Einleitende Gedanken
Letzte Woche wurde die umstrittene Weihnachstsbeleuchtung an der
Bahnhofstrasse eingeschalten. Das Lichtprogramm wurde beschleunigt, um
bei den Leuten mehr Gefallen zu finden. Wie auch immer, jedenfalls ist
das ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Adventszeit begonnen hat.
Die Geschäfte sind für den Weihnachtsverkauf gerüstet. Für viele beginnt
nun das Rätselraten, welches Geschenk für wen gekauft werden muss.
Die Adventszeit ist die Zeit, in der man symbolisch auf die Ankunft des
Christkindes wartet. Natürlich warten die wenigsten darauf, dass sie den
Geburtstag von Jesus feiern können. Vielmehr wartet man auf die
wohlverdienten Freitage, die man zusätzlich bekommt. Viele warten auf die
notwendige Entspannung nach dem stressigen Jahresendspurt. Andere warten
gespannt auf die Geschenke.
Als Christen wissen wir natürlich, dass die Zeit vor Weihnachten nicht eine
wirkliche Adventszeit ist. Christen leben eigentlich jeden Tag in der
Erwartung der Ankunft von Jesus Christus. Wir warten auf den Tag, an dem
Jesus nicht als Säugling, sondern in Macht und Herrlichkeit in
Erscheinung treten wird. Jeder Tag unseres Lebens bringt uns einen
Schritt näher an dieses grossartige Ereignis. Paulus lebte in diesem
Bewusstsein, er schrieb nach Rom:
"Bei dem allem seid euch bewusst, in was für einer entscheidenden Zeit
wir leben. Unsere Rettung ist jetzt noch näher als damals, als wir zum
Glauben kamen, und es ist höchste Zeit, dass ihr aus dem Schlaf
aufwacht." (Römer 13,11).
Die Adventszeit kann uns wieder neu daran erinnern, dass wir auf ein
grossartiges Ereignis warten. Aber wie Paulus den Römern schrieb, sollen
wir nicht schlafend warten, sondern hellwach und aktiv sein. Deshalb
werden ich heute Morgen der Frage nachgehen: Wie warten wir auf Jesus?
Die Antworten entnehme ich dem Abschnitt aus dem Römerbrief 15,1-6.
# Wir warten auf Jesus, indem wir einander dienen
Paulus nahm zu Spannungen unter den Christen Stellung. Es herrschten
verschiedene Vorstellungen darüber, wie und welche Feiertage befolgt
werden müssen. Es gab Christen, die waren der Überzeugung, dass man die
Feiertage nicht mehr einhalten muss, andere waren vehement dafür, dass
man die traditionellen Feiertage einhält. Ferner gab es grosse
Differenzen darüber, ob man Fleisch, das zuvor mit grosser
Wahrscheinlichkeit den Göttern geopfert wurde, essen darf oder nicht.
Keine einfachen Fragen in der damaligen Zeit.
Bevor Paulus mit seinen Erklärungen begann sagte er ganz grundsätzlich:
"Nehmt den, der in seinem Glauben schwach ist und meint, sich an
bestimmte Vorschriften halten zu müssen, ohne Vorbehalte an; streitet
nicht mit ihm über seine Ansichten." (Römer 14,1).
Es lohnt sich nicht, über solche Dinge zu streiten. Paulus ist der Meinung,
dass es viel Wichtigeres gibt. Das sind wohl interessante Fragen, darüber
kann man sprechen, das tut er ja auch, aber es sind eben
Nebensächlichkeiten. Er möchte nicht, dass sich die Christen wegen
solchen Fragen streiten, denn Streit hinterlässt immer negativen Spuren.
Im Streit sagen wir Dinge, die wir lieber nicht gesagt hätten.
Die Starken im Glauben, zu denen sich Paulus selbst zählt, waren das
Problem. Sie erkannten die Freiheit in Christus. Sie verstanden, dass das
Gesetz mit seinen Forderungen keine Bedeutung mehr hat. Doch sie neigten
dazu, mit ihrer richtigen Erkenntnis, die Schwachen im Glauben zu
überfordern. Sie nahmen absolut keine Rücksicht auf ihre Empfindungen.
