Einführung und Kontext der Heilungsgeschichte
Gott wird Mensch
Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 248
Ein Aussätziger wird geheilt – Teil zwei
Die Geschichte, um die es heute geht, kennen wir bereits. Ich hatte sie schon in Episode 129 behandelt. Deshalb lautet der Titel heute auch „Teil zwei“. Wenn ihr das Thema Aussatz besser kennenlernen wollt, lest bitte das Skript zur ersten Episode oder hört euch diese noch einmal an.
Ich möchte das Gesagte heute nicht wiederholen, sondern das Thema aus einer ganz anderen Perspektive betrachten.
Lukas 5,12-14:
Und es geschah, als er in einer der Städte war, siehe, da war ein Mann voller Aussatz. Als er Jesus sah, fiel er auf sein Angesicht, bat ihn und sprach: „Herr, wenn du willst, kannst du mich reinigen.“
Jesus streckte die Hand aus, berührte ihn und sprach: „Ich will, sei gereinigt!“ Und sogleich wich der Aussatz von ihm. Er gebot ihm, es niemandem zu sagen, und fügte hinzu: „Geh aber hin und zeige dich dem Priester und bringe das Opfer dar, das Mose zur Reinigung geboten hat, damit sie ein Zeugnis für dich haben.“
Gnade als zentrales Thema der Heilung
Ich hatte in der letzten Episode davon gesprochen, dass diese Geschichte sich um das Ich-Will dreht. Sie ist eine Illustration für Gnade, für die Gnade Gottes als das unverdiente Ich-Will, das Gott mir zuspricht, wenn ich hoffnungslos wie ein Aussätziger vor ihm stehe und ihn bitte: „Herr, wenn du willst, kannst du mich reinigen.“
Der Aussätzige spricht von seiner Krankheit. Doch er ist als Kranker ein Bild für den Sünder, der sich nicht selbst retten kann, sondern Gott braucht. Gott rettet aus Gnade. Das ist ein zutiefst biblisches Prinzip.
Ein Mensch, der Gottes Gnade sucht, wird sie bei ihm finden. So heißt es ganz hoffnungsvoll in den Sprüchen: „Wer der Gerechtigkeit und Gnade nachjagt, findet Leben, Gerechtigkeit und Ehre“ (Sprüche 21,21). Aber das wisst ihr alles schon.
Jesus und die Gebote des Alten Testaments
Lasst mich an dieser Stelle einen Gedanken wiederholen, der mit der Frage zu tun hat, wie Jesus zu den Geboten des Alten Testaments steht.
Ihr erinnert euch vielleicht daran, dass ich in den Episoden 143 bis 145 davon gesprochen habe, dass der Herr Jesus den Sabbat bricht. Wer jetzt nicht weiß, wovon ich spreche, dem sei nur so viel gesagt: Ich habe am Beispiel des Sabbats gezeigt, dass die nichtmoralischen oder kultischen Gesetze des alten Bundes auf den Messias verweisen. Sie sind illustrativ und prophetischer Natur.
Diese Gesetze erfüllen sich in der Person des Messias. Das heißt, diese Gebote sind ein Wegweiser auf Jesus. Sie verlieren ihre Funktion in dem Moment, in dem der Messias seinen Lehrdienst aufnimmt. Sie sind, wenn man so will, dazu da, dass Menschen den Messias erkennen können.
Und was ich damals für den Sabbat gezeigt habe, das scheint auch hier beim Aussätzigen durch. Hören wir noch einmal genau zu, was Jesus hier tut.
Heilung des Aussätzigen als Erfüllung der Gebote
Matthäus Kapitel 8, die Verse 1 bis 4: Als Jesus von dem Berg herabstieg, folgten ihm große Volksmengen.
Und siehe, ein Aussätziger kam heran, warf sich vor ihm nieder und sprach: „Herr, wenn du willst, kannst du mich reinigen.“ Jesus streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: „Ich will, sei gereinigt!“
Sogleich wurde sein Aussatz geheilt. Jesus sprach zu ihm: „Siehe, sage es niemandem, sondern geh hin, zeige dich dem Priester und bring die Gabe dar, die Mose vorgeschrieben hat, ihnen zum Zeugnis.“
Ich behaupte, dass auch die Vorschriften zur kultischen Unreinheit auf den Messias hinweisen. Wir werden uns mit diesem Thema noch einmal in Markus 7 bei den Speisegeboten beschäftigen.
Die Vorschriften zur kultischen Unreinheit zeigen, dass bestimmte Menschen als unrein gelten – Achtung, nicht sündig, sondern eben unrein. Als Unreine dürfen sie nicht in Gottes Gegenwart treten, also den Tempel nicht betreten. Damit werden sie zu einer Gegenstandslektion für alle Menschen: Sünde trennt uns von Gott.
