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Israel in der Konfrontation mit den Religionen der Babylonier und der Assyrer, Teil 2/2

Daniel02.09.2006
SerieTeil 2 / 2Israel in der Konfrontation mit den Religionen der Babylonier und der Assyrer
Wer lenkt Geschichte wirklich? Daniel zeigt: Nicht die Mächtigen, nicht die Götzen – sondern Gott selbst. Und Treue im Kleinen kann mitten im Druck den Unterschied machen.

Babylonische Götter und die Deutung der Geschichte

und die Juden aufrief, zum wahren Gott, zum Gott Israels, umzukehren von ihrem praktizierten Götzendienst. Wir sehen aus Jeremia 7,18 und dann auch in Kapitel 44, dass viele Juden damals der Königin des Himmels geopfert haben. Das war nichts anderes als die Göttin Ischtar von Babylon.
Wenn wir jetzt kurz aufschlagen bei der Götterliste, das ist Punkt vier, da findet man Ischtar auf Seite vier ziemlich oben: Ischtar, gleich sumerisch Inanna. Das ist die Vergottung des Planeten Venus, Abend- und Morgenstern, und entspricht der Astarte der Westsemiten. Das war die Göttin der Liebe und der Fruchtbarkeit. Die ihr geweihte Stadt war Uruk, das Erech, das wir aus 1. Mose 10 kennen, bekannt als die Stadt der Kurtisanen, der Dirnen und der Prostituierten. Es war die Göttin des Krieges, und sie wurde eben genannt die Königin des Himmels.
Dieser babylonischen Göttin haben sie geopfert. Ja, dann hätten sie ja erwarten können, dass sie vor dem Untergang durch die Babylonier bewahrt werden. Aber sie konnte nicht helfen. Dieser Götzendienst nützte nichts. Und so war das ein ganz wichtiger Beweis, dass es nicht die Kraft der Götter Babylons war, die etwa über den Herrn gesiegt haben. Denn selbst diejenigen, die die babylonischen Götter verehrten damals, haben ja keine Hilfe erlebt.
Interessant ist eben diese Verehrung einer Himmelskönigin, denn später im Marienkult, der sich in die Christenheit eingeschlichen hat, da haben wir eine Fortsetzung dieses Ischtar-Kultes unter einem neuen Namen. So wird Maria genannt, lateinisch Regina Coelis, die Königin des Himmels. Das ist nichts anderes als der babylonische Astarte-Kult, der weitergeführt wurde. Und das erklärt zum Beispiel auch eben die Bezeichnung in Offenbarung 17,18 für die Kirche mit Sitz in Rom: Babylon, die Große.

Der Gott Israels als Herr der Weltgeschichte

Der nächste Punkt auf dem Blatt: Wir haben bereits davon gesprochen, dass Nebukadnezzar gemäß Daniel 1,2 Tempelgeräte aus dem Tempel des Herrn geraubt und sie in den Stufenturm, den Tempel Marduks, nach Babylon gebracht hat. In Daniel 1,2 steht einfach: „In den Tempel, in das Haus seines Gottes.“
Warum sage ich Marduk? Nun, weil wir aus den Inschriften, aus den originalen Inschriften Nebukadnezzars, wissen, dass er ganz besonders Marduk verehrte. Die damaligen Leser des Buches Daniel verstanden natürlich sofort: Sein Gott, das war eben Marduk, der Stadtgott von Babylon, der Nationalgott von Babylonien.
Aber nun ist es wichtig, wenn wir genau in Daniel 1,2 lesen: Nebukadnezzar belagert Jerusalem. Und dann heißt es: „Und der Herr“ – hebräisch Adonai – „gab Jojakim, den König von Juda, in seine Hand und einen Teil der Geräte des Hauses Gottes.“
Adonai, das ist der Gott Israels, der Herr, der die Autorität hat. Und hier wird deutlich: Nicht die Götter Babylons haben die Eroberung Jerusalems möglich gemacht, sondern der Gott Israels selbst. Er gibt das in die Macht Nebukadnezzars.
So wird hier am Anfang des Buches Daniel Gott, der Gott Israels, vorgestellt als der Herr der Geschichte. Das ist besonders wichtig, denn gerade das Buch Daniel zeichnet sich speziell durch Prophetie über die Weltgeschichte aus. Ich habe mal nachgezählt: Über zweihundert erfüllte Prophezeiungen über die Weltgeschichte findet man in diesem Buch, die nachweislich erfüllt sind. Denn das Buch Daniel geht noch weiter in die Zukunft und enthüllt uns die Weltgeschichte bis zur Wiederkunft Christi.
Also: Der Gott Israels ist der Herr, der Herr der Geschichte, der alles in seiner Hand hat und eben auch sein Volk züchtigt für seinen Ungehorsam.

