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Der Messias im Alten Testament (AT), Teil 13/60

Der Messias im Alten Testament (AT), Teil 13/60
16.12.2007Psalm 24,1-10
SERIE - Teil 13 / 60Der Messias im Alten Testament (AT)

Einführung in die messianischen Prophezeiungen und Psalm 24

Für diejenigen, die noch nie dabei waren:

Wir sind seit einiger Zeit dabei, gemeinsam die messianischen Prophezeiungen zum ersten Kommen von Jesus Christus zu studieren. Wir haben in erster Mose begonnen und sind so sukzessiv durch die Bibel gegangen. Derzeit befinden wir uns in den Psalmen.

Es gibt insgesamt über 300 Prophezeiungen, die sich im ersten Kommen von Jesus Christus vor etwa zweitausend Jahren erfüllt haben. Besonders in den vergangenen Bibelklassen haben wir uns mit Psalm 22 beschäftigt. Dieser Psalm von David beschreibt die Kreuzigung Jesu über tausend Jahre im Voraus, und zwar bis ins kleinste Detail.

Beim letzten Mal haben wir uns dann mit Psalm 23 beschäftigt, und heute steht Psalm 24 auf dem Programm. Diese drei Psalmen bilden eigentlich eine Trilogie.

In Psalm 22 sehen wir Jesus Christus als den guten Hirten, der nach Johannes 10 sein Leben für seine Schafe lässt. Das ist der Kreuzigungspsalm.

 Psalm 23 handelt von Jesus Christus, dem großen Hirten der Schafe, wie er in Hebräer 13 vorgestellt wird – als derjenige, der heute sein Volk führt.

Nun folgt Psalm 24. Diesen Psalm kann man mit einem Titel überschreiben, den Jesus Christus in 1. Petrus 5,3 trägt: Er ist der Oberhirte, der Erzhirte, der eines Tages als König der Welt kommen wird.

Psalm 24 und das Kommen des Messias

Ja, lesen wir Psalm 24 einfach einmal durch. Peter, darf ich dich bitten?

„Die Erde ist des Herrn und was sie erfüllt, der Erdkreis und die darauf wohnen; denn er hat sie gegründet über Meeren und über Strömen sie festgestellt. Wer wird steigen auf den Berg des Herrn, und wer wird stehen an seiner heiligen Stätte? Der unschuldiger Hände und reinen Herzens ist, der nicht seine Seele zur Falschheit erhebt und nicht schwört zum Trug. Der wird Segen empfangen vom Herrn und Gerechtigkeit von dem Gott seines Heils. Das ist das Geschlecht derer, die nach ihm fragen, die dein Angesicht suchen, Jakob. Erhebt, ihr Tore, eure Häupter, und erhebt euch, ihr ewigen Pforten, dass der König der Herrlichkeit einziehe! Wer ist dieser König der Herrlichkeit? Der Herr, stark und mächtig, der Herr, mächtig im Streit. Erhebt, ihr Tore, eure Häupter, und erhebt euch, ihr ewigen Pforten, dass der König der Herrlichkeit einziehe! Wer ist dieser König der Herrlichkeit? Der Herr der Heerscharen, er ist der König der Herrlichkeit.“

Hier geht es also um das Kommen des Messias, der als König der Herrlichkeit bezeichnet wird. Er soll durch die Tore Jerusalems einziehen.

In Vers 3 wird der Tempelberg erwähnt, der sich in Jerusalem befindet. Die Frage lautet: Wer wird auf den Berg des Herrn steigen und wer wird an seiner heiligen Stätte stehen?

Der Berg des Herrn ist der Tempelberg in Jerusalem, genauer gesagt in Ostjerusalem. Die heilige Stätte ist der Tempelplatz, der sich oben auf dem Tempelberg, auf dem Berg Zion, befindet.

Das zweite Kommen des Messias und die Tore Jerusalems

Nun haben wir also diesen Aufruf in den Versen 7 bis 10: Die Tore Jerusalems sollen sich öffnen für das Kommen des Messias.

Nach Sacharja 14, wenn wir das kurz aufschlagen, wird Jesus Christus in der Endzeit auf dem Ölberg wiederkommen. Schauen wir uns das ganz kurz an.

Der Zusammenhang ist folgender: Sacharja Kapitel 12 bis 14 beschreibt den letzten Krieg aller Völker rund um Israel, den Kampf um Jerusalem. In diesem verheerenden Kampf wird plötzlich der Messias eingreifen.

Wer liest Sacharja 14, Verse 3 bis 5? Dort heißt es, dass der Herr eingreifen wird. Und in Vers 9 wird noch gesagt: „Und der Herr wird König sein über die ganze Erde.“

Dabei geht es also um das zweite Kommen von Jesus Christus in der Endzeit. Er wird auf dem Ölberg wiederkommen und gegen die Völker kämpfen, die um den Tempelberg ringen.

Das entspricht übrigens ganz dem, was wir in Psalm 24, Vers 8 lesen: „Wer ist dieser König der Herrlichkeit? Der Herr, stark und mächtig, der Herr, mächtig im Kampf.“

Geographische Bedeutung des Ölbergs und des Tempelbergs

Für diejenigen, die noch nie in Jerusalem waren: Der Tempelberg liegt direkt gegenüber vom Ölberg.

Der Ölberg befindet sich außerhalb der Altstadt, während der Tempelberg selbst noch zur Altstadt von Jerusalem gehört. Dazwischen liegt das Kidron-Tal.

Jesus Christus wird auf dem Ölberg kommen und dann nach Jerusalem einziehen, um die Herrschaft zu übernehmen.

Auf diesen Einzug bezieht sich ganz direkt Psalm 24. Dort wird beschrieben, wie er als der Oberhirte kommt und die Herrschaft über die Welt einnehmen wird. Er wird als der König der Herrlichkeit bezeichnet, so steht es in Psalm 24, Verse 7, 9 und 10. Der König der Herrlichkeit.

Der erste Einzug Jesu nach Jerusalem am Palmsonntag

Nun haben wir eine ganz direkte Parallele. Beim ersten Kommen von Jesus Christus gab es ebenfalls einen Einzug nach Jerusalem. An welchem Tag war das? Am Sonntag. Es war also der Sonntag vor Karfreitag, fünf Tage vor der Kreuzigung. An diesem Tag zog er in Jerusalem ein.

Woher kam er? Auch vom Ölberg, also ganz genau wie beim zweiten Kommen zog er vom Ölberg nach Jerusalem ein. Allerdings nicht auf einem Kampfpferd, wie es in Offenbarung 19,11 bei seinem zweiten Kommen beschrieben wird. Dort kommt er auf einem Kampfpferd. Beim ersten Mal kam er auf einem Esel.

Der Esel ist nicht das typische Kriegstier. Er kam nicht als Richter der Welt, sondern als Retter der Welt.

Schlagen wir in Sacharja nach, Kapitel 9, Vers 9. Dort wird dieses erste Kommen, dieser erste Einzug nach Jerusalem beschrieben. Wer liest uns das vor?

 Sacharja 9,9: „Jauchze laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir; gerecht und siegreich ist er, demütig und reitet auf einem Esel, auf einem Fohlen, dem Jungen einer Eselin.“

Die Bewohner von Jerusalem werden hier „Tochter Zion“ genannt, nach dem Namen des Tempelbergs in Jerusalem, und auch „Tochter Jerusalem“. Die Bewohner Jerusalems sollen sich freuen, weil der Messias als König kommt.

Gerecht und siegreich – eigentlich meint das hebräische Wort „ein mit Rettung oder Heil Begabter“, also gerecht und Retter ist er. Demütig und auf einem Esel reitend.

So ist Jesus Christus am Palmsonntag eingezogen. Er wurde von der Volksmenge als Messias-König gefeiert und begrüßt. Das steht in Johannes 12, ab Vers 12 und folgende. Dort wird auch ein Satz aus Psalm 118 zitiert, den die Rabbiner dem Volk beigebracht hatten: Wenn der Messias kommt, muss man ihn mit diesen Worten begrüßen.

 Psalm 118,26: „Gesegnet sei der, der kommt im Namen des Herrn!“

Auf Hebräisch heißt das: „Baruch haba b'schem Adonai.“ „Baruch haba“ bedeutet „gesegnet der da kommt“ und ist im Hebräischen die normale Formulierung für „willkommen“. Wenn jemand zu Besuch kommt, öffnet man die Tür und sagt „Baruch haba“. Wenn es mehrere sind, sagt man „Bruchim habaim“ – „gesegnet die Kommenden“. Das heißt also „willkommen“.

Dieser Ausdruck „Gesegnet der da kommt“ bedeutet nichts anderes als „willkommen, der da erscheint im Namen des Herrn“. Genau diesen Gruß hat die Volksmenge gerufen: „Baruch haba b'schem Adonai.“

Fünf Tage später wurde Jesus Christus gekreuzigt. Die Volksmenge vor Pilatus schrie: „Kreuzige ihn!“

Das zeigt, wie unstet die Volksmasse ist. Das ist zu allen Zeiten so. Man kann sie manipulieren, drehen und wenden, direkt mit ihren Gefühlen spielen, wie man will – und genau das ist dort geschehen.

Die Doppelbedeutung von Psalm 24: Erstes und zweites Kommen Jesu

In unserem Psalm 24 zeigt sich daher eine Doppelbedeutung, die sowohl auf das erste als auch auf das zweite Kommen von Jesus Christus hinweist. Denn es gibt dort zweimal einen Einzug nach Jerusalem.

