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Die Entrückung der Gemeinde

08.03.2008
Warum fürchten Christen den Antichristen mehr als das Kommen Jesu? Die Frage ist: Geht die Gemeinde durch die schlimmste Zeit – oder wird sie vorher bewahrt?

Einleitung und Lesung aus dem Thessalonicherbrief

Heute Morgen haben wir das Thema der Entrückung der Gemeinde vor uns. Als Einstieg möchte ich aus Gottes Wort lesen, aus 1. Thessalonicher 4,13-18:
Wir wollen aber nicht, Brüder, dass ihr bezüglich der Entschlafenen unkundig seid, damit ihr euch nicht betrübt wie auch die übrigen, die keine Hoffnung haben. Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird auch Gott die durch Jesus Entschlafenen mit ihm bringen. Denn dieses sagen wir euch in einem Wort des Herrn, dass wir, die Lebenden, die übrig bleiben bis zur Ankunft des Herrn, den Entschlafenen keineswegs zuvorkommen werden. Denn der Herr selbst wird mit gebietendem Zuruf, mit der Stimme eines Erzengels und mit der Posaune Gottes herniederkommen vom Himmel, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen. Danach werden wir, die Lebenden, die übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und so werden wir allezeit beim Herrn sein. So ermuntert nun einander mit diesen Worten.
Was aber die Zeiten und Zeitpunkte betrifft, Brüder, so habt ihr nicht nötig, dass euch geschrieben werde. Denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn so kommt wie ein Dieb in der Nacht. Wenn sie sagen: Friede und Sicherheit!, dann kommt ein plötzliches Verderben über sie, gleich wie die Geburtswehen über die Schwangere; und sie werden nicht entfliehen.
Zunächst einmal bis hierher.
Ganz an den Anfang möchte ich zwölf Thesen, zwölf Behauptungen zum Thema Entrückung, einfach so hinstellen, ohne Begründung, ohne Beweisführung. Danach wollen wir im Einzelnen die verschiedenen Schriftstellen durchgehen, um zu sehen, ob das wirklich mit der Heiligen Schrift übereinstimmt oder nicht. Also nicht 95 Thesen, wie Luther sie einst verfasst hat im Blick auf grundlegende Dinge des Glaubens, sondern hier zwölf Thesen zur Hoffnung der Christen, zur Entrückung.
Erstens: Die Entrückung ist das Kommen Christi für die Gemeinde.
Zweitens: Die Entrückung darf nicht mit dem zweiten Kommen Christi mit allen Erlösten verwechselt werden.
Drittens: Die Entrückung ist die nächste Zukunftshoffnung der Gemeinde.
Viertens: Die Erwartung der Gemeinde ist das Kommen Christi und nicht das Kommen des Antichristen.
Fünftens: Die Entrückung ist ein neutestamentliches Geheimnis. Deshalb ist sie im Alten Testament nirgends prophetisch angekündigt; sie wird dort nur bildlich dargestellt.
Sechstens: Die Entrückung ist die Voraussetzung dafür, dass die Gläubigen mit Christus in Herrlichkeit erscheinen können.
Siebtens: Die Zeit der Gemeinde liegt zwischen der neunundsechzigsten und der siebzigsten Jahrwoche Daniels.
Achtens: Es gibt kein prophetisches Ereignis, das zwingend noch vor der Entrückung stattfinden müsste.
Neuntens: Die Entrückung wird vor dem Offenbarwerden des Antichristen und vor der großen Drangsal stattfinden.
Zehntens: Der Zeitpunkt der Entrückung kann nicht berechnet werden.
Elftens: Die Zeichen der Zeit verdeutlichen, dass wir heute in der Periode der Endzeit leben.
Zwölftens: Wenn die Zeichen der Zeit klar machen, dass die Ereignisse, die nach der Entrückung stattfinden müssen, vor der Tür stehen, so bedeutet dies, dass die Entrückung umso näher liegen muss.
Das sind Thesen. Was bedeutet Thesen? Das sind einfach Behauptungen, über die nachgedacht werden sollten. Das war ja die Idee der 95 Thesen bei Luther. Das bedeutet nicht: So, das ist jetzt etwas, was ich zu sagen habe, und darüber wird nicht mehr gesprochen und nicht mehr diskutiert. Sondern die 95 Thesen waren dazu vorgesehen, dass man beginnt, über diese Dinge nachzudenken und zu forschen: Was sagt die Heilige Schrift dazu?
Und genau in diesem Sinne wollen wir dieses Thema auch angehen. Wir wollen miteinander die Heilige Schrift untersuchen im Blick auf all diese Punkte und sehen, ob das wirklich aus der Bibel kommt oder ob das Ideen sind, einfach von gewissen Bibelauslegern. Damit können wir gleich zum zwölften Punkt auf unserem Blatt kommen. Aus pädagogischen Gründen gehe ich ein bisschen in einer anderen Reihenfolge vor, als das auf dem Skript hier zu sehen ist.

Kontroverse um Herkunft und frühe Belege

Es gibt heute viele Christen, die bibeltreu sind. Das heisst, sie glauben, dass die Bibel Gottes Wort ist und unsere einzige Grundlage des Glaubens darstellt. Dennoch lehnen sie all diese Gedanken über eine bevorstehende Entrückung der Gemeinde ab, ebenso verschiedene andere Dinge im Zusammenhang mit biblischer Prophetie. Sie halten das für eine falsche Auslegung.
So findet man manche Verkündiger, die sagen, die Entrückung als ein gesondertes Ereignis, bei dem die Gemeinde vor der Drangsal weggenommen wird, und ein Ereignis, das nicht mit dem Kommen von Jesus Christus in Macht und Herrlichkeit zusammenfällt, sei eine Erfindung von John Nelson Darby. John Nelson Darby war ein anglikanischer Pfarrer, der durch das Lesen der Bibel viele Missstände in der Kirche erkannte und schliesslich austrat. Er versammelte sich mit anderen Gläubigen einfach im Namen Jesu. Auf diesem Weg, ausserhalb des organisierten Christentums, studierte er die Bibel intensiv. Dabei gingen ihm viele Dinge auf. So schrieb er dann viele Bücher und lehrte auch über die Entrückung.
Es wird behauptet, John Nelson Darby sei der Erfinder dieses Gedankens der Entrückung, beziehungsweise er sei derjenige, der ihn am meisten und am lautesten ganz neu verkündigt habe. Es sei nicht einmal von ihm selbst gewesen. Ich lese hier vor, auf dem Skript steht: Es gibt Leute, die behaupten, die Entrückung vor der Drangsal und die Entrückung als ein vom kommenden Herrn in Herrlichkeit klar getrenntes Ereignis habe nicht zum Glaubensgut der ersten Christen gehört, sondern sei erst von John Nelson Darby als Lehre verbreitet worden. Solche Aussagen verbreiten zum Beispiel George Ladd, John Bray und Dave Macpherson.
Es wurde auch behauptet, Darby habe diese Lehre von einer Visionärin namens Margaret Macdonald aus Port Glasgow übernommen. Diese habe das in einer Vision so mitgeteilt bekommen, und Darby habe diese Visionärin ernst genommen und die Lehre von ihr angenommen. Das macht diese ganze Lehre natürlich ein wenig eigenartig. Ja, die ersten Christen hätten das niemals geglaubt, und plötzlich habe da im 19. Jahrhundert eine Dame Visionen, und plötzlich sei die Lehre der Entrückung da.
Aber das ist nicht die einzige Behauptung, um die Lehre in ein schiefes Licht zu rücken. Es wird auch behauptet, diese Lehre gehe auf das Buch eines Jesuiten namens Emanuel Lacunza aus dem Jahr 1812 zurück. Das ist für bibeltreue Christen ebenfalls nicht gerade vertrauenserweckend, wenn es sich angeblich um eine jesuitische Lehre handeln soll.
Heute können wir jedoch sagen: Diese Aussagen sind vollkommen falsch. Wir finden diese Lehre früher, vor Darby, und wir finden sie auch in der frühen Christenheit. Viele Leute müssten also ihre Bücher umschreiben, die diese Dinge verbreitet haben und heute noch verbreiten. Das hat natürlich ziemliche Konsequenzen. Es hat auch schon jemand Geld angeboten: Wer mir zeigen kann, dass diese Lehre schon früher in der Christenheit vorhanden war, dem bezahle ich so und so viel. Das ist also noch eine Möglichkeit, um Geld zu verdienen.
Ja, Spass beiseite: Der Kirchenlehrer Ephraim der Syrer, um 373 nach Christus, beziehungsweise Pseudo-Ephraim, das wäre aus dem 6. Jahrhundert nach Christus, schreibt in seinem Werk Über die letzte Zeit, den Antichristen und das Ende der Welt, dass die Gläubigen vor der Drangsal entrückt werden sollen. Danach soll der Antichrist erscheinen. Nach der grossen Drangsal werde Christus zusammen mit den Gläubigen als Richter der Welt wiederkommen. Er werde den Antichristen besiegen und das tausendjährige Reich aufrichten.
Man hat also diese alten Handschriften. Es ist nicht hundertprozentig sicher, ob sie von Ephraim dem Syrer stammen. Dann wären diese Handschriften ursprünglich aus dem 4. Jahrhundert. Es könnte aber auch ein anderer Schreiber sein, den man eben Pseudo-Ephraim nennt. Das wäre ein Schreiber aus dem 6. Jahrhundert nach Christus. Es ist nicht so wichtig, ob die Identität so oder so ist. Es geht ja nur um das Argument, dass diese Lehre nachweislich in der frühen Kirche bekannt war. Das ist der Punkt.
Ich habe hier eine deutsche Textquelle angegeben: Thomas Ice, Timothy Demy, Wenn die Posaune erschallt beim Mitternachtsruf, Pfäffikon 2000. Auf Seite 115 und folgende wird darüber berichtet. Ich möchte die ganz wichtige Stelle bei Ephraim vorlesen. Da schreibt er also, weit, weit über tausend Jahre oder tausendfünfhundert Jahre vor der angeblichen Erfindung:
Denn alle Heiligen und Auserwählten Gottes werden gesammelt vor der Drangsal, die kommen muss, und werden zum Herrn weggenommen, damit sie nicht die Verwirrung erleben, die wegen unserer Sünde die Welt überwältigen wird.
Also, das Zitat ist völlig klar: Entrückung als gesondertes Ereignis vom Kommen des Herrn in Herrlichkeit und als Ereignis, das für alle Erlösten gilt, vor der grossen Drangsal. Das können wir schon einmal abhaken in der ganzen Diskussion. Es ist keine neuere Erfindung.

