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Jakob - Wie Gott einen krummen Typ gerade biegt

18.07.2021Jakobus
Wenn Gott mit Menschen sein Reich baut, dann erwählt er sich nicht die perfekten Typen ohne Ecken und Kanten. Nein, oft sind es ziemlich raue Charaktere. Aber diese macht er passend für sein Reich. Wie das geschieht? Das kannst du Sonntag an Hand von Jakobs Leben erfahren.

Persönliche Gedanken zum Thema Fruchtbarkeit im Glauben

Schönen guten Morgen auch von meiner Seite. Schön, dass ihr da seid, dass du da bist. Der Name wäre bei dir auf jeden Fall nicht Programm gewesen, so wie ich dich kenne. Von dem her ist es vielleicht besser, dass du ihn nicht hast. Das ist schon mal gut, so viel vorweg.

Ich möchte aber gar nicht direkt mit Jakob anfangen, sondern erst mal mit mir selbst. Nicht, weil ich mich da vorne hinstellen will, sondern weil mir bewusst geworden ist, dass ich darüber nachgedacht habe, nachdem ich mich mit Jakob beschäftigt hatte. Jakob ist eine Person, bei der ich zugeben muss, dass ich erst mal einen ziemlich schweren Zugang gefunden hatte.

Ich hatte ja gesagt, ich mache 1. Mose 1 bis 11 im Detail und dann Lebensbilder über die einzelnen Patriarchen. Bei Jakob habe ich mir erst mal schwer getan. Dann ist mir aber etwas bewusst geworden. Ihr werdet am Schluss erst verstehen, wie das zusammenpasst, aber ich habe einen tiefen Wunsch.

Ich möchte nämlich gern in meinem Leben fruchtbar sein. Damit meine ich jetzt nicht, dass ich viele Kinder haben möchte, sondern dass ich mit dem, was ich lebe, geistige Früchte bringen möchte. Ich möchte in meinem Leben etwas Bleibendes hinterlassen. Ich glaube, dieser Wunsch ist nicht falsch, sondern Jesus fordert uns gerade dazu auf.

In Johannes 15,8 sagt Jesus: „Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und meine Jünger werdet.“ Die Verse davor werden wir später auch noch sehen. Wenn ich möchte, dass Gott auf dieser Erde groß werden soll, dann sollte ich viel Frucht bringen.

Ich wünsche mir ein Leben als Christ, das fruchtbar und sinnvoll ist. Ich wünsche mir, so ein Apfelbaum zu sein, wie unserer letztes Jahr im Herbst aussah. Ich hatte Angst, dass die Äste abbrechen, weil er so mit Äpfeln voll war, dass er wirklich kurz vor dem Zusammenbruch stand. So wünsche ich mir zu sein.

Aber Wunsch und Realität sind manchmal weit auseinander. Die Realität ist manchmal, dass vielleicht viele grüne Blätter da sind, aber keine Früchte. Es sieht toll aus, aber es ist nichts dahinter. Oft geht es mir sogar so, dass ich mit voller Kraft im Reich Gottes unterwegs bin, alles daran setze, diesem Auftrag Jesu gerecht zu werden und Früchte zu bringen. Am Ende entsteht aber mehr Chaos als Frucht.

Oft erreiche ich das Gegenteil: eher faule Früchte, die für Magengeschwüre sorgen, als gute Früchte, die etwas bringen. Da stellt sich für mich die Frage, woher es kommt, dass trotz bester Motivation nicht gute Früchte, sondern faule Früchte entstehen. Nicht Früchte, die ein Segen für meine Umgebung sind, sondern eher ein Magengeschwür.

Diese Frage richte ich auch an dich: Bist du fruchtbar? Damit meine ich nicht, ob du viele Fruchtsäfte isst, sondern ob du fruchtvoll im Reich Gottes bist. Kennst du vielleicht auch das Gefühl der Fruchtlosigkeit? Du hast den Wunsch, Gott zu ehren, indem du Frucht bringst, bist aber frustriert, weil du eher faule Früchte produzierst als gute?

Oder bist du vielleicht jemand, der sehr davon überzeugt ist, fruchtbar zu sein und gute Früchte zu bringen? Und hast noch gar nicht gemerkt, dass dein Baum zwar viele schöne Blätter hat, aber wenn man in den Apfel beißt, man ihn wegschmeißen kann?

Bei uns in der Nachbarstadt steht auch ein Apfelbaum. Den pflegt niemand mehr. Die Äpfel sind eigentlich gedacht, um Schweine zu füttern oder so. Die sind nicht so der Hit, wenn du da reinbeißt.

Gottes souveräne Erwählung und der Beginn von Jakobs Geschichte

Was muss passieren, damit wir wirklich fruchtbar werden? Was muss geschehen, damit wir gute Früchte bringen – ja, viele Früchte –, die Gott wirklich ehren und ihn groß machen?

Jetzt komme ich zu dem Punkt, was das Ganze mit Jakob zu tun hat. Ich beginne nämlich, in seine Geschichte einzutauchen, und wir werden ziemlich schnell merken, dass Jakob eigentlich eine bestimmte Rolle haben sollte: Er sollte ein Segen sein. Wir schauen uns an, wie das in seinem Leben funktioniert hat und wie es geschehen ist.

Jakobs Geschichte beginnt erst einmal ziemlich ähnlich wie die von Abraham. Gott greift ein, und das bereits vor Jakobs Geburt. Gott ist bei Jakob tätig und erwählt ihn als Träger seiner Verheißung. Jakob soll derjenige sein, durch den Gott sein Volk aufbauen will – als Erbe der Verheißungslinie, die von Abraham weitergeführt wird. Diese Verheißung beinhaltet, dass Jakob gesegnet sein soll, Nachkommen haben wird, das Land erben soll und eben ein Segen sein wird.

Das ist bereits in 1. Mose 12 die Verheißung an Abraham. Dort heißt es auch: „Wer dich segnet, den werde ich segnen“ und so weiter. Ich glaube, es wird gleich zu Beginn bei Jakob deutlich, dass nicht die Menschen hier die entscheidenden Personen sind, die ihre Pläne machen und diese dann ausführen. Sondern Gott steht am Anfang der Geschichte mit Jakob.

