Serie•Teil 37 / 60Der Messias im Alten Testament (AT)
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Einordnung der messianischen Linien in Jesaja 40
Im Studium der messianischen Passagen im Buch Jesaja kommen wir heute zu Kapitel 40. Wir konzentrieren uns ja speziell auf die Abschnitte im Alten Testament, die das erste Kommen des Erlösers im Auge haben, wohl bewusst, dass es immer wieder so im Alten Testament ist, dass beide Kommen, das Kommen zur Erlösung, zum Opfer, und das zweite Kommen zur Herrschaft und zur Einführung der Gerechtigkeit hier auf Erden, im gleichen Abschnitt zusammen behandelt werden. Und das werden wir auch sehr deutlich wiederfinden in Jesaja 40.
Wir lesen einfach mal die Verse 1 bis 11:
Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott. Redet zum Herzen Jerusalems und ruft ihm zu, dass sein Frohendienst vollendet, dass seine Schuld abgetragen ist; denn es hat von der Hand des Herrn das Doppelte empfangen für all seine Sünden.
Eine Stimme ruft: In der Wüste bahnt den Weg des Herrn, ebnet in der Steppe eine Straße für unseren Gott. Jedes Tal soll erhöht und jeder Berg und Hügel erniedrigt werden. Das Höckerige soll zur Ebene werden und das Hügelige zur Talebene. Und die Herrlichkeit des Herrn wird sich offenbaren, und alles Fleisch miteinander wird es sehen; denn der Mund des Herrn hat geredet.
Eine Stimme spricht: Rufe! Und ich sage: Was soll ich rufen? Alles Fleisch ist Gras, und all seine Anmut wie die Blume des Feldes. Das Gras ist verdorrt, die Blume ist verwelkt, denn der Hauch des Herrn hat sie angeweht. Fürwahr, das Volk ist Gras. Das Gras ist verdorrt, die Blume ist verwelkt, aber das Wort unseres Gottes besteht in Ewigkeit.
Auf einen hohen Berg steig hinauf, du Freudenbotin Zion. Erhebe mit Macht deine Stimme, du Freudenbotin Jerusalem. Erhebe sie, fürchte dich nicht. Sprich zu den Städten Judas: Siehe, da ist euer Gott! Siehe, der Herr, Herr, kommt mit Kraft, und sein Arm übt die Herrschaft über ihn aus. Siehe, sein Lohn ist bei ihm, und seine Belohnung geht vor ihm her. Er wird seine Herde weiden wie ein Hirte. Die Lämmer wird er in seinen Arm nehmen und in seinem Gewandbausch tragen. Die säugenden Muttertiere wird er fürsorglich leiten.
Ja, danke, noch bis dahin.
Der Aufbau des Jesajabuches und die geschichtliche Folie
Es ist ja so: Das Buch Jesaja ist das längste Prophetenbuch, das wir haben, mit 66 Kapiteln. Es ist das umfangreichste prophetische Buch der Bibel. Und es ist ganz offensichtlich, dass Jesaja zweigeteilt ist, also Teil 1, Kapitel 1 bis 39, und mit Kapitel 40 beginnt ein neuer Teil bis Kapitel 66.
Übrigens: Am Schluss des ersten Teils, also in den Kapiteln 36 bis 39, haben wir die Geschichte von König Hiskia, der zur Zeit von Jesaja regierte. Es geht da um die Bedrohung des judäischen Königreiches und insbesondere der Hauptstadt Jerusalem durch Assyrien. Und es ist eben so, dass besonders im ersten Teil von Jesaja Assyrien der grosse Feind Israels ist, der immer wieder vorgestellt wird. Und zwar nicht nur für die Zeit Jesajas selbst, sondern auch für die Endzeit.
Aber weil es eben zur Zeit Jesajas selbst die grosse Bedrohung war, spielt die Zeit von Hiskia eine so grosse Rolle im Propheten Jesaja. Und die Rettung, die König Hiskia und das Königreich Juda, Jerusalem damals durch Gottes direktes Eingreifen erlebt hatten, war wie ein Unterpfand, eine Bestätigung dafür, dass Gott, wenn der schlimmste Angriff von Assyrien in der Endzeit über Israel kommen wird, auch dann eingreifen und diesen Feind schliesslich vernichten wird.
Nur nebenbei gesagt: Was ist Assyrien in der Endzeit? Es entspricht in der Beschreibung genau dem, was Daniel beschreibt in Daniel 11,36 und folgende. Dort wird dieser Feind der König des Nordens genannt. Und in der erfüllten Prophetie war der König des Nordens immer Syrien, das heisst Syrien und Libanon, also Grosssyrien. Und das war in der erfüllten Prophetie das ganze Gebiet von Libanon und Syrien bis nach Pakistan. Das ist also das, was heute in diesem Bereich alles die islamische Welt ist, bis in die südlichen Teile der ehemaligen Sowjetunion, also mit diesen muslimischen Republiken. Das ist der König des Nordens aus Syrien, und das wird die schreckliche Bedrohung der Endzeit sein.
Und eben der erste Teil von Jesaja zeigt: Gott wird sein Volk zwar durch eine ganz, ganz schwere Not hindurchführen, als Antwort darauf, dass die Masse den Messias verworfen hatte. Aber schliesslich wird der Messias selber kommen, Assyrien vernichten und Gerechtigkeit bringen.
Und jetzt schliesst eben Kapitel 40 mit dem neuen Teil genau daran an. Darum beginnt es wie ein Trostbuch. Jesaja 40,1 liest nochmals jemand: Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott! Redet zum Herzen Jerusalems und ruft ihr zu, dass ihre Frondienst vollendet, dass ihre Schuld abgetragen ist; denn sie hat von der Hand des Herrn Zweifaches empfangen für alle ihre Sünden.
Jawohl, in Daniel 9 wird gesagt, als Antwort auf die Ermordung des Messias, wir hatten diese Stelle auch schon behandelt, wird Jerusalem und der Tempel zerstört werden. Und das hat sich ja im Jahr 70 nach Christus erfüllt. Und dann wird es Krieg und Verwüstung geben bis in die Endzeit. Und der Abschluss dieses Gerichts wird sein, der Verwüster, der überfluten wird. Das ist eine sehr typische Beschreibung des letzten Angriffs von Assyrien. Israel wird überrannt werden, aber dann wird der Herr Jesus kommen und sein Volk befreien.
Und so wird hier eigentlich darauf angespielt, wenn es heisst, dass ihre Mühsal vollendet sei, dass ihre Schuld abgetragen sei, dass sie von der Hand des Herrn Zweifaches empfangen habe für alle ihre Sünden. Gemeint ist diese ganze Folge ab dem Jahr 70 nach Christus, die ganzen Verfolgungen der Juden bis in die Endzeit und was noch kommen wird mit der islamischen Welt und der Führung von Syrien. Aber dann ist Schluss.
Und hier haben wir den Aufruf Gottes, dass jetzt sein Volk getröstet werden soll. Jetzt ist alle Mühsal vorbei. Also Jesaja 40 stellt uns, kann man sagen, gerade ans Ende der grossen Drangsalzeit, die für uns noch etwas zukünftig ist. Der Herr Jesus kommt wieder als König, und man ruft allgemein dieses Volk auf, das so viel Not durch diese vergangenen zweitausend Jahre hindurch erlebt hat. Das soll jetzt getröstet werden.
Der König kommt als Richter und Hirte
Welcher Vers in Jesaja 40,1-12 oder 11, wo wir gelesen haben, bezieht sich ganz eindeutig auf das zweite Kommen des Herrn Jesus als König der Welt? Das ist nicht so ganz eindeutig. Noch eindeutiger ist es jetzt in diesen Versen 11. Es ist auch noch nicht so ganz eindeutig im Licht von Johannes 10, wo Jesus sich als der gute Hirte vorstellt. Aber ich habe es schon gehört. Vers 10, ja. Liest jemand bitte Vers 10?
Siehe, der Herr, er kommt mit Kraft, und sein Arm übt die Herrschaft für ihn aus. Siehe, sein Lohn ist bei ihm, und seine Belohnung geht vor ihm her.
Jawohl, also der Ausdruck „sein Arm übt Herrschaft für ihn“, das ist ganz klar. Das ist das zweite Kommen, wenn der Herr Jesus erscheinen wird als König der Welt und auch als Richter. Darum heißt es: „Und seine Vergeltung geht vor ihm her.“ Und dann wird er als Hirte regieren, genauso wie König David, als König eben ein König war, der einem Hirten entsprach. Denn David war ja ursprünglich ein Hirte, und sein Ideal als Herrscher war eben nicht das des Jägers. Der erste Gewaltherrscher nach der Sintflut war ja Nimrod, und der hatte ein ganz spezielles Hobby: Er war ein großer Jäger vor dem Herrn, heißt es. Und viele Gewaltherrscher in der Geschichte, die hatten so als Hobby Jagen. Und die sahen sich eben als Herrscher in der Figur des gewalttätigen Jägers.
Wenn man die Palastreliefs anschaut von den alten Assyrern in verschiedenen Museen der Welt, kann man die heute noch sehen, zum Beispiel auch in Berlin im Pergamonmuseum. Ganz eindrücklich. Da sieht man, die haben sich immer wieder gern dargestellt als Löwenjäger und zeigen, was sie für weltkräftige und mächtige Herrscher sie waren. Aber das Idealbild Davids war nicht der Jäger, sondern der Hirte. Und das wird eben auch sein für den Herrn Jesus, der große Sohn Davids.
Vers 11 beschreibt ihn: Er wird seine Herde weiden wie ein Hirte. Die Lämmer wird er in seinen Arm nehmen und in seinem Busen tragen. Die Säugenden wird er sanft leiten. Nicht der gewalttätige Herrscher, sondern der, der sich um seine Untertanen kümmert, und ganz besonders um die Schwachen unter ihnen.
