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Eine unmögliche Behauptung

28.06.1959Psalm 136,15

Gnade sei mit uns und Friede von dem, der da ist, der da war und der da kommen wird! Amen!

Einführung in die Bedeutung der göttlichen Torheit

Freunde, von einem großen Erweckungsprediger, Gottfried Daniel Krummacher, wurde gesagt, er sei ein Liebhaber der göttlichen Torheit. Das bedeutet, dass er besonders jene Stellen in der Bibel schätzte, die der menschlichen Vernunft zunächst töricht erscheinen.

Von solchen Stellen sagte er, sie seien besonders wichtig. So geht es mir auch ein wenig. Ich habe von Gottfried Daniel Krummacher viel gelernt. Darum wollen wir in dieser Sommerzeit eine Reihe von Psalmstellen besprechen, die auffällig sind, an denen man hängenbleibt und stutzt.

Ich lese heute ein Wort aus Psalm 136, Vers 15, das mitten in Lob Gottes steht: „Er hat den Pharao und sein Heer im Schilfmeer ertrinken lassen, denn seine Güte währet ewiglich.“ Herr, heilige den Unsinn deiner Wahrheit. Dein Wort ist die Wahrheit. Amen.

Die Herausforderung des Psalmtextes

Es gibt Bibelstellen, die einem wirklich einen Schock versetzen können. Der heutige Text ist so eine Stelle: Der Pharao und sein Heer werden im Schilfmeer ertränkt.

„Denn seine Güte währt ewiglich.“ Das ist ein Schock, nicht? Sehen Sie, dieses Wort stammt aus einem Dankpsalm. Als ich noch ein Junge war, wurde bei uns im Elternhaus abends aus den Psalmen vorgelesen. Wenn Psalm 136 dran war, machten wir Kinder uns immer eine Freude und fielen bei jedem Vers ein. Denn jeder Vers endet mit den Worten: „Denn seine Güte währt ewiglich.“

Das kommt also 26 Mal vor: „Denn seine Güte währt ewiglich.“ Zuerst wird von den großen Taten Gottes gesprochen: Er hat den Himmel weißlich ausgebreitet – denn seine Güte währt ewiglich! Er hat große Lichter gemacht – denn seine Güte währt ewiglich! Er gibt allem Fleisch Speise – denn seine Güte währt ewiglich!

Ich höre noch, wie wir, acht Geschwister, über dem Chor so sangen: „Denn seine Güte währt ewiglich!“ Dann kommt der Psalmist zu den Taten Gottes mit seinem Volk Israel. Die ganze alte Menschheitsgeschichte wird rekapituliert: Er rettete sein Volk aus der Knechtschaft – denn seine Güte währt ewiglich! Er gab ihnen ihr Land zum Erbe bis zum heutigen Tage – denn seine Güte währt ewiglich!

Das alles klingt einleuchtend und klar. Aber dann, mitten im Psalm, steht ein Vers, der widersprüchlich wirkt: „Er stieß den Pharao und sein Heer ins Schilfmeer“ – denn seine Güte währt ewiglich.

Ich muss das einfach feststellen. Ich hoffe, wir kennen die Geschichte, von der hier die Rede ist. Ich will sie kurz skizzieren: Israel wurde durch Gottes gewaltige Hand aus Ägypten errettet.

Die Geschichte von Israels Rettung am Schilfmeer

Da schlagen sie ihr Lager am Schilfmeer auf. Plötzlich geht die Botschaft durchs Lager: Die Ägypter kommen uns nach – mit großem Heer, sie wollen uns zurückholen, die Knechtschar.

Das Entsetzen und der Jammer sind groß, man kennt das aus der Geschichte, wenn heute zum Beispiel die Russen kommen.

Dann sagt Gott zu Moses: „Sag ihnen, dass sie ziehen.“ Ja, wohin denn? „Auf dem Weg, den ich ihnen bereitet habe.“

Da reißen die Fluten auseinander, und sie gehen auf diesem unheimlichen Weg auf dem Meeresgrund, zwischen den Wassern, ans andere Ufer.

Heute wird darüber diskutiert: Es sei eine Legende oder könne auf natürliche Weise passieren, etwa durch einen besonderen Wirbelwind. Das hat mich nie interessiert. Mein Gott kann das. Er kann einen Weg in den Fluten machen. Wenn ich einen Gott hätte, der das nicht könnte, würde ich nicht mit ihm anfangen.

