Serie•Teil 7 / 17E21 Hauptkonferenz 2025
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Die größere Gabe, die alles trägt
Wir haben heute Nachmittag über die Gaben des Geistes nachgedacht. Und ganz egal, wie wir zu den besonderen Geistesgaben wie Sprachenrede oder Prophetie stehen, ich denke, wir sind uns einig, dass es wunderbar und sehr wertvoll ist, dass Gott uns durch seinen Geist Gaben geschenkt hat.
Paulus schreibt sehr viel über die Gaben des Geistes in 1. Korinther 12. In der Diskussion vorhin sind wir schon ein wenig darauf eingegangen. Er lehrt uns über die Herkunft der Gaben: Gott teilt sie zu, so wie er will. Er erklärt auch, wozu sie gegeben sind: zum Nutzen aller, damit die Gemeinde erbaut wird. Und er betont den Wert der Vielfalt, dass wir einander ergänzen und so bereichern, damit die Gemeinde erbaut wird.
Er beendet dieses Kapitel mit einem bemerkenswerten Satz. Nach all dem Grossen und Wunderbaren, was Paulus über die Gaben des Geistes geschrieben hat, schreibt er an die Korinther: Ich will euch einen noch besseren Weg zeigen. Und wir fragen uns: Wie kann das sein? Was kann noch besser sein als diese wunderbaren Gaben des Geistes?
Die Antwort gibt Paulus unmittelbar gleich zu Beginn von Kapitel 13. Da erwähnt er nämlich die Frucht des Geistes, allen voran die Liebe. Also, lieber Christ, ich möchte wagen zu sagen, dass es nichts Besseres und vielleicht auch nichts Wichtigeres für dich und mich gibt, als immer mehr die Frucht des Geistes in uns zu haben, damit sie sich in uns immer mehr entfaltet. Denn ich glaube, nur wenn das geschieht, werden wir die Gaben des Geistes auch im Sinne Gottes und zu seiner Ehre einsetzen.
Ich möchte mit uns über die Frucht des Geistes nachdenken. Michael hat es gerade gesagt, anhand eines Textes aus dem Galaterbrief, Galater 5,16-25.
Bevor ich uns den Text lese, ist es sicherlich hilfreich, den Kontext vor Augen zu haben. Worum geht es im Galaterbrief? Der Galaterbrief ist ein wenig anders als die meisten anderen Briefe, die Paulus an Gemeinden schreibt. Zum einen schreibt er hier nicht nur an eine Gemeinde, sondern an die Gemeinden in Galatien, also an mehrere Gemeinden. Zum anderen schreibt er ihnen aufgrund einer grossen Sorge, die er im Hinblick auf diese Gemeinden hat.
Deswegen beginnt der Galaterbrief anders als alle anderen Briefe an Gemeinden. Er betet nach einem ersten Gruss nicht ein Dankgebet, sondern er kommt direkt zur Sache, mit einer harschen Ermahnung.
Der Hintergrund des Konflikts in Galatien
In Kapitel 1, Vers 6 heißt es: Mich wundert, dass ihr euch so bald abwenden lasst von dem, der euch berufen hat in die Gnade Christi, zu einem anderen Evangelium. Obwohl es doch kein anderes gibt, nur dass da einige sind, die euch verwirren und wollen das Evangelium Christi verkehren.
Also offenbar trieben in Galatien Irrlehrer ihr Unwesen, die den Christen ein falsches Evangelium einzureden versuchten. Konkret, und das wird im Verlauf deutlich, hatten diese Irrlehrer im Sinn, dass die Galater nicht nur Glauben an den Retter und Herrn Jesus Christus brauchten, sondern dass sie dann auch noch die jüdischen Gesetze halten müssten, um so vor Gott bestehen zu können.
Paulus betont, dass doch genau dieses Gesetz, diese Gesetze, uns alle versklavt hat. Von Natur aus scheitern wir alle am Gesetz, an dem, was Gott durch sein vollkommenes Gesetz fordert. Gottes Gebote, Gottes Gesetz, ist gut, aber wir schaffen es nicht, es zu halten. Deswegen haben wir ja das grundsätzliche Problem, dass wir alle Gottes Gericht verdient haben, dass wir versklavt sind, gefangen sind, verloren sind.
Und das Evangelium, die frohe Botschaft, ist doch genau die, dass Gott aufgrund seiner großen Barmherzigkeit und Liebe seinen Sohn, seinen einen Sohn Jesus Christus, in diese Welt gesandt hat, um für uns an unserer Stelle das ganze Gesetz zu halten. Er hat für uns das Gesetz erfüllt, und dann hat er die gerechte Strafe für unseren Gesetzesbruch auf sich genommen, sodass wir zum einen nun also seine Gerechtigkeit, sein perfektes Gesetz, zugerechnet bekommen, dadurch, dass wir uns an ihn wenden, an ihn glauben, und zum anderen unsere Schuld für unseren Gesetzesbruch auf ihn gelegt wird und er die gerechte Strafe am Kreuz auf sich genommen hat.
Das ist das wunderbare Evangelium. Ich hoffe, dass jeder, der hier ist, dieses Evangelium glaubt und nicht darauf vertraut, dass du auf irgendeine eigene Art und Weise vor Gott bestehen musst. Wir sind gerettet aufgrund der großen Gnade Gottes allein, durch den Glauben an Jesus Christus allein.
