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1. Timotheus 3,1-3,726.01.2018
Serie•Teil 1 / 7E21 Regionalkonferenz Schweiz 2018
Älteste sind keine Manager, sondern Hirten mit Verantwortung: auf sich achten, die Herde schützen, gut lehren. Die Frage ist brutal einfach: Dienen sie deiner Gemeinde wirklich – oder nur sich selbst?

Begrüßung und Gebet

Herr, Herr, liebe, danke, dass ich hier sein darf. Übrigens möchte ich auch sagen, dass es für mich ein Privileg und eine Freude ist. Das ist auch ein Teil von dem, was wir bei Evangelium 21 nicht geplant hatten: Leute wie Erik und Peter kennenzulernen. Wir haben uns eben auch gerade über diese Konferenzen und die Vernetzung kennengelernt, und es ist eine Freude, heute hier bei euch zu sein. Danke für die Einladung.
Ich möchte zu Beginn mit uns beten.
Himmlischer Vater, danke, dass du ein gnädiger Gott bist und dass du ein großer, hocherhabener Gott bist. Du hast dich aber klein gemacht in Jesus Christus. Zu Weihnachten durften wir uns daran erinnern, dass du zu uns gekommen bist, da, wo wir uns von dir abgewandt hatten. Danke, dass du dir deine Gemeinde durch dein Blut erkauft hast. Und danke, dass wir so als Kinder Gottes zusammenkommen können.
Wir wollen dich bitten, dass du uns in diesen Tagen erbaust und ermutigst, dass du auch durch diese Konferenz wertvolle Impulse in die Gemeinden hineinsendest, sodass dein Reich weiter erbaut wird, hier in der Schweiz und auch in den umliegenden Ländern. Herr, wir wollen dir diese Zeit anbefehlen, und ich möchte dich bitten, dass du jetzt auch diesen Vortrag gebrauchst, um uns eine klarere Vision dafür zu geben, was du mit Gemeinden vorhast und warum du in Gemeinden Älteste berufst. Amen.

Rahmen und Ziel des Vortrags

Ich bin typischerweise jemand, der einfach Bibeltexte auslegt. Das ist mein Tagesgeschäft. Sonntagfrüh darf ich hier noch predigen, da werde ich einfach einen Bibeltext predigen.
Was ich aber in dem Vortrag heute und auch morgen früh machen werde, deswegen nenne ich das auch Vortrag und nicht Predigt, ich werde thematisch reden zu zwei Fragen, über die wir uns verständigt hatten, dass sie vielleicht hilfreich sein könnten: heute über das Thema Gemeindeältestenschaft und morgen über das Thema Gemeinde. Gemeinde vor dem Hintergrund, sage ich morgen noch mehr dazu, dass wir darüber nachdenken wollen, was machen wir da eigentlich, wozu sind wir eigentlich da. Heute aber die Frage: Wozu sind Älteste da? Braucht es das überhaupt, und wenn ja, wozu?
Kurze Frage einfach, damit ich ein bisschen besser abschätzen kann, zu wem ich spreche: Wer kommt aus einer Gemeinde, die Älteste hat? Okay, das sind quasi alle oder fast alle. Sonst hätte ich jetzt noch ein Plädoyer gegeben dafür, warum Gemeinden Älteste haben sollten. Da setze ich jetzt einfach mal voraus, dass ihr davon ausgeht, dass es irgendwie richtig ist.
Wer von euch ist selber Ältester, Pastor, Presbyter, Bischof? Auch relativ viele. Ich möchte in diesem Vortrag ganz gezielt sowohl die Ältesten ansprechen als auch, in Anführungszeichen, ganz normale Gemeindemitglieder. Denn als Gemeindemitglied stellt sich die Frage: Was erwartet ihr, die ihr vielleicht keine Ältesten seid, von den Ältesten in eurer Gemeinde? Werden von ihnen überhaupt irgendwelche Dinge erwartet? Sollen sie diejenigen sein, die alles organisieren? Sollen sie die sein, die, ja, Entschuldigung, weil das jetzt hier hinter mir schon steht, sage ich kurz: Das ist der Ablauf.
Ich fange gleich an mit ein paar Vormerkungen. Dann gibt es noch ein paar mehr. Wir reden über Qualifikationen für das Ältestenamt, Aufgaben der Ältesten, Ziel der Ältesten, das ist wichtig, und dann Schlussbemerkungen, und zwar ein paar konsequente Anwendungen für die Ältesten unter uns und auch für die Gemeinde als Ganzes, für jedes Gemeindemitglied. Also das nur mal vorneweg.
Du kannst eigentlich die nächste Folie geben. Ich bin aber noch nicht so weit. Also: Was erwarten wir von Ältesten? Sind das die, die alles organisieren müssen? Sind das die, die alles entscheiden sollen? Sind das vielleicht die, die alles entscheiden wollen? Sind das Wichtigtuer? Sind es besonders verdiente Leute? Sind es die ältesten Mitglieder in der Gemeinde? Was erwartest du von ihnen?
Und wenn du selber Ältester bist, wie würdest du deine eigene Rolle beschreiben? Und konkret: Hast du ein Ziel, auf das du hinarbeitest als Ältester? Oder leistest du halt deinen Dienst ab, weil man das eben auch mal machen muss, und lässt sich vielleicht einmal berufen und dann nie wieder, oder vielleicht auch häufiger?
Da möchte ich uns mit hineinnehmen. Das sind die Fragen, über die wir nachdenken wollen.

Vorbemerkungen zu Amt und Struktur

Also, einige Vorbemerkungen.
Wenn ich über Älteste rede, meine ich damit Älteste, und ich meine Pastoren und Bischöfe. Ich hoffe, dass euch klar ist, dass das ein und dasselbe ist. Die Bibel beschreibt ein und dasselbe Amt mit drei verschiedenen Begrifflichkeiten.
Das sehen wir ganz konkret zum Beispiel bei den Qualifikationen, zu denen wir nachher noch kommen werden. Wir sind noch nicht so weit, aber wenn wir dann da hinkommen, werden wir sehen: Es gibt zwei Listen von Qualifikationen für Älteste in 1. Timotheus 3 und in Titus 1. In 1. Timotheus 3 steht aber nicht: Die Ältesten sollen ..., das steht bei Titus. In 1. Timotheus 3 steht: Wer das Bischofsamt begehrt.
Es könnte natürlich sein, dass Titus und Timotheus unterschiedliche Anweisungen von Paulus bekommen haben: Der eine sollte Älteste, der andere sollte Bischöfe einsetzen. Das ist aber sehr unwahrscheinlich.
Zum anderen lesen wir zum Beispiel in der Apostelgeschichte, wo Lukas über Paulus schreibt, wie er sich von der Gemeinde in Ephesus verabschiedet. Er lässt die Ältesten rufen, Apostelgeschichte 20,17. Er lässt die Ältesten rufen und spricht dann mit ihnen. Er spricht sie an als die Aufseher, die Episkopos, die Bischöfe der Gemeinde, und sagt ihnen, dass sie als Pastoren die Gemeinde weiden sollen.
Das Gleiche tut Petrus in 1. Petrus 5. Dort schreibt er wiederum die Ältesten an und sagt ihnen dann, dass sie die Aufgabe der Bischöfe wahrnehmen sollen, als Aufseher. Und dass das beinhaltet, als Hirten die Herde zu weiden. Also: Bischöfe, die auch Pastoren sind. Die Ältesten sind Bischöfe, die auch die Pastorenfunktion wahrnehmen.
Wir haben manchmal in unserem Sprachgebrauch eine Differenzierung, und das kann auch hilfreich sein. Aber die Bibel kennt erst einmal nur ein Amt, und das wird mit zwei oder drei verschiedenen Begriffen bezeichnet.
Der Begriff Pastor kommt in der Bibel fast gar nicht vor. Eigentlich sind, wenn es um das Amt geht, die beiden anderen Begriffe geläufiger. Nur haben wir das Amt Pastor daraus gemacht. Pfarrer steht nie in der Bibel. Also wenn du Pfarrer bist, herzlichen Glückwunsch: Das ist eine Verwaltungsaufgabe, und ich hoffe, du bist auch Ältester.
Ich werde häufig als Pfarrer angesprochen. Ich sage dann: Ich habe keine Pfarrei, ich habe nur eine Herde, für die ich verantwortlich bin, nämlich als Pastor.
Es gibt also eine kleine Differenzierung, die im deutschen Sprachgebrauch manchmal zum Ausdruck kommt, durch die Unterscheidung von Pastoren und Ältesten. In manchen Gemeinden ist das so. In der Gemeinde, in der ich bin, sagen die Leute: Matthias ist unser Pastor, und dann haben wir auch noch Älteste.
Einerseits sage ich denen immer: Ich bin auch einer der Ältesten. Und die sind in gewisser Weise auch Hirten, also Pastoren der Herde. Aber ich verstehe, was damit gemeint ist. Und das findet sich wieder in der Bibel, in 1. Timotheus 5,17.
Dort sehen wir eine kleine Differenzierung in der Ältestenschaft. Da heißt es nämlich: Die Ältesten, die der Gemeinde gut vorstehen, die halte man doppelter Ehre wert, besonders die sich mühen im Wort und in der Lehre. Das heißt, es scheint Älteste zu geben, die der Gemeinde gut vorstehen, als Presbyter agieren, und die soll man besonders ehren. Und dann insbesondere diejenigen, die sich im Wort und in der Lehre mühen, das heißt, die die Hauptverantwortung für die Lehre tragen.
Also könnte man, wenn man so will, sagen: Da ist vielleicht eine kleine Unterscheidung. Letzteres könnte dann ein bisschen mehr das sein, was wir im Sprachgebrauch als Pastoren beschreiben. Aber wie gesagt: eigentlich ein Amt.
Zweite Vorbemerkung noch: Es gibt nicht einen Ältesten in Gemeinden, es gibt eine Pluralität, zumindest in der Bibel. Ist jemand in seiner Gemeinde, in einer Gemeinde, wo nur ein Ältester, Schrägstrich Pastor, ist? Das kommt manchmal vor. Es kann natürlich auch eine Situation geben, wo das mal für eine kurze Zeit so ist. Aber eigentlich ist das von Gott nicht so vorgesehen.
Und da sehen wir: Paulus schreibt in Titus 1 zum Beispiel an Titus: Deswegen ließ ich dich in Kreta, dass du vollends ausrichten solltest, was noch fehlt, und überall in den Städten Älteste plural einsetzt.
Wir sehen auch, dass das genau geschieht. Paulus kommt auf seiner Missionsreise, Apostelgeschichte 14, zurück, und dann heißt es: Dann kehrten sie zurück nach Lystra, Ikonion und Antiochia, und sie setzten in jeder Gemeinde Älteste plural ein.
Also auch hier, weil es da einen Konsens gibt, werde ich nicht weiter darauf eingehen. Ich möchte nur sagen: Wichtig ist ein Amt, und davon sollte es mehrere geben in jeder Gemeinde, idealerweise drei oder mehr.
So viel als Vorbemerkung.

