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Kampf der Giganten: Vom inneren Ego zu Leben in Liebe

18.08.2024Galater 5,13-26
Dieser Text zeigt uns den ständigen inneren Konflikt zwischen dem, was wir für uns selbst wollen, und dem, was wirklich gut für uns und andere ist. Diese Predigt lädt dich ein, darüber nachzudenken, wie du deine Freiheit im Glauben richtig nutzen kannst, indem du du von Gottes Geist täglich verändert wirst

Begrüßung und Einstimmung mit Psalm 9

Einen wunderschönen guten Morgen! Ich begrüße dich ganz herzlich zu unserem Gottesdienst an diesem etwas kühleren Sonntag. Es ist angenehm, dass wir hier zusammenkommen können.

Ich möchte dich mit drei Versen aus Psalm 9 begrüßen:
„Ich will den Herrn loben von ganzem Herzen, ich will alle deine Wunder erzählen, ich will mich freuen und fröhlich sein in dir, ich will deinem Namen Lob singen, du Höchster.“

Vielleicht kennst du diese Verse. Die Frage ist: Was würdest du sagen, wenn es darum geht, alle deine Wunder zu erzählen? Wo willst du da anfangen und wo aufhören? Nur mal drei Bereiche: die Schöpfung Gottes, erfüllte Prophetie, seine Treue und Wahrheit, die wir in seinem Wort entdecken können, oder die Auferstehung Jesu. Für den, der daran glaubt, ist der Tod besiegt.

Nur diese drei Dinge geben Grund genug, um zu danken. Lasst uns das im Lied tun. Wir stehen dazu auf und singen: „Ich danke meinem Gott.“

Von all seinen Wundern will ich laut erzählen und seinen Namen loben. Ich danke meinem Gott von ganzem Herzen, ich freue mich und bin fröhlich in dir, allee. Oh ja, ich bin fröhlich in dir, allee, mit deiner Zufuhr, allee. Du zeigst uns immer wieder neu und ganz groß deine Wunder auf.

Lass sie uns auch heute entdecken – wie du handelst und wie du uns Gutes tust, indem du wirkst. Wir danken dir, dass wir dich entdecken können, dass wir in Beziehung zu dir sein dürfen. Und das allein ist schon ein Wunder für sich.

Darüber beten wir dich an. Wir danken dir, dass du uns Gelegenheit gibst, auch heute wieder ein Stück weiter und näher zu dir zu kommen. Wir danken dir für die Gemeinschaft, die du schenkst. Eine Anbetung, die wir dir bringen dürfen.

Du willst uns hören, du willst mit uns handeln und auch durch uns wirken. Danke, dass du uns segnest. Amen.

Nimm Platz. Wir singen noch ein Lied. Stimmt zu: Gottes Ehre froh ein Loblied an. Dann kommen die Kinder nach vorne, singen ein Lied mit uns zusammen, gehen danach in die Kinderstunden. Anschließend hören wir die Botschaft: „Der Kampf der Giganten“ heute.

Gemeinsames Loblied und Kinderprogramm

Stimmt zu Gottes Ehren froh ein Loblied an, sagt es allen Menschen, was er uns getan hat. Denn aus eigenen Wehen brachte er uns zurück und schenkte uns verdientes Glück und Segen. Wer die Ruhe bot? Jesus Christus kam.

Liebe ohne Maß nahm sich Hohn in die Kopfschar. Singt vom Sieg der Freude auf der Lebensbar! Hier ist neues, lebendiges Leben da.

Spitzel, dass du da bist, einfach spitzel, dass du da bist, einfach spitzel, komm, wir loben! Einfach spitzel, Fachspitze, dass du da bist, einfach spitze, dass du da bist, einfach spitze, komm, wir loben Gott den Herrn.

Einfach spitze, lasst uns stampfen! Einfach spitze, lasst uns stampfen! Einfach spitze, komm, wir loben Gott den Herrn!
Einfach spitze, lasst uns klatschen! Einfach spitze, lasst uns klatschen! Einfach spitze, komm, wir loben Gott den Herrn!
Lasst uns klatschen! Einfach spitze, lasst uns klatschen! Einfach spitze, komm, wir loben Gott den Herrn.

Schauen wir mal. So schön, dass du da bist – einfach spitze hat es geheißen. Ich freue mich, heute mit euch in den Gottesdienst zu gehen. Ich schwitze schon mal vor der Predigt, ich hoffe, danach nicht mehr. Nein, so schlimm ist es nicht.

Ich habe ein Bild dabei, wenn die PowerPoint da ist. Und der blättert, blättert, blättert – nicht blättert – ja, jetzt sehr schön. Vielleicht erinnert euch das ein bisschen an die letzte Predigt über den Galaterbrief, wo Paulus in Galater 5,1 sagt: „Zur Freiheit seid ihr berufen; lasst euch nicht wieder ein Joch der Knechtschaft auflegen!“

So frei, reinschauen in die Landschaft: Die Kette ist noch irgendwie sichtbar, aber sie soll losgelöst sein, gesprengt sein, weg – die Kette von Regeln und Gesetz. Wenn man in den Galaterbrief reinschaut, geht es um Freiheit.

Sehnsucht nach Freiheit und ihre Herausforderungen

Hast du Sehnsucht nach Freiheit? Träumst du davon, wirklich frei zu sein? Was sind die Ketten, die du gerade gerne hinter dir lassen würdest? Was würdest du mit deinem Leben anfangen, wenn du an nichts gebunden wärst und alle notwendigen Mittel zur Verfügung hättest?

Freiheit ist etwas Schönes, oder? Wenn wir heute ein wenig darüber nachdenken, was wir unter Freiheit verstehen, dann ist es oft das Losgelöstsein von Regeln. Es bedeutet, authentisch leben zu können, das Leben zu führen, das ich mir wünsche. Ich möchte mich nicht mehr von anderen ketten oder binden lassen, sondern mein Leben selbst verwirklichen.

Dabei habe ich ein anderes Bild im Kopf – vielleicht war ich zu schnell. Es ist ein berühmtes Bild, das ich mir erlaubt habe, in der Originalversion zu zeigen. Es wurde während der Französischen Revolution gemalt, genauer gesagt während der Drei-Tage-Revolution. Die Frau, die vorausrennt, ist wohl die sogenannte Marianne mit der Trikolore, die das Volk zur Freiheit führt. Sie kämpft gegen die Sklaverei des Adels, der Könige und für die Freiheit des Volkes.