Schriftliche Grundlage und Begriffsklärung

Nun, wenn wir das also schon in den frühen Jahrhunderten finden, woher kam dieser Gedanke? Dann werden wir jetzt schauen und sehen, dass dieser Gedanke wirklich aus der Heiligen Schrift kommt.
Ich habe unter zweitens eine Serie von Bibelstellen aufgeführt, wo die Entdrückung im Neuen Testament erwähnt und gelehrt wird. Vielleicht gehen wir gerade zu drittens zur Begriffserklärung.
Der Ausdruck „Entdrückung“ kommt natürlich nicht in all diesen Stellen vor, die ich da aufgeführt habe, wie 1. Korinther 15, Johannes 14, Johannes 12, 2. Thessalonicher 2 usw. Dieser Ausdruck kommt vor in 1. Thessalonicher 4,17, also in dieser Stelle, die ich ganz am Anfang vorgelesen habe: Wir werden entrückt werden, in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft.
Dieses Wort „entdrücken“ lautet im Griechischen „harpatsomai“ und bedeutet nebst „entdrückt werden“ auch „weggerissen werden“ oder „hastig ergriffen werden“. Es meint also einen Moment, in dem Christus kommen wird und die Gläubigen plötzlich von der Erde wegreissen wird. Im Englischen hat sich ja der Ausdruck für Entdrückung „rapture“ eingebürgert. Und dort kommt dieses Wegreissen eben ganz klar zum Ausdruck: Wegreissen von dieser Welt, um eben zu dem Herrn zu gehen, in die Herrlichkeit.
Nun wollen wir gerade diese Stelle, 1. Thessalonicher 4, die wir bereits gelesen haben, etwas genauer anschauen. Auf dem Blatt habe ich diesen Text wiedergegeben, mit einigen Bemerkungen in kleinerer Schrift. Ich lese jetzt nicht nochmals vor, weil wir das schon getan haben. Aber sehen wir: In Vers 13 sagt der Apostel Paulus zu den Thessalonichern, die noch nicht lange zum Glauben gekommen waren und plötzlich mit dem Problem konfrontiert worden waren, dass gewisse Gläubige gestorben sind. Sie haben sich gefragt: Ja, was geschieht jetzt mit denen? Werden die dann irgendwie einen Nachteil haben, wenn Christus wiederkommt? Und Paulus hat doch die Entdrückung und die Wiederkunft Christi gelehrt. Was geschieht jetzt aber mit diesen Gläubigen, die bereits gestorben sind?
Und da geht Paulus auf dieses Problem ein und sagt in Vers 13: Wir wollen aber nicht, dass ihr, was die Entschlafenen betrifft, unkundig seid, auf dass ihr euch nicht betrübet wie auch die übrigen, die keine Hoffnung haben.
Er sagt nicht: Was die Gestorbenen anbetrifft. Wenn Gläubige sterben, spricht die Heilige Schrift vom Entschlafen, um eben anzudeuten, dass das Schicksal des Todes für die Gläubigen so ist, wie wenn sie eingeschlafen wären. Und der Herr kann die Toten so einfach auferwecken, wie man einen Schlafenden wecken kann. Also wird auch etwas von der Bitterkeit des Todes genommen, indem die Heilige Schrift ebenso vom Entschlafensein spricht.
Paulus sagt also: Ihr müsst nicht traurig sein im Blick auf die Gläubigen, die bereits gestorben sind. Ihr habt eine Hoffnung. Und bei uns ist das ganz anders als bei den Ungläubigen, die eben ohne Hoffnung sind.
Ich denke immer wieder daran, wenn ich eine Abdankung halten muss. Der Moment des Abschiednehmens ist immer ein Schmerz. Es gibt Abdankungen, die sind ein Drama. Es gibt Abdankungen, da kann man einfach dankbar sein, dass der Herr das so geführt hat und auch so viele Jahre des Lebens geschenkt hat. Aber es ist immer ein Schmerz. Aber ich frage mich: Wie ist das bei den Ungläubigen, die gar keine Hoffnung haben? Wie ertragen sie diesen Schmerz und dieses Abschiednehmen, wenn es schon für Gläubige so ein grosser Schmerz ist?
Also hier wird Hoffnung gemacht für die Gläubigen. Ihr müsst euch da nicht unnötig betrüben, so wie das die tun, die keine Hoffnung haben.
Und jetzt wird begründet, Vers 14: Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, also wird auch Gott die durch Jesum Entschlafenen mit ihm bringen. Also, es ist die Grundlage des Glaubens: Jesus ist gestorben und auferstanden, und darum werden die Gläubigen, die sterben, auch wieder auferstehen. Und hier wird gesagt: Gott wird die durch Jesum Entschlafenen mit ihm bringen.
Dieses „mit ihm bringen“ bedeutet: Wenn Jesus Christus kommen wird als der König der Welt, dann werden alle Gläubigen mit ihm zusammen in Herrlichkeit erscheinen. Paulus sagt also: Ihr müsst nicht traurig sein im Blick auf die Entschlafenen, die haben keinen Nachteil im Blick auf dieses Ereignis. Die werden auch mit Jesus kommen.
Übrigens ist der Ausdruck noch schön, besonders schön: die durch Jesus Entschlafenen, nicht einfach die Entschlafenen, sondern die durch Jesus Entschlafenen. Kinder fragen ja manchmal: Wie ist das, wenn man stirbt, wie geht das? Und das ist für Eltern natürlich eine schwierige Frage, weil wir sie auch noch nie erlebt haben. Wie ist dieser Moment, wo jetzt wirklich der Tod stattfindet? Und das hat auch etwas Beängstigendes an sich, und zwar zu Recht, denn im Buch Hiob wird der Tod genannt der König der Schrecken.
Aber hier heisst es von den Gläubigen, dass sie durch Jesus entschlafen. Das heisst, er schafft diesen Übergang aus dem Leben ins Jenseits. Wenn von Entschlafen gesprochen wird, dann ist das mit Bezug auf den Körper. Der tote Körper ist so wie ein Mensch, der schläft. Aber Seele und Geist, die gehen dann direkt zum Herrn, so wie der Herr Jesus dem Schächer am Kreuz gesagt hat: Heute wirst du mit mir im Paradies sein. Und Paulus sagt in Philipper 1, er habe Lust, abzuscheiden und bei Christus zu sein. Also: Sterben, entschlafen bedeutet dann, bei Christus in der Herrlichkeit zu sein.
Aber dieser Übergang, und das nimmt auch wieder diese Bitterkeit des Sterbens etwas von diesem Gift weg, wenn wir wissen: Dieser Übergang geschieht durch Jesus, durch Jesus entschlafen.
Die gestorbenen Gläubigen werden mit Jesus Christus kommen, wenn er in Macht und Herrlichkeit als Sohn des Menschen auf den Wolken erscheinen wird. Viele Stellen sprechen davon. Ich habe hier einige aufgeführt: 1. Thessalonicher 3,13, also gerade im gleichen Brief. Die möchte ich vorlesen: um eure Herzen tadellos in Heiligkeit zu befestigen vor unserem Gott und Vater bei der Ankunft unseres Herrn Jesus mit allen seinen Heiligen, nicht für, sondern mit allen Heiligen.
Dann Sacharja 14,5 spricht bereits alttestamentlich über das Kommen des Herrn Jesus in Macht und Herrlichkeit mit den Erlösten. Das war kein Geheimnis, diese Wiederkunft. Sie ist alttestamentlich klar bezeugt. Das werden wir heute Nachmittag übrigens noch genauer anschauen. Da ist das Thema Sacharja dran. Wir werden uns also heute mehr mit dem beschäftigen, was die Entdrückung anbetrifft. Gehen wir heute Nachmittag über die Entdrückung hinaus, was Sacharja sehr ausführlich und detailliert sagt über die grosse Drangsal, die danach folgt, und dann das Kommen des Herrn in Herrlichkeit.
 Sacharja 14,3: Und der Herr wird ausziehen und gegen jene Nationen streiten, wie an dem Tag, da er streitet, an dem Tag der Schlacht, und seine Füsse werden an jenem Tag auf dem Ölberg stehen, der vor Jerusalem gegen Osten liegt. Vers 5 am Schluss: Und kommen wird der Herr, mein Gott, und alle Heiligen mit dir.
Dann habe ich noch weitere Stellen angeführt: Judas 14. Das ist eine Prophetie aus der Zeit vor der Sintflut. Judas zitiert das bis dahin ausserbiblisch überlieferte Zitat von Henoch. Judas 1,14: Es hat aber auch Henoch, der siebente von Adam, von diesem geweissagt und gesagt: Siehe, der Herr ist gekommen inmitten seiner heiligen Tausende, Gericht auszuführen, wider alle und völlig zu überführen alle ihre Gottlosen von allen ihren Werken der Gottlosigkeit, die sie gottlos verübt haben, und von all den harten Worten, welche gottlose Sünder wider ihn geredet haben.
Also auch da sieht man alttestamentlich: Henoch bereits der Herr, der kommt, aber begleitet mit seinen Tausenden.
Dann Offenbarung 17,14 spricht auch über dieses Kommen mit dem Herrn: Diese werden mit dem Lamm Krieg führen, und das Lamm wird sie überwinden, denn er ist Herr der Herren und König der Könige, und die mit ihm sind Berufene und Auserwählte und Treue. Also auch da klar das Kommen mit dem Herrn.
Und dann schliesslich Offenbarung 19,11 kann man für sich selber lesen. Der Herr Jesus kommt auf einem weissen Pferd aus dem Himmel als Richter der Welt, und er wird begleitet von einer Armee, die auch auf Pferden ihm folgt. Das sind die Heiligen, die Gläubigen, die Auserwählten, die mit ihm kommen werden.

