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Die Gegenstände der Passion: Die Tafel über Jesu Kreuz

08.03.1959Johannes 19,19

Gnade sei mit uns und Friede von dem, der da ist, der da war und der da kommt. Amen.

Wir wollten während der Passionszeit über die Gegenstände der Passion sprechen. So wie auf alten Bildern um das Kreuz herum der Schwamm, der Speer und die Würfel der Christkirche dargestellt sind, wollten wir gleichsam den Weg zum Kreuz über diese Gegenstände finden.

Heute sprechen wir über die Tafel, die über Jesu Kreuz hing, wie es in Johannes 19,19 geschrieben steht. Pilatus aber schrieb eine Überschrift und setzte sie auf das Kreuz. Darauf stand geschrieben: „Jesus von Nazareth, der Judenkönig“. Es war in hebräischer, griechischer und lateinischer Sprache verfasst.

Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: „Schreibe nicht ‚der Judenkönig‘, sondern dass er gesagt hat: ‚Ich bin der Judenkönig‘.“ Pilatus antwortete: „Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.“

Herr, heilige uns in deiner Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit. Amen!

Die Bedeutung des Kreuzesplakats in der Passionszeit

In der letzten Woche fand ich unter meiner Post einen großen gelben Umschlag – oder sagt man Briefumschlag? Als ich ihn öffnete, fand ich darin ein großes gelbes Plakat.

In der kommenden Woche habe ich Evangeliumsvorträge in Straßburg. Und nun schickten Sie mir eines der Plakate, wie sie jetzt in allen Plakatsäulen hängen, in zwei Sprachen. Elsass ist zweisprachig, deutsch und französisch.

Dabei empfand ich wieder einmal, wie merkwürdig es ist, den Namen Jesus auf einem Plakat zu sehen. Ich finde das jedes Mal irgendwie seltsam. Nicht mehr auf einem Plakat, auf dem steht: „Mach mal Pause, trink Coca-Cola“. Oder aus gutem Grund heißt es Juno Hund, natürlich. Oder trage Krallusschuhe – ja, Krallusschuhe, naja. Oder „Großes“, ich dachte, die sind aus der Posaune weg, oder „Jazzkonzert in der Krugerhalle“. Das gehört an die Plakatsäule. Oberbayerischer Abend im Saal war, aber Welsus.

Ich kann mir vorstellen, dass es sensible Leute gibt, die sagen, es sei eine Geschmacklosigkeit, den Namen Jesus auf ein Plakat zu drucken. Das sei religiös, gehöre zum Geheimnis, so verborgen, dass man es gar nicht mehr sieht, dass er eigentlich gar nicht mehr da ist.

Nun, meine Freunde, dagegen muss ich sagen: Der Name Jesus stand schon auf einem Plakat, als man von Jeffs Junozigaretten, Galoschen und was es sonst noch gab, von Coca-Cola überhaupt nichts wusste. Der Name Jesus stand schon auf einem Plakat. Und dieses Plakat hing an einer Plakatsäule, die damals überhaupt noch nicht da war – nämlich an dem Kreuz, an dem einer starb. Das ist eine Plakatsäule, nicht wahr? Von diesem merkwürdigen Plakat über Jesu Kreuz.

Das war nicht nur, wie mein Straßburger Plakat, zweisprachig, sondern dreisprachig war dieses Plakat.

Von diesem merkwürdigen Jesusplakat spricht auch der heutige Text: Pilatus schrieb eine Überschrift und setzte sie über das Kreuz: „Jesus von Nazaret, der Juden König.“

Lassen Sie uns dieses Jesusplakat heute Morgen ansehen. Das Jesusplakat...

Die Anklageschrift am Kreuz und ihre historische Bedeutung

Ich habe wie üblich drei Teile. Erstens: Es war mehr als ein Plakat, es war eine Anklageschrift. Dieses Plakat war im Grunde eine Anklageschrift.