Doch das Bild zeigt noch etwas anderes: Wenn man ein wenig nach unten schaut, sieht man einige Leichen liegen. Der Weg zur Freiheit fordert in der Regel Opfer. Wenn du deine Freiheit leben möchtest und das, was du dir vielleicht vorhin vorgestellt hast, vollständig ausleben willst, dann bedeutet das oft, dass andere oder du selbst dafür einen Preis zahlen müssen.

Ein klassisches Beispiel: Wenn jemand die Freiheit der Liebe ausleben will, weil er sich neu verliebt hat, dann zerbricht oft eine Familie. Dann leiden häufig die Kinder und andere Beteiligte. Wenn wir Freiheit so leben wollen, wie wir sie heute verstehen, dann passiert oft genau das, was auf diesem Bild sichtbar ist: Die Freiheit schreitet voran – auf einem Berg von Leichen.

Gesellschaftlicher Umgang mit Freiheit und Gesetz

Was ist also die Reaktion in der Geschichte und oft auch in unserem Leben, wenn Freiheit zu viel kostet? Wenn individuelle Freiheit zu viel Schaden bei anderen hinterlässt, dann fangen wir in der Regel an – als Gesellschaft, aber vielleicht auch persönlich – wieder Regeln aufzustellen. Regeln, die der Freiheit einen Rahmen setzen, damit Dinge funktionieren und die Gesellschaft funktioniert.

Wir landen oft in einem Kampf zwischen Freiheit und Gesetzesrestriktion. Das Spannende ist: Man kann diese Kurven in der Geschichte verfolgen. Auf Phasen, in denen sehr viel reguliert ist, folgt oft eine Phase mit großem Freiheitsdrang. Dann merkt man, dass es so nicht funktioniert. Daraufhin beginnt man wieder, mehr zu restriktieren, mehr Gesetze zu erlassen und mehr Rahmen zu schaffen, in dem gelebt werden kann.

Ich habe einen Schocker für euch: Nur dreizehn Verse, nachdem Paulus dazu aufruft, in der Freiheit festzustehen und sich nicht wieder ein Joch der Knechtschaft aufzubürden, bringt er eine Warnung in Galater 5,13 an. Dort beginnt unser heutiger Text. Ich lese zunächst die Verse 13 und 14:

Paulus schreibt: „Geschwister, ihr seid zur Freiheit berufen“, und bestätigt das erst noch einmal. „Doch gebraucht eure Freiheit nicht als Vorwand, um die Wünsche eurer selbstsüchtigen Natur zu befriedigen, sondern dient einander in Liebe.“ So weit, so gut.

Jetzt kommt Vers 14, und man denkt sich: Wenn man den ganzen Galaterbrief bisher im Kopf hat, was ist los? Streichst du alles durch, was du vorher geschrieben hast? Denn „das ganze Gesetz ist mit einem einzigen Wort erfüllt, in dem Gebot: Du sollst deinen Mitmenschen lieben wie dich selbst.“

Klar, hier steht Liebe im Fokus, und darauf wird später noch näher eingegangen. Aber Paulus bringt auf einmal wieder das Gesetz ins Spiel, obwohl er vorher gesagt hat, wir seien doch frei davon. Bedeutet das, dass Paulus das Gesetz doch wieder als wichtig sieht? Sieht er auch diese Zyklen, die wir in unserer Gesellschaft haben – Freiheit, Gesetz, die sich immer abwechseln?

Wenn ihr die Bibel lest, den Galaterbrief oder die Bibel insgesamt, dann seht ihr scheinbar zwei Säulen: Auf der einen Seite sind wir frei, wir sind losgekauft, wir sind von Gott geliebt. Ihr findet Ermutigungen und Freiheit in der Bibel. Auf der anderen Seite gibt es Ermahnungen, Aufrufe zur Heiligung und Anweisungen, wie man sich verhalten soll – „tu dies“, „tu das nicht“.

Ich glaube, ihr seid alle so weit Bibelkenner, dass euch das schon aufgefallen ist, dass beides da ist. Jeder von uns hat einen Hang zu der einen oder anderen Seite seiner Natur.

Das Spannende ist, dass die Bibel und Paulus selbst beides erst einmal als etwas Positives sehen. Galater 5,1 sagt: „Zur Freiheit hat Christus uns befreit. So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen.“ Freiheit ist etwas Positives. Das Werk, das Jesus auf Golgatha getan hat, will uns zur Freiheit berufen und aus der Knechtschaft herausreißen.

In Römer 7, das sehr parallel zu unserem Galatertext ist, aber ausführlicher, dürfen Matthias und Christian euch irgendwann in ein paar Monaten näher hineinführen. Dort heißt es in Vers 12: „Demnach ist das Gesetz heilig, und ebenso das Gebot heilig, gerecht und gut.“

Paulus hat doch, ihr erinnert euch an die letzten Galaterpredigten, erzählt, wie wir befreit sind vom Gesetz und raus sollen aus der Knechtschaft – und jetzt sagt er, es ist gut.

Wir haben also diese beiden Dinge, die sich scheinbar widersprechen und gegeneinander arbeiten: Freiheit und Gesetz, richtiges Leben. Ihr habt das alle schon kennengelernt.

Unsere Standardreaktion ist – und ich habe sie so oft gehört –, dass beides seinen Wert hat. Beides hat seine Berechtigung. Beides muss unser Leben prägen und in Balance zueinander gebracht werden.

Deshalb habe ich die Waage hier dabei. Ich habe ein bisschen Gesetz und ein bisschen Freiheit daraufgelegt. Packen wir mal ein bisschen Gesetz rein – ganz in der Waage ist sie, glaube ich, nicht, aber ihr seht, was passiert: Sie kippt ziemlich auf die eine Seite.

Ich habe ein Gebot reingelegt, jetzt sind wir zu sehr auf der Seite des Gebots. Dann brauchen wir wieder ein bisschen mehr Freiheit. Ah, ich bin jemand, der Freiheit mag. Jetzt sind wir wieder zu sehr gekippt, dann brauchen wir wieder ein bisschen Gesetz. Nein, ein bisschen mehr davon. Ja, dann packen wir halt wieder Freiheit drauf.

So läuft oft unser persönliches Glaubensleben: Wir schwanken hin und her zwischen diesen zwei Dingen, sehen sie als Gegensätze und denken, sie müssten sich ausgleichen. Wenn ich ein bisschen mehr für Gott gelebt habe, dann brauche ich auch wieder mehr Freiheit.