Junge Gefangene zwischen Anpassung und Treue

Nun, unter den Weggeführten dieser ersten Wegführung in Daniel 1 waren die Teenager Daniel und seine drei Freunde. Weil sie aus königlichem Geschlecht waren, also Nachkommen von König David, wurden sie gezwungen, drei Jahre an der Universität von Babylon zu studieren, um danach in den Staatsdienst gestellt zu werden. Sie mussten die Schriften lernen, Daniel 1,4, sowie die Sprache der Chaldäer, das ist die Sprache der Babylonier, und sie sollten am Tisch des Königs essen.
Nun, warum sage ich Teenager? Wir lesen in Daniel 1,21: Und Daniel blieb bis zum ersten Jahr des Königs Kores. Und in Daniel 10 geht es sogar noch bis ins dritte Jahr von Kores. Da sind wir also ungefähr siebzig Jahre später, und Daniel lebt immer noch. Wenn man für ihn also ein Alter von, sagen wir, zwölf, dreizehn oder vierzehn Jahren ansetzt, dann war Daniel in Daniel 10 eben etwa vierundachtzig Jahre alt und war immer noch am Leben. Es ist also vernünftig zu denken, dass diese jungen Leute, die auch eine Ausbildung bekommen sollten, eben jung waren. Und sie sollten nun richtige Babylonier werden.
In Kapitel 1, Vers 6, lesen wir: Und es waren unter ihnen von den Kindern Judas Daniel, Hananja, Mischael und Asarja. Und der Oberste der Kämmerer gab ihnen Namen. Er nannte Daniel Belsazar, Hananja Sadrach, Mischael Mesach und Asarja Abednego.
Ihre Namen sprachen vom wahren Gott. Daniel bedeutet: Gott ist mein Richter oder mein Advokat, der mir Recht verschafft. Er bekam den Namen Belsazar. Nun, hier habe ich erklärt: Auf dem Skript versucht die Entwurzelung Daniels und seiner Freunde durch die Namensänderung. Daniel, Gott ist mein Richter, Gott verschafft mir Recht, wird ausgewechselt mit Belsazar. Das ist akkadisch Balatsu-uzur, was so viel bedeutet wie: Marduk, schütze sein Leben. Marduk kommt zwar nicht vor im Namen, aber in Daniel 4,7 sagt Nebukadnezar zu Daniel: Ich habe dir diesen Namen gegeben, entsprechend dem Namen meines Gottes. Also ist gemeint: Marduk, schütze sein Leben.
Hananja, der Herr ist gnädig, bekommt den Namen Sadrach. Das entspricht Shuduraku, ich bin sehr in Furcht versetzt vor einem babylonischen Gott; davon habe ich ja schon gesprochen. Mischael bedeutet: Wer ist wie Gott? Er bekommt den Namen Mesach: Wer ist wie Aku? Das ist der Mondgott, der auch Sin genannt wurde. Asarja, der Herr hilft, bekommt den Namen Abed-Nego. Das heißt Knecht oder Sklave von Nebo; Nego entspricht Nebo.
Also, mit diesen götzendienerischen Namen soll ihre Identität vernichtet werden. Sie sollen sich als Babylonier fühlen, die diese babylonischen Götter verehren.

Treue im Alltag und die Frage nach Gemeinschaft mit Götzen

Und nun sollten diese vier am Tisch des Königs Nebukadnezzar essen. Daniel aber nahm sich in seinem Herzen vor, sich nicht mit der Tafelkost des Königs und mit dem Wein, den er trank, zu verunreinigen. Deshalb trat er an einen hohen Beamten heran und bat darum, nur Gemüse essen zu dürfen.
Nun, warum wollte er kein Fleisch? Schlagen wir auf, Seite fünf, unter sechstem Tempelkult, in der unteren Hälfte, dort, wo die fettgedruckten Wörter vorkommen. Da heißt es: Die Götter in Babylon bekamen zwei Mahlzeiten mit zwei Gängen, am Morgen und am Abend. Die Mahlzeit bestand aus Fleisch, Geflügel, Fisch, Früchten, Öl, Milch, Wein, Honig etc. Während des Essens wurde ein Vorhang gezogen. Niemand durfte sehen, wie die Götter dieses Essen quasi geistlich genossen.
Es gibt Belege für Folgendes: Die Gerichte der Götter wurden danach auf den Tisch des Königs gesandt.
Nun, Daniel war kein Vegetarier. Er wollte Gemüse essen, weil er sich nicht mit den Götzenopfern verunreinigen wollte. Nun müssen wir wissen: Der König, da steht auch unter Punkt sechs, war der oberste Priester von Babylon und wurde als Göttersohn gesehen, als Sohn eines Gottes. Er aß also das Fleisch, das diese Götzen eben nicht essen konnten, weil sie einen Mund haben, nach Psalm 115, aber sie können nicht reden. Und geschweige denn essen. Sie haben Ohren, sie können nicht hören. Sie haben Augen, sie können nicht sehen. Sie haben Füße, sie können nicht gehen.
Ich habe das wieder letzte Woche gesehen. Da wurde, weil das große zehntägige Fest von Lord Ganesch, das ist der Gott mit dem Elefantenkopf und dem dicken Menschenwanst und Beinen, gefeiert wurde, dieser Elefantengott mit Autos überall in die Dörfer gebracht und aufgestellt. Aber der Herr Beinam konnte nicht gehen, der musste Auto fahren.
Ja, und so können diese Götter eben nicht essen. Aber ihnen wurde dieses Essen so vorgesetzt. Dann wurde dieses Essen aber auf den Tisch des Königs gebracht. Als oberster Priester sollte er das Fleisch dann wirklich essen, und so hatte er Gemeinschaft mit den Göttern. Es war ein Gemeinschaftsmahl, und da sollte Daniel auch dabei sein.

Mut, Gnade und ein sichtbarer Unterschied

Nun, er hatte Eltern, die ihm bereits durch die Namensgebung den Glauben an den wahren Gott mitgegeben hatten: Daniel, der Herr. Also: Gott ist mein Richter, der mir Recht verschafft. Auch bei Asarja und den drei Freunden war das so. Ihre Namen wiesen auf den wahren Gott hin.
Aber jetzt waren Mama und Papa nicht in Babylon. Das war der Moment der großen Freiheit. Jetzt konnten sie tun und lassen, was sie wollten. Und welche Ehre: tagtäglich am Tisch des größten Weltherrschers von damals zu essen. Was wäre das für Zwölf- bis Vierzehnjährige, wenn sie tagtäglich bei Mr. Bush eingeladen wären? Und Daniel hatte den Mut, als Vierzehnjähriger einem Minister zu sagen: Ich möchte das nicht essen. Unhöfliche Frechheit, oder? Er wollte lieber Gemüse. Aber dann heißt es: Und Gott gab Daniel Gnade und Barmherzigkeit vor dem Obersten. Daniel musste zuerst die Entscheidung fassen: Ich will mich mit Götzenopfern nicht verunreinigen. Und das ist auch ein neutestamentliches Gebot, Apostelgeschichte 15. Auf der Besprechung der Apostel in Jerusalem wurde ganz klar festgehalten, dass alle Gläubigen sich enthalten sollen von Götzenopfern. Auch Paulus behandelt das Thema in 1. Korinther 8 und 1. Korinther 10.
Also, dieser Mut ist gewaltig. Aber Gott hilft Daniel erst, als er den Entschluss gefasst hatte. Er hätte sich ja sagen können: Falls Gott wirklich nicht will, dass ich dieses Fleisch esse, kann er ja irgendwie machen, dass ich jeden Tag darum herumkomme. Nein, nicht so. Er hätte es gekriegt. Aber weil er den Entschluss gefasst hatte: Ich will damit nichts zu tun haben, dann hat Gott geholfen. Das ist sehr wichtig. Wir können nicht einfach so denken: Ja, der Herr wird schon irgendwie ... Nein, es gibt eben auch die Situation, in der wir dann sagen müssen: Nein, das geht nicht. Das können wir nicht mit unserem Glauben vereinbaren.
Natürlich hätte der Beamte denken können: Ist er engstirnig, und das schon mit vierzehn? Was wird denn dann mal mit siebzig? Und das Schöne ist: Das Beispiel von Daniel hat seine drei Freunde auch motiviert, den gleichen Weg zu gehen. Hätte er gekniffen, was wäre dann mit den anderen gewesen? Aber das Beispiel ihres Freundes hat ihnen Mut gemacht.

