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Einführung in das Buch Nehemia, Teil 1/2

Nehemia 1,1-13,3101.01.2003
SerieTeil 1 / 2Einführung in das Buch Nehemia
Nehemia wartet nicht auf bessere Zeiten: Er betet, bittet den König und packt den Wiederaufbau an. Die Frage bleibt: Was wäre, wenn dein Herz für das Richtige brennt?
Heute Nachmittag kommen wir zum Buch Nehemiah. Ich lese aus Kapitel 2, ab Vers 1.

Der erste Blick auf Nehemias Auftrag

Und es geschah im Monat Nisan, im zwanzigsten Jahr des Königs Artasasta, als Wein vor ihm war, da nahm ich den Wein und gab ihn dem König. Ich war aber nie traurig vor ihm gewesen.
Da sprach der König zu mir: Warum ist dein Angesicht traurig? Du bist doch nicht krank; das ist nichts anderes als Traurigkeit des Herzens.
Da fürchtete ich mich sehr und sprach zu dem König: Der König lebe ewiglich! Warum sollte mein Angesicht nicht traurig sein, da die Stadt, die Begräbnisstätte meiner Väter, wüst liegt und ihre Tore vom Feuer verzehrt sind?
Und der König sprach zu mir: Um was bittest du denn?
Da betete ich zu dem Gott des Himmels. Und ich sprach zu dem König: Wenn es dem König gutdünkt und wenn dein Knecht wohlgefällig vor dir ist, so bitte ich, dass du mich nach Juda sendest, zu der Stadt der Begräbnisse meiner Väter, damit ich sie wieder aufbaue.
Da sprach der König zu mir, und die Königin saß neben ihm: Wie lange wird deine Reise währen, und wann wirst du zurückkehren? Und es gefiel dem König, mich zu senden, und ich bestimmte ihm eine Zeit.
Und ich sprach zu dem König: Wenn es dem König gutdünkt, so gebe man mir Briefe an die Landpfleger jenseits des Stroms, dass sie mich durchziehen lassen, bis ich nach Juda komme, und einen Brief an Asaph, den Hüter des königlichen Forstes, dass er mir Holz gäbe, um die Tore der Burg zu machen, welche zum Haus gehört, und für die Mauer der Stadt und für das Haus, in welches ich ziehen werde.
Und der König gab es mir, weil die gute Hand meines Gottes über mir war.
In der Folge kommt dann Jeremia nach seiner langen Reise aus dem Iran nach Israel. Da kommt er nach Jerusalem, macht eine Inspektion der Situation, und ich lese ab Vers siebzehn weiter:
Und ich sprach zu ihnen: Ihr seht das Unglück, in welchem wir sind, dass Jerusalem wüst liegt und seine Tore mit Feuer verbrannt sind. Kommt und lasst uns die Mauer Jerusalems wieder aufbauen, damit wir nicht länger zum Hohn seien.
Ich tat ihnen kund, dass die Hand meines Gottes gütig über mir gewesen war, und auch die Worte des Königs, die er zu mir geredet hatte. Da sprachen sie: Wir wollen uns aufmachen und bauen! Und sie stärkten ihre Hände zum Guten.
Bis dahin.

Die geschichtliche Einordnung des Buches

Die Botschaft des Buches Nehemiah kann man so umschreiben: Die ungeteilte Hingabe eines Mannes, eines Mannes Gottes wie Nehemiah, führt zum Wiederaufbau der Mauern Jerusalems und zur Erneuerung des Volkes Gottes. Das Buch macht also Mut dazu, dass ein einzelner Gläubiger durch seine Hingabe bei anderen vieles auslösen kann, was zum Aufbau und zur Stärkung des Volkes Gottes dient.
Wir müssen das Buch Nehemiah in die Zeitgeschichte einfügen. Es folgt ja direkt auf das Buch Ezra, also wiederholt sich einiges. Zunächst die babylonische Gefangenschaft der Juden. Sie war möglich geworden, nachdem die Babylonier das Vorgängerweltreich in die Knie gezwungen hatten. Um 608 fand der endgültige Untergang des assyrischen Weltreiches statt, damit begann die babylonische Weltherrschaft. Sie dauerte von 608 bis 538, also genau siebzig Jahre, wie Jeremia vorausgesagt hatte. Jeremia 25,11 und 29,10.
In diese Zeit hinein fiel die babylonische Gefangenschaft der Juden. 605 war die erste Wegführung ins Exil, Daniel 1. 597 die zweite, Ezekiel 1. 586 die dritte. Das war der Untergang Jerusalems und des ersten Tempels, 2. Chronika 36. Es gab noch eine nachträgliche vierte Wegführung 582, die in der Bibel nur in Jeremia 52 erwähnt wird.
Jeremia hatte ganz klar gesagt, die Zeit Babels sollte siebzig Jahre dauern. Jeremia 29,10: Denn so spricht der Herr: Sobald siebzig Jahre für Babel voll sind, werde ich mich euer annehmen und mein gutes Wort an euch erfüllen, euch an diesen Ort zurückzubringen. Denn ich weiß ja die Gedanken, die ich über euch denke, spricht der Herr, Gedanken des Friedens und nicht zum Unglück, um euch Zukunft und Hoffnung zu geben. Ihr werdet mich anrufen und hingehen und zu mir beten, und ich werde auf euch hören. Ihr werdet mich suchen und finden, denn ihr werdet nach mir fragen mit eurem ganzen Herzen. Und ich werde mich von euch finden lassen, spricht der Herr. Und ich werde eure Gefangenschaft wenden und euch sammeln aus allen Nationen usw.
Genau so ist es gekommen. Wir können das historisch so exakt nachvollziehen: Im Herbst 538 v. Chr. wurde Babylonien durch die Perser erobert, und damit war die Gefangenschaft vorbei. Darum der nächste Punkt auf dem Blatt: 538 gibt König Chores, Cyrus, den Juden die Erlaubnis, in ihre Heimat zurückzukehren. Allerdings war das Land der Juden von da an Teil einer persischen Provinz.
Im Herbst 537 wurde dann der Altar auf dem Tempelberg aufgerichtet, Esra 3,3. Der Grundstein des Zweiten Tempels wurde gelegt, Esra 3,8 und 10. Es kam aber im Jahr 522, Esra 4,23, zu einem Baustopp. Das haben wir das letzte Mal in Verbindung mit dem Buch Ezra gesehen. 520 setzt dann die Prophetentätigkeit von Haggai und Zacharia ein. Sie machen dem Volk Mut, trotz des Baustopps wieder am Tempel zu bauen. Nachträglich bekommen sie von Persien auch die offizielle Genehmigung dafür, Esra 6, sodass dann 516 der Tempel wirklich vollendet wurde, Esra 6,14-15.
Dann kommt ja ein zeitlicher Unterbruch im Buch Ezra. Jahrzehnte liegen zwischen Kapitel 6 und 7. Es ist die Zeit des Buches Esther. Nach diesem Unterbruch kehrt 457 v. Chr. der Priester Ezra aus der Zerstreuung, aus dem Exil, zurück, Esra 7, und er beginnt, die Bibel zu lehren, die Tora in Israel zu lehren. Das war also Ezra 7 und folgende.
Jetzt kommen wir zum Buch Nehemiah. Um 445 haben wir die Rückkehr Nehemias und den Bau der Stadtmauern von Jerusalem, das ist Nehemiah 2 und folgende. Die Datierung ist hier genau angegeben: Nehemiah 2,1. Im Monat Nisan, im zwanzigsten Jahr des Königs Artaxerxes. Das zwanzigste Jahr entspricht in unserem Kalender 445 v. Chr. Nisan, der jüdische Monat, fällt auf Mitte März bis Mitte April, also März/April 445 v. Chr.
Esra kehrt zurück, und wir sehen: Jerusalem wurde als Stadt nicht wieder aufgebaut. Der Tempel stand zwar wieder, aber die Stadt noch nicht, und das wird nun im Buch Nehemiah gezeigt. Das Buch Ezra zeigt also den Wiederaufbau des Tempels und das Buch Nehemiah den Wiederaufbau der Stadt Jerusalem. Dadurch konnte der Tempel geschützt werden vor Feinden, auch vor heidnischer Verunreinigung. Die Mauern Jerusalems sind die Garantie, dass die Heiligkeit des Tempels erhalten werden kann.
Von 445 bis 432 dauert Nehemias erster Aufenthalt in Jerusalem. Das wird so angegeben in Nehemiah 5,14; 13,6 kann man das so berechnen. Noch vor dem Jahr 423 v. Chr. kehrt Nehemiah nochmals nach Jerusalem zurück, Nehemiah 13,6-7. Vor 423, denn er kam immer noch zur Zeit des Königs Artaxerxes, aber der regierte bis 423. Darum muss er also noch vor diesem Endpunkt gewesen sein.
Um 400 v. Chr. ungefähr war Maleachi der letzte Schriftprophet des Alten Testaments tätig. Er rief nochmals zur Umkehr auf und kündigte zum Schluss noch einmal das Kommen des Messias und seines Vorläufers an, Kapitel 3,1 und die letzten Verse des Buchs.
Ich habe im Folgenden noch eine vollständige Chronologie gegeben über die persischen Könige, die in den Büchern Ezra und Nehemiah vorkommen. Der erste war Chores, Kyrus, 560 bis 529. Dann folgte Ahasveros, der auch in der Geschichte Cambyses heißt, 529 bis 521. Das ist der Ahasveros in Esra 4,6. Dann kommt ein Artasaster, in der Geschichte bekannt als Pseudosmerdis. Er hatte illegal die Macht im Iran an sich gerissen, regierte aber nur ein paar Monate im Jahr 521 v. Chr. Er wird erwähnt in Esra 4,7.
Dann kommt Darius, 522 bis 486. Das ist der Darius von Esra 6, der den Juden nochmals erlaubt: Ihr dürft wirklich den Tempel bauen. Das ist offiziell vom Iran genehmigt. So nebenbei gesagt haben viele persische Könige sich sehr, sehr positiv gegenüber den Juden und dem Tempel verhalten. Da sollten die Iraner heute wieder einmal überdenken, wie ihre Vorfahren gehandelt haben und wie es dann den Persern gutgegangen ist. Erst als dann noch später unter den letzten Perserkönigen schlimme Judenverfolgungen durchgeführt wurden, brach das Perserreich zusammen.
Ich werde segnen, die dich segnen, sagte Gott zu Abraham, 1. Mose 12, und ich werde verfluchen, die dich verfluchen. Das hat sich durch die ganze Geschichte hindurch als wahr erwiesen.
Nun folgt auf Darius Ahasveros, das ist in der Geschichte Xerxes der Erste, 486 bis 465. Das ist der Mann von Esther. Und auf ihn folgte Artasasta, und zwar der Artasasta aus dem Buch Nehemiah. In der Geschichte wird er genannt Artaxerxes der Erste Longimanus, 465 bis 423 v. Chr. Und so kommen wir also mit dem Buch Nehemiah in die letzten Jahre des Alten Testaments.