Doch sobald wir Jesus begegnen, ist damit Schluss. Er macht uns rein, er schickt uns in den Tempel und befähigt uns zur Begegnung mit Gott. Der Aussätzliche wird so zu einer geniale Gegenstandslektion.
Die besondere Bedeutung der Berührung durch Jesus
Und doch fällt etwas auf. Wenn wir genau hinschauen, lesen wir sowohl bei Matthäus als auch bei Markus und Lukas den Satz: „Und er streckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach...“
Man könnte dies einfach als einen Akt der Empathie verstehen. Es tut Menschen gut, wenn man sie berührt. Doch darum geht es hier nicht. Was mir auffällt, ist etwas ganz anderes.
Wer das Alte Testament kennt, weiß, dass dort im Blick auf unreine Menschen – wohlgemerkt kultisch unreine Menschen – in 4. Mose 19,22 steht: „Und alles, was der Unreine berührt, wird unrein sein, und wer ihn berührt, wird unrein sein bis zum Abend.“
Das ist eine sehr interessante Formulierung. Hier heißt es, dass jeder, der einen Unreinen berührt, selbst bis zum Abend unrein wird. Das ist an sich nichts Schlimmes. Es bedeutet jedoch, dass Jesus in dem Moment, in dem er einen Unreinen anfasst – und wir haben gelesen: „er streckte die Hand aus, rührte ihn an“ – nach den Vorschriften des Alten Testaments selbst unrein wird.
Ohne das Thema allzu sehr zu vertiefen: Diese Unreinheit gibt er dann an jeden weiter, der ihn wieder berührt.
Jesus überwindet die kultische Unreinheit
So und jetzt wird es spannend, denn genau das sehen wir bei Jesus nicht. Jesus zieht sich nach der Berührung eines Aussätzigen nicht zurück, um niemanden mit seiner Unreinheit anzustecken. Er macht mit seinem Dienst einfach weiter, als wäre nichts geschehen. Wie kann das sein?
Noch einmal: Hätte Jesus den Aussätzigen einfach durch ein Wort geheilt, wäre das kein Problem gewesen. Aber er fasst ihn an. Nach den Geboten gilt: Wer den Unreinen berührt, wird bis zum Abend unrein sein. Die Frage lautet also: Warum wird Jesus nicht unrein? Warum tut er so, als würden die Gebote, die sich mit kultischer Unreinheit beschäftigen, für ihn nicht gelten?
Die Antwort lautet: Weil sie tatsächlich nicht für ihn gelten. Diese Gebote haben sich erledigt. Genau genommen sind sie erfüllt worden – erfüllt im Auftreten des Messias.
Alle Gebote rund um kultische Unreinheit hatten nur ein Ziel: Sie wollten Menschen für die Idee sensibilisieren, dass einer kommen muss, der Menschen reinmacht. Reinmacht, um Gott auf eine noch nie zuvor dagewesene Weise begegnen zu können. Und in dem Moment, in dem dieser eine erscheint, haben sich die Gebote erledigt.
Die Bedeutung des Zeugnisses vor den Priestern
Aber warum schickt Jesus den geheilten Aussätzigen dann nach Jerusalem? Hätte er ihn nicht einfach nach Hause schicken können? Warum soll er sich den Priestern zeigen und die vorgeschriebenen Opfer bringen?
Ich würde Folgendes sagen: Zum einen sollen die geheilten Aussätzigen ein Zeugnis für die Priester sein. Sie sind Jesu Visitenkarte und zugleich eine Aufforderung an den Klerus, darüber nachzudenken, ob dieser Rabbi aus Nazaret womöglich der Messias sein könnte.
Aber es gibt meines Erachtens noch einen weiteren Grund. Wir befinden uns in einer Übergangszeit. Der alte Bund ist am Ende, der neue Bund aber gerade erst am Entstehen. Jesus muss sich gut überlegen, wie viel Konflikt er provoziert. Mir scheint, dass er bei Themen wie Sabbat, Aussatz oder Speisegeboten einfach klug handelt.
Warum sollte er ohne Not einen Streit provozieren, noch dazu über ein Thema, das andere noch gar nicht voll verstehen können, wenn er den Streit vermeiden kann, ohne seine Mission zu gefährden?
Abschluss und Ausblick
Was könntest du jetzt tun? Du könntest dir überlegen, ob du jemand bist, der einem Streit aus dem Weg geht, wenn ihm das möglich ist.
Das war's für heute. Intelligentes Gebet braucht aktuelle Gebetslisten. Nimm dir doch jetzt fünf Minuten Zeit, um deine Gebetslisten zu überarbeiten.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