Damit brachten sie die Schwachen in Gewissensnöte. Streitereien über
solche Fragen waren an der Tagesordnung. Von Liebe war nicht mehr viel zu
spüren. Rechthaberei von beiden Parteien dominierte. Paulus schrieb über
solches Verhalten den Korinthern:
"Blosses Wissen macht überheblich. Was uns wirklich voranbringt, ist
die Liebe." (1. Korinther 8,1).
Wieviele Themen gibt es in den Gemeinden, worüber man sich streiten kann?
Z.B. Bibellesen wann? Haarlänge? Hosen oder Rock? Musikstil? usw.
Meistens streitet man sich über Dinge, die man mit gutem Grund
verschieden sehen kann, trotzdem möchte jeder schlussendlich recht haben.
Aber so können wir nicht leben und glauben, wenn wir auf Jesus warten.
Solche Streitereien nehmen uns gefangen und lassen in den Hintergrund
treten, dass wir eigentlich auf Jesus warten. Deshalb schrieb Paulus:
"Wir als die im Glauben Starken sind verpflichtet, die Bedenken der
Schwächeren ernst zu nehmen, statt in selbstgefälliger Weise nur an uns
zu denken." (Römer 15, 1).
Wer eine höhere Erkenntnis hat, soll sich darin nicht selber gefallen, sich
über den Schwächeren erheben. Er soll diese Einwände ernst nehmen und
sogar bereit sein, auf die Freiheit, die er in Christus hat, zugunsten
des Schwächeren zu verzichten.
Pauus lebte dieses Prinzip ganz konsequent.
"Wenn ich mit Menschen zu tun habe, deren Gewissen empfindlich ist,
verzichte ich auf meine Freiheit, weil ich auch diese Menschen gewinnen
möchte. In jedem einzelnen Fall nehme ich jede nur erdenkliche
Rücksicht auf die, mit denen ich es gerade zu tun habe, um jedes Mal
wenigsten einige zu retten." (1. Korinther 9,22).
Es ist ein fundamentales geistliches Prinzip, das Paulus nun formuliert:
"Jeder von uns soll auf den anderen Rücksicht nehmen und danach fragen,
was gut für ihn ist und was ihm im Glauben weiterhilft." (Römer 15,2).
Die erste Frage, die uns beschäftigen soll ist nicht, ob wir recht haben
und recht behalten. Die Frage, die uns beschäftigen soll ist: Was hilft
meinem Bruder oder meiner Schwester im Glauben weiter? Das ist für uns
eine grosse Herausforderung. Wir sind uns gewohnt zuerst einmal zu
fragen, ob es für mich stimmt, ob es mir so wohl ist. Aber das ist nicht
die Fragestellung von Christen.
Für diese Verhaltensweise gibt es ein grossartiges Vorbild, nämlich Jesus
selbst!
"Auch Christus hat nicht danach gefragt, was ihm selbst gefallen würde.
Es heisst von ihm in der Schrift: Gegen mich, o Gott, richten sich die
Beschimpfungen deiner Feinde." (Römer 15,3).
Jesus war nicht darauf aus, seine Privilegien zu nutzen. Er beanspruchte
seine Macht nicht, um seine Freiheit auszuleben. Er ertrug es, dass man
ihn beschimpfte und lästerte. Er liess es zu, dass man ihn schlug und
belächelte, obwohl er jeden seiner Feinde hätte vernichten können.
Jesus dachte nicht an sich. Er dachte an Dich und an mich. Er fragte
danach, was uns weiterhelfen würde. Würde es uns weiterhelfen, wenn er
alle seine Feinde vernichtet und seine Herrschaft aufrichtet? Oder würde
es uns helfen, wenn er sich schlagen und für unsere Schuld ans Kreuz
nageln liess?
Uns konnte nur das Zweite helfen. Deshalb liess sich Jesus ans Kreuz
schlagen. Er hatte nicht seine Wünsche und Sehnsüchte in den Vordergrund
gestellt. Er wollte für uns das Beste erreichen. Er wollte uns
vorwärtsbringen!
Mit dieser Haltung sollen wir einander begegen. So müssen wir auf Jesus
warten. Jesus wird sich freuen, wenn wir nicht über verschiedene Dinge
streiten, sondern wenn wir das leben, was er uns vorlebte. Wie Paulus im
Kapitel vorher sagte:
"Darum wollen wir uns mit allen Kräften um das bemühen, was zum Frieden
beiträgt und wodurch wir uns gegenseitig im Glauben fördern." (Römer 14,19).