Maßstäbe für das Ältestenamt

Dann kommen wir zu den Qualifikationen, und ich denke, wir arbeiten uns von dem, was klar ist, zu dem, was vielleicht bei manchen weniger klar ist, vor. Noch relativ klar sein dürfte grundsätzlich auch, was qualifiziert.
Zum ältesten Amt: Was qualifiziert jemanden als Ältester, als Pastor, als Bischof tätig zu sein? Dazu lese ich 1. Timotheus 3, die ersten sieben Verse, und ich lese sie aus der Luther-84-Übersetzung:
Das ist gewisslich wahr: Wenn jemand ein Bischofsamt begehrt, der begehrt eine hohe Aufgabe. Ein Bischof aber soll untadelig sein, Mann einer einzigen Frau, nüchtern, maßvoll, würdig, gastfrei, geschickt im Lehren, kein Säufer, nicht gewalttätig, sondern gütig, nicht streitsüchtig, nicht geldgierig, einer, der seinem eigenen Haus gut vorsteht und gehorsame Kinder hat in aller Ehrbarkeit. Denn wenn jemand seinem eigenen Haus nicht vorzustehen weiß, wie soll er für die Gemeinde Gottes sorgen? Er soll kein Neugetaufter sein, damit er sich nicht aufblase und dem Urteil des Teufels verfalle. Er muss aber auch einen guten Ruf haben bei denen, die draußen sind, damit er nicht geschmäht werde und sich nicht fange in der Schlinge des Teufels.
Ja, wir sehen hier also einen ganzen Anforderungskatalog. Und dieser Anforderungskatalog ist wichtig, sowohl für die Ältesten selbst, weil er uns sagt, was von uns erwartet wird, was uns qualifiziert und was uns vielleicht auch disqualifizieren könnte, als auch natürlich ganz wichtig für jedes Gemeindemitglied. Denn in aller Regel sind die Gemeindemitglieder dafür verantwortlich, Älteste zu berufen. Das heißt, man sollte abwägen: Wer ist denn wirklich qualifiziert? Wen wollen wir berufen?

Berufung, Charakter und geistliche Reife

Nun, die erste Sache, die wir hier lesen, ist, dass es jemand sein soll, der dieses Amt begehrt. Das mag ein bisschen überraschen. Manche denken: Die, die am lautesten schreien, die nehmen wir schon mal gar nicht. Da ist auch etwas Wahres dran. Natürlich besteht auch die Gefahr, dass jemand aus falschen Motiven einfach wichtig sein will.
Vielleicht wird gerade in der Gemeinde, in der Ältestenschaft, nicht so gelebt, wie sie eigentlich biblisch sein sollte. Wenn die Ältesten sich als die Chefs verstehen, und jeder will gerne mal Chef sein. Wenn die Ältesten die sind, die immer etwas zu sagen haben, und jeder immer etwas zu sagen haben will, dann seid vorsichtig, wenn die sich gleich melden.
Aber grundsätzlich, gerade wenn man verstanden hat, was das Ältestenamt wirklich ist, stellt sich die Frage: Hat jemand ein Verlangen danach, sich so zu investieren? Wir werden nachher noch darüber nachdenken, was das bedeutet. Hat jemand ein inneres Verlangen danach? Wenn du das nur als Last empfindest, dann gib dieses Amt auf. Denn Gottes Wort sagt dir ganz klar, dass das etwas ist, was du aus dem Herzen heraus tun sollst.
Das findet sich auch an anderen Stellen. Auch in 1. Petrus 5 ist sehr deutlich die Rede davon, dass wir das mit einem frohen Herzen tun sollen. Wenn wir in der Gemeinde nach neuen Ältesten Ausschau halten, und das tun wir eigentlich ständig, dann ist das eine wichtige Frage.
Ich treffe mich gerade alle zwei Wochen mittags mit einem jungen Mann aus der Gemeinde, von dem ich denke, dass er das Potenzial hat, Ältester zu sein. Die Frage, die ich ihm gestellt habe, als ich ihn damit konfrontiert habe, dass wir als Ältesten über ihn nachdenken, beten, ob er vielleicht ein Ältester dieser Gemeinde sein könnte, sein sollte: Ich habe ihm gesagt, könntest du dir das vorstellen, und würdest du das gerne machen?
Da hat er mir ganz ehrlich geantwortet und gesagt: Matthias, also vorstellen kann ich mir das schon. Ich habe schon gedacht, vielleicht kommt das mal auf mich zu. Aber richtig begeistert bin ich von dem Gedanken nicht. Dann habe ich gesagt: Okay, Andi, ist in Ordnung. Dann nehmen wir uns einfach mal ein bisschen Zeit und setzen uns mit dem Thema weiter auseinander.
Und wir lesen jetzt seit inzwischen mehreren Monaten. Wir treffen uns jede zweite Woche donnerstags mittags und lesen miteinander über Älteste. Vor einigen Wochen sagt er mir: Matthias, ich wollte dir noch etwas sagen. Du hast mich damals gefragt. Ich merke, es tut sich etwas in meinem Herzen. Ich verstehe mehr, was Älteste sind, und ich glaube, Gott bewegt mein Herz. So langsam kann ich sagen: Ich möchte das. Ich möchte Gott und seiner Gemeinde so dienen.
Es gibt gute Gründe, warum wir ihn noch nicht sofort berufen werden. Aber ich denke, hier wächst etwas heran, und das ist wichtig. Da sollten wir Ausschau nachhalten, denn nur solche Ältesten werden der Gemeinde gut dienen, die es von Herzen her tun.
Das Zweite, was wir sehen, ist, dass jemand untadelig sein soll. Das ist natürlich schwierig. Wer von euch ist untadelig? Okay, einer hat sich gemeldet, der hat mich nicht richtig verstanden. Ohne jeden Tadel ist keiner von uns. Ich denke, uns muss klar sein, worum es hier geht. Es sollte jemand sein, der vorbildlich ist, der vorbildlich lebt.
Da könnten sich jetzt einige von euch melden. Wenn die Demut Überhand nimmt, dann würden andere sagen: Doch, stimmt aber. Und das hoffe ich, das ist so. Das heißt, es sollte jemand sein, der wirklich ein vorbildliches Christenleben führt.
Und das heißt: In diesen Kategorien, die hier genannt werden, in den verschiedenen Aspekten, ist klar, es gibt einige sehr klar disqualifizierende Dinge, wie zum Beispiel Säufer oder Gewalttätig. Oder streitsüchtig und geldgierig. Aber dann gibt es andere Dinge, die einfach den vorbildlichen Charakter beschreiben. Und wir alle wissen: Darin müssen wir alle weiter wachsen. Damit hören wir nicht auf, da werden wir auch nicht ganz fertig mit.
Das heißt, wenn ich in eine Gemeinde hineinschaue, muss ich einfach schauen: Wer sind diejenigen, die in diesen Bereichen, die einfach in ihrem Charakter, in ihrer Frömmigkeit relativ vorbildlich sind, relativ untadelig sind, die einfach hervorstechen und wo ich sage: Das sind Leute, wenn andere sich an ihnen orientieren, geht das in eine gute Richtung. Das ist hier gemeint.

