Serie•Teil 1 / 2Einführung in das Buch des Propheten Joel
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Einleitung und historische Einordnung
Heute Nachmittag wollen wir miteinander das Buch des Propheten Joel Vers für Vers ansehen. Hat jeder ein Skript bekommen? Hand hoch, wem noch das Skript fehlt. In ihrer Reihenfolge miteinander zu studieren.
Nachdem wir letztes Mal Hosea in der Übersicht betrachtet haben, wollen wir nun Joel detailliert studieren. Wann ist das Joel-Buch entstanden? Am Anfang wird, im Gegensatz zu Hosea 1,1, keine Angabe gemacht über die Regierungszeit von Königen zur Zeit Joels. Deshalb können wir das Buch nur datieren aufgrund seiner Stellung im Kanon der biblischen Bücher.
Im Judentum wurden diese zwölf kleinen Propheten in einer fixen Ordnung im Kanon festgehalten. Ich habe letztes Mal erklärt, dass die Reihenfolge bestimmten geschichtlichen Epochen entspricht. Zuerst die Propheten der assyrischen Periode, also der Zeit, als das assyrische Reich die Weltmacht hatte. Dann kommt die babylonische Periode, die Zeit, als die Babylonier die Weltherrschaft erlangt hatten. Und schliesslich die persische Zeit, das sind die Propheten aus der Zeit nach dem babylonischen Exil, als die Perser die Weltmacht innehatten.
Wir sehen: Joel ist eingereiht unter den frühesten Propheten, unter denen aus der assyrischen Zeit. Er ist noch vor Amos eingereiht, der, wie wir nächstes Mal sehen werden, eindeutig aus dem achten Jahrhundert vor Christus stammt. Damit ist klar, dass Joel eingeordnet werden kann in die vorexilische Zeit, in die Zeit des salomonischen Tempels, des ersten Tempels, und zwar um das neunte, achte Jahrhundert vor Christus.
Wir werden sehen: Das Buch hat durchwegs prophetische Bedeutung. Es knüpft im Gegensatz zu anderen Prophetenbüchern nicht an der Zeit an, in der der Prophet lebte. Darum ist auch die Datierung hier nicht so wichtig wie bei anderen Büchern, weil dieses Buch weniger in der Zeitgeschichte verankert ist als andere, sondern vielmehr den Blick auf die Endzeit richtet, auf die Zeit des letzten Tempels, des dritten Tempels. In der Zeit des ersten Tempels wird hier prophezeit über die Zeit des dritten Tempels.
Das Thema kann kurz betitelt werden mit: Aus der Finsternis zum Licht. Ich habe diesen Titel gewählt in Anlehnung an Psalm 112,4: Den Aufrichtigen geht Licht auf in der Finsternis. Das entspricht übrigens auch dem Wahlspruch der Hugenotten, die in ihrer grausigen Verfolgung in der Zeit der Gegenreformation durch die Katholiken schreckliche Opfer erlebt haben in Frankreich. Aber was ihnen Trost verlieh, war ihr Spruch: Post tenebras lux, nach der Finsternis das Licht. Das hat ihnen Mut gegeben, durchzuhalten und die Leiden durchzustehen bis zum Ende.
Das Buch kann man in der Sprache von heute etwa so inhaltlich kurz zusammenfassen: Die islamische Grosskoalition unter der Führung Syriens – Syrien wird in der Prophetie genannt der König des Nordens, im Buch Daniel, oder auch Assur, Assyr in den Prophetenbüchern Jesaja, Micha usw. – also, die islamische Grosskoalition unter der Führung Syriens wird Israel in der Endzeit völlig überrennen und verwüsten. Das nennt der Herr Jesus die grosse Drangsalzeit vor seiner Wiederkunft in Macht, Matthäus 24,21. Der Ewige wird schliesslich persönlich intervenieren, diese Heere vernichten, den jüdischen Überrest befreien und ihn in den Segen des messianischen Friedensreiches hineinführen. Das ist das Thema, behandelt in den vier Kapiteln von Joel.
Der Aufbau des Buches ist eigentlich ganz einfach. Nach dem Titel, 1,1: Das Wort des Herrn, das geschah zu Joel, dem Sohn Petuels. Nach diesem Titel beginnt der erste Teil, 1,2 bis 2,17: Finsternis über Juda und Jerusalem. Da haben wir die Beschreibung der kommenden grossen Drangsal über Israel, die dreieinhalb Jahre dauern wird, 1260 Tage, Offenbarung 11.
Der zweite Teil, Joel 2,18 bis 4,21, je nach Bibelausgabe gibt es drei oder vier Kapitel, aber es steht genau das Gleiche drin: Licht über Juda und Jerusalem. Diese zwei Teile sind also so aufeinander abgestimmt, entsprechend dem Thema: Aus der Finsternis zum Licht.
Ich habe ab Seite 2 den Text des Joel-Buches in einer ganz wörtlichen Übersetzung hinzugefügt. Diese Übersetzung ist noch wörtlicher als die alte Elberfelder. Was ich versucht habe zu machen, ist Folgendes: Die poetischen Verszeilen sind hier sichtbar gemacht. Das ganze Buch ist also ein Gedicht. Diese Verszeilen sollte man beim Lesen beachten, weil man dadurch den Text auch besser versteht.
Ich habe schon letztes Mal erklärt, aber ich wiederhole es: Der Grundcharakter der hebräischen Poesie ist der Aufbau von jeweils zwei parallel gestellten Verszeilen. Es gibt drei Grundtypen des Parallelismus. Hier wird in der zweiten Verszeile das Gleiche nochmals gesagt wie in der ersten, aber mit anderen Wörtern. Dann gibt es den antithetischen Parallelismus: Die zweite Verszeile drückt das Gegenteil der ersten aus. Und der dritte Typ ist der synthetische Parallelismus: Die zweite Zeile baut auf der ersten auf und führt den Gedanken weiter. Wir werden anhand des Textes das so ganz konkret noch sehen.
Wir sehen daraus: Eine Grundeigenschaft der hebräischen Poesie ist eigentlich die, dass die Poesie vor allem eine Gedankenpoesie, ein Gedankenreim, darstellt. Das hat den Vorteil, dass das typisch Poetische erhalten bleibt, wenn man den Text in eine andere Sprache übersetzt. Wenn man ein französisches Gedicht auf Deutsch übersetzt, ist die Poesie kaputt. Aber wenn man ein hebräisches Gedicht übersetzt, ist das Wesentliche in der Übersetzung erhalten. Natürlich gibt es auch Rhythmus in der Sprache, aber normalerweise keinen Endreim, und der Rhythmus hat viel mehr Freiheit als in europäischen Sprachen. Die Hauptsache ist effektiv im Inhalt zu sehen.
Nun lesen wir Joel 1,2: Hört dies, ihr Älteste, ja, nehmt es zu Ohren, alle ihr Bewohner des Landes! Das ist nun ein synonymer Parallelismus. Hört dies entspricht: Ja, nehmt es zu Ohren! Ihr Älteste ist parallel gestellt zu alle ihr Bewohner des Landes. Also hier geht das Parallele bereits etwas darüber hinaus. In der ersten Zeile sind die Führer angesprochen, in der zweiten die Führer und alle anderen Personen auch.
Ist solches in euren Tagen geschehen oder in den Tagen eurer Väter? Also eure Tage sind hier parallel gestellt zu den Tagen eurer Väter. Erzählt davon euren Kindern und eure Kinder ihren Kindern und ihre Kinder der folgenden Generation. Also es geht hier um ein Ereignis, das keine Parallele hat in der Vergangenheit. Und es ist etwas, das so gewaltig ist, dass man über Generationen hinweg dann davon weiter berichten wird.
Vers 4: Was der Abnager übrig liess, frass der Vermehrer. Und was der Vermehrer übrig liess, frass der Hüpfer. Und was der Hüpfer übrig liess, frass der Vertilger. Hier benutzt Joel verschiedene hebräische Wörter für Heuschrecken. Ich habe in der Fussnote angegeben: Abnager, das ist hebräisch Gazam; Vermehrer, Arbe; dann der Hüpfer, das ist der Jelek. Ich habe dabei noch in der Fussnote hinzugefügt: Heuschrecke im Stadium vor der letzten der vier Häutungen, wo die Flügel noch in einer hornartigen Scheide gehemmt sind, daher hüpft er mehr, als dass er fliegen könnte. Wir sehen: Das Hebräische hat also Ausdrücke sogar für die Entwicklungsstadien der Heuschrecken. Und was der Hüpfer übrigliess, frass der Vertilger, das ist dann hebräisch Chasil.
