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Einführung in das Buch des Propheten Sacharja - A, Teil 1/4

Sacharja 1,1-6,1510.11.2007
Serie•Teil 1 / 4Einführung in das Buch des Propheten Sacharja - A
Warum fühlt sich dein Leben manchmal an wie ein Kampf gegen Übermacht? Zacharja antwortet: Gott hat Jerusalem nicht vergessen – und aus Trümmern kann wieder Hoffnung werden.

Einordnung und geschichtlicher Hintergrund

Im Rahmen unseres Studiums aller zwölf kleinen Propheten kommen wir heute zum Buch des Propheten Zacharja. Ich habe das in zwei Teile aufgeteilt. Heute betrachten wir also das Buch des Propheten Zacharja, Teil 1, das heißt die Kapitel 1 bis 6.
Zunächst ein paar Bemerkungen zum Zeitpunkt der Entstehung des Buches. Es gilt eigentlich das bereits letztes Mal Gesagte zum Buch Haggai, denn wie wir ja wissen, traten diese beiden Propheten damals gemeinsam auf. Der geschichtliche Hintergrund ist das Jahr 539 v. Chr. Damals, im Herbst, eroberten die Perser das Babylonische Weltreich. Der damalige Weltherrscher des medo-persischen Reiches, Kyrus oder Kores, gab einen Erlass heraus und erlaubte allen Juden, die in der babylonischen Gefangenschaft waren und nun unter persische Herrschaft gelangten, zurückzukehren ins Land ihrer Väter, das von da an für längere Zeit schlicht eine Provinz des Persischen Reiches sein sollte.
Im Buch Esra wird das alles beschrieben, beginnend mit diesem Edikt des Kyrus. Wir sehen dann, wie etwa zweihunderttausend Juden, wenn man nicht nur die Männer, sondern auch Frauen und Kinder dazurechnet, zurückkehrten in das Land Israel. Das Erste, was sie in Jerusalem tun, ist dies: Der Altar wird aufgerichtet, damit sie wieder stellvertretende Opfer darbringen können auf dem Tempelplatz, noch bevor das Tempelhaus selbst gebaut wurde. Sofort hat man also mit dem Opferdienst wieder angefangen, der seit der Zerstörung des Salomonstempels im Jahr 586 v. Chr. unterbrochen gewesen war.
Im Jahr darauf, also nach unserer Zählung 536 v. Chr., wurde schließlich der Grund des Tempels gelegt. Das heißt, diese massive Steinaufschichtung auf dem Grundfelsen, auf die dann das eigentliche Tempelhaus mit den Mauern gebaut wurde. Das wird beschrieben in 2. Esra 3,8-10.
In 2. Esra 4 wird weiter berichtet, wie Ausländer, die von den Assyrern in früherer Zeit im Land Israel angesiedelt worden waren, mit den Juden den Tempel bauen wollten. Sie werden dort von Anfang an als Feinde bezeichnet. Sie wollen gemeinsame Sache machen, aber das wird nicht akzeptiert, weil sie nicht zum Volk Gottes gehören. Als das also nicht geht mit einer Art Ökumene, versuchen sie es mit offenem Widerstand. Der Widerstand wird so stark, dass sie schließlich den persischen König Artasasta, in der Geschichte ist das Pseudomerdis, der einige Monate regierte, dazu bewegen konnten, einen Baustopp herauszugeben. Zu diesem Baustopp kam es im Jahr 522 v. Chr., wie beschrieben in 2. Esra 4,23-24. Und so unterblieb der Bau am Haus Gottes während dieser Zeit des Artasasta, also des Pseudomerdis. Danach kam Darius an die Macht.
Es ging bis ins zweite Jahr des Darius, da begannen plötzlich die Propheten Haggai und Zacharja zu weissagen. Wir haben letztes Mal gesehen: Im Buch Haggai wird der Vorwurf gemacht: Warum baut ihr das Haus Gottes nicht, aber eure eigenen Häuser baut ihr? Gott hat gar kein Verständnis für sein Volk, wenn es nicht baut, obwohl Widerstand da ist. Sie müssen bauen, denn man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.
Und so beginnen Jeschua, der Sohn Jozadaks, das war der Hohepriester, der erste Hohepriester des Zweiten Tempels, und Serubbabel, das war der jüdische Statthalter, der also für die Perser Oberherrscher über die Juden war, mit dem Weiterbau des Tempels. Auch die Propheten Sacharja und Haggai motivieren das ganze Volk, wieder neu an die Arbeit zu gehen. Man schreibt einen Brief an König Darius. Dieser schaut in den Archiven nach und stellt fest: Ja, natürlich ist es legal, dass dieser Tempel gebaut wird. Das hatte schon längst Kyrus so herausgegeben. Also dürfen und sollen sie den Tempel weiterbauen. So kommt es schließlich dazu, dass der Tempel vollendet wird, im Jahr 516 v. Chr. Das alles wird beschrieben in 2. Esra 5 und 6.
Das Buch Haggai beginnt ja mit der Datierung im zweiten Jahr des Darius Hystaspis, also im Jahr 520 v. Chr., dem Jahr, in dem sie wieder begonnen haben, den Tempel zu bauen und schließlich zu vollenden. In diesem gleichen Jahr begann auch Zacharja zu weissagen. Deshalb beginnt das Buch Zacharja mit der gleichen Datierung. Ich lese Vers 1: Im achten Monat im zweiten Jahr des Darius, also 520 v. Chr., da geschah das Wort des Ewigen zu Zacharja, dem Sohn Berechjas, des Sohnes Iddos, dem Propheten, indem er sprach.
Also so können wir das Buch Zacharja sehr genau datieren. Das Thema des Buches kann so umschrieben werden: Gottes tröstliche Zukunftsabsichten für die Stadt Jerusalem. Während Haggai sich mehr auf die momentane Situation konzentriert in seinen Weissagungen, geht Zacharja viel mehr in die Endzeit. Aber er spricht schon auch in die momentane Situation hinein, jedoch mit dem Akzent der Endzeit. Haggai geht ebenfalls in die Endzeit, fokussiert sich aber stärker auf die momentane Situation. Und so ergänzen sich diese beiden Männer in ihrem Dienst wunderbar. Jeder hat einen etwas anderen Akzent.
In 1. Korinther 14 wird ja die Gabe des Weisssagens auch verglichen mit verschiedenen Musikinstrumenten. Es sind Musikinstrumente, die alle eine andere Klangfarbe haben. Eine Violine klingt nicht wie ein Klavier, ein Klavier nicht wie eine Harfe. Woran liegt das? Obwohl sie den gleichen Ton spielen, sagen wir A mit 440 Schwingungen pro Sekunde, hört man sofort: Das ist eine Violine, das ist eine Harfe, das ist ein Klavier. Warum? Weil die Obertonreihen anders aussehen. Und die Obertonreihen machen die Charakteristik des Klanges aus.
So erklärt es 1. Korinther 14, dass es eben in den geistlichen Gaben, die Gott seinem Volk gibt, unterschiedliche Klangfarben gibt, die zusammen aber ein wunderbares Zusammenspiel ergeben, einen wunderbaren Orchesterklang. Und so ist es wichtig, bei jedem Bibelbuch zu sehen, was die spezielle Klangfarbe ist. Aber es ist kein Kontrast im Sinne eines Gegensatzes oder Widerspruchs, sondern im Sinne einer Ergänzung und einer klanglichen Bereicherung. Und so ist es auch, wenn man diese beiden, Haggai und Zacharja, vergleicht: Sie haben miteinander begonnen zu bauen, sie haben das Volk motiviert, aber jeder hatte seinen speziellen Dienst.
Das Buch Zacharja kann man in ein paar Sätzen so zusammenfassen: Jerusalem soll zwar lange Zeit ein Spielball der Weltmächte sein und dabei viel Elend sehen. Doch die bestimmte Zeit wird kommen, in der der Ewige sich Jerusalems in Gnade annehmen wird. Er selbst wird für diese Stadt kämpfen, der gläubige Überrest wird auch kämpfen, der Messias wird sein herrliches Weltreich errichten und Jerusalem zu dessen Hauptstadt erheben.

