
Begrüßung und Gemeindeleben
Ja, schönen guten Morgen! Es ist schön, in der Gemeinde zu sein. Wir feiern heute wieder ein wunderbares Fest, denn wir dürfen zum Tisch des Herrn kommen. Das ist ein Gnadengeschenk. Ebenso ist es von Gott gegeben, dass unsere Gemeinde so viel Leben hat.
Heute haben wir eine Geburt angekündigt, die Erstklässler eingesegnet, gemeinsam gesungen und den Chor gehört. Das führt uns zur Überleitung für den kommenden Samstag: Die Arche in Erlangen veranstaltet ein Treffen, und der Chor, der heute gesungen hat, wird dort mitwirken.
Ich lade dazu alle ein, besonders auch unsere Zuschauer im Livestream. Alle, die im Großraum Erlangen wohnen, sind herzlich eingeladen, zu kommen. Wir treffen uns am 13.09., also am kommenden Samstag, um 16:00 Uhr in der Heinrich-Ladis-Halle, Rathausplatz 2, in Erlangen.
Wir laden alle unsere Freunde ein, dabei zu sein. Gemeinsam werden wir Gott im Gesang ehren, von der Mission hören, eine Predigt hören, zusammen beten und auch Lieder vom Chor genießen.
Die Archegemeinde bitte ich ganz herzlich, für diesen Einsatz zu beten. Der ganze Chor und darüber hinaus noch andere aus der Gemeinde werden sich auf den Weg machen. Möge Gott diese Zusammenkunft wohlwollend gebrauchen, Menschen zum Glauben führen und den Glauben stärken.
Einführung in das Predigtthema und Bibeltext
Nun kommen wir zum Wort Gottes. Eigentlich hatten wir am letzten Sonntag den Römerbrief bis einschließlich Kapitel 5, Vers 21, in der Predigt behandelt. Aber mir ging es ein Stück weit so, wie mein Vater immer zu sagen pflegt. Er verweist auf die Schilder an der Autobahn, auf denen steht: Nicht Rasen, sondern – wie heißt das? Statt Rasen Reisen oder wie genau? Richtig, Reisen statt Rasen.
Du kennst das auch: Wenn du mit dem Fahrrad unterwegs bist, hast du ein ganz anderes Gefühl, als wenn du mit 180 km/h über die Autobahn jagst. Auf dem Fahrrad spürst du den Wind, du riechst den Wald, du siehst die Blumen und sogar grüßt du entgegenkommende Fahrradfahrer mit einem „Guten Tag“. Das machst du auf der Autobahn nicht mit den entgegenkommenden Fahrzeugen.
Was will ich damit sagen? Wir wollen auch durch den Römerbrief nicht rasen, sondern wir wollen uns die Texte mit offenen Augen und Herzen anschauen. Deswegen bin ich noch einmal an zwei Versen aus Kapitel 5 hängen geblieben. Ich hatte den Eindruck, dass man über jeden Vers noch viel mehr sagen könnte, denn da steckt so viel Inhalt drin. Es wäre schade, wenn wir mit Vollgas daran vorbeifahren und nicht noch einmal innehalten.
Also lade ich euch ein, mit mir zu stehen bei Römer 5, Verse 20 und 21:
„Das Gesetz aber ist daneben hereingekommen, damit das Maß der Übertretung voll würde. Wo aber das Maß der Sünde voll geworden ist, da ist die Gnade überströmend geworden, damit, wie die Sünde geherrscht hat im Tod, so auch die Gnade herrsche durch Gerechtigkeit zu ewigem Leben durch Jesus Christus, unseren Herrn.“ Amen.
Nehmt Platz.
Die zwei Repräsentanten der Menschheit
Letzte Woche haben wir gehört, dass es für Gott nur zwei Gruppen von Menschen gibt. Entweder du bist in Adam oder aber du bist in Christus. Es gibt keine andere Kategorie, die wirklich zählt – weder Herkunft, noch Finanzen, noch Bildung, noch Geschlecht. Die alles entscheidende Frage ist: Wer ist dein Repräsentant, Adam oder Jesus?
