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Bibel Marke Eigenbau?

Darum ist das Schriftverständnis NICHT beliebig
09.05.2025

Begrüßung und Einstieg mit einem Bild als Gesprächsanlass

So, ihr Lieben, dann ganz herzlich willkommen auch von mir auf diesem evangelikalen Kirchentag. Schön, dass ihr da seid. Ich habe jetzt die große Freude und Ehre, die Vorband für Dr. Martin P. Grünholz und Paul Ruderer zu sein.

Bevor wir starten, habe ich euch etwas zum Lachen mitgebracht, nämlich dieses schöne Gemälde. Ich habe viele Monate daran gearbeitet, es gab zahlreiche Versuche. Ihr könnt es euch jetzt ganz kurz anschauen. Danach würde ich mich freuen, wenn zwei oder drei extrovertierte Leute einfach mal reinrufen, was sie denken, was sie hier sehen.

Schwetterling, eine Lupe, okay, was noch? Ein Becken, ein Schwert, eine Feige? Ihr seid alle wach, ich sehe es super! Ich muss euch leider enttäuschen: Ihr könnt hier so viel Zeit verbringen, wie ihr wollt, aber das, was ihr hier seht, ist tatsächlich einfach nur ein Tintenklecks.

Dahinter steckt kein tieferer Sinn, außer diesem hier: Das ist nämlich etwas, das vor ungefähr hundert Jahren ein Schweizer Psychologe namens Hermann Rorschach entworfen hat. Er hat sich überlegt, ein paar willkürliche Tintenkleckse zu machen – das ist Nummer neun in seiner großen Sammlung – um einfach mit seinen Patienten ins Gespräch zu kommen.

Denn er hatte festgestellt, dass man über diese Kleckse denken kann, wie man will. Sein Ansatz war: Menschen sehen in diesen willkürlichen Tintenklecksen das, was sie persönlich beschäftigt.

Das ist ganz interessant. Zeigt man das zum Beispiel einer Schwangeren, könnte sie sagen: „Oh, das sieht anatomisch aus“ oder so. Der Knackpunkt des Rorschach-Tests ist also, dass es gar nicht um den Tintenklecks selbst geht, sondern um dich – darum, was du darin siehst.

Jeder kann in diesem Klecks das sehen, was ihn beschäftigt, und so können Gespräche entstehen. Bis hierhin spannend: Du liest da rein, was vorher schon in dir selbst drin ist.

Die Frage ist jetzt: Ist das mit der Bibel genauso? Ist die Bibel so etwas wie der Rorschach-Test der heutigen Zeit? Kann ich da einfach reinlesen, was ich will? Ist die Bibel so gedacht, dass jeder etwas anderes darin sieht?

Oder ist die Bibel vielleicht nur ein zufälliges Muster und eine persönliche Projektionsfläche? Ist das Bibelverständnis – ich drücke es mal hart aus, mit den Worten von Markus Thiel, nicht meine – beliebig? Oder gibt es tatsächlich so etwas wie ein falsches und ein richtiges Bibelverständnis?

Das wollen wir uns jetzt gemeinsam anschauen.

Vorstellung und Einführung in die Bedeutung der Bibel als Quelle für Jesus

Ich freue mich sehr, hier sein zu dürfen. Ich bin Markus und leite den überkonfessionellen Bibelfitdienst, der genau heute sechs Jahre alt geworden ist. Vielen Dank an alle, die uns im Gebet unterstützen – das bedeutet uns sehr viel. Wir erstellen kostenfreie Infomaterialien für Gemeinden, Hauskreise und Bibelschulen.

Warum gibt es überhaupt die Bibel? Schauen wir uns das einmal genauer an. Wir sind Christen, das heißt für uns ist entscheidend, was Jesus sagt. Das ist klar: Christen, Christus – da besteht ein Zusammenhang. Die Frage ist also: Was sagt Jesus?

Die Antwort lautet: Die biblischen Berichte, die wir haben, sind die bei weitem beste Quelle für die Lehren von Jesus. Dazu ein kurzer Exkurs in die Geschichte: Woher können wir überhaupt etwas über Jesus wissen?

Es gibt genau genommen drei verschiedene Arten von Quellen, also drei verschiedene Informationsquellen, aus denen wir Informationen ziehen können.

Nummer eins sind nichtchristliche Quellen. Das sind historische Quellen von Nichtchristen. Was haben Nichtchristen in den ersten drei Jahrhunderten bis zur konstantinischen Wende über Jesus aufgeschrieben oder gesagt? Bis jetzt, das heißt Stand heute, haben wir über 50 verschiedene historische Quellen gefunden, ausgegraben und untersucht, die berichten, was Nichtchristen über Jesus sagen.

Das ist also die große Gruppe Nummer eins: Wo können wir etwas über Jesus erfahren? Wir schauen, was nichtchristliche Quellen damals gesagt haben.

Variante zwei sind christliche Quellen aus den ersten Jahrhunderten, christliche Quellen aus der Antike, wie zum Beispiel die apostolischen Väter. Das sind quasi die Mitschriften oder Berichte der Mitarbeiter der Apostel, vereinfacht gesagt.

Variante drei ist eine besondere Untergruppe unter den christlichen Quellen: die Augenzeugenberichte im Neuen Testament selbst. Das sind Berichte von denen, die tatsächlich mit Jesus gesprochen und mit ihm gelebt haben. Diese Quellen sind als historische Grundlage noch deutlich früher, umfangreicher und qualitativ hochwertiger als alle anderen. Diese finden wir heute im Neuen Testament.

Vielleicht denkst du jetzt, dass ich das als radikaler Fundamentalist sage, aber so ist es nicht. Ich denke mir das nicht aus und habe es auch nicht irgendwo in einem Bus oder in der Straßenbahn gehört. Schau doch einfach mal, was seriöse, säkulare Standardwerke der Geschichtswissenschaften dazu sagen. Das sind keine Aussagen von mir, sondern öffentlich zugängliche Fakten, die jeder überprüfen kann.

Historische Bestätigung der Evangelien als zuverlässige Quellen

Gehen wir einige Beispiele durch. Zuerst schauen wir in den Brockhaus, nicht Worthaus, sondern Brockhaus. Ich muss aufpassen, sonst lande ich noch vor Gericht. Spaß beiseite: Worthaus braucht unser Gebet.

Der Brockhaus ist für die Jüngeren unter euch so etwas wie Wikipedia in Buchform. Dort heißt es, dass der Brockhaus das Standardwerk der deutschen Allgemeinbildung ist. Die wichtigsten Quellen für das Leben und die Lehre von Jesus sind die Evangelien des Neuen Testaments, sagt der Brockhaus.

Als zweites Beispiel die Enzyklopädie of Religion. Sie bestätigt, dass die wichtigsten Quellen für Jesus im Neuen Testament zu finden sind.