Autor, Aufbau und geistliche Grundlinien

Wer ist der Autor des Buches Nehemia? Ich habe schon letztes Mal erklärt, dass Esra und Nehemia ursprünglich in der hebräischen Bibel ein Buch bildeten. Das sieht man auch an der griechischen Übersetzung, der Septuaginta, und am hebräischen offiziellen Text, dem sogenannten masoretischen Text, der in der Verszählung beide Bücher zusammenfasst. Der Autor des Buches Nehemia ist Nehemia selbst. Das geht auch aus all diesen vielen Ich-Berichten hervor.
Schauen wir nur einmal Nehemia 1,1 an: Geschichte Nehemias, des Sohnes Hakaljas. Und es geschah im Monat Kislev des zwanzigsten Jahres, als ich in der Burg Susan war, da kam Hanani, einer von meinen Brüdern, er und einige Männer aus Juda. Und ich fragte sie nach den Juden, den Entronnenen, die von der Gefangenschaft übrig geblieben waren, und nach Jerusalem. Und sie sprachen zu mir: Die Übergebliebenen, die von der Gefangenschaft dort in der Landschaft übrig geblieben sind, sind in großem Unglück und in Schmach, und die Mauer von Jerusalem ist niedergerissen, und seine Tore sind mit Feuer verbrannt. Als ich diese Worte hörte, setzte ich mich hin und weinte und trug Leid tagelang, und ich fastete und betete vor dem Gott des Himmels und sprach.
Und dann kommt ein langes Gebet, hier wiedergegeben von Nehemia. Er spricht hier also in der Ich-Form, er ist der Schreiber dieses Buches.
Um das Ganze plastisch darzustellen: Zehntausende von Juden sind ja zurückgekehrt, gemäß dem Buch Esra. Es waren über 40 Männer. Nimmt man die Frauen und Kinder dazu, war das eine Rückkehr von vielleicht 200 Juden ins Land der Väter. Aber Nehemia blieb immer noch in der Zerstreuung, im Iran, in Persien. Und man kann ihn vielleicht vergleichen mit einem amerikanischen Juden, ja? Der Staat Israel steht seit 1948 wieder, aber es sind lange nicht alle zurückgekehrt. Es gibt amerikanische Juden, die sind ganz hoch in der Regierung drin, und die haben ein Herz für den Staat Israel. Und so war es mit Nehemia. Er war ein hoher Beamter, Mundschenk des Königs. Das war eine der höchsten Positionen, die möglich waren. Der Mundschenk hatte ja die Aufgabe, die Nahrung des Königs zu prüfen, ob sie vergiftet war. Wenn er dann tot zusammenfiel, dann wusste der König, dass er das nicht essen sollte. Ja, es gab damals schon Attentate. Und so konnte ein Mundschenk nur jemand sein, der wirklich das tiefste und höchste Vertrauen des Königs genoss. Das ist ja klar.
Aber noch etwas Wichtiges: Nehemia war zwar dort als hoher Politiker, kann man sagen, in der Regierung des Iran tätig, aber sein Herz brannte für Jerusalem, die Stadt Gottes. Und als dann eben Juden aus dem Land Israel in der Diaspora auf Besuch kamen in den Iran und ihm erzählten, es geht ganz schlecht, Jerusalem ist immer noch kaputt, in all den Jahren, jetzt schon gegen hundert Jahre, ist Jerusalem immer noch nicht aufgebaut, da hört Nehemia das, und das treibt ihn ins Gebet. Er ist ein Mann des Gebets. Und jetzt verstehen wir: Er machte seine Arbeit weiter, und er war traurig vor dem König, und das war sehr gefährlich. Es gab nämlich ein persisches Gesetz, das sagte, man durfte vor dem König nur fröhlich dreinschauen. Und wer traurig dreinschaute, dem konnte das das Leben kosten. Jetzt versteht man auch, warum er so erschrocken war, als der König gefragt hatte, warum ist dein Angesicht traurig. Warum war das bei Todesstrafe verboten, traurig auszusehen? Weil das ein Hinweis sein könnte, dass der Betreffende eine Verschwörung geplant hatte, ein Attentat auf den König. Darum also die Sicherheitsmaßnahme: Niemand durfte traurig dreinschauen. Aber Nehemia sagt dann sofort, was ihn bewegt: Es ist Jerusalem, die Stadt Gottes.
Und schön ist dieses Stoßgebet. Er steht vor dem König, und der König fragt dann: Was bittest du? Der kann nicht in sein Kämmerchen gehen, sich einschließen und beten, was das Übliche ist, ja, für das persönliche Gebet nach der Bergpredigt. Matthäus, der Herr sagt, wir sollen das nicht demonstrativ in der Öffentlichkeit machen, unser persönliches Gebet. Aber jetzt steht er vor dem König. Um was bittest du denn? Und da sehen wir, was ein ganz natürliches Stoßgebet ist. Nehemia betet auch den Tag durch. Da betete ich zu dem Gott des Himmels, und ich sprach zu dem König. Das hat der König nicht gesehen. Das ist eine tägliche, ständige Online-Verbindung. Also, wer ADSL hat, der weiß, was das ist: Man ist immer online. Die Verbindung zum Herrn ist immer da, und in jedem Moment ist es möglich, dass Nehemia wieder ein Stoßgebet von sich geben kann.
Und Gott führt diesen persischen Weltherrscher so, dass er positiv ist, Nehemia nicht tötet, sondern ihm sogar sagt: Ja gut, wenn du denkst, so lange brauchst du, um in der Provinz, da in Juda, die Stadt aufzubauen, du darfst gehen. Er bekommt also außerordentlichen Urlaub, obwohl er einer der hohen Minister des persischen Weltreiches war, das von Indien bis nach Afrika reichte. So gibt das die Situation sehr plastisch wieder.
Zum Aufbau des Buches Nehemia: Die Kapitel 1 bis 7 bilden den ersten Teil, römisch I. Es geht hier um das Jahr 445 vor Christus. Kapitel 1: Nachricht aus Jerusalem und Nehemias Gebet. Nächster Teil: Nehemia geht nach Jerusalem, Kapitel 2. Er motiviert dort die Juden zum Bau Jerusalems. Nächster Teil: Der Mauerbau, Kapitel 3. Dann Behinderung durch die Feinde von außen, Kapitel 4. Das Gleiche wiederholt sich: Beim Tempelbau im Buch Esra hatten wir schon Widerstand der Feinde der Juden, und wenn es zum Stadtbau kommt, wiederum neuer Widerstand. Nächster Punkt: Vollendung der Stadtmauern nach zweiundfünfzig Tagen, Kapitel 6. Und schließlich Verwaltung der Tore und Volkszählung, Kapitel 7.
Es folgt der zweite große Teil, römisch II, den man groß überschreiben kann mit „Erneuerung des Volkes Gottes“, Kapitel 8-13. Das umfasst die Zeit von 445 bis spätestens 423 v. Chr. Dieser zweite Teil besteht aus folgenden Unterteilen: Vorlesen des Gesetzes und Fest der Laubhütten, Kapitel 8. Gemeinsames Bußgebet, Kapitel 9. Ein fester Bund mit Gott, Kapitel 10. Einwohnerliste Jerusalems und Judas, Kapitel 11. Priester- und Levitenverzeichnis, Einweihung der Stadtmauern, Kapitel 12. Und schließlich Absonderung vom Bösen, Kapitel 13.
Bei seinem zweiten Besuch räumt Nehemia mit Missständen unter dem Volk Gottes radikal auf.