Der erste Repräsentant der Menschen, grundsätzlich jedes Menschen, war Adam. In ihm war die gesamte Menschheit enthalten, so hat uns Römer 5 gelehrt. Als er sündigte, sündigten in ihm auch alle anderen Menschen, die nach ihm kamen. Als in der Folge der Tod zu Adam kam, kam auch der Tod zu allen. Das ist der Grund, warum wir sterben. Darüber sprachen wir.
Nun schreibt Paulus in Vers 18 des fünften Kapitels: Wie durch die Übertretung des einen, also des Adams, die Verurteilung für alle Menschen kam. Aber wir haben auch gehört: Halleluja, Preis dem Herrn, es gibt noch einen anderen Repräsentanten. Es ist nicht bei Adam geblieben.
Die gute Nachricht ist: Es gibt einen anderen Repräsentanten, Jesus Christus, das Bundeshaupt der Erlösten. Durch den Glauben darfst du in ihm sein. So wie Paulus in Kapitel 5 immer wieder auf den Ungehorsam des Ersten, also Adams, hinweist, so weist er zur gleichen Zeit im Kapitel 5 immer wieder darauf hin, dass da ein anderer ist: Jesus, der gerecht ist und der Leben bringt und nicht tot macht wie Adam.
Römer 5,18 noch einmal insgesamt: Wie nun durch die Übertretung des einen, also Adams, die Verurteilung für alle Menschen kam, so kommt auch durch die Gerechtigkeit des einen für alle Menschen die Rechtfertigung, die Leben gibt.
Also, so wie wir mit Adam vereint waren, sodass sein Fall unser Fall wurde und wir mit ihm verurteilt wurden, so sind die Gläubigen jetzt mit Christus vereint, mit Jesus verbunden. So wurde sein Tod für die Sünden zu deinem Tod für deine Sünden. Seine erworbene Gerechtigkeit wurde zu deiner Gerechtigkeit, die dir zugerechnet wird, weil du durch den Glauben mit ihm gestorben bist. Und so wird auch seine Auferstehung zum Leben deine Auferstehung zum Leben, weil du in ihm bist.
Halleluja, der Tod ist besiegt! Du brauchst keine Angst mehr haben, denn du hast Jesus als deinen Repräsentanten.
Die Herrschaft der Gnade im Gegensatz zur Herrschaft des Todes
Paulus hat uns gelehrt, dass unter Adam der Tod herrschte (Vers 17). Denn infolge der Übertretung des einen kam der Tod zur Herrschaft durch den einen.
Gleichzeitig lehrt er, und das führt uns jetzt zu unserem Bibeltext, dass während unter Adam der Tod herrschte, unter Christus die Gnade herrscht. In Vers 20b heißt es: Die Gnade ist überströmend geworden (Vers 20b).
In Vers 21 heißt es weiter: Damit, wie die Sünde im Tod geherrscht hat, so auch die Gnade durch Gerechtigkeit zu ewigem Leben herrsche durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Darüber konnte ich nicht einfach hinweggehen. Da musste ich von 180 aufs Fahrrad steigen. Versteht ihr, was ich meine? Bei diesem Ausdruck „Die Gnade herrscht“ – der Tod herrscht nicht mehr, sondern jetzt herrscht Gnade.
Diese Gnade wollen wir uns anschauen. Das ist eigentlich die Gliederung:
Erstens, die Gnade ist unaufhaltsam.
Zweitens, die Gnade ist im Übermaß vorhanden.
Und drittens, die Gnade herrscht.
Die unaufhaltsame Gnade
Schauen wir uns zuerst die unaufhaltsame Gnade an. Nochmal Vers 20: Paulus schreibt dort, das Gesetz sei daneben hereingekommen, damit das Maß der Übertretung voll würde. Was heißt das?
Die Sünde kam durch Adam in die Welt. Paulus schreibt nun, dass daneben das Gesetz hereingekommen ist. Mit anderen Worten: Einige Zeit später, am Berg Sinai, wurden die Zehn Gebote, das Gesetz Gottes, verkündet.