Familie, Eignung und Lehrfähigkeit

Das Dritte, teilweise umstritten, sollte ein Mann sein. Hier ist davon die Rede, dass er ein Mann einer einzigen Frau sein soll. Das heißt, er soll ein treuer Mann sein. Und dann heißt es etwas weiter auch noch, dass er seiner Familie gut vorstehen soll. Das heißt, er soll ein treuer Ehemann sein, wenn er verheiratet ist, und eine einzige Frau haben.
Das heißt meines Erachtens auch: Ist jemand qualifiziert für den Hirtendienst, für den pastoralen Dienst, wenn er geschieden ist? Zumindest dann, wenn er schuldhaft geschieden ist? Und ob das bei einer unschuldigen Scheidung anders ist, weiß ich nicht so genau. Das meine ich ernst, wenn ich das so sage. Aber wenn jemand sehr eindeutig schuldhaft geschieden ist und womöglich wiederverheiratet ist, dann denke ich, das disqualifiziert. Denn jemand, der so keine Frau wirklich leiten kann, dienen kann, für sie da sein kann, der soll das auch nicht im Hause Gottes tun.
Und er soll seiner Familie gut vorstehen. In Titus ist da die Rede von gläubigen Kindern. Das ist spannend, was damit gemeint ist. Ich denke, was damit gemeint ist, ist nicht bekehrt im Sinne von wiedergeboren, sondern treu, gehorsam, so wie es hier auch im ersten Timotheusbrief heißt. Das heißt, es soll jemand sein, der, wenn er Kinder hat, seine Kinder gut anleitet. Wenn ich nicht als Vater in meiner Familie so lebe, dass meine Kinder von mir gut angeleitet werden, dann sollte ich auch keine solche Verantwortung in der Gemeinde übernehmen unter den Kindern Gottes.
Das wirft vielleicht die Frage auf: Kann ein Single dann überhaupt Ältester oder Pastor werden, wenn es hier heißt: Mann einer Frau? Ich denke, das ist nicht ein Minimumkriterium, Mann einer Frau, also im Sinne von mindestens einer oder genau einer, sondern ein Maximalkriterium. Warum glaube ich das? Der Text gibt das nicht weiter her. Rein exegetisch kann ich das nicht beweisen. Aber wenn ich mir überlege, wer da schreibt, Paulus, der nicht verheiratet war und so agiert hat, dann ist mir schon klar: Na ja, das scheint auch ohne Ehefrau zu gehen. Und wenn ich mich darauf besinne, wer der Erzhirte der Gemeinde ist, Jesus, der auch nicht verheiratet war, dann glaube ich, ist es relativ sicher zu sagen: Es ist ein Maximalkriterium, eine Frau zu haben, und nicht ein Minimalkriterium. Das heißt, ein Single kann sehr wohl Ältester sein, Pastor werden. So verstehe ich den Text zumindest.
Und dann soll er fähig sein zu lehren, und zwar zu ermahnen, mit der heilsamen Lehre zurechtzuweisen, diejenigen, die widersprechen, wie es auch bei Titus dann heißt. Das heißt, das soll jemand sein, der bereit ist, zum einen in der Lage ist zu lehren, und zum anderen auch bereit ist, mit dem Wort Gottes in das Leben und in Situationen, auch in schwierige Situationen, hineinzusprechen. Es erfordert einen gewissen Mut, so zu agieren, und eine gewisse Bereitschaft, auch mal einen Konflikt auszuhalten.
Schließlich soll es jemand sein, der einfach eine gewisse geistliche Reife hat, also kein Neubekehrter. Den allermeisten von uns ist das im ersten Moment völlig klar. Wir würden nicht jemanden mit seiner Taufe gleich zum Ältesten berufen, wenn wir baptistisch geprägt sind, oder ihn nach seiner Bekehrung gleich zum Ältesten machen. Und doch staune ich manchmal darüber, was passiert, wenn ein relativ prominenter Mensch zum Glauben kommt. Auf einmal wird er überall auf die Bühne gestellt und soll den Leuten etwas erzählen.
Es gibt ja aktuell ein Beispiel, einen Bildjournalisten. Dem Mann mache ich gar keinen Vorwurf, ich bin begeistert, dass er mutig Zeugnis gibt. Das ist ganz toll. Aber ich frage mich schon manchmal, wie klug es ist, jemanden, der ganz neu im Glauben ist und vieles vielleicht noch gar nicht sehr weit durchdacht hat, auf die Bühne zu stellen und zu sagen: Jetzt erzähl uns mal was.
Also, wenn bei euch ein CEO in der Gemeinde ist und er kommt zum Glauben, und jemand, der seinen Laden wirklich super schmeißt, dann qualifiziert ihn das noch nicht zum Ältestenamt. Wenn ihr eine Bundeskanzlerin habt, hier nicht, aber euer Äquivalent, und derjenige kommt in die Gemeinde, dann kann er euer Land regieren, aber in eurer Gemeinde muss er sich erst einmal hinten hinsetzen. Er muss erst einmal reif werden.
Gut, und dann soll es jemand sein, der auch einen guten Ruf nach außen hat. Das heißt nicht, dass alle diesen Menschen lieben müssen. Das muss uns auch klar sein. Das ist sogar gefährlich. Also wenn die Leute ein bisschen sagen: Hier, also der Prok ist schon ein bisschen ballerballer, hier er und sein Jesus, also das ist okay.
Ich hatte das Vergnügen, vor zwei Wochen in einem Business-Setting Vorträge zu halten über biblische Ethik zur Unternehmensführung. Ein Gemeindemitglied hat mich, selbst im Vorstand eines großen Unternehmens leitend, eingeladen, in seiner Führungskräfteklausur zu referieren. Eine völlig mutige Geschichte von ihm. Da hat er gesagt: Ja, wir machen mal Studium generale, wir machen etwas anderes als unser Kerngeschäft. Ich habe da einen eingeladen, ich war selber mal in der Wirtschaft, also ich habe gewisse Qualifikationen dafür. Und er hat das auch ein bisschen gehypt und ein bisschen übertrieben, das war gut. Aber er hat mich dann auch als seinen Pastor vorgestellt und sich selber geoutet. Und ich habe schon gesehen, die Leute haben schon ein bisschen komisch geguckt. Also irgendwie haben die schon gedacht: Okay, der Herr Lange ist schon ein bisschen schräg.
Und doch: Ich war den Abend dann noch da, die Klausur ging am nächsten Tag noch weiter, da bin ich dann gefahren, aber ich war abends noch mit dabei und habe mit vielen gesprochen. Es war interessant, die haben alle mit Respekt über ihn gesprochen. Das mit seinem Glauben, das fanden sie nicht so. Das war für manche ein bisschen schräg, aber sie hatten Respekt. Das war jemand, der hatte einen guten Ruf. Der ist noch gar kein Ältester bei uns in der Gemeinde, aber ich habe im Moment gedacht: Wow, könnte vielleicht auch mal einer werden.
Also: Guter Ruf nach außen, das sind die Qualifikationen für Älteste. Und, liebe Älteste, ich weiß, das kann überwältigend sein, wenn man diese Liste so liest. Ich hoffe, es ist überwältigend. Ich hoffe, du hast jetzt nicht gerade da geschlossen: Haken dran, passt alles. Das soll dich herausfordern. Wachse weiter in diesen Dingen, okay?
Und, liebe Gemeinde, erkenne an, dass die Kriterien, die hier angelegt werden, von all diesen Dingen, die wir hier gerade besprochen haben: Was davon sollte eigentlich auf dich, einfach als Christ in der Gemeinde, nicht zutreffen? Ich bin kein Ältester, ich kann geldgierig sein? Nee. Also im Prinzip ist das ein Kriterienkatalog, der für jeden Christen gilt, vielleicht mit einer einzigen Ausnahme, nämlich dem Lehrenkönnen, okay? Und dann gibt es vielleicht biografisch Dinge, die dich disqualifizieren vom Ältestenamt, aber wo du zumindest von nun an treu in der Beziehung oder treu als Single leben sollst.
Also streb selbst danach, immer mehr so eine Person zu werden. So viel zum zweiten Punkt, den Qualifikationen.