Name, Botschaft und Aufbau des Buches

Unter charakteristischen Ausdrücken und Besonderheiten habe ich ein paar Bemerkungen zum Namen des Propheten.
Er heißt ja in Vers 1, den wir gelesen haben, mit vollem Namen Sacharja, der Sohn Berechias, des Sohnes Idos, also auf Hebräisch klingt das so: Sacharja ben Berechia ben Iddo.
Wenn man das übersetzt, hat man eigentlich im Kern die Botschaft des Sacharja-Buches. Sacharja heißt: Der Herr gedenkt. Sachar heißt gedenken, also: Der Herr gedenkt. Er hat Jerusalem nicht vergessen, auch wenn es eine schwierige Zeit war, Feinde da waren und man bei null anfangen musste. Die Leute waren arm. Sacharja: Der Herr gedenkt.
Berechja heißt: Der Herr segnet. Und gerade von diesem Segen, den Gott besonders Jerusalem schenken wird in der Zukunft, in der Endzeit, spricht das Buch Sacharja.
Iddo heißt: zur bestimmten Zeit. Gott hat eine ganz bestimmte Zeit festgelegt im Heilsplan. Das ist die Endzeit, in der diese Stadt Jerusalem zu ihrem vollen Segen gebracht wird.
So haben wir im Kern die Botschaft in diesen drei Namen von Sohn, Vater und Großvater.
Nun zum Aufbau des Buches: Nach dem Titel, Vers 1, kommt der erste Hauptteil, Römisch I. Von dem soll heute die Rede sein. Das sind die Kapitel 1 bis 8. Und zwar so, dass wir erstens eine Einführung haben. Das ist ein Aufruf zur Buße, Kapitel 1, Vers 2-6. Ganz kurz, aber markant. Und das Volk tut wirklich Buße. Das haben wir auch gesehen im Buch Haggai, sehr eindrücklich, wie die Menschen sofort bereit sind, das Wort Gottes zu hören und auch Ermahnung zu akzeptieren. Das ist ganz ungewöhnlich. So konnte Gott eine Erweckung schenken.
Danach kommt als Ermutigung zweitens: acht Nachtgesichte, Kapitel 1, Vers 7 bis 6, Vers 15. Und das soll uns heute ganz besonders beschäftigen: acht Träume, acht Nachtgesichte des Zacharja.
Da haben wir erstens das erste Nachtgesicht: Pferde durchziehen die Erde, 1,7-17. Dann kommt zweitens: Die Nationen werden gerichtet, Kapitel 2,1-4. Drittens: Jerusalem wird beschützt, 2,5-17. Dann kommt das vierte Nachtgesicht: Der hohe Priester wird gereinigt. Das fünfte: Der Herrscher wird gestärkt, Kapitel 4,1-14. Sechstens: Das Böse wird gerichtet, 5,1-4. Siebtens: Jerusalem wird gereinigt, 5,5-11. Und schließlich achtens: Pferde durchziehen die Erde, 6,1-8.
Danach kommt noch ein Anhang: Der hohe Priester wird gekrönt, 6,9-15.
Dann kommt ein dritter Teil, der umfasst die Kapitel 7 bis 8. Den habe ich überschrieben mit: Belehrungen über Trauer und Freude. Es gibt eine Frage zum Fasten, Kapitel 7,1-3, und darauf folgen vier Antworten.
Also: Diese Belehrung über Trauer und Freude, Kapitel 7 und 8, werden wir nächstes Mal behandeln, zusammen mit dem Hauptteil Römisch II. Das sind dann die Kapitel 9 bis 14, die aber selber wieder aufgeteilt sind, und zwar so: erstens ein erster Teil, der verworfene Messias, Kapitel 9 bis 11. Man könnte auch sagen: der leidende Messias. Und zweitens der angenommene Messias, Kapitel 12 bis 14.

Die innere Ordnung der Nachtgesichte

Ja, jetzt geht es also um die Nachtgesichte, und ich habe das Abskript so aufgeführt, dass man sehen kann, dass sie sich eigentlich spiegeln.
Das erste Nachtgesicht, „Die Pferde durchziehen die Erde“, spiegelt sich ja eigentlich mit dem letzten: „Pferde durchziehen die Erde“. Darum könnte man das erste als A bezeichnen. Das kann man aus dem Skript noch etwas ergänzen: Das achte Nachtgesicht ist A Strich: „Pferde durchziehen die Erde“.
Dann B: „Die Nationen werden gerichtet“ und B Strich: „Jerusalem beschützt“. Also ein Gegensatz zwischen den Nationen, die gerichtet werden, und Jerusalem, das beschützt und begnadet wird.
Dann kommt C: „Der hohe Priester gereinigt“. Und jetzt kann man vom Skript ergänzen C Strich: „Der Herrscher gestärkt“. Der hohe Priester, das ist Jeschua, dieser treue Mann, der sofort begann zu bauen, als die Propheten weissagten. Und der Herrscher, das ist Serubbabel, der Statthalter, der auch sofort begann zu bauen. Er wird hier ermutigt. Darum gehört also C und C Strich zusammen. Man kann sagen: der Priester und der Herrscher. Er wird nicht König genannt, aber er hatte etwas Königliches an sich. Er war ja auch ein Nachkomme von David.
Ja, und dann kommt sechstens, das müsste man bezeichnen als B Strich: Das Böse wird gerichtet, und D Strich: Jerusalem wird gereinigt. Aber merkt, wie das eine Spiegelung ist, eigentlich schon von dem, was man hat in B und B Strich: Die Nationen werden gerichtet, Jerusalem wird beschützt. Darum habe ich es auch so aufgeführt auf dem Skript wie eine Schere, ja.
Ja, und schliesslich eben achtens: „Pferde durchziehen die Erde“. Es ist also eine ganz logische Scherenstruktur in diesen acht Nachtgesichten zu finden.

Der erste Aufruf zur Umkehr

So, jetzt gehen wir zum Bibeltext, erster Teil, Römer 1, auf Seite 3: Aufruf zur Buße, Kapitel 1, Vers 2-6.
Das ist jetzt Poesie, das sieht man auf dem Text, ja? Erzürnt war der Ewige über eure Väter mit Zorn, und du sollst zu ihnen sagen: So spricht der Ewige der Heerscharen: Kehrt um zu mir, spricht der Ewige der Heerscharen, und so werde ich zu euch umkehren. In der Fußnote habe ich geschrieben: oder und so werde ich mich euch zuwenden. Gott muss ja nicht Buße tun und umkehren, ja? Also diese Umkehr hat den Sinn, dass Gott sich seinem Volk zuwendet. So werde ich zu euch umkehren, spricht der Ewige der Heerscharen.
Seid nicht wie eure Väter, zu denen die früheren Propheten geredet haben, indem sie sprachen: So spricht der Ewige der Heerscharen: Kehrt doch um von euren bösen Wegen und von euren bösen Handlungen. Doch sie hörten nicht und merkten nicht, spricht der Ewige. Eure Väter, wo sind sie? Und die Propheten, leben sie etwa in Ewigkeit? Doch meine Worte und meine Beschlüsse, die ich meinen Knechten, den Propheten, geboten habe, haben sie nicht getroffen, eure Väter?
Da kehrten sie um und sprachen: So wie der Herr der Herrscharen plante, uns zu tun, gemäß seinen Worten und gemäß unseren Taten, also hat er mit uns getan.
Also sehr eindrücklich, eine kurze Predigt, aber ganz prägnant. Sie erinnert daran, wie Gott eben sein Gericht über das jüdische Volk gebracht hatte, das zur babylonischen Gefangenschaft geführt hatte, zum Untergang Jerusalems und des Salomonstempels. Gott sagt: Das war, weil eure Vorfahren gewarnt worden waren durch die Propheten, aber sie haben nicht gehört. Und jetzt wollt ihr das Gleiche nochmals tun?
Und das Volk ist bereit: Nein, wir stellen uns darunter, und wir akzeptieren diese schreckliche Vergangenheit, das Gericht der babylonischen Gefangenschaft und diese drei Kriege, die Nebukadnezar gegen Israel geführt hat. Das war Gottes Zuchtrute in uns. Sie beugen sich also unter die Zucht Gottes, und das ist die Voraussetzung, dass Gott ...
Wenn wir nicht gehorchen wollen, wenn wir uns gegen Gottes Wort auflehnen und rebellieren, dann kann Gott uns nicht trösten. Aber wenn wir uns unter sein Wort stellen, dann kommt sein Trostwort.