Das könnt ihr in 1. Mose 25 nachlesen. Ich werde ziemlich schnell durch die Kapitel fliegen und wenig komplett zusammenhängende Kapitel lesen. Ich hatte ja schon in der Woche geschrieben, dass ihr 1. Mose 25 bis 33 lesen könnt. Vielleicht hat der eine oder andere das getan, dann fällt es euch auf jeden Fall leichter. Aber die Zeit reicht nicht, um alle Kapitel vorzulesen, sonst wäre die Predigt zu lang.

In 1. Mose 25,22-23 heißt es: Rebekka ist schwanger geworden, nachdem es lange nicht funktioniert hatte. Jakob hat sogenannte Liebesäpfel gefunden, die wohl geholfen haben. Isaak, ihr Mann, wurde dadurch gesegnet, und sie wurde schwanger.

Jetzt hat Rebekka ein Erlebnis, das im Vers 22 geschildert wird: „Und die Kinder stießen sich miteinander in ihrem Leib.“ Da sprach sie: „Wenn mir so geht, warum bin ich schwanger geworden?“ Sie geht zum Herrn, um ihn zu befragen. Der Herr spricht zu ihr: „Zwei Völker sind in deinem Leib, und zweierlei Völker werden sich scheiden aus deinem Leib. Ein Volk wird dem anderen überlegen sein, und der Ältere wird dem Jüngeren dienen.“

Gott sagt Rebekka hier bereits vor der Geburt, was er mit den beiden vorhat, was geschehen wird. An dieser Stelle komme ich nicht darum herum, ins Neue Testament zu springen, nämlich in den Römerbrief, wo Paulus genau das aufgreift, was hier passiert ist – die Geschichte von Jakob und seinem Bruder Esau.

Man muss noch kurz im Hinterkopf behalten: Normalerweise ist derjenige, der zuerst geboren wird, also Esau, der Erstgeborene. Er hat das Erstgeburtsrecht, ist der Ältere, und der Jüngere steht hinten an. Gott dreht das hier jedoch um, indem er sagt, der Ältere wird dem Jüngeren dienen, und der Jüngere wird an erster Stelle stehen.

Bei der Geburt sieht es dann so aus, dass Jakob als Zweiter kommt, sich aber am Fuß von Esau festhält. Deshalb kann die Namensbedeutung durchaus „Fersenhalter“ oder „Fersensporn“ sein. Es gibt auch noch eine andere Deutung, die Ralf vorhin erwähnt hat. Jakob kommt jedenfalls als Zweiter zur Welt.

Im Römerbrief 9 wird das von Paulus aufgegriffen, ab Vers 10. Dort heißt es: „Aber nicht allein hier ist es so, sondern auch bei Rebekka, die von dem einen, unserem Vater Isaak, schwanger wurde. Ehe die Kinder geboren waren und weder Gutes noch Böses getan hatten – damit Gottes Ratschluss bestehen bliebe und seine freie Wahl nicht aus Werken, sondern durch die Gnade des Berufenden – hat er zu ihr gesagt: ‚Der Ältere soll dem Jüngeren dienen.‘“

Das bezieht sich genau auf die Stelle, die wir gerade gelesen haben. Weiter heißt es: „Jakob habe ich geliebt, Esau aber habe ich gehasst.“ Was sollen wir dazu sagen? Ist Gott ungerecht? Das sei ferne. Denn Gott spricht zu Mose: „Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und wen ich erbarme, dessen erbarme ich mich.“ Das zitiert Paulus hier, wo Gott vor Mose hergeht.

Paulus sagt außerdem: „So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Lauf, sondern an Gottes Erbarmen.“ Wir können uns die Frage stellen, warum Gott hier so handelt und sich so sehr einmischt. Könnte er das nicht einfach alles laufen lassen? Die Verheißungslinie so bestehen lassen, wie es gut geordnet war – mit Esau zuerst und Jakob hinten dran, und Esau als Träger der Verheißung?

Wenn wir genau bei Paulus nachlesen, dann ist die Antwort: Nein. Warum? Weil es dann nicht mehr Gottes Entscheidung ist, sondern das, was wir Menschen ordnen, wie wir Menschen vorgehen würden. Paulus begründet hier ganz klar, warum Gott so handelt: Weil er derjenige ist, der die Freiheit hat, so zu entscheiden.

Gott steht souverän über allem. Nicht weil er Menschen aufgrund ihrer Geburt bevorzugt oder aufgrund dessen, was sie getan haben, sondern allein aus seiner Gnade heraus. Gott wählt sich seine Leute als seine freie, souveräne Entscheidung – nicht aufgrund dessen, was wir Menschen denken.

So ist es auch für unser Leben. Wenn ihr Römer 9 weiterlest, macht Gott das deutlich. Nun weiß ich, dass manche von uns Schwierigkeiten haben, wie Gottes Gerechtigkeit und Liebe zusammengehen. Hier müssen wir eines beachten: Wenn Gott souveräne Entscheidungen trifft, bedeutet das nicht, dass er einfach mal nach rechts geht und souverän entscheidet, während auf der linken Seite Gottes Gerechtigkeit und Liebe vergessen sind.

Nein, wenn Gott souverän handelt, dann ist das nie losgelöst von seiner Gerechtigkeit und seiner Liebe. Auch wenn wir nicht immer vollständig verstehen, wie das zusammenpasst, sind beide Eigenschaften untrennbar verbunden.

Wenn wir von Gottes Souveränität sprechen, denken viele an einen Diktator, der willkürlich entscheidet. Aber Gottes Souveränität ist anders: Sie ist verbunden mit absoluter Gerechtigkeit und absoluter Liebe. Seine Entscheidungen sind nie grausam oder willkürlich, sondern liebevoll und gnädig.

Wie wir das genau zusammenbringen, gibt die Bibel nicht abschließend an. Gottes Gerechtigkeit und seine Souveränität übersteigen unser menschliches Denken. Wichtig ist aber, was Paulus hier sagt und was uns Jakob und Esau verdeutlichen:

Wenn wir gerettet sind, mit Gott unterwegs sind und er anfängt, mit uns seine Geschichte zu schreiben, dann liegt das nicht an uns. Nicht daran, dass wir uns für Gott entschieden haben oder etwas geleistet hätten, was das bewirken würde. Es liegt auch nicht daran, dass wir einen besonderen Stammbaum oder sonst etwas hätten, wie Esau es vielleicht gehabt hätte.

