Einleitung
Heute feiern wir bereits den 4. Advent und morgen werden viele in den
Familien vor dem Weihnachtsbaum sitzen, Lieder singen und Geschenke
austauschen.
Wie jedes Jahr findet ein riesen Rummel statt. Wurden früher die
Strassenzüge und die Geschäfte besonders dekoriert, sehen wir, wie viele
Leute ihre Häuser und Balkone schmücken. Es scheint als ob alle auf das
Weihnachtskind warten würden. Und doch wollen die wenigsten genaueres
über dieses Kind erfahren.
Heute Morgen möchte ich das scheinbare Idyll von Weihnachten verlassen.
Nicht von Licht und Lichtern sprechen, sondern eine ganz nüchterne Frage
beantworten, nämlich: Was können wir vom Weihnachtsgeschehen lernen.
Paulus gebrauchte genau dieses Ereignis, um die Gemeinde am Beispiel von
Weihnachten zu unterweisen.
Bei euch gibt es doch das ermutigende Wort im Auftrag von Christus; es
gibt den tröstenden Zuspruch, der aus der Liebe kommt; es gibt
Gemeinschaft durch den Heiligen Geist; es gibt herzliches Erbarmen.
(Phil 2,1) Dann macht mich vollends glücklich und habt alle dieselbe Gesinnung,
dieselbe Liebe und Eintracht! Verfolgt alle dasselbe Ziel! (Phil 2,2) Handelt nicht aus Selbstsucht oder Eitelkeit! Seid bescheiden und
achtet den Bruder oder die Schwester mehr als euch selbst. (Phil 2,3) Denkt nicht an euren eigenen Vorteil, sondern an den der anderen, jeder
und jede von euch! (Phil 2,4) Habt im Umgang miteinander stets vor Augen, was für einen Maßstab Jesus
Christus gesetzt hat: (Phil 2,5) Er war in allem Gott gleich, und doch hielt er nicht gierig daran fest,
so wie Gott zu sein. (Phil 2,6) Er gab alle seine Vorrechte auf und wurde einem Sklaven gleich. Er
wurde ein Mensch in dieser Welt und teilte das Leben der Menschen.
(Phil 2,7) Im Gehorsam gegen Gott erniedrigte er sich so tief, daß er sogar den
Tod auf sich nahm, ja, den Verbrechertod am Kreuz. (Phil 2,8) Darum hat Gott ihn auch erhöht und ihm den Rang und Namen verliehen,
der ihn hoch über alle stellt. (Phil 2,9) Vor Jesus müssen alle auf die Knie fallen - alle, die im Himmel sind,
auf der Erde und unter der Erde; (Phil 2,10) alle müssen feierlich bekennen: »Jesus Christus ist der Herr!« Und so
wird Gott, der Vater, geehrt. (Phil 2,11)
I. Die Gesinnung (1-4)
Paulus beschreibt wie die Christen untereinander leben sollten. Gerne
pflichten wir ihm bei. In einer solchen Gemeinschaft zu leben muss doch
einfach wunderbar sein!
Bei euch gibt es doch das ermutigende Wort im Auftrag von Christus; es
gibt den tröstenden Zuspruch, der aus der Liebe kommt; es gibt
Gemeinschaft durch den Heiligen Geist; es gibt herzliches Erbarmen.
(Phil 2,1)Paulus freut sich ausserordentlich, wenn Christen so zusammenleben.
Was muss das für eine schöne Sache sein in einer solchen Gemeinschaft
leben zu können?! Eigentlich erleben wir hier bereits ein Stück Himmel
auf Erden.
Paulus weiss aber, dass Christen und Gemeinde Jesu nicht immer so lebt.
Er kennt die Hindernisse, die dazu führen, dass die eigentliche
Gesinnung, die der Gemeinde Jesu eigen sein sollte, nicht immer Ausdruck
findet.
Die Hindernisse heissen: Selbstsucht, das heisst jeder sieht in allem
zuerst seinen eigenen Nutzen. Ein weiteres Hindernis ist Eitelkeit. Und
Paulus sagt:
Handelt nicht aus Selbstsucht oder Eitelkeit! Seid bescheiden und
achtet den Bruder oder die Schwester mehr als euch selbst. (Phil 2,3) Denkt nicht an euren eigenen Vorteil, sondern an den der anderen, jeder
und jede von euch! (Phil 2,4)Das ist ja gerade eine Forderung die unserem menschlichen Wesen
entgegen läuft. Danach zu leben ist wirklich nur dem möglich, der durch
Jesus erlöst wurde.
