Nachdenken über das Leben und die Hoffnung auf Neues
Ich weiß nicht, ob das heute noch so gemacht wird, ob ihr das so macht: Es ist die Zeit, in der der eine oder andere vielleicht über das vergangene Jahr nachdenkt – wie es gelaufen ist, was geschehen ist – und auch über das neue Jahr nachdenkt. Manche sind so im Kinderstress, dass sie dazu gar keine Zeit haben. Andere denken sich vielleicht: „Es bringt eh nichts, lass ich das.“
Doch wenn es auf das Ende des Lebens zugeht, denkt jeder irgendwann darüber nach, was von einem bleiben wird. Ein bekannter Liederdichter, den alle kennen, Paul Gerhardt, hatte ein Leben, das sich wohl niemand von uns wünschen würde. Mit zwölf Jahren verlor er seinen Vater, mit vierzehn seine Mutter. Er lebte während des Dreißigjährigen Kriegs, musste vier seiner fünf Kinder begraben und auch seine Frau. Ein Leben, bei dem man wohl sagen würde: „Puh, das möchte ich nicht unbedingt erleben.“
Er beginnt sein Testament damit, dass er Gott anspricht und sagt: „So danke ich ihm zuallererst für alle seine Güte und Treue, die er mir von meiner Mutter Leib an bis auf die jetzige Stunde an Leib und Seele und an allem, was er mir gegeben, erwiesen hat.“ Und nein, er meint das nicht ironisch, sondern ernst.
Wie kommt jemand, der so viel Leid erfahren hat, zu so einer Aussage? Wie konnte jemand, der durch solche Tiefen gehen musste, weitermachen? Wenn ich über unser „Ja“ nachdenke, ist es auch nicht unbedingt so, dass ich sage: „Das brauche ich wieder.“ Das kann sich wahrscheinlich jeder vorstellen.
Der eine oder andere hat die Frage gestellt: Warum mache ich weiter? Warum investiere ich weiter in die Gemeinde, warum investiere ich weiter in das Reich Gottes, wenn scheinbar nichts davon übrig bleibt, nichts stehen bleibt? Warum Gott treu bleiben und seinem Reich?
Vielleicht stellst du dir diese Frage auch manchmal, weil du müde bist von den Herausforderungen des Lebens, enttäuscht von unerhörten Gebeten und davon, wie dein Leben läuft. Vielleicht nicht so hart wie das von Paul Gerhardt, aber vielleicht gab es im letzten Jahr genug Situationen, in denen du dir gedacht hast: „Puh, warum?“ Vielleicht bist du enttäuscht von Gott.
Warum Gott treu bleiben in einer Gesellschaft, in der du als Christ immer mehr auf der roten Liste landest? Wo Anerkennung alles andere ist als das, was du erfährst, wenn du von deinem Glauben oder von Gott redest? Warum treu bleiben, wenn dir das Leben heute so viel mehr zu bieten hat, viel mehr Genuss als Gemeinde und Leben für Gott? Warum weitermachen, warum dabei bleiben?
Die kurze, knappe Antwort ist die der Jahreslosen: Weil eines Tages alles gut wird, weil eines Tages alles besser wird.
Das knüpft ein wenig an die Predigt vom 7. Dezember an, die ich gehalten habe. Aber ich glaube, es wird noch einen anderen Blick auf das Thema geben.
Gottes Verheißung einer neuen Schöpfung
Die Jahreslosung steht in Offenbarung 21,5. Ihr könnt sie gerne aufschlagen: Offenbarung 21,5.
Dank Daniel war es die erste Predigtvorbereitung, die ich mit der richtigen Tasse vor mir hatte, auf der „Kaffee“ stand. Offenbarung 21,5 lautet: „Daraufhin sagt der, der auf dem Thron saß: Seht, ich mache alles neu!“ Bevor ich mir die Worte aufschreibe, die du eben gehört hast, denn sie sind wahr und zuverlässig.
Die knappe Antwort auf die Frage, warum wir weitermachen, ist: Gottes großes Ziel ist nicht Gericht oder ein besonders hartes Leben für dich, sondern eine perfekte Ewigkeit in seiner neuen, guten Schöpfung. Das ist die kurze Antwort.
Christian und die, die Bescheid wissen, haben in den letzten Jahren viel Zeit damit verbracht, ein Haus zu bauen. Es gab einige Momente, in denen die Frage aufkam: „Glaube ich wirklich, dass es sich lohnt weiterzumachen?“ Immer wieder tauchten Überraschungen auf. An der einen oder anderen Stelle hätte es Gründe gegeben, aufzugeben und zu sagen: „Lasst die Birne kommen, weg damit!“
Warum haben sie weitergemacht? Weil sie ein Ziel vor Augen hatten. Nämlich ein eigenes Haus, raus aus der Drei-Zimmer-Wohnung und rein in eine eigene Wohnung – natürlich im besten Dorf der Welt. Man hat ein Ziel vor Augen, und jetzt ist es Realität. Deshalb bleibt man dran und macht weiter, auch wenn man hin und wieder den Kopf im wahrsten Sinne des Wortes in den Sand stecken möchte.
Die Antwort, warum Gott sagt, dass wir weitermachen sollen, warum wir weitermachen und warum Leute wie Paul Gerhard weitergemacht haben, ist: Diese Verheißung ist da. Gott sagt: „Ich mache alles neu.“ Neue Häuser kennen wir alle und können uns vorstellen, was da auf uns wartet. Aber keiner von uns hat die neue Schöpfung und die Ewigkeit gesehen.
Deshalb schauen wir uns auch die Verse davor an, nämlich die Verse 3 und 4, um einen Eindruck zu bekommen. Beim ersten Lesen wird es euch nicht gleich klar werden, aber da wollen wir heute tiefer einsteigen.
Die Verse 3 und 4 lauten: „Und vom Thron her hörte ich eine mächtige Stimme rufen: Seht, die Wohnung Gottes bei den Menschen! Gott wird in ihrer Mitte wohnen. Sie werden sein Volk sein, ein Volk aus vielen Völkern, und er selbst, ihr Gott, wird immer bei ihnen sein. Er wird alle ihre Tränen abwischen. Es wird keinen Tod mehr geben, kein Leid, keinen Schmerz, keine Angst wird mehr zu hören sein, denn was früher war, ist vergangen.“
Ich lese noch einmal Vers 5: „Daraufhin sagte der, der auf dem Thron saß: Seht, ich mache alles neu! Und er befahl mir, schreibe die Worte auf, die du eben gehört hast, denn sie sind wahr und zuverlässig.“
Die bleibende Gegenwart Gottes in der neuen Schöpfung
Das Erste, was Johannes hier beschreibt und was er aus dem Himmel, aus der Ewigkeit, berichtet bekommt, ist, dass diese Neuschöpfung von Gottes dauerhafter, sichtbarer und realer Gegenwart gekennzeichnet ist.
Ich weiß nicht, ob das auf deinem Wunschzettel für Weihnachten stand – um ehrlich zu sein, Gottes dauerhafte Gegenwart. Warum? Warum glaube ich, euch unterstellen zu dürfen, dass das nicht ganz oben steht? Weil wir uns das gar nicht so sehr wünschen.
Warum? Weil Gott bei uns eher so der Typ Nikolaus ist: Er liefert Geschenke ab, aber dann ist auch wieder gut. Wenn der Nikolaus da ist, muss man immer schön brav und artig sein. Genau deshalb, weil wir dieses Denken oft über Gott haben, fühlt es sich für uns gar nicht so gut an, wenn ich darüber nachdenke, dass die Ewigkeit, diese neue Schöpfung, von Gottes dauerhafter Gegenwart gekennzeichnet ist.
Jetzt geht aber Johannes hier – und der Text in der Offenbarung – davon aus, dass das gut ist und mehr noch, dass das das zentrale Thema der neuen Schöpfung ist: Gottes dauerhafte Gegenwart.
Ihr habt in dem Text zweimal einen Ausruf drin. Im Griechischen ist das ein Wort, das bei uns mit „Siehe“ übersetzt wird. Es bedeutet so viel wie: Jetzt zuhören, hinhören, jetzt wird es wichtig!
Und das ist einmal dieses „Siehe, ich mache alles neu“ in Offenbarung 21,5 und dann noch „Siehe, die Hütte Gottes bei den Menschen“ in Offenbarung 21,3. Das sind die großen Ankerpunkte an dieser Stelle.
Also müssen wir festhalten: Die Gegenwart Gottes in der neuen Schöpfung ist ein Zentralthema und der Grund, warum diese neue Schöpfung wirklich gut ist.
Rückblick auf den Garten Eden als Ursprung der Gemeinschaft mit Gott
Warum ist es gut? Um das zu verstehen, müssen wir einen Sprung vom Ende der Bibel an den Anfang zurückmachen, einen Sprung in den Garten Eden hinein. Warum? Weil das der Ort ist, an dem schon einmal die Gegenwart des Schöpfers in seiner Schöpfung vorhanden war.
Schlagen wir gemeinsam 1. Mose 2 auf, um zu sehen, was es bedeutet hat, dass Gott, der Schöpfer, in seiner Schöpfung gegenwärtig ist. Wir betrachten zwei kurze Stellen.
Die erste ist 1. Mose 2,8: „Und Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hat. Und Gott der Herr ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen.“
Dann lesen wir noch Vers 18: „Und weiter: Und Gott, der Herr sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht.“
Gott, der Herr, machte aus Erde alle Tiere auf dem Feld und alle Vögel unter dem Himmel und brachte sie zu dem Menschen, damit er sehe, wie er sie nennen würde. Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen.
Ab Vers 21 folgt dann die Schaffung der Frau, die ich jetzt nicht vorlese, da ihr das alle kennt.
Gottes Gegenwart in seiner Schöpfung bringt Dinge hervor, die wir wie nichts anderes genießen. Du genießt die Berge, das Meer, die Natur draußen – das ist, was Gottes Gegenwart in seiner Schöpfung hervorgebracht hat. Du genießt Beziehung mit anderen Menschen, du genießt Liebe und hast Sehnsucht nach einer dauerhaften, nie endenden Liebe ohne Streit.
Genau das ist es, was Gott für Adam im Garten Eden schafft. Wo Gott in der Gegenwart seines Geschöpfes ist, segnet er ihn ohne Ende. Was Gott im Garten Eden macht, ist Wahnsinn – es ist das, was wir uns wünschen. Es ist genial, was er Adam gibt.
Die Gegenwart des Schöpfers in seiner Schöpfung führt genau zu dem, was du dir wahrscheinlich am meisten wünschst: tiefe, dauerhafte Beziehung und Genuss der Schöpfung.
Wer von euch geht gerne gut essen? Wisst ihr, was Gott hier schafft? Nahrung, Früchte, die genossen werden. Es kommt von Gott. Das ist es, was im Garten Eden die Menschen erfahren haben. Das ist es, was die Gegenwart des Schöpfers in seiner Schöpfung hervorbringt.
Die Trennung von Gott und die Folgen für die Schöpfung
Aber diese erste Schöpfung hat ein Problem: Sie beruht auf dem Gehorsam Adams. Und ihr wisst alle, wie das ausging. Adam ist eben nicht gehorsam.
In 1. Mose 3,23-24 lesen wir, was die Folge seines Ungehorsams ist:
"So stieß ihn Gott, der Herr, aus dem Garten Eden hinaus, damit er den Erdboden bestelle, von dem er genommen war. Und als er den Menschen hinausgetrieben hatte, ließ er östlich vom Garten Eden die Cherubim lagern und die Flamme des kreisenden Schwertes, damit sie den Zugang zum Baum des Lebens bewachten."
Die Folge davon ist, dass eine Trennung da ist zwischen Schöpfung und Schöpfer. Das ist es, was unser Leben hart macht: Leid, Krankheit, Schmerz, Tod, Vergänglichkeit, Genuss, der uns teilweise schadet, und Beziehungen, die zerbrechen und kaputtgehen.
Ich habe am zweiten Weihnachtsfeiertag mittags einen Truthahn genossen, der war sehr lecker. Abends, fünf Stunden später, hatte ich die Idee, schwimmen zu gehen. Der Vogel hat mich die ganze Zeit gefragt, was ich mit ihm tue. Das ist nur ein einfaches Beispiel dafür, wie Genuss nicht mehr so genial ist, wie er eigentlich gedacht war.
So wie die Schöpfung, die gut ist, Naturkatastrophen hervorbringt und unser Leben hart macht, so geht auch unser Körper Tag für Tag ein Stück weit dem Grab entgegen. Beziehungen zerbrechen, vielleicht gerade die engsten Beziehungen, die wir so sehr nötig haben. Genau dort können wir uns am tiefsten verletzen, und sie sind nicht so perfekt, wie sie gedacht waren.
Es liegt an dem Moment, weil diese Cherubim die Trennung symbolisieren zwischen Schöpfung und Schöpfer. Die Gegenwart Gottes wurde herausgenommen, und wir haben dadurch nur noch eine Ahnung von dem Segen, aber nicht mehr den vollen Genuss.
Das Problem der Trennung zwischen Gott und seiner Schöpfung ist nicht nur theoretisch, sondern es ist das, worunter unser tägliches Leben Tag für Tag leidet – mal mehr, mal weniger. Es ist unser Problem, und es liegt daran, dass diese erste Schöpfung auf dem Gehorsam Adams beruhte.
Gottes Initiative zur Versöhnung durch Jesus Christus
Deshalb ergreift Gott die Initiative. Und das ist das Geniale, die Botschaft von Weihnachten: Er schafft einen Weg, um Schöpfung und Schöpfer wieder zu vereinen.
Wir lesen das in Johannes 1, Vers 14. Schlagen Sie gerne Johannes 1,1-14 auf, diese ganz bekannten Worte: „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit des eingeborenen Sohnes, vom Vater voller Gnade und Wahrheit.“
Wisst ihr, was passiert ist, als Jesus auf diese Welt kam? Wir haben den Vorgeschmack dessen bekommen, was es bedeutet, wenn der Schöpfer wieder in seine Schöpfung kommt.
Was sehen wir, wenn wir das Leben Jesu betrachten? Heilung, Wunder, Segen für die Menschen, mit denen er in Berührung kommt, und Neuheit des Lebens für die Menschen, die sich auf ihn eingelassen haben. Das sehen wir in dem Moment, als Jesus auf der Erde lebte.
Wir bekommen wieder einen Vorgeschmack davon, was es bedeutet, wenn der Schöpfer vereint ist mit seinen Geschöpfen. Damals war das begrenzt – zeitlich und regional. Doch es gibt die Verheißung, die in der Offenbarung steht: eines Tages wird diese Vereinigung dauerhaft, kontinuierlich und gegenwärtig für jeden sein.
Jesus ist das Beispiel dafür, was es bedeutet, wenn Gott wieder unter seinem Volk wohnt. Damit das aber möglich ist, musste Jesus auch die Grundlage schaffen für diese neue Verbindung des Schöpfers mit seiner Schöpfung.
In Römer 5,18-19 lesen wir: „Wir stellen also fest: Genauso wie eine einzige Verfehlung alle Menschen, die Verdammnis brachte, bringt eine einzige Tat, die erfüllt hat, was Gottes Gerechtigkeit fordert, allen Menschen den Freispruch und damit das Leben. Genauso wie durch den Ungehorsam eines Einzigen alle zu Sündern wurden, werden durch den Gehorsam eines Einzigen alle zu Gerechten.“
Die Grundlage der neuen Schöpfung liegt nicht mehr im Gehorsam Adams, sondern sie ist begründet in dem Gehorsam Jesu Christi. Das ist der gravierendste Unterschied. Warum? Weil es eine wahnsinnige Sicherheit gibt, dass diese neue Schöpfung nicht mehr zerbrechen wird und nicht mehr aus dem Ruder läuft. Sie liegt nicht mehr an dir und mir, sondern an Jesus Christus und dem, was er getan hat.
In 2. Korinther 5,17-19 lesen wir, dass diese neue Schöpfung jetzt schon in jedem anbricht, der sein Vertrauen in diesen Gehorsam Jesu Christi setzt – in der Grundlage, die er gepflanzt und gelegt hat: „Vielmehr wissen wir: Wenn jemand zu Christus gehört, ist er eine neue Schöpfung. Das Alte ist vergangen, etwas ganz Neues hat begonnen. Das alles ist Gottes Werk. Er hat uns durch Christus mit sich selbst versöhnt und hat uns den Dienst der Versöhnung übertragen. Ja, in der Person von Christus hat Gott die Welt mit sich versöhnt, sodass er den Menschen ihre Verfehlungen nicht anrechnet. Uns hat er die Aufgabe anvertraut, diese Versöhnungsbotschaft zu verkündigen.“
Wer sein Vertrauen in den Gehorsam des Sohnes Gottes setzt, für den bricht in seinem Leben, in seinem Herzen jetzt schon diese neue Schöpfung an. Noch nicht präsent und sichtbar, aber ein Teil darin gehört nicht mehr zur alten Schöpfung. Er gehört schon zur neuen Schöpfung – ein neues Herz, jetzt bereits Gegenwart Gottes. Und wir dürfen Frieden, Ruhe und Geborgenheit darin finden.
Die noch unvollkommene Gegenwart Gottes und die Hoffnung auf Vollendung
Zwei Dinge sind noch mangelhaft, und du erfährst sie Tag für Tag.
Erstens: Wir stecken mit unserem Körper noch ziemlich in dieser Welt fest, die von dem Fluch geplagt ist. Das ist es, was unser Leben oft so hart und schwer macht.
Zweitens: Wir leben im Glauben und noch nicht im Schauen. Die Gegenwart Gottes und Jesu Christi ist für uns noch nicht vollkommen greifbar und sichtbar. Wir warten oft auf den Moment, in dem wir sie sehen und ihnen vollständig begegnen.
Das ist die große Botschaft von Offenbarung 21,3: Seht, die Wohnung Gottes ist jetzt bei den Menschen. Gott wird in ihrer Mitte wohnen, sie werden sein Volk sein, und Gott wird immer bei ihnen sein.
Himmel und Erde kommen in Offenbarung 21 zusammen. Die Trennung ist aufgehoben. Warum? Weil Schöpfung und Schöpfer dauerhaft und für immer vereint sind. Die Inkarnation, die wir in Jesus sehen können, wird zur dauerhaften Realität.
Du wirst Tag für Tag mit Jesus spazieren gehen können. Was wird das sein? Und das Ganze hängt nicht mehr an dir als Geschöpf, sondern es hängt an dem Schöpfer selbst. Was für eine Sicherheit!
Die Folgen der dauerhaften Gegenwart Gottes
Was hat das nun für Folgen? Diese dauerhafte Gegenwart des Schöpfers in seiner Schöpfung – warum ist sie wirklich besser, als wenn der Nikolaus die ganze Zeit da bleiben würde, wo wir immer brav und artig sein müssen?
Das sehen wir in Offenbarung 21,4: „Er wird alle ihre Tränen abwischen, es wird keinen Tod mehr geben, kein Leid und keine Schmerzen.“ Es werden keine Angstschreie mehr zu hören sein, denn das, was früher war, ist vergangen.
Es ist interessant, dass wir in der ganzen Bibel recht wenig Beschreibung darüber finden, wie diese neue Erde und der neue Himmel aussehen. Woran liegt das? Vielleicht daran, dass diese Schöpfung hier an sich eigentlich ganz gut war. Vielleicht aber auch, weil die Notwendigkeit der Neuschöpfung vor allem in dem Fluch begründet ist, der uns plagt und die schönen Dinge dieser Welt kaputt und hart macht.
Deshalb ist es, glaube ich, folgerichtig, dass die große Nachricht darüber, was in dieser neuen Schöpfung anders ist, die Aufhebung des Fluches ist. Das, was Offenbarung 21,4 beschreibt, ist vielfach im Alten Testament verheißungsvoll vorausgesagt.
Nur zwei Verse seien genannt: Jesaja 25,8 sagt: „Er wird den Tod verschlingen auf ewig, und Gott, der Herr, wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen und wird aufheben die Schmach seines Volkes in allen Landen; denn der Herr hat es gesagt.“ Das klingt ziemlich gleich zu Offenbarung 21,4.
Es geht sogar so weit, dass Jesaja 65,17, das ganz stark im Hintergrund von Offenbarung 21 steht, sagt, dass wir an diese alte Welt hier nicht einmal mehr gedenken werden: „Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird.“
Die Schönheit des Neuen und die Überwindung des Alten
Ich mache jetzt etwas Riskantes, weil ich ein Mann bin. Aber meine Erfahrung nach fünf Kindern ist in der Regel folgende: Direkt im Moment nach der Geburt, ist die Geburt selbst kein Thema mehr, weil sich alles nur noch um das Baby dreht. Mein Eindruck ist, dass das bei den Frauen meistens genauso ist.
Das heißt nicht, dass alles davor leicht war. Aber ich glaube, dass die Schönheit des Neuen das Alte vergessen lässt.
Wir müssen uns bewusst machen, was es bedeutet, dass dieser Fluch aufgehoben ist, dass wirklich alles – wie Vers 5 sagt – neu und wieder in Ordnung kommt. Unsere Beziehung zur Natur verändert sich. Ein einfaches Beispiel: Glutenunverträglichkeit. Weizenbrot wird kein Problem mehr für dich sein.
Ein Lawinenunglück bei einer traumhaften Schüttur wird es nicht mehr geben. Dein Körper, Schmerzen und Krankheit werden einfach nicht mehr da sein. Kannst du dir das vorstellen? Nicht mal mehr ein kleiner Schnupfen. Wirklich alles ist aufgehoben.
Auch unsere Beziehung zur Tierwelt ändert sich. Kuscheln mit dem Löwen aus dem Tiergehege im Tiergarten wird kein Problem mehr sein, falls du da schon immer mal Lust drauf hattest. Ich finde, Löwen sehen ganz kuschelig aus. Es gibt keinen Grund mehr, Angst davor zu haben.
Du hast viel Leid in Beziehungen erfahren und hast deswegen Angst vor Beziehungen. Aber es wird nie mehr, nie mehr in keiner einzigen Beziehung, in der du steckst, jemals ein Thema sein. Kannst du dir das vorstellen? Nicht zu deinen Arbeitskollegen, nicht zu deinen Geschwistern – das halten die Eltern für sehr unvorstellbar –, nicht zu deinen Geschwistern in der Gemeinde, nichts in der Beziehung zu deinem Ehepartner, Freund oder wie auch immer.