Also, Joel spricht von einer grauenhaften Heuschreckeninvasion in Israel, die alles in den Schatten stellt. Jetzt stellt sich die Frage: Ist das eine wörtliche Heuschreckenplage oder ist das die Beschreibung einer Armee? Nun, ich nehme es gleich vorweg: Es ist die Beschreibung einer Armee, und zwar wird das in Kapitel 2 dann ganz ausdrücklich klar. Dort wird eine Armee, die aus dem Norden Israels in der Endzeit überrennen wird und das ganze Land mit Feuer zerstören wird, mit diesen Heuschrecken-Ausdrücken beschrieben.
Es geht hier also nicht um eine Heuschreckenplage, die etwa in der Zeit der Könige Israels stattgefunden hätte. Übrigens lesen wir von einer solchen verheerenden Plage in den Königs- und Chronikbüchern nichts. Es geht also um eine militärische Invasion der Endzeit, bei der das ganze Land Israel zerstört wird.
Das Gericht über Land, Tempel und Alltag
Vers 5: Wacht auf, ihr Betrunkenen, und weint, und heult, alle ihr Weintrinker! Das ist wieder synonymer Parallelismus, ja? Das Gleiche wird mit anderen Worten gesagt. Über den neuen Wein, weil er abgeschnitten ist von eurem Mund. Neuer Wein – ich habe in der Fußnote erklärt, man kann auch übersetzen: heurigen Wein. Das wäre dann eben Traubensaft, der Wein, der noch nicht vergoren ist. Ja, warum sollen die weinen, warum ist da der Wein abgeschnitten?
Vers 6: Denn eine Nation ist heraufgezogen über mein Land, stark und ohne Zahl. Das ist nun ein synthetischer Parallelismus. Die zweite Zeile ergänzt und erklärt, wie groß diese Nation ist. Ihre Zähne sind Zähne eines Löwen, und sie hat das Gebiss einer Löwin. Synonymer Parallelismus. Sie hat meinen Weinstock zu einer erschreckenden Wüste gemacht und meinen Feigenbaum zu einer Zerknickung.
Im Hebräischen gibt es verschiedene Wörter für Wüste. Das Wort Shemama bezeichnet eine Wüste, die einen erschaudern lässt. Dieses Wort ist eben hier zu finden, und darum habe ich übersetzt mit „erschreckende Wüste“. Ich erkläre gleich, es gibt auch die Wüste mit dem anderen Wort. Das ist die Wüste, die ideal ist zur Aufzucht von Schafen und Ziegen, aber davon später. Also das Land wird zu einem Ort des Schreckens gemacht. Sie hat meinen Weinstock zu einer erschreckenden Wüste gemacht und meinen Feigenbaum zu einer Zerknickung. Sie hat ihn völlig abgeschält, das heißt, die Rinde vollständig abgeschält und hingeworfen. Seine Ranken – das sind die Ranken des Weinstocks – sind weiß geworden.
Wehklage wie eine Jungfrau, mit Sacktuch umgürtet, über den Verlobten ihrer Jugend. Also Israel soll eine so schmerzliche Wehklage anstimmen wie eine junge Frau, die noch nicht verheiratet ist, verlobt war und deren Verlobter gestorben ist. „Wehklage wie eine Jungfrau, mit Sacktuch umgürtet, über den Verlobten ihrer Jugend“ – in Klammer angefügt: Die Bibel geht selbstverständlich davon aus, dass eine Verlobte eine Jungfrau ist.
Vers 9: Abgeschnitten sind Speisopfer und Trankopfer vom Haus des Herrn. Die Priester trauern, die Diener des Herrn.
Verwüstet ist das Feld, der Erdboden vertrocknet, denn verwüstet ist das Korn, zu Schanden geworden ist der neue Wein, verschmachtet das Olivenöl. Seid beschämt, ihr Bauern, heult, ihr Winzer, über den Weizen und über die Gerste, denn zugrunde gegangen ist die Ernte des Feldes. Der Weinstock ist verdorrt und der Feigenbaum verwelkt, Granate, auch Palme und Apfelbaum. Alle Bäume des Feldes sind verdorrt, ja, verdorrt ist die Freude weg von den Menschenkindern.
Nun, in Vers 9 wird das Haus des Herrn, der Tempel, erwähnt, und wir werden noch sehen: Das ist ein ganz zentrales Thema im Joel-Buch. Und dieses Tempelhaus des Herrn ist hier der dritte Tempel in der Endzeit. Nun wird aber hier gesagt: Speisopfer. Das sind die unblutigen Opfer, die die blutigen begleiteten, aus Feinmehl, 3. Mose 2. Die sind nun abgeschnitten vom Tempelhaus. Warum? Ja, wenn eine Armee kommt und das ganze Land Israel zerstört, ist damit die Grundlage für Speisopfer zerstört. Und auch die Trankopfer kann man nicht mehr bringen zum dritten Tempel, weil eben auch die Weinstöcke zerstört sind. Man kann den Wein für die Trankopfer nicht mehr liefern. Die Priester trauern, die Diener des Herrn. Das sind die Priester des dritten Tempels. Eben alles ist kaputt: das Feld, der neue Wein, auch das Olivenöl.
Vers 10, letzte Zeile: Olivenöl spielt eine wichtige Rolle, zum Beispiel für den siebenarmigen Leuchter im Tempel, aber auch als Beigabe bei den Speisopfern. Und Vers 11, dritte Zeile: Weizen, Gerste sind alles wichtige Bestandteile für bestimmte Speisopfer. Also die ganze Natur ist zerstört.
Vers 13: „Gürtet euch und wehklagt, ihr Priester!“ Wieder werden die Priester ganz konkret erwähnt. „Heult, ihr Diener des Altars!“ Da wird auch der Altar des dritten Tempels konkret genannt. „Kommt, übernachtet in Sacktuch, ihr Diener meines Gottes! Denn entzogen sind dem Haus eures Gottes Speis- und Trankopfer.“ Also wieder der gleiche Gedanke: Man kann nicht mehr opfern, weil die Grundlage zum Opfern zerstört ist.
Wenn man Matthäus 24,15 dazunimmt, dort sagt der Herr Jesus, wenn der Gräuel, ein Götzenbild, an heiligem Ort im Tempel aufgestellt werden wird in der Endzeit, dann wird die große Drangsal ausbrechen. Der Antichrist, das Tier aus der Erde, Offenbarung 13,11 und folgende, wird ein Götzenbild anfertigen, das sprechen kann. Dieses Götzenbild wird er im dritten Tempel aufstellen, und so wird der Tempel entweiht, so dass man nicht mehr opfern kann. Hier in Joel wird nun nicht die Entweihung des Tempels angesprochen, sondern die Zerstörung des Landes, wodurch es überhaupt nicht mehr möglich ist, Opfer zu bringen.
Wir gehen weiter.
Vers 14: Heiligt ein Fasten, beruft eine Festversammlung ein, versammelt die Ältesten, alle Bewohner des Landes, zum Haus des Herrn, eures Gottes, und schreit zu dem Herrn! Nun soll also in Israel eine Festversammlung im dritten Tempel einberufen werden, da, wo man nicht mehr opfern kann. Aber sie sollen dort schreien, im Tempelhaus, zu dem Herrn, in dieser Not.
Und nun Vers 15 wird jetzt ganz deutlich: „Ach, über den Tag!“ Denn nahe ist der Tag des Herrn, und gleichsam als eine Verwüstung von dem Allmächtigen wird er kommen. Jetzt haben wir ein ganz wichtiges Wort hier: der Tag des Herrn, Yom Adonai. Das ist ein Ausdruck, der in den Propheten immer wieder vorkommt, zum Beispiel Jesaja 13, dann ganz oft in Zephanja 1 und viele, viele andere Stellen. Immer ist der Tag des Herrn die Zeit, wenn Jesus Christus als Richter der Welt kommen wird. Aber dabei ist eingeschlossen die Zeit unmittelbar davor, die die schrecklichste Zeit für die Welt sein wird in der ganzen Geschichte. Also wir sehen: Diese Heuschreckenplage, ihr Land verwüstet, ist eine Plage, die am Tag des Herrn, mit anderen Worten in der großen Drangsal, kommen wird.