Ich muss etwas weiter ausholen, um das zu erklären. Sehen Sie, als der Herr Jesus ans Kreuz geschlagen wurde, war in Jerusalem das große Passafest. Dazu kamen furchtbar viele Ausländer aus aller Herren Länder. Das war wie die Salzburger Festspiele oder die Messe in Leipzig oder so etwas Ähnliches. Schon damals hat man für die Ausländer vom Verkehrsverein aus getan, was man konnte.

Pilatus ließ, damit all die Ausländer die Schrift über Jesu Kreuz sehen konnten, diese Inschrift in drei Sprachen anfertigen. Heute würden wir sagen, in Englisch, Französisch und Deutsch. Die gängigen Sprachen damals waren Lateinisch (oder Römisch), Griechisch und im Land sprach man Hebräisch.

Eine Freundin, die Malerin des Mittelalters, die gern das Kreuz Jesu gemalt hat, hat diese Schrift, dieses Plakat über dem Kreuz nie vergessen. Das wisst ihr: Auf all den Bildern ist dieser Zettel, diese Tafel immer dargestellt. Nur haben die Maler im Lauf der Jahrhunderte die Schrift vereinfacht.

Erstens haben sie ja bloß die lateinische Inschrift genommen. Gestern sagte mir jemand, der die Bibel kennt: "Ist das wirklich dreisprachig gewesen? Das habe ich gar nicht gewusst." Das kommt daher, dass die Maler immer nur die lateinische Inschrift nahmen. Diese hieß Jesus Nazarenus, also Jesus von Nazaret, Rex, das heißt König, Judeorum, der Juden.

Und da haben die Maler einfach, um es einfach zu machen, bloß die Anfangsbuchstaben genommen: Jesus Nazarenus Rex Iudaeorum, also I N R I. So sehen wir auf all den alten Bildern diese Inschrift, dieses INRI: Jesus Nazarenus, König der Juden.

Nun, meine Freunde, der Text im Johannes-Evangelium sagt nur, dass diese Inschrift angebracht wurde. Aber das Markus-Evangelium sagt uns auch, warum Pilatus diese Schrift anbringen musste. Ich will es wörtlich sagen: Es war oben über ihm geschrieben, was man ihm schuld gab, was man ihm schuld gab.

Diese Schrift über Jesu Kreuz war so eine kurz gefasste Anklageschrift. Er hat sich zum König gemacht, er ist ein politischer Verbrecher – das hieß das.

Meine Freunde, ich muss eigentlich sagen, dass dem Teufel seit 2000 Jahren nicht viel Neues eingefallen ist. Wenn ich unsere Brüder im Osten, die im Gefängnis sitzen, frage, warum sie leiden, dann sagen sie: "Wir sind politische Verbrecher." Und im Westen zeichnet sich das auch langsam ab, dass man Christen für politische Verbrecher hält.

Der Teufel hat wenig Wahl. Das ist eine Anklageschrift.

Meine Freunde, das ist maßlos lächerlich. Der Mensch nagelt den Sohn Gottes ans Kreuz und klagt ihn an. Der Mensch klagt den geoffenbarten Gott an – es ist maßlos lächerlich. Wer einmal das Kreuz gesehen hat, kann nicht mehr hoch vom Menschen denken. Das ist alle diese lächerliche Rasse.

Es ist so lächerlich, dass der Mensch seinen Gott anklagt, dass es sich gar nicht lohnen würde, darüber zu predigen, wenn nicht – jetzt beschwöre ich Sie, hören Sie mir zu – ich würde nicht darüber predigen, über so eine lächerliche Sache, die Menschen-Anklageschrift über das Kreuz Gottes, wenn diese Anklageschrift uns nicht daran erinnerte, dass es eine wirklich ernsthafte Anklageschrift gegen Jesus gibt.

