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Ein Kind aus Gottes Hand (1)

Der Prophet Samuel - Teil 05
1. Samuel 1,17-2815.03.2022
SerieTeil 5 / 421. Samuel (Vers-für-Vers)
Hannahs Gebet wird erhört und sie kommt verändert zurück. Sie bekommt Samuel - ein Kind aus Gottes Hand - und gibt ihn zurück in Gottes Hand.

Der Weg zurück nach Schilo

Wir fahren weiter da, wo wir heute Nachmittag stehen geblieben sind. Wir sind gekommen bis Vers 16. Und zwar lese ich nochmals ab Vers 17 und dann noch ein bisschen weiter:
Und Eli antwortete und sprach: Geh hin in Frieden, und der Gott Israels gewähre deine Bitte, die du von ihm erbeten hast. Und sie sprach: Möge deine Magd Gnade finden in deinen Augen. Und die Frau ging ihres Weges und aß, und ihr Angesicht war nicht mehr dasselbe.
Und sie machten sich frühmorgens auf und beteten an vor dem Herrn, und sie kehrten zurück und kamen in ihr Haus nach Rama. Und Elkanah erkannte Hanna, seine Frau, und der Herr gedachte ihr. Und es geschah, als die Zeit um war, da war Hanna schwanger geworden und gebar einen Sohn. Und sie gab ihm den Namen Samuel, denn: Von dem Herrn habe ich ihn erbeten.
Und der Mann Elkanah ging hinauf mit seinem ganzen Haus, um dem Herrn das jährliche Schlachtopfer zu opfern und sein Gelübde zu erfüllen. Aber Hanna ging nicht hinauf, denn sie sprach zu ihrem Mann: Bis der Knabe entwöhnt ist, dann will ich ihn bringen, damit er vor dem Herrn erscheine und dort für immer bleibe. Und Elkanah, ihr Mann, sprach zu ihr: Tu, was gut ist in deinen Augen. Bleibe, bis du ihn entwöhnt hast. Nur möge der Herr sein Wort aufrechterhalten.
So blieb die Frau und stillte ihren Sohn, bis sie ihn entwöhnt hatte. Und sobald sie ihn entwöhnt hatte, brachte sie ihn mit sich hinauf, samt drei Stieren und einem Epha Mehl und einem Schlauch Wein, und brachte ihn in das Haus des Herrn nach Silo. Und der Knabe war noch jung. Und sie schlachteten den Stier und brachten den Knaben zu Eli.
Und sie sprach: Bitte, mein Herr, so wahr deine Seele lebt, mein Herr, ich bin die Frau, die hier bei dir stand, um zu dem Herrn zu beten. Um diesen Knaben habe ich gebetet, und der Herr hat mir meine Bitte gewährt, die ich von ihm erbeten habe. So habe auch ich ihn dem Herrn geliehen. Alle Tage, die er lebt, ist er dem Herrn geliehen. Und er betete dort den Herrn an.
Bis dahin.
Wir haben also gesehen, wie Eli zuerst eine ganz falsche Einschätzung machte. Er dachte, diese Frau sei eine Trinkerin, und das Gegenteil war wahr. Sie war eine Frau, die sogar geplant hatte, ihr Sohn solle nie Alkohol berühren. Und sie selbst war sich im Klaren: Sie wird es auch nicht tun, als Mutter eines Naziräers, der, wenn Gott die Bitte erhören würde, von Mutterleib an eben diesen Weg gehen sollte.
In diesem Zusammenhang noch eine kleine Anekdote, die ich eigentlich schon heute Nachmittag erzählen wollte und dann ist sie mir untergegangen. Ich habe einmal für ein paar Tage eine Israelreise geleitet, zusammen mit einem Archäologen, mit Avner Goren. Er war seinerzeit einer der Big Five von Israel, also einer der fünf größten Archäologen im Land. Zu der Zeit, als er mit mir diese Tage machte, diese Leitung, da war er sehr geschwächt. Er ist in die Jahre gekommen, war krebskrank, es geht ihm allerdings jetzt wieder besser. Und das war interessant.
Wir sind dann unter anderem in dem Programm, das wir hatten, ins Israelmuseum gegangen. Und das ist ja wirklich, kann man sagen, biblische Archäologie Nummer eins. Früher, im 19. Jahrhundert, waren ja die Franzosen und die Engländer als Kolonialmächte diejenigen, die Zugang zum Nahen Osten hatten, und sie haben die biblische Archäologie sehr gefördert. Das kann man alles nachvollziehen, wenn man in das berühmte Louvre-Museum nach Paris oder ins British Museum in London geht. Das sind die großen Schätze der biblischen Archäologie, aber der frühen Zeit, des 19. Jahrhunderts.
Dann kam eben die jüdische Heimkehr ins Land und die Staatsgründung, und da haben die Israelis sie längst überholt. Was dort zusammengekommen ist, ist einfach fantastisch. Wir haben der Gruppe gesagt, wir gehen ins Museum, und wir möchten gerne so ein paar Höhepunkte der Archäologie zeigen, also ganz persönlich. Ich wollte das zeigen, was mir wichtig war, und Avner hat gesagt, ich möchte gerne einige Dinge zeigen, die mir sehr kostbar sind. Das war fantastisch, was der Mann da erzählt hat.
Und ich möchte nur etwas erzählen: Da waren wir nämlich am Schluss der Führung in dem Bereich, wo sehr vieles zusammengestellt ist, das mit dem Neuen Testament zu tun hat, in der Archäologie. Und da waren auch immer noch viele Knochenkästen, sogenannte Ossuarien. Man hat ja vor zweitausend Jahren im Judentum so begraben. Wenn jemand gestorben war, hat man ihn mit Spezereien einbalsamiert, nicht um die Verwesung zu verhindern, aber um dem Geruch zuvorzukommen. Denn man hat dann den toten Körper auf einem Tisch in der Grabhöhle hingelegt, in Tücher eingebunden und ein Jahr gewartet, bis alles Fleisch und die Muskeln verschwunden waren, verwest waren. Dann waren nur noch die Knochen.
Dann kam man eben, den Rollstein wegnehmend, ein Jahr wieder in die Höhle zurück, und eben dafür waren die Spezereien. Man hat die Knochen eingesammelt und dann in diesen Behälter hineingelegt. Man hat unzählige solcher Ossuarien gefunden, aus der Zeit vor zweitausend Jahren, also aus der Zeit des Herrn, aus der Zeit der Evangelien. Und da zeigte er ein Ossuarium mit der Inschrift, Eigenname und dann der Naziräer von einem Naziräer vor zweitausend Jahren, der dort also seine letzte Knochenstätte bekommen hatte. Und die Verzierung war fantastisch. Die meisten sind ja nicht verziert, und das war ganz verziert mit Trauben und Traubenblättern. Also genau das, was der Naziräer ja nicht essen durfte, worauf er verzichtete.

