Einleitung
Von den anvertrauten Talenten oder von den anvertrauten Zentnern.
Jesus erzählt die Geschichte, ein Gleichnis, eine Beispielgeschichte:
Matthäus 25, 14-30 14 Denn es ist wie mit einem Menschen, der außer Landes ging: er rief seine
Knechte und vertraute ihnen sein Vermögen an;
15 dem einen gab er fünf Zentner Silber, dem andern zwei, dem dritten
einen, jedem nach seiner Tüchtigkeit, und zog fort.
16 Sogleich ging der hin, der fünf Zentner empfangen hatte, und handelte
mit ihnen und gewann
weitere fünf dazu.
17 Ebenso gewann der, der zwei Zentner empfangen hatte, zwei weitere dazu.
18 Der aber einen empfangen hatte, ging hin, grub ein Loch in die Erde und
verbarg das Geld
seines Herrn.
19 Nach langer Zeit kam der Herr dieser Knechte und forderte Rechenschaft
von ihnen.
20 Da trat herzu, der fünf Zentner empfangen hatte, und legte weitere fünf
Zentner dazu und sprach: Herr, du hast mir fünf Zentner anvertraut; siehe
da, ich habe damit weitere fünf Zentner gewonnen.
21 Da sprach sein Herr zu ihm: Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du
bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; gehe ein zu
deines Herrn Freude!
22 Da trat auch herzu, der zwei Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr,
du hast mir zwei Zentner anvertraut; siehe da, ich habe damit zwei weitere
gewonnen.
23 Sein Herr sprach zu ihm: Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du
bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein
zu deines Herrn Freude!
24 Da trat auch herzu, der einen Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr,
ich wusste, dass du ein harter Mann bist: du erntest, wo du nicht gesät
hast, und sammelst ein, wo du nicht ausgestreut
hast;
25 und ich fürchtete mich, ging hin und verbarg deinen Zentner in der Erde.
Siehe, da hast du das Deine.
26 Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Du böser und fauler Knecht!
Wusstest du, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und einsammle, wo ich
nicht ausgestreut habe?
27 Dann hättest du mein Geld zu den Wechslern bringen sollen, und wenn ich
gekommen wäre, hätte ich das Meine wiederbekommen mit Zinsen.
28 Darum nehmt ihm den Zentner ab und gebt ihn dem, der zehn Zentner hat.
29 Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben;
wer aber nicht hat,
dem wird auch, was er hat, genommen werden.
30 Und den unnützen Knecht werft in die Finsternis hinaus; da wird sein
Heulen und Zähneklappern.
Vor einiger Zeit erzählte mir ein Schweizer Fabrikant eine bewegende und
erschütternde Geschichte vom Schärlibub. Sein Vater war gestorben. Er war
Lehrer gewesen. Und wie es damals so üblich war, die Rente war sehr klein,
die Mutter saß allein da mit den vielen Kindern, und dann musste er allein
mit vierzehn Jahren von der Schule und Geld verdienen. Sie wohnten in der
Nähe von Sankt Gallen und dann blieb nur eins übrig, dort in die Strickerei-
Fabriken zu gehen, und als Schärlibub Geld verdienen. Da musste man immer
die Fäden abschneiden mit der Schere, und die neuen Fadenrollen einsetzen,
und das, was er dann erzählte, das hat mich tief bewegt. Er sagte: Ich bin
gerannt um mein Leben, was ich nur konnte. Ich habe immer nur gedacht, ich
möchte der Mutter Geld heimbringen. Die brauchts doch so nötig für uns.
Keine Mittagspause, bloß gerannt. Aber am Monatsende, als der Chef
abrechnet, guckt er den Lohnzettel an und sagt: Das kann nicht sein! Das
ist viel zuviel, was du verdient hast, da stimmt der Akkord nicht, und er
setzt den Akkord runter. Und er kriegt nur einen Bruchteil des Lohnes.
