Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 647
Einleitung und Fragestellung
Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg – Teil I
Petrus möchte wissen, was mit uns geschehen wird. Er stellt Jesus eine Frage, und Jesus antwortet ihm.
Wer alles verlässt und Jesus nachfolgt, wird in diesem Leben vieles empfangen. Im kommenden Zeitalter erhält er ewiges Leben.
Doch es gibt noch etwas, das beachtet werden muss.
Die Bedeutung der Umkehrung von Ersten und Letzten
Markus 10,31: "Aber viele Erste werden Letzte und Letzte Erste sein." Was meint Jesus mit dieser Aussage?
Zunächst erinnert uns diese Aussage an Lukas 13,30: "Und siehe, es sind Letzte, die Erste sein werden, und es sind Erste, die Letzte sein werden." In Lukas 13 warnt Jesus seine Zuhörer. Wenn es darum geht, ins Reich Gottes hineinzukommen, sind die vermeintlich Ersten – das sind diejenigen, die Jesu Predigten live gehört haben – tatsächlich die Letzten. Warum? Weil sie nichts aus dem Gehörten machen. Für sie bleibt nur das Weinen und das Zähneknirschen.
Anders ergeht es den Letzten, das sind die Heiden, die Jesus nie persönlich kennengelernt haben. Sie nehmen das Evangelium an und werden so zu Ersten, zu Privilegierten, die durch die enge Pforte ins Reich Gottes hineingehen und mit den Patriarchen feiern.
Soweit die Wiederholung dessen, was wir schon aus Lukas 13 wissen. Es kann sein, dass diese Auslegung von den Ersten und den Letzten auch jetzt wieder mitschwingt. Jesus würde dann dem Petrus sagen: "Ihr habt alles verlassen und seid mir nachgefolgt, deshalb werde ich euch dafür belohnen." Aber leider gilt das nicht für alle Israeliten. Die meisten, zu denen ich predige, werden sich so wie der reiche Jüngling verhalten und die Botschaft ablehnen.
Sie werden zwar das Privileg meiner Predigt genießen, sie hatten Fragen und ich habe sie beantwortet, aber sie werden nichts daraus machen. Es kann sein, dass Jesus das meint.
Alternative Auslegung durch das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg
Es gibt aber noch eine andere Auslegungsmöglichkeit, die ich bevorzuge, weil sie durch ein Gleichnis gestützt wird, das Jesus im Anschluss an diesen leicht kryptischen Satz erzählt. Dieses Gleichnis ist das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg.
Ich setze voraus, dass ihr das Gleichnis kennt. Falls nicht, lest es euch bitte jetzt einmal schnell durch: Matthäus 20,1-16. Am Ende heißt es dort nämlich: Matthäus 20,16: „So werden die Letzten Erste und die Ersten Letzte sein, denn viele sind Berufene, wenige aber Auserwählte.“
Das kleine Wörtchen „so“ führt dazu, dass ich das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg heranziehe, um die Sache mit den Ersten und Letzten zu verstehen. So wie im Gleichnis werden die Letzten Erste und die Ersten Letzte sein.
Schauen wir uns das Gleichnis an.
Das Gleichnis vom Hausherrn und den Arbeitern
Matthäus 20,1: "Denn mit dem Reich der Himmel ist es wie mit einem Hausherren, der ganz früh morgens hinausging, um Arbeiter in seinen Weinberg einzustellen."
Es geht also um das Reich der Himmel. Das Wort "denn" am Anfang verbindet das Gleichnis mit dem vorher Gesagten. In Matthäus 19,30 heißt es: "Aber viele Erste werden Letzte und Letzte Erste sein."
Im Zentrum des Gleichnisses steht ein Hausherr, der sich früh aufmacht, um Arbeiter für seinen Weinberg einzustellen. Was er sucht, sind Tagelöhner. Das war für die damalige Zeit nichts Besonderes.
Matthäus 20,2: "Nachdem er aber mit den Arbeitern um einen Denar den Tag übereingekommen war, sandte er sie in seinen Weinberg."
Ein Denar war der Lohn für einen Tag Arbeit. Der Hausherr scheint keine Probleme gehabt zu haben, Arbeiter zu finden.
Weitere Einstellungen von Arbeitern im Tagesverlauf
Matthäus 20,3-4
Und als er um die dritte Stunde hinausging, sah er andere auf dem Markt müßig stehen. Zu diesen sprach er: Geht auch ihr hin in den Weinberg, und was recht ist, werde ich euch geben.
Wir wissen nicht, warum der Hausherr noch mehr Arbeiter anstellen will oder warum es noch Tagelöhner ohne Job gibt. Aber etwa um neun Uhr, drei Stunden nach Sonnenaufgang, sieht der Hausherr andere Tagelöhner müßig herumstehen und schickt sie in seinen Weinberg. Er sagt: Geht auch ihr hin. Die Bezahlung bleibt offen, und er verspricht: Was recht ist, werde ich euch geben.