Ich glaube, dass du zu einer der zwei Parteien gehörst, bei denen du eine Tendenz hast. Entweder betonst du mehr den Regelaspekt, bist der Tomatenfan, der eher gesund unterwegs sein will, der Disziplinierte. Oder du bist eher auf der Schokoladenseite unterwegs und hast mehr die Freiheit im Blick.

Wisst ihr, was das in Gemeinden und in der christlichen Welt verursacht? Dass wir häufig genau damit beschäftigt sind, je nachdem, zu welcher Seite du gehörst, mehr von der einen oder anderen Seite reinzupacken, weil die andere sonst zu sehr Übergewicht bekommt.

Da sind welche, die haben den Blick auf Heiligung und packen Gewicht in die Gemeinde. Dann denkst du, jetzt muss ich ein paar Tafeln Schokolade drauflegen, damit das besser wird. Und so läuft das immer weiter.

Kennt ihr das? Beschreibt das vielleicht manchmal sogar uns als Gemeinde, dass wir da unterwegs sind?

Konflikte durch unterschiedliche Glaubensausprägungen

Ich weiß nicht, vielleicht waren die Galater ähnlich unterwegs, denn Paulus bringt jetzt direkt in Galater 5,15 einen interessanten Vers. Er sagt: „Wenn ihr euch aber untereinander beißt und fresst, so seht zu, dass ihr nicht einer vom anderen gefressen werdet.“

Der Effekt, der nämlich passieren kann, wenn ich immer mehr draufpacke, ist, dass das nur noch heftiger wird. Immer schneller muss ich Dinge reinpacken, und immer weniger funktioniert das. Dabei sagt Paulus doch, dass beides gut ist. Schokolade darf dir Genuss geben, die Tomate ist vielleicht sinnvoll, damit du länger lebst. Du könntest auch anderes Gemüse noch reinpacken. Beides ist wichtig.

Wo liegt das Problem? Warum funktioniert das nicht? Warum kann so eine Situation schnell dazu führen, dass wir uns vielleicht eher untereinander auffressen? Weil wir immer im Blick haben, dass der andere doch jetzt irgendwo wegkippt, dass er den Glauben nicht mehr richtig lebt. Der eine hat vielleicht Angst, dass sie jetzt die Heiligkeit Gottes aus dem Blick verlieren, dass sie vergessen, dass wir doch für Gott leben sollen. Sie sehen uns schon im totalen Liberalismus, wir sind schon komplett weggekippt.

Die anderen haben Angst, dass wir wieder im Gesetz landen, dass wir bei den Pharisäern landen, und wollen Freiheit hochhalten. So wird es zu einem Gegeneinander.

Was ist die Lösung? Wie kann es anders funktionieren? Wie ist der Weg, um Gesetz und Freiheit richtig zu leben? Oder war das das Problem, warum es nicht funktioniert?

Paulus bringt in Galater 5,16 einen völlig anderen Lösungsansatz ins Spiel. Er sagt: „Ich sage aber: Lebt im Geist, so werdet ihr die Begierden des Fleisches nicht vollbringen.“

Das klingt jetzt spannend. Den Vers kennt wahrscheinlich jeder, der ab und zu die Bibel liest oder so ein paar Kalenderkärtchen irgendwo rumhängen hat. Den hängt man sich gerne in die Wohnung, weil es gut klingt. Was das praktisch bedeutet, hat aber fast keiner eine Ahnung. „Lebt im Geist!“

Wir wollen uns anschauen, was es praktisch wirklich bedeutet, denn ich glaube, dass es der Lösungsansatz ist, den Paulus bringen will. Wie Freiheit und Gottes gutes Gesetz richtig angewandt werden, miteinander funktionieren und leben können. Und wie sie zueinander etwas dienen, das eben Gemeinde – und vielleicht auch dich persönlich – nicht auffrisst, sondern Liebe lebt, wie Paulus das hier skizziert hat.

Die Begierden des Fleisches und ihre Auswirkungen

Wie kann das klappen? Es kann klappen, indem wir im Geist leben und die Begierde des Fleisches nicht vollbringen.

Was ist die Begierde des Fleisches? Das ist ein schönes biblisches Wort. Aber was meint Paulus damit genau? Das Gute ist, dass Paulus in den Versen 19 bis 21 ziemlich genau beschreibt, wie diese Begierde des Fleisches aussieht. Ich springe jetzt ein bisschen voraus, damit wir einen Eindruck bekommen, was er mit „Fleisch“ meint.

Es heißt dort offenbar, dass die Werke des Fleisches Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Streit, Eifersucht, Zorn, Selbstsucht, Zwietracht, Parteiungen, Neid, Trunksucht, Schwelgerei und Ähnliches sind. Von diesen Sünden sagt Paulus voraus, wie er schon früher gesagt hat, dass wer derartiges verübt, das Reich Gottes nicht erben wird.

Ich blättere mal weiter. Das ist eine Übersicht dessen, was Paulus hier ausführt, was das, was er als Fleisch versteht, von sich bringt. Es gibt unterschiedliche Übersetzungen, aber pro Zeile ist ein Punkt, den er nennt: sexuelle Unmoral, Unreinheit, Götzendienst, Streit, Eifersucht, Zorn, Neid, Saufen, Urgern, Fressgelage. Dabei ist nicht einfach nur ein gutes Essen gemeint, sondern es steckt schon mehr dahinter.

Ich will jetzt nicht in jedes Detail gehen, sondern euch eine Aufteilung zeigen, wie man diese Sünden gruppieren kann. Das ist sehr spannend.

Zuerst haben wir drei Punkte, die von Unmoral sprechen, also vor allem sexuelle Sünden. Das ist das, was wir klassischerweise im Blick haben, wenn wir vom Fleisch reden. Sexuelle Sünden sind das Erste, was uns einfällt, und vielleicht kommen noch exzessives Verhalten, Drogen und Ähnliches dazu.

Was uns schon schwerer fällt, ist, ein bisschen religiöse Verstöße wie Götzendienst mit einzubeziehen. Die können aber auch dazugehören.

Was wir ganz gerne vergessen, ist, dass Paulus hier die größte Liste eigentlich für soziale Konflikte hat: Feindschaft, Streit, Hader und Ähnliches.

Wenn ihr euch diese Liste anschaut, müsst ihr eure Sicht vielleicht ein bisschen überdenken, was die Bibel alles unter Werke des Fleisches versteht. Ehebruch steht hier auf einer Stufe mit Neid und Eifersucht. Ehebruch sieht man zwar offensichtlicher nach außen und verurteilt ihn leichter. Aber das, wo du in deinem Herzen neidisch bist, wo du über jemanden schlecht redest, wo du nicht vergeben kannst oder selbstsüchtig handelst – das sieht man nicht sofort nach außen. Für Paulus gehört das aber auch dazu.

