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Mosaische Gebote anwenden

Jesu Leben und Lehre, Teil 555/665
01.04.2025Lukas 13,31-32
SERIE - Teil 555 / 665Jesu Leben und Lehre

Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.

Episode 554: Mosaische Gebote anwenden

Begegnung mit den Pharisäern und Herodes

Wir waren hier stehen geblieben bei Lukas 13, die Verse 31 und 32.

In derselben Stunde kamen einige Pharisäer herbei und sagten zu ihm: „Geh hinaus und zieh fort, denn Herodes will dich töten.“

Er aber sprach zu ihnen: „Geht hin und sagt diesem Fuchs: Siehe, ich treibe Dämonen aus und vollbringe Heilungen heute und morgen, und am dritten Tag werde ich vollendet.“

Zu Vers 32 hatte ich gesagt, dass mir drei Dinge auffallen. Zum einen die Nähe der Pharisäer zu Herodes Antipas. Zum anderen die merkwürdige Formulierung „Fuchs“. Jesus nennt den König Herodes einen Fuchs, obwohl das Schlechtreden über Amtsträger im mosaischen Gesetz klar verboten war.

Die göttliche Autorität Jesu als Richter

Warum Jesus trotzdem nicht sündigt, hängt damit zusammen, dass er in der Funktion eines göttlichen Richters spricht. Seine Worte sind keine persönliche Schmähung, sondern eine göttlich inspirierte Anklage.

Er verhält sich so, wie es Propheten immer getan haben, die im Auftrag Gottes auf Unrecht hinweisen. Wie diese verwendet der Herr Jesus eine deutliche Sprache, die wenig Raum für Missverständnisse lässt.

Das waren also die ersten beiden Dinge, die mir auffallen. Bevor ich weitermache und in der nächsten Episode auf Punkt drei eingehe, folgt ein kleiner Einschub. Dieser passt hier gut, weil er Punkt zwei noch ein wenig ergänzt.

Umgang mit Geboten des Alten Testaments

Ich komme deshalb noch einmal auf 2. Mose 22,27 zurück: „Gott sollst du nicht lästern, und einem Fürsten in deinem Volk sollst du nicht fluchen.“

An dieser Stelle möchte ich die Frage stellen: Wie sollen wir als Christen eigentlich mit solchen Geboten aus dem Alten Testament umgehen?

Dazu möchte ich zwei grundlegende Punkte ansprechen.

Punkt I:

Pflock I: Vorsichtiger Umgang mit dem Gesetz

Wir müssen vorsichtig mit dem Gesetz umgehen. Paulus schreibt dazu in 1. Timotheus 1,8: „Wir wissen aber, dass das Gesetz gut ist, wenn jemand es gesetzmäßig gebraucht.“ Er fügt hinzu, dass das Gesetz nicht für die Gerechten bestimmt ist.

Wenn wir uns mit Geboten aus dem Alten Testament beschäftigen, dürfen wir nie vergessen, dass das mosaische Gesetz nicht für uns geschrieben wurde. Es ist nicht für die Gerechten geschrieben, sondern für die Sünder. Noch einmal heißt es in 1. Timotheus 1,9: „Das Gesetz ist nicht für den Gerechten bestimmt, sondern für Gesetzlose und Widerspenstige, für Gottlose und Sünder.“

Das mosaische Gesetz diente und dient dazu, Sünde aufzudecken. Es will den Sünder verdammen und ihm seine Verlorenheit vor Augen führen. Es will nicht definieren, wie ein Gerechter leben soll. Das kann es nicht. Es kann vielleicht einen ersten Hinweis geben, aber nicht mehr.

Pflock zwei.

Pflock II: Jesus erfüllt das Gesetz

Jesus kam, um das Gesetz zu erfüllen. In Matthäus 5,17 heißt es: „Meint nicht, dass ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen.“

Erfüllen bedeutet im Hinblick auf das Gesetz so viel wie vollmachen beziehungsweise umfassend und richtig auslegen. Jesus erfüllt die Gesetze des Alten Bundes auf zwei Arten, abhängig von den jeweiligen Geboten.

Einerseits gibt es die kultischen Gebote. Dazu zählen Gebote wie der Sabbat, die Speisegebote, die Opfer, die Feste oder Vorschriften zum Thema Reinheit und Aussatz. Diese Gebote sind ihrem Kern nach prophetisch-illustrative Gebote, die auf den Messias verweisen.