Gottes Herde und die Verantwortung der Ältesten

Kommen wir zu den Aufgaben der Ältesten. Dazu möchte ich mit uns kurz zwei Bibelstellen betrachten: Apostelgeschichte 20 und 1. Petrus 5.
In Apostelgeschichte 20 könnte man eigentlich einen längeren Abschnitt lesen. Ich hatte schon beschrieben, dass Paulus sich von Milet aus von den Ältesten der Gemeinde in Ephesus verabschiedet. Er lässt sie rufen, das steht in Vers 17, und dann beginnt seine Abschiedsrede. Wir werden nachher auch noch andere Dinge betrachten, aber hier nur Vers 28. Dort schreibt Paulus an die Ältesten. Das ist übrigens interessant: Im Vers 17 werden sie ganz klar Älteste genannt, und jetzt heißt es hier:
"So habt nun Acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in der euch der Heilige Geist eingesetzt hat, zu Bischöfen, zu weiden die Gemeinde Gottes, die er durch sein eigenes Blut erworben hat."
Kurze Nebenbemerkung: Wichtig ist mir, dass ihr den letzten Halbsatz bedenkt. Die Gemeinde Gottes hat Gott erworben durch sein eigenes Blut, das Blut seines ewigen Sohnes Jesus Christus.
Nur für den Fall, dass du hier bist und vielleicht noch gar kein Christ bist, vielleicht mitgekommen bist und vielleicht darüber noch nie so intensiv nachgedacht hast, möchte ich, dass du das als Allererstes erkennst: Christen sind Menschen, die Jesus Christus als ihren Retter und Herrn kennen. Sie vertrauen darauf, dass sie einst von Gott getrennt waren. Sie wurden nicht als Kinder Gottes geboren, ja, als Geschöpfe Gottes schon, aber nicht als herzlich geliebte, angenommene Kinder Gottes. Nein, von Natur aus sind alle Menschen Feinde Gottes.
Und dann hat Gott in seiner großen Gnade, weil die Menschen sich von ihm losgesagt hatten, weil sie nicht unter seiner guten Herrschaft leben wollten, sondern ihre eigenen Wege gegangen sind, selber sein wollten wie Gott, seinen geliebten Sohn in diese Welt gesandt. Dort, wo wir nicht mehr zu Gott wollten und auch nicht mehr konnten aufgrund der Sünde, die wir auf uns geladen haben, kam Gott in Jesus Christus zu uns.
Jesus Christus hat zum einen das perfekte Leben gelebt, als einziger wirklich vollkommen untadelig. Und dann hat er die Strafe bezahlt, die gerechte Strafe für all die Schuld, die wir alle auf uns geladen haben, sodass jeder, der sich ihm im Glauben zuwendet, im Vertrauen darauf, dass Jesus wirklich der Retter und Herr ist, und jeder, der sich ihm zuwendet, um ihm nachzufolgen, wissen darf, dass er nun zu Christus gehört. Christus hat ihn erkauft mit seinem teuren Blut am Kreuz von Golgatha. Das ist die Gemeinde, die Jesus durch sein Blut erkauft hat.
Wenn du Fragen dazu hast, dann komm gerne. Lass uns nachher reden. Ich habe ganz viel Zeit, vielleicht übersetze ich heute Abend noch, aber sonst habe ich Zeit. Lass uns reden, das meine ich ganz ernst. Wenn du Fragen hast, ist es kein Outing. Es ist wichtig, dass du dieser Frage nachgehst.
Aber mir geht es hier primär um die Aufgabe an die Ältesten: "Habt nun Acht auf euch selbst" und auf die ganze Herde, die dann auch als die Gemeinde Gottes beschrieben wird.
Und in 1. Petrus 5,1-4 heißt es:
"Die Ältesten unter euch ermahne ich, der Mitälteste und Zeuge der Leiden Christi, der ich auch teilhabe an der Herrlichkeit, die offenbart werden soll: Weidet die Herde Gottes, die euch anbefohlen ist, achtet auf sie."

Der Blick auf sich selbst, auf die Herde und auf Gefahren

Erster Punkt: Bedenkt, es ist Gottes Herde.
Liebe Älteste, in eurer Aufgabe bedenkt: Es ist Gottes Herde, und er hat die Ältesten eingesetzt. Liebe Gemeindemitglieder, bedenkt: Gott hat sie eingesetzt. Sie haben sich das nicht selbst genommen. Älteste sind nicht die Erfindung von Menschen, die irgendwie auch menschliche Strukturen und Organisationen in eine Gemeinde bringen wollten. Es ist Gottes Herde. Guter Plan! Er hat Menschen eingesetzt, er hat sie berufen. Es sind Hirten, die er einsetzt, um seine Herde zu weiden und auf sie Acht zu haben. Also Hirten, von Gott gegeben, um als Gottes Diener seiner Gemeinde zu dienen, die er mit Christi Blut erkauft hat.
Das heißt auch: Das haben wir gerade gehört in 1. Petrus 5,4, dass es einen Erzhirten gibt, der über allen Hirten steht, einen Erzältesten, einen Erzbischof. Dem sind die Ältesten rechenschaftspflichtig. In Hebräer 13,17 heißt es: Gehorcht euren Lehrern und folgt ihnen; denn sie wachen über eure Seelen, und dafür müssen sie Rechenschaft geben. Das ist wichtig, sowohl für die Ältesten als auch für die Gemeindemitglieder.
Ihr Ältesten, ihr werdet Rechenschaft geben müssen. Und gerade die, die so bedacht sind auf Gemeindewachstum: Bedenkt, jeder, den du dazuholst, für den hast du eine Verantwortung. Ich bin für Gemeindewachstum. Ich bin dafür, dass Gemeinden wachsen. Aber überleg dir genau: Jeder, der dazukommt, ist eine Person mehr Verantwortung. Das ist nicht nur eine Zahl, mit der man angeben kann: Wir haben jetzt 380 Mitglieder, wow! Oder 20. Jede Person ist eine, für die du Rechenschaft geben musst.
Und, liebe Gemeinde, bedenkt, wie der Vers weitergeht. Er fängt damit an in Hebräer 13,17: Gehorcht euren Lehrern und folgt ihnen; denn sie wachen über eure Seelen, und dafür müssen sie Rechenschaft geben, damit sie das mit Freuden tun und nicht mit Seufzen, denn das wäre nicht gut für euch. Also: Wenn du mal ganz egoistisch in deiner Gemeinde sein willst, dann machst du deinen Ältesten ihre Aufgabe so leicht wie möglich. Das beginnt damit, dass du einfach nicht mehr sündigst, und das ist dann gut für dich. Und das macht den Ältesten ihre Arbeit leicht.
Liebe Älteste, bedenkt schließlich noch: Es ist seine Herde. Und das setzt so enorm frei. Ich weiß, dass da einer ist, der auf die Herde immer Acht hat, und das viel besser tut, als ich das jemals tun könnte. Das setzt mich frei, wenn ich merke, wie schwach und unfähig und sündig ich bin. Und ich denke: Wenn ich es nur an mir lasse, auf weih, diese arme Herde! Gott sei Dank, es ist seine Herde, und er hat Acht auf sie. Und aus irgendeinem Grund mag er Menschen wie dich und mich dabei gebrauchen.

