Serie•Teil 30 / 37Matthäus-Evangelium
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Ein ungewöhnlicher Vergleich als Einstieg
Stellt euch einfach mal vor, Beten zu Gott wäre wie Telefonieren. Also stellt euch vor, Beten wäre wie Telefonieren. Du tippst die Nummer in dein Telefon ein. Ich meine, Wahlscheiben sind ziemlich out. Und irgendwann hörst du, wie es tutet, und dann hörst du die Stimme eines Anrufbeantworters:
Vielen Dank für Ihren Anruf im Vaterhaus Gottes! Bitte wählen Sie eine der folgenden Optionen. Drücken Sie eins für Bitten und für Bitten. Drücken Sie zwei für Dank und Freudensbekundungen. Drücken Sie drei für Klagen und Seufzen. Wenn Sie mit dem Erzengel Gabriel sprechen wollen, drücken Sie bitte die fünf. Für den Erzengel Michael drücken Sie bitte die sechs. Für irgendeinen anderen Engel drücken Sie bitte die sieben. Wenn Sie wollen, dass König David Ihnen einen Psalm vorsingt, drücken Sie bitte die acht. Wenn Sie wissen wollen, ob einer Ihrer Bekannten oder Verwandten hier ist, geben Sie bitte sein Geburtsdatum ein und achten Sie auf die automatisch generierte Liste. Für Reservierungen im Vaterhaus Gottes wenden Sie sich bitte an die Rettungsstationen vor Ort. Telefonnummern finden Sie in jedem örtlichen Telefonbuch. Für Antworten auf brennende Fragen über Dinosaurier, das Alter der Erde und wo Noahs Arche ist, warten Sie bitte, bis Sie selbst hier sind! Vielen Dank für Ihren Anruf!
Oder stellt euch vor, euch würde Folgendes passieren: Ihr tippt die Nummer Gottes ein, es klingelt, und dann kommt folgende Ansage:
Zurzeit sind alle Engel mit den Anfragen anderer Antragsteller beschäftigt. Bitte bleiben Sie in der Leitung. Ihr Anruf wird entgegengenommen, sobald eine Leitung frei ist. All angels are helping our customers right now, please stay online, your call will be answered in order it was received.
Das wäre ja durchaus denkbar. Aber so ist Gott nicht.
Wir haben uns gestern mit dem Buch der Offenbarung ein bisschen beschäftigt. Und ich habe ein Beispiel gebracht, was es heißt, ein Priester zu sein. Wir haben gemeinsam 2. Mose 19 gelesen, wo Gott zu seinem Volk sagt: Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern sein. Und das ist das, was Gott sich wünscht: ein Königreich von Menschen zu haben, die einfach so direkten Zugang zu ihm haben, immer dann, wenn sie das quasi wollen.
Und wenn wir zu Gott beten, dann ist es eben nicht so, dass wir bei einem Anrufbeantworter warten und hoffen, dass eine Leitung frei ist, damit wir durchkommen, sondern dass Gott immer Zeit für uns hat. Das, was im Alten Testament noch ein Wunsch ist, ein Königtum von Priestern zu sein, das ist im Neuen Testament, im Neuen Bund durch das Blut Christi, Realität geworden. Es ist unser Vorrecht, und es ist unsere Pflicht, zu beten.
Ich dachte mir, ich ziehe heute ein T-Shirt an, das schon ziemlich alt ist. Ich ziehe das jetzt an. Die Predigt heute heißt Pray hard. Ihr könnt das vielleicht sehen. Hat einer genug gebetet, dass die Knie durch sind? Pray hard wird unser Thema heute lauten, und wir wollen natürlich weitermachen, wo wir aufgehört haben im Matthäusevangelium. Dort sind wir in Kapitel sechs in der Bergpredigt, und wir kommen heute zu dem Teil, den man gemeinhin das Vaterunser nennt. Matthäus 6,5-15 wird uns heute beschäftigen.
Es geht mir darum, euch mit hineinzunehmen in dieses unglaubliche Vorrecht, in dem wir als Gläubige stehen: dass wir ohne Voranmeldung, ohne Voranmeldung, ohne Voranmeldung, ohne Voranmeldung, ohne Voranmeldung, ohne Voranmeldung, ohne Voranmeldung, ohne Voranmeldung, ohne Voranmeldung, ohne Voranmeldung, ohne Voranmeldung, ohne Voranmeldung, ohne Voranmeldung, ohne Voranmeldung, ohne Voranmeldung, ohne Voranmeldung, ohne Voranmeldung, ohne Voranmeldung, ohne Voranmeldung, ohne Voranmeldung, ohne Voranmeldung, ohne Voranmeldung, und ohne, dass wir uns erst an einer Sekretärin irgendwie vorbeiarbeiten müssten, direkt mit dem König des Universums reden dürfen.
Darum geht es heute: dass wir das ein Stückchen verstehen und dass wir ein Stückchen begreifen, was es eigentlich heißt, Gott anzubeten. Ich habe vier Punkte, und diese vier Punkte heißen: Erstens beten und nicht heucheln, der zweite Punkt heißt beten im Stillen, der dritte Punkt heißt beten nicht wie die Heiden, und der vierte Punkt heißt dann beten wie das Vaterunser. Diese vier Punkte wollen wir heute Morgen gemeinsam betrachten.
Und wir fangen an mit dem kürzesten:
Matthäus 6,5:
Und wenn du betest, sollst du nicht sein wie die Heuchler; denn sie lieben es, in den Synagogen und an den Ecken der Straßen stehend zu beten, damit sie von den Menschen gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn dahin.
Wenn Frömmigkeit zur Bühne wird
Das Thema können wir noch mit dem letzten Beispiel vom Almosengeben verbinden. Ihr erinnert euch: Da kam einer, zog sein Zweihundert-Euro-Schein raus, habt ihr das alle gesehen? Ja, hier, eBay, ich schmeiße das jetzt da rein. Und hier ist es ähnlich: Leute beten. Und sie tun das nicht für sich im Stillen, sondern sie denken sich: Hm, wo macht das am meisten Eindruck? Na ja, vielleicht in Alt-Mariendorf, da, wo es im Sommer richtig voll ist. Das wäre eigentlich genau der Ort, wo ich beten sollte. Da können mich viele Leute sehen.