Der Gottesname als Schlüssel zum Verständnis

Und so folgen dann zweitens die acht Nachtgesichter 1,7-6,15. Da haben wir den ersten Traum. Ich lese ab Vers 7. Ich möchte aber noch einen Nachdruck machen.
In diesem Aufruf zur Buße haben wir einen Gottesnamen sehr häufig, auffällig häufig, gefunden: der Ewige, der Herrscher. Unter den charakteristischen Ausdrücken und Besonderheiten steht bei Punkt drei: Einundfünfzig Mal findet man im Buch Sacharja diesen Namen, der Ewige, der Herrscher. Auf Hebräisch ausgesprochen „Adonai Zwa'ot“, beziehungsweise so, wie es im Judentum nicht ausgesprochen wird, aber wörtlich dasteht: „Yachweh Zwa'ot“, der Ewige der Heerscharen. Zwa'ot ist die Mehrzahl von Zawah, Heer, Armee.
Nun, worauf bezieht sich das, wenn Gott sich nennt: der Ewige der Heerscharen? Die Sterne werden als Heere bezeichnet, schon im Schöpfungsbericht, 1. Mose 2. Wenn man an den Nachthimmel schaut, übersät mit vielen leuchtenden Punkten, kann man den Eindruck haben, das ist irgendwie chaotisch, diese Lichter. Wo ist da die Ordnung? Aber was man eigentlich nicht sieht, ist dies: All diese Sterne, die man mit dem Auge sieht, gehören zu unserer Galaxie. Das heißt, zu einer flachen Spiralscheibe, die aber noch aus viel mehr Sternen, das heißt Sonnen, besteht, nämlich etwa 200 Milliarden Sonnen, die sich in einer Spirale rund um ein Zentrum herum drehen, mit unglaublichem Tempo. Aber all diese 200 Milliarden Sterne bilden so zusammen eine, kann man sagen, eine Truppe in der Armee.
Und Hubble hat es möglich gemacht, dass man heute bis 13 Milliarden Lichtjahre Distanz sehen kann, also eine Distanz, die das Licht theoretisch in 13 Milliarden Jahren zurücklegen würde. Das Licht legt pro Sekunde 300 Kilometer zurück, also in einer Sekunde siebenmal um die Erde. Das mal sechzig gibt eine Lichtminute, und das mal sechzig gibt eine Lichtstunde, und das mal vierundzwanzig gibt einen Lichttag, das mal dreihundertfünfundsechzig gibt ein Lichtjahr an Distanz. Ja, da sind wir immer noch in Gedanken an der vorderen Spitze. Und das mal dreizehn Milliarden: Das ist die Distanz in eine Richtung des Weltalls. Und man könnte noch 13 Milliarden in die andere Richtung schauen, von Südafrika aus. Ein Durchmesser von 26 Milliarden Lichtjahren ist heute sichtbar geworden durch das Hubble-Teleskop. Und man schätzt die Zahl der Galaxien auf etwa 100 Milliarden. So schätzt man die Zahl der Sterne auf ungefähr 100 Milliarden mal 100 Milliarden. Das gibt etwa 10 hoch 25.
Unfasslich, aber kein Chaos, sondern die Sterne sind fast alle eben in solchen Galaxien angeordnet, und diese Galaxien wieder in größeren Haufen, und diese größeren Haufen in Superhaufen. Und diese Superhaufen sind regelmäßig an den Rändern von Vakuumblasen im Weltall angeordnet, so dass das ganze Weltall also durchstrukturiert ist bis zum Letzten.
Und wer steht zuoberst an der Armee? Der General. Und Gott nennt sich Adonai Zwa'ot, der Herr der Herrscher, der all diese Sterne mit Namen nennt, wie es im Psalm 147 heißt; der überall gleichzeitig gegenwärtig ist, der über der Zeit und über dem Raum steht und nicht nur überall im Weltall da ist, sondern auch im Jenseits da ist. Er ist immanent und transzendent. Das ist Adonai Zwa'ot.
So wie der Himmel hoch ist über der Erde, so sind meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken, Jesaja 55. Wenn wir Fragen haben über das Leben und warum es genau so gegangen ist und nicht anders, warum Gott dieses Schicksal zugelassen hat, können wir, wenn wir keine Antwort haben, uns einfach trostvoll beugen unter Adonais Wort. So erhaben sind seine Gedanken.
Wir können überhaupt nicht von unserer Denkkapazität etwas Konkretes anfangen mit der Zahl dreizehn Milliarden Lichtjahre. Das kann gar niemand. Das sind nur Zahlen, mit denen wir so ein bisschen herumschießen und operieren können. Aber sie zeigen uns etwas von dieser Allmacht und Größe Gottes.
Und Gott stellt sich genau so diesem Volk, das ganz arm aus der Gefangenschaft zurückgekehrt ist und bei Null beginnt. Da sind Feinde, die widerstehen, aber der Herr sagt: Ich bin der Ewige der Heerscharen.
Aber Zawah, wie ich da auf dem Blatt vermerkt habe, oder Zwa'ot, wird auch verwendet für die Armee der Engel, die auch Abermilliarden ausmachen, wie wir aus Offenbarung 5 wissen. Gott ist also an der Spitze der Engelwelt, die auch eben in Truppen als Armee geordnet ist und nicht ein Chaoshaufen ist. An der Spitze gibt es die Erzengel, von denen einer Michael ist. Aber Gott ist der, der alle Engel in seiner Hand hat. Auch die gefallenen Engel sind in seiner Hand. Sie können nichts tun, als was Gott zulässt. So ist er der Herr, der Ewige, der Herrscher.
Die Armee Israels wird auch als Zawah bezeichnet, und so ist Gott auch der Gott, der die Armee Israels, ihren Erfolg wie ihren Misserfolg, in der Hand hat. Das ist natürlich sehr eindrücklich, wenn man denkt, wie Israel seit 1948 durch drei Existenzkriege hindurchgegangen ist, wo die arabische Welt rund um Israel versucht hat, Israel vollkommen von der Landkarte mit unglaublicher Übermacht auszulöschen. Und jedes Mal hat Israel gesiegt, aber nicht, weil sie so gut sind, sondern weil da der Ewige der Heerscharen diese Armee in seiner Hand hat.
Und auch die Armeen der Völker werden als Zawah oder Zwa'ot bezeichnet. Und so ist Gott auch der Herr über alle Armeen der Völker, und den ganzen Lauf der Weltgeschichte konnte kein anderer sein als so, wie Gott es erlaubte oder nicht erlaubte. Das zeigt also auch Gott als den Herrn der Geschichte, nicht nur der Herr des Alls, sondern auch der Herr der Geschichte.
Und darum ist natürlich dieses einundfünfzig Mal Adonai Zwa'ot ein ganz gewaltiger Trost, nur schon als Name. Als Gottesname.