Selbstprüfung, Fürsorge und geistliche Wachsamkeit

So, zweiter Punkt: die Herde Gottes, dann der Aufruf. Interessanterweise heißt es in Apostelgeschichte 20,28: So habt nun Acht auf euch selbst und auf die ganze Herde.
Und ich möchte diesen ersten Aspekt für einen Moment betonen: Habt Acht auf euch selbst. Das fängt damit an, dass du darauf achtest, ob du wirklich noch so lebst, wie du als Ältester leben solltest. Achte auf dein eigenes Glaubensleben. Und da spreche ich als jemand, der damit kämpft.
Ich habe viel zu tun: große Gemeinde, Praktikumsprogramme, Leute, die ich versuche auszubilden, damit sie gute Pastoren werden, ich leite Evangelium 21, bin Dozent am Bucer-Seminar. Ich habe viel zu tun. Da bleibt natürlich keine Zeit, noch morgens eine Stunde zu beten oder noch intensiv Bibel zu lesen, so denke ich mir manchmal. Das ist gefährlich, ne?
Ich habe das in meinem Leben in meinem ersten Jahr als Pastor erlebt. Ich kam aus der Geschäftswelt und bin im Alter von 37 Jahren Pastor geworden. In meinem ersten Jahr als Pastor merkte ich: Ich rede viel mit anderen über Jesus, ich habe den ganzen Tag Zeit, mich damit auseinanderzusetzen, aber mein geistliches Leben war lange nicht so schlecht wie in meinem ersten Jahr als Pastor, weil ich nicht mehr auf mich selbst Acht hatte. Ich habe jeden Bibeltext nur noch für andere gelesen.
Also lerne oder bedenke: auf dich selbst Acht zu haben. Und das heißt auch, dass es vielleicht mal an der Zeit ist zu sagen: Es ist jetzt nicht mehr die richtige Zeit, dieses Amt auszuüben.
Ich habe das im letzten Sommer erlebt. Ein ganz lieber Bruder in der Gemeindeleitung, einer unserer Ältesten, hatte einfach ein ganz, ganz schweres Jahr. Erst ist sein Vater gestorben, dann ist seine Frau schwer krank geworden, dann ist er selbst krank geworden, und dann ist er versetzt worden und hat einen neuen Job bekommen, mit noch viel mehr Verantwortung. Und wir konnten alle miteinander sehen, wie er auf dem Zahnfleisch kroch. Immer noch ganz pflichtbewusst, hingebungsvoller Diener.
Wir haben gedacht: Das kann nicht gutgehen. Dann haben wir uns zusammengesetzt und gesagt: Christian, wie siehst du das eigentlich? Glaubst du, dass du im Moment noch Ältester sein solltest in der Gemeinde? Und wir waren so dankbar, dass er von sich aus auch anerkannt hat: Nee, ich glaube, ich muss zu meinem eigenen Wohl meine Auszeit nehmen.
Es war für uns alle schwer, weil wir ihn alle lieben. Er ist ein ganz lieber Bruder und ein ganz wertvolles, ältestes Mitglied der Gemeindeleitung. Sowohl in Jahren, im Alter, als auch in Jahren in der Gemeinde bringt er ganz viel Erfahrung mit. Da fehlt uns was. Aber wir haben gedacht: Er muss auf sich Acht haben. Und wir haben gedacht, wir haben auch die Verantwortung, ihm dabei zu helfen.
Das heißt manchmal vielleicht auch, eine Auszeit zu nehmen. Ich habe das vor zwei Jahren gemacht. Ich weiß, das ist eigentlich gar nicht möglich in Gemeinden, aber wir haben es dann möglich gemacht. In einer Situation, in der es für die Gemeinde wirklich nicht mehr ging, habe ich gesagt: Ich bin so am Ende. Schwere Kämpfe hinter mir gehabt, gibt es ja auch in der Gemeinde, müssen wir uns nichts vormachen. Es war eine schwierige Zeit in der Gemeinde. Wir waren so halbwegs durch, wir hatten jemanden verloren, einen neuen Jugendpastor berufen, es nahm so langsam, da war Hoffnung am Horizont zu sehen. Aber ich war am Ende, weil ich eine Zeit lang in einer wirklich großen Gemeinde der einzige Angestellte war und alles bei mir landete und ich noch einen Gemeindekonflikt im Prinzip zu managen hatte.
Und ich merkte, dass ich nicht der Einzige war, der wirklich kaputt war. Meine Frau war noch viel kaputter. Ich hatte immer noch das Gefühl: Ich weiß, das geht in eine gute Richtung, ich hatte noch einen gewissen Frieden in der ganzen Situation. Meine Frau saß zu Hause, und die hat nur den ganzen Müll gehört. Wenn die sonntags in die Gemeinde kam, kamen Leute und haben ihr alles gesagt, was mit mir falsch ist, und sie war fertig.
Dann haben wir als Familie gesagt: Wir brauchen eine Pause. Wir sind für drei Monate ins Ausland gegangen. Wir haben unsere Kinder aus der Schule genommen, haben sie in den USA für sechs Wochen an einer Schule angemeldet. Das war verrückt eigentlich, macht man nicht, hat uns viel Geld gekostet. Die Gemeinde war so großzügig zu sagen: Du hast eh nie Urlaub genommen, du hast bestimmt noch genug Resturlaub, wir stellen dich drei Monate frei, bei vollem Gehalt.
Wenn ihr einen Pastor habt, überlegt, ob der das vielleicht auch mal braucht. Ich weiß, in Deutschland und wahrscheinlich in der Schweiz auch unüblich, dass Pastoren einfach mal ein Sabbat bekommen. Wir haben ja nicht mal ein gutes deutsches Wort dafür.
Habt Acht auf euch selbst, liebe Älteste. Habt Acht aber auch auf die Herde Gottes. Weidet die Herde Gottes, die euch anbefohlen ist, achtet auf sie. Das heißt: Hirten sollen Acht haben auf die Herde. Und das Bild des Hirten und der Schafe ist da ganz hilfreich.
Manchmal sind Schafe verletzt. Weißt du, welche Schafe in deiner Gemeinde verletzt sind, die einen Hirten brauchen, der für sie da ist? Du musst deine Schafe kennen. Wo sind die verletzten Schafe, die deine Hilfe brauchen? Gibt es Schafe, die streunern? Soll vorkommen, ne? Schafe, die einfach so weglaufen. Mäh, haben eigentlich nur woanders Futter gesucht, und auf einmal sind sie weg.
Hab ein System, vielleicht zusammen mit den anderen Ältesten, mit denen du dienst, wo du auf die Schafe Acht hast und schaust: Sind sie noch da? Wo sind sie? Wir gehen regelmäßig durch unsere Mitgliederliste. Wir haben so eine Fotomitgliederliste, wir gehen die durch und wir nehmen uns immer vor, wir beten für zwei Seiten, sprechen ganz kurz über jeden Namen.
Joshua, der bei uns im Moment Praktikant ist, war neulich bei der Ältestensitzung dabei. Da haben wir es nicht gemacht. War eine ganz schlechte Ältestensitzung, wir hatten so viele andere Gäste, dass wir das nicht gepackt haben. Aber normalerweise beten wir am Anfang unserer Ältestensitzung erst füreinander und dann für eine ganze Reihe von Mitgliedern. Und wir fragen immer wieder nach: Haben wir irgendwen länger nicht gesehen?
Zweimal im Jahr nehmen wir uns die ganze Liste vor. In unserer Gemeinde sind das 380 Namen, das dauert lange. Wir reden über jeden einzelnen nur kurz. Peter, ja, bei dem ist alles klar. Erik, passt. Matthias, den habe ich länger nicht gesehen, der ist immer in der Schweiz unterwegs. Und wenn wir jemanden länger nicht gesehen haben, dann fragen wir nach.
Und als wir damit angefangen haben, weiß ich, wie mir ein Gemeindemitglied mal sagte: Was ist denn jetzt hier los, haben wir jetzt hier Stasi-Methoden in der Gemeinde? Kein Witz, war genau die Rede. Ich habe die nur angerufen, es hätte ja sein können, dass du irgendwas brauchst, dass du krank bist, ich wollte einfach hören, wie es dir geht. Aber er hat natürlich sofort bei der Reaktion gemerkt, dass da was nicht stimmt.
Das heißt: Geh diesen Schafen nach. Das ist deine Verantwortung, du musst Rechenschaft geben. Sie einfach irgendwann von der Liste zu streichen, ist nicht die Antwort. Manche sündigen, sie brauchen Lehre und sie brauchen Ermahnung. Ich habe das vorhin schon gesagt: Sei nicht konfliktscheu. Ein Hirte hat einen Hirtenstab, und er ist manchmal da, damit er den Schafen so ein bisschen auf die Beine klopft, damit sie wieder in die richtige Richtung gehen. Das ist ein Akt der Liebe, und tu das mit sanftmütigem Geist. Aber sieh zu, dass du die Herde dahin bringst, dass sie auf dem guten Weg bleibt. Hab Acht auf sie.
Und manche Schafe fangen an zu beißen. Konflikte in der Gemeinde kommen auch vor, auch bei Schafen. Und dann bist du gefordert als Hirte, dazwischenzugehen und zu sehen, wie du wieder Frieden bringen kannst.
Und natürlich haben Hirten noch eine andere Verantwortung, nicht nur den Blick auf die Schafe, sondern als Hirte habe ich die Verantwortung, meinen Blick auch nach außen zu richten. Wo sind Wölfe? Interessant ist, was Paulus an den Ältesten in Ephesus sagt, nachdem er sie ermahnt, dass sie Acht haben sollen auf sich selbst und auf die ganze Herde. Denn dann heißt es in Vers 29: Denn das weiß ich, das weiß ich, sagt Paulus zu diesen Ältesten, hört das mal und stellt euch das mal vor, das weiß ich, dass nach meinem Abschied reißende Wölfe zu euch kommen, die die Herde nicht verschonen werden.
An anderer Stelle wird sogar davon gesprochen, dass die aus der eigenen Mitte kommen: Auch aus eurer Mitte werden Männer aufstehen, die Verkehrtes lehren, um die Jünger an sich zu ziehen. Also ich glaube nicht, dass Paulus wusste, wer diese Leute sind. Wenn er das so gewusst hätte, also ich weiß: Wenn ich nachher gehe, dann machen die hier Ärger, dann hätte er die beim Namen genannt. Da hat er sich nie gescheut. Nein, das wusste er nicht.
Aber warum weiß er denn, dass von außen Wölfe kommen und von innen welche aufstehen? Weil das quasi eine Gesetzmäßigkeit ist, weil der Feind nicht schläft, weil der Widersacher Gemeinden hasst. Der hasst es, wenn sich Menschen im Namen Jesu Christi versammeln, um ihn zu loben, um sein Wort zu hören, um ihm ähnlicher zu werden. Das hasst der Satan. Und er wird alles tun, um das kaputt zu machen.
Und manchmal bringt er Leute, die sehen aus wie Schafe und die können sogar ganz gut Mäh machen, aber das sind keine Schafe. Und manchmal kommen die von außen, und du, Ältester, hast die Verantwortung, Acht darauf zu haben: Wo sind die Wölfe? Und natürlich klingt das völlig intolerant. Jetzt müssen wir hier noch richten zwischen Schaf und Wolf, wo kann man da hin? Ja, das ist so negativ. Aber das ist wichtig, das ist ein Akt der Liebe. Spätestens wenn so ein Schaf von einem Wolf gerissen wird, wirst du merken: Es ist sehr liebevoll, vorher einzugreifen.