Im Judentum haben sich die Rabbiner früher und auch heute noch gefragt, warum der Messias in Sacharja 9 als jemand beschrieben wird, der auf einem Esel nach Jerusalem kommt. Andererseits steht in Daniel 7, Vers 14, dass er mit den Wolken des Himmels kommt. Wir können das ganz kurz nachschlagen: Daniel 7, Vers 14 – eigentlich Vers 13. Wer liest das vor? Ja, bitte, irgendjemand!

„Ich schaute in den Gesichtern der Nacht, und siehe, in den Wolken des Himmels kam einer wie der Sohn des Menschen. Er kam zu dem Alten am Tage, und man warf ihn vor ihm nieder.“

Hier wird also der Menschensohn beschrieben. Das ist dieser typische Titel für den Messias, den wir schon früher im Psalm 8 gefunden haben. Dort wird der Sohn des Menschen genannt, nicht der Sohn der Menschen. Denn er sollte jemand sein, der nur von einem Menschen abstammt. Jesus Christus hatte keinen menschlichen Vater, sondern nur eine menschliche Mutter – der Sohn des Menschen.

So sieht der Prophet Daniel in der Traumvision den Menschensohn, wie er auf den Wolken des Himmels kommt. Das ist im Judentum ein Widerspruch. Schon früher, aber auch heute noch wird darüber nachgedacht: Wie kann das sein, dass er auf dem Esel kommt und zugleich auf den Wolken des Himmels?

Man hat diese Erklärung gegeben: Das sind zwei Möglichkeiten. Wenn wir unwürdig sind, wird der Messias auf dem Esel kommen. Wenn wir würdig sind und nach der Tora leben, nach dem Gesetz Mose, dann wird er auf den Wolken des Himmels kommen.

Die volle Wahrheit ist jedoch, dass es sich nicht um zwei Möglichkeiten handelt, sondern um zwei verschiedene Kommen. Beim ersten Mal sollte Jesus Christus als der leidende Messias kommen, um das Heil durch seinen Opfertod am Kreuz zu schaffen. Dabei kam er auf dem Esel – als einer, der Heil und Rettung bringt.

Beim zweiten Mal wird er auf den Wolken des Himmels kommen. Dann wird er auf dem Ölberg erscheinen, wie wir in Sacharja 14 lesen. Seine Füße werden an jedem Tag auf dem Ölberg stehen, der östlich von Jerusalem liegt.

Es handelt sich also nicht um zwei Möglichkeiten, sondern um zwei verschiedene Erscheinungen. Doch bei beiden Erscheinungen gibt es jeweils einen Einzug nach Jerusalem.

Psalm 24 im jüdischen Gebetsbuch und seine Bedeutung am ersten Tag der Woche

Im Judentum gibt es genau festgelegte Gebete und Gebetszeiten. Deshalb besitzt der normale Jude ein Gebetsbuch wie hier, das Sidur Schmakolenu heißt. Schmakolenu bedeutet „Hörer unserer Stimme“. In diesem Buch sind alle wichtigen Gebete für das tägliche Gebet, für den Sabbat und weitere Anlässe verzeichnet. Auch die Psalmengebete für jeden Tag sind enthalten.

Es gibt sieben ausgewählte Psalmen, die auf die sieben Wochentage verteilt gebetet werden müssen. Diese Praxis reicht bis in vorchristliche Zeiten zurück. Schon im Talmud wird erwähnt, dass der Priesterchor im Tempel an den verschiedenen Wochentagen genau diese sieben Psalmen singen musste. Es waren nicht viele andere Psalmen erlaubt, sondern nur diese Wochenpsalmen. Diese Tradition geht sogar bis in die alttestamentliche Zeit zurück.

Ich habe hier die älteste Bibelübersetzung auf Griechisch mitgebracht. Das Alte Testament ist ursprünglich in Hebräisch und Aramäisch verfasst. Zum ersten Mal wurde die Bibel im dritten Jahrhundert vor Christus in Ägypten ins Griechische übersetzt. Das war notwendig, weil es damals bereits viele Juden gab, die nicht mehr richtig Hebräisch konnten und im Ausland lebten, beispielsweise in Alexandria, Ägypten, und anderen Orten. Diese Menschen brauchten eine Übersetzung.

Durch diese Übersetzung erhielten übrigens auch Nichtjuden Zugang zur Bibel. Denn im Römischen Reich, nachdem diese Übersetzung vollendet war, war Griechisch im dritten Jahrhundert vor Christus die Weltsprache, vor allem im östlichen Teil des Reiches. Man kam mit Griechisch in ganz Nordafrika und Europa zurecht, außer in Spanien, wo Lateinkenntnisse erforderlich waren. So hatte die Heidenwelt vor etwa zweitausend Jahren Zugang zum Alten Testament über diese griechische Übersetzung.

Bei Psalm 24 steht im Titel „Für den ersten Tag der Woche“. Das bedeutet, dass bereits im dritten Jahrhundert vor Christus im Judentum Psalm 24 für den ersten Wochentag im Tempel verwendet wurde. Mit anderen Worten: Genau an dem Tag, als Jesus Christus an Palmsonntag in Jerusalem einzog, sang der Priesterchor Psalm 24.

 Vers 7 lautet: „Erhebt ihr Tore eure Häupter und erhebt euch, ewige Pforten, das Einziehen des Königs der Herrlichkeit.“ Das ist ein passendes Timing, das man als schön abgestimmt bezeichnen kann. Doch es gibt noch mehr.

Die genaue Zeit des Einzugs Jesu nach Jerusalem nach Daniel 9

Wir werden später, wenn wir zum Propheten Daniel kommen, Kapitel neun genau studieren. Dort wird die genaue Zeit angegeben, wann der Messias kommen müsse.

Zur Zeit Daniels war Jerusalem noch in Staub und Asche. Dann wird Daniel gesagt, dass ab dem Moment, in dem ein Erlass ausgeht, Jerusalem wieder aufzubauen, man berechnen könne, wann der Messias kommt. Es wird ihm gesagt, dass neunundsechzig Jahrwochen vergehen werden. Eine Jahrwoche entspricht einer Zeit von sieben Jahren.

Die prophetischen Jahre in der Bibel dauern 360 Tage. Deshalb kann man das umrechnen: 69 mal 360 Tage ergeben 173.880 Tage. (Da habe ich gerade im Kopf falsch gerechnet – ja, Spaß beiseite.) Diese 173.880 Tage markieren den Zeitpunkt, an dem der Messias als Fürst kommen soll.

Wenn man von der Zeit Nehemias ausgeht, in der dieser Erlass gegeben wurde – nämlich 445 vor Christus im Passamonat Nissan – und diese 173.880 Tage rechnet, kommt man auf das Jahr 32 nach Christus, wieder im März oder April. Das war die Zeit des Einzugs nach Jerusalem an Palmsonntag. Das passt wunderbar zusammen.

Mit anderen Worten: Den Einzug können wir aus den Evangelien sogar genau festlegen. Er fand am 6. April 32 nach Christus statt. Wenn man von dort 173.880 Tage zurückrechnet, kommt man genau auf den ersten Nissan 445 vor Christus. Das entspricht dem 14. März 445 vor Christus nach unserem Kalender.

So passt das also exakt zusammen.

Der Erste, der das so genau nachgerechnet hat, war Sir Robert Anderson im 19. Jahrhundert. Er war damals der Chef von Scotland Yard und ein gläubiger Mann. Er schrieb viele Kommentare, zum Beispiel einen Kommentar über den Hebräerbrief. Dabei arbeitete er mit Astronomen vom Kölner Observatorium in Greenwich zusammen, die diese Daten nach ihren astronomischen Berechnungen genau ermittelten.

Man kann also sagen: Der Palmsonntag war exakt der 173.880. Tag nach diesem Erlass, Jerusalem wieder aufzubauen. Er fiel damals genau auf einen Sonntag und damit auf den Tag, an dem der Priesterchor das passende Lied sang. Das ist doch schon eindrücklich.

Jesu Weinen bei seinem Einzug und die Bedeutung der Tore Jerusalems

Jesus weinte bei diesem Einzug, weil er wusste, dass diese Begrüßung, dieser Willkommensruf, nur äußerlich war und keine innere Tiefe hatte.

Wir können kurz Lukas 19,41 betrachten: „Und als er sich näherte und die Stadt sah, weinte er über sie und sprach: Wenn auch du an diesem Tag erkannt hättest, was zum Frieden dient! Jetzt aber ist es vor deinen Augen verborgen. Denn Tage werden über dich kommen, da werden deine Feinde einen Wall aufschütten und dich umzingeln. Sie werden dich von allen Seiten einschließen, dich und deine Kinder in dir zu Boden werfen und nicht einen Stein auf dem anderen lassen, weil du die Zeit deiner Heimsuchung nicht erkannt hast.“

Hier sagt der Herr Jesus in Vers 42: „Wenn auch du Jerusalem erkannt hättest, an diesem deinem Tag!“ Dieser Tag ist der Tag Jerusalems, der 173. Tag nach dem Erlass, dass Jerusalem wieder erbaut werden sollte. Hättest du an diesem Tag erkannt, wer da einzieht – nicht nur äußerlich, sondern innerlich –, dann würde diese Katastrophe nicht kommen. Tatsächlich haben 38 Jahre später, im Monat Nissan, im Passahmonat, die Römer genau so gehandelt: Sie schütteten den Wall auf und schlugen Jerusalem zusammen, so wie es hier beschrieben ist.

