst durch liebe Paten vielleicht
mitbekommen haben, durch Voreltern, und das ist schade. Hat nicht Gott
schon lange an uns gearbeitet? Da ist eine Gabe in unserem Leben am Wirken.
Und das hilft uns ungemein, einen geistlichen Schatz zu entdecken! Erwecke
die Gabe, die in dir ist! Da ist ein Schatz in deinem Leben. Du hast eine
betende Mutter gehabt. Achte das nicht gering. Wir sind eingebettet in
Traditionen. Manchmal vergisst man das. Sie haben vielleicht eine gläubige
Patentante gehabt, oder eine Großmutter, die für Sie gebetet hat, oder nur
eine Nachbarin. Wissen Sie, dass das ein Schatz ist! Der Glaube ist doch
nicht unsere Leistung, wo wir stolz darauf sein könnten, sondern Gottes
unverdientes Geschenk, dass er uns gegeben hat. Und das sind Vorbilder,
denen wir nachleben können. Der Glaube, der schon in deinen Voreltern
wirksam war, obwohl wir doch sagen, das war doch nicht so richtig, die
waren ja noch im Judentum befangen, das kann man alles so überheblich
abkanzeln. Ist es nicht wunderbar, wenn Gottes suchende Liebe uns schon
seit langem begleitet hat. Erinnere dich des großen Schatzes in deinem
Leben, und erwecke diese Gabe. Was ist denn diese Gabe? Ich sag ja noch
durch Handauflegung ruht diese Gabe. Nachher sagt er deutlich, was es ist,
die Gabe des Geistes Gottes, der in dir ist. Jetzt, wie kriegt man den
Geist Gottes? Kriegt man den nur durch Handauflegung? Das machen wir sehr
gerne, besonders bei der Einsetzung von Mitarbeitern. Oder bei der
Konfirmation. Die Handauflegung. Aber wird der Geist Gottes nur durch
Handauflegung vermittelt? Jetzt will ich einfach nur sagen, was die Bibel
sagt. Die sagt zum Beispiel Jesus in Lukas 11, Wir dürften wie Kinder ums
Brot den Vater bitten. Und dann würde er uns seinen heiligen Geist geben.
Also den heiligen Geist gibt er aufs Gebet hin, auch. Oder? An einer
anderen Stelle im Johannes-Evangelium: Wer zu Jesus kommt im Glauben, und
einfach Durst hat, dem wird Jesus so viel Wasser geben. Das ist ja ein
Bild. Dass Ströme lebendigen Wassers von uns fließen. Das sagte er aber von
seinem Geist, dass ihn die empfangen sollen, die an ihn glauben. Also, so
empfängt man den Geist. Und die größte Gabe, die im Leben des Timotheus
schlummert, ist der Heilige Geist. Bei uns ist das oft ein sehr unsicheres
Reden. Da sagt man: Vielleicht, oder: Ich weiß nicht genau, ob ich den
Geist Gottes habe. Nein, das ist nichts Ungewisses. Wenn Sie den Geist
Gottes nicht haben, sind Sie kein Christ. Das sagt Paulus in Römer acht.
Wer Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein. Und Gott gibt seinen
Geist. Und ein Kennzeichen des Geistes ist ja, dass man zu Jesus Herr sagen
kann. Das man überhaupt glauben kann. Es ist kein Glaube möglich ohne das
Licht des Heiligen Geistes. Wunderbar, dass uns diese Gabe geschenkt ist.
Wunderbar, wenn uns die gegeben ist. Sie können doch glauben. Sie können
doch zu Jesus: Herr Jesus sagen. Jetzt erwecken Sie diese Gabe, lassen sie
sie wirken! Dieser Geist Gottes will ohne Unterlass in Ihrem Leben aktiv
sein, Sie durchdringen, Sie erfüllen.
Drei Kennzeichen erwähnt hier der Paulus für den, für diesen Geist Gottes,
für diese Gnadengabe, für dieses Charisma des Heiligen Geistes: Welche?
Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht. Das war beim Timotheus ein
besonderes Problem. Das liegt ja oft an unserem Nervenkostüm, oder an
unserer einfach biologischen Veranlagung. Dakann man ja oft nichts dafür.
Aber nun ist es so, dass der Geist Gottes auch unsere ganzen Schwächen
überspielen kann, und zudecken kann, obwohl wir nach außen noch diese
ganzen Schwächen tragen. Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht,
sondern was für einen Geist. Was ist das für ein Geist, dieser Heilige
Geist. Ein Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Da steht ja
viel in der Bibel über den heiligen Geist, und dann wollen wir doch genau
darauf achten. Ein Geist der Kraft! Auch hier gibt es gerne ein
Missverständnis: Als ob die Kraft des Heiligen Geistes uns überhöht, dass
wir so herkommen wie so ein Schwerathlet, so voll in der ganzen Kraft. In
der Bibel ist das immer anders geschildert. An dem Leben des Paulus wissen
Sie es doch ganz genau, und haben so oft auch verstanden, dass die Kraft
Jesu sich in unserer Schwachheit vollendet. Immer, wenn ich an den Punkt
komme, sind ein paar wie von einer Nadel gestochen, und sagen, das wäre
irgendjemand attackierend. Aber das doch biblisch. Das steht doch drin in
der Bibel, dass die Kraft Gottes in unserer offenkundigen Schwachheit sich
darstellt.
Der Heilige Geist wirkt mit Vorliebe dort, wo schwache Zeugen am Werke sind. Und es ist nicht so, dass die Zeugen erst noch stark werden müssen in den Augen der umstehenden Leute, sondern sie bleiben schwach.
Es bleibt auch in unserem Leben oft so, dass wir bei den Zeugen Jesu alle
Mängel und Fehler sehen können. Doch wirkt Gottes Geist in der Kraft. So
war es ja bei den ersten Zeugen. Oder ich kann einmal ein anderes Beispiel
nehmen. Beim David, als der David den Goliath besiegt hat, da hat Gott
nicht den kleinen David erst groß gemacht, sondern er hat die Kleinheit des
David benützt. Aber wie hat der David die Kraft gehabt? Indem er auf den
lebendigen Gott schaute: Ich komme zu dir im Namen des Herrn Zebaoth! Und
so zog er den Goliath entgegen, und fällte ihn. Seine Kraft wirkt in
unserer Schwachheit. Man kann es auch, genauso ist es mit der Liebe. Also,
ich will jetzt zu denen reden, die immer darunter leiden, dass sie sagen,
sie haben immer Mühe, weil sie an ihrer eigene Lieblosigkeit leiden. Aber
das ist wunderbar, dass immer wieder der Geist Gottes uns so entflammen und
erwärmen kann, dass diese Liebe neu entsteht in einem kalten und trägen
Herzen. Das ist die Liebe Jesu, die ihn uns wohnt, und dann ist es ein
Geist der Besonnenheit. Ich weiß nicht, woher man den Mut nimmt, den Geist
Gottes als etwas darzustellen, was immer skurrile Dinge macht. Der Geist
Gottes treibt etwas Besonnenes, und hat auch mit unseren Verstand etwas zu
tun, den er erleuchtet, und den er hell macht. Und so benützt der Geist
Gottes auch unsere Besonnenheit. Und das legt ein reifer Apostel seinem
jungen Mitarbeiter ans Herz, und sagt, lass diesen heiligen Geist in deinem
Leben zur Entfaltung kommen. Du trägst den Geist Gottes in dir, aber lass
ihm nun kräftig Raum! Sie werden ein Leben lang nie richtig dem Geist
Gottes so Raum lassen, wie Jesus ihm in seinem irdischen Leben Raum gegeben
hat. Was denken Sie, was der Geist Gottes heute an unserem Leben noch
wirken wird.