Bibelstellen zum Nachschlagen: Psalm 69,10; Römer 12,1-2, Römer 12,16; Römer 13,8-10; Römer 14,1-23; 1. Korinther 1,10; 1. Korinther 8,1; 1. Korinther 8,13; 1. Korinther 9,19-23; 1. Korinther 11,1; Philipper 2,1-5; Philipper 4,2; Galater 6,2
# Wir warten auf Jesus, indem wir uns Gottes Reden aussetzen
Wir warten auf Jesus, indem wir uns Gottes Reden aussetzen. Gottes Worte
und Gottes Gedanken sollen in unserem Leben einen grossen Einfluss
nehmen. Paulus meinte:
"Alles, was die Schrift sagt und was doch schon vor langer Zeit
niedergeschrieben wurde, sagt sie unseretwegen. Wir sind es, die daraus
lernen sollen, wir sollen durch ihre Aussagen ermutigt werden, damit
wir unbeirrbar durchhalten, bis sich unsere Hoffnung erfüllt." (Römer 15,4).
Dieser Einfluss ist wichtig, damit wir durchhalten können, bis sich unsere
Hoffnung erfüllt und erfüllt ist unsere Hoffnung, wenn wir Jesus
begegnen.
In unserer hecktischen Lebensweise, die von grosser und schneller
Informationsdichte geprägt ist, müssen wir alles daran setzen, dass die
Gedanken Gottes in unserem Leben Einfluss nehmen. Wir müssen es zulassen,
dass Gott in unser Leben hineinspricht, dass er unser Leben hinterfragt
kann.
Das geschieht nicht in erster Linie durch besondere Eingebungen, dass
hätten wir gern, weil wir uns dann besonders wichtig vorkommen können.
Nein, es ist wie Paulus hier schreibt, das was niedergeschrieben wurde.
Zu seiner Zeit bezog sich das auf das Alte Testament und heute können wir
das natürlich auch auf das Neue Testament beziehen.
Paulus sagte einmal Timotheus:
"Denn alles, was in der Schrift steht, ist von Gottes Geist eingegeben,
und dementsprechend gross ist auch der Nutzen der Schrift: Sie
unterrichtet in der Wahrheit, deckt Schuld auf, bringt auf den
richtigen Weg und erzieht zu einem Leben nach Gottes Willen." (2.
Timotheus 3,16).
Wollen wir die Hoffnung auf die Wiederkunft Jesu nicht verlieren, wollen
wir das Ziel nicht aus den Augen verlieren, dann müssen wir uns mit dem
Wort Gottes, mit der Bibel beschäftigen.
Vielleicht musst Du Dir heute wieder ganz neu vornehmen regelmässig in der
Bibel zu lesen. Plane Dir die Zeit dafür ein. Wenn Du meinst keine Zeit
dazu zu haben, dann überlege, was Du dafür aufgeben könntest.
Zu wichtig ist es, was Gott uns durch sein Wort sagen will.
"Wir sind es, die daraus lernen sollen, wir sollen durch ihre Aussagen
ermutigt werden, damit wir unbeirrbar durchhalten, bis sich unsere
Hoffnung erfüllt." (Römer 15,4).
Bibelstellen zum Nachschlagen: 1. Thessalonicher 2,4; 1. Timotheus 3,16
# Wir warten auf Jesus, indem wir Gottes Kraft vertrauen
Wir warten auf Jesus, indem wir Gottes Kraft vertrauen. Wunderbar, dass
Paulus diesen Punkt noch ausdrücklich erwähnt. Wir leben nicht aus
eigener Kraft. Schliesslich ist Paulus zutiefst davon überzeugt, dass
Gott durch den heiligen Geist in uns lebt, so kann er sagen:
"Denn von Gott kommt alle Ermutigung und alle Kraft, um durchzuhalten.
Er helfe euch, Jesus Christus zum Massstab für euren Umgang miteinander
zu nehmen und euch vom gemeinsamen Ziel bestimmen zu lassen." (Römer 15,5).