Das erste Nachtgesicht: die Reiter und die Weltgeschichte

Ja, jetzt gehen wir zum Nachtgesicht Nummer eins, 1. Vers 7, am vierzehnten Tag des elften Monats, das ist der Monat Schwat. Im zweiten Jahr des Darius geschah das Wort des Herrn zu Sacharja, dem Sohn Berechjas, des Sohnes Idos, dem Propheten, indem er sprach.
Jetzt sieht man: Dieser Abschnitt ist keine Poesie, sondern Prosa. Ich sah des Nachts, und siehe, ein Mann ritt auf einem roten Pferd. Der hielt an zwischen den Myrten, die im Talgrund waren, und hinter ihm waren rote, hellrote und weiße Pferde.
Und ich sprach: Was bedeuten diese, Herr? Und er sprach zu mir, der Engel, der mit mir redete: Ich will dir zeigen, was diese bedeuten. Da antwortete der Mann, der zwischen den Myrten anhielt, und er sprach: Diese sind die, welche der Herr ausgesandt hat, die Erde zu durchstreifen.
Und sie antworteten dem Engel des Herrn, der zwischen den Myrten hielt, und sie sprachen: Wir haben die Erde durchstreift, und die ganze Erde sitzt still und ist ruhig. Da antwortete der Engel des Herrn und sprach: Herr der Heerscharen, bis wann wirst du dich nicht über Jerusalem erbarmen und über die Städte Judas, auf die du zornig gewesen bist, diese siebzig Jahre?
Da antwortete der Herr dem Engel, der mit mir redete, gute Worte, tröstliche Worte. Und es sprach zu mir der Engel, der mit mir redete: Rufe aus und sprich: So spricht der Herr der Heerscharen: Ich eifere um Jerusalem, ja, um Zion, mit großem Eifer, und mit großem Zorn zürne ich den sorglosen Nationen. Denn ich habe ein wenig gezürnt, aber sie haben geholfen zum Bösen.
Darum spricht der Herr: Ich kehre nach Jerusalem zurück mit Erbarmungen. Mein Haus, das heißt mein Tempelhaus, soll in ihr gebaut werden, spricht der Herr der Heerscharen, und die Messschnur soll über Jerusalem ausgespannt werden. Rufe wiederum aus und sprich: So spricht der Herr der Heerscharen: Es sollen noch überströmen meine Städte von Gutem, und der Herr wird noch trösten Zion, und er wird noch erwählen Jerusalem.
Also, diese Nachtgesichte sind nicht einfach. Aber wir müssen uns über diese Szenen klar werden: Welche Personen sind da? Sacharja sieht im Traum zuerst einen Mann auf einem roten Pferd, der bei den Myrten anhält. In der Folge wird das klar: Das ist der Engel des Herrn, Vers 11. Und da will ich gleich erklären: Das ist Jesus Christus im Alten Testament. Das Wort für Engel, mal’ach, bedeutet nämlich einfach ein Bote. In der Fußnote steht ja hebräisch mal’ach gleich Engel, oder Bote. Übrigens kommt unser deutsches Wort Engel vom griechischen Angelos. Angelos heißt einfach ein Bote. Angelos ist also weiter als unser Wort Engel.
Das Wort mal’ach wird im Alten Testament a) für Menschen, die geschickt sind, verwendet, 2. Könige 1,2, b) für Engel in unserem Sinn, Psalm 104,4, c) dieser Name wird auch für Gott gebraucht. 1. Mose 16. Der Engel des Herrn, nicht ein Engel, der Engel des Herrn erscheint dort Hagar. Aber in demselben Kapitel wird plötzlich gesagt, dass dieser Bote des Herrn der Herr, Jahwe, selbst ist. Sie spricht mit dem Engel des Herrn, und dann nennt sie, sagt der Text: Jahwe, der mit ihr redete, du bist ein Gott, der sich schauen lässt.
Nun, Gott, der dreieinige Gott, offenbart sich immer durch seinen Sohn. Darum sagt der Herr Jesus: Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Aber nie umgekehrt: Wer den Vater gesehen hat, hat den Sohn gesehen. Der erste Johannesbrief sagt in Kapitel 2: Wer den Sohn hat, hat den Vater. Aber nie steht dort: Wer den Vater hat, hat auch den Sohn.
Darum: Die Leute, die sagen, Gott ja, aber Jesus, deshalb kann ich nichts damit anfangen, die haben alles verloren. Gott offenbart sich immer nur durch seinen Sohn. Und darum ist sein Sohn Mensch geworden, weil Gott sich sichtbar machte in seinem Sohn. Und schon vor seiner Menschwerdung hat Gott sich im Alten Testament immer wieder einmal gezeigt, sichtbar in Erscheinung, wie ein Mensch. Aber er war noch nicht richtig Mensch geworden. Er schien wie ein Mensch, aber das war immer Jesus Christus.
Aber da sehen wir bereits etwas von dieser Wahrheit, dass in dem einen Gott mehr als eine Person zu finden ist. Denn wir haben ja gesehen, wie der Engel des Herrn mit dem Herrn spricht, Vers 12. Da antwortete der Engel des Herrn und sprach: Herr der Heerscharen, bis wann wirst du dich nicht über Jerusalem erbarmen und über die Städte Judas? Vers 13: Da antwortete der Herr dem Engel, oder man kann einfach jedes Mal lesen, wo Engel steht, Bote, dann ist es eigentlich noch klarer. Da antwortete der Herr dem Boten, der mit mir redete, gute Worte, tröstliche Worte. Der Herr im Himmel spricht mit dem Herrn da auf der Erde.
Also, er sitzt auf einem roten Pferd und hält mit dem Pferd zwischen den Myrten an. Myrten sind eine schöne Pflanze, so schön, dass es nämlich auch ein Mädchenname sein kann. Im Alten Testament werden ja oft Blumennamen als Mädchennamen benutzt, nicht für Jungs, sondern auch für Mädchen. Sie werden mit Blumen verglichen, das muss man einfach so akzeptieren. Und Ester, das war ja nur ihr persischer Deckname, sie hieß auf Hebräisch Hadassa, und Hadassa heißt Myrte. Die Myrte gehörte mit zu dem Feststrauch des Laubhüttenfestes, 3. Mose 23. Dieser Feststrauch erinnert eigentlich daran, wie Gott sein Volk einmal segnen wird im Tausendjährigen Reich. Das kann ich jetzt nicht ausführen, das habe ich schon anderswo ausgeführt.
Aber darum ist es ganz bedeutsam, dass dieser Bote des Herrn bei den Myrten anhält, die eigentlich von Gottes Segen für Israel sprechen. Und er setzt sich hier ein für Jerusalem, und dann kommen vom Himmel her diese guten und tröstlichen Worte für Jerusalem.
Dann haben wir einen Engel, da kann man sagen: Das ist der Fremdenführer. Ein Engel, der immer wieder mit Sacharja spricht und ihm Dinge erklärt, ihm Fragen stellt, die er nicht beantworten kann, und dann aber die Dinge für ihn klärt. Und dann sehen wir: Hinter diesem Reiter kommen weitere Pferde mit unterschiedlichen Farben. Diese weiteren Rosse sind bedeutsam. Wie viele Gruppen sind das? Hinter ihm waren, Vers 8, rote, hellrote und weiße Pferde. Und dann will Sacharja wissen: Was bedeuten diese, Herr? Also, er kommt auch in der Vision nicht von selbst heraus, was es bedeutet, aber er will es wissen.
Das ist übrigens der Prophet nie irgendwie abgehoben und in Trance. Nein, er sieht die Dinge und will wissen: Was bedeutet das? Und es wird ihm auch erklärt. Da sprach zu mir der Engel, der mit mir redete: Ich will dir zeigen, was diese bedeuten. Da antwortete der Mann, der zwischen den Myrten anhielt, und er sprach: Diese sind die, welche der Herr ausgesandt hat, die Erde zu durchstreifen.
Pferde waren ja im Altertum besonders geeignet für den Krieg. Es gibt im Buch Hiob eine ganz eindrückliche Beschreibung des Kriegsrosses. Wir lesen noch kurz an, es kann aber sein, dass je nach Bibelausgabe die Verszählung etwas variiert. Also das Kriegsross wird so eindrücklich beschrieben in Hiob 39. Vers 19. Lies doch etwas: Gibst du, sagt Gott Hiob, gibst du dem Ross Stärke, bekleidest du seinen Hals mit der wallenden Mähne, machst du es aufspringen gleich der Heuschrecke? Sein prächtiges Schnauben ist Schrecken. Es scharrt in der Ebene und freut sich der Kraft. Zieht aus dem Waffen entgegen, es lacht der Furcht und erschrickt nicht und kehrt vor dem Schwert nicht um. Auf ihm klirrt der Köcher, der blitzende Speer und Wurfspieß. Mit Ungestüm und Zorn schlürft es den Boden und lässt sich nicht halten, wenn die Posaune ertönt. Beim Schall der Posaune ruft es: Hui! Also ist das die Hirn, das die Hirnnagel nachgemacht hat. Hui! Und aus der Ferne wittert es die Schlacht, den Donnerruf der Heerführer und das Feldgeschrei. Schwingt sich der Habicht ... und so weiter, dann kommt die Beschreibung eines Raubvogels.
Also das Schlachtpferd. Und diese drei Gruppen von Pferden hinter dem Boten des Herrn, die symbolisieren verschiedene Armeen. Mit dem Buch Daniel kennen wir die Prophezeiungen über die vier Weltreiche, Daniel 2 und 7. Das babylonische Weltreich zur Zeit Daniels, das die Juden in die babylonische Gefangenschaft gebracht hatte. Dann kommt das zweite Reich, das stellt das medo-persische Weltreich dar, das zur Zeit von Sacharja an der Macht war. Später wurde dieses Reich erobert durch die Griechen unter Alexander dem Großen. Noch später wurde das Reich von Alexander dem Großen, das heißt die Überreste, die es dann noch gab, durch die Römer besiegt. Das sind die vier großen Weltreiche in Daniel.
Nun, das erste Weltreich ist vorbei, das babylonische. Und darum sind bei Sacharja jetzt hinter dem Boten des Herrn diese drei weiteren Pferdegruppen. Das sind die weiteren Weltreiche, die noch kommen. Aber wer reitet davor? Das ist der Engel, oder der Bote des Herrn. Das heißt: Der Sohn Gottes hat die ganze Weltgeschichte und alle Armeen, auch die, die noch kommen werden, in seiner Hand. Und sie können nichts tun, was Gott nicht zulässt.
Diese Armeen haben die Erde durchstreift, und jedes Mal wurde Israel dadurch getroffen. Durch das, was die Babylonier gemacht haben, durch das, was die Medo-Perser gemacht haben, durch das, was Alexander die Griechen gemacht haben, und auch durch die Römer. Und interessant: Zur Zeit, als die Römer an der Herrschaft waren, kam der leidende Messias, von dem noch in Sacharja 9 bis 11 die Rede sein wird. Und wie wir aus Offenbarung 17,8 wissen, wird das Römische Reich in der Endzeit noch einmal heraufkommen. Und in dieser Zeit wird Jesus Christus kommen als herrschender Messias. Dann gehen die Kapitel Sacharja 12 bis 14 in Erfüllung.
Also, wir sehen die Bedeutung dieser Weltreiche. Aber das könnte ja Sacharja Angst machen. Und trotzdem setzt sich der Bote des Herrn für Jerusalem ein, und es kommen tröstliche Worte vom Himmel und die Zusicherung, dass Gott schlussendlich am Ende sein Volk mit Gutem sättigen wird. Ich lese nochmals Vers 17: Rufe wiederum aus und sprich: So spricht der Herr der Heerscharen: Es sollen noch überströmen meine Städte von Gutem, und der Herr wird noch trösten Zion, und er wird noch erwählen Jerusalem.
Also, trotz dem, was die Nationen machen, Gott wird sein Volk am Schluss segnen. Gott eifert um Jerusalem, Vers 14. Eifern, das ist im Prinzip das, was wir in Deutsch mit Eifersucht auch umschreiben. Das heißt, Gott kann es nicht zulassen, dass sein Volk von den Völkern zertreten wird. Er setzt sich so ein für dieses Volk, eben wie ein Ehemann sich einsetzt für seine Frau, auf die andere Ansprüche erheben möchten.
Also, trotz dem, was die Nationen machen, Gott wird sein Volk am Schluss segnen. Gott eifert um Jerusalem, Vers 14. Eifern, das ist im Prinzip das, was wir in Deutsch mit Eifersucht auch umschreiben. Das heißt, Gott kann es nicht zulassen, dass sein Volk von den Völkern zertreten wird. Er setzt sich so ein für dieses Volk, eben wie ein Ehemann sich einsetzt für seine Frau, auf die andere Ansprüche erheben möchten.
Gott eifert um Jerusalem mit großem Eifer, und er ist zornig über die sorglosen Nationen, Vers 15. Ich habe bei sorglos in der Fußnote geschrieben: Man kann das Wort auch übersetzen mit die sicheren Nationen oder die übermütigen Nationen. Und jetzt ein ganz wichtiges Prinzip: Gott sagt, denn ich habe ein wenig, man kann auch übersetzen, Fußnote, er erklärt das für kurze Zeit, gezürnt, aber sie, sie haben geholfen zum Bösen.
Gott wollte sein Volk züchtigen durch eine andere Armee, durch die Babylonier, denn er ist der Herr der Heerscharen. Aber die Nationen, die dieses Gericht ausgeübt haben, die haben das in eigener Bosheit getan, und sie haben es sogar überzogen. Über das Maß Gottes sind sie hinausgegangen, und deshalb kommen sie auch wieder unter Gottes Gericht.
Und so machte Sacharja eben seinem Volk Mut in ihrer schwierigen Zeit, indem er ihren Blick auf die Endzeit richtete. Daraus erkennen wir, wie wichtig das Studium der Prophetie ist und war. Denn wenn wir alle Dinge und auch den Lauf der Weltgeschichte sehen, wie Gott sie sieht, wenn wir sehen, was am Schluss kommen wird, dann können wir auch in der Gegenwart, auch in der Schwierigkeit, besser durchhalten. Und zwar: Wenn wir Schmerzen haben, aber wir sehen, das Ende davon ist absehbar, dann ist der Schmerz viel leichter zu ertragen, als wenn das Ende nicht absehbar ist.
Und so, wenn wir die Zukunft sehen, wenn wir auch als Gemeinde sehen, der Herr kommt wieder zur Entrückung, wenn das eine lebendige Erwartung im Alltag ist, dann ist das eben ein wirklicher Trost, der sich in der Gegenwart auswirkt. Also, das Studium der Prophetie führt nicht zu einer falschen Weltflucht, sondern es stärkt gerade für die Aufgaben und den Kampf in der Gegenwart.