Zweitens. Vers 13. Schäme dich nicht. Schäme dich nicht. Schäme dich nicht
des Zeugnisses von unserem Herrn. Das ist auch im Vers acht. Schäme dich
nicht des Zeugnisses von unserem Herrn. Schäme dich nicht des Zeugnisses
unseres Herrn. Warum hassen denn so manche Leute Jesus? Haben Sie schon mal
darüber nachgedacht? Warum ist denn der Name Jesus für manche Leute schon
rotes Tuch? Man kann ja in die Kirche gehen, man kann ja Christ sein, und
trotzdem den Namen Jesu hassen. Das alte Register: Immer wieder, wenn die
von Jesus anfangen, warum denn? Weil Jesus in jedem Leben an die Türe
klopft. Ich weiß nicht, wie oft, man kann keine Regel draus machen, aber
sicher dreimal, oder viermal, oder vielleicht manchmal öfter. Wo es
Menschen ganz eindrücklich merken, jetzt müsste ich Jesus gegenüber ein
williges Jar haben. Und dann weisen sie ihn ab. Kein Wunder, dass die Leute
allergisch werden, auf den Namen Jesus. Das ist ja immer so, wenn wir etwas
verdrängen. Und wer in der Nachfolge Jesu steht, muss auch in einem langen
Christenleben wissen: Schäme dich nicht des Zeugnisses von Jesus. Solange
wir leben. Wir können in unserem ganzen Christenleben nie etwas Wichtigeres
sagen, als dass wir von Jesus reden. Alle anderen Themen, über kirchliche
Problematik, und theologische Schwierigkeiten sollen zurückbleiben. Wir
haben nur das eine zu verkünden: Jesus, den Sieger über die Todesmacht
Jesus, der bei uns ist in seiner Liebe. Jesus, der Schuld vergibt. Leide
mit mir. Wir hatten ja neulich eine Predigt aus dem Petrusbrief über das
Leiden. Interessant, dass Paulus ganz ähnlich dem Timotheus das ans Herz
legt, und sagt, ein Christenleben hat auch oft ein ganzes Stück weit viel
Leiden an sich. Vielleicht hat der junge Timotheus gar keine richtige
Freude gehabt, Kanonenfutter zu sein. Wahrscheinlich war Paulus hier schon
kurz vor seinem Lebensende, als er aus der Haft diesen Brief schrieb. Und
als er nun den jungen Timotheus vermutlich nach Rom bestellt, und
wahrscheinlich war Paulus in einem Kerker des brutalen Kaisers Nero. Da war
natürlich dem jungen Timotheus schon mulmig zumute. Viel lieber hätte der
jetzt Evangelisations-Kampagnen gestartet, und Tausende zu Jesus geführt.
Der Mann war so voll hochtrabender Pläne, was wir für Jesus wollen. Und
dann sagt Paulus, komm mit mir, und leide mit. Es fällt uns manchmal
schwer, den geringen Platz annehmen, wo Jesus uns hinstellt. Leide mit mir.
Der Apostel selber ist ein Vorbild, dass es nur um die Treue geht, dem
Herrn Jesus gegenüber, der selbst im Leiden sein mutiges Bekenntnis bekannt
hat, und nicht zurückwich. Das wollen wir verkünden. Auch noch einen
anderen Punkt. Der dritte. Frau Rieger, es eilt noch nicht. Sie dürfen
nachher aufstehen.
Der dritte Punkt kommt noch, Da geht oben schon eine Unruhe auf der Empore
los. Ich muss den dritten Punkt auch noch loswerden. Also, was mir noch
wichtig ist. Das ist mir noch wichtig.