Das Gesetz selbst erzeugt keine Sünde und produziert sie auch nicht. Es sind die bösen Neigungen unserer Herzen, die die Sünde hervorbringen, nicht das Gesetz. Das Gesetz definiert lediglich die Sünde und verurteilt sie. Es offenbart die Sünde. An anderer Stelle wird es mit einem Spiegel verglichen, in dem wir erkennen, wer wir wirklich sind. Es zeigt dir, dass du ein Sünder bist – das ist die Rolle des Gesetzes.
Dann schreibt Paulus in Vers 20b weiter: „Wo aber das Maß der Sünde voll geworden ist, da ist die Gnade überströmend geworden.“
Um es gleich an dieser Stelle vorwegzunehmen, was wir in den nächsten Wochen hören werden und worauf auch Kapitel 6 sehr ernsthaft und detailliert eingeht, ist Folgendes:
Es kann sein, dass jemand diesen Satz liest: „Wo aber das Maß der Sünde voll geworden ist, da ist die Gnade überströmend geworden“ und meint, das sei ein Freifahrtschein zum Sündigen. Weil die Gnade erst dann zur Entfaltung kommt, wenn das Maß der Sünde voll ist, denkt er vielleicht: „Also sündige ich, bis das Maß voll ist, und dann kann die Gnade überströmen.“
Das ist nicht die richtige Rechnung. Das müssen wir gleich zu Beginn dieser Predigt festhalten, bevor wir auf die Gnade eingehen. Ich empfehle, heute Nachmittag Römer 6 zu lesen. Dort wird klar gemacht, dass, wenn du in Christus bist, du eben nicht danach strebst, zu sündigen, damit die Gnade größer wird. Stattdessen bist du in Christus der Sünde gestorben und willst sie deswegen nicht mehr tun. Das ist ganz anders.
Aber wie ist der Vers zu verstehen: „Wo aber das Maß der Sünde voll geworden ist, da ist die Gnade überströmend geworden“?
Dieser Vers zeigt uns die Großartigkeit unseres Gottes. Gott handelt nämlich ganz anders als wir. Du kennst das: Dir hat jemand Unrecht getan, und du ziehst dich zurück, meidest diese Person. Es hat dich verletzt, du fühlst dich angegriffen und ungerecht behandelt. Also entziehst du der Person dein Wohlwollen und sogar deine Gunst. Am liebsten willst du mit ihr gar nichts mehr zu tun haben. Deine Gnade der Person gegenüber ist gedämpft.
Bei Gott ist es anders. Er ist anders als wir. Seine Gnade lässt sich von der Sünde nicht aufhalten. Während die Sünde, die gegen dich begangen wird, in dir einen Rückzug veranlasst, ist es bei Gott nicht so. „Wo aber das Maß der Sünde voll geworden ist, da ist die Gnade überströmend geworden.“
James Montgomery Boyce hat dies in seinem Kommentar zum Römerbrief sehr hilfreich dargelegt. Er verweist zum Beispiel auf Adam. Als Adam und Eva sündigten, erinnerten sie sich daran, dass sie fürchteten, Gott könnte seine Gnade zurückziehen. Sie hatten Angst vor einer sofortigen Strafe, sie versteckten sich. Es war eine schreckliche Furcht, die sie überkam. Sie dachten, das Gericht Gottes komme unmittelbar über sie. Schließlich hatte Gott doch gesagt: „Von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen sollst du nicht essen, denn an dem Tag, an dem du davon isst, musst du gewisslich sterben.“
Als Gott dann in den Garten kam und rief: „Adam, wo bist du?“, versteckte er sich zusammen mit Eva und hatte furchtbare Angst, dass jetzt alles vorbei sei. Doch stattdessen fand er überfließende Gnade. Denn im selben Kontext kündigte Gott an: „Ich sende einen Erlöser“ (1. Mose 3,15). Er wird das Gericht und die Strafe, die du verdienst, für dich tragen. Gott bekleidete Adam mit Kleidung aus Fellen und bedeckte seine Nacktheit. Das ist das komplette Gegenteil von dem, wie wir reagiert hätten. Adam empfing Gnade.