Das zweite Nachtgesicht: Gericht über die Mächte

Jetzt gehen wir weiter zum zweiten Nachtgesicht, das ich überschrieben habe mit „Die Nationen werden gerichtet 2,1-4“.
Und ich erhob meine Augen und sah, und siehe, vier Hörner. Und ich sprach zu dem Engel, der mit mir redete: Was bedeuten diese? Und er sprach zu mir: Diese sind die Hörner, die Juda, Israel und Jerusalem zerstreut haben.
Und der Herr zeigte mir vier Schmiede. Und ich sprach: Was kommen diese zu tun? Und er sprach zu mir, indem er sagte: Diese sind die Hörner, die Juda zerstreut haben, sodass niemand sein Haupt erhob. Und diese sind gekommen, um sie zu erschrecken, um die Hörner der Nationen niederzuwerfen, die das Horn gegen Juda erhoben haben, um es zu zerstreuen.
Hörner sind in der Bibel immer ein Bild der Macht und der Gewalt, der Stärke. Wenn man mit Stieren zu tun gehabt hat, weiß man das. Jetzt wird hier erklärt: Diese Hörner, das sind die, die Juda, Israel und Jerusalem zerstreut haben, die also das Gericht über die Juden gebracht haben.
Das können wir also ganz direkt auf diese Weltreiche beziehen, wieder aus Daniel 2 und 7: die Babylonier, die Medoperser, die Griechen und dann die Römer. Alle haben sich an dem jüdischen Volk vergangen. Aber Gott sagt: Es gibt vier Hörner, aber es gibt auch noch vier Schmiede. Die haben ganz starke Hämmer und können diese Hörner zerschmettern, niederwerfen, erschrecken. Das heißt, Gott hat für jede Armee, die sich gegen das jüdische Volk gewendet hat, ein Gegenmittel. Das sind die vier Schmiede.
Nicht klar: Die Babylonier haben das Gericht über die Juden ausgeübt, unter Nebukadnezar, aber sie sind über das Ziel hinausgeschossen, diese Übermütigen, Gottlosen. Und so kam ein paar Jahrzehnte später bereits ihr Untergang. Die Medo-Perser eroberten das babylonische Reich. Aber die Perser haben sich besonders am Ende ihrer Zeit ganz massiv antisemitisch, also judenhasserisch, benommen. Und dann kam ihr Untergang, als Alexander von Griechenland mit 10.000 Soldaten nach Osten stieß und in einer Rekordzeit von 13 Jahren das ganze medopersische Weltreich eroberte, das ja von Kleinasien, von Afrika bis nach Pakistan, bis über den Indus hinaus, reichte.
Aber spätere Herrscher, die aus diesem Reich Alexanders des Großen hervorgingen, haben sich ganz schlimm gegen das jüdische Volk benommen. Und dann wurden sie schließlich besiegt durch die Römer selbst. Aber auch die Römer wurden wieder bestraft. Denn im Jahr 476 kamen die Barbaren aus Deutschland und auch aus dem Osten von Europa und überrannten das Weströmische Reich. Das Oströmische Reich schrumpfte immer mehr zusammen, und schließlich, 1453, das war das Schicksalsjahr, da kamen die Türken und schlugen den Rest, den kümmerlichen Rest des römischen Reiches im Osten, zusammen.
Als ich vor kurzem in Istanbul war, habe ich einen Verkäufer oder Souvenirhändler gesehen mit einem T-Shirt. Da war nichts drauf, außer auf dem Rücken die Zahlen 1453. Das war das Jahr, in dem die Türken das christliche oströmische Reich zusammengeschlagen, besiegt haben. Interessant, da muss man die Augen offen haben in der modernen Geschichte.
Ja, so ging das in der Geschichte weiter: Für jedes Horn hat Gott auch einen Schmied. Das Grundprinzip hat sich weiter fortgesetzt durch die ganze Geschichte hindurch und schließlich bis ins 20. Jahrhundert, als die Nazis sich an den Juden vergriffen haben. Das ganze Nazireich dauerte nicht tausend Jahre, wie es geplant war, sondern zwölf Jahre, und dann war alles am Boden zerschlagen. Sechs Millionen Tote, Verwundete und Verletzte allein im deutschen Bereich, Deutschland, Österreich. Schrecklich!
Das ist das Prinzip der Hörner und der Schmiede. Also das jüdische Volk wusste jedes Mal: Wenn uns ein Volk etwas antut, hat Gott auch sein Gericht für dieses Volk. Nicht sie müssen sich rächen, aber Gott sagt schon auch in Römer 13 am Schluss: Mein ist die Rache, ich will vergelten, spricht der Herr.