Ich lese dazu Zephanja 1, um eben deutlich zu machen, was dieser Tag des Herrn ist. Zephanja 1,14: Nahe ist der große Tag des Herrn, er ist nahe und eilt sehr. Horch, der Tag des Herrn! Bitterlich schreit dort der Held. Ein Tag des Grimmes ist dieser Tag, ein Tag der Drangsal und der Bedrängnis, ein Tag des Verwüstens und der Verwüstung, ein Tag der Finsternis und der Dunkelheit, ein Tag des Gewölks und des Wolkendunkels, ein Tag der Posaune und des Kriegsgeschreis gegen die festen Städte und gegen die hohen Zinnen. Und ich werde die Menschen ängstigen, und sie werden einhergehen wie die Blinden, weil sie gegen den Herrn gesündigt haben. Und ihr Blut wird verschüttet werden wie Staub, und ihr Fleisch wie Kot. Auch ihr Silber, auch ihr Gold wird sie nicht erretten können am Tag des Grimmes des Herrn. Und durch das Feuer meines Eifers wird das ganze Land verzehrt werden; denn ein Ende, ja, ein plötzliches Ende wird er machen mit allen Bewohnern des Landes.
Da wird nun deutlich, was der Tag des Herrn ist. Übrigens, man darf das ja nicht verwechseln im Neuen Testament mit dem Tag des Herrn in Offenbarung 1,10. An dieser einen Stelle sagt Johannes: „Ich war am Tag des Herrn im Geist“, und dann bekommt er die Visionen der Offenbarung. Wenn der Gerichtstag gemeint ist im Neuen Testament, der Tag des Herrn, 2. Petrus 3, 1. Thessalonicher 5 usw., dann steht im Griechischen „Hemera tu Kyriou“, Tag des Herrn. Aber in Offenbarung 1,10 steht „Kyriake Hemera“, ein Ausdruck, der nur dort vorkommt und der wörtlich bedeutet: der dem Herrn gehörende Tag. Das ist der Sonntag, der erste Tag der Woche, der schon bei den ersten Christen in neutestamentlicher Zeit als der besondere Feiertag gehalten wurde, weil der Herr Jesus am ersten Tag der Woche auferstanden ist. Das ist der Tag des Sieges, im Italienischen Domenica, eben der Herrentag. Aber das hat nichts zu tun mit diesem Ausdruck sonst in der Bibel, wo überall der Tag des Herrn vorkommt.
Übrigens, dieses Wort Kyriake, Kyriakos, dem Herrn gehörig, kommt noch einmal vor im Neuen Testament, in 1. Korinther 11, wo Paulus spricht vom Mahl des Herrn. Dort wörtlich: 1. Korinther 11,20, das dem Herrn gehörende Mahl, das ist das Abendmahl. So wird übrigens sprachlich zwischen dem dem Herrn gehörenden Tag und dem dem Herrn gehörenden Mahl ein besonderer Zusammenhang gemacht, obwohl natürlich die ersten Christen an jedem Tag in Apostelgeschichte 2 das Herrenmahl gefeiert hatten. Aber eben der erste Tag der Woche, das ist der einzige Feiertag im Neuen Testament, der biblisch für Christen vorgestellt wird.
Also, wir gehen zurück zu Joel. Der Tag des Herrn, die Verwüstung vom Allmächtigen.
Vers 16: Ist nicht vor unseren Augen abgeschnitten die Speise von dem Haus unseres Gottes, Freude und Frohlocken? Man beachte, schon wieder wird das Tempelhaus erwähnt.
Vers 17: Trocken sind die Saatkörner unter ihren Schollen, verödet sind die Vorratshäuser, eingerissen die Kornhäuser, denn zu Schanden geworden ist das Getreide. Wie stöhnt das Vieh! Die Rinderherden irren umher, denn es gibt keine Weide für sie. Auch die Kleinviehherden gehen zugrunde. Wir sehen: Auch die Grundlage für die blutigen Opfer im dritten Tempel ist durch diese Invasion in Frage gestellt, die Rinder und das Kleinvieh, Schafe und Ziegen.
Vers 19: Zu dir, Herr, schreie ich, denn Feuer hat verzehrt die Weideplätze der Wüste. Hier steht für Wüste nicht Shemama, Ort des Schreckens, sondern die Fußnote erklärt das Midbar. Midbar ist eine Wüste, aber eine für Kleinviehzucht geeignete Wüste, wie zum Beispiel die Wüste Judäa. Das verwandte Verb Hidwir, Hidwir, Hidwir bedeutet: Kleinvieh aufziehen, ernähren. Und darum ist Midbar der Ort, wo man Kleinvieh aufzieht. Also die jüdische Wüste in Israel, das ist nicht eine tote Wüste, sondern eine lebendige Wüste, wo man die meiste Zeit des Jahres über Nahrung findet für Schafe und Ziegen. Gott hat das verheißene Land so wunderbar eingerichtet. Die jüdische Wüste ist ideal für Kleinviehzucht, und dann das Übrige des Landes, besonders Galiläa, sehr fruchtbar, guter Ackerboden – das ist ideal für Ackerbauwirtschaft.
Im Nahen Osten ist es ganz wichtig, überhaupt in den Mittelmeerländern, dass man zwischen Ackerbau und Kleinviehzucht strikt trennt. Denn in kürzester Zeit kann man mit Schafen und Ziegen fruchtbares Ackerland in eine Wüste umwandeln. Besonders die Ziegen sind so schlimm, die beißen die Grasnarbe ganz tief unten ab, und so geht das Land kaputt. Man muss also strikt trennen, und dann geht es gut. Und nun versteht man den Ausdruck, wenn Gott zu Mose sagt aus dem Dornbusch, 2. Mose 3, er werde Israel führen in ein Land, das von Milch und Honig fließt. Die Wüste Judäa ist der Ort, wo die Milch fließt, Schaf- und Ziegenmilch, und das Übrige ist der Ort, wo eben die Fruchtsäfte bei der Landwirtschaft aus den Früchten der Bäume gebildet werden können. Dwasch bedeutet nicht nur Bienenhonig, sondern eben auch Honig aus Fruchtsäften. Und so ist der eine Teil eben das Land des Honigs, der Fruchtsäfte, und der andere das Land der Milch. Eretz, Zwat, Chalaw und Dwasch: ein Land, das von Milch und Honig fließt. Also das eben zur fruchtbaren Wüste.
Vers 19: Die Weideplätze der Wüste sind verzehrt, und eine Flamme hat verbrannt alle Bäume des Feldes. Also sowohl das Land der Milch als auch das Land des Honigs ist zerstört.
Vers 20: Auch die Tiere des Feldes lechzen zu dir, denn vertrocknet sind die Wasserbäche. Ja, Feuer hat verzehrt die Weideplätze der Wüste.
Die dreieinhalb Jahre große Drangsalzeit sind eine Zeit, wo es nicht mehr regnen wird. In Offenbarung 11 lesen wir über die zwei Zeugen, zwei Juden, die in der Drangsalzeit in Jerusalem ein Zeugnis ablegen werden. Offenbarung 11,1: Und es wurde mir ein Rohr gleich einem Stab gegeben, und gesagt: Stehe auf und miss den Tempel und den Altar und die darin anbeten. Das ist der dritte Tempel. Und den Hof, der außerhalb des Tempels ist, wirf hinaus und miss ihn nicht, denn er ist den Heiden gegeben, und sie werden die heilige Stadt zertreten 42 Monate, das sind dreieinhalb Jahre. Und ich werde meinen zwei Zeugen Kraft geben, und sie werden weissagen 1.260 Tage, das sind dreieinhalb Jahre, Jahre à 360 Tagen, mit Sacktuch bekleidet. Diese sind die zwei Ölbäume und die zwei Leuchter, die vor dem Herrn der Erde stehen. Und wenn jemand sie beschädigen will, so geht Feuer aus ihrem Mund und verzehrt ihre Feinde. Und wenn jemand sie beschädigen will, so muss er also getötet werden. Diese haben Gewalt, den Himmel zu verschließen, auf dass während der Tage ihrer Weissagung kein Regen falle. Und sie haben Gewalt, über die Wasser sie in Blut zu verwandeln und die Erde zu schlagen mit jeder Plage, so oft sie wollen.
Also, diese 1.260 Tage sind Tage, in denen der Himmel verschlossen sein wird, so lange, wie sie weissagen. Und das stimmt hier mit Joel 1,20 überein: Alles trocknet aus, auch die Tiere des Feldes lechzen zu dir, denn vertrocknet sind die Wasserbäche, ja, Feuer hat verzehrt die Weideplätze der Wüste.
