Serie•Teil 16 / 17E21 Hauptkonferenz 2025
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einführung in das Thema und geistliche Ausrichtung
Ja, hallo zusammen! Ihr befindet euch eigentlich in dem Seminar Trauer und Trost. Falls ihr euch eigentlich für etwas anderes angemeldet habt, dann dürft ihr jetzt noch einmal die Zeit nehmen, euch auf den Weg zu begeben, dorthin, wo ihr eigentlich hingehört.
Ansonsten herzlich willkommen! Wir wollen uns heute Morgen mit dem Thema Trauer und Trost beschäftigen, und das ist kein einfaches Thema. Als Seelsorger merke ich aber immer wieder, dass es ein Thema ist, das unheimlich wichtig ist und viele, viele Leute betrifft.
Bevor wir uns auf den Weg machen, möchte ich zu Anfang mit uns beten.
Himmlischer Vater, wir möchten dir danken dafür, dass du uns gerettet hast, dass unsere Sünde nicht mehr zum Tod führt, sondern dass wir in Ewigkeit in Gemeinschaft mit dir leben dürfen. Aber du weißt auch, dass wir in dieser gefallenen Welt leben, in der wir immer wieder Leid erfahren, Schmerz haben und von Ängsten getrieben sind.
So möchten wir dich bitten, Herr, dass du uns Weisheit schenkst für das, was wir immer wieder im Leben erfahren, und dafür, wie wir damit umgehen sollen. Ich möchte dich bitten um die Führung durch deinen Geist. Hilf uns, Herr, auch jetzt noch einmal Klarheit zu haben oder zu erlangen, damit wir gut zuhören können. Wir danken dir, Herr, für diese Konferenz, für die Zeit miteinander, und möchten dich jetzt bitten, dass du uns segnest. Amen.
Drei Blickrichtungen für den Umgang mit Leid
Ich fange mal mit ein paar Fragen an. Was würdest du sagen: Wie sieht es in dieser Gesellschaft, in der wir leben, aus, wenn es um das Thema Trauer und Trost geht? Gehen wir damit gut um oder gehen wir damit eher schlecht um in der Gesellschaft? Wie sieht das im Kontext der Ortsgemeinde aus? Machen wir das dort besser? Oder schlechter? Oder gleich?
Wenn es um Verlust und Trauer geht, ist das eher eine private Sache oder ist das etwas Öffentliches? Das kommt ja darauf an, was wirklich der Kontext ist.
Was ist deine persönliche Erfahrung mit dieser Thematik? Hast du schon mal Trost gebraucht? Und wie sind Menschen dir dann in deiner Trauer begegnet? Und die allerwichtigste Frage: Wenn du schon mal getrauert hast, wie ist Gott dir in dieser Trauer begegnet? Hast du seine Nähe gespürt, seinen Trost wahrgenommen?
Ihr merkt schon: In dieser Thematik steckt ganz, ganz viel drin. Und ich möchte zu Anfang auf drei wichtige Perspektiven hinweisen, so als Hilfestellung für diesen gesamten Vortrag.
Die erste und wichtigste Perspektive ist die Perspektive Gottes. Leider ist es so, dass wir immer dort, wo Trauer, Not und Leid sind, ganz schnell vergessen, was Gottes Perspektive eigentlich ist und wer er ist, wie er ist.
Die zweite Perspektive ist die des Leidenden. Wenn die Lasten des Lebens uns bedrücken und unerträglicher werden, manchmal langsam, Schritt für Schritt, wird es schwieriger. Und manchmal geht es blitzschnell. Dann verlieren wir oft den Blick dafür, wie wir eigentlich mit Leid umgehen.
Und dann ist da die dritte Perspektive, und das ist die Perspektive der Helfer. Da ist vielleicht jemand, der sich um dich kümmert, der Trost schenken möchte, der unterstützen möchte. Wie sollen die mit diesen Sachen umgehen?
Alle drei Perspektiven sind wichtig für einen weisen Umgang mit diesen Themen. Ich hoffe auch, dass dir dieser Vortrag letzten Endes hilft, mit Verlust und Trauer besser umzugehen, besonders in der Hinsicht, dass dein Vertrauen auf unseren Herrn Jesus Christus gefestigt wird. Dass du auch dann, wenn die Wellen des Lebens mal höher schlagen, als du es vielleicht in der Vergangenheit erlebt hast, sagen kannst: Ich habe einen Erlöser, der mit mir ist.
Gleichzeitig hoffe ich, dass es dir eine Hilfe ist, vielleicht auch einmal zu reflektieren, was Trostspenden denn eigentlich bedeutet. Wie kann ich das denn eigentlich machen? Wie kann ich einer Person, meinem Nächsten, meiner Nächsten, in Liebe zu Jesus und in Hoffnung auf Jesus begegnen?
Also: Für diese beiden Perspektiven, zwei und drei, ist die erste Perspektive, Gottes Perspektive, die allerwichtigste, weil dort der Ursprung wahren Trostes bei Gott ist.
Gottes Wesen als Grundlage des Trostes
Wenn wir uns gleich an diese verschiedenen Aspekte heranmachen und uns mit diesen Dingen beschäftigen, möchte ich noch einmal etwas vorgreifen, und zwar in Bezug auf diese erste Perspektive, mit einer Frage an dich: Welche Selbstoffenbarung Gottes haben wir eigentlich in der Bibel?
Nochmal etwas anders gefragt: Welche Worte gebraucht Gott, um sich selbst zu beschreiben? Damit meine ich nicht irgendwelche Titel wie „Gott“ oder „Herr“, sondern welche Adjektive benutzt er, um zu sagen: So bin ich.
Jahwe, Jahwe, Gott, heilig und gewaltig, schnell erzürnt und reich an Gerechtigkeit und Macht, der keineswegs ungestraft lässt, sondern die Schuld der Väter heimsucht an den Kindern und Kindeskindern, an der dritten und vierten Generation, aber auch Gnade bewahrt an Tausenden von Generationen, der Schuld vergibt und Sünde vergibt.
Irgendjemand hat etwas gemerkt? Nein, das ist nicht die Bibel. Aber das ist das, was wir manchmal denken, wenn wir besonders den Lügen des Feindes zu viel Raum geben und nicht auf das hören, was Gott schon über sich selbst gesagt hat, wie er sich selbst offenbart hat.
Ich lese einmal so, wie es geschrieben steht: 2. Mose 34,6-7.