Verzicht, Hingabe und das Bild des Naziräers

Und ich habe das noch nicht erklärt, das ist noch ein Punkt: Es ist ja nach der Bibel nicht Sünde, Wein zu trinken. In Maßen, aber jegliches Übermaß geht von der Bibel her überhaupt nicht. Und es wird sogar in Psalm 104 gesagt, dass Gott den Wein dem Menschen gegeben hat, um ihn zu erfreuen. Darum ist im Zusammenhang mit einem Fest, einer Hochzeit usw. der Wein ein Ausdruck der gemeinsamen Freude.
Ja, und es waren ja auch die Trauben verboten. Also es geht gar nicht nur um den Wein, auch die Trauben waren verboten, und wir haben auch gesehen, dass sogar die getrockneten Weinbeeren verboten waren. Und was drückt das aus? Das heißt, der Naziräer war bereit, auf Freuden, auf irdische Freuden, die Gott dem Menschen gegeben hat, zu verzichten, um des Herrn willen. Und so ist das natürlich ein wunderbares Bild.
Jemand hat mich auch noch gefragt: Wir haben gefragt, was eigentlich der genaue Zweck dieses Gebots war, es nennt Nazarea, es war ja nicht für alle obligatorisch. Und wir haben dann erklärt, in 1. Korinther 10 heißt es, dass alles, was zuvor geschrieben ist, also im Alten Testament, sagt Paulus der neutestamentlichen Gemeinde in Korinth, zu unserer Belehrung für uns geschrieben worden ist. Und die Gesetze des Naziräers sind gegeben worden, damit wir eben als Gläubige, die sich bekehrt haben und wiedergeboren sind, an den Punkt kommen, an dem wir erkennen: Eigentlich wäre es doch wichtig, dass ich mein ganzes Leben vollständig dem Herrn zur Verfügung stelle, eben im Sinn von 2. Korinther 5, nicht mehr für sich selber leben, sondern für den, der für uns gestorben ist.
Das Gesetz des Naziräers zeigt uns diese Entscheidung des einzelnen Gläubigen, wirklich ganz für den Herrn da zu sein. Das heißt nicht automatisch, die Arbeit aufzugeben und dann nur missionarisch zu arbeiten. Nein, aber eben alles, was wir tun, ganz für den Herrn zu leben und auch bereit zu sein, auf gewisse Freuden zu verzichten, wenn das der Sache des Herrn dient. Das ist der Punkt. Das ist ja genau das Problem unserer Zeit. Wir leben in einer, wenn man das gescheit sagen will, hedonistischen Zeit, das heißt vergnügungssüchtigen Zeit, und Menschen wollen keine Schmerzen haben. Aber manchmal muss man auch bereit sein, Schmerzen auf sich zu nehmen, um gewisse Ziele für den Herrn zu erreichen. Man muss auch bereit sein, zu verzichten, und das wird durch diese Nazaräer ausgedrückt.
Und Samuel sollte also ein solcher Mann werden, der bereit ist, für den Herrn ganz da zu sein und auch auf Dinge, die schöne Dinge sind, die der Herr uns gegeben hat, zu verzichten, wenn es etwas bringt für die Sache des Herrn. Und jetzt nochmals das Ossuarium, das Avner Goren gezeigt hat: Auf dem Sarg, wenn man so sagen kann, auf dem Ossuarium sieht man das, was er eigentlich das ganze Leben lang, oder solange er Naziräer war, nicht genießen durfte. Er hat sich vielleicht danach gesehnt, einmal richtig Trauben zu essen, aber er hat darauf verzichtet. Und da auf dem Ossuarium ist das dann abgebildet. Das, wovon er vielleicht geträumt hat, aber er war bereit, das beiseitezulassen.

Geistliche Blindheit und wahre Wahrnehmung

Ja, und dann wollte ich noch etwas Kurzes ergänzen, bevor wir der Reihe nach weitermachen.
Wir haben gesehen, dass Eli falsch geurteilt hat. Er hat diese Frau wirklich ganz ungerecht ermahnt. Woher kam das? Wenn wir später, ich greife jetzt ein wenig voraus, in Kapitel 3 lesen werden, ist Samuel als ganz kleiner Junge bei ihm. Und in 1. Samuel 3,2 heißt es: Und es geschah in jener Zeit, als Eli an seinem Ort lag; seine Augen aber hatten begonnen, schwach zu werden, er konnte nicht sehen. Und die Lampe Gottes war noch nicht erloschen, und Samuel lag im Tempel des Herrn, wo die Lade Gottes war.
Ja, da wird von einem Augenproblem bei dem alten Hohenpriester gesprochen. Dieses Augenproblem war also in einem Prozess immer größer geworden. Und in Kapitel 4 lesen wir dann schließlich in Vers 15: Eli aber war 98 Jahre alt, und seine Augen waren starr, und er konnte nicht sehen. Also hat das Problem, das Augenlicht, kontinuierlich abgenommen. Schließlich waren die Augen dann ganz starr, und er konnte überhaupt nicht mehr sehen.
Aber was da körperlich war, war eigentlich ein körperlicher Ausdruck seiner geistlichen Blindheit. Und das werden wir nachher noch deutlicher sehen. Das war so traurig: Dieser Mann, von dem man auch viel Gutes sagen kann, hat im Alter immer mehr an Klarheit in geistlicher Hinsicht verloren. Und von daher kam es, dass er eben auch jemand anderen falsch beurteilt hatte.
Also hängt die Beurteilung von Geschwistern immer davon ab, wie unser geistliches Augenlicht ist. Und das ist dann eben eine Frage, wie es darum bestellt ist. Es kann sein, dass wir als Gläubige kurzsichtig werden. Petrus spricht davon in 2. Petrus 1: kurzsichtig sein als Gläubiger. Und dann sagt er auch: und blind. Also wahre Gläubige können kurzsichtig und blind werden.
Das war das große Problem, dem diese Frau begegnet ist. Aber sehr schön ist, wie diese Frau, das haben wir gesehen, in geistlicher Weise auf diese falschen Beschuldigungen reagiert hat.