Freiheit und Gesetz als Ursachen für Werke des Fleisches

Und ich habe noch eine andere Einteilung, weil nämlich etwas Spannendes dabei ist. Das eine passiert, wenn ich die Freiheit falsch verstehe und überziehe. Das andere passiert, wenn ich das Gesetz falsch anwende.

Wie komme ich darauf? Ich glaube, mit der Freiheit ist uns allen relativ eindrücklich klar: Wenn ich Freiheit überziehe, dann lebe ich vielleicht wirklich Ehebruch aus oder exzessives Verhalten wie übermäßiges Trinken. Ich lasse mich davon mitreißen, und das ist uns alles ziemlich eingängig.

Wenn ich aber das Gesetz so anwende, wie Paulus es die ganze Zeit in Galater kritisiert hat, dann bringt das Dinge hervor wie Neid. Ich sage mir dann: „Mir würde doch auch das Recht zustehen, das er hat.“ Recht hat etwas mit Gesetz und Ordnung zu tun. Ich will das Recht haben, das auch er hat. Ich werde zornig, weil er mich in meinem Recht einschränkt. Ich halte mein Recht hoch und kümmere mich deshalb darum, dass das Recht durchgesetzt wird. Das kann vielleicht zu Spaltungen führen und zu weiteren Problemen.

Ihr merkt, beides findet sich hier wieder: Freiheit und Gesetz. Beides kann zu Problemen führen.

Jetzt habe ich aber vorhin doch gesagt, Freiheit und Gesetz sind prinzipiell gut. Hier ist der Hund begraben: Nicht das Gesetz an sich ist schlecht, nicht die Freiheit an sich ist schlecht, sondern das Problem sitzt hier. Das, was Paulus mit „Fleisch“ meint, das kann man hier schön erkennen. Es sind nicht einfach nur äußerliche Taten, sondern das, was dich als Mensch ausmacht. Es ist dein natürliches Wesen, dem du einen Zug hast.

Ich bin überzeugt davon, jeder findet sich in der Liste wieder, wenn er ehrlich zu sich ist. Vielleicht tust du dir leicht, oben auf das Thema sexuelle Unmoral zu schauen, weil das keine Baustelle in deinem Leben ist. Aber allein dadurch, dass du darauf schaust und erkennst, dass andere da versagen, bist du wahrscheinlich hier schon irgendwo unterwegs. Das zeigt, wie auch dein Herz dazu neigt, Freiheit und Gesetz, die Gott als gute Dinge gegeben hat, zum Missbrauch und falschen Gebrauch zu verwenden.

Das eine, um sich auf Kosten anderer auszuleben – zum Beispiel sexuelle Unmoral. Das andere, um sich auf Kosten anderer besser zu fühlen oder sich durchzusetzen. Und somit sind wir in einem Kampf drin, der nicht zwischen Freiheit und Gesetz ist, sondern der auf der einen Seite dein Fleisch hat, dein inneres Wesen.

Wenn ich das jetzt richtig habe, habe ich hier ein Bild, das du aus dir hervorbringst, wenn du Gesetz und Freiheit so lebst, wie du es für richtig hältst. Dann sieht dein Leben wie eine Landschaft aus. Ist das manchmal Realität? Das ist das, was in uns drinsteckt und hervorbringt, dass wir immer wieder falsch laufen.

Wenn du diesen Fleischkatalog durchgehst: Wo sind deine Werke des Fleisches? Bist du eher jemand, der das Leben genießen will und dadurch vielleicht in der Gefahr steht, in sexuelle Unmoral zu fallen? Oder wo sich das Genießen schnell in Exzesse ausartet, zum Beispiel beim Alkohol oder Schokolade? Oder bist du eher der Typ Disziplin, der mit Askese ein besseres Leben führen will, der das vor sich herträgt und allen anderen davon erzählt, wie toll er das doch hinbekommt? Aber oft werden Dinge wie Eifersucht, Neid oder Streit zum Thema, und du merkst gar nicht, dass du mit Leuten in Konflikt kommst.

Vielleicht ist der ein oder andere Konflikt in der Gemeinde, den du meinst zu kämpfen, gar kein geistiger Konflikt, sondern ein Konflikt unterschiedlicher Ausprägungen unseres Fleisches. Der eine hat eben Lust auf Schokolade, der andere auf Tomate.

Paulus macht etwas deutlich in Vers 21, wo er da anfügt, was echt dramatisch ist: Wer darin lebt, wird keinen Anteil am Reich Gottes erhalten.

Ich denke nicht, dass Paulus hier meint, dass man ab und zu in diese Falle des Fleisches tappt. Dann würde das ganze Kapitel nicht passen, wo er – das werden wir gleich noch genauer anschauen – von einem Kampf spricht. Es geht um einen dauerhaften Lebensstil.

Wer dauerhaft das auslebt, wo sein natürliches Wesen, seine innere Motivation, treibt, der hat keinen Teil am Gottesreich. Es passt nicht zum Gottesreich, weil das Gottesreich nicht solche Landschaften hervorbringt.

Die Frucht des Geistes als Gegenbild

Paulus stellt den Werken des Fleisches etwas anderes gegenüber. Dabei fehlt zunächst eine dunkle Seite. Doch das Bild muss das aushalten. Er stellt den Werken des Fleisches Gottes Geist entgegen, der in den Kindern Gottes wirkt. Dabei zeichnet er ein Bild von einem ganz anderen Lösungsansatz.

Er zeigt uns, wie ein Leben aussieht, das von Gottes Geist verändert und geprägt wird. Ja, er verwendet hier ein Bild und überlässt es nicht einfach dem Zufall – wieder einmal sind unsere Gärtner und Landwirte angesprochen, auch wenn wir keine Landwirte sind.

Im Gegensatz zu den Werken des Fleisches spricht Paulus jetzt von Frucht. Ich denke, Paulus wählt diese Bilder mit Bedacht, wie wir gleich noch sehen werden. Paulus schreibt in Vers 22: "Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Treue, Sanftmut, Beständigkeit. Gegen derartige gibt es kein Gesetz."

Hier habt ihr eine Aufzählung der Früchte. Ich habe versucht, sie ein wenig zu beschreiben: Liebe bedeutet, dem Nächsten zu seinem Besten zu dienen. Freude heißt, sich über Gott zu freuen, weil er so herrlich und wunderbar ist. Friede ist die innere Ruhe und Zuversicht, die sich auf Gott verlässt. Geduld ist die Fähigkeit, in Krisen nicht die Fassung zu verlieren.