Jahwe, Jahwe, Gott, barmherzig und gnädig, langsam zum Zorn und reich an Gnade und Treue, der Gnade bewahrt an Tausenden von Generationen, der Schuld vergibt und Sünde vergibt, aber keinesfalls ungestraft lässt, sondern die Schuld der Väter heimsucht an den Kindern und Kindeskindern einer dritten und vierten Generation.
Heiligkeit, Gerechtigkeit und Macht sind Teil seines Charakters, und Sünde muss gesühnt werden, entweder durch Jesu Werk am Kreuz oder durch das Gericht an den Sündigen, an denen die Schuld haben. Aber Gottes Beschreibung von sich selbst, das ist Barmherzigkeit und Gnade, Geduld, Güte und Treue.
In ähnlicher Weise lesen wir es in Römer 2,4: Oder verachtest du den Reichtum seiner Gütigkeit und Geduld und Langmut und weißt nicht, dass die Güte Gottes dich zur Buße leitet?
Gott, und es ist wichtig, dass wir das verstehen: Er hat eine Seite, die liebevoll, geduldig und wohlwollend ist, und wir können das oft gar nicht so wirklich begreifen.
Es ist die Frage, wenn es um dieses Thema geht: Warum fange ich denn eigentlich hier an? Ich fange an, um uns zwei Dinge deutlich zu machen.
Zum einen gibt es uns Aufschluss darüber, dass Gottes Perspektive viel, viel besser ist, als uns das Leben manchmal glauben lässt, weil Gottes Perspektive ist: Ich will zu dir kommen, ich bin barmherzig, gnädig, geduldig und treu.
Und zum anderen bedeutet es, dass wir in ihm ein Beispiel haben, wie wir miteinander umgehen sollen, besonders wenn das schwer ist.
Wenn wir also über Trauer und Trost reden, dann lasst uns versuchen, immer im Blick zu haben, dass Gottes Sicht wichtig ist und dass sein Charakter unser Leitbild ist.
Wenn ich leide und Trost brauche, dann darf ich nicht vergessen, wer Gott ist, was er vorhat und dass er gut ist und Gutes tut. Psalm 119,68
Wenn ich meinen Nächsten leiden sehe und ich Trost spenden will, dann soll ich nach dem Charakter Gottes fragen und versuchen, auch barmherzig, gnädig, geduldig, voller Güte und Treue meinem Nächsten oder meiner Nächsten zu begegnen, weil Gott das auch so tut.
Verlust in vielen Formen und die Reaktion des Menschen
Gehen wir einen Schritt weiter. Verlust hat viele Gesichter.
Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, urteilte ich wie ein Kind. Als ich ein Mann wurde, tat ich weg, was kindlich war, so schreibt Paulus in 1. Korinther 13,11.
Lebenserfahrung verändert. Das erfahre ich auch immer wieder in der Seelsorge. Perspektive ist wichtig. Als ich klein war, da waren Sachen riesig, so ein Raum war riesengroß. Dann bin ich aufgewachsen. Jetzt bin ich 1,92. Jetzt sind die Dinge ein bisschen kleiner.
Aber was ist denn mit so einem Thema wie Verlust, Trauer, Trost? Ist Tod nicht eigentlich der einzige Grund, warum wir überhaupt trauern sollten? Das andere ist doch alles gar nicht so schlimm, oder?
Das Problem ist, dass Tod eben nicht der einzige Grund ist, warum wir als Menschen trauern. Natürlich ist Tod ein Verlust, der einschneidend ist. Aber das ist nicht der einzige Grund, warum wir trauern.
Ich gebe euch mal ein paar Beispiele im Sinne von: Verlust hat viele Gesichter.
Ich habe mich angestrengt und Überstunden geschoben ohne Ende, die Beförderung hat jemand anders bekommen. Verlust.
Wir waren eine tolle Gruppe von Freunden, und warum ich auf einmal außen vor bin, ich habe keine Ahnung. Verlust.
Wir brauchten das Geld, und ich wollte, dass meine Kinder Dinge haben, von denen ich nur hätte träumen können. Jetzt sind sie erwachsen, und wir haben keine Beziehung. Verlust.
Er war immer so geduldig, so einfühlsam. Er war romantisch und schien immer die richtigen Worte zu haben. Heute leben wir wie in einer WG, gleiches Haus, aber zwei verschiedene Leben. Verlust.
Ich war immer gesund, habe mich gut ernährt, war vorsichtig mit meinem Lebenswandel. Die Krebsdiagnose hat mich total umgerissen. Verlust.
Ich hatte so viel zu tun, und dann brauchte ich einfach mal einen Break. Klar, meine Noten waren jetzt nicht die besten, aber dass ich sitzen bleibe, nur weil ich eine Arbeit verhaue, hätte ich nicht gedacht. Verlust.
Ich dachte immer, Sex muss total schön sein. Meine Erfahrung sagt was anderes. Nun fühle ich mich schmutzig und gebraucht. Ich habe etwas abgegeben, was ich nicht wieder zurückbekommen kann. Verlust.
Das sind einige Beispiele dafür, wie Verlust aussehen kann. Und manches, haben wir gemerkt, ist vielleicht schwerwiegender als andere Sachen. Aber wir merken: Es ist eben nicht nur der Tod, der Verlust verursacht, und deshalb ist es nicht nur der Tod, der Trauer auch verursacht.
Je mehr ich mit Menschen unterwegs bin, um ihnen zu helfen, sie zu ermutigen und sie zu trösten, desto mehr merke ich: Wow, es gibt viele Ursachen für Verlust, und es gibt auch viele Reaktionen auf Trauer. Verlust kann materiell sein, kann sich auf körperliche Funktionen beziehen, kann mit Beziehungen zu tun haben, hat oft mit Träumen und Zielen zu tun, die man nicht erreicht hat. Verlust hat vielleicht auch mit Status oder Funktion zu tun, die man innehatte.
Aber immer wieder sehe ich die Wahrheit der Worte aus Sprüche 13,12: Hingezogene Hoffnung macht das Herz krank.
Ich denke, es wäre gut, wenn wir uns das merken: Weil Verlust viele Gesichter hat, sollten wir mit Barmherzigkeit, Gnade und Geduld an andere Menschen herantreten, wenn wir sehen, dass sie Hilfe brauchen.
Ich sage es noch mal: Weil Verlust viele Gesichter hat, sollten wir mit Barmherzigkeit, Gnade und Geduld an andere Menschen herantreten, wenn wir sehen, dass sie Hilfe brauchen.
Das bringt uns auch zum nächsten Punkt: Verlust und Trauer, Ursache und Wirkung in gewisser Weise.