Dieser Bub hat nachher den Segen Gottes erlebt. Er ist ein großer Fabrikant
geworden in der Sankt Galler Spitzenindustrie. Aber er sagt, ihn lässt das
nie mehr los, wie viel Unrecht geschieht. Und ich denke, Sie könnten
vielleicht auch solche Erlebnisse erzählen, wo Sie ganz tief getroffen
waren. Das Geschäftsleben, Arbeit und Beruf ist für uns ja ein Bereich, wo
wir alle verwundet sind. Ich weiß ja, wie viele von Ihnen nach Hause
gekommen und die Mappe auf den Tisch knallen und sagen: Bei mir, das halt
ich nicht mehr als mit meinen Kollegen, was sind das für blöde Hammel, oder
der Chef, mit dem man sich reibt, und die Chefs untereinander, die kämpfen
um ihre Macht und den Einfluss und ihre Position, warum ist denn das so ein
ärgerliches Gebiet, mit dem Schaffen und dem Arbeiten, das ganz
Geschäftsleben. Jetzt wundern Sie sich nicht, dass wir heute darüber reden,
wir haben neulich eine Urlaubspredigt.
Es ist dann nur recht und billig, dass wir heute einmal vom Geschäftsleben,
vom Werktag reden. Wissen sie, das ist schlimm, wenn wir den lebendigen
Gott aus unseren Werktagsgeschäften genommen haben. Ohne Gott ist das die
Hölle. Arbeit und Beruf, Geschäftsleben, Geld ohne Gott, das ist furchtbar.
Wenn Menschen allein von ihren Gefühlen, mit ihren Machtinstinkt, hier
herrscht, das ist furchtbar. Jetzt möchte ich sie heute Morgen hier einfach
bitten, dass Sie Ihr werktägliches Leben, Ihr Geschäftsleben neu ordnen,
auf Gott hin ausrichten. Und dass sie ganz neu entdecken, dass das ein Feld
ist, wo Gott herrscht und regiert. Wenn Sie ihm Zugang zu Ihren Handlungen
geben. Wenn Sie Ihm Raum geben in Ihrem Leben. Eine Einladung, ein Angebot.
Mein erster Punkt heute:
Gott vertraut uns seine Gaben an.
Ja, das ist ja das schlimmste Missverständnis. Gott hat uns die Gaben
anvertraut, er ist wie ein Mann, der über Land zog, und vertraute seinen
Knechten seine Habe an. Das, was wir tagtäglich verwalten, das ist
eigentlich gar nicht unser Eigentum. Auch wenn es unsre Wohnung ist, oder
unser Auto, oder unsere Arbeitskraft, oder unsere Intelligenz, das sind ja
eigentlich nur Gaben, wir bringen damit zum Ausdruck, das ist uns ja nur
geschenkt, anvertraut, verliehen. Das gehört uns nicht richtig. Heute ist
es ja das Kennzeichen der Menschenwürde geworden, dass Menschen sich als
frei ansehen und sagen: Niemand ist über mir. Ich allein bestimmt. Aber
dieses Autonome kann es nie geben in unserer Beziehung zu Gott. Vor Gott
bleiben wir Knechte. Und wer meint, er könnte sein Christentum anders
ordnen, der irrt. Das ist ein biblisches Wort, und wissen Sie, bei der
Bibel geht's um den Wortlaut, nicht um das, was man sich daraus ausmalt. Es
geht um den Wortlaut. Knechte sind wir, vor Gott bleiben wir Knecht, so wie
das auch stimmt, das wir Staub und Asche sind. Wir sind vor Gott Knechte,
nicht vor den Menschen. Wir sollten nicht der Menschen Knechte sein, sagt
die Bibel. Vor den Menschen nicht, aber vor Gott sollen wir Knechte sein.
