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Widerlegung falscher Gesetzlichkeit

Kolosser 2, 20-23
Kolosser 2,20-2318.06.2022
SerieTeil 10 / 13Christus in euch: Der Brief an die Kolosser
Der Apostel Paulus macht den Kolossern klar, dass sie sich von all den falschen Auffassungen, die Irrlehrer bei ihnen einführen wollten, überhaupt nicht beeindrucken lassen sollten. Es handelt sich ja lediglich um Lehren, die dem von Satan beherrschten Weltsystem entsprechen. Diese Lehren scheinen weise zu sein, in Wirklichkeit fördern sie nur das Ausleben der sündigen Natur.

Einführung in den Abschnitt und die Leitfrage des Textes

Heute Nachmittag fahren wir weiter mit der Betrachtung des Kolosserbriefes. Wir kommen heute zu Kolosser 2, ab Vers 20, und ich lese schon einmal bis Kapitel 3, Vers 4:
Wenn ihr mit Christus den Elementen der Welt gestorben seid, was unterwerft ihr euch Satzungen, als lebtet ihr noch in der Welt? „Berühre nicht, koste nicht, betaste nicht!“ Das sind Dinge, die alle zur Zerstörung durch den Gebrauch bestimmt sind, nach den Geboten und Lehren der Menschen. Sie haben zwar einen Schein von Weisheit in eigenwilligem Gottesdienst und in Demut und im Nichtverschonen des Leibes, sind aber nicht von wirklichem Wert, sondern dienen nur zur Befriedigung des Fleisches.
Wenn ihr nun mit dem Christus auferweckt worden seid, so sucht, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Richtet euren Sinn auf das, was droben ist, nicht auf das, was auf der Erde ist. Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott. Wenn der Christus, unser Leben, offenbart werden wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbart werden in Herrlichkeit.

Der Aufbau des Kolosserbriefes als Schlüssel zum Verständnis

Auf dem Skript, das die, die über den Livestream zugeschaltet sind, downloaden können, hier von mir aus gesehen rechts unterhalb des Bildes, habe ich zuerst die Struktur des Kolosserbriefs zusammengestellt. Wir sehen, dass der Kolosserbrief grundsätzlich in zwei Teile zerfällt: Kapitel 1 und 2, in denen es um die Lehre geht, und zwar um die Lehre von der Erhabenheit des Sohnes Gottes. Ab Kapitel 3 beginnen dann hauptsächlich die praktischen Konsequenzen aus dieser Lehre, also Kapitel 3 und 4. Dabei ist es natürlich nicht absolut strikt so.
Die Betonung in Kapitel 1 und 2 liegt auf der Lehre, die Betonung in Kapitel 3 und 4 auf der praktischen Anwendung. Aber auch im Lehrteil finden sich bereits gewisse praktische Folgen, die dort beschrieben werden. Man achte jedoch besonders auf die Schnittstelle in Kapitel 3, Vers 1. Dort heißt es: Wenn ihr nun mit dem Christus auferweckt worden seid, so sucht, was droben ist, wo der Christus ist. Dieses kleine Wort nun ist sehr bedeutsam, denn dieses nun ist gewissermaßen die Schlussfolgerung aus der Gesamtheit dessen, was in Kapitel 1 und 2 gesagt worden ist. Es ist die Konsequenz, die Schlussfolgerung für das praktische Leben.
Dieses Wörtchen nun habe ich auch schon in frühen Folgen erklärt, aber ich wiederhole es, und die Wiederholung ist ja die Mutter des Lernens. Im Epheserbrief ist es genau gleich: Kapitel 1 bis 3 sind der Lehrteil, Kapitel 4 bis 6 die praktische Konsequenz. Die Schnittstelle findet sich in Kapitel 4, Vers 1: Ich ermahne euch nun, ich, der Gefangene im Herrn, dass ihr würdig wandelt der Berufung, mit der ihr berufen worden seid. Diese Berufung wird in den Kapiteln 1 bis 3 beschrieben, und nun kommt die Schlussfolgerung.
Und das Gleiche gilt im Römerbrief. Der Lehrteil geht von Kapitel 1 bis 11, und der praktische Teil, die praktische Anwendung, von Kapitel 12 bis 16. Die Schnittstelle befindet sich in Kapitel 12, Vers 1: Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Schlachtopfer. Also: Schlussfolgerung. Wenn ihr seht, was Gott alles für uns getan hat, Römer 1 bis 11, dann ist es die logische Konsequenz, dass wir unser ganzes Leben Gott zur Verfügung stellen.