Nun, ich habe gesagt, Vers 11 wäre nicht eindeutig das zweite Kommen, denn das bezieht sich auf beides. Der Herr Jesus war schon der Hirte zu Lebzeiten. Schlagen wir kurz auf in Johannes. Zu Lebzeiten, bei seinem ersten Kommen, da stellt er sich doch so vor in Johannes 10, Vers 11. Wissen Sie jemand bis Vers 18?
Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. Der Mietling aber, der kein Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht. Und der Wolf raubt und zerstreut die Schafe. Der Mietling aber flieht, weil er ein Mietling ist und sich nicht um die Schafe kümmert. Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich, gleich wie der Vater mich kennt und ich den Vater kenne. Und ich lasse mein Leben für die Schafe. Und ich habe noch andere Schafe, die nicht aus dieser Schafhürde sind. Auch diese muss ich führen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte sein. Darum liebt mich der Vater, weil ich mein Leben lasse, damit ich es wiedernehme. Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir aus. Ich habe Vollmacht, es zu lassen, und habe Vollmacht, es wiederzunehmen.
Danke. Also hier zeigt sich der Herr Jesus als der gute Hirte, der bereit ist, eben zu sterben für seine Schafe. Und er kündigt auch hier an, dass seine Herde, seine Untertanen, aus zwei Gruppen bestehen wird. Und zwar solche aus diesem Hof, Vers 16. Was sind das für Schafe? Ja, das sind die aus dem Volk Israel, die Bekehrten aus dem Volk Israel. Und dann eben sind da weitere Schafe, die nicht zu diesem Hof gehören. Das sind dann die Gläubigen aus den nichtjüdischen Nationen.
Und wenn wir denken, das hat der Herr Jesus da zu Lebzeiten gesagt, in den dreißiger Jahren unserer Zeitrechnung, und was ist seither geschehen bis heute? Millionen von Menschen aus allen Völkern haben ihn als ihren guten Hirten, als Erlöser aufgenommen. Und wenn ich sage Millionen, übertreibe ich ja nicht. Da denkt vielleicht jemand: Ja gut, es waren Millionen, die nur äußerlich Christen geworden sind in den vergangenen zweitausend Jahren. Ja, das ist sehr zu bedauern. Aber wenn wir bedenken, allein in China heute die Untergrundkirche, wird ja niemand weiß die Zahl genau, aber wird geschätzt auf ca. 80 bis 100 Millionen, die also bereit sind, um ihres Glaubens willen verfolgt zu werden, weil sie sich nicht der offiziell registrierten Kirche anschließen wollen. Die ist kommunistisch unterwandert, und das können sie mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren. Es ist auch nicht biblisch, und darum müssen sie im Untergrund zusammenkommen, bereit verfolgt zu werden. Aber die Zahl ist in dieser Größenordnung heute. Aber das ist ja nur heute. Aber was denn in den vergangenen zweitausend Jahren gekommen ist, das ist überhaupt keine Übertreibung, wenn man einfach spricht von Millionen aus allen Völkern, die den Herrn Jesus aufgenommen haben und die eben zu diesen gehören, die aus einem anderen Schafhof mit den jüdischen Gläubigen zusammengeführt worden sind. Und das ist die Gemeinde Gottes, die wahre Kirche Gottes in den vergangenen zweitausend Jahren.
Und in Johannes 10, Vers 27-30 kann jemand noch lesen:
Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir. Und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie werden nicht verloren in Ewigkeit. Und niemand wird sie aus meiner Hand rauben. Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer als alle, und niemand kann sie aus der Hand meines Vaters rauben. Ich und der Vater sind eins.
Also hier wird gezeigt: Die wahren Gläubigen, das sind eben die Menschen, die schafengleichen, die die Stimme ihres Hirten kennen. „Meine Schafe hören meine Stimme.“ Er kennt sie, sie kennen ihn, sie folgen ihm. Und da verheißt er ihnen ewiges Leben und absolute Heilsgewissheit, nicht nur Gewissheit, sondern Heilsicherheit. Denn er sagt, sie gehen nicht verloren, ewiglich. In der alten Elberfelder ist das nicht sperrgedruckt, weil es im Griechischen so betont ist. Im Griechischen gibt es zwei Wörter für „nicht“: ou und mē. Und wenn man ganz speziell betonen will, dann sagt man ou mē. Das ist: nicht verloren. Und das ist hier der Fall: Sie gehen nicht verloren. Aber da könnte ja einer sagen: Ja, nicht verloren, aber vielleicht später irgendwann doch nochmals. Und da wird noch hinzugefügt: nicht verloren ewiglich. Und eine Doppelgarantie: Niemand kann sie aus seiner Hand rauben, und niemand kann sie aus der Hand des Vaters rauben.
Und dann wird betont, dass eben der Sohn Gottes und der Vater eins sind. Wichtig: Es steht nicht: Ich und der Vater sind einer. Das wäre auf Griechisch heis. Aber es ist sächlich hen. Und das ist ganz wichtig, denn das bedeutet, dass der Vater und der Sohn nicht eine Person sind, sondern der Sohn ist als Person unterschieden vom Vater. Aber „Ich und der Vater sind eins“ heißt, dass sie in ihrem Wesen vollkommen gleich sind, also gleich allwissend, allmächtig, allgegenwärtig. Sehr wichtig, denn das ist eigentlich die Basis auch für die Dreieinheitslehre der Bibel. Das Wort Dreieinheit oder Trinität kommt ja in der Bibel nie vor. Das wurde erfunden von einem römischen Juristen, von Tertullian. Der hat im Lateinischen viele christliche Begriffe geprägt, etwa 800 Wörter sind von Tertullian, sondern von ihm ganz besonders geprägt sind. Eines ist eben Trinitas. Und dann erklärt er eben so, dass Deus non unus est, sed unum est. Also Gott ist nicht einer, sondern Gott ist eins. Das ist die Dreieinheit. Es ist nicht eine Person, aber drei Personen, aber es gibt nur einen Gott.
Ja, gehen wir zurück zu Jesaja. Also, es ist klar: Vers 1 führt uns in die Endzeit, gerade in die Zeit, in der der Hirte und der Richter der Welt, siehe Vers 10, kommen wird. Und jetzt wird dem jüdischen Volk Trost zugesprochen. Das heißt, diesem Drittel, das überleben wird. Nach Sacharja 13,8 wird ja zwei Drittel der Bevölkerung in Israel durch diesen letzten Angriff des Assurs im Land umkommen. Aber ein Drittel wird in dieser Not nach Sacharja 13,8 umkehren, und dieses Drittel wird dann getröstet werden.
Aber jetzt, Vers 3, geht der Blick des Propheten wieder zurück in die Vergangenheit, auf das erste Kommen:
Stimme eines Rufenden: In der Wüste bahnt den Weg des Herrn!
Wer ist diese Stimme eines Rufenden? Johannes der Täufer.
Wieso kommt das so wie aus einer Kanone geschossen? Aus welchem Auslegungsbuch habt ihr das abgeschaut?
Johannes 1,23.
Ah, aus der Bibel. Johannes 1, schlagen wir auf. Welche Verse liest du uns vor, Roland? 23. Jawohl, vielleicht schon von Vers 22, ja? Oder 19 schon, besser noch 19.
Und dies ist das Zeugnis des Johannes, als die Juden von Jerusalem Priester und Leviten sandten, um ihn zu fragen: Wer bist du? Und er bekannte es und leugnete nicht, sondern bekannte: Ich bin nicht der Christus. Und sie fragten ihn: Was denn? Bist du Elija? Und er sprach: Ich bin’s nicht. Bist du der Prophet? Und er antwortete: Nein. Nun sprachen sie zu ihm: Wer bist du denn, damit wir denen Antwort geben, die uns gesandt haben? Was sagst du über dich selbst? Er sprach: Ich bin die Stimme eines Rufenden, die ertönt in der Wüste: Ebnet den Weg des Herrn, wie der Prophet Jesaja gesagt hat. Nach Vers 24: Die Gesandten gehörten aber zu den Pharisäern.
Ja, also hier eröffnet Johannes mit diesem gewaltigen Ereignis des Auftretens von Johannes dem Täufer in der Wüste. Das wird in allen Evangelien am Anfang gebracht, in Matthäus 3, Markus 1, Lukas 3 und eben hier Johannes 1. Wir lesen in Matthäus 3, dass eigentlich das ganze Volk Israel in Bewegung kam, als Johannes in der Wüste auftrat.
Wir müssen uns im Klaren sein: Es gab ja damals keine Propheten mehr in Israel. Der letzte Schriftprophet war Maleachi. Der hat das letzte Buch des Alten Testaments geschrieben, um 400 v. Chr. Es gab keine Propheten in der folgenden Zeit. Das sehen wir zum Beispiel aus dem Buch Makkabäer, aus den Büchern Makkabäer. In den Makkabäer behandeln die Zeit des zweiten Jahrhunderts vor Christus, eine schwere Zeit der Verfolgung durch den syrischen König Antiochus Epiphanes. Das sind also eben keine biblischen Bücher im Makkabäer, sondern jüdische Bücher, Geschichtsbücher kann man sagen, die diese Zeit beschreiben. Und gerade in 1. Makkabäer 9 heißt es: „Und war so große Trübsal in Israel, dergleichen nicht gewesen, seitdem man keine Propheten mehr hat.“
Also das Fehlen der Propheten wird ausdrücklich gesagt, damit wieder klar ist: Das Buch Makkabäer selber war nicht von einem Propheten geschrieben. Es erhebt auch nicht den Anspruch der Inspiration. Nirgends in dem Buch wird ein solcher Anspruch erhoben. Und beim zweiten Buch Makkabäer am Schluss steht sogar: Es ist nicht lustig, immer Wein zu trinken oder immer Wasser, sondern ab und zu Wein und ab und zu Wasser. Und so ist es auch, wenn man eben unterschiedliches, abwechslungsreiches liest. Und er hofft, dass er sein Buch eben abwechslungsreich gestaltet habe. Also da wäre klar: Er erhebt nicht den Anspruch, Gottes Wort zu sein, sondern Unterhaltungslektüre soll das sein. Allerdings, ich muss hinzufügen, höhere Unterhaltungslektüre. Ja, denn es bringt wirklich eine, man sage eine Botschaft, wie Gott eben seinem Volk in dieser Not des zweiten Jahrhunderts vor Christus beigestanden hat, als man keine Propheten mehr hatte.