Diese Irrlehrer lehrten etwas Falsches, und Paulus erinnert sie daran und sagt: Ihr wisst doch, wie es bei euch war, als ich kam und euch diese befreiende Botschaft gepredigt habe, der Rettung durch Glauben allein, durch das Werk Jesu Christi allein. Das habt ihr doch voller Freude im Glauben angenommen. Und ihr habt doch erlebt, wie Gott dadurch in euch Raum eingenommen hat, wie der Geist Gottes euch erfüllt hat. Ich schreibe das in Kapitel 3 an mehreren Stellen.
Er stellt am Anfang so ein paar rhetorische Fragen, um sie daran zu erinnern, wie das bei ihnen war. Da sagt er noch einmal in sehr harter Sprache: O ihr unverständigen Galater, wer hat euch bezaubert, denen doch Jesus Christus vor Augen gemalt war, als der Gekreuzigte? Und dann sagt er: Das allein will ich von euch erfahren: Habt ihr den Geist empfangen durch die Gesetzeswerke oder durch die Predigt vom Glauben?
Dann, einige Verse weiter, sagt er in Vers 5 noch einmal das Gleiche: Der euch nun den Geist darreicht und solche Taten unter euch tut, geschieht das durch die Gesetzeswerke oder durch die Predigt vom Glauben? Und in Vers 14 sagt er ganz deutlich, dass wir den verheißenden Geist empfangen durch den Glauben.
Rettung allein durch Glauben, den Heiligen Geist empfangen durch Glauben. Das ist die großartige Botschaft, die er in Kapitel 4 zusammenfasst mit den Worten, die wir am Anfang dieser Konferenz schon gehört haben, wo Paulus sagt: Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsere Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater.
So bist du nicht mehr Knecht, sondern Kind. Wir, liebe Geschwister, sind befreit zur Kindschaft, zur Kindschaft Gottes. Wir sind befreit heraus aus der Knechtschaft, der Knechtschaft der Sünde und unter dem Gesetz. Und diese herrliche Wahrheit veranlasst Paulus schließlich dazu, zu Beginn von Kapitel 5 einen Jubelruf auszustossen: Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Amen.
Ich hoffe, du kannst damit einstimmen in diesen Jubel: Zur Freiheit befreit. Wir sind befreit von diesem verzweifelten Kampf, durch gute Werke irgendwie vor Gott bestehen zu müssen. Das kannst du nicht, und das musst du nicht. Du bist frei.
Freiheit, die nicht in Beliebigkeit endet
Nun genau diese Botschaft macht manche Christen sehr nervös. Wenn wir so frei sind, heißt das dann, dass der Heilige Geist uns zu einem gesetzlosen Leben befreit? Unser Predigttext hilft uns zu verstehen, dass das eben nicht die Freiheit ist, zu der wir den Heiligen Geist empfangen haben. Der Heilige Geist will uns in eine viel bessere Freiheit führen als die angebliche Freiheit einer Gesetzlosigkeit.
Ich lese uns unseren Predigttext aus Galater 5,16-25, hört auf Gottes heiliges und irrtumsloses Wort:
Ich sage aber: Lebt im Geist, so werdet ihr die Begierden des Fleisches nicht vollbringen. Denn das Fleisch begehrt auf gegen den Geist, und der Geist gegen das Fleisch. Die sind gegeneinander, sodass ihr nicht tut, was ihr wollt. Regiert euch aber der Geist, so seid ihr nicht unter dem Gesetz.
Offenkundig sind aber die Werke des Fleisches, als da sind: Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Hader, Eifersucht, Zorn, Zank, Zwietracht, Spaltungen, Neid, Saufen, Fressen und dergleichen. Davon habe ich euch vorausgesagt und sage noch einmal voraus: Die, die solches tun, werden das Reich Gottes nicht erben.
Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit. Gegen all diese ist das Gesetz nicht. Die aber Christus Jesus angehören, die haben ihr Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und Begierden. Wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch im Geist wandeln. Amen.
Der erste Auftrag: im Geist leben
Dieser Text beginnt und endet, wir haben das gehört, mit einem Gebot. Dazwischen lesen wir dann von einem großen Gefecht. Und dann werden uns in Form eines Gegensatzpaares die beiden Gegner vorgestellt, die gegeneinander kämpfen. Schließlich vermittelt Paulus eine große Gewissheit und mündet dann noch einmal im Gebot.
Also, wenn ihr euch die Predigt irgendwie merken wollt: Die Predigt ist noch nach dem alten 5G-Standard aufgebaut. Gebot, Gefecht, Gegensatz, Gewissheit, Gebot.
Das Gebot zu Beginn: Ich aber sage: Lebt im Geist, so werdet ihr die Begierden des Fleisches nicht vollbringen. Das ist der Aufruf, der dann auch am Ende noch einmal folgt. Ich werde ihn ganz am Ende auch noch einmal lesen, aber wir bandeln das hier ein bisschen mit, weil es in Vers 25 in ganz ähnlicher Form heißt: Wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch im Geist wandeln.
Hier merken wir schon, dass die Freiheit, zu der wir Christen befreit sind, keine Freiheit der Beliebigkeit ist. Es gibt hier einen klaren Auftrag. Der Geist Gottes, den wir durch den Glauben an den Retter und Herrn Jesus Christus empfangen haben, der soll nun Raum in uns bekommen. Oder anders gesagt: Wir sollen im Geist leben, wir sollen im Geist wandeln.
Nun, was bedeutet das? Ich glaube, an dieser Stelle gibt es oft eine Verwirrung darüber, was es eigentlich heißt, im Geist zu leben. Das ist nichts Mystisches. Wir wandeln nicht im Geist, indem wir unseren Verstand ausschalten und uns Emotionen hingeben. Es geht nicht nach dem Motto: Augen zu und Hände hoch. Wir wandeln nicht dadurch im Geist, dass wir uns irgendwie nach ganz besonderen Gefühlen oder Erlebnissen sehnen und die irgendwie haben, indem wir deutlich sagen: Emotionen sind etwas Wunderbares.
