Serie•Teil 2 / 2Einführung in den 2. Timotheusbrief
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Einleitung und Bezug auf die Schriftstellen
Und nun heißt es in der Septuaginta, der ältesten griechischen Übersetzung, an dieser Stelle in Vers 5: Der Herr wird kundtun, wer sein ist. Dort steht: Der Herr kennt die, die sein sind. Diese Formulierung in 2. Timotheus 2 ist also eine Anspielung auf diese Stelle.
Und dann sagt die weitere Siegelinschrift: Jeder, der den Namen des Herrn nennt, stehe ab von der Ungerechtigkeit.
Und jetzt schauen wir auf 4. Mose 16. Kora hat sich also beim Eingang der Stiftshütte versammelt. In Vers 19 erschien die Herrlichkeit des Herrn vor der ganzen Gemeinde, als die Wolkensäule kam. Und der Herr redete zu Mose und zu Aaron und sprach: Sondert euch ab aus der Mitte dieser Gemeinde, und ich will sie in einem Augenblick vertilgen!
Dann heißt es in Vers 24: Redet zu der Gemeinde und sprich: Hebt euch ringsum weg von der Wohnung Korahs, Datans und Abirams.
Und in Vers 26 redete er zu der Gemeinde und sprach: Weichet doch von den Zelten dieser gesetzlosen Männer und rührt nichts an, was ihnen gehört, damit ihr nicht weggerafft werdet in allen ihren Sünden.
Dann heißt es weiter, dass sie sich ringsum von der Wohnung Korahs, Datans und Abirams wegheben. Und diese werden dann vernichtet.
Also werden sie aufgerufen, sich von diesen Rebellen abzusondern, damit sie nicht ebenfalls unter ihr Gericht kommen. Und genau das haben wir hier: Wer den Namen des Herrn nennt, stehe ab von der Ungerechtigkeit.
Es geht also darum, sich von Leuten wie Hymenäus und Philetus zu trennen, die den Glauben zerstören. Von ihnen muss man sich absondern, genauso wie man sich von der Rotte Korahs trennen musste.
Reinigung, Absonderung und Gefässe zur Ehre
Und jetzt geht der Text weiter: In einem großen Haus. 2. Timotheus 2,20. In einem großen Haus aber sind nicht allein goldene und silberne Gefäße, sondern auch hölzerne und irdene, und die einen zur Ehre, die anderen aber zur Unehre.
Wenn sich nun jemand von diesen wegreinigt, so wird er ein Gefäß zur Ehre sein, geheiligt, nützlich dem Hausherrn, zu jedem guten Werk bereitet.
Im Tempel gab es goldene und silberne Gefäße. Das waren Gefäße zur Ehre Gottes. Es gab aber im Tempel auch gewisse Geräte, die konnten zum Beispiel aus Ton sein. Aber wenn die mit irgendetwas Unreinem in Berührung kamen, durfte man die nicht mehr reinigen. So steht das im Dritten Mose. Stattdessen musste man sie zerschlagen. Metallene Gefäße dagegen konnte man scheuern und wiederverwenden.
Und nun wird hier dieser Kontrast gemacht: Es gibt goldene und silberne Gefäße und irdene und hölzerne. Die einen sind zur Ehre Gottes, und die anderen zur Unehre. Und so muss quasi eine Trennung geschehen zwischen den wahren Gläubigen zur Ehre Gottes, goldenen und silbernen Gefäßen, und solchen, die wie Hymenäus und Philetus den Glauben zerstören mit falschen Lehren.
Darum kommt dann die Erklärung, Vers 21: Wenn sich nun jemand von diesen reinigt. Ich habe auf dem Blatt geschrieben, bei Punkt sieben zu 2, Vers 21. Das Verb reinigen oder wegreinigen heißt auf Griechisch „ekkathairo“. Nicht nur „kathairo“ reinigen, sondern „ekkathairo“ ausreinigen. Das heißt reinigen, indem man sich absondert, wegreinigen. Dieses Wort kommt im Neuen Testament nur noch in 1. Korinther 5,7 vor.
Dort geht es darum, dass jemand in der Gemeinde Hurerei begangen hat. Und Paulus sagt: Ihr müsst diese Person ausschließen aus der Gemeinde. Und sie müssen sich also so von dem Sauerteig wegreinigen. Aber hier haben wir nun etwas Gegensätzliches. Hier werden nicht die falschen Lehrer hinausgetan, wie in 1. Korinther 5, sondern hier müssen sich nun die Gefäße zur Ehre, die müssen sich selber zurückziehen.