Es ist also ein ganz dramatischer Tag, dieser Palmsonntag, an dem der Herr nach Jerusalem einzog. Hier werden die Tore der Stadt angesprochen. Es ist poetisch, dass eine Stadt direkt angesprochen wird. Damit soll gesagt werden, dass die Bewohner Jerusalems offene Türen haben, um den Messias zu empfangen. Doch es werden die Tore direkt angesprochen.

Nun stellt sich die Frage: Was sind ihre Häupter, die sie heben sollen? Was ist das Haupt eines Tores? Hat jemand eine Erklärung zu diesem eigenartigen Ausdruck? Das Haupt des Tores ist eigentlich der Überbau über dem eigentlichen Tor. Die meisten kennen wahrscheinlich das goldene Tor in Jerusalem. Es ist das Tor, das direkt nach Osten zum Ölberg schaut, aber zugemauert ist. Die Muslime haben es zugemauert, um zu verhindern, dass der Messias, wie in der Bibel beschrieben, nach Jerusalem kommt, wenn er auf dem Ölberg erscheint.

Dieses Tor hat einen großen Überbau mit einer Zinne darauf, das ist das Haupt des Tores. Hier wird also nicht nur gesagt, die Tore Jerusalems sollen sich öffnen, sondern auch, dass die Häupter sich heben sollen. Das bedeutet, der Überbau soll ebenfalls entfernt werden, damit der König einziehen kann.

Das mit den Steinen, die die beiden Eingangstore vermauern, ist kein Problem. Die Bibel hat schon längst vorgesorgt. Nicht nur die Tore an sich werden sich öffnen, sondern auch ihre Häupter werden sich wegheben.

Es wird ausdrücklich gesagt: „Ihr ewigen Pforten“, oder besser übersetzt: „Ihr Pforten der Urzeit“, also die uralten Tore. Das goldene Tor gehört zu den ältesten Toren, die es in Jerusalem noch gibt. Es stammt wahrscheinlich aus der byzantinischen Zeit, also aus dem 4. Jahrhundert nach Christus. Später wurde es von den Muslimen zugemauert.

Im Inneren ist es jedoch ein Torgebäude, in dem sich noch die originalen Torpfosten befinden. Das sind zwei riesige Steinblöcke, Monolithen, einer dreieinhalb Meter, der andere viereinhalb Meter hoch. Diese sind die originalen Torpfosten des Osttores des Tempels, mindestens aus der Zeit von Nehemia, dem 5. Jahrhundert vor Christus. Die Struktur des goldenen Tores ist also noch erhalten.

Hier wird also gesagt, dass nicht nur ein einzelnes Tor, sondern alle alten Tore Jerusalems sich öffnen sollen, damit der König der Herrlichkeit einziehen kann. So ist der Herr Jesus also von Osten her nach Jerusalem eingezogen – schon bei seinem ersten Kommen.

Die Bedeutung der Schöpfungstage für die Passionswoche

Was noch zu sagen ist, wissen wir auch aus dem Talmud. Dieser ist das wichtigste theologische Werk des Judentums aus nachbiblischer Zeit. Er wurde ab dem zweiten Jahrhundert nach Christus verfasst, enthält aber viel Material, das bis auf die Zeit kurz vor Christus zurückreicht.

Dort wird auch berichtet, dass im alten Israel in verschiedenen Städten in den Synagogen an jedem Tag bestimmte Abschnitte aus dem Schöpfungsbericht gelesen wurden. Es ist nicht schwer herauszufinden, welcher Abschnitt am Sonntag, dem ersten Tag der Woche, gelesen wurde.

Wo kommt der Sonntag im Schöpfungsbericht vor? Ist das der Sonntag? Nein, das ist der Schabbat, der siebte Tag der Woche. In der ursprünglichen Zählung, die heute vielfach nicht mehr so verwendet wird, ist der Samstag eben der siebte Tag der Woche.

Lesen wir also den ersten Schöpfungstag, 1. Mose 1,1-5. Dieser Abschnitt beschreibt den ersten Tag, also den Sonntag. Mit dem Sonntag beginnt die Bibel, nicht mit dem Schabbat.

In 1. Mose 1,1-5 heißt es: Am Anfang erschuf Gott Himmel und Erde. In Hiob 38,7 lesen wir, dass die Engel, die damals schon existierten, als Gott die Erde erschuf, jubelten. Die Engel waren also bereits vor der Erschaffung der Erde geschaffen.

Von einem Ereignis, das später stattfand, lesen wir in 1. Johannes 3,8: Dort steht, dass der Teufel von Anfang an sündigt. Ein Engel wollte sein wie Gott. Das kann man in Jesaja 14,12ff. und Hesekiel 28,12ff. nachlesen. Ein Engel rebellierte und wollte Gott gleich sein. Deshalb wurde er laut Jesaja 14,12 auf die Erde gestürzt.

Das hat Auswirkungen auf 1. Mose 1,2: „Und die Erde war wüst und leer“ – oder im Hebräischen „tohu wa bohu“. Man kann das Hebräische sowohl mit „war“ als auch mit „wurde“ übersetzen. Beides ist möglich. Man kann mit Recht sagen, die Erde wurde wüst und leer.

Der Vers 2 lautet: „Und Finsternis lag auf der Tiefe, und der Geist Gottes schwebte über den Wassern.“ So wurde die Erde eine Wüste, voll von Finsternis. Noch am selben Tag, und es sind keine langen Zeiträume gemeint, ließ Gott sein Licht in diese Finsternis hineinleuchten. Das ist das Werk des ersten Tages.

Was geschah nun am Palmsonntag? Der Herr Jesus, der Sohn Gottes, das Licht der Welt (Johannes 8,12), kam von Osten her, vom Ölberg, in die Stadt Jerusalem. Diese Stadt war voll Finsternis, denn die meisten Menschen hatten keine offenen Herzen für den Messias.

Doch so kam das Licht, die Gegenwart Gottes, in die Dunkelheit hinein, und Jesus ritt in Jerusalem ein. Genau diesen Abschnitt las man damals an vielen Orten im ganzen Land Israel in den Synagogen. Das passte also sehr schön zum Palmsonntag.

Die Auferstehung und das Öffnen der Türen

Und eine Woche später war wieder der erste Tag der Woche, und der Tempelchor sang erneut: „Ihr Tore der Urzeit, hebet eure Häupter, damit einziehe der König der Herrlichkeit!“

Und was geschah dann? Ja, er ist auferstanden – aber woher? Aus dem Grab. Wir lesen von der Tür des Grabes in Matthäus 27. Pilatus ließ das Grab Jesu extra sichern. Wer liest Matthäus 27, Vers 60? Am Schluss wird berichtet, dass Joseph von Arimathia das Grab bereitgestellt hat.

Es wird also tatsächlich von einer Tür gesprochen, die das Grab verschloss. Diese Tür wurde durch einen riesigen Stein versperrt. Doch dieser Stein wurde von der römischen Armee versiegelt. In Vers 66 heißt es, nachdem sie den Stein versiegelt hatten, wurde eine Wache mit vier Soldaten davor gestellt – wie es üblich war.

Dann steht der Herr auf. In Matthäus 28, Vers 2 wird Folgendes beschrieben: Wer liest das? „Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben, und ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf.“

An diesem Tag, als der Engel den Stein wegwälzte, sang man im Tempel: „Ihr Tore, hebt eure Häupter!“ – also öffnet euch, damit der König der Herrlichkeit einziehen kann! So ist der Herr in Erfüllung von Psalm 24 durch diese Tür hindurch aus dem Grab hervorgekommen.

Am gleichen Abend waren die Jünger zusammen – sie waren erschrocken und hatten Angst, dass sie jetzt auch verhaftet und gekreuzigt werden könnten. Das lesen wir in Johannes 20. Können wir das kurz aufschlagen? Johannes 20, Vers 19. Es sind natürlich wieder Türen in Jerusalem gemeint, so wie beim Grab. Das Grab lag außerhalb der Stadtmauer von Jerusalem.

Wer liest Johannes 20, Vers 19? „Am Abend aber jenes Tages, der erste der Woche, als die Jünger versammelt waren und die Türen verschlossen hatten aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten in sie hinein und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch!“

Die Türen waren also verschlossen und wurden nicht geöffnet. Doch der Herr kommt mitten unter sie. Genau an diesem Tag wird wieder davon gesprochen, dass sich die verschlossenen Türen für den Messias öffnen sollen.

Man sieht hier in doppelter Hinsicht, dass das verschlossene goldene Tor kein Hindernis für den Messias ist. Er braucht keine geöffneten Türen, um zu erscheinen oder einzuziehen.

Eine Woche später waren die Jünger wieder zusammen – es war also wieder Sonntag. Wer liest Johannes 20, Vers 26? „Nach acht Tagen aber waren seine Jünger wieder drinnen, und Thomas war bei ihnen. Jesus kam, als die Türen verschlossen waren, trat in die Mitte und sprach: Friede sei mit euch!“

Dann folgt noch die Antwort von Thomas: „Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott!“

Also, wieder am ersten Tag der Woche kommt der Herr durch die verschlossenen Türen zu den Jüngern.