Und im Talmud wird wiederholt gesagt, der Talmud ist das wichtigste theologische Werk im Judentum nach der Bibel, und dort steht im Traktat Sanhedrin: Nach dem Tod der Propheten Haggai, Sacharja und Maleachi wich der Heilige Geist von Israel. Also das war allgemeines Bewusstsein in Israel: Wir haben keine Propheten Gottes mehr. Und plötzlich, um 29 nach Christus, tritt dieser Johannes auf in der Wüste unten in der Arava, das ist also diese Tiefebene, wo der Jordan dann gleich in das Tote Meer mündet. Übrigens, die Taufstelle von Johannes war etwa zehn Kilometer entfernt von der Gemeinschaft der Qumranleute, die ja auch wieder nur ein paar Kilometer südlich lag von Jericho, am Nordwestende des Toten Meeres. Dort hat er getauft, und das ganze Volk kam in Bewegung.
Ich schlage kurz auf Matthäus 3, um das zu sehen. Liest jemand vor Matthäus 3,1-6?
In jenen Tagen aber kommt Johannes der Täufer und predigt in der Wüste von Judäa und spricht: Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahegekommen. Denn dieser ist der, von dem durch Jesaja, den Propheten, geredet ist, der spricht: Stimme eines Rufenden in der Wüste, bereitet den Weg des Herrn, macht gerade seine Pfade. Er aber, Johannes, hatte seine Kleider aus Kamelhaar und einen ledernen Gürtel um seine Lenden, seine Nahrung aber war Heuschrecken und wilder Honig. Da ging zu ihm hinaus Jerusalem und ganz Judäa und die ganze Umgebung des Jordan, und sie wurden von ihm im Jordan getauft, als sie ihre Sünden bekannten.
Ja, also hier wird nicht gesagt: ein paar Leute aus Jerusalem, sondern zu ihm ging hinaus Jerusalem. Also stadtweit gingen die Leute aus der Hauptstadt und ganz Judäa, die ganze jüdische Landschaft und die Umgebung des Jordan, also des Jordantals. Da kamen die Leute zu ihm, bekannten ihre Sünde, ließen sich taufen, aber die Führenden wollten das nicht. Das lesen wir in den weiteren Versen. Die führenden Pharisäer und Sadduzäer waren nicht bereit, zu Johannes zu kommen, ihre persönliche Schuld zu bekennen und das mit der Taufe zu bestätigen. Aber man muss also sagen: Dieser Johannes brachte das ganze Volk Israel damals in Bewegung.
Natürlich könnte ein Kritiker sagen: Ja gut, das haben die Evangelisten geschrieben, die Evangelien-Schreiber, aber das ist alles erfundene Sache. Ach woher, wir können das auch außerbiblisch belegen. Ein jüdischer Geschichtsschreiber aus dem ersten Jahrhundert, Josephus Flavius, geboren in den dreißiger Jahren, 37 nach Christus, war Priester in Jerusalem und hat mehrere Bücher geschrieben. Eines davon ist Jüdische Altertümer. Da beschreibt er die ganze jüdische Geschichte aus alttestamentlicher Zeit schon und dann ganz besonders seine Zeitgeschichte. Und dann kommt er auch auf Johannes den Täufer zu sprechen. In Buch 18, 5, Abschnitt 2 liest man:
Manche Juden waren übrigens der Ansicht, der Untergang der Streitmacht des Herodes sei nur dem Zorne Gottes zuzuschreiben, der für die Tötung Johannes des Täufers die gerechte Strafe gefordert habe. Den Letzteren nämlich hatte Herodes hinrichten lassen, obwohl er ein edler Mann war, der die Juden anhielt, nach Vollkommenheit zu streben, indem er sie ermahnte, Gerechtigkeit gegeneinander und Frömmigkeit gegen Gott zu üben und so zur Taufe zu kommen. Dann werde, verkündigte er, die Taufe Gott angenehm sein, weil sie dieselbe nur zur Heiligung des Leibes, nicht aber zur Sühne für ihre Sünden anwendeten. Die Seele nämlich sei dann ja schon vorher durch ein gerechtes Leben entsündigt.
Da nun infolge der wunderbaren Anziehungskraft solcher Reden eine gewaltige Menschenmenge zu Johannes strömte, fürchtete Herodes das Ansehen des Mannes, dessen Rat allgemein gefolgt zu werden schien, möchte das Volk zum Aufruhr treiben und hielt es daher für besser, ihn rechtzeitig aus dem Weg zu räumen, als beim Eintritt einer Wendung der Dinge in Gefahr zu geraten und dann, wenn es zu spät sei, Reue empfinden zu müssen. Auf diesen Verdacht hin ließ also Herodes den Johannes in Ketten legen, nach der Festung Machairus bringen, die ich oben erwähnte, und dort hinrichten. Sein Tod aber war, wie gesagt, nach der Überzeugung der Juden die Ursache, weshalb des Herodes Heer aufgerieben worden war, da Gott in seinem Zorn diese Strafe über den Tetrarchen verhängt habe.
Ja, das ist ein außerbiblisches Zeugnis und stimmt so genau überein mit der Beschreibung in der Bibel, dass eben das ganze Volk Israel durch Johannes in Bewegung geriet. Und dieser Johannes hat dann wirklich auf den Herrn Jesus hingewiesen. Der Herr Jesus kam dann auch zu ihm, wollte sich taufen lassen, und für Johannes war klar: Das kann ich nicht. Er ist sündlos. Er müsste von ihm getauft werden. Aber der Herr sagt: Nein, ich lasse mich auch taufen und mache mich mit allen eins, die eben so ihre Umkehr bekundet haben.
Lesen wir noch aus Johannes 1, Vers 29:
Am folgenden Tag sieht er Jesus zu sich kommen und spricht: Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt. Dieser ist es, von dem ich sagte: Nach mir kommt ein Mann, der vor mir ist, denn er war vor mir. Und ich kannte ihn nicht; aber damit er Israel offenbar werde, deswegen bin ich gekommen, mit Wasser zu taufen. Und Johannes bezeugte und sprach: Ich schaute den Geist, wie eine Taube aus dem Himmel herabfuhr, und er blieb auf ihm. Und ich kannte ihn nicht; aber der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, der sprach zu mir: Auf welchen du den Geist herabfahren und auf ihm bleiben siehst, dieser ist es, der mit Heiligem Geist tauft. Und ich habe gesehen und habe gezeugt, dass dieser der Sohn Gottes ist.
Jawohl, jetzt sehen wir: Johannes hat also, als Jesus Christus zu ihm kam, ganz klar auf ihn hingewiesen und erklärt: Siehe, das Lamm Gottes, welches die Sünde der Welt wegnimmt. Im Judentum war das keine schwierige Sache, das zu verstehen. Das war ein Hinweis auf Jesaja 53. Darauf kommen wir später noch, wovon dem Messias gesagt wird, dass er wie ein Lamm zur Schlachtung geführt werden wird. Also da macht er klar: Das ist der Messias, der für unsere Sünden nach Jesaja 53 sterben wird.
Und Johannes hatte als Prophet eine Offenbarung von Gott bekommen. Gott hat gesagt: Auf der, auf der du sehen wirst, wie der Geist Gottes herniederfahren wird und auf ihm bleiben wird, das ist es. Das ist der Messias. Und das hat Johannes dort erlebt, dort unten in der Wüste, und hat so den eindeutigen Beweis gehabt: Jesus Christus ist dieser verheißene Messias.
Übrigens, wenn man weiter liest in Johannes 1, Vers 35, liest das noch jemand?
Am folgenden Tag stand Johannes wieder da und zweien seiner Jünger. Und hinblickend auf Jesus, der vorbeiging, spricht er: Siehe, das Lamm Gottes.
Jawohl, da waren also zwei Jünger von Johannes. Jünger bedeutet Schüler. Also die Studenten der Rabbiner hat man als Jünger bezeichnet. Und da waren also zwei, kann man sagen, Schüler von Johannes dem Täufer, die haben das gehört, dass er nochmals sagt: Siehe, das Lamm Gottes. Und dann wollten sie den ganzen Tag mit Jesus Christus zusammen sein.
Und dann wird weiter erklärt in Johannes 1, Vers 40: Andreas, der Bruder des Simon, war einer von den zwei, die es von Johannes gehört hatten. Und dann kann jemand noch Vers 41 lesen bis 43.
Und dieser findet zuerst seinen eigenen Bruder Simon und spricht zu ihm: Wir haben den Messias gefunden, was übersetzt ist Christus. Und er führte ihn zu Jesus. Jesus blickte ihn an und sprach: Du bist Simon, der Sohn des Johannes, du wirst Kephas heißen, was übersetzt wird: Stein.
Ja, also Andreas, der Bruder von Simon Petrus, war ein Johannesjünger, hat das also dort in der Arava unten erlebt, wie Johannes den Täufer den Messias geoffenbart hat. Und darauf holte er seinen Bruder, der war auch dort auf Besuch. Sie waren ja Fischer aus welcher Gegend? See Genezareth. Und zwar, wo waren sie wohnhaft beide? In Kapernaum und gebürtlich aus Bethsaida. Die Evangelien sagen, eigentlich waren sie aus Bethsaida, das ist ein Ort am Nordostufer des Sees Genezareth, heute ein Sumpf, aber die Ruinen sind im Sumpf zu finden. Und am Nordwestufer ist Kapernaum. Also Andreas und Petrus wuchsen auf in Bethsaida, Haus des Fischens bedeutet das, sind dann nach Kapernaum umgezogen, und dort hatte Petrus ein großes Haus.
Aber Johannes 1 berichtet, wie die ganz woanders waren, als Johannes der Täufer auftrat, die da diese Reise gemacht haben bis zum Toten Meer, und da haben beide die Begegnung mit dem Messias gehabt. Andreas zuerst, der dann seinen Bruder zu Jesus führt. Das war, kann man sagen, die Bekehrung des Petrus: „Wir haben den Messias gefunden“, und er führte ihn zu Jesus.