Und das ist diese Haltung, dass man in seinem Herzen Dinge tut wie ein Heuchler. Nicht, weil man Gott begegnen möchte. Nicht, weil man meint, das sei irgendwo richtig. Sondern weil man Leute beeindrucken will. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Jesus ist nicht gegen öffentliches Gebet. Wenn wir hier beten, dann tun wir das auch irgendwo vor Menschen. Darum geht es ihm nicht. Du kannst öffentlich beten, und wir können in Gemeinschaft beten. Das ist völlig in Ordnung.
Aber wenn es dir beim Gebet darum geht, dass andere Leute das mitbekommen: Oh, was für ein toller Christ, jetzt betet er schon wieder. Und was für ein Gebet, brillant, toll, Wahnsinn, super. Wenn das sein Denken ist: Ich bete jetzt hier, damit möglichst viele es mitbekommen, dann bist du das, was die Bibel einen Heuchler nennt. Dann bist du jemand, der nicht verstanden hat, warum wir eigentlich beten sollen.
Und dann ist es das, wo ich sage: Der Text fordert uns dazu auf, dass wir, wenn wir beten, nicht heucheln. Ganz einfache Sache. Und eigentlich das Gleiche, was wir beim Almosengeben letztes Mal schon gesehen haben. Sehr simpel, und doch etwas, wo wir ein Stück weit, gerade wenn wir länger im Glauben sind, vielleicht auch in die Gefahr hineinfallen, es aus einer falschen Motivation herauszutun.
Es ist klar: Wenn du zehn, fünfzehn Jahre frei beten in der Gemeinde gelernt hast, das ist ja auch ein Lernprozess dabei, dann kannst du dich natürlich besser ausdrücken als der, der das erste Mal aufsteht und stammelnd sagt: Gott, was ich dir sagen wollte, das ist, dass ich dich lieb habe. Amen! Natürlich hört sich das erst mal nicht so brillant an.
Und dann steht einer auf, und zwei, drei, vier Minuten sprudelt ein Gedanke nach dem anderen raus. Er trifft die richtigen Hauptworte und die richtigen Verben, und das passt irgendwie auch im Ganzen noch, sodass der Satz auch zum Schluss kommt. Und du denkst dir: Boah, wie macht der das? Da ist ein Stück Übung dabei. Und wir können in der Gefahr stehen, uns darin zu gefallen, dass wir aufstehen und beten, damit andere beeindruckt sind durch das, was wir sagen.
Und wenn das der Fall ist, dann sind wir Heuchler. Dann ist das, was Gott uns zu geben hat, nichts, weil der Beifall der anderen alles ist, was wir dann haben werden. Mehr gibt es nicht.
Also dieser kurze Punkt vorneweg: Bete und heuchle nicht. Und wenn du betest, überleg, zu wem du betest und für wen du das tust.
Der Rückzug in die Stille
Der zweite Punkt, der hier im Text aus Matthäus 6,5-15 herauskommt, ist: Bete im Stillen. Das ist Vers 6. Da heißt es: Wenn du aber betest ...
Und auch hier ist es so wie beim Almosengeben: Es wird einfach vorausgesetzt, im Sinne von: Immer wenn du betest, das gehört einfach ganz normal zum Leben dazu. Wir sind ja gedanklich im Bereich der praktischen Gerechtigkeit, in der großen Frage: Wie wird denn die Gerechtigkeit in unserem Leben sichtbar? Ein Punkt ist das Almosengeben, ein zweiter ist das Beten, und ein dritter, den wir dann beim nächsten Mal betrachten werden, ist das Fasten.
Also: Wenn du betest, immer wenn du betest, dann sagt Jesus: Wenn du aber betest, so geh in deine Kammer. Eine Kammer müsst ihr euch so vorstellen: Damals waren die Häuser nicht ganz so geräumig wie unsere Häuser heute. Aber sie hatten in der Mitte einen Raum, der ohne Fenster war. Das war der Raum, wo man die Dinge abgestellt hat, wo man nicht so leicht rankommen sollte. Ihr kennt ja das Beispiel von dem Dieb, der durchgräbt und stiehlt. Die Außenmauern, da konnte man durchgraben, aber um so in die innerste Kammer reinzukommen, das war schon ein bisschen aufwendiger. Da war eine Tür dran, die konnte man zumachen. Also niemand konnte von außen reinschauen. Wenn die Tür zu war und verschlossen war, wurde man auch nicht gestört.
Und Jesus sagt: Wenn du beten willst, dann denk nicht darüber nach, an einen Ort zu gehen, wo dich möglichst viele Leute sehen. Wenn du beten willst und du sollst beten, dann tu es im Stillen. Da, wo es keiner mitbekommt. Da, wo niemand hört, was du sagst, außer einem, der in der Stille wohnt und der deine Gedanken und deine Worte hört. Dann geh in diese innere Kammer. Und diese Kammer kann für dich etwas ganz anderes sein. Vielleicht sagst du: Für mich ist es mein Büro, weil ich das abschließen kann, da stört mich keiner. Und vielleicht ist es für jemand anders der Ort, wo ich meine Wäsche trockne, weil da ist endlich mal Ruhe, weit weg von den Kindern. Oder ich weiß nicht, wo dein Kämmerchen ist, wo du zur Ruhe kommst.
Vielleicht ist deine Kammer auch eine Zeitkammer, dass du sagst: Ich stehe zu einer Zeit auf, wo sonst noch Ruhe ist. Das ist ja auch möglich. Und ich gehe ins Wohnzimmer, wo mich einfach mal jeder in Ruhe lässt, und ich nehme mir einfach Zeit für Gott. Aber klar ist: Wenn Jesus über Beten redet, dann redet er davon, dass das eine ganz normale Sache ist, die aus uns, weil wir gläubig sind, herauskommt und die wir im persönlichen Tun praktizieren sollen. Zieh dich zurück in die Stille!