Weisheit gegen die Götter Babylons

So haben sie einen wissenschaftlichen Test durchgeführt. Daniel hat gesagt: Versuche es doch einmal zehn Tage mit Gemüse. Weil ihr Beamte die Angst hatten, wenn sie nur Gemüse essen, hätten sie ja viel weniger Kalorien, dann würden sie immer mehr eingefallen im Gesicht. Für die Babylonier war es wichtig, dass diese Studenten sehr schön waren.
Dann sagte er: Machen wir doch einen wissenschaftlichen Test, zehn Tage mit Gemüse. Und das hat ihm eingeleuchtet, sie haben das gemacht. Ergebnis: Nach zehn Tagen sahen Daniel und seine Freunde besser aus als die Fleischesser. Dann hat er gesagt: Gut, jetzt könnt ihr so weiterfahren.
Aber sehen wir: Er hat Gemüse gegessen, weil das nicht auf dem Speisezettel der Götter Babylons war. Er hat nicht gesagt: Gib uns Früchte, denn die Früchte waren auch auf dem Speisezettel. Das war also die ganz klare Überlegung: Damit will ich nichts zu tun haben, keine Gemeinschaft mit den Göttern Babylons.
Und nun, nach drei Jahren, gibt es eine Prüfung. Und am Schluss von Daniel 1 sehen wir: Die vier Freunde sind allen Intellektuellen, allen Angehörigen der vielen Priesterkasten überlegen. Es gab etwa dreißig verschiedene Spezialistenkasten, das habe ich alles aufgeführt und darauf hingewiesen unter sechstens Tempel und Kult. Sie waren überlegen und weiser, auch in der Schrift. Sie konnten also besser Aramäisch lesen als alle Gelehrten damals. Nach drei Jahren Unterricht.
Ja, aber wie hieß ihr König? Nebukadnezar. Unter viertens Bemerkung zu den Göttern, Seite drei, haben wir als zweiten Gott Nabu. Nabu heißt so viel wie Sprecher, das heißt der sich offenbarende Gott. Nabu war der Sohn Marduks, Gott der Stadt Borsippa in der Nähe von Babylon. Er wurde mit dem Planeten Merkur assoziiert.
Nun, der Name Nebukadnezar oder Nebukadrezar, es gibt beide Formen, kommt zusammen 91 Mal vor in der Bibel. Was bedeutet dieser Name? Nun, das ist akkadisch: Nabu kuduri usur, Nabu oder Nebo, schütze die Krone. Also so oft wird dieser Gott Nebo in der Bibel erwähnt, allein mit dem Namen Nebukadnezar. Dann gibt es in der Bibel noch einen Feldherrn von Nebukadnezar, Nebusaradan, Nabu-ser-itin, „Nabu hat Samen gegeben“, kommt vor in 2. Könige 25. Oder ein oberster der Eunuchen von Nebukadnezar heißt Nebuschaspan, das ist Nabu-schizib-anni, „Nabu, errette mich“, Jeremia 39,13.
Nun, interessant: Dieser Gott wurde auch gesehen als Gott der Weisheit, der Schreibkunst, als der Erfinder der Schrift. Nun, alle diese Priester hatten Gemeinschaft mit diesem Gott Nebo, dem Erfinder der Schrift, dem Gott der Weisheit. Aber Daniel und seine Freunde, die nachweislich keine Gemeinschaft mit Nebo hatten, waren zehnmal weiser in der Schrift und in Weisheit als all diese Priester. Und damit wurde bewiesen, wer der wahre Gott ist.
Trotz der Katastrophe von Jerusalem, der Stadt, die zerstört wurde durch Nebukadnezar, war das das Gericht Gottes über sein Volk wegen seines Ungehorsams. Aber für diese treuen jungen Leute hat der Herr so Hilfe geschenkt, und das war ganz entscheidend, um den Gott, der im Namen von Nebukadnezar vorkam, zutiefst zu demütigen. Und Nebukadnezar selber nimmt die Prüfung ab und stellt fest: Die sind zehnmal intelligenter und weiser.