Wir sollten frei sein, in der Gestaltung unseres Lebens, aber vor Gott,
solche, die die Knie beugen. Nicht vor Menschen die Knie beugen, können Sie
den Unterschied festhalten. Und nun wird das gesagt, da wird ausgeteilt. Da
werden die Gaben verliehen, das ist im griechischen Neuen Testament, das
ist ja die älteste Fassung, so, wie wir das Neue Testament haben, steht das
Wort von den Talenten. Das ist ganz gut, dass wir auch an unsere Talente
denken, die wir haben. Begabungen, die wir einbringen. Aber ich würde auch
noch mehr dazu setzen, denn Jesus meint wirklich einen Besitz, den er uns
anvertraut hat. Da steht wirklich eine Position. Uns ist nur anvertraut,
was wir sind und leben und unseren Arbeitsplatz, an dem wir stehen. Die
Kraft, die wir haben, die Zeit, die wir zur Verfügung geschenkt bekommen,
jeder neue Tag, der uns gegeben ist, ist eine unverdiente Gabe Gottes, und
Gott schenkt uns diese Gabe: Nimm das: Ein Neues Jahr, das uns gegeben
wird, wenn wir Geburtstag haben, jetzt können wir leben. Das gibt uns Gott
frei, damit wir es gestalten, anvertraute Gaben, wenn wir das mehr im Auge
hätten, dann könnte es gar nicht passieren, dass wir immer mehr in Druck
geraten. Warum? Uns reiten ja manchmal die Aufgaben. Das Geschäft, das
lässt mir gar keinen Raum mehr zur Gestaltung meiner Freizeit. Hören sie,
wer darf über sich verfügen? Darf das Geschäft über sie verfügen, darf die
Arbeit über Sie verfügen? Nein! Sie müssen aufpassen, dass diese Dinge
nicht eine Eigengesetzlichkeit entwickeln, so sagt man im Fachwort. Dass
die also von allein eine Dynamik haben, treiben uns dauernd an. Wir müssen
doch das vor Gott sehen: Herr, du hast mir Gaben gegeben, und wenn ich ein
Amt übernehme, dann übernehme ich das im Gehorsam gegenüber dir. Und dann
möchte ich meine Berufsarbeit vor dir tun. Dann kann es nie sein, dass
diese Bereiche, in die uns Gott gestellt hat, treiben, dass sie uns ziehen,
und wir dann wie ein Strudel im Meer immer tiefer hineinreißen. Wir müssen
drüber stehen können. Ja, warum können wir das nicht? Weil wir oft diese
Arbeitsgebiete nicht vor Gott ordnen, und wir sollten das uns wieder ganz
fest zur Pflicht machen, dass wir morgens nicht in die Arbeit stürzen ohne
Stille vor Gott. Und die Aufgaben mit Gott bereden im Gebet, mit seinem
Wort, hören, was er uns dazu zu sagen hat. Und sie können doch einmal Ihrer
Sekretärin sagen, ich will fünf Minuten nicht gestört sein, und wenn sie
fragt, warum, dann sagen Sie's, ich will mit Gott reden über die
Schwierigkeiten, die ich nicht lösen kann.
Luther: Ich habe viel zu arbeiten, ...
Aber lassen Sie sich doch nicht von Terminen jagen. Sie sind doch ein
Eigentum Gottes – hoffentlich sind Sie's. Und dann können doch nicht andere
über Sie verfügen. Wir dürfen es doch nicht zulassen, dass das Geld uns mit
seinen Begierden reibt. Wir müssen doch die Herrschaft drüber haben! Dass
wir nicht gezogen und gezerrt und getrieben werden, sondern Herren sind, es
sind anvertraute Gaben. Die Klagen, die man auch bei Christen hört, die
sind nicht berechtigt, und die dürfen nicht sein. Tausend Forderungen
zerren an mir täglich, das klingt sehr bedeutend. Aber es ist Zeichen einer
geistlichen Unreife. Wir müssen gucken, wie wir die Dinge wieder in die
Ordnung kriegen. Und auch unabhängig sollten wir sein von unseren Gefühlen.
Was uns Lust macht, das ist zwar für einen Menschen des 20. Jahrhunderts
bestimmend, kein Wunder, landet dieser Mensch des 20. Jahrhunderts immer
mehr in den Bindungen der Sucht, weil er ja ein Lustabhängiger Mensch ist.