In dem Psalm steht: „Der allein große Wunder tut, denn seine Güte währt ewiglich.“ So zieht Israel durchs Meer.

Dann versuchen es die Ägypter auch. Sie jagen hinterher, doch die Fluten schlagen über ihnen zusammen. Ein ganzes Heer, eine große junge Mannschaft, kommt um – eine schreckliche Geschichtskatastrophe.

Doch das war das Ende der ägyptischen Macht, der Beginn des Zerfalls Ägyptens.

Der Psalm macht nach dieser Katastrophe nicht weiter, denn: Seine Güte währt ewiglich!

Die Spannung zwischen Gottes Güte und dem Leid der Welt

Ja, meine Freunde, hier wird das Grauen geschildert, jeder einzelne Herrscher darin, jeder einzelne Teil des Entsetzens! Tausendmal wird das Schrecken erlebt, denn seine Güte währt ewiglich! Da bleibt einem der Verstand fast weg. Wo soll denn Gottes Güte sein, wenn hier eine ganz große, junge Mannschaft schauerlich umkommt? Wo soll da Gottes Güte sein?

Zuerst habe ich gedacht, vielleicht hat der Psalmist einfach so gedankenlos gehandelt. Er beginnt: „Lobe den Herrn, denn seine Güte währt ewiglich. Er hat den Himmel gemacht, denn seine Güte währt ewiglich. Er hat die Erde bereitet, denn seine Güte währt ewiglich. Er hat sein Volk erlöst, denn seine Güte währt ewiglich.“

Wir machen eine Art Spiel daraus: Alle Vögel fliegen hoch, alle Spatzen fliegen hoch, alle Adler fliegen hoch, alle Tische fliegen hoch. Dann machen auch alle so, und dann haben wir verloren, nicht? Verstehen Sie? So habe ich zuerst gedacht, hat vielleicht auch der Psalmist gesagt, seine Güte wäre ewiglich, obwohl er sein Volk, sein Land gegeben hat, seine Güte wäre ewiglich, er hat eine Katastrophe herbeigeführt, und seine Güte wäre ewiglich.

Aber, liebe Freunde, diese Erklärung stimmt nicht. Die Schrift hat unter der Vollmacht des Geistes Gottes geredet, und der Geist Gottes sagt keine Gedankenlosigkeiten. Der Geist Gottes sagt keine Gedankenlosigkeiten. Deshalb dürfen wir in der Bibel nicht nach unseren eigenen kleinen Gedankenlosigkeiten und Irrtümern suchen.

Es lohnt sich, einmal darüber nachzudenken, was dieser Psalmdichter eigentlich unter dem Einfluss des Geistes Gottes gemeint hat, wenn er sagt: „Der Pharao und sein Heer stießen ins Schilfmeer, denn seine Güte währt ewig.“ (Psalm 136,15)

Eine unmögliche Behauptung – Drei Betrachtungen

Wir wollen die Predigten mit dem Titel "Eine unmögliche Behauptung" überschreiben. Auch nach reiflicher Überlegung möchte ich drei Dinge dazu sagen.

Zunächst im ersten Teil: "Der Fels im Sturm". Der Fels im Sturm!

1. Der Fels im Sturm

Meine Freunde, wir müssen lernen, dass die Bibel keine religiöse Weltanschauung ist, die wir mit logischer Beweisführung auseinandernehmen können. Heute gibt es viele Menschen, die sagen: Ob ich Muslim bin, ob ich den Koran, Buddha oder die Bibel habe, das ist doch ganz egal. Hauptsache, man glaubt an irgendetwas. Doch die Bibel vermittelt keine bloße Weltanschauung, sondern Gottes Wort offenbart Tatsachen, die wir ohne sie nicht wissen könnten.

Gott ist nicht einfach eine höhere Macht, eine Allseele oder eine abstrakte Kraft. Nein, Gott ist ein persönlicher, lebendiger Gott. Das ist eine Tatsache, so sagt die Bibel. Ohne sie wüssten wir das nicht. Und eine zweite Tatsache ist: Gott ist gut, seine Güte währt ewiglich.