Gott hat uns gemacht mit Herz und Verstand, mit Emotionen, mit Gefühlen und mit der Fähigkeit zu denken. Beides gehört zusammen. Aber beides ist auch durch den Sündenfall beeinträchtigt, und deswegen müssen Herz und Verstand von Gott her informiert werden. Nur so werden wir dem Geist Raum geben.
Ich habe uns gerade in der Hinführung gelesen, wie wir den Geist empfangen haben: durch das Hören im Glauben oder durch die Predigt vom Glauben. Der Geist kam durch den Glauben. Also da, wo der Glaube gestärkt wird, bekommt der Geist Raum.
Wenn wir also im Geist leben, im Geist wandeln wollen, dann müssen wir alles tun, was unseren Glauben stärkt. Was stärkt deinen Glauben? Nun, die Auseinandersetzung mit dem Wort Gottes, durch das er dir göttliche Wahrheiten aufschließt. Durch Predigen, durch Bibelstudium. Der Glaube wächst, indem du dich im Gebet auf Gott ausrichtest. Unser Glaube kann gestärkt werden, indem wir uns geistliche Wahrheiten zusingen, so wie wir das gerade getan haben. Unser Glaube wird gestärkt durch geistliche Gemeinschaft, wo wir einander ermutigen und an göttliche Verheißungen erinnern.
Wenn wir so im Geist leben, sagt Paulus, werden wir die Begierden des Fleisches nicht vollbringen. Was für eine großartige Zusage. Also lasst uns im Geist leben.
Der innere Kampf und die Gefahr der Masken
Und doch macht Paulus deutlich, dass es hier einen Konflikt gibt, ein Gefecht. Da sind die Begierden des Fleisches, und die sind real. Von diesem Kampf, der in uns Christen tobt, von diesem harten Gefecht mitten in uns, schreibt Paulus dann direkt im Fortgang in Vers 17: Das Fleisch begehrt auf gegen den Geist, und der Geist gegen das Fleisch; die sind gegeneinander, sodass ihr nicht tut, was ihr wollt. Regiert euch aber der Geist, so seid ihr nicht unter dem Gesetz.
Also sehen wir hier: Der Kampf, das Gefecht, ist real. Und wenn wir ehrlich sind, dann müssen wir sagen: Wir alle kennen das, oder? Kennst du diesen Kampf, wie dein Fleisch, die Begierden des Fleisches, gegen Gottes Geist in dir aufbegehren?
Nun, in manchen christlichen Kreisen kann man den Eindruck gewinnen, dass das bei vielen nicht so ist. Du kommst in die Gemeinde und siehst dich um, und es sieht so aus, als wenn alle alles im Griff haben. Die sind alle unheimlich heilig, die haben keine Kämpfe. Und die Konsequenz ist dann typischerweise, dass man sich fragt, ob mit einem selbst etwas nicht stimmt. Wenn ich noch solche Kämpfe habe, wenn ich noch erlebe, wie die Begierden meines Fleisches ständig ankämpfen, dann stimmt bei mir etwas nicht, dann passe ich hier nicht rein.
Und die Konsequenz ist dann, dass wir uns unter diesem Druck Masken aufsetzen, damit niemand auffällt, dass wir noch verkrachte Existenzen sind, dass wir noch inneren Kampf haben. Und dann führen wir einen einsamen, verborgenen Kampf und oft ein Doppelleben, wo wir nach außen etwas vorgeben, was nicht dem entspricht, was im Inneren ist.
Und ganz ehrlich, das tun wir alle immer mal wieder, oder? Weil uns nicht klar ist, dass dieses Gefecht normal ist. Und wir denken: Bei mir stimmt etwas nicht, und es ist peinlich. Und dann setzen wir Masken auf. Und wisst ihr, was dann aus der Gemeinde wird? Die Gemeinde Gottes wird zum Maskenball, weil jeder sich eine Maske aufsetzt und denkt: Ich bin der Einzige, der eine aufhat. Aber alle anderen machen genau das Gleiche.
Anstatt einander dabei zu helfen, wirklich im Geist zu leben und die gute Frucht des Geistes hervorzubringen, machen wir etwas total Absurdes. Wir tackern uns so ein paar Früchte dran, versuchen damit, den ganzen Dreck in unserem Leben zu überdecken, damit wir möglichst so aussehen, als wenn bei uns nur noch Geist ist und keine Begierde des Fleisches mehr.
Das muss nicht sein, und das sollte auch nicht sein.
Der Kampf ist real, aber nicht hoffnungslos
Was Paulus hier schreibt, ist ungemein befreiend. Schau dich um, schau jeden anderen hier an, schau einmal durch den Saal, und dann hör noch einmal: Bei dem, bei der begehrt auch das Fleisch auf gegen den Geist. Willkommen im Club!
Und der Geist gegen das Fleisch: Siehst du, gerade weil du durch den Glauben den Geist Gottes empfangen hast, hast du jetzt einen Kampf. Nichtchristen kennen das nicht. Bei ihnen begehrt nichts gegen das Fleisch auf, das Fleisch hat keinen Gegner. Aber in uns Christen ist ein Kampf.
In gewisser Weise hatten schon so viele Brüder tolle Filmillustrationen, und ich habe das Problem, dass ich bei Filmen immer einschlafe. Von daher kann ich euch leider keinen Film nennen. Wisst ihr noch, wie das mit Rambo damals war oder so? Weiß ich selber leider nicht. Aber ich bin mir sicher, es gibt einen Film, in dem ein großer Held kommt, um jemanden, der gefangen genommen ist, zu befreien.
Und in gewisser Weise ist das genau das, was Gott tut, wenn er sein Evangelium sendet und sein Geist uns das Herz auftut, damit wir Acht geben und das Evangelium hören. Und jetzt kommt der große Held, Gott, durch seinen Geist, so dass wir das Evangelium hören, das er uns sendet. Er tut etwas Großartiges: Er rettet uns aus der Gefangenschaft, er befreit uns aus einer Fremdherrschaft, und es findet ein Herrschaftswechsel statt. Wir kommen jetzt unter den Schutz, und wir kommen unter die Herrschaft dieses Retters. Uns regiert jetzt der Geist. Das ist das, was er in Vers 18 sagt: Wir sind nicht mehr unter der anderen Herrschaft.
Das Problem ist nur: Auch wenn Rambo oder wer auch immer gekommen ist, wir sind noch auf feindlichem Territorium. Und deswegen geht der Kampf weiter. Der Befreiungskampf ist noch nicht vorbei.
Rudi hat heute Nachmittag gesprochen von einem äußeren Kampf, ich weiß gar nicht mehr, wann es war, ich verliere heute den Überblick. Heute Vormittag hat er von einem äußeren Kampf gesprochen. Hier geht es jetzt um einen inneren Kampf. Das heißt: Noch kämpft unsere Sündennatur, das ist mit Fleisch gemeint, gegen all das Schöne und Gute, das Gott in uns wirken will.
Gott will uns herrlich machen, Gott will uns umgestalten in das Ebenbild seines Sohnes. Aber unsere alte Natur will das nicht. Sie kämpft dagegen an. Und, ihr Lieben, dieses Gefecht, das muss ausgefochten werden. Wir sind jetzt aufgerufen, uns immer wieder auf der richtigen Seite zu positionieren, uns immer wieder zum Geist zu wenden. Und das ist genau der Aufruf: Lebt im Geist, so werdet ihr die Begierden des Fleisches nicht vollbringen.
Also in anderen Worten: Stärkt euren Glauben! Nochmal: Das tun wir, indem wir Gottes Wort reichlich in uns wohnen lassen, indem wir Gottes Wort studieren und darüber nachsinnen, so dass es unseren Verstand und unser Herz erfüllen kann. Und so stärkt Gott unseren Glauben, und so kommt der Geist Raum.
Diesen Kampf müssen wir Tag für Tag kämpfen, jeden Morgen neu. Deine stille Zeit ist keine Pflichtübung, wo du auf deiner Bible-App das Kapitel abhackst, damit du im Plan liegst. Deine stille Zeit am Morgen ist eine Zeit, in der du bewusst den Kampf schon früh am Morgen aufnimmst, damit du sagst: Ich will gleich morgens als allererstes dem Heiligen Geist Frühstück geben. Ich will ihn füttern, ich will mich erinnern an große Glaubenswahrheiten, ich will neue entdecken, ich will die Verheißungen Gottes für mich in Anspruch nehmen, ich will mich ihm zuwenden und so seinem Geist Raum geben. Denn Gottes Geist gewinnt dort Raum, wo Gottes Wort Raum bekommt.
So leben wir im Geist, und so kämpfen wir den Kampf. Wenn du heute hier bist und du hast keine stille Zeit oder nur ganz selten, oder sie ist eigentlich nur ein bisschen gespielte stille Zeit, und ganz ehrlich, ich bin mir sicher, das sind gar nicht so wenige unter uns, dann musst du auch da nicht denken, dass du der einzige unter uns bist. Willkommen im Club.
Aber wenn das dich beschreibt, dann bitte hör diese Worte: Der Kampf ist real, und nimm ihn auf. Die eine Seite ist böse, die hat dich einst versklavt, und die greift noch nach dir. Und der gibst du Raum, wenn du dem Geist keinen Raum gibst. Aber wenn du dem Geist Raum gibst, dann kann und wird Gott immer mehr Gestalt in dir einnehmen, und all das Schöne und Gute wird mehr und mehr in dir entstehen.
Also vielleicht ist es für dich dran, noch heute Abend konkrete Pläne zu machen, wie du diesen Kampf entschiedener kämpfen willst.
Praktische Schritte für ein geistliches Leben
Ganz ehrlich: Ich habe vorhin gesagt: Willkommen im Club. Ich habe einen großen Kampf mit guten Gebetszeiten. Bibellesen fällt mir leicht, das macht mir Spaß. Beten finde ich oft total anstrengend.
Jetzt denkst du weniger von mir. Das ist vielleicht auch gut, dann hast du ein realistischeres Bild.
Ich habe diesen Kampf. Und immer mal wieder habe ich einen Freund in den USA, den ich gar nicht gut kenne. Er schickt mir aber immer wieder eine WhatsApp und sagt: Ich bete für dich. Was kann ich für dich beten? Und ich habe ihm immer wieder geschrieben: Bete für mein Gebetsleben. Das ist einfach mies.
Und Sammy, dem sage ich auch mal: Wer betet für mein Gebetsleben? Und irgendwann hat dieser ältere Freund mir gesagt: Matthias, wann hast du Zeit, dass wir mal reden können? Er sagt: Ich bete ja gerne weiter für dich, aber jetzt merken wir irgendwie, da muss doch was passieren. Ich kann natürlich immer weiter beten, aber was machst du?