Wie wollen Sie es einem jungen Menschen klar machen, dass er kein Kokain
nehmen soll, wenn doch die Lust das höchste Lebensziel ist. Nicht die Lust
ist es, sondern, dass ich Gott diene, ist das höchste Ziel. Und dann ist
nur wichtig, wo braucht Gott Sie und mich mit meinen Gaben, wo ist mein
Platz, man soll das auch ganz neu verstehen, dass Ehe und Ehelosigkeit
Gaben sind. Aufgaben, Gottes Platzanweisungen, wo er uns hinstellt. Es ist
nie gesagt, dass das eine das Himmelreich sei und das andere nicht das
Himmelreich sei. Kinder und Kinderlosigkeit sind anvertraute Gaben. Und wir
müssen es recht benützen, das ist alles auf Zeit uns gegeben, dann werden
die Kinder wieder ihres Weges gehen. Vielleicht wird Gott einen Ehegatten
wegnehmen, weil er die Zeit für gekommen sieht. Aber ich muss sehen, damit
will ich Gott dienen, das ist das Ziel. Und wo ich das sehe und suche,
kommt das zu einer ganz anderen Einstellung unseres Dienstes. Sie wissen,
dass ich in meinem Leben sehr viel empfangen habe durch die Stundenleute,
und die Pietisten. Und ich will Ihnen das gerne mal erzählen, dann können
sie sich selber mal auf die Suche machen, wie das bei denen in den letzten
Jahrhunderten ganz stark betont wurde. Es ist wichtig, was man im täglichen
Leben Gott dient. Nicht das, was man auf den Lippen hat. Vielleicht ist das
heute irgendwo ein neues Christentum, das hier und da propagiert wird, wo
jeder seinem natürlichen Beruf fliehen will und meint, man müsse
hauptamtlich Gott dienen. Das kann eine Berufung sein, aber ist nicht
unmittelbar gegeben durch das Christsein. Der Schulmeister Kolb von
Dagersheim (Immanuel Gottlieb Kolb, bedeutender schwäbischer Pädagoge und
Seelsorger der M. Hahnschen Richtung des Pietismus, * 28.12. 1784 in
Schönaich, + 17.2. 1859 in Dagersheim bei Böblingen; bei K.s Heimgang wurde
vor allem seine Uneigennützigkeit gerühmt, folgte er doch dem Grundsatz,
auf nichts, das ihm gehörte, das Wörtlein »mein« zu schreiben; es lief
alles nur durch seine Hand, um wieder auf andere überzugehen.)
hat einmal in einer seiner Stunden gefragt und hat gesagt: Ja, glaubt ihr,
wer dient Gott mehr, ein Missionar, der gedankenverloren draußen seinen
Dienst tut, gedankenverloren, oder ein Bauer, der betend den Mist auflädt,
und dann sagt er, das ist der Platz, wo Gott dich ruft. Nicht, dass er
etwas gegen Mission hat, aber es ist nicht für alle der Platz. Und manche
wären lieber, wären besser in ihrem Beruf geblieben, und hätten Gott dort
treu gedient, als ihrem Beruf und der göttlichen Berufung untreu zu werden.
Oder ein Stundenhalter in Glems (bei Metzingen) hat einmal gesagt: Das sei
ihm gleich komisch vorgekommen, wo eine Magd bei der Vorstellung ihm gesagt
habe, sie würde zuviel beten, und da hat er gesagt: Mädle, ich will sehen,
was du mit den Tieren kannst, und dann reden wir vom Beten. Unser Platz,
wohin Gott uns hinstellt, der hängt auch mit den vielen Gaben zusammen, die
er uns gegeben hat, mit unserer Arbeitskraft, wo wir ihm dienen können, wo
wir gebraucht werden, nicht jeder muss Mutter sein, den Frauen steht auch
die Karriere offen, die sonst Männer haben, aber welchen ruf gibt DIR Gott,
das ist die Frage. Ich kann ihm dienen, genauso wie in einem geistlichen
Dienst, in einem Vollamt, das ist nun falsch, wenn man sagt, das sei nur
der geistliche Dienst, wenn man ihn vollamtlich tut, in ein einem
vollamtlichen Dienst genauso im Bankbüro, bei Vertreterbesuchen, oder in
der Werkstatt. Gott hat uns die Gaben gegeben, und dort sollen wir ihm
dienen mit allem, was wir sind. Es gibt keinen Urlaub von Gott, und nicht
eine Stunde unseres Werktages, das nicht für Gott gelebt werden soll, und
ihm gehört.
Zweiter Punkt:
Man muss mit seinen Gaben wuchern.
Jetzt steht da, dass der eine mit seinen fünf Zentner, jetzt, wie heißt es,
er ging alsbald hin, gleich heißt es in meiner Bibel, im alten Luther heißt
es alsbald. Sogleich ging er hin und handelte mit ihnen und gewann fünf
weitere dazu. Also jetzt hätt ich gern gewusst, wie man das macht. (Lachen
und Murmeln in der Stiftskirche) Mich reut das immer, wissen Sie, wenn heut
die Banken noch den Dummen ein Sparbuch mit zwei Komma Fünf Prozent Zinsen
verkaufen, wo die Lebenshaltung schon Vier Komma Fünf Prozent Zinsen... Das
halte ich für ein gutes Geschäft – für die Bank. Aber, wie macht man das,
das aus man aus Fünf dann noch mal Fünf macht. Wissen sie, wie das geht?