Die Bedeutung kleiner Wörter und die Einheit von Lehre und Praxis

Also, wir sehen, dass das Wörtchen nun es in sich hat, so wie jedes Wort in der Heiligen Schrift. Im Grundtext gibt es keine belanglosen Wörter. Alles ist inspiriert, auch jeder Buchstabe. Darum sagt der Herr Jesus in Matthäus 5, dass kein Jota, das ist der kleinste Buchstabe im Hebräischen, und kein Tüttel, das sind Buchstabenteile, die zum Beispiel zwischen Bet und Kaf, also Be und Ka im Hebräischen unterscheiden, wegfallen wird. Gott bewahrt sein Wort bis auf den Buchstaben.
Und natürlich ist das ein gefundenes Fressen für solche, die uns bezichtigen, als seien wir buchstabengläubig. Aber woran hängt der Sinn der Bibel? An den Buchstaben und an den einzelnen Wörtern. Wer das nicht glaubt, kann es einmal mit einem Versuch am Computer machen. Er schreibt ein wunderbares Gedicht, und dann, ja, das sind alles nur Buchstaben, und dann löscht man alle Buchstaben weg. Dann schaut man, was vom Gedicht noch übrig bleibt. Das war es dann. Der Sinn hängt am Buchstaben, und wenn man den Buchstaben verachtet, verachtet man eben auch den Inhalt der Heiligen Schrift.
Gerade kleine Wörter, ich nenne diese Wörter Strukturwörter, helfen uns nämlich, die Struktur, wie jetzt hier den Aufbau des Kolosserbriefes, zu verstehen. Sie sind ganz wichtig und nicht einfach Nebensache. Denn sie helfen uns, diese Einteilung zu machen, und so verstehen wir besser, was gemeint ist.
Was auch deutlich wird, ist, dass Lehre und praktische Anwendung unzertrennlich zusammengehören. Wenn es Leute gibt, die nur Lehre lieben und nicht die Praxis, dann sind das die falschen Leute, denn sie schneiden ja einen großen Teil der Bibel einfach weg. Aber auch solche, die sagen: Was uns interessiert, ist die Praxis. Wenn ich am Sonntag eine Predigt höre, dann möchte ich wissen, was ich am Montag zu tun habe. Okay, aber wenn da keine Lehre dabei ist, dann weiß man auch gar nicht, warum man am Montag das und das tun sollte.
Ja, das entspricht dann einfach diesen Büchern. Es gibt eine bestimmte Abteilung in den Buchhandlungen, und da findet man im englischsprachigen Raum die How-to-Bücher, also: Wie macht man Freunde? Hier wird genau praktisch erklärt, wie man Freunde macht. Oder es gibt noch eine ganze Serie von diesen How-to-Büchern, sehr praktische Ratgeber. Aber was steckt eigentlich dahinter? Welche Lebensauffassung? Das interessiert uns nicht, uns interessiert nur die Praxis. Aber hinter jeder Praxis steckt eigentlich eine Überlegung, ein Gedanke, man könnte sagen eine Lehre, und je nachdem eben eine falsche Lehre, zum Beispiel eine falsche psychologische Lehre. Ja, da macht man Freunde aufgrund einer falschen psychologischen Lehre, dann kriegt man auch die falschen Freunde.
Man kann das nicht trennen, und man soll das auch nicht trennen. Das Wort Gottes ist so, dass beides miteinander verbunden wird, und wir können uns nicht auf das eine oder das andere konzentrieren, sonst kommen wir auf Abwege.

Der Tod mit Christus und die Bedeutung der „Elemente der Welt“

Ja, jetzt gehen wir aber Vers für Vers durch, Kapitel 2, Vers 20: Wenn ihr mit Christus den Elementen der Welt gestorben seid.
Paulus sagt: Ihr Kolosser seid tot. Ihr seid gestorben. Wie meint er das? Nun, das haben wir ja in dieser Lehre über die Taufe bereits gesehen. Im Kapitel 2 erläutert der Apostel Paulus die Bedeutung der Taufe, insbesondere ab 2,11.
Was wird in der Taufe ausgedrückt, wenn der Täufling ins Wasser hinabgetaucht wird? Dann ist das ein Bild des Grabes. Und das versteht man gut, wenn man daran denkt, wie früher der Atlantik mit dem Schiff befahren wurde. Es ging einige Wochen, bis man in Amerika war, und wenn Leute unterwegs starben, dann konnte man diese Leichen nicht auf dem Schiff behalten. Dann musste man sie eben beerdigen, aber das ging ja nicht, es gibt ja keine Erde. Man musste sie eben über Bord werfen, und so wurde der Ozean ihr Grab.
So versteht man beim Untertauchen in der Taufe: Das ist ein Bild des Grabes. Darum sagt Römer 6 im Zusammenhang mit der Taufe: Ihr seid begraben, mit Christus begraben, gestorben und begraben. Das wird ausgedrückt. Der Täufling sagt mit der Taufe: Mein altes Leben ist vorbei.
Und das haben wir gesehen in Kolosser 2, wo eben beschrieben wird, im Zusammenhang mit der Taufe, dass das Alte quasi abgeschlossen ist. Und mit dem Auftauchen haben wir das Bild der Auferstehung, nämlich: Jesus Christus ist aus den Toten auferstanden. Und wenn ich an ihn geglaubt habe und an seinen Opfertod, dann wird auch seine Auferstehung mir zugerechnet.
Also so, dass der Täufling sagen kann: Ich drücke mit der Taufe aus, ich bin mit Christus gestorben, weil sein Tod am Kreuz ja das war, was ich verdient habe. Und dadurch, dass ich mich bei der Bekehrung mit ihm identifiziert habe und wirklich von Herzen sagen konnte: Der Jesus ist an meiner Stelle gestorben, hat Gott mir seinen Tod zugerechnet. Und damit hat er mir auch die Auferstehung zugerechnet.
Also: Der Täufling, der wieder herauskommt aus dem symbolischen Grab, der sagt damit: Und jetzt hat mit meiner Bekehrung ein völlig neues Leben in der Nachfolge begonnen.
Und nun sagt Paulus: Das hat Konsequenzen, diese Erkenntnis. Wenn ihr mit Christus den Elementen der Welt gestorben seid, was bedeuten die Elemente der Welt? Ich habe auf dem Skript bei Kapitel 2, Vers 20 geschrieben: Der Tod des Herrn Jesus wird den Gläubigen zugerechnet. In diesem Sinn sind sie, die Gläubigen, mit ihm, mit Christus, gestorben. Dies bedeutet, dass auch das von Satan regierte Weltsystem mit all seinen Grundsätzen, Grundideen, das ist gemeint mit Elemente, keinen Belang mehr für sie haben.