„Ja“, sagen manche, „aber wo bleibt denn Gottes Güte, wenn ein ganzes Heer im Meer schrecklich untergeht? Wo bleibt Gottes Güte angesichts des ganzen Leids in der Welt? Ich habe einen Sohn verloren und komme nie darüber hinweg. Viele Menschen hier haben den Schmerz vergangener Zeiten nicht überwunden. Wo bleibt Gottes Güte, wenn eine Frau qualvoll am Krebs stirbt? Wo bleibt Gottes Güte, wenn harte, kaltherzige Staatsmänner die Welt ständig in Angst versetzen? Wo bleibt Gottes Güte angesichts von Zynismus und Ungerechtigkeit? Wo bleibt Gottes Güte im Elend deines Lebens?“

Sehen Sie, an genau dieser Stelle sind viele Menschen mit ihrem Glauben gescheitert. „Wo bleibt Gottes Güte?“ fragen sie. Und die Bibel antwortet: „Seine Güte währet ewiglich.“ Das ist zunächst die erste Tatsache. Ob wir sie sehen oder nicht – Gottes Güte bleibt bestehen. Die Bibel stellt die Güte Gottes als eine unerschütterliche Tatsache hin und teilt sie uns mit.

Für uns, die wir manchmal verzweifeln, ist das eine wichtige Botschaft: Lass dich davon nicht verrückt machen. Gottes Güte währt ewiglich. Ich finde es einfach großartig, wie in diesem Psalm in einem Satz das Grauen geschildert wird und dennoch darüber hinweggerufen wird: Es bleibt dabei – Gottes Güte währt ewiglich. Das ist großartig.

Meine Freunde, man wird das nie ganz erfassen können. Und genau hier scheitern viele Menschen mit ihrem Glauben. Wenn ich Männer höre, die im Krieg so viel Leid erlebt haben, fragen sie: „Wie konnte Gott das zulassen?“ Ja, das ist richtig! Man kann das nicht begreifen. Aber wenn Gott uns nicht einen Beweis gegeben hätte, dass er gut ist, könnten wir daran verzweifeln.

Und diesen Beweis hat er gegeben: Er gab seinen Sohn. Mit einem oberflächlichen Glauben an Vorsehung oder Gottglauben kommt man heute nicht mehr durch, in einer Welt wie dieser. Man braucht den zweiten Artikel: Gott gab seinen Sohn ans Kreuz. Er hat sogar seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern für uns alle hingegeben. Sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?

Die Welt mag untergehen, alles mag dunkel und verworren sein, aber es gibt ein Zeichen: Gott liebt mich. Das ist das Kreuz Jesu Christi. Prüfen Sie Ihren Glauben! Wenn Sie mit dem Kreuz Jesu Christi nichts anfangen können, werden Sie Ihren Glauben bei der nächsten Katastrophe verlieren.

Unter Jesu Kreuz wird die Liebe Gottes offenbar. Er hat mich geliebt. Unter Jesu Kreuz lerne ich, dass seine Güte ewig währt, weil er für mich Sünder die Versöhnung seines Sohnes gibt.

Lassen Sie mich ein Beispiel geben, was ich meine: Einmal war ich in meinen Ferien im Bernina-Gebiet wandern. Als wir sehr hoch waren, kam ein Gewitter auf. Das ist unheimlich, so ein schreckliches Gewitter in den Bergen. Das Tal ist abgeschlossen von den Bergamasker Alpen, von Italien her. Diese gewaltigen Wolken rollten heran, man sah sie in großer Höhe. Sie kamen so drohend wie eine Mauer.

Aber die Berge standen fest. Dann wurde der Himmel schwarz, es gab Regengüsse, Donner und Blitze. Die Bergamasker Alpen waren kaum noch zu sehen, doch sie waren noch da und standen fest.

So sagt die Bibel: „Seine Güte währet ewiglich.“ Auch wenn der Berg unter Pharaon sein Herr geht und Gott Gericht hält, und man nichts mehr von Gottes Güte sieht, so stehen die Berge Gottes fest. Denn seine Güte währet ewiglich – er ist unser Fels im Sturm.

Vielleicht ist es gerade in den kommenden Jahren sehr wichtig, dass wir das mitnehmen. Wenn ich keinen Weg mehr sehe, kann ich immer das Kreuz Jesu sehen und jubeln, denn seine Güte währt ewiglich.

