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Was ist nützlich und was ist Ballast?

1. Korinther 6,1218.11.2017
Serie•Teil 2 / 4Im Spannugsfeld von Selbstverleugnung und Genuss
Was ist nützlich – und was nur Ballast? Nicht Regeln stehen im Zentrum, sondern die Frage: Wird in dir immer mehr Jesus sichtbar, oder drehst du dich nur um dich selbst?

Ein erster Impuls zur Frage nach dem Wesentlichen

Also, ihr wisst jetzt in etwa, wie ich den Tag verstanden habe. Ich habe ihn als Impulsvortragstag ernst genommen. Ich gebe Impulse. Vielleicht sagt der eine oder andere: Huh, das war schon ganz schön viel. Das kann sein. Aber es soll ja ein Impulstag sein. Man darf weiterdenken.
Deswegen jetzt ein kleinerer Impuls. Der erste war relativ lang, ganz bewusst. Das ging irgendwie nicht kürzer, das hat sich immer weiter so entwickelt. Jetzt ein kürzerer.
Überschrift: Nicht Selbstverleugnung, sondern: Was ist nützlich, was ist Ballast?
Das ist auch so eine Frage: Was ist im Leben nützlich, was ist Ballast? Und bei dem Vortrag ist mir ganz besonders aufgefallen, wie sich Ideen entwickeln, wenn man die Vorträge schreibt. Man hat am Anfang so: Ich habe eine Idee, wo das hingehen könnte. Und als ich dem Verantwortlichen das Thema vorgeschlagen habe, da kam ich gerade von zwei Stellen aus dem ersten Korintherbrief. Das sind so die klassischen Stellen zum Thema Nützlichkeit.
Da heißt es in 1. Korinther 6,12: Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles ist nützlich. Alles ist mir erlaubt, aber ich will mich von nichts beherrschen lassen.
Und dann im gleichen Buch, 1. Korinther 10,23-24: Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles ist nützlich. Alles ist erlaubt, aber nicht alles erbaut. Niemand suche das Seine, sondern das des Anderen.
So, dieses Alles ist mir erlaubt oder Alles ist erlaubt, das ist wahrscheinlich ein Slogan der Korinther. Die waren ja so ein Stückchen freiheitsliebend. Und jetzt kontert Paulus diesen Slogan „Alles ist mir erlaubt“ mit dem Begriff des Nützlichen.
Und Nützlichkeit wird hier verglichen mit dem, was nicht nützlich ist. Es ist nicht nützlich, wenn ich mich von Sünde beherrschen lasse. Es ist nicht nützlich, wenn ich ein Leben führe, das sich ausschließlich um meine eigenen Bedürfnisse und Rechte dreht.
Das Schöne, ich weiß nicht, um so aufzugehen, das Schöne für uns alle ist: Wir hören solche Stellen, ja, alles ist mir erlaubt, alles ist nicht nützlich, ja, ich glaube, man liest die so, und wir alle nicken solche Stellen ab. Ja, wir sind dazu erzogen, Paulus nicht zu widersprechen. Paulus hat immer Recht.
Bleibt die Frage: Was bleibt, wenn wir Paulus Recht gegeben haben? Abstrakte Prinzipien, so wahr sie auch sind, machen noch keinen Lebensstil, zumal bei einem Thema, das so praktisch ist wie Nützlichkeit.
Also zu wissen, dass es nicht nützlich ist, sich von Sünde beherrschen zu lassen – Paulus spricht hier übrigens von der Sünde, dass man zu Prostituierten geht – oder zu wissen, dass es nicht nützlich ist, ein Leben zu führen, das sich nur um die eigenen Bedürfnisse dreht, das ist beides schön und gut. Und vielleicht hilft es uns ein wenig, über unser eigenes Leben nachzudenken.
Aber die beiden Stellen beantworten, obwohl es da um Nützlichkeit geht, nicht umfassend die Frage: Woher weiß ich ganz konkret, was jetzt nützlich in meinem Leben ist und was Ballast?
Und vielleicht kennt ihr dieses Problem. Wir bekommen ein Gebot und wissen eigentlich gar nicht genau, wie wir es umsetzen sollen. Das Gebot steht da, das ist ein bisschen abstrakt, das ist auch irgendwie unverhandelbar. Es ist gleichzeitig schön und gefährlich. Wahrheit macht frei, aber gleichzeitig kommt mit ihr Verantwortung.
Und das, obwohl wir doch schon genug Gebote in unserem Leben haben, von denen wir wissen, dass wir sie nicht ernst nehmen, nicht genug ernst nehmen, mal ganz abgesehen von den Geboten, die wir nicht verstehen.
Gebote sollen etwas Gutes sein. Es ist völlig klar: Wir lieben Gott, wenn wir seine Gebote halten, das steht in der Bibel. Jesus sagt, dass wir seine Freunde sind, wenn wir tun, was er uns gebietet.
Aber, und ich hoffe, dass es dem einen oder anderen so geht wie mir: Ich finde es nicht ganz so leicht, aus vielen Geboten ein Leben zu stricken. Ich habe den Eindruck, manche Gebote stecken so einen Rahmen ab, das, was gut ist, wie so Leitplanken auf der Autobahn. Da solltest du nicht rausfahren. So eine Leitplanke ist dazu da, um zu zeigen: Hier ist links und rechts Schluss. Das machen Gebote.
Aber wie man jetzt gut auf so einer Autobahn fährt, wie das funktioniert, wenn da mehrere Leute fahren wollen, wie man sich verhält, wenn da ein Stau kommt, wie man sich verhält, was weiß ich, im Überholvorgang, das kann mir die Leitplanke selber, auch wenn ich weiß, wo sie ist, nicht sagen.
Und ich habe den Eindruck, dass, wenn Jesus uns Gebote gibt als Leitplanken, dass er eigentlich mehr will. Er will nicht nur, dass wir wissen, was auf keinen Fall mehr geht, also im Sinne von: Es ist nicht nützlich, sich von Sünde beherrschen zu lassen. Es ist nicht nützlich, sich um sich selber zu drehen. Ja, schön und gut. Aber wenn das die Leitplanken sind, wie lebe ich jetzt den Bereich dazwischen, mein alltägliches Leben?

Gebote als Grenze, nicht als Ziel

Ich gehe noch einmal zurück in den ersten Vortrag, Lukas 9,23. Da hieß es, und ich sage euch mal, was da nicht stand, womit ich eigentlich kein Problem gehabt hätte, wenn es dort gestanden hätte. Aber das steht nicht da, was ich euch jetzt vorlese. Also: Diese Version von Lukas 9,23 gibt es nicht. Die Version: Wenn jemand mir nachkommen will, verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf täglich und halte meine Gebote.
Ist euch etwas aufgefallen? Das hört sich gar nicht schlecht an. Das könnte ein Bibelvers sein: Wenn mir jemand nachkommen will, verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf täglich und halte meine Gebote. Das klingt gut. Und irgendwie würden wir das ganz instinktiv erwarten: Selbstverleugnung, Sterben, Gebote halten – das passt zusammen. Aber das steht nicht in der Bibel. Und das, was da steht, ist nicht so leicht verständlich, zumindest nicht auf Anhieb.