Also der normale Fall in einer Gemeinde: Wenn sie gesund ist, dann kann sie das Böse durch Gemeindezucht eben bestrafen, so dass der Betroffene ausgeschlossen wird. Das Ziel ist aber seine Wiederherstellung, das ist ganz klar. Aber es muss geschehen bei diesen schweren Sünden, wie es der Korintherbrief erwähnt, eben Hurerei, also auch vorehelicher Geschlechtsverkehr. Das nennt die Bibel Hurerei. Da muss die Gemeinde eingreifen. Aber nicht bei jeder Sünde, sondern es ist ein Katalog von ganz schweren Dingen, auch Lästerung, Trunksucht. Aber das Ziel ist die Wiederherstellung.
Aber wenn die Gemeinde schon so vom Bösen durchdrungen ist, dann kann man nicht mehr. Und dann gilt es, dass sich eben der Treue trennt. Und das ist die Situation von 2. Timotheus. Da müssen also die Gefäße zur Ehre, die goldenen und silbernen Gefäße, sich wegreinigen.
Aber es gibt eine Verheißung. Wenn man das so macht, wenn sich nun jemand von diesen Gefäßen der Unehre wegreinigt, so wird er ein Gefäß zur Ehre sein. Doppelt: Er war ja schon ein Gefäß zur Ehre, ja, als goldenes und silbernes. Aber dadurch, dass er sich wegreinigt, wird er hier nochmals in praktischer Hinsicht vorgestellt als ein Gefäß zur Ehre, nützlich dem Hausherrn, zu jedem guten Werk bereitet.
Dann wird erklärt: Die jugendlichen Lüste aber fliehe. Auch das ist ein Befehl, habe ich rot angestrichen. Strebe aber nach Gerechtigkeit, Glauben, Liebe, Frieden. Jetzt steht nicht einfach allein und weder so ein Aussiedler, der sich in irgendeine Gemeinde einfügen kann, ja? Nichts davon. Mit denen, die den Herrn anrufen aus reinem Herzen.
Ein reines Herz ist ein Herz, das wirklich aufrichtig ist. Und wir müssen die suchen, die den Herrn auch anrufen, die wirklich dem Herrn treu sein wollen. Also wegreinigen, aber dann positiv streben nach Gerechtigkeit, nach Glauben, nach Liebe, nach Frieden. Aber eben zusammen mit den anderen, die das auch tun.
Umgang mit Irrlehre und die Haltung des Knechtes
Vers 23: Aber die törichten und ungereimten Streitfragen weise ab, da du weißt, dass sie Streitigkeiten erzeugen. Ein Knecht oder ein Sklave des Herrn aber soll nicht streiten, sondern gegen alle milde sein, lehrfähig, duldsam, und in Sanftmut die Widersacher zurechtweisen, ob ihnen Gott nicht etwa Buße gebe zur Erkenntnis der Wahrheit und sie wieder nüchtern werden aus dem Fallstrick des Teufels, die von ihm gefangen sind für seinen Willen.
Also: Ein Knecht soll mit denen, die falsch stehen, nicht streiten. Er soll milde sein und lehrfähig. Was heißt lehrfähig? Das heißt, dass man nicht wütend wird, wenn der andere mit seinen komischen Ansichten kommt, sondern dass man wirklich bemüht ist, von der biblischen Lehre her ganz sachlich und verständlich rüberzubringen, was denn da genau falsch ist und was das biblisch Korrekte ist. Das ist Lehrfähigkeit.
Und das soll eigentlich jeder Knecht des Herrn so rüberbringen: verständlich machen, nicht einfach sagen: Das ist falsch. Warum? Das habe ich mir auch so falsch angeschaut. Nein, sondern wirklich biblisch begründen, warum.
Lehrfähig, duldsam und eben mit Sanftmut die Widersacher zurechtweisen, immer im Blick darauf, dass Gott ihnen Buße und Einsicht schenken kann.
Also ganz wichtig: Es geht hier besonders um Anweisungen für die letzten Tage, und das wird jetzt deutlich in 2. Timotheus 3,1. Das habe ich ja schon gelesen. Ich lese darum nur noch Vers 1 bis Vers 6 habe ich schon gelesen: Dieses aber wisse, dass in den letzten Tagen schwere Zeiten da sein werden.
Die Endzeit als Zeit der Verwirrung und der Rückkehr des Heidentums
Ich habe auf dem Blatt unter Punkt 9 geschrieben: die letzten Tage. Das bedeutet in der Bibel die Endzeit.
Es gibt ja verschiedene Ausdrücke, die die Endzeit bezeichnen, wie am Ende der Jahre, Hesekiel 38, oder am Ende der Zeit, Daniel 8, oder in jenen Tagen und zu jener Zeit, Joel 4,1, oder die letzte Stunde, 1. Johannes 2,18, oder die letzte Zeit, Judas 17, oder wie hier: die letzten Tage.