Kein einziger Moment, kein einziges Missverständnis mehr. Keine Kleinigkeit mehr, bei der du unterschiedlicher Meinung sein wirst. Kannst du dir das je vorstellen? Ich kann mich an keinen Tag in meinem Leben erinnern, an dem ich mit jedem Menschen, dem ich begegnet bin, komplett auf einer Linie war.
Wie wird das sein, wenn wir mit jedem, dem wir begegnen, auf einer Linie sind und uns perfekt verstehen? Wir werden Beziehungen genießen, ohne dass sie uns irgendeinen Schmerz verursachen können. Es ist schier unvorstellbar.
Und es fällt uns so schwer, daran zu glauben. Warum? Weil diese Welt, in der wir leben, uns Tag für Tag das Gegenteil vermittelt. Deshalb können wir es eigentlich nicht glauben, dass es wirklich anders wird.
Ewige Freude ohne Ende
Und das Unvorstellbare zuallerletzt: Jeder schöne Moment, jedes gute Essen, jeder schöne Urlaub und die besten Beziehungen werden in dieser Welt vergehen. Irgendwann ist es vorbei. Und selbst wenn du noch so eine gute Freundschaft hast, die Wahrheit ist: Einer von den beiden wird den anderen am Grab begleiten.
Das ist die Botschaft und die Wahrheit dieser Welt. Der Tod zerstört alles, was gut und schön an dieser Schöpfung ist, in der wir gerade leben. Die Botschaft der Offenbarung lautet: Diese neue Schöpfung wird den Tod nicht mehr kennen – in keiner Art und Weise. Der Tod wird kein Thema mehr sein. Jeder schöne Moment, jeder Genuss wird kein Ende finden.
Kannst du dir das vorstellen? Ich glaube nicht, denn unser ganzes Leben ist davon geprägt, dass alles ein Ende findet. Es ist so unvorstellbar, dass alles aufgehoben sein wird. Warum? Weil der Schöpfer wieder gegenwärtig ist in seiner Schöpfung. Weil er es ist, der diese Dinge wegnimmt. Weil er es ist, der die Tränen des Leids, das du hier erfährst, durch diesen Fluch abwischen wird.
Es ist schwer, hier eine Illustration zu finden, weil es keine gibt, die mit unserer Realität, in der wir leben, zusammenpasst. Ich glaube, es gibt nur einen Weg, den ich vorhin schon angedeutet habe, um einen Vorgeschmack darauf zu bekommen: Wenn wir die Evangelien lesen und schauen, was passiert ist, als der Schöpfer seine Schöpfung wieder betreten hat.
Wenn wir uns anschauen, was im Leben von Menschen passiert ist, die durch viel und tiefes Leid gehen, wie sie mit Jesus in Berührung kommen, wie er Krankheit heilt, wie Beziehungen wieder in Ordnung kommen, wenn Jesus dort hineinkommt, und wie er in der Lage ist, den Tod aufzuheben.
Ja, das war auch zeitlich begrenzt, aber es ist ein Vorgeschmack auf das, was uns erwartet: eine Ewigkeit in der Gegenwart von ihm.
Die Verlässlichkeit von Gottes Verheißungen
Offenbarung 21,5, wo die Jahreslosung steht, vermittelt uns aus diesem Grund eine gigantische Botschaft wegen Gottes dauerhafter Gegenwart: „Siehe, ich mache alles neu.“
Dabei haben wir oft eine falsche Vorstellung davon, wie die Ewigkeit aussehen wird. Wir stellen uns gerne vor, dass wir alle irgendwo auf Wolken schweben oder Ähnliches. Offenbarung 21,1 zeigt jedoch deutlich, dass es eine neue Erde und einen neuen Himmel geben wird. Wir werden also weiterhin auf einer Erde leben, da bin ich mir sehr sicher.
Vers 5 betont zwei Dinge. Erstens: neu. Und hier reden wir nicht von einer Renovierung, sondern von wirklich neu. Wir sprechen von allem, von jedem Bereich. Du wirst in dieser neuen Schöpfung nichts mehr finden, was nicht besser, schöner und vollkommener ist, als du es dir je vorstellen konntest.
Es geht um eine Schöpfung, die über das hinausgeht, was wir uns hier vorstellen können, und über all die schönen Erlebnisse, die wir kennen. So wie wenn ein Schwarz-Weiß-Film farbig wird, besser und sichtbarer. Ich glaube nicht, dass Gott uns plötzlich in eine Lebenswirklichkeit versetzt, die nicht zu uns passt.
Manchmal denken wir das ein bisschen so. Wir haben es im Hauskreis mal besprochen: „Ich muss jetzt immer in der Stadt wohnen, und Gold ist auch nicht so mein Ding. Ich wäre eigentlich lieber in der Natur draußen.“ Das gibt viele Andeutungen, wo ich glaube, dass wir eher von der Schöpfung sprechen können.