Die Entschlafenen und die Ordnung der Auferstehung

Ja gut, jetzt wissen die Thessalonicher: Die Entschlafenen, die durch Jesus entschlafen sind, werden auch mit dabei sein, wenn Christus in Herrlichkeit erscheint. Aber wie geht das? Wie funktioniert das, dass sie zusammen mit allen anderen mit Christus kommen werden?
Nun, das wird jetzt in den weiteren Versen erklärt. Die alte Elberfelder, die ich hier auf dem Skript zitiere, hat hier eine Klammer gesetzt, ab Vers 15, und diese Klammer geht bis zum Schluss von Vers 18. Im Grundtext gibt es natürlich keine Klammern, da gibt es nur Wörter und Buchstaben. Ursprünglich wurden im Grundtext nicht einmal Punkte, Kommas und Fragezeichen gesetzt, also schon gar keine Klammern. Aber wir werden sehen: Sinngemäß muss man hier unbedingt eine Klammer denken, denn das, was jetzt folgt, ist gewissermaßen ein Einschub.
Und wenn dann Kapitel 5, Vers 1 kommt, also der Text, der nach dieser Klammer am Schluss von 4,18 folgt, dann schließt 5,1 direkt wieder an 4,14 an: Also wird auch Gott die durch Jesus Entschlafenen mit ihm bringen. Das Dazwischen ist eine Erklärung, wie es möglich ist, dass auch die Entschlafenen mit Christus kommen werden. Das ist ganz wichtig. Wenn man nicht erkennt, dass hier ein Gedanke eingeschoben ist, dann gibt es ein heilloses Durcheinander.
Nun erklärt Paulus Folgendes: Denn dieses sagen wir euch im Wort des Herrn, dass wir, die Lebenden, die übrig bleiben bis zur Ankunft des Herrn, den Entschlafenen keineswegs zuvorkommen werden. Wir haben also keinen Vorteil gegenüber den Entschlafenen.
Übrigens zählt Paulus sich, weil er damals lebte, im Gegensatz zu den Thessalonichern, die schon gestorben waren, zur Gruppe derer, die leben, wenn Christus wiederkommt, im Gegensatz zur Gruppe derer, die schon entschlafen sind. Das will aber nicht sagen, dass er damit ausdrückt, er werde auch zu den Lebenden gehören, wenn Christus wirklich kommt. Er gehörte damals zur Klasse der Lebenden, und die hat einen etwas anderen Weg als die, die entschlafen sind. Man kann daraus also nicht ableiten, Paulus habe erwartet, dass die Entrückung zu seiner Zeit stattfinden müsse.
Nein, wir haben auch Hinweise im Neuen Testament, dass es eigentlich sehr lange dauern sollte, bis Christus als König wiederkommen wird. In Matthäus 25 haben wir zum Beispiel das Gleiche bei den Talenten: Ein adliger Herr gibt seinen Knechten Talente und sagt: Ihr müsst handeln, bis ich wiederkomme. Dann geht dieser Herr in ein anderes Land. Das weist hin auf den Herrn Jesus, der damals bei der Himmelfahrt von dieser Erde weggegangen ist. Aber er hat seinen Jüngern einen Auftrag gegeben, für ihn zu wirken, bis er wiederkommt.
Nun ist interessant, dass in Matthäus 25,19 steht: Nach langer Zeit aber kommt der Herr jener Knechte und hält Rechnung mit ihnen. Es steht nicht: Nach einiger Zeit, nach kurzer Zeit kommt er zurück. Der Bibeltext sagt: nach langer Zeit.
Und dann ist weiter zu beachten: Der Apostel Petrus schreibt in seinem zweiten Brief, Kapitel 3, dass in der Endzeit Spötter kommen werden, die sagen: Es geht ja schon so lange, und ihr wartet immer noch auf die Wiederkunft Christi. Das ist doch alles völlig unglaubwürdig. Also sagt Petrus voraus: Es wird so lange dauern, dass schließlich die Spötter das zum Anlass nehmen werden, um zu sagen: Es geht ja schon so lange, und ihr glaubt immer noch daran.
 2. Petrus 3,1: Diesen zweiten Brief, Geliebte, schreibe ich euch bereits, in welchen beiden ich durch Erinnerung eure lautere Gesinnung aufwecke, damit ihr gedenkt der von den heiligen Propheten zuvor gesprochenen Worte und des Gebotes des Herrn und Heilandes durch eure Apostel.
Zuerst dieses Wissend: Das bedeutet also, was jetzt kommt, ist ganz, ganz fundamental. Zuerst dieses Wissend, dass in den letzten Tagen Spötter mit Spötterei kommen werden, die nach ihren eigenen Lüsten wandeln und sagen: Wo ist die Verheißung seiner Ankunft? Denn seitdem die Väter entschlafen sind, bleibt alles so von Anfang der Schöpfung an.
Also, es musste lange gehen, so lange, dass die Spötter daran anknüpfen könnten. Paulus sagt also: Wir, die leben, die übrigbleiben bis zur Ankunft des Herrn, die haben keinen Vorteil gegenüber den anderen. Warum? Jetzt kommt 1. Thessalonicher 4,16: Denn der Herr selbst wird mit gebietendem Zuruf, mit der Stimme eines Erzengels und mit der Posaune Gottes herniederkommen vom Himmel, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen. Danach werden wir, die Lebenden, die übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und so werden wir allezeit bei dem Herrn sein. So ermuntert nun einander mit diesen Worten.
Also wichtig: Der Herr kommt selbst. Er schickt niemanden anderen, um seine Gemeinde, die nach 2. Korinther 11,1-3 seine Braut ist, heimzuholen. So habe ich es auch nicht bei meiner Heirat gemacht, einen anderen geschickt, um sie abzuholen. Nein, der Herr selbst wird kommen, und dann wird er befehlen. Hier wird das Wort befehlen gebraucht, so wie das ein General in der Armee tut. Der Vergleich ist aber noch stärker: so, wie es eine der stärksten Engelgestalten unter den Engelarmeen tun würde, mit der Stimme eines Erzengels und mit der Posaune Gottes kommt der Herr.
Dann werden die Toten in Christus zuerst auferstehen. Es wird also so sein wie damals in Johannes 11, da hat der Herr Jesus gesagt: Lazarus, komm heraus. Dann kam er heraus aus dem Grab. Er hat nur so befehlen müssen. Es war ein Befehl: Lazarus, komm heraus. Augustin hat gesagt, dass es an dieser Stelle ganz wichtig ist, dass der Herr eben den Namen genannt hat: Lazarus. Wenn der Herr anders gerufen hätte, wären alle Toten herausgekommen. Aber der Herr hat Lazarus herausgerufen, und dann ist Lazarus aus dem Grab gekommen.
Und so wird der Herr also mit höchster militärischer Autorität befehlen, wenn er kommt mit der Posaune Gottes. Und so kommen die Toten zuerst heraus. Wir werden auch verstehen. Man kann sich ja fragen: Ja, und was ist dann mit denen, die verbrannt worden sind? In einem Autounfall? Oder es gibt auch andere Möglichkeiten.
Nun, die moderne Chemie hat ja schon längst gezeigt, dass diese Hoffnung der Atheisten in jüngerer Vergangenheit nichts hält. Es gab ja Atheisten in früheren Zeiten, die sich kremieren ließen, weil sie hofften: Falls es dann doch etwas gibt, dann ist ja nichts mehr da. Aber wir wissen ja: Wenn man einen Körper kremiert, also verbrennt, dann geht kein einziges Atom dabei verloren. Natürlich verdampft das Wasser, und wir bestehen aus sehr viel Wasser, also aus H2O-Molekülen, und das geht in die Luft. Aber es ist nicht verloren. Was am Schluss übrig bleibt, das Schwarze da, das ist natürlich der Kohlenstoff, denn die Chemie des Lebens ist ja stark auf der Grundlage der Kohlenstoffchemie aufgebaut. Alles wird mit Kohlenstoff, mit Molekülen verknüpft. All das bleibt da übrig.
Aber das ist nur ein Teil. Und der Herr der Atome wird, wenn er ruft, den Körper wieder bilden, allerdings nicht mehr mit irgendwelchen Verunstaltungen im Gesicht oder wenn jemand einen fehlenden Finger hat, weil er gut gearbeitet hat. Das alles ist kein Problem. Wir werden das noch sehen: Der Herr wird einen vollkommenen Körper auferwecken, aber den gestorbenen Körper wird er auferwecken. Die Toten werden auferstehen, nicht ihre Seele aufersteht, sondern ihr Körper.
Ich habe gesagt, das Entschlafen bezieht sich auf den Körper, der eben da liegt, und Auferstehen bezieht sich auf den Körper, der wieder aufsteht und auf seinen Beinen, auf seinen Füßen stehen wird. Also, das ist die Auferstehung. Das geschieht zuerst. Paulus sagt also: Ihr müsst keine Sorge haben um die bereits Entschlafenen, die kommen bei der Entrückung sogar zuerst dran. Die kommen zuerst raus, so wie Lazarus.
Und dann kann man sich besonders anstreichen: Danach werden wir, die Lebenden, jetzt zählt er sich wieder zu der Klasse, die lebt, im Gegensatz zur Klasse, die entschlafen ist, die Lebenden, die übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft. Also wird hier klar: Der Herr kommt gar nicht auf die Erde. Ihm entgegen in die Luft, also er wird nur bis in den Luftraum kommen. Die Jünger hatten ja bei der Himmelfahrt den Herrn Jesus gesehen, einige Zeit lang, dann kam eine Wolke, und sie sahen ihn nicht mehr. Und so wird bei der Entrückung der Herr in den Luftraum kommen, aber er wird nicht auf die Erde kommen.
Das ist nur für Sacharja 14,3-4 vorgesehen, wo wir gelesen haben, dass dann seine Füße an jenem Tag auf dem Ölberg stehen werden. Und er wird dann kommen mit allen Heiligen. Also ist es auch ein wichtiger Unterschied: Die Entrückung ist ein Ereignis, bei dem der Herr bis in die Luft kommt, und die Gläubigen werden ihm entgegengerückt.
Jetzt habe ich auf dem Skript hier erklärend hinzugefügt: Die Verse 15 bis 18 bilden eine Klammer, das haben wir gesehen. In diesem Text wird erklärt, wie es möglich sein wird, dass die Erlösten mit Jesus Christus erscheinen können. Sie werden zuvor in den Himmel entrückt, um später vom Himmel her mit dem Herrn erscheinen zu können.

Der Tag des Herrn und die plötzliche Überraschung

Jetzt kommt Kapitel 5, Vers 1: Was aber die Zeiten und Zeitpunkte betrifft, Brüder, so habt ihr nicht nötig, dass euch geschrieben werde.
Ja, was meint er jetzt hier? Ist das der Zeitpunkt der Entrückung? Nein, 5,1 schließt jetzt wieder an an 4,14 an. Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird auch Gott die durch Jesus Entschlafenen mit ihm bringen. Da geht es um das Kommen des Herrn Jesus mit allen Heiligen.
Und da sagt Paulus: Was aber die Zeiten und Zeitpunkte betrifft, Brüder, so habt ihr nicht nötig, dass euch geschrieben werde. Denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn so kommt wie ein Dieb in der Nacht.
Hier ist der Ausdruck Tag des Herrn ein Schlüsselbegriff. Das ist ein Begriff, den wir schon längst und gut kennen aus dem Alten Testament. Der Tag des Herrn im Alten Testament ist immer der Tag des Gerichts, der Tag, die Zeit der großen Drangsal und des Kommens des Herrn Jesus als Richter der Welt.
Ich lese als Beispiel aus Zephanja 1,14 und folgende. Dann sieht man klar, was der Tag des Herrn ist und was er eben nicht ist. Zephanja 1,14: Der Prophet beschreibt die Ereignisse der Zukunft, und in diesem Zusammenhang sagt er: Nahe ist der große Tag des Herrn, er ist nahe und eilt sehr. Horch, der Tag des Herrn! Bitterlich schreit dort der Held. Ein Tag des Grimmes ist dieser Tag, ein Tag der Drangsal und der Bedrängnis, ein Tag des Verwüstens und der Verwüstung, ein Tag der Finsternis und der Dunkelheit, ein Tag des Gewölks und des Wolkendunkels, ein Tag der Posaune und des Kriegsgeschreis gegen die festen Städte und gegen die hohen Zinnen.
Und ich werde die Menschen ängstigen, und sie werden einhergehen wie die Blinden, weil sie gegen den Herrn gesündigt haben. Und ihr Blut wird verschüttet werden wie Staub und ihr Fleisch wie Kot. Auch ihr Silber, auch ihr Gold wird sie nicht erretten können am Tag des Grimmes des Herrn. Und durch das Feuer seines Eifers wird die ganze Erde, oder das ganze Land, verzehrt werden. Denn ein Ende, ja ein plötzliches Ende wird er machen mit allen Bewohnern des Landes.
Also, hier wird klar: Das ist nicht gerade eine freudige Zeit, der Tag des Herrn.
Der Apostel Paulus sagt: Ihr wisst ja, der Tag des Herrn wird so kommen wie ein Dieb in der Nacht. Dieser Ausdruck kommt an verschiedenen Stellen wieder vor, wenn er von Jesus über seine Wiederkunft in Macht und Herrlichkeit spricht oder wenn die Schrift darüber redet: Er kommt wie ein Dieb in der Nacht. Auch zum Beispiel in 2. Petrus 3,10, wo wir schon gelesen haben, wird gesagt, dass der Tag des Herrn eben wie ein Dieb kommt.
Das Kommen eines Diebes ist nicht dasselbe wie das Kommen des Bräutigams für seine Braut. Das ist wirklich ein ganz anderes Geschehen. Die Braut freut sich, wenn der Bräutigam kommt und sie abholt zur Hochzeit. Aber wenn der Dieb kommt, ist das nie eine freudige Überraschung. Schon eine Überraschung, ja, aber nie eine freudige Überraschung.
Und was noch dazukommt: Man weiß auch nie, wann das geschieht. Also, mein jüngster Sohn würde gerne wissen, wann mal einer kommt. Und bis jetzt ist keiner gekommen. Aber man weiß es nicht, und man kann auch nicht sagen, wann einer kommt, weil sie sich nicht anmelden. Das ist eine böse Überraschung.
Und so bedeutet das: Der Tag des Herrn kommt so wie ein Dieb in der Nacht. Das heißt, es ist ein unerfreuliches Kommen für diese Welt. Und die Welt wird total überrascht sein, weil sie nie damit gerechnet hätte. Wie sollte sie auch? Wenn mit dem Tod alles aus ist, dann glauben sie nicht, dass plötzlich der Nazarener doch wiederkommt und dann erst noch als Richter der Welt. Das wird eine ganz, ganz unfassliche Überraschung sein.
Und dann erklärt Paulus weiter: Wenn sie sagen: Friede und Sicherheit, dann kommt ein plötzliches Verderben über sie, gleich wie die Geburtswehen über die Schwangere, und sie werden nicht entfliehen.
Der Ausdruck wenn sie sagen ist noch interessant. Im Griechischen ist das ein Durativ, das heißt eine Verbform, die ausdrückt, eine Handlung, die gewohnheitsmäßig oder wiederholt stattfindet. Nicht, wenn sie mal sagen, sondern wenn sie dauernd sagen: Friede und Sicherheit, dann kommt ein plötzliches Verderben über sie.
Das ist für die Thessalonicher ein Zeichen, dass der Tag des Herrn bald kommen wird, wenn man dauernd über Friede und Sicherheit spricht. Das sind Ausdrücke, die ganz typisch geworden sind im zwanzigsten Jahrhundert, und zwar seit der ersten großen Kriegskatastrophe der Menschheit, dem Ersten Weltkrieg. Der ist nicht geschehen vor dreitausend Jahren. Der Erste Weltkrieg fand statt von 1914 bis 1918.
Dann hat man begonnen, internationale Verträge für Frieden und Sicherheit abzuschließen, damit nie mehr eine so schlimme Katastrophe mit 18 Millionen Toten stattfinden soll. Man hat auch den Völkerbund gegründet als eine Organisation, die sicherstellen soll, dass nie mehr ein Weltkrieg kommt. Ein paar Jahre später kam der Zweite Weltkrieg mit 55 Millionen Toten. Und da hat man den Völkerbund abgeschafft, der hat ja sowieso nichts getaugt, und man hat die UNO gegründet als eine viel bessere Organisation, die jetzt den Weltfrieden und die Sicherheit geben soll. Darum gibt es ja auch den UNO-Sicherheitsrat, der Frieden und Sicherheit sicherstellen soll.
Im Konflikt im Nahen Osten ist dieses Wort Friede und Sicherheit erst recht ein ständiger Ausdruck, der in den Medien vorkommt: Friede und Sicherheit, Friede und Sicherheit. Denn jedes Mal wird mir das schwül. Wenn die denken, jetzt gibt es plötzlich wieder Hoffnung, dann kam plötzlich ein Mahmud Abbas. Niemand hat früher von diesem Kollegen, von Yassir Arafat, gesprochen, und plötzlich hat Mahmud Abbas die Hoffnung für einen Frieden im Nahen Osten. Das wird mir schon schwül.
Wenn sie dauernd sagen: Friede und Sicherheit, dann kommt plötzlich über sie das Verderben, und zwar ganz unerwartet. Sie rechnen nicht damit, dass die größte Katastrophe kommt in dieser Zeit, wo sie dauernd sprechen: Jetzt lösen wir dann das Problem. Ah, jetzt wieder ein Terroranschlag. Das sind natürlich diese Bösen, die wollen eben diesen Friedensprozess torpedieren. Aber wir müssen diesen Prozess weiterziehen, bis wir den Frieden haben. Friede und Sicherheit, aha, plötzlich kommt das Verderben.
Und jetzt wird ein anderes Bild benutzt, so wie die Geburtswehen über die Schwangere. Das ist auch so ein ganz spezieller Moment, den kann man nicht berechnen. Also, der Frauenarzt kann das so ziemlich schnell, und dann sieht er den errechneten Geburtstermin. Aber man kann nicht darauf gehen, oder? Wenn dann die richtigen Wehen einsetzen, und am Anfang weiß man noch nicht, ob es jetzt die richtigen sind, weil die tun noch nicht so weh, aber das kommt dann.
Und ich muss sagen: Wenn man dann nicht schon gepackt hat, falls man eine Geburt im Spital möchte, dann ist es wirklich sehr dumm. Und wenn die mal begonnen haben, dann kann man nichts mehr machen. Also, es gibt keinen Druckknopf, um die wieder abzustellen. Dann läuft's. Und man weiß, das Programm, wie es läuft: Es kommt dann am Schluss bis zu den Presswehen.
Und so ist es hier: ein plötzliches Verderben über sie, gleich wie die Geburtswehen über die Schwangere, und sie werden nicht entfliehen. Man kann es nicht mehr einfach so abstellen.
Also, hier geht es um den Tag des Gerichts, genauso wie noch in 1. Thessalonicher 4,14, wenn Paulus sagt, die Entschlafenen, die werden ja genau das Gleiche miterleben. Gott wird sie, die durch Jesus Entschlafenen, mit ihm bringen. Und die Entrückung, die Lehre der Entrückung, ist ein Einschub, um zu erklären, wie es geschieht, dass einmal alle Erlösten mit Christus kommen werden am Tag des Gerichts.