Die Bedeutung des ersten Tages der Woche im Neuen Testament

In 3. Mose 23 ist vorgeschrieben, dass das Passafest am 15. Nisan gefeiert werden muss. Danach folgt das Fest der Erstlinge, bei dem die ersten Halme der Gerste geschnitten werden. Erst wenn dieses Fest vorüber ist, darf im ganzen Land mit der Gerstenernte begonnen werden.

In 3. Mose 23 wird das Erstlingsfest beschrieben, beginnend ab Vers 9. Dort wird auch erklärt, dass das Fest nicht an ein bestimmtes Datum gebunden ist, sondern einfach am Tag nach dem Sabbat nach dem Passafest stattfindet. In Vers 15 wird klargestellt, dass man ab dem Tag nach dem Sabbat 50 Tage zählen soll, bis das Pfingstfest kommt.

Mit dem Pfingstfest beginnt dann die Weizenernte. Ein bestimmtes Feldstück in Jerusalem wird zuerst mit Weizen geerntet. Dies markiert den Auftakt für die gesamte Weizenernte im Land. Das Erstlingsfest fand also immer am Tag nach dem Sabbat statt, also am Sonntag. Von diesem Sonntag an wurden dann fünfzig Tage bis zum Pfingstfest gezählt.

Was geschah an Pfingsten? Der Heilige Geist kam herab, und zwar in Erfüllung von Jeremia 31, wo Gott sagt: „Ich werde einen neuen Bund machen mit Israel und meine Gebote in ihre Herzen schreiben.“ Dies geschah, indem der Heilige Geist in die Herzen der Gläubigen einzog und das Wort Christi in sie hineinpflanzte.

So haben wir also wieder einen Sonntag, an dem der Herr Jesus durch seinen Geist in geöffnete Herzen einzieht. Das ist die Grundlage der Gemeinde, der Kirche. Deshalb ist der Sonntag im Neuen Testament der einzige biblisch festgelegte Festtag. Es gibt keinen anderen biblisch festgelegten Festtag außer dem Tag des Herrn.

Dieser Ausdruck kommt nur in Offenbarung 1, Vers 10 vor und bedeutet wörtlich „der dem Herrn gehörige Tag“. Es ist der Tag der Auferstehung und des Sieges. An diesem Tag entstand die Gemeinde an Pfingsten, und es ist der Tag, an dem der Herr nach Jerusalem eingezogen ist – das Licht, das in die Finsternis leuchtet.

Dies ist die biblische Grundlage für die Sonntagsfeier. Der dem Herrn gehörige Tag – ihm gehört zwar jeder Tag, doch dieser Tag soll ganz besonders für ihn eingesetzt und geweiht sein. Deshalb ist er der ideale Tag, an dem man nicht arbeitet, um Zeit für Gottesdienst und Bibelstudium zu haben.

Was wir heute machen, zum Beispiel am Nachmittag, wäre an einem Mittwochnachmittag oder Dienstag nicht möglich. Am Tag des Herrn hingegen ist es möglich.

Im Neuen Testament finden wir kein Sabbatgebot. Dieses wurde nur Israel gegeben. 2. Mose 31 sagt, dass der Sabbat das Zeichen des Bundes mit Israel ist, nicht mit der Gemeinde.

Der Festtag im Neuen Testament ist also der Tag des Herrn – der Tag der Auferstehung, der Tag von Pfingsten und der Tag von Pansontag. Es ist der Tag, mit dem die Bibel beginnt.

Diskussion über die Kalenderumstellung und Zählweise der Woche

Das ist der Tag, an dem Gott die Welt schuf. Ja, bitte! Wann wurde der Kalender eigentlich umgestellt?

In unserer heutigen Zeit ist der Sonntag, der eigentlich der erste Tag der Woche ist, zum letzten Tag der Woche geworden. Diese Umstellung erfolgte erst vor einigen Jahren. Ich kann mich nicht mehr genau an die Jahreszahl erinnern. Weiß das jemand zufällig?

Das ist also im vergangenen Jahrhundert passiert? Ja, genau. In den letzten 20 bis 30 Jahren wurde das offiziell so umgestellt. Ja, das ist biblisch. Wenn Sie einen Arbeitskalender oder eine Agenda mit den Arbeitswochen nehmen, werden die Arbeitswochen immer am Montag gezählt.

Gut, dann haben Sie das glücklicherweise biblisch richtig gesagt. Offiziell für die Arbeitswochen des Jahres ist das so. Jawohl, das ist also die inklusive Zählung.

Der Arzt sagt ja eigentlich auch: "Heute in acht Tagen kommen Sie wieder." Dabei meint man, heute muss man mitzählen als erster Tag, und dann ist am achten Tag der gleiche Wochentag, also eine Woche später.

Aber wir sind nicht konsequent. Wenn der Arzt den Termin noch eine Woche weiter hinausschieben will, sagt er: "Kommen Sie in vierzehn Tagen." Und da funktioniert die inklusive Zählung nicht mehr.

Auf Französisch wäre das falsch. Man sagt dort nicht "Kommen Sie in 14 Tagen", sondern "Venez dans 15 jours", also "Kommen Sie in 15 Tagen!" Dort wird konsequent gezählt.

Ich muss sagen, korrekt ist beides. Man muss nur wissen, wie man zählt – nämlich die inklusive Zählung, bei der der aktuelle Tag ebenfalls mitgezählt wird.

Wir sehen also, dieser Psalm 24 hat es schon in sich. Das habe ich hier nur kurz angedeutet. Ich möchte an dieser Stelle einen kleinen Einschub machen. Nach der Pause fahren wir dann gleich weiter.

Ausblick auf die Passionswoche und Psalmen der einzelnen Tage

Wie war das nun am Montag nach Palmsonntag? Welcher Psalm wurde an diesem Tag gesungen, und was geschah laut den Evangelienberichten?

Plötzlich fällt auf: Wow, das passt alles zusammen! Was geschah am Dienstag und am Mittwoch? Mit jedem Tag der Passionswoche stimmen die Psalmen aus dem Tempel überein. Sie geben gleichzeitig Ermahnungen und passen genau in die Situation des Passionsjahres. Dabei fällt auch auf, dass die Tage der Schöpfungsberichte eindrücklich damit zusammenpassen.

Das wollen wir nach der Pause gemeinsam genauer anschauen. Mir ist das so aufgefallen: Zuerst habe ich den Zusammenhang mit Psalm 24 entdeckt. Dann kam mir die Idee, wie es mit den anderen Tagen aussieht. Dafür muss ich aber zuerst die exakte Chronologie der Ereignisse nach den Evangelien erarbeiten, da diese nicht ganz offensichtlich ist.

Zum Beispiel könnte man beim Lesen im Matthäusevangelium den Eindruck gewinnen, dass die Tempelreinigung noch am selben Tag wie der Einzug nach Jerusalem stattfand. Das liegt daran, dass im Text nicht gesagt wird, dass es ein nächster Tag ist, sondern einfach nahtlos weitergeschrieben wird. Im Markus-Evangelium hingegen ist die genaue Chronologie für jeden Tag klar angegeben: Am folgenden Montag fand die Tempelreinigung statt. Ein paar Verse weiter heißt es „als sie frühmorgens...“, was den Dienstag markiert.

So kann man die Chronologie bis zur Kreuzigung gut erstellen. Danach folgt der Sabbat, an dem der Herr 24 Stunden im Grab war, und schließlich der Auferstehungstag. Diese Chronologie muss man zuerst erstellen und dann mit den Psalmen vergleichen – jedes Mal ein Volltreffer!

Diese inklusive Zählweise wird an einem anderen Beispiel ebenfalls deutlich: „Am dritten Tage wieder auferstanden.“ Der Freitag wird als erster Tag gezählt, der Samstag als zweiter Tag und der Sonntag als dritter Tag. Das ist die inklusive Zählung. Daher habe ich mich immer gefragt, was das soll.

Vor allem variiert von Sprache zu Sprache, wie Tage gezählt werden. Manchmal ist es inklusive, manchmal nicht. Dadurch entstehen Differenzen, aber mathematisch sind beide Zählweisen korrekt.

Gut, dann machen wir jetzt zwanzig Minuten Pause und fahren danach mit dem Montag weiter.

Die Passionswoche im Markus Evangelium und die Psalmen der einzelnen Tage

Es ging also um die Passionswoche, die wir nun etwas genauer betrachten wollen.

Wenn man die vier Evangelien liest, fällt auf, dass es sich um Biografien des Lebens des Herrn Jesus handelt. Ich habe einmal nachgezählt, wie viele Verse sich mit der Passionswoche beschäftigen. Dabei kam ich auf über 30 Verse. Das bedeutet, dass etwa ein Drittel der Evangelientexte nur diese eine Woche behandeln. Das ist bemerkenswert, denn der Herr war 33 Jahre auf Erden, aber diese Tatsache zeigt uns die Bedeutung dieser letzten Woche in den Augen Gottes.

Schlagen wir nun das Markus-Evangelium auf, wo wir die genaue Chronologie finden. In Markus 11,1 steht der Einzug Jesu nach Jerusalem. Das war also Palmsonntag.

In Vers 12 heißt es: „Und des folgenden Tages, als sie von Bethanien weggegangen waren...“ Damit ist klar, dass wir hier Montag haben. In den weiteren Versen wird die Tempelreinigung beschrieben.