Ein kleiner Exkurs ins Deutsche: Auch der Neue Pauly, ein Standardwerk der Geschichtswissenschaftler, die sich mit der Antike beschäftigen, sagt dasselbe (Band 6).

Ein weiteres Beispiel ist die Encyclopaedia Britannica, das umfangreichste Nachschlagewerk zu so ziemlich allem, was gedruckt und verlegt wird. Dort heißt es: „Es ist unwahrscheinlich, dass Quellen außerhalb des biblischen Kanons, also nichtbiblische Quellen, dem Porträt des historischen Jesus viel hinzufügen können.“ Mit anderen Worten: Das hier ist schon die Crème de la Crème.

Wieder ein Zitat aus dem Brockhaus: „Aus den historisch eruierbaren, ermittelbaren Daten der Zeitgeschichte Jesu und den innerbiblischen Verweisen lassen sich einige Fixpunkte und – ich ergänze – sogar eine ungefähre Chronologie erschließen.“

Ich könnte jetzt noch lange so weitermachen, das könnte den ganzen Tag so weitergehen. Aber du siehst schon den Punkt: Sogar säkulare Standardwerke bestätigen, dass das, was im Neuen Testament steht, historische Fakten sind – und zwar hochwertige.

Das heißt, wir halten fest: Die historischen Fakten im Neuen Testament sind nicht beliebig. Jeder kann da nicht einfach etwas hineininterpretieren. Sie ändern sich nicht mit dem Betrachter, nicht mit den Umständen und auch nicht mit der Zeit. Die Fakten im Neuen Testament ändern sich nicht plötzlich, egal ob du sie in Italien, in der Schweiz oder in Dänemark liest. Sie bleiben gleich. Das sind Fakten, die feststehen.

Kurz gesagt: Die Bibel gibt uns den besten Zugang zu Jesus. Und Jesus ist der Weg zum Vater.

Überblick über die Bibel und ihre Bedeutung für das Christentum

Schauen wir uns kurz an, wozu wir die anderen biblischen Bücher haben. Das ist schnell und einfach erklärt. Die vier Evangelien hatten wir bereits. Sie sind die zuverlässigsten Berichte über Jesus. Dann kommen natürlich noch die Briefe, die Apostelgeschichte und die Offenbarung dazu.

Ich fasse zusammen: Das ist die ursprüngliche christliche Lehre. Das ist das, was die Urchristen, die Apostel und die allerersten Gemeinden geglaubt und praktiziert haben. Und das sind die Berichte von denen, mit denen Jesus gesprochen und gelebt hat.

Wozu haben wir das Alte Testament? Es ist sehr hilfreich, um die Heilsgeschichte zu verstehen, also die Geschichte, die Gott mit der Menschheit schreibt. Alle, die jetzt dispensationalistisch sind, rufen „Juhhu!“. Die Apostel und Jesus sagen, dass das Alte Testament wichtig ist. Es war die Heilige Schrift der ersten Christen.

Also ein Zwischenfazit: Die 66 Bücher in der Bibel waren und sind die Heilige Schrift der ersten Christen. Sie wurden seit Jahrhunderten sorgfältig an die nächste Generation weitergegeben. Heute haben wir alle die Ehre, diesen Staffelstab halten zu dürfen.

Eine Frage an dich und mich: Schaffen wir es, ihn jetzt an die nächste Generation weiterzugeben? Jetzt sind wir dran.

Im Neuen Testament haben wir also die ursprüngliche christliche Lehre und die Praxis der Urchristen, der Apostel und der ersten Gemeinde. Damit kann eine erste Reflektionsfrage für die Pause danach kommen. Die kann sich der eine oder andere auch aufschreiben, wenn er möchte. Nämlich: Sind wir heute Christen im selben Sinne und auf dieselbe Weise, wie die ersten Christen es waren? Sind wir Christen in dem Sinne, wie Jesus und die Apostel es dargelegt haben?

Ich glaube, die Frage ist erlaubt und jeder sollte sie sich einmal stellen. Ich stelle sie mir selbst kritisch. Mir gefällt nicht immer, was ich bei mir sehe.

Jesus und die Heiligen Schriften: Eindeutigkeit und Verbindlichkeit

Teil 2

Lasst uns mal schauen, wie Jesus selbst mit den Heiligen Schriften umgeht. Wir kommen darauf zurück: Wir sind Christen und wollen Jesus Christus nachfolgen. Er ist neben vielen anderen Dingen auch unser Vorbild. Das heißt, wir wollen natürlich auch sehen, was Jesus tut und was wir nachmachen können.

Schauen wir gemeinsam in Johannes 17. Dort sagt Jesus: „Vater, dein Wort ist Wahrheit.“

An einer anderen Stelle, in Johannes 10, sagt Jesus: „Gottes Wort kann nicht gebrochen werden.“

Jesus spricht außerdem: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir...“ – nicht „vielleicht“ oder „ich überlasse es dir“. Hier enden meine Poesiekünste.

Die Frage ist also: Ist laut Jesus die Bibel eindeutig? Nun, Jesus redet in menschlicher Sprache. Er spricht nicht in Engelszungen oder in einer obskuren Zeichensprache, sondern er redet mit den Leuten zum Beispiel auf Aramäisch oder auf Griechisch.

Die Bibel ist in den Sprachen der Empfänger niedergeschrieben – in Hebräisch, Aramäisch und Altgriechisch. Altgriechisch war eine der meistverbreiteten und einflussreichsten Sprachen der Weltgeschichte. Warum? Damit die Menschen sie verstehen. Gott möchte, dass die Bibel verstanden wird.

Hier noch ein paar Beispiele, damit ihr seht, dass ich mir das nicht ausdenke:

Im 1. Korinther 15,3-4 finden wir ein ganz frühes christliches Glaubensbekenntnis, das wahrscheinlich nur wenige Monate, vielleicht sogar Wochen nach Jesu Kreuzigung und Auferstehung entstanden ist. Dort heißt es: „Christus ist gestorben für unsere Sünden nach der Schrift.“

Das zeigt, dass die Schrift einen objektiven Heilsinhalt hat, den man erkennen kann. Der Satz macht keinen Sinn, wenn man nicht verstehen kann, was die Schrift sagt.

Schauen wir noch einmal zu Jesus in Johannes 5, wo er zu den Schriftgelehrten und Pharisäern spricht: „Ihr erforscht die Schriften, und sie sind es, die von mir zeugen.“

Auch hier sagt Jesus, dass die Schriften einen eindeutigen Sinn haben.

Ein weiteres Beispiel finden wir in Matthäus 22, wo Jesus zu den Sadduzäern spricht. Das ist eine schwierige Stelle. Dort sagt er: „Ihr irrt, weil ihr die Schrift nicht kennt, noch die Kraft Gottes.“

Das bedeutet, Jesus sagt, es ist möglich, die Schrift falsch zu verstehen. Es gibt also einen eindeutigen Sinn, den man verfehlen kann.