Dann haben wir telefoniert, und er hat mir total simple Dinge gesagt, die ich eigentlich alle schon wusste. Aber ich musste sie hören, und sie haben mir wirklich geholfen, sodass mein Gebetsleben deutlich besser geworden ist.
Ihr dürft gerne alle noch weiter für mein Gebetsleben beten. Aber es ist manchmal so wertvoll, wenn man merkt: Ich habe hier in diesem Kampf ein Problem. Es ist wichtig, sich zu öffnen und jemand anderen mit hineinzunehmen. Und das umso mehr, wenn du merkst, dass bestimmte Begierden des Fleisches doch sehr viel Raum in dir bekommen haben.
Dann versteck dich nicht hinter Masken. Sondern öffne dich vor Geschwistern, die letztendlich alle wissen, wovon du redest, und lass dich in deinem Kampf unterstützen. Mach mit ihnen gemeinsam einen Schlachtplan. Was kann ich tun, um den Begierden des Fleisches weniger Raum zu geben? Und was kann ich tun, damit der Geist mehr Raum bekommt?
Vielleicht ist es so einfach, dass ihr euch einfach verabredet, dass ihr euch jeden Tag nach eurer stillen Zeit eine kurze Nachricht schickt, in der ihr eine Verheißung, die euch in Gottes Wort wichtig geworden ist, einander zusprecht, mitteilt und euch so an Gott, sein Wirken und seine Zusagen erinnert.
Geist und Fleisch kämpfen gegeneinander, und wir sind aufgerufen, in diesem Kampf nicht Beobachter zu sein, sondern mitzukämpfen auf der richtigen Seite.
Die Zusage der neuen Herrschaft
Der Geist regiert die Kinder Gottes. Paulus verbindet das hier mit einer großartigen Zusage. Er sagt: Regiert euch aber der Geist, dann seid ihr nicht unter dem Gesetz. Auf gut Deutsch heißt das: Wenn ihr Christen seid, dann seid ihr nicht unter dem Gesetz.
Und was Paulus hier tut, ist genau das, was wir immer wieder tun müssen, um dem Geist mehr Raum zu geben. Er erinnert uns an eine großartige Verheißung: Ihr seid nicht unter dem Gesetz. Das ist das, was der Teufel euch einreden will. Wenn die Begierden des Fleisches Raum in euch bekommen haben, dann will der Teufel euch einreden: Seht ihr, ich habe noch Kontrolle über euch. Seht ihr, das Gesetz verdammt euch noch, so könnt ihr nicht vor Gott kommen.
Und er spricht uns eine Verheißung zu: Ihr seid nicht unter dem Gesetz. Es gibt keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind. Das Gesetz ist durch Christus erfüllt, es ist okay. Du kannst kämpfen als einer, der schon befreit ist. Das ist die großartige Zusage: Das Gesetz hat keine Macht mehr.
Also warum, warum sollten wir den Begierden des Fleisches, die uns einst versklavt haben, überhaupt noch Raum geben? Ich hoffe, wir sind uns einig: Es lohnt sich, diesen Kampf mit aller Entschiedenheit zu kämpfen und dem Geist Raum zu geben, damit wir im Geist leben und den Begierden des Fleisches immer weniger Raum bekommen.
Der Feind wird sichtbar, die Frucht wird erkennbar
Nach dem Gebot und der Erklärung des Gefechts sehen wir dann in den Versen 19 bis 23 in Form eines Gegensatzpaares die beiden Konfliktparteien. In den Versen 19 bis 23 hilft Paulus uns, den Feind zu erkennen. Offenkundig sind die Werke des Fleisches, als da sind: Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Hader, Eifersucht, Zorn, Zank, Zwietracht, Spaltungen, Neid, Saufen, Fressen und dergleichen.
Lieber Bruder, liebe Schwester, wie sieht es damit bei dir aus? Jesus hat gelehrt, dass die Sünde bei unserem Herzen beginnt, dass sie in unseren Gedanken beginnt. Die Frage ist ja wohl weniger, ob du auch mal unzüchtige und unreine Gedanken hast. Die hast du, das weiß ich. Die Frage ist, wie viel Raum du ihnen gibst. Wie sieht es aus mit Ausschweifungen, mit einem Mangel an Selbstkontrolle?
Welche Götzen kämpfen in deinem Leben um den Platz, der allein Gott gebührt? Um das deutlich zu sagen: Zu Götzen können Sehnsüchte werden nach wunderbaren Dingen, nach guten Dingen. Sehnsüchte nach Gesundheit, nach Familie, nach Wohlstand, nach Anerkennung. Aber hast du deine Sehnsüchte so im Griff, dass sie nicht zu Götzen werden?
Und wie sieht es in deinem Herzen gegenüber anderen Menschen aus? Hast du Menschen zu Feinden deklariert? Haderst du mit anderen Menschen oder mit deinen Lebensumständen? Kennst du Eifersucht auf andere? Wie sieht es in deinem Herzen mit Zorn, mit Zank, mit Zwietracht, Spaltungen, Neid aus? Hast du dich im Griff im Blick auf das, was du isst und trinkst?
Nochmal zurück zu den Filmen, an die ich mich alle nicht erinnern kann. Ich habe schon Filme gesehen, in denen nachts Leute übers Wasser kamen, um irgendwo etwas anzugreifen oder so. Und dann gab es diese großen Spotlights vom Land oder auch die Luftabwehr, die Spotlights, die am Himmel suchen, ob da irgendwann ein Feind kommt. Kennt ihr das? Ihr Lieben, diese Liste ist ein uns von Gott gegebenes Spotlight, um zu suchen, wo in deinem Leben die Begierden des Fleisches Raum bekommen.