Schäme dich nicht des Zeugnisses. Je länger wir Christen sind, umso mehr
stehen wir in Gefahr, auf unseren Kinderglauben zurückzublicken, und sagen:
Och ja, damals als Kinder, da haben wir Jesus so gebraucht, aber in der
Zwischenzeit können wir das auch ohne Jesus. Und Sie kennen viele Menschen,
die sagen: Nö, nee, ich will nimmer so, wie die kleinen Kinder. Je älter
ich werde, muss ich sagen, immer mehr muss ich wie die Kinder die Hand Jesu
fassen. Und ich kann das nicht mehr anders sagen, als in der einfachen
Sachen nur: Herr, deine Hand hält mich. Und ich werde nur gerettet durch
die Gnade Jesu, dem ich gehöre, und das ist mein Trost: Jesus Christus hat
dem Tod die Macht genommen. Ich steh hilflos davor, ich zittere, ich habe
Angst, ich kann mein Sterben nicht bewältigen, wenn ich mich nicht in die
offenen Arme Jesu fallen lasse. Schäme dich nicht des Zeugnisses!
Vielleicht sagte jemand zu Ihnen: Das ist aber sehr primitiv. Ja, ganz
primitiv! So wollen wir sein. Immer einfacher: Schäme dich nicht des
Zeugnisses von Jesus. Es ist nichts Kompliziertes. Das kann jedes Kind
verstehen und fassen. Und so wollen wir es verkünden.
Und dann das letzte: Bleibe bei dem heilsamen Wort. Da steht im Vers 13:
Halte dich an das Vorbild der heilsamen Worte, die du von mir gehört hast.
Auch noch ein Rat zur Reife. Wir haben immer die Vorstellung, wenn's um
Reife und Wachsen geht, als ob wir stärker werden müssen, als ob wir größer
werden müssen, als ob wir Erfolge vorweisen müssen, kein Wort davon! Bleib
in der Einfachheit bei Jesus, das steht da, und bleib beim Wort der Bibel.
So darf ich es jetzt für uns übersetzen. Bleib bei den apostolischen
Worten. Wachse nicht darüber hinaus. Heilsame Worte werden sie genannt.
Worte, die gesund machen, Worte, die aufrichten. Worte, die mein Leben
verändern. Heute ist oft ein Gegensatz, dass Menschen sagen: Ja, wo der
Heilige Geist wirkt, da herrscht dann die Freiheit neuer Worte und neuer
Formen. Das haben Sie auch gehört? Wenn Sie hier hinein gucken, da steht
vom heiligen Geist nur drin, dass der Heilige Geist die Worte bewahrt. Ich
weiß, auch welche Schriftstelle man sich da berufen will. Wo der Geist des
Herrn ist, da ist Freiheit. Aber nie eine Freiheit vom Wort der Bibel. Ein
Geist Gottes, der an der Schrift vorbei wirkt, ist für mich uninteressant.
Von dem will ich nichts wissen. Ich will nichts darüber sagen, als dass ich
nichts davon wissen will. Da steht hier noch da: Bewahre dieses kostbare
Gut durch den heiligen Geist. Das ist Gottes heiligste Art, die Worte, die
Jesus geredet hat, wieder zum Leben zu bringen. Durch diese Worte zu
wirken. Der Geist Gottes wirkt durch die Worte der Apostel und durch die
Jesus-Worte. Das haben wir ja so oft erfahren, und das ist in unserem Leben
eine ganz wunderbare Stärkung. Und jetzt ist wichtig, dass wir zunehmen.
Zunehmen über der Schrift. Dass die Gabe Gottes, der Geist Gottes in uns
wirken kann, in der Kraft, in der Liebe und in der Besonnenheit. Dass wir
mitleiden und uns nicht genieren am Zeugnis für Jesus. Das wäre schön, wenn
Sie wachsen! Wenn Sie reifen im Glauben. Und wenn wir das von einem
bewährten Apostel, der vor dem Heimgang steht, und der sagt: Ich habe einen
guten Kampf gekämpft, der uns sagt: bewahre dies. Die nächsten Verse, da
sagt er sehr bitter: Sie sind alle in der Provinz Asien von mir abgefallen.
Hoffentlich bleiben sie bei der Linie, bei der Sie Gott segnen kann. Amen.