Nun zum Zweiten: Der Fels im Sturm.

2. Der Verzicht auf Gottes Güte

Wir wollten die so unmöglichen Behauptungen sehen, dass Gottes Güte ewiglich währt – gerade angesichts dieser Katastrophen.

Zweitens spricht unser Text davon, dass man auf Gottes Güte verzichten kann. Der Pfarrer und sein Heer stießen sich ins Meer, so steht es hier. Das ist reichlich kurz und bündig ausgedrückt, wenn ich so sagen darf. Tatsächlich war es aber anders: Pharao hat sich und sein Heer selbst ins Meer gestoßen.

Wir müssen im zweiten Mosebuch die Sache noch einmal kurz rekonstruieren. Israel zieht auf diesem unheimlichen Weg durchs Meer. In der Bibel steht: „Und das Wasser war ihnen wie Mauern zu Rechten und zu Linken.“ Ich sehe es förmlich vor mir – verzeihen Sie, wenn ich so menschlich von Gott spreche. Wie sollten wir uns anders vorstellen, als dass Gottes Hände das Wasser zurückhalten, damit sein Volk sicher unter seinen Armen hindurchzieht?

Im Grunde reden Christen dauernd von solchen Wegen – nicht, dass wir unter Gottes Armen durchziehen, sondern dass das Wasser wie Mauern zu Rechten und zu Linken ist. Die Ägypter hingegen hatten keinen Auftrag, keinen Befehl und keine Begeisterung, auf diesem Weg zu ziehen. Da lässt Gott los, und die Wasser stürzen herab, alles geht unter. Gott lässt los.

Warum auch nicht? Pharao und sein Volk haben ja feierlich auf Gottes Güte und auf diese gütigen Hände verzichtet. Wie sagt Pharao kurz vorher: „Wer ist der Herr, dessen Stimme ich hören müsse? Ich weiß nichts von ihm und will seiner Stimme auch nicht gehorchen.“

Nun, so kann man es machen. Und Sie werden mir zustimmen, dass genau das das deutsche Volk und die abendländische Welt tun: „Wer ist der Herr, dessen Stimme wir hören sollen? Ich weiß nichts von ihm und will seiner Stimme nicht gehorchen.“ So kann man es machen. Nur muss man sich dann klar machen, dass man ohne Gottes Güte leben und zurechtkommen muss.

Der lebendige Gott redet heute zu uns durch Jesus. Jesus breitet seine durchgrabenden Hände unter uns aus: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid.“ Nun, man kann sagen: Ich will nicht. Ich glaube, dass du ein Heiland bist, ich glaube alles – aber ich will nicht kommen. Ich will nicht kommen.

Gut, dann bleibt man an einem Strudel im Wasser, dann bleibt man draußen. Das heißt in anderen Worten: In dieser verfluchten Welt – ich meine das, wie ich es sage – liegt ein Fluch am Anfang der Welt. In dieser verfluchten Welt hat Jesus ein Reich der Güte und Barmherzigkeit Gottes angefangen.

Es erfordert einen Schluss und einen Schritt, in dieses Reich der Güte und Barmherzigkeit Gottes hineinzugehen. Solange ich draußen bin – also man kann draußen christlich sein, christliche Überzeugungen haben, christliche Großmütter und auch christliche Pastoren – verstehen Sie? Ohne eine klare Bekehrung in dieses Reich der Gnade hinein bin ich eben draußen.

Und solange ich draußen bin, bin ich wie Pharao und sein Heer allen schrecklichen Mächten preisgegeben – den unsichtbaren und den sichtbaren, dem Zorn Gottes und dem Teufel, den Wasserfluten des Schilfmeers und den Menschen.

Lassen Sie uns ein Beispiel aus meinen Ferien benutzen. Es gab dort ein kleines Bergdorf, das ganz oben in den Alpen liegt: Viano. Dort ist die italienische und die schweizerische Grenze kaum mehr genau zu unterscheiden. In diesen Steinwüsten ist es klar, dass Viano schweizerisches Gebiet ist.

