Einleitung
Letzten Sonntag haben wir gesehen, dass wir ein Problem zuerst erkennen
müssen, um es lösen zu können. Das ist gar nicht so einfach, denn oft
sind wir blind für uns selber. Wir hielten fest, dass wir Probleme
erkennen:
Indem ich auf andere höre
Indem ich auf mich höre
Indem ich auf Gott höre
Mose erkannte sein Problem, indem er auf seinen Schwiegervater hörte.
Der beobachtete die übermässige Belastung von Mose. Auch für das Volk war
die Situation schwierig, denn wenn Mose alle Urteile fällen musste,
entstand eine lange Warteschlange, was in der Hitze nicht besonders
angenehm war.
Nun, Mose liess sich von seinem Schwiegervater etwas sagen und war
sogar bereit die Lösung umzusetzen, die er ihm vorschlug.
Er setzte daraufhin verschiedene Leute ein, die seine Aufgaben
übernahmen und er beschäftigte sich nur noch mit den schwierigen Fällen.
So hatte er sein Problem wegorganisiert.
Es ist möglich: Man kann Probleme wegorganisieren. Bevor wir uns aber
einigen praktischen Dingen zuwenden, möchte ich noch etwas
Grundsätzliches aufzeigen.
## I. Was Lösungen erst möglich macht
Wollen wir Probleme lösen, müssen wir das wirklich wollen. Probleme zu
lösen ist im ersten Moment nämlich oft anstrengender, als sie zu
behalten. Es gibt viele Leute, für die ist es ein Problem, dass sie
rauchen. Sie würden damit gerne aufhören, was bekanntlich nicht so
einfach ist, deshalb bleiben viele bei der Absichtserklärung stehen.
Wir sind eben von Natur aus träge und reagieren reflexartig, wenn uns
etwas begegnet. Wir überlegen oft nicht weshalb wir so reagieren, wir
kennen es nicht anders, wir haben es immer so gemacht. Wir sind
gewissermassen konditioniert, wie das Nobelpreisträger (1904) Pawlow
(1849 – 1936) mit seinen Hunde Experimenten zeigte.
Ein Hund bekommt das Fressen. Jedes Mal wenn er das Fressen bekommt
wird das von einem Signalton begleitet.
Nachdem man diesen Vorgang mehrfach wiederholte, liess man nur noch den
Signalton laufen. Beim Hund wurden dadurch dieselben körperlichen
Reaktionen ausgelöst, er geht zu seinem Fressnapf, aber da gibt es nichts
zum Fressen.
Auf einen solchen Reiz (bei uns kann das ein bestimmtes Wort oder ein
bestimmter Tonfall sein), folgt direkt die Reaktion. Diese
Verhaltensweise nennt man re-aktiv. So wie die beiden Herren, die einen
Parkplatz suchten.
Ein alter Herr fährt mit seinem Wagen durch die Strassen und sucht
verzweifelt einen Parkplatz. Plötzlich wird einer frei, doch ein junger
Mann ist mit seinem Sportwagen schneller. Hämisch lacht er dem älteren
zu: "Wenn man jung und schnell ist, geht das ohne weiteres!" Da gibt der
alte Herr mit seinem Auto Gas und verwandelt den Sportwagen zu einem
Haufen Schrott. Er ruft dem Jungen zu: Wenn man alt und reich ist, geht
das ohne weiteres!"
Solche Reaktionen werden von den Gefühlen, den Umständen, den
Bedingungen oder vom Umfeld bestimmt. Nicht wirklich von mir selber. So
löst man in der Regel Probleme nicht, sondern nur, wenn wir
verantwortlich Handeln.
Gott hatte sich das schon bei der Erschaffung des Menschen so gedacht.
Er hat uns Verantwortung übergeben und wollte, dass wir aktive
Entscheidungen treffen. Er beauftragte uns:
»Seid fruchtbar und vermehrt euch! Füllt die ganze Erde und nehmt sie
in Besitz! Ich setze euch über die Fische im Meer, die Vögel in der
Luft und alle Tiere, die auf der Erde leben, und vertraue sie eurer
Fürsorge an.« (1. Mose 1, 28)
Wir sind geboren, um das Leben aktiv zu bestreiten und Verantwortung zu
übernehmen.
Statt re-aktiv oder resignativ, sollten wir pro-aktiv reagieren. Das
funktioniert folgendermassen:
Nochmals, wir werden einem Reiz ausgesetzt, bevor wir aber reagieren,
haben wir einen Entscheidungsfreiraum, der durch unsere Werte, durch das,
was ich will, bestimmt werden soll. Dann erst reagiere ich.