Ich gebe jetzt noch einmal den Originaltext von Lukas 9, Vers 23. Und persönlich hoffe ich eigentlich, dass ihr alle den Vers auswendig könnt. Ganz ehrlich: Der ist Top 50, vielleicht Top 30. Der gehört echt ganz, ganz früh dazu. Der ist so wichtig, weil er so ein Rundumschlag ist. Den darf man einfach mal verstehen, weil das ein Vers über Jüngerschaft ist. Da steht: Er sprach aber zu allen: Wenn jemand mir nachkommen will, verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf täglich und folge mir nach.
Denkst du dir: Hm. Also ich denke da: Hm, folge mir nach. Ganz ehrlich, ich hätte gerne eine Checkliste für mein Leben. So: Hier sind zweihundert Dinge, die man nicht tun darf, und hier sind zweihundert Dinge, die man tun muss. Lernen Sie das auswendig, und dein Leben als Christ ist fertig. Das wäre machbar. 400 Sachen, das kriegt man in seinen Kopf rein. Es braucht ein bisschen, aber das geht.
Problem: Diese Checkliste gibt es nicht. Also vielleicht gibt es sie, aber Jesus hat sie uns nicht gegeben. Und ich weiß, dass Jesus weiß, warum er es nicht tut. Ich kann eine ganze Reihe Bibelverse auswendig. Und ich glaube, dass es total wichtig ist, Bibelverse auswendig zu lernen, weil das, was wir im Herzen haben, mir hilft, nicht zu sündigen. Im Psalm 119 steht das mal in Vers 11: In meinem Herzen habe ich dein Wort verwahrt, damit ich nicht gegen dich sündige.
Also bei dem, was ich jetzt sage, bitte denkt jetzt an keiner Stelle, kein Stück, dass ich dich von der Pflicht entbinde, das Wort Gottes so gut wie möglich zu kennen und so viele Bibelverse wie möglich auswendig zu lernen. Auch wenn ich jetzt Dinge sage, die sich anhören, als würde ich das plötzlich nicht mehr meinen. Ich meine das weiterhin. Und doch glaube ich: Wenn wir alle Sprüche auswendig wüssten, das wären neunhundert irgendwas Verse. Und dazu noch die Paulusbriefe.
So sehr uns das Wort Gottes eine Hilfe sein will im Erkennen des Guten wie des Bösen, nirgends in der Bibel spricht Jesus davon, dass wir die Bibel studieren sollen, um ein gutes christliches Leben zu führen. Versteht mich nicht falsch, ich habe es extra gesagt: Ja, er ist nicht dagegen. Er kennt seine Bibel sehr gut. Aber er sagt seinen Jüngern nicht: Verleugnet euch selbst, nehmt euer Kreuz täglich auf und studiert täglich die Bibel. Das sagt er nicht. Das gehört dazu. Wenn du nicht die Bibel studierst, nehme ich dich als Christ nicht ernst. Aber das ist nicht das, worauf Jesus den Schwerpunkt legt. Er sagt: Verleugnet euch selbst, nehmt euer Kreuz täglich auf euch und folgt mir nach.
Also, wenn es um die Frage geht, wie ich mein Leben gestalten soll, was ist Ballast, was soll raus, was ist nützlich, was soll ich behalten, dann ist es gedanklich nicht ausreichend, nur darüber nachzudenken, ob ich gerade ein Gebot übertrete oder ob ich gerade etwas tue, was mir erlaubt ist. Natürlich soll ich nicht sündigen, und natürlich soll ich das Gute tun. Aber ich glaube, dass Christsein radikaler sein will, als nur Gebote zu halten und Verbote zu lassen. So wie Fahren auf der Autobahn: Es reicht nicht zu sagen, du bist ein guter Autobahnfahrer, wenn du nicht ständig über die Leitplanke hinausfährst. Da muss dazwischen noch etwas passieren. Und die Frage ist: Wie komme ich da hin?
Ich bin fest davon überzeugt, dass wir am Ende Gebote halten und Sünde lassen. Das werden wir als Christen tun. Das wird am Ende als Abfallprodukt mit herauskommen, aber das ist nicht das Zentrum unseres Lebens. Es ist das Abfallprodukt eines Lebens, das sich um Jesus dreht, genau genommen eines Lebens, das Jesus nachfolgt. Wenn Jesus sagt, dass wir ihm nachfolgen sollen, dann macht er selbst sich zum Maßstab. Wenn das Wort Fleisch wird, dann erleben wir in der Person Jesu einen Menschen, der auf vollkommene Weise die Gebote erfüllt. Jesus inkarniert – schönes Wort, das habe ich schon ein paarmal gesagt, ich hoffe, ihr versteht es ja – Inkarnation, Fleischwerdung. Jesus inkarniert die Gebote.

Jesus als Maßstab und Mitte

Und das ist total wichtig für uns, weil wir, wenn wir ehrlich sind, bei den Geboten manchmal so ein bisschen das Problem haben, dass sie irgendwie schon klar sind. Aber wenn man dann das Verhältnis der Gebote zueinander betrachtet, kommen ganz schnell Fragen auf.
Also, mir geht es so. Ich weiß nicht, ob es euch auch so geht, aber jetzt mal Hand aufs Herz: Wer von euch hätte, nachdem er das Alte Testament ein oder zweimal durchgelesen hat, ohne dass er das Neue Testament kennt, auf die Frage: Was sind eigentlich die beiden größten Gebote im Alten Testament? Wer hätte sich hingestellt und gesagt: Ganz klar, 3. Mose 19,18: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Und 5. Mose 6,5: Du sollst Gott lieben über alles. Ist doch völlig logisch. Stehen zwar beide nicht in den Zehn Geboten, aber das sind die größten. Versteht ihr?
Ich wäre da persönlich gar nicht so draufgekommen. Ich hätte bei der Frage ein bisschen rumgeeiert.
Oder nehmen wir ein anderes Beispiel, wo das für mich auch deutlich wird: die Weherufe in Matthäus 23 gegen die Pharisäer. Hättest du gewusst, was die wichtigeren Dinge des Gesetzes sind? Also das, was Jesus den Pharisäern vorwirft, ist ja, dass sie die Minze, den Anis und den Kümmel verzehnten und die wichtigeren Dinge des Gesetzes beiseitegelassen haben. Hättest du gewusst, was die wichtigeren Dinge des Gesetzes sind, einfach nur durch das Lesen des Alten Testaments? Hättest du gesagt: Klar, die wichtigeren Dinge des Gesetzes, ganz logisch, das hat etwas mit Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Glauben zu tun?
Ehrlich? Ich nicht. Ich bin froh, dass Jesus es mir gesagt hat, damit ich eine Idee davon bekomme, wie all diese Gebote, die ich habe, irgendwie zusammenpassen.