Man erzählte uns, wie im Krieg viele Juden, die in Italien verfolgt wurden, über die Berge in die Schweiz geflüchtet sind. Sie gingen bei Viano durch die Berge. Man sieht an den Häusern noch die Einschläge von Gewehrschüssen, wenn die deutschen und italienischen Soldaten hinter den flüchtigen Juden hergeschossen haben.

Aber wenn ein Flüchtiger in Viano war, in diesem kleinen, an die Felsen geklebten Dörflein, dann war er gerettet. Doch über diese Grenze musste er hinüber. Unser Text macht ganz deutlich: Es gibt eine Grenze für das Reich der Güte Gottes in Jesus.

Solange ich nicht in diesem Reich bin, bin ich draußen und allen Mächten preisgegeben. Als armer Sünder sage ich: Herr, nimm mein Leben, wirf mich über die Grenze in die Arme Jesu, und ich bin gerettet. Draußen liegen alle Fluten des Schilfmeers über uns zusammen.

Drinnen, im Reich der Güte Gottes, das in Jesus aufgetan ist, bin ich unter seinen Schirmen vor den Stürmen aller Feinde frei. Lass die Ungewitter ringsum die Welt erzittern – mir steht Jesus bei!

Sehen Sie, wie neu mir aufgegangen ist, mit welcher Dringlichkeit die Bibel Menschen aufruft, umzukehren, Buße zu tun, sich zu bekehren und sich zum Herrn zu wenden.

Als Petrus die erste Pfingstpredigt hielt, sagte er: „Lasst euch erretten, lasst euch erretten, ihr habt verloren!“ Pharao und sein Heer sind verloren, aber wer im Reich der Güte Gottes ist, ist nicht mehr verloren. „Lasst euch erretten!“ Jesus breitet seine durchgrabenden Hände gegen uns aus: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid!“

Wie gegen die Flüchtigen: Ihr seid flüchtig geworden, ihr seid verloren, ihr seid mühselig und beladen – hier ist Bergung.

Lassen Sie uns noch ein drittes sagen.

3. Das Lied der Gemeinde Jesu Christi

Eine unmögliche Behauptung scheint es uns zu sein. Ich sagte zunächst einfach die Tatsache aus: Gottes Güte währt ewiglich.

Zweitens kann man auf diese Güte Gottes einfach verzichten, indem man in seinem unbekehrten, ungebrochenen Zustand bleibt, wie Pharao.

Und drittens: Das ist das Lied der Gemeinde Jesu Christi. Gottes Güte wäre triebiglich.

Drittens ist es das Lied der Gemeinde Jesu Christi. Wir sagten, es ist furchtbar, was hier steht: Der Pharao erstickte sein Heer im Schilfmeer, dann seine Güte. Hier muss die Vernunft protestieren, und die Welt protestiert und sagt, es gibt keine Liebe Gottes. Und sie wird die Liebe Gottes immer in Zweifel ziehen, mag sie es tun.

Die Gemeinde Jesu Christi aber erklärt: Gottes Güte währt ewiglich. Das ist nicht eine unmögliche Behauptung, sondern das ist das Lied auf unserer Wallfahrt in diesem Erdenland. Wir wollen es Tag für Tag singen: Seine Güte währt ewiglich.

Kein Lied, das meine Jungen sonntagnachmittags mit solcher Lautstärke singen wie das Lied „Gott ist die Liebe“. Und wenn ich Gäste habe aus aller Welt, dann singen wir erst mal „Gott ist die Liebe“, dann fallen die Beine um vor der Lautstärke. Das wollen wir ihnen sagen: Das Lied der Kinder Gottes ist, dass seine Güte ewig lebt.

Ich muss da jetzt noch etwas sehen. Das Älteste ist in Hebräisch geschrieben, und wo Luther hier „Güte“ übersetzt, da steht im Hebräischen „Chesed“. Ich rufe die anwesenden Theologen zum Zeugenauftrag, dass „Chesed“ unzweideutig eigentlich mehr ist als Güte. Chesed ist Gnade. Ich weiß nicht, warum Luther nicht übersetzt hat, denn seine Gnade wird er gegeben.

Und Gnade bedeutet der Bibel etwas ganz Spezielles. Gnade bedeutet, dass ich vor dem heiligen Gott so, wie ich bin, verloren bin; dass Gottes Zorn über mir steht um all meines ungeistlichen und bösen Wesens willen. Jetzt sind wir verloren, wir sind vor Gott.