Freundlichkeit ist die Fähigkeit, für andere da zu sein und sich dabei zu öffnen. Güte oder Integrität bedeutet, in jeder Situation derselbe Mensch zu sein. Treue heißt, auf mich und mein Wort ist Verlass. Sanftmut bedeutet, sich selbst zurückzunehmen. Selbstbeherrschung ist das Wichtigste: das Dringliche über das Wichtige zu stellen.

Das Ganze wird vielleicht besser verständlich, wenn ich den Gegensatz dazu sehe. Liebe steht in der Bibel im Gegensatz zu Angst. Freude steht gegenüber Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung. Friede steht Sorge und Angst gegenüber. Geduld steht Groll gegen Gott oder Mitmenschen gegenüber. Freundlichkeit steht Neid gegenüber. Güte steht Sprücheklopfern und Heuchlern gegenüber. Treue steht Opportunisten und Schönwetterfreunden gegenüber. Sanftmut steht jemandem gegenüber, der sich nur um sich selbst dreht und sich wichtiger nimmt als andere. Und Selbstbeherrschung steht jemandem gegenüber, der wankelmütig ist.

Jetzt kann man sehen, wo die Baustellen liegen. Wichtig ist: Paulus spricht von Frucht, nicht von Früchten. Das ist interessant. Warum tut er das? Timothy Keller bringt einen interessanten Gedanken, den ich sehr eindrücklich fand. Er sagt, dass das, was Gottes Geist ist, etwas Ganzheitliches ist.

Man kann sich nicht eine einzelne Sache herauspicken und sagen: Gottes Geist wirkt in mir, weil ich in diesem Bereich gut bin. Jeder von uns ist von seinem natürlichen Wesen her in dem einen oder anderen Bereich schon ganz gut.

Wenn Gottes Geist unser Leben verändert, geht es nicht darum, dass du in einem Bereich das perfekte Musterbeispiel bist. Es geht um ganzheitliche Veränderung. Das wird vielleicht verständlich, wenn ich die Imitate hier einblende.

Imitat heißt: Es sieht so aus, als wäre das eine Frucht des Geistes, aber in Wirklichkeit ist es eher dein Wesen. Liebe: Ich neige mich anderen zu, aber aus egoistischen Motiven. Freude: Ich freue mich, weil es mir gut geht und ich Segen erfahre. Friede: Ich halte Frieden, aber in Wirklichkeit bin ich gleichgültig und antipathisch.

Ich habe Geduld, aber eigentlich bin ich nur zynisch und zucke mit den Schultern, weil mich Situationen gar nicht berühren. Ich wirke freundlich, aber in Wirklichkeit dienen meine Taten nur dazu, Gutes für mich zu bekommen. Ich bin gütig, aber in Wahrheit sage ich das nicht, weil ich die Leute liebe.

Ich bin treu, aber in Wirklichkeit bin ich nicht wahrhaftig. Nein, da passt jetzt etwas nicht, das ist falsch eingeordnet. Ich bin treu, aber nicht liebevoll. Treue heißt zum Beispiel auch, dass ich zu Gottes Wort stehe, aber ich tue das vielleicht auf Kosten der Liebe.

Ich bin sanftmütig, aber in Wirklichkeit bin ich vielleicht konfliktscheu. Das gehört eigentlich hierher. Ich habe Selbstbeherrschung, aber in Wirklichkeit gründet meine ganze Willenskraft auf meinem Stolz.

Wenn Gottes Geist uns verändert, macht er den, der von seinem natürlichen Wesen her der Kämpfer ist und treu zu Gottes Wort steht, gleichzeitig zu einem Sanftmütigen. Das ist, wo Gottes Geist handelt – das ist unnatürlich, weil es gegen unser natürliches Wesen geht.

Er macht den, der sanftmütig und liebevoll ist, zu jemandem, der bereit ist, für Gottes Wahrheit aufzustehen und dazustehen. Es ist anders als das, was wir Menschen selbst hervorbringen können.

Es geht nicht nur um deine natürlichen Begabungen, sondern um Veränderung. Die Frucht des Geistes ist viel mehr: Sie verändert den Charakter. Ich glaube, so sieht das Bild aus, das du in deinem Leben hinterlässt, wenn Gottes Geist darin wirkt.

Gefällt euch das besser als das graue, düstere Bild von vorhin, das die Werke des Fleisches hinterlassen? Ich weiß nicht, ob du davon auch träumen kannst. Wenn dein Leben so aussieht, dann hinterlässt du bei anderen Menschen, mit denen du in Berührung kommst, etwas, das sie erleben und erfahren können: weite Landschaften, Fruchtbarkeit, Genuss, Erholung.

Ich wünsche mir, noch ein bisschen mehr zur Frucht zu sagen.

Die Bedeutung des Geistes und das Wachstum der Frucht

In Galater 4,6 haben wir das Beispiel gesehen, in dem Jesus den verlorenen Sklaven freikauft und zu seinem Vater nach Hause bringt. Der Vater nimmt uns als seine Kinder an. In Galater 4,6 heißt es, was passiert, wenn wir von Gott angenommen werden: Weil ihr nun Söhne seid, hat Gott den Geist seines Sohnes in eure Herzen gesandt, der da ruft: „Abba, lieber Vater!“

Diesen Geist Gottes kannst du nicht selbst produzieren oder schaffen. Er wird dir von Gott geschenkt und jedem, der ihm sein Leben anvertraut. Jedem, den Jesus freikauft – das ist die Grundvoraussetzung. Diesen Geist brauchst du, damit Frucht wachsen kann.

Das wissen Friedrich, Michi und alle anderen Gärtner hier ziemlich genau, und das weiß auch jeder andere: Du kannst Frucht nicht produzieren. Es funktioniert einfach nicht. Du kannst nicht an ihr ziehen, damit sie größer wird. Du kannst nicht mit Werkzeug daran arbeiten und erwarten, dass Frucht hervortritt. Frucht muss wachsen. Du kannst es nicht selbst schaffen.

Auch kannst du nicht einfach danebenstehen und zusehen, wie die Pflanze wächst. In der Regel braucht es einen längeren Zeitraum. Du siehst ein paar Wochen später, was gewachsen ist, aber nicht in dem Moment, in dem es wächst. Das nimmst du nicht wahr. Du erkennst den Unterschied meist erst Jahre später.