Denken wir an Israel. Gott hatte dem Volk gesagt, dass sie keine anderen Götter neben ihm haben sollen. Und was machten sie? Sie fertigten ein goldenes Kalb an und beteten es an. Während Mose oben auf dem Berg in der heiligen Gegenwart Gottes stand, spielte das Volk unten verrückt. Sie wussten genau, dass das, was sie taten, nicht richtig war und gegen Gott ging. Trotzdem taten sie es.
Hat Gott seine Gnade jetzt von ihnen weichen lassen? Nein. Obwohl sie riefen: „Dieses Kalb hat uns aus Ägypten geführt“, gab er ihnen stattdessen genaue Baupläne für die Stiftshütte. Dort konnten sie mittels eines Hohenpriesters und durch Opfer Sühnung für ihre Sünden erlangen. Stell dir das mal vor! Es ist das komplette Gegenteil von dem, wie du und ich reagieren würden. Es ist Gnade – er gewährte ihnen Gnade.
Wie war es bei Petrus? Dreimal verleugnete er Jesus. Er fluchte und schwor: „Ich kenne diesen nicht.“ Und Jesus? Wie reagierte Jesus? Sagt er: „So, Petrus, jetzt ist alles vorbei, das war's“? Nein. Nach seiner Auferstehung erschien er ihm persönlich und setzte ihn in den Dienst ein: „Simon, Sohn des Jonas, liebst du mich?“ – „Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe.“ – „Hüte meine Schafe, weide meine Lämmer, geh und diene mir.“
Paulus war ein Lästerer, Verfolger, Frevler. Und doch rief er aus: „Die Gnade unseres Herrn wurde in meinem Leben über alle Maßen groß.“ Glaubwürdig schreibt er, ist das Wort und aller Annahme wert, dass Jesus Christus in die Welt gekommen ist, um Sünder zu retten, „von denen ich der größte bin“. Er war ein Verfolger der Christen. Aber darum ist ihm Erbarmen widerfahren, damit an ihm zuerst Jesus Christus alle Langmut erweise – zum Vorbild für die, die künftig an ihn glauben würden, zum ewigen Leben.
Schau mal: Adam, Israel, Petrus, Paulus – wir könnten die Liste fortsetzen, auch David. Bei allen gilt: Die Gnade ließ sich von ihrer Sünde nicht aufhalten. „Da, wo das Maß der Sünde voll ist, ist die Gnade überströmend.“
Wie ist das bei dir? Denk mal darüber nach. Ich kenne euch nicht alle persönlich. Die Frage ist: Bist du dir deiner Schuld bewusst? Es gibt heute Morgen mit Sicherheit einige hier in diesem Raum, die ihre Schuld gar nicht sehen. Sie sind noch tot in den Übertretungen ihrer Sünden. Wenn sie nicht erkennen, was mit ihnen ist, laufen sie schnurstracks auf ihr Gericht zu.
Aber vielleicht bist du hier und dir jetzt deiner Schuld bewusst. Du schleppst sie ja schon so lange herum wie einen Sack Ziegelsteine auf deinem Herzen. Dein Gewissen ist belastet. Ich weiß nicht, welche Sünde es ist, die dich bedrückt. Hast du Rufmord begangen? Hast du jemanden so böse mitgespielt, dass im Prinzip das Leben von ihm zerstört ist? Hast du eine Affäre, von der niemand weiß? Hast du betrogen, hast du gelogen und ein Stück weit deines Lebens auf einer Lüge aufgebaut? Hast du gemordet?
Wenn du solche Lasten mit dir herumschleppst, dann ist dieses Wort heute eine Befreiung für dich: „Wo aber das Maß der Sünde voll geworden ist, ist die Gnade überströmend geworden.“ Verstehst du das? Sie strömt, sie fließt, sie kommt. Sie strömt über jeden Staudamm, über jedes Hindernis, über den Staudamm der Sünde.
Adam konnte die Gnade nicht aufhalten, Israel konnte die Gnade nicht aufhalten, Paulus konnte die Gnade nicht aufhalten, Petrus konnte die Gnade nicht aufhalten. Die Sünde kann die Gnade nicht aufhalten. Sie ist überfließend. Da ist keine Barriere, die Gott nicht mit seiner Gnade überwinden kann.