Der Anbruch des Tages des Herrn
Kapitel 2: Stoßt ins Schofahorn auf Zion und blast Lärm auf meinem heiligen Berg.
Da haben wir ein Tempelinstrument, das Schofahorn. Das ist ein Tierhorn, zum Beispiel ein Widderhorn. Man nimmt auch Antilopenhörner. Zion ist in der Bibel die Bezeichnung für den Tempelberg, und das ist parallel zu „blast Lärm auf meinem heiligen Berg“. Das ist der Tempelberg. Also haben wir hier wieder den Typ des synonymer Parallelismus.
Ich wiederhole das einfach, damit man ein bisschen das Gefühl dafür bekommt. Und man wird dann feststellen, wenn man plötzlich zum Beispiel das Buch Hiob liest, dass man ganz neu die Bibel liest und das Buch Hiob plötzlich viel besser versteht als vorher, wenn man auf diese Verszeilen achtet.
Übrigens haben wir hier zwei verschiedene Verben: stoßen und Lärmblasen. Im Judentum gibt es bestimmte Signale. Stoßen ist, wenn man mit dem Schofahorn bläst. Das ist das Stoßen. Und das Lärmblasen ist schmettern. So hat man also besonders diese musikalische Formulierung im Tempel gehabt: stoßen, Lärmblasen, stoßen. Das ist das Signal hier: Stoßt ins Schofahorn auf Zion, blast Lärm auf meinem heiligen Berg. Das ergänzt sich.
„Erzittern sollen alle Bewohner des Landes, denn es kommt der Tag des Herrn, ja, er ist nahe.“
Also für das ganze Land Israel ist die Gerichtszeit eine Katastrophe, ein Tag der Finsternis und der Dunkelheit, ein Tag des Gewölks und des Wolkendunkels. Wir haben gesehen, das sind Worte, die später in Zephanja 1 aufgenommen werden, so quasi wie ein Leitmotiv. In der Musik kennt man das Leitmotiv: ein bestimmtes Motiv, das plötzlich immer wieder an einer anderen Stelle auftaucht, damit man wieder an die frühere Stelle erinnert wird beim Zuhören. Das ist also auch so ein Leitmotiv, das sich wiederholt: Ein Tag der Finsternis und der Dunkelheit, ein Tag des Gewölks und des Wolkendunkels.
Wie die Morgenröte ausgebreitet ist über den Bergen, tritt auf ein zahlreiches und starkes Volk. Seinesgleichen ist nicht gewesen von Ewigkeit her, und nach ihm wird keines fortfahren, so zu sein, bis in die Jahre der Generationen und Generationen.
Nun wird diese Armee von Norden, wie wir noch sehen werden, beschrieben. Und zwar wird das eine so große Armee sein, wie in der ganzen Geschichte Israels noch nie eine Armee gegen Israel gekommen ist.
Ich habe gesagt, die Propheten sprechen an den verschiedensten Stellen über diesen Angriff: Jesaja, Micha und andere über Assyrien, Assur. Daniel 11 spricht über den König des Nordens. In Daniel 11,1-35 ist die ganze Prophetie erfüllt. Über 150 Prophezeiungen, habe ich heute Morgen gesagt. Und da geht es immer um den König des Nordens und den König des Südens. Das hat sich alles erfüllt. Der König des Nordens war immer Syrien, der König des Südens immer Ägypten, von Israel aus gesehen. Ja, Syrien ist im Norden, Ägypten im Süden.
Aber dann, ab Vers 36, springt der Prophet in die Endzeit und beschreibt zuerst den Antichristen, den er einfach nennt „der König“. Und dann heißt es in Vers 40, dass der König des Südens mit dem Antichristen zusammenstößt. Und dann wird der König des Nordens kommen und Israel völlig überrennen.
Ich lese Daniel 11: In Vers 35 bis dahin ist alles erfüllt, und dann heißt es am Schluss noch: „Es verzieht sich noch bis zur Zeit des Endes, denn es verzieht sich noch bis zur bestimmten Zeit.“ Da macht der Prophet den Sprung in die Endzeit. Dann beschreibt er in Vers 36 den Antichristen, der sich über alles erheben wird, was Gott heißt oder ein Gegenstand der Verehrung sein wird. Und dann heißt es in Vers 40 ganz wörtlich übersetzt: „Und zur Zeit des Endes wird der König des Südens mit ihm“, das ist der König aus Vers 36, der Antichrist, der falsche Messias in Israel, zusammenstoßen.
Also die israelische Armee unter dem Antichristen wird abgelenkt werden im Süden durch einen Konflikt mit Ägypten. Und das nützt Syrien aus. Wir lesen weiter: „Und der König des Nordens wird gegen ihn anstürmen mit Wagen und mit Reitern und mit vielen Schiffen, und er wird in die Länder eindringen und wird sie überschwemmen und überfluten. Und er wird eindringen in das Land der Zierde“, das Land der Zierde, das ist in der Bibel immer das Land Israel, das Land, das von Milch und Honig fließt. „Und viele Länder werden zu Fall kommen, diese aber werden seiner Hand entrinnen: Edom“, das ist Südjordanien, „Moab“, Mitteljordanien, „und die Vornehmsten der Kinder Ammon.“
„Und er wird seine Hand an die Länder legen, und das Land Ägypten wird nicht entrinnen. Und er wird die Schätze an Gold und Silber und alle Kostbarkeiten Ägyptens in seine Gewalt bringen. Und Libyer und Kuschiten“, das ist Sudan, Äthiopien, „werden in seinem Gefolge sein.“
Interessant ist, dass Sudan heute auch ein islamisches Land ist und Äthiopien immer mehr. Es ist ganz schlimm, diese Islamisierung im Moment. „Aber Gerüchte von Osten und von Norden her werden ihn erschrecken, und er wird ausziehen in großem Grimm, um viele zu vernichten und zu vertilgen. Und er wird sein Palastgezelt aufschlagen zwischen dem Meer“, das ist das Mittelmeer, „und dem Berg der Heiligen Zierde“, das ist der Tempelberg, „und er wird zu seinem Ende kommen, und niemand wird ihm helfen.“
Also Syrien, der König des Nordens, wird Israel überrennen, und zwar auf dem Wasserweg, dem Mittelmeer, und gleichzeitig auf dem Landweg. Dann wird Syrien Ägypten erobern. Das sind innerislamische Konflikte, die sind ja sehr typisch für die islamische Welt. Aber dann in Ägypten hört er plötzlich Gerüchte aus dem Norden, die ihn erschrecken.
Was ist das? Ja, wir müssen eine Weltkarte vor Augen haben. Und da geht man mit dem Finger von Ägypten rauf in den Norden, und dann ist man in der EU. Ja, nach Daniel 9 wird ja der kommende Diktator des wiedererstandenen römischen Reiches, und die EU ist ja der Versuch, das römische Reich wieder zu einen, verbündet sein mit dem Antichristen für sieben Jahre. Das heißt also: Wenn die islamische Welt Israel angreift, muss der Verbündete eingreifen.
Und nun, wenn Syrien sich da in Ägypten festsetzt, hört er Gerüchte aus dem Norden. Das römische Reich muss eingreifen. Wenn die kommen mit ihren Schiffen, wo gehen die hin? Heute ist der Schiffshafen nicht mehr wie früher in Jaffa, da bei Tel Aviv, sondern in Haifa. Dort ist der große Militärschiffshafen Israels. Gut, die Kommandanten müssen dann irgendwo aufmarschieren. Im Hinterland von Haifa gibt es eine riesige Ebene, etwa so groß wie der Kanton Solothurn. Das ist die Ebene Harmageddon. Ideal zum Aufmarschieren, weil dort nicht viel gebaut wird. Das ist eine der fruchtbarsten Ebenen in Israel. Aber wenn kein Regen mehr fällt, kann man die Gegend gut gebrauchen für einen Aufmarsch.
Und man muss oben stehen auf dem Karmel, dann hat man einen wunderbaren Blick runter in die Harmageddonebene, und dann sieht man dort einen der größten Militärflughäfen Israels. Mit Pisten in alle Richtungen, alle Windrichtungen, ideal für einen Aufmarsch, auch mit Flugzeugen: Har Magedon. Das ist aber eben im Norden Israels, in Galiläa, und die müssen also Israel unter dem Antichristen zu Hilfe kommen.