Ich habe jetzt diese Beispiele gebracht, um etwas zu vergegenwärtigen, nämlich dass ein heiliges und gerechtes und gutes Gesetz für ein Leben mit Gott notwendig ist, aber, wie mir scheint, nicht hinreichend. Haha, jetzt habe ich in die Mathe gegriffen. Wisst ihr noch diese alten Mathe-Sachen, wenn etwas notwendig, aber nicht hinreichend ist? Kennt ihr noch diese beiden Begriffe? Ich habe die in der Schule verdrängt. Später fand ich sie total schön.
Da ist etwas notwendig. Das ist so wie bei der Autobahn: Notwendig sind die Leitplanken, damit du weißt, wo die Autobahn ist. Aber hinreichend, um ein guter Autobahnfahrer zu werden, sind die Leitplanken nicht. Wenn es sie nicht gibt, ist da keine Autobahn, dann hast du ein echtes Problem. Aber wenn du sie hast, dann brauchst du noch einen Tick mehr.
Und so scheint mir das mit den Geboten zu sein. Sie sind notwendig. Sie sind ein Rahmen. Sie sind so eine Art Leuchtturm, sie markieren Grenzen und Ziele. Aber Gott will, wie mir scheint, noch mehr.
Jede Religion hat Gebote. Und sind wir mal ganz ehrlich: Dann sind die Gebote, zumindest bei den Hauptreligionen, wenn man so die moralischen Grundsätze anschaut, gar nicht so unterschiedlich. Die Gefahr, in der wir auch als Christen stehen, vielleicht sogar besonders dann, wenn wir evangelikal sind, also die Bibel wirklich ernst nehmen wollen, und als ein solcher stehe ich hier vorne. Wenn jetzt irgendeiner denkt: Boah, ihr lieben Brüder vom Leitungsteam, was habt ihr da für einen liberalen Hansi eingekauft? Ich bin ernstkonservativ, glaubt mir das.
Deswegen erlaube ich mir, tiefer zu denken, weil ich die Bibel ernst nehme, weil ich merke: Es sind noch nicht alle Fragen gelöst. Und mein Eindruck ist: Gerade wenn wir die Bibel ernst nehmen wollen, stehen wir in der Gefahr, dem Christsein seine Originalität zu berauben und Christsein zu einer Religion zu machen.
Also, wenn ich Christsein zu einer Religion wie alle anderen mache, mit anderen Regeln von mir aus, dann opfere ich das Besondere unseres Christseins. Ich opfere nämlich meine Beziehung zu Gott. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht da stehen bleiben, wo alle anderen Religionen auch stehen bleiben, nämlich bei den Regeln. Und wir dürfen definitiv unseren Kindern nicht den Eindruck vermitteln: Du bist ein guter Christ, wenn du dich an die Regeln hältst. Das bist du nämlich noch lange nicht. Und der Clou ist: Du kannst sogar gar kein Christ sein und dich an die Regeln halten. Das geht.
Im Herzen unseres Glaubens steckt etwas anderes als Regeln. Und wenn wir so gebotsfixiert sind, regelfixiert sind, dann kann das ganz leicht passieren, dass sich dieses Denken, Regeln seien das Wichtigste, durch unser ganzes Leben zieht. Obwohl unser Ziel als Christen nicht zuerst darin besteht, Regeln einzuhalten. Das jetzt zucken hoffentlich ein paar. Wie, ja, ich sage das nochmal: Das Ziel als Christ besteht nicht zuerst darin, Regeln einzuhalten, sondern, und das ist der Kernvers dieser Predigt, Galater 4,19: Das Ziel unseres Lebens besteht darin, dass Christus in uns Gestalt gewinnt. Das ist der Punkt. Merkt ihr? Das ist viel mehr als ein paar Regeln einhalten.
 Galater 4,19: Meine Kinder, um die ich abermals Geburtswehen leide. Das geht zum Glück in Wirklichkeit nicht, man kann nur einmal ein Kind zur Welt bringen. Aber Paulus tut so, als könnte man zum zweiten Mal mit demselben Kind schwanger werden. Meine Kinder, um die ich abermals Geburtswehen leide, bis Christus in euch Gestalt gewonnen hat.
Das ist das Ziel unseres Lebens.
Oder 2. Korinther 3,18: Wir alle aber schauen mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn an und werden so verwandelt in dasselbe Bild, ja, in das Bild Christi, von Herrlichkeit zu Herrlichkeit. Das wird immer ein bisschen herrlicher. Im Alten Testament wird das verglichen mit dem Aufgehen der Sonne. In deinem Leben wird immer ein bisschen mehr die Herrlichkeit Christi sichtbar, und irgendwann strahlst du, und dann darfst du sterben. Von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, wie es vom Herrn, dem Geist, geschieht.
Also: Geistliches Leben ist Leben, das sich nicht zuerst um ein effektives Sündenmanagement dreht. Bitte, das wäre der Leitgedanke. Geistliches Leben ist ein Leben, das sich nicht zuerst um ein effektives Sündenmanagement dreht, sondern darum, so zu werden wie Jesus.
Und es ist klar: Wenn wir Jesus imitieren, dann fliegen die Sünden raus. Du kannst nicht jemanden imitieren, der ohne Sünde war, und selber sündigen. Logisch, das funktioniert nicht. Johannes hat Recht, wenn er schreibt, 1. Johannes 2,6: Wer sagt, dass er in ihm bleibt, ist schuldig, selbst auch so zu wandeln, wie er gewandelt ist.
Aber merkt ihr, worum es geht? Wer sagt, dass er in ihm bleibt, erst geht es um die Beziehung. Und wenn du sagst, ich lebe in dieser Beziehung, na logisch musst du dann auch das andere. Wer A sagt, muss B sagen. Eine Frau heiraten heißt auch, mit ihr zusammenzuziehen, logisch, und zu tun, was sie sagt.
Formuliert Johannes, was Jesus meint, wenn er von Nachfolge spricht. Nachfolge ist, und das ist jetzt ganz einfach mal ganz simple Theologie, das kann sich jedem Drittklässler beibringen: Nachfolge ist Nachfolge. Schön, oder? Also wenn du fragst: Was hast du gelernt? Ach, ich kann jetzt Nachfolge definieren. Was ist Nachfolge? Nachfolge ist Nachfolge.
Ich folge jemandem. Ich schaue mir an, wie Jesus lebt, wohin er geht, wie er seinen Tag gestaltet, worauf er seine Prioritäten legt, was ihm wichtig ist, wie er mit bestimmten Leuten umgeht, was er gar nicht mag, und dann tue ich dasselbe. Das ist Nachfolge. Ist das simpel? Aber ich mag Christentum, es ist einfach schön, es ist nicht kompliziert. Das ist Nachfolge.
Nachfolge heißt, aber das ist jetzt das Schwierige dabei, ein anderer, nämlich Jesus. Nachfolge heißt: Ein anderer geht einen Weg, und ich laufe ihm hinterher. Ich habe aufgehört, das ist Bekehrung, meinen eigenen Weg zu gehen, und folge ihm.