So ist es auch, wenn Gottes Geist an uns arbeitet. Die Frucht erkennst du nicht in dem Moment, in dem sie wächst, sondern vielleicht erst dann, wenn du in Krisensituationen kommst und realisierst: Jetzt handle ich anders als vor fünf Jahren. Vielleicht bist du selbst erstaunt, was passiert ist. Vielleicht erkennst du die Frucht auch nie, aber andere sehen sie an dir. Sie sehen, dass sich etwas verändert hat, dass Punkte, die gar nicht zu deinem Charakter passen, plötzlich zum Vorschein kommen.

Dass etwas sichtbar wird, zum Beispiel, dass jemand mehr mit Liebe reagiert, der vorher hartherzig war. Dass jemand auf einmal seinen Mund aufmacht, wenn es notwendig ist, der sonst immer still war. Frucht wächst zwangsläufig.

Ich habe ein schönes Bild dazu, das den Fluch eines jeden Gärtners zeigt, aber auch die Kraft von Frucht zum Ausdruck bringt: Der kleine Löwenzahn ist in der Lage, Pflaster zu sprengen und da hervorzukommen und zu wachsen. Du kannst eine Eichel in die Erde stecken, eine Marmorplatte darauflegen, und in ein paar Jahren wächst diese Eiche vielleicht durch die Marmorplatte hindurch.

So ist es, wenn Gottes Geist im Leben von Menschen wirkt: Dann entsteht Frucht in den härtesten Herzen. Deshalb glaube ich, dass Paulus dieses Bild von Frucht wählt.

Wichtig ist auch: Frucht kommt von inneren Wurzeln. Der Löwenzahn hat nicht die Kraft in der Blüte, sondern in den Wurzeln, die unter dem Stein sind und die du nicht sehen kannst. Frucht kommt nicht von äußerlichem „Hinklatschen“, sondern davon, dass das Herz und die innere Motivation verändert werden.

Unter dem Geist Gottes werden Freiheit und Gesetz erst recht verwendet. Warum? Weil Frucht in den richtigen Weg eingeordnet wird, nämlich in Liebe. Das ist die erste Frucht, die Paulus nennt: Liebe. Und das ist das, was er vorhin bringt als Gegensatz dazu, das Glaubensleben so zu leben, dass man immer ein bisschen Gesetz und Freiheit hineinpackt.

Er weist auf die Liebe hin – Liebe für den anderen. Noch einmal Galater 5,13-14: „Ihr seid ja zur Freiheit berufen, liebe Brüder. Nun missbraucht die Freiheit nicht als willkommenen Anlass für das Fleisch, sondern dient einander durch die Liebe. Denn das ganze Gesetz findet seine Erfüllung in dem einen Gebot: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“

Wenn Gottes Geist mein Leben verändert, dann erkenne ich, wozu ich freigemacht bin: Gott und andere zu lieben. Wenn Gottes Geist mich freimacht, dann erkenne ich, wozu er sein Gebot wirklich gegeben hat. Es führt dazu, dass ich ihn und andere mehr liebe – nicht damit ich mich besser fühle als andere, nicht damit ich mich gegen andere herausstellen kann, sondern damit mein Leben in eine Richtung geprägt wird, in der ich fruchtbar bin.

Und das bin ich, wenn ich diese Dinge in Liebe für andere anwende.

Spannend ist, was Paulus in Vers 23 bei den Früchten des Geistes als Bemerkung anfügt. Bei den Werken des Fleisches hat er angefügt, dass solche keinen Anteil am Reich Gottes haben. Vers 23 bringt eine Bemerkung, bei der man denkt: „Na ja, hä, weshalb? Ist doch logisch.“ Gegen diese Frucht gibt es kein Gesetz, oder ist das Gesetz nicht?

Man denkt: Paulus, das ist doch eigentlich klar, dass gegen Liebe, Freude, Sanftmut, Demut und so weiter das Gesetz nichts einzuwenden hat. Ich denke, Paulus bringt das als eine leicht ironische Anmerkung.

Warum? Wenn ihr euch die Frucht des Geistes anschaut, dann erkennt ihr, dass es viel, viel mehr ist als Gesetz. Gesetz – und damit hat Paulus ein Problem – bringt nur äußere Handlungen hervor. Es schafft nur äußere Handlungen, vielleicht, dass sich an den toten Apfelbaum ein Apfel hinklebt, sodass er aussieht, als wäre er echt. Aber er ist nicht echt, weil es innen kaputt ist.

Der Geist Gottes macht viel mehr. Er geht weit über die Gebote Gottes hinaus, indem er dein Herz anpackt und deine Motivation verändert.

Wenn er dich zu einem treuen Menschen macht, der im tiefsten Inneren seines Herzens treu ist, dann brauchst du kein Gesetz mehr, das dich davor warnt zu lügen oder die Ehe zu brechen. Warum? Weil dein Herz eine tiefe Sehnsucht danach hat, anders zu sein.

Es ist viel, viel mehr als nur das Gebot, das dich vielleicht in ein Korsett zwingt.

Wenn Gottes Geist dich verändert, dann ist Freiheit viel mehr, als einfach deinen natürlichen Begierden hinterherzulaufen. Du wirst deine Freiheit nutzen, um dich für andere hinzugeben, weil du von Liebe geprägt und gepackt bist.

Es ist ein anderer Weg, als Gesetz und Freiheit gegeneinander auszuspielen. Es ist der Weg, all das zu verwenden, um mit anderen Gutes zu tun und Liebe zu leben.

Hast du Sehnsucht nach dieser Frucht des Geistes? Hast du Sehnsucht danach, dass wir eine Gemeinde werden, in der die Tomatenfraktion die Tomate vor allem für sich anwendet, damit sie ihr Leben so verändert, dass die Menschen um sie herum diese Liebe erfahren? Dass sie das, was Gott als Maßstab gibt, wie Leben gut ist und wie es aussieht, so verwenden, dass ihr Leben verändert wird und Menschen gepackt werden?

Genauso wünsche ich mir Gemeinden, in denen die Schokoladenfraktion ihre Freiheit nicht lebt, um sich selbst durchzusetzen, sondern die Freiheit hat, auf ihre eigenen Begierden zu verzichten, die ja auch nur Werke des Fleisches sind. Stattdessen lebt sie Freiheit für andere.

Ich habe Sehnsucht danach. Ich habe Sehnsucht, dass Gemeinde wirklich so ein Getreide- und Obstgartenfeld wird, in dem wir miteinander in Liebe leben.

Wenn du diese Sehnsucht hast, brauchst du noch eine weitere Sehnsucht: die Sehnsucht, dass dein Leben verändert wird, dass dein Leben Frucht zeigt, dass dein Charakter verändert wird.