Nun erschrickt Syrien in Ägypten. Die Armee muss zurückkehren, um das bereits Eroberte zu festigen. Dann haben wir gelesen in Daniel 11: Er wird sich festsetzen zwischen dem Mittelmeer und dem Berg der Heiligen Zierde, also auf der Höhe von Jerusalem, dieses Gebiet zwischen Mittelmeer und Jerusalem. Das passt gut: die EU in Galiläa, in Harmageddon, und die islamische Koalition unter Syrien südlich bei Jerusalem.
Jetzt muss ich noch etwas erklären: Syrien ist ein bisschen zu billig. Ich habe gesagt, der König des Nordens in Daniel war immer Syrien, aber ich muss erklären: Das war immer Großsyrien, und zwar umfasste das das ganze Gebiet von Libanon, Syrien bis nach Pakistan. Wenn man eben finden will, dass da eine Macht kommt aus dem Norden und Israel überrennt, dann ist das eben Großsyrien mit allen Verbündeten. Und genau das umfasst so viele Länder, die islamisch sind.
Und heute, wo die Sowjetunion vorbei ist, sind da viele potenzielle Bundesgenossen: Usbekistan und Tadschikistan, Kirgisistan, Kasachstan und so weiter bis nach Pakistan. Alles islamisch, alles geeignet, um eine Großkoalition gegen Israel zu machen. Also es sind zwei Blöcke, die da in der Endzeit aufeinander treffen werden. Und dann wird der Herr Jesus in Macht und Herrlichkeit kommen.
Wo wird er kommen? Die einen sagen, er wird kommen auf dem Ölberg. Und die anderen sagen: Nein, er kommt doch in Harmageddon. Ja, natürlich, in Offenbarung 16 und 19 kommt der Herr nach Harmageddon. Das ist aber nicht dasselbe wie Jerusalem, der Ölberg. Ja, er wird nach Harmageddon kommen, um die europäischen Streitkräfte dort zu schlagen, und er wird auf den Ölberg kommen, um die islamischen Streitkräfte zu schlagen.
Und so haben wir in Daniel 11 gelesen, dass der König des Nordens dann dort zu Ende kommen wird, ohne dass jemand ihm helfen wird. Der Herr selber wird da intervenieren. Das war nun wichtig, um ein bisschen den Hintergrund zu haben für die weiteren Verse in Joel 2.
Ich lese nochmals Vers 2: „Ein Tag der Finsternis und der Dunkelheit, ein Tag des Gewölks und des Wolkendunkels, wie die Morgenröte ausgebreitet ist über den Bergen, tritt auf ein zahlreiches und starkes Volk, seinesgleichen ist nicht gewesen von Ewigkeit her, und nach ihm wird keines fortfahren, so zu sein, bis in die Jahre der Generationen und Generationen.“
„Vor ihm frisst das Feuer, lodert eine Flamme. Wie der Garten Eden ist das Land vor ihm, und nach ihm eine Wüste des Entsetzens, und auch keine Entronnenen hat es.“
Interessant: Mose hat doch vorausgesagt, als Folge der Verwerfung des Messias wird das Land Israel, das Land, das von Milch und Honig floss, eine unansehnliche Wüste werden. 3. Mose 26, das hat sich so erfüllt. Ab dem Jahr 70 nach Christus, der Zerstörung Jerusalems, bis ins 19. Jahrhundert ist das Land Israel abgesunken, abgesunken, immer mehr bis zu einer unansehnlichen Wüste.
Dann kam aber ab 1882 die erste moderne jüdische Einwanderungswelle, und es folgten weitere. Und man hat Abermillionen von Bäumen gepflanzt, und so ist das verwüstete Land heute wieder ein Garten geworden, wo man sogar Schnittblumen in alle Welt exportiert und Jaffaorangen usw.
Ja, das entspricht genau dem: Wenn in der Endzeit der König des Nordens Israel angreift, kommt er nicht gegen eine Wüste, so wie das alte Palästina es war, sondern er kommt gegen ein Land wie der Garten Eden. In der Endzeit muss dieses Land wieder aufblühen, und das ist so heute. Aber das wird verwüstet werden: Wie der Garten Eden ist das Land vor ihm, und nach ihm eine Wüste des Entsetzens, und auch keine Entronnenen hat es.
Das ist ein schreckliches Wort. In Sacharja 13,8 heißt es: 12 bis 14 ist eine Einheit und beschreibt diese letzte Zeit der Drangsal. In 13,8 lese ich: „Und es wird geschehen im ganzen Land, spricht der Herr: Zwei Teile davon werden ausgerottet werden und verscheiden, aber der dritte Teil davon wird übrig bleiben. Ich werde den dritten Teil ins Feuer bringen, und ich werde sie läutern, wie man das Silber läutert, und sie prüfen, wie man das Gold prüft. Es wird meinen Namen anrufen, und ich werde ihm antworten und werde sagen: Es ist mein Volk, und es wird sagen: Der Herr ist mein Gott.“
Dieses Wort ist noch nie erfüllt worden. Manche haben gesagt: Ja doch, das kann ja nicht sein, dass so etwas noch zukünftig sein soll. Das hat sich in der Nazizeit erfüllt. Da muss ich sagen: Nein, die haben einen Drittel der Weltjudenheit vernichtet. Sie wollten alles, aber sie haben sechs Millionen vernichtet. Aber hier steht zwei Drittel. Und es steht nicht unter den Völkern, sondern es heißt in Vers 8: „Und es wird geschehen im ganzen Land“, spricht der Herr. Das ist eine Vernichtung im Land Israel. Zwei Drittel wird umkommen, aber ein Drittel wird in der größten Not zur Bekehrung gelangen und wird dann den Herrn anrufen.
Und schauen wir Kapitel 14, Vers 3: Der Herr interveniert. Nachdem in Vers 1 gesagt wird: „Siehe, ein Tag kommt für den Herrn, da wird deine Beute verteilt werden in deiner Mitte, und ich werde alle Nationen nach Jerusalem zum Krieg versammeln“, gemeint sind natürlich die Nationen rund um Israel, so wie schon in Kapitel 12, Vers 2: „Siehe, ich mache Jerusalem zu einer Taumelschale für alle Völker ringsum.“ Alle Völker ringsum, das sind die islamischen Völker, die gegen Jerusalem kommen.
Und dann Sacharja 14,3: „Und der Herr wird ausziehen und gegen jene Nationen streiten, wie an dem Tag, da er streitet, an dem Tag der Schlacht. Und seine Füße werden an jenem Tag auf dem Ölberg stehen, der vor Jerusalem gegen Osten liegt, und der Ölberg wird sich in der Mitte spalten nach Osten und nach Westen zu einem großen Tal. Und die Hälfte des Berges wird nach Norden und seine andere Hälfte nach Süden weichen. Und ihr werdet in das Tal meiner Berge fliehen, und das Tal der Berge wird bis Azel reichen. Und ihr werdet fliehen, wie ihr vor dem Erdbeben geflohen seid in den Tagen Usias, des Königs von Juda. Und kommen wird der Herr, mein Gott, und alle Heiligen mit dir.“
Alle alttestamentlich Gläubigen, und auch die Gläubigen der Gemeinde werden dann mit Christus kommen auf den Ölberg, wenn er den König des Nordens mit seinen Verbündeten besiegt in Jerusalem. Der Ölberg ist östlich von Jerusalem. Es ist ganz eindrücklich zu sehen, wie diese Prophetenbücher wunderbar sich ineinander verzahnen wie ein Puzzle. Es passt alles zueinander.
Und so lese ich jetzt weiter Joel 2, Vers 3 am Schluss: „Und auch keine Entronnenen hat es.“ Das heißt, dieses Volk lässt niemanden durch Flucht entrinnen, ja, sondern es gibt ein grausames Massaker, so dass eben zwei Drittel umkommen werden.
Vers 4: „Wie die Erscheinung von Pferden ist seine Erscheinung. Und wie Reiter eilen sie daher, wie das Getöse von Wagen hüpfen sie auf den Gipfeln der Berge, wie das Brasseln einer Feuerflamme, welche Stoppeln verzehrt.“
Merken wir, wie das steht: wie, wie, wie. Es sind nicht Wagen von Pferden, aber es ist so, wie, ja, das wird eine moderne Armee sein. Aber das erscheint alles so ähnlich, wie es eben auch früher ausgesehen hat: wie die Erscheinung von Pferden, wie Reiter, wie Getöse von Wagen und mit Feuerflamme.