Wenn es keinen eindeutigen Sinn gäbe, könnte man ihn ja auch nicht verfehlen – wie bei einem Rorschach-Test, bei dem man nicht durchfallen kann. Aber Jesus sagt, bei der Bibel kann man durchfallen, weil man sie nicht versteht.

Wir halten also fest: Das Neue Testament enthält zuverlässige Geschichtsschreibung, und wir sehen, dass Jesus selbst die Heiligen Schriften absolut nicht als beliebig behandelt, sondern als verständlich, objektiv, klar und eindeutig.

Zur Frage, ob man überhaupt eindeutig sagen kann, was die Bibel in den Kernfragen meint, oder ob das jeder für sich selbst festlegen muss, sagt Jesus uns Folgendes: Ja, es lässt sich sagen. Deshalb gibt es kein Christentum „Marke Eigenbau“. Es gibt keine Jesusnachfolge „Marke Eigenbau“. Es ist schon hier vorgegeben.

Praktische Tipps zum Verständnis der Bibel

Teil drei für heute: Woher weiß ich denn, was die Bibel sagt?
Jetzt vier praktische Tipps.

Tipp Nummer eins:
Erstmal die Bibel ein paarmal durchlesen, eine Strecke machen und währenddessen auch aushalten, dass du nicht alles auf Anhieb verstehst. Es heißt ja schon in Josua 1:
„Dieses Buch soll nicht von deinem Mund weichen, sondern betrachte es bei Tag und bei Nacht, damit du darauf achtest, nach allem zu handeln, was dort geschrieben steht.“

Also auch da wieder ganz klar: Ich kann danach handeln, es muss also irgendwie erkennbar sein. Offenbarung 1,3 sagt:
„Selig ist, wer diese Worte liest.“

Es liegt also von Gott ein spezieller Segen darin, sein Wort zu lesen. Warum sollten wir das übergehen? Es wäre doch schade drum. Im Psalm 1 heißt es:
„Gesegnet ist, wer Tag und Nacht über Gottes Worte nachdenkt.“

Im Kolosserbrief heißt es:
„Lasst die Worte Christi reichlich unter euch wohnen“, also nicht nur mal zu Gast sein, sondern wohnen.

Und Jesus Christus persönlich sagt immer wieder:
„Habt ihr nicht gelesen?“

Ihr geht also automatisch davon aus, dass wir die Heiligen Schriften lesen. Und wer sind wir, uns darüber hinwegzusetzen?

Das heißt: Sobald du in deiner Bibel einen Abschnitt nicht gleich verstehst, dann heißt das nicht, dass die Bibel falsch wäre. Es heißt auch nicht, dass der Abschnitt an sich völlig unklar wäre. Es heißt auch nicht, dass niemand den verstehen könnte. Es heißt auch nicht, dass du selbst den niemals verstehen würdest.

Es ist einfach nur eine harmlose Momentaufnahme. Du verstehst in dem Moment einfach gerade etwas nicht. Das ist alles. Kein Grund, am Leben zu verzweifeln, kein Grund, hysterisch zu werden, kein Grund, dass dein Puls über siebzig geht. Alles okay.

Praxiserfahrung:
In der Realität ist es häufig so – nicht immer, aber häufig – dass du Stellen, die du gerade nicht verstehst, beim nächsten Mal Bibeldurchlesen, vielleicht ein halbes Jahr später, verstehen wirst. Und häufig erschließen sich Dinge in deiner Bibel schon nur ein paar Kapitel später.

Deshalb: Sobald du auf schwierige Stellen stößt, die du nicht auf Anhieb verstehst, ist das keine große Sache. Behalte deine Fragen einfach für die nächsten Wochen bei deinem täglichen Bibellesen im Hinterkopf und lies einfach weiter. Ist alles okay.

Wieder eine Erfahrung aus der Praxis:
Diese ganz großen Lichtblicke, wo einem so die Kronleuchter aufgehen, die kommen bei vielen Menschen erst beim dritten Mal Bibel durchlesen. Ich habe das so erlebt, meine Frau hat das so erlebt, und viele, sehr, sehr viele Leute aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die uns in den letzten Jahren geschrieben haben, haben das genauso oder ähnlich erzählt.

Ab dem dritten Mal Bibel durchlesen gehen einem die ganzen Kronleuchter auf, und man will die Bibel gar nicht mehr aus der Hand legen. Ist wirklich so. Deswegen war ich heute Morgen wieder zu spät, weil ich schon lange Bibel gelesen habe.

Tipp Nummer zwei:
Wie du weißt, was die Bibel sagt: Wichtiges ist in der Bibel sehr präsent und wird häufig wiederholt.

Ich gebe jetzt mal ein anschauliches Gegenbeispiel, das ein bisschen flapsig ist: Angenommen, jemand kommt zu dir und sagt: „Ich bin Sozialdemokrat.“ Okay? Dann würdest du ja in Deutschland zu Recht davon ausgehen, dass er sich mit der Weltanschauung der Sozialdemokratie identifiziert. Du würdest sagen: „Okay, der findet wahrscheinlich die politischen Ziele der SPD gut, in Österreich der SPÖ, in der Schweiz der SP, so ungefähr.“

Jetzt behauptet aber derjenige und sagt: „Nö, also mit der SPD kann ich so gar nichts anfangen. 99 Prozent von deren Parteiprogrammen sind Schrott, aber die 0,1 Prozent von deren Parteiprogrammen, die sie zum Datenschutz schreiben, die finde ich richtig gut. Die anderen 99 Prozent können mir gestohlen bleiben.“

Also ihr lacht schon, da merkt doch jeder denkende Mensch, da stimmt irgendwas nicht. Dann würdest du doch zu Recht sagen: Junge, bei Sozialdemokratie geht es um erheblich präsentere und zentralere Themen als nur um Datenschutz. Und solange du diese ganz großen Themen ablehnst, zu denen sich deine Partei viel umfangreicher und viel tiefer äußert, solltest du dir wahrscheinlich eine andere Partei suchen.

Und so ähnlich ist es beim Neuen Testament. Wieder ein flapsiges Beispiel, weil das bleibt ja hängen, habe ich in der Pädagogik gelernt: Weniger als 0,1 Prozent aller Verse in der Bibel behandeln das Thema Fußwaschungen.

Das heißt, niemand würde auf die Idee kommen zu sagen: Ich werde nur deswegen Christ, weil ich das so überzeugend finde, was im Neuen Testament über Fußwaschungen steht, solange er die anderen Inhalte der anderen 99 Prozent ablehnt. Das würde kein normal denkender Mensch tun.