Ja, und jetzt, warum betone ich das immer wieder mit dieser Arava? Aus dem Grund: In Jesaja 40, Vers 3, da haben wir gelesen: „Stimme eines Rufenden: In der Wüste bahnet den Weg des Herrn, ebnet in der Steppe eine Straße für unseren Gott.“ Und für Steppe steht im Hebräischen Arava. Aber Arava ist nicht irgendeine Steppe, sondern es ist ein geografischer Begriff, der meint die Steppe der Tiefebene des Jordans und des Toten Meers. Das ist die Arava.
Es war ein Vorteil gegenüber früher, in älteren Übersetzungen sind oft so geografische Namen übersetzt worden, was sie gerade wörtlich heißen, also eben Arava. Das bezeichnet eine Steppe, aber es ist ein geografisch fixierter Begriff, nur die Steppe der Tiefebene. Und zum Beispiel sieht man es auch im Buch Josua. Oft haben ältere Übersetzungen, da wird gesprochen von der Niederung, wo die Kanaaniter waren, aber für Niederung steht dann Schephela, und das ist auch ein ganz besonderes Tiefgebiet, nämlich das Tiefland entlang dem Mittelmeer westlich der judäischen Berge, also Tel Aviv, Gazastreifen, das gehört zu Schephela.
Und mit der Staatsgründung Israels 1948 ist ja natürlich vieles geändert, man ist vielmehr so ganz bewusst geworden, was die Geografie Israels anbetrifft. Und darum heute kann man vielen Leuten sagen: Arava, und sie wissen, was das ist. Und sie wissen, was die Schephela ist, weil sie schon mal da waren, eine Reise mitgemacht haben. Das sind heute ganz konkrete Begriffe, und das sollte man eben bei Überarbeitung der Bibel ausnutzen, und da wird vieles noch viel plastischer und klarer.
Also wenn man hier sagt: „Ebnet in der Arava eine Straße für unseren Gott“, aha, das heißt also, diese Stimme eines Rufenden, der wird nicht irgendwo in einer Wüste auftreten, sondern dort, beim Jordan unten beim Toten Meer in dieser Ebene. Und genau dort trat Johannes der Täufer auf. Also, er hatte den Auftrag, den Weg Gottes zu bahnen, aber im übertragenen Sinn, nicht wahr? Die Herzen der Menschen waren blockiert durch Sünde. Und nun mussten diese Blockaden weggetan werden, damit gebahnte Straßen in den Herzen entstehen.
Schlagen wir dazu auf, damit das noch viel plastischer und klarer wird: Psalm 84. Also der Vorläufer des Messias, die Stimme eines Rufenden in der Wüste, der sollte nicht ein Straßenbauer sein im wörtlichen Sinn, aber im übertragenen Sinn. Liest jemand Psalm 84, Vers 6?
„Glücklich ist der Mensch, dessen Stärke in dir ist, in dessen Herz gebahnte Wege sind.“
Ja, also darum rief Johannes das ganze Volk zur Buße auf. Wenn wir unsere persönliche Schuld vor Gott ordnen, dann werden die Blockaden in unserem Herz beseitigt. Dann wird ein Weg bereit gemacht für den Erlöser. Darum steht dann auch in Jesaja 40, Vers 4, auch das ist im übertragenen Sinn zu verstehen. Wer liest?
Jedes Tal soll erhöht und jeder Berg und Hügel erniedrigt werden. Was uneben ist, soll gerade werden und was hügelig ist, zur Ebene.
Ja, also alles wird eingeebnet, kann man sagen. Alles wird gewalzt, damit der Herr eben Zutritt hat zu den Herzen der Menschen.
Noch eine Beobachtung, ich habe noch eine Frage oder Beobachtung: Am Ende von Vers 3 steht der Ausdruck „für unseren Gott“. In allen Zitaten in den vier Evangelien, also in Matthäus, Markus und Johannes, endet das Zitat genau davor. Also dieses „für unseren Gott“ kommt nicht mehr. Und selbst Lukas, der noch 4 und 5 auch zitiert, hat diesen Ausdruck nicht. Also ich denke, das deckt sich eigentlich mit dem, was du gesagt hast, dass das Volk damals Gott ja gar nicht mehr als „unseren Gott“ kannte. Und eben hier wird es aus der Perspektive gesagt, die, die wirklich in Beziehung zu Gott stehen, oder? Und darum heißt es „für unseren Gott“. Und das war aber die Aufgabe von Johannes, eben das Volk vorzubereiten, die Blockaden zu lösen, damit dann eben der Herr in Erscheinung treten konnte.
Sein Erscheinen wird dann in Vers 5 beschrieben. Wer liest?
Und die Herrlichkeit des Herrn wird sich offenbaren, und alles Fleisch miteinander wird sie sehen; denn der Mund des Herrn hat geredet.
Jawohl, und jetzt schauen wir, wie ein Zeitgenosse das Kommen des Herrn Jesus beschrieben hat, und zwar einer, in dessen Herzen gebahnte Wege waren, der Schreiber des Johannesevangeliums. Lesen wir Johannes 1,14-18.
Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Johannes zeugt von ihm und rief und sprach: Dieser war es, von dem ich sagte: Der nach mir Kommende ist mir vor, denn er war vor mir. Denn aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, und zwar Gnade um Gnade. Ja, bis 18. Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden. Niemand hat Gott jemals gesehen; der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoß ist, der hat ihn kundgemacht.
Ja, also Johannes kann bezeugen: Wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Das entspricht hier: „Und die Herrlichkeit des Herrn wird sich offenbaren, und alles Fleisch miteinander wird sie sehen.“ Aber hier ist man vielleicht überrascht: Ja, warum heißt es nicht die Herrlichkeit des Messias wird sich offenbaren, die Herrlichkeit des Herrn? Nun, der Messias wird im Alten Testament bereits angekündigt, als dass er Gott ist. Das haben wir schon mehrmals gesehen, auch schon in Jesaja 9, Vers 6 zum Beispiel: Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und dann heißt es, man nennt seinen Namen „starker Gott“. Also die Menschheit des Messias wird bezeugt: Ein Kind ist uns geboren, und seine Gottheit: man nennt seinen Namen „starker Gott“. Das Alte Testament macht klar: Der Messias wird Mensch sein und gleichzeitig Gott sein.
Und Johannes bezeugt das sehr klar, denn er sagt in Johannes 1, Vers 18, wo wir gelesen haben: „Niemand hat Gott jemals gesehen. Der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoß ist, der hat ihn kundgemacht.“ Im Griechischen ist das ho ōn, das heißt der Seiende im Schoß des Vaters. In der Septuaginta-Übersetzung, der ältesten griechischen Übersetzung, von Juden im dritten Jahrhundert vor Christus gemacht, ist das eine Umschreibung für den Gottesnamen Yahweh, der Seiende, ho ōn. Und hier wird er genannt: der eingeborene Sohn, der Seiende im Schoß des Vaters. Und dieser Ausdruck der Seiende ist gerade ein Hinweis auf eben seine ewige Existenz, ohne Anfang und ohne Ende.
Wir sehen also, das Johannesevangelium hat da am Anfang einen sehr direkten Bezug zu Jesaja 40. Jetzt habe ich mal eine Frage. Bisher meinte ich verstanden zu haben, dass wenn jetzt in der Elberfelder oder in der Mutterbibel das Wort Herr gesperrt steht, dass im Urtext dann das Wort Yahweh auftritt, also der Ewige. Das ist richtig so. Jetzt ist eben der Satz, den du vorhin erwähnt hast, um 40,10 als Hinweis auf das zweite Kommen, weil da wird es jetzt, ich bin jetzt nur wörtlich hier, da ist Gott der Herr, und der ist gesperrt geschrieben. In der Elberfelder ist es so, es ist sogar doppelt aufgeführt: der Herr, Herr, gesperrt. Also ich kann jetzt den Urtext natürlich nicht lesen, aber ich schließe jetzt, da muss eigentlich Yahweh im Urtext stehen. Und der, auf dessen Kommen, er kommt gewaltig, und sein Arm wird herrschen.
Genau, also in Jesaja 40, Vers 10 steht auf Hebräisch: „Siehe, Adonai Yahweh kommt mit Kraft.“ Adonai heißt der Herr, also in der Luther mit normalen Buchstaben, und den Yahweh, das heißt der Seiende, der Unwandelbare, das umschreibt er mit Großbuchstaben H-E-R-R. Herr, aber eben schon zuvor in Vers 5: „Und die Herrlichkeit Jahwes wird sich offenbaren.“ Schon dort haben wir es. Und wir sehen also einen sehr direkten Bezug zu Johannes 1, wo wir gerade Johannes 1 das Auftreten von Johannes dem Täufer unten in der Wüste, in der Arava, finden: Stimme eines Rufenden in der Wüste, bahnet in der Arava einen Weg. Und dann Jesaja 40 sagt: Und dann wird sich die Herrlichkeit des Herrn offenbaren, und in Johannes 1 wird erklärt: Und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, die Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater. Und dann wird erklärt: Und das ist der Seiende, ho ōn!
Übrigens wird die ewige Gottheit Christi noch mehr betont in Johannes 1, denn das Ganze beginnt ja schon mit: „Im Anfang war das Wort.“ Und so weiter. Der Begriff Wort ist im Judentum auch ein Ersatzname für den unaussprechlichen Gottesnamen. Nicht wahr, Yahweh hat man bereits in vorchristlicher Zeit begonnen zu vermeiden im Judentum. In der Synagoge hat man normalerweise beim Vorlesen des Alten Testaments, immer wenn diese Buchstaben J H W H kamen, Yahweh, hat man, um gar nicht den Namen Jahwes zu missbrauchen, drittes Gebot, oder unwürdig auszusprechen, drittes Gebot, da hat man eben ersetzt mit Adonai. Man hat den Namen gar nicht gelesen, sondern ersetzt mit Herr. Und von daher ist es eben, dass die Lutherbibel immer, wo Jahwe steht, der Ersatzname Herr kommt.