Und ich glaube, ich sage euch nichts Neues, dass das vielleicht die größte Herausforderung unseres geistlichen Lebens ist, oder? Stille zu finden, einfach mal einen Ort zu haben, wo ich und Gott alleine sein können. Ohne Handy, ohne Telefon, ohne kreischende Kinder. Ohne das Piepsen, wenn eine neue E-Mail eingeht. Einfach nur still zu sein.
Ich bekenne: Es ist die Zeit, die bei mir mit am angefochtensten ist. Es gibt zwei Zeiten, die bei mir extrem angefochten sind: meine Zeit über der Bibel und meine Zeit im Gebet ganz alleine. Das Interessante sind die Zeiten, wo, wenn wir mal dazu kommen, es wirklich zu tun, wenn es nicht nur bei dem Stoßgebet bleibt. Das hat auch seine Berechtigung. Sondern wenn wir wirklich Zeit finden, alleine zu sein mit Gott, wenn wir mal Zeit finden, auf die Knie zu gehen, still zu werden. Und ich sage euch: Das dauert erst mal zehn Minuten, bis du in so eine Ruhe hineinkommst. Wenn du dann endlich mal anfängst, dein ganzes Herz vor Gott auszuschütten, wenn du an dem Punkt bist, wo du sagst: Jetzt läuft es so ein bisschen, jetzt habe ich diesen Punkt.
Mein Beten ist ja oft so, dass der Teufel am Anfang immer versucht, uns alles Mögliche in den Weg zu legen, warum es nicht klappt. Und der Anfang, über die ersten fünf oder zehn Minuten, ist einfach immer schwer. Wenn da jemand sagt: Das kenne ich nicht, wunderbar, freu dich. Aber ich denke, die meisten würden sagen: Die ersten paar Minuten, bis es dann anfängt zu laufen, das ist einfach schwierig. Fast wie eine Kommunikation auch: Man muss erst mal ins Reden reinkommen. Aber wenn es läuft, wenn wir merken: Ja, jetzt bin ich angekommen, jetzt bin ich auch mental eingestimmt, dann ist es die wahrscheinlich schönste und gewinnbringendste Zeit, die wir in unserem ganzen Leben haben können.
Ich weiß nicht, ob du das kennst, wenn du still geworden bist vor Gott. Und das kann man haben, dann muss man auch nicht in ein Kämmerchen gehen. Ich gehe zum Beispiel unheimlich gerne spazieren. Nachts raus auf die Felder, wo endlich keine Hunde mehr laufen, wo ich endlich mal alleine sein kann, wo ich einfach den ganzen Trouble, den ich habe, auch mal vor Gott einfach rausschreien kann, wo ich einfach mal sagen kann, wie es mir wirklich geht, wo ich wirklich dran hänge. Und ich muss sagen: Wenn man dann nach Hause kommt, das ist durchaus eine Stunde, anderthalb später, wenn man einfach gelaufen ist und einfach mit Gott geredet hat. Und vielleicht wird jemand anders sagen: Ich bin nicht so der Laufbeter, ich muss auf die Knie. Das ist völlig okay.
Aber wenn du dann diese Zeit hinter dir hast, ich muss sagen, ich fühle mich selten freier und getrösteter und irgendwie erfrischter als danach. Und ich beiße mir jedes Mal in den Hintern nach so einer Zeit, dass ich es nicht öfter tue.
Gebet als Pflicht und Vorrecht
Wir sollen im Stillen beten. Das ist das, was der Herr Jesus hier sagt. Und ich will noch etwas zum Thema Gebet ganz allgemein sagen.
Es heißt hier, dass wir die Stille suchen sollen, und dann wird es in Vers 6 so formuliert: Bete zu deinem Vater.
Ich habe eine Geschichte gelesen von Alexander Solschenizyn. Er hat ein Buch geschrieben, das heißt Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch. Das haben vielleicht die wenigsten von euch gelesen, aber es ist ein sehr kleines, kurzes Buch, das sich zu lesen lohnt. Es wird ein Tag im Leben eines Mannes in einem sowjetischen Arbeitslager nüchtern beschrieben. Und dieser Mann betet, natürlich still. Ja, denn wenn du Gefangener in einem Arbeitslager bist, dann machst du einfach die Augen zu und fängst an, für dich zu beten.
Dabei wird er von einem Mithäftling beobachtet, und dieser macht sich über ihn lustig. Er sagt dann zu ihm: Weißt du was, Iwan, deine Gebete werden dir nicht helfen, hier schneller rauszukommen. Und dann ist die Antwort von Iwan Denissowitsch folgende: Er macht die Augen auf, schaut ihn an und sagt: Ich bete gar nicht, um hier rauszukommen, sondern um den Willen Gottes zu tun.
Also beten wir, weil Gott gesagt hat: Bete. Es ist nicht dieses: Ich bete immer nur dann, wenn ich Nöte habe. Und wenn gar nichts mehr weitergeht, na ja, wenn meine Kraft zu Ende ist, wenn ich niemanden mehr kenne, der mir helfen kann, na ja, dann Gott. Es ist in dieser Reihenfolge: Erst probiere ich es, dann probiere ich es bei meinen Freunden, und wenn alle nichts können, dann vielleicht, wie so ein Strohhalm, Gott.
Und Gott sagt: Nein, so möchte ich das gar nicht. Ich möchte, dass du mich anbetest, zu mir betest. Nicht nur dann, wenn du Nöte hast. Ich sage dir: Bete. Darf ich es deutlicher sagen? Du hast eine Pflicht zu beten. Es ist das Vorrecht, du kannst dein Herz vor Gott ausschütten, aber dahinter steckt auch eine Verpflichtung.