Am einfachen Bild einer Giftschlange lässt sich dieses Prinzip
verdeutlichen. Werde ich von einer Giftschlange gebissen, macht es keinen
Sinn, ihr hinterher zu jagen, das treibt das Gift erst recht durch
unseren Körper. Es ist viel besser, sofort Massnahmen zur Entgiftung zu
ergreifen.[1]
Also, wenn wir Probleme anpacken und wegorganisieren wollen, dann
müssen wir die Verantwortung übernehmen. Denn es fordert von uns meistens
zuerst mehr Aufwand und Energie, als wenn wir alles so lassen, wie es
ist. Doch wenn wir es anpacken, steigert sich die Lebensqualität enorm.
Ich kenne niemand, der es bereute, wenn er es geschafft hat mit dem
Rauchen aufzuhören. Ich kennen nur Leute, die es bereuen, dass sie wieder
angefangen haben.
Bibelstellen zum nachschlagen: 1. Mose 1, 28
II. Wie wir Probleme frontal anpacken
Es gibt ganz praktische und handfeste Methoden, wie man Probleme
wegorganisiert. So z.B. die ältere Dame, die im Supermarkt an der Kasse
stand. Als sie aus ihrer Handtasche das Portemonai hervorkramt, fiel
plötzlich eine Zahnprothese aufs Laufband. Schnell erklärte sie: "Die hab
ich meinem Mann weggenommen, weil er sonst womöglich den Kühlschrank leer
isst." H.M., Das Beste
So werden wir es natürlich nicht machen. Aber man kann Probleme ganz
direkt angehen, vorausgesetzt man will sie wirklich bewältigen.
…indem wir Handlungen ersetzen
Wir können Probleme anpacken, indem wir Handlungen ersetzten. Das ist
in der Theorie ein einfaches Prinzip. In der Bibel finden wir ein
Beispiel dafür.
Wer vom Diebstahl gelebt hat, muss jetzt damit aufhören. Er soll seinen
Lebensunterhalt durch eigene Arbeit verdienen und zusehen, dass er auch
noch etwas für die Armen übrig hat. (Epheser 4, 28) Wenn jemand gestohlen hat, fordert Paulus nicht einfach auf, er soll
damit aufhören, sondern dieses falsche Verhalten, soll durch ein
positives Verhalten ersetzt werden. Er soll nicht nur Geld verdienen,
sondern darauf achten, dass er für die Armen etwas übrig hat.
Eine negative Verhaltesweise wird durch eine positive Verhaltensweise
ersetzt. Wenn ich einfach etwas lassen und das durch nichts ersetzt wird,
entsteht eine Art Vakuum, eine Leere. Das werde ich nicht durchhalten,
früher oder später, werde ich das Naheliegenste tun, nämlich das, was ich
bis anhin auch tat.
Als ich mit Rauchen aufhörte, kaufte ich mir ein Süssholz und kaute
darauf rum. Das half wenigstens ein bisschen.
…indem wir ausweichen oder amputieren
Es kann sein, dass man sogar etwas wegräumen muss. So berichtet ein
Mann, er hätte viel zu wenig Zeit, um all seinen Hobbys nachzugehen. Als
eines Tages der Fernseher streikte, beschloss er, sich erst in drei
Monaten einen neuen zu kaufen, falls er ihn wirklich vermissen würde.
Nach einer zugegeben harten Phase der Abgewöhnung gelang es ihm
tatsächlich, mit der nun freien Zeit sinnvoll umzugehen und seinen
Informationsbedarf mit dem Radio zu decken. Sieben Jahre später lebte er
immer noch ohne", dafür hatte er seine Hobbys umfassend gepflegt.[2]
Es gibt verschiedene Reaktionen in unserem Leben, die durch bestimmte
Gegenständige oder Objekte ausgelöst werden. Wenn ich das verhindern
will, dann muss ich, wenn immer möglich, diese Dinge aus dem Weg
schaffen, oder ich muss ihnen ausweichen.
Wenn ich z.B. mit dem Geld nicht zurecht komme. Wenn ich merke, dass
ich immer zuviel ausgebe, dann muss ich das analysieren und allenfalls
gewisse Geschäfte meiden. Es kann auch hilfreich sein, wenn ich die
Kreditkarte wegwerfe und grundsätzlich nur noch mit Bargeld bezahle.
Wie auch immer, ich muss einfach ganz konkrete Vorgehensweise
überlegen.