Gebet als Schlüssel der ganzen Erzählung

Und dann aber haben wir gesehen, dass in Vers 17 Eli kraft seines besonderen Amtes als Hoher Priester ein prophetisches Wort sprechen darf. Ja, wir kennen das sogar von einem gottlosen Hohen Priester, Kajafas, im Johannesevangelium. Da heißt es: Weil er eben damals Hoher Priester war, hatte er ein Wort der Weissagung sprechen können im Blick auf den Tod des Herrn Jesus Christus.
Und hier sagt er: Geh hin in Frieden, und der Gott Israels gewähre deine Bitte, die du von ihm erbeten hast. Und es hat sich dann tatsächlich erfüllt. Das Gebet der Hanna wurde erhört.
Und was wir in Vers 18 gelesen haben: Von dem Moment an hat sich die Frau völlig verändert. Die Frau ging ihres Weges und aß. Plötzlich hat sich auch in ihrem Nervensystem etwas geändert, ja, und der Magen will wieder etwas aufnehmen, sie kann essen. Aber das Baby war ja noch nicht da, und auch keine Empfängnis war geschehen. Aber sie wusste: Der Herr steht darüber, und es gibt sogar eine Verheißung für die Gebetserhörung. Und ihr Angesicht war nicht mehr dasselbe.
Und da sehen wir, dass effektiv die Gemeinschaft mit dem Herrn sogar unser Gesicht verändert. Wir sehen das ja ganz besonders eindrücklich bei Mose, als er auf den Berg ging, um zum zweiten Mal die Tafeln zu holen, in Empfang zu nehmen. Sein Angesicht leuchtete, als er in der Gegenwart Gottes war. Und da bekam er das Gesetz vermischt mit Gnade, und darum hat sein Gesicht geleuchtet.
Das erste Mal, als er hinaufging, da bekam er das Gesetz als Hundertprozentgesetz. Und das hätte dazu geführt, dass Israel hätte vernichtet werden müssen von Gottes Heiligkeit, weil sie, noch bevor sie die Tafeln in Empfang genommen hatten, und sie hatten vorher gesagt: Alles, was der Herr gebietet, wollen wir tun, die Sünde des goldenen Kalbes begangen und die ersten zwei Gebote auf schändlichste Art und Weise gebrochen hatten.
Und dann ging Mose hinauf. Gott hatte Israel verschont, das heißt, er hatte beschlossen, das Gesetz mit Gnade zu mischen. Darum konnte überhaupt Israel in den weiteren Jahrhunderten unter Gesetz stehen, ohne vernichtet zu sein. Und als Mose so in der Gegenwart Gottes war und dieses Gesetz vermischt mit Gnade in Empfang nahm, leuchtete sein Gesicht, so dass die Israeliten das gar nicht mehr ertrugen, und er musste eine Decke über den Kopf tun.
Aber wir sehen dieses Grundprinzip auch in der Geschichte auf dem Berg der Verklärung, Matthäus 17,1-2: Und nach sechs Tagen nimmt Jesus den Petrus und Jakobus und Johannes, seinen Bruder, mit und führt sie für sich allein auf einen hohen Berg. Und er wurde vor ihnen verwandelt, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne. Seine Kleider aber wurden weiß wie das Licht.
Und ich möchte noch hinweisen auf die Parallelstelle in Lukas 9,28: Und es geschah aber etwa acht Tage nach diesen Worten, da er Petrus und Johannes und Jakobus mitnahm und auf den Berg stieg, um zu beten. Und während er betete, wurde das Aussehen seines Angesichts anders, und sein Gewand weiß, strahlend.
Da wird also gesagt, er hat gebetet, und dann hat sich sein Aussehen im Gesicht so geändert. Und in Matthäus haben wir gelesen, wie geändert: Und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne. Das ist das Grundprinzip, dass also unser Gesicht sich sichtbar verändern kann durch das Gebet. Und das war so bei Hanna.