Es gibt eine wirklich ernsthafte Anklageschrift gegen Jesus, die endlich am Kreuz in der Hand Gottes, des heiligen Gottes, liegt. Gott hat eine Anklageschrift gegen Jesus in der Hand.

Denken Sie: Ich habe einmal einen Blick tun dürfen in diese Anklageschrift gegen Jesus. Und als ich sie las, bin ich erschrocken. Da stand in der Anklageschrift gegen Jesus: alle meine Sünden und Übertretungen der Gebote Gottes und Unterlassungen, die ich von Jugend an getan habe, und sie stammten da auch.

Ich sah die Anklageschrift in der Hand Gottes – eine Anklageschrift gegen mich. Als ich näher zusah, stand oben drüber: Anklageschrift gegen Jesus, den Sohn Gottes. Wie sagte ich: Meine Sünden werden Jesus zugerechnet?

Und auf einmal verstand ich das Geheimnis des Kreuzes.

Bitte lesen Sie in dieser Passionszeit Jesaja 53, da ist alles erklärt. Da steht: Gott warf unser aller Sünden auf ihn. Bitte verstehen Sie es: die Anklageschrift Gottes gegen uns. Unsere Rechnung, unsere Schuld in der Hand Gottes ist die Anklageschrift gegen Jesus. Darum stirbt er.

Wie steht es in Jesaja 53? Er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, damit wir Frieden hätten.

Das ist das größte Wunder und Geheimnis, das es gibt.

Die Last der Schuld und die Befreiung durch das Kreuz

Es ist mir immer so, wenn ich in dieses Heiligtum trete und das Geheimnis des Kreuzes Jesu auslegen will, dann spüre ich förmlich einen Ruck. Etwa fünfzig Prozent unserer Zuhörer lassen dann gedanklich die Rollläden herunter. Das ist dogmatisch, das verstehen sie nur schwer.

Ich bitte Sie, ob Sie ein glücklicher Mensch werden und ob Sie im Sterben ins Himmelreich eingehen, hängt davon ab, ob Sie das Gericht Gottes fassen können. Wenn man das nicht mehr begreift, ist das das schrecklichste Gericht.

Wenn ich mich umsehe, sehe ich einfach bekümmerte und bedrückte Menschen. Ist Ihnen das schon einmal aufgefallen? Es gibt so wenige fröhliche Leute. Alle sind bedrückt und bekümmert. Es geht ihnen gut, aber sie sind bedrückt. Wissen Sie warum? Weil unser Gewissen belastet ist.

Schuld vor Gott ist eine Realität, eine Wirklichkeit, die auf dem Gewissen lastet – auch wenn man es nicht wissen will oder nicht wahrhaben möchte. Wenn jemand vor mir steht und sagt: „Ich bin doch kein Verbrecher, ich bin kein Sünder“, dann liegt seine Schuld dennoch auf seinem Gewissen. Das ist eine Wirklichkeit.

Sehen Sie, jemand kann Krebs haben und trotzdem sagen: „Ich bin kerngesund.“ Aber der Krebs ist dennoch da, nicht wahr? So ist es auch mit der Schuld vor Gott, die uns verklagt. Sie ist eine Wirklichkeit, die auf Ihrem Gewissen liegt. Deshalb können die Menschen nicht mehr froh sein.

Bis sie aufschauen zum Kreuz Jesu und im Glauben nach Golgatha kommen. Dort wird das Gewissen frei, dort wird man froh. Meine Schuld ist bezahlt durch den Gerechten. Ihr Schicksal hängt davon ab, ob Sie nach Golgatha kommen.

Wenn Sie im Glauben zum Kreuz Jesu aufschauen, erfahren Sie, wie Hiller singt: „Die Sünden sind vergeben.“ Das ist ein Wort zum Leben für den gequälten Geist. Meine Freunde, es gibt nichts Herrlicheres, als dieses Lied singen zu können: „Die Sünden sind vergeben.“ Das ist ein Wort zum Leben für den gequälten Geist.