Das dritte Nachtgesicht: Schutz und Zukunft Jerusalems

Jetzt kommen wir schon zum dritten Nachtgesicht, überschrieben mit Jerusalem beschützt, 2,5-17, und ich erhob meine Augen.
Sprachlich wird ein neues Nachtgesicht immer wieder markiert durch ein erneutes Heben der Augen im Traum. Und ich erhob meine Augen und sah, und siehe, ein Mann, und in seiner Hand war eine Messschnur. Und ich sprach: Wohin gehst du? Und er sprach zu mir: Jerusalem zu vermessen und zu sehen, wie viel ihre Breite und ihre Länge ist.
Und siehe, der Engel, der mit mir redete, ging aus. Jetzt haben wir wieder zwei Personen: Ein Mann mit der Messschnur, dann der Interpret, der Erklärer, der Engel, und natürlich Sacharja. Und ein anderer Engel kam jetzt wieder als neue Person in den Traum hinein. Und ein anderer Engel ging ihm entgegen.
Und er sprach zu ihm: Lauf, rede zu diesem Jüngling und sprich: Als offene Stadt soll Jerusalem bewohnt werden, vor Menge an Menschen und Vieh in ihrer Mitte. Und ich werde ihr sein, spricht der Herr, eine feurige Mauer ringsum, und zur Herrlichkeit werde ich sein in ihrer Mitte.
Übrigens erfahren wir in Vers 8 gleich, dass der Prophet Sacharja nicht ein alter Mann war, als sein Dienst begann, sondern ein Jüngling, ein junger Mann. Was ich übrigens auch noch bemerkt habe, auf Seite eins, charakteristische Ausdrücke, Punkt drei: Sacharja war auch ein Priester. In Nehemia 12,4-16 wird er erwähnt aus dem Priesterstamm. Und das erklärt natürlich auch sein besonderes Interesse am Tempel in Jerusalem, der ja zu seiner Zeit gebaut wurde und zu dessen Bau er mit seiner Prophetie beitrug.
Diesem jungen Sacharja wird erklärt: Jerusalem wird einmal als eine offene Stadt bewohnt werden, also ohne Mauer, nicht so, wie es im Altertum üblich war für große Städte. Als offene Stadt, und zwar wohnen da so viele drin, von Menge an Menschen, aber auch Tiere, und Gott wird die feurige Mauer um diese Stadt her sein. Das ist natürlich ein Blick in die Zukunft, im tausendjährigen Reich.
Da wird Jerusalem nach Hesekiel 40-48, ich habe ja einmal an einem Bibelschuldentag diese Kapitel mit einer PowerPoint-Präsentation behandelt, eine Stadt sein von 80 auf 80 Kilometer. Und zwar wird im Propheten Hesekiel ganz genau beschrieben, wie diese Stadt gebaut wird, auf welcher Fläche und wie dann das Stadtgebiet eingeteilt wird, für die Leviten, für die Priester usw. Alles wird dort detailliert erklärt, aber es ist eine offene Stadt ohne Mauer.
Es gibt zwar einen Stadtteil ganz im Süden, der ist eingemauert mit zwölf Toren, immer drei in jede Himmelsrichtung. Das ist so ein Stadtteil, der dort in Hesekiel Adonai Schammah heißt. So hört dann das Buch Hesekiel auf: Der Herr da selbst. Aber die Stadt selbst wird eine offene Stadt sein. Das heißt, alles wird eingemeindet. Bethlehem, zwölf Kilometer südlich des heutigen Jerusalems, gehört dann zu Jerusalem. Dann sehen wir: Aha, der Messias ist also doch in Jerusalem geboren. Es war erstaunlich, warum ist er in Bethlehem geboren und nicht in Jerusalem? Ja, Bethlehem ist ja nur ein Vorort des alten Jerusalems, gehört dann auch dazu. Hebron und all diese Städte im südlichen Westjordanland, die gehören alle zu Jerusalem, werden alle in Großjerusalem eingemeindet.
Das wäre mal ein Thema für einen Vortrag bei der UNO, hm? Ja, wäre mal was anderes, oder? Hm, und es gäbe sich ja ziemlich Reaktionen. Ja, und Gott verheißt, dass er selbst der Schutz sein will für diese Stadt Jerusalem, eine feurige Mauer ringsum.
Das dürfen wir natürlich anwenden, auch auf uns Gläubige heute. Denn der Herr ist auch ein Schutz um uns her. Und so steht ja auch in 1. Korinther 3,16-17 etwas ganz Interessantes: Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wenn jemand Gottes Tempel verdirbt, den wird Gott verderben; denn der Tempel Gottes ist heilig, und solche seid ihr.
Also Gott sieht, wenn seine Kinder, seine Erlösten, angetastet werden. Wer den Tempel Gottes verdirbt, das kann sein durch Irrlehre, das kann sein durch Unmoral, die in die Gemeinde hineingebracht wird, aber das kann auch sein durch aktive Verfolgung der Gläubigen. Und da haben wir dieses Wort: Wer sich an der Gemeinde vergreift, dem ist das Gericht Gottes vorausgesagt. So wie wenn man eine polige Mauer berührt, dann brennt es. Bei der Firewall kommt man einfach nicht ins Internet hinein. Das heißt, es war auch feurige Mauer, Firewall, aber das brennt niemand. Aber der Herr und sein Volk ist eben eine feurige Mauer, die ein wirklicher Schutz ist.
Übrigens stellt Gott in Hiob 1 dem Satan, der vor Gottes Thron tritt, die Frage: Hast du auf meinen Knecht Hiob achtgehabt? Und dann sagt er: Ich kann ja sowieso nichts machen, du hast alles, was er hat, und ihn selbst eingezäunt. Ein Schutz. Satan kann ihn nicht antasten. Gott hat an diesem Schutz etwas eingegrenzt und sagt: Doch sein Besitz darfst du antasten für eine gewisse Zeit. Und dann verlor Hiob alles, einen Schicksalsschlag nach dem anderen. Aber Gott sagte: Ihn darfst du nicht antasten. Und später hat Gott sogar erlaubt, die Gesundheit von Hiob anzutasten, aber das Leben durfte er ihm nicht antasten. Und am Schluss hat Gott Hiob aus dieser Prüfung herausgezogen, mit viel Segen und Erneuerung, und hat ihm alles wieder doppelt erstattet.
Ja, das ist eben Gottes Mauer um die Gläubigen, und dieser Schutz ist um uns her. Es gibt Leute, die haben unglaublich Angst vor Dämonen und vor solchen Einflüssen. Aber wir müssen unseren Blick darauf richten, dass der Herr diese Mauer um uns her ist.
Der Apostel Paulus sagt in Kolosser 1,12, dass Gott, der Vater, uns errettet hat, als abgeschlossene Handlung in der Vergangenheit. Das ist im Griechischen ein Aorist. Er hat uns errettet aus der Gewalt der Finsternis und uns versetzt in das Reich des Sohnes seiner Liebe. Auch abgeschlossen, nicht im Prozess. Satan hat jetzt noch so und so viel Anrechte auf mich. Natürlich, wenn man in der Sünde lebt, dann macht man einfach die Tür auf, das darf ja nicht sein. Aber wenn wir mit dem Herrn leben und unser Leben auch immer wieder vor dem Herrn ordnen, müssen wir diese Angst nicht haben.
Und so steht auch in 1. Johannes 5 am Schluss: Und der Böse tastet ihn nicht an. Also das müssen wir vor Augen haben. Das macht Mut, diese feurige Mauer. Gott wird eine feurige Mauer sein und zur Herrlichkeit in ihrer Mitte.
Das weist natürlich auf die Zeit hin, wenn der Herr Jesus dann als König in Jerusalem in der Davidsstadt regieren wird. Und wir wissen genau, wo Davids Thron war. Der Palast wurde ja vor einiger Zeit in jüngerer Vergangenheit ausgegraben, in der Davidsstadt in Jerusalem. Dort wird der Herr Jesus einmal regieren.