Gott hat sich allein aus seiner Gnade heraus für uns entschieden – so wie er sich damals für Jakob entschieden hat. Diese Erwählung bedeutet auch, dass Gott bestimmt, durch wen und wie er sein Reich baut und durch wen welche Frucht entsteht.

Das ist nicht unsere Entscheidung. Wir können uns keinen Platz in der Weltgeschichte der Gemeinde Jesu selbst zuweisen oder aussuchen. Gott ist es.

Das müssen wir zuerst akzeptieren und lernen: Wenn wir fruchtbar sein wollen, dann muss Gott am Anfang stehen. Er muss uns den richtigen Platz zuweisen und uns dort einsetzen.

Sind wir deshalb komplett machtlos? Ich denke nicht. Gottes Erwählung und unser Leben gehören zusammen. Unser Leben bestätigt in der Regel Gottes Handeln. Und so ist es auch bei Jakob und Esau: Beide sind voll involviert.

Esaus Fehlentscheidungen und Jakobs schwieriger Weg

Ich möchte nur ganz kurz auf Esau eingehen und seine großen Sünden. Esau verkauft sehr leichtfertig sein Erstgeburtsrecht. Das schauen wir uns kurz an, und zwar wieder in 1. Mose 25, ab Vers 29. Dort heißt es, Jakob kochte ein Gericht. Esau kam vom Feld und war müde.

Übrigens, wer bei Kinderstunden immer das Bild von Jakob als Heimchen am Herd und Esau als tollen Jäger im Kopf hat, der sollte wissen: Ganz so klar gibt der biblische Text das nicht her. Es kann durchaus sein, dass Jakob mit Esau bei der Herde draußen war, wo die Männer vielleicht unter sich waren und er deswegen gekocht hat. Und auch wenn es heißt, dass Jakob eher bei den Zelten war, kann es sein, dass er so eine Art Organisator war, der das Ganze zusammenhielt.

Es ging hier nicht um fünf Schafe oder Ähnliches, sondern um große Schafsherden, die Isaak durch Abraham durchaus hatte. Das Bild ist also nicht immer ganz richtig.

Ich lese weiter ab Vers 30: Esau kam zu Jakob und sprach: „Lass mich essen von diesem roten Gericht, denn ich bin müde.“ Daher heißt er Edom. Aber Jakob sagte: „Verkaufe mir heute dein Erstgeburtsrecht!“ Esau antwortete: „Siehe, ich muss doch sterben, was soll mir da das Erstgeburtsrecht?“ Jakob sprach: „So schwöre mir zuvor!“ Und Esau schwor ihm und verkaufte Jakob so sein Erstgeburtsrecht. Jakob gab ihm Brot und das Linsengericht, und Esau aß und trank, stand auf und ging davon. So verachtete Esau sein Erstgeburtsrecht.

Mit diesem Erstgeburtsrecht war eigentlich auch die Verheißungslinie von Abraham in Verbindung, also das ganze Handeln für einen Teller Linsensuppe – mal so gesagt. Ich weiß nicht, wie begeistert ihr von Linsensuppe seid. Bei mir ist es so, dass ich sie eher in der Mittelklasse ansiedle. Trotzdem gibt Esau dieses große, große Vorrecht dafür auf.

Wahrscheinlich waren Jakob und Esau zu diesem Zeitpunkt etwa dreißig bis vierzig Jahre alt. Sie hatten also durchaus verstanden, worum es hier ging. Das sind keine Vierzehnjährigen, die mal einen Spaß machen, sondern Männer, die wussten, in welcher Linie sie unterwegs waren. Sie wussten sicherlich auch von Isaak.

Esau zeigt damit, wie wenig Wert ihm das Erstgeburtsrecht ist. Das Ganze geht weiter: Er heiratet bewusst Frauen von den Hethitern, also von Völkern, die eine große Belastung für Isaak und Rebekka darstellen. Nachdem sie ihn später dafür kritisieren, beziehungsweise Jakob sagen, er solle wegziehen und sich woanders eine Frau suchen, damit er keine Frau von den Kanaanitern nimmt, reagiert Esau erst recht. Er holt sich noch eine Frau von den Ismaeliten, also von dem Stiefbruder Isaaks. Dieser war definitiv nicht Teil der Verheißungslinie und galt schon vorher als Feindeslinie.

Das ist Esau – sein ganzes Handeln bestätigt, was Gott bereits über ihn gesagt hat. Sein Leben zeigt, dass das, was Gott erwählt, sich auch im Verhalten widerspiegelt.

Wie ist es aber bei Jakob? Er ist der erwählte, von Gott bestätigte Verheißungsträger. Er ist erwählt, Gottes Segen zu erben und ein Segen für andere zu sein. Nun schauen wir uns an, wie gut das bei ihm klappt. Denn auch bei Jakob läuft es zunächst nicht wirklich rund, was das Segen-Sein für andere betrifft.

Das mit dem Erstgeburtsrecht haben wir uns gerade angeschaut. Man könnte sagen, es ist schon ziemlich hinterlistig, seinen Bruder so auszutricksen und auszunutzen. Es gibt ja den Spruch: Wenn ein Mensch hungrig ist, gib ihm zu essen, und davor mach nichts anderes mit ihm. Meine Frau hat auch irgendwann mal gemerkt, dass es besser ist, wenn ich abends von der Arbeit heimkomme, erst mal etwas zu essen bekomme. Danach kann man besser über Themen reden, sonst ist es schwieriger. Von anderen Männern habe ich Ähnliches gehört, also scheint da etwas dran zu sein.

Vielleicht ist es hier derselbe Typ: Jakob nutzt das schamlos aus. Der Hungrige nach einem Arbeitstag ist nicht so nett. Aber wenn es darum geht, sich den Erstgeburtssegen zu holen, als Isaak alt wird, blind wird und merkt, dass sein Leben sich dem Ende zuneigt, läuft es anders.

Isaak will seine Söhne segnen. Er denkt natürlich zuerst an Esau, den Erstgeborenen, und er ist ihm auch typmäßig näher. Das wäre interessant, genauer anzuschauen, denn Esau und Rebekka hatten jeweils ihre Lieblingssöhne.

In diesem Moment hat Rebekka eine tolle Idee: Sie verkleidet Jakob so, dass er aussieht wie Esau. Sie besorgt von einer Herde ein Tier, schlachtet es und bereitet das Essen zu, um Jakob zu Isaak zu bringen. Jakob wollte, dass Esau ihm einen Braten bringt, damit dieser gesegnet wird. Jakob lässt sich auf Rebekkas Plan ein.