Wenn wir uns das Neue vorstellen, sollten wir vielleicht eher über die Dinge sprechen, die wir hier am Guten genießen, die in der neuen Schöpfung vollkommener, besser und schöner werden. Du genießt es mehr? Ich bin überzeugt, dass in der neuen Schöpfung das Wasser klarer und vielfältiger sein wird, als du es je erlebt hast.
Wenn du gerne am Strand liegst, wird dich die Sonne nicht mehr verbrennen. Der Sonnenbrand am Abend danach wird kein Thema mehr sein. Genuss pur! Du genießt den Sonnenaufgang in den Bergen? Die Farben werden intensiver, klarer und genialer sein, als du sie hier je erlebt hast.
Du bist gerne mit Freunden zusammen? Du wirst keine Terminprobleme mehr haben und keine Missverständnisse. Die Beziehungen werden intensiver, tiefer und liebevoller sein als alles, was du je erlebt hast.
Warum? Weil der Schöpfer selbst gegenwärtig ist und dafür sorgt, dass alles perfekt ist – weil er es ist, der alles neu schafft. Seine Gegenwart, die uns in Eden verloren ging und in Jesus die Tür wieder öffnete, wird dann dauerhaft bei uns sein und alles vollkommen machen.
Nein, Gottes dauerhafte Gegenwart lässt sich eben nicht mit dem Nikolaus vergleichen. Es ist er, das Christkind, das alles neu macht: Jesus Christus. Schau dir sein Leben an, dann weißt du, was auf uns in der Ewigkeit wartet.
Anbetung und die Motivation der Gemeinschaft mit Gott
Wir sehen in der Offenbarung, dass Gott angebetet wird. Warum geschieht das ausgerechnet für diejenigen, die seine Kinder sind?
Ja, es wird sich jedes Knie beugen. Und ja, für die, die mit Gott hier nichts zu tun haben, wird auch ein gewisser Zwang dahinterstehen.
Aber für seine Kinder ist die Motivation zur Anbetung kein Zwang. Vielmehr ist es die Schönheit dessen, wer Gott ist, was er getan hat und was er tut.
Dich würden in der Anbetung zwei Dinge führen: Zum einen, weil du dieses Lamm Gottes siehst, das die Grundlage für diese neue Schöpfung schafft, damit du dort sein kannst. Zum anderen, wegen dem, was Gott selbst geschaffen hat, dem, was Gott tut und dem, was er zum Genuss gibt.
So wie er Adam damals gesegnet hat, werden wir noch viel mehr Segen erfahren. Das wird in dir eine Sehnsucht auslösen: Nichts wirst du dir mehr wünschen, als Zeit und Gemeinschaft zu verbringen mit dem, der das getan hat. Denn er ist es, der das Beste für dein Leben will.
Möchtest du eine Ahnung davon bekommen? Schau dir Jesus und sein Leben an. Du wirst einen Eindruck davon gewinnen, was auf uns wartet.
Zweifel und die Zusicherung Gottes
Ich bin ehrlich: Obwohl ich hier stehe und das predige, gibt es viele Momente in meinem Leben, in denen es mir schwerfällt, das zu glauben und mich darauf zu freuen.
Warum? Ich bin Skeptiker und habe zu oft erlebt, dass Versprechen nicht in Erfüllung gehen. Ich bin geprägt von der Erfahrung, dass alles Schöne und Gute irgendeinen Makel hat und doch irgendwann zu Ende geht. Vielleicht geht es dir auch so.
Die Reaktion darauf kann sehr schnell sein, dass man das Schöne im Hier, Heute und Jetzt genießen will, weil man skeptisch gegenüber dem Morgen ist.
Ich glaube, Gott weiß, dass diese Dinge, die er hier verheißt, für uns schier unglaublich sind. Deshalb gibt Johannes im Vers 5 noch einen Auftrag mit. Es ist Gott selbst, der hier spricht. Manche denken sogar, das ist der erste Moment in der Offenbarung, in dem Gott redet. Darüber gibt es allerdings Diskussionen, ob das nicht schon vorher der Fall war.
Eindeutig spricht Gott hier und sagt zu Johannes: Schreibe die Worte auf, die du eben gehört hast, denn sie sind wahr und zuverlässig.
Gott wird in der ganzen Schrift hindurch als der treue, zuverlässige Gott beschrieben, der seine Verheißungen eintreten lässt. Er sagt in Jesaja voraus, wie dieses Lamm Gottes kommen wird. Wir wissen, dass es in Jesus Christus erschienen ist.