Das heißt, du siehst, Fußwaschungen sind offensichtlich nicht zentral und entscheidend für das biblische Christentum. Das ist mal ein Zitat für Idea, nur zum Spaß. Nicht, dass daran irgendwas falsch wäre an Fußwaschungen, versteht mich richtig. Aber solange jemand die Inhalte der anderen Punkte ablehnt, müssen wir ehrlich eingestehen: Fußwaschungen sind nicht das Kernthema.

Also ihr merkt, so ein bisschen, wir werden wieder ganz bitter ernst: Wir Christen, wir berufen uns auf Jesus, aber nicht auf meinen Jesus oder deinen Jesus oder den Rorschach-Jesus. So etwas gibt es überhaupt nicht. Jesus ist eine einzigartige Person, die an einem ganz bestimmten Zeitpunkt, an einem ganz bestimmten Ort gelebt hat.

Jesus ist einzigartig, den gibt es nicht im Plural. Es gibt vielleicht 50 persönliche Wunschfantasien, wie jeder von uns sich vielleicht Jesus zurechtwünschen will – da reihe ich mich ganz ein – aber es gibt nur den einen historischen Jesus, der wirklich gesprochen hat, der wirklich auferstanden ist.

Und deshalb ist es so extrem wichtig, dass wir diesen historischen Jesus sehen, ob der mir jetzt gefällt oder nicht, ob ich ihm nachfolge oder nicht, wie ich darauf reagiere. Alles schön und gut, das sind nur zwei verschiedene Fragen: Aktion, Reaktion.

Jesus sagt immer wieder: Folge mir nach! Und wir Christen, wir sind diese Nachfolger von Jesus. Das heißt, was Jesus sagt, ist für uns gültig und ist für uns bindend.

Und falls jemand kommt und dir sagt: „Na ja, was der Jesus erzählt, das ist für mich nicht gültig und ist für mich nicht bindend“, es ist ein freies Land, aber dann wäre es klug, dass derjenige an einem gewissen Punkt das nochmal überdenkt, sich als Christ zu bezeichnen.

Und der allergeringste Anspruch an einen Christen ist doch: Ein Christ sollte Christus nicht in Kernthemen widersprechen.

Was sind die Kernthemen? Wir haben es gerade gehört: Wichtige Wahrheiten werden von Jesus mehrfach wiederholt, und darin sehen wir klar – schauen wir doch mal rein.

Wir sehen also: Die wichtigsten Quellen für Jesus sind die vier Evangelien im Neuen Testament. Vier Evangelien, die haben insgesamt 3.999 Verse.

Wenn du dir jetzt einfach mal durchgehst und bei jedem dieser Verse eine Strichliste machst, über welches Thema Jesus dort spricht, siehst du zum einen: Von diesen 3.999 Versen spricht Jesus in 1.957 Versen.

Und du kannst die alle durchgehen und da eine Strichliste machen. Ich habe das über einen langen Zeitraum gemacht und diese Strichliste dann dreimal abgeglichen.

Dann wirst du sehen, über welche Themen Jesus wie viel redet. Und jetzt kommt es ein bisschen auf die Zählmethode an, das will ich alles zugeben, überhaupt kein Thema, aber wenn du das am Ende durchgehst, wirst du auf ein Kreisdiagramm kommen, das ziemlich ähnlich so aussieht.

Wie häufig redet Jesus über was? Und du siehst einfach, es gibt ein paar Themen, die sind überraschend wenig vorhanden, und es gibt ein paar Themen, die sind sehr, sehr viel vorhanden.

Du siehst zum Beispiel, dass Jesus redet über Geld und Materielles in 2,7 Prozent aller Verse. Das ist mehr, als ich gedacht habe.

Er redet über die unsichtbare Welt in 3,6 Prozent aller Verse. Spannend. Über Nachfolge in 5,7 Prozent. Prophetie in 10 Prozent aller Verse. Soteriologie, das heißt alles, was damit zu tun hat, wie du gerettet werden kannst, in 10,3 Prozent.

Und 13,2 Prozent ist das zweithäufigste Thema, worüber Jesus spricht, die kommende Endzeit und was nach dem Tod passiert.

Am häufigsten ist Gottes Wesen in mehr als jedem vierten Vers.

Mal so ein paar Blitzlichter: Über den Satan redet Jesus 34 Mal, über Verfolgung, ein sehr wichtiges Thema, 39 Mal und über Eschatologie 273 Mal.

Es ist interessant: Jesus spricht weniger über den Himmel und mehr über die Hölle und ewige Verdammnis, überhaupt über das Jüngste Gericht.

Also einfach mal so eine Frage, die mir so aufgekommen ist: Wenn die Hölle angeblich leer sein wird und es angeblich kein Jüngstes Gericht gäbe, wie ich das im Theologiestudium noch gelernt habe, wieso warnt Jesus dann 117 Mal davor?

Das Gleiche haben wir im Bibelverdienst auch dazu gemacht. Wenn du darüber schaust, wie reden die Apostel denn mit Nichtchristen über das Evangelium, auch da kommst du auf eine Strichliste heraus, die sieht ungefähr so aus:

Du guckst dir einfach die 16 Redesituationen an in der neutestamentlichen Apostelgeschichte, es sind 219 Verse, in denen die Apostel versuchen, Nichtchristen zu überzeugen, Jesus auch nachzufolgen.

Nun, du siehst auch da: Die Topthemen sind eindeutig Jesus tot, Reue, Umkehr, Sündenvergebung, Auferstehung, Prophezeiung und das Jüngste Gericht als Thema Nummer eins.

Das finde ich ganz spannend. Ich wünschte, ich hätte mehr evangelistische Gabe als viele Leute, die heute hier sind.

Aber das einfach mal zu überlegen: Wenn wir Leuten über das Evangelium erzählen, was erzählen wir ihnen und was nicht? Was können wir lernen von den ersten Christen, bei denen sich bei einer einzigen Predigt 3.000 Leute bekehrt haben?

Das heißt, du siehst also klar, worin der Fokus bei Jesus und bei den Aposteln liegt, nämlich wie du vor dem Jüngsten Gericht gerettet werden kannst. Und darin ist die Bibel ganz klar: durch Gnade allein, durch Christus allein, stellvertretendes Sühneopfer.

Tipp Nummer drei:
Woher weißt du, was die Bibel sagt? Wichtiges wird häufig gesagt und auch eindeutig gesagt.

Jetzt wieder ein harmloses Gegenbeispiel, das für manche Leute vielleicht nicht ganz so harmlos ist:

Wir kriegen manchmal Leserbriefe von Leuten, die behaupten, Jesus wäre angeblich Vegetarier gewesen. Ich bestehe dann bei sowas darauf, dass auch eine Begründung kommt. Meistens kommt keine, und falls dann eine Begründung kommt, dann ist es die Bibelstelle in Lukas 9,56.