Die Bedeutung von Hanna, Samuel und der frühen Prägung

Und in diesem Zusammenhang muss ich jetzt noch darauf hinweisen: Wir haben dann die Gebetserhörung in den folgenden Versen, ab Vers 19. Sie gehen ja zurück nach Rama, das ist, wie gesagt, die Kurzform von Ramataim Zophim, wie in 1. Samuel 1,1. Und bevor sie zurückkehren, beten sie nochmals an vor dem Herrn. Dann geht die Familie nach Hause.
Interessant ist, dass es heißt, dass Elkana Hanna, seine Frau, erkannte. Da wird wieder darauf hingewiesen, dass sie eigentlich die Frau seines Lebens war. Er hatte sie als Erste geheiratet, und das mit Penina war eben nicht richtig. Aber es wird auch betont: Das ist seine Frau, seine erste Frau. Und dann wird sie schwanger und bekommt schließlich ihren Sohn. Sie gibt ihm den Namen Samuel. Auf Hebräisch sagt man Schmuel. Und das heißt: von Gott erhört. El heißt Gott, und Schmu kommt von Schama, hören. Gott hat gehört. Das ist ein wunderbares Wortspiel.
Wir müssen daran denken: Das Gebet spielt da in 1. Samuel eine unglaubliche Rolle. Ich habe hier versucht, alle Stellen zusammenzufügen, die vom Gebet im ersten Buch Samuel sprechen, also bis 1. Samuel 30,8. Aber schauen wir uns noch einmal an: In 1. Samuel 1,3 spricht der Text über Gebet. Aus seiner Stadt ging er hinauf, um den Herrn der Heerscharen anzubeten. Und dann in Vers 10: Und sie war in der Seele verbittert, und sie betete zu dem Herrn und weinte sehr. Dann Vers 12, nachdem das Gebet auch beschrieben ist, hier: Und es geschah, als sie lange vor dem Herrn betete.
Und Vers 13: Man muss also nicht nur mit der Konkordanz das Wort beten suchen, sondern auch die verwandten Ausdrücke. Wenn es heißt: Hanna aber redete in ihrem Herzen, das meint auch beten. Nur ihre Lippen bewegten sich, aber ihre Stimme wurde nicht gehört. Und weiter in Vers 15 sagt sie zu dem Hohen Priester am Schluss: Sondern ich habe meine Seele vor dem Herrn ausgeschüttet. Das ist auch nicht das Wort beten, aber die Seele vor dem Herrn ausschütten, das ist eben ganz intensives Beten. Und weiter Vers 16: Halte deine Magd nicht für eine Tochter Belials, denn aus der Fülle meines Kummers und meiner Kränkung habe ich bisher geredet. Und das war eben auch Beten, Beten aus dieser Bekümmernis heraus reden. Und Vers 17: Eli antwortete und sprach: Geh hin in Frieden, und der Gott Israels gewähre deine Bitte. Auch wieder Gebet.
Und Vers 19: Und sie machten sich früh morgens auf und beteten an vor dem Herrn. Da habe ich schon gesagt: Aber es geht weiter. In Vers 20 haben wir gelesen: Und sie gab ihm den Namen Samuel, denn von dem Herrn habe ich ihn erbeten. Wieder das Thema Gebet. Und Vers 26: Und sie sprach: Bitte, mein Herr, so wahr deine Seele lebt, mein Herr, ich bin die Frau, die hier bei dir stand, um zu dem Herrn zu beten. Um diesen Knaben habe ich gebetet. Vers 27: Und der Herr hat mir meine Bitte gewährt, die ich von ihm erbeten habe. Und dann ist es noch interessant: Vers 28: So habe auch ich ihn dem Herrn geliehen; alle Tage, die er lebt, ist er dem Herrn geliehen. Und die Elberfelder erklärt hier in der Fußnote bei „geliehen“ zweimal: Im Hebräischen sind „erbitten“ und „leihen“ gleiche Wörter. Ein Wortspiel! Also das klingt dann gleich. Eben aus dieser Bitte heraus kam dann das, dass sie diesen Sohn dem Herrn weihte und lieh. Das erinnert wieder an das Wort beten, weil das gleich klingt. Und Vers 28: Und er betete dort den Herrn an. Wieder das Thema Gebet.
Und das geht dann weiter in 1. Samuel 2. Und Hanna betete und sprach. Da haben wir das Gebet der Hanna, von Vers 1 bis 10. Und da blicken wir dann erst recht in das Herz einer Frau hinein, weil wir sehen, wie sie betet. Und man könnte ja sagen: Manche sagen, zeig mir deine Bibliothek, und ich sage dir, wer du bist. Oder vielleicht noch besser: Zeig mir dein Handy, und ich sage dir, wer du bist. Oder eben: Zeig mir, wie du betest, und ich sage dir, wer du bist.
Ja, ein Freund von mir, der ist jetzt aber schon einige Jahre verstorben, hatte in seiner Arbeit immer wieder mit Russland zu tun, früher. Und da kam er dann eben in Kontakt mit einer Baptistengemeinde. Dort ging es darum, ob er predigen könnte, und sie kannten ihn nicht. Da haben sie ihm gesagt, ja, er könne doch bitte mal in der Gemeinde beten. Und sie sagten ihm auch: Ja, also bitte lange beten. Ja, zehn Minuten! Ich meine, wenn das ein Mann war, der irgendwie mit dem KGB etwas zu tun gehabt hätte, die kann man so entlarven. Also die vom KGB: Wenn die zehn Minuten beten müssen, dann ja eben, zeig mir den Inhalt deines Gebets, und ich sage dir, wer du bist. So haben sie ihn geprüft. Interessant, nicht wahr?
Ja, und so sehen wir: Im Buch Samuel geht das dann weiter. Das ist wirklich ein Thema, das dieses Buch prägt. Und es hängt zusammen mit dem Propheten Samuel: von Gott erhört.