Trauer als natürliche, aber vielschichtige Antwort
Seht ihr, Verlust lässt uns nicht kalt. Verlust ist nicht etwas, wo wir einfach mal so sagen: Ach, stecke ich weg, kein Problem.
Sicher reagieren wir nicht alle gleich auf Verlust, selbst wenn es derselbe Verlust ist. Geschwister reagieren zum Beispiel anders darauf, wenn die Eltern sich scheiden lassen. Vater und Mutter reagieren auch nicht gleich, wenn plötzlich eine Krebsdiagnose für eines der Kinder kommt. Hier können wir sicher auch viele, viele Beispiele nennen, wo wir einfach merken: Es gibt Unterschiede, wie wir mit dem Leben umgehen.
Aber was uns klar sein muss, ist: Wir alle reagieren auf Verlust, und die natürlichste Reaktion auf Verlust ist Trauer. Es ist nicht schön, etwas zu verlieren. Es tut uns nicht gut, wenn wir etwas aufgeben oder abgeben müssen. Es kostet Kraft und Ausdauer. Wir müssen lernen, emotional damit umzugehen.
Aber auch hier ist Trauer nicht die einzige Reaktion. Was ist mit Zorn, Angst, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Gedächtnislücken, Albträumen, Flashbacks, Schlaf- und Essproblemen, Erschöpfung, Kopfschmerzen, Krankheit? All diese Dinge haben auch mit Trauer zu tun, weil wir etwas verloren haben.
Hinzu kommen vielleicht geistliche Fragen, die uns noch einmal sehr bedrücken: Zweifel, die ich habe. Warum ich? Warum so? Warum jetzt? Wie geht es weiter? Gott, wo bist du?
Sicher ist, dass Trauer immer ein Teil der Reaktion ist, wenn wir etwas verlieren. Ein Problem, das ich als Seelsorger immer wieder sehe: Wir nehmen uns zu wenig Zeit oder gar keine Zeit, mit der Trauer umzugehen. Das kenne ich auch selbst.
Ich gebe euch ein Beispiel. Im Jahr 2011 verstarb mein Vater im April nach einigen Jahren des Kampfes mit Leberzirrhose. Meine Beziehung mit ihm war aufgrund der Scheidung meiner Eltern zwölf Jahre zuvor nicht einfach gewesen. Ich bin dankbar, dass wir uns über die Jahre dann wieder annähern konnten. Aber ich wusste eigentlich: Mein Vater ist krank, er wird irgendwann sterben, und es wird wahrscheinlich auch nicht so lange dauern.
Dann kamen Tod, Beerdigung, Trauer, und dann geht das Leben weiter, kein Problem. Ich wusste zwar, dass irgendwie mit der Trauer umgegangen werden muss. Zu der Zeit war ich auch schon Seelsorger. Man weiß diese Sachen ja: Mach doch mal was. Aber ich war zu beschäftigt. Also verdrängte ich es.
Im September des gleichen Jahres verstarb meine Oma. Mein ganzes Leben oder einen Großteil meines Lebens hatte ich im gleichen Haus gewohnt wie meine Großeltern. Meine Großeltern waren meine Glaubenshelden, weil sie mir in der Zeit der Scheidung meiner Eltern durch ihren Glauben viel geholfen haben. Aber auch meine Oma war krank, hatte eine Lungenkrankheit. Ich glaube, wir waren alle überrascht, dass sie eher so lange gelebt hat, nicht dass sie so früh gestorben ist.
Aber auch hier kamen Tod, Beerdigung, Trauer, na ja, und dann geht das Leben halt weiter. Doch hier änderte sich etwas, weil dieser Verlust noch schwerer für mich war. Und aufgrund der Ermutigung meines Chefs habe ich dann gesagt: Okay, ich nehme mir zwei Tage frei. Zwei Tage frei, um Verlust und Trauer in die Augen zu starren, um mich dem zuzuwenden, der alle Berge niedrig machen kann und alle Täler erheben kann.
Tag eins verbrachte ich ungefähr drei bis vier Stunden in der Stadtbibliothek, in einem kleinen Raum. Bibel lesen, Gebet, Tagebuch schreiben, ein bisschen Lobpreis, Gebet, mehr Gebet, Tränen, Schmerzen, Hoffnung. Aber ich bin nach Hause gegangen, erschöpft von der Arbeit dieses Tages, hatte keine besonderen Eindrücke, keine besonderen Antworten, aber ich hatte ein bisschen Hoffnung, weil ich wusste: Gott wird mich auch hier durchtragen. Na ja, ich habe ja auch noch morgen. Ich habe mir ja zwei Tage freigenommen.
Doch der nächste Tag war kein normaler Tag. Sehr früh morgens, ich glaube, es war noch nicht mal fünf Uhr gewesen, da bekam meine Frau einen Anruf von jemandem: Du musst deine Mutter anrufen, jetzt. Es ist etwas passiert. Mein Schwiegervater war in der Nacht zuvor quietschfidel ins Bett gegangen und in der Ewigkeit aufgewacht. Boom, Verlust noch mal. Schon wieder.
Bob war eine besondere Person, ein Gigant an Geduld, liebevoll, hilfsbereit, weise. Ich durfte viel Zeit mit ihm verbringen, viele Gespräche führen und mit ihm beten. Dann kommt die Frage: Warum jetzt? April, September, Anfang Oktober. Tod, Trauer.
Weißt du was? Wenn du dir Zeit nimmst, zu reflektieren und zu trauern, dann sterben noch mehr Leute. So waren meine Gedanken. Eine ehrliche Aussage, aber keine wahrhaftige Aussage. Verständlich, menschlich, aus Schmerzen geboren, aber weder wahr noch weise noch hilfreich.
Was will ich damit sagen? Ich will sagen: Verlust wird Trauer hervorheben. Wir wissen manchmal gar nicht, wie wir damit umgehen sollen, und manchmal versuchen wir damit umzugehen, und es läuft nicht so, wie wir uns das gedacht haben.
Aber zwei Sachen sind hier wichtig. Erstens: Es ist niemals falsch, sich die Zeit zu nehmen, zu trauern. Es ist niemals falsch, zum Herrn zu gehen und zu sagen: Ich habe absolut keine Ahnung, wie ich damit umgehen soll. Bitte, bitte, bitte: Wenn du in deinem Leben etwas hast, was mit Verlust und Trauer zu tun hat, und du hast dir noch nicht die Zeit genommen, das mal zu verarbeiten, dann nimm dir diese Zeit.