Was tut denn die Gnade, wenn sie strömt? Nun, sie sagt nicht: „Schwamm drüber, und alles ist in Ordnung.“ Sondern sie leitet dich zur Buße. Paulus schreibt ja vorher: „Verachtest du den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmut und erkennst nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet?“
Wenn die Gnade strömt, dann bringst du deine Schuld an das Kreuz. Du legst sie ab und sagst: „Herr Jesus, verzeih mir, vergib mir meine Schuld.“ Und während du das tust, glaubst du, dass das Kreuz die einzige Adresse im Universum ist, an der du deine Schuld loswirst.
So ist es: Diese Gnade ist unaufhaltsam. Das ist, was wir zuerst über diese Gnade in diesen Versen lernen.
Die Gnade in ihrer Fülle
Zweitens: Die Gnade ist im Übermaß vorhanden.
Nochmal der Text: „Wo aber das Maß der Sünde voll geworden ist, da ist die Gnade überströmend geworden.“ Das Wort „überströmend“ zeigt an, dass Gottes Gnade nicht knapp bemessen ist. Es ist nicht ein Tümpel oder eine Pfütze der Gnade, sondern ein Meer.
Gott hat nicht nur einen Eimer voll Gnade, den er auf die Sünder verteilt – je nachdem, wie groß ihre Sünden sind. Je mehr er verteilt, desto knapper würde die Gnade. Und wenn du dann zu spät kommst, ist nichts mehr da.
Gnade erschöpft sich jedoch nicht, wenn sie unsere Sünden bedeckt. Gott hat immer die Gnade, die für deine Erlösung notwendig ist. Vielleicht denkst du, dass du bei deiner Bekehrung das Gnadenreservoir Gottes schon aufgebraucht hast. Dem ist nicht so.
Und noch einmal, was ich eingangs sagte: Nicht, dass wir jetzt hier auf eine falsche Fährte kommen. Gott duldet keine Sünde. Er geht keine Kompromisse mit ihr ein, er hasst sie. Sie ist der Grund, warum er seinen Sohn sandte, damit dieser sein kostbares Leben am Kreuz von Golgatha gab – für den Sünder.
Wir dürfen nicht meinen, weil die Gnade überströmend ist, könne ich in der Sünde verweilen. Er will die Sünde in dir bekämpfen. Er will, dass du Sieg über sie hast und dass du in das Bild seines geliebten Sohnes Gottes verwandelt wirst.
Aber jetzt erinnert Gott dich an seine Gnade, die alle deine Sünden zu einhundert Prozent bedeckt, denn sie ist im Übermaß vorhanden.
Epheser 1,7: „In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Übertretungen nach dem Reichtum seiner Gnade, der uns überströmend widerfahren ließ.“
Epheser 2,4-5: „Gott aber, der reich ist an Erbarmen, hat um seiner großen Liebe willen, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren durch die Übertretungen, mit dem Christus lebendig gemacht. Aus Gnade seid ihr errettet.“
Reichtum ist da, überströmende Gnade ist da.
1. Timotheus 1,14: „Und die Gnade unseres Herrn wurde über alle Maßen groß.“
Das ist kein Eimer, das ist ein unendliches Meer, ein riesiges Reservoir seiner Gnade.
- Johannes 1,16: „Und aus seiner Fülle haben wir alle empfangen Gnade um Gnade.“
Wenn du in Christus bist, dann ist die überströmende Gnade für dich vorhanden.
Kannst du Amen sagen? Amen, es ist so.
Die herrschende Gnade
Und drittens: Die Gnade herrscht. Das finde ich eine ganz spannende Geschichte. Das war auch der Grund, warum ich noch einmal so daran hängen geblieben bin – dieses Herrschen. Das fand ich toll. Was ist das? Eine herrschende Gnade.
Paulus benutzt hier ein Bild, um die Wirkkraft der Gnade zu beschreiben. Er sagt in den Versen: „Wo aber das Maß der Sünde voll geworden ist, da ist die Gnade überströmend geworden. Damit, wie die Sünde geherrscht hat im Tod, so auch die Gnade herrsche durch Gerechtigkeit zu ewigem Leben durch Jesus Christus, unseren Herrn.“ (Römer 5,20-21)
Wir können also sagen, hier haben wir zwei Herrschaftsbereiche, die er aufmalt. Es ist ein Bild, das er uns gibt. Da ist ein Königreich, und in diesem Königreich herrscht die Sünde. Dann gibt es ein anderes Königreich, in dem die Gnade herrscht.