Und für alle, die die Biologie mögen, ich mag auch Biologie: Mein Leben ist eine symbiotische Beziehung mit Jesus. Wisst ihr, was Symbiose ist? Ja, bei Symbiose leben zwei zusammen. Und wenn du so hinschaust und versuchst, wo das eine anfängt und wo das andere aufhört, ist es manchmal gar nicht so leicht. Und so ist es bei Jesus und mir. Wir leben eine symbiotische Beziehung, wir leben zusammen. Ich lebe nicht mehr mein Leben, ich lebe mit ihm. Er in mir. Und dabei ist er die Nummer eins.

Vom Regelwissen zur Christusähnlichkeit

So, und jetzt die Frage: Wenn die Frage nach dem Nützlichen und nach dem Ballast sich nicht einfach dadurch beantworten lässt, dass ich sage: Ich lerne halt viele Bibelverse auswendig, und am Ende kenne ich alle Gebote. Dann versuche ich halt, alle Gebote zu halten und alle Verbote zu lassen. Wenn das nicht funktioniert, weil es nur der Rahmen ist, weil Gott sagt: Ich habe viel mehr als Regeln für dich. Ich habe eine Person für dich. Ich habe ein ganzes Leben für dich. Ich habe ein Leben mit einer Vision für dich, und das darfst du auf dieser Welt ausleben.
Man darf dir begegnen. Und zumindest wenn du dann mal so graue Haare hast, sollte das spätestens passiert sein. Dann begegnet man nicht mehr dir, sondern man begegnet Jesus. Weil du bist nicht mehr da. Also, du bist natürlich noch da, ja, aber da ist so viel Jesus in dir sichtbar geworden, so viel Veränderung ist da passiert. Da ist so viel gütiger Gott in dir sichtbar und hat sich quasi durch alle Poren, die du hast, gedrückt. Ja, man begegnet dir, aber eigentlich begegnet man Gott in dir.
Das ist eine Vision. Das ist mehr als nur: Ich begegne einem Bibellexikon, das mir alle Fragen beantworten kann. Das wäre schön, und das gehört dazu. Wenn du alt bist und die Fragen der Jungen nicht beantworten kannst, hast du einen Fehler gemacht. Logisch. Warum? Na, weil Jesus die Fragen beantworten konnte. Wenn ich jemandem folge, der auf jede Frage eine Antwort hat, dann muss ich auch irgendwann jemand werden, der auf jede Frage eine Antwort hat, oder auf fast jede. Dumm zu sein und Jesus nachzufolgen geht nicht, weil Jesus nicht dumm war. Das ist logisch.
Aber zu sagen: Mir reicht es im Alter, ein wandelndes Bibellexikon zu sein, das ist es nicht. Sondern du musst viel, viel mehr sein wie Jesus im Alter. Das ist der Punkt, das ist das Ziel. Und wenn du dich vor den Spiegel stellst und heute Abend mal fragst: Bin ich eigentlich Jesus? Trifft man, wenn man auf mich trifft, Jesus? Ist dieses Gnädige, Langmütige, Weise, Heilige, was Jesus auszeichnet, formt mich das immer mehr und mehr?
Wie gesagt: Enkel, Großvater. Ich stelle mir natürlich die Frage bei meinen eigenen Kindern. Da war ich noch so, da habe ich mich gerade bekehrt, es waren keine drei, vier Jahre, dass ich gläubig war, da kamen die Kinder. Meine Kinder haben noch sehr viel alten Jürgen erlebt. Ja, das war nicht immer leicht. Ich habe mich entschuldigt für vieles, was ich in meiner Erziehung falsch gemacht habe.
Aber jetzt bei meinem Enkel denke ich natürlich: Haha, jetzt 20 Jahre weiter. Ich möchte, dass mein Enkel einen reifen geistlichen alten Mann erlebt, na ja, alt bin ich noch nicht, aber einen älteren Mann, wo er schon etwas von Jesus spüren kann. Und mein Urenkel erst. Also, der braucht dann noch 20 Jahre, aber der soll eigentlich zu Opa gehen und sagen: Wenn ich bei Opa ins Arbeitszimmer gehe, das ist wie wenn ich bei Jesus reingehe.
Da möchte ich hin. Jesus sein, beziehungsweise da möchte ich eigentlich nicht hin, weil das ein ziemlich komplexer Prozess ist, auch nicht ganz schmerzfrei, hat etwas mit Selbstverleugnung zu tun, erster Vortrag. Aber da ist das, wo Gott mich hinhaben möchte. Also Nachfolge heißt: Ein anderer geht einen Weg, nämlich Jesus, und ich laufe ihm hinterher.
So, jetzt die Frage: Was ist nützlich, was ist Ballast? Tja, wisst ihr was, die Antwort gebe ich euch am Ende des Vortrags, aber eigentlich kann man sie gar nicht geben. Ich weiß nicht, was für dich nützlich und was Ballast ist. Solange du die Frage beantwortest mit der Frage, was erlaubt und verboten ist, kann ich dir weiterhelfen. Aber wenn es um die Frage geht, wo stehst du eigentlich in dem Prozess, Jesus ähnlicher zu werden, also nicht nur deine Sünden zu managen.
Ich hoffe, dass das im Leben von vielen von uns erledigt ist, also nicht vollständig, keine Frage, aber dass wir sagen: Wir wissen, was erlaubt ist, wir wissen, was verboten ist, und das machen wir im Allgemeinen auch nicht, weil das die Grundlage von allem ist. Solange du an der Stelle noch mit Gott am Verhandeln bist, hast du noch gar nicht angefangen, so zu werden wie Jesus, sondern dass wir darüber hinauswachsen und uns die Frage stellen: Wie kann im Jahre 2018, an welchen Stellen soll Jesus mehr sichtbar, wo kann ich ihm mehr Raum geben in meinem Leben, wo bin ich noch gar nicht wie er?
Ja, ich hoffe, dass jeder von euch das weiß, wo er nicht ist wie Jesus. Das müssen wir wissen, damit wir wissen, woran wir müssen. Aber was steht im Zentrum von Nachfolge?
Ich habe ein Buch angefangen zu lesen. Wenn jemand gut Deutsch kann, vielleicht könnte er dem Verlag das Buch noch mal lektorieren. Es ist gruselig lektoriert. Aber damit kann man leben. Eine neue Übersetzung wäre auch nicht schlecht, man spürt, dass es aus dem Englischen kommt. Vielleicht kann da irgendwann mal irgendjemand ran. Nichtsdestotrotz, es ist ein witziges Buch. Es heißt: Von Jesus reden – die Kunst des Nicht-Evangelisierens. Von Jesus reden.
Und ich habe euch das Buch mitgebracht, weil es mir einfach manchmal aus dem Herzen spricht. Vielleicht geht es euch auch so: Du hast eine eigene geistliche Entwicklung, und dann liest du ein Buch und sagst: Amen, schön, jetzt hat jemand aus dem Gedanken, den ich auch schon hatte, mal ein Buch gemacht. Manchmal finde ich es auch lustig, dass man ganze Bücher aus solchen Gedanken macht, aber es ist gut.