Mütter, Prägung und das Loslassen der Kinder

Nun, wir haben gesehen, dass sie diesen Jungen als Kind aus Gottes Hand empfängt. Vers 21 zeigt dann, wie Elkana seine gute Gewohnheit fortsetzte, wenigstens einmal im Jahr nach Schilo hinaufzugehen.
Aber Hanna war überzeugt: Jetzt gehe ich nicht mit. Und zwar, weil sie sah: Ich habe hier eine Aufgabe für diesen Kleinen, ich möchte ihn stillen, und es geht nicht, hinaufzugehen. Das ist übrigens genau der Grund, warum die Tora, ich habe ja früher diese drei Stellen gezeigt, die sagen: An den obligatorischen Festen, Passa, Wochenfest, Pfingsten und Laubhüttenfest, da müssen alle Israeliten, alle Männlichen, vor dem Herrn erscheinen. Die Frauen sollten natürlich auch kommen, wenn möglich, aber es gab kein ausdrückliches Gebot für die Frauen, mit Rücksicht eben auf diese Aufgaben zuhause mit den Kleinkindern, wenn das nicht möglich war.
Und Hanna sagt ganz klar: Nein, ich komme nicht. Ich bin ganz für diesen Jungen da. Und das ist natürlich auch ein sehr aktuelles Thema. Wenn man ein Kind bekommt, das ist das eine. Und jetzt: wie viel Einsatz für das Kind? Die ganze Problematik ist in der Gesellschaft vorhanden, die in den vergangenen Jahren enormen Druck gemacht hat, Frauen sollten möglichst außerhalb des Hauses arbeiten.
Und das ist vielleicht nicht so bekannt, dass das Ganze sehr direkt zurückgeht auf Karl Marx. Karl Marx hat gelehrt, der Mann ist eigentlich der Tyrann im Haus. Und alles, was irgendwie herrschend ist, das wollte er eigentlich stürzen. Darum hat er ja auch eine ganze Theorie der Revolution entwickelt, wie man die, die regieren oder auch eben wirtschaftlich oben sind, das heißt die Fabrikbesitzer, stürzen kann. Die ganze kapitalistische Oberschicht sollte durch das Proletariat gestürzt werden. Und so hatte er einen Hass gegen Autorität. Und das hängt zusammen mit einem Hass, den er gegen Gott hatte.
Das begann erst in seiner Studentenzeit, sich auszuprägen. Sein Aufsatz für das Abitur war ein Aufsatz, bei dem man hätte denken können, der ist wiedergeboren. Das Thema war Johannes 15, die Verbindung des Gläubigen mit Christus, dem Weinstock. Unglaublich! Und dann hat sich in seiner Studentenzeit vieles verändert. Er hatte Krach mit den Eltern, es ging um das Thema Geld. Er brauchte Geld für seine Aktivitäten neben dem Studium, und da hat sich etwas verändert. Er hat dann auch begonnen, Schauspiele zu schreiben, und da gibt es ein Schauspiel von Karl Marx, wo eine der Personen sagt: Ich will mich rächen an dem dort oben.
Und da entwickelte sich also dieser Hass gegenüber der Autorität Gottes ganz oben und eben auch gegenüber der Autorität, die unter den Menschen die Autorität Gottes vertreten sollte. Denn nach Römer 13 hat ja Gott Menschen eingesetzt als Regierung, als Obrigkeit. Und diese Auflehnung war bei ihm so ausgeprägt, und darum auch dieser Hass gegen den Vater.
Das hat sich dann übrigens im 20. Jahrhundert ausgewirkt. Man kann sagen: Das 20. Jahrhundert ist das Jahrhundert des Vaterhasses. Das zeigt sich ja dann auch bei Sigmund Freud, der gelehrt hatte, dass eigentlich der kleine Junge eifersüchtig ist auf den Vater und er eigentlich die Mutter möchte. Und, der langen Rede kurzer Sinn, er hat dann auch gelehrt, man muss die Frau befreien, indem man sie in ihrer Arbeit aus dem Haus herausnimmt.
Und jetzt versteht man auch, warum all diese Sprüche über die Frau, die noch hinter dem Herd steht und so weiter, die zu Hause bleibt und so weiter, auf das zurückgehen. Und nicht wahr, wenn ich das so sage, dann geht es mir überhaupt nicht darum. Es gibt in unserer Gesellschaft Ehepaare, Familien, die sich fragen: Wie kommen wir finanziell durch? Das ist dann nochmals ein ganz anderes Thema. Aber es geht ja darum, wenn man sich überlegt, wo die Prioritäten sind. Und da haben wir so ein wunderbares Beispiel: Diese Hanna wollte dieses Kind unbedingt aus Gottes Hand, und dann wollte sie ganz für das Kind da sein, sodass sie sagte: Nein, ich kann jetzt nicht mehr nach Schilo kommen. Aber nachher schon wieder. Sie wollte da sein, bis der Knabe entwöhnt ist, also sie wollte ihn stillen.
Und das ist auch etwas, was das Wort Gottes lehrt. Stillen ist eine sehr gute Sache. Und zwar lesen wir in Psalm 22, einem messianischen Psalm, der vor uns steht. Also wir hören die Stimme des Erlösers am Kreuz: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? So beginnt es in Vers 2. Und der Erlöser sagt dann in Vers 10: Doch du bist es, der mich aus dem Mutterleib gezogen hat, der mich vertrauen ließ an meiner Mutterbrüste. Auf dich bin ich geworfen von Mutterschoß an, von meiner Mutterleib an bist du mein Gott.
Das kann natürlich niemand von uns sagen, was in Vers 11 steht. Niemand kann sagen: Von meiner Mutterleib an bist du mein Gott. Niemand von uns hatte eine Beziehung zu Gott von Mutterleib an. Aber der Herr Jesus schon. Wir mussten uns später einmal bekehren, und dann wurde Gott unser Gott. Aber was der Herr Jesus in Vers 10 sagt, ist so gewaltig: der mich vertrauen ließ, oder die Fußnote der Elberfelder sagt: sorglos ruhen, oder man kann auch übersetzen, dass er der mich Vertrauen fassen ließ an meiner Mutterbrüste.
Und das ist einfach eine Tatsache, dass das kleine Kind durch diesen engen Kontakt mit der Mutter, also zuerst einmal: Die Mutter trägt das Kind neun Monate unter dem Herzen. Schon dadurch entsteht eine ganz tiefe Verbindung, und das Kind nimmt Dinge wahr, darüber kann man nur staunen. Also das Kind nimmt zum Beispiel auch wahr, wenn die Mutter große Probleme hat und Depressionen. Es gibt eine so enge Beziehung, und dann eben in den Monaten danach durch das Stillen auch wieder, und es wird dem Kind so ein Grundvertrauen vermittelt.
Und damit wieder: Da habe ich kein Wort gesagt gegen jemanden, der sagt, es ging bei mir gar nicht mit dem Stillen. Und der Herr gibt auch da Möglichkeiten, wie dieses Vertrauen als Kind, das ist ja nicht nur von dem abhängig, sondern von vielen anderen Faktoren auch noch. Und ich möchte nur einfach mehr im ermutigenden Sinn sagen: Wenn es irgendwie geht, lohnt es sich, das zu tun. Es ist gut für das Kind.
Ja, es gibt dann schnell mal Probleme. Man hat Entzündungen, man hat Milchstau, also es gibt wirklich unglaubliche Sachen, die da kommen können. Und dann ist es sehr entscheidend: Ist man überzeugt davon? Dann hält man eher durch. Und ich mag mich erinnern, bei uns, bei meiner Frau, es gab immer am Anfang Probleme, aber sie hat das aus Überzeugung überwunden. Und dann plötzlich kam eine Zeit: Jetzt läuft es, es geht ganz gut. Ja, es hat sich also gelohnt, nicht zu früh aufzugeben. Und da ist eben diese Hanna wirklich ein ermutigendes Beispiel.
Bis der Knabe entwöhnt ist, Vers 22, dann will ich ihn bringen, damit er vor dem Herrn erscheine und dort für immer bleibe. Unglaublich, sie hat einen ganz klaren Plan gehabt. Also: Ich mache das, bis er abgestillt ist, entwöhnt ist, und dann erfülle ich, was ich dem Herrn versprochen habe. Das ist keine Frage. Und sie ist bereit, sich dann von ihm zu trennen.
Und das ist eben auch ein Punkt: die Kinder loslassen zu können. Und das beginnt ja eigentlich bei der Geburt, bei der man die Nabelschnur durchschneiden lässt. Das ist schon ein erster Schritt von einer Entfernung. Vorher unter dem Herzen, aber so ist es dann eben auch durch die Jahre hindurch ein allmähliches Loslassen. Und es ist so wichtig, dass man eben dieses Loslassen zu einem Prozess macht und nicht die Kinder ganz klar an der engen Leine führt bis, ja, je nach Land, wo man erwachsen ist, achtzehn oder was auch immer, und dann plötzlich: Jetzt. Jetzt bist du erwachsen, jetzt kannst du selber entscheiden. Das geht natürlich nicht.
Kinder müssen ja lernen, sich langsam zu entscheiden, Verantwortung für sich selber zu übernehmen, Konsequenzen auch eben zu ertragen, die die eigene Entscheidung bringt. Und so ist es eben wichtig: Es ist ein Prozess, das Loslassen. Und diese Frau war bereit. Jawohl, ich habe jetzt in meinem speziellen Fall den Herrn gebeten, dass ich das Kind einfach am Anfang haben darf, und dann bin ich bereit, es in die Hände des Herrn zu geben.