Das Bild des neuen Jerusalem

Also im Buch Nehemia steht ganz besonders Jerusalem mit seinen Mauern vor uns. Das sollten wir im Licht des Neuen Testaments sehen. Jerusalem weist hin auf das neue Jerusalem im Neuen Testament, in der Offenbarung. In Offenbarung 3,12 und 21,22 wird vom neuen Jerusalem gesprochen. Diese Stadt wird in Offenbarung 21,9-10 als die Braut, die Frau des Lammes, bezeichnet.
Wer ist die Braut Christi im Neuen Testament? Die Gemeinde. Vergleiche Epheser 5, den letzten Abschnitt, und 2. Korinther 11,1 und folgende. Das ist die Gemeinde, die wahre Kirche. In der Offenbarung gibt es dazu einen Gegensatz: Babylon, die Große. Offenbarung 17,5. Diese Stadt wird ebenfalls als eine Frau gesehen; sie ist die große Hure, Offenbarung 17,1. Das ist der große Gegensatz: das neue Jerusalem, Babylon, die Große, die Braut, die Frau des Lammes, im Gegensatz dazu die große Hure.
Wenn das neue Jerusalem die wahre Kirche ist, dann ist die große Hure die falsche Kirche. Nun wird von dem neuen Jerusalem in Kapitel 21 eine symbolische Beschreibung gegeben. Es ist also eine symbolische Beschreibung der Gemeinde.
Aber schauen wir uns diese Anspielungen auf das Buch Nehemia an. Offenbarung 21,12: Da heißt es von dieser Stadt: „Und sie hatte eine große und hohe Mauer und hatte zwölf Tore und an den Toren zwölf Engel und Namen darauf geschrieben, welche die zwölf Stämme der Söhne Israels sind: nach Osten drei Tore, nach Norden drei Tore und nach Süden drei Tore und nach Westen drei Tore.“ Also hier werden die Mauern und die Tore des neuen Jerusalems so herausgehoben. Und genau in Nehemia geht es um die Stadtmauer und um die Tore. Im Ganzen werden zwölf Tore im Buch Nehemia erwähnt. Da finden wir diesen Bezug: das irdische Jerusalem, das himmlische Jerusalem, beziehungsweise das neue Jerusalem.
Dann wird auch die Verwaltung der Tore erwähnt, Offenbarung 21,25. Und ihre Tore sollen bei Tag nicht geschlossen werden, denn Nacht wird dort nicht sein. Vers 27: Und nicht wird in sie eingehen irgendetwas Gemeines und was Gräuel und Lüge tut, sondern nur die, die geschrieben sind in dem Buch des Lebens des Lammes.
Also wird hier betont: Das neue Jerusalem mit seinen Toren ist eine klare Abgrenzung gegen das, was böse ist, gegen das, was Sünde ist. In Nehemia geht es eben darum, dass der Tempel in Jerusalem durch die Stadtmauern und durch die Flügeltüren der Tore geschützt und gesichert werden soll, gegen Feinde, gegen das Böse, gegen die Verunreinigung.
Also so können wir das Buch Nehemia im Licht des Neuen Testaments betrachten.