Das fängt damit an, dass du ein vernünftiges Gemeindeaufnahmeprozedere hast. Wir reden über Gemeinde in Aktion. Wie lässt du Leute in deine Gemeinde? Ich hoffe, ihr habt eine klar definierte Gemeinde in irgendeiner Form, in einer Mitgliedschaft, wenn ihr das habt. Wie kommt man da rein? Einfach weil einer sagt: Hier, ich bin jetzt auch Schaf, hallo? Oder gibt es einen Prozess?
Und ich kann euch sagen, als jemand, der das hier lehrt und der das seit Jahren eigentlich predigt: Ich habe mal einen Fall gehabt, da hatte ich mit einem Ehepaar ein Aufnahmegespräch. Das habe ich selber gehabt, und dann läuft es bei uns in der Gemeinde so: Wir stellen die dann der Gemeinde vor. Wir sagen, es macht keinen Sinn, dass die Gemeinde als Ganzes abstimmt, weil das sind zu viele Leute, wir sind in zwei Gottesdiensten, das ist ein bisschen schwierig. Und dann, zwei Wochen später, nehmen wir sie dann auf.
Die Vorstellung ist aber dazu da, dass Leute in der Gemeinde eben auch noch mal Vorbehalte anmerken können. Kommt selten vor. In dem Fall kam jemand auf mich zu und sagt: Matthias, also bei dem Mann, gar keine Frage, guter Freund von mir, der ist ganz klar mit Jesus unterwegs. Aber seine Frau, die ist doch nicht bekehrt. Na, wie, ich habe das Aufnahmegespräch mit der gemacht, sagt er, also ich kenne die gut, die ist keine Christin.
Nun will ich nicht sagen, dass sie ein Wolf war, sie war auf jeden Fall noch kein Schaf. Und ich hätte sie aufgenommen, weil ich im Aufnahmegespräch mit ihm war, er hat mir alles gesagt und sie hat immer ja gesagt, und ich habe nicht wirklich darauf geachtet. Und es hat mich gelehrt, mehr Acht zu haben beim Aufnahmegespräch mit jeder einzelnen Person.
Sag mir dein Zeugnis. Wie genau bist du zum Glauben gekommen? Was genau glaubst du? In jedem Aufnahmegespräch frage ich Leute: Erklär mir genau, was du glaubst. Erklär mir, was das Evangelium ist. Kurz und knapp, sag’s mir. Es ist kein Test, dass ich nachher, ja, ich gebe dir nachher immer eine Definition, damit die Leute was an der Hand haben, aber ich möchte das von dir hören. Und wenn ich da merke, dass sich jemand schwer tut, dann hake ich ein bisschen mehr nach.
Und manchmal sage ich: Mensch, pass mal auf, ich mache demnächst während Chris seinen Deckenkurs, willst du nicht da nochmal dazukommen? Habe ich jetzt gerade so einen Fall gehabt. Und dann geben wir denen noch ein bisschen Zeit, und manchmal können wir sie nie aufnehmen, manchmal erleben wir: Okay, Dinge werden klar. Aber da fängt es an, das Acht zu haben.
Es ist besser, sie vorher gleich gar nicht reinzulassen, weil du weißt nicht, wen du dir da reinholst, wenn sie nicht bekehrt sind. Denn es gibt keinen Graubereich, es gibt nicht so Halbchristen oder schon fast Christen.
Das Zweite ist: Hab Acht darauf, was in der Gemeinde gelehrt wird. Was konkret wird in Kleingruppen gelehrt, was wird in anderen Kreisen gelehrt? Dass ein Christ mal verwirrt ist und vielleicht falsche Dinge glaubt, das kommt vor. Aber wenn jemand falsche Dinge lehrt, dann bist du besonders gefordert.
Das heißt: Etabliere ein System, entweder indem du selber immer wieder Gruppen besuchst oder indem du die Lehrer, die Leiter der Gemeinde, schulst und nahe bei ihnen dran bist. Nach Gemeindegröße wird das unterschiedlich aussehen, aber etabliere ein System, damit du Acht darauf haben kannst, was wirklich in der Gemeinde gelehrt wird.
Und dann achte natürlich auf die Wölfe, die von außen kommen. Das kann sein, dass man mal gewisse gesellschaftliche Tendenzen anspricht, aber ich persönlich glaube, dass die größte Gefahr durch Wölfe von außen heute die ist, die durch Online-Wölfe entsteht.
Wie viele Leute in euren Gemeinden hören ab und zu mal Predigten im Internet? Eigentlich eine tolle Sache. Also ich bin froh, wenn die nicht immer nur mich hören. Aber die hören halt auch Leute, wo ich manchmal denke: O wei.
Ich saß neulich in der U-Bahn, da setzte sich neben mir ein Gemeindemitglied. Der erkennt mich nicht, ich war tatsächlich am Lesen und kriegte das nicht mit. Die saß neben mir, die hat es auch nicht mitgekriegt, die hat nämlich auf ihrem Handy was gelesen. Und irgendwann dachte ich: Ach, das ist doch ... ich sage den Namen jetzt lieber nicht, das wird ja womöglich aufgenommen. Und gucke rüber und sehe, was sie auf ihrem Handy liest: Devotional von jemandem, Wohlstandsevangelium, Katastrophe. Ja, das liest sie bestimmt nicht nur, wenn ich neben ihr sitze. Mit der muss ich mal drüber reden. Da ist ein Online-Wolf, und die folgt einer Sache, die wirklich falsch ist.
Oder ich bin jetzt mehrfach gefragt worden, und ich will einfach mal einen Namen nennen. Ich weiß, es ist total falsch, sowas zu tun, aber vielleicht ist da auch meine Verantwortung, auch als Hirte mal Namen zu nennen: Worthaus. Sie haben schon mal von Worthaus gehört? Das ist ein Gift. Ich kann da keine netten Worte für finden. Ich habe keine Ahnung, wie ich Siegfried Zimmer und seine Kollegen einordnen muss, im Sinne von, wo sie selber stehen, aber das, was sie tun, ist zerstörerisch.
Sie geben sich nämlich als evangelikal aus und unterminieren alles, was Gottes Wort sagt. Wenn ihr jetzt anderer Meinung seid, dann könnt ihr mich dafür nachher ablehnen, das ist in Ordnung, das halte ich aus. Aber hört denen mal genau zu, mit welcher Polemik sie genau die Dinge lehren wollen, die eindeutig der Schrift widersprechen. Und das machen sie so geschickt, dass selbst in einer, denke ich, biblisch ganz gut geschulten Gemeinde wie unserer eine ganze Menge Leute immer wieder Worthaus-Vorträge hören.
Ich bin mehrfach gefragt worden: Was hältst du von Thorsten Dietz, was hältst du von Siegfried Zimmer? Habt ihr einen tollen Vortrag gehört? Ich denke, wir müssen noch mal die Rolle von Frauen in der Gemeinde neu überdenken, wir müssen über Homosexualität noch mal reden, ich habe doch was von Thorsten Dietz gehört oder von Zimmer. Online-Wölfe, habt Acht darauf und sprecht das ruhig auch mal an.
Vielleicht macht mal das, was ich hier gerade tue, nennt Namen. Ich weiß, gefährlich, seid vorsichtig, wir wollen nicht zu schnell Leute brandmarken. Aber in der Verantwortung für eure Schafe ist es vielleicht auch mal notwendig, Dinge beim Namen zu nennen. Ich bevorzuge es, falsche Lehren an sich anzusprechen und die Namen außen vor zu lassen, weil es mir natürlich nicht um Personen, sondern um Inhalte geht. Aber wenn eine Person eine solche Jüngerschaft hat und rhetorisch so gut spricht, dass ich weiß: Diese Person ist nicht nur in einer Lehre, sondern in fast allem, was sie sagt, gefährlich, dann würde ich auch mal einen Namen nennen.
Dann drittens: Weidet die Herde Gottes, die euch anbefohlen ist, achtet auf sie. Weiden heißt, sie versorgen mit Futter. Also warnen ist das eine, aber noch viel wichtiger ist, die gute Nahrung zu geben. Manchmal, wenn ich höre, dass da falsche Lehren reinkommen, denke ich: Ach, weißt du was, bevor ich jetzt anfange, da was gegen zu sagen, und die sind da emotional, die hängen jetzt womöglich an dem Prediger oder an der, oder bin ich sofort außen vor, bin ich der, der immer was zu meckern hat über alles, denke ich: Viel besser ist einfach die wahre Lehre so klar zu lehren. Und die gute Lehre ist attraktiv, das ist einfach so, weil es Gottes Wort ist.
Die gute Lehre mit Freude und mit Klarheit zu predigen, das ist der beste Schutz gegen falsche Lehre. Also weidet, gebt denen das gute Futter. Denkt an die Worte aus 2. Timotheus 4: Predige das Wort, steh dazu, es sei zur Zeit oder zur Unzeit, weise zurecht, ermahne mit aller Geduld und Lehre. Da gibt es ja auch die Ermahnung, dass eine Zeit kommt, in der die heilsame Lehre nicht mehr ertragen wird, weil die Ohren jucken usw. Seid als Hirten darauf bedacht, das gute Futter zu geben, und das gute Futter ist Gottes Wort.
Deswegen bin ich so dankbar, dass Mike Kane hier ist und uns Gottes Wort auslegen wird und ihr nicht nur thematische Vorträge von mir hört. Danke, Mike, ich bin schon gespannt auf deine Vorträge.
Das heißt für euch, liebe Gemeindemitglieder: Gebt euren Ältesten den Raum, den sie brauchen, damit sie sich dem Wort widmen können. Der Dienst am Wort ist ihre wichtigste Aufgabe. Das heißt, wenn ihr meint, Älteste müssen alles machen in der Gemeinde, da muss mal was repariert werden und da und jetzt gehe ich zu dem hin, also ich habe das schon bei uns gehabt, da kommt jemand zu mir: Matthias, ich wollte ja nochmal sagen, auf dem Herrenklo ist das Toilettenpapier alle.
Das ist ja blöd, ne? Nun gehöre ich in die Kategorie der Menschen, die sagen: Es ist mir egal, mache ich jetzt nichts mit. Die meisten Ältesten sind pflichtbewusste Diener, die sofort losgehen und das Toilettenpapier holen und alles machen. Und die Gemeinde gewöhnt sich daran, und da wird immer mehr darauf gelagert, und der ist ja, er darf ja alles machen, Küche müsste auch mal wieder geputzt werden.
Liebe Christen in der Gemeinde, achtet darauf, dass eure Ältesten die Zeit haben, tief im Wort zu sein und im Gebet. Apostelgeschichte 6 beschreibt uns, wie die Apostel, die in gewisser Weise, denke ich, als Vorbilder für das Ältestenamt stehen, erkannt haben, dass es nicht gut war, dass sie sich um alles gekümmert haben, und gesagt haben: Wir wollen uns dem Dienst am Wort und dem Gebet widmen. Ich kriege ja Meinung Gast zu geben.

Haltung und Ausübung des Dienstes

Die Ältesten schließlich: Wie sollen sie ihr Amt ausüben? Sie sollen das tun, 1. Petrus 5, nicht gezwungen, sondern freiwillig, wie es Gott gefällt. Nicht um schändlichen Gewinns willen, sondern von Herzensgrund. Nicht als Herren über die Gemeinde, sondern als Vorbilder der Herde.
Das heißt: Nicht so sollen wir es machen, dass wir es nur widerwillig tun. Nicht unter Zwang, nicht um irgendeines Gewinns willen, also nicht aus finanziellen Motiven oder um Anerkennung darin zu finden. Auch nicht, weil wir Herren sein wollen oder das Sagen haben wollen. Nein, wir sollen es freiwillig tun, wie es Gott gefällt.
Ist mein Hirtendienst Gott gefällig? Eine ganz einfache Frage, die zugleich so herausfordernd ist. Kann ich wirklich sagen, dass ich es aus vollem Herzen tue, mit ungeteiltem Herzen? Und tue ich es als Vorbild der Gemeinde? Lebe ich nicht als Herrscher über die Gemeinde, sondern als Vorbild, sodass ich mir wünsche, dass andere meinem Vorbild folgen?
Das solltest du tun als Ältester.

Ziel: Zurüstung, Einheit und Reife

Mit welchem Ziel? Nun, Epheser 4 ist da ganz hilfreich, Epheser 4, Vers 11. Und er hat einige als Apostel eingesetzt, einige als Propheten, einige als Evangelisten, einige als Hirten und Lehrer.
  1. Damit die Heiligen zugerüstet werden zum Werk des Dienstes.
  2. Dadurch soll der Leib Christi erbaut werden, bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zum vollendeten Mann, zum vollen Maß der Fülle Christi.
  3. Damit wir nicht mehr unmündig sind und uns von jedem Wind einer Lehre bewegen und umhertreiben lassen durch trügerisches Spiel der Menschen, mit dem sie uns arglistig verführen.
Also, das Amt Hirtenlehrer – ich hoffe, wir erkennen schon, das sind nicht zwei Ämter. Wir haben vorhin darüber gesprochen: Die Hirten sollen lehren, sie sollen weiden mit dem Wort. Hirtenlehrer ist ein Amt.
Und was sollen sie tun? Was ist das Ziel? Warum hat Gott der Gemeinde Hirtenlehrer gegeben? Damit die Heiligen zugerüstet werden zum Dienst und zur Erbauung der Gemeinde. Rüste deine Gemeinde zu, damit alle dienen und die Gemeinde so erbaut wird. Mach das nicht alles selber, sondern nimm andere mit. So wird die Gemeinde wirklich wachsen und florieren.
Und wohin soll sie wachsen? Was ist dein Ziel? Dein Ziel ist eine Einheit des Glaubens und der Erkenntnis. Epheser 4 hat das Wort Einheit zweimal. Am Anfang ist eine Einheit, die einfach besteht. Im Leib Christi gibt es eine grundsätzliche Einheit, weil wir alle Kinder Gottes sind. Uns eint etwas. Das muss nicht erst wachsen, das ist da.
Und gleichzeitig muss eine Einheit wachsen. Und die Einheit wächst dadurch, dass wir alle gemeinsam hinwachsen in der Erkenntnis Christi. Denn je mehr wir ihn erkennen und je ähnlicher ihm werden, desto mehr entsteht eine wirkliche Einheit.
Alle Ehepaare kennen dieses Bild, hoffe ich: Mann und Frau, die sich auf Christus zubewegen, kommen sich auch selber näher. So gibt es Einheit in der Ehe, und das Gleiche gilt für die Gemeinde.
Das ist die Aufgabe, und du als Ältester hast jetzt die Verantwortung, deiner Gemeinde genau dabei zu helfen. Fördere die Einheit. Das heißt nicht, zu sagen: Ja, dann lassen wir jetzt mal unterschiedliche Positionen stehen, wir können mit unterschiedlichen Erkenntnissen leben, man muss sich nicht über alles trennen. Aber wir wollen darauf hinarbeiten, dass wir hinwachsen in dieser Einheit. Das ist sein Ziel.
Denn das produziert mündige Christen, die geschützt sind vor falscher Lehre. Ich hoffe, das ist dein Ziel als Ältester. Ich hoffe, du machst nicht einfach nur deinen Job, sondern ich hoffe, du hast dieses Ziel: Die Gemeinde soll wachsen, sie soll wachsen in der Erkenntnis Christi, geschützt sein vor falscher Lehre.
Und ich möchte noch ein Ziel ergänzen: Hirte, ein hohes Ziel, das du haben solltest, ist, deine Schafe sicher nach Hause zu bringen. Ich habe gestern früh einen ehemaligen Ältesten unserer Gemeinde beerdigt, und ich wurde nach der Beerdigung am Grab noch gefragt: Das muss so mit das Schwerste sein, was du tust, Matthias, oder?
Ich weiß nicht. Es ist mit das Beste, was ich tue. Wieder ein Schaf sicher zu Hause. Ich kann meine Verantwortung Gott abgeben. Ich konnte sagen: Jürgen ist jetzt zu Hause, er ist beim guten Hirten angekommen, er ist seinen Weg gelaufen, das Schaf ist zu Hause.
Oh, ich wünsche, ich kann auch viele Schafe dahinbringen. Und irgendwann hoffe ich, ich bin selber da. Christus ist mein Leben und Sterben mein Gewinn. Das ist mein Job als Ältester: Bring die Schafe nach Hause, füttere sie, weide sie, hab Acht auf sie.