Von Jesus reden – die Kunst des Nicht-Evangelisierens. Der Autor Karl Medearis beschreibt, wie man jemand wird, der Jesus kennt. Ich möchte euch die drei Schritte nicht vorenthalten. Wenn im Kern des Christseins nicht das Vermeiden von Sünden und auch nicht das Gutes tun steckt, sondern die Jesusnachfolge, letztlich der Gedanke, dass Jesus in uns Gestalt gewinnt, dann müssen wir drei Dinge in unserem Leben irgendwie reinkriegen.
Erstens: Wir lernen Jesus kennen, wenn wir viel über ihn lesen. Wir müssen ja Jesus kennenlernen, um ihm nachzufolgen. Wir lernen Jesus kennen, wenn wir viel über ihn lesen. Das heißt, wenn du sagst: Ich will Jesus nachfolgen, musst du dich beschäftigen mit den Evangelien. Und ich habe bei mir selber festgestellt: Man beschäftigt sich viel mit den Briefen und wenig mit den Evangelien. Also ich zumindest tue das und habe das getan, jetzt mache ich es nicht mehr.
Dabei sind die Briefe doch eigentlich nur so etwas wie eine Illustration, so etwas wie eine Ausführungsvorschrift der Evangelien. Also in den Evangelien redet der König, und in den Briefen seine Angestellten. Mir ist das vor allem aufgefallen, als wir Outdoor-Bibelschule gemacht haben über das Matthäusevangelium. Wir haben fünf Jahre lang Vers für Vers das Matthäusevangelium studiert, und ich habe mich wie ein kleiner Junge jedes Jahr neu auf die Sommerzeit gefreut, auf diese intensive Vers-für-Vers-Beschäftigung mit den Worten Jesu. Es war unglaublich gewinnbringend, und ich habe mir die Frage gestellt: Warum hast du das nicht früher gemacht? Warum hast du das nicht früher gemacht?
Also, wenn wir Jesus nachfolgen wollen, müssen wir ihn kennen. Und Jesus kennen fängt damit an, dass wir uns mit ihm beschäftigen. Wir müssen uns anhören, was er sagt, wie er gelebt hat, und dazu müssen wir uns mit den Evangelien beschäftigen. Neunundachtzig Kapitel Spaß mit Jesus.
Zweiter Punkt: Jesus spricht davon, dass wir sein Fleisch essen und sein Blut trinken müssen. Zugegebenermaßen ein Bild für an ihn glauben, das ist aus Johannes 6,53-56, und es ist zuerst einmal ein Bild für Glauben. Es geht ja nicht ums Abendmahl, sondern um Glauben. Aber das Bild, das Jesus gebraucht, ihn essen und trinken, ist nicht willkürlich. Er ist auch nicht nur gewählt, um die Zuhörer mal zu schockieren. Das hat geklappt, zugegebenermaßen. Sondern es ist gewählt, um eines deutlich zu machen: Was ich esse und trinke, das wird ein Teil von mir, das ist untrennbar mit mir verbunden.
Schon jetzt ist ein Teil der Fleischwämmel von heute Morgen nicht mehr in meinem Magen, sondern schon weg, schon an anderer Stelle irgendwo in mir. Wahrscheinlich sind das nur die Einfachzucker, die dann durch die Mundschleimhäute so aufgenommen sind, aber das ist schon weg. Das, was ich esse und trinke, wird ein Teil von mir. Untrennbar mit mir verbunden.
Jesus will gegessen und getrunken werden. Er möchte in mir leben, und zwar nicht als Idee, sondern als Person. Wir sind nicht Träger einer Jesus-Ideologie. Als Lenin zurückkam, das haben wir jetzt ja gefeiert, so russische Revolution, hundert Jahre, da ist er zurückgefahren nach Russland und hat eine Ideologie mitgebracht, den Kommunismus. Aber das ist nicht das, was wir haben. Wir sind nicht Träger einer Ideologie. Das wären die Regeln, zu sagen: Ich habe hier meine Glaubensgrundsätze. Es ist schön, wenn du sie hast, und ich hoffe, sie sind halbwegs biblisch. Aber die Tatsache, dass du Glaubensgrundsätze hast oder deine Gemeinde Glaubensgrundsätze hat oder dein Gemeindebund Glaubensgrundsätze hat, sagt überhaupt nichts über dich und deine Beziehung zu Jesus.
Und dann schreibt er hier etwas. Das möchte ich euch zitieren. Als er das schrieb, dachte ich: Ja, das mache ich auch. Das ist genau das, das kenne ich aus meinem Leben so gut. Und weil er es geschrieben hat und weil ich es erlebt habe, dachte ich mir, es wäre vielleicht an einem Impulstag gut, es euch als Impuls mitzugeben.
Zitat: Oft, manchmal, mehrere Male am Tag frage ich mich: Wenn Jesus gerade mein Leben leben würde und das täte, was ich gerade tue, würde ihm gefallen, was ich tue, oder täte er etwas anderes? Aufgrund dessen, was Jesus getan hat – Klammer auf, dafür ist es notwendig, ihn zu kennen – Klammer zu – was würde er durch mich jetzt tun, da er ja in mir lebt?
Also, er fragt sich: Oft, manchmal, mehrere Male am Tag frage ich mich, wenn Jesus gerade mein Leben leben würde und das täte, was ich gerade tue, würde ihm gefallen, was ich tue, oder täte er etwas anderes? Aufgrund dessen, was Jesus getan hat – Klammer auf, dafür ist es nötig, ihn zu kennen – was würde er durch mich jetzt tun, da er ja in mir lebt?
Amen, Bruder, genau so ist es. Das denke ich auch immer. Es gab früher dieses WWJD, wer sich da noch daran erinnert: What would Jesus do? Das ist in Kleinen die Idee, aber ich finde, er hat es besser auf den Punkt gebracht. Wenn wir Jesus nachfolgen wollen, dann ist die zentrale Frage unseres Lebens nicht, was erlaubt und verboten ist, sondern jetzt in diesem Moment: Was würde denn Jesus tun, wenn ich wirklich nicht mehr als ich hier lebe?
Sondern wenn es wahr wäre, dass Jesus durch mich hindurch sein Leben lebt, wenn ich tatsächlich Baustein in einem Tempel bin, der an anderer Stelle Leib Christi genannt wird, wenn das wahr wäre, wenn wir das glauben würden, wenn Christentum mehr als Regeln wäre, wenn es Leben wäre, stellt euch das mal kurz vor: Was würden wir dann anders? Wie würde ich hier sitzen, wenn eigentlich du gar nicht da sitzt? Hast du dir das mal überlegt? Du sitzt da gar nicht?