Übrigens: Die Endzeit ist in der Bibel immer die Zeit, in der das jüdische Volk aus einer weltweiten Zerstreuung zurückkehrt ins Land der Vorväter. Wir wissen, die erste Einwanderungswelle hat 1982 stattgefunden, und viele weitere sind gefolgt bis heute, so dass Millionen aus allen fünf Kontinenten zurückgekehrt sind ins Land der Väter.
Wir leben in der Endzeit, das ist aber eine Periode. Und hier wird jetzt die Endzeit beschrieben, in der Christenheit. Das ist ganz wichtig, weil diese 18 Kennzeichen der Menschen, die wir schon gelesen haben, von denen findet man viele in Römer 2 am Schluss. Da beschreibt Paulus die Heidenwelt zu seiner Zeit mit genau gleichen Ausdrücken. Den Eltern ungehorsam usw. findet man auch in der Zeit der alten Griechen. Und all die Unzucht und so weiter findet man alles bei den alten Griechen.
Aber durch das Christentum ist vieles anders geworden, und viel heidnische Unmoral wurde massiv zurückgedrängt in den sogenannten christlichen Ländern wie Europa und Nordamerika. Aber wenn hier gesagt wird, in der letzten Zeit werden die Menschen so sein, dann bedeutet das, dass innerhalb der Christenheit, innerhalb der bekennenden Christenheit, die alte Unmoral des Heidentums wieder neu Einzug halten wird.
Und das haben wir ganz drastisch erlebt seit diesem Dammbruch der sechziger Jahre. Was die Achtundsechziger uns gebracht haben, die haben uns wirklich die ganze Gesellschaft kaputt gemacht. Alle Moral haben sie über den Haufen geworfen, und jetzt können wir es auslöffeln. Es ist genau das, was hier beschrieben wird. Das hat sich besonders seit den 60er Jahren so massiv in unserer Gesellschaft durchgesetzt.
Merkmale der letzten Zeit und ihr geistlicher Hintergrund
In der Trendforschung braucht man ja für die Wirtschaft immer zu wissen, was im Voraus trendy wird. Dabei unterscheidet man gewisse Megatrends der Gesellschaft. Ein Megatrend heute ist Selbstverliebtheit.
Der erste Punkt hier ist: Denn die Menschen werden eigenliebig sein. Das Erste ist Selbstverliebtheit. Das ist ein Megatrend der heutigen Gesellschaft. Und dann geldliebend. Noch nie hat sich die Börse so entfaltet, wie das heute ist. Noch nie hat man solche Geldmengen gehabt, im Verhältnis zu der Bevölkerung, die das besitzt, wie heute. In der ganzen Geschichte ist das noch nicht da gewesen, das ist absolut einzigartig.
Das ist bei uns gleichzeitig nicht schlecht, wenn man viel Geld hat. Aber an sich kommt es darauf an, was man damit macht und wie man es bekommen hat. Unsere Gesellschaft liebt das Geld auch noch. Das ist der Punkt: die Geldliebe, das ist das Üble.
Zweiter Punkt: Wir können jetzt durchgehen durch jeden Punkt, das ist so dramatisch. Unsere nachchristliche Gesellschaft seit den sechziger Jahren: Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar. Was an Lästerung heute möglich ist, wie das Christentum auch in Theaterstücken und in Filmen verhöhnt werden kann, was früher sofort zu einem Gerichtsfall geworden wäre, ist heute von der Gesellschaft absolut akzeptabel.
Ohne natürliche Liebe, wenn man an das ganze Problem der Abtreibung denkt, denn das Wort Storge hier bezeichnet speziell die Liebe zwischen Eltern und Kindern. 50 Millionen Abtreibungen, 40 bis 50 Millionen Abtreibungen pro Jahr weltweit.
Ich kann nicht auf alle Ausdrücke eingehen, aber noch ganz wichtig scheint mir: mehr das Vergnügen liebend als Gott. Denn die Liebe zum Vergnügen hat solche Ausmaße angenommen in unserer Gesellschaft, wie das früher nie war. Natürlich war das Vergnügen immer da, es war immer ein Teil der Gesellschaft. Aber dass der Mensch so nur noch für das Vergnügen lebt, das ist unglaublich: mehr das Vergnügen liebend als Gott.
Sie sind zwar religiös. Der Mensch heute ist nicht unreligiös. Atheismus hat schon längst abgedankt, das ist vorbei. Der Atheist ist völlig altmodisch, der ist überhaupt nicht mehr in. Religiosität, Spiritualität, ja, eine Form der Frömmigkeit haben sie, ihre Kraft aber verleugnen. Und von diesen wende dich weg.
Die Bedeutung von „schweren Zeiten“ und die Imitation göttlicher Wunder
Und dann heißt es weiter: Nein, ich möchte noch zuerst hinweisen. Unter Punkt neun heißt es ja von den letzten Tagen: Sie werden schwere Zeiten sein. Das Wort schwer heißt hier Chