Einleitung
Heute ist das grosse Finale Deutschland / Brasilien. Das ist ein solch
bewegendes Ereignis, dass die Sonntagsschullehrer sich die Köpfe darüber
zerbrachen, wie man den auf heute geplanten Familientag durchführen
könnte. Da sie aber keinen Ort fanden, wo man gleichzeitig das Finalspiel
hätte mitverfolgen können, sah man sich gezwungen diesen Tag zu
verschieben.
Ich bin am Fussball nie wirklich interessiert gewesen. Nur jeweils bei
den Weltmeisterschaften verfolge ich am Rande, wie sich die Spiele
entwickeln. Gesehen habe ich keines der Spiele, aber wenn sich mir die
Gelegenheit bietet, werde ich natürlich das Finale ansehen.
Selbstverständlich bin ich für die Mannschaft, die gewinnt.
Sport fasziniert die Menschen seit Jahrtausenden. Es ist ein Phänomen,
wie Völker von Hochgefühlen in die tiefsten Tiefen gezerrt werden, wenn
ihre Mannschaften verlieren.
Und selbst wenn es eine Mannschaft weit gebracht hat: Der Zweite ist und
bleibt der erste Verlierer.
Was hätte wohl Paulus zu diesen Weltmeisterschaften gesagt. Hätte er
diesen ganzen Rummel um die Mannschaften und Spieler angeprangert! Hätte
er darauf hingewiesen, dass das genug deutliche Zeichen für den Abfall
der Menschheit seien usw.
Ich glaube nicht, Paulus hätte anders reagiert. Paulus hätte vielmehr
diese Spiele zum Anlass genommen, um den Christen zu verdeutlichen, dass
wir im Reich Gottes nicht Einzelkämpfer sind, sondern dass wir uns ein
Beispiel an diesen Mannschaften nehmen sollten, in denen sich Stärken und
Schwächen gegenseitig ausgleichen, und jeder weiss, dass man miteinander
agieren muss, wenn das Spiel gelingen soll. Es wird gemeinsam gewonnen,
aber man verliert auch gemeinsam. Paulus würde an diesen Mannschaften
deutlich machen, wie wichtig es ist eines Sinnes zu sein, miteinander am
gleichen Strick zu ziehen. Die Fähigkeiten und Gaben des anderen
innerhalb der Mannschaft zu nutzen statt sich zu rivalisieren.
Vielleicht fragen Sie sich warum ich zu meinen weiss, wie Paulus auf
diese Spiele reagiert hätte. Das kann ich erahnen, weil Paulus in seiner
Zeit selbst auf grosse Sportereignisse bezug genommen hatte.
In Korinth fanden alle 3 Jahren die Isthmischen Spiele statt. Und wie
das bei den Griechen üblich war, wurden die Spiele einem Gott geweiht und
die Athleten kämpften nackt. Über eine griechisches Stadion in Jerusalem
heisst es nämlich:
Darauf bauten sie in Jerusalem eine Sportanlage, wie sie bei den
anderen Völkern üblich war, (1.Makk 1,14)
und liessen sich operieren, damit man ihnen nicht mehr ansah, dass sie
beschnitten worden waren. So wurden sie zu Verrätern an dem Bund, den
der Herr mit seinem Volk Israel geschlossen hatte. Sie taten sich mit
den fremden Völkern zusammen und gaben sich dazu her, alles mögliche
Böse zu tun.(1.Makk 1,15)
Also, Paulus hätte genügend Gründe gehabt die Athleten und Spiele zu
kritisieren. Er hätte die Götterverehrung und die Unmoral anprangern
können. Aber das macht er gerade nicht. Im Gegenteil, er nimmt die
Athleten als ein Vorbild für unser Leben als Christen. Er sagt:
Ihr wißt doch, daß an einem Wettlauf viele teilnehmen; aber nur einer
bekommt den Preis, den Siegeskranz. Darum lauft so, daß ihr den Kranz
gewinnt! (1.Kor 9,24) Alle, die an einem Wettkampf teilnehmen wollen, nehmen harte
Einschränkungen auf sich. Sie tun es für einen Siegeskranz, der
vergeht. Aber auf uns wartet ein Siegeskranz, der unvergänglich ist.