Treue, Zeugnis und die Kraft früher Jahre

Interessant ist Elkana in Vers 23, wie er reagiert: Und Elkana, ihr Mann, sprach zu ihr: Tu, was gut ist in deinen Augen. Bleibe, bis du ihn entwöhnt hast; nur möge der Herr sein Wort aufrechterhalten.
Er überlässt diese Sache Hanna. Und da merkt man wieder: Das ist Ausdruck von Achtung seiner Frau gegenüber. Ich meine, die Sache, dass er Peninna dazu heiratete, da hat er sie völlig übergangen. Aber jetzt sieht man doch etwas.
Ich möchte nur ganz kurz vorgreifen: In Kapitel 2, Vers 18 lesen wir: Samuel diente vor dem Herrn, ein Knabe, umgürtet mit einem leinenen Ephod. Und seine Mutter machte ihm ein kleines Oberkleid und brachte es ihm Jahr für Jahr hinauf, wenn sie mit ihrem Mann hinaufging, um das jährliche Schlachtopfer zu opfern. Und Eli segnete Elkanah und seine Frau und sprach: Der Herr gebe dir Nachkommen von dieser Frau anstelle des Geliehenen, das man dem Herrn geliehen hat. Und sie gingen nach Hause, und der Herr wandte sich Hanna zu usw.
Ist es nicht schön zu sehen, wie Elkanah mit Hanna zusammen vor dem Hohenpriester steht, und er segnet sie beide, das Ehepaar? Also, wir können wirklich auch da kleine Andeutungen finden, wie diese ganze Geschichte und das Verhalten dieser Hanna auch seine Wirkung auf ihn und sein Verhalten gehabt hat.
Ja, so lesen wir dann in Vers 23b: So blieb die Frau und stillte ihren Sohn, bis sie ihn entwöhnt hatte. Es wird nicht gesagt, wie alt der Junge war. Aber es ist ja so: Man kann acht Monate stillen, ein ganzes Jahr, man kann auch zwei Jahre, oder man kann es sogar so machen wie Sarah, fünf Jahre.
Aber das war natürlich schon so, die konnte gar nicht mehr loslassen. Man muss sich mal vorstellen, wie das war. Abraham war hundertjährig, als Isaak kam, und sie war ja zehn Jahre jünger, also neunzigjährig. Eine neunzigjährige Frau, und biologisch war es nicht mehr möglich. Es wird ganz klar gesagt im Wort, in Römer 4, dass sie beide biologisch abgestorben waren. Also nicht nur die Frau. Dort hört irgendwann die Periode auf, aber normalerweise ein bisschen früher, also mit neunzig. Und mein Mann kann es ja sein, viel später. Charlie Chaplin hat ja noch mit achtzig einen Sohn gezeugt. Also, das war jetzt keine Reklame für solche Filme, aber weil ich kein besseres Beispiel wusste.
Bei Abraham war es aber so, wie klar gesagt, abgestorben. Und Gott hatte so lange gewartet, damit es menschlich gesprochen wirklich unmöglich war. Israel sollte ein unmögliches Volk sein. Ja, im wörtlichen Sinn unmöglich. Israel ist gegen die Naturwissenschaft und existiert, Israel lebt. Ja, Gott hat das so gemacht. Es war nicht mehr möglich, um dadurch umso mehr seine Kraft zu zeigen.
Aber eben, wie gesagt, Sarah hat dann mit neunzig dieses Baby gehabt. Sie hat ein spezielles Bild abgegeben: eine neunzigjährige Frau, und sie hält ihr erstes Baby in den Armen, stillt es. Und sie konnte nicht mehr aufhören. Darum hat sie ihn fünf Jahre gestillt. Natürlich, da bekam er dann schon früh die Zusatznahrung, aber das Stillen ging ja weiter.
Und jetzt muss man auch rein aus der menschlichen Perspektive verstehen, dass Ismael da ein Problem hatte. Er war dreizehn Jahre älter, und dann sieht er den Fünfjährigen wieder da in den Armen von Mami, und er trinkt bei ihr. Und das hat sein böses Herz natürlich gestochen, ihn auszulachen. Darum lesen wir dann in 1. Mose 21, dass er über Isaak lachte. Im Galaterbrief, in Galater 4, wird dieses Thema ja aufgenommen. Dort wird nicht gesagt, er habe gelacht, sondern es heißt, er habe ihn verfolgt. Auslachen ist nach der Schrift auch Verfolgung.
Und eben, fünf Jahre, das war schon sehr viel. Aber wir haben noch eine andere Frau, die auch versucht hat, es so lange wie möglich hinauszuzögern. Das war die Mutter von Mose. Bei ihr war es nicht so, dass sie nicht mehr loslassen konnte, bei Sarah eben schon. Und das ist ja etwas Problematisches. Nicht nur bei Einzelnen, sondern sehr verbreitet. Man sagt ja sogar als jüdischen Humor: Was ist der Unterschied zwischen einer jiddischen Mama und einem Rottweiler? Keiner. Beide, wenn sie etwas zu fassen haben, lassen nicht mehr los. Ja, neben dem Thema Ablösung.
Aber noch möchte ich etwas sagen bei der Mutter von Mose: Da ging es darum, so lange wie möglich Einfluss auf das Baby zu haben. Und darum hat sie es hinausgezögert, hinausgezögert, hinausgezögert, bis dann der Tag kam, und dann musste Mose an den Hof. Aber diese Zeit hat sie ausgenutzt und hat wirklich etwas ins Herz gepflanzt. Es dauerte seine Zeit.