Gott ist mit uns unterwegs. Er unterstützt uns darin, dass wir unser
Zusammenleben vom gemeinsamen Ziel bestimmen lassen. In diesem
Zusammenhang sagte Paulus im voran gehenden Kapitel etwas ganz
interessantes:
Wenn du ihn verurteilst, ist es, wie wenn du dich zum Richter über
jemand machst, der im Dienst eines anderen steht. Wer bist du, dass du
dir so etwas anmasst? Ob jemand mit seinem Tun bestehen kann oder ob er
nicht besteht, das zu beurteilen ist einzig und allein Sache seines
Herrn, dem er verantwortlich ist. Und er wird bestehen, denn es steht
in der Macht des Herrn, ihn zu bewahren. Römer 14, 4.
Gott ist dafür besorgt, dass wir stehen bleiben. Ist das nicht eine
ermutigende Aussage?
Jesus möchte, wenn er wiederkommt, eine Schar von Menschen antreffen, die
ihn ehrt und gemeinsam anbetet. Er möchte nicht auf eine sich beissende
und giftelnde Herde Menschen treffen, die behauptet, sie würde ihn
eigentlich lieben.
Gott möchte, dass ihr ihn alle einmütig und mit voller Übereinstimmung
preist, ihn, den Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus. (Römer 15,6).
In Übereinstimmung meint aber nicht, dass wir jedes Detail gleich sehen. Es
gibt selbstverständlich Überzeugungen, die wir gemeinsam voll und ganz
teilen müssen z.B. die Überzeugung, dass Jesus der Sohn Gottes ist und er
für unsere Schuld am Kreuz starb. Da gibt es keine Varianten. Und Paulus
spricht in diesem Zusammenhang auch nicht von Sünde. Sünde bleibt Sünde
und Sünde muss bekannt und abgelegt werden!
Aber ob ich der Meinung bin, ein Christ sollte kein Alkohol trinken oder
ich bin der Meinung er darf durchaus Alkohol trinken, das soll nicht
dazwischen stehen, wenn wir Gott anbeten. Sonst könnte man ja meinen, im
Glauben gehe es um Verhaltensweisen gegenüber dem Alkohol und nicht um
Christus.
Paulus sagte:
"Wer alles isst, darf den nicht verachten, der nicht alles isst, Und wer
nicht alles isst, darf den nicht verurteilen, der alles isst. Gott hat
ihn doch genauso angenommen wie dich." (Römer 14,3).
Bibelstellen zum Nachschlagen: 2. Korinther 13,11
Schlussgedanke
Admiral Sir Phipps Hornby war ein erfolgreicher Kommandeur der britischen
Flotte. Von Admiral Phipps erzählt man aber eine weniger ruhmreiche
Geschichte. Es war im Krieg um Kanada, als die Briten und die Franzosen
um die Vorherrschaft in der neuen Welt kämpften. Ihm war gesagt worden,
er solle vor der Stadt Quebec mit seiner Flotte liegen. Dort sollte er
warten, bis die britischen Bodentruppen einträfen und sie dann beim Kampf
gegen die Franzosen vom Wasser aus unterstützen. Der Plan ging auf.
Phipps traf mit seiner Flotte einige Zeit vor den Bodentruppen ein. Er
wartete. Aus irgendeinem Grund riss ihm aber der Geduldsfaden. In der
Stadt gab es eine Kathedrale, die auf etlichen Türmen steinerne Heilige
stehen hatte. Er gab seinen Schiffen Befehl, die Figuren von der
Kathedrale herunter zu schiessen. Seine Soldaten schossen. Am Ende wusste
niemand mehr, wie viel Munition abgefeuert wurde. Etliche Figuren waren
von ihren Säulen heruntergeschossen.
Dann trafen die Landtruppen ein und das Signal zum Angriff wurde gegeben.
Doch Admiral Phipps war keine Hilfe. Er hatte seine gesamte Munition
verschossen. Er hatte sie auf Heilige geschossen.
Wir können unsere ganze Kraft aus lauter Langeweile oder warum auch immer,
dafür verwenden, Heilige abzuschiessen. Nur wird uns dann womöglich die
Kraft für die wichtigen Aufgaben fehlen. Paulus sagte:
"Behandle deine Überzeugung in diesen Dingen als eine Angelegenheit
zwischen dir und Gott. Glücklich zu nennen ist der, der sich in Fragen
der persönlichen Überzeugung so verhält, dass er sich nicht selbst
anzuklagen braucht." (Römer 14,22).
Bibelstellen zum Nachschlagen: 1. Petrus 3,8