In Bezug auf sündiges Verhalten, sagte Jesus einmal ganz radikal:
Wenn du durch dein rechtes Auge zu Fall kommst, dann reiss es aus und
wirf es weg! Es ist besser, du verlierst eines deiner Glieder, als dass
du mit unversehrtem Körper in die Hölle geworfen wirst. Matthäus 5, 29.
Es ist oft besser seine Schwachstellen zu kennen und Orten und
Gegenständen auszuweichen, die mich ausser Kontrolle bringen, als zu
meinen, man müsse sich allem und jedem aussetzen können. Beide Prinzipien
müssen manchmal kombiniert werden – Bsp.
Bibelstellen zum nachschlagen: Matthäus 5, 27-30
…indem wir Gott fragen
Man könnte noch viele Tipps geben, wie man Probleme frontal anpacken
kann. Zugegeben, es ist oft leichter gesagt als getan. Aber eines ist
ganz wichtig, egal was es ist, wir können mit allen Fragen zu Gott
kommen. Wir werden sogar ausdrücklich dazu auffordert. Jakobus schrieb:
Wenn aber jemand von euch nicht weiss, was er in einem bestimmten Fall
tun muss, soll er Gott um Weisheit bitten, und Gott wird sie ihm geben.
Denn er gibt sie allen gerne und hält niemand seine Unwissenheit vor.
(Jakobus 1, 5) Gott ist offen für unsere Fragen und Probleme, wir können ihm im Gebet
alles sagen und er wird Verständnis dafür haben. Er wird uns nicht
beschimpfen und sagen: Du Dummkopf, was stellst Du da wieder für eine
dumme Frage, bist Du nicht gescheiter? Nein!
er gibt allen gerne und hält niemand seine Unwissenheit vor. (Jakobus
1, 5)
Es gibt nur eine Vorrausetzung, die wir zu erfüllen habe, wir müssen
Gott zutrauen, dass er wirklich helfen wird.
Er muss Gott aber in festem Vertrauen bitten und darf nicht zweifeln.
Wer zweifelt, gleicht den Meereswogen, die vom Wind gepeitscht und hin
und her getrieben werden. (Jakobus 1, 6) Solch ein Mensch kann nicht erwarten, dass er vom Herrn etwas empfängt;
(Jakobus 1, 7) denn er ist in sich gespalten und unbeständig in allem,
was er unternimmt. (Jakobus 1, 8) Ich nehme oft bezug auf diese Aufforderung von Jakobus. Fast jedes Mal
muss ich mir zugleich sagen: …und ich zweifle nicht daran!
Bibelstellen zum nachschlagen: Sprüche 3, 5-8; Jakobus 1, 5-8
## III. Wie wir Probleme indirekt anpacken
Man kann und muss Probleme manchmal indirekt anpacken. Gerade im
psychischen Bereich, hilft es manchmal erstaunlich viel, wenn wir uns
körperlich betätigen. Das kann erstaunliche Auswirkung auf unser
Gemütsleben und Wohlbefinden haben.
Der indirekte Weg hilft vor allem dann, wenn unser Leben komplett
ausser Kontrolle scheint. Wir sehen uns vor einem riesigen Berg von
Problemen und alles was wir an Tipps bekommen lässt uns noch tiefer
fallen, weil wir irgendwie merken: Die Tipps mögen gut sein und Leuten
helfen, die nicht so viele Probleme haben wie ich, aber für mich ist das
unbrauchbar. Ich weiss gar nicht wo anfangen.
Das Volk Israel erlebte eine sehr schwierige Zeit. Sie waren aus der
Gefangenschaft in Babylon nach Israel gezogen, um sich dort wieder
anzusiedeln und den Tempel aufzubauen, damit sie Gott verehren können.
Das war alles nicht so einfach. Sie hatten viele Probleme zu
bewältigen. Deshalb arbeiteten sie viel, aber irgendwie fruchtete die
Arbeit nicht.
Gott sagte ihnen nun, wo das Problem liegt.
Dieses Volk behauptet, es sei noch zu früh, meinen Tempel wieder
aufzubauen. (Haggai 1, 2) Aber es ist offenbar nicht zu früh, dass sie selbst in prächtigen
Häusern wohnen, während mein Haus noch in Trümmern liegt! (Haggai 1, 4) Sie kümmerten sich offensichtlich um ihren Wohlstand und verschoben den
Tempelbau auf eine Zeit, in der es ihnen besser geht. Nach dem Motto:
Sorry Gott, ich habe so viele Probleme, dass ich jetzt im Moment keine
Zeit für Dich habe. Wenn es mir einmal besser geht, werde ich mich wieder
um Dich kümmern. Das funktioniert aber nicht. Gott sagt:
Achtet doch einmal darauf, wie es euch ergeht!