(1.Kor 9,25) Darum laufe ich wie einer, der das Ziel erreichen will. Darum kämpfe
ich wie ein Faustkämpfer, der nicht danebenschlägt. (1.Kor 9,26) Ich treffe mit meinen Schlägen den eigenen Körper, so daß ich ihn ganz
in die Gewalt bekomme. Ich will nicht anderen predigen und selbst
versagen. (1.Kor 9,27)Nun wollen wir genauer betrachten, was Paulus an den Athleten so
bemerkenswert findet.
## Ein Athlet ist konzentriert
Wenn ein Athlet zum Wettkampf antritt, weiss er, was er will und was er
zu tun hat. Er konzentriert sich auf das eine: Er will gewinnen. Deshalb
sagt Paulus:
Ihr wißt doch, daß an einem Wettlauf viele teilnehmen; aber nur einer
bekommt den Preis, den Siegeskranz. Darum lauft so, daß ihr den Kranz
gewinnt! (1.Kor 9,24)Kein Sportler geht in einen Kampf ohne wirklich gewinnen zu wollen.
Auch wenn er nicht zu den stärksten gehört, im Wettkampf gibt er alles
und geht an sein Limit, wie wenn er den Kranz gewinnen würde.
Anwendung
Paulus fordert nun die Christen in Korinth auf, an diesen Athleten ein
Vorbild zu nehmen. Sie sollen ihr Leben so gestalten, dass sie den
Siegeskranz gewinnen. Das Leben als Christen sollen wir so ernst nehmen,
wie ein Sportler seinen Wettlauf. Sie sollen sich auf das Ziel
konzentrieren.
ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher
Freude, wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich die
endgültige Rettung eurer Seelen. 1.Petr,1,9Paulus will den Christen deutlich machen, dass der Glaube an Jesus
Christus nicht einfach ein Hobby ist, das man nach Lust und Laune
betreibt.
Er will den Christen zeigen, dass sie nicht Zuschauer im Reich Gottes
sind.
Die Rettung durch Jesus bedeutet nicht, dass ich einen Sitzplatz im Stadion bekommen habe, sondern es bedeutet, dass ich am Wettlauf beteiligt bin.
Durch den Glauben an Jesus Christus und die Wiedergeburt
ist jeder in diesen Wettlauf einbezogen.
Evangelisation
Die Zulassung zu diesem Wettlauf müssen wir uns nicht durch diverse
Qualifikationen und Ausscheidungswettbewerbe erarbeiten. Die Zulassung
ist ganz einfach, so wie es im 1. Johannesbrief steht:
Wer mit dem Sohn verbunden ist, hat das Leben. Wer nicht mit ihm, dem
Sohn Gottes, verbunden ist, hat das Leben nicht. 1.Joh.5,12.
Ohne Jesus können wir rennen bis zur Erschöpfung, wir werden dadurch
nicht leben. Es ist also nicht mein Kampf und meine Leistung, die mich
ans Ziel bringt, sondern Jesus allein. Er sagt:
Ich bin die Tür. Wenn jemand durch mich eintritt, wird er gerettet
werden. Joh.10,9.
Jesus ist und bleibt der Schlüssel zum Ewigen Leben!
Anwendung
Warum spricht denn Paulus von diesem Wettlauf. Das klingt irgendwie
anstrengend. Das mag den einen oder anderen auch verunsichern. Zählt nun
doch meine Leistung zur Rettung.
Ja und Nein. Gerettet sind wir, wenn wir an Jesus glauben. ABER Jesus
rief uns nicht dazu auf, dass wir uns Bekehren und das wars. Jesus rief
uns in seine Nachfolge. Bekehrung ist der Entschluss Jesus nachzufolgen.
Diese Nachfolge ist der Wettlauf in dem wir stehen. Hier spielt sich
auch der Kampf des Glaubens ab.
Alle, die an Jesus glauben sind zu diesem Wettlauf befähigt. Gott
selber hat uns dazu fähig gemacht.