Wenn du zur Tomatenfraktion gehörst, dann wirst du verändert, und deine Motive sind nicht mehr eigennützig, wenn du auf das Gesetz schaust, nur um dich besser darzustellen als andere.

Wenn du zur Schokoladenfraktion gehörst, dann ist deine Freiheit nicht mehr selbstbezogen.

Wie entsteht die Frucht des Geistes?

Wie können wir das schaffen? Wie kann diese Frucht des Geistes in uns entstehen?

Frucht können wir nicht selbst produzieren. Wir können nur eines tun – so wie Gärtner: Einen Nährboden schaffen, auf dem sie wachsen kann. Vielleicht sagst du: „Ja, ich habe Sehnsucht danach, so jemand zu werden, der einen solchen Charakter hat.“ Aber weißt du was? Eigentlich zerreißt mich mein Leben.

Auf der einen Seite die Sehnsucht, und auf der anderen Seite erlebe ich immer wieder mein Fleisch, das kämpft. Genau deshalb habe ich das den Kampf der Giganten genannt. Ich kann euch das so gut nachfühlen. Wer mich kennt, weiß, dass ich jemand bin, der gerne und viel redet. Ihr könnt meine Frau fragen, wie oft ich verzweifelt bin, wenn Besuch da war und ich wieder alle totgequatscht habe oder wir irgendwo waren und ich es nicht geschafft habe zuzuhören.

Das ist nur so eine Banalität, aber genau dort habe ich diesen Kampf – ich möchte eigentlich jemand sein, der zuhört, der Liebe zeigt und den anderen nicht einfach mit dem erschlägt, was ich vielleicht dazu zu sagen habe.

Vielleicht hast du ähnliche Sehnsüchte und bist manchmal auch frustriert. Aber ich habe eine gute Nachricht für dich. Paulus beschreibt genau das als die Realität unseres Glaubenslebens. In den Versen, die ich übersprungen habe, sagt er in Vers 16 und 17:

„Ich sage aber: Lebt im Geist, so werdet ihr die Begierden des Fleisches nicht vollbringen, denn das Fleisch begehrt auf gegen den Geist, und der Geist gegen das Fleisch; die sind gegeneinander, so dass ihr nicht tut, was ihr wollt.“

Was Paulus hier beschreibt – und vielleicht versteht ihr das jetzt schnell – ist die Realität unseres Lebens. Der Kampf, den du zu kämpfen hast, ist nicht gegen die andere Fraktion in der Gemeinde. Der Kampf, den du zu kämpfen hast, ist gegen dich selbst gerichtet. Er ist gegen dein Fleisch gerichtet, gegen deine natürliche Motivation. Er richtet sich gegen das, was hinter dir her ist, gegen das, wo du Gottes gutes Gebot missbrauchst. Er richtet sich gegen den Missbrauch von Gottes Freiheit, die er dir schenkt, um wieder nur für dich zu leben.

Das ist der Kampf, in dem wir stecken. Dieses Begehren, das Luther als „Begehren“ übersetzt, zeigt einen unheimlich starken Willen, einen richtigen Konflikt. So haben wir diesen Kampf in unserem Leben – das ist die Realität.

Ich möchte, dass du dir das herausschälst: Das zeigt eine Sache, nämlich dass du echt bist, dass du Gottes Geist in deinem Leben hast. Sorgen musst du dir erst machen, wenn du diesen Konflikt nicht kennst. Denn dann stellt sich die Frage, ob Gottes Geist überhaupt an dir wirkt, ob er überhaupt an dir arbeitet und dir zeigt, dass etwas nicht in Ordnung ist, dass noch Egoismus da ist, dass du Gottes Dinge in falschen Richtungen missbrauchst.

 1. Johannes 4,13 sagt: „Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns, dass er uns von seinem Geist gegeben hat.“

Wenn du wirklich wiedergeboren bist, dann wirst du zwangsweise in diesem Kampf stecken. Und wenn das nicht deine Realität ist, dann lade ich dich ein, zu Gott umzukehren, Buße zu tun und ihn zu bitten, dass er in dein Leben kommt, dass sein Geist in dein Leben kommt und dich prägt.

Warum ist der Kampf so intensiv?

Und jetzt fragst du dich: Warum ist dieser Kampf so intensiv? Warum zieht er mich so sehr herunter? Warum höre ich immer wieder auf die Stimme meines alten Wesens?

Hier möchte ich ein Beispiel von Hans-Peter Reuer verwenden, weil er das so eindrücklich erklärt. Ich habe das bereits in einer Predigt über den Galaterbrief erwähnt. Dort habe ich gesagt, dass Jesus am Sklavenmarkt unterwegs war, dich dort freigekauft hat und dich zu seinem Vater nach Hause gebracht hat.

Jetzt nehme ich ein Beispiel, und dafür suche ich mir jemanden aus der Runde aus. Ich nehme mal den Michi. Der Michi ist ein harter Sklavenhalter, der am Sklavenmarkt unterwegs ist. Er hat Sandra dort als seine Sklavin zum Verkauf angeboten. Michi hat sie über Jahre hinweg ziemlich schlecht behandelt, hat mit ihr umgegangen, wie man es aus dieser Zeit kennt: Sie wurde geschunden, hat viele Wunden davongetragen und Ähnliches.

Nun nehme ich Herrn Frank. Er ist, glaube ich, nett. Er kommt auf diesen Sklavenmarkt, sieht Sandra und kauft sie frei. Er bringt sie nach Hause, reinigt ihre Wunden, versorgt sie und pflegt sie.

Ein paar Wochen später sind sie in der Stadt unterwegs. Sandra ist eine freie Person, gut gekleidet und ähnliches. Frank muss kurz in ein Geschäft, um etwas zu erledigen. Sandra bleibt draußen und sagt: „Alles gut, ich schaue mir ein bisschen die Auslagen in den Schaufenstern an.“

In diesem Moment kommt Michi ums Eck, sieht sie und denkt sich: „Boah, der zeige ich jetzt mal, wo der Hase langläuft. Das kann ja nicht sein, dass die so unterwegs ist.“ Er steht da und sagt: „Sandra, sofort hierher!“

Was ist ihre Reaktion? Was denkt ihr? Sie wird sich umdrehen und sofort hinrennen. Warum? Weil sie jahrelang auf diese Stimme gehört hat und genau daran gewöhnt ist zu gehorchen. Das ist erst einmal unsere natürliche Reaktion, wenn unser natürliches Wesen ruft. Wir haben jahrelang auf diese Stimme gehört, also drehen wir uns sofort um und gehorchen.