Gebet, Trost und die gute Hand Gottes

Gehen wir auf einige Besonderheiten im Buch Nehemiah ein.
Zunächst einmal sein Name: Nehemiah heißt Trost des Ewigen. Es beginnt mit Leuten, die ganz erschüttert und traurig nach Persien kommen und erzählen, wie schlecht es in Judäa, in Jerusalem steht. Nehemiah ist zutiefst traurig, aber dieser Mann ist eben ein Mann des Gebets. Er erfährt Gottes Hilfe durch das Gebet und damit eben Gottes Trost, Trost des Ewigen, so wie er es für sich erfahren hat. Und er hat anderen diesen Trost weitergegeben und sie motiviert.
Darum ist das Schlüsselwort für Nehemiah 2,17b: Kommt und lasst uns die Mauern Jerusalems wieder aufbauen.
Ein Mann der Motivation, des Trostes, der Ermutigung: Nechemjahu, Nechemjah, Trost des Ewigen. Er war ein Mann des Gebets. Ich habe hier alle Stellen ausgeführt, wo im Buch gebetet wird. Nehemiah betet dauernd.
Nehemiah 1,5-11: Das war die Antwort von Nehemiah auf die traurige Nachricht. Das treibt ihn ins Gebet. In 2,4 haben wir schon gesehen: vor dem König ein Stoßgebet.
Schauen wir uns 4,4 an. Da geht es um die Feinde, die wach werden, weil Jerusalem gebaut wird. Sie spotten. In Vers 3 heißt es: Und Tobija, der Ammoniter, stand neben ihm und sprach: Was sie auch bauen, wenn ein Fuchs hinaufstiege, so würde er ihre steinerne Mauer auseinanderreißen.
Höre, unser Gott, denn wir sind zur Beachtung geworden.
Wie reagiert Nehemiah auf Spott? Durch Gebet.
Dann 5,19: Es hat schwierige Situationen gegeben innerhalb des Volkes Gottes, und Nehemiah hat hier auch in sozialen Problemen Klärung geschaffen. Und dann in Vers 19 auch wieder so ein kurzes Stoßgebet: Gedenke mir, mein Gott, zum Guten alles, was ich für dieses Volk getan habe.
6,9: Ein ganz kurzes Gebet am Schluss des Verses: Und nun stärke meine Hände.
Fertig! Wenige Worte, es braucht kein langes Gebet zu sein.
Und so finden wir in den weiteren Stellen Nehemiah auch 6,14, 13,14, 22, 29, 31, alles im letzten Kapitel.
Ich habe dann speziell aus dieser Liste das Phänomen des Stoßgebetes zusammengestellt. All diese Stellen hier sind ganz kurze Gebete Nehemiahs. Das ist also keine neue Erfindung. Das Stoßgebet ist wirklich biblisch verankert. Diese Online-Verbindung durch den Tag hindurch: Wir haben nicht einfach feste Gebetszeiten und dann ist das erledigt, sondern eine Beziehung durch den Alltag hindurch, in all dem, was uns unerwartet trifft und begegnet.
Es gibt aber neben den Gebeten Nehemiahs noch mehr Gebete: Nehemiah 8,6. Und dann Kapitel 9, Verse 5 bis 37. Das ist ein langes Gebet, und zwar ein Bußgebet, wo das ganze Volk vor Gott eine Erneuerung, eine geistliche Erneuerung, durchmacht.
Ein typischer Ausdruck im Buch Nehemiah, wir haben ihn bereits in Kapitel 2 gefunden, ist die gute Hand Gottes. Wiederholt spricht er davon. Nehmen wir hier 1,10, 2,8 und 2,18. Also die Hand Gottes: Das ist Gottes Allmacht, die schützend über den Seinen steht und dem Seinen zur Verfügung steht.
Dieses Wort, dieser Ausdruck, wird schon einige Male im Buch Ezra verwendet. Ich habe dort einen typischen Ausdruck gefunden: in Ezra 7 dreimal und in Kapitel 8 dreimal. Also es könnte sein, dass Nehemiah diesen Ausdruck von Ezra übernommen hatte. Für Ezra war das schon ein großes Erlebnis, wie Gott ihn geführt hatte. Die gute Hand Gottes war über ihm. Darum hat er wieder die großen Politiker des Irans so geführt, dass es zugunsten der Juden kam.