Dann lesen wir in Markus 11,20: „Und als sie früh morgens vorbeigingen, sahen sie den Feigenbaum verdorrt.“ Das ist Dienstag, hier ab Vers 20. An diesem Tag finden viele Diskussionen im Tempel mit verschiedenen Gruppen des Judentums statt. Verschiedene Gruppen kommen und versuchen, den Herrn mit Fangfragen in die Enge zu treiben.

Die Ölbergrede in Kapitel 13 und auch Markus 14 fallen ebenfalls auf diesen Dienstag.

In Markus 14 steht: „Es war aber nach zwei Tagen das Passa und das Fest der ungesäuerten Brote. Und die Hohenpriester und die Schriftgelehrten suchten, wie sie ihn mit List griffen und töteten.“ Hier haben wir einen weiteren Tag. Vers 12 macht diesen deutlich: „Und am ersten Tag der ungesäuerten Brote, da man das Passa zerschlachtete.“ Das entspricht dem Donnerstag, dem vierzehnten Nissan, an dessen Nachmittag die Passalämmer geschlachtet werden mussten.

Am Abend darauf beginnt nach jüdischer Rechnung der neue Tag, also der Freitag.

 Markus 15,1 erwähnt dann konkret den nächsten Sonnenaufgang: „Und alsbald am frühen Morgen hielten die Hohenpriester Rat samt den Ältesten und Schriftgelehrten und das ganze Synedrium, und sie banden Jesus und führten ihn weg und überlieferten ihn dem Pilatus.“

Hier haben wir die Verurteilung Jesu am Freitag im Tempel, dann vor Pilatus und schließlich die Kreuzigung.

Eine weitere Angabe zur Chronologie finden wir in Markus 16,1: „Und als der Sabbat vergangen war...“ Damit ist der nächste Tag der Sabbat gemeint. In den weiteren Versen wird auch gesprochen: „Und sehr früh am ersten Wochentag...“ Das ist der Sonntag.

So ist die Chronologie der Passionswoche ganz eindeutig dargestellt.

Psalm 48 am Montag und die Tempelreinigung

Und jetzt schauen wir ganz kurz, was am Montag geschehen ist. Es war die Tempelreinigung, und dabei wurde Psalm 48 gelesen. Können wir mal aufschlagen?

Wegen der CD-Aufnahme ist es nicht mehr so günstig, wenn lange Texte aus dem Publikum vorgelesen werden. Darum bin ich fast gezwungen, jetzt einen längeren Psalm von hier vorne vorzulesen. Oder wir könnten das Mikrofon ab und zu mal weiterreichen. Das können wir vielleicht ein anderes Mal so machen.

 Psalm 48, ein Lied, ein Psalm von den Söhnen Koras:

„Groß ist der Herr und sehr zu loben in der Stadt unseres Gottes, also in Jerusalem, auf seinem heiligen Berg.“ Das ist der Tempelberg, der schön emporragt, eine Freude der ganzen Erde, der Berg Zion an der Nordseite, die Stadt des großen Königs.

Gott ist bekannt in ihren Palästen als eine hohe Feste.

An diesem Tag, als Psalm 48 gesungen wurde, kam der Herr am Morgen in den Tempel und ging gleich in die königliche Säulenhalle. Dort war der Markt, wo die Opfertiere verkauft wurden. Da jagte er die Verkäufer hinaus mit den Opfertieren, die durch ihr Schreien es unmöglich machten, dass die Heiden im Heidenvorhof – zu dem auch die königliche Säulenhalle gehörte – sich beim Gebet konzentrieren konnten.

Die Heiden durften ja nicht in die inneren Vorhöfe gehen, wie die Juden. Außerdem setzte man dort völlig überrissene Preise auf die Opfer. Leute hatten sich also ganz schändlich bereichert.

Jetzt kommt der König Jerusalems und macht Ordnung in der Säulenhalle auf dem heiligen Berg.

Ich lese weiter: „Gott ist bekannt in ihren Palästen als eine hohe Feste. Denn siehe, die Könige hatten sich versammelt, waren herangezogen, allesamt. Sie sahen, da staunten sie, sie wurden bestürzt, flohen ängstlich hinweg. Beben ergriff sie daselbst, Angst der Gebärden gleich. Durch den Ostwind zertrümmerst du die Schiffe von Tarsis, wie wir gehört hatten.“

Also haben wir es gesehen in der Stadt des Herrn der Heerscharen, in der Stadt unseres Gottes. Gott wird sie befestigen in Ewigkeit.

Wir haben gedacht: „Oh Gott, an deine Güte im Innern deines Tempels. Wie dein Name, Gott, also ist dein Lob bis an die Enden der Erde. Mit Gerechtigkeit ist gefüllt deine Rechte.“

Der Herr hat die Gerechtigkeit Gottes im Tempel durchgesetzt, indem er dort für Ordnung gesorgt hat.

„Wie dein Name, Gott, also ist dein Lob bis an die Enden der Erde. Mit Gerechtigkeit ist gefüllt deine Rechte.“

Es freue sich der Berg Zion, es mögen frohlocken die Töchter Judas um deiner Gerichte willen.

Also tritt Gott als Richter auf, umgeht Zion, umkreist es, zählt seine Türme, betrachtet genau seine Mauern, mustert seine Paläste. Damit ihr es erzählen könnt, erzählt es dem künftigen Geschlecht.

Denn dieser Gott ist unser Gott, immer und ewiglich. Er wird uns leiten bis an den Tod.

Also der Herr tritt als der König auf in Jerusalem und zieht seine Gerechtigkeit durch.

Gleichzeitig wurde an diesem Tag der zweite Schöpfungstag gelesen. Das ist der Tag, an dem Gott scheidet zwischen den Wassern oberhalb und den Wassern unterhalb, also der Atmosphäre.

Da wird geschieden zwischen dem, was unten ist, und dem, was oben ist.

Und der Herr scheidet im Tempel zwischen Recht und Unrecht.

Das passt also auch ganz eindrücklich.

Psalm 82 am Dienstag und die Auseinandersetzungen im Tempel

Ja, dann der nächste Tag, das ist der Tag mit Psalm 82. Also, das Handmikrofon wurde nicht durchgereicht. Ja gut, also.

Dann lesen wir Psalm 82, das ist also für Dienstag. Es ist ein Psalm von Asaf:

Gott steht in der Versammlung Gottes, inmitten der Götter richtet er.
Bis wann wollt ihr ungerecht richten und die Person der Gesetzlosen ansehen?

Ich muss erklären: Dieser Ausdruck „Götter“, Elohim, ist im Alten Testament an verschiedenen Stellen ein Begriff für die Richter, die Gottes Gerechtigkeit repräsentieren sollten. Darum werden sie Elohim genannt. Also werden hier die Richter Israels angesprochen.

Gott steht in der Versammlung Gottes, inmitten der Richter, der Elohim richtet er.
Bis wann wollt ihr ungerecht richten und die Person der Gesetzlosen ansehen?

Schafft Recht dem Geringen und der Weise, dem Elenden und dem Armen,
lasst Gerechtigkeit widerfahren, befreit den Geringen und den Dürftigen,
errettet ihn aus der Hand der Gesetzlosen!

Sie wissen nichts und verstehen nichts, in Finsternis wandeln sie.
Ein Heer, es wanken alle Grundfesten der Erde.

Ich habe gesagt, ihr seid Götter oder eben Richter und Söhne des Höchsten, ihr alle.
Doch wie ein Mensch werdet ihr sterben, und wie einer der Fürsten werdet ihr fallen.

Steh auf, oh Gott, richte die Erde,
denn du wirst zum Erbteil haben alle Nationen.

Nun, an diesem Dienstag kamen führende Leute des Judentums, aus den Pharisäern, und sie versuchten, mit Fangfragen den Herrn zu Fall zu bringen.

Was sind das für Richter, die jemandem Fangfragen stellen, damit sie ihn dann verurteilen können? Das ist der Sanhedrin.

Da kommen Leute von den Sadduzeern mit erfundenen Geschichten und versuchen so, den Herrn zu Fall zu bringen. Es kommen Herodianer, die fragen, ob man dem Kaiser Steuern zahlen muss, um schließlich einen Grund zu haben, ihn anzuklagen.

Wenn er sagt „Ja“, dann ist er ein Kollaborateur der Römer.
Wenn er „Nein“ sagt, dann ist er jemand, der sich gegen die Römer auflehnt. So könnte man ihn den Römern überliefern.

Und der Herr sagt: „Wer hat ein Dena? Der wird gereicht. Wessen Bild ist es? Das Kaiserbild.
Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und gebt Gott, was Gott gehört.“

So hat der Herr diese falschen Richter angesprochen, die eben da angesprochen werden. Sie sollen Gerechtigkeit in Gerechtigkeit richten, aber sie wissen nichts und verstehen nichts. Sie wandeln in Finsternis einher. Sie sollen sterben, das Gericht Gottes soll über sie kommen.

Genau an diesem Tag wurde zur Warnung dieser Psalm gesungen.

Psalm 94 am Donnerstag und die Verschwörung gegen Jesus

Ja, und dann der nächste Tag. Da haben wir Psalm 94. Ich hole das vielleicht nachher noch nach. Psalm 94 kannst du mal vorlesen.