Was wäre der richtige Weg gewesen? Rein in den Laden, wo Frank ist, zu ihm hingehen und sagen: „Hey, der ruft mich, muss ich noch auf ihn hören?“

Und was hat Frank gesagt? „Nö, musst du nicht! Ich habe dich freigekauft, ich habe für dich bezahlt, ich habe dich losgekauft und errettet.“

Und genau das gilt für unser Leben, wenn wir im Geist Gottes leben wollen. Paulus beschreibt das in den letzten Versen von Galater 5,24-25: „Die aber Christus Jesus angehören, haben ihr Fleisch samt den Leidenschaften und Begierden gekreuzigt. Wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch im Geist wandeln.“

Praktische Schritte zum Leben im Geist

Ich glaube, dass Paulus hier drei Ansätze nennt, die wir auch im Gleichniskranz gesehen haben. Ich beginne jetzt von hinten und fange damit an, dass er sagt: Unterstellt euch dem Geist Gottes. An einer anderen Stelle bringt er es auch so zum Ausdruck: Wandelt im Geist.

Das bedeutet, sich der Herrschaft des Heiligen Geistes zu unterstellen, der in unserem Leben wirkt. Was bedeutet es, wenn er sagt: Hört auf ihn! Wenn Frank zu Sandra sagt: Du bist erlöst, du bist freigekauft, lebe dieses neue Leben, dann hört sie auf ihn. Warum? Weil er die Stimme ist, der sie vertrauen kann. Er hat sie gerade freigekauft, gereinigt, gewaschen und ihre Wunden versorgt.

Wir hören nicht auf die Stimme unseres alten Fleisches, dem Michi, der nur wieder das Böse tut. Was tun wir, wenn wir die Stimme des Geistes Gottes in unserem Leben hören, wenn er uns auf Dinge aufmerksam macht, bei denen wir in Gefahr sind, wieder auf unser altes Fleisch zu hören? Wir kreuzigen unser Fleisch.

Was meint das? Askese? Das ist oft unsere natürliche Tendenz, wenn wir das hören: Ich muss ein bisschen asketischer leben. Paulus meint das aber sicher nicht so. Warum? Weil Askese an vielen Dingen unserer alten Natur vorbeigeht. Eifersucht, Neid und Zorn wirst du nicht durch einen asketischen Lebensstil besiegen.

Unser Fleisch zu kreuzigen bedeutet vielmehr, dass ich jeden Tag bis zum Ende meines Lebens zum Kreuz Jesu gehe. Ich lege ihm die Dinge hin, bei denen ich den alten Drang meines Fleisches spüre. So sage ich zu Jesus: Danke, Herr, dass du genau dafür am Kreuz gestorben bist. Danke, dass diese alte Begierde mit dir am Kreuz hing und keine Macht mehr über mein Leben hat, weil auf Golgatha dafür bezahlt wurde.

Ich bekenne ihm, dass mein Drang mich dazu zieht, wieder anders zu handeln oder zu reagieren, und bitte ihn, dass die Vergebung von Golgatha dafür gültig ist. Ich mache mir bewusst, dass Jesus genau deshalb für mich gestorben ist, damit ich nicht mehr so leben muss.

Es ist genau dieses Beispiel: Ich gehe zu Jesus ans Kreuz, anstatt auf die alte Stimme zu hören. Warum? Weil er dafür bezahlt hat, weil er mich frei gekauft hat.

Und das Letzte: Ich bin mir bewusst, dass ich zu Jesus gehöre. Das ist meine Heimat, ich fliehe zu ihm, ich bin Teil seiner Familie und pflege diese Beziehung mit ihm. Ich suche die Gemeinschaft, weil ich dort die Gewissheit erfahre, dass bei ihm alle meine Bedürfnisse erfüllt werden.

Ich erfahre bei ihm, dass er mir viel mehr bietet, als wozu mich mein altes Wesen hinreißen will. Er hat viel mehr für mich übrig, weil er viel mehr für mich getan hat. Wenn Sandra zu Frank geht, erkennt und sieht sie wieder, dass er viel mehr für sie getan hat als der Michi.

Das brauchen wir. Wir gehen täglich zu Jesus und nehmen von ihm wahr, was er uns Größeres, Besseres und Mehr schenken will.

Schlussgedanken: Wahre Freiheit im Geist Gottes

Am Ende dieses Weges durch Galater 5 bleibt uns eine zentrale Erkenntnis: Wahre Freiheit finden wir nur im Geist Gottes. Sie befreit uns von den Zwängen des Fleisches und führt uns in ein Leben, das Gott gefällt und anderen dient.

Ich möchte heute dazu einladen, dich ganz dem Geist Gottes auszuliefern. Bring deine alte Natur Tag für Tag Jesus ans Kreuz. Lass dich von seinem guten Geist leiten und erlebe, wie sich deine Freiheit in Liebe verwandelt – zur Ehre Gottes und zum Segen für deine Mitmenschen.

Ich habe eine tiefe Sehnsucht danach – entschuldige, das wollte ich vorher zeigen, als es um das Kreuz ging. Ich sehne mich danach, dass Gottes Geist mich zu jemandem verwandelt, bei dem vielleicht, wenn ich mal achtzig Jahre alt bin, Enkelkinder, Kinder aus der Gemeinde oder andere Menschen zu meinen Füßen sitzen. Sie sind angezogen von einem Wesen, das den Stempel Gottes Geistes trägt.

Ich wünsche mir, dass ich im Alter nicht zu einer Person werde, die nur für ihre eigenen Wünsche lebt, die ihre Rente genießen und endlich ausleben will, was da ist – vielleicht verbittert oder ähnliches. Stattdessen habe ich die Sehnsucht, jemand zu sein, der vom Geist Gottes so verändert ist, dass er Sanftmut, Liebe und Treue ausstrahlt – all das in einer Weise, die Menschen anzieht.

Kennt ihr solche Menschen? Ich glaube, der eine oder andere kennt sie. Ihr kennt auch das Gegenteil, aber solche Menschen kennt ihr. Und ich wünsche mir, dass du dieselbe Sehnsucht hast: dass Gott sein Ebenbild so in dich hineinprägt, dass wir zu solchen Menschen werden. Menschen, die zur Ehre Gottes leben und für andere da sind, die ihre Freiheit und Gottes Gesetz dafür nutzen, um anderen zu dienen.

Das ist der andere Weg – der Weg, der an der Waage vorbeigeht. Amen!