Die prophetische Zeitrechnung und ihre Erfüllung

Eine ganz wichtige Sache im Buch Nehemia ist Kapitel 2, Vers 1: diese Datierung im Monat Nisan, also März/April, im zwanzigsten Jahr der Regierung von Artaxerxes, also 445 v. Chr. Denn das ist geschichtlich ein ganz entscheidender Punkt. Das ist der Startpunkt der 69 Jahrwochen Daniels.
Daniel hatte in der Gefangenschaft in Babylon geweissagt und aufgeschrieben: Vom Ausgehen des Wortes, Jerusalem wieder aufzubauen, wiederherzustellen und zu bauen, bis auf den Messias, den Fürsten, sind sieben und zweiundsechzig Jahrwochen. Also: Nehemia hat erlebt, wie der König Artaxerxes die Erlaubnis zum Wiederaufbau Jerusalems gab, und er hat ihm nach Nehemia 2 spezielle Empfehlungsbriefe mitgegeben. Das war der Moment, das Ausgehen des Wortes, um Jerusalem wieder aufzubauen. Der Endpunkt ist dann eben der Messias, bis auf den Messias, den Fürsten.
Die 69 Jahrwochen sind also Maßeinheiten von sieben Jahren. Eine Jahrwoche dauert sieben Jahre, so wie eine normale Woche sieben Tage hat, so ist eine Jahrwoche eine Periode von sieben Jahren. Der jüdische Kalender ist ein lunisolarer Kalender, also ein Mondsonnenjahr. Das Mondjahr dauert 354 Tage, das Sonnenjahr ungefähr 365 Tage, und wenn man das mittelt, kommt man auf 360. Und so sind auch diese prophetischen Jahre; es sind lunisolare Jahre. Auch in der Offenbarung wird mit prophetischen Jahren so gerechnet, Offenbarung 11.
Wir können also diese 69 Jahrwochen umrechnen in Tage: 69 mal 7 mal 360 Tage. Das sind 173.880 Tage. Nun, Jesus Christus ist nach den Evangelien im Passamonat Nisan, also März/April, im Jahr 32 als Fürst am Palmsonntag nach Jerusalem eingezogen. Nur einmal ist er so als Fürst aufgetreten, bis auf den Messias, den Fürsten. Und zwischen März/April 445 v. Chr. bis März/April 32 n. Chr. kann man die 173.880 Tage schön einfügen.
Aber einer hat das noch ein bisschen genauer tun wollen, das war Sir Robert Anderson. Das war übrigens der Chef von Scotland Yard. Er war ein bekehrter Christ, gehörte zu den sogenannten Offenen Brüdern in England, und er hat das in Zusammenarbeit mit Astronomen des Königlichen Observatoriums in Greenwich genau ermittelt. So kommt er für den Palmsonntag im Jahr 32 auf den 6. April. Und wenn man das zurückrechnet, 173.880 Tage, kommt man auf den 14. März 445 v. Chr. Und das würde genau dem 1. Nisan entsprechen. Nur: In Nehemia wird nur der Monat genannt, nicht der Tag. Aber nur um zu zeigen, wie schön man das effektiv einfügen kann: den 6. April kann man gut ermitteln, und dann aus den Evangelien, weil dort der Tag wirklich errechenbar ist, rechnet man zurück. Der 14. März passt wunderbar.
Er hat darüber ein Buch geschrieben: The Coming Prince. Dieses ist seit dem neunzehnten Jahrhundert in vielen Auflagen immer wieder herausgekommen. Ein ganz tolles Buch. Ja, da hat er also deutlich gemacht, Sir Robert Anderson, wie sich diese Prophezeiung eindrücklich in Jesus Christus erfüllt hatte.
Es stellt sich die Frage: Warum hat eigentlich das Buch Daniel diese ganze Periode aufgeteilt in sieben und zweiundsechzig Jahrwochen? Nun, Daniel 9,25 erklärt: Jerusalem wird wieder aufgebaut werden in Drangsal der Zeiten. Diese schwierige Zeit finden wir im Buch Nehemia. Aber die Stadt wurde wirklich wieder aufgebaut in Nehemia: zuerst die Stadtmauern in 52 Tagen, und dann hat man begonnen, auch die Häuser wieder aufzubauen.
Häuser gab es praktisch keine da. Das sehen wir in Nehemia 7,4: Die Stadt aber war geräumig und groß, und das Volk darin spärlich, und keine Häuser waren gebaut. Also: Das Stadtgebiet war groß und geräumig, aber das war nicht wieder aufgebaut worden, obwohl schon im Jahr 538 Kores nicht nur die Erlaubnis gegeben hatte, der Tempel darf gebaut werden, sondern er hatte auch gesagt: die Stadt, beides. Aber man hat in der folgenden Zeit fast hundert Jahre Jerusalem trotzdem nicht aufgebaut.
Nun, diese Zeit von sieben Jahrwochen und zweiundsechzig: Die erste Periode sind also sieben mal sieben Jahre, neunundvierzig Jahre. Innerhalb dieser Periode soll Jerusalem wieder perfekt dastehen. Wir sehen: Die Zahl sieben, die Zahl der Vollkommenheit, ist sowohl symbolisch als auch wörtlich. Hier merken wir: Symbolik braucht das Wörtliche nicht auszuschließen. Es geht auch beides miteinander, symbolisch und wörtlich.
Nun war ja die Frage: Von welchem Zeitpunkt an sollen wir rechnen, von Kores oder von Nehemia? Ja gut, wie kann man das ganz genau ermitteln? Wenn dann einmal der Messias gekommen ist, gekommen sein wird, dann kann man von diesem Zeitpunkt zurückrechnen. Und wenn es auf Nehemia geht, dann war es Nehemia; wenn es zurückgeht auf die Zeit von Esra I, dann war es eben dies. Aber Gott hat so die Möglichkeit gegeben, schon nach 49 Jahren zu sehen: Wo müssen wir rechnen?
Also: Kores hatte gesagt, ihr dürft die Stadt bauen. 538, warten wir mal 49 Jahre. Es wurde nicht gebaut. Wir müssen nicht von da anrechnen. Dann kam der Erlass von Artaxerxes, Nehemia 2. 49 Jahre, Jerusalem steht perfekt da. Ah, das ist der Punkt, von da an müssen wir rechnen. Und das wurde auch tatsächlich gerechnet. Und zwar finden wir Zeugnisse aus der alten Welt, sowohl bei Josephus Flavius als auch bei Tacitus, diesem römischen Schriftsteller, der sehr antichristlich und antijüdisch war. Dort finden wir den Hinweis, dass die Juden damals nach unserer Rechnung, im ersten Jahrhundert nach Christus, mit dem Kommen eines geweissagten Fürsten, einer Erlöserfigur, rechneten.
Das zeigt also, dass man das in der alten Welt wirklich berechnet hat. Und das erklärt nun, warum gerade um die Zeitenwende vor zweitausend Jahren im Land der Juden eine derart erhitzte Messias- und Endzeitstimmung da war. Weil man gerechnet hatte. Man wusste: Das ist jetzt die Zeit, wo der Messias kommt. Und jetzt versteht man auch, warum es diese Gemeinschaft in Qumran gegeben hat. Sie haben sich im zweiten Jahrhundert vor Christus in die Wüste zurückgezogen, und zwar gemäß Jesaja 40: Stimme eines Rufenden in der Wüste: Macht gerade den Weg des Herrn. Sie gingen in die Wüste und warteten jetzt auf das Kommen des Messias, der dann in der Wüste in Erscheinung treten sollte.
Ja, sie sind gekommen: Johannes der Täufer hat gepredigt in der Wüste, sechs Kilometer oder etwa zehn Kilometer von Qumran, grob gesagt am Jordan. Und dann ist Jesus Christus gekommen und hat sich dort in der Wüste von ihm taufen lassen. Und dann hat er begonnen, als Messias, Prediger, herumzureisen. Also die Sache war wirklich eine errechnete und klare Sache.
Das zeigt uns nun, wie wichtig das Buch Nehemia ist, denn hier haben wir den Startpunkt für die Berechnung des Kommens des Messias. Ich habe heute Morgen von Lessing gesprochen, von der Ringparabel. Aufklärische Toleranz heißt: Wir sind tolerant gegen alle Meinungen, weil ja sowieso niemand wissen kann, welche richtig ist. Als wir in der Schule Nathan der Weise lesen mussten, da haben wir natürlich über diese Dinge diskutiert. Und dann habe ich dem Deutschlehrer die messianische Prophetie als Argument gebracht.
Ja, wir können begründen, warum die Bibel Gottes Wort ist. Über 300 Prophezeiungen haben sich in Jesus Christus erfüllt. Ich hatte damals schon mit 14 das Buch von John Meldau gelesen, Der Messias in beiden Testamenten. Dort bringt er die schöne Berechnung der Jahrwochen und viele andere Prophezeiungen. Das hat mich damals so motiviert. Und dann habe ich das gebracht. Der arme Deutschlehrer war am Ende. Die Deutschstunde hörte so auf, als ob ich ihn noch heute vor mir sehe. So, dann war die Stunde vorbei. Und dann sagte mein jüdischer Freund, seine Mutter ging übrigens mit Rabbin in die Schule, völlig unreligiös usw., zu mir: „1 zu 0 für Liebi.“
Ja gut, aber das Tor war nicht, weil ich so gut Fußball spielen kann, sondern ich habe einfach das genommen, was biblische Argumente sind für den Glauben. Und da können wir tatsächlich argumentieren und sagen: Wir wissen, warum wir Christen sind. Das war nicht ein Sprung ins Dunkle. Und wir müssen nicht denken: Ja, wir haben Argumente. Gerade in der Zeit des Rationalismus – das habe ich heute Morgen ja nicht erwähnt – gab es einen Philosophen und Mathematiker, Blaise Pascal. Er hat ja eine Bekehrung erlebt und war ganz überwältigt von diesem Erlebnis. Darum hat er dann ein kleines Zettelchen geschrieben und hat darauf geschrieben: Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Nicht der Gott der Philosophen. Der Gott der Philosophen, das war dieser deistische Gott: Am Anfang hat er alles geschaffen und dann keinen Kontakt mehr mit uns Menschen. Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, nicht der Gott der Philosophen. Das hat er in seine Kleider eingenäht, diesen Zettel.
Und dieser Blaise Pascal hat ein Büchlein geschrieben, so als Notizbuch: Pensées, Gedanken. Darin gibt es eine ganze Reihe Kapitel. Das sollte später einmal ein Buch werden, wo er quasi evangelistisch erklären wollte, warum der christliche Glaube wirklich der richtige Glaube ist, in der Zeit der Auseinandersetzung. Und da gibt es ein Kapitel über das Argument der biblischen Prophetie, und er erwähnte Daniel 9, die Jahrwochen. Er war noch nicht so präzis in der Berechnung wie dann später der Kriminologenchef Sir Robert Anderson, aber das reichte, um zu argumentieren.
Er hat so argumentiert, und diese Argumente muss man kennen. Die sollte man auswendig lernen, damit man in der Diskussion Papier nehmen kann. Da kann man ein Zeichen machen: da Nehemia, 445 v. Chr., hier Palmsonntag, 32 n. Chr., und dazwischen 173.880 Tage. Wir müssen diese Argumente bringen. So können wir wirklich sagen: Das gibt es in keiner Religion. Warum haben die Muslime nicht so etwas? Warum haben die Hindus nicht so etwas? So nehmen, Verstand abschalten und so hinsetzen? Warum haben die keine Argumente für den Glauben? Ja, eben hier in diesem Buch spricht der Gott, der über Raum und Zeit steht, und darum kann er die Zukunft so perfekt voraussagen.
Man braucht übrigens das auch, wenn man mit orthodoxen Juden spricht. Da muss man auch sofort die Rechnung machen können. Da kann man erklären, was Moshe ben Maimon dazu gesagt hat. Das ist der große Rabbi im Judentum, im zwölften Jahrhundert nach Christus. Wenn man irgendwelche Meinungsunterschiede hat, dann kann man sagen: Moshe ben Maimon hat gesagt. Dann ist die Diskussion am Ende. Und das, obwohl: Wenn drei Juden in einem Raum beieinander sind und diskutieren, gibt es vier Meinungen. Aber da muss man Moshe ben Maimon zitieren, und dann wird die Sache schon ein bisschen klarer.
Moshe ben Maimon schreibt in seinem Brief Geret Hateman, Brief an die jemenitischen Juden: Daniel hat uns die Wissenschaft der Zahlen kundgetan, also die Wissenschaft der Endzeit. Aber weil uns diese Zahlen verdunkelt sind, haben die Weisen, das sind die großen Rabbiner früher, den Rat gegeben, man soll diese Zahlen nicht nachrechnen, weil man sonst den Einfachen im Volk keinen Anstoß gibt, wenn man feststellt, dass diese Zeiten abgelaufen sind und der Messias nicht gekommen ist.
Dann kann man ihnen zeigen: Schaut, die Zeiten sind abgelaufen und der Messias ist gekommen. Ganz einfach. Die Bibel ist Gottes Wort. Man kann nicht sagen: Die Zeiten sind abgelaufen und der Messias ist nicht gekommen. Die Zeiten sind abgelaufen, der Messias ist gekommen. Also man muss das wirklich zur Hand haben. Aber das kann man nicht, indem man das einmal hört, sondern man muss es wirklich wie eine Prüfung lernen. In der Schule haben wir ja auch die Sachen auswendig gelernt, und dann konnten wir sie. Und mit dem Unterschied: Man muss es zweimal auswendig lernen, dann kann man es nicht nur für die Prüfung, sondern nachher auch noch.