„Gott der Rache, Herr, Gott der Rache, strahle hervor, erhebe dich, Richter der Erde, vergilt den Hochmütigen ihr Tun! Bis wann werden die Gesetzlosen, Herr, bis wann werden die Gesetzlosen verlocken, übersprudeln, freches Reden führen, sich rühmen, alle, die Frevel tun?“

Also nur noch ganz, ganz kurz: Das ist nun dieser Tag, zwei Tage vor dem Passa, an dem die Schriftgelehrten sich überlegt haben, wie sie Jesus Christus verhaften können – mit List – und ihn töten. Bevor überhaupt eine Gerichtsverhandlung stattgefunden hat, haben sie schon klar den Plan: Er soll getötet werden. Und sie wollen das mit List tun.

Sie haben dann die Idee, Judas von Iskariot mit einem Geldhandel zu gewinnen. Wenn man das vor Augen hat, liest man diese Verse noch einmal:

„Gott der Rache, Herr, Gott der Rache, strahle hervor! Erhebe dich, Richter der Erde, vergilt den Hochmütigen ihr Tun! Bis wann werden die Gesetzlosen, Herr, bis wann werden die Gesetzlosen verlocken, übersprudeln, freches Reden führen, sich rühmen, alle, die Frevel tun?

Dein Volk, Herr, zertreten und dein Erbteil bedrücken sie. Sie töten die Witwe und den Fremdling und ermorden die Weisen und sagen: ‚Der Herr sieht es nicht, und der Gott Jakobs merkt es nicht.‘

Habt einzig die Unvernünftigen unter dem Volk und ihr Toren, wann werdet ihr verständig werden? Der das Ohr gepflanzt hat, sollte er nicht hören? Der das Auge gebildet hat, sollte er nicht sehen?

Denn der, der die Nationen zu Recht weist, sollte er nicht strafen? Er, der Erkenntnis lehrt den Menschen.

Der Herr kennt die Gedanken des Menschen, dass sie Eitelkeit sind.

Glückselig der Mann, den du züchtigst, Herr, und den du belehrst aus deinem Gesetz, um ihm Ruhe zu geben vor den bösen Tagen, bis dem Gesetzlosen die Grube gegraben wird.

Denn der Herr wird sein Volk nicht verstoßen und nicht verlassen sein Erbteil.

Denn zur Gerechtigkeit wird zurückkehren das Gericht, und alle von Herzen Aufrichtigen werden ihm folgen.

Wer wird für mich aufstehen gegen die Übeltäter? Wer wird für mich auftreten gegen die, welche Frevel tun?

Wäre nicht der Herr mir eine Hilfe gewesen, wenig fehlte, so hätte Schweigen gewohnt meiner Seele.

Wenn ich sagte: ‚Mein Fuß wandte sich,‘ so unterstützte mich deine Güte, Herr, bei der Menge meiner Gedanken.

In meinem Inneren erfüllten deine Tröstungen meine Seele mit Wonne.

Sollte mit dir vereint sein der Thron des Verderbens, der aus Frevel eine Satzung macht?

Sie dringen ein auf die Seele des Gerechten, und unschuldiges Blut verurteilen sie.

Doch der Herr ist meine hohe Feste und mein Gott, der Fels meiner Zuflucht.

Er lässt ihre Ungerechtigkeit auf sie zurückkehren, und durch ihre Bosheit wird er sie vertilgen.

Vertilgen wird sie der Herr, unser Gott.“

Ganz besonders eindrücklich sind diese ersten vier Verse und dann der Schluss.

Der Hohepriester hat seinen Thron in der Königs-Säulenhalle, und dort tagte jeweils der Sanhedrin. Sie haben unter sich beschlossen: Wir versuchen mit List, Jesus Christus zu fangen und ihn zum Tod zu bringen.

Und da steht dann in Vers 20: „Sollte mit dir, o Gott, vereint sein der Thron des Verderbens, der aus Frevel eine Satzung macht.“

Sie versuchen also, diese Freveltat – Jesus Christus durch das Bestechungsgeld an Judas auf hinterhältigste Art zu verhaften – darzustellen als gerechten Entscheid des obersten Gerichtes Gottes im Tempel.

Und in Vers 21 heißt es: „Sie dringen ein auf die Seele des Gerechten, und unschuldiges Blut verurteilen sie.“

Genau dieser Psalm wurde an dem Tag gesungen, an dem sie das gemacht haben. Das ist also auch wieder ganz verknüpft.

Psalm 81 am Donnerstag und das Passafest

Und dann kommt der nächste Tagespsalm, das ist Psalm 81. Liest du wieder?

Jubelt Gott, unserer Stärke! Jauchzt dem Gott Jakobs! Erhebt Gesang und lasst das Tamburin ertönen, die liebliche Laute samt die Harfe. Stößt am Neumond in die Posaune, am Vollmond zum Tage unseres Festes! Denn eine Satzung für Israel ist es, eine Verordnung des Gottes Jakobs.

Er setzte es ein als Zeugnis in Joseph, als er auszog gegen das Land Ägypten, wo ich eine Sprache hörte, die ich nicht kannte. Ich entzog der Last meine Schulter, seine Hände entgingen dem Tragkorb.

In der Bedrängnis riefst du, und ich befreite dich. Ich antwortete dir in des Donners Hülle, ich prüfte dich an den Wassern von Meriba.

Höre, mein Volk, und ich will gegen dich zeugen, o Israel: Wenn du mir gehorchtest, soll kein fremder Gott unter dir sein, und du sollst dich nicht bücken vor einem Gott des Auslandes. Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus dem Land Ägypten heraufgeführt hat. Tue deinen Mund weit auf, und ich will ihn füllen.

Aber mein Volk hat nicht auf meine Stimme gehört, und Israel war nicht willig gegen mich. Ich gab sie dahin der Verstocktheit ihres Herzens; sie wandelten nach ihren eigenen Ratschlägen.

Oh, dass mein Volk auf mich gehört hätte, dass Israel in meinen Wegen gewandelt wäre! Bald, nicht sofort, würde ich ihre Feinde gebeugt und meine Hand gewendet haben gegen ihre Bedränger. Die Hasser des Herrn würden sich ihm mit Schmeichelei unterworfen haben, und ihre Zeit wäre ewig gewesen. Mit dem Fette des Weizens hätte ich sie gespeist und mit Honig aus dem Felsen gesättigt.

Ja, hier wird das Passafest erwähnt, und zwar in Psalm 81. In Vers 3 heißt es: "Stößt am Neumond in die Posaune." Der Neumond ist der erste Tag des Monats, wenn die erste Mondsichel aufgeht. Das ist der Neumond.

Dann, in der zweiten Vershälfte, heißt es: "Am Vollmond zum Tag unseres Festes." Das ist Mitte des Monats, am 14. Nisan, da wurde das Passa gefeiert.

Dieser Psalm ist also der Donnerstagpsalm. In diesem Jahr fiel er mit dem Passafest zusammen. In anderen Jahren wäre das nicht möglich gewesen, denn das Passafest verschiebt sich ständig, weil das jüdische Jahr ein Mond-Sonnen-Jahr ist. Dadurch kann das Passafest prinzipiell auf jeden Wochentag fallen.

Aber gerade in diesem Jahr fiel es auf Donnerstag, und das war die Zeit des Passafests in der Passionswoche. Gott erinnert sein Volk daran, wie er es einst aus Ägypten gerettet hat, und sagt ihnen, dass er sie auch jetzt retten würde.

Das war natürlich aktuell im Blick auf die Römer, unter deren Fremdherrschaft sie damals standen. Tragisch ist, dass Pilatus Jesus Christus am nächsten Tag freigeben wollte, doch die Menschen sagten: "Das kannst du nicht tun. Wenn du das tust, bist du nicht mehr der Freund des Kaisers." Pilatus bekam es mit der Angst zu tun.

Sie sagten weiter: "Wir haben keinen anderen König als nur den Kaiser." Sie anerkannten den Kaiser voll und ganz. Damals war Kaiser Tiberius an der Macht, der sich als Gott verehren ließ.

Ausgerechnet in diesem Psalm steht in Vers 8: "Höre, mein Volk, und ich will gegen dich zeugen, o Israel: Wenn du mir gehorchen würdest, soll kein fremder Gott unter dir sein, und du sollst dich nicht bücken vor einem Gott des Auslandes. Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus dem Land Ägypten heraufgeführt hat."

Gott sagt aber in Vers 11 enttäuscht: "Aber mein Volk hat nicht auf meine Stimme gehört, und Israel war nicht willig gegen mich. Ich gab sie dahin der Verstocktheit ihres Herzens."

Und schließlich in Vers 13: "Oh, dass mein Volk auf mich gehört hätte, dass Israel meinen Wegen gewandelt wäre! Bald, nicht sofort, würde ich ihre Feinde gebeugt und meine Hand gewendet haben gegen ihre Bedränger."

Die Befreiung von Rom wäre noch gekommen, aber sie haben den Messias verworfen.

An diesem Passafest, bei dem man daran dachte, wie Gott einst Israel aus der Fremdherrschaft Ägyptens befreit hatte, dachte man immer wieder an das Problem, dass sie jetzt unter der römischen Fremdherrschaft standen.

Gerade durch diesen Psalm an diesem Tag erinnert Gott sein Volk: Seht an euer Volk, ihr sollt keinen anderen Gott haben, keinen Gott des Auslandes über euch quasi anerkennen.