Das von Satan geprägte Weltsystem und seine Grundmuster

Also, wir müssen da Verschiedenes erklären: Welt, Elemente, Welt. Das bedeutet, dass Satan diese Welt seit dem Sündenfall regiert und diese Herrschaft systematisch aufgebaut hat. Und zwar so, dass er für jeden Typ etwas hat. Für den religiösen Typ hat er zum Beispiel Buddhismus, für den coolen, verstandesmäßigen Typ hat er Atheismus, und für den sozial ausgerichteten Typ hat er Sozialismus. Für jeden Typ gibt es ein Programm.
So beherrscht Satan diese Welt, und zwar nach einem Drei-Punkte-Programm. Das zieht sich durch alles hindurch. Das wird in 1. Johannes 2 beschrieben. Dort sagt Johannes in 1. Johannes 2,15: Liebt nicht die Welt, noch was in der Welt ist. Damit meint er nicht, dass wir die Schöpfung nicht lieben sollen. Das Wort Kosmos kann ja einmal die ganze Schöpfung bedeuten, aber in einem anderen Zusammenhang bedeutet es die ganze Menschheit. In Johannes 3,16 heißt es: Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab. Da bedeutet Kosmos die Menschheit. Gott hat die ganze Menschheit geliebt und darum seinen Sohn gegeben.
Und hier steht: Liebt nicht die Welt. Wie geht das? Ganz einfach: Das Wort Welt hat im Griechischen verschiedene Bedeutungen. In der Sprachwissenschaft sagt man: Ein Wort hat ein Wortfeld. Es gibt also verschiedene Bedeutungen in diesem Feld. Und je nach Zusammenhang, in dem man ein Wort braucht, gilt nicht das ganze Wortfeld, sondern nur ein Ausschnitt daraus. Das ist das Problem von Google Translator. Der weiß eben nicht, was wir genau wollen. Dann übersetzt man einen Brief von Deutsch auf, sagen wir, brasilianisches Portugiesisch, und dann kommt so ein Blödsinn heraus. Und zwar deshalb, weil er bei einem Wort zum Beispiel denkt: Ich schreibe „Hat Ihnen meine Aufnahme gefallen?“ und er übersetzt: „Haben Ihnen meine Fotos gefallen?“ Aber ich meinte ja eine MP3-Aufnahme und nicht eine Aufnahme mit der Kamera. Das merkt der Translator nicht und nimmt dann eben aus dem Wortfeld eine falsche Bedeutung heraus.
Darum geht es nicht, Briefe einfach blind mit einem Translator zu schreiben. Das kann unter Umständen sehr, sehr dumm herauskommen. Man muss dann doch ein bisschen von der Zielsprache wissen und nachkorrigieren. Ja, die Sprachen sind so beschaffen, und darum eben auch das Griechische des Neuen Testaments. Und gerade das Wort Welt kommt in der Bibel in rund zehn verschiedenen Bedeutungen vor. Zehn! Und eben einmal heißt es die ganze Schöpfung, in Epheser 1, vor Grundlegung der Welt, das heißt vor Erschaffung des Kosmos. Aber in Johannes 3,16 die ganze Menschheit, in 1. Johannes 2 das System, das als Regierung über die gefallene Welt, die gefallene Menschheit aufgebaut ist.
Und da heißt es: Liebt nicht die Welt, noch was in der Welt ist. Wenn jemand die Welt liebt, so ist die Liebe des Vaters nicht in ihm. Denn alles, was in der Welt ist – jetzt kommt das Drei-Punkte-Programm – die Lust des Fleisches und die Lust der Augen und der Hochmut des Lebens ist nicht von dem Vater, sondern ist von der Welt. Und die Welt vergeht und ihre Lust; wer aber den Willen Gottes tut, bleibt in Ewigkeit.
Diese drei Punkte hat Satan schon beim Sündenfall eingesetzt, also gerade vor dem Sündenfall, und es hat funktioniert, nicht wahr? Er hat Eva diese verbotene Frucht vorgestellt. Das ist es, was sie begehren soll. Und wirklich, in 1. Mose 3 heißt es, sie sah die Frucht, dass sie gut wäre zur Speise. Das war die Lust des Fleisches. Und dann heißt es auch, sie sah diese Frucht an. Das heißt, sie hat diese Frucht visuell wahrgenommen als etwas ganz besonders Begehrliches. Das war die Lust der Augen. Und dann hat Satan gesagt: Und wenn ihr das esst, dann werdet ihr sein wie Gott. Das hat das Thema Hochmut angesprochen, sein zu wollen wie Gott.
Und dieses Drei-Punkte-Programm setzt Satan überall durch. Ich habe gesagt, es gibt ganz verschiedene Unterkapitel: Buddhismus, Sozialismus, und ich könnte noch tausend andere Sachen aufzählen. Das sind nur Beispiele, also man behafte mich nicht auf diesen paar Beispielen. Aber überall spielen genau diese drei Punkte eine Rolle. Da sagt einer: Im Buddhismus sicher nicht, da geht es ja gerade darum, man muss anstreben, nichts zu begehren. Okay? Und was ist das mit dem Hochmut des Lebens? Dass man am Schluss wie Buddha wird. Ja, was ist Buddha? Ja, das ist einer, der ins Nirwana eingegangen ist. Okay? Und die Götter im Buddhismus, sind die höher oder niedriger als Buddha? Ah, Buddha ist höher als alle Götter. Okay, dann ist er eigentlich in der Position eines Gottes der Götter. Ja, das ist Hochmut des Lebens, eben zu einer Position zu gelangen, die eigentlich über allem steht: Ihr werdet sein wie Gott.
Und so findet man das überall. Und wie ist es im Sozialismus? Da geht es doch darum, dass man sich um die Armen kümmert und die Rechte der Arbeiter wahrnimmt und den Minderheiten Wichtigkeit verschafft. Warum macht man das? Weil man sich dann innerlich auf die Schulter klopfen kann: Wir sind besser als die aus den anderen Parteien, die sehen ja nicht mal die Probleme. Ja, aber wir sehen die Probleme und wir helfen wirklich. Aber letztlich muss man sich fragen: Warum geht es? Hochmut des Lebens. Ja, so regiert Satan.

Die Bedeutung von „Elementen“ als Grundsätze und die Unzulänglichkeit menschlicher Denksysteme