Traum, Statue und das Bekenntnis des Königs

Ja, gehen wir weiter zum nächsten Punkt unter Achtens. Da habe ich bereits darauf hingewiesen: Diese drei Freunde und Daniel übertrafen alle an Weisheit. Wo war Nabu, der Gott der Weisheit, der Schrift und der Offenbarung? Und man bedenke: Einer der Freunde hieß Abednego, Knecht von Nebo, aber mit dem Gott hat das nichts zu tun. Wo war Marduk, der Gott der Weisheit und Unergründlichkeit? Denn diese waren ja weiser als die, die sich auf Marduk beriefen. Wo war der weise und unergründliche Mondgott Sin?
Jetzt kann man wieder nachschauen unter viertens, wo ich Sin beschreibe und was ihm alles zugeschrieben wurde. Sin wurde zum Beispiel als abnehmender Mond dargestellt, als alter Mann mit Bart. Das war der weise, unergründliche Gott, dessen Pläne kein Gott kennt. Ja, aber das hat nichts mit dem Mondgott Sin zu tun, und trotzdem haben Daniel und seine Freunde alle übertroffen. Also ist Daniel 1 eine ganz pointierte Darstellung und Widerlegung der Götter Babylons.
Gehen wir nun weiter zu Daniel 2, immer noch unter Achtens. Letzter Punkt, auf Seite sechs: Nebukadnezar hatte einen beunruhigenden Traum. Die Babylonier glaubten, das steht unter Abschnitt sechs, Tempel und Kult, dass sich die Götter durch Träume offenbarten. Träume waren also sehr wichtig in Babylon. Aber nun hat Nebukadnezar einen Traum, und er merkt: Dieser Traum muss eine ganz besondere Bedeutung haben.
Da hat er alle Weisen von Babel aus den verschiedenen Priesterklassen zusammengerufen. Das wird ja in Daniel 2,2 angedeutet: Der König befahl, dass man die Schriftgelehrten, die Beschwörer, die Zauberer und die Kaldäer rufen sollte, um dem König seine Träume kundzutun. Er merkte: Das ist eine göttliche Offenbarung. Da haben die Weisen, die Priester, gesagt: Erzähl uns den Traum, und wir werden den Traum deuten.
Aber der war so intelligent, so schlau, er hat gesagt: Ja, wenn die wissen, wie man den Traum deuten muss, dann können sie mir auch sagen, was ich geträumt habe. Jeder Junganhänger, jeder tiefenpsychologisch Denkende würde sagen: Wenn man schon deuten kann, dann soll man doch auch sagen, was man geträumt hat, ohne dass man es selbst sagen muss.
Ja, und niemand konnte den Traum sagen. Dann hat Nebukadnezar gesagt, dann werde ich euch alle umbringen. Und das Umlegen der Priester hat bereits begonnen. Daniel war offensichtlich damals nicht zum Hof gerufen worden, als er auch ermordet werden sollte. Da sagt er: Was ist da eigentlich los? Aha, Traum deuten! Man soll uns nur ein bisschen Zeit geben, und dann werden wir den Traum sagen.
Daniel und seine drei Freunde machen eine Gebetsgemeinschaft. Übrigens lernt man hier, was richtige Freunde sind. Freunde sind solche, mit denen man zusammen beten kann. Wenn man Freunde hat, mit denen man nicht beten kann, dann sind das keine Freunde, das sind Kollegen. Die haben gebetet, und dann hat Gott Daniel in einem Traum geoffenbart, was Nebukadnezar geträumt hat und was der Traum bedeutet.
Nun sagt Daniel das vor dem König aus, und Nebukadnezar muss schließlich den Herrn als den höchsten Gott anerkennen. Ich lese aus Daniel 2,47: Der König antwortete Daniel und sprach: In Wahrheit, euer Gott ist der Gott der Götter und der Herr der Könige und ein Offenbarer der Geheimnisse, da du vermocht hast, dieses Geheimnis zu offenbaren.
Nun, das war gewaltig. Ich schreibe auf dem Blatt hier: Obwohl Nebukadnezar ein Göttersohn sein sollte, konnte er selber den eigenen Traum nicht deuten. Wo war Nabu, der Offenbarer der verborgenen Dinge? Wo war Bel, der über die Ordnung der Welt wacht und die Schicksalstafeln besitzt? Daniel erklärt, dieser Traum hat eine Bedeutung bis in die Endzeit und zeigt, was der Gott des Himmels mit dieser Welt tun will. Er hat die ganzen Weltreiche bis zur Wiederkunft Christi in diesem Traum beschrieben.
Wo war Sin oder Akku, der das Schicksal für weit entfernte Tage festlegt? In dem Kapitel kommt übrigens Arjoch vor, und das ist ein Name, der eben mit Akku, dem Mondgott, zusammenhängt. Wo war Marduk, der Gott Babylons, der verhindern sollte, dass nach Babel ein anderes Reich käme? Denn Daniel deutet in der Statue den goldenen Kopf als das Reich von Nebukadnezar. Dann kommen die Brüste und die Arme aus Silber, und da sagt er: Nach dir wird ein anderes Reich aufstehen. Das war demütigend, ja? Babylon bleibt nicht ewig. Ein anderes Reich wird kommen, aber Marduk konnte nicht verhindern, dass Babylon untergeht. Und so musste Nebukadnezar den wahren Gott anerkennen.