Bau, Tore und geistliche Erneuerung

Noch zu einer Besonderheit im Buch Nehemiah:
Das Bauprojekt wird in Kapitel 2,8 umschrieben. Es gibt drei Projekte und einen Brief an Asaf, den Hüter des königlichen Forstes, dass er mir Holz gebe, um die Tore der Burg zu belken, die Tore der Burg, welche zum Haus gehört, und für die Mauer der Stadt und für das Haus, in welches ich ziehen werde. Drei Dinge: die Burg, die zum Haus gehört.
Da muss man hebräisch wissen, dass das häufigste Wort für Tempel Beit, also Haus, ist. Also der erste Tempel heißt Beit Rishon, das erste Haus; der zweite Tempel, Weitschny, das zweite Haus; und der künftige Tempel ist Weitschlichy, das dritte Haus. Hier die Burg, die zum Haus gehört, die Burg, die zum Tempelhaus gehört.
Man hat eigentlich erst vor ein paar Jahren wieder herausgefunden, was das genau ist. Und zwar hat Lehn Rittmeier, der leitende Architekt und Archäologe bei den Ausgrabungen am Tempelberg, zusammen mit Benjamin Mazar, der von der israelischen Altertumsbehörde der führende Archäologe bei diesen Ausgrabungen nach dem Sechstagekrieg war, darüber diskutiert. Sie haben gesucht: Was ist da gemeint mit der Burg, die Birar, die zum Haus gehört? Schließlich haben sie auch festgestellt, dass schon David in 1. Chronika, wenn er über den Tempelbezirk spricht, am Schluss den Tempelbezirk Birar, die Burg, nennt.
So ist letztlich deutlich geworden: Das muss offensichtlich das 500-Ellen-Quadrat sein, das ummauerte Quadrat des salomonischen Tempelplatzes. Später hat dann Len Rittmeier das auch archäologisch ganz genau wiederfinden können, auf dem Tempelberg. Wir wissen also ganz genau, wo dieses Quadrat von 500 mal 500 Ellen auf dem Tempelberg gestanden hat. Das ist die Birar, die zum Tempelhaus gehört. Und das sollte Nehemiah bauen.
Das eigentliche Tempelhaus, der Altar, das war schon in Ezra gebaut worden. Aber jetzt kommt dieses 500-Ellen-Quadrat, das mit schützenden Burgmauern den Tempel bewahren sollte. Und dann kommt dazu die Stadtmauer überhaupt, ganz Jerusalem. Wir werden noch sehen: Die Nordmauer des fünfhundert Ellen-Quadrates und die Ostmauer waren gleichzeitig Stadtmauern, und dann die Südmauer und die Westmauer des fünfhundert Ellen-Quadrates, das war vollständig innerhalb der Stadtmauern, drinnen enthalten.
Das war das zweite Projekt. Und das dritte war ein Haus für Nehemiah, den neuen Landpfleger von Judäa. Also politisch war er der oberste Beamte des halbautonomen Judenstaates.
Nehemiah 3 ist etwas ganz Besonderes: ein Rundgang um die Stadtmauern von Jerusalem. Dabei werden zehn Tore namentlich erwähnt. Also Kapitel 3 gibt eine schöne Beschreibung davon, wie die Stadtmauern und die Tore unter Nehemiah gebaut wurden. Wenn man das Kapitel durchgeht, findet man: Die Beschreibung beginnt im Norden, mit dem Schaftor im Norden, geht dann nach Westen hinüber, nach Süden runter, dann zum Osten und trifft am Schluss wieder die Nordmauer. Also Nehemiah 3 gibt gewissermaßen eine vollständige Beschreibung von einem Rundgang um Jerusalem herum in der nehemianischen Zeit.
Schauen wir: Das Tor, das Schaftor, Kapitel 3, Vers 1. Und Eliaschib, der hohe Priester, und seine Brüder, die Priester, machten sich auf und bauten das Schaftor. An Vers 3 kommt das Fischtor und so weiter und so fort. Und wir kommen schließlich in Kapitel 3, Vers 31, zum Tor Miffkat und in Vers 32: Und zwischen dem Obergemach der Ecke und dem Schaftor besserten die Goldschmiede und die Krämer aus. Ja, der Kreis schließt sich, da kommen wir wieder zum Schaftor.
Nun, dieses Kapitel 3 ist ein besonderes Kapitel, und darum möchte ich dann unter dem nächsten Thema die zehn Tore Jerusalems, Kapitel 3, etwas genauer mit der Lupe und dem Studium nehmen. Aber bevor wir so weit sind, noch eine letzte Besonderheit aus dem Buch Nehemiah: Die Kapitel 8 bis 9 beschreiben die Reformation und den Neuaufbruch der Juden durch eine Rückkehr zur Bibel.
Wir sehen: Es braucht nicht einmal eine Reformation, und dann ist es gelaufen. Es war ja schon eine Reformation, als die Juden aus Babylon zurückgekehrt waren, Ezra 1 und folgende. Schon das war eine ganz wichtige Erneuerung der Juden. Aber es ist so: Die Erfahrung hat das gezeigt, in der Kirchengeschichte und in der Geschichte der Juden. Eine Erweckung hält nicht länger hin als zwanzig Jahre, so grob gesagt. Also wir rechnen da nicht mit Monaten, aber das hält nicht hundert Jahre hin. Und wenn man so die Kirchengeschichte anschaut, auch verschiedene evangelikale Gemeinden: Oft hat eine Gemeinde begonnen mit einer Erweckung, mit einer Erneuerung, mit einer geistlichen Rückkehr zur Bibel, und dann ist das so wie die Schweizer Seilbahn, das geht dann immer wieder ins Tal runter.
Das Buch Nehemiah zeigt uns: Es braucht immer wieder eine Erneuerung. Und die Erneuerung kann man nicht erzwingen, sondern die geschieht, indem wir wieder neu auf Gottes Wort hören. In Nehemiah 8 kommt Ezra mit der Bibel, und er liest ein Fach aus der Bibel vor, von morgen früh bis zum hellen Mittag. Da sind auch Kinder dabei, und das hat alles tiefste Auswirkungen. Dann kommt das Volk zur Buße. Es kommt zu einer ganz spontanen Erneuerung, einfach durch das Hören auf das geschriebene Wort Gottes.
Also auch da: Das Buch Nehemiah zeigt uns, Reformation und Neuaufbruch braucht es immer wieder. Kapitel 13 braucht es schon wieder eine neue Erneuerung, aber immer wieder durch Korrektur, Rückkehr zum Wort.
Ich möchte als Schlüsselwort einen Vers lesen, Jesaja 8,20: Zum Gesetz und zum Zeugnis! Wenn sie nicht nach diesem Wort sprechen, so geht es für sie keine Morgenröte.
Also das Motto hier heißt: Zurück! Zur Bibel, zum Gesetz, zur Thora und zu dem Zeugnis Gottes im geschriebenen Wort. Das muss das Motto sein: zurück zur Bibel. Und der Prophet sagt: Wenn sie nicht nach diesem Wort sprechen, so gibt es für sie keine Morgenröte. Was ist vor der Morgenröte? Die Dunkelheit der Nacht. Also wer nicht nach dem Motto spricht, zurück zur Bibel, der bleibt in der Nacht. Für den gibt es nicht die Sonnenstrahlen über dem Osthorizont. Es ist so einfach, aber man sucht immer andere Methoden als diese.
Kommen wir nun zu den zehn Toren Jerusalems nach Nehemiah 3. Zusätzliche Tore werden übrigens noch erwähnt in Nehemiah 12,39: das Tor Ephraim und das Gefängnistor. Und so gibt es dann effektiv zwölf Tore, die in Nehemiah erwähnt werden. Eine Entsprechung zu den zwölf Toren des Neuen Jerusalem in Offenbarung 21.
Nun machen wir mal den Rundgang. Kapitel 3, Vers 1: Und Eliaschib, der hohe Priester, und seine Brüder, die Priester, machten sich auf und bauten das Schaftor. Sie heiligten es und setzten seine Flügel ein, und sie heiligten es bis an den Turm Mea, bis an den Turm Hanan-el. Und ihm zur Seite bauten die Männer von Jericho, und ihnen zur Seite Sakur, der Sohn Imris.
Nun, wir fragen nach der geistlichen Bedeutung des Schaftors. Das war also das Tor in der Nordmauer des fünfhundert Ellen-Quadrates. Das war also die Nordmauer, die zugleich die schützende Nordmauer des Tempelbezirks war, als auch die Nordmauer der Stadt Jerusalem. Die ist ganz besonders wichtig, denn strategisch ist dort der schwächste Punkt Jerusalems.
Das hängt damit zusammen, wenn man den Zionsberg, den Berg Moria, im Querschnitt anschaut: Da hatte man im Norden einen kleinen Anstieg des Berges bis zum höchsten Punkt, das ist der Fels, heute im Felsendom, und dann geht es ganz lange runter im Süden über den Ofel bis zum Teich Siloah runter. Nun, von Süden anzugreifen war schwierig, weil es so eine große Hügelbesteigung erforderte. Es war auch schwierig, von Osten anzugreifen, denn da war das tief eingeschnittene Kidron-Tal. Im Westen war die Stadtmauer quasi als eine doppelte Mauer zum Fünfhundertellen-Quadrat. Aber im Nordbereich, dort war der schwache Punkt, denn da musste man am wenigsten Höhe überwinden, um die Stadt Jerusalem zu knacken.
Und jetzt versteht man, warum die Babylonier und Nebukadnezar von Norden hergekommen sind und die Stadt von Norden gestürmt haben. So sieht man das in Hesekiel 9. Der Angriff kam von Norden, und so wurde die Stadt gestürmt. Später die Römer im Jahr 70: Woher haben die die Stadt Jerusalem geknackt? Von Norden her. Da wurde zuerst der Vorort mit Golgatha drin erobert, und dann kamen die weiteren Teile dran. Interessant: Das Stadtteil mit Golgatha fiel im Jahr 70 als erster. Aber wieder von Norden.
Gehen wir weiter in der Militärgeschichte: Sechs-Tage-Krieg, am Mittwoch, am dritten Tag bekommt ein Fallschirmjägertrupp den Befehl, die Altstadt von Jerusalem zu erobern, als Strafe für König Hussein, der Israel von der Ostfront her angegriffen hatte. Er war gewarnt. Und wo sind sie rein? Durch das Stephanstor im Norden. Das ist der Punkt. Also diese Nordmauer war immer ganz wichtig, denn dort war der strategisch heikelste Punkt für Jerusalem. Und darum verstehen wir schon mal, warum hier in Nehemiah 3 mit der Nordmauer begonnen wird. Da haben wir das Schaftor drin.
Wieso hieß das das Schaftor? Hebräisch zon, zon bedeutet Schafe oder auch Ziegen. Man könnte ja auch übersetzen: das Kleinviehtor. Ja, durch dieses Tor im Norden wurden die Opfertiere auf den Tempelplatz geführt. Also das war gewissermaßen das Tor, durch das der schuldige Mensch mit seinem unschuldigen Stellvertreter vor Gott kam, um auf der Grundlage des stellvertretenden Opfers und seines Sündenbekenntnisses, seines reuigen Sündenbekenntnisses, Vergebung zu bekommen.
Der Herr Jesus erklärt in Johannes 10: Jesus sprach nun wiederum zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich bin die Tür der Schafe. Und weiter in Vers 9: Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich eingeht, so wird er errettet werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden. Ich bin die Tür der Schafe. Jesus Christus erklärt: Der Weg, um errettet zu werden, geht über ihn.
Das Schaftor, das Tor, wo die Opfertiere eingeführt werden, macht also klar, wie können wir errettet werden? Nur auf der Grundlage des stellvertretenden Opfers. Also das Schaftor macht uns eigentlich klar, wie man sich bekehren muss, wie man mit Gott ins Reine kommt. Wenn der Herr Jesus sagt: Ich bin die Tür der Schafe, dann heißt das: Komm nicht mit irgendeinem Opfer. Die Hindus haben auch Opfer, und auch andere Völker haben Opfer, aber sie kommen nicht mit dem Opfer von Golgatha. Nur mit dem Opfer wird man angenommen. Ich bin die Tür der Schafe; wer durch mich eingeht, wird errettet werden.
Eliaschib, der hohe Priester, also der oberste Beamte des Tempelbezirks, war verantwortlich hier beim Schaftor. Das passt. Was heißt der Name El Jaschib? El heißt Gott und Jaschib heißt ganz wörtlich übersetzt: „Er bewirkt, dass er sich bekehrt.“ Also Gott bewirkt, dass er sich bekehrt.
Jetzt haben die Eltern diesem Baby da den Namen gegeben, am achten Tag: El Jaschib. „Gott bewirkt, dass er sich bekehrt.“ Wie kommt ein Mensch zur Bekehrung? Ich habe einmal eine Auseinandersetzung gehabt in der Schule, das war noch mit dem Pfarrer, der uns Religionsunterricht gegeben hatte. Und er sagte: Gott bekehrt den Menschen, man braucht den Menschen nicht zu sagen, ihr müsst euch bekehren. Und ich habe ihm gesagt: Ja, aber in Apostelgeschichte 3 steht: „Tut Buße und bekehret euch!“ Also wir müssen diese Botschaft bringen: Tut Buße und bekehret euch! Apostelgeschichte 3,19.
Nun, die Sache hat zwei Seiten. Gott bewirkt, dass er sich bekehrt. Es gibt die göttliche Seite und es gibt die Verantwortung des Menschen. Gott bewirkt, das drückt sich so aus, dass Gott den Menschen zieht. Römer 2,4: Da sagt der Apostel: Oder verachtest du den Reichtum seiner Gütigkeit und Geduld und Langmut, nicht wissend, dass die Güte Gottes dich zur Buße leitet? Nach deiner Störrigkeit und deinem unbußfertigen Herzen aber häufst du dir selbst Zorn auf am Tag des Zornes und der Offenbarung des gerechten Gerichts Gottes, welcher einem jeden vergelten wird nach seinen Werken.
Also Gott in seiner Güte leitet den Menschen zur Buße, zur Reue, zur Umkehr, das heißt Buße. Aber hier wird gewarnt: Mit deiner Störrigkeit und deinem unbußfertigen Herzen kannst du dir noch mehr Zorn von Gott aufhäufen, den du einmal in der Ewigkeit, in alle Ewigkeit, erleiden musst, wenn du diesem Zug Gottes zur Buße nicht nachgibst. Das ist die Verantwortung des Menschen. Gott zieht, aber der Mensch muss nachgeben, er muss nichts leisten. Aber er muss bereit sein, zu kapitulieren.
In Römer 3 steht ein Kapitel weiter, Vers 11b: Da ist keiner, der Gott sucht. Der Mensch sucht prinzipiell Gott nicht. Und wenn ein Mensch beginnt, nach Gott zu fragen, dann ist es das Werk Gottes, der ihn zur Buße leitet. Also der Mensch kann sich nicht bekehren von sich aus. Keiner würde sich bekehren, aber weil Gott zieht, zur Buße leitet, ist es möglich. Aber das ist nicht bedingungslos, sonst gäbe es eine Allversöhnung. Nur der Mensch, der nachgibt, kommt zur Buße.