Und zweitens, noch viel wichtiger: Gott ist da. Er war auch in meiner Situation da. Sein Wort, seine Gegenwart, sein beständiges Trösten – das durfte ich erleben, weil Gott uns nicht im Stich lässt.
Das Herz als Ort von Schmerz, Hoffnung und Bewahrung
Trauer und das menschliche Herz
„Mehr als alles, was man sonst bewahrt, behüte dein Herz, denn in ihm entspringt die Quelle des Lebens.“ Sprüche 4,23
Gefühlt hätte ich an meiner Trauer auch kaputtgehen können. Drei unheimlich wichtige Menschen in meinem Leben wurden innerhalb von sechs Monaten aus dem Leben gerissen. Aber Gott, Gott hat mein Herz bewahrt, hat Frieden geschenkt, hat Freude geschenkt, hat Hoffnung gegeben.
Die Bibel spricht immer wieder davon, wie zentral das menschliche Herz ist, besonders in Bezug auf den Wandel im Leben. Wie gehen wir mit dem Leben um? Das Herz ist die Schaltzentrale unseres Seins. Deshalb warnt Gott uns und ermahnt uns: Behüte dein Herz!
Lass diese Trauer da nicht einfach wachsen und mehr und mehr Raum einnehmen von Angst und Bitterkeit und Fragen und Zweifeln.
Denken wir mal daran: Unser Herz hat ganz, ganz viel mit Erwartungen zu tun. Ich habe vorhin schon Sprüche 13,12 zitiert: Hingezogene Hoffnung macht das Herz krank.
Wir sagen Sachen wie: Ohne Papa kann ich nicht leben. Oder: Diesen Job werde ich nie aufgeben. Oder: Für meine Gesundheit habe ich doch schon so viel geopfert. Oder: Das habe ich mir verdient. Oder: Wie kannst du mir das antun, Gott, ich diene dir doch so treu.
Unser Herz bindet sich so schnell an viele, viele Dinge. Die Erwartungen wachsen, werden vielleicht sogar zu Notwendigkeiten in unserem Leben. Wir verteidigen unsere Wünsche, unsere Träume und wollen vieles nicht loslassen, was wir schon haben.
Auf der anderen Seite gibt es viele Sachen, nach denen wir uns sehnen. Und all das, was da im Weg steht, das müssen wir bekämpfen, weil ich dieses oder jenes haben will.
Da könnt ihr ja mal, wenn ihr das noch nicht getan habt, Jakobus 3 und 4 lesen, aber nicht nur einmal, vielleicht dreimal oder viermal oder fünfmal. Und schaut mal, was Gott über unser Herz sagt und wie viele Erwartungen und wie viel Begierde da drinsteckt.
Aber manchmal treffen auch unerwartete Sachen auf unser Herz. Es ist nämlich nicht nur die Sündhaftigkeit unseres Herzens, die dazu führt, dass wir irgendwelche Sachen erlangen oder behalten wollen, was dann vielleicht zu Erwartungen oder zu Notwendigkeiten wächst, wo wir sagen: Ohne das kann ich nicht leben.
Zum Beispiel der Tod meines Schwiegervaters. Es war nicht meine Sünde, dass er gestorben ist, aber da war es auf einmal. Du musst jetzt damit umgehen.
Denk mal an den Krieg in der Ukraine oder das Massaker in Israel am 7. Oktober letztes Jahr. Unfälle, Krankheiten, Naturkatastrophen – diese Dinge kommen oft innerhalb von Sekunden, und wir haben es nicht kommen sehen.
In gewisser Weise sind diese unerwarteten Dinge manchmal einfacher zu verarbeiten, weil wir wissen: Ja, dagegen konnte ich sowieso nichts machen. Aber das Dumme dabei ist ja der Schmerz. Der bleibt.
Und ganz wichtig: Trauer ist nicht mal eben so abgehakt. Ha, ich habe so ein paar Tage genommen, Trauer fertig, schönes Paketchen irgendwo in den Schrank geschoben.
Aber habt ihr schon mal gehört, dass Menschen dumme Sachen sagen, nicht hilfreiche Sachen, schmerzhafte Sachen? Ja, nun ist doch mal gut, hast dich doch ausgeheult. Du kannst doch nicht ewig so sitzen, oder? Bist du ein Freund von Hiob?
Nur weil Tränen geflossen sind, nur weil Schmerz gefühlt wurde, ist die Trauer nicht vorbei.
Wie geht es dir denn persönlich damit? Was ist in deinem Herzen? Welche Verluste hattest du schon? Wie bist du mit der Trauer umgegangen oder wie gehst du jetzt gerade mit der Trauer um? Gibt es Dinge, die du noch nicht verarbeitet hast? Was machst du damit? Was machst du damit?
Zeit, Prozess und Wiederkehr der Trauer
Trauer hat auch etwas mit drei Aspekten zu tun: mit Zeitpunkt, mit Prozess und mit Zyklus. Was meine ich damit? Natürlich können wir uns mit diesem Thema noch viel länger beschäftigen, als wir heute Morgen Zeit haben. Aber es gibt eben einige Gedanken, die wichtig sind.
Das Erste ist: Trauer hat einen Zeitpunkt. Diese Lawine wurde irgendwann einmal losgetreten, es hat alles einmal angefangen. Trauer wächst nicht wie ein Baum von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr, und irgendwann stehst du da und denkst: Ha, wo kommt dieser Baum her? Trauer kommt eher ganz, ganz plötzlich, und du denkst: Was mache ich jetzt? Und Verlust ist eben ganz oft der Ursprung. Es wurde mir etwas genommen.
Aber noch viel, viel wichtiger: Trauer hat nicht nur einen Startpunkt. Wenn du Nachfolger Jesu bist, hat Trauer auch einen definitiven Endpunkt, weil du deine Schmerzen, deine Tränen und dein Leid nicht mit in die Ewigkeit nehmen wirst. Und das dürfen wir nicht vergessen.
Aber Trauer ist nicht nur ein Zeitpunkt, Trauer ist auch ein Prozess, wie ihr schon gehört habt. Da musste ich mich schon mehrmals mit dem Thema beschäftigen, auch ganz persönlich, und das waren nur drei Beispiele von mehreren, die ich geben könnte. Aber wisst ihr, der Umgang mit Trauer ist nicht so wie der Umgang mit einem umgekippten Mülleimer, wo du einfach die Sachen wieder aufhebst, den Eimer wieder hinstellst, die Sachen wieder reinschmeißt und sagst: Ah, jetzt ist wieder sauber.