Und nun spricht Paulus in Kolosser 2,20 von den Elementen der Welt. Das Wort „Element“, das er da verwendet, bezeichnet im Altgriechischen die kleinsten Einheiten der Materie, also die Atome, aus denen alles zusammengesetzt ist. Aber die alten Griechen haben dasselbe Wort auch schon für Buchstaben verwendet.
Ja, wenn man eine Sprache mit Buchstaben schreibt, dann sind die Buchstaben eigentlich die kleinsten Einheiten. Mit ihnen setzt man Wörter zusammen, mit den Wörtern dann Sätze, mit den Sätzen Texte, mit den Textabschnitten ganze Bücher und mit ganzen Büchern ganze Buchreihen, ja? Also, das Element ist die kleinste Einheit. Und das wurde eben auch verwendet im Sinne von Grundsätzen, also grundlegenden Gedanken, Ideen, die man nicht weiter hinterfragen kann.
Das ist das Gleiche, was wir vielleicht in der Geometrie gelernt haben. In der Geometrie haben wir gelernt: Es gibt Axiome. Es gibt also Basisgedanken, die muss man nicht weiter in Frage stellen, die sind einfach da. Zum Beispiel ein Punkt: Das ist ein absolut kleinster Punkt, ja. Wie klein? Keine Ausdehnung, ja. Gibt es so etwas? Gibt es das? Ja, das ist die Vorstellung in der Geometrie. Ein Punkt ist eigentlich das absolut Kleinste.
Und dann eine Gerade, die verbindet zum Beispiel zwei Punkte miteinander. Und wie breit ist die Gerade? Oh, gar keine Ausdehnung! Die Gerade ist wirklich nur von da bis da, aber hat keine Ausdehnung. Ja, aber wo gibt es das in der Welt? Wenn man von einem Punkt zum anderen einen Strich zieht mit dem Bleistift, kann man ausmessen, das hat diese Ausdehnung. Ja, ja, ja, gut! Das ist so, wenn man das mit dem Bleistift macht. Aber das Grundaxiom in der Geometrie ist: Die Linie von Punkt zu Punkt hat keine Ausdehnung. Und die Gerade, das ist eine Linie von einem Punkt aus, die endet nie. Wo gibt es das? Solche Linien, die nie enden. Das sind eben die Grundannahmen in der Geometrie. Die nennt man Axiome.
Und so ist es auch in der Philosophie. In der Philosophie geht man aus von gewissen Grundannahmen. Und wenn man den Philosophen fragt: Warum? Warum so? Warum so? Dann kommt er an den Punkt und sagt: Es ist einfach so. Aha, das sind die Grundüberlegungen, von denen aus philosophiert wird, und die nicht mehr weiter hinterfragt werden.
Und da sagt der Apostel Paulus: Diesen Grundsätzen, die in der Welt gelten unter der Herrschaft von Satan, die gelten für euch Gläubige nicht. Ihr seid diesen Elementen gestorben. Das heißt: Jesus Christus ist gestorben, sein Tod wird euch zugerechnet, und darum könnt ihr sagen: Ich bin tot, und ich habe mit diesen Grundsätzen überhaupt nichts, überhaupt nichts am Hut und überhaupt nichts zu tun. Ihr seid den Elementen der Welt abgestorben.
Das heißt also: Diese Grundannahmen der ungläubigen Menschen, die sind für uns keine verbindlichen Grundannahmen. Und es ist ja so: In der Mathematik kann man von einem falschen Punkt, sagen wir von einer falschen Rechnung, ausgehen und dann weitere Rechnungen alles korrekt machen. Aber wenn die kleine Anfangsrechnung falsch war, dann ist am Schluss alles falsch. Und so ist es eben auch in allen Denksystemen dieser Welt, die unter der Herrschaft von Satan stehen. Da sind Grundüberlegungen, die können Sie nicht begründen. Das ist einfach so. Und sie sind falsch, weil Christus fehlt. Und wenn natürlich in der Rechnung der größte Faktor fehlt, dann ist die ganze Rechnung falsch. Da reicht es auch nicht, wenn sonst alle Zwischenberechnungen richtig sind.
Ich hatte einen solchen Physiklehrer. Der war fantastisch. Wenn wir da größere Dinge berechnen mussten, dann hat er, auch wenn am Schluss alles falsch war, uns alle diese Zwischenwege, die richtig waren, positiv angerechnet, mit Punkten. Toll. Aber vor Gott geht das eben nicht so. Wenn am Schluss die Rechnung des Lebens nicht aufgeht, dann reichen die Zwischenergebnisse nicht. Und warum? Weil Christus fehlt.
Der Herr Jesus sagt in Johannes 14,6: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Nicht ein Weg, sondern der Weg. Der Ausdruck „die Wahrheit“ ist eben so etwas Besonderes. Aletheia heißt das Verborgene, aber a- ist das alpha privativum, so wie im Deutschen unnormal oder nicht normal oder atonal, das heißt ohne Tonart, anormal, atonal. Und hier aletheia, das heißt das Unverborgene. Das heißt: Die Wahrheit ist die Darstellung der Dinge, wie sie sind.
Und Jesus Christus, der ja nach Johannes 1,3 der Schöpfer von allen Dingen ist, er ist die Wahrheit. Und nur in seinem Licht, wie es in den Psalmen heißt, sehen wir das Licht. Und wenn wir Jesus Christus auf der Seite lassen, dann wird jede Rechnung falsch. Und das ist das große Problem der menschlichen Gedankengebäude, Religionen und Philosophien.

Die konkrete Situation der Kolosser und die Abwehr der Irrlehren

Nun sagt der Apostel Paulus den Kolossern: Wenn ihr mit Christus den Elementen der Welt gestorben seid, warum unterwerft ihr euch dann Satzungen, also Vorschriften, als lebtet ihr noch in der Welt?
Wir haben ja in den vergangenen Male gesehen: Die Kolosser waren eine Gemeinde von wahren Gläubigen. Sie kamen zum Glauben durch den Dienst von Epaphras, einem treuen Gläubigen. Er wird im Kolosserbrief wiederholt erwähnt, das erste Mal schon in Kapitel 1, Vers 7. Durch Epaphras kamen sie zum Glauben, und er hat ihnen erklärt, wie man Gemeinde am Ort ist. So entstand die Gemeinde in Kolossä.
Aber diese Gemeinde bekam Besuch von Irrlehren. Eine Mischung aus jüdischen Lehren und griechischer Philosophie, gnostischer Art, wurde gebracht und sollte in der Gemeinde eingeführt werden. Der Apostel Paulus war zu dieser Zeit in Rom in Gefangenschaft. Er war ja von 60 bis 62 nach Christus gefangen in Rom. Die letzten Verse der Apostelgeschichte beschreiben das. Dort hat er davon gehört, was in Kolossä los war, und hat diesen Brief geschrieben, um den Gläubigen zu helfen, damit sie erkennen: Das sind alles Irrlehren und haben mit dem Glauben nichts zu tun.
Diese Lehrer brachten Dinge, die Epaphras ihnen nicht gebracht hatte. Epaphras hatte genau so gelehrt wie die Apostel und auch wie der Apostel Paulus. Epaphras konnte Paulus dieses Leid klagen, und dann schrieb Paulus diesen Brief. Er sagte im Grunde: Schaut mal, ihr habt doch damals, als ihr getauft wurdet, nach eurer Bekehrung ausgedrückt: Ich bin mit Christus gestorben. Ich bin auferstanden, und jetzt hat ein neues Leben begonnen.
Warum reagiert ihr dann auf solch falsche Lehren, die eigentlich nicht Christus entsprechen? Das sind Erfindungen, die den Grundsätzen von Menschen entsprechen, die nicht mit Christus verbunden sind. Ihr seid diesen Elementen gestorben. Das heißt, ihr solltet auf diese Behauptungen und diese Lehrsätze reagieren wie ein Gestorbener reagiert.
Und wie ist das? Wenn man einen toten Alkoholiker versuchen will, dann kann man es ja einmal testen: Man legt eine Whiskyflasche aufs Grab, und er reagiert überhaupt nicht. Warum? Weil er tot ist. So sollte es auch bei den Kolossern sein, dass sie überhaupt nicht auf diese Dinge eingehen.