Das Geheimnis der Verwandlung und die letzte Posaune

Jetzt gehen wir zu einem weiteren ganz wichtigen Text über die Entdrückung über. Das habe ich hier unter Punkt 8 aufgeführt: der Text aus 1. Korinther 15,51-58. Ja, jetzt kommt diese Stelle, die Händel so wunderbar vertont hat in seinem Messias. Es lohnt sich, die Stelle dort wieder einmal auf der CD nachzuhören. Zuerst ein Rezitativ, und dann kommt ein schönes Duett, Männer- und Frauenstimme.
Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden zwar nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden, in einem Nu, in einem Augenblick, bei der letzten Posaune. Paulus sagt hier, es ist ein Geheimnis, und spricht dann im Weiteren über die Entdrückung.
Jetzt springen wir ganz kurz zu Punkt 5 auf dem Skript: Die Entdrückung ein Geheimnis. Was meint die Bibel, was meint das Neue Testament, wenn von Geheimnissen gesprochen wird? Und wir finden eine ganze Serie in den Paulusbriefen. Also es lohnt sich, das zu studieren: die Geheimnisse in den Paulusbriefen. Hier haben wir eines. Wenn man all diesen Stellen nachgeht, wird Folgendes klar: Ein Geheimnis, griechisch Mysterion, ist eine göttliche Wahrheit, die zur Zeit des Alten Testaments verborgen war in Gott, im Neuen Testament aber für die Erlösten enthüllt worden ist.
Schlagen wir einmal nach in Epheser 3,5, dann sieht man das. Da spricht Paulus im Zusammenhang über das Geheimnis des Christus, und damit meint er, dass gläubige Heiden und gläubige Juden zu einem Leib miteinander vereinigt werden. Davon findet man im Alten Testament nichts, und das wird auch hier bestätigt. Epheser 3,4 lese ich: woran ihr im Lesen merken könnt mein Verständnis in dem Geheimnis des Christus, welches in anderen Geschlechtern oder anderen Generationen den Söhnen der Menschen nicht kundgetan worden, wie es jetzt geoffenbart worden ist seinen heiligen Aposteln und Propheten im Geist. Dann erklärt er den Inhalt.
Also hier wird gesagt: Ein Geheimnis ist etwas, das in früheren Generationen von Gott nicht mitgeteilt worden war. Und in Kapitel 3,8 sagt er, dieses Geheimnis war verborgen in Gott. Also die Entdrückung wird auch ein Geheimnis genannt, und das bedeutet, wir müssen es nie im Alten Testament suchen. Es wird dort nirgends mitgeteilt. Aber das Kommen Christi am Tag des Herrn, das ist sehr wohl im Alten Testament an so vielen Stellen mitgeteilt, aber die Entdrückung nicht. Da ist ein Geheimnis.
Ich habe übrigens auf dem Skript noch Kolosser 1,26 angeführt. Dort geht es im Zusammenhang um das Geheimnis: Christus in euch. Das Geheimnis, welches von den Zeitaltern und von den Geschlechtern her verborgen war, jetzt aber seinen Heiligen geoffenbart worden ist. Also auch da wieder: Ein Geheimnis ist etwas, das im Alten Testament, in den früheren heilsgeschichtlichen Zeitaltern, in den früheren Generationen verschwiegen war, und jetzt, in der Zeit der Gemeinde, wo der Heilige Geist gekommen ist, um in der Gemeinde zu wohnen, am Pfingsttag, ist das enthüllt worden.
Also dieses Geheimnis wollen wir gleich nach der Pause noch genauer besehen. Wir sind stehen geblieben beim Geheimnis, das eben in 1. Korinther 15,51 vorgestellt wird: Siehe, ich sage euch ein Geheimnis. Das Siehe will unsere Aufmerksamkeit besonders aufwecken auf das, was jetzt kommt. Also jetzt erzähle ich, sagt Paulus, etwas, das im Alten Testament nicht zu finden ist. Das ist nur für die neutestamentlich Eingeweihten. Also für uns ist es nicht mehr ein Geheimnis, denn wir sind eingeweiht in dieses Geheimnis.
Wir werden zwar nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden, in einem Nu. Hier wird klar: Nicht alle Christen werden durch den Tod gehen, durch Jesus entschlafen, aber alle werden die Verwandlung erleben bei der Entdrückung. Und zwar nicht in verschiedenen Phasen. Es gibt nämlich auch diese Lehre, die besagt: Ja, nur die treuen Christen, die werden speziell, die treuen Wiedergeborenen, die werden vor der Drangsal entrückt werden, und die anderen, die werden das noch lernen in der großen Drangsal und dann entrückt werden. Also eine Entdrückung in Phasen, das geht nicht. Denn hier steht: Wir werden aber alle verwandelt werden, in einem Nu, nicht in zwei Nu. Das heißt also, die Entdrückung aller wahren Gläubigen findet zum gleichen Moment statt.
Und das Tröstliche ist: Korinth war eine Gemeinde mit sehr vielen Problemen, mit sehr viel Unordnung. Aber Paulus geht hier in Korinth davon aus, dass die Korinther wahre Gläubige waren. Darum bezeichnete er sie auch in 1. Korinther 1 als Geheiligte in Christus Jesus, ausdrücklich bei der Begrüßung. Und er sagte: alle verwandelt in einem Nu.
Und jetzt Vers 52: in einem Augenblick, bei der letzten Posaune. Denn posaunen wird es, und die Toten werden auferweckt werden unverweslich, und wir werden verwandelt werden. Also auch da wird nochmals betont: nicht nur in einem Nu, sondern in einem Augenblick. Also es geht wirklich nicht, die Entdrückung auf verschiedene Phasen verteilen zu wollen. Das heißt sogar im Griechischen en atomos. Atomos meint das Unteilbare, also den unteilbaren Moment. Wenn wir eine Sekunde haben, dann können wir sie teilen. Dann gibt es eine halbe Sekunde, eine halbe Sekunde kann man wieder teilen, dann gibt es eine Viertelsekunde und so weiter. Ja, und der Ausdruck hier im Augenblick meint wirklich in einem Moment, gewissermaßen in dem unteilbaren Moment.
Bei der letzten Posaune: Jetzt, was bedeutet diese letzte Posaune? Da gibt es Ausleger, die sagen: Ja klar, wir kennen doch die sieben Posaunen in der Offenbarung. Da kommen zuerst die Siegel, die sieben Siegel werden geöffnet, dann wird nach diesen Gerichten von sieben Posaunen gesprochen, und dann noch von sieben Schalen, die ausgegossen werden, und dann kommt Christus in Herrlichkeit. Also hier ist es klar: Bei der letzten Posaune, das ist die siebte Posaune aus der Offenbarung. Wann wurde die Offenbarung geschrieben? Wir wissen ganz genau, dass es geschehen ist unter Domitian, Kaiser Domitian, also um 95 nach Christus. Wann wurde der erste Korintherbrief geschrieben? Um 54. Also die Sache mit den sieben Posaunen war damals gar noch nicht geoffenbart, sondern es wurde erst in der Offenbarung offenbart. Das heißt, Paulus kann hier nicht auf etwas verweisen, von den bereits bekannten Posaunen. Bei der letzten Posaune sagt er nicht: bei einer letzten Posaune, sondern bei der letzten Posaune. Also hier spricht er über etwas, was die Korinther kennen mussten.
Nun, wir kennen die letzte Posaune aus dem römischen Heerwesen. Das ist auch in der lateinischen Literatur schön beschrieben. Das römische Heer kannte drei Posaunen. Die erste Posaune bedeutete: Jetzt muss das Lager der Armee abgebrochen werden. Die zweite Posaune: Jetzt muss sich die Armee in Reih und Glied aufstellen. Und die dritte, die letzte Posaune, das war die Posaune zum Aufbruch. Also bei der letzten Posaune, das bedeutet: bei der Posaune, wo die Armee aufbricht.
Wir haben schon gelesen in 1. Thessalonicher 4,16: Der Herr wird kommen mit gebietendem Zuruf, also mit dem Ruf, so wie ein General ruft. Er ruft ein bisschen anders, als der Vater rufen sollte. Der ruft auch, oder? Aber der gebietende Zuruf eines Generals ist ganz, ganz speziell. Mit der Stimme eines Erzengels, da haben wir auch diesen militärischen Anklang. Und dann eben die letzte Posaune, das ist die Posaune zum Aufbruch. Wir haben ja in 1. Thessalonicher 4 gelesen: Der Herr kommt mit gebietendem Zuruf, mit der Stimme eines Erzengels, das ist also einer der obersten Generäle der Engelarmee, mit der Posaune Gottes, das ist eben diese Posaune der himmlischen Armee, und dann werden wir aufbrechen.
Das ist also genau die Posaune, die dem Lied „Oh, when the Saints go marching in“ entspricht, wenn die Heiligen einmarschieren, and let me be in that number, dann lass mich auch unter ihrer Zahl mit dabei sein. Das pfeifen so Leute manchmal auf der Straße und wissen überhaupt nicht, was das bedeutet, und sie pfeifen von der Entrückung. Ja, das ist vielleicht auch mal ein Anknüpfungspunkt, ja? Weißt du eigentlich, was das Lied bedeutet? Na ja, when the Saints go marching in, ja, was ist das? Bist du dann auch dabei? Super! Also man muss die Gelegenheiten beim Schopf packen.
Und jetzt sagt Paulus weiter: in einem Augenblick, bei der letzten Posaune, denn posaunen wird es ja. Gerade gestern, glaube ich, hat unser Jüngster mich gefragt: Daniel, ja, wie wird es bei der Entrückung sein? Wird man da einen Blitz sehen? Es steht nichts von einem Blitz, aber auf jeden Fall kann man erklären: Aber posaunen wird es. Das wird man hören, akustisch hörbar, die Posaune Gottes, denn posaunen wird es. Das heißt, es ist nicht nur einfach symbolisch, genauso wenig, wie das symbolisch war damals am Sinai, als das Volk Israel versammelt war am Fuß des Berges und Gott akustisch hörbar zuerst die Zehn Gebote verkündigt hat, bevor Mose sie dann auf den Tafeln bringen sollte. Da heißt es, man hörte einen Schofarhall, der immer stärker wurde. Das Ganze war ja eine erschreckende Erscheinung: Der Berg brannte, es war Rauch da, und Mose hat ja gesagt: Ich bin voll Furcht und Zittern. Was war das für ein Schofarschall? Das war eine himmlische Posaune, ein himmlisches Schofarhorn. Und einen solchen Posaunenklang werden wir hören, denn posaunen wird es, und die Toten werden auferweckt werden unverweslich, und wir, jetzt wieder Paulus schließt sich ein in die Gruppe der Lebenden, weil er damals noch lebte, im Gegensatz zu denen, die schon entschlafen waren, und wir werden verwandelt werden.