Das Standbild und der Gott im Feuer

Gehen wir weiter zu Daniel 3. Die drei Freunde Daniels werden gezwungen, Götzen anzubeten. Nebukadnezar macht ein Standbild, entsprechend seinem früheren Traum, aber ganz aus Gold, nicht nur der Kopf aus Gold. Das stellte eben ihn selbst dar, als Göttersohn.
Alle Minister des ganzen Reiches sollten sich beugen vor dieser Statue. Alle haben es gemacht, das war kein Problem für sie. Und als alle sich beugten, konnte man drei Männer sehen, die sich nicht beugten. So stur, ja?
Dabei war es ja erlaubt. Man durfte irgendwelche Götter sonst anbeten, nur sollte man eben auch diesen. Das war genau das Problem auch der frühen Christen im römischen Reich. Die durften Jesus Christus als Gott verehren, aber sie sollten einfach auch dem Kaiser räuchern. Denn dieser gemeinsame Kult sollte das Reich zusammenhalten. Und wenn es da Leute gab, die sagten: Wir machen das nicht, das waren Leute, die eigentlich Rebellen waren, die die Einheit des Reiches eigentlich zerstörten. Und deshalb wurden die Christen verfolgt und in Massen den Löwen vorgeworfen, gekreuzigt und den Gladiatoren vorgestellt.
Aber die hätten sich sagen können: Ja gut, ich mache das ja innerlich nicht. Ich räuchere einfach, aber das ist nur eine Handlung, die hat für mich keine Bedeutung. Aber es war für die Christen klar: Das war Abfall. Und das hatte auch Exkommunikation zur Folge, also man wurde ausgeschlossen aus den Gemeinden. Auch wenn man es nur äußerlich machen wollte, das war ein klarer Verstoß.
Heute würden viele Christen sagen: Kein Problem, es ist ja nur ein bisschen Räucherstäbchen verbrennen, und man muss ja nicht viel dabei denken, oder? Aber wegen dem ein solches Theater ablassen, ja, das war für die frühen Christen ganz selbstverständlich. Und es war auch klar für Daniels Freunde: Das tun wir nicht. Aber es war ganz klar gesagt: Wer das nicht tut, wird in den Feuerofen geworfen.
Und schließlich kommen die drei Freunde in den Feuerofen. Dann schaut Nebukadnezar in den Ofen hinein und sieht plötzlich vier. Wer ist der Vierte? Der sieht aus wie einer der Söhne der Götter. Ja, er bezeichnet sich ja als Göttersohn, und jetzt sieht er einen anderen, der sieht aus wie einer der Söhne der Götter.
Das war Gott selbst, der Engel des Herrn, der Sohn Gottes, der ewige Sohn Gottes, der im Alten Testament in menschlicher Gestalt auftreten konnte. Er war bei ihnen. Nicht ein Sohn der Götter, sondern der Sohn Gottes, und zwar der ewige Sohn Gottes, ohne Anfang und ohne Ende. Also er sieht ihn. Das ist auch pointiert: Er, der Göttersohn, sieht den Sohn Gottes, der diese drei Feinde des Reiches aus seiner Hand rettet.
Und nun muss man auch wieder sagen: Wo war Nabu, der Gott des Feuers? Wieder auf der Götterliste. Ich erkläre unter Viertens, dass Nabu eben auch der Gott des Feuers war. Nabu konnte die drei Feinde der Götter Babylons nicht verbrennen, sondern der Sohn Gottes rettet sie aus der Hand Nabus, des Gottes, der in seinem Namen Nebukadnezar enthalten ist.
Und so muss schließlich Nebukadnezar den wahren Gott anerkennen. Ich lese aus Daniel 3,28:
Nebukadnezar hob an und sprach: Gepriesen sei der Gott Sadrachs, Mesachs und Abed-Negos, der seinen Engel oder man kann auch übersetzen: seinen Boten gesandt und seine Knechte errettet hat, die auf ihn vertrauten und das Wort des Königs übertraten und ihre Leiber dahingaben, um keinem Gott zu dienen noch ihn anzubeten, als nur ihrem Gott. Und von mir wird Befehl gegeben, dass jedes Volk, jede Völkerschaft und Sprache, wer Unrechtes spricht, will er den Gott Sadrachs, Mesachs und Abed-Negos in Stücke zerhauen und dass sein Haus zu einer Kotstätte gemacht werde, weil es keinen anderen Gott gibt, der auf solche Weise zu erretten vermag.
Jetzt muss man sich mal vorstellen, was das in weltmissionshinsicht zu sagen hatte. Der König von Babylon macht das bekannt im ganzen Reich. Es gibt nur einen, der wirklich so retten kann. Das war also ein Missionszeugnis für den ganzen Nahen Osten, von Irak bis gegen Ägypten, über Libanon, Syrien, Jordanien, ganz gewaltig.