Der Text klingt schon nach einer Sache, aber okay, wo Jesus über sich selbst sagt:
„Der Menschensohn ist nicht gekommen, um Leben zu vernichten, sondern um Leben zu erhalten.“

Wenn das die einzige Stelle im gesamten Neuen Testament wäre zu dieser Thematik von Fleisch essen und was man essen kann und so weiter, dann könnte ich nachvollziehen, wie jemand darauf kommt, dass er sagt, Jesus wäre angeblich Vegetarier.

Aber diese Behauptung, dass Jesus angeblich Vegetarier war, wird direkt widerlegt von klaren, eindeutigen Aussagen im Neuen Testament, wo zum Beispiel Jesus nach der Auferstehung Fisch gegessen hat, wo Jesus das Passahmahl gegessen hat und mehr.

Damit ist Vegetarier sein raus.

Das heißt also: Versteh mich bitte richtig, ich habe es nicht geschrieben. Sei gerne Vegetarier, es gibt Argumente dafür, wirklich, es ist ernst gemeint, nur zu. Aber du kannst nicht historisch sagen, dass Jesus Vegetarier war oder dass das für alle Christen aller Zeiten und aller Orte geboten wäre.

Nochmal: Mach’s ruhig, aber es sind zwei verschiedene Sachen.

Und jetzt ein ernstes Beispiel:

Wir haben damals in meiner Ausbildung zum evangelischen Pfarrer so gelernt – das war eines unserer Grunddogmen – das Thema Allversöhnung: Alle Menschen kommen in den Himmel.

Was sagt Jesus dazu? Schon im siebten Kapitel des Neuen Testaments, also fast im Vorwort, wenn du so willst:

Jesus in Matthäus 7:
„Geht hinein durch die enge Pforte; denn die Pforte ist weit und der Weg ist breit, der zu Verdammnis führt, und viele sind’s, die da hineingehen.“

Nicht wenige, nicht keine, sondern viele. Und mit einem einzigen Satz wüsste unser Herr diese Irrlehre weg.

Tipp Nummer vier:
Wie du weißt, was die Bibel sagt: Die Christentumsgeschichte.

Wisst ihr, Christentum ist Teamsport, zu wohl oder übel. Und das ist meistens wunderschön.

Und auf dieser Grundlage, auf der Bibel, haben wir alle heute Morgen Gemeinschaft mit allen bibelorientierten Christen weltweit. Wir alle lesen täglich dieselbe Bibel und wir alle beten denselben neutestamentlichen Gott an.

Dadurch haben wir mit allen bibelorientierten Christen aus allen anderen Ländern und Kontinenten eine gemeinsame Grundlage – und das kulturübergreifend, aber auch zeitübergreifend.

Aber wie schön ist das denn? Zeitübergreifend, das ist der Knackpunkt.

Wisst ihr, in den letzten zehn Prozent der Christentumsgeschichte gibt es eine winzige westliche Minderheit, die uns manchmal vorkommt wie die Mehrheit – ist sie aber nicht – eine winzige westliche Minderheit, die plötzlich alles über Bord werfen möchte, was die bisherigen 90 Prozent der Christentumsgeschichte absolut als Konsens hatten und was für sie selbstverständlich war.

Zum Beispiel Dinge wie die Existenz von Dämonen und vom Satan, zum Beispiel die Jungfrauengeburt, zum Beispiel die leibliche Auferstehung.

Ihr seht hier eine Grafik, die war einfach so schön – vielen Dank an Doktor Jonathan Breitnacher, der sie hierfür zur Verfügung gestellt hat.

Ihr seht also hier ganz schön, wie wir mal Dinge wie leibliche Auferstehung oder Jungfrauengeburt hatten: Die alte Kirche, die apostolischen Väter, die ersten Gemeinden, die von den Aposteln gegründet wurden, die haben das alle ganz selbstverständlich in ihren Schriften gehabt, soweit wir das nachvollziehen können.

Dann seht ihr das auch hier bis hin zum Mittelalter, die Orthodoxen, die altorientalischen Kirchen, die Scholastik, dann habt ihr es bei den Lutheranern, den Reformatoren, den Calvinisten – alle sind der Meinung: Ja, ist doch eigentlich alles klar.

Und dann haben wir hier oben die kleine westliche Minderheit, die sagt: „Ne, ihr alle, ihr seid die Falschfahrer, jetzt haben wir endlich richtig verstanden, was für 2000 Jahre Jesus und die Apostel selbst falsch verstanden hatten, nachdem sie drei Jahre lang mit ihm unterwegs waren.“

Also ihr seht so ein bisschen, das macht mir zu knabbern, diese Geschichtsvergessenheit. Diese Geschichtsvergessenheit vieler Christen macht mir zu schaffen.

Überraschend viele Christen in unserem Land sind manchmal so unterwegs, als hätte die Kirchengeschichte erst begonnen mit Luther oder als hätte die Kirchengeschichte erst begonnen mit der Aufklärung oder sogar in den 1800er Jahren, wo viele Freikirchen entstanden sind.

Und dann denken wir manchmal, wir müssten das Rad neu erfinden.

Deshalb: Falls jemand plötzlich Dinge behauptet, von denen in 2000 Jahren Christentumsgeschichte so gut wie nie jemand etwas gehört hat und die vor allem mit der Lehre und der Praxis der ersten Christen nicht vereinbar waren, dann sollten wir das erste Mal kursiv schreiben und ein großes Fragezeichen dahinter setzen.

Bei allem Respekt: Vergleich einfach mal das biblische Christentum des Neuen Testaments mit zum Beispiel hinduistischen Religionen, mit dem Buddhismus, selbst mit dem Islam, dem Koran und den Hadithen, und jeder kann sehen: Die christliche Weltanschauung ist eine sehr detaillierte und klar definierte Angelegenheit.

Nochmal: Es gibt kein Christentum Marke Eigenbau.

Und das ist die Grundlage für jedes Gespräch mit Andersdenkenden.

Vor kurzem war ich in einer großen muslimischen Gemeinde in Deutschland zu einer Diskussion als Christ eingeladen. Ich konnte aus terminlichen Gründen nicht teilnehmen, aber mal aus ihrer Perspektive:

Dadurch, dass wir Christen uns an der Bibel orientieren, wissen auch Andersdenkende transparent und fair, wo wir stehen.

Sie wissen, dass es in weltanschaulichen Gesprächen mit Christen keine Wundertüten gibt, hoffentlich. Und diese Berechenbarkeit ist doch auch für die Einladenden die Grundvoraussetzung für jede Art von Begegnung.

Durch die Bibel haben wir nun mal eine verbindliche Grundlage und einen verbindlichen Maßstab für unsere Weltanschauung und für unser Handeln.