Und dann erklärt er: Denn dieses Verwesliche muss Unverweslichkeit anziehen, und diese Sterbliche Unsterblichkeit anziehen. Also unser Körper, bei dem einen ist er mehr intakt als bei den anderen, aber wir sterben, seit wir in diese Welt gekommen sind. Ja, der Zerfall, die tickende Uhr des Zerfalls, die beginnt schon dann. Und es ist ja so: Mit jeder Zellteilung geht es eigentlich der letzten Zellteilung entgegen. Man hat ja noch nicht so lange, seit einigen Jahren herausgefunden, auf dem DNS-Molekül, wo die ganze Erbinformation drauf ist, da gibt es einen ganz langen Schlussanhang, der ganz langweilig klingt, immer das Gleiche. Und man hat gesagt: Das ist Schrott von der Evolution, das braucht man nicht mehr. Man hat festgestellt, dass nicht alle Menschen die gleiche Länge haben, und gerade die Menschen, die diese Krankheit haben, bei der man mit sieben Jahren aussieht wie fünfundachtzig, weiße Haare, ausgefallen, alles verschrumpelt und sterben dann auch, bei denen hat man festgestellt, die haben einen ganz kurzen Anhang dort. Und sobald eine Zelle sich teilt, dann wird bei der Zellteilung nicht alles kopiert. Das wäre wunderbar, wenn wir ein super Vitamin hätten, das sagen würde: alles kopieren, dann würden wir ewig leben. Aber bei jeder Zellteilung wird dieses langweilige Stücklein verkürzt, und wenn dann die letzte Verkürzung stattgefunden hat, dann kommt dort aus der DNA ein Signal: Bitte nicht mehr teilen. Und dann stirbt man.
Das wird natürlich auch bei der Krebstherapie eingesetzt, weil die Strahlen, die man schickt, die brechen das Molekül natürlich ganz zufällig mal da, mal da, und darum hat es eben oft schlechte Seiten, aber in der Hoffnung, dass sie eben dort hineinschlagen, dort brechen, wo dann das Signal kommt: nicht mehr teilen. Und dann können diese verrückten Zellen, die da unten das Signal geben: teilen, teilen, teilen, teilen, teilen, teilen! Da kommt plötzlich das Signal: nicht mehr teilen. Dann haben wir uns da ein bisschen beruhigt.
Ja, in der langen Rede kurzer Sinn: Wir kommen in diese Welt und beginnen zu sterben schon als Babys. Das ist bereits der Prozess hin zum Sterben. Aber wenn dieser neue Körper auferweckt wird, das wird ein Körper sein, der Unverweslichkeit anzieht, ein sterblicher Körper, der Unsterblichkeit anziehen wird. In den weiteren Versen von 1. Korinther 15 wird dieser Körper beschrieben. Es wird gesät in Unehre, es wird auferweckt in Herrlichkeit oder Ehre. Also viele Leute, die sehen auch heute sehr schön aus vor dem Spiegel, und andere finden: ja, nicht so, wie man das möchte und so, ja, aber die Bibel bezeichnet unseren Körper jetzt als Unehre. Und dann in Herrlichkeit, also dann werden wir alle wirklich perfekt aussehen. Das war ein Trost für gewisse Teenager. Aber es gibt noch anderen Trost, und das ist nicht der einzige. Ja, die denken, sie haben eine zu große Nase und so, ja, ganz eigenartig manchmal. Und sie sehen das nur, und die anderen sehen es gar nicht.
Weiter: Wenn aber dieses Verwesliche Unverweslichkeit anziehen und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen wird, dann wird das Wort erfüllt werden, das geschrieben steht: Verschlungen ist der Tod in Sieg. Das ist jetzt ein Zitat aus dem Alten Testament, aus Jesaja, wo der Sieg über den Tod verkündigt wird. Und dann nochmals ein Zitat aus Hosea: Wo ist, o Tod, dein Stachel? Wo ist, o Tod, dein Sieg? Das ist das Schöne: Diejenigen, die leben werden bis zur Entdrückung, die werden dann rufen können. Also lernen wir das gleich auswendig, ja? Wissen wir, was wir dann sagen können? Wir können dann sagen: Ich schließe mich jetzt auch ein, oder? Weil ich im Moment noch zu den Lebenden gehöre. Aber das ist nicht die Garantie, dass ich dann hundertprozentig auch dabei sein werde. Aber jetzt kann ich mich zu den Lebenden zählen und kann sagen: Also wir Lebenden sollen dann sagen: Wo ist, o Tod, dein Stachel? Denn er hat uns gar nicht ermorden können, der Tod. Es wird eine Generation geben, die den Tod nie erleben wird, und die können sagen: Wo ist, o Tod, dein Stachel? Aber die anderen, die müssen auch schon gelernt haben, was dann zu sagen ist: Wo ist, o Tod, dein Sieg? Ja, wir sind zwar ins Grab gegangen, wir sind verwest, aber jetzt sind wir wieder auf unseren Beinen mit einem perfekten, vollkommenen Körper, der dem entspricht, der Vollkommenheit des Körpers des Herrn Jesus nach seiner Auferstehung entspricht. Ja, dann können wir sagen: Wo ist, o Tod, dein Sieg?
Ganz schön in Johannes 11,25, wo der Herr Jesus sagt zu einer Schwester von Lazarus, die so traurig war über den Tod ihres Bruders: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Jeder, der da lebt und an mich glaubt, wird nicht sterben in Ewigkeit. Da nimmt er Bezug auf diejenigen, die einmal entrückt werden. Ich bin das Leben, sagt er. Jeder, der im griechischen Enduritiv, der fortwährend lebt und fortwährend an mich glaubt, wird nicht sterben in Ewigkeit. Aber er sagt auch: Ich bin die Auferstehung. Und in den anschließenden Worten: Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. Also diese beiden Namen: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Das richtet sich an die Gläubigen, die sterben werden: Ich bin die Auferstehung. Und an die, die nie sterben werden: Ich bin das Leben. Darum sagt er, diese zwei Gruppen gibt es: die, die leben und an mich glauben, werden nicht sterben in Ewigkeit, und wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. Das sind diese zwei Gruppen. Und dann sagt der Herr: Glaubst du dieses? Martha sagt: Ja, ich glaube, dass du bist der Messias, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen sollte. Sie hat das garantiert nicht verstehen können, was das bedeutet, aber es ist geglaubt, was der Herr so gesagt hat. Damals war das ja noch nicht entfaltet wie dann später in den Briefen von Paulus. Der Herr deutet das bereits an, aber entfaltet es noch nicht. Aber das zeigt, dass wir mit dem Herzen mehr glauben können, als wir wirklich fassen können, verstehen können.
Ja, und dann geht es weiter, Vers 56: Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft der Sünde aber das Gesetz. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus. Warum heißt es hier nicht: der uns den Sieg geben wird? Es ist im Griechischen Präsens, und die Präsensform drückt im Griechischen wiederholt aus eine ganz sichere Zukunft. Also der Sinn ist der: Gott sei Dank, der uns ganz gewiss den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus, ob wir sterben oder ob wir leben bis zur Wiederkunft des Herrn. Der Sieg ist uns gewiss, und dafür können wir jetzt schon danken. Das ist auch der Dank, den Gläubige aussprechen dürfen am Grab eines Entschlafenen: Gott sei Dank, der uns den Sieg gibt. Das ist noch nicht das Letzte. Der Tod ist kein Punkt, sondern ein Doppelpunkt. Fortsetzung folgt.
Vers 58: Daher ist als Folge aus all diesen Belehrungen, meine geliebten Brüder, seid fest, unbeweglich, allzeit überströmend in den Werken des Herrn, da ihr wisst, dass eure Mühe nicht vergeblich ist im Herrn. Das sind jetzt praktische Konsequenzen aus der Lehre der Entdrückung. Da sehen wir, es kommt darauf an, ob wir an die Lehre der Entdrückung glauben oder nicht. Das ist nicht einfach: Das kann man glauben, ist sowieso nur Theorie, oder? Nein, es hat Auswirkungen aufs Leben. Wenn wir diese Dinge wirklich im Herzen erfasst haben, glauben und damit rechnen und eben unser Leben so ausrichten, wie das dadurch eigentlich gefordert wird, dann ist die Folge: Daher, meine geliebten Brüder, seid fest, unbeweglich usw.
Ich habe mich beeindruckt in dem Film Die Zuflucht von Corrie ten Boom, wo ja so eindrücklich beschrieben wird, wie Frauen diese Schrecken der Nazizeit im Konzentrationslager erlebt haben. Da gibt es eine Szene, wo sie zusammen sind, da in diesen schrecklichen Camp-Häusern, und einige Frauen sitzen zusammen und lesen die Bibel und lesen genau diese Stelle. Sie haben ihr Zeugnis gegeben im Konzentrationslager, und dadurch sind auch Juden im Konzentrationslager zum Glauben gekommen. Da lesen sie diese Stelle zusammen laut: Daher, meine geliebten Brüder, seid fest, unbeweglich, allezeit überströmend in dem Werk des Herrn, da ihr wisst, dass eure Mühe nicht vergeblich ist im Herrn. Und sie haben den Tod quasi vor Augen, aber das hat ihnen Kraft gegeben, um auch da für den Herrn zu leben, weil wir die Gewissheit haben: Wo ist, o Tod, dein Stachel? Wo ist, o Tod, dein Sieg?