Der Sturz Babylons und die Hoffnung auf Rückkehr

Jetzt gehen wir weiter zum nächsten Punkt: Daniel 5. Am Ende der siebzig Jahre Weltherrschaft Babylons veranstaltet Belsazar eine Party. Er holt die Tempelgeräte des Herrn aus dem Marduk-Tempel und lässt sie während dieser Feier entweihen, um daraus Alkohol zu trinken. Man muss sagen: Das war ein regelrechtes Seuferfest.
Diese Entweihung der Geräte des Herrn aus dem Marduk-Tempel zum Lob der Götter Babylons führt in Daniel 5 zum unmittelbaren Untergang des babylonischen Reiches. Plötzlich, während der Feier, erscheint eine Menschenhand, die Worte auf den Kalkputz schreibt. Keiner der Priester Babylons kann sagen, wie man das lesen muss, und schon gar nicht, was es bedeutet. Wo ist Nabu, der Gott der Schrift? Eigentümlich. Und wo ist Bel, der Gott, der im Namen Belsazars enthalten ist? Bel, der Schützer. Aber Bel, der die Schicksalstafeln haben soll, kann das Schicksal des Königs nicht abwenden.
Also kann nur Daniel die prophetische Schrift des Herrn an der Wand deuten. Und da wird klargemacht: Der Herr übergibt jetzt die Weltherrschaft Babylons den Persern. Der Erfinder der Schrift, Nabu, kann nicht einmal die Schrift an der Wand lesen, geschweige denn deuten. Wo war Marduk, der Gott Babylons, der verhindern sollte, dass nach Babel ein anderes Reich kommt? Wo war Bel, der über die Ordnung der Welt wacht und die Schicksalstafeln besitzt? Wo war Sin, der das Schicksal für weit entfernte Tage festlegt? Und man könnte hinzufügen: Wo war Schamasch? Man kann auch in der Götterliste nachschauen. Unter viertens: Schamasch war der Sonnengott, speziell der Gott des Rechts, der Gerechtigkeit und der Gerichte.
Ja, die Schrift wurde ja so gedeutet. Daniel erklärt in Daniel 5, dass Mene, Mene, Tekel, Ufasin bedeutet: gezählt, gezählt, gewogen und zerteilt. Und da erklärt er, dass Gott also Belsazar auf der Waage des Gerichts gewogen hat und ihn als zu leicht befunden worden ist. Er muss weg, er wird gerichtet. Aber Schamasch, der Gott der Gerechtigkeit in Babylon, kann nichts gegen das Gerichtsurteil des Herrn ausrichten. Das war also auch ein Schlag gegen den Sonnengott.
Nun wichtig: Der Herr ließ den Untergang des Reiches der Babylonier prophetisch verkündigen. Wegen ihres Götzendienstes, wegen ihres Hasses gegenüber seinem Volk. Das hat Daniel getan, aber auch schon Jeremia vorher. In Jeremia 25,11-12 wurde gesagt, es wird siebzig Jahre dauern, und dann ist es vorbei. Und er sagt sogar, Jeremia, drei Generationen. Aber es gab von Nebukadnezzar bis Belsazar mehr als drei Könige. Effektiv war die Generationenabfolge aber so: Nebukadnezzar war die erste Generation, dann kam Evil-Merodach, das heißt Mann des Marduk, das erkläre ich auch bei Marduk, und dann kam Nabonid, der Vater von Belsazar, der nicht so politisch interessiert war, sich zurückgezogen hat und Belsazar als Stellvertreter eingesetzt hat.
Übrigens sagt Belsazar deshalb: Wenn du, Daniel, diese Schrift deuten kannst, dann wirst du der Dritte im Königreich werden. Man fragt sich ja, warum nicht der Zweite? Ja, weil Belsazar der Zweite war. Er konnte ihm nur den dritten Platz geben. Aber es waren drei Generationen: Nebukadnezzar, Evil-Merodach, Nabonid. Das macht diese ganze Zeit von siebzig Jahren aus.
Nun habe ich noch weiter darauf hingewiesen: Der Untergang Babylons wird auch in Jesaja 44 und folgenden Kapiteln prophezeit. Da wird Kores, der König der Perser, mit Namen, 170 Jahre bevor er in der Geschichte auftrat, erwähnt und beschrieben, wie er zum großen Eroberer und Befreier der Juden wird. Genauso ist es gekommen. Wegen Kores konnten die Juden dann aus der babylonischen Gefangenschaft zurückkehren und Jerusalem wieder aufbauen. Habakuk 2 hat das beschrieben, auch dieses Gericht über die Babylonier. Also: Der Herr ist der Herr der Geschichte. Das beweist die Prophetie. Und er hat nicht nur vorausgesagt, dass die Juden in die Gefangenschaft kämen, sondern auch, dass die Babylonier, ihre Eroberer, selber wieder gerichtet werden.
Wichtig im Zusammenhang mit Babylonien ist noch Folgendes: Die Propheten haben auch vorausgesagt, dass Babylonien einen endzeitlichen Totaluntergang haben wird, Jesaja 13,14 und Jeremia 50 und 51. Das heißt, dieses Gebiet soll in der Endzeit ein Gebiet werden, das nicht mehr bewohnt werden kann und wo der Araber nicht einmal seine Schafherde mehr durch das Gebiet hindurchführen wird. Und es wird auch so sein, dass die internationale Hilfe, die in Jeremia 51 erwähnt wird, schließlich sagen wird: Wir haben Babylonien heilen wollen. Das machen sie ja heute auch. Aber es hat sich nicht heilen lassen. Lasst uns ein jeder in sein Land zurückkehren, denn sein Gericht steigt auf bis zu den Wolken. Das steht also noch bevor.
So weit ging die Prophetie über Babylon. Und der Untergang der römischen Kirche als Hure Babylon wird in Offenbarung 17,18 für die Endzeit unmittelbar vor der Wiederkunft Christi beschrieben. Aber das soll man nicht miteinander verwechseln, das sind zwei verschiedene Dinge.

Rückkehr aus der Gefangenschaft und die bleibende Warnung

Schön, jetzt der letzte Punkt: Die Zucht der Gefangenschaft in Babylon führte viele Juden zur Umkehr zum Herrn und zu einem geistlichen Neuanfang. Man lese Psalm 137; dort findet man diese Note: Juden in Babylon, die nicht einmal mehr singen wollten, sich aber wieder danach sehnten, nach Zion zurückzukehren, nach dem Ort, wo man den einen wahren Gott verehrte.
Und dann sieht man im Buch Esra, wie die Juden eine Erweckung erleben und in Scharen zurückkehren. Nehemia 1 und folgende, Haggai 1 und folgende, Sacharja 1 und folgende: Es geht alles auf diese Zeit der Rückkehr aus Babylon und des Neuanfangs zurück. So haben sie gemerkt: Der Herr ist der wahre Gott, und wir wollen zurück und ihm jetzt mit ganz neuer Treue und Hingabe dienen.
Das Interessante ist: Ab dieser Zeit war das Dienen, der Götzendienst, das Verehren von Bildern in Israel im Allgemeinen kein Problem mehr. Das hat effektiv eine ganz grundsätzliche Heilung von der Bilderverehrung gebracht. Umso schlimmer ist es, dass dann im Christentum, das in den frühen Jahrhunderten bereits, im vierten und fünften Jahrhundert, so umfassend wieder geübt wurde, dass das da möglich war.
Und das ist für Juden auch immer etwas Abstoßendes. Wenn sie die Christenheit sehen, dann sehen sie diese Bilder und diese Bilder- und Ikonenverehrung. Und sie sagen sich: Wie kann das die Wahrheit sein, wenn diese ja schon die ersten zwei Gebote so offensichtlich übertreten?
Das war sicher für die letzten zweitausend Jahre für viele Juden ein Hindernis, den Messias, Jesus Christus, zu erkennen, durch diesen babylonischen Götzendienst innerhalb der Christenheit.

Assyrien, Ninive und die Frage nach wahrer Macht

Ja, wir gehen nun zu Punkt sieben: Israel und die Religion der Assyrer.
Ich habe bereits erklärt, dass Assyrien im achten und neunten Jahrhundert vor Christus zur Weltmacht Nummer eins aufstieg. In dieser Zeit, unter König Jerobeam II. von Israel, 825 bis 785 vor Christus, beschrieben in 2. Könige 14,16-29, musste Jona in der Hauptstadt Ninive mit einer Gerichtsbotschaft evangelisieren.
Das Buch Jona, das wir letztes Mal am Bittschundentag durchgenommen haben, fällt genau in diese Zeit. Jonas Predigt führte zu einer Erweckung in der assyrischen Hauptstadt Ninive. Das ist die ganze Botschaft des Jona-Buches von Kapitel 1 bis 4. Es ist also eindrücklich, wie der wahre Gott sein Wort inmitten der assyrischen Religionen verkündigen ließ, und das bewirkte damals eine Massenumkehr.
Aber man sieht, dass dieser Aufbruch, diese Erkenntnis des wahren Gottes, in der Folge wieder verflogen ist. Der Grund, warum man kaum Hinweise auf diese Erweckung in den assyrischen Inschriften findet, liegt darin, dass es bei den alten Völkern üblich war, Dinge, die nicht angenehm waren, zu vernichten. Niederlagen wurden zum Beispiel nicht festgehalten, und man stellte dafür keine Siegesstehlen auf. Das ist ja logisch, oder?
Die assyrischen Könige und auch die ägyptischen Pharaonen usw. haben nur das aufschreiben lassen, was ihnen gelang. Was Niederlage war, hat man möglichst vertuscht. Darum muss man also negative Dinge bei diesen Völkern in ihren Inschriften nicht erwarten, sondern nur ihre Siege. Und diese Umkehr zu dem Gott Israels in Ninive hat man als Affront empfunden. So hat man auch diese Spuren feinsäuberlich verwischt.