Und wenn du merkst: Mein Gebetsleben, das geht so langsam in den Keller. Ich erinnere mich eigentlich gar nicht mehr an den Tag, an dem ich mal so gebetet habe, wie Jürgen das gerade beschreibt, an dem ich mal wirklich Luft hatte für Gott. Ich erinnere mich gut an den Tag, an dem ich das letzte Mal richtig Luft hatte für einen Videoabend oder vielleicht für einen Fußballabend oder für einen Spieleabend oder für einen Kinoabend oder für einen Theaterabend oder für einen Musikabend. Daran erinnere ich mich gut.
Aber der letzte Abend, an dem ich einfach mal Zeit hatte, nach Hause zu kommen und still zu werden vor Gott, an dem ich wirklich mal ehrlich vor Gott geworden bin und alles, was mir auf der Seele lag, einfach ausgeschüttet habe, an dem ich im Gebet eingetreten bin für meine Freunde und für meine Kinder, an dem ich wirklich gerungen habe, an dem es nicht nur dieses Vorbeigehen war: Ja, bitte segne meine Kinder und segne meine Freunde, sondern an dem ich wirklich mal gesagt habe: Vater im Himmel, da ist er, und ich wünsche mir so sehr, dass er zum Glauben kommt. Und ich flehe dich an, dass du etwas in seinem Leben wirkst, dass sich da etwas bewegt. Und nicht nur für einen oder zwei, sondern an dem man einfach mal die ganze Freundschaft durchgebetet hat, an dem man Zeit hatte, wirklich Zeit hatte, im Gebet zu flehen, im Gebet zu ringen.
Wenn du sagen musst: Das ist lange her, dass ich mich an so einen Abend erinnere, vielleicht musst du sagen: Ich hatte noch nie einen solchen Tag, dann kann ich dir nur sagen, dann gilt für dich dieses Wort: Bete nicht nur als Vorrecht, sondern auch als Pflicht, weil Gott sagt: Bete.
Und ich kann nicht euer Leben überprüfen. Ich überprüfe mein eigenes Leben und merke, es ist an der Stelle angefochten. Ich nehme mir manchmal abends noch vor: Jetzt gehst du noch mal los und betest. Und dann merke ich, wie es mir die Augenlider zudrückt, wie ich einfach nur fertig bin. Und ich bin froh, wenn ich dann irgendwo noch eine Scheibe Brot essen kann und in mein Bett falle.
Aber eigentlich merke ich in meinem Inneren, was richtig dran wäre, wäre Gebet. Und vielleicht geht es euch ähnlich. Dann lasst euch einfach von diesem Text ein Stück weit ermutigen, auch wirklich zu beten.
Warum leere Worte nicht genügen
Der dritte Punkt lautet: Bete nicht wie die Heiden.
Matthäus 6,7-8
Wenn ihr aber betet, sollt ihr nicht plappern wie die von den Nationen, das sind die Heiden. Denn sie meinen, dass sie um ihres vielen Redens willen erhört werden. Seid ihnen nun nicht gleich, denn euer Vater weiß, was ihr benötigt, ehe ihr ihn bittet.
Die Heiden, also Menschen, die Gott nicht als ihren Vater kennen, beten zu Gott und denken sich: Na ja, also erstens ist Gott einer. Das kenne ich von früher, wie bei Mama. Wenn Mama gesagt hat: Nein, du kriegst die Süßigkeit nicht, dann war das so eine Frage der Zeit. Wenn man alle fünf Minuten kam und gesagt hat: Mama, kriege ich doch eine Süßigkeit?, dann hat es zwar eine halbe Stunde gedauert, aber spätestens beim sechsten Mal hatte ich meine Süßigkeit.
Das heißt, manche Leute haben eine Vorstellung von Gott wie: Na ja, das ist einer, den kann ich manipulieren. Da muss ich nur lange genug quengeln, dann macht er das, was ich sage. Und dann komme ich halt zum hundertsten Mal und plappere und plappere und plappere und denke mir: Gott ist nicht Gott, sondern Gott ist wie meine Mama. Ja, und vielleicht ist auch der Papa so. Es gibt auch Papas, die man mit Quengelei herumkriegt, aber ich habe jetzt mal die Mama genommen.
Wenn das eine Vorstellung von euch ist, dann denkt ihr genau wie ein Heide. Ein Heide meint: Wenn mein Gebet nur möglichst lang ist, wenn ich nur möglichst viele Worte mache, dann kriege ich Gott schon rum. Vielleicht steht Gott ja auf lange Worte.
Und das Zweite, was ein Heide denkt, ist: Ich müsste Gott sagen, was ich brauche. Vielleicht weiß Gott ja gar nicht, was ich haben will. Insofern muss ich ihm einfach immer und immer wieder, so wie das Kind mit der Süßigkeit, immer wieder mit derselben Sache kommen. Also: Ich hätte gern die Süßigkeit. Nein. Doch, ich hätte gern die Süßigkeit. Nein. Doch. Nein. Doch. Nein.
Auf diese Weise kommen Leute zu Gott, und sie meinen, Gott wüsste nicht, was wir brauchen. Aber das stimmt nicht. Wusstet ihr, dass Gott weiß, was wir brauchen, bevor wir ihn bitten? Also mich hat der Gedanke, als ich ihn das erste Mal gelesen habe, das ist schon Jahre her, echt umgehauen. Ich dachte mir: Ja, warum fange ich denn überhaupt an zu beten? Wenn Gott schon weiß, was ich brauche, warum soll ich denn beten? Dann könnte ich mir doch die Zeit sparen und sie irgendwie sinnvoller einsetzen.
Das war wirklich mein Gedanke. Ihr lacht darüber, also Frank lacht, aber ich fand ihn damals relativ normal. Wenn Gott alles weiß, was ich brauche, dann soll er es mir doch bitteschön geben, und ich mache in der Zeit etwas anderes. Und dann kommt Gott und sagt: Nein, ich möchte, dass du betest.
Und ihr merkt: Wenn wir nur zu Gott kommen, weil wir sagen: Okay, ich habe ein Problem. Hier bin ich, Vater im Himmel, ich hätte gern das und das und das und das und das. Wenn das unsere Haltung ist, dann sind wir wie die Heiden. Sie kommen zu Gott, wenn sie Probleme haben, und sie meinen, sie müssten ihm sagen, was sie brauchen. Und sie meinen, sie müssten das auch möglichst lange tun.