Und an genau dieser Grundlage, an diesem Maßstab können wir uns selbst messen, und auch alle anderen können uns Christen zu Recht an diesem Buch messen. Und das völlig zu Recht.

Wir Christen leben von Anfang an unter den Worten von Jesus und unter der Lehre der Apostel. Wir leben nicht im wilden Westen willkürlicher Werte, wir leben nicht in einer Ansichtenanarchie, wo jeder seinen eigenen Stiefel durchzieht.

Sondern nein: Dem Christentum liegen ganz konkrete und unveränderliche Bekenntnisse zugrunde. Wir ordnen uns damit einem verbindlichen Maßstab unter, den andere einsehen können und an dem sie uns messen können.

Das heißt zur Erinnerung: Wir sind Christen, wir sind kein New-Age-Club, bei dem sich jeder meditierend in die Ecke setzt und das Orakel seine eigenen Gefühle abergläubisch befragt.

Sondern Gott, der reich ist an Barmherzigkeit (Epheser 2), hat uns schon diese Aufzeichnung über Jesus und die Lehre der Apostel hinterlassen. Die sollten wir auch nutzen.

Ein tragisches Gegenbeispiel dazu ist eine Gemeinde in Deutschland, wo einmal darüber diskutiert wurde: Wollen wir eigentlich glauben, dass es den Satan gibt? Wollen wir den Satan in unsere Weltanschauung aufnehmen?

Und dann gab es eine Mehrheitsabstimmung – oder am besten noch jeder in seiner persönlichen Innenwelt gucken, wie er sich damit fühlt.

Und ja, ihr lacht schon, aber diese Dinge passieren.

Und mal ganz offen: Das ist die falsche Frage.

Die richtige Frage, die schriftgemäße Herangehensweise ist: Sind wir Christen?

Also das heißt: Wollen wir uns in unserem Leben an das halten, was Jesus im Neuen Testament sagt? Ja, wir sind Christen, wir folgen dem Jesus des Neuen Testaments nach.

Und auf dieser Grundlage sollte die Existenz des Satans in unserer Weltanschauung dazugehören.

Das ist die richtige Frage.

Also die falsche Frage ist: „Na, was wollen wir denn glauben?“

Die richtige Frage ist: Als Christ – wie wir das Erbe von 2.000 Jahren Märtyrern vor uns tragen und uns mit unserer Taufe auf die Lehre von Jesus und der Apostel verpflichtet haben – was sollten wir glauben, um dieses Erbe zu ehren, bis unser Herr wiederkommt?

Also nicht: Was wollen wir glauben, sondern: Was sollten wir glauben?

 Judas 3:
„Jetzt ist es notwendig geworden, euch diesen Brief zu schreiben und euch dadurch aufzufordern, mit ganzer Kraft für den Glauben zu kämpfen, der den Menschen, die Gott für heilig erklärt hat, ein für allemal anvertraut wurde.“

Also eigentlich easy, oder?

Das biblische Christentum lässt sich auch klipp und klar logisch begründen. Ich gehe es jetzt nicht einzeln durch, aber eigentlich ist es wirklich einfach.

Wir vergleichen es mal wieder mit einem Blick in die Geschichte: Denkt doch mal einfach zurück an die Theologie vor 800 Jahren, Thomas von Aquin, vor knapp 1.000 Jahren Anselm von Canterbury.

Die Theologen damals hatten nur selten handschriftliche Werke, sie mussten manchmal Hunderte von Kilometern reisen, jahrelang Abschriften anfertigen, und die haben teilweise so viel gekostet wie kleine Schlösser.

Heute können Kirchenhistoriker wie Doktor Martin P. Grünholz innerhalb von Sekunden die gesamte Bibliothek der Kirchenväter durchsuchen.

Damals, im Mittelalter, waren die Bibeln rar, häufig gab es nur die Vulgata, die selbst eine Übersetzung ist.

Heute, auch dank den Kollegen der Logos-Software und vielen anderen, haben Bibelübersetzer wie Doktor Karlheinz van Heijden und Professor Roland Werner den bis auf den i-Punkt exakt rekonstruierten Grundtext.

Damals, vor 1.000 Jahren, konnten überzeugend auftretende, zum Beispiel muslimische Missionare, sonst was behaupten.

Heute können Theologen wie Doktor Heinrich Derksen die Aussagen von Andersdenkenden mit dutzenden historischen Quellen vergleichen und innerhalb desselben Tages factchecken.

Du hast in deiner Hosentasche heute Zugang zu mehr Rechenkraft und Recherchepower, als die gesamte NASA hatte, als sie einen Mann auf den Mond gesetzt hat.

Es war noch nie eine so dankbare Aufgabe wie heute, christliche Apologetik zu betreiben und die Wahrheit des Christentums zu erklären und zu verbreiten.

Also ihr seht: An sich ist eigentlich alles klar. Und die Theorie ist auch klar. Aber die Theorie ist nicht das Problem. Das Problem ist die Praxis.

Herausforderungen und Selbstblockaden in der heutigen Christenheit

Und deswegen möchte ich zum Schluss für die letzten Minuten ein wenig ernster werden. In Deutschland, Österreich und der Schweiz treten wir jetzt in eine Zeit ein, in der unsere Gemeinden vom Postevangelikalismus und von Dekonstruktion geplündert werden. Zum Beispiel gehen mormonische und auch muslimische Missionare gezielt auf verunsicherte junge Christen zu, um sie von ihrer Weltanschauung zu überzeugen.

Wir erleben eine Zeit, in der auch im freikirchlichen Bereich längst unbiblische Irrlehren wie Unkraut aus dem Boden sprießen. Deshalb haben Markus und Reinhard zusammen mit vielen anderen die Jesus 25 Konferenz ins Leben gerufen – Halleluja –, damit wir Christen in unseren Gemeinden die PS auf die Straße bringen.

Damit wir das aber tun können, müssen wir ehrlich und unverblümt in den Spiegel schauen und uns fragen: Was hat uns bisher davon abgehalten? Dabei stellen wir fest – und ich nehme mich hier vollständig mit ein –, dass auch wir im Bibelverdienst als Christen in Deutschland teilweise noch ganz schön an uns arbeiten müssen.

Das ist ein Thema, über das ich viel nachdenke, das mich sehr beschäftigt, und ich weiß, dass es auch dich betrifft. Deshalb nun der vierte und letzte Hauptteil: Was sind die großen Hürden, über die wir springen müssen?

Ich denke, wir haben mindestens drei große Selbstblockaden in der deutschsprachigen Christenheit in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die wir ablegen müssen.

Selbstblockade Nummer eins ist Formalismus, also dass wir sehr auf die Form achten. Im Bibelfelddienst erhalten wir etwa 1.000 verschiedene Leserbriefe, Nachrichten, E-Mails und Kommentare jeden Monat – mal ein bisschen mehr, mal ein bisschen weniger. Die Mehrzahl davon sind Fragen, die Menschen zum Christentum und zur Bibel haben. Das sehen wir jeden Tag.