Assyrische Bedrohung, Hiskias Vertrauen und das Ende Ninives

Nun der nächste Punkt:
In der Zeit von König Menachem bis Hosea, also bei den Königen von Israel von 772 bis 721 v. Chr., beschrieben in 2. Könige 15,17 bis zum Schluss von Kapitel 17, geriet das Nordreich in den Würgegriff des assyrischen Reiches. Das ist alles nach Jona. In dieser Zeit kam es zur ersten Konfrontation mit der Großmacht Assyrien. Man versuchte, sich irgendwie mit den Assyrern zu arrangieren, und so wurde deren Religion zu einer Gefahr für Israel.
Zum Thema der Konfrontation mit den Göttern Assyriens möchte ich aus 2. Könige 18 lesen, damit man das ganz drastisch sieht. Dort erkennen wir, wie die Assyrer auch gegen das Südreich Juda vorgingen. Ich lese aus 2. Könige 18,19. Ein hoher Minister kam mit der assyrischen Armee nach Jerusalem und sagte Folgendes zu König Hiskia. Und der Rab-Schake sprach zu ihnen: Sage doch zu Hiskia: So spricht der große König, der König von Assyrien. Hebräisch Assur, also das Land des Gottes Assur. Was ist das für ein Vertrauen, womit du vertraust? Du sagst: Doch nur ein Wort der Lippen ist es, da ist Rat und Macht zum Krieg. Nun, auf wen vertraust du, dass du dich wider mich empört hast? Nun siehe, du vertraust auf jenen geknickten Rohrstab, auf Ägypten, der, wenn jemand sich auf ihn stützt, ihm in die Hand fährt und sie durchbohrt. So ist der Pharao, der König von Ägypten, allen, die auf ihn vertrauen.
Und wenn ihr zu mir sprecht: Auf den Herrn, unseren Gott, vertrauen wir, ist er es nicht, dessen Höhen und dessen Altäre Hiskia hinweggetan hat, indem er zu Juda und zu Jerusalem sprach: Vor diesem Altar sollt ihr anbeten in Jerusalem? Und dann weiter in Vers 32 bis 35. Am Schluss von Vers 32 heißt es: Aber hört nicht auf Hiskia, der eben auf den Gott Israels vertraute, denn er verführt euch, indem er spricht: Der Herr wird uns retten. Haben denn irgendeine der Götter der Nationen, ein jedes sein Land, von der Hand des Königs von Assyrien errettet? Wo sind die Götter von Hamat und Arpad, wo die Götter von Sepharwaim, von Hena und Iwa? Haben sie Samaria von meiner Hand errettet? Welche sind es unter allen Göttern der Länder, die ihr Land von meiner Hand errettet haben, dass der Herr Jerusalem von meiner Hand erretten sollte?
Merkt man: Das Ganze war nicht nur einfach eine politische und militärische Konfrontation, sondern es ging um die Frage: Wer ist der wahre Gott? Also die Frage unter siebtens Punkt drei: Sind die Götter der Assyrer stärker als der Herr? Darauf können wir sagen: Nein. Der Herr ließ ja durch seine Propheten im Voraus den Sieg Assyriens über die zehn Stämme verkündigen, und zwar als sein Gericht über Israels Abfall von ihm. Dazu gibt es viele Stellen in Jesaja, verstreut auch in Hosea, und genau darum geht es in Micha, was wir heute Nachmittag sehen werden. Also ist das Morgenthema schön mit dem Nachmittagsthema verknüpft.
Diese assyrische Wegführung wurde schon von Mose in 5. Mose 28,25 prophezeit. Das macht schon klar: Er, der Gott Israels, hat die Geschichte in seiner Hand. Das war nicht ein Sieg der Götter Assyriens. Aber Assyrien wurde auch zur Gefahr für das Südreich Juda. König Ahas von Juda, 742 bis 727 v. Chr., suchte Hilfe bei Assyrien gegen das Nordreich Israel und gegen Syrien, gegen die Aramäer. Und deswegen brachte er deren Religion nach Jerusalem in den Tempel des Herrn.
Ich lese jetzt aus 2. Könige 16,7: Da sandte Ahas Boten an Tiglat-Pileser, den König von Assyrien, und ließ ihm sagen: Ich bin dein Knecht und dein Sohn. Komm herauf und rette mich aus der Hand des Königs von Syrien und aus der Hand des Königs von Israel, die sich gegen mich erhoben haben. Und Ahas nahm das Silber und das Gold, das im Haus des Herrn und in den Schätzen des Königshauses sich vorfand, und sandte es als Geschenk an den König von Assyrien. Der König von Assyrien hörte auf ihn, und der König von Assyrien zog hinauf wider Damaskus und nahm es ein und führte seine Einwohner weg nach Kir, und Rezin tötete er.
Der König Ahas zog Tiglat-Pileser, dem König von Assyrien, entgegen nach Damaskus. Und als er den Altar sah, den assyrischen Götzenaltar, der zu Damaskus war, da sandte der König Ahas dem Priester Uria das Gleichnis des Altars, also eine architektonische Abbildung, und dessen Abbild nach seiner ganzen Bauart. Und der Priester Uria baute den Altar nach allem, was der König Ahas von Damaskus gesandt hatte. Also machte ihn der Priester Uria, bis der König Ahas von Damaskus kam. Und als der König von Damaskus kam und der König den Altar sah, da trat der König an den Altar und opferte darauf. Und er räucherte sein Brandopfer und sein Speisopfer und goss sein Trankopfer aus und sprengte das Blut seiner Friedensopfer an den Altar.