Und jetzt kommt Gott uns entgegen, der sagt: Halt, stopp! Ich bin dein Vater. Ich weiß schon lange, was du brauchst. Wenn meine Tochter zu mir kommt, dann weiß ich oft schon lange vor ihr, was sie wirklich braucht. Wisst ihr warum? Weil ich über sie nachgedacht habe, weil ich sie kenne, weil ich sie beobachte, weil ich mir schon lange im Kopf mache, was für sie richtig gut ist. Und oft ist es so, dass ich dafür bete, dass sie selber an einem bestimmten Punkt dazu kommt zu erkennen, was sie wirklich braucht. Und so ist Gott. Er weiß, was wir brauchen.
Aber es bleibt die Frage: Warum beten wir dann, wenn Gott schon weiß, was wir brauchen?
Die Antwort ist folgende: Wir beten, weil nicht Gott unser Gebet braucht, sondern weil wir Gott brauchen. Im Gebet tun wir etwas, was nicht so sehr darauf abzielt, dass Gott endlich mal unsere Nöte hört und endlich darauf reagiert. Das ist, vergesst den Gedanken mal, das ist wirklich total sekundär. Das werdet ihr nachher auch gleich beim Vaterunser sehen.
Wenn wir beten, dann beten wir, weil ich Gebet brauche. Du, deine Seele braucht zuallererst Gemeinschaft mit Gott. Vielleicht ist deine Seele so vertrocknet, dass du das schon nicht mehr merkst, was dir fehlt. Aber lass dich mal darauf ein. Ansgar sagt das immer, wie man einen halben Tag in der Stille machen kann. Ist das das Buch, oder war es ein ganzer Tag? Ich weiß es nicht genau. Lass dich doch mal auf so eine Erfahrung ein. Nimm dir doch mal wirklich eine Stunde Zeit. Lass doch mal ein bisschen Wasser auf deine ausgedörrte Seele tropfen und sieh mal, was dann daraus wächst. Wenn der Boden weich wird, wenn das Herz wieder anfängt, so ein Stückchen zu atmen, und wenn du wieder merkst: Bah, das ist geistliches Leben, das ist ja super, davon möchte ich mehr haben.
Gebet ist, wenn du in die Gemeinschaft mit deinem Vater eintrittst. Gebet ist, wenn du andockst an eine andere Realität, wenn du dir für deinen inneren Menschen das an Nahrung und das an Zuwendung holst, was du wirklich brauchst. Wenn du ohne Gebet leben kannst, dann nur deshalb, weil du überhaupt nicht verstanden hast, was geistliches Leben bedeutet. Wenn du ohne Gebet leben kannst, dann nur deshalb, weil du gar nicht begriffen hast, wie sehr du Gott brauchst. Wenn du ohne Gebet leben kannst, dann doch nur deshalb, weil du geistlich betrachtet wahrscheinlich kurz vor dem Verhungern, kurz vor dem Absterben bist.
Ihr könnt in die Kirchengeschichte hineinschauen. Ihr werdet nicht einen einzigen geistlichen Führer oder nicht eine einzelne Frau finden, die als Missionarin irgendwo etwas bewegt hat, die nicht gebetet hätte. Und bitteschön, das waren keine Fünf-Minuten-Gebete. Das waren Leute, die ihr Tagwerk vorbereitet haben. Eine Stunde, zwei Stunden, drei Stunden im Gebet. Da sage ich mir: Wahnsinn, wie schaffen die das? Aber das ist die Realität.
Erleben wir das, dass in unserem Leben geistliche Frucht entsteht? Ich werde euch nächstes Jahr herausfordern, habe ich mir vorgenommen, und ich bin dankbar dafür, dass mir die Gemeindeleitung einen Freifahrtschein ausgestellt hat, das auch zu tun. Einen kleinen Freifahrtschein. Ich werde euch herausfordern, noch einmal darüber nachzudenken, wie wir unsere Freunde mit dem Evangelium erreichen können. Und ich werde euch einen Vorschlag machen, wie das gehen kann.
Aber wisst ihr, auch wenn es dann vielleicht um konkrete Veranstaltungen geht, die hier stattfinden, im Hintergrund muss eine Sache laufen: euer Gebet. Wenn du nicht ringst im Gebet, wird sich nichts bewegen. Wenn du nicht geistlich angedockt bist an deinen Vater im Himmel, wird sich nichts bewegen. Darüber bin ich mir völlig im Klaren.
Mein innerer Wunsch, wirklich mein Gebet, meine Sehnsucht geht dahin, dass wir eine viel stärker betende Gemeinde werden. Mein Eindruck ist, das ist nur mein persönlicher Eindruck, dass uns an manchen Stellen Weltlichkeit ganz schön im Griff hat. Dass es uns viel leichter fällt, und ich bin nicht gegen Freizeitgestaltung, aber dass es uns manchmal viel leichter fällt, Zeit miteinander totzuschlagen, als sie wirklich geistlich zu nutzen.
Lasst uns einfach das Neue uns fragen: Ist unser Gebetsleben ein Leben wie bei den Heiden, wir kommen zu Gott, weil wir denken, Gott hat nicht gehört, was wir brauchen? Oder ist es ein Gebetsleben, wo wir zu Gott kommen, weil wir gemerkt haben: In unserem Innersten ist ein Hunger nach persönlicher Gemeinschaft mit Gott?
Und wenn wir Gott begegnen, ohne viele Worte zu machen, wenn wir nicht zu Gott gehen wie bei Plus, gehst an die Theke und sagst: Hätt gern ein Pfund von dem Hackfleisch, von dem gemischten Sonderangebot. Man kann so zu Gott kommen und sagen: Gott, ich hätte gern heute das und das. Wenn wir das mal beiseitelassen, wenn wir Menschen werden, die im Gebet die Gemeinschaft mit ihm aufbauen, und wenn das ein Stückchen regelmäßig in unserem Leben so ist, dann wird das vielleicht für euch hilfreich sein, wenn wir jetzt noch mal kurz durch das Vaterunser gehen. Denn das Vaterunser ist für uns ein Modell, wie wir beten können, was wir beten können, und weil es uns hilft, unser eigenes Gebetsleben zu strukturieren.