Gott bewirkt, dass er sich bekehrt. Also es sind zwei Seiten: Gott bewirkt die Bekehrung, das ist für alle Menschen. Aber der Mensch muss dann diesem Zug nachgeben und sich bekehren, und das sind nicht alle Menschen. Wir lesen hier auf dem Blatt habe ich das noch angegeben: In Johannes 6,44 sagt der Herr Jesus: Niemand kann zu mir kommen, nur wenn der Vater ihn zieht. In Lukas 19,10 steht: Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist. In Johannes 16,8 steht: Der Heilige Geist wird die Welt überführen von Sünde.
Wir sehen: Der dreieine Gott wirkt an jedem Menschen in dieser Welt. Der Vater zieht, der Sohn sucht, der Heilige Geist überführt. Aber es bekehren sich nicht alle, weil manche in ihrer Störrigkeit nicht nachgeben, und die gehen verloren und werden gerichtet nach ihren Werken, Römer 2,5.
Ein schönes Gebet, Jeremia 31,18, ganz am Schluss: Bekehre mich, dass ich mich bekehre. So muss der Mensch beten. Bekehre mich, nur Gott kann bewirken, dass ich mich bekehre.
Und heute hat man das alles etwas vergessen. Man meint einfach, man muss irgendwie eine schöne Stimmung bringen, man muss einfach alles so glatt und schön laufen und harmonisch usw., und dann kommen die Leute massenweise zur Bekehrung. Das stimmt gar nicht. Das meint eigentlich, dass die Bekehrung eine Sache des Menschen schlechthin ist. Gott bewirkt die Bekehrung, und er zieht, was er nachgeben muss. Und deswegen sagt der Präabrief also: Heute, seine Stimme höre, verhärten nicht. Beide Seiten: die Seite Gottes und die Verantwortung des Menschen.
In der Kirchengeschichte hat man mal das, mal das. Das hat gegeben. Aber ein Ort aus Nehemiya wehrt die Sache: El-Yath-t, der sich bekehrt. So sind wir beim Schaftor schön.
Dann gibt es hier diesen Turm Hanan-el, und das heißt Nade-tüs. Hanan-el heißt Nass und gibt dort A-hundert, Zahl hoch ist ja in Markus Viert die Zartfülle, eine gesetzt gibt die Geltung der Hundertfell, dort die Dass illustrieren Firmen in der Nordmalm die Bekehrung senden, so gerade, allein durch Knecht. So Lafide allein durch Glauben der Mentor an, sonst geht's nicht, wenn von dem Schaf bleibt, so gibt es keine Versöhnung, es durch. Da ausarbeiten Leut von Jericho zwei Mist, so als Exekts und die Schifffluche hin unter dem Fluch, haben das nicht das Schaf, el Turm nahe Gottes und Eljaschiff. „Gott bewirke Specki.“
Ja, gehen wir wieder zum Fischturm. Das drei, wie kommt zum Namen? Da war wohl der Fischakt in der Nähe, also hier sind die Fische in die Stadt gebracht. Nun, wenn jemand kehrt, betrügt er einen neuen Auftrag, der erlöst in Julius vierten den Auftrag: Holt mir nach, werde euch zu Menschen machen, in die Strecke des Friedens. Das ist der erste Schritt des Geheirungs und Erklärung.
Dann kommt versetzt das Tor der Alten. Und manche Übersetzungen haben das Alte Tor, die Mauer steht nicht im Text. Das Tor der Alten, eben die Mauer oder einfach das Alte Tor, das erinnert an die frühere Zeit dieses Tor. Und dazu möchte ich lesen Jeremia 6,16: So spricht der Herr: Tretet auf die Wege und seht und fragt nach den Pfaden der Vorzeit, welches der Weg des Guten sei, und wandelt darauf, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.
Das ist nicht ein Vers, der sagt: Geht zurück zur alten Tradition, und dann werdet ihr Ruhe finden. An Israel gerichtet: Die Wege der Vorzeit, das ist die Zeit, wo Gott Israel die Bibel gegeben hat, am Sinai. Geht zurück zur Bibel. Das sind die Pfade der Vorzeit.
Neutestamentlich sagt 1. Johannes 1,1; 2,7.13.14.24; 3,11: Johannes, als im ersten Jahrhundert die Christen schon so von diesen Anfangsehren von Christus abgewichen waren, dass er sie wieder zurückführen musste zu dem, was von Anfang an war, zurück zur Schrift, zur Lehre der Apostel. Also das Tor der alten Mauer ist eine weitere Etappe: Man ist zur Bekehrung gekommen, man ist ein Menschenfischer geworden, man soll sich zurückbesinnen auf das, was von Anfang war.
Dann kommt das Taltor, Vers 13. Wiederholt so die Bedeutung von dem Gang durch die schwierige Zeit. David sagt in Psalm 23,4: Und wenn ich wanderte im Tal des Todesschattens, so fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir. Ein Stecken und ein Stab, sie trösten mich. In Psalm 84,4 wird von dem Tal Bacha gesprochen. Das heißt das Tränental.
Nun, das Taltor spricht symbolisch in der Bibel von Not, von Schwierigkeiten im Leben. Das gehört zum normalen Christenleben. Wer solche Dinge ausschalten will, der fördert unsere angeborene Leidensscheu. Das muss uns niemand beibringen, das haben wir schon, oder? Aber wer sagt, den Christen sollte es gut gehen, wenn sie recht im Glauben leben, der verkündigt so etwas Falsches, denn das spricht unsere natürliche Leidensscheu an, da wo wir sowieso Probleme haben, und verhindert, dass wir eben diese Erfahrungen machen wie in Psalm 84.
 Psalm 84, Vers 6 beziehungsweise 7 je nach Zählung, und ich beginne im Vers davor: Glückselig der Mensch, dessen Stärke in dir ist, in deren Herzen gebahnte Wege sind! Durch das Tränental gehend, durch das Tal Bacha, hebräisch, gehend, machen sie es zu einem Quellenort. Ja, mit Segnungen bedeckt ist der Frühregen, sie gehen von Kraft zu Kraft, sie erscheinen vor Gott in Zion.
Ja, durchs Tränental und dann erscheint man in der Stadt Zion, Jerusalem. Aber durchs Tränental hindurch, wenn man auf Gott vertraut, dann kann man erleben, wie das Leiden zur Quelle des Segens wird. Wie Gott das Schwere in unserem Leben braucht, um uns Gutes zu tun.
Eine Frau hat mir vor kurzem an einem Vortrag erzählt: Sie hat so Schreckliches erlebt. Ihr Mann ging einen Fußballmatch in den Tessin, in den Zug, es war eine wunderbare Ehe, gute Beziehung zusammen, und dann bricht er da zusammen im Zug, Herzinfarkt. Dann hatte er Sauerstoffmangel. Jetzt sei er in einem Wachkoma, seit 18 Monaten. Für sie ist die ganze Welt zusammengebrochen und schrecklich, und sie geht täglich zu ihm. Aber durch dieses Erlebnis kam die Frau zum Glauben. Sie ging in eine christliche Buchhandlung in Basel und hat dort Kassetten gekauft. Und sie ist ganz selber zum Glauben gekommen. Wirklich einen Durchbruch erlebt, und jetzt sagt sie: Gott hat es gut mit mir gemeint. Ich habe so Schweres erlebt, aber genau dadurch bin ich überhaupt zum Glauben gekommen.
Durch die Not kann Gott eben Segen wirken. Das Tal Wacha wird zu einem Segensort, und ich möchte schließend mit 2. Chronika 20,26 schließen. Dort wird auch von einem gesprochen, dass man nach Schwierigkeiten genannt hat: das Tal Bracha, das Lobetal. Merkt man das Wortspiel? Das Tal Bracha wird zum Tal Bracha, das Tränental wird zum Lobetal. So, das passt gut für die Pause.

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