Bewahrung vor der Stunde der Versuchung

Ja, jetzt gehen wir weiter zu Punkt neun: die Entdrückung vor der großen Drangsal.
Also, wir haben gesehen, dass auch Ephraim der Syrer, oder wenn Sie wollen Pseudo-Ephraim, ganz klar die Gewissheit hatte, dass die Heiligen vor dieser letzten, schrecklichen Zeit der großen Drangsal entrückt werden.
Woher hatte er diese Gewissheit? Finden wir das in der Bibel?
Nun, in Offenbarung 3,10 spricht der Herr Jesus zur Gemeinde von Philadelphia, und er sagt: „Weil du das Wort meines Ausharrens bewahrt hast, werde auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die über den ganzen Erdkreis kommen wird, um die zu versuchen, welche auf der Erde wohnen. Ich komme bald; halte fest, was du hast, auf dass niemand deine Krone nehme.“
Nun, hier haben wir den Ausdruck „die Stunde der Versuchung“. Versuchung hat es durch die ganze Menschheitsgeschichte hindurch gegeben, seit der Zeit im Garten Eden, wo die Schlange gesagt hat: „Hat Gott wirklich gesagt?“ Aber die Bibel spricht hier über eine ganz besondere Zeit der Versuchung, die hier mit bestimmtem Artikel genannt wird: die Stunde der Versuchung. Übrigens bedeutet das griechische Wort Hora Stunde oder auch Zeitperiode. Ja, also es geht da nicht zwingend um sechzig Minuten.
Die Stunde der Versuchung, das ist die Zeitperiode der Versuchung, die über den ganzen Erdkreis kommen wird, um die zu versuchen, welche auf der Erde wohnen. Nun, eine weltweite Verführungszeit. Damit ist gemeint die schrecklichste Verführungszeit, die eben unter dem Antichristen stattfinden wird.
Der Antichrist wird ein falscher Messias sein, und zwar der schlimmste von allen falschen Messiasen. Ich habe ja vor einiger Zeit am Bibelstudientag in Rickenbach das Thema behandelt über 50 falsche Messiasse im Judentum. Da haben wir gesehen, dass seit dem Kommen des Herrn Jesus bis heute im Judentum über 50 falsche Messiasse aufgetreten sind, durch all die Jahrhunderte hindurch, und sie haben zum Teil riesige Mengen von Menschen verführt.
Der letzte falsche Messias im Judentum, das war dieser Rabbi Schneerson aus New York, der aber jetzt gestorben ist. Und der letzte und allerschlimmste Verführer, das wird eben der Antichrist sein, der in Israel auftreten wird.
Aber aus Offenbarung 13 sehen wir: Der Antichrist, dieses zweite Tier aus der Erde, das aussieht wie ein Lamm, wie Jesus Christus, wird verbündet sein mit dem Tier aus dem Meer, das ist das kommende römische Reich. Und die werden zusammenarbeiten.
Der Antichrist wird der grösste Esoteriker aller Zeiten sein. Die Bibel sagt in Offenbarung 13, zweite Hälfte, er wird zum Beispiel Feuer vom Himmel herabkommen lassen, also Blitze vom Himmel herabkommen lassen. Das konnten die Baalspriester im Alten Testament nicht, in 1. Könige 18. Und damit war klar, dass Baal, der Blitz- und Regengott der Kanaaniter, ein Nichts war, denn er konnte ja keinen Blitz schicken.
Nur auf das schlichte Gebet, ohne Erregung, ja, der musste nicht eine Worship-Band haben, ein schlichtes Gebet. Ja, die anderen schon, die sind ja in Ekstase gekommen. Die wären froh gewesen um etwas, das sie anheizte. Aber sie haben es mit ihren Methoden gemacht, auch mit Ritzen, und es hat nichts gebracht. Das schlichte Gebet von Elia führt dazu, dass Gott Feuer vom Himmel, sprich einen Blitz, schickt. Und ganz Israel weiss, dass der Baal ein Nichts ist, aber der Herr ist der wahre Gott.
Das war für sie der klare Beweis: Der Herr ist Gott, der Herr ist Gott!
Aber der Antichrist wird alles auf den Kopf stellen. Gott wird erlauben, dass er das Zeichen tun darf, das sonst immer der Beweis war für den wahren Gott. Und noch etwas: Im Alten Testament konnte man über die Götzen spotten. Das sind tote Klötze aus Holz oder aus Metall. Und die können nicht sprechen, die haben Ohren und können nicht hören, die haben Augen und können nicht sehen. So wird das beschrieben in Psalm 115, wie die Götter der Heiden eben solche stummen Holzklötze sind.
Aber der Antichrist wird ein Götzenbild machen, das spricht, und verlangt, dass alle, die es nicht anbeten, getötet werden. Ein Götzenbild, das spricht. Also das, was immer das starke Argument aus Psalm 115 sein konnte, diese Götzen sind nichts, wird plötzlich auf den Kopf gedreht.
Das sind nur zwei Beispiele, die in Offenbarung 13 gegeben werden. Das sind nicht alle Zeichen, die er tun wird. Das wird der grösste Verführer aller Zeiten sein, und er wird nicht nur die Masse in Israel verführen, sondern auch die Masse im wiedererstandenen römischen Reich, sprich in der EU, dem römischen Reich.
Ja, klar, das haben ja schon die Vorreiter, die Europavisionäre, gesagt, wie zum Beispiel Emil Luss in den 1950er Jahren: Wir brauchen nicht die Einheit zu schaffen, wir brauchen sie lediglich wiederherzustellen. Und Franz Blankart, einer unserer ehemaligen Staatssekretäre, hat als Europabefürworter, das gibt es ja auch in der Schweiz, gesagt im Blick auf das neue Europa: Ein heilig römisches Reich europäischer Nation soll gezimmert werden.
Das römische Reich kommt, und es steht auf wie ein Riese, noch etwas benommen, die Augen reibend, sich vom Lager die Glieder reckend erhebend. Aber dieser Antichrist wird also der Propagandaminister dieses kommenden Führers über das römische Reich, von dem Hitler nur ein Vorgeschmack war. Und es war schon so schrecklich, aber es war nur ein Vorgeschmack. Der kommt noch.
Und diese Zeit nennt die Bibel die Stunde der Versuchung, die über den ganzen Erdkreis kommen wird, um die zu versuchen, welche auf der Erde wohnen. Und der Herr Jesus sagt hier der Gemeinde: „Weil du das Wort meines Ausharrens bewahrt hast, werde auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung.“
Jetzt könnte jemand sagen: Aber alle diese Gläubigen aus Philadelphia, die sind gestorben. Und der Herr ist ja gar nicht gekommen.
Natürlich sind die gestorben. Aber der Herr gibt diese Verheissung der Gemeinde, und er spricht die damals Lebenden an, als die Generation, die das eben erleben wird. Die Lebenden haben diese Verheissung. Übrigens, das ist nichts Neues. Bei der Bibellektüre müssen wir immer auf das achten.
Ein anderes Beispiel: 5. Mose 28. Da spricht Mose zum Volk Israel, und er spricht das Volk an mit „du“. In 5. Mose 28,64 sagt er zu dieser Generation, die die Wüstenwanderung erlebt hat und bereit war, nun unter Josua ins Land hineinzugehen, dieser Generation sagt er: „Und der Herr wird dich unter alle Völker zerstreuen, von einem Ende der Erde bis zum anderen Ende der Erde, und du wirst dort anderen Göttern dienen.“
Sind die verstreut worden über die ganze Welt? Nein, natürlich nicht. Aber ihre Nachkommen? Ja, natürlich. Ab dem Jahr 70 nach Christus, nach der Verwerfung des Messias, wurde das jüdische Volk in einem jahrhundertedauernden Prozess unter alle fünf Kontinente der Welt, wörtlich alle fünf Kontinente, zerstreut, genau wie es hier steht.
Und wenn er sagt, Vers 65: „Und unter jenen Nationen wirst du nicht rasten, und deine Fusssohle wird keine Ruhestätte finden, und der Herr wird dir daselbst ein zitterndes Herz geben, erlöschende Augen und Verschmachten der Seele“ – war diese Generation im Konzentrationslager, in Ravensbrück, in Auschwitz? Nein, aber ihre Nachkommen sehr wohl.
66: „Und dein Leben wird schwebend vor dir hangen, und du wirst dich fürchten Tag und Nacht und deinem Leben nicht trauen. Am Morgen wirst du sagen: Wäre es doch Abend“, bevor sie wieder in den Steinbruch müssen, „wäre es doch Abend“ wegen der Furcht deines Herzens, womit du dich fürchten wirst, und wegen des Anblicks deiner Augen, den du erblicken wirst. Sie haben gesehen, wie die anderen geschlagen, erschossen und verbrannt wurden im Feuerofen.
War das die Generation von damals? Nein. Aber Gott sieht sein Volk als eine Einheit, und er spricht die damals Lebenden an, repräsentativ für die, die dann eben zu einer anderen Zeit die Lebenden waren, die diese Dinge erlebt haben.
Und so ist es ganz natürlich, wenn der Herr zu Philadelphia spricht und er gibt den auf Erden lebenden Gläubigen die Verheissung: Ich komme bald, ich komme wieder. Das heisst aber nicht, dass sie alle das erleben werden. Und so müssen wir das verstehen.
„Weil du das Wort meines Ausharrens bewahrt hast, werde auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die über den ganzen Erdkreis kommen wird, um die zu versuchen, welche auf der Erde wohnen.“
Nun gibt es Leute, die sagen, hier sollte man nicht übersetzen: „werde ich dich bewahren vor“, sondern man sollte übersetzen: „Ich werde dich bewahren aus der Stunde der Versuchung.“ Das würde bedeuten, wir kommen in die Zeit des Antichristen hinein und seiner Verführung, aber werden aus dieser Zeit heraus entrückt.
Jetzt habe ich hier beim Kleingedruckten geschrieben: Vor, was hier mit vor übersetzt ist, lautet auf Griechisch ek. Ek bedeutet unter anderem vor, aus. Jetzt kann man aber nicht mutwillig wählen, was einem besser passt. Wenn man gerne in die Zeit hineinkäme, übersetzt man aus; wenn man nicht gerne hineinkommt, übersetzt man vor. Nein, hier ist es ja verknüpft mit dem Wort bewahren, griechisch tereo.
Nun ist ganz wichtig: Die Kombination tereo ek kann nur bedeuten bewahren vor. Man kann nicht jemanden aus etwas herausbewahren. Ich habe ja schon oft das Beispiel erzählt: Ein kleines Kind springt zu einem Fluss. Wenn man das Kind noch vorher erwischt, kann man es bewahren vor dem Wasser. Sobald es schon drin ist, kann man es nicht mehr aus dem Wasser herausbewahren.
Einer meiner Söhne hat vor kurzem im Militär beim Jogging nachts mit noch zwei anderen Offizieren, und der eine wollte einen etwas speziellen Weg gehen und ist effektiv so in ein Wasserloch durchs Eis hineingefallen. Ja, also die konnten ihn nicht mehr bewahren vor dem Wasser. Vorher wäre es so gegangen, sie hätten ihm gesagt: Geh nicht diesen Weg, komm mit uns, den normalen Weg. Da hätten sie ihn noch bewahren können vor dem Wasser. Aber er ging einen anderen Weg und ist hineingefallen, durchs Eis gebrochen und wäre fast ertrunken. Da konnte man ihn nur noch aus dem Wasser retten, aber nicht bewahren aus dem Wasser.
Bewahren bedeutet, dass man in eine Gefahrenzone nicht hineinkommt. Also tereo ek kann unmöglich, das ist sprachlicher Unsinn, bedeuten bewahren aus. Wenn stehen würde sozo, retten, dann kann man ja übersetzen sozo ek, retten aus. Aber tereo ek bedeutet bewahren vor.
Und dieser gleiche Ausdruck kommt noch vor in Johannes 17,15, noch einmal im Neuen Testament. Und niemand würde dort übersetzen, wenn der Herr Jesus bittet, den Vater bittet, er soll die Jünger bewahren vor dem Bösen, niemand übersetzt: bewahren aus dem Bösen. Das ist doch ein Unsinn! Nicht, dass wir zuerst ins Böse, in die Sünde, hineinfallen und dann herausgeholt werden, sondern bewahren, dass wir nicht in den Bereich des Bösen hineinkommen.
Und auch da gibt es noch Schlaumeier, denen ist es so wichtig, dass die Gemeinde in die Zeit hineinkommt, dass sie sagen: Nein, nein, hier wird ja einfach gesagt, dass Gott bewahrt vor der Versuchung, die Gemeinde wird bewahrt vor der Versuchung des Antichristen. Aber auch da hat man nicht genau gelesen. Die Bibel ist kein Roman. Da hat er mal dieses dumme Buch gegeben, die Bibel als Roman. Nein, die Bibel ist Gottes Wort, und wir müssen genau lesen.
„Ich werde dich bewahren vor der Stunde der Versuchung.“ Die Stunde ist die Zeitperiode. Vor der Stunde wird die Gemeinde bewahrt, das heisst, sie kommt nicht in den Bereich dieser Zeitperiode hinein, die eben durch die Versuchung gekennzeichnet sein wird. Also, das ist eine klare Verheissung, und jetzt versteht man, warum eben dieser alte Schreiber in der Kirchengeschichte mit solcher Überzeugung schreiben konnte: Die Heiligen werden nicht in diese schrecklichste Zeit der Menschheit hineinkommen.
Dann sagt der Herr Jesus, Vers 11: „Ich komme bald.“ Ja gut, jetzt kann jemand sagen: Ich komme bald. Hier steht doch jetzt bald. Sie haben doch vorhin gelesen: Matthäus 25, nach langer Zeit usw. Da hilft die alte Elberfelder. Ich halte die nach wie vor für die genaueste deutsche Übersetzung. Und in der Fussnote erklärt sie bei bald eigentlich schnell eilend, weil der Ausdruck entachy eben ein Adverb ist. Das beschreibt, wie die Handlung getan wird, das Adverb, ja. Und so ist der Sinn: Ich komme schnell eilends, das heisst völlig plötzlich, überraschend, völlig überraschend, plötzlich.
Also dieses viermal „Ich komme bald“ in Offenbarung kann man nicht benutzen, um zu sagen, es hätte also nur noch ein paar Jahre dauern sollen, als Johannes um 95 die Apokalypse, die Offenbarung, schrieb. Nein, die Verheissung sagt: Der Herr kommt plötzlich. Und selbst wenn wir als Gläubige wirklich so leben, dass wir im Bewusstsein haben, jeden Tag wieder neu, oder uns Mühe geben, uns immer wieder daran zu erinnern: vielleicht heute, dann wird es plötzlich eine Überraschung sein. Es hat wirklich, wirklich passiert, ja?
Also gestern Abend hat mich mein Jüngster noch gefragt, er hat ja, habe ich schon gesagt, gewisse Fragen gehabt über Entrückung, und dann hat er gesagt: „Ja, das könnte also geschehen, wenn du deinen Vortrag hältst morgen über Entrückung.“ Ja, natürlich. Aber ich bin überzeugt, wenn es plötzlich posaunen würde, wir wären alle sehr überrascht, obwohl wir gleich davon gelesen haben. Und dann hat er gesagt: „Dann könnte es auch in fünf Minuten geschehen.“ Das war noch gestern Abend. Ja, natürlich könnte es auch in fünf Minuten geschehen. Der Herr wird plötzlich kommen, aber ruft uns auf: „Halte fest, was du hast“, dass wir das Glaubensgut, das wir erhalten haben, an dem festhalten, damit niemand eine Krone, also die Belohnung, wegnehmen kann.
Und so wird klar: Durch die Wiederkunft Christi bei der Entrückung wird die Gemeinde gerettet vor dem kommenden Zorn. 1. Thessalonicher 1,10. Ich lese jetzt vor 9 und 10. Da geht es um die Bekehrung der Thessalonicher. Sie waren ja eben erst zum Glauben gekommen, denn sie selbst, das sind andere Leute, verkündigen von uns, welchen Eingang wir bei euch in Thessalonich hatten und wie ihr euch von den Götzenbildern zu Gott bekehrt habt, dem lebendigen und wahren Gott zu dienen und seinen Sohn aus den Himmeln zu erwarten, den er aus den Toten auferweckt hat, Jesus, der uns errettet von dem kommenden Zorn.
Also die Thessalonicher hatten mit der Bekehrung eine klare Ausrichtung: Sie wollten jetzt dem lebendigen Gott dienen und zweitens warten, bis sein Sohn kommt. Und sein Kommen hat den Sinn, uns zu retten vom kommenden Zorn. Diesen kommenden Zorn haben wir beschrieben gefunden, zum Beispiel in Zephanja 1, dieser schrecklichen Beschreibung über den Tag des Herrn, dieser Tag des Grimms, dieser Tag des Wolkendunkels und des Kriegsgeschreis.
Von diesem kommenden Zorn Gottes über die Erde werden wir bewahrt werden und errettet werden, wenn Jesus kommt für die Erlösten.