Abertausende Christen in unserem Land, in Österreich und der Schweiz haben teilweise – und ich muss es so sagen – die Hoffnung aufgegeben, in ihren Gemeinden Antworten zu bekommen. Deshalb suchen sie im Internet, viele landen bei uns.

Fragen sind zum Beispiel: In welchem Ausmaß gibt es Vorherbestimmung? Kann ich mit meiner Freundin unverheiratet zusammenziehen? Sind die Paulusbriefe echt? Rettet Kindertaufe? Sind Abtreibungen als Verhütungsmethode falsch? Kann ich zu Toten beten? Können Muslime gerettet werden?

Ich möchte das ganz deutlich aussprechen: Es gibt Gemeinden in Deutschland, Österreich und der Schweiz, in denen eine Art toxische Inklusionskultur herrscht. Das heißt, wenn Leute die Grundlagen einer Gemeinschaft ablehnen, trotzdem aber einfordern und verlangen, Teil dieser Gemeinschaft zu sein, und wir es ihnen erlauben – aus einer gesetzlichen und fehlgeleiteten Menschenfurcht heraus –, bloß niemanden auszuschließen, nach dem Motto: Hauptsache, jeder fühlt sich bei uns wohl, Hauptsache, jeder hat seinen Platz.

Dort wird signalisiert – nicht immer ausdrücklich, aber doch erkennbar –, dass es nicht so entscheidend ist, was du glaubst. Das heißt, und das spiegelt uns wider, was die Leute uns sagen, die zu uns kommen: Du kannst die Fragen beantworten, wie du willst. Anything goes. Hier ist alles erlaubt, zumindest in der Theologie werden manchmal genau diese Signale gesetzt.

Aber – und das ist die Kehrseite in solchen Gemeinden – sobald jemand es wagt, die Gemeindeküche zu streichen oder sogar die Farbe der Vorhänge zu verändern, dann ist Schluss mit lustig. Der Begriff hier ist Formalismus: Der äußerliche Rahmen ist heilig, Hauptsache die Form, während die Inhalte zweitrangig sind.

Dazu sagt Ralph Mühr, ehemals vom Bibellesebund: „Die Betonung von Äußerlichkeiten steht häufig in einem proportionalen Verhältnis zum Verlust von Inhalten.“ Das ist unsere Selbstblockade Nummer eins von drei: formalistische Oberflächlichkeit.

Selbstblockade Nummer zwei ist Leitungsscheu. Bitte verstehe mich richtig und hör mir an dieser Stelle gut zu. Eine zurückhaltende, stille Persönlichkeit kann in vielen Konstellationen und Situationen ein Geschenk sein. Aber besonders als Leiter darf das nicht zum Vorwand werden, hinter dem wir uns verstecken und damit vermeiden, das Evangelium klar zu kommunizieren und zu begründen.

An alle Leiter: Bitte unterschätzt nicht, wie viel Klarheit, wie viel Sichtbarkeit und wie viel mutige Leitung euren Gemeinden guttut. Titus 1,9 sagt: Eure Hauptaufgabe ist es, die richtigen Lehren groß und stark zu machen und falsche Lehren abzuweisen. Euer Job ist eine öffentliche Kommunikationsaufgabe. Das könnt ihr nicht im Hintergrund, auf introvertierte Weise im Schatten lösen.

Im Judasbrief Vers 23 heißt es: „Rettet sie, die Verlorenen, indem ihr sie aus den Flammen des Gerichts reißt, wie ein Feuerwehrmann.“ Mein Schwager ist Feuerwehrmann, und ich garantiere euch: Indem er sich meditierend neben einem brennenden Haus setzt, die Flammen innerlich für sich verarbeitet und den Brand still, passiv und schweigend mit sich selbst ausmacht, hat er noch nie einen Menschen gerettet. Das wäre unterlassene Hilfeleistung.

Deshalb lasst uns proaktiv sein! Wir wollen prägen, nicht nur pflegen. Wir wollen leiten, nicht nur begleiten. Wir wollen gestalten, nicht nur verwalten.

Dazu sagt Pastor Jeremy Rinn, Pastor von Nine Marks in den Vereinigten Arabischen Emiraten: „Leiter, ihr müsst leiten! Jesus hat Älteste zu Unterhirten seiner Herde bestimmt. Älteste sollten diesen Auftrag ernst nehmen und mutig und entschlossen ihre Gemeinden leiten. Schwächliche, passive Leiter verschlimmern nur die Probleme der Gemeinde. Ich flehe meine Mitältesten an: Um der Gemeinde willen, um des Evangeliums willen, um Gottes Ehre willen, leitet eure Gemeinden.“

Wir im Bibelfelddienst wollen euch in den Gemeinden Mut machen und euch den Rücken stärken. Werdet nicht zur Echokammer für einen verwirrten Zeitgeist. Wir als Christen wollen kein Thermometer sein, das einfach nur seine Umgebung wiedergibt. Wir wollen ein Thermostat sein, das mit liebender Wahrheit dagegenhält und seine Umgebung reguliert.

Unser Herr sagt dazu in Matthäus 5: „Ihr seid das Salz der Erde. Wenn aber das Salz seine Wirkung verliert...“ und ihr wisst, wie es weitergeht.

Selbstblockade Nummer drei von drei – und darüber haben wir gestern auch gesprochen und werden heute im Forum zur Dekonstruktion noch viel sprechen – ist Emotionshörigkeit. Das heißt eine Hörigkeit gegenüber unseren eigenen Emotionen. Nicht, dass wir auf sie hören, sondern dass wir uns von ihnen hörig machen.

Als Christen heißt es immer wieder in den Früchten des Geistes an so vielen Stellen im Neuen Testament, dass wir nicht wollen, dass unsere Emotionen mit uns durchbrennen.

Vor Kurzem hatten wir ein Gespräch mit einem jungen Christen, den ich jetzt Philipp nenne. Er hatte beim Lesen der Evangelien einen Moment, in dem er fast erschrocken war. Warum? Weil der echte Jesus der Evangelien gar nicht unbedingt so ist, wie in seiner Kinderbibel dargestellt. Der echte historische Jesus – ihr habt es selbst gesehen – spricht über Hölle und Verdammnis und dass wir umkehren müssen.

Da dachte Philipp mit der Bibel in der Hand: „Nein, das hat er nicht gesagt, das kann gar nicht sein.“ Genau dann ist dieser Moment der Entscheidung.