Oder es gibt einen Vers, den wir so gern im Weiglerhaus singen und der dasselbe ausdrückt: „Die Handschrift ist zerrissen, die Anklageschrift gegen mich.“ Wie am Jüngsten Tag aufgerollt wird, ist die Handschrift zerrissen, die Zahlung ist vollbracht.

Er hat mich wissen lassen, dass er mich freigemacht hat. Er, der am Kreuz in Bitterkeit und Tod versank und für meine Seele sein Blut zum Opfer brachte.

Ich weiß sonst nichts zu sagen, ich weiß auch nichts anderes, als dass ein Bürge kam, der meine Schuld getragen hat. Er nahm die Rechnung auf sich und zahlte sie so völlig, dass von der ganzen Summe nicht ein Stäublein fehlt.

Das ist das Erste, was ich Ihnen zeigen wollte: Diese lächerliche Anklageschrift wird durch Jesu Kreuz aufgehoben. Sie erinnert uns zugleich an die ernste Anklageschrift.

Die Korrektur des Kreuzesplakats: Ein Wort-für-Wort-Blick

Nun kehren wir zurück zur Tafel über Jesu Kreuz, dem ersten Plakat der Weltgeschichte mit dem Namen Jesus. Ich möchte als Zweites sagen: Dies war eine sehr oberflächliche Schrift, eine sehr oberflächliche Schrift.

Sehen Sie, als ich noch in dem zarten Alter war, wie ihr, meine Jungen, um die Schule ging, da habe ich meistens eine Eins geschrieben, natürlich in Arbeiten, aber ab und zu ging es einmal daneben. Jawohl, immerhin bin ich nie mehr brav versetzt worden. Aber es kam natürlich einmal vor, dass ich eine Arbeit zurückbekam, und der Lehrer ... Wir haben einen gewissen statistischen Wohlgefallen daran, mit Rot zu arbeiten, viele rote Striche gemacht, und dann stand unter der Arbeit: „Oberflächlich mangelhaft.“ Ich sah auch einmal wieder so ein Heft vor mir mit der Bemerkung „oberflächlich mangelhaft“. Das fiel mir ein, als ich die Tafel über Jesu Kreuz ansah.

Meine Freunde, ich möchte am liebsten die Tafel runterholen und sagen: Pilatus, Moment! „Rote Striche, oberflächlich mangelhaft.“ Es steht ja im Text schon, dass sogar die Juden, die Hohenpriester und Schriftgelehrten das Gefühl hatten, die Tafel sei oberflächlich mangelhaft. Sie sind zu Pilatus gegangen und haben gesagt: „Hör mal, da hast du geschrieben, der Judenkönig, das stimmt doch gar nicht. Es muss heißen: Er hat gesagt, der Judenkönig.“ Und Pilatus sagt: „Ich lasse mich von euch nicht korrigieren. Das gibt’s gar nicht. Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben.“

Diese Diskussion zwischen Hohenpriestern und Pilatus ist nicht so zu lesen, als ob die Welt sich ändert. Es ist ein kleines Geschichtlein aus dem Kalten Krieg zwischen Israel und der Besatzungsmacht. Pilatus ärgert sich über diese Gesellschaft und sagt: „Da hängt er am Kreuz, euer Messias, euer König. Guckt ihn euch an! Unser Augustus sieht vielleicht anders aus.“ Und darauf wehren sich natürlich die Hohenpriester wild und protestieren und sagen: „Stimmt ja gar nicht, er ist nicht unser König. Er hat nur gesagt, er wäre unser König.“

Lassen wir die zanken miteinander, lassen wir sie zanken. Holen wir inzwischen mal, meine Freunde im Geist, die Tafel runter, dieses Plakat, und dann wollen wir es mal korrigieren, wie in einem Lehrerheft korrigiert, weil wir Wort für Wort durchgehen mit dem roten Strich. Ja, wollen wir mal? Es dauert nicht lange, weil es ja nur aus vier Worten besteht: Jesus Nazarenus Rex Judaeorum – Jesus von Nazareth, König der Juden.