„Doch, nee, du sitzt da nicht. Also ich hoffe nicht, dass du da sitzt. Doch, ich sitze da. Nee, Jesus sitzt da in dir.“ Und das habe ich vorhin gesagt. Ihr seid eine symbiotische Beziehung. In diesem Leben, was du lebst, ist Jesus viel wichtiger als du. Du musst dich verleugnen. Und Jesus muss wachsen. Hatten wir alles schon im ersten Vortrag, gemerkt, kommt alles wieder.
Es geht nicht um dich. Solange du noch denkst: Ich sitze hier, bist du immer noch reingefallen auf dieses Selbstwertgefühl, Selbstachtung, Selbstdarstellungsding. Du sitzt nicht da! Du bist unwichtig, du interessierst mich nicht. Klar musst du nachher meinen Gehalt zahlen und so, aber versuch mal den Gedanken zu denken, dass wenn du da sitzt, eigentlich nicht du da sitzt, sondern Jesus sagt: Ich möchte da sitzen, und ich möchte, was du jetzt empfindest, worüber du nachdenkst, wie du mitgehst, was du mitbringst, eigentlich möchte ich durch dich hindurch all mein Christuswesen, meine Christusliebe, meine Christusheiligung, meine Christusideale in diese Gemeinschaft hineinbringen.
Und versteht ihr, wie das viel mehr ist, als nur zu sagen: Das darf ich nicht, und das muss ich tun. Das ist viel mehr, als zu leben als einer, durch den Jesus sein Leben lebt.
Darf ich dich fragen, wie du eben zum Kaffeetrinken gegangen bist? Bist du runtergegangen, diese drei Stufen, und hast gedacht: So, jetzt betritt Jesus diesen Raum durch mich. Was würde Jesus jetzt in diesem Moment wollen, dass ich tue? Was würde, wenn Jesus diesen Raum betreten würde, wie würde er die Menschen sehen, die da stehen?
Das ist ein Gedanke, wisst ihr, das ist so viel mehr, als nur zu sagen: Ich lerne Bibelverse auswendig. Ich bin dafür, weil wenn du die Bibelverse nicht auswendig kennst, wenn du Punkt eins die Bibel nicht studierst, dann hast du keinen blassen Schimmer, wer Jesus ist, und machst so einen historisch-kritischen, ich strick mir meinen eigenen Jesus-Blödsinn. Das will ich nicht. Ich will den Jesus, den es wirklich gibt, der Lamm und Löwe ist, der dich jeden Tag überfordert, der dich an deine Grenzen bringt, weil er sagt: Verleugne dich selbst, stirb doch ein bisschen. Nimm dein Kreuz auf dich, folge mir nach, lass mich mein Leben durch dich hindurch leben, lass mich Gott bringen zu den Menschen, weil ich zu ihnen gehe, nicht du.
„Och, ich habe Angst, mit dem zu reden.“ Hab so viel Angst, wie du willst, das interessiert mich nicht. Ich gehe zu ihnen, das bist gar nicht du. Das ist schön, ich finde das so befreiend. Einfach mal so ein Stück zurückzutreten und zu sagen: Herr Jesus, hier bin ich. Herr Jesus, was möchtest du, dass ich jetzt hier tun soll? Wie willst du dein Leben durch mich hindurch leben?
Punkt zwei, Punkt drei, und jetzt kommen wir genau zu dem, was ich eben schon angerissen habe: Wir kennen Jesus, indem wir üben, das zu tun, was er getan hat. Also Punkt zwei, zu verstehen, er will sich durch uns ausdrücken, und drittens: Wenn wir dann intensiv uns mit den Evangelien vertraut gemacht haben, wenn wir Jesu Gedanken, Verhaltensweisen, wenn wir wirklich seinen Charakter verstanden haben, dann dürfen wir überlegen: Okay, wenn Jesus in so einer Situation war, hat er sich so verhalten, wie kann ich in ähnlichen Situationen nicht ähnlich verhalten?
Ich weiß, wir leben zweitausend Jahre später, in einer Zeit, die von Internet, Fernreisen, Begriffen wie Langeweile oder Selbstverwirklichung geprägt ist. Und trotzdem glaube ich, dass es Berührungspunkte gibt zwischen dem, was wir von Jesus lesen und wie er gelebt hat, und unserem Leben. Und vielleicht öfter, als uns das auf den ersten Blick klar ist, treffen wir in unserem Leben auf Situationen, wo wir Jesus imitieren könnten, wo wir einfach genau das tun können, was er getan hat.
Ich mache euch mal ein simples Beispiel, und vielleicht schmunzelt ihr und denkt, das kannst du nicht ernst meinen, aber ich meine das ernst. Ich habe vor kurzem eine Reihe angefangen, die heißt: Jesus und ... wo ich nur solche Dinge bringe wie: Wie hat Jesus eigentlich gelebt? Ich meine, wenn wir Jesus nachfolgen wollen, müssen wir uns beschäftigen, wie er gelebt hat. Und ich habe eine erste Predigt gemacht, die war so ein bisschen zum Ausprobieren, ob die Geschwister überhaupt mitgehen bei der Reihe. Die hieß: Jesus und das Handauflegen.
Und ich habe deutlich gemacht, eine Predigt lang, dass Jesus einer ist, der kleinen Kindern und Kranken die Hände auflegt, um sie zu segnen beziehungsweise zu heilen. Und ja, ich weiß, dass es keine Verheißung gibt, dass jeder gesund wird, dem wir die Hände auflegen. Aber trotzdem die Frage: Wenn es für Jesus so wichtig war, Menschen zu berühren, und er konnte auch auf die Ferne heilen, das musste er nicht tun.
Aber stellt euch das vor: Wenn es Jesus wichtig war, Menschen zu berühren, was hält uns eigentlich davon ab, Menschen zu berühren und für sie zu beten? Einfach nur, weil Jesus es getan hat. Stellt euch das mal vor, man würde das lesen, und nächsten Sonntag würden die Ältesten zu den kleinen Kindern hingehen und zu den Müttern mit den kleinen Kindern würden sagen: Darf ich dein Kind segnen?
Puh, stell dir das mal vor. Warum willst du mein Kind segnen? Ich habe gesehen, dass Jesus das gemacht hat, und ich finde, geistliche Leitung zeigt sich darin, dass man Menschen segnet, dass man ihnen etwas Gutes zuspricht. Darf ich dein Kind segnen? Aber es gibt doch kein Gebot, dass die Ältesten die Kinder segnen müssen. Stimmt, aber ich habe einen Herrn, der Kinder gesegnet hat, und ich habe irgendwie den Eindruck, Menschen zu berühren und für sie zu beten, ist einfach dran.
Ich habe diese Predigt gehalten, und die Woche darauf haben ein paar Leute Zeugnis gegeben, weil sie sich vorgenommen haben, für Menschen zu beten, und eine ältere Schwester sagt: Ich habe für niemanden gebetet mit Handauflegung, aber es sind ein paar Geschwister zu mir gekommen, und sie haben mit mir gebetet. Und das war so gut, es war so gut.