Trauer ist eher wie vergossenes Motoröl. Ja, du kannst es aufwischen. Aber es geht in die kleinsten Ritzen und bleibt in den kleinsten Löchern hängen. Du kannst viel davon entfernen, aber es gibt auch noch Überreste, die dableiben, und die werden sich dann irgendwann auch noch einmal bemerkbar machen. Vielleicht sagst du: Ja, ich habe das verarbeitet. Und dann bist du auf einmal unterwegs, gehst eine Straße lang, und plötzlich trifft dich etwas in deiner Nase, und du hast die Erinnerung daran, was dich verletzt hat. Du willst das gar nicht, aber die Trauer ist da, der Schmerz meldet sich auf einmal.
Du bist in einem Prozess. Du kannst Trauer nicht einfach irgendwann einmal abhaken, zumindest nicht in der Zeit. Aber Gott kann dir auch mit diesen Überresten helfen, und er wird, wie ich gerade schon gesagt habe, auch diese kleinen Überreste in den Ritzen und Löchern abdecken. Du nimmst das nicht mit in die Ewigkeit.
Aber eben, da ist auch noch einmal der Gedanke: Ich bin in einem Prozess, ich muss da immer irgendwie weitermachen und weitermachen. Aber Trauer ist auch wie ein Zyklus. Das kommt immer mal wieder in unser Leben zurück. Das Problem ist: Wir wissen nicht wann. Wir sind oft nicht darauf vorbereitet. Und wenn es dann kommt, dann sagen wir Sachen wie: Hey, das habe ich doch schon verarbeitet. Da bin ich doch schon mit Jesus dran gewesen. Warum tut mir das jetzt so weh?
Trauer wird noch einmal wiederkommen, auch wenn wir es nicht erwarten. Die Frage ist: Was mache ich denn dann? Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Mach das, was du eigentlich auch beim ersten Mal hättest tun sollen, wenn du es nicht schon gemacht hast. Arbeite daran und sage: Herr, ich habe nicht die Antworten, die ich eigentlich möchte. Ich trage den Schmerz in mir, ich fühle die Last und das Leid, aber ich brauche deine Hilfe, weil ich sonst daran kaputtgehe.
Also müssen wir wieder ran und wieder daran arbeiten.
Der Ursprung wahren Trostes in Gott
Dann ist jetzt die Frage: Wenn wir all diese Sachen haben, wenn es Dinge gibt in unserem Leben, die kommen und die uns wehtun und wir dann trauern, was tröstet mich eigentlich? Was ist denn eigentlich Balsam für die Seele? Kann man das bei Lidl kaufen? Ich frage es mal so: Wenn du trauerst, was brauchst du denn? Wie sieht wahrer Trost für dich aus, wenn du wirklich am Boden bist und nicht weiter weißt? Was ist denn dann Balsam für die Seele? Willst du reden? Soll jemand dir zuhören? Willst du einfach alleine sein? Was hilft dir?
Wir kommen gleich noch mal zu ein paar praktischen Schritten, wie Trost wirklich aussehen kann. Wir wissen: Worte können ermutigen, und auch Berührungen können beruhigen. Aber wenn es darum geht, dass unsere Seele Frieden findet inmitten des Sturms, dann brauchen wir mehr als nur Worte, mehr als Berührung und mehr als die Gegenwart von Menschen.
„Ich, ich bin es, der euch tröstet. Wer bist du, dass du dich vor dem Menschen fürchtest, der hinstirbt, und vor dem Menschenkind, das wie Gras dahingegeben wird, und dass du den Herrn vergisst, der dich gemacht hat?“ Jesaja 51,12-13
Ich, ich bin es, der euch tröstet. Gott, der Vater, ist der Urheber wahren Trostes. Und wenn uns das aus den Versen in Jesaja eben nicht klar war, dann hört doch noch mal, was 2. Korinther 1 sagt:
„Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Erbarmungen und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller Bedrängnis.“
Er ist der Gott allen Trostes. Natürlich können wir als Menschen auch trösten, aber Gott ist der Urheber dessen, was es bedeutet, Trost zu spenden. Er kennt uns in- und auswendig. Und wie wir eingangs gehört haben, Barmherzigkeit und Gnade sind die Worte, die er selbst gebraucht, um sich zu beschreiben. Dadurch wissen wir jedoch, dass er derjenige ist, der am besten trösten kann und der es auch als Erstes tun möchte.
Aber der Trost, den Gott spendet, das ist nicht irgendwas. Erst einmal sollen wir uns darüber im Klaren sein, dass Gott, der allmächtige, allwissende und allgegenwärtige, versprochen hat, mit uns zu sein und uns nicht zu verlassen, egal was wir in dieser Welt antreffen. Und in gewisser Weise, vielleicht noch wichtiger oder noch detaillierter, noch klarer: Gott hat einen Weg durch seinen Sohn Jesus Christus geschaffen, damit wir wahren Trost haben können.
Ich lese uns mal Worte aus Hebräer 6,17-18:
„Deshalb hat sich Gott, da er den Erben der Verheißung die Unwandelbarkeit seines Ratschlusses noch viel deutlicher beweisen wollte, mit einem Eid verbürgt, damit wir durch zwei unveränderliche Dinge, bei denen Gott doch unmöglich lügen kann, einen starken Trost haben, die wir unsere Zuflucht dazu genommen haben, die vorhandene Hoffnung zu ergreifen.“
Diese haben wir als einen sicheren und festen Anker der Seele, der in das Innere des Vorhangs hineinreicht, wohin Jesus als Vorläufer für uns hineingegangen ist, der nach der Ordnung Melchisedeks Hoher Priester in Ewigkeit geworden ist.
Die Hoffnung, durch die wir Trost haben, ist eine Person. Gott, der Sohn, ist der Garant wahren Trostes. Ohne das sündlose Leben, ohne das Sterben am Kreuz, ohne seine Auferstehung, ohne die Himmelfahrt – was hätten wir denn an wahrem Trost? Woran würden wir unsere Hoffnung denn festmachen?
In Jeremia 31, etwa 600 Jahre vor Christus, da lesen wir, Gott wird seine Schafe wie ein Hirte hüten. Und was hat Jesus gesagt? Ich bin der gute Hirte.