Als Mose dann vierzig Jahre alt war, hat er sich wieder zurückerinnert an seine Herkunft, an seine Wurzeln, und hat wieder daran gedacht: Dieses arme Sklavenvolk in Ägypten, das ist mein Volk. Aber Mami hat mir damals erzählt: Der Herr hat unsere Väter Abraham, Isaak und Jakob auserwählt, und aus dieser Linie sollte einmal der Erlöser kommen. Und Gott hat Abraham gesagt: Ihr werdet in einem fremden Land sein, und ihr werdet dort unterdrückt werden. Und er hat auf dem Zeitplan ganz genau gesagt: Dann werdet ihr ausziehen aus diesem Land.
Und das hat sie alles eingepflanzt. So ist er sich bewusst geworden: Ich gehöre zu diesem Volk, und was soll dieser Luxus da und diese weltlichen Freuden, sündigen Freuden am Hof des Pharao? Ich will lieber Ungemach leiden mit Gottes Volk. So wird er uns schön und eindrücklich in wenigen Worten beschrieben in Hebräer 11. Und das war alles die Auswirkung von diesen wenigen ersten Jahren Stillzeit.
Und ich möchte noch ein Baby erwähnen, wo die Stillzeit ausgenutzt worden ist, und zwar in 2. Timotheus. Da lesen wir doch in Kapitel 3, Vers 14. Paulus sagt zu Timotheus, der ja eine jüdische Mutter hatte, nach Apostelgeschichte 16. Und 2. Timotheus 1,5 erklärt uns, wie sie hieß: Eunike. Und sie hatte jüdischen Glauben. Und seine Großmutter war Lois. Und jetzt lese ich eben dazu 2. Timotheus 3,14: Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und wovon du völlig überzeugt bist, da du weißt, von wem du gelernt hast. Und weil du von Kind auf die Heiligen Schriften kennst, die imstande sind, dich weise zu machen zur Errettung durch den Glauben, der an Christus Jesus ist, alle Schrift ist von Gott angegeben.
Das Wort für Kind hier ist nicht das übliche Wort im Neuen Testament, sondern für Kind, sondern es ist das Wort Präfos, und das heißt Säugling. Also Kind ist schon richtig übersetzt, aber man muss wissen: Kind, das ein Säugling ist. Als Säugling hat er die Heiligen Schriften kennengelernt. Da merken wir: Da wurde schon ein bisschen länger gestillt als nur, also nur, das ist ja gut, acht Monate oder drei Monate sind jetzt auch gut, aber ihm wurde die Heilige Schrift beigebracht, als kleines Baby.
Und das hat Frucht getragen. Denn später, als der Apostel Paulus dort vorbeikam, in der Gegend, in Apostelgeschichte 14, ist dieser Timotheus dann zum Glauben an den Messias gekommen. Von seinem jüdischen Glauben, den ihm seine Mutter und Großmami beigebracht hat, wurde es ein lebendiger Glaube an den Erlöser Jesus Christus.
Ja, also das zeigt uns: Diese Anfangszeit ist so wichtig. Und es zeigt uns eben, wie Kinder dadurch in den ersten Jahren enorm geprägt werden. Und wenn es auch dann plötzlich in der Pubertät nichts mehr zu sehen ist und vielleicht sogar in den Zwanzigern nichts zu sehen ist, aber das Beispiel von Mose ist schon beeindruckend: Mit vierzig, da ist für ihn klar Schluss mit diesem Leben hier, ich will lieber Ungemach leiden. Und es wird dort gesagt, dass er die Schmach des Christus, das heißt die Schmach des Messias, für größeren Reichtum achtete als die Schätze Ägyptens. Das zeigt, was da eben weitergegeben werden kann, was da eingepflanzt werden kann und wie die prägende Wirkung ist.
In dem Zusammenhang möchte ich noch erinnern: In den Büchern Chronika und Könige, da haben wir ja die ganze Abfolge von Königen nach David und Salomo, und immer wieder heißt es: der Name der Mutter war, der Name der Mutter war, der Name der Mutter war. Warum wird die Mutter immer erwähnt? Ja, wir sehen da Könige, die sehr gottlos gehandelt haben. Wir sehen Könige, die eine Umkehr und dann eine Reformation ausgelöst haben. Und der Zusammenhang mit der Mutter wird immer wieder in Erinnerung gerufen.
Also Mütter müssen gar nicht aus dem Haus eben befreit werden von der Tyrannei des Vaters, des Mannes, sondern sie müssen sich entfalten können in der Familie. Und es ist so ein Reichtum. Und sie prägen die nächste Generation. Und was sie eben in den frühen Jahren auch weitergeben, und auch in den späteren, ich betone jetzt einfach die früheren Jahre wegen der Geschichte von Samuel, und da wurde die Geschichte wesentlich durch die Frauen mitgeprägt. Das ist das, was uns Gottes Wort eben zeigt.