Versteht ihr? Es steht nicht da: Du musst das tun. Es gibt das Gebot nicht, aber Jesus lebt es uns vor. Und vielleicht sagst du: Blödes Beispiel, will ich nicht, kann ich nicht. Aber vielleicht denkst du auch: Ah, ich habe verstanden, was du mir sagen möchtest. Wir dürfen, vielleicht sogar wir müssen Jesus imitieren. Wir müssen in diese Richtung weiterdenken. Wir müssen wegkommen von dieser Frage: Wo sind die Gebote, ja bloß nicht übertreten? Ja, weg von zu: Wo ist das Leben Jesu, das ich in mir offenbaren will?
Mir ist völlig egal, wie viel du sündigst. Was mich interessieren würde, wäre: Hat sich im Jahre 2017 – und das Jahr ist fast rum – hat sich Jesus in dir mehr gezeigt? Also wenn dich jemand letztes Jahr kennengelernt hätte und er würde dich dieses Jahr kennenlernen, ist da etwas gewachsen von Jesus in dir? Und ich wette, nicht ein Viertel von euch hat sich diese Frage je gestellt.
Weil wir so fixiert darauf sind, richtig zu leben, keine Fehler zu machen, gut dazustehen vor anderen, dass diese Frage: Ist Jesus eigentlich in mir gewachsen? Weiß ich eigentlich, habe ich Jesus überhaupt mal die Frage gestellt: Herr, wo möchtest du eigentlich in mir wachsen? Was ist eigentlich so der Punkt, der dran ist?
Das ist eine ganz böse Frage. Ihr möchtet euch ernst warnen vor dieser Frage, ernst warnen vor dieser Frage. Stellt dir vor, Jesus macht dir klar, dass es da Bereiche in deinem Leben gibt, wo er sagt: Da war ich nie dabei, das habe ich nie unterstützt, das war nie meine Idee, das warst du, und du hast mich nie gefragt, ob das okay ist. Stell dir das mal vor, und du stellst plötzlich im Gebet fest, dass der Geist Gottes dich anstupst, und du stellst fest, dass du Dinge ändern musst.
Einfach weil Jesus sagt: Das bin ich nicht, das mache ich nicht, was du da machst, damit habe ich nichts zu tun, das ist nur du. Das entspricht nicht meinen Werten, das entspricht nicht meinen Prioritäten, das muss noch nicht mal Sünde sein, aber das bin ich nicht. Stell dir das mal vor, ganz gefährlich.
Ich möchte euch warnen vor dieser Predigt, es ist viel leichter, nur Gebote auswendig zu lernen und Gebote zu halten, viel leichter, sich auf Jesus einzulassen, schwieriger Punkt.

Die eigentliche Antwort auf die Frage nach dem Nützlichen

Kommen wir zurück zur Eingangsfrage, die müssen wir ja noch beantworten: Also, wie führe ich ein nützliches Leben? Woher weiß ich, was Ballast ist und was nützlich ist?
Vielleicht habt ihr am Anfang erwartet, dass ich euch ein oder zwei Regeln gebe, an denen ihr dann in jeder Situation genau wisst, wenn ihr sie anwendet, was ihr tun sollt, so eine Art goldene Regel für jede Lebenssituation. Tut mir leid, habe ich nicht. Und sie würde euch nicht weiterhelfen, denn eine solche Regel würde vielleicht sicherstellen, dass wir uns korrekt verhalten, aber sie würde noch nicht sicherstellen, dass wir uns wie Jesus verhalten.
Die beiden Stellen aus dem Korintherbrief sind wie Leitplanken. Sündige Zwänge und Egoismus sind definitiv nicht nützlich. Aber wir dürfen, wenn es um ein Leben mit Jesus geht, nicht dabei stehenbleiben, nur die Grenzen zu beschreiben. Was uns definitiv schadet beziehungsweise völlig von der Nachfolge abschneidet, reicht noch nicht aus.
Wir müssen zum Zentrum vordringen, und das Zentrum in unserem Glauben ist kein Regelwerk, sondern eine Person. Das Zentrum unseres Glaubens ist keine Summe von Geboten, die wir auswendig lernen und einhalten sollen, sondern ein Mensch, der uns in die Nachfolge ruft, der uns herausfordert, ihn kennenzulernen, von ihm zu lernen und ihn zu imitieren, bis er selbst Stück für Stück durch das Wirken des Heiligen Geistes in uns Gestalt gewinnt.
Lass mich deshalb das Thema mit drei Gedanken abschließen. Es geht ja um Impulse.
Gedanke Nummer eins: Es gibt sieben Wunder im Johannesevangelium und sieben Ich-bin-Worte. Es ist wahrscheinlich kein Zufall. Ich glaube jedenfalls, dass man da Pärchen bilden kann. Je ein Wunder gehört zu einem Ich-bin-Wort. Und deswegen glaube ich, dass, wenn Jesus sagt: Ich bin der wahre Weinstock, dann gehört das zu dem Wunder in Kana, wo aus Wasser Wein wird.
Das ist nämlich, vereinfacht gesagt, die Aufgabe eines Weinstocks. Ein Weinstock macht aus Wasser Wein. Du schüttest Regenwasser drauf, und am Ende kommen Weintrauben und Wein raus. Der Gedanke ist jetzt der: Ich glaube, dass Jesus in deinem Leben Weinstock sein möchte. Ich glaube, dass er mit seinem Leben durch dich hindurchfließen möchte. Ich glaube, dass sein Leben durch uns hindurchfließen muss, damit wir Frucht bringen, die ihm entspricht.
Auf der Hochzeit von Kana wird Mangel in Überfluss verwandelt. Und in unserem Leben darf genau dasselbe passieren. Das, was wir mitbringen, ist vielleicht Wasser, und das, was Jesus daraus machen möchte, ist Wein. Was wir mitbringen, übertragen wir die Bilder, man braucht ein bisschen Jesaja dazu, aber es ist nicht superkompliziert: Ungerechtigkeit. Und was Jesus daraus macht, ist Gerechtigkeit. Was wir mitbringen, ist Tod. Was Jesus daraus macht, ist Leben.
Aber dazu muss eines passieren: Wir müssen eng an Jesus dranbleiben, wir müssen in ihm bleiben, er muss in uns bleiben, wie Rebe an Weinstock.
Zweiter Gedanke: Wenn Jesus davon spricht, dass wir in ihm bleiben sollen, dann spricht er auch davon, dass wir in seiner Liebe bleiben sollen. Wir bleiben dann in seiner Liebe, wenn wir seine Gebote halten. Schön, jetzt atmen hoffentlich einige noch mal auf. Ich lese euch das noch mal vor: Wenn ihr meine Gebote haltet, Johannes 15,10, wenn ihr meine Gebote haltet, so werdet ihr in meiner Liebe bleiben, wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.
Wir sollen die Gebote halten. Aber du kannst nicht als Christ leben, ohne die Gebote zu halten. Aber Jesus bleibt dabei nicht stehen. Er sagt nicht nur: Wenn ihr meine Gebote haltet, so werdet ihr in meiner Liebe bleiben, wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.