Der Feind ist real, und wir sind aufgerufen, ihn zu identifizieren, um dann gegen ihn anzukämpfen. Ganz ehrlich: Macht das Spaß, sich über eine solche Liste Gedanken zu machen und über sich selbst nachzudenken? Nein, also mir nicht. Wenn es bei dir anders ist, kann man mal darüber reden. Aber es ist wichtig.
Es gibt Sachen, die machen keinen Spaß, und denen versuchen wir aus dem Weg zu gehen. Aber wenn wir das tun, ist das keine gute Idee. Ich kenne Leute, die nie zum Zahnarzt gehen, weil sie Angst haben, dass der etwas finden könnte, wo er bohren muss. Irgendwann tut es dann so weh, dass sie gehen müssen, und dann muss er bohren. Das Problem wird nicht kleiner, wenn wir versuchen, nicht darüber nachzudenken, sondern größer.
Paulus hält hier voll drauf. Er nimmt die Galater mit und sagt: So sieht es aus, nimm den Kampf auf.
Die ernste Warnung und die Hoffnung auf Veränderung
Schließlich warnt er in Vers 21: Wenn du den Kampf nicht aufnimmst, wenn du überhaupt nicht gegen die Begierden des Fleisches ankämpfst, dann bist du gar kein Christ. Davon habe ich euch vorausgesagt und sage noch einmal: Die, die solches tun, werden das Reich Gottes nicht erben.
Und hier geht es nicht darum, dass wir irgendwann irgendwo den Werken des Fleisches einmal Raum gegeben haben, dass wir einmal Zank hatten, einmal Zwietracht hatten, einmal unzüchtige Gedanken hatten und so weiter. Er hat gerade gesagt: Das kämpft alles an, das ist alles da. Worum es hier geht, was hier gemeint ist, ist, dass diese Dinge uns regieren, dass sie uns ausmachen. Dann regiert dich nicht der Geist, dann bist du noch nicht befreit, dann bist du noch unter der Herrschaft deiner sündigen Natur.
Aber wer den Heiligen Geist hat, der wird sich nicht dauerhaft mit den Werken des Fleisches arrangieren können. Denn der Geist Gottes kämpft dagegen an. Und wir können es wegdrücken, wir können versuchen, dem für eine Weile aus dem Weg zu gehen, aber der Geist Gottes lässt sich nicht für ewig wegdrücken. Das ist eine großartige Wirkung des Heiligen Geistes in uns Christen: dass er uns immer wieder von der Sünde überführen will.
Der Geist will Raum in deinem Leben haben, damit er sich entfalten kann. Wenn er das tut, dann entsteht die Frucht des Geistes. In Vers 22 schauen wir jetzt auf die andere Seite: Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit. Gegen all dies ist das Gesetz nicht.
Ganz ehrlich: Wenn du die Liste hörst, wenn du sie liest, ist das nicht herrlich? Wünschst du dir nicht, dass dich das kennzeichnet? Wenn jemand hier bei der Konferenz, auf die ich zugehe, sagt: So wie ich dich hier erlebe, merke ich, du bist voller Liebe und Freude und Frieden und Geduld und Freundlichkeit und Güte und Treue und Sanftmut und Keuschheit. Vielleicht tut ihr euch mit Lutherdeutsch schwer, aber ich glaube, das ist herrlich, oder? Man muss sagen: Das ist herrlich, weil das Jesus beschreibt.
Jesus, die Frucht des Geistes, lebt in dem, von dem dieser Geist kommt. Paulus schreibt den Galatern, dass der Vater den Geist seines lieben Sohnes in uns gesandt hat. Also entfaltet sich Jesu Art in uns. Das ist das, was Jesus ausmacht. Und so zu werden, dafür lohnt es sich zu kämpfen. Deswegen wollen wir den Begierden des Fleisches keinen Raum geben, damit diese Frucht des Geistes entstehen kann.
Wie Frucht wächst und warum Geduld nötig ist
Vielleicht sind da ein paar Dinge, die wir bedenken sollten, wenn wir hier von der Frucht des Geistes lesen.
Das Erste, was wir bedenken sollten: Es steht im Singular. Es ist eine Frucht. Das heißt, diese Aspekte gehören untrennbar zusammen. Du kannst nicht sagen: Na ja, ein bisschen Liebe habe ich, Treue nicht. Man kann einzelne Aspekte davon nicht einfach isoliert haben. Dafür brauchen wir nicht zwingend den Heiligen Geist, denn wo der Geist sich entfaltet, da entfaltet sich alles, weil es eben eine Frucht ist. Diese Dinge sind eng miteinander verbunden. Es kann sein, dass du an der einen oder anderen Stelle ein bisschen weiter bist als an einer anderen. Aber das ist etwas, das miteinander wächst. Tatsächlich wirst du es gar nicht schaffen, diese Dinge ganz sauber voneinander abzugrenzen. Also: Es ist eine Frucht.
Das Zweite ist: Es ist Frucht, und Frucht wächst ganz natürlich. Es ist ein natürlicher Prozess. Der Geist Gottes bringt das einfach hervor. Es ist nicht so, dass du das jetzt irgendwie machen musst. Wenn Gottes Geist in dir wohnt, dann ist das ein natürlich angelegter Prozess. Dein Auftrag ist es, immer wieder das Unkraut zu entfernen und zu wässern. Aber die Frucht entsteht, weil der gute Same auf guten Boden gefallen ist.