Wollen Sie mal korrigieren, Wort für Wort? Erstens: Jesus – ja, das ist richtig, da brauchen wir keinen roten Strich zu machen. Jesus, so heißt er, der dort am Kreuz hängt. Doch, zur Hölle zum Trost, Jesus heißt er! Der trotzdem ins Grab gelegt ist und glorreich aus dem Grab herauskommt. Jesus ist der Name, den wir lieben, hoffentlich. Jesus, das ist der Name, vor dem die Hölle zittert und der Sünder selig macht. Wer den Namen Jesus anruft, soll selig werden.

Das nächste Wort: Jesus von Nazareth. Da müssen wir schon einen roten Strich machen, das stimmt schon. Diese Bezeichnung ist oberflächlich, denn indem man sagt „Jesus von Nazareth“, macht man Jesus zu einem Menschen wie wir. Wilhelm Busch von Everfell, Julius von – wo bist du her? Von Essen? Jesus von Nazareth – ein Mensch wie wir, ein guter Mensch, ein edler Mensch, ein netter Mensch, ein beneidenswerter Mensch, ein dauerhafter Mensch, oh Mensch, wie wir. Jesus stammt aber gar nicht von Nazareth. Jesus stammt aus Bethlehem, und das gibt der Sache das Gewicht. Das verändert alles.

Aber da muss man die Bibel kennen. Sehen Sie, im Alten Testament ist verheißt, dass aus Bethlehem aus dem Geschlecht Davids der kommen soll, in dem Gott sich uns offenbart, indem er hereinbricht in die Welt, indem er uns erlöst. Von Bethlehem soll der Erlöser, Heiland, der Retter der Welt kommen. Als die Weisen aus dem Morgenland kamen und fragten, da haben die Schriftgelehrten genau gewusst: „In Bethlehem, im jüdischen Land.“ Nein, sie haben es genau gewusst.

Wissen Sie, das ist der erste Fehler, den wir anstreichen bei Pilatus, diese Oberflächlichkeit: Der Fehler, dass man aus dem Mann von Bethlehem den Mann aus Nazareth macht, dass man aus dem, in dem Gott sich offenbart, einen Menschen macht wie wir.

Wenn ich an meinen Religionsunterricht in der Schule zurückdenke, von der sechsten bis zur Oberprima, habe ich nur gehört, dass Jesus ein Mensch war, ein edler Mensch, ein guter Mensch, ein braver Mensch. Zum Kuckuck, der das so lang war, ich konnte es gar nicht aussprechen, bis ich begriff, dass er der Sohn Gottes ist, gekommen, mich zu erretten.

Nicht Jesus von Nazareth, sondern Jesus von Bethlehem – roter Strich, dicker roter Strich: Nicht!

Jetzt kommt das dritte Wort: Jesus von Nazareth, der König. Da machen wir ein Fragezeichen in Rot. Er kann noch einen Fehler anstreifen. In dieser Stunde ist Jesus nicht König. Also am Kreuz hängt er unter einem anderen Amt aus. Da ist der Priester – ich muss eben momentan das Wort sagen.

Sehen Sie, der große Irrtum des Menschen von heute ist, dass er sich einbildet, er könnte ohne Versöhnung vor Gott treten. Wissen die gottlosen Brüder, die reden mir vom Herrengott, als wenn sie mit dem Gärtchen Bier getrunken hätten. Meine Freunde, man kann vor Gott nicht treten ohne Versöhnung, und Versöhnung kann nur schaffen ein legitimierter Priester.