Gemeinde soll nun so leben, dass man sich in Demut begegnet. Das
heisst, in dem ich mich selbst nicht so wichtig nehme und den andern
höher achte als mich selbst. Oder wie es Paulus noch anders ausdrückt,
indem ich nicht nur auf das sehe, was mir dienen könnte, was mir etwas
bringt, sondern auch auf das, was dem anderen dient.
Unsere erste Überlegung in der Gemeinde sollte nicht sein, ob es mir
etwas bringt, sondern ob es für den anderen Hilfreich ist.
Für mich kann vielleicht eine Bibelstunde langweilig sein. Bei einem
anderen führt dieselbe Bibelstunde zu einer entscheidenden Erkenntnis,
die ihn im Glauben stärkt.
Ein Gemeindeanlass scheint mir völlig unnötig zu sein, weil ich selbst
weder Zeit noch Interesse habe. Für einen anderen kann dieser Anlass zu
einem Schlüsselerlebnis im Glauben führen.
Ihr sollt nicht an euch selbst denken, sondern an die anderen. (1.Kor
10,24)
Die Grundüberlegung sollte nicht die sein, was es mir persönlich
bringt, sondern was kann ich beitragen. Was kann ich in die Gemeinde
hineinbringen. Wie kann ich ein Segen für den Anderen sein.
Dem andern in Demut begegnen und ihn höher achten als uns selbst, ist
von grosser Bedeutung.
Denn anderen höher achten heisst aber nicht, dass der andere alles
grundsätzlich besser macht als ich. Es geht nicht darum, dass ich mich
geringer achte. Die Verschiedenheit der Gaben und Fähigkeiten bleibt
bestehen. Und es geht nicht darum, dass einer der für die
Sonntagsschularbeit sehr begabt ist, dem anderen der nicht so begabt ist,
sagt, nein nein, du kannst das viel besser als ich.
Dies wäre eine unwahre und künstliche Demut, die wir leben würden. Ja,
es wäre sogar heuchlerisch.
Es geht darum, dass wir einander mit der Ehrerbietung begegenen, die
der natürliche Mensch in der Regel nur denen entgegenbringt, die ihm in
ihrer Stellung und Fähigkeiten übergeordnet sind.
Die höhere Achtung bezieht sich nicht auf die Leistungen des einzelnen,
sondern es handelt sich um eine Wertschätzung des anderen, die von seinen
Fähigkeiten und seiner Herkunft unabhängig sind, allein darin begründet,
dass er ein Kind Gottes ist.
Anwendung
Achte ich den anderen in Demut höher als mich selbst, oder messe ich
mich mit ihm. Kämpfe ich um einen Platz, der mir die nötige Anerkennung
einbringt und bin ich neidisch auf die, die Aufgaben ausführen, die ich
selbst gerne tun möchte.
Paulus sagt den Galatern:
Wir wollen nicht mit unseren vermeintlichen Vorzügen voreinander
grosstun, uns damit gegenseitig herausfordern oder einander beneiden.
(Gal 5,26)Kann ich den andern achten, sogar höher achten, auch wenn er scheinbar
begabter ist als ich. Oder steigt in mir Neid und Eifersucht auf?
II. Das Vorbild (5-8)
Paulus fordert die Gemeinde nicht einfach auf diese Gesinnung
auszuleben. Er macht sie auf ein hervorragendes Vorbild aufmerksam, an
dem sie sich orientieren können. Es ist niemand geringerer als Jesus
selbst.
Habt im Umgang miteinander stets vor Augen, was für einen Maßstab Jesus
Christus gesetzt hat: (Phil 2,5)Jesus ist also die Messlatte. Zugegeben, die ist schon etwas hoch, aber
ich erlaube mir nicht Paulus zu widersprechen und die Forderung zu
stellen, die Messlatte tiefer zu setzen.
Diese Messlatte hat Jesus auch nicht durch eine gut formulierte Ethik
an uns weitergegeben – Nein! Er hat es uns vorgelebt, denn
Er war in allem Gott gleich, und doch hielt er nicht gierig daran fest,
so wie Gott zu sein. (Phil 2,6) Er gab alle seine Vorrechte auf und wurde einem Sklaven gleich. Er
wurde ein Mensch in dieser Welt und teilte das Leben der Menschen.
(Phil 2,7) Im Gehorsam gegen Gott erniedrigte er sich so tief, daß er sogar den
Tod auf sich nahm, ja, den Verbrechertod am Kreuz. (Phil 2,8)
Jesus verwirklichte das Prinzip in seinem Leben, den anderen höher zu
achten als sich selbst. Er fragte nicht danach, was ihm dienen würde, was
für ihn gut wäre, was ihm gut täte usw. Er fragte danach, was für uns
wichtig ist, was uns gut tut.