Die Gabe des Kindes und das Zeugnis vor Eli

Und so gehen wir weiter in 1. Samuel 1,23b:
So blieb die Frau und stillte ihren Sohn, bis sie ihn entwöhnt hatte. Und sobald sie ihn entwöhnt hatte, brachte sie ihn mit sich hinauf, samt drei Stieren, einem Epha Mehl und einem Schlauch Wein. Sie brachte ihn in das Haus des Herrn nach Silo. Und der Knabe war noch jung.
Ja, da sehen wir: Die Familie war reich. Das war keine arme Familie. Ein Stier kostet auch heute etwas. Was zahlt man für einen Stier? Vielleicht 5000 Euro, je nachdem, was für ein Stier es ist. Aber sie bringt gleich drei Stiere. Das wären schon 15.000 Euro. Und dann bringt sie noch sehr viel Mehl mit, also kiloweise Mehl, und einen Schlauch Wein mit dem Jungen.
Ein Stier wird dort gleich geschlachtet. Den konnten sie gerade als Friedensopfer wieder brauchen. Das war ganz in ihrer Familientradition. Wenn man nach Silo geht, werden dort Stücke verteilt. Gemeinschaft wird gepflegt in der Gegenwart des Herrn. Und sie brachten den Knaben zu Eli.
Dann sehen wir, wie sie Zeugnis ablegt: Hannas Zeugnis. Jetzt muss man sich vorstellen, dass sie einige Jahre nicht mehr in Silo gewesen ist. Eli wurde älter und älter. Und sie musste ihn natürlich daran erinnern, dass sie vor ein paar Jahren dort war. Sie sprach: Bitte, mein Herr. Sie nennt ihn immer mein Herr. Diese Achtung hatte sie vor diesem Mann. Sobald eine Seele lebt, mein Herr.
Ich bin die Frau, die hier bei dir stand, um zum Herrn zu beten. Um diesen Knaben habe ich gebetet. Da hat sie den kleinen Samuel neben sich. Um diesen Knaben habe ich gebetet, und der Herr hat mir meine Bitte gewährt, die ich von ihm erbeten habe.
Das ist schon speziell, wenn sie sagt: Dieser Knabe. Damals, als sie um ein Kind gebetet hat, wusste sie ja nicht, wer das ist. Und selbst dann, wenn man das Baby als Mutter im Bauch hat, weiß man nicht, wer das ist. Ja, heute kann man ein bisschen Fotos machen. Und heute sind die Bilder schon viel besser als zu unserer Zeit. Ich sah immer eine Mondlandschaft. Und heute sieht man da schon einiges, was das Kind da so mit den Fingern macht und so. Aber man weiß ja doch nicht, wer das ist.
Dann kommt das Baby auf die Welt. Jetzt sieht man schon ein bisschen: so viele Haare oder gar keine Haare und was auch immer. Und dann die ersten Monate. Irgendwie merkt man plötzlich: Da kommt die Persönlichkeit heraus, eine einzigartige Persönlichkeit.
Und jetzt kommt sie diesem Jungen gegenüber. Ich meine: In den ersten Monaten, schon nach sechs Monaten, kann man sagen: Jetzt weiß ich, wer das ist. Ja, wirklich, die Persönlichkeit ist schon erkennbar. Im ganzen Verhalten. Ob ein Kind viel lacht oder ein bisschen weniger, ein bisschen ernster ist und so weiter. Wenn die Persönlichkeit kommt, und dann mit zwei Jahren überhaupt, wenn sie beginnen zu sprechen, das ist ja auch der Moment, wo plötzlich die Männer das so interessant finden.
Ja, vorher können die Mütter mit dem Kind kommunizieren, auch wenn keine Sprache da ist, kein Wort. Aber wenn dann die Sprache dazukommt, wird das immer interessanter. Und jetzt kommt sie da mit einem Jungen von ein paar Jahren, ein Kindergartenkind. Um diesen Jungen habe ich gebetet. Ja, und damals wusste sie ja gar nicht, wer der Junge ist. Aber das ist eben genau der Junge. Und den hat dann der Herr eben als Antwort ihr gegeben.
Und jetzt sagt sie: Um diesen Jungen habe ich gebetet, und der Herr hat mir meine Bitte gewährt, die ich von ihm erbeten habe. So habe auch ich ihn dem Herrn geliehen. Alle Tage, die er lebt, ist er dem Herrn geliehen.
Schön, sie gibt diesem Mann, diesem alten Mann, der eben in seiner geistlichen Sehkraft immer mehr abnahm, hier Zeugnis. Zeugnis über Gebetserhörung. Und das ist natürlich auch etwas Wichtiges in der Gemeinschaft von Gläubigen untereinander, dass man eben auch erzählt über Dinge, die man erlebt hat, wie der Herr Gebete beantwortet hat oder natürlich auch, wie er Gebete nicht erhört hat, weil er einen besseren Weg hatte. Immer so im Rückblick. Dann bekommt man eine ganz andere Sicht und sieht plötzlich: Oh, das war ja auch falsch. Glücklicherweise hat der Herr mich da nicht erhört, sondern er hatte ja eine viel bessere Absicht.
Ja, und hier aber wirklich: Sie hat genau das gebetet, und genau das hat sie bekommen.
Ich würde sagen, wir machen hier einen kurzen Unterbruch. Wir singen ein Lied, und dann gehen wir weiter bis neun Uhr.

Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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