Die Sammlung des Volkes und die Sendung des Herrn

Vers 10: Ach, ach oder wehe, wehe! Ja, flieht aus dem Land des Nordens, Spruch des Herrn, denn nach den vier Winden des Himmels habe ich euch ausgebreitet oder zerstreut.
Ja, das haben wir heute Morgen schon angeschaut. Aus dem Land des Nordens müssen die Juden einmal fliehen, und so ist es geschehen in der Endzeit. Judenverfolgung unter Zar Alexander III. im Jahr 1881, und dann kam 1882 die erste Immigrationswelle von Juden zurück nach Palästina, wie man das Land Israel damals noch nannte.
Wie gesagt, sie werden nach den vier Himmelsrichtungen, der Windung des Himmels, zerstreut, nicht mehr so wie bei der babylonischen Gefangenschaft. Da gingen sie alle nach Westen. Nach Osten in die Gefangenschaft, ja, nach Osten, nach dem Irak. Aber in der Endzeit, wenn sie dann fliehen aus dem Land des Nordens, das sollte die Zeit sein, in der die Juden eben in alle Himmelsrichtungen zerstreut sind, was ja eine Tatsache der vergangenen Jahrhunderte ist. Aber da sollen sie fliehen.
Auch die zweite Alija habe ich heute Morgen erklärt. 1904 wurde sie ausgelöst durch eine erneute Verfolgung im Land des Nordens, im Land des äussersten Nordens, von Israel aus gesehen Russland. Und die dritte Alija wurde ausgelöst durch die russische Revolution 1917 und durch die Nachkriegsverfolgung der Juden in der Ukraine.
Dann kommt Vers 11: Ach Zion, rette dich, die du wohnst bei der Tochter Babel!
Jetzt werden da die Juden aufgerufen, die in Babylon sind. Ja, wir haben auch heute Morgen gesehen: Obwohl ja damals nach den siebzig Jahren Babylon die Juden als grosser Strom zurückgekehrt sind ins Land, da sind viele Juden geblieben, und Nachkommen hat es geblieben bis ins zwanzigste Jahrhundert. Aber wir haben heute Morgen gesehen, wie im zwanzigsten Jahrhundert die Flucht aus Babel kam, weil Jeremia 50 und 51 sagt, die Juden sollen fliehen aus Babel, bevor das Gericht über Babel hereinbricht. Und wir haben gesehen, wie die Juden im zwanzigsten Jahrhundert von 1990 bis 1999 geflohen sind, und dann kam der erste Golfkrieg und etwas später der zweite Golfkrieg.
Ach Zion, rette dich, die du wohnst bei der Tochter Babel!
Vers 12: Denn so spricht der Herr der Herrscharen: Nach der Herrlichkeit hat er mich gesandt zu den Nationen, die euch ausgeplündert haben. Denn wer euch antastet, tastet meinen Augapfel an. Denn siehe, ich schwinge meine Hand über sie, und sie werden zum Raub werden ihren Knechten. Und ihr werdet erkennen, dass der Herr der Herrscharen mich gesandt hat.
Wer spricht in diesen Versen? Das ist ganz einfach: Der Herr der Herrscharen, also Yahweh Zebaoth. Aber Yahweh Zebaoth sagt: Nach der Herrlichkeit hat er mich gesandt zu den Nationen. Und am Schluss von Vers 13 sagt er: Und ihr werdet erkennen, dass der Herr, Yahweh Zebaoth, mich gesandt hat. Ja, das geht doch nicht. Der Herr der Herrscharen wird von dem Herrn der Herrscharen gesandt. Also ist ganz klar: Das sind zwei Personen. Ja, der Vater sendet seinen Sohn.
Das Johannesevangelium beginnt damit, dass Jesus Christus, das Wort, Gott ist und dass er am Anfang bei Gott war. Und das Johannesevangelium spricht mehr als vierzigmal davon, wie der Vater den Sohn in die Welt gesandt hat.
Hier haben wir einen schwierigen Ausdruck: „Nach der Herrlichkeit hat er mich gesandt zu den Nationen.“ Dieser Ausdruck bezeichnet das Erscheinen des Herrn Jesus in Herrlichkeit, wenn er wiederkommt. In Matthäus 16,27 und Matthäus 24,30 spricht der Herr Jesus über sein Kommen in Macht und grosser Herrlichkeit. Und so sagt der Herr Jesus hier: Nach der Herrlichkeit, das heisst nach meiner erscheinenden Macht und Herrlichkeit, danach hat der Herr der Herrscharen mich geschickt zu den Nationen, die sich an den Juden vergangen haben, sie ausgeplündert haben. Und dann werden sie Rechenschaft ablegen müssen.
Interessant: Die hätten ja gar nicht diese Gerichtsverfahren in jüngster Vergangenheit anstreben müssen, damit all die Versicherungen in der Schweiz und die Banken und und und das Geld rausgeben, was sie eingesackt haben aus der Nazizeit. Das kommt ja sowieso, das steht ja auf dem Programm. Das war wieder mal jüdische Ungeduld.
Ja, ich meine, auch die gottlosen Juden, die Linken, die sagen Schalom, ach Schaf, Friede jetzt. Das geht ja nicht. Die Bibel sagt ja: Jetzt gibt es keinen Frieden. Sie sprechen von Frieden, und da ist kein Friede, sagt Jeremia. Und sie sagen: Schalom, ach Schaf, wir wollen nicht warten, bis der Messias kommt. Es geht nicht so. Das ist eben Ungeduld, die nicht warten will, bis Gott es so einrichtet.
Gott hat also sowieso vorgesehen, diese Plünderungen werden zurückgezahlt werden. Und auch in Jesaja 60 liest man davon, wie der Reichtum der Nationen dann nach Jerusalem gebracht wird. Wow, da ist noch einiges aufgehoben. Das muss man nicht jetzt vergeuden. Das wird natürlich dann auch gebraucht für den neuen Tempel in Jerusalem und so weiter.
Also ganz ähnlich wie in Ägypten. Gott hat zugelassen, dass die Ägypter die Israeliten versklavt haben. Sie haben also keinen Lohn bezahlt, und das ist in der Bibel immer sehr schlimm. Gott will gerechte Löhne. Das wissen wir aus der Bibel, da brauchen wir keine Sozialisten zu sein. Jakobus 5: Der Lohn der Schnitter schreit zu dem Herrn Zebaoth, dem Herrn der Herrscharen, so wird er genannt in Jakobus 5.
Gott will, dass die Löhne ausbezahlt werden. Das haben die Ägypter nicht getan. Aber am Schluss sagt Gott: Beim Auszug sollen sie die Ägypter plündern. Das war nicht Raub, sondern das war einfach das Einfordern zum richtigen Zeitpunkt des Lohnes, der nicht ausbezahlt worden war. Und so hatten sie das Gold und Silber eben nicht verschleudert, sondern konnten es für Gottes Werk, die Stiftshütte danach, verwenden, wie der Sinai wüsste.
Gott hat sein Programm, und seine Gerechtigkeit wird am Schluss eben triumphieren. Und hier ist es so schön: Gott sagt zu seinem Volk, wer euch antastet, tastet meinen Augapfel an. Also der Augapfel ist ja etwas von dem an unserem Körper, das wir ganz besonders schützen. Und die Reflexe sind auch so eingerichtet, die Augenlider, dass das Auge unmittelbar und sofort geschützt wird gegen jeden äusseren schädigenden Einfluss.
Nun, Gott sagt zu seinem Volk: Wer euch antastet, der vergreift sich quasi an meinem Augapfel. Vielleicht steht in Ihrer Bibel: Wer euch antastet, der tastet seinen Augapfel an. Woher kommt dieser Unterschied? Ich habe das erklärt in Fussnote 19. Meinen Augapfel, so gemäss dem ursprünglichen masoretischen Text.
Die Soferim, das sind rabbinische Autoritäten der Textüberlieferung im Judentum in der Vergangenheit, haben hier den Lesetext, wie in der Synagoge vorgelesen wird, vorsätzlich in seinen Augapfel umgewandelt. Und zwar, weil sie damit verhindern wollten, dass Gott so menschlich beschrieben wird. Gottes Augapfel, dem sagt man einen Anthropomorphismus, Beschreibung Gottes mit menschlichen Begriffen. Das wollten sie beseitigen, das hatten sie nicht gerne.
Aber ganz wichtig: Die Soferim haben diese Änderung als solche bezeichnet. Niemals haben sie heimliche Änderungen durchgeführt. Und darum muss man eben die ganze masoretische Überlieferung zusammennehmen, und es gibt nur relativ wenige solche Stellen, die die Soferim verändert haben. Aber die haben das auch vermerkt. Da muss man natürlich die ursprüngliche nehmen, und das ist die, die ich da aufgeführt habe: Wer euch antastet, tastet meinen Augapfel an.
Auch das können wir natürlich erst recht für die Gemeinde übertragen, die nicht wie Israel Gottes irdisches Volk ist, sondern Gottes himmlisches Volk, das Gott vor Grundlegung der Welt auserwählt hat, Epheser 1, und das darum auch eine viel höhere Stellung hat als das irdische Israel. Und wenn das schon von irdischem Israel heisst: tastet meinen Augapfel an, wie viel mehr dürfen wir es für uns nehmen. Das zeigt uns den Wert, den wir haben in den Augen Gottes.
Und wie anders ist das doch, als die Menschen in unserer Gesellschaft in der Schule lernen. In der Schule wird ihnen ständig beigebracht, dass die Schüler eigentlich alle das Produkt des Zufalls sind. Das heisst, sie waren nie geplant, sie waren nie gewollt. Vielleicht können einige sagen: Meine Eltern, die wollten mich. Aber letztendlich sind sie ungewollt, denn es hat einfach mal geknallt, glauben die, vor 13,7 Milliarden Jahren ungefähr. Das kommt ja nicht auf einige Monate früher oder später an. Also ungeplant und ungewollt.
Und dann staunt man, dass so viele jugendliche Menschen einen echten Mangel an Selbstwertgefühl haben. Das ist ein Problem, das hatte man im neunzehnten Jahrhundert nicht so verbreitet in der Gesellschaft. Das ist ganz typisch für die Zeit heute. Und darum dann immer wieder: Ja, du bist wertvoll. Das braucht man gar nicht ständig so gebetsmühlenhaft zu wiederholen. Wir müssen einfach sehen, wie Gott uns sieht. Wir sind von ihm gewollt, geplant, auserwählt, vor Grundlegung der Welt, darf jeder Erlöste wissen, nach Epheser 1. Und wer euch antastet, tastet meinen Augapfel an.
Wenn man sich das wirklich verinnerlicht, dann kann man nicht mehr zu Recht über Mangel an Selbstwertgefühl leiden. Und dann kommt noch dazu: So viele jugendliche Menschen haben echt ein Problem mit Sinnerfüllung. Es ist ja logisch, wenn die Lehrer dauernd sagen, sie sagen nicht so ausdrücklich, aber die Schüler checken es eben schon: ungewollt und ungeplant. Das ist ja logisch.
Und dann gibt es tatsächlich noch Leute, die einen Vorstoss in der EU machen und die wollen sich dafür einsetzen, dass die Lehre der Schöpfung in Europa verboten werden soll als wissenschaftliche Alternative zur Evolutionslehre, denn das sei gesellschaftsgefährdend. Ja, unglaublich, wie man die Dinge verdrehen kann.
Hitler hat sich ganz klar auf die Evolutionslehre abgestützt und hat sechseinhalb Millionen Juden umgebracht und den Zweiten Weltkrieg ausgelöst. Stalin hat Dutzende von Millionen Menschen umgebracht. Warum? Er hat zuerst ein Priesterseminar besucht, und als er das Buch gelesen hatte über die Entstehung der Arten von Charles Darwin, hat er die Priesterausbildung an den Nagel gehängt. Das war ja nicht das Schlechteste, aber er ist dann Stalin geworden. Das ist der Punkt. Er hat Gott und seinem Wort den Rücken zugedreht und ist zu dem geworden, was der Atheismus bewirken kann.
Da kommen Leute, die im Ernst erzählen, wir seien gesellschaftsgefährdend, wenn wir an eine Bibel glauben, die sagt, dass wir unsere Feinde lieben sollen und beten sollen für die, die uns verfolgen. Ja, aber eben, das sind so die Auswirkungen dieser falschen Lehre. Und wenn wir das eben annehmen, wie Gott uns sieht: Wer euch antastet, tastet meinen Augapfel an, dann weiss man sich geliebt, auch wenn man Menschen um sich hat, die einen nicht lieben.
Ja, es ist Zeit für Kuchen. Und da fahren wir dann nachher bei Vers 13 weiter.
Ja, wir fahren weiter. Wir sind stehen geblieben in Sacharja 2, Vers 12, und haben da gesehen: Es spricht der Herr der Herrscharen, Vers 12: Denn so spricht der Herr der Herrscharen, Doppelpunkt. Und dieser selbe Herr der Herrscharen sagt in Vers 13: Und ihr werdet erkennen, dass der Herr der Herrscharen mich gesandt hat.
Für Herr steht im Hebräischen Yahweh, der Ewigseiende, der Unwandelbare. Also hier wird klar, dass es in der Gottheit mehr als eine Person gibt. Der Herr sendet den Herrn, hier der Vater den Sohn.
Vers 14: Jubel und freue dich, Tochter Zion, denn siehe, ich komme, und ich werde wohnen in deiner Mitte, Spruch des Herrn. Und viele Nationen werden sich dem Herrn anschliessen an jenem Tag und werden mir zum Volk sein. Und ich werde wohnen in deiner Mitte, und du wirst erkennen, dass der Herr der Herrscharen mich zu dir gesandt hat.
Hier genau dasselbe. Es ist klar, wer spricht hier, dass er kommen wird, um in der Mitte von Zion, von Jerusalem, zu wohnen? Das ist der Herr, Spruch des Herrn, Yahwehs auf Hebräisch. Aber dieser Herr sagt in Vers 15 am Schluss: Und du wirst erkennen, dass der Herr der Herrscharen mich zu dir gesandt hat.
Wir werden das in Sacharja noch mehr finden, auch in Kapitel 12. Da spricht ganz klar der Herr, Yahweh, Vers 1, und dann spricht er und sagt plötzlich in Vers 10, Sacharja 12,10: Und sie werden auf mich blicken, den sie durchbohrt haben. Kann man Gott durchbohren? Ja, weil er Mensch geworden ist, konnte man ihn durchbohren. Aber der Vers geht gleich weiter: Und sie werden über ihn wehklagen. Ja, es ist plötzlich nicht mehr ich, sondern ihn.
Wer spricht jetzt? Ja, Kapitel 12, Vers 1 macht klar: Im ganzen Kapitel spricht der Herr, das Kapitel wird so überschrieben: Ausspruch des Herrn, Ausspruch Yahwehs. Aber im gleichen Satz wechseln die Personen. Sie werden auf mich blicken, den sie durchbohrt haben, und sie werden über ihn wehklagen, wie man klagt über den Eingeborenen. Plötzlich wechselt der Redner. Es ist nicht zuerst der Sohn, und dann spricht plötzlich der Vater. Also wir haben die Lehre des dreieinigen Gottes bereits im Alten Testament. Das ist nicht erst neutestamentlich offenbart.
Vers 16: Und der Herr wird Juda besitzen als sein Erbteil in dem Heiligen Land, und er wird noch erwähnen Jerusalem: Psst, alles Fleisch vor dem Herrn! Denn er macht sich auf aus dem Wohnort seiner Heiligkeit.
Hier sehen wir das einzige Mal in der Bibel, wo das Land Israel genannt wird: das Heilige Land. Der Ausdruck kommt in der Bibel vor, aber nur einmal. Also hier haben wir ganz klar das tausendjährige Reich, in dem Jesus in Macht und Herrlichkeit aus dem Tempel im Himmel hervorkommen wird, um das letzte Wort über diese Welt zu sprechen. Und dann müssen alle Menschen schweigen: Psst, alles Fleisch vor dem Herrn!
Er hat das letzte Wort, genauso wie Hiob sagte, als er plötzlich aus tiefster Depression hervorkommt und verkündet in Hiob 19,25: Und ich weiss, dass mein Erlöser lebt, das, was Händel so schön vertont hat. Und als der Letzte wird er auf der Erde stehen, das heisst, er wird das letzte Wort über die Welt sprechen.