„Präset“ heißt es wie ein Wunder. Beispielsweise wird in der Bibel gesagt: Ich schaue auf Jesu Kreuz und darf es fassen; er hat mich geliebt und gewaschen von den Sünden mit seinem Blut.

Herr, ich habe im Krieg als junger Soldat einmal erlebt: Da ging ich alleine um die Höhe, und auf einmal schossen sie schwer mit Kaliber. Ich warf mich auf den Boden, und auf einmal hatten alle so Atemkender, da kommt eine an, gegurgelt, und man hört, die kommt genau hierher, lüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüü.

Gerettet, meine Freunde, ist die Erfahrung von Gnade, dass man sich zum ersten Mal aufstellt, wie schrecklich Gottes Sohn ist, und dann darf ich Jesus finden, Vergebung der Sünden, Leben neu geschenkt. Das ist Chesed, Gnade. Er hat uns geliebt und gewaschen von den Sünden mit seinem Blut.

Ah, meine Freunde, erst wer diese Chesed, diese Gnade erfahren hat, kennt überhaupt die Wirklichkeit der Welt des Lebens. Vorher mir ein blindes Huh! Oder blind am Maul wopfen, was Sie wollen.

Und diese Gnade währt ewiglich. Ich höre noch, wie meine Mutter mit uns Kindern abends oft betete: „In Deine Gnade hülle mich ein.“ Ich möchte mal nicht bloß dastehen im Sturm des Gerichts Gottes.

Und wenn ich das im Glauben erfasst habe, eingehüllt in seine Gnade, dann heißt das: Kein Sturm! Kann mir diese Decke mehr wegreißen? Seine Gnade währt ewiglich. Gerettet ist gerettet.

Die Christen reden von Heilsgewissheit: Seine Gnade währt ewiglich, das heißt, gerettet ist gerettet. Sehen Sie das schon?

Der Sinn der Weltgeschichte aus göttlicher Perspektive

Meine Freunde, ich müsste eigentlich schließen, doch lassen Sie mich noch etwas Wichtiges sagen, das unser Text hervorhebt – eine große Sache.

In unserem Text wird etwas Unheimlich Wichtiges dargestellt: Eine Geschichtskatastrophe. Gott lässt die Macht Ägyptens untergehen, um seiner Gemeinde seine Güte zu zeigen. Israel steht am Ufer und erkennt deutlich, dass diese Katastrophe auch ein Zeichen seiner Güte ist.

Ich kann es nur kurz sagen: Hier wird der Sinn der Weltgeschichte deutlich. Das Ziel der Weltgeschichte ist in den Augen Gottes seine Gemeinde – trotz aller Weltkatastrophen, die es gab und gibt. Alles zielt darauf ab, dass Gott seine Gemeinde sammelt, also in Jesus. Dabei meine ich seine gläubige Gemeinde – nicht eine bestimmte Ortsgemeinde oder eine andere Gruppe, sondern seine gläubige Schar, die er erleuchtet.

Der Sinn und das Ziel der Weltgeschichte ist nach der Bibel die Gemeinde Jesu Christi. Diese Gemeinde soll einmal in der neuen Welt Gott loben und anbeten.

In den Augen der Mächtigen dieser Welt ist die Gemeinde Jesu Christi eine belanglose Angelegenheit. Ich glaube nicht, dass in Bonn oder Genf in den letzten Wochen viel über die Gemeinde Jesu Christi gesprochen wurde. Für sie ist sie eine unwichtige Sache.

Doch in den Augen Gottes sind die Mächte der Welt höchst belanglose Angelegenheiten – Wölkchen, die er vorüberziehen lässt. Für Gott gibt es eine wichtige Sache: seine Gemeinde, seine Erlösten, sein Volk. Er führt sie durchs Meer, um ihres Willens die Völker zu richten, wie es in meiner Bibel heißt.

Er führt sie durch die Wüste und durch Wasser zum Ziel – zum ewigen Ziel, zum Kanaan der zukünftigen Welt.

Schlussgebet um rechte Maßstäbe

Lassen wir uns beten: Ach Herr, gib uns in all der Wirrnis unserer Zeit wieder die richtigen Maßstäbe und den klaren Blick dafür, was wichtig und was unwichtig ist. Amen.