Den ehernen Altar aber, der vor dem Herrn stand, den rückte er weg von der Vorderseite des Hauses, weg von der Stelle zwischen seinem Altar und dem Haus des Herrn, und er setzte ihn an die Seite seines Altars gegen Norden. Und der König Ahas gebot dem Priester Uria und sprach: Räuchere auf dem großen Altar das Morgenbrandopfer und das Abendbrandopfer usw. So drang die assyrische Religion ins Zentrum, ins Herz des Südreiches, vor.
Aber dann der nächste Punkt: Nach Ahas, diesem Treulosen, kommt Hiskia, Ahas’ Sohn, 727 bis 698 v. Chr. Er unterwarf sich Assyrien nicht, sondern leistete Widerstand im vorbildlichen Vertrauen auf den Herrn. Das hat er so gemacht: Hiskia sagte sich, ich bezahle keine Steuern mehr nach Assyrien. Aber er wusste, dann wird die assyrische Armee kommen und Jerusalem erobern. Darum ließ er Jerusalem im Eiltempo befestigen. Er wusste: Außerhalb der Stadt, im Kidrontal unten, gibt es die Gihon-Quelle. Und wenn natürlich eine Armee kommt und die Quelle, die außerhalb der Stadt ist, nutzt, hat sie genügend Versorgung und kann die Leute in der Stadt verdursten lassen.
So ließ Hiskia diese Quelle so abdecken, dass sie von außen her nicht mehr sichtbar war. Er ließ durch den karstigen Felsen hindurch einen Tunnel bauen, 533 Meter lang, um das Wasser aus dieser Quelle, der Wasserquelle von Jerusalem, in die Stadt hineinzuführen. Und am Ende ließ er den Siloahteich bauen, sodass man dort in der Stadt Wasser trinken konnte.
Dann kam die assyrische Armee, spottete über den Gott Israels und sagte: Wir werden euch jetzt verdursten lassen, und ihr werdet dann euren eigenen Hahn trinken. So hat er gesprochen, also ziemlich unflätig und primitiv. Aber die haben ihm einfach keine Antwort gegeben, denn Hiskia sagte: Gebt ihm keine Antwort. Und Hiskia hat im Tempel im Gebet vor dem Herrn um Hilfe gebeten, und dann kam das direkte Eingreifen Gottes.
Aber bedenken wir: Hiskia ließ auch all diese Götzenbilder aus Jerusalem entfernen. Er leitete also eine wirkliche Reformation ein. Und so kam es zum direkten Eingreifen Gottes. Gott schlug dort an einem Tag 185 Soldaten, also vielleicht etwa so viele wie im ersten Golfkrieg im Irak gefallen sind. So viele wurden geschlagen, und dann ist Sanherib mit Schande mit seiner Armee abgezogen.
In seinen Inschriften liest man natürlich nichts davon, dass er besiegt worden war. Also muss man immer schauen, was er nicht schreibt. Er schreibt in seinen Inschriften davon, wie er die Städte Judas erobern konnte. Das musste so sein, denn heute Nachmittag sehen wir: Micha hat genau vorausgesagt, wie diese Städte erobert werden. Aber Micha hat vorausgesagt, die Gefahr werde nur kommen bis zum Tor Jerusalems, und dann sei Stopp. Und so beschreibt der König von Assyrien, Sanherib, nichts davon, dass er Jerusalem erobert hätte. Warum nicht? Weil er dort geschlagen wurde. Das ist so komisch: Die Hauptstadt erobert er nicht, aber alle möglichen anderen Städte.
Das direkte Eingreifen Gottes führte schließlich zur Befreiung Jerusalems und zu einem gewaltigen Sieg über Sanherib und seine Armee. Das kann man nachlesen in Jesaja 36-39, 2. Könige 18-20, 2. Chronik 29-32. Das zeigt uns auch, wie wichtig das Ereignis war. Und es zeigt uns auch, wie wichtig es ist, eben zu sehen, was diese Götter von Assyrien in der Konfrontation mit dem wahren Gott waren.
Viele Städte in Juda wurden zuvor von Assyrern verwüstet, so wie Micha es vorausgesagt hatte. Aber das war eben Gottes Zucht über Judas Untreue und Götzendienst, ganz besonders auch wegen Hiskias Vater Ahas. Aber halten wir fest: Der Herr ließ den Untergang des Reiches der Assyrer prophetisch verkündigen, wegen deren Götzendienst und wegen deren Hass gegenüber seinem Volk. Das Buch Nahum, das werden wir in der Zukunft noch behandeln an einem Bibelstudientag, beschreibt den Untergang Ninives, und das Buch hat sich wortwörtlich erfüllt im Jahr 612 v. Chr. Auch Zephanja 2,13 spricht von dem Untergang Assyriens, Jesaja 7 bis 8, Kapitel 10. Und so ist es ganz wichtig: Auch da hat sich gezeigt, wer der wahre Gott ist, der Gott, der nicht nur die Zucht über sein Volk, sondern auch das Gericht über die fremden Völker und ihren Götzendienst vorausgesagt hatte.
So können wir anhand der Bibel zeigen: Es ist nicht so, wie unsere Gesellschaft sagt, wenn es um Religion geht, müssen wir nicht nach Wahrheit, nach Richtig und Falsch fragen. Jeder kann seine Religion ausüben, das hat nichts mit Logik zu tun. Aber Wahrheit hat sehr viel mit Logik zu tun. Und die Logik der Bibel zeigt, dass all diese Götter, all diese Religionen, die verschwunden sind, im Staub, im Schutt der Geschichte, eben nicht die Wahrheit waren. Aber der Glaube an den Gott der Bibel, der ist aktuell und steht bis zum heutigen Tag.
Ja, dann machen wir an dieser Stelle Schluss.

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