Die Irrlehren der Menschen und die Warnung vor fremden Lehren

Und jetzt zitiert Paulus in Vers 21 so gewisse Lehrsätze dieser Irrlehre: „Berühre nicht, koste nicht.“ Wenn du das berührst, wirst du unrein.
Ja, aber im Alten Testament, in 3. Mose und 4. Mose, findet man ja Gebote für Israel, wo es heißt, dass man unrein wurde, wenn man ein Totengebein berührte. Ja, natürlich. Und darum hat Gott auch das Opfer der roten jungen Kuh angeordnet, 4. Mose 19, damit man von Verunreinigungen durch den Tod eben gereinigt wird.
Aber diese Gebote hat Gott Israel gegeben, dem Bund vom Sinai, und nicht der Gemeinde. Jetzt aber haben sie versucht, diese Kolosser – das waren in der Hauptsache Nichtjuden, die zum Glauben gekommen sind – in dieses System hineinzunehmen. Und dann kamen diese judaisierenden Lehren, die sagten: Ihr müsst auch diese Dinge und jene Dinge beachten. Und sie haben das noch mit griechischen philosophischen Gedanken verbunden: Berühre nicht, koste nicht, also nicht in den Mund nehmen und nicht essen.
Natürlich gab es ganz viele koschere Gesetze, die Gott Israel gegeben hatte, nicht aber den anderen Völkern. Und die haben versucht, diese Kolosser in das System des Bundes vom Sinai hineinzunehmen. Letztes Mal haben wir auch gesehen, dass sie ihnen beibringen wollten, jüdische Feste zu feiern und den Sabbat zu beobachten. Aber das hat Gott nur Israel gegeben. 2. Mose 31 sagt, der Sabbat ist das Zeichen des Bundes zwischen mir und den Kindern Israel, und nicht zwischen Gott und der Gemeinde. Die Gemeinde im Neuen Testament ist ja etwas ganz anderes als das Volk Israel, und auch nicht zwischen Gott und den Völkern dieser Welt, sondern nur zwischen Gott und Israel.
So haben sie also versucht, die Kolosser da hineinzuziehen. Und dann auch: Betaste nicht. Solche Gebote wollten sie ihnen aufdrängen. Und dann sagt Paulus, das hat er dann in Klammern gesetzt, damit man immer merkt, dass das ein Zitat der falschen Lehre ist und dann ein Kommentar von Paulus dazu: Dinge, die alle zur Zerstörung durch den Gebrauch bestimmt sind.
Also, wenn man das Gefühl hat, wir sind etwas besser als die anderen Gemeinden, die das nicht machen und sich nicht an diese Gesetze halten, dann sagt der Apostel Paulus: Alles in dieser Welt ist am Zerfallen, und am Schluss geht alles zugrunde. Und das kann man mit solchen Geboten nicht verhindern.

Vergänglichkeit der Schöpfung und die Hoffnung auf die kommende Herrlichkeit

Ich lese weiter Dinge, die alle durch den Gebrauch zur Zerstörung bestimmt sind. Auf dem Blatt bei Vers 22 habe ich hingeschrieben: Alles in dieser Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen. Das ist das Prinzip des zweiten thermodynamischen Hauptsatzes in der Physik, man könnte es auch das Zerfallsgesetz nennen, Römer 8,20.
Dort beschreibt der Apostel Paulus, dass durch den Sündenfall die ganze Schöpfung zu Fall gekommen ist, nicht nur der Mensch, der gesündigt hat, sondern die ganze Schöpfung. Ich lese es der Zusammenhänge wegen ab Vers 18, Römer 8,18: Denn ich halte dafür, dass die Leiden der Jetztzeit nicht wert sind, verglichen zu werden mit der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. Denn das sehnliche Harren der Schöpfung wartet auf die Offenbarung der Söhne Gottes.
Wenn Jesus Christus kommen wird mit allen Gläubigen, dann wird diese Schöpfung erlöst werden, und es wird einen ganz neuen Anfang geben im tausendjährigen Reich. Die Zukunft ist grün. Jesaja 35 sagt sogar, dass die Wüste dann aufblühen wird. Und wenn man daran denkt, wie viele Wüsten es weltweit gibt, nicht nur die Wüste Judäa und den Negev, sondern auch die Sinai-Wüste und die ganze Sahara und die Wüste Gobi und und und, dann würde das bedeuten: Wenn das alles fruchtbar wäre, würden die Leute nicht mehr sagen: Ja, wir haben zu viele Menschen auf der Welt, wie können wir sie ernähren? Wir müssen nur alle Wüsten fruchtbar machen.
Aber das wird kommen. Es wird alles aufgrünen. Die Zukunft ist grün, aber ohne grüne Politik. Hier heißt es, das sehnliche Harren der Schöpfung wartet auf diesen Moment. Wenn der Herr Jesus kommt mit allen Gläubigen, den Söhnen Gottes, da sind auch die Töchter Gottes mit angeschlossen, dann wird alles wunderbar werden.
Denn die Schöpfung ist der Nichtigkeit oder Vergänglichkeit unterworfen worden, nicht freiwillig, sondern um dessen willen, der sie unterworfen hat. Adam war schuld. Er hat das Ganze mitgerissen ins Elend, auf Hoffnung, dass auch die Schöpfung selbst freigemacht werden wird von der Knechtschaft des Verderbens zu der Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes. Die Schöpfung wird von dieser Sklaverei, dass alles kaputtgeht, verdirbt und verrottet, frei gemacht werden zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes.
Und dann heißt es: Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung mitseufzt. Die Natur ist am Seufzen. Das wissen wir nicht erst, seitdem es die Ökologiebewegung gibt. Nein, das wussten wir schon längst aus der Bibel. Die ganze Schöpfung mitseufzt und mit in Geburtswehen liegt bis jetzt. Und Geburtswehen sind ziemlich schmerzhaft. Ich habe das mehrmals erlebt. Nicht allein, aber sie, sondern auch wir selbst, die wir die Erstlinge des Geistes haben, auch wir selbst seufzen in uns selbst und erwarten die Sohnschaft, die Erlösung unseres Leibes.
Auch die Christen in dieser Welt haben noch nicht die Erlösung des Körpers. Der Körper ist noch genau diesem Zerfallsgesetz unterworfen, und darum werden Gläubige krank, auch ohne Sünde. Man kann krank werden wegen Sünde, aber man kann auch krank werden ohne Sünde, eben weil wir diesem Zerfall unterworfen sind. Es gibt ja manche Gläubige, die sagen, Gläubige sollten nicht krank sein. Ja, aber bitte, hier steht etwas ganz anderes. Wir haben noch gar nicht die Erlösung des Körpers.
Ja nein, sagen Sie, Christus ist gestorben, auch für unsere Krankheiten. Ja, und für den Tod? Ja, natürlich, Christus ist gestorben und hat den Tod besiegt. Und wieso dürfen wir dann noch sterben? Denn dann hätten ja alle Generationen seit den Aposteln nicht sterben dürfen. Ja, der Grund ist: Christus hat den Tod besiegt am Kreuz, aber das Ergebnis ist noch nicht umgesetzt worden. Das kommt erst noch bei der Entrückung, bei der Auferstehung, und danach wird das im tausendjährigen Friedensreich sichtbar werden.
Also, das ist der Grund, warum Gläubige eben auch jetzt noch mit Krankheit und mit Tod als Realität zu tun haben, auch wenn es gar nicht um Sünde geht. Das wird hier vorgestellt. Und nun, das war ein längerer Exkurs, einfach um das zu umschreiben, was der Apostel Paulus meint in Kolosser 2,22: Dinge, die alle zur Zerstörung durch den Gebrauch bestimmt sind.