Wir lesen dazu in 1. Mose 27, Verse 6 bis 10: Rebekka sprach zu Jakob, ihrem Sohn: „Siehe, ich habe deinen Vater mit Esau, deinem Bruder, reden hören. Bring mir ein Wildbret und mache mir ein Essen, damit ich es esse und dich vor dem Herrn segne, ehe ich sterbe. Höre nun auf mich, mein Sohn, und tue, was ich dir sage. Geh zur Herde und hole mir zwei gute Böcklein, damit ich deinem Vater ein Essen mache, wie er es gerne hat. Damit sollst du deinen Vater täuschen, damit er dich segnet, bevor er stirbt.“

Jakob handelt so, wie Rebekka es ihm gesagt hat. Mit der Abgebrühtheit, mit der er das tut – das könnt ihr euch später noch genauer anschauen – sieht man, dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt. In diesem Fall weniger vom Vater, sondern von der Mutter. Daraus kommt auch die zweite Namensbedeutung von Jakob: Betrüger.

Er belügt Isaak richtig schamlos ins Gesicht, betrügt seinen Bruder und seinen Vater, um sich den Erstgeburtssegen zu erschleichen. Isaak schöpft kurz Verdacht, aber Jakob überlistet ihn schnell mit einer Lüge.

Kurze Zeit später kommt Esau zu Isaak, doch da ist kein Segen mehr übrig. Was Isaak für ihn hat, ist eher ein Fluch als ein Segen. Er sagt ihm voraus, dass er ein hartes Leben haben wird, seinem Bruder dienen muss und Ähnliches.

Das Ergebnis ist, dass Esau nichts anderes im Sinn hat, als seinen Bruder umzubringen. Das führt dazu, dass Rebekka zu Isaak sagt, Jakob solle sich lieber woanders eine Frau suchen. Isaak und Rebekka schicken Jakob daraufhin zu Rebekkas Bruder Laban, also Jakobs Onkel, damit er sich dort eine Frau sucht.

Die Folgen von eigenmächtigem Handeln und Gottes Eingreifen

Was ist das Ergebnis von Jakobs und Rebekkas Weg? Zunächst ist ihre Motivation vielleicht gar nicht falsch. Rebekka wusste ja, dass Jakob der Segensträger sein sollte. Sie wusste auch, dass der Erstgeburtssegen für ihn bestimmt war. Das hat Gott ihr doch gesagt. Ist es dann nicht richtig, dass sie jetzt aktiv wird und die Sache in die Hand nimmt?

Es besteht die Gefahr, dass Isaak den Esau segnet. Wäre es da nicht richtig, dass Rebekka handelt und gemeinsam mit Jakob tätig wird? So könnte man meinen. Doch das Ergebnis zeigt etwas anderes.

Es führt dazu, dass Mordpläne entstehen, dass Jakob fliehen muss. Von der Verheißung bekommt er gerade nicht viel mit. Vom Segen ist kaum etwas zu spüren, von Nachkommen ebenso wenig, und vom Land ist auch nicht viel da. Ein Segen für andere ist er ganz sicher nicht, denn das, was Jakob hinterlässt, ist eine zerstörte Familie. Es gibt Streit mit seinem Bruder und Probleme mit den Eltern. Jakob bringt mehr Leid und Trauer über sie als Segen.

Das ist die Geschichte davon, wie Rebekka und Jakob die Sache selbst in die Hand nehmen wollen. Sie haben ihre eigene Vorstellung davon, wie es laufen muss. Sie haben ihre Idee, wie sie Verheißungsträger werden sollen. Das führt dazu, dass sie bereit sind, ihre engsten Verwandten zu belügen und zu betrügen.

Vielleicht kennst du das auch manchmal: Du fühlst dich von Gott berufen oder weißt, dass etwas richtig ist, aber es geht nur langsam voran. Die Klassiker sind hier die Partnerwahl, der Dienst für Gott oder der Beruf.

Ich möchte nun ganz bewusst auf das Fruchtbringen eingehen. Geht es dir manchmal so, dass es in Gottes Reich und seinen Plänen nur langsam vorangeht? Und du denkst, das muss ich jetzt selbst in die Hand nehmen? So kann man das ja nicht machen, wie die Gemeinde es gerade tut.

Dabei merkst du vielleicht gar nicht, wie du deine Geschwister in der Gemeinde, die dir ähnlich nahestehen wie eigentlich ein Esau, übergehst oder sogar betrügst.

Ich hatte zuhause mal eine Wasserwaage. Irgendwann haben wir festgestellt, dass sie nicht mehr im Lot war. Eine Wasserwaage benutzt man eigentlich, um Dinge gerade auszurichten. Doch das Ergebnis, das ich damit erreicht habe, war das genaue Gegenteil.

Weil die Wasserwaage nicht mehr gerade war, habe ich Dinge noch schiefer gemacht, als sie ohnehin gewesen wären oder als wenn ich ohne Wasserwaage gearbeitet hätte. Das haben wir relativ früh bemerkt, und die Wasserwaage wurde ausgetauscht.

Ich weiß nicht mehr genau, ob ich einen Dichter oder jemand anderen hatte, aber wir haben irgendwann eine andere Wasserwaage dagegengehalten, weil wir skeptisch waren. Da hat man sofort gemerkt, dass die alte nicht passte.

So ist es manchmal, wenn wir mit unseren eigenen Plänen und Ideen versuchen, Gottes Reich zu bauen. Es ist wie eine Wasserwaage, die eigentlich dazu da sein sollte, Dinge gerade und richtig zu machen.

Doch wir machen sie schief und krumm, weil wir unsere eigenen Wege gehen wollen. Ich glaube, genau das passiert bei Rebekka und Jakob: faule Früchte, krumme Wege – vielleicht mit guter Motivation, aber mit falschem Ergebnis. Es entsteht mehr Chaos als etwas anderes.

Ich muss für mein Leben wirklich Buße tun, weil ich immer wieder merke, dass ich genau das tue: Ich versuche, Dinge selbst zu regeln. Vielleicht habe ich die richtige Motivation, aber ich setze meine eigenen Ideen um.