Das ist der Segen Gottes. Das ist der Segen Gottes. Das lese ich nicht
zwischen den Zeilen. Das ist so. Wo Sie Ihr Werk mit Gott machen, schenkt
er Ihnen das Gelingen. Es ist von außen nicht verständlich und nicht
nachrechenbar, und nicht erklärbar. Im Auftrag Gottes gehandelt, und ich
denke, viele könnten das erzählen, dass sie es erlebt haben, wie Gott sie
bestätigt. Ja, wir dürfen das doch auch einmal sagen, wie es das gibt
(schwäbische Tüftler, Waagenindustrie, Feinmechanik, Maschinenbau), die
Hilfe und den Beistand Gottes. Das hängt jetzt nicht an irgendeinem Modell.
Dass man kopieren kann. Gerade das, es ist nicht eine Technik, es ist nicht
ein Trick, das kann man nicht in einem Buch beschreiben, wie man das macht,
weil man es nicht imitieren kann, sondern man kann es nur so sagen. Mit dem
Segen des Herrn gehandelt. Für dem Herrn gearbeitet. Übrigens, die haben
ganz verschiedene Gaben. Der eine hat nur zwei Zentner, der andere hat fünf
Zentner, es hilft nie, wenn Sie auf den Nachbarn schauen, der neben Ihnen
sitzt und sagen, warum kann der das, warum hat der das, wir sind sehr
verschieden von Gott begabt. Wichtig ist, dass sie in ihren Spuren bleiben.
Darum ist es oft auch gefährlich, wenn wir Lebensbilder kopieren. Und dann
nachmachen wollen, wir sind nicht Luther, wir sind nicht Bodelschwingh, und
wir sind nicht Dietrich Bonhoeffer. Wir sind ja die ganz anderen, aber
jetzt in unserer, an unserem Platz dem Herrn dienen mit den Gaben, mit den
ganz alltäglichen Aufgaben, wo wir leben und sind, wo wir arbeiten und
reden, wo wir Urlaub machen, dem Herrn dienen. Und ihm treu sein. Und da
war nun einer dabei, der wuchert nicht mit diesen Gaben. Der wuchert nicht,
warum eigentlich nicht? Er vergräbt sein Pfund, seinen Zentner im Acker.
Und was er dazu sagt, das ist ja bezeichnend. Ich hätte ja gerne mit Ihnen
so eine Hauskreisrunde gemacht, und da hätte ich mal Ihre Meinung gehört ,
was Sie denn von diesem Mann halten, was das für ein Typ ist, ist er
wirklich ängstlich, glauben sie, er ist ängstlich, ich glaube gar nicht,
dass er ängstlich ist, oder ist er depressiv, dass er sagt, ich habe keinen
Antrieb, ich kann einfach nicht handeln, ich habe gar keinen Lebensmut. Ich
glaube nicht, dass er das ist. Wissen sie, ich würde sagen, er ist ganz
einfach fromm, stinkfromm. So richtig stinkfromm, er weiß von seinem Herrn
alles. Er redet so, wie einer, der seinen Katechismus auswendig kann. Er
sagt: Mein Herr, der ist groß und mächtig. Er weiß was von der Größe des
Herrn. Dem er Rechenschaft schuldet. Und jetzt sagt er: Ich habe so Angst,
dass dieser Herr mich am Ende richtet. Er weiß sogar vom Gericht. Und
deshalb hat er Angst. Wissen sie, das ist das Schlimmste, wenn man aus
lauter Angst, etwas falsch zu machen, gar nichts macht. Ist das nicht eine
Ermutigung heute? Viele sagen: Ich weiß gar nicht, was ich reden soll, wenn
ich einen Besuch mache, oder ich weiß gar nicht, wo ich anpacken soll. Das
ist doch gar nicht wichtig. Vielleicht ist der Herr sogar noch so treu,
dass er uns den Segen gibt, selbst wenn wir alles falsch machen, wenn es
nur für ihn getan ist. Darum nimmt er das diesem Knecht so furchtbar übel,
dass er so dumm daher redet. Du wirst gerichtet von deinen eigenen Worten!