Der dritte Aspekt, den wir bedenken sollten: Es braucht Zeit. Frucht wächst nicht über Nacht, sie wächst in der Regel langsam. Das heißt, du kannst nicht heute Abend nach Hause oder ins Hotel oder wo auch immer hingehen und sagen: Dann lese ich heute Abend mal ausführlich die Bibel und bete noch ein bisschen, und dann ist ab morgen alles da. Da, wo gestern noch Feindschaft, Hass, Eifersucht, Zorn, Zank, Zwietracht, Spaltung, Neid waren, da ist jetzt einfach nur noch Liebe, Freude, Frieden, Geduld. Ich will damit nicht sagen, dass du nicht versuchen solltest, ab morgen dein Verhalten radikal zu ändern an Punkten, wo dich noch die Begierden des Fleisches kennzeichnen. Es kann durchaus sein, dass das dran ist und dass das gut und richtig ist, wenn du anfängst, an deinem Verhalten zu arbeiten.
Ich bin heute Nachmittag noch ermahnt worden. Ich weiß: Es gibt bestimmte Verhaltensmuster bei mir, an denen muss ich arbeiten. Und das kann ich versuchen, heute Abend besser zu machen als heute Nachmittag. Aber worum es hier wirklich geht, braucht Zeit. Ich hoffe, uns ist das klar. Eine Herzensveränderung ist das, was wir brauchen. Verhalten kann sich nicht schlagartig ändern, Herzen verändern braucht Zeit. Freude ist mehr als ein aufgesetztes Lächeln, Friede kommt nicht über Nacht, Geduld braucht Geduld, und so ist das mit allen Aspekten der Frucht.
Das heißt: Der Kampf gegen die Begierden des Fleisches und das Streben nach Wachstum der Frucht ist ein langes, lebenslanges Gefecht. Und doch werden wir Stück für Stück erleben dürfen, wie die Frucht Gestalt annimmt. Das geschieht oft so langsam, dass wir es selbst gar nicht merken. Dann ist es gut, Menschen in deinem Leben zu haben, die dich nach einiger Zeit wiedersehen und sagen: Boah, bist du groß geworden. Also ich meine damit: Wie ist die Frucht in dir gewachsen? Und sagt das einander, wenn ihr seht, dass Gott einen Menschen verändert, Stück für Stück. Ermutigt einander. Wir brauchen das.
Die Frucht ist wichtiger als die Gabe
Als ich die Zeilen schrieb, gerade über diesen Aspekt, dass Frucht Zeit braucht, wurde mir sehr schmerzhaft bewusst, wieso ich manchmal den Fokus auf die Frucht des Geistes aus dem Blick verliere und mich sehr auf die Gaben des Geistes konzentriere. Ich weiß, dass ich, wenn ich die Gaben, die Gott mir durch seinen Geist gegeben hat, einsetze, eine ziemlich unmittelbare Rückmeldung bekomme.
Da sind Menschen, die mir Beachtung schenken, die mir womöglich Anerkennung geben. Es ist unmittelbar sichtbar, dass Gott mir Gaben gegeben hat. Dort, wo du deine Gaben einbringst, und vor allem, wenn sie vielleicht irgendwie öffentlich sichtbar werden können, und wir streben ja teilweise selbst mit den verdeckten Gaben danach, dass sie doch irgendjemand sieht und merkt, bekommen wir sofort eine Rückmeldung.
Ich weiß, wie anfällig ich dafür bin, meinen ganzen Fokus auf die Gaben zu legen. Sie sollen sich weiter entfalten, sie müssen immer besser werden, damit ich Anerkennung bekomme, und die Frucht verkümmert. Die Gaben sind gut, ich will das noch einmal deutlich sagen: Gaben sind etwas Wunderbares, und wir sollten sie einsetzen. Gelobt sei Gott, dass er seiner Gemeinde Gaben gegeben hat, um sie zu erbauen.
Aber, lieber Christ, all das, was Gott durch die Gaben tut, die er dir gegeben hat, wird für dich selbst vollkommen wertlos sein, wenn in dir nicht die Frucht des Geistes wächst. Denk an Biliam, kennst du Biliam, nicht? Wisst ihr, wer ihm gepredigt hat, wo die Gaben des Geistes offenbar wurden? Ein Esel! Ich weiß nicht, ob der errettet war.
Oder denk an die warnenden Worte unseres Herrn Jesus Christus in Matthäus 7. Da berichtet er von Menschen, die am Tag des Gerichts vor ihm damit angeben werden, was sie doch Großes getan haben. Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht in deinem Namen böse Geister ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Wunder getan? Ihr wisst, was Jesus zu denen gesagt hat. Da war nämlich keine Frucht. Das hat er direkt davor gesagt: Matthäus 7, ich habe euch nie gekannt, weicht von mir, ihr Übeltäter.
Die wahren Kinder Gottes erkennt man nicht an spektakulären Werken, sondern daran, dass sie gute Frucht bringen. Die Frucht des Geistes mag zumindest im langsamen Wachstum erst einmal weniger spektakulär sein. Die Frucht wächst langsam, aber das, was dann entsteht, ist wunderbar. Und sie ist das, was bleibt, wenn die Geistesgaben aufhören.
Also achte die Gaben des Geistes nicht gering, aber achte vor allem darauf, dass die Frucht des Geistes in dir Gestalt annimmt. Es ist großartig, wenn Gott durch seine Gaben, die er uns gibt, manche Werke wirkt und große Dinge tut. Aber noch viel entscheidender ist, dass die Frucht des Geistes uns unserem Herrn immer ähnlicher macht. So werden wir dann mit den Gaben des Geistes tatsächlich auch Gott dienen und nicht uns selbst. Das ist unsere Berufung.