Ja, so ist es: Gott in seiner Macht hat uns alles geschenkt, was wir zu
einem Leben in wahrer Frömmigkeit brauchen. Er hat es dadurch getan,
dass er uns Jesus Christus erkennen liess, ihn, der uns in seiner
Herrlichkeit und Kraft berufen hat. (2.Petr 1,3) Nochmals das Beispiel mit einem Auto. Gott gibt uns ein Auto mit einer
vollen Tankfüllung und gibt uns auch einen Karte, mit der wir das Auto
immer wieder kostenlos auftanken können.
Aber wir müssen das Auto fahren, den wir haben es nicht als
Museumsstück bekommen. Paulus will die Gemeinde ermutigen und sagen, wenn
Ihr schon ein so schönes Auto bekommen habt, dann gebt vollgas, bewegt
euch! Oder wie es Paulus den Galatern sagte:
Wenn wir nun durch Gottes Geist ein neues Leben haben, dann wollen wir
auch aus diesem Geist unser Leben führen. (Gal 5,25)
Ein Athlet ist konsequent
Nun wird Paulus konkreter.
Alle, die an einem Wettkampf teilnehmen wollen, nehmen harte
Einschränkungen auf sich. Sie tun es für einen Siegeskranz, der
vergeht. Aber auf uns wartet ein Siegeskranz, der unvergänglich ist.
(1.Kor 9,25)Wer Sport treibt, weiss wie recht Paulus hat. Wenn man im Sport etwas
erreichen will, dann bringt das viele Einschränkungen mit sich.
Es ist erstaunlich, wie Menschen zu Verzichten bereit sind, wenn sie
ein Ziel erreichen wollen. Oft wird 2 bis 4 mal die Woche trainiert,
manche trainieren sogar täglich. Die Ernährung wird umgestellt. Hohe
finanzielle Aufwendungen für Übungsgeräte, Ausrüstung, Reisen usw. werden
aufgebracht. Das geschieht im Normalfall alles freiwillig.
Das nehmen diese Leute alles in Kauf um irgend einen Pokal oder eine
Medaille zu gewinnen, die man später dauernd abstauben muss.
Anwendung
Was den Vergleich des Paulus so interessant macht ist die Tatsache,
dass nicht die Entbehrungen im Vordergrund stehen, sondern das Ziel ist
der Fixpunkt. Aufgrund seines Ziels leitet er Konsequenzen für sein Leben
ab. Sein Lebensstil wird dem Ziel untergeordnet.
Z.B. Wenn ich ein Sparchdiplom in Englisch machen möchte, dann werde
ich nicht nach Paris zum Sprachstudium reisen, auch wenn Paris für mich
die schönste Stadt der Welt ist.
Oder wenn ich ein Haus kaufen möchte, werde ich vielleicht über Jahre auf
schöne und teure Ferien verzichten usw.
Paulus spricht also nicht einem Werkglauben das Wort. Nicht wer auf
viel verzichtet hat die grösste Chance den Siegeskranz zu bekommen. Man
kann die grössten Opfer leisten, aber das will Paulus nicht sagen.
Timotheus schrieb er einmal:
Kein Sportler, der an einem Wettkampf teilnimmt, kann den Siegeskranz
bekommen, wenn er nicht den Regeln entsprechend kämpft. 2.Tim.2,5.
Man kann also unter viel Aufopferung kämpfen, was aber nichts nützt,
wenn man falsch kämpft.
Das Leben eines Sportlers wird vom Ziel bestimmt.
Genauso sollte das Leben von uns Christen vom Ziel bestimmt sein, denn auf uns wartet ein Siegeskranz, der unvergänglich ist. (1.Kor 9,25)
Die christliche Kampfdisziplin
Paulus macht nun deutlich, dass er weiss, wo er zu kämpfen hat. Er
kennt seine Kampfdisziplin. Er weiss wie er laufen muss. Von sich sagt
er:
Darum laufe ich wie einer, der das Ziel erreichen will. Darum kämpfe
ich wie ein Faustkämpfer, der nicht danebenschlägt. (1.Kor 9,26)Eigentlich ist es verblüffend, was Paulus nun sagt:
Ich treffe mit meinen Schlägen den eigenen Körper, so daß ich ihn ganz
in die Gewalt bekomme. Ich will nicht anderen predigen und selbst
versagen. (1.Kor 9,27)Der Kampf des Paulus findet erstaunlicherweise nicht im Wettstreit mit
anderen Christen statt. Es ist kein Rivalisieren mit anderen Christen,
gegen die er Gewinnen will.