Der zurückhaltende Einfluss und die Offenbarung des Gesetzlosen

Jetzt gehen wir zu einer anderen Stelle, die ganz wichtig ist: 2. Thessalonicher 2. Das ist die Stelle, an der über das gesprochen wird, was zurückhält, und über den, der zurückhält, bis der Antichrist offenbar werden kann. Und da wird ja immer darüber diskutiert: Was ist denn der, der zurückhält? Was ist das, was zurückhält?
Kapitel 2, Vers 1 im Zweiten Thessalonicherbrief:
Wir bitten euch aber, Brüder, um der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus willen und unseres Versammeltwerdens zu ihm hin, dass ihr nicht schnell erschüttert werdet in der Gesinnung.
Hier haben wir den Ausdruck Ankunft oder Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus. Es ist nicht immer klar, wenn in der Bibel von Ankunft oder Wiederkunft die Rede ist, ob damit die Entrückung für die Gemeinde oder die Wiederkunft mit der Gemeinde gemeint ist. Hier kann man aber ganz eindeutig sagen: Denn, weil die griechische Grammatik es so zeigt, geht es hier für die, die wissen, was es ist, um die Regel von Sharp. Man kann sagen, der Ausdruck „die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus und unser Versammeltwerden zu ihm hin“ ist das Gleiche, wird also identifiziert. Man kann von der Grammatik her ganz eindeutig sagen: Es ist nicht das Kommen des Herrn mit den Gläubigen und dann eben unser Versammeltwerden zu ihm bei der Entrückung. Es ist dasselbe Ereignis.
Also geht es hier um die Entrückung. Der Herr kommt, unser Herr Jesus Christus, und wir werden zu ihm hin versammelt, werden allezeit bei ihm sein. So haben wir das in 1. Thessalonicher 4 gelesen.
Und jetzt sagt Paulus im Blick auf die Entrückung, dass ihr nicht schnell in eurem Denken erschüttert werdet und nicht erschreckt, weder durch Geist noch durch Wort noch durch Brief, als durch uns, als ob der Tag des Herrn oder der Tag des Christus da wäre.
Die Thessalonicher haben Briefe bekommen, oder mindestens einen Brief von ihren Lehrern, die ihnen sagten: Ihr seid jetzt bereits in der Zeit der großen Drangsal. Die Thessalonicher wurden nämlich verfolgt, grausam verfolgt. Dann haben die Irrlehrer gesagt: Das ist der Beweis, wir sind bereits am Tag des Herrn oder am Tag des Christus, ein anderer Ausdruck für diesen Tag des Gerichts, der großen Drangsal und der Wiederkunft Christi. Natürlich, er war noch nicht da, aber sie dachten: Wir sind jetzt in der großen Drangsal, und bald kommt der Richter der Welt.
Paulus sagt: Ich möchte nicht, dass ihr da in dieser Hinsicht erschüttert werdet, wenn ihr gefälschte Briefe bekommt, durch Brief als durch uns. Unter dem falschen Namen von Paulus haben sie Briefe bekommen. Wie konnten sie die übrigens unterscheiden? Ganz einfach: Am Schluss des zweiten Thessalonicherbriefs, im letzten Absatz, schreibt Paulus: Das ist der Gruß mit meiner eigenen Hand; so schreibe ich in allen meinen Briefen. Also sie mussten nur den Schriftzug am Schluss anschauen. Das ist die Schrift von Paulus, und da konnten sie den ersten Thessalonicherbrief nehmen und vergleichen. Wow, genau die gleiche Schrift! Und der Brief, der sagt: Ihr seid schon in der großen Drangsal, der hat eine andere Schrift, das ist eine Fälschung. Der hat auch nicht überlebt, nur der erste und der zweite Thessalonicherbrief haben überlebt.
Also sie bekamen falsche Briefe, dann kamen Leute, die sagten: So spricht der Heilige Geist. Ja, so prophetisch begabte Leute, die haben auch da etwas beigetragen. Und er sagt: Erschreckt nicht, weder durch Geist noch durch Wort, keine falsche Predigt, noch durch Brief als durch uns, als ob der Tag des Herrn da wäre. Ihr leidet zwar, ihr werdet verfolgt, aber das ist noch nicht die große Drangsal.
Übrigens gibt es in Nordkorea diese Auffassung unter den verfolgten Christen, sie seien schon in der großen Drangsal. Und wir können das nachvollziehen. Die erleben heute genau das, was so viele vor ein paar Jahrzehnten in Europa in den Konzentrationslagern erlebt haben. Aber es ist eine falsche Lehre, die ihnen gesagt wird: Ihr seid jetzt schon in der großen Drangsal. Sie sind es nicht. Sie leiden schrecklich, aber es ist nicht die große Drangsal.
So sagt Paulus weiter: Lasst euch von niemandem auf irgendeine Weise verführen, denn dieser Tag kommt nicht, es sei denn, dass zuerst der Abfall komme und geoffenbart worden sei der Mensch der Sünde, der Sohn des Verderbens.
Also er sagt: Zuerst muss der große Abfall stattfinden. Abfallen können nicht die Heiden, abfallen können nur die, die sich zum christlichen Glauben bekennen. Hier sagt Paulus voraus, in der Endzeit wird es zu einem großen Abfall kommen, dass also die Massen das Christentum verwerfen werden. Und das hat es kirchengeschichtlich nur im zwanzigsten Jahrhundert gegeben, und zwar speziell ab den sechziger Jahren. Der 68er-Protest ist ganz direkt damit verbunden, dass Millionen von Menschen das Christentum klar verworfen haben, zu dem sie früher dazugezählt haben. Das ist der Abfall, der zuerst kommen muss, sagt Paulus, sonst kann man nicht sagen, wir sind schon in der großen Drangsal.
Nun, in Nordkorea könnte man sagen: Ja, aber der hat ja schon stattgefunden, also sind wir in der großen Drangsal. Paulus sagt: Der Abfall komme, und geoffenbart worden sei der Mensch der Sünde, der Sohn des Verderbens. Das ist jetzt der Antichrist, welcher widersteht und sich selbst erhöht über alles, was Gott heißt oder ein Gegenstand der Verehrung ist, so dass er sich in den Tempel Gottes setzt und sich selbst darstellt, dass er Gott sei. Der ist noch nicht gekommen.
Und dann sagt er: Erinnert ihr euch nicht, dass ich dies zu euch sagte, als ich noch bei euch war? Also Paulus hat die jung bekehrten Thessalonicher bereits über dieses Thema unterrichtet. Offensichtlich war es wichtig, dass bereits jung Bekehrte darüber informiert waren.
Und jetzt sagt er: Und jetzt wisst ihr, was zurückhält, dass er zu seiner Zeit geoffenbart werde. Und da sagen wir: Da wären wir auch gerne dabei gewesen, bei diesem Unterricht in Thessalonich, dann wüssten wir, was was ist. Die Thessalonicher wussten, was was ist. Aber wie können wir wissen, was was ist, wenn es nicht dasteht? Da hält etwas zurück, damit der Antichrist nicht offenbar werden kann.
Dann sagt Paulus ein neues Geheimnis: Denn schon ist das Geheimnis der Gesetzlosigkeit wirksam. Nur ist jetzt der, welcher zurückhält, bis er aus dem Weg ist, und dann wird der Gesetzlose geoffenbart.
Das Geheimnis der Gesetzlosigkeit bedeutet: Im Bereich des Christentums, das war ein Geheimnis, die Gemeinde war ein Geheimnis im Alten Testament, im Bereich des Christentums wird sich das Böse mehr und mehr entfalten bis zum großen Abfall. Das findet man im Alten Testament nicht, das ist das Geheimnis der Gesetzlosigkeit. Also, er sagt, aber das ist schon jetzt wirksam, und diese Gesetzlosigkeit ging weiter, schon durch die zweitausend Jahre hindurch. Nur ist jetzt, denn schon ist das Geheimnis der Gesetzlosigkeit wirksam, nur ist jetzt der, welcher zurückhält, bis er aus dem Weg ist, und dann wird der Gesetzlose geoffenbart werden, den der Herr Jesus verzehren wird durch den Hauch seines Mundes und vernichten durch die Erscheinung seiner Ankunft.
Also das Böse entfaltet sich innerhalb der Christenheit, und jetzt versteht man, warum so viel Böses durch die Kirchengeschichte im Christentum geschehen konnte. Aber da war eine Kraft da, da war jemand da, der zurückhält.
Zum Beispiel im vierten Jahrhundert war die Christenheit vor der Frage: Ist Jesus Christus Gott, oder ist er ein Geschöpf? Und die Verdorbenheit war schon so weit vorgeschritten in der Christenheit, und trotzdem ist es dazu gekommen, dass auf dem Konzil von Nizäa bezeugt wurde, dass Jesus dem Vater gleich ist. Da gibt es Leute, die frech sagen: Tja, das war eben eine Erfindung von damals, das kommt aus dem griechischen Denken. Nein, das kommt aus der Bibel. Aber es ist ein Wunder, dass es eben gerade durch das griechische Denken nicht dazu kommen konnte, dass die Christenheit diese Irrlehre angenommen hätte, Christus sei nur ein Geschöpf. Und so hat also der Heilige Geist so stark gewirkt in all dieser Gesetzlosigkeit. Wenn man sieht, was da gegangen ist bei diesem Konzil von Nizäa, hat der Heilige Geist gewirkt, das Böse zurückgehalten. Sonst wäre die ganze Christenheit dort in eine grundsätzliche Irrlehre hineingekommen.
Und so weiter, und auch in der Reformation hat der Heilige Geist plötzlich dieses Bollwerk von Rom aufgebrochen, dass die Menschen wieder zur Bibel zurückkehren konnten. Das ist dieser, der zurückhält: der Heilige Geist, die einzige Kraft, die auf Erden ist, die wirklich das Böse zurückhalten kann. Wir Christen können nicht sagen, wir die Gemeinde halten das Böse zurück. Nein, wir nicht. Aber wenn der Heilige Geist in uns wirkt, dann kann der Herr so durch uns wirken. Aber es ist der, der zurückhält, das ist der Heilige Geist.
Ja, aber was ist denn das, was zurückhält?