Ich weiß nicht, wie ihr euer Leben, euer Gebetsleben strukturiert. Ich mache es so, dass ich sehr viel für Listen bete. Ich habe immer so: Ich nehme die Gemeindeliste und bete sie durch, weil ich denke, ich möchte einfach keinen von euch vergessen. Vielleicht betet ihr ja auch manchmal für mich, das ist auch schön, aber ich habe mehr als das. Wenn mir jemand Neues über den Weg läuft, wo ich mir denke: Hey, von dem wünsche ich mir eigentlich auch, dass er Gott findet, dann schreibe ich mir einen kleinen Zettel und packe ihn zu meinen Listen dazu, und dann komme ich immer wieder bei ihm vorbei. Ich bete vielleicht nicht jeden Tag für ihn, aber vielleicht bete ich einmal im Monat für ihn. Und ich bete für ihn.
Ich merke das immer wieder, wenn ich dann für jemanden bete, dann tut sich plötzlich wieder etwas. Es ist so verrückt, das auch zu erleben, wie geistlich sich einfach etwas entwickelt, und ich merke: Ich bin dran, und es geht weiter. Ey, das ist richtig cool.
Und vielleicht hilft es euch, wenn wir kurz das Vaterunser durchgehen, damit wir ein Modell dafür haben. Ein bisschen sehen: Worauf kommt Gott eigentlich an?
Matthäus 6,9-13
Vielleicht noch ein Wort vorneweg: Sollen wir das Vaterunser so einfach runterbeten, so wie man es liturgisch macht? Ich denke, wir sollen das nicht tun. Ich denke das, weil es niemand in der Bibel getan hat, und ich denke, wir sollen uns eher Gedanken machen: Was bedeutet das, was da steht? Wie kann ich das als Überschrift für mich persönlich nutzen?
Ich zeige euch mal, was ich meine. Die erste Zeile bitte. Da heißt es hier oben: Unser Vater, der du bist in den Himmeln, geheiligt werde dein Name. Ich denke, es ist eine Überschrift. Damit beginnt das Vaterunser, und damit sollte auch unser Gebet beginnen.
Wenn man etwas heiligt, dann heißt das, dass man einen ehrfürchtigen Umgang mit ihm pflegt. Wenn es heißt: Dein Name werde geheiligt, dann ist in der Bibel der Name immer stellvertretend auch für die Person. Und ich habe es euch daneben geschrieben: Ich denke, dass dieser Anfangsblock im Vaterunser gut zu überschreiben ist mit Anbetung.
Und ich finde es einfach richtig, wenn wir auch in unserem persönlichen Gebetsleben, genauso wie wir es im gemeindlichen Gebetsleben in der Gemeindestunde machen, einfach mit Anbetung anfangen. Wenn wir uns überlegen: Was kann ich Gott sagen über ihn selber? Schaut mal, das kann sein: Beschäftigung mit Gott selbst, seinen Eigenschaften, seinem Wesen. Und vielleicht sagst du: Ich weiß nicht, wie das geht. Dann schnapp dir eine Gemeindestundenliste, denke über die Eigenschaften Gottes nach und bete ihn an für das, was er ist.
Mach dir das einfach zur Regel, dass du kein Gebet zu Gott startest, ohne dass du vorher ihn anbetest, weil es um ihn geht. Lern erst mal, auf ihn zu schauen, ein Stückchen begeistert von ihm zu sein.
Und dann kommt der zweite Punkt. Das zweite ist, dass wir in unser Gebet integrieren: Dein Reich, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auch auf Erden.
Reich, davon sprechen wir heute nicht mehr, aber damals war ein Reich eine Art Einflusssphäre. Das Reich Gottes, das ist die Summe der Menschen, die zu Gott gehören, über die Gott König ist. Und wenn hier steht: Dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auch auf Erden, dann geht es darum, dass in unserem Gebetsleben an Punkt zwei die Ziele Gottes stehen: sein Reich, sein Wille.
Und wir können uns Gedanken darüber machen: Was will Gott eigentlich? Ich habe zwei Beispiele hier drüben hingeschrieben. Gott will, dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Bete dafür. Bete für das, was Markus vorhin gesagt hat, dass die Türkenmission in Berlin vorangeht. Na, ich hoffe, dass wir dafür beten. Ich hoffe nicht, dass wir ihn hier vorne stehen und im Regen stehen lassen, indem wir sagen: Ja, lass den Alten doch reden, was soll das, das interessiert mich sowieso nicht. Nein, das ist ein Wille Gottes und von daher Teil unseres Gebets.
Oder Gott will die Heiligung der Gläubigen. Hey, es gibt so viel zu beten für andere Leute, dass sie in ihrem persönlichen, geistlichen Leben weiterkommen, dass sie die richtigen Entscheidungen treffen, dass Weisheit da ist zur Kindererziehung, Weisheit in beruflichen Fragen und, und, und, und, und.
Wenn du anfängst darüber nachzudenken, was Gottes Wille ist und was es heißt, sein Reich auf dieser Erde aufzurichten, wenn du wirklich ernstlich bereit bist, in dieses Gebetsleben einzusteigen, ich sage dir: Du wirst oft genug nicht mehr dazu kommen, deine eigenen Nöte zu nennen, weil du so viel hast und an so vielen Projekten mitarbeitest. Gigantisch. Es ist eine Chance. Gott sagt: Hier, da möchte ich, dass du einsteigst.
Dritte Zeile: Unser tägliches Brot gib uns heute.