Es gibt Kirchen, die bieten mir Rudel von Priestern an. Ich brauche nicht Rudel von Priestern, ich brauche einen, den Gott legitimiert hat. Und Jesus hat Gott zum Priester gemacht. Nach der Weise Melchisedeks, als er nach Golgatha geht, da trägt er sein Kreuz, das Schriebe der Hohenpriester zum Opferaltar. Und da bringt er das edelste Opfer, das wirklich versöhnt – sich selbst.

Umfassen Sie, dass Jesus Hoher Priester und Opfer zugleich ist! Bitte nehmen Sie im Glauben diese Versöhnung an, kommen Sie unter Jesu Kreuz! Hier ist Frieden mit Gott. Nun, wir sind gerecht geworden durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus!

Also Fragezeichen zum Wort König in dem Moment: Dieser Priester, der das Opfer bringt.

Weiter: Jesus Nazarenus, König der Juden. Glitzerroter Strich noch mal, hat diese Oberfläche Pilatus. Sehen Sie, das ist das Unglück, dass die Menschen über Jesus quasseln, haben keine Ahnung, auch heute noch.

König der Juden? Als Jesus am Kreuz hängt, ist er nicht nur für Israel gestorben, sondern für die Welt. Meine Freunde, Gott hat vor zweitausend Jahren einen globalen Plan zur Errettung. Er gibt seinen Sohn.

Die weltweite Bedeutung des Kreuzes und der Name Jesu

Ich möchte eine kleine Geschichte erzählen.

Sehen Sie, in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts gab es in Wuppertal eine große Erweckung im Bergischen Land, eine geistige Erweckung. Diese begann eigentlich, bei Licht betrachtet, in der Stube im Kontor eines Lederhändlers namens Johann Peter Diedrich.

Ich habe darüber ein Buch geschrieben, das von Herzen zum Nachwandeln einlädt. Ich möchte, dass alle Gläubigen hier die Geschichte dieser Erweckung kennen. Kaufen Sie es sich zu Weihnachten.

In der Stube des Lederhändlers Johann Peter Diedrich saßen um 1820 erweckte Menschen eng gedrängt um Gottes Wort. Es war eine kleine Runde, die später die Welt bewegte.

Ich las in einem alten Buch eine kleine Szene von dieser wunderschönen Bibelstunde. Da warf jemand die Frage auf, warum die Inschrift über Jesu Kreuz dreisprachig war, warum sie in drei großen Weltsprachen abgefasst wurde.

Johann Peter Diedrich überlegte einen Augenblick und sagte dann: „Das war darum, das heißt: Komm, ganze Welt, ach komm herbei! Hier kannst du erfahren, dass Gott gnädig sei und dein Verdienst erkennen. Jesus von Nazareth, der Judenkönig, neigt sich als Weltheiland der Welt. Hier geht es um die Welt und auch um dich, um mich.“

Der rote Strich, Pilatus – das ist alles oberflächlich, Mangel an Urteilen. Ich möchte ihm seine Tafel vor die Füße werfen, diesem dämlichen Pilatus.

Man könnte sagen: „Hör mal, Wilhelm Busch, was ist das für eine Wegmesserei hier, dass du Wort für Wort dem Pilatus seine Tafel korrigierst? So genau kommst du doch nicht darauf an.“

Sehen Sie, das ist unser Elend, dass wir so denken. Wissen Sie, was der Herr der Herrlichkeit gesagt hat? „Das ist das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.“

Mit unklaren Vorstellungen von Jesus fahren sie in die Hölle. Ich kann nur glauben, wenn ich weiß, wer er ist: Sohn Gottes, mein Versöhner, mein Priester, der Weltheiland!

Die Reaktion Gottes auf das Kreuzesplakat und die endgültige Erhöhung Jesu

Aber ich muss noch kurz ein letztes sagen, also das Jesus-Plakat – eine Anklageschrift, eine oberflächliche Schrift. Ich muss noch ein drittes sagen, was Gott über dieses Plakat denkt.