(Haggai 1, 5) Ihr habt reichlich Samen ausgesät und doch nur eine kümmerliche Ernte
eingebracht. Das Korn reicht nicht zum Sattwerden und der Wein nicht
für einen ordentlichen Schluck. Ihr müsst frieren, weil ihr nicht genug
anzuziehen habt. Und das Geld, das einer für seine Arbeit bekommt,
zerrinnt ihm zwischen den Fingern.' (Haggai 1, 6) Sie stecken in einem Teufelskreis. Warum?
Warum das alles? Ihr lasst mein Haus in Trümmern liegen, und jeder
denkt nur daran, wie er sein eigenes Haus baut! (Haggai 1, 9)
Gott hatte keinen Platz mehr in ihrem Leben. Sie drehten sich nur noch
um sich selbst. Aber wer Gott und seine Anliegen aus den Augen und aus
dem Herzen verliert, der findet kaum aus seinem Schlamassel heraus. Wenn
echte Veränderung geschehen soll, dann geht das nur mit Gottes Kraft.
Seine Kraft kommt aber nicht zum tragen, wenn wir ihn beiseite stellen.
Wenn Du Deine Probleme wegorganisieren willst, dann musst Du unbedingt
Gott in Dein Leben hineinorganisieren. Das geht eben nicht automatisch.
Für die Israeliten hiess es, dass sie den Tempelbau nun wirklich
anpackten. Von diesem Tag an ging es ihnen besser, denn nun kam Gottes
Kraft zum tragen. Er sagte:
Von heute ab werde ich euer Land segnen und alles gedeihen lassen!«
(Haggai 2, 19) Von Gott geht Segen und Kraft aus. Wenn Jesus in unserem Leben Platz
einnimmt, ordnet sich unser Leben Schritt um Schritt. Jesus sagte das so:
Wenn jemand an mich glaubt, werden aus seinem Inneren, wie es in der
Schrift heißt, Ströme von lebendigem Wasser fließen. Johannes 7, 38.
Sich auf Jesus ausrichten, ist wie eine Flucht nach vorne, vergleichbar
mit einem Hochseilartisten.
Ein Rabbi schaute einmal einem Hochseilartisten zu. Hinterher fragte er
ihn: "Worin besteht das Geheimnis, dass du nicht das Gleichgewicht
verlierst?" Der Hochseilartist stellte eine Gegenfrage: "Was glaubst du,
wohin sollte man schauen, um das Gleichgewicht zu halten?" Der Rabbi
erwiderte: "Auf keinen Fall auf den Boden oder auf das Seil." "Genau",
sagte der Artist. "Man muss immer die Stange im Auge behalten, die das
Seil am anderen Ende trägt. Und was ist der gefährlichste Augenblick?"
"Der Moment, in dem du dich wieder umdrehen musst und eine Sekunde lang
deinen Bezugspunkt verlierst." "Ganz genau", sagte der Artist. Rabbi
Nilton Bonder, Der Rabbi hat immer Recht, Pendo, S. 71.
Das ist auch im Neuen Testament nicht anders. Jesus macht uns auf
dasselbe Prinzip aufmerksam.
Es soll euch zuerst um Gottes Reich und Gottes Gerechtigkeit gehen,
dann wird euch das Übrige alles dazugegeben. Matthäus 6, 33.
Hat Jesus in meinem Leben wirklich die zentrale Rolle. Ist mein Leben
ganz und gar auf IHN ausgerichtet?
Bsp. meine Abi-Prüfung
Bibelstellen zum nachschlagen: Haggai 1, 1-15; Haggai 2, 18-19;
Matthäus 6, 33; Matthäus 11, 28-30; Johannes 7, 38; 1. Petrus 2, 24-25
Schlussgedanke
Also, packen wir es an! Warten wir nicht, bis die guten Tage kommen und
alles genau stimmt.
Welche Sache könntest Du tun (die Du zurzeit nicht tust), die bei
regelmässiger Ausübung einen riesigen positiven Unterschied in Deinem
persönlichen Leben ausmachen würde?
Es wird immer Hindernisse geben. Es wird immer einen Grund geben, warum
wir etwas noch nicht tun, was wir eigentlich tun sollten.
Wer immer nach dem Wind sieht und auf das passende Wetter wartet, der
kommt weder zum Säen noch zum Ernten. (Prediger 11, 4)
Amen
__
[1] Stephen R. Covey: Die sieben Wege zur Effektivität, Heyne, S. 86.
[2] Werner Winkler: Probleme schnell + einfach lösen, mvg Verlag, S. 63.