Und auch da in Jeremia 31, da lesen wir:
„Dann wird die Jungfrau sich erfreuen am Reigen, junge Männer und Greise miteinander, und ich will ihre Trauer in Freude verwandeln und will sie trösten und erfreuen in ihrem Kummer.“
Das Leid, das wir erfahren, den Schmerz, den wir tragen, unser ganzes irdisches Leben lang, das können wir tragen wegen Jesus. Nur wegen ihm ist Leid tragbar, auch unsägliches Leid. In 2. Korinther 1,5 lesen wir:
„Denn wie die Leiden des Christus überreich auf uns kommen, so ist auch durch den Christus unser Trost überreich.“
Jesus hat Leid ertragen, das wir nicht annähernd ermessen können, verstehen können. Aber daher kann Jesus auch trösten wie niemand anders. Er versteht unsere Schmerzen und unsere Lasten. Gott tröstet dich und mich durch seinen Sohn Jesus Christus.
Aber nun sind zwei Dinge dabei auch noch wichtig. Erstens: Trost empfangen zu haben bedeutet nicht, dass der Schmerz einfach weg ist oder dass wir den Schmerz leugnen müssen. Das Leben in einer gefallenen Welt ist schwer und schmerzhaft. Aber zweitens bedeutet es auch nicht, dass die Ungerechtigkeiten, die vielleicht dazu geführt haben, dass ich Schmerzen habe, dass ich leide, dass ich traurig bin, nicht unbeachtet bleiben. Vollkommene Gerechtigkeit wird kommen, Gott selbst garantiert uns das, besonders da, wo Sünde im Spiel war, die zu großer Trauer geführt hat. Entweder hat Jesus schon dafür bezahlt, oder der Sünder muss selbst dafür zahlen.
Der Heilige Geist und das Erinnern an Gottes Wahrheit
Wir haben also Gott den Vater, der der Urheber wahren Trostes ist, Gottes Sohn, Jesus Christus, der der wahre Garant unseres wahren Trostes ist, und wir haben Gott den Heiligen Geist, den Überbringer wahren Trostes.
Ich lese noch einmal aus 2. Korinther 1: Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der der Gott allen Trostes ist, der uns tröstet in all unserer Bedrängnis, damit wir die trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, durch den Trost, mit dem wir selbst von Gott getröstet werden. Denn wie die Leiden des Christus überreich auf uns kommen, so ist auch durch den Christus unser Trost überreich. Sei es aber, dass wir bedrängt werden, so ist es zu eurem Trost und Heil; sei es, dass wir getröstet werden, so ist es zu eurem Trost, der wirksam wird im geduldigen Ertragen des Leidens, das wir auch leiden. Und unsere Hoffnung für euch steht fest, da wir wissen, dass, wie ihr der Leiden teilhaftig seid, so auch des Trostes.
Gott begegnet uns in unserem Trost. Und in Jesus garantiert er uns das, und im Heiligen Geist überbringt er uns das.
Wir haben in den letzten Tagen schon viel gehört: Der Heilige Geist erinnert uns an die Wahrheiten, die unser Herz braucht. In Johannes 14,26 sagt Jesus: Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.
Und was hat Jesus denn eigentlich gesagt, wenn ich traurig bin, wenn ich unter Verlust leide, wenn ich denke, ich weiß gar nicht mehr vorwärts? Jesus hat gesagt: Kommt zu mir, ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.
Wie sollen wir Trost haben, wenn wir diese Worte vergessen?
Wir haben es auch schon gehört: Epheser 3,16: „Er gebe euch nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, mit Kraft gestärkt zu werden durch seinen Geist an dem inneren Menschen.“
Und wir haben gehört, dass er das immer wieder und immer wieder durch die Wahrheit des Wortes Gottes tut. Dort will er uns begegnen, dort will er uns ermutigen und trösten.
Aber, und das ist auch noch einmal wichtig, das haben wir auch schon gehört: Gottes Worte sind nicht bloß Worte. Auch wenn wir uns hier jetzt noch einmal daran erinnern, was hat Jesus denn gesagt? Johannes 6,63: Die Worte, die ich zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben.
Wenn du glaubst, dass du erdrückt wirst, zerquetscht wirst, zerstört wirst von der Trauer, dann darfst du wissen: Gottes Worte geben Leben und Kraft und Hoffnung und Freude.
Der Balsam für die schmerzende, gebrechliche Seele liegt also im Trost dessen, der allein fähig ist, wahren Trost zu spenden.
Trost als Dienst am Nächsten
Aber nun sind wir als Menschen nicht fein raus. Oh ja, Gott macht das ja alles, er braucht mich ja gar nicht. Da, wo die anderen Leute in meiner Gemeinde trauern, Gott macht das schon. Ja, ja, er wird das machen, weil er vielleicht auch das mit dir machen will. Machst du mit?
Trost ist nämlich immer eine Gelegenheit zum Dienst aneinander. Oder Trauer ist eine Gelegenheit zum Dienst aneinander. Aber dazu sind vielleicht noch einmal einige Gedanken wichtig: was Trost nicht ist.
Trost bedeutet nicht, alle Antworten zu haben. Oder sie überhaupt haben zu müssen. Du darfst mit den Leuten reden, die Trost brauchen, aber du musst gar nicht. Meistens glauben wir als Menschen, dass wir irgendwie ganz, ganz viel sagen müssen, und leider sagen wir ganz, ganz oft ganz blöde Dinge. Da ist es vielleicht manchmal besser, den Reißverschluss zuzumachen.
Auf der anderen Seite bedeutet Trost nicht, fehlerlos zu helfen. Ihr müsst eure Hände nicht heben, aber wer hat Angst, auf andere Menschen zuzugehen, um sie zu trösten? Was sage ich denn? Habe ich die Worte überhaupt? Was ist, wenn die mir eine Frage stellen und ich habe keine Antwort? Gar nicht so schlimm. Du musst gar nicht fehlerlos helfen, du musst gar nicht perfekt sein, du wirst sowieso Fehler machen, ich auch. Aber vertrauen wir Gott, dass er uns gebrauchen möchte, um andere Menschen auch zu trösten?
Und übrigens: Wenn du jemandem wehtust, dem du eigentlich helfen wolltest, dann kannst du um Vergebung bitten, kannst wieder neu anfangen. Super! Aber lass dich nicht aus Angst vor Fehlern davon abhalten, Trost zu spenden.
Weiter bedeutet Trost auch nicht, die Quelle wahren Trostes zu sein oder sein zu müssen. Ich habe es gerade schon einmal gesagt: Letzten Endes kann nur Gott die schmerzende Seele beruhigen und erquicken, wie wir das als Menschen brauchen. Aber Gott möchte uns vielleicht auch benutzen. Ich muss nur nicht die Quelle dessen sein, was dann wirklich Trost spendet. Gott möchte mich gebrauchen.