Matthäus 20,5-7
Sie aber gingen hin. Wieder aber ging er hinaus um die sechste und neunte Stunde und machte es ebenso.
Als er aber um die elfte Stunde hinausging, fand er andere stehen und spricht zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag müßig? Sie sagen zu ihm: Weil niemand uns eingestellt hat. Er spricht zu ihnen: Geht auch ihr hin in den Weinberg.
So werden noch mehr Tagelöhner im Laufe des Tages in den Weinberg geschickt.
Die zeitliche Einteilung der Arbeiter und ihre Bedeutung
Schauen wir uns an, wann das jeweils geschieht. Die ersten Arbeiter kommen kurz nach Sonnenaufgang, sagen wir um sechs Uhr. Dann folgen die zur dritten Stunde, also um neun Uhr, danach die zur sechsten Stunde um zwölf Uhr, dann die zur neunten Stunde um fünfzehn Uhr und zum Schluss die zur elften Stunde, also um siebzehn Uhr.
Sechs Uhr, neun Uhr, zwölf Uhr, fünfzehn Uhr und siebzehn Uhr.
Mit den Ersten wird ein Tageslohn verhandelt. Die anderen wissen noch nicht, was sie bekommen werden, sind aber als Tagelöhner froh, wenigstens ein bisschen Arbeit gefunden zu haben. Eines muss uns nämlich klar sein: Ein Tagelöhner hatte kein Recht auf eine Beschäftigung. Er konnte sich nur anbieten. Fand er keine Arbeit, musste seine Familie hungern.
Matthäus 20,8: "Als es aber Abend geworden war, spricht der Herr des Weinbergs zu seinem Verwalter: Rufe die Arbeiter und zahle ihnen den Lohn, angefangen von den Letzten bis zu den Ersten."
Hier sehen wir, wie die Begriffe "Erste" und "Letzte" in dem Gleichnis gebraucht werden. Die Letzten sind diejenigen, die um siebzehn Uhr mit dem Arbeiten angefangen haben. Die Ersten sind die, die schon seit Sonnenaufgang im Weinberg zu tun hatten. Bei den Ersten und den Letzten handelt es sich also um eine zeitliche Einordnung, nicht um eine moralische Bewertung. Es geht nicht darum, wer besser oder würdiger ist, sondern wer früher oder später in den Weinberg geschickt wurde.
Warum ist das wichtig? Weil Jesus immer noch dem Petrus auf seine Frage antwortet: Was wird uns nun werden? Und Petrus zusammen mit den anderen Jüngern – das sind alles Leute der ersten Stunde. Es sind diejenigen im Gleichnis, die bei Sonnenaufgang angefangen haben.
Wenn Petrus nach seinem Lohn fragt, schwingt nicht nur die Angst mit, dass seine Nachfolge nicht genügen könnte. Wir erinnern uns an den Schock der Jünger, als der reiche Jüngling geht und Jesus erklärt, dass ein Reicher nicht ans Reich Gottes hineinkommen kann. Dann fragen sie: "Und wer kann dann gerettet werden?" Diese Angst hatte Jesus seinen Jüngern schon genommen.
Aber es gibt noch ein anderes Problem, und das wird Jesus jetzt thematisieren. Wir schauen es uns in der nächsten Episode an.
Was könntest du jetzt tun? Stell dir vor, dein Leben wäre ein Arbeitstag. Wann bist du in den Weinberg geschickt worden?
Das war's für heute. Wofür brauchst du Weisheit? Wovor soll Gott dich bewahren? Schreibe dir eine Liste mit Anliegen, die du regelmäßig betest.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
Bedeutung für die Jünger und Petrus’ Frage
Warum ist das wichtig? Weil Jesus immer noch auf die Frage des Petrus antwortet: Was wird uns nun werden?
Petrus ist zusammen mit den anderen Jüngern eine Person der ersten Stunde. Sie sind diejenigen im Gleichnis, die bei Sonnenaufgang angefangen haben. Wenn Petrus nach seinem Lohn fragt, schwingt darin nicht nur die Angst mit, dass seine Nachfolge vielleicht nicht genügen könnte.
Wir erinnern uns an den Schock der Jünger, als der reiche Jüngling ging und Jesus erklärte, dass ein Reicher nicht ins Reich Gottes kommen kann. Die Jünger fragten daraufhin: Wer kann dann gerettet werden? Diese Angst hatte Jesus seinen Jüngern bereits genommen.
Doch es gibt noch ein anderes Problem, das Jesus jetzt thematisieren wird. Dieses Thema schauen wir uns in der nächsten Episode an.
Abschluss und Anwendung
Was könntest du jetzt tun? Stell dir vor, dein Leben wäre ein Arbeitstag. Wann bist du in den Weinberg geschickt worden?
Das war es für heute. Wofür brauchst du Weisheit? Wovor soll Gott dich bewahren?
Schreibe dir eine Liste mit Anliegen, für die du regelmäßig betest.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