Gottes Zusage und Jakobs erste Begegnung mit Gott

Wie kann Jakob jetzt zu dem Segensträger werden, zu dem er eigentlich bestimmt ist, zu diesem Träger der Verheißung, der er werden soll? Wie können du und ich zu Menschen werden, die Dinge gerade und nicht krumm und schief machen?

Das Tolle ist, dass Gott genau bei Jakob damit beginnt, diese Veränderung zu bewirken. Dabei geht Gott nicht so vor, wie ich es tun würde. Ich würde dem anderen erst einmal deutlich sagen, so geht es nicht. Doch Jakob ist auf der Flucht. Er legt sich abends zum Schlafen nieder und hat einen Traum. Dies können wir in 1. Mose 28 lesen.

Dort heißt es bis Vers 22: „Aber Jakob zog aus von Beerscheba und machte sich auf den Weg nach Haran.“ Haran liegt ungefähr im heutigen nördlichen Syrien, während Beerscheba nicht weit von Jerusalem entfernt ist. Jakob kam an einen Ort, an dem er übernachtete, denn die Sonne war untergegangen. Er nahm einen Stein von dieser Stätte, legte ihn zu seinen Häupten und legte sich dort schlafen.

Und ihm träumte: „Siehe, eine Leiter stand auf der Erde, die reichte mit der Spitze bis an den Himmel. Und siehe, die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder. Und der Herr stand oben darauf und sprach: Ich bin der Herr, der Gott deines Vaters Abraham und Isaak. Das Land, auf dem du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben. Dein Geschlecht soll werden wie der Staub auf Erden. Du sollst ausgebreitet werden gegen Osten, Westen, Norden und Süden. Durch dich und deine Nachkommen sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden. Siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wohin du auch gehst, und will dich wieder hierher zurückbringen in dieses Land. Ich werde dich nicht verlassen, bis ich alles getan habe, was ich dir zugesagt habe.“

Dies ist Gottes erster Schritt, während Jakob noch versucht, die Verheißung auf eigene Weise zu erreichen und dabei viel zerstört hat. Gott bestätigt Jakob, dass er der Verheißungsträger ist und spricht ihm diese Verheißung direkt zu. Bisher hatte Gott sie nur Rebekka zugesagt. Nun aber wendet er sich direkt an Jakob. Gott sagt ihm, dass es geschehen wird, dass er zum Segen werden wird, und dass Gott bei ihm sein wird.

Ich glaube, hier zeigt sich etwas von Gott, das auch für unser Leben gilt. Selbst wenn wir faule Früchte bringen, wenn wir in der Gemeinde manchmal mehr zerstören als aufbauen, wenn wir eher eine krumme Wasserwaage sind, dann hat Gott etwas ganz Wichtiges für uns vorgesehen.

Ich möchte nur einen Vers aus 2. Timotheus 2,13 zitieren, den vielleicht der eine oder andere schon auswendig kennt. Er passt gut zu Jakobs Leben an dieser Stelle und immer wieder zu unserem Leben, ganz besonders zu meinem. Dort heißt es: „Sind wir untreu, so bleibt er doch treu; denn er kann sich selbst nicht verleugnen.“

Das Erste, was über Jakobs Weg steht, wenn wir versagen, eigene Wege gehen und kein brauchbares Werkzeug für Gott sind, wenn wir eine Wasserwaage sind, die eher auf den Wertstoffhof gehört als in den Werkzeugschrank, ist, dass Gott trotzdem treu bleibt. Er schreibt das über Jakobs Weg ganz zu Beginn, und es gilt für jedes Versagen in deinem und meinem Leben. Wenn wir seine Kinder sind, bleibt er treu. Er bleibt seiner Gemeinde treu – trotz meines und deines Versagens.

Das finde ich wirklich beeindruckend. Und ich finde es spannend, dass genau das das Erste ist, was Gott bei Jakob tut, bevor er weitere Werkzeuge einsetzt. Er bestätigt ihm die Verheißung, sagt sie ihm zu und begegnet ihm persönlich. Das ist sehr ermutigend.

An dieser Stelle steckt noch mehr drin. Ich möchte nur kurz anreißen, was es mit der Himmelsleiter auf sich hat. Wahrscheinlich ist der Begriff „Leiter“ nicht ganz richtig übersetzt. Gemeint ist eher ein Zikkurat, das sind die Türme, die im Altertum gebaut wurden. Damit wird eine Verbindung geschaffen, nämlich zum Turmbau zu Babel. Dort gab es einen ähnlichen Turm.

Dieser Turm ist aber anders: Er wird nicht von der Erde zum Himmel gebaut, was gescheitert ist, sondern von Himmel zur Erde. Gott baut ihn, und von oben herab steigen die Engel herab und kommen zu den Menschen. Das ist es, was Gott Jakob zeigen will, auch wenn Jakob es wahrscheinlich noch nicht ganz versteht. Gott muss zu den Menschen herabkommen. Er muss die Verbindung zu den Menschen wiederherstellen. Er muss tätig werden, damit die Dinge gelingen.

Wir kennen hier natürlich die bessere Leiter, den besseren Turm. Jesus bringt sich selbst in Johannes 1, Vers 51 mit dieser Leiter in Verbindung, auf der man die Engel herabsteigen sieht, und die Engel des Menschensohnes. Wir wissen, dass er die Verbindung ist, die die Trennung zwischen Gott und Menschen endgültig aufhebt. Denn er ist der, der Mensch wurde, um uns zu retten.

Das bedeutet auch, dass Jesus für uns sterben musste, sein Leben gab für die Schuld, die bei Jakob da war, die auch bei mir und dir da ist, um sie zu sühnen und wegzunehmen. Nur von oben her ist es möglich, Frucht zu bringen oder für Jakob dieser Segen zu sein, der er sein sollte. Deshalb steht die Leiter zuerst.

Wenn ihr weiterlest, werdet ihr sehen, dass Jakobs Reaktion nicht sofort von großer Begeisterung oder totaler Hingabe geprägt ist. Er ist eher skeptisch. Er baut einen Altar und sagt: „Aha, der Gott soll mein Gott sein, wenn er mich wieder hierher zurückbringt.“ Das ist erst einmal seine Reaktion.

Also: Ja, Gott soll mein Gott sein, solange er mir Gutes tut. Und da sind wir uns vielleicht manchmal ziemlich ähnlich. Wir wollen Gott an unserer Seite haben, solange er uns hilft, solange er uns Gutes tut. Aber uns ihm ganz hinzugeben – das ist dann doch eine andere Sache.