Und ich denke, wenn wir da einfach mal die Messlatte ein bisschen weiter runtersetzen und sagen: Ich darf helfen und ich kann helfen, aber es kommt nicht aus mir, letzten Endes die Wahrheiten, die ich weitergebe, der Trost, den ich spende, ob das durch Worte ist oder durch meine Gegenwart. Das kommt letzten Endes nicht aus mir. Gott wird etwas im Herzen dieser Person tun.
Und als letzten Gedanken: Trost bedeutet nicht, dass das Ziel Fröhlichkeit ist. Ja, ich habe getrauert, aber jetzt nicht mehr. Seht ihr das nicht? Juhu, Trost ist besiegt, Trauer ist besiegt, sorry. Fröhlichkeit ist nicht das Ziel bei dem Ganzen. Wir dürfen uns freuen, wenn eine trauernde Person wieder lachen kann oder lächeln kann, wieder Freude hat. Aber das ist nicht das Ziel.
Und genau da machen wir oft den größten Fehler, dass wir anderen Menschen vermitteln: Hey, es ist doch mal gut, verständlich irgendwo, aber Trauer ist doch keine Sünde, zumindest nicht zuerst. Vielleicht kann es auch dazu führen, aber nur weil wir Unbehagen haben in Bezug auf emotionale Ausbrüche, sollte uns das nicht dazu verleiten, eigentlich nur auf das Gegenteil abzuzielen. Sobald die Person wieder lächelt, dann ist ja alles gut.
Klar, Fröhlichkeit kann etwas sehr Schönes sein, ist aber nicht das Hauptziel, wenn wir sagen: Ich möchte dir helfen durch Trost.
Die innere Haltung des Tröstenden
Da ist vielleicht noch einmal wichtig mitzunehmen: Dein Herz ist wichtiger als deine Fähigkeiten.
In seinem Buch über die tragische Geschichte des Verlustes seiner Frau, seiner Mutter und einer seiner Töchter durch einen Autounfall erzählt Gerald Sitzer davon, dass Verlusterfahrungen zwar universal sind, dass aber jede Erfahrung von jeder einzelnen Person selbst getragen und verarbeitet werden muss.
Und für die von uns, die Trost schenken wollen, bedeutet das dann, dass es sein kann, dass deine Erfahrungen, die du mitbringst, oder auch deine Fähigkeiten helfen können, aber vielleicht helfen sie auch nicht.
Aber das ist ja gar nicht das Ziel, dass wir uns letztlich auf die Schulter klopfen können und sagen: Da habe ich doch toll getröstet, oder? Wir wollen Menschen begegnen, wie Gott Menschen begegnet.
Wichtig ist eben mein Herz. Was ist meine Einstellung dazu? Wenn ich einen leidenden Menschen sehe, was macht das mit mir? Helfe ich, weil ich bereit bin zu helfen? Helfe ich, weil ich pflichtbewusst bin? Guck mal, da weint doch jemand, da muss doch irgendjemand hingehen. Oder helfe ich, weil jemand anders mich dazu drängt: Geh doch mal, du redest immer so gut. Ja, ja, mach doch mal.
Jesus macht uns in den Evangelien immer wieder klar, dass nicht unsere äußeren Handlungen das Wichtigste sind, sondern unser Herz. Und Sitzer gibt in seinem Buch auch ein Beispiel dafür. Ich lese mal einen kleinen Abschnitt.
Wie gesagt, er war in einem Autounfall mit seiner ganzen Familie, seine Frau, seine Mutter und eine seiner Töchter sind in diesem Autounfall gestorben.
Freunde, die aus Chicago gekommen waren, erzählten mir vor kurzem, wie verzweifelt und unfähig zu helfen sie sich fühlten, als ich anrief und ihnen von dem Unfall erzählte. Als Steve und Kathy nach ihrem Flug bei uns eintrafen, schauten sie sich in die Augen, bevor sie aus dem Auto stiegen. Dieser Blick sagte mehr als alle Worte. Fragen beschäftigten sie, und die Antworten fehlten. Sie beschlossen in diesem Augenblick einfach nur da zu sein, egal wie hilflos und verzweifelt sie sich fühlten. Sie legten alle vorsichtige Zurückhaltung beiseite und nahmen mich beim Eintreten mit Tränen in den Augen in den Arm, obwohl sie keine Ahnung hatten, wie sie mich und die Kinder trösten sollten. Sie öffneten sich einfach für unser Leid, sie waren da und bereit, sich davon berühren zu lassen, sie wurden ein Teil unserer Leidensgemeinschaft.
Was ist meine Herzenseinstellung da, wo ich sehe, dass Menschen Hilfe brauchen?
Ein praktisches Modell für tröstendes Handeln
Das bringt uns zum letzten Punkt: 5G Trost. Oder willst du ein 5G-Tröster sein, nicht mehr LTE-Tröster? 5G ist ja ein bisschen aufgewertet.
Ich habe einfach mal daran gedacht: Was ist etwas, das man sich leicht merken kann? Vielleicht 5G. Wenn ich mir fünf Wörter, die mit G anfangen, merken kann, dann habe ich vielleicht einen besseren Weg, um anderen Menschen mit Trost zu begegnen.
Das erste G ist Gelegenheit. Hast du einen Blick dafür, dass jemand Trost braucht? Ich habe da sofort an den barmherzigen Samariter gedacht. Er sah die Not und hat reagiert. Eine Gelegenheit zum Dienst brach auf, und er machte sich daran. Wie ist es bei uns? Nutzen wir die Gelegenheiten zum Dienst des Tröstens. Vielleicht kannst du ja auch beten, dass Gott dir einmal Gelegenheit gibt oder dass Gott dir die Angst nimmt, wenn du eine Gelegenheit siehst, damit du die Gelegenheit zumindest wahrnimmst.
Das zweite G ist Gegenwart. Auch wenn unsere Gegenwart nicht die Gewichtigkeit hat, die Gottes Gegenwart hat, ist es doch schon ein riesiger Segen zu wissen: Da ist jemand da. Und weil Gott eben nicht verkörpert ist, fühlen wir uns manchmal allein, auch wenn wir wissen, dass Gott da ist. Wenn ein Mensch mit seiner Gegenwart da ist und seine Hand auf meine Schulter legen kann, dann hilft das schon. Wenn du Gelegenheit zum Trösten siehst, gehst du hin, um mit deiner Gegenwart Liebe, Mitgefühl und Trauer auszudrücken.