In Johannes 14,21 sehen wir, wo das hinführen soll: Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt. Wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden, richtig, und ich werde ihn lieben und, genau, also ich muss noch mal wegen der Aufnahme, nee, genau richtig, genau richtig, ja, also eine Frau zu haben, die Bibelverse auswendig kann, das Höchste im Leben, also nach Jesus.
Nochmal Johannes 14,21: Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt. Alle denken: Jo, ja, Gebote sind halt die Liebessprache Jesu, klar. Wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden, verstehen wir auch noch. Und ich werde ihn lieben, schön. Aber jetzt kommt das Entscheidende: und mich selbst ihm offenbaren.
Merkt ihr was? Jesus sagt, wir lieben ihn, wenn wir seine Gebote halten. Aber irgendwie geht es um mehr im geistlichen Leben als nur darum, Gebote zu halten. Das ist der Startpunkt. Es ist die Voraussetzung dafür, dass etwas anderes passieren kann, was viel wichtiger ist, nämlich dass Jesus sich mir offenbart, dass Jesus mich in eine tiefe, lebendige, lebensverändernde, mein Leben durchdringende Beziehung zu sich selbst führt. Das ist die Idee.
Könnte es sein, dass geistliches Leben mit dem Halten von Geboten startet, aber ganz tiefe Christus-Erkenntnis zum Ziel hat? Wir könnten hier mit 2. Petrus 1,8 und anderen Versen weitermachen, die Erkenntnis Christi, dadurch, dass ich sein Leben lebe, weil eine Person ist, dass alles Fragen nach dem „Was ist erlaubt, was ist verboten?“ eigentlich nur eines offenbart, nämlich: Wir kennen den Herrn nicht wirklich.
Solange du noch fragst, was ist erlaubt und was ist verboten, muss ich dir attestieren: Du bist noch nicht da angekommen, dass der Herr sich offenbart. Du bist noch am Anfang. Die Gebote sind der Startpunkt. Versteht ihr? Das dürfen junge Leute machen, die die Frage stellen, was ist erlaubt, was ist verboten. Ja, logisch, die kennen ihre Bibel noch nicht. Ihr dürft es tausendmal fragen bei jeder Q-and-A-Session auf jeder Hotelbibelschule. Kein Problem.
Aber wir Alten, wir Grauhaarigen und Omas und Opas, wir müssen weiter sein. Wir müssen verstanden haben, dass hinter dem Halten der Gebote, dass Gott uns da auf eine ganz andere Weise begegnet, dass er sich uns offenbaren will, dass da noch eine andere Ebene von Beziehung kommt. Und das gilt für jede Beziehung. Ihr könnt das durchspielen, auch für Freundschaften und Ehepaare usw. Da gibt es immer so ein: Klar muss ich mich richtig verhalten, ja, aber dahinter gibt es eine Ebene, die entsteht, wenn ich mich richtig verhalte. Und da will Jesus uns eigentlich hinbringen.
Das ist Christentum. Davor sind wir nicht besser als alle anderen Religionen.

Christus in mir als Lebensform

Dritter und letzter Gedanke. Und den habe ich vorhin schon angerissen und will ihn noch einmal fragen, weil er so gut ist: Wer ist eigentlich hier, wenn du hier bist? Sitzt du hier als du selbst, oder sitzt du hier mit der Idee im Kopf, dass nicht du hier sitzt, sondern Jesus in dir? Verstehst du den Unterschied?
Ich kann so tun, als würde ich mein Leben leben. Und in gewisser Weise ist das auch wahr. Ich muss mein Leben leben, ich muss aufstehen, ja? Ich muss mir einen Wecker stellen und aufstehen. Ich muss mich entscheiden, dass ich zum Beten am Morgen in den Wald gehe, auch wenn mir kalt ist. Ich muss meine Zähne putzen, meine Kinder zur Schule bringen, ich muss frühstücken, Post aus dem Briefkasten holen usw. Ich mache das.
Und trotzdem heißt es doch in Galater 2, dass Christus in mir lebt und nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir. Also wie lebt man ein: nicht mehr ich lebe und ich lebe gleichzeitig? Das ist die Frage des Christseins. Wie lebt man das? Nicht mehr ich lebe, und trotzdem muss ich irgendwie leben. Wie geht das?
Persönlich denke ich, es geht nur, indem wir uns in jedem Moment unseres Lebens klar machen, dass wir mit Christus am Kreuz gestorben sind, dass es uns nicht mehr gibt, dass wir mit dem Moment der Bekehrung aufgehört haben zu existieren, dass Jesus ... Ich habe jetzt mal ein Bild gebracht, das ist ein bisschen was für die Pirates-of-the-Caribbean-Fans, ja, dass Jesus unser Leben gekapert hat und jetzt sein Leben ... Ja, wie so ein Pirat hat er unser Leben geschnappt, und jetzt möchte ich durch dein Leben hindurch mein Leben leben.
Und dieses Jesusleben in mir fängt damit an, dass ich alles Mögliche daran setze, Jesus so gut wie möglich kennenzulernen. Also Bibel lesen, Bibelverse auswendig lernen, gute Predigten hören, viel beten, mit ihm alleine sein. Das ist die zwingende Voraussetzung. Aber dass ich dabei nicht stehen bleibe, dass mir, um den biblischen Begriff zu nennen, Erkenntnis oder Wissen nicht alles ist, nicht zum Ziel wird. Dass ich lerne, um gehorsam zu sein, um Jesus zu imitieren, weil ich will, dass er sich mir offenbart und ich immer besser verstehe, wer er ist. Dass ich als Jürgen, ja, ich als Jürgen, immer mehr zur Seite trete und mir in jedem Moment die Frage stelle: Was hätte Jesus jetzt getan? Wie hätte er sich verhalten? Wo hätte er jetzt einen Wert darauf gelegt? Wie kann ich diesem Jesusgeist in mir, wie kann ich dem Raum geben? Wo kann mein Jürgen-Ich zurücktreten?
Und indem ich diesen Gedanken betend nachhänge, beantwortet sich für mich auch in dem Maß die eingangs gestellte Frage nach einem nützlichen Leben. Alles, was Jesus entspricht, ist nützlich, und alles, was seiner Art zu leben nicht entspricht, ist Ballast. Alles das, was Jesus durch mich tun würde, ist nützlich. Und alles, was er durch mich hindurch nicht tun würde, ist Ballast. Alles, was Jesus in meinem Leben sichtbar macht, ist nützlich, und alles, was ihn verdunkelt, ist Ballast.
Und ich hoffe, dass ihr den Unterschied versteht, den Unterschied zwischen Grenzen kennen und Christsein darüber zu definieren, dass ich die Grenzen nicht überschreite und denke, ich bin doch ein guter Christ, weil ich so wenig Gebote übertrete und vielleicht so wenig Sünden bekennen muss. Und auf der anderen Seite darüber nachzudenken, ob Gott, Fleisch geworden durch seinen Geist in mir, sich selbst offenbart.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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