Ja, nachdem wir Gott angebetet haben, nachdem wir für seine Ziele gebetet haben, bleibt unsere tägliche Not auch ein Gebetsanliegen. Ein Gebetsanliegen, das wir jeden Tag bringen sollen. Und ihr merkt schon: Wenn uns manchmal etwas fehlt im Leben, wo wir sagen: Das müsste ich eigentlich haben, dann ist es oft so, dass Gott diesen Mangel zulässt, damit du auch irgendwann überhaupt betest. Weil normalerweise ist das der Punkt, der uns ins Gebet treibt. Irgendwas läuft nicht, irgendwas fehlt, irgendwie wird es gerade knapp in der Kasse oder knapp in irgendeinem anderen Bereich, und dann gehe ich zu Gott.
Und Gott sagt: Ja, das ist nicht verkehrt. Du darfst dafür beten, ich will, dass du dafür betest. Aber ich möchte eigentlich, dass du mit anderen Dingen anfängst, dass das auf deiner persönlichen Gebetsliste erst Nummer drei ist, nachdem du mich angebetet hast, nachdem du meine Ziele und meinen Willen im Blick hattest.
Es ist nicht verkehrt, dafür zu beten. Es wird da verkehrt, wo wir nur um dieser Dinge willen vor Gott erscheinen.
Vierte Zeile: Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben.
Vielleicht habt ihr euch gefragt, warum ich heute Morgen so ganz merkwürdig angefangen habe, dieses: Lasst uns Gedanken darüber machen, ob in unserem Leben Dinge sind, die wir eigentlich bekennen sollten.
Ein Punkt ist der, dass Gott will, dass wir ihm unsere Sünden bekennen. Das ist dieser Teil: Vergebung. Und vergib uns unsere Schulden. Gott will vergeben. Wann hast du das letzte Mal deine Sünde wirklich Gott gebracht? Ich meine nicht so oberflächlich: Okay, das war nicht cool, Gott, tut mir leid. Sondern ich meine so, wie die Bibel es sagt, dass wir Sünde bekennen. Das heißt, dass wir sagen: Vater im Himmel, das, was ich eben gesagt habe, das war bitter. Bitte vergib mir meine Bitterkeit. Vater im Himmel, das, was ich eben gedacht habe, das war Neid. Bitte vergib mir meinen Neid. Vater im Himmel, das, was ich eben getan habe, das war Habsucht. Bitte vergib mir meine Habsucht.
Wann bist du das letzte Mal so zu Gott gekommen, hast nicht einfach oberflächlich alles weggewischt, sondern bist kurz still geworden? Und wenn ihr 1. Johannes 1,8-9 kennt, es ist dieser Vers, wo es steht, dass Gott uns die Sünden vergibt, wenn wir sie bekennen. Dann geht es genau darum: Nenn die Dinge bitte beim Namen.
Wenn du betest, dann vergib. Das heißt: Nenne deine Sünden, und da, wo du selber jemanden hast, der an dir schuldig geworden ist, vergib ihm. Wenn ihr steht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemanden habt, heißt das Markus 11,25. Wenn du nicht dazu bereit bist, wird Gott dir nicht vergeben. Merk dir, wie ernst das ist.
Wir kommen hierher und irgendeiner betet, und du sagst vielleicht Amen. Du stimmst in ein Gebet ein, aber vielleicht ist in deinem Herzen ein Groll auf irgendeine Person. Es ist jemand, dem du nicht vergeben hast für das, was er getan hat. Und Gott denkt sich: Was tust du da eigentlich? Wie kannst du an der Stelle Amen sagen? Wie oberflächlich, wie gedankenlos ist eigentlich dein Christsein, dass du nicht einmal die banalen Grundwahrheiten geistlichen Lebens verstehst.
Und Gott wird sich abwenden von so jemandem. Logisch, was soll er mit so jemandem anstellen? Es sind ganz simple Sachen, über die wir heute Morgen reden. Wir sollen unsere Sünden bekennen. Wenn du deine Sünden nicht bekennst, hast du letztlich am Sonntagmorgen hier gar nichts verloren, es sei denn, du kommst her, um deine Sünden zu bekennen. Dann bist du hier richtig. Und wenn du nicht bereit bist zu vergeben, das haben wir schon in Matthäus 5,23-24 gesehen, hast du hier nichts verloren. Gott will dein Gebet nicht. Er will dich als Person, er will deine Buße, aber er will dein Gebet nicht. Also, das gehört rein: Vergebung.
Und der letzte Punkt hört sich erst mal komisch an: Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Und hier geht es darum, dass Gott uns in die richtige Richtung führt, dass Gott uns das, was uns Not macht, wegnimmt, dass wir vor Gott hintreten, nicht als die Starken, sondern als die Schwachen, dass wir bereit sind zuzugeben: Vater im Himmel, ich kann das nicht. Und ich weiß nicht, wann du das letzte Mal vor Gott wirklich gestanden oder gekniet hast und gesagt hast: Vater, das ist mir einfach eine Nummer zu groß, ich kann das nicht. Oder gesagt hast: Ich weiß nicht mehr weiter, zeig mir doch. Ich möchte keinen falschen Schritt gehen. Oder wo der Druck so stark wird, dass du sagst: Ich zerbreche fast darunter. Hilf mir, dass ich in dieser Situation ausharre.
Das gehört in ein Gebet mit rein. Und das ist dieser Teil, dass Gott uns aufhilft. Und wenn du nie so gebetet hast, dann liegt das vielleicht einzig und allein daran, dass du dich so sehr in dieser Welt heimisch gemacht hast, dass du nie in eine Situation gekommen bist, wo Gott dich an einen Punkt gebracht hat, wo dein Glaube dir etwas gekostet hat.
Und ich verspreche dir: Wenn du dich auf Gott einlässt, wirst du an solche Punkte kommen, wo du schier zerbrichst unter dem, was kommt, und wo du nur noch eine Sache machen kannst: ganz schnell irgendwo in dein stilles Kämmerchen zu gehen und zu sagen: Vater im Himmel, hol mich hier raus, mach mich irgendwie ruhig, hilf mir, in der Situation einer zu sein, der dich nicht verunehrt. Gib mir bitte irgendwo jetzt die Weisheit, die ich brauche.