Ganz einfach: Der Heilige Geist.
Ja, aber der Heilige Geist ist ja männlich. Und auf Griechisch?
Ah ja, to pneuma, das Geist. Das Heilige Geist, sagt man auf Griechisch, weil das eben im Griechischen sächlich ist, genauso wie das Fräulein auf Deutsch auch sächlich ist. Ja, es ist einfach so. Und auf Deutsch ist der Butter ein Mann und auf Hochdeutsch eine Frau. Also das Geschlecht hat nicht zwingend etwas zu tun mit dem Begriff biologisches Geschlecht.
Das Geist ist eben das, was zurückhält. Aber der Heilige Geist ist nicht einfach eine unpersönliche Kraft, er ist Gott, der Heilige Geist, der zurückhält. Und wenn er weg ist, dann kann der Gesetzlose kommen. Also er könnte jetzt schon leben, verstehe ich, dann kann er geboren werden, sondern dann kann er offenbar werden. Der könnte jetzt leben, aber niemand von uns kann herausfinden, wer der Antichrist sein wird. Das ist so ärgerlich, die ganze Zeit haben Leute: Ah, Kissinger, das ist ein Jude. Kissinger ist schon längst over, vorbei. Und wir können nicht wissen, er kann leben, aber offenbar werden kann er erst dann, wenn der, der zurückhält, weg ist.
Wann geht der Heilige Geist weg? Bei der Entrückung. In Offenbarung 22 heißt es: Der Geist und die Braut sagen: Komm! Der Herr Jesus bezeugt dann: Ich komme schnell, eilends. So hört die Offenbarung auf. Der Geist und die Braut rufen: Komm! Und wenn dann der Herr Jesus kommt, wird die Gemeinde ihm entgegengerückt werden, dann wird Pfingsten umgekehrt werden. An Pfingsten kam Gott, der Heilige Geist, um auf der Erde in der Gemeinde zu wohnen, um während dieser ganzen Zeit, wo das Geheimnis der Gesetzlosigkeit sich entfaltet hat, das Böse zurückzuhalten. Aber wenn er weggeht, dann wird es sich voll entfalten im Kommen des Antichristen.
Und so sehen wir: Der Antichrist kann gar nicht offenbar werden, wenn die Gemeinde noch da ist. Und dann heißt es: Der Herr Jesus wird ihn dann verzehren durch die Erscheinung seiner Ankunft. Aber das ist natürlich das Kommen dann in Macht und Herrlichkeit mit allen Gläubigen. Also die Entrückung, und dann kommt die Stunde der Versuchung, und dann kommt der Herr, und er wird den Antichristen am Ende der Stunde der Versuchung vernichten.
Und jetzt noch etwas Wichtiges: Die Stunde der Versuchung ist nicht dasselbe wie die große Drangsal. Nicht dasselbe heißt: Das deckt sich nicht vollständig. Die große Drangsal ist in der Bibel, Matthäus 24, diese schrecklichste Zeit auf Erden, wo die Menschheit an den Abgrund der Selbstvernichtung kommt, und nach Offenbarung 11 wird diese Zeit dreieinhalb Jahre dauern. Das ist die große Drangsal. Aber der Antichrist tritt nicht erst auf beim Beginn der großen Drangsal, sondern klar davor und wird sein Verführungswerk schön vorbereiten und aufbauen, bis dann die große Drangsal kommt. Das heißt, die Gemeinde muss nicht nur knapp vor der großen Drangsal, sondern vor der Stunde der Versuchung entrückt werden. Der Antichrist kann gar nicht kommen.
Und jetzt wird klar: In Offenbarung 2 und 3 haben wir die Briefe an die sieben Gemeinden. Da geht es eben um den Herrn, der zu denen spricht, die auf Erden seine Zeugen sind. Und dann Kapitel 4, Vers 1: Da wird Johannes in den Himmel entrückt. Entrückt, schon interessant, ja, aber Johannes. Und dann sieht er im Himmel den Thron Gottes, im Allerheiligsten des Himmels, und rund um den Thron sieht er vierundzwanzig Älteste in weißen Gewändern mit goldenen Kronen. Und um die vierundzwanzig Ältesten herum Hunderte von Millionen Engeln, die Jesus Christus als Lamm Gottes anbeten. Und dann kommt Jesus Christus als Lamm Gottes, nimmt das Buch mit den sieben Siegeln in Empfang und öffnet ein Siegel um das andere, ab Kapitel 6, und dann kommen die Gerichte der Apokalypse über die Erde.
Nun ist es ganz wichtig zu wissen, wer die vierundzwanzig Ältesten sind. Johannes kannte sie vom Tempel her. Die vierundzwanzig Ältesten waren die Leiter der vierundzwanzig Priesterklassen im Tempel. Eigentlich war immer nur eine am Werk, von Sabbat zu Sabbat, das ganze Jahr hindurch. Aber beim Passafest, beim Wochenfest und auch beim Laubhüttenfest, weil alle Juden aus dem ganzen Land nach Jerusalem kommen mussten, da mussten alle vierundzwanzig Ältesten mit allem, dem ganzen Priestervolk, antreten. Es gab so viel Arbeit.
Jetzt kommt Johannes in den Himmel und er sieht die vierundzwanzig Ältesten. Das gesamte Priestervolk ist im Himmel. Wer ist das Priestervolk? Sind das die Engel? Nein, die Engel sind um die vierundzwanzig Ältesten herum. Ja, ist das Israel? Nein, Offenbarung 7: Dort sind die 144.000 aus Israel, die sind da auf der Erde. Ja, sind das die Leute aus allen Völkern, die durch die große Drangsal gehen? Nein, die kommen in Offenbarung 7, zweite Hälfte, vor.
Wer sind dann die vierundzwanzig Ältesten oben? Ein Priestervolk, das keine Engel sind, die auch nicht zu Israel gehören und die auch nicht einfach die Nationen sind, die durch die Drangsal gehen. Wer sind die vierundzwanzig Ältesten? Hier kommt es einfach: Offenbarung 1,5. Die Offenbarung ist ja schon genug schwierig, da muss man sie nicht noch komplizierter machen, als sie ist.
 Offenbarung 1,5:
Da wird doch gesagt, an wen richtet sich die Offenbarung? Vers 4 sagt schon: Johannes den sieben Gemeinden. Und dann in 5b:
Dem, der uns liebt und uns von unseren Sünden gewaschen hat in seinem Blut und uns gemacht hat zu einem Königtum, zu Priestern, seinem Gott und Vater, ihm sei die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Von der Gemeinde wird gesagt: Der Jesus hat uns gemacht zu einem Königtum, zu Priestern für Gott, seinen Vater. Die vierundzwanzig Ältesten haben weiße Priestergewänder, goldene Kronen. Das ganze Priestervolk der Gemeinde ist oben, nicht nur ein Teil, alle in einem. Dann beginnt der Herr Jesus mit den sieben Siegeln.
Und darum sagt der zweite Thessalonicherbrief: Ich möchte nicht, dass euch jemand verführt und eure Gesinnung erschreckt, indem er sagt: Der Tag des Herrn ist da, die Gemeinde ist in der großen Drangsal. Nein, die geht vorher weg. Aber wir können durch ganz schreckliche Dinge auch vorher noch hindurchgehen. Das ist nicht einfach die Versicherung, uns geht es immer gut. Es ist erstaunlich, wie es uns jetzt gut geht, so im Allgemeinen meine ich. Viele einzelne gehen durch ganz schwere Nöte hindurch.
Aber der Aufbau der Offenbarung macht das schon ganz, ganz klar. Und da möchte ich noch ganz kurz verweisen, wenn ich ein bisschen überziehen darf. Ja, die Pause ging zu lang.
 Galater 3,28. Da sagt der Apostel Paulus: Da ist nicht Jude noch Grieche. Das heißt, in der Zeit der Gemeinde ist die Vorrangstellung der Juden aufgehoben. Also messianisch gläubige Juden, die haben keinen höheren Platz in der Gemeinde als solche, die aus den Völkern sind. Diese Unterscheidung spielt vor Gott keine Rolle.
Nun sehen wir aber, dass Gott in Römer 9 bis 11 erklärt, dass Israel als Volk einst das Zeugnis Gottes war auf Erden. Aber durch die Verwerfung des Messias wurde dieses Volk auf die Wartebank als Volk gestellt. Und Römer 11 sagt: Wenn die Vollzahl der Nationen eingegangen ist, wenn also diese von Gott bekannte Zahl von Menschen, die aus den Heidenvölkern zum Glauben gekommen sind, dann wird ganz Israel gerettet werden, dann wird Israel wieder seinen Platz als Zeugnis hier auf der Erde einnehmen. Aber dann wird wieder unterschieden: Da ist Jude und da ist Grieche. Heute aber nicht.
Das heißt, wenn ein Jude heute zum Glauben kommt, dann gehört er zur Gemeinde. Da ist nicht Grieche und da ist nicht Jude. Aber wenn die Gemeinde weggeht, dann kann man sagen: Das ist Jude und das ist Grieche. Also die Gemeinde muss weg, damit Israel seinen Platz wiederbekommen kann. Alles müssen wir einfach an seinem Platz lassen und nicht das eine auf Kosten des anderen aufgeben.
Und dann noch zum Schluss die typologische Parallele im Alten Testament: Henoch. Sein Name bedeutet eingeweiht, belehrt. Eingeweiht ist immer ein Geheimnis, ja? Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden zwar nicht alle entschlafen, werden aber alle verwandelt werden, in einem Nu. Und Henoch wandelte mit Gott, und dann war er nicht mehr da, denn Gott hatte ihn entrückt. Das ist ein Vorgeschmack, ein Bild im Alten Testament auf die Entrückung. Und wann geschah die Entrückung Henochs? Vor der Sintflut.
Aber Noah, der Stammvater von Israel und allen Völkern auf der Erde, ging durch die Sintflut hindurch, genauso wie nach Offenbarung 7 der Überrest aus Israel und ein Überrest aus allen anderen Völkern, Menschen, die das Evangelium bis zur Entrückung nicht gehört haben, die können sich noch bekehren, und die werden dann durch die große Drangsal hindurchgehen, so wie Noah und seine drei Söhne durch die Flut hindurch gerettet wurden. Aber Henoch ist ein wunderbares alttestamentliches Bild für die Gemeinde, die vor dem weltweiten Gericht entrückt werden wird.
Ja, also dann machen wir hier Schluss.

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