Gleichsam als starkes Volk in Schlachtordnung aufgestellt treten sie auf. Vor ihm, wörtlich vor seinem Angesicht, erbeben Völker, alle Gesichter erbleichen. Gleichsam als Helden rennen sie, gleichsam als Männer des Krieges ersteigen sie die Mauer. Ein jeder geht auf seinen Wegen, und sie kommen von ihren Pfaden nicht ab. Keiner drängt den anderen, ein jeder geht auf seiner Bahn, und zwischen den Wurfgeschossen stürzen sie rasch zu Boden.
Sie lassen keinen Bruch in den Reihen entstehen. In der Stadt eilen sie umher, sie rennen auf der Mauer. Sacharja 14,1 sagt ja, Jerusalem wird erobert werden. Das Ziel dieser islamischen Koalition wird sein die Rückeroberung des Tempelberges, den sie 1967 im Sechstagekrieg verloren haben. „In der Stadt eilen sie umher, sie rennen auf der Mauer, sie steigen in die Häuser, durch die Fenster gehen hinein wie ein Dieb.“
Eine gewaltig lebendige Beschreibung des Krieges. Vor ihm bebt die Erde, es erzittern die Himmel, die Sonne und der Mond verfinstern sich, und die Sterne verhalten ihren Glanz.
Der Jesus hat für die große Drangsalzeit genau diese Zeichen angekündigt an den Himmelskörpern, solche Veränderungen. Ich lese aus Lukas 21, aus der Ölbergrede Jesu, Vers 25: „Und es werden Zeichen sein an Sonne und Mond und Sternen“, also Zeichen oben am Himmel und auf der Erde Bedrängnis der Nationen in Ratlosigkeit bei brausendem Meer und Wasserwogen. Das sind Tsunamis, bei brausendem Meer und Sturmfluten. Das sind Zeichen auf der Erde, Zeichen am Himmel, Zeichen auf der Erde, indem die Menschen verschmachten vor Furcht und Erwartung der Dinge, die über den Erdkreis kommen, denn die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden.
Aber dann kommt der nächste Vers: „Und dann werden sie den Sohn des Menschen kommen sehen in einer Wolke mit Macht und großer Herrlichkeit.“ Wenn aber diese Dinge anfangen zu geschehen, so blickt auf und hebt eure Häupter empor, weil eure Erlösung naht.
Also wenn man diese Dinge schon in ihren Anfängen sieht, die Tsunamis und was der Herr alles an Zeichen hier erwähnt in Lukas, dann soll man hinaufblicken. Das ist die Zeit der Erlösung.
Ja, wir gehen zurück, Joel 2, Vers 10: „Vor ihm bebt die Erde, es erzittern die Himmel, die Sonne und der Mond verfinstern sich, und die Sterne verhalten ihren Glanz.“
Und der Herr lässt seine Stimme erschallen vor seinem Heer, denn sehr groß ist sein Lager, denn stark ist der Täter seines Wortes. Denn groß ist der Tag des Herrn und sehr schrecklich, und wer vermag ihn zu ertragen?
Warum wird Gott diesen Überfall erlauben? Ich habe gesagt, nach Matthäus 24,15 wird die große Drangsalzeit beginnen, nachdem der Antichrist dieses Götzenbild im Tempel aufgestellt haben wird. Die Masse in Israel wird diesen Götzendienst akzeptieren und den Antichristen als Messias annehmen, und dann wird Gottes schützende Hand von Israel weggehen.
Bisher wurde Israel bewahrt in allen Kriegen. 1948 wollte die islamische Welt Israel ausrotten, und es war ein Fiasko nach einem Jahr. Dann wollten sie es wieder. Nach sechs Tagen waren die Feinde an drei Fronten geschlagen. Am Herrentag, am Sonntag, war Ruhe. Dann haben sie es nochmals versucht mit einem Überraschungsangriff im Jom-Kippur-Krieg 1973. Es war eine Katastrophe für Israel. Die meisten Leute in Israel wussten gar nicht, dass Krieg ist, und die Armeen waren ins Land eingedrungen. Aber nach einiger Zeit war Israel auf dem Vormarsch und hat die Feinde alle hinausgeschmissen. Es war der Krieg mit den größten Verlusten. Jedes Mal wurde Israel bewahrt. Man hat versucht auf alle Weisen, es ist nie gegangen.
Aber dieser Angriff wird möglich werden, nachdem das Götzenbild und der falsche Messias akzeptiert sein wird durch die Masse. Und darum wird zwei Drittel umkommen, und ein Drittel wird sich dann bekehren.
Lesen wir weiter 2,12: „Und auch jetzt, Spruch des Herrn, kehrt um zu mir mit eurem ganzen Herzen und mit Fasten und mit Weinen und mit Wehklagen, so zerreißt euer Herz und nicht eure Kleider und kehrt um zu dem Herrn, eurem Gott, denn gnädig und barmherzig ist er, langsam zum Zorn und groß an Güte. Und er wird es sich gereuen lassen über das Böse.“
Nun ruft Gott sein Volk in dieser Not auf zu einer letzten Möglichkeit der Buße und Umkehr, aber nicht so billig, wie das oft heute verkündigt wird als Evangelium: einfach so schnell Jesus aufnehmen und so weiter, und schon ist alles in Ordnung. Nein, sondern wirklich eine tiefgreifende Umkehr, verbunden mit einem tiefen Sündenbewusstsein vor Gott. Und darum heißt es: Ihr kehrt um zu mir mit eurem ganzen Herzen, mit Fasten und mit Weinen und Wehklagen, zerreißt euer Herz und nicht äußerlich die Kleider, irgendeine äußerliche Show abziehen, sondern wirklich im Innern das Herz zerreißen in Entsetzen über die eigene Sündhaftigkeit. Und kehrt um zu dem Herrn, eurem Gott!
Vers 14: „Wer weiß, er wird umkehren und es sich gereuen lassen und wird hinter sich Segen zurücklassen: Speisopfer und Trankopfer für den Herrn, euren Gott.“
Wenn Israel eine Umkehr erlebt, dann wird der Fluch der Drangsal beendet, so dass wieder Segen kommt, das Land erneuert wird, damit man wieder Speisopfer und Trankopfer zum dritten Tempel bringen kann. Für den Herrn, euren Gott.
Vers 15: „Stoßt ins Schofahorn auf Zion“, das ist wieder ein Leitmotiv, ja, von Kapitel 2, Vers 1. „Heiligt ein Fasten. Ruft eine Festversammlung aus, versammelt das Volk, heiligt eine Volksversammlung, bringt die Ältesten zusammen, versammelt die Kinder und die Säuglinge an den Brüsten.“
Alle sollen sie kommen, nicht nur die Erwachsenen. Auch die ganz Kleinen, sogar die Säuglinge sollen dabei sein. Das betrifft das ganze Volk, diese Umkehr, diese Bussversammlung.
Und noch mehr: Es heißt, „Es gehe hinaus der Bräutigam aus seinem Zimmer und die Braut aus ihrem Brautgemach.“ Bräutigam kann man auch übersetzen, wie in der Fußnote erklärt, der Jungvermählte. Nicht wahr, auch wir am Hochzeitstag im Deutschen nennt man den Jungvermählten immer noch den Bräutigam. Und im Englischen ist es so, dass man die Frau ein Jahr nach der Hochzeit noch bride nennt und dann nicht mehr. Das ist von Sprache zu Sprache unterschiedlich, der Gebrauch von Bräutigam.
Also es geht hier um den Jungvermählten und die Jungvermählte. Sie sollen aus dem Zimmer, aus dem Brautgemach kommen. Nun, worum geht es hier? Es geht hier um die Hochzeitsnacht. Das ist in Gottes Plan eine ganz, ganz wichtige Sache, aber die Buße geht vor. Sie sollen also sogar das Hochzeitszimmer verlassen, um zur Bussversammlung zu gehen. Es gibt nichts im Leben, das wichtiger wäre als die Bekehrung.
Und da muss man sagen: Wir sagen das auch unseren Kindern, die Entscheidung für einen Ehepartner oder eine Ehepartnerin ist die zweitwichtigste Entscheidung im Leben, und die Berufswahl ist die drittwichtigste Entscheidung. Ja, die wichtigste ist die Bekehrung, und dann in zweiter Linie die Entscheidung der Heirat und drittens der Beruf. Aber den Beruf kann man wieder wechseln, aber die Frau nicht und den Mann auch nicht. Das ist gegen Gottes Willen. Also darum diese Reihenfolge: Es gehe hinaus der Jungvermählte aus seinem Zimmer und die Jungvermählte aus ihrem Brautgemach.