Schlussfolgerungen für Älteste und Gemeinde

So, Schlussbemerkung. Einige Anwendungen für Älteste:
Sei ein Teamplayer. Die Pluralität von Ältesten heißt, dass Gott das so wollte, weil er weiß, dass wir alle unsere Defizite haben, aber auch unsere Stärken. Das heißt: Erkenne an, dass andere etwas mitbringen, was du nicht hast. Sei ein Teamplayer.
Bedenke: Hab Acht auf dich selbst, hab Acht auf die Lehre, hab Acht auf die Herde. Sei bereit, im Dienst zu leiden. Der Ältestendienst ist ein wunderbarer Dienst. Ich liebe meinen Job. Ich könnte mir nichts Besseres vorstellen. Ich will es gar nicht Job nennen. Ich liebe mein Leben, weil ich Ältester sein darf, weil ich meinem Herrn und seiner Gemeinde dienen darf. Aber manchmal ist es auch schwer.
Gestern kam jemand nachmittags zu mir ins Büro, und ich war: Was ist los, mein Tier? Ich sage: Manchmal ist Hirte sein einfach blöd, weil man manchmal einfach blöde Schafe hat. Jeder Älteste weiß, wovon ich rede. Und alle, die das nicht verstehen, habt Gnade mit mir.
Prüft, mit welcher Herzenshaltung ihr euer Amt ausübt. Tut ihr es freiwillig? Tut ihr es zum Wohl der Gemeinde? Es ist euer Ziel, der Gemeinde Gutes zu tun. Und lieber Hirte, riech nach Schaf, okay? Du bist nämlich ein Schaf. Die Hürden in der Gemeinde sind gleichzeitig Schafe, und es ist wichtig, dass wir das verstehen. Wir brauchen auch einen Hürden, wir brauchen die anderen Ältesten, damit die für uns auch als Hürden agieren, und wir brauchen vor allem den Erzhürden. Sei Teil davon und hab das Ziel vor Augen. Leb mit dem Ziel vor Augen.
Schließlich Anwendung für Mitglieder:
Berufe Älteste sorgfältig. Prüfe sie anhand der biblischen Qualifikation. Überfordere sie nicht, aber prüfe sie sorgfältig. Dann folge ihrem Vorbild. Und unterstütze sie darin, ihren Dienst zu tun! Überfordere deine Ältesten nicht. Lade nicht eine Erwartung auf die nächste, sondern sei bereit anzuerkennen, dass die Ältesten auch nur Menschen sind, dass sie auch Zeit für ihre Familie haben sollen, dass sie auch ihrem Job ordentlich nachgehen sollen, dass sie einen guten Ruf nach außen haben sollen. Die sollen so viel tun.
Mach es dir zur Aufgabe, immer wieder zu fragen: Wie kann ich meine Ältesten unterstützen? Welchen Dienst kann ich ihnen abnehmen? Wie kann ich sie ermutigen, damit sie ihren Dienst so tun, dass sie Freude daran haben? Denn das ist gut für dich. Ermögliche es den Ältesten, dich zu lehren und auf dich Acht zu haben. Das heißt erstens: Sei da. Komm sonntags in den Gottesdienst. Komm zu den Gemeindeveranstaltungen. Wie soll der Hirte denn auf seine Schafe Acht haben, wenn die nicht zusammenkommen? Du musst kommen. Sei offen und ehrlich. Mach auch deine Not bekannt, damit die Ältesten für dich sorgen können. Das müssen sie ja nicht mal selber machen. Vielleicht haben sie eine Kultur etabliert, wo wir aufeinander Acht haben. Da denken wir morgen noch drüber nach.
Wenn du nicht da sein kannst für eine längere Zeit, melde dich ab. Das ist gar keine schlechte Sache. Mir hilft das, wenn einer sagt: Ich bin jetzt mal drei Monate im Ausland. Dann muss ich dem nicht hinterhertelefonieren und mir Sorgen machen. Und wenn du wegziehst, such dir eine neue Herde und sag den alten Ältesten: Ich bin übrigens jetzt nicht mehr hier in dieser Herde. Schlimm sind die Schafe, die einfach so verschwinden und keiner weiß, wo sie sind.
Und dann bedenke, bedenke, und damit höre ich auf, dass Jesus der Erzhirte ist. Er will Älteste in deiner Gemeinde haben. Das ist sein Wunsch, sein Wille. Er hat sie eingesetzt. Der Heilige Geist hat euch eingesetzt, heißt es in Apostelgeschichte 20,28. Natürlich haben es Menschen getan. Aber wenn einer da als Ältester eingesetzt ist, entweder ihr beruft ihn ab, weil das nicht sein sollte, oder ihr akzeptiert ihn als einen von Gott euch gegebenen Repräsentanten des Herrn. Und das ist schwer, weil im Gegensatz zu Jesus diese Unterhirten nicht perfekt sind. Die sind Sünder, immer noch. Meine Gemeinde muss manchmal auch damit leben, dass ihr Pastor und auch die anderen Ältesten imperfekt sind, Sünder sind, die viel zu lange predigen und alles durcheinanderbringen, Entschuldigung! Und auch viele schlimmere Sachen tun.
Aber so wie ich es jeder Ehefrau sage in der Ehevorbereitung: Wenn du heiratest, sollst du dich deinem Mann unterordnen, sollst bereit sein, ihn als Haupt anzuerkennen. Das ist schwer. Und das geht nur, wenn du darum weißt, dass dein Mann noch unter der Herrschaft Jesu steht. Und wenn ich darum weiß, dass Jesus der gute Hirte ist, der zum einen meinen Mann in seiner Hand hat und zum anderen auch auf mich achtet als Frau, dann werde ich dazu eher bevollmächtigt, auch meinem Mann gehorsam zu sein, so zu leben, wie es biblisch sein soll. Das ist schwer.
Das Gleiche gilt für die Gemeinde. Wenn du weißt, dass es einen Erzhirten gibt, dem deine Ältesten gegenüber Rechenschaft geben und der gleichzeitig ein elementares Interesse an seiner Gemeinde hat, der sie so sehr liebt, dass er bereit war, sich selbst dafür aufzuopfern, glaubst du wirklich, dein guter Hirte wird dich leiden lassen durch irgendwelche blöden Ältesten? Glaubst du nicht, dass er auf dich Acht hat, vielleicht manchmal auch trotz der Ältesten? So, da setz dich frei, jetzt deine Ältesten zu akzeptieren als Gabe Gottes, von denen wir alle wissen, dass sie nicht perfekt sind.
Und so möchte ich schließen mit einem Gebet für die Ältesten hier im Raum:
Himmlischer Vater, danke, dass du deiner Gemeinde Hirten gibst. Danke für die Ältesten, die in deiner Gemeinde Dienst tun. Danke für die Männer in diesem Raum, die sich haben berufen lassen in diesem Dienst. Herr, ich möchte dich bitten, dass du sie ermutigst und stärkst für ihren Dienst, dass du ihnen eine neue Vision gibst, ein klares Ziel vor Augen. Ich möchte beten, dass sie Unterstützung finden in ihren Gemeinden, dass sie ihren Dienst mit frohem Herzen tun können. Ich möchte beten für all die unter uns, die unter anderen Ältesten leben in Gemeinden, und das sind wir alle. Herr, gib uns Demut, uns auch unterzuordnen, als Älteste anderen Ältesten oder als Mitglieder den Ältesten. Gib uns das Vertrauen darauf, dass du der gute Hirte, der Erzhirte der Gemeinde bist. Danke, dass du die Gemeinde erdacht hast und dass du der Gemeinde Älteste schenkst. Dafür preisen wir dich. Amen.