Der Zerfall aller Dinge und die Grenzen religiöser Vorschriften

Wir haben so den Wunsch, wir möchten Dinge für immer behalten. Also ich meine jetzt nicht mäßig, nein, sondern irgendwie Dinge, schöne Dinge, an denen man Freude hat, die möchte man behalten.
Da kauft einer ein Auto, ich denke jetzt nicht an einen Ferrari oder Lamborghini, sondern an ein normales Auto. Und da hat man irgendwie Freude, so schön, so schön. Und am nächsten Tag schon gibt es den ersten Kratzer. Niemand sieht das, aber jedes Mal, wenn man zum Auto geht, hm, wieso? Es werden noch mehr Kratzer kommen, ganz feine. Und dann schliesslich der Nachbar: Ja gut, nur ein Teil am Kotflügel ist dann kaputt.
Aber eben, alles geht kaputt, und wir ertragen das schwer. Und ich kann jetzt noch ganz andere Dinge aufzählen. Man wird so entlastet, wenn man daran denkt: Das ist ein Gesetz. Alles, was wir brauchen, ist vergänglich, und es ist zur Zerstörung bestimmt durch den Gebrauch.
Manche würden sogar sagen: Ich habe eine Bibel, und die ist so schön ledergebunden, und da würde ich nie reinschreiben. Ja, ist auch besser so, das sieht dann nach einiger Zeit wirklich nicht so perfekt aus. Ja, ich schreibe in nichts rein, und am besten wäre es, man würde die Bibel nie brauchen. Ja, nur eine Bibel, die man nicht braucht, die nützt nichts. Ja, aber es ist so: Alles ist zur Zerstörung bestimmt durch den Gebrauch.
Und hier geht es eben sogar um einen höheren Gedanken, dass durch das Vermeiden von nicht berühren, nicht betasten, da irgendwie ein besonders heiliger Zustand erreicht wird. Und Apostel Paulus sagt: Es sind alles Elemente dieser Welt, Grundsätze, die mit Christus nichts zu tun haben, und da sollen wir gar nicht darauf eingehen. Wir sind tot. Und er sagt ja auch in Vers 22: Das sind alles Dinge nach den Geboten und Lehren der Menschen.
Und jetzt sehen wir dieses Berühre nicht, betaste nicht, koste nicht. Beim „Koste nicht“ spielt der Apostel Paulus gar nicht so sehr auf Gebote an, die Gott Israel gegeben hatte, sondern bereits auf rabbinisch verfremdete Gebote. Das Problem im rabbinischen Judaismus ist Folgendes: Man hat sich gefragt, wie können wir die Gebote Gottes richtig umsetzen? Da hat man das Prinzip aufgebaut, das kann man im Talmud nachlesen: Man muss um die Gebote herum einen Zaun errichten. Und mit diesem Zaun meint man, die Auslegung muss strenger sein als das Gebot gemeint ist, damit man dann das Gebot selber nicht übertritt. Und dadurch hat man über tausend Gesetze zusätzlich aufgestellt, zum Beispiel in Bezug auf den Sabbat, und ist dabei völlig über die Gedanken Gottes hinausgegangen.
Man hat so ein riesiges System aufgebaut, das wirklich eine schwere Belastung ist. Also wirklich, diese Ultraorthodoxen aus Osteuropa mit den langen Schläfenlocken und den schwarzen Gewändern, die sind nicht zu beneiden. Diese Gesellschaft ist eine richtige Sekte geworden. Und sie ist ganz schrecklich. Diese Menschen sind in einer Gefangenschaft, nicht durch das Wort Gottes, sondern durch ein riesiges rabbinisches System, das immer noch ausgeklügelter geworden ist. Denn man hat von Generation zu Generation hinzugefügt.
Und zwar, zum Beispiel vor einigen Jahren war das, da hat ein Rabbi einer solchen Gemeinschaft gesagt: Wir müssen beim Passa jetzt noch strenger sein als bisher. Und zwar, wir dürfen ja keinen Sauerteig essen in der Passawoche, so steht das in 2. Mose 12, also nichts Gesäuertes und nur Matzen. Ja, so steht das in der Bibel: Mazot, ungesäuertes Brot. Ja, aber das heißt doch, dann dürfen wir in Jerusalem nicht mehr vom Wasserhahn trinken. Man kann das Wasser ist okay, nicht mehr vom Wasserhahn trinken, denn es gibt ja Leute, die im See Genezareth, obwohl Fischen nicht erlaubt ist, mit Brot fischen.