Jakobs Zeit bei Laban und die Folgen von Betrug

In den Kapiteln 29 bis 31 wird die Flucht Jakobs weiter erzählt. Er kommt zu Laban, seinem Onkel. Dort lernt er eine hübsche junge Frau namens Rachel kennen, verliebt sich in sie und möchte sie heiraten.

Damals war eine Heirat nicht so locker wie heute. Wenn man damals eine Frau heiraten wollte, musste man oft den Vater um Erlaubnis fragen – wenn überhaupt. Eine Frau aus gutem Hause hatte damals einen hohen Preis. Genauer gesagt, kostete sie sieben Jahreslöhne. Es steckte also viel dahinter.

Jakob war so verliebt in Rachel, dass er bereit war, diesen Preis zu zahlen. Doch als die Hochzeit und die Hochzeitsnacht kommen, erlebt Jakob eine Überraschung. Laban, der Meister im Betrügen, überlistet ihn. Er gibt ihm nicht Rachel, sondern seine ältere Tochter zur Frau. Da die Hochzeit und die Hochzeitsnacht wohl verschleiert abliefen, merkt Jakob erst danach, was geschehen ist. Jetzt ist die Ehe vollzogen, und er kann nicht mehr zurück.

Es ist spannend zu sehen, wie Gott hier wirkt. Wir können nicht alles im Detail lesen, aber die Geschichte ist bekannt: Jakob wird mit seinen eigenen Waffen geschlagen und erfährt, wie es ist, betrogen zu werden.

Gott begleitet Jakob Schritt für Schritt durch tiefe Täler. Jakob arbeitet weitere sieben Jahre, um Rachel doch noch zu bekommen. Rachel bekommt er zwar schon vor Ablauf der sieben Jahre, quasi auf Kredit bei Laban, aber die sieben Jahre Arbeit muss er trotzdem erfüllen.

In dieser Zeit bekommt Jakob elf Söhne. Schließlich möchte er seinen Lohn haben, weil er länger für Laban gearbeitet hat. Ob man das als Betrug bezeichnen kann, ist fraglich, aber Jakob ist auf jeden Fall sehr geschickt. Er teilt die Herde zwischen sich und Laban so auf, dass er die besonderen Schafe bekommt. Dabei nutzt er einen Trick mit Holz oder Früchten, die die meisten Schafe besonders machen. So wird Jakob sehr reich.

Das führt dazu, dass Labans Söhne eifersüchtig werden. Sie sehen ihr Erbe schwinden – vielleicht nicht ganz zu Unrecht. Auch Laban sieht Jakob nicht mehr wohlwollend an, wie es in der Bibel heißt.

Deshalb sammelt Jakob bei Nacht und Nebel seine Familie und flieht zurück in sein Heimatland. Gott hat vorher eingegriffen und ihm gesagt, dass Laban ihm seinen Lohn nie geben wird. Er soll zurückkehren, und Gott wird ihn nach Hause bringen.

Laban verfolgt Jakob und holt ihn ein. Es kommt zu einem Streit. Dabei wird auch erwähnt, dass Rahel einen Götzen von Jakob mitgenommen hat. Diese und weitere Themen sind interessant, sollen hier aber nicht im Detail betrachtet werden.

Laban muss schließlich eingestehen, dass er Jakob wahrscheinlich wirklich betrogen hat. Der daraus entstehende Friedensvertrag – so könnte man es heute nennen – verschafft Jakob zumindest Sicherheit im Rücken.

Doch zurückkehren kann er nicht, weil das Problem mit Laban und seinen Söhnen weiter besteht. Für alle ist kein Platz.

Jakobs Begegnung mit Esau und die Erkenntnis der eigenen Schwäche

Jakob befindet sich in einer Situation, die ich nun genauer mit euch betrachten möchte. Er hat zwar den Rücken frei, kann aber nicht zurück. Vor sich hat er jemanden, der ihm entgegensteht, falls er in sein Heimatland zurückkehren will. Dieser andere heißt Esau. Vor ihm ist Jakob nämlich geflohen, weil Esau ihm nach dem Leben getrachtet hat.

Das Ganze, was wir uns jetzt anschauen, spielt vor allem in Kapitel 32. Jakob sendet zunächst Boten zu Esau und sagt ihnen, er hoffe, dass er Gnade in seinen Augen gefunden hat, dass er in Frieden kommen kann und schickt Geschenke. Die Boten kehren zurück und berichten Jakob, dass Esau ihm mit vierhundert Mann entgegenzieht. Jakobs Herz rutscht in die Hose, und das schauen wir uns jetzt genauer an, ab Vers 8 in Kapitel 32.

Dort heißt es: „Da fürchtete sich Jakob sehr, und ihm wurde bange.“ Um das mal ganz deutlich zu machen: Jakob weiß nicht mehr ein noch aus und hat wirklich Angst. Das ist nicht einfach nur ein kurzes Hoffen, dass alles gut ausgeht, sondern er ist in Panik. Das sieht man auch daran, was er jetzt tut. Er teilt nämlich das Volk, das bei ihm war – Schafe, Rinder, Kamele – in zwei Lager auf. Er sagt, wenn Esau über eines der Lager kommt, stürzt er sich erst mal darauf, dann kann das andere zumindest fliehen. Vielleicht kommt die Hälfte irgendwo davon. Das ist seine Sorge.

Jetzt kommt etwas ganz Spannendes, was Jakob bisher nie getan hat. Wenn ihr das ganze Kapitel lest, findet ihr bis hierher nichts Vergleichbares. In Vers 10 spricht Jakob zu Gott: „Gott meines Vaters Abraham und Gott meines Vaters Isaak, der du zu mir gesagt hast: Sieh wieder in dein Land und zu deiner Verwandtschaft, ich will dir Wohltun! Herr, ich bin zu gering aller Barmherzigkeit und aller Treue, die du an deinem Knecht getan hast. Denn ich hatte nicht mehr als diesen Stab, als ich hier über den Jordan ging, und nun sind aus mir zwei Lager geworden. Errette mich von der Hand meines Bruders, von der Hand Esaus, denn ich fürchte mich vor ihm, dass er komme und schlage mich samt den Müttern und Kindern!“

Bis hierhin hat Jakob eigentlich immer aus eigener Kraft gehandelt und war sehr selbstbewusst unterwegs. Es gibt keine einzige Stelle, an der er vorher zu Gott fleht oder ihn bittet. Jakob ist so schlau und klug, dass er auf sich selbst vertraut und alles selbst regelt. Jetzt führt Gott ihn in eine Situation, in der all das schwindet und weg ist. Jakob verliert sein ganzes Vertrauen in sich selbst.