Aber im Judentum hat man noch andere Ersatznamen benutzt für Yahweh, und einer davon ist Memra, das Wort. Das kommt sehr häufig vor in den aramäischen Übersetzungen des Judentums. Also in jeder Rabbinerbibel ist das so: Man hat mit den größten Buchstaben geschrieben den Text des Alten Testaments, und dann etwas kleiner hat man die aramäischen Übersetzungen des Alten Testaments und noch kleiner dann verschiedene Auslegungskommentare, je nach Bedeutung mit größeren Buchstaben und wenn weniger bedeuten noch kleiner. So ist es immer abgedruckt. Man hat alles quasi auf einen Blick beieinander: eine ganze Reihe Kommentare, die aramäischen Übersetzungen und dann eben den Grundtext.
Und da hat man in den Targumim, so nennt man die aramäischen Übertragungen, sehr oft, wenn Yahweh steht im hebräischen Text, steht Memra Adonai, das Wort des Herrn. Also das Wort ist effektiv ein Ersatzname für Yahweh. Und jetzt beginnt das Johannesevangelium: „Im Anfang war das Wort“, als Jude weiß man sofort Memra. Und das Wort war bei Gott, ja natürlich. Es ist ganz eigenartig, dass Memra Adonai im Alten Testament in der aramäischen Übersetzung immer wieder wie eine Person ist, die unterschieden wird von Gott und trotzdem Gott ist. Komisch, ja? Man hatte eben das Wissen um die Trinität schon in alttestamentlicher Zeit. Und darum steht hier also: „Und das Wort war bei Gott. Und das Wort war Gott.“ Und dann Vers 14: „Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns.“ Also, Yahweh wurde Mensch. Und zwar der Sohn, nicht der Vater wurde Mensch. Nicht der Heilige Geist wurde Mensch, sondern der Sohn wurde Mensch. Aber Yahweh wurde Mensch, und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, die Herrlichkeit als eines Eingeborenen.
Und so kommen wir zurück zu Jesaja 40. Meine Schwierigkeit war andersherum. Ich habe da nur noch verglichen die beiden. In der Elberfelder steht: „Siehe, der Herr, Herr, kommt mit Kraft, und sein Arm übt die Herrschaft nun aus.“ In der Mutterbibel ist es schwieriger. Da steht: „Siehe, da ist Gott der Herr, er kommt gewaltig.“ Ach nein, und sein Arm wird herrschaftlich sein, das heißt, er ist mit dem Arm eigentlich jedem gemein. Das heißt, es wäre der ewige und Jesus kommende Gemeinsamkeit, die wir sagen kann.
Nein, es ist doch so, das sind diese sogenannten Anthropomorphismen, also Ausdrücke für Gott, die menschlich erscheinen. Die Bibel spricht über Gottes Augen, die Augen des Herrn durchwandern die ganze Erde, oder es wird gesprochen über die Ohren des Herrn. Und es wird gesprochen eben über seinen starken Arm. Aber das sind natürlich übertragene Ausdrücke, um zu zeigen: Der Ewige ist ein Gott, der handelt, der eingreift. Der Ewige ist ein Gott, der wirklich alles wahrnimmt. Darum die Augen. Aber wir müssen das nicht vermenschlichen.
53 ist es, glaube ich, es werden ihm die vielen Staaten zum Raub gegeben als drei Starschiffe das Opfer, was er gebraucht hat. Es wäre also sozusagen sein Raub, sein Lob. Und er wird seine Heere weinen, das hast du gerade von dem Bezug hergestellt zum johanneischen Text mit dem Lämmern, dem Hirten. Also von dem her würde es einen starken Bezug da auch auf Jesus Christus.
Ja natürlich, also da sind wir uns im Klaren: In Jesaja 40, Vers 10, der Herr Yahweh, das ist der Sohn, der kommt und herrschen wird. Es ist eben so, im Alten Testament kann man nicht einfach sagen, wenn Yahweh vorkommt, dann ist es der Vater. Man kann auch nicht sagen, wenn Yahweh vorkommt, dann ist es der Sohn. Man muss genau schauen, an welcher Stelle. Man kann also sagen, der Vater wird Yahweh genannt, der Sohn und der Heilige Geist. Es ist einfach Yahweh, und dann ist es aber gemeint effektiv der dreieinige Gott. Aber hier wird klar: Der, der kommen wird und herrschen wird, der dann als Hirte die Lämmer tragen und leiten wird, das ist der Sohn Gottes.
Und zum Beispiel in Sacharja 12 sehen wir das auch sehr schön. Der erste Vers heißt Ausspruch Yahwes, und dann ist also alles, von Kapitel 12, 13, 14 ist alles Ausspruch des Ewigen. Aber in Kapitel 12, Vers 8 heißt es: „Und sie werden auf mich blicken, den sie durchbohrt haben.“ Na, jetzt ist klar. Also, ja, wer ist der Sohn, der Mensch wurde und dann als Mensch durchbohrt wurde von einem Soldaten am Kreuz. Aber der Satz geht weiter, er ist gar noch nicht fertig: „Sie werden auf mich blicken, den sie durchbohrt haben, und werden über ihn wehklagen, wie man wehklagt über den Eingeborenen.“ Ja, jetzt wird plötzlich über den Durchbohrten gesprochen. Ja, es spricht immer noch Yahweh, aber jetzt spricht der Vater über den Sohn. Merkt man also, im Satz kann es sogar wechseln. Es spricht immer noch Yahweh, aber da kann man ganz klar unterscheiden: Im ersten Satzteil ist es der Sohn, im zweiten Satzteil wird über den Sohn gesprochen, von Yahweh nennt es der Vater.
Ja, jetzt wollen wir noch schließen vor der Pause. Ich möchte nur noch betonen: Jetzt sind wir stehen geblieben bei Jesaja 40, Vers 5, und die Herrlichkeit des Herrn wird sich offenbaren. Also das haben die Jünger sehr eindrücklich erlebt, wenn wir das in Johannes 1 gesehen haben. Ich habe eben den Bezug noch gemacht zu Andreas und Petrus, wie die den Herrn dort unten in der Wüste kennengelernt haben. Wie ging es weiter? Sie gingen dann später wieder zurück. Sie waren ja berufstätig in Kapernaum, und danach ist der Herr von Nazareth umgezogen nach Kapernaum. Er nahm in dieser Stadt Wohnsitz, und von da an begann er dann öffentlich zu predigen.
Wir lesen dann in Matthäus 4, wo dieser Umzug von Nazareth nach Kapernaum geschrieben wird, lesen wir weiter, dass der Herr dem Ufer des Sees Genezareth entlangging, und da sah er Petrus und seinen Bruder Andreas, wie sie am Fischen waren, und er sagte ihnen: „Kommt, folget mir nach“, und sie verlassen alles und gehen ihm nach. Manche Bibelleser sind der Meinung, wenn sie das lesen, das war die erste Begegnung. Das war eben nicht die erste Begegnung. All das mit der Stimme eines Rufenden in der Wüste, das ging voraus. Dort hat alles begonnen. Und dann Szenenwechsel in Galiläa. Später kommt der Herr da nach Enschewa, das ist der Hafen gerade neben Kapernaum. Wir wissen ganz genau, wo das ist, man hat den Hafen gefunden von Kapernaum. Wir können genau sagen: Da, von See Genezareth, war das, wo sie berufen wurden. Und da hat der Herr eben den bereits bekehrten Andreas, der sagen konnte: Wir haben den Messias gefunden, und den bereits bekehrten Petrus, dem der Herr sagen kann: Du wirst Petrus heißen, einen Stein, einen Stein an dem kommenden neuen Gebäude der Gemeinde. Die beruft er dann praktisch in den Dienst. Man geht ein bisschen weiter, immer noch in Enschewa, da neben Kapernaum, und dann sind es noch zwei Brüder, Matthäus 4 berichtet darüber. Wer wisst das? Jakobus und Johannes.
Und das ist eben dieser Johannes, der dann auch das Johannesevangelium geschrieben hat. Also Johannes gehörte mit zu den allerersten Zeugen, und da war ein ganz direkter Bezug zu diesem großartigen Erlebnis, das Auftreten von Johannes dem Täufer in der Arava unten, das ganz Israel in Bewegung gebracht hat, aber leider war schlussendlich nur ein kleiner Überrest, der wirklich dem Messias nachgefolgt ist. Die ganze Masse kam in Bewegung, aber das hat bei der großen Masse nicht gehalten. Da sehen wir, wie trügerisch die Volksmasse ist. Mal so, mal begeistert da, aber das, was zählt, ist das, was wirklich hält. Und Johannes war so einer, der hat sein Evangelium geschrieben um etwa 98 nach Christus, als alter Mann. Und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut. Das war mehr als sechzig Jahre später, nicht wahr? Bei ihm hat das gehalten, und er hat wirklich erkannt: Das ist der Ewige, der Mensch geworden ist, das Wort, das Fleisch wurde.
Gut, jetzt machen wir Pause zwanzig Minuten.
Einen kleinen Nachtrag: Ich hatte ja aus Josephus Flavius Jüdische Altertümer zitiert. Da wurde ich in der Pause gefragt, ob man das immer noch kriegt. Kein Problem, auf Deutsch kann man zum Beispiel diese Ausgabe preisgünstig finden. Das ist also Jüdische Altertümer von Heinrich Clemens übersetzt, erschienen im Fourier Verlag Wiesbaden. Also über das Internet, über den Buchhandel sollte man das finden. Das sind all die zwanzig Bücher sind da in einem Band zusammen. Dann separat kann man auch das Buch „Der jüdische Krieg“ kriegen. Das ist dieser Augenzeugenbericht über den Untergang Jerusalems im Jahr 70. Also sehr, sehr zu empfehlen und aufschlussreich als Hintergrundgeschichte der Zeit des Neuen Testaments und gerade unmittelbar danach.