Drittens: Was denkt Gott über dieses Plakat? Sehen Sie, dieses ganze Plakat über dem Kreuz war ein Hohn, ein Spott. Pilatus sagt: „Euer König, das ist der Messias, auf den ihr gehofft habt, so sieht er aus.“ Und die Hohnpriester sagen: „Er ist ja unerhört, er hat bloß behauptet, er ist’s ja nicht.“ Und um zu protestieren, stellen sie sich unter das Kreuz, lästern, spotten und höhnen. Sie wissen das: „Bist du der König Israels, dann steig herab vom Kreuz!“ Da steht: „Du bist es ja gar nicht, steig herab vom Kreuz, dann wollen wir dir glauben.“

Wir müssen ja fragen: Was tut denn Gott? Meine Freunde, während die Welt spottet, geschieht in den himmlischen Räumen etwas ganz Großes. Die Bibel lässt uns wissen: Wenn das Plakat nicht so laut schrie und die Menschen unter dem Kreuz nicht so laut schreien würden, dann würden sie etwas hören können, etwas, was ihnen das Blut in den Adern gerinnen ließe. Dann würden sie das Lachen Gottes hören.

Der, der im Himmel sitzt, lacht ihrer, und der Herr spottet ihr. Pilatus und die Priester spotten über den Sohn Gottes und das offenbarte Herz Gottes. Sie spotten darüber, aber der, der im Himmel sitzt, lacht ihrer. Bis zu diesem Tag, und ich bin überzeugt, dass Gott über ein Westdeutschland, das Jesus in Gleichgültigkeit verachtet, lacht. Und wenn wir nicht so laut wären in Westdeutschland, dann hörten wir Gottes Gelächter über uns bereits.

Meinen Sie, so geht es mit dem Evangelium um und wie wir in Westdeutschland hier? Ich habe diese Woche eine Menge Väter besucht, die bloß geschrien haben: „Meine Söhne sind vernachlässigt worden, als sie bekehrten.“ Ein bisschen christlicher, ein bisschen christlicher, aber um Gottes willen kein Ernst. Nachdem Gott mit uns so geredet hat, verachten wir das Evangelium wieder so. Der, der im Himmel sitzt, lacht ihrer.

Dieses ganze wichtigtuerische Westdeutschland ist nur noch ein Spott Gottes, seien Sie überzeugt, ich weiß, was ich rede. Aber es geschieht in diesem himmlischen Raum noch etwas Größeres. Während Jesus stirbt, während dieses arme Volk Jesus verachtet, proklamiert der Herr des Himmels und der Erde, der lebendige Gott, ihn zum König aller Welt. Nun nicht der wirkliche König?

Sehen Sie, da hat Apostel Paulus uns das geschildert, wir haben es eben gehört: Er war gehorsam. Da sehen wir die untere Bühne: Er war gehorsam bis zum Tod am Kreuz. Jetzt kommt die obere Bühne:

Darum hat ihn Gott erhöht und hat Jesus einen Namen gegeben, der über alle Namen ist, damit in dem Namen Jesus sich beugen sollen alle Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr sei, zur Ehre Gottes, des Vaters.

Pilatus ist nicht mehr da, ich weiß nicht, wo er begraben ist. Die Hohenpriester und das Volk sind längst verweht wie Staub. Das Jesus-Plakat hat der Wind davon geführt, aber Jesu Name ist nie verklingt. Es kommt dazu, dass alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr sei – das spöttische Plakat oben, während alle es lesen.

Es erinnert uns daran, dass Gott sagt: Nun ist er der König der Welt! Soll man sagen, das Plakat ist verweht, Jesu Name nie verklingt.

Lassen Sie uns beten: Ach Herr, unser Heiland, reiß uns doch heraus aus unserem Pilatuswesen, aus unserem oberflächlichen Christenstand, ohne Kraft und Leben. Sieh uns in das Kraftfeld deiner Erlösung!

Amen.