Paulus kämpft gegen sich selbst. Er ist sich offenbar der Schwachheit
seiner selbst bewusst. Er weiss um die Möglichkeit sich als Christ wieder
in ein sündhaftes Leben verstricken zu können.
So schrieb es auch der Hebräerbriefschreiber:
Wir wollen – wie Läufer bei einem Wettkampf – mit aller Ausdauer dem
Ziel entgegenlaufen. Wir wollen alles ablegen, was uns beim Laufen
hindert, uns von der Sünde trennen, die uns so leicht gefangen nimmt.
Hebr.12,1b.
Paulus ist die Sünde wohlbekannt, die einem so leicht gefangen nehmen
will. Paulus kämpft darum, dass er nicht anderen predigt, aber selber
versagt.
Anwendung
Er will den Christen nicht verkündigen sie sollen ein reines Leben
führen und selber in Unzucht leben.
Er will sie nicht ermutigen ihr Leben für Jesus und seine Gemeinde
einzusetzen und selber keinen Finger rühren.
Paulus will aufzeigen, dass der Glaube damit zu tun, dass wir immer
wieder uns selbst überwinden. Das hat mit dem zu tun, was wir in unserer
verweichlichten, genusssüchtigen Gesellschaft gar nicht gerne hören und
doch aus der Bibel nicht zu verbannen ist: Selbstverleugnung. Oder anders
gesagt, sich selbst nicht so wichtig nehmen. Wenigsten nicht so wichtig
nehmen, dass es mir selber möglichst gut geht und alles für mich bequem
ist.
Wir leben in einer Zeit, in der man sich ganz ungern verpflichtet. Das
Vereinswesen in der Schweiz ist eher rückläufig. Es gibt wenig Leute, die
bereit sind eine Aufgabe zu übernehmen, die ihnen kurzfristig nichts
bringt.
Diese Mentalität macht natürlich vor unseren Gemeinden nicht halt. Die
Haltung ist verbreitet, dass ich etwas in der Gemeinde mache, wenn es
gerade in mein Programm passt.
Schluss
Zusammenfassung
Paulus war in seinem Leben eher vorsichtig mit bestimmten Aussagen, was
seine Zukunft betrifft. So schrieb er den Philippern:
Ich meine nicht, daß ich schon vollkommen bin und das Ziel erreicht
habe. Ich laufe aber auf das Ziel zu, um es zu ergreifen, nachdem Jesus
Christus von mir Besitz ergriffen hat. (Phil 3,12) Ich bilde mir nicht ein, Brüder und Schwestern, daß ich es schon
geschafft habe. Aber die Entscheidung ist gefallen! Ich lasse alles
hinter mir und sehe nur noch, was vor mir liegt. (Phil 3,13) Ich halte geradewegs auf das Ziel zu, um den Siegespreis zu gewinnen.
Dieser Preis ist das ewige Leben, zu dem Gott mich durch Jesus Christus
berufen hat. (Phil 3,14)Er ist unterwegs und er will auf keinen Fall aufgeben. Und tatsächlich,
am Ende seines Lebens konnte er dem Timotheus sagen:
Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe das Ziel des Laufes
erreicht, ich habe am Glauben festgehalten. / Nun liegt der Siegeskranz
für mich bereit, die Gerechtigkeit, die der Herr, der gerechte Richter,
mir an jenem grossen Tag geben wird – und nicht nur mir, sondern auch
allen anderen, die ihn lieben und auf sein Kommen warten. 2.Tim.4,7-8.
Diesen Siegeskranz bekommt also nicht nur einer, sondern jeder, der
Jesus liebt und auf sein Kommen wartet. Wer heute das Finale der WM
anschaut, soll sich doch überlegen, ob er bereit ist mit vollem Einsatz
im Reich Gottes zu leben und das Ziel im Auge zu behalten.