Jetzt haben wir Jesaja 40, die ersten elf Verse zusammen angeschaut. Vielleicht, weil wir gerade dran waren, noch eine Bemerkung zu den Versen 6 bis 8. Die Menschheit wird dort genannt Fleisch, „alles Fleisch wird die Herrlichkeit des Herrn sehen“, Vers 5, und dann wird noch eine Botschaft gegeben, ab Vers 6, und die Botschaft heißt: Alles Fleisch ist Gras und alle seine Anmut wie die Blume des Feldes. Hier wird so betont, wie vergänglich eben der Mensch ist und dass er in der Vergänglichkeit der Schönheit der Pflanzenwelt gleicht, die ja eine sehr große Schönheit entfalten kann, aber sie ist immer so kurz. Wenn man denkt, wie kurz eine Blume blüht und dann wieder verwelkt. So ist es auch mit der Schönheit des Menschen. Der Mensch kann in ganz ungewöhnlicher Schönheit erscheinen, aber wie schnell geht das, bis diese Schönheit verblüht ist? Das ist so demütigend, oder?
Gerade für Menschen, die überdurchschnittlich schön sind. Da vergehen ein paar Jahre, und da merkt man schon: Jetzt kommen schon die Risse in der Schönheit. Ja, es ist einfach so, das geht so schnell. Ich habe mir auch schon so Gedanken gemacht. Also wenigstens mit der Stimme ist es nicht so schlimm. Mit der Stimme, da, wenn man eine schöne Stimme hat, das kann unter Umständen noch ziemlich bis ins hohe Alter gehen. Aber dann plötzlich, wenn das Vibrato dann unfreiwillig kommt und zu langsam, dann ist das auch nicht mehr gut. Darum steht ja auch in Prediger 12, wo der alternde Mensch beschrieben wird, dass der alte Mensch beim Gesang des Vogels aufsteht, eben weil er merkt: Meine Stimme ist vorbei, aber der Vogel kann immer noch so schön singen.
Mit den Händen ist es ja auch so. Es gibt manche, die sind gute Geiger geblieben bis ins Alter. Ich war als Kind Schüler bei einem Virtuosen, bei Radovan Lorkowitsch, und ich habe ihn vor kurzem wieder besucht. Er ist vielleicht so 80 Jahre alt, und er sagt, also heute spiele er das besser als früher. Ja, das ist schön, oder? Aber eben, der Moment kommt auch, wo es dann vorbei ist. Aber mit der Schönheit ist es eben so, dass es im Allgemeinen noch früher vorbei ist. Und das ist eben sehr demütigend für uns Menschen, aber das müssen wir anerkennen, um zu sehen, wo die wahren Werte, die bleibenden Werte sind.
Liest jemand nochmals Vers 6 bis 8?
Ja, aber das Wort unseres Gottes besteht in Ewigkeit.
Dieser Kontrast: Die Bibel wird bleiben, Generationen vergehen eine um die andere, aber das Wort Gottes bleibt in Ewigkeit. Und das ist doch auch so schön, gerade in Verbindung mit Jesaja, wenn man denkt: 1947 in der ersten Höhle von Qumran kamen die ersten, die ersten Manuskripte aus vorchristlicher Zeit ans Licht, und dabei war die vollständige Jesaja-Rolle aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus. Plötzlich hatte man Zugang zu großen Bibelteilen, die tausend Jahre älter waren, als man bis 1947 zur Verfügung hatte. Da konnte man untersuchen, wie genau die Bibel überliefert worden ist und musste sagen: Das ist fantastisch. Wir können heute wirklich belegen, wie präzise die Bibel eben aus vorchristlicher Zeit bis in unsere Zeit überliefert worden ist.
Und gerade in dieser Jesaja-Rolle ist natürlich Vers 8 auch mit enthalten: Uwdvar Eloheinu jakum leolam. Aber das Wort unseres Gottes besteht in Ewigkeit. So hat Gott in unserer Zeit ein ganz besonderes Zeugnis eben für das Bleiben des Wortes Gottes gegeben, gerade durch die Entdeckung der Qumran-Höhlen dort unten in der Arava, ganz in der Nähe, wo Johannes der Täufer eben den Weg des Herrn in der Wüste gebahnt hat. Und nach der Höhle eins kamen ja dann die weiteren Funde, Höhle zwei, drei, vier bis elf, und zwar in den Jahren 1947 bis 1956.
Die Einheit des Jesajabuches und die Kritik an der Zerteilung
Ja, eben das einfach noch als Ergänzung. Vielleicht noch ein Punkt: Ich habe gesagt, mit Jesaja 40 beginnt quasi das Trostbuch. Aber da muss ich natürlich betonen, damit das völlig klar ist: Es gibt nur ein Buch Jesaja. Und Jesaja hat alle 66 Kapitel geschrieben. Es ist auch so, das Neue Testament bezeugt das klar. Es wird aus mehreren Teilen zitiert, und es wird klar gesagt: Jesaja hat gesagt.
Aber in der liberalen Theologie hat man ja begonnen, Jesaja aufzuspalten. Man hat gesagt: Nein, ab Kapitel 40, das ist ein anderer, der das geschrieben hat, das ist der Deutero-Jesaja, der zweite Jesaja. Und später hat man dann noch weiter aufgesplittet, ab Kapitel 55 noch einen Trito-Jesaja. Aber man hat dann auch später noch mehr. Auch der erste Teil wurde nicht gesehen als eine Einheit, sondern man hat auch dort wieder versucht, alles aufzusplittern. So wurde Gottes Wort von innen her, wollte man das aufreißen und zerstören.
Interessant ist bei der Jesaja-Rolle, der vollständigen aus Qumran, aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus, also aus einer Zeit, wo man noch hätte etwas wissen sollen, dass Jesaja von mehr Leuten geschrieben worden war: Da beginnt Jesaja 40,1, „Nachamu, nachamu ami“, tröstet, tröstet mein Volk, beginnt bei der letzten Zeile der Kolumne, wo Jesaja 39 endet. Also mit Jesaja 40 hat man sich nicht quasi gesagt: So, jetzt ist der Text von Kapitel 39 fertig, die Kapiteleinteilung gab es ja noch nicht, jetzt kommt das neue Trostbuch von Deutero-Jesaja, also beginnen wir oben mit einer neuen Zeile und einer neuen Kolumne. Nein. Er beginnt Jesaja 40,1 unten auf der alten Kolumne. Das ist also ein klares Zeugnis, dass das Buch ganz klar als Einheit bekannt war, damals, als man noch viel näher am Ursprünglichen war.
Und was sind das für Leute, die 2.000 Jahre später die Dinge besser wissen wollen als die Leute damals in der Antike? Und warum wollte man eigentlich teilen? Es wird immer behauptet, der zweite Jesaja habe einen ganz anderen Wortschatz als in den ersten 39 Kapiteln. Ja, und das Thema ist das gleiche. Nein, wenn ich über etwas ganz anderes schreibe, habe ich auch einen anderen Wortschatz. Wenn ich ein Buch schreibe, sagen wir eine Auslegung von Hesekiel, dann habe ich einen ganz anderen Wortschatz, als wenn ich ein Buch schreibe über Rockmusik. Da wird man plötzlich Wörter finden, die hat man in meinem Hesekiel-Kommentar nie gefunden. Ganz klar: Je nach Thema benutzt man auch einen anderen Wortschatz.
Und es ist so: Ab Jesaja 40 und folgende steht Gottes Gnade viel mehr im Vordergrund, nicht nur, aber viel mehr. Und im ersten Teil steht Gottes Gericht mehr im Vordergrund, nicht nur, aber der Akzent liegt sehr stark darauf.
Ja, und der wahre Grund, warum man Jesaja aufspalten wollte, findet sich wo? In Kapitel 44. Am Schluss von Kapitel 44 wird Gott vorgestellt als der, der die Zukunft weiß, im Gegensatz zu den Lügnern und Wahrsagern. Dann wird erklärt, woran man das zum Beispiel sehen kann. Liest jemand Vers 28, 44,28-45,2? Ja, bis dahin, das reicht.
Also, hier wird Kyrus prophezeit, der befehlen wird, dass Jerusalem wieder aufgebaut wird und auch der Tempel in Jerusalem. Kyrus 45,1, der viele Völker niederwerfen wird. Nun, dieser Kyrus hat im Jahr 539 vor Christus Babylon erobert. Dann hat er den Juden die Erlaubnis gegeben: Ihr dürft aus der babylonischen Gefangenschaft zurückkehren in euer Land, ihr könnt Jerusalem wieder aufbauen und auch den Tempel.
Man muss sich das vorstellen: Jesaja lebte ja um 740 bis 700 vor Christus in diesem Bereich. Und jetzt spricht er also von einer Person, die es noch gar nicht gibt, mit Namen Kyrus. Und der erscheint dann, sagen wir, 170 Jahre später in der Geschichte. Und zur Zeit von Jesaja stand Jerusalem, stand der salomonische Tempel. Und da wird schon gesagt: Dieser Kyrus wird dann einmal sagen, Jerusalem soll wieder aufgebaut werden, und der Tempel soll auch wieder gebaut werden. In der Zwischenzeit wurde dann tatsächlich Jerusalem zerstört durch die Babylonier, und der persische König Kores hat dann den Wiederaufbau angeordnet.
Also, das ist ja gewaltige Prophetie und war so präzise, nicht wie die Wahrsager, oder? Die sagen alles so schwammig wie möglich und so wenige Details wie möglich, und dann auch nur so Klauseln, dass man dann sagen kann im Nachhinein: Ja, aber wir haben gesagt, es ist natürlich auch möglich, dass es noch so und so, ja? So ähnlich wie diese Anekdote von einem antiken König, der zum Orakel von Delphi ging und wissen wollte, ob er den Krieg führen sollte. Er fragte: Wie kommt das raus, wenn ich Krieg führe gegen dieses Volk? Und das Orakel hat gesagt: Du wirst ein Königreich zerstören. Ermutigt durch die Prophetie von Delphi ging er in den Krieg und verlor jämmerlich. Dann, so ähnlich wie heute: Garantie oder Geld zurück, zufrieden oder Geld zurück. Und da geht er wieder zum Orakel und sagt: Ja, aber ihr habt mir gesagt, ich werde ein Königreich zerstören, jetzt habe ich verloren. Und die haben ihm gesagt: Ja, wir haben dir nicht gesagt, welches Königreich. Nur, er werde ein Königreich zerstören. Aber es war halt dummerweise gerade sein eigenes.