Vers 17: „Zwischen der Vorhalle und dem Altar sollen die Priester weinen, die Diener des Herrn sollen sagen: Verschone, Herr, dein Volk und gib dein Erbteil nicht preis der Schande der spottredenden Nationen. Warum sollte man unter den Völkern sagen: Wo ist ihr Gott?“
Hier haben wir die Vorhalle, hebräisch Ulam, erwähnt. Das eigentliche Tempelhaus war schon bei Salomo, im zweiten und eigentlich dritten Tempel ist es so aufgebaut: eine Vorhalle, dann kommt das Heilige mit dem siebenarmigen Leuchter, Schaubrottisch, Räucheraltar und dahinter das Allerheiligste.
Im Tempel war immer der Bereich zwischen der Vorhalle und dem Altar. Das war ein ganz besonders heiliger Bereich, der speziell nur von Priestern betreten werden durfte. Und da, an diesem Ort, wir wissen übrigens heute ganz genau auf dem Tempelberg, wo diese Quadratmeter sind, also wenn wir zusammen hinaufgehen würden, könnte ich euch genau zeigen: da, da ist die Stelle zwischen Vorhalle und Altar, gerade auf der Ostseite der heutigen Omar-Moschee des Felsendoms, da ist dieser Bezirk. Und da werden sie beten. Opfern können sie nicht, aber sie werden beten im Tempel und Gott um Gnade anrufen.
Und jetzt schauen wir: Jetzt kommt die Wende, da beginnt der zweite Teil Joels. Dann eifert der Herr für sein Land, und er erbarmt sich über sein Volk. Nun greift Gott in diese Finsternis Israels, in diese tiefste Finsternis Israels, ein.
Daniel stellt die Frage im Blick auf die große Drangsal in Daniel 12: Wie lange werden diese Dinge dauern? Und dann wird ihm ein grausiges Wort gesagt. Das könnte durch Mark und Bein gehen. Daniel 11, ich lese das vor, Daniel 12 meine ich, Vers 6 am Schluss: Daniel stellt die Frage: Wie lange wird das Ende dieser wunderbaren Dinge dauern? Und ich hörte den in Leinen gekleideten Mann, welcher oben über dem Wasser des Stroms war, und er hob seine rechte Hand und seine linke zum Himmel und schwur bei dem, der ewig lebt: eine Zeit, eine Doppelzeit und eine halbe Zeit. Das ist ein Jahr, zwei Jahre und ein halbes Jahr. Das sind die dreieinhalb Jahre der Drangsalzeit.
Und wenn die Zerschmetterung der Kraft des heiligen Volkes vollbracht sein wird, dann werden alle diese Dinge vollendet sein. Also Israel wird in seiner eigenen Kraft völlig auf den Boden gelangen. Israels Kraft wird am Boden zerschmettert sein, und dann wird Gott eingreifen.
Und so ist es eben auch oft mit uns Menschen: Wir kommen erst zur Bekehrung, wenn wir sehen, dass wir von uns aus nichts können. Wir brauchen reine Gottes Gnade, um errettet zu werden. Wir können nichts beitragen, und erst wenn der Mensch an dem Punkt angelangt ist, kann er das Heil wirklich erfassen. Und so wird Israel wirklich an diesen Punkt geführt werden in diesen dreieinhalb Jahren: kein Selbstvertrauen mehr, auch nicht mehr auf die Zahal, die israelische Streitkraft.
Nun greift Gott ein. Es ist aber so schön: Hier an dieser Schlüsselstelle endet der erste Teil mit „Wo ist ihr Gott?“ Und dann kommt die Antwort im zweiten Teil: „Dann eifert der Herr, Yahweh, für sein Land.“ Joel, dieser kurze Name, heißt: Yahweh ist Gott. Jo ist die Abkürzung für Yahweh, der Herr, der Ewige. Und El bedeutet Gott. Es gibt verschiedene Formen: El, Elohim, Eloah.
Nun haben wir genau das: Sie fragen, wo ist ihr Gott? Dann eifert Yahweh für sein Land. Das ist genau die Anspielung auf den Prophetennamen Joel.
Ich lese weiter Vers 18: „Dann eifert der Herr für sein Land. Und er erbarmt sich über sein Volk. Dann antwortet der Herr und spricht zu seinem Volk: Siehe, ich sende euch das Korn, den neuen Wein, Traubensaft und das Olivenöl, so dass ihr davon satt werdet, und ich werde euch nicht mehr setzen zum Hohn unter den Nationen.“
Ja, da sind wir wirklich ganz am Ende. Israel wird nie mehr Schmach und Schande von den Völkern erleben, nie mehr all diese Spottreden, die sie unter den Nazis, aber auch heute noch in aller Welt zu erdulden haben.
„Und den Nordländer werde ich von euch entfernen und werde ihn vertreiben in ein Land der Trockenheit und der entsetzlichen Verwüstung. Sein Vortrab in das vordere Meer und seinen Nachtrab in das hintere Meer.“
Nun, in der Fußnote habe ich erklärt: Das vordere Meer bezeichnet im Hebräischen das Tote Meer, und das hintere Meer ist das Mittelmeer. Warum? Im Alten Orient orientierte man sich am Orient. Ja, ich glaube, wenn Sie heute eine Karte haben, dann stellen wir sie so auf, dass oben vorne Norden und links Westen, rechts Osten und Süden. Aber im alten Israel hat man nach Osten geblickt, das ist vorne.
Darum auch das hebräische Wort für Osten, es gibt mehrere, aber eines heißt Kedem, das heißt vorne, das was vorne liegt. Also wenn man sich nach dem Orient orientiert, da wo die Sonne aufgeht, dann ist das vordere Meer in Israel das östliche Meer, das Tote Meer, und das, was man im Rücken hat, das ist das Mittelmeer. Und dann versteht man auch: Rechts ist in der Bibel Norden und links ist Süden. Man kann das nachlesen: In Hesekiel 16 wird Samaria im heutigen Westjordanland genannt „links“, und Sodom und Gomorra, das ist rechts im Süden unten. So geht das. Andere Länder, andere Sitten. Aber wenn man die Bibel liest, muss man sich den biblischen Sitten anpassen.
Aber merken wir etwas: Das stimmt genau überein mit Daniel 11. Dort haben wir doch gelesen: Der König des Nordens kommt aus Ägypten zurück, wird sich stationieren zwischen dem Mittelmeer und dem Berg der Heiligen Zierde, das ist der Tempelberg. Nun, Jerusalem liegt gerade am Nordende der Höhe des Toten Meeres. Das entspricht genau dem.
Und jetzt lesen wir weiter: Das wird also geschehen, wenn der Herr Jesus auf dem Ölberg kommt und diese ganze Armee vernichtet, und aufsteigend wird sein Gestank, ja, aufsteigend wird sein Verwesungsgeruch, weil er Großes getan hat.
„Fürchte dich nicht, Erdboden, frohlocke und freue dich, denn der Herr tut Großes.“
Merken wir den Gegensatz: Der König des Nordens hat Großes getan, kommt aber zu seinem Ende, und jetzt heißt es: der Herr tut Großes. Er hat das letzte Wort.
Hiob, in seiner tiefsten Krankheitsnot, ausgemergelt und im schrecklichsten Zustand auch seiner Seele, kommt plötzlich in Kapitel 19, Vers 25 zu diesem Aufblick auf den Herrn. Und ich weiß, Händel hat das so schön vertont: „Und ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er auf der Erde stehen.“ Das heißt, er wird das letzte Wort reden. Wir können durch alles mögliche Ungemach im Leben hindurch, aber wir wissen: Am Schluss spricht der Herr das letzte Wort, als der Letzte wird er auf der Erde stehen.
Wie hier Vers 21: „Denn der Herr tut Großes. Fürchtet euch nicht, ihr Tiere des Feldes, denn die Auen der Wüste sind grün.“
Jetzt kommt das Leben wieder. Ja, nach der großen Drangsal, nach 1260 Tagen, beginnt es wieder zu regnen. So wie damals bei Elija, das waren ja auch genau dreieinhalb Jahre Trockenheit, ja, 2. Könige 17. Das ganze Land vertrocknet unter diesem götzendienerischen Herrscher Ahab, ein Vorgeschmack des Antichristen. Und dann, am Ende dieser Notzeit, kommt der Regen wieder über Israel.