Und die Frage ist: Wo stehst du? Wo stehen wir als Gemeinde?
Wisst ihr, ich wünsche mir eine Sache. Vielleicht bin ich ich, und deswegen wünsche ich mir die Sache ja. Aber ich wünsche mir, dass in dieser Stadt Menschen zum Glauben finden. Das ist vielleicht mein größtes Anliegen. Ich wünsche mir, dass jeder von uns, der das erlebt, dass seine Freunde und Bekannten den Schritt wagen mit Jesus, wirklich gerettet werden, dass Menschen aus der Verlorenheit heraus hineinkommen in ein Leben mit Gott und wirklich begreifen, was es heißt, gläubig zu sein, dass wir endlich nicht nur Kirche präsentieren, sondern leben.
Ich wünsche mir, dass hier geistlich eine Erweckung passiert. Dass nicht nur jedes Jahr ein Dutzend Leute zum Glauben kommen, ja, das ist schön, und ich freue mich über jeden, ja, nichts gegen euch, aber ich wünsche mir mehr. Wie wäre es mit hundert? Einfach nur mal Faktor zehn.
Und ich stelle mir die Frage: Warum klappt das nicht? Warum sind wir an vielen Stellen so schwach? Kann es sein, dass wir im Gebet nicht hinter diesem Anliegen stehen? Kann es sein, dass wir vielleicht noch gar nicht angefangen haben, geistlich für solche Sachen zu kämpfen, oder dass wir einen sehr eingeschränkten Bereich haben, wo wir uns darauf konzentrieren, vielleicht unsere Familien, ganz enger Freundeskreis? Kann es sein, dass es uns noch gar nichts kostet, dass wir biblisch gesehen gar keine Beter sind, sondern nur manche so ab und zu mal so Fuzzelbeter, also so ein bisschen?
Ich stelle mir die Frage für mein Leben. Ihr müsst sie nicht auf euer Leben gleich übertragen, aber ich stelle sie mir für mein Leben, und ich stelle sie mir in der Vorbereitung für diese Predigt noch dreimal näher, weil ich natürlich viele Beispiele von Betern gelesen habe und überlegt habe, welches bringe ich euch. Ich habe viele gute Vorbilder mir angeschaut, und ich stelle mir die Frage, ob wir einfach nur zu träge sind, ob wir uns einfach einen Lebensstil angewöhnt haben, der so platt und hohl ist, dass wir gar nicht mehr merken, wie sehr wir schon lange dem Teufel auf den Leim gegangen sind, wie sehr unsere geistlichen Prioritäten sich verschoben haben und wie sehr wir uns an ein Leben gewöhnt haben, das eigentlich nicht mehr Gott im Mittelpunkt hat und seinen Ziel, seinen Willen.
Das ist eine Frage, die ich mir persönlich stelle und die ich vorhabe, im nächsten Jahr noch ein bisschen deutlicher zu stellen. Und wo ich mir wünsche, für diese Predigt, dass ihr in eurem Herzen ein bisschen weich werdet, diese Frage an euch heranzulassen.
Ein geistlicher Schluss mit praktischer Konsequenz
Kommen wir zum Schluss. Meine Punkte waren: bete und heuchle nicht. Der zweite Punkt war: bete im Stillen. Vernachlässige diese persönliche Zeit mit Gott nicht. Dann: bete nicht wie die Heiden. Gebet ist nicht einfach nur ein Plappern. Es ist keine Manipulation Gottes. Und es ist auch nicht zuerst das Abladen von Nöten und Schwierigkeiten, sondern ein Akt der Gemeinschaft. Es ist Gottes Begegnung im eigentlichen Sinn. Es ist Ausdruck meiner Beziehung und lebensnotwendig für mein geistliches Leben.
Der vierte Punkt war: bete wie das Vaterunser. Starte mit Anbetung. Stelle Gottes Ziele voran. Bring deine Nöte. Bitte um Vergebung, gewähre Vergebung und flehe täglich zu Gott, dass er dir hilft.
Ich möchte euch abschließend noch eine Geschichte erzählen. In Afrika – einige von uns mögen Afrika, deswegen: In Afrika gab es an einer bestimmten Stelle eine Erweckung, und die jungen Gläubigen hatten diese Lektion irgendwie verstanden. So ist es ja häufig: Dass die Junggläubigen das verstehen. Wenn ich mir anschaue, wer hier in der Gemeinde am meisten betet, dann ist es die Jugend. Irgendwie hat die Jugend das mehr verstanden. Die Jugend trifft sich Montagabends, die Jugend trifft sich Donnerstagabends. Also irgendwie scheint bei Junggläubigen die Motivation zumindest für eine Weile höher zu sein. Das war dort auch so.
Und jetzt wohnten sie nicht in der Stadt, sondern in einem Dorf. Außen um das Dorf war überall Busch. Und das mit dem stillen Kämmerchen war dort so ein Problem. Aber jeder hatte so sein kleines Gebetsplätzchen im Busch, wohin er ging, um dort in Ruhe zu beten. Ihr könnt euch vorstellen: Wenn so jeder jeden Tag zu seinem Plätzchen geht, dann hat er irgendwann am Boden ganz viele kleine Trampelpfade. Und jeder Trampelpfad führte zu so einer Gebetsecke mitten im Busch, wo einer betete.
Und es geschah nun, weil diese Gläubigen aufeinander Acht hatten, dass immer dann, wenn bei so einem Gebetstrampelpfad wieder Gras anfing zu wachsen und deutlich wurde, dass derjenige nicht mehr oft betete, einer zu ihm hingegangen ist und ihm ganz lieb gesagt hat: Freund, Gras wächst auf deinem Pfad.
Und ich wünsche mir, dass Gott uns die Willigkeit, die Disziplin und den Verstand schenkt, immer wieder das Gebet zu suchen, damit auf unserem Pfad kein Gras wächst. Lasst uns jetzt gemeinsam beten, und ich werde dann mit Gebet abschließen.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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