So kann man mit Gott nicht umgehen! Wissen sie, das ist ja heute oft nicht
anders. Heute herrscht eine große Angst in den Kirchen, dass etwas außer
Kontrolle geraten könnte. Wenn das nicht in die Struktur eingebunden ist,
und wenn das nicht unter der Oberherrschaft der Pfarrer geschieht, und
nicht hier und da geschieht, wenn dann irgendwo ein Hauskreis sich gründet,
eine Kinderarbeit beginnt, dann sagt man, wo gehört das hin, wo ist das
integriert? Dabei ist es immer so gewesen, wenn einer anfängt mit seinen
Gaben zu wuchern für den Herrn, hat Gott immer vielfältige Frucht gegeben.
Da war ein junger Missionskandidat, der war für Mission, und der hat
einfach die griechische und hebräische Grammatik im Baseler Missionsseminar
nicht in den Kopf hineinbekommen. Und seine Lehrer sagten, gestrengen
Blickes, wir können dich nicht aussenden. Das war Samuel Hebich, du bist zu
dumm. Da hat Samuel Hebich einen kühnen Schritt getan. Er hat seine
griechische und Hebräische Grammatik genommen, unter den Arm geklemmt, ging
auf die Rheinbrücke, und hat sie dort versenkt, im Rhein, mit den Worten:
Dass du nicht sagest, du habest Abraham reich gemacht. Er hat später nie
Sprachen gelernt und war doch einer der gesegnetsten Indien-Missionare.
Weil er wusste, wo Gott ihn braucht. Das war bei Ludwig Nommensen nicht
anders, dass ihn die Missionsgesellschaften gar nicht hat nehmen wollen,
oder Charles T. Studd ( Wenn Jesus Christus Gott ist und für mich starb,
dann ist für ihn kein Opfer zu groß"), dem haben sie gesagt: du bist viel
zu krank, dich schicken wir gar nicht mehr, der war schon über fünfzig, als
er in den Missionsdienst gehen wollte. Aber jetzt geht es nicht bloß um
diese Aufgaben, von denen wir ja wissen, dass das Reich-Gottes-Aufgaben
sind, sondern man trifft täglich auf Werktags-Aufgaben, wo ich die mit
meinen Gaben anpacke und sage: Will Gott etwas damit wirken. Das liegt mir
auf der Seele: Wird Gott mir das Gedeihen schenken, und den Segen, ob das
richtig oder falsch ist. Das dürfen wir dem Herrn überlassen. Das soll
seine Sache sein. Nur nicht mein Pfund vergraben und verstecken.
Nichts ist vergeblich.
Das ist mein letztes.
Nichts ist vergeblich. Warum ist denn nichts vergeblich? Die Geschichte
will uns ja ermutigen, unsere Gaben richtig einzusetzen. Sie sind nicht
umsonst getan. Wenn das nur um die irdischen Geschäfte ginge, dann hätten
Sie meine Predigt gründlich missverstanden. Es ist mir nicht wichtig, wie
viele Zinsen Sie scheffeln mit diesem Guthaben. Obwohl ja Jesus nicht auch
mit unserer Zeit gerechnet hat, wenn man das Geld zu den Banken gibt, dass
man nicht wenigstens noch was kriegt. Aber, ob da viel herauskommt, weiß
ich nicht einmal, bei manchen Zinssätzen. Aber jetzt gehen wir weiter, es
geht nicht um unsere weltliche Tüchtigkeit, um was geht's denn? Um welche
Tüchtigkeit. Es ist ein Reich-Gottes-Gleichnis, und dann verstehen Sie es
nur richtig. Die Jünger waren ja gespannt darauf, wann bricht endlich die
Gottesherrschaft an, es ist ja: Herr, du gehst jetzt nach Jerusalem, dann
wird doch das Gottesreich anbrechen. Dann wirst du als der Messias dich
ausrufen lassen, dann werden alle Menschen der Welt dich als den
Gotteskönig sehen, und Jesus sagt: Die Finsternis wird triumphieren, des
Menschen Sohn wird gekreuzigt werden, wird leiden müssen, aber ihr dürft
hingehen und wuchern mit euren Gaben. Und da wird doch gezeigt, was in der
Zeit bis zur Wiederkunft Jesu nun dran ist, dass wir mit unsern
alltäglichen Aufgaben, mit unseren Möglichkeiten, die wir überall haben,
die Gottesherrschaft erleben. Gott ist dort, wo die Knechte mit seinen
Gaben wuchern. Tausend und abertausend Gelegenheiten haben sie dazu,
täglich, Montags, Dienstags, Mittwochs, jeden Tag. Und nicht nur Sonntags.