Dieser große Gott verbirgt sich hinter der Aussage, dass diese Dinge wahr und glaubwürdig sind und dass wir ihnen vertrauen können.
Wenn es dir schwerfällt, all das zu glauben, was wir gerade gehört haben, dann ruft Gott dir zu: Es stimmt, es wartet auf dich.
Ja, wir können es noch nicht sehen, denn wir sind noch in dieser Welt. Aber unser Blick darf heute und Tag für Tag mehr auf diese zukünftige Welt gerichtet sein.
Warum? Nicht weil wir alles schon sehen oder greifen können. Sondern weil Gott sich selbst dafür verbürgt, der nicht lügen kann, der treu ist und sich an sein Wort hält – anders als wir Menschen, die das nie können.
Gott ist selbst die Grundlage dafür, dass es eines Tages kommen wird. Er hat in der Auferstehung seines Sohnes fest zementiert, dass er sich an seine Versprechen hält und dass sie eintreten werden.
Ihr könnt zu Hause tiefer darüber nachdenken. Aber das ist Gottes Sicherungsschein dafür, dass alles so kommen wird, wie es verheißen ist, und dass diese Zukunft eintreten wird.
Einladung zum Vertrauen und Ermutigung zum Weitermachen
Für wen gilt diese Zukunft? Für alle, in deren Herzen heute schon die neue Schöpfung angebrochen ist. Ein Teil davon ist bereits da – etwas, das nicht mehr zu dieser Welt gehört, sondern zur ewigen Welt.
Wenn das für dich noch nicht Realität ist, dann lade ich dich ein, umzukehren zum Schöpfer selbst. Setze dein Vertrauen in sein Sterben und Auferstehen. Das rettet dich, gibt dir neues Leben und verheißt dir eine Zukunft, die all deine Vorstellungen weit übersteigt.
Und für alle anderen: Warum sollen wir, wenn dieses Leben uns hart mitspielt, treu bleiben und weitermachen? Die Antwort ist, weil wir wissen, dass diese Welt hier nicht die letzte Realität ist. Es gibt eine größere, bessere Realität, die auf uns wartet.
Paulus schreibt im 2. Korinther 4,18: „Wir richten unseren Blick nämlich nicht auf das, was wir sehen, also diese Welt hier, sondern auf das, was jetzt noch unsichtbar ist. Denn das Sichtbare ist vergänglich, aber das Unsichtbare ist ewig.“
Paulus macht den Korinthern klar: Dieses Hier und Jetzt geht alles kaputt, das seht ihr ja. Aber es wartet eine andere Realität, die niemals enden wird. Gott hat sie dir verheißen und sorgt dafür, dass du eines Tages dort ankommen wirst.
Lieber Bruder, liebe Schwester, wenn du heute am Verzweifeln bist über diese Welt, wenn dir dieses Leben hier hart mitspielt, wenn du den Mut verlierst oder dir die Kraft fehlt, den nächsten Schritt zu gehen, dann lenke deinen Blick auf diese Jahreslosung: „Siehe, ich mache alles neu!“
Gib nicht auf, bleib dabei. Warum? Weil auf dich eine geniale, perfekte, neue, ewige Schöpfung wartet.
Paul Gerhard, mit dem ich begonnen habe, bringt das in seinem Testament so zum Ausdruck: „Nachdem ich nunmehr das siebzigste Jahr meines Alters erreicht habe, habe ich auch die fröhliche Hoffnung, dass mein lieber frommer Gott mich bald aus dieser Welt erlösen und in ein besseres Leben führen wird, als ich bisher auf Erden gehabt habe.“
Warum kann Paul Gerhard von dieser treuen Gnade und Güte Gottes sprechen? Weil er die Hoffnung hat, dass dieses Leben, das ihm hier hart mitgespielt hat, nicht das Ende ist. Sondern dass eine bessere, schönere Welt auf ihn wartet.
Häng dich an diese Hoffnung und geh weiter den nächsten Schritt. So, wie Manfred Siebald es wunderbar singt: „Auch ich geh weiter, nur ein wenig weiter, geh in Gottes Freude, geh in Gottes Licht hinein. Ich war für ein paar Jahre dein Begleiter, doch jetzt geh ich weiter, um bei meinem Herrn zu sein.“
Das wünsche ich dir: Dass du mit dieser Hoffnung durch das Leben gehst. Das ist die Kraft, die Gott uns gibt, weiterzumachen – auch wenn es nicht leicht ist, auch wenn es manchmal hart ist, auch wenn dir manchmal die Kraft fehlt und schwindet. Weil er alles neu macht und das auf dich und mich wartet. Amen.