Gelegenheit und Gegenwart sind die ersten zwei Gs. Jetzt kommt das dritte: Gebet. Jakobus schreibt in 1. Korinther 5,16: Das Gebet eines Gerechten vermag viel, wenn es ernstlich ist. Glauben wir das? Glauben wir an die Wichtigkeit und an die Wirksamkeit von Gebet? Ich muss nicht unbedingt da sein für die Person, meine Gegenwart muss nicht da sein, aber ich kann beten. Und mit meinem Gebet kann ich Berge versetzen. Glaube ich das? Nicht übrigens, weil unsere Worte in den Gebeten so wunderbar sind, sondern weil Gott sich in seiner Barmherzigkeit auch durch unsere Gebete bewegen lässt. Und dafür haben wir viele Beispiele auch in der Bibel. Gebet ist das Beste, das Wichtigste, was du tun kannst.
Das nächste G ist Geduld. Ein Freund von mir sagt es immer so: Wir als Menschen sind arrival junkies, wir möchten gerne ankommen. Wo bist du auf dem Weg zum Ende des Trostes? Und ich hoffe, es kommt bald, ich möchte doch damit nicht mehr weitermachen müssen. Aber was ist denn bei Trauer eigentlich das Ziel? Dass der Schmerz komplett verschwindet? Dass man absolut keine Erinnerung mehr an den Schmerz und an die Trauer hat? Bei vielen, nicht bei allen Dingen, aber bei vielen Dingen werden wir unser ganzes Leben trauern, besonders da, wo Trauer mit Tod verbunden ist. Aber so oder so dürfen wir wissen, dass es bei Trauer keine vorgegebene Zeit gibt.
Und wenn du auf einmal nervös wirst, weil die Trauer eines anderen Menschen in deinem Leben dich beunruhigt, dann liegt das Problem nicht bei der anderen Person. Wir wissen: Geduld ist auch nicht etwas, was du dir mal zusammenbasteln kannst, sondern Frucht des Geistes. Aber wir müssen lernen, geduldig zu sein. Oft beschämen wir einander dafür, dass die Trauer anhält, anstatt zu verstehen, warum diese Person vielleicht aus der Trauer nicht rauskommt. Wollen sie nicht oder können sie nicht? Gott ist auch mit uns geduldig. Wollen wir nicht sein Wirken nachahmen, indem wir auch geduldig sind?
Als letztes Wort habe ich das Wort Gedächtnis ausgewählt. Wir haben diese Tage viel über das Wirken des Heiligen Geistes gehört, und bevor er kam, sagte Jesus über ihn, das habe ich vorhin schon mal gelesen, dass er uns erinnern würde an das, was wichtig ist. Auch uns kann und so glaube ich möchte Gott auch gebrauchen, um andere Menschen zu erinnern. Wir können für einen Moment das Gedächtnis der anderen Personen sein. Wir können in unserer Gegenwart Liebe und Barmherzigkeit zeigen, und wir können an die Macht Gottes erinnern, an die Hoffnung, die wir in Christus haben, an Gottes Verheißungen, die uns doch so viel Mut schenken könnten.
Aber dieses Gedächtnissein soll uns jetzt nicht irgendwie zu so einem übermütigen Aktivismus treiben oder verleiten, dass wir diese anderen vier Gs vergessen. Na ja, ich muss dir nur mal was sagen, und dieses und jenes, und dann sehen wir diese Person gar nicht mehr, wie sie leidet. Denkt dran, ihr müsst vielleicht gar nicht reden. Aber wenn ihr redet, dann labert nicht einfach so vor euch hin, sondern gebraucht das Wort Gottes, um Hoffnung zu geben, mit Worten, die lebendig sind. Larry Norman hatte das ja so gut für uns ausgedrückt: Menschliche Worte sind tot, aber Gottes Worte sind lebendig. Deshalb wollen wir weise sein im Spenden des Trostes, und wenige Worte sind da vielleicht besser als viele Worte. Und mit Sicherheit sind Gottes Worte besser als unsere Worte.
Abschluss und Gebet
Ich hoffe, dass, auch wenn ich da sicherlich noch viel, viel, viel mehr hinzufügen könnte, wenn es darum geht, wie ich denn jetzt Trost spende, diese fünf Gs euch dabei helfen, euch einfach daran zu erinnern, was ich denn eigentlich machen kann.
Wir müssen das gar nicht so viel komplizierter und detaillierter machen. Denn wenn ich die Gelegenheit sehe, wenn ich gegenwärtig sein kann, wenn ich in meinem Herzen bete und geduldig mit dieser Person warte und sie vielleicht auch daran erinnere, was sie hören soll, weil Gottes Wort lebendig ist, dann kann ich doch schon ganz, ganz, ganz viel damit machen.
Und wenn ihr Fehler macht, wenn es nicht so läuft, wie ihr hofft, dann lasst euch trotzdem nicht davon abbringen, anderen Menschen mit Liebe und Barmherzigkeit zu begegnen. Betend, dass Gott euch zu seiner Ehre und zum Wohl des Anderen gebraucht.
Ich bete noch zum Abschluss.
Ach Herr, du weißt, wie viel Last wir in diesem Leben tragen, und manche von uns tragen eine Last, die wir uns noch nicht einmal vorstellen könnten. Wie kann eine Person das tragen? Und die Trauer fließt wie ein Wasserfall, fließt und fließt und fließt und fließt und fließt und bedrückt. Aber auch da kannst du Trost spenden.
Wir möchten dich bitten, Herr, dass du uns Augen schenkst für unsere Mitmenschen, dass wir sie sehen, dass du uns Mut schenkst und dass du uns die Angst nimmst, da, wo wir sonst vielleicht nicht unsere Gegenwart im Leben dieser Menschen gebrauchen würden. Ich möchte dich bitten, Herr, dass du uns Weisheit gibst, geduldig und gnädig miteinander unterwegs zu sein.
Und Herr, besonders die Menschen, die heute hier sitzen, die vielleicht denken: Ja, du weißt gar nicht, wie viel ich trage, sei denen ganz besonders nah, Herr, und gebrauche die Worte, die wir von diesen Tagen mitnehmen, um ihnen Trost zu spenden, um sie daran zu erinnern, wie groß und wie mächtig du bist, dass du liebevoll und barmherzig und gnädig bist und dass du da bist.
Herr, wir loben und preisen dich für deine Nähe, für deine wunderbare Nähe, für den Trost, den du spendest durch dein wahres, lebendiges Wort. Danke dafür, Herr, in Jesu Namen. Amen.