Gott ist bereit, ihn ins verheißene Land zurückzubringen, aber davor muss Jakob etwas lernen und in seinem Leben verändert werden. Hier begegnet uns ein tief gebeugter Jakob, der sich zu etwas bekennt, was vorher überhaupt nicht zu seinem Charakter passte: Er sagt, dass er zu gering ist für den Segen, den Gott ihm gegeben hat, dass er unwürdig ist für die Barmherzigkeit, die Gott ihm gezeigt hat.

Ihr solltet euch zuhause wirklich noch einmal die Jakobsgeschichte durchlesen, falls ihr das bis hierher nicht getan habt. Bis zu diesem Zeitpunkt merkt man überhaupt nichts von solchem Charakter bei Jakob. Er ist das Selbstbewusstsein in Person. Er steht so souverän da, und egal was kommt, er geht es selbst an. Jetzt aber weiß er nicht mehr weiter. Er geht sogar so weit, sich als Knecht Gottes zu bezeichnen. Der selbstbewusste Jakob, der Herrscher sein will, wird zum Sklaven Gottes, erkennt an, dass einer über ihm herrscht, und setzt seine ganze Hoffnung nur noch auf diesen Gott. Er hofft, dass Gott ihn aus der Hand seines Bruders Esau retten kann.

Es ist das erste Mal, dass Jakob erkennt, dass er sich nicht selbst retten kann, sondern nur Gott dazu in der Lage ist. Jakob sollte der Erbe der Verheißung sein und war selbst davon überzeugt. Er hat versucht, diesen Weg zur Erfüllung selbst zu gehen. Auch wenn er jetzt viel Reichtum und Ähnliches erlebt hat, hat ihn das in dieses Tal zwischen Laban und Esau gebracht, wo er selbst nicht weiß, wie er da rauskommt.

Ich glaube, Jakob war wirklich überzeugt, dass Esau mit den vierhundert Mann und Waffen ihm das Ende bereiten will, so wie er hier handelt. Bevor Gott Jakobs Gebet erhört – und wir werden später sehen, wie er das tut – stellt er sicher, dass Jakob wirklich verstanden hat, worum es geht. Es ist nicht nur ein flüchtiges Hilfsgebet in der Not, sondern Jakob erwartet wirklich alles von Gott. Wir lesen die Verse 23 bis 32 noch.

Dort steht: Jakob stand in der Nacht auf, nahm seine beiden Frauen, die beiden Mägde und seine elf Söhne und zog an die Furt des Jabbok. Er führte sie über das Wasser, sodass alles, was er hatte, hinüberkam, und blieb allein zurück. Er überquert mit ihnen also den Fluss in Richtung Esau.

Da rang ein Mann mit Jakob. Jakob war allein, in der Nacht, in der Dunkelheit an diesem Fluss. Sie kämpften bis zur Morgenröte. Als der Mann sah, dass er Jakob nicht überwältigen konnte, schlug er ihn auf das Gelenk seiner Hüfte. Jakob hatte also noch Kraft, aber sein Hüftgelenk wurde verrenkt.

Der Mann sprach: „Lass mich gehen, denn die Morgenröte bricht an.“ Stellt euch die Situation vor: Jakob kämpft, wird am Hüftgelenk verletzt und ist eigentlich nicht mehr in der Lage, weiterzukämpfen. Der Kampf ist körperlich vorbei.

Ich werde gleich erklären, warum Jakob trotzdem als Sieger gilt. Körperlich ist er geschlagen. Wahrscheinlich liegt er vor Schmerzen am Boden, klammert sich an den Fuß des anderen und sagt: „Jetzt lass mich aber gehen, die Morgendämmerung bricht an, die Nummer ist durch.“

Doch Jakob trifft eine entscheidende Aussage: „Ich lasse dich nicht los, bis du mich segnest.“ Der Mann fragt: „Wie heißt du?“ Jakob antwortet. Die Bedeutung dahinter ist „Betrüger“. Der Mann sagt: „Du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel, denn du hast mit Gott und Menschen gekämpft und gewonnen.“

Jakob fragt weiter: „Sag doch, wie heißt du?“ Der Mann antwortet: „Warum fragst du nach meinem Namen?“ Und er segnete Jakob dort.

Jakob nannte die Stätte Penuel, denn er sagte: „Ich habe Gott von Angesicht gesehen, und doch wurde mein Leben gerettet.“ Als Jakob an Penuel vorbeikam, ging ihm die Sonne auf, und er hinkte an seiner Hüfte. Deshalb essen die Israeliten bis heute nicht das Muskelstück am Hüftgelenk, weil es bei diesem Kampf verletzt wurde.

All diese Details führen dazu, dass man den Mann als Gott, den Herrn oder als Engel Gottes identifiziert, wie er bei den Patriarchen öfter erscheint.

War Gott nicht in der Lage, Jakob körperlich zu überwältigen? War Gott nicht in der Lage, gegen Jakob zu gewinnen? Warum heißt es dann, dass Jakob mit Gott und Menschen gekämpft und gewonnen hat?

Ich denke, weil Gott genau das erreichen wollte. Er bricht Jakobs letzte Stärke, seine körperliche Kraft, indem er ihm auf die Hüfte schlägt. Jakob muss Esau jetzt hinkend begegnen. Er hat nicht einmal mehr die Kraft, Esau herauszufordern. Seine Hüfte ist ausgerenkt, er ist schwach und kaputt.

Aber indem Jakobs körperliche Kraft gebrochen wird und er eigentlich verliert, gewinnt er. Denn seine Reaktion ist, sich an Gott zu klammern und zu sagen: „Ich lasse dich nicht los, bis du mich segnest.“ Er gibt nicht auf, sondern hält an Gott fest.

Ich glaube, Gott erreicht hier mit Jakob sein Ziel am Flussufer. Durch seine Gnade verändert er Jakobs Leben. Das wird deutlich im neuen Namen, den Jakob jetzt bekommt: Israel. Dieser Name kann übersetzt werden mit „Gott kämpft“ oder „Gott wird kämpfen“. Das zeigt, dass eine Veränderung bei Jakob stattgefunden hat.