Kapitel 2, Vers 22: „Fürchtet euch nicht, ihr Tiere des Feldes, denn die Auen der Wüste sind grün, die Bäume tragen ihre Frucht, der Feigenbaum und der Weinstock geben ihren Ertrag, und ihr Söhne Zions, frohlockt und freut euch in dem Herrn, eurem Gott.“
Merken wir wieder eine Anspielung auf Joel: Yahweh ist Gott, in dem Herrn, eurem Gott. „Denn er hat euch gegeben den Lehrer der Gerechtigkeit, und er lässt euch Regen fallen, den Frühregen und den Spätregen zuerst.“
Das ist eine ganz schwierige Stelle zum Übersetzen. Ich habe geschrieben bei Fußnote 29: Das überrascht diese Übersetzung, denn er hat euch gegeben den Lehrer der Gerechtigkeit und er lässt euch Regen fallen, den Frühregen und den Spätregen zuerst.
Ich lese Fußnote 29 vor: „Oder den Lehrer“, hebräisch More, „zur Gerechtigkeit“. Dieser Vers enthält ein wichtiges Wortspiel. Joel verwendet in der nächsten Zeile für Frühregen statt des üblichen Wortes Yore eine völlig ungewöhnliche Wortform, die genau gleich klingt wie Lehrer, More. Darum haben gewisse Bibelübersetzungen eben übersetzt, auch dort, wo ich übersetze Lehrer der Gerechtigkeit, haben sie Frühregen übersetzt. Aber Moray ist normalerweise das Wort für Lehrer. In der letzten Verszeile von Vers 23 ist es eindeutig ein Spezialwort für Frühregen.
Nun ist das eben ein Wortspiel. Wer ist der Lehrer der Gerechtigkeit, der kommen wird nach dieser größten Not und Trockenheit? Das ist der Herr Jesus, der den geistlichen Regen bringen wird am Ende der Notzeit, und das fällt dann eben zusammen mit dem Frühregen. Und so gibt die Stelle ihren Sinn her: „Denn er hat euch gegeben den Lehrer der Gerechtigkeit, und er lässt euch Regen fallen, den Frühregen und den Spätregen zuerst.“
Fußnote 30: Zuerst den Regen als natürlichen Segen, dann den geistlichen Segen in der Ausgießung des Heiligen Geistes. Das kommt gleich im nächsten Kapitel. Darum heißt es den Frühregen und Spätregen zuerst. Also zuerst kommt der Regen über Israel bei der Wiederkunft Christi, und dann kommt noch die Geistesausgießung. Darauf kommen wir nach der Pause dann zu sprechen. Das wird echt spannend.
Ja, übrigens, in den Schriften von Qumran findet man ja diesen Ausdruck der Lehre der Gerechtigkeit. In den außerbiblischen Schriften von Qumran findet man das wiederholt. Und zum Beispiel auch in ihrem Habakuk-Kommentar aus Höhle 1, da kommt im Kommentar dieser Ausdruck der Lehre der Gerechtigkeit vor. Das war ein Priester aus der Linie von Zadok. Er war so enttäuscht damals im zweiten Jahrhundert vor Christus, weil die Makkabäer die Priesterordnung verletzt haben. Die haben plötzlich nicht sadokidische Priester als Hohepriester eingesetzt.
Und da war dieser Zadokide so enttäuscht über dieses Chaos, diese unbiblischen Zustände im Tempel, so hat er sich vom Tempel abgesondert und ist ans Tote Meer gegangen und hat die Qumrangemeinschaft gegründet. Und viele sind mit ihm gegangen. Sie haben gesagt: Wir können nicht mehr im Tempel anbeten, wir müssen in die Wüste, und wir warten, bis der Messias kommt. Und dieser Führer von Qumran hat sich genannt: der Lehrer der Gerechtigkeit. Und so kommt in den Qumranschriften auch vor, als Gegensatz der Frevelpriester. Das ist bezogen eben auf diese makkabäischen Priester, die unrechtmäßig das Hohepriesteramt an sich gerissen haben. Das ist der Frevelpriester, während der Zadokide von Qumran, das war der Lehrer der Gerechtigkeit, in ihrem Verständnis.
Nun, woher haben sie diesen Ausdruck, der Lehrer der Gerechtigkeit? Aus Joel. Das ist die Schlüsselstelle. Aber sie haben es falsch bezogen, das bezieht sich natürlich nicht auf diesen Priester damals, sondern das ist der Messias, der Lehrer der Gerechtigkeit. Das ist der Mann aus Bethlehem, das ist der, der die Bergpredigt gehalten hat in Galiläa, das ist der Lehrer der Gerechtigkeit, der sagen konnte: „Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist, ich aber sage euch.“ Das ist eine ganz andere Sprache.
Die Rabbiner haben immer gesagt: Rabbi Sowieso hat gesagt im Namen von Rabbi Sowieso. Die haben sich immer auf Autoritäten gestützt, da muss man mal ein bisschen Talmud lesen. Merkt man, wie die Sprache immer abstützen auf andere Namen: der hat gesagt, der hat gesagt. Der Jesus kann sagen: „Ich aber sage euch.“ Am Schluss von Matthäus 7, am Ende der Bergpredigt, heißt es, dass das Volk erstaunt war über diese Worte, denn er lehrte sie wie einer, der Autorität, Macht hatte und nicht wie ihre Schriftgelehrten. Ja, er ist dieser Lehrer der Gerechtigkeit, den Gott für Israel gegeben hat.
Vers 24: „Und die Tennen werden voll Korn werden, und die Kufen werden überfließen von neuem Wein und von Olivenöl.“ Alles Bestandteile für die Opfer im Tempel, ja? Aber nicht nur, es ist auch zur Nahrung.
Vers 25: „Und ich werde euch die Jahre erstatten, dreieinhalb Jahre, die der Vermehrer abgefressen hat, der Hüpfer und der Vertilger und der Abnager.“ Jetzt haben wir wieder diese Ausdrücke wie in Kapitel 1: „mein großes Heer, das ich unter euch gesandt habe.“ Nun sehen wir, das Heer in Kapitel 1, das war nicht eine gewöhnliche Heuschreckenplage, sondern ein Heer, das das Land mit Feuer verbrennt. Das machen Heuschrecken nicht, so schrecklich sie auch sein können.
Vers 26: „Und ihr werdet genug zu essen haben und satt werden, und ihr werdet den Namen des Herrn, eures Gottes, loben“, Joel, wieder eine Anspielung auf den Namen, Yahweh Eloheichem, Yahweh, euer Gott, loben, „der wunderbar an euch handelt, und mein Volk soll in Ewigkeit nicht mehr beschämt werden.“
Merken wir, da sind wir am Ende. Es geht also nicht um ein Ereignis, das schon früher mal in der Geschichte Israels stattgefunden hätte. Es geht wirklich um das Letzte, und dann wird Israel nie mehr beschämt werden. Und das ist nun ganz wichtig für das Weitere, was nach der Pause kommt. Das wird ein Hammer werden.
„Und ihr werdet erkennen, dass ich in der Mitte Israels bin und dass ich der Herr, euer Gott bin“, wieder eine Anspielung an Joel, „und keiner sonst, und mein Volk soll in Ewigkeit nicht mehr beschämt werden.“
Jetzt kommt nur noch das tausendjährige Reich. Und wir sehen, Gott selber ist da.
2,27: „In der Mitte Israels.“ Der Mann von Nazareth wird auf dem Ölberg stehen, aber dieser Mann ist Gott, denn in Sacharja 14,3 heißt es: Yahweh wird ausziehen, und seine Füße werden auf dem Ölberg stehen. Natürlich kann man sich da fragen: Hat Yahweh, der ewige Gott, Füße? Aber sicher! Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns. Das ist der ewige Gott, der wirklich Mensch geworden ist, und als Mensch wird er wiederkommen in der Zukunft. Er wurde Mensch, geboren in Bethlehem, er ist gestorben und ist als Mensch auferstanden, als Mensch in den Himmel gegangen, als Mensch hat er sich zur Rechten Gottes gesetzt, und als Mensch wird er zurückkehren auf den Wolken des Himmels, und seine Füße werden auf dem Ölberg stehen.
Jetzt machen wir Pause, das haben wir wohlverdient, glaube ich.
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