So hat dieser Psalm eine ganz dramatische Bedeutung für diesen Donnerstag.

Psalm 93 am Freitag und die Verurteilung Jesu

Und nun der Freitagspsalm, das ist Psalm 93. Peter, du liest ihn nochmals, und man muss daran denken: Es ist Freitag. Sobald die Sonne aufging, setzte sich Kajaphas auf seinen Richterthron in der königlichen Säulenhalle im Tempel, um Jesus Christus dort zum Tod zu verurteilen – zusammen mit den übrigen Richtern, die anwesend waren.

Also in der gleichen Halle, in der der Herr Jesus ein paar Tage zuvor, am Montag, seine Autorität als König gezeigt hatte. Damit hatte er sich natürlich gegen den Hohen Rat gesetzt, gegen das Zenedrium, den Sanhedrin. Denn der Sanhedrin hatte die Erlaubnis gegeben, dass man die Opfertiere dort verkaufen könne – und zwar zu überhöhten Preisen.

Jetzt mussten sie entscheiden: Ist er der Messias, dann muss man das anerkennen. Ist er es nicht, dann wäre er ein Rebell, der getötet werden muss.

An diesem Tag, als Kajaphas sich auf den Thron setzte, sang man Psalm 93 im Tempel:

Der Herr regiert, er hat sich bekleidet mit Hoheit. Der Herr hat sich bekleidet, er hat sich umgürtet mit Stärke. Auch steht der Erdkreis fest, er wird nicht wanken. Dein Thron steht fest von Alters her, von Ewigkeit her bist du. Ströme erhoben ihre Stimme, Ströme erhoben ihre Brandung. Der Herr in der Höhe ist gewaltiger als die Stimmen großer Wasser, als die gewaltigen Bogen des Meeres. Deine Zeugnisse sind sehr zuverlässig, deinem Hause geziemt Heiligkeit auf immerdar.

Wie brandende Wogen des Meeres gegen den Messias, da steht in Vers 3: „Ströme erhoben, Herr, Ströme erhoben ihre Stimme, Ströme erhoben ihre Brandung.“ Aber der Psalm betont: Gottes Thron steht fest von Alters her (Vers 2).

Der Herr Jesus hat vor Gericht nichts ausgesagt, er war stumm wie ein Lamm – so wie ihr ihn beschreibt. Es gab nur eine Möglichkeit, dass er sprechen würde, und das hat der Hohepriester ausgenutzt.

Nach 3. Mose 5 konnte man jemanden, der vor Gericht stand, unter Schwur stellen. Dann musste man sprechen. 3. Mose 5 sagt: Wer die Stimme des Schwurs gehört hat und nicht geantwortet hat, der verschuldet sich vor Gott.

Der Hohepriester sagte: „Ich beschwöre dich im Namen Gottes, dass du uns sagst, ob du der Messias bist oder nicht.“ Da antwortete der Herr Jesus mit „Jawohl, du sagst es, jawohl.“ Einmal sprach er also, und gleich fügte er hinzu: „Von nun an aber wird der Sohn des Menschen sitzen zur Rechten der Macht und kommen mit den Wolken des Himmels.“

Dann zerreißt Kajaphas die Kleider. Der Herr Jesus weist darauf hin: Der Thron Gottes steht, und er, der jetzt von Kajaphas verurteilt wird, wird einmal auf dem Thron Gottes sitzen. Er wird das letzte Wort sprechen, wenn er als Messias auf den Wolken des Himmels kommt.

Kajaphas zerreißt die Kleider und nimmt das als Argument: Er hat gelästert, er muss getötet werden.

Das war alles nur zum Schein. Es war keine echte Heiligkeit und Wahrheit dahinter. Kajaphas gehörte zu den Sadduzäern, den Liberalen, die nicht einmal an ein Weiterleben nach dem Tod glaubten. Sie sagten: Mit dem Tod ist alles aus, darum müssen wir das Leben jetzt genießen. Deshalb auch die überhöhten Preise – so kann man im Luxus leben.

Und da steht die Warnung in Vers 5: „Deinem Hause geziemt Heiligkeit, Herr, auf immerdar!“ Ein Tempelhaus geziemt Heiligkeit. Doch das Unheiligste geschah im Tempel, als Kajaphas den Sohn Gottes zum Tod verurteilte.

Es war eine ganz eindringliche Mahnung Gottes durch den Tempelchor an die Richter Israels und eigentlich an das ganze Volk.

Psalm 92 am Sabbat und die Ruhe im Grab

Und dann bleibt noch der nächste Psalm, Psalm 92, der ja überschrieben ist mit „Ein Psalm, ein Lied für den Tag des Sabbats“. Er ist also schon im Grundtext als Sabbatpsalm gekennzeichnet.

Liest du den noch vor? Es ist gut, den Herrn zu preisen und Psalmen zu singen deinem Namen, Höchster. Am Morgen sollst du deine Güte verkünden und deine Treue in den Nächten, zum Sehnseit und zur Harfe, zum Seitenspiel mit der Laute. Denn du hast mich erfreut, Herr, durch dein Tun. Über die Werke deiner Hände will ich jubeln.

Wie groß sind deine Werke, Herr! Sehr tief sind deine Gedanken. Ein unvernünftiger Mensch erkennt es nicht, und ein Tor versteht solches nicht. Wenn die Gesetzlosen sprossen wie Gras und alle, die Frevel tun, blühen, so geschieht es, damit sie vertilgt werden für immer.

Du aber bist erhaben auf ewig, Herr. Siehe, deine Feinde werden umkommen, sie werden zerstreut werden, alle, die Frevel tun. Aber du wirst mein Horn erhöhen, gleich dem eines Wildochsen. Mit frischem Öl werde ich übergossen werden, und mein Auge wird seine Lust sehen an meinen Feinden. Meine Ohren werden ihre Lust hören an den Übeltätern, die gegen mich aufstehen.

Der Gerechte wird sprossen wie die Palme, wie eine Zeder auf dem Libanon wird er emporwachsen. Die gepflanzt sind im Hause des Herrn werden blühen in den Vorhöfen unseres Gottes. Noch im Waisenalter treiben sie, sind saftvoll und grün, um zu verkünden, dass der Herr gerecht ist. Er ist mein Fels, und kein Unrecht ist in ihm.

Also ein freudiger Psalm für den Tag des Sabbats. Und das war der einzige vollständige 24-Stunden-Tag, an dem der Herr im Grab war. Er wurde schon am Freitagabend ins Grab gelegt, und am Sonntagmorgen ist er auferstanden. Der Sabbat, der Ruhetag, an dem Gott nach dem Schöpfungswerk geruht hat, war der Tag, an dem der Sohn Gottes im Grab geruht hat.

Die Menschen in Israel haben an diesem Tag Sabbat gefeiert, diesen wunderbaren Tag, an dem man den Herrn loben kann. Nach diesem schrecklichsten Justizmord der ganzen Weltgeschichte merkt man diese innere Spannung. Dann heißt es hier in Vers 4: „Du hast mich erfreut, Herr, durch dein Tun. Über die Werke deiner Hände will ich jubeln.“

Es geht ja um die Werke der Schöpfung, über die der Psalmist staunt und jubelt. Aber das ist nun der Tag, nachdem der Herr Jesus das Werk der Erlösung vollbracht hat. Das hat er ja abgeschlossen, Johannes 19, Vers 30, mit dem Ruf „Tetelestai“, es ist vollbracht.

Unter diesem Gesichtspunkt bekommen diese Verse eine zweite Bedeutung. Wenn hier gesagt wird: „Wie groß sind deine Werke, Herr!“ – nicht nur die Werke der Schöpfung, sondern die Werke der Erlösung! Sehr tief sind deine Gedanken, Gottes Erlösungsweg, wie er seinen Sohn gesandt hat, der so am Kreuz gestorben ist, um uns die Erlösung zu bringen.

Und dann lässt sich auch Vers 4 ganz anders verstehen: „Denn du hast mich erfreut, Herr, durch dein Tun. Über die Werke deiner Hände will ich jubeln.“ Das hat natürlich eine doppelte Bedeutung, wenn er sagt: „Über die Werke deiner Hände will ich jubeln“, denn die Hände des Sohnes Gottes waren durchbohrt am Kreuz. Und das hat uns die wirkliche Ruhe vor Gott gebracht.

Der Mensch ist unruhig, sagte schon Augustinus, bis er ruht in dir, o Herr. So ist also dieser Sabbatpsalm der Psalm der Ruhe, aufgrund des Werkes des Herrn Jesus, eben des Erlösungswerkes des Herrn Jesus.

Weiter steht in Vers 7: „Ein unvernünftiger Mensch erkennt es nicht, und ein Tor versteht solches nicht.“ Paulus sagt in 1. Korinther 1,18: „Denn das Wort vom Kreuz ist Torheit denen, die verloren gehen; uns aber, die wir errettet werden, ist es Gottes Kraft.“ Ein unvernünftiger Mensch erkennt es nicht, das Werk und die Gedanken Gottes der Erlösung.

Aber auch da wieder eindrücklich: Dieser Psalm musste an diesem Tag einfach gesungen werden. Er gehörte genau zum göttlichen Programm. Jesus wurde ja begraben in einem Felsengrab, ein neues Grab, das noch nie jemand benutzt hatte.