Paulus schreibt dazu in Kolosser 2,16-17: „So richte euch nun niemand wegen Speise oder Trank oder betreffs eines Festes oder Neumondes oder Sabbats, die ein Schatten der künftigen Dinge sind, der Körper selbst aber ist des Christus.“

Die Gebote im Alten Testament sind also der Schatten, der Körper, der ihn ins Alte Testament hineinwirft und auf den der Schatten hinweist, ist der Christus. Das heißt, die kultischen Gebote erfüllen sich in dem Moment, in dem der Messias erscheint und seinen Predigtdienst aufnimmt.

Die Erfüllung der moralischen Gebote durch Jesus

Dann gibt es noch die moralischen Gebote. Wie erfüllt Jesus diese Gebote? Das wissen wir bereits, weil wir uns das schon in Matthäus 5 im Hinblick auf das Thema „Du sollst nicht töten beziehungsweise morden“ angeschaut haben.

Bei Jesus wird aus dem „Du sollst nicht morden“ ein „Du sollst nicht ungerechtfertigt zornig sein“. Immer dann, wenn du eine Beziehung schädigst, sollst du proaktiv und ganz schnell die Versöhnung anstreben. Jesus greift also ein Gebot auf, das den endgültigen Bruch einer Beziehung beschreibt, nämlich den Mord, und verwendet es, um schon die erste Regung, die eine Beziehung verletzt – also ungerechtfertigten Zorn – sowie jede Bagatellisierung des Problems als ernsthafte Sünde zu kennzeichnen.

So verstehen wir jetzt, was es heißt, ein Gebot aus dem Alten Bund zu nehmen und es im Neuen Bund als Ausdruck des Liebesgebotes zu interpretieren. Erfüllen bedeutet im Blick auf moralische Gebote, dass man ihren tieferen Sinn herausarbeitet.

Wo ein Richter nur den Mord ahndet, ahndet Gott selbst den Verstoß gegen das Prinzip der Liebe – also etwas, das im Herzen beginnt und sich nicht erst dann zeigt, wenn man die schlimmste Form der Sünde begangen hat.

Ich hoffe, dass wir das als Christen, die unter dem Gesetz Christi stehen und nach dem Gesetz der Freiheit gerichtet werden wollen, wirklich gut verstehen.

Zusammenfassung der Prinzipien im Umgang mit dem Gesetz

Fassen wir die beiden Pflöcke zusammen: Das Gesetz deckt Sünde auf. Wenn wir die Gebote Gottes im Geist Jesu erfüllen wollen, dürfen wir nicht beim Wortlaut stehenbleiben, der eine Anweisung an Richter ist. Stattdessen müssen wir tiefer denken. Wir sollten schauen, wo eine Sünde im Herzen beginnt und auf welche unterschiedliche Weise sie sich offenbart, bis sie schließlich in ihrer ganzen Hässlichkeit sichtbar wird.

Kommen wir also zu 2. Mose 22,27 zurück: „Gott sollst du nicht lästern, und einem Fürsten in deinem Volk sollst du nicht fluchen.“ Das ist die Sünde in ihrer ganzen Hässlichkeit. Ich rede schlecht über Politiker. Wo fängt die Sünde an? Sie fängt nicht erst dort an, wo ich schlecht über sie denke. Paulus würde vielleicht sagen, sie beginnt dort, wo ich nicht oder nicht mehr für sie bete.

Heißt das nicht in 1. Timotheus 2,1-2: „Ich ermahne nun vor allen Dingen, dass Flehen, Gebete, Fürbitten, Danksagungen getan werden für alle Menschen, für Könige und alle, die in Hoheit sind“? Wenn wir mit Flehen, Gebeten, Fürbitten und Danksagungen aufhören, versündigen wir uns am Geist des Gesetzes.

Wenn wir unsere Feinde segnen sollen, wie viel mehr die Menschen, die für uns das Land regieren, in dem wir leben? Lasst uns wirklich lernen, dass wir im Blick auf die Gebote nicht im alten Bund stehenbleiben. Liebe schaut tiefer, Liebe will mehr, Liebe sucht Beziehung. Das ist es, was gemeint ist, wenn Jesus davon spricht, dass er das mosaische Gesetz nicht auflöst, sondern erfüllt – und wir tun es ihm nach.

Praktische Anwendung und Abschluss

Was könntest du jetzt tun? Spiele in Gedanken noch drei moralische Gebote aus dem Alten Testament durch, um dir das Prinzip der Übertragung einzuprägen.

Das war's für heute.

Ein Tipp fürs Leben: Lerne Englisch. Es gibt so viele gute geistliche Bücher in dieser Sprache.

Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.

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