Und damals, vor Jahren, war eben das Trinkwasser noch abhängig vom See Genezareth. Das ist heute jetzt anders. Jetzt macht man ja in grossem Mass Entsalzung von Mittelmeerwasser. Und so wird Israel versorgt heute. Israel ist also auch führend in dem Bereich, Meerwasser in Trinkwasser umzuwandeln. Ganz fantastisch.
Aber eben, es geht mir nur darum: Also können wir kein Hahnwasser mehr trinken. Man hat jegliche Relation verloren. Und so wird das immer noch strenger, noch strenger, noch strenger, und man ist in einem System gefangen. Und der Apostel Paulus sagt: Nach den Geboten und Lehren der Menschen. Menschen, die sich so etwas ausdenken. Und hinter diesen Menschen, sagt 1. Timotheus 4, stehen sogar Dämonen, die solche Gedanken inspirieren, wo man über das Wort hinausgeht, nicht wahr?
Und man beachte auch hier diese Mehrzahl: nach den Geboten und Lehren der Menschen. Es ist ganz interessant, ich habe das hier auf dem Blatt ein bisschen zusammengefasst zu Vers 21. Er bezeichnet diese Lehren als Lehren von Menschen. Beachte: Von der wahren Lehre der Bibel wird immer in der Einzahl gesprochen. Ich habe ein paar Beispiele gegeben aus dem ersten Timotheusbrief, nur aus einem Brief: 1. Timotheus 1,10; 4,6; 5,17; 6,1 und 3. Jedes Mal geht es um die biblische Lehre, und da wird immer in der Mehrzahl gesprochen: Lehren.
Aber wenn von den falschen Lehren gesprochen wird, dann auffällig immer wieder in der Mehrzahl. Da habe ich einige Stellen hier sogar vollständig zusammengestellt: Matthäus 15,9, Markus 7,7, Kolosser 2,22, unsere Stelle, 1. Timotheus 1,3. Also im ersten Timotheusbrief, wo es immer um Lehre geht: Lehre, Lehre, Lehre. Die richtige Lehre wird dann von Lehren gesprochen, wenn es um falsche Lehren geht. Und auch in Kapitel 4, Vers 2, wo es um Lehren von Dämonen geht, und in Hebräer 13,9. Das möchte ich gerade aufschlagen zur Bestätigung:
 Hebräer 13,9: Lasst euch nicht fortreissen durch mancherlei und fremde Lehren! Denn es ist gut, dass das Herz durch Gnade befestigt wird, nicht durch Speisen, von denen, die keinen Nutzen hatten, die darin wandelten.
Aber er sagt: mancherlei, ganz verschiedene Arten, und fremde Lehren. Warum in der Mehrzahl? Weil Satan sich eben falsche Lehren ausdenkt, für jeden Menschentyp das Angepasste. Darum gibt es nicht nur eine Sekte, eine Irrlehre. Das ist auch der Grund, warum die Christenheit überfüllt ist mit falschen Lehren. Und man staunt manchmal über die Phantasie. Und wenn man dann noch die Kirchengeschichte studiert und all die Lehren, die da aufgekommen sind im Lauf der Jahrhunderte, im Verlauf von zweitausend Jahren, dann staunt man unglaublich über diese Phantasie, wie man das Wort verdrehen kann.
Ja, so arbeitet Satan, um die Menschen zu verwirren und um jedem so angepasst das zu geben, was ihn überzeugen könnte. Und da warnt also Paulus vor diesen vielfältigen, verschiedenen und dann eben auch fremden Lehren, weil sie entsprechend nicht dem entsprechen, was uns bekannt ist durch das Wort Gottes. Es ist fremd.
Ich war die Schafe des Herrn Jesus, so steht es in Johannes 10, hören seine Stimme. Einem Fremden folgen sie nicht. Schafe, die sind so fixiert auf die richtige Stimme des Hirten. Und übrigens nicht nur seine Stimme: Der kann auch irgendwie Geräusche machen, und die wissen genau, das kommt von ihm. Da kann ein anderer kommen, versucht, das gleiche Geräusch nachzumachen, die Schafe reagieren nicht. Aber den Hirten, den kennen sie.
Aber sie kennen nicht alle Diebe. Schafdiebe, die kennen sie nicht. Aber es reicht, wenn sie merken: Das ist nicht die richtige Stimme. Einem Fremden aber folgen sie nicht. Und so müssen wir nicht in der Lage sein, alle Irrlehren zu kennen, aufzuzählen und genau zu widerlegen, um bewahrt zu bleiben. Es reicht, wenn wir die Stimme des guten Hirten kennen und dann merken: Das ist eine fremde Lehre. Da ist etwas Fremdes drin, das passt nicht. Das reicht, und man kann bewahrt bleiben.
Und das ist also zu beachten, wenn Paulus sagt: nach den Geboten und Lehren der Menschen.