Ja, das ist die Art der Wahrsager. Aber hier haben wir eben den Gott, der über Raum und Zeit steht und alles in seiner Hand hat. Und das konnten natürlich diese liberalen Theologen, die in Wirklichkeit Materialisten sind, nicht akzeptieren. Echte Prophetie gibt es in ihrem Denken gar nicht. Ein Gott, der über Raum und Zeit steht und das den Menschen mitteilt, das gibt es gar nicht. Darum sagen sie: Das muss eben später geschrieben worden sein, nachdem das bereits geschehen war, allerdings dann so hingestellt, als wäre es Prophetie.
Also ist nach Ansicht der liberalen Theologie die Bibel ein Betrug. Wieso bilden diese Theologen dann immer noch Pfarrer und Pfarrerinnen aus? Und dann sollen diese Pfarrer und Pfarrerinnen auf der Kanzel stehen und dieses Wort predigen, das nach ihrer Ansicht, dieser Theologieprofessoren, ein Betrug sei. Das ist unglaublich. Also wenn die ehrlich wären, dann würden sie austreten aus der Kirche, würden austreten aus dem Christentum und ganz klar sagen: Wir sind Materialisten, und wir glauben nichts und wir wissen nichts.
Aber so wird die Bibel angegriffen. Und da sieht man eben auch: Das ist, wie kann man das erklären? Das kann man nur so erklären, wie die Bibel sagt, dass der Satan Menschen in die Christenheit infiltrieren wollte, um von innen heraus das Evangelium zu zerstören. Das hat der Apostel Petrus sehr deutlich geschrieben, dann im Alter, aus der Todeszelle. Können wir das kurz noch aufschlagen? 2. Petrus 2,1-2. Liest jemand?
Also: „Verderbliche Sekten“ heißt hier „verderbliche Irrlehren“ neben einführen werden, weiter neben sie sogar den Herrn, der sie erkauft hat, verleugnen, und sie werden ein schnelles Verderben über sich selbst bringen. Und viele werden ihren verwerflichen Wegen nachfolgen, und um ihretwillen wird der Weg der Wahrheit verlästert werden.
Jawohl, also wird ganz klar gesagt: So wie es im Volk Israel falsche Propheten gab, so werden innerhalb der Christenheit eben falsche Lehrer kommen, die den Gebieter verleugnen, also die wirklich Gott angreifen. Und diese liberale Theologie, die sagt, die Bibel sei eine Fälschung und es gebe gar keine echte Prophetie, die tun genau das: den Gebieter verleugnen. Und durch sie wird der Weg der Wahrheit verlästert.
Man macht sich keinen Begriff, wie die islamische Welt das beobachtet. Und die holen sich genau die Aussagen der liberalen Theologen und wollen damit das Christentum bekämpfen, um den Islam nach Europa zu bringen heute. Darum ist es eben wichtig, dass man auch so wichtige Grundlagen, wie man die Bibelkritik widerlegt, dass man das auch als Rüstzeug bei sich hat. Und wenn zum Beispiel jemand sagt: Ja, aber Jesaja ist doch viel später geschrieben worden, dann sagt man: Ja, woher weißt du das? Ja, das sagen doch Theologen. Ja, woher wissen die das? Weißt du, wie die draufgekommen sind? Die haben nicht irgendwelche Handschriften gefunden, wo sie das beweisen konnten, sondern die haben sich gesagt: Oh, in Jesaja 44, da ist eine Prophetie über Kores, das kann ja gar nicht sein, dass das im Voraus vorausgesagt worden ist, also ist es später geschrieben.
Das war ihr Argument. Aber das ist doch kein Beweis. Und dann können wir den Spieß drehen und können dann eben zeigen: Ja gut, jetzt kann ich dir aber auch erfüllte Prophetie zeigen, die sich erfüllt hat in unserer Zeit. Und da gibt es ja niemanden, der sagen würde: Ja, Hesekiel 36, das wurde erst nach 1948 geschrieben. Ja, und dort steht in Vers 24: Sagt Gott zu seinem Volk: Ich werde euch sammeln aus allen Völkern und euch in euer Land bringen. Und in unserer Zeit sehen wir, wie die Juden aus aller Welt zurückgekehrt sind. Ja gut, ist das eine Fälschung, die eben später geschrieben wurde? Nein, ganz offensichtlich nicht. Schluss: Echte Prophetie in der Bibel ist möglich. Und darum sind die ganzen Argumente gegen Jesaja ein Nichts.
Also hat Jesaja zersägt. Übrigens, das Gleiche hat man mit den Propheten wirklich gemacht. In Hebräer 11, und am Schluss unter den Glaubenshelden, wird ja gesagt, dass viele wurden gefoltert von alttestamentlichen Zeugen, und dann heißt es, wurden zersägt. Und aus der jüdischen Überlieferung wissen wir, dass Jesaja zersägt worden ist, wie das in Hebräer 11 bezeugt wird. Und zwar ist er vor seinen Feinden geflohen, hat sich in einem hohlen Baum versteckt, und dieser Baum wurde dann umgesägt, und so kam Jesaja ums Leben.
Und weil die Feinde des Wortes Gottes heute Jesaja nicht mehr zersägen können, haben sie es wenigstens versucht mit seiner Rolle. Ja, das war so ein kleiner Kommentar, weil wir gerade da eben bei dieser Schnittstelle Jesaja 40 angekommen sind.
Der Knecht des Herrn und die Weite seines Auftrags
Jetzt gehen wir weiter zu Jesaja 42. Da haben wir wieder eine Prophetie über das erste Kommen des Herrn Jesus. Liest jemand bis und mit Vers 9?
Siehe, mein Knecht, den ich stütze, mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt; er wird den Nationen das Recht kundtun. Er wird nicht schreien und nicht rufen und seine Stimme nicht hören lassen auf der Strasse. Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. Er wird der Wahrheit gemäss das Recht kundtun. Er wird nicht ermatten und nicht niedersinken, bis er das Recht auf der Erde gegründet hat; und die Inseln werden auf seine Lehre warten.
So spricht Gott, der Herr, der die Himmel schuf und sie ausspannte, der die Erde ausbreitete mit ihren Gewächsen, der dem Volk auf ihr den Odem gab und den Hauch des Lebens denen, die darauf wandeln. Ich, der Herr, ich habe dich gerufen in Gerechtigkeit und ergreife dich bei der Hand; und ich werde dich behüten und dich setzen zum Bund des Volkes, zum Licht der Nationen, um blinde Augen aufzutun, um Gefangene aus dem Kerker herauszuführen und aus dem Gefängnis, die in der Finsternis sitzen.
Ich bin der Herr, das ist mein Name, und meine Ehre gebe ich keinem anderen noch meinen Ruhm den geschnitzten Bildern. Das Frühere, siehe, es ist eingetroffen, und Neues verkündige ich; ehe es hervorsprosst, lasse ich es euch hören.
Ja, bleibt noch Vers 10 dazu, bitte:
Singt dem Herrn ein neues Lied, seinen Ruhm vom Ende der Erde, ihr, die ihr das Meer befahrt und alles, was es erfüllt, ihr Inseln und ihre Bewohner.
Nun wird der Messias hier genannt: mein Knecht. Wir werden nun verschiedene Abschnitte sehen, wo der Messias in diesem Titel, awdi, mein Knecht, vorgestellt wird. Wo ist der nächste Abschnitt, wo wir Jesus Christus als den Knecht Gottes in Jesaja noch vorher finden? Kapitel 49, 1 und folgende, das ist auch ein Abschnitt über den Knecht Gottes. Dann eben Kapitel 50. Welcher Vers? Hat jemand schon gesagt?
Jawohl, eigentlich dann schon von Vers 6 weg. Und dann der berühmteste Abschnitt: Kapitel 52, Vers 13. Die Kapiteleinteilung wurde ja erst viel später hinzugefügt; das war ja nicht etwas Ursprüngliches. Meistens sind die Kapiteleinteilungen recht gut, aber da ist es schade. Eigentlich hätte Kapitel 53 hier beginnen sollen, denn da beginnt eben dieser Abschnitt über den leidenden Gottesknecht mit: Siehe, mein Knecht wird einsichtig handeln. Und dann werden die Leiden des Christus beschrieben, seine stellvertretenden Leiden für unsere Sünden.
Ja, also, das wird jetzt ein Thema sein, das so wie ein Refrain in Jesaja immer wieder kommt: der Knecht Gottes.
Die Taufe Jesu als Erfüllung der Prophetie
Und hier in Jesaja 42 erfahren wir, dass Gott sagt, an welchem meine Seele Wohlgefallen hat. Jetzt denken wir wieder an das, was wir in der ersten Stunde behandelt haben: Der Herr Jesus kam zu Johannes dem Täufer, dort unten in der Arava. Er wurde von ihm getauft, und dann, als er vom Taufwasser heraufkam, öffnete sich der Himmel. Der Heilige Geist kam in der Gestalt wie eine Taube auf ihn, und da hörte man eine Bath Qol, eine Stimme aus dem Himmel.
Übrigens ist das in der rabbinischen Literatur ein stehender Begriff: eine Bath Qol, wörtlich eine Tochter der Stimme. Das sind Offenbarungen Gottes aus dem Himmel, die man, seit man keine Propheten mehr hatte, also ab Maleachi, zu ganz bestimmten Gelegenheiten erlebt hat. Man hat dann eine hörbare Stimme aus dem Himmel vernommen. Darum war diese Stimme bei der Taufe im Judentum nicht etwas völlig Fremdes.