Dem Reich der Sünde steht ein Tyrann vor, ein furchtbarer Tyrann. Er ist rücksichtslos und übt Kontrolle über seine Untertanen aus. Ihm ist das Wohlbefinden der Menschen völlig egal. Er herrscht, und das Ergebnis seiner Herrschaft ist der Tod – vor dem du Angst hast, wenn du nicht in Christus bist. Das ist das größte Problem der Menschen.
Ich habe gerade gestern wieder etwas gelesen – ich glaube, es war in der Welt. Da stand eine Überschrift über Putin, der daran tüftelt, ewiges Leben zu haben. Den Text habe ich nicht gelesen, weil er hinter einer Bezahlschranke war. Aber das zeigt, was die Menschen wollen: Sie wollen, salopp gesagt, den Löffel nicht abgeben. Sie wollen ewig leben, weil sie Angst haben. Das ist die Tyrannei der Sünde, die Herrschaft, von der Paulus hier spricht.
Der König dieses Reiches ist die Sünde. Der andere König ist ein guter Herrscher. Er kam, um uns von der Sünde, vom Herrscher der Sünde, zu befreien. Er ist ganz anders geartet. Er will dir nicht das Schlechte anhängen, sondern dich befreien. Er will dir den Tod nehmen.
Deshalb kam dieser Herrscher Gnade, Jesus Christus. Er wurde selbst Mensch und hat die Schuld derer, die an ihn glauben, auf sich genommen. Am Kreuz hat er dafür bezahlt. Er kommt nicht, um Tod zu bringen, sondern um dir wahre Freude zu schenken. Dieser König heißt Gnade.
Die beiden Königreiche unterscheiden sich fundamental. Während König Gnade immer gibt, überströmt und überfließt, nimmt König Sünde immer weg. Immer weg. Denk an den verlorenen Sohn. Ihm ging es vielleicht so, wie es dir auch geht. Du denkst: Wenn ich in Christus bin, wird mir viel verboten, mir wird viel genommen, und die Freude geht verloren. Aber wenn ich in Adam bin, habe ich alle Freiheiten und kann tun und lassen, was ich will. Das ist ein Trugschluss.
Genauso dachte auch der verlorene Sohn: „Papa, gib mir mein Erbe.“ Und was machte er? Er legte los, ließ sein Leben in allen Facetten explodieren und gab das Geld aus. Wo landete er? Am Ende am Schweinestrog.
Die Sünde nahm ihm am Ende alles weg. Das ist das Königreich der Sünde – es nimmt weg. Wenn du König Sünde dienst und am Ende am Trog angelangt bist, bittest du um Hilfe. Doch dann lacht dich der König aus und reißt dir das Letzte, was du hast – dein Leben – aus der Hand.
Die Sünde ist ein Räuber. Sie nimmt deine Unschuld, verdirbt deinen Charakter, zerstört deine Gesundheit, raubt dir Freundschaft, verzerrt die Liebe, nimmt dir die Hoffnung und raubt dir deine Zufriedenheit, weil du nie genug bekommst. Am Ende, wenn du am Ende deines Lebens bist, lacht sie, wenn du durch die Tür der Hölle stolperst.
König Gnade ist ganz anders. Er nimmt nicht, sondern er gibt. Gnade hilft uns, trägt uns, segnet uns. Sie sieht uns, sie kennt dich. Christus liebt dich, sieht dich sterben und schenkt dir Leben.
Denn in Römer 6,23 heißt es: „Der Lohn der Sünde ist der Tod, aber die Gnadengabe Gottes ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserem Herrn.“
Deshalb wollen wir mit Freimütigkeit hinzutreten, wie der Hebräerbrief sagt, zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit erlangen und Gnade finden zur rechtzeitigen Hilfe. Halleluja!