Das vierte Nachtgesicht: Reinigung und Fürsprache

Jetzt kommen wir zum vierten Nachtgesicht, überschrieben mit „Der hohe Priester gereinigt“ 3,1-10.
Und er ließ mich Jehoshua, den hohen Priester, sehen, stehend vor dem Engel des Herrn. Hier finden wir jetzt die Langform des Hohen Priesters. Jehoshua ist die lange Form von Jeshua, und Jeshua ergab dann in der griechischen Aussprache die Form Jesus. Also: Er ließ mich Jehoshua, den Hohen Priester, sehen, stehend vor dem Engel des Herrn.
Jetzt müssen wir wieder schauen, die verschiedenen Personen im Traum. Und Satan stand zu seinen Rechten, um ihn anzuklagen. Und der Herr sprach zu dem Satan: Der Herr soll dich schelten, Satan, ja, der Herr soll dich schelten, der Erwähler Jerusalems! Ist dieser nicht etwa ein Brandscheit, herausgerettet aus dem Feuer? Und Jehoshua war mit schmutzigen Kleidern bekleidet.
Zacharja sieht den Hohen Priester. Er sieht den Boten, den Boten des Herrn, das ist also wieder der Herr Jesus, der Sohn Gottes. Dann sieht er den Satan auf der rechten Seite von Jehoshua, und er will ihn anklagen vor Gott. Satan, das habe ich erklärt in der Fußnote 24, bedeutet auf Deutsch, ein hebräisches Wort: Ankläger, Widersacher, Anfeinder. Also der hebräische Ausdruck für den, der vor Gericht jemanden feindlich anklagt, ist das Wort „Satan“. Und das Verb „widerstehen, anklagen“, das heißt auf Hebräisch „Satan“. Also „Satan“ ist der Ankläger, und „Satan“ heißt anklagen.
Ja, es ist eigentlich das Gleiche wie das Wort „Diabolos“. Im Griechischen heißt das auch „Verleumder“, also jemand, der anklagt und auch eben verleumderisch jemanden anklagt. In Offenbarung 12 lesen wir davon, wie der Satan Zugang hat in den Himmel und dass er die Brüder verklagt vor Gott Tag und Nacht. Und hier sehen wir, wie er Jehoshua verklagen will vor Gott.
Jehoshua, der hohe Priester, repräsentiert das ganze Volk. Denn am Jom Kippur geht er ja als einziger Israelit in die Gegenwart Gottes hinein, eben als Vertreter für das ganze Volk. Aber sehen wir hier: Jehoshua ist im Traum bekleidet mit Schmutzkleidung. Das zeigt den Zustand des Volkes der Juden damals. Natürlich haben wir gesehen, sie sind umgekehrt, aber es war so vieles nicht richtig. Und so sieht also Sacharja das Volk Israel, verkörpert im Hohen Priester, als ein schmutziges Volk vor Gott, und der Satan ist bemüht, es anzuklagen. Genau so wie er bemüht ist, Tag und Nacht die Kinder Gottes auf der ganzen Welt bei Gott zu verklagen. Und er hat Gründe dafür, ja.
Aber wir sehen: Der Engel des Herrn, Vers 1, er wird in Vers 2 einfach genannt, der Herr, Yahweh, er verteidigt den Hohen Priester und sagt zum Satan: Der Herr soll dich schelten, Satan. Merken wir: Es sind einfach zwei Personen. Der Herr sagt, dass der Herr ihn schelten soll. Das ist also der Herr Jesus als der Sachwalter, als Advokat, wie er genannt wird in 1. Johannes 2,1: Kinder, ich habe euch dies geschrieben, auf dass ihr nicht sündigt. Wenn jemand gesündigt hat, dann kommt ja der Ankläger. Wir haben einen Sachwalter bei dem Vater. Das griechische Wort meint einen Advokaten: Jesus Christus, den Gerechten, und er ist die Sühnung für unsere Sünden.
Der Herr Jesus setzt sich als Advokat für uns ein und kann sagen: Ja, aber ich bin für diesen gläubigen Menschen gestorben. Und darum ist diese Anklage hinfällig. Deshalb steht es auch in Offenbarung 12 von dem Ankläger, danach: Und sie haben ihn überwunden um des Blutes des Lammes willen. Also weil wir uns darauf abstützen können, der Herr Jesus hat die Schuld in unserem Leben gut gemacht, darum ist eigentlich alle Anklage Satans hinfällig.
Und der Herr Jesus setzt sich so ein für uns als Advokat, aber er setzt sich natürlich auch ein, dass wir zurechtkommen und Sünde erkennen, bekennen. Und jetzt schauen wir, wie es da weitergeht.
Und der Herr sprach zum Satan, Vers 2: Der Herr soll dich schelten, Satan, ja, der Herr soll dich schelten, der Erwähler Jerusalems! Gott wird genannt, der Erwähler. Und das können wir auch direkt übertragen: Jedes Kind Gottes weiß, darf wissen aus Epheser 1, ich bin ein Auserwählter vor Grundlegung der Welt. Und darum kann Gott mich nicht mehr verwerfen. Der Herr soll nicht schelten, der Erwähler Jerusalems. Ist dieser nicht etwa ein Brandscheit, herausgerettet aus dem Feuer?
Er vergleicht ihn also mit einem Stück Holz, das im Feuer schon begonnen hat, angesengt zu werden, das aber noch im letzten Moment herausgerettet wurde. Reine Gnade ist die Rettung. Niemand kann irgendwie stolz sein, als hätte er sein Heil bewirkt. Brandscheit aus dem Feuer sind wir alle, so wie Joshua hier.
Vers 3: Und Joshua war mit schmutzigen Kleidern bekleidet. Da hob er an, das ist wieder der Engel des Herrn, der Herr selbst, und sprach zu denen, die vor ihm standen. Merken wir: Es sind doch wieder Personen im Traum. Indem er sagte: Schafft die schmutzigen Kleider von ihm weg! Und er sprach zu ihm: Siehe, ich habe deine Schuld vergeben und kleide dich in Feierkleider.
Dieser Bote des Herrn kann Sünden vergeben. Die Pharisäer haben richtig bemerkt in Markus 2,1 und folgende: Wer kann Sünden vergeben als nur Gott? Dem, der Herr Jesus gesagt hat zu einem Menschen, der gelähmt war: „Deine Sünden sind vergeben“, war absolut richtig. Aber ihre Schlussfolgerung war falsch: Er lästert. Denn sie hätten sich fragen müssen: Und falls dieser Mensch Gott ist, dann darf er es so sagen.

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