Daran war Jesus bereit in die Welt zu kommen. Im einem Stall, in einer
Krippe. Geboren von einer armen Frau. Beachtet von wenigen und seine
Eltern mussten mit ihm fliehen, weil er schon hätte getötet werden
sollen.
Er hätte doch zumindest in einem Königshaus zur Welt kommen sollen.
Jesus verzichtete auf das Recht, das ihm zugestanden wäre. Er nahm als
Herr aller Herren und König aller Könige Knechtsgestalt an und wurde uns
Menschen gleich. Er wurde uns so gleich, dass er als Gott nicht erkannt
wurde, Jesaja schreibt sogar:
Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und
Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg;
darum haben wir ihn für nichts geachtet. Jes.53,3.
Jesus tat dies alles freiwillig. Niemand zwang ihn dazu, denn er
erniedrigte sich selbst. Aus freiem Entschluss wurde er Mensch. Aus
freiem Entschluss nahm er Knechtsgestalt an.
Seine Erniedrigung nahm ein solches Ausmass an, dass er sich bis zum
Tode erniedrigte, ja er liess sich von den Menschen ans Kreuz schlagen.
Dieser Verzicht Jesu auf das, was ihm eingentlich zustünde, ist
Beispielhaft. Jesus hatte nicht seine eigene Ehre im Blick, als er in
diese Welt kam.
Jesus wollte uns von unserer Sünde erlösen. Er sah nicht auf das seine,
sondern auf das was uns dient.
Jesus sah auf Dich!
Jesus wusste ganz genau, was er verlassen hatte, auf was er
verzichtete, denn kurz vor seiner Hinrichtung wendet er sich an Gott
seinen Vater und sagt:
Und nun, Vater, gib mir, wenn ich wieder bei dir bin, von neuem die
Herrlichkeit, die ich schon vor der Erschaffung der Welt bei dir hatte.
Joh.17,5.
Anwendung
Paulus hätte wohl kein stärkeres Argument finden können, um uns zu
zeigen wie demütige Gesinnung zu uns Christen passt.
Jesus unser Retter hat es uns selbst vorgelebt. Durch sein Demütiges
und selbstloses Handeln ist uns grosse Gnade widerfahren. Nun sollen wir
auch untereinander in dieser Gesinnung leben.
Es ist wie bei Jesus ein freiwilliger Entschluss. Der Blick in die
Krippe an Weihnachten wird uns dabei helfen. Vielleicht entschliesst Du
Dich diese Weihnachten einmal mehr, dich nicht so wichtig zu nehmen. An
diesem Punkt ermutigt auch Petrus die Christus.
Euch Jüngeren aber sage ich: Ordnet euch den Ältesten unter! Überhaupt
müsst ihr - das sage ich allen - im Umgang miteinander jede
Überheblichkeit ablegen. Ihr wisst doch: »Gott widersetzt sich den
Überheblichen, aber denen, die gering von sich denken, wendet er seine
Liebe zu.« (1.Petr 5,5) Beugt euch also unter Gottes starke Hand, damit er euch erhöhen kann,
wenn die Zeit gekommen ist. (1.Petr 5,6)
Schluss
Weihnachten ist ein Fest der Besinnung, aber noch viel stärker ein Fest
der Gesinnung.
Weihnachten ist der grösste Ausdruck von Selbstverleugnung. Jesus lebte
uns vor, wie wir als Christen und als Gemeinde gesinnt sein sollten.
Jesus sagt:
Nun wandte sich Jesus an alle und sagte: Wenn jemand mein Jünger sein
will, muss er sich selbst verleugnen, sein Kreuz täglich auf sich
nehmen und mir nachfolgen. Lk.9,23.
Möge Gott uns helfen, dass diese Gesinnung immer stärker unser Leben
und Wirken bestimmt. Mit einem Wort des Paulus an die Römer möchte ich
schliessen, er schreibt:
Denn von Gott kommt alle Ermutigung und alle Kraft, um durchzuhalten.
Gott helfe euch, Jesus Christus zum Massstab für euren Umgang
miteinander zu nehmen und euch vom gemeinsamen Ziel bestimmen zu
lassen. / Gott möchte, dass ihr ihn alle einmütig und mit voller
Übereinstimmung preist, ihn den Gott und Vater unseres Herrn Jesus
Christus. Rö.15,5-6.
Amen