Konkrete Wege, damit die Frucht wachsen kann
Also, lieber Christ, lass mich dich noch einmal fragen: Sehnst du dich danach, dass die Frucht des Geistes in dir aufblüht?
Wir haben am Anfang bedacht, dass die Frucht des Geistes dort wächst, wo der Glaube gestärkt wird. Ich möchte das nun noch einmal an einigen Punkten etwas konkreter machen.
Wenn du im Nachsinnen über Gottes Wort, durch den Zuspruch von Geschwistern und durch das Zusingen biblischer Wahrheiten mehr und mehr verstehst, dass du von Gott über alle Maßen geliebt bist, dann wird seine Liebe dich immer mehr erfüllen. Sie wird dich fähig machen, als jemand, den Gott geliebt hat, als du noch sein Feind warst, auch die Menschen zu lieben, die etwas schwierig sind.
Wenn wir durch das Meditieren über Gottes Wort und durch Gemeinschaft mit anderen, die uns das zusprechen, lernen, immer mehr zu vertrauen, dass Gott uns eines Tages und spätestens in der Ewigkeit von allem Leiden und allen Nöten und aller Trauer befreien wird, dann wird in uns eine tiefe Freude wachsen, die losgelöst ist von allen Umständen.
Ich war vor ganz kurzer Zeit mit den Senioren unserer Gemeinde auf einer Seniorenfreizeit. Unser Oberthema war: Hinterm Horizont geht es weiter. Wir haben dabei nicht über Udo Lindenberg nachgedacht, sondern darüber, was unsere Senioren noch vor sich haben. Es war eine wunderbare Zeit, die wir miteinander hatten. In dieser Zeit haben wir unter anderem über Philipper 1 nachgesonnen.
Dort sieht Paulus, wie er im Gefängnis sitzt, und erlebt, dass Menschen sogar Dinge tun, um ihn zu ärgern. Und er sagt: Ich freue mich darüber, weil Christus sein Leben ist und Sterben sein Gewinn. Wenn wir solchen Dingen nachsinnen, dann werden wir eine tiefe Freude haben.
Wenn unser Glaube daran wächst, dass Gott wirklich alles im Griff hat, dann wird der Friede Gottes unsere Herzen immer mehr erfüllen. Wenn wir durch das Studieren der Bibel und durch gegenseitigen Zuspruch immer mehr verstehen, dass Gott inmitten aller Herausforderungen und Nöte seinen guten Plan ausführt, dann wächst Geduld.
So gibt Gottes Wort in uns dem Geist Öl in sein Feuer, damit er brennen kann und Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Keuschheit entstehen. Und wenn wir mit dem Meditieren über Gottes Wort, mit dem Zusprechen und Zusingen und mit dem Erinnern an göttliche Wahrheiten unseren Glauben stärken und dem Geist Raum geben, dann brennt nicht nur der Geist Gottes heller, sondern er brennt auch die Begierden des Fleisches immer mehr weg.
Und in alldem dürfen wir die Gewissheit haben, dass dieser Kampf mit einem großen und ewigen Sieg endet. Der Kampf wird eines Tages enden.
Die Gewissheit des Sieges und der letzte Aufruf
Und damit komme ich zum Ende, denn wir lesen schliesslich in Vers 24 von einer grossartigen Gewissheit: „Die aber Christus Jesus angehören, die haben ihr Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und Begierden.“
In Vers 18 haben wir schon gesehen, dass mit dem Geist Gottes ein Herrschaftswechsel stattgefunden hat. Dieser Held, dieser Filmheld, ist in das feindliche Territorium eingedrungen und hat uns befreit. Wir werden jetzt vom Geist regiert, aber die Begierden des Fleisches kämpfen noch.
Aber jetzt lesen wir, dass sie dem Tod geweiht sind. Sie sind jetzt schon gekreuzigt. Er röchelt noch, er kämpft noch. Unsere Sündnatur ist noch da, mit allen Leidenschaften und Begierden, aber sie sind dem Tod geweiht. Was für eine grossartige Zusage! Das wird ein Ende haben, und dann wird die Frucht des Geistes vollkommen da sein. Die sündigen Begierden des Fleisches werden ein für alle Mal vernichtet sein.
Seht ihr, das ist die vollkommene Freiheit, zu der wir befreit sind: Schon befreit von der Knechtschaft der Sünde und dann eines Tages befreit von der Gegenwart der Sünde, und die Frucht des Geistes blüht auf. Dann werden wir heilig und herrlich sein, so wie unser Herr heilig und herrlich ist.
Und bis dahin gilt es weiter, dem schon besiegten Feind keinen Raum zu geben, sondern ihn immer weiter zurückzudrängen. So können wir schon heute immer mehr in der Freiheit leben und die Freiheit geniessen. So hat uns Christus befreit.
Und so ende ich mit dem Wort, mit dem Paulus diesen Abschnitt endet: Wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch im Geist wandeln.
Amen, himmlischer Vater, das wünsche ich mir für mich selbst. Ich brauche mehr von der Frucht des Geistes. Schenk mir, schenk uns mehr Liebe, mehr Freude, mehr Friede, mehr Geduld, mehr Freundlichkeit und Güte und Treue und Sanftmut und Keuschheit. Heiliger Geist, nimm Raum in unseren Herzen ein und hilf uns immer wieder neu, den Begierden des Fleisches keinen Raum zu geben, zu deiner Ehre und zu unserem Besten und als Zeugnis für diese Welt. Amen.