Als plötzlich die Stimme kam, lesen wir in Matthäus 3,17, war das ein bekanntes Phänomen. Matthäus 3,16-17 bitte:
Und als Jesus getauft war, stieg er sogleich aus dem Wasser herauf; und siehe, die Himmel wurden geöffnet, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und auf sich kommen. Und siehe, eine Stimme kommt aus den Himmeln, welche spricht: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.
Jawohl, und das hat sofort auch für die Menschen den Bezug hergestellt zu Jesaja 42. Als Johannes gesagt hat: Siehe, das Lamm Gottes, da war für die Menschen klar der Bezug zu dem Knecht Gottes in Jesaja 53. Als sie die Stimme des Vaters hörten: Dieser ist mein geliebter Sohn, an welchem ich Wohlgefallen gefunden habe, da ist das der Bezug zu dem Abschnitt Mein Knecht in Jesaja 42.
Und dann wird hier geoffenbart: Er wird den Nationen das Recht kundtun. Da war also klar: Aha, wenn der Messias kommt, wird er nicht nur für Israel kommen, sondern auch für die anderen Völker. Und zwar gibt es in der alten Elberfelder hier noch eine Fußnote, die erklärt: Eigentlich das Recht hinausbringen zu den Nationen. Das heißt also, durch ihn, den Christus, den Messias, wird das Recht, das göttliche Recht in der Heiligen Schrift, zu den Heiden kommen und wird ihre barbarischen Normen verändern.
Und dann haben wir gelesen in Vers 6. Liest nochmals jemand Vers 6? Also Jesaja 42,6 bitte.
Jawohl, also nicht nur für Israel. Er wird zwar für Israel den neuen Bund gründen. Darum konnte der Herr Jesus sagen, als er das Abendmahl einsetzt: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut. Der neue Bund soll ja einmal geschlossen werden. Mit wem? Mit Israel, ganz wichtig. Viele Leute meinen, der neue Bund werde mit der Gemeinde geschlossen, aber das steht nirgends in der Bibel. Der neue Bund nach Jeremia 31 wird mit dem zwölfstämmigen Volk Israel geschlossen. Aber eben: Der Herr Jesus kam als Messias, und er wurde von Gott gesetzt zum Bund des Volkes, des Volkes Israel.
Aber nicht nur für Israel sollte er sein, sondern für die Nationen, die übrigen Völker sollte er zum Licht sein, zum Licht der Nationen. Und da war also klar: Wenn der Messias einmal kommen wird, dann wird die Botschaft zu den heidnischen Völkern ausgehen. Das Eindrückliche ist: Wenn wir in die Geschichte zurückblicken, können wir sagen, in den letzten 2000 Jahren ist das geschehen. Die Botschaft von Jesus Christus hat wirklich alle fünf Kontinente erreicht und sogar alle Nationen der Welt. Nicht alle Völker oder alle Stämme, aber alle Nationen. Der Begriff Nation ist ja grösser gefasst als Volk. Indien besteht aus vielen Völkern, aber ist eine Nation.
Und so sollte also das Evangelium des Messias, die frohe Botschaft des Messias, zu den Völkern ausgehen. Das hat Jesaja da geschrieben, 700 vor Christus. Und wir heute, 2700 Jahre später, können sagen: Tatsächlich, und ab christlicher Geburt ging diese Botschaft in alle Kontinente, zu allen Nationen.
Und wenn wir dazu noch aufschlagen Kapitel 49, Vers 6 am Schluss, dann wird das Ganze noch mehr auf den Punkt gebracht. Ja, er spricht: Es ist zu gering, dass du mein Knecht seist, um die Stämme Jakobs aufzurichten und die Bewahrten von Israel zurückzubringen. Ich habe dich auch zum Licht der Nationen gesetzt, um ein Heil zu sein bis an das Ende der Erde.
Ja, der Ausdruck „das Ende der Erde“ ist ganz interessant. Wo ist das? Dieser Begriff meint die Endpunkte des Festlandes. Und wenn wir das Land Israel anschauen, am Knotenpunkt der drei Kontinente Europa, Asien, Afrika: Wo sind die Enden der Erde? Da kann man sagen: Feuerland, ganz in Südamerika, oder Alaska, Kanada, Alaska oder Australien bis nach Tasmanien. Das Evangelium ist wirklich an alle Endpunkte hingekommen, bis nach Alaska, bis nach Feuerland.
Damals ist Thomas Bridges im 19. Jahrhundert als Missionar zu den Feuerländern gegangen, nachdem England überzeugt war, dass das eine Vorstufe der Menschheit sei. Es war nämlich so: Als Charles Darwin seine Weltreise machte, da waren auf dem gleichen Schiff zwei Exemplare von Feuerländern. Die hatte man schon früher von Feuerland mitgebracht nach England und hatte ihnen eine Ausbildung bezahlt. Und dann gingen die mit Charles Darwin auf dem Schiff wieder zurück nach Feuerland, und nach kurzer Zeit sind die wieder so wild und barbarisch herumgesprungen wie ihre Stammesgenossen.
Dann war ein grosser Teil in England überzeugt, die Feuerländer seien eine Vorstufe des Menschen, des modernen Homo sapiens. Thomas Bridges, auch ein Engländer, wusste: Nein, das sind wirkliche Menschen, die Gott liebt. Er ging zu ihnen, hat die Sprache studiert. Er hat ein Wörterbuch mit 30 Wörtern zusammengestellt. Das ist fantastisch. Charles Darwin beschreibt in zwei Briefen, das sei etwas Furchtbares gewesen, diese Schreie, so etwas Tierisches, wenn man diese Feuerländer gehört habe, so hat er das beschrieben. Und Thomas Bridges analysiert die Sprache: Das ist eine hochkomplexe Sprache. 30 Wörter hat er da zusammengestellt und die Bibel übersetzt für die Feuerländer.
Ja, also diese Botschaft, das Licht der Nationen, sollte gehen bis zu den Enden der Erde. Es kam auch bis nach Tasmanien zu den Ureinwohnern dort. Aber damit wollen wir noch schliessen heute.
In unserem Abschnitt ist aber ein Teil der Welt speziell im Blickpunkt. Lest noch mal jemand Vers 4. Jawohl, ist das bei jemand anders verschieden übersetzt: Inseln? Haben alle Inseln?
Also auf Hebräisch steht hier das Wort Iyim, und es ist ein schwieriges Wort, weil wir kein Wort auf Deutsch haben, das dem entspricht. Es bezeichnet nämlich nicht nur Inseln, sondern es bezeichnet Inseln und die Küstenländer, und zwar auf der europäischen Seite des Mittelmeers, von der Türkei bis Spanien. Das ist also ein fixer Begriff in der Bibel nur für dieses Gebiet.
Zwei der grössten Hebraisten im 19. Jahrhundert, Keil und Delitzsch, haben einen Kommentar herausgegeben, zehn Bände zum ganzen Alten Testament. Und sie sagen in Band 1: Iyim bedeutet eben die Inseln und Küstenländer des Mittelländischen Meeres, von der Türkei bis nach Spanien. Iyim ist effektiv im Alten Testament der Begriff für Europa. Und das ist doch interessant.
Der wieder so erklärte Messias wird sein Werk bis zum Ende ausführen und nicht vorher niedersinken. Und da ist ein Teil der Welt, der ganz besonders hart auf diese Lehre reagiert: die Iyim. Und tatsächlich, in der weiteren Geschichte, ich meine, es hätte ja alles ganz anders werden können. Afrika hätte der christianisierte Kontinent werden können ab dem ersten Jahrhundert, denn seine Verkündigung ging ja sofort nach Afrika. Und es hat in Asien begonnen und wurde in Asien ausgebreitet. Asien hätte ja der christliche Kontinent werden können, ist auch nicht geschehen, aber der christliche Kontinent wurde Europa. Und viele Menschen in Europa haben diese Lehre aufgenommen.
Und denken wir daran: Als der Apostel Paulus in Apostelgeschichte 16 noch in der Türkei war, hatte er einen Traum. Da sah er einen mazedonischen Mann, also aus der Nordprovinz von Griechenland, der ruft: Komm herüber zu uns und hilf uns. Und dann hat Paulus beschlossen, wir mit seinen Freunden, wir gehen nach Europa. Sie werden auf seine Lehre harren. Das ist ganz eindrücklich, wie eben dieses Recht der Bibel dann auch Europa verändert hat.
Wenn man denkt, wie wild die Barbaren waren, ich weiss jetzt die Germanen, die Helvetier natürlich auch, aber die haben Alkohol aus den Schädeln ihrer Feinde getrunken, und Julius Caesar beschreibt sie als wirklich ganz wilde Typen. Gerade die Germanen beschreibt er als spärlich bekleidet, und die jungen Leute machen wilde Spiele, und das nicht, weil sie irgendetwas dadurch gewinnen, sondern allein um der Ehre willen. So beschreibt der Römer Julius Caesar die Germanen.
Wenn man denkt, wie das Evangelium diese wilden Völker in Europa verändert hat, dann versteht man, was hier in Jesaja 42,1 am Schluss steht: Und er wird den Nationen das Recht kundtun oder das Recht hinausbringen zu den Nationen.
Aber umso tragischer ist es, was im 20. Jahrhundert geschehen ist, wie Europa als einst wirklich so deutlich christianisierter Kontinent sich ganz bewusst von Christus und seinem Wort verabschiedet hat nach 2000 Jahren.
Ja, bleiben wir mal hier und fahren dann später an dieser Stelle wieder weiter und noch beten zusammen.
Herr Jesus, wir danken dir für den Reichtum deines Wortes, das uns immer wieder die Augen öffnet für die Pläne Gottes mit dieser Welt. Und im Zentrum finden wir immer wieder dich, den geliebten Sohn des Vaters. Danke, dass du uns die Augen geöffnet hast, um dich zu sehen, voller Gnade und Wahrheit, die Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater.
Herr Jesus, präge uns dadurch und verändere uns dadurch. Und hilf uns, dass wir mithelfen können, dass dieses Licht des Evangeliums hinausgetragen wird und dass Menschen, die das noch nicht kennen, durch uns erreicht werden können. Wir danken dir dafür. Amen.
Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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