Der Schein von Weisheit und die Gefahr asketischer Frömmigkeit

Und von diesen Lehren sagt er, sie haben zwar einen Schein von Weisheit. Wenn man sich mit Irrlehren beschäftigt, dann denkt man: Ja, das ist eigentlich klug formuliert und klug argumentiert. Aber wenn der Ausgangspunkt falsch ist, ist das Ergebnis auch falsch. Und dann ist die ganze Logik dazwischen eigentlich nur Verführung.
So ist das übrigens auch in der Evolutionslehre. Man muss nicht meinen, in der Evolutionslehre sei alles falsch. Nein, da gibt es ganz viele richtige Beobachtungen und ganz exakte Messungen. Daran müssen wir gar kein Problem haben. Das Problem ist dann die Schlussfolgerung oder auch die Herleitung aus etwas, was gar nicht bewiesen ist. Dort liegen dann die Denkfehler. Da kann man natürlich überrascht sein: Das ist sehr folgerichtig und logisch argumentiert. Ja, aber der Ausgangspunkt ist falsch, und damit ist auch das Schlussergebnis falsch.
Also, das ist nur das Verführerische, dieser Schein von Weisheit. Und dann beschreibt er diese Irrlehre, mit denen die Gläubigen konfrontiert waren, und sagt: in eigenwilligem Gottesdienst. Es geht um die Verehrung Gottes. Es ist doch schön, könnte man denken: Gott ehren, ja klar. Aber es ist eigenwillig, das heißt, es richtet sich nicht nach dem, was die Heilige Schrift sagt. Und wenn ein Gottesdienst sich eben nicht den Anordnungen und der Belehrung der Heiligen Schrift unterwirft, dann ist es eigenwilliger Gottesdienst, und das lehnt Gott ab.
Und dann sagt er sogar: und in Demut. Das sind ganz gefährliche Irrlehrer, die erscheinen unglaublich demütig, manchmal eben fast zu demütig, sodass man schon merkt, dass irgendetwas faul ist. Aber das ist auch eine Taktik des Feindes, dass er Leute sehr demütig auftreten lässt. Und wenn man dann untersucht, was dahinter versteckt ist, ist es doch etwas ganz anderes.
Und dann sagt er: und im Nichtverschonen des Leibes. Und das hängt jetzt eben zusammen mit dieser Kombination dieser Irrlehre von, man kann sagen, jüdischen Lehren. Ich unterscheide das von den Lehren der Tora, so wie es im Gesetz der Bibel für Israel bestimmt ist, sondern von dem, was daraus noch weiter gemacht worden ist: jüdische Lehren. Und dann diese Kombination mit den gnostischen Lehren.
Die Gnostiker waren eine Bewegung ab dem ersten Jahrhundert, besonders ausgeprägt dann im zweiten Jahrhundert, und zwar von sogenannten Christen, die Gedanken übernommen haben von Platon. Platon hat in seiner Ideenlehre dargelegt: Alles, was wir sehen, ist eigentlich nur ein Abbild von höheren Gedanken und Ideen im Jenseits. Und man kann eigentlich sagen: Alles, was wir sehen, ist nur ein Schatten von höheren Ideen im Jenseits. Und die höchste Idee, das absolut Gute, das sei Gott. Aber das ist nicht der Gott der Bibel.
Und diese Lehre ist eben sehr gefährlich, weil das dazu geführt hat, dass man alles das, was wir in der Schöpfung sehen, nur als einen Schatten sah. Und das hat dazu geführt, dass besonders dann dem sogenannten Neoplatonismus folgend alles Materielle, alles, was wir in der Schöpfung haben, eigentlich minderwertig ist. Und daraus entstand auch die Idee, der Körper des Menschen sei minderwertig. Was wertvoll ist, das ist die Seele, der Geist. Und man hat dann sogar vom Körper als einem Gefängnis für die Seele gesprochen.
Ja, das war quasi eine Art Übergeistlichkeit, die dann das Irdische verachtet hat. Und das haben viele empfunden: Oh, das sind aber ganz besonders fromme Leute, die sagen, ich heirate nicht. Und zwar nicht wie der Apostel Paulus, der sagte: Ich kann ohne Problem ledig bleiben. Und damit kann ich mehr Zeit für die Sache des Herrn einsetzen. Das ist etwas ganz anderes, erst 1. Korinther 7. Aber das war die Überlegung: Wenn ich nicht heirate, dann bin ich eigentlich heiliger als die, die heiraten. Warum? Ja, die leben doch ihre Sexualität in der Ehe aus. Ja, aber da spielt ja der Körper eine große Rolle. Ja, schon, aber nicht nur. Sexualität ist nicht nur Körper, sondern Körper, Seele und Geist.
Aber ja, das sind eben tiefere Christen. Aber die, die sich von dem körperlichen Ganzen lösen können, die sind auf einer höheren Stufe. Und das äußert sich auch daran: Wir können fasten, und zwar so, dass wir auf Speisen und Getränke verzichten und durch diese Askese immer einen höheren Stand erreichen.
Das beschreibt der Apostel Paulus in 1. Timotheus 4 und sagt: Das sind Lehren von Dämonen. Können wir mal aufschlagen? 1. Timotheus 4,1: Der Geist aber sagt ausdrücklich, dass in späteren Zeiten etliche von dem Glauben, das heißt von dem Glaubensgut, abfallen werden. Man beachte: Im griechischen Text steht hier nicht in den letzten Zeiten. Es geht hier nicht um die Endzeit, sondern er sagt in späteren Zeiten, das heißt, das griechische Wort hysteros bezeichnet hier die nach den Aposteln dahinterliegende Zeit.
Was machen die dann? Indem sie achten auf betrügerische Geister und Lehren von Dämonen, durch die Heuchelei von Lügenrednern, die betreffs des eigenen Gewissens wie mit einem Brenneisen gehärtet sind, also ganz gefühlslos sind im Gewissen, verbieten zu heiraten und gebieten, sich von Speisen zu enthalten, die Gott geschaffen hat zur Annahme und Danksagung für die, die glauben und die Wahrheit bekennen.
Sehen wir, was sie da haben? Verbieten zu heiraten, Heiratsverbote, das ist Zölibat. Und die Askese, Gebote, sich von Speisen zu enthalten, das ist eben Askese. Und das kam auf, ganz besonders ab dem zweiten Jahrhundert, gerade nachdem der letzte Apostel Johannes gestorben war, um 100. Das wurde immer mehr zu einem richtigen Trend, ein Zeitgeist. Immer mehr gingen in die Wüste als Eremiten und wollten diesen höheren Stand erreichen. Und dann waren es so viele, da haben sie sich zusammengeschlossen zu Klöstern.
Und immer wieder die zwei Dinge: Zölibat, Askese. Zölibat, Askese. Was ist das? Eine Verachtung des Leibes und darum eine Verachtung der Ehe. Und der Apostel Paulus sagt das in Lehren von Dämonen. Und übrigens, das steht auch in jeder katholischen Bibel. Das ist der absolute Hammer!
Ja, jetzt ist Viertel nach, und wir sind mit der Askese noch nicht ganz fertig. Aber wir fahren gleich nach der Pause dann an dieser Stelle weiter.

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