Und ausgerechnet in diesem Psalm steht am Schluss, Vers 15: „Um zu verkündigen, dass der Herr gerecht ist, er ist mein Fels, und kein Unrecht ist in ihm.“ Er, der die Erlösung geschaffen hat durch sein Sterben, durch seinen Tod, er hat geruht im Felsen und ist selber der Fels unseres Heils geworden.

Die Parallele der Schöpfungstage und der Passionswoche

Und dann, wie gesagt, der nächste Tag: Das Grab ist leer. Ihr Tore der Urzeit, hebt eure Häupter, damit der König der Herrlichkeit einziehe.

Und jetzt noch ganz kurz: Es ist fünf Uhr, aber ich mache die Parallele zur Schöpfungsgeschichte so kurz wie möglich. Wir haben gesehen: Erster Schöpfungstag – das Licht in die Dunkelheit. Zweiter Schöpfungstag, Montag – die Trennung zwischen Wasser oben und unten. Dann der dritte Schöpfungstag, der Dienstag, ist der Tag, an dem Gott das Festland auffaltet, sodass es aus dem Urozean hervorkommt.

Noch an diesem selben Tag schafft Gott die Pflanzenwelt: zuerst Gras, Kraut, Fruchtbäume. Es wird betont, dass sie Samen tragen und fruchtbar sind. Zweimal heißt es an diesem Tag: „Und Gott sah, dass es gut war.“ Das ist also der Tag der Fruchtbarkeit, der Dienstag.

Das ist der ausführlichste Tag in der Passionswoche, der in den Evangelien beschrieben wird, neben dem Karfreitag. Im Detail werden all diese Diskussionen mit dem Herrn vorgetragen und all die Antworten des Herrn, wie er seine Feinde zum Schweigen bringt.

Schlussendlich, nach all diesen Fragen, die man ihm stellt, stellt er eine Frage. Und niemand im Judentum kann sie beantworten. Es ist die Frage: Wer ist der Messias? Man sagte im Judentum allgemein, er sei ein normaler Mensch. Und David sagt: Warum steht der Herr – Jesus sagt: Warum hat David gesagt im Psalm 110: „Der Herr sprach zu meinem Herrn, setze dich zu meiner Rechten, bis ich gelegt habe deine Feinde als Schemel deiner Füße“?

Wieso nennt der Messias in diesem Psalm, wieso nennt David in diesem Psalm den Messias „meinen Herrn“? Der Messias ist ja nur ein normaler Mensch, ein Sohn Davids. Und ich muss sagen: Keiner meiner Söhne hat mir je in meinem Leben ernsthaft gesagt „Herr, ja“ beziehungsweise umgekehrt, ich habe keinem ernsthaft gesagt „Herr, mein Herr“ zu den Söhnen. Also das ist doch eigenartig, wieso nennt David seinen Sohn „mein Herr“? Dann muss er eben Gott sein. Und niemand kann diese Frage beantworten. Das ist die letzte Frage des Herrn, und sie ist unbeantwortet bis heute.

Ja, so war also dieser Dienstag der fruchtbarste Tag, an dem der Herr noch einmal Zeugnis abgelegt und die Wahrheit bezeugt hat. Am Freitag schweigt er, am Dienstag ist das der fruchtbarste Tag. Das entspricht dem Tag, an dem Gras und das hervorsprießende Kraut Samen hervorbringen, Fruchtbäume Frucht tragen nach ihrer Art.

Dann kommt der vierte Tag. Das ist der Tag, an dem die Himmelskörper erscheinen: Sonne, Mond und Sterne. In der Passionswoche ist das der Tag, an dem Maria die Füße des Herrn salbt. Und der Herr sagt: „Das wird ihr zu einem Gedächtnis bleiben.“ Überall, wo das Evangelium verkündigt wird, also auf der ganzen Welt, in allen fünf Kontinenten, wird man von dieser Maria sprechen.

Das ist ein Zeugnis in dunkler Nacht, so wie Mond und Sterne am vierten Tag erscheinen: jemand, der voll zum Herrn gestanden ist und seine Herrlichkeit gewürdigt hat.

Dann kommt der fünfte Tag. Gott schafft das Leben im Wasser. Im Hebräischen wird bei „Leben“ immer das Wort „Nefesh Chaim“ benutzt, wörtlich „lebendige Seelen“. Das sind Wesen, die auch Empfindung und Gefühl haben.

Am Donnerstag gab der Herr nach den Evangelienberichten Petrus und Johannes den Auftrag, das Passa für den Abend vorzubereiten. Die zwei gingen, wie das alle Juden so gemacht haben, die diese Aufgabe übernommen haben, in den Tempel mit einem Lamm. Sie mussten es professionell von den Priestern am Altar schlachten lassen. Das Blut floss.

An einem solchen Passatag konnte es sein, dass etwa zweihundertfünfzigtausend Passalämmer geschlachtet wurden. Man kann aus der Menge errechnen, wie viele Leute nach Jerusalem kamen. Immer eine Familie oder eine größere Gruppe, wie die zwölf Jünger, hatten ein Lamm zusammen. Das heißt, es mussten immer einjährige Lämmer sein. Ein solches Tier hat etwa vier Liter Blut.

Also sind an diesem Tag vielleicht eine Million Liter Blut geflossen. Es gab eine ganz ausgeklügelte Logistik, wie mit Wasser aus einer unterirdischen Zisterne des Tempelbergs dieses Blut jeweils wieder in einen Kanal hinuntergeschwemmt wurde, ins Kidrontal.

Aber dieses Erlebnis von Johannes und Petrus, diese Ströme von Blut – und dann am Abend sagt der Herr: „Mit Sehnsucht habe ich gesehen, dieses Passa mit euch zu essen, ehe ich leide.“

Später konnten sie an diesen Tag zurückdenken und wussten: Was wir da erlebt haben, bei diesem letzten Passaschlachten im Tempel, das war alles nur ein Hinweis auf das Sterben des Herrn Jesus als Opferlamm.

Interessant ist, dass im Neuen Testament nur zwei Schreiber ausdrücklich über Jesus Christus als das Opferlamm sprechen. Lukas zitiert noch zu Beginn Jesaja 53, aber ausdrücklich über Jesus Christus als Opferlamm spricht Johannes, und zwar allein in der Offenbarung achtundzwanzig Mal, vier Mal, sieben Mal.

Auch in Johannes 1 schreibt er: „Siehe, das Lamm Gottes, welches die Sünde der Welt wegnimmt.“ Johannes schreibt so eindrücklich über das Lamm Gottes.

Petrus schrieb in 1. Petrus 1, Vers 18: „Indem ihr dieses wisst, dass ihr nicht mit verweslichen Dingen, mit Silber oder Gold, erlöst worden seid von eurem eitlen, von den Vätern überlieferten Wandel, sondern durch das kostbare Blut eines Lammes, ohne Fehl und ohne Flecken.“

Also beide haben eine tiefe Ergriffenheit erlebt von dem, was es bedeutet, Jesus Christus, das Opferlamm, zu sein.

Jetzt denken wir an den fünften Schöpfungstag, das Meer voller Geschöpfe lebendiger Seelen. Das, was sie erlebt haben, hat sie ganz besonders geprägt in ihren tiefen inneren Gefühlen und Empfindungen für den Herrn.

Dann kommt der sechste Tag. Gott sagt: „Lasst uns Menschen machen.“ Da gab Gott den Lebensodem in unsere Vorfahren hinein. Gott gab uns, die wir zur Menschheit gehören, das Leben am Freitag.

Und am Freitag hat die Menschheit dem Sohn Gottes das Leben genommen. Das ist doch ganz dramatisch, diese Opposition, diese Gegenüberstellung: Genau an dem Tag, an dem Gott uns das Leben gegeben hat, hat die Menschheit den Sohn Gottes zu Tode gebracht.

Also sehr eindrücklich, und an diesem Tag musste das im ganzen Land Israel gelesen werden.

Dann der Sabbat. So sind wir durch diese letzte Woche.

Fragen zur Übersetzung und Abschluss

Ich habe noch eine Frage, Herr Liebich. In Vers 1 der Schöpfungsgeschichte wird „die Himmel“ im Plural genannt. Hier in Bayern sagt man „die Gewölbe des Himmels“ im Singular. Ist das hier falsch?

Das Wort „Himmel“ ist im Hebräischen immer im Plural, „Schamayim“. Es ist ein Mehrzahlwort, eine Einzahlform gibt es nicht. Man muss also sagen: Es gibt keine Einzahlform. Darum ist es eigentlich korrekt, wenn man im ersten Vers übersetzt: „Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde.“ Man soll nicht im Plural übersetzen, denn sinngemäß ist es einfach „der Himmel“.

Wegen seiner Größe und Ausdehnung wird es im Plural genannt. Man kann sagen, es ist ein Plural aufgrund der Ausdehnung und der Größe. So sollte man also im ersten Vers am besten mit dem Singular übersetzen: „den Himmel“.

Am zweiten Schöpfungstag, an dem der Lufthimmel geschaffen oder bereitet wird, wird auch wieder „Himmel“ genannt. Auch hier sollte man es im Singular übersetzen. Aber es ist immer „Schamayim“ – an jeder Stelle im Alten Testament ist es dasselbe Wort.

Noch eine kurze Frage zum Schluss: Wollen wir noch zusammen beten?

Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

Noch mehr Inhalte von Roger Liebi gibt es auf seiner Webseite unter rogerliebi.ch