Jakob, der selbst kämpft, handelt und wirkt, bekommt den neuen Namen Israel – Gott wird handeln, Gott wird kämpfen. Jakobs Leben verläuft nun anders. Das heißt nicht, dass alles perfekt ist. Aber wir hören nicht mehr viel davon, dass Jakob die Dinge selbst in die Hand nehmen will. Seine Söhne tun das später, besonders Joseph, auf den wir noch zurückkommen.

Am Ende seines Lebens steht Jakob vor dem Pharao, segnet ihn, und durch seine Familie, durch Joseph, wird mehr oder weniger die damalige ganze Welt gesegnet und gerettet. Ihr kennt die Geschichte: Joseph sorgt dafür, dass in Ägypten Vorräte angelegt werden.

Gott macht Jakob auf Dauer wirklich zu einem Segen. Aber der Weg dahin führt ihn durch ein tiefes Tal. Ich glaube, das ist bei uns manchmal ähnlich. Der Weg, dass wir zu Segensträgern werden, zu Apfelbäumen, die voll Früchte tragen, ist derselbe. Gott beginnt, die schlechten Dinge in unserem Leben abzuschneiden.

Er nimmt das weg, was wir selbst aufgebaut haben und erreicht haben. Er führt uns in Situationen, in denen wir all unserer Kraft beraubt sind, in denen unsere ganze Stärke weg ist, sodass uns nichts anderes übrigbleibt, als uns wie Jakob an Gott zu hängen und zu sagen: „Ich lasse dich nicht los, du segnest mich denn.“

Gott muss manchmal radikal in unser Leben eingreifen und das wegnehmen, was wir selbst geleistet haben, um uns das zu schenken, was nur er schenken kann.

Jeder von uns kennt diesen Typ Mensch – vielleicht bist du selbst so einer –, der irgendwie alles selbst regelt. Mit solchen Charakteren kann Gott nichts anfangen. Gott braucht Menschen, die sich ganz auf ihn verlassen und auf ihre eigene Stärke verzichten, damit er wirken kann.

Gerade wenn du in einer christlichen Familie aufgewachsen bist, ist das eine große Gefahr. Wir meinen oft, wir haben es selbst drauf. Ähnlich wie Jakob, der auch in einer Verheißungsfamilie aufgewachsen ist.

Die Herausforderung für uns ist, nicht zu versuchen, Gottes Pläne durch unsere eigenen Pläne zu verwirklichen oder durch unsere eigenen Ideen zu bauen. Wir können es nicht.

Wenn Gott in deinem Leben anklopft und dir zeigt, was weggehört, solltest du ihn arbeiten lassen und nicht rebellieren. Schenke ihm dein Vertrauen, höre auf, gegen Gott zu kämpfen, auch wenn er dich mit deiner eigenen Kraft bricht. Klammer dich an ihn, hänge an ihm, gib dich ihm hin, damit er den Takt und die Richtung vorgibt.

Das ist die große Botschaft hinter der Jakobsgeschichte, die wir für unser Leben mitnehmen können: Gott ist in der Lage, unseren Charakter und unser Wesen zu verändern. Er kann uns gerade biegen, so wie er es bei Jakob getan hat, die Wasserwaage wieder ins Lot bringen.

Dort, wo wir uns an ihn hängen, können wir viel Frucht bringen. Genau das beschreibt Johannes 15, wo ich am Anfang hergekommen bin, mit dem Thema, viel Frucht zu bringen.

Ich lese es uns einfach vor, um damit zu enden: Johannes 15, Vers 1ff.

Jesus sagt: „Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Weingärtner. Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er weg, und jede, die Frucht bringt, schneidet er zurück und reinigt sie, damit sie noch mehr Frucht bringt. Ihr aber seid schon rein, ihr seid es aufgrund der Botschaft, die ich euch anvertraut habe. Bleibt in mir, und ich bleibe in euch. Eine Rebe kann nicht aus sich selbst Frucht bringen; sie muss am Weinstock bleiben. Auch ihr könnt keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir verbunden bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, bringt reichlich Frucht. Denn getrennt von mir könnt ihr nichts bewirken. Wer nicht in mir bleibt, wird weggeworfen und verdorrt wie eine nutzlose Rebe. Solche Reben sammelt man nur noch auf, um sie zu verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und mein Wort in euch bleibt, könnt ihr bitten, was ihr wollt, und ihr werdet es bekommen. Die Herrlichkeit meines Vaters wird dadurch sichtbar, dass ihr viel Frucht bringt und euch so als meine Jünger erweist.“

Das, was hier beschrieben ist und was in Jakobs Leben passiert ist, zeigt, dass Gott bei den Kindern seiner Verheißung, bei seinen Erwählten, als Weingärtner unterwegs ist. Er schneidet die Äste ab, auf die wir oft so stolz sind. Das sind vielleicht die prächtigsten Äste, die am besten aussehen und an denen wir denken, wir hätten etwas für Gottes Reich erreicht. Doch Gott schneidet sie manchmal weg. Das tut weh, verletzt uns und führt uns in tiefe Täler.

Wir fragen uns: Wie kann er das nur wegnehmen? Das ist doch so wichtig! Aber er tut es, weil er den wahren Weinstock dahinter sieht und sieht, was er daraus wachsen lassen wird – viel mehr, als es bei Jakob war.

Ich finde es ermutigend, dass Gott trotz unserer schlechten Charaktere, die wir alle mitbringen, und trotz der oft schlechten, faulen Früchte, die wir hervorbringen, in der Lage ist, mit uns sein Reich zu bauen.

Er tut es, indem er uns verändert und uns in schwierige Situationen führt, in denen er „reinschneidet“. Lass es zu! Lass Gott die Schere dort ansetzen, wo es notwendig ist. Er bringt viel Größeres daraus hervor, weil wir dann zu diesen Apfelbäumen werden können, die wirklich Frucht bringen.

Diese Bäume biegen sich und sind kurz vorm Brechen, weil so viel Frucht daran hängt. Warum? Weil wir an dem wahren Weinstock hängen, der die Quelle ist und die Kraft gibt.

Ich wünsche mir, dass du das in deinem Leben erfährst: dass du vom Jakob zum Israel wirst, dass du Gott kämpfen lässt, weil du an ihm hängst, dich von ihm verändern lässt. Amen.