Die Sicherheit der Gnade im Leben des Gläubigen
Jetzt noch zum Schluss: Vielleicht bist du hier und hast trotzdem noch Zweifel. Ich spreche zu Kindern Gottes, zu denen, die in Christus sind. Du bist hier und hast doch Zweifel. Warum? Weil du dich selbst zu gut kennst. Du traust dir selbst nicht über den Weg. Du weißt um deine Schwachstellen, von denen niemand sonst etwas weiß. Du fragst dich: Wird die Gnade am Ende in meinem Leben wirklich siegen? Oder wird mir die Gnade am Ende doch aus den Händen gerissen?
Nun, wenn wir an menschliche Gnade denken – und das haben wir gesagt – dann sind solche Gedanken bestimmt angebracht. Aber hier haben wir es nicht mit menschlicher, sondern mit göttlicher Gnade zu tun. Diese Gnade Gottes, und das ist, was der Text hier sagt: Sie herrscht jetzt. Sie herrscht in deinem Leben.
Mit anderen Worten: Sie ist eine Macht. Sie ist nicht allein eine Haltung Gottes, sondern eine Kraft, die sich zu denen ausstreckt, die verloren gehen. Sie regiert so mächtig im Leben eines Kindes Gottes, dass der Gläubige sicher in Gott sein darf. Denn du bist in Christus und in ihm gerecht gesprochen worden, wie der Römerbrief uns erklärt.
Wir selbst – ich kann es nicht, du kannst es nicht – wir können dem mächtigen Gegner, der Sünde ist, nicht standhalten. Das schaffen wir nicht. Wir schaffen es nicht, im Kampf gegen das Böse aus eigener Kraft zu bestehen. Aber es ist ja nicht deine Gnade, es ist auch nicht meine Gnade, sondern es ist Gottes Gnade. Und diese Gnade herrscht. Sie bringt dir Jesus Christus, der am Kreuz dein Heil erworben hat und der dir zuruft: Es gibt jetzt keine Verdammnis mehr für die, welche in Christus Jesus sind, durch den Glauben.
Der Glaube bringt ein bußfertiges Herz mit sich, der die Sünde bekennt, der zerbricht und ruft: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“ Durch diesen rettenden Glauben bist du mit Christus vereint – und das schon vor Grundlegung der Welt. Denn in ihm wurdest du erwählt zum ewigen Leben.
Jetzt glauben wir, dass uns auf den letzten Metern diese Gnade geraubt werden kann? Nein! Sie herrscht. Sie herrscht im Leben eines wiedergeborenen Christen.
Nun lebst du in Christus und Christus in dir. Du bist so mit ihm vereint, dass niemand mehr seine Gnade dir rauben kann. Erinnern wir uns, was er gesagt hat: „Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen, und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstossen. Und das ist der Wille des Vaters, der mich gesandt hat, dass ich nichts verliere von allem, was er mir gegeben hat, sondern dass ich es auferwecke am letzten Tag.“ Halleluja!
Die Gnade ist unaufhaltsam. Sie ist im Übermaß vorhanden, und sie herrscht. Weil sie herrscht, bringt sie dich ans Ziel.
Die entscheidende Frage ist: Bist du in Christus oder bist du noch in Adam? Möge Gott dir helfen, dass du erkennst: Ich brauche diesen rettenden Glauben.
Schlussgebet
Lass uns beten.
Vater im Himmel, danke für diese überströmende Gnade, die du uns in Jesus Christus zeigst und erweist. Danke, dass es nichts gibt, was diese überfließende Gnade aufhalten kann.
Ich danke dir, dass du durch das Wirken deines Heiligen Geistes jetzt die angesprochenen Dinge in den Herzen individuell zum Nachklingen bringst. So können wir darauf reagieren – sei es, dass wir umkehren und Buße tun, dich um Vergebung bitten oder unsere Sünden bekennen.
Vielleicht waren wir bisher in Adam, möchten nun aber in Christus sein und bitten um Glauben. Oder wir zweifeln, ob am Ende auch alles reichen wird. Herr, du vollbringst dein Werk so, wie du es möchtest, in den Herzen von uns allen.
Danke für dein Wort und danke, dass wir jetzt zu deinem Tisch kommen können, um uns daran zu erinnern, dass du dort am Kreuz für uns bezahlt hast. Amen.