In diesem Moment gibt es zwei Wege: Du kannst den Weg der Postevangelikalen und Liberalen gehen und sagen: „Nein, so kann Gott nicht sein“, nach dem Motto: „Was nicht passt, wird passend gemacht.“ Dann zensierst du Jesus, verbietest ihm den Mund und musst die Schrift zensieren. Mit jedem Neuen Testament wird dann die passende Bastelschere mit ausgeliefert.

So kommen wir an den Punkt, dass wir wie König Joachim eine Stelle nach der anderen aus der Bibel herausschneiden und ins Feuer werfen. Das ist Weg Nummer eins, den viele Kirchen und Gemeinden in unseren Ländern gehen – und der für diese Gemeinden nicht viel anders enden wird als für König Joachim.

Oder Weg Nummer zwei: Wir gehen den Weg von Josua, den Weg von König Joschafat, den Weg von Esra und lassen Gottes Worte stehen.

Dafür hat sich Philipp entschieden. Er hat reflektiert und sinngemäß gesagt: „Okay, Gottes Wort hier ist anders, als ich es dachte, ganz anders. Aber ich stelle mich jetzt nicht drüber, sondern ich stelle mich drunter. Ich maße mir nicht an zu denken, dass Jesus alles so sehen wird wie ich, weil ich nicht Gott bin. Ich sehe ein, ich bin nicht das Zentrum des Universums, sondern Gott ist das Zentrum, und der kann auch mal ganz anders sein als ich.“

So hat Philipp es gemacht, und ich könnte von Dutzenden weiteren erzählen, deren Leben durch diese Entscheidung positiv umgekrempelt und extrem bereichert wurde.

Ihr seht also: Wahrheit ist nicht immer das, was sich gut anfühlt. Jeder von uns war mal Teenager – das heißt, die allermeisten hier –, und ganz ernst gemeint, haben wir schon die Erfahrung gemacht, dass wir uns in den falschen Menschen verguckt hatten, bei dem wir jetzt wissen: Gott sei Dank habe ich den nicht geheiratet.

Solange mein emotionaler Kompass mir vorgibt, was Wahrheit ist, kannst du das vergessen. Wie häufig habe ich in meinem Leben mich schon geirrt oder meine Meinung geändert! Und es gibt acht Milliarden weitere Menschen wie dich und mich.

Entweder das Christentum ist wirklich wahr oder nicht. Entweder Jesus ist wirklich auferstanden oder nicht. Aber das hat nichts zu tun mit deinen oder meinen Emotionen. So viel Demut und Selbstreflexion sollte jeder mitbringen.

Lösungsansätze für ein klares und lebendiges Bibelverständnis

Zum Schluss zwei konstruktive Lösungsansätze, wie wir aus diesen Selbstblockaden herauskommen und besser über die Bibel sowie ihren Kerninhalt, das Evangelium, kommunizieren können. Die Fakten sind klar. Jetzt geht es darum, dass unsere Bibelfakten Beine bekommen, dass wir als Christen die PS auf die Straße bringen.

Konstruktiver Ansatz Nummer eins: Wir üben zusammen ein neues Wort ein, das vielen Christen schwerfällt auszusprechen. Das Wort hat vier Buchstaben, ich buchstabiere es mal: W E I L. Man spricht es so aus: „weil“. Wir machen es mal zusammen: drei, zwei, eins – weil. Sehr gut!

Das heißt zum Beispiel an die lieben Landeskirchler: In dem Moment, in dem ihr sagt, wir denken, es ist nicht unverantwortlich, Kinder zu taufen, sprecht doch den Satz ein bisschen weiter und fügt ein „weil“ dazwischen.

An die Reformierten, dass ihr sagt: Gott hat die Geretteten vorherbestimmt, weil…

An die Pfingstler: Geistesgaben bestehen definitiv bis heute, weil…

Und dann vielleicht nicht unbedingt Erfahrung, sondern Hebelstellen, ohne das absprechen zu wollen.

An die Komplementären unter uns: Theologische Leitungsaufgaben sind Männern vorbehalten, weil…

Und dann nicht, wie wir das schon immer so gemacht haben, sondern mit einer Begründung.

Und dann alle von uns Christen: Wir ziehen erst nach der Hochzeit zusammen, weil…

Abtreibungen sind grundfalsch, weil…

Wir Christen sprechen nicht mit Toten, weil…

Die Bibel ist nicht verfälscht, weil…

Muslime brauchen Jesus, weil…

Tipp Nummer zwei, Lösungsansatz Nummer zwei, und das soll auch das Schlusswort sein: Wir öffnen unser Herz wirklich, also wirklich in der Tiefe, für Verlorene.

Jesus weint über Jerusalem: „Wie häufig habe ich versucht, euch zu sammeln, und ihr rennt immer von mir weg.“ Jesus weinte (vgl. Lukas 19,41).

Paulus weint über die Leute, die nicht zu Christus gehören. Wie häufig hast du schon über verlorene Menschen in deinem Leben geweint, weil sie Jesus nicht haben, Jesus sie nicht hat und weil sie verloren gehen? Ich meine das nicht auf eine komische gesetzliche Weise, man kann auch innerlich meinen. Ich meine die Grundhaltung.

Umgekehrt sagt Jesus in Matthäus 5: „Solange ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid“ – und ich freue mich, dass wir alle hier sind – „aber was tut ihr damit Besonderes? Das tun auch die, die Gott nicht kennen.“

Erinnert euch daran: Jesus hat uns zum Schluss einen Missionsbefehl gegeben, keine Missionsempfehlung.

Und weißt du, Missionare wie Bonifatius, der im achten Jahrhundert dafür gestorben ist, Kilian, Siebte Jahrhundert, Florian, viertes Jahrhundert – sie haben ganz real ihr Leben gegeben, um uns hier nördlich der Alpen die Bibel und ihre Botschaft, das Evangelium, zu bringen.

Jesus starb für dich, du kannst freigesprochen sein.

Diese drei Männer und viele weitere haben buchstäblich ihr Leben gegeben, um das Evangelium zu dir und zu mir zu bringen, die Bibel. Damit das Christentum nicht nur in der Mittelmeerregion bleibt, sondern auch du und ich in Deutschland, Österreich und der Schweiz von Jesus hören können – vor allem, damit wir gerettet werden.

Wir Christen leben aus dem Wort! Und im 21. Jahrhundert können wir Gott auf Knien dankbar sein, dass wir diese Worte von Jesus und den Aposteln aufgezeichnet und für jeden zugänglich haben.

Das wäre für Christen unter Kaiser Claudius und Kaiser Nero noch unvorstellbar gewesen, völlig undenkbar.

Gott hat uns diese kostbaren Worte schon aufgezeichnet. Lass sie uns ernst nehmen, lass sie uns weitergeben.

„Dieses Wort ist kein leeres Wort an euch, es ist euer Leben!“ (5. Mose 32)

Und das, meine Lieben, ist alles andere als ein beliebiges Bibelverständnis.