Da braucht sie Gott. Was wäre das in unserer Welt, wenn die Menschen ihre
tagtäglichen Aufgaben mit Gott beginnen, mit Gott jetzt wirklich erfüllen.
In der Politik, in der Wirtschaft, im Geschäftsleben, und dabei ist ja der
Herr des Gleichnisses gar nicht einmal das Abbild für unseren Herrn, das
ist ja immer so schön, dass die Gleichnisse auch noch ein Stückchen anders
sind, als die Wirklichkeit. Der Herr ist gut, in dessen Dienst wir stehen.
Er geht uns nach, und fragt bei jedem Schritt, ob wir noch was von ihm zu
bitten haben. Und darum sind die alltäglichen Dinge Reich-Gottes-Dienste,
nicht bloß das Beten, nicht bloß das Predigen, die ganz alltäglichen Dinge,
zu Nutz und Dienst des Nächsten mein, die wir dort tun, wo wir einem andern
Liebe geben, wo wir einem andern Hilfe schenken, wo wir für die Wahrheit
und Gerechtigkeit eintreten, wo wir Gutes wirken, und wo wir so viel
Möglichkeiten dazu haben, vielfältige Frucht zu wirken. Die Geschichte geht
eigentlich erschütternd aus. Es ist eine Geschichte von der Verdammnis. Sie
wissen, dass es eine Verdammnis gibt. Das gibt meinem Leben solche einen
Ernst. Und wenn Sie sagen, du willst mir nur Angst machen, dann nein, ich
möchte sie nur realistisch machen. Sie müssen wissen, was auf Sie zu kommt,
wenn Sie sterben. Sie müssen vor Gott Rechenschaft geben. Reut Sie das
nicht, unnütz vergeudete Zeit Ihres Lebens? Da haben Sie vielleicht Geld
gemacht, und Ehre eingeheimst, aber warum haben sie nicht in dieser Zeit
dort, wo Sie lebten, in diesen Umständen, draußen in der Welt, Gott
gedient. Als sein Handlanger, als sein Haushalter. Als sein Verwalter über
seine Gaben. Die ganze Welt ist Gottes Welt. Er hat sie geschaffen mit
allem, was darin ist. Werft ihn hinaus, da wird sein Heulen und
Zähneklappern. Sie verstehen, was das heißt. Gott kann durchstreichen.
Nehmt ihm das, was er hat. Eine erschütternde Tatsache. Und wer den Ernst
dessen aus der Bibel tilgt, der wird sein ein Verführer der Menschen. Man
kann verloren gehen, man kann umsonst leben. Aber damit will ich doch nicht
schließen. Da ist doch eine Einladung Jesu, dass wir heute mit unseren
Gaben wuchern, wirken, weil der gute und der treue Herr da ist und uns so
viele Gelegenheiten gibt, etwas für ihn zu tun. Man erzählt sich von dem
Revolutionär Lenin, dass er gesagt habe, als er aufgefordert wurde, Schach
zu spielen, er hat so gerne Schach gespielt, ich spiele nicht mehr Schach,
das hält mich bei meiner Arbeit auf. Und dann hat Lenin für die
Weltrevolution gearbeitet, und in diesen Tagen ist das Erbe Lenins zu einem
Schleuderpreis verhökert. Ich kann Ihnen sagen, wofür es sich lohnt zu
leben: Für das Reich Gottes. Und das Wichtige ist, dass das ganze Leben ein
Dienst für das Gottesreich ist. Sie sagen, ich habe mit meinem Leben, mit
den Jahren, die mir Gott geschenkt hat, ihm gedient. Hier in der Welt, zu
Hause und im Beruf, im Gespräch mit Freunden, und wo wir Feste gefeiert
haben, es war immer ein Dienen, immer hat mich die Frage umgetrieben, wie
kann ich diese Gelegenheit nützen, und dadurch anderen etwas weiter zu
geben, von der Größe und Liebe und Barmherzigkeit Gottes, denn das größte
Pfund, das uns Gott anvertraut hat, mit dem wir wuchern können, ist, dass
wir seine Kinder sind. Und dass seine Barmherzigkeit uns nahe ist, mit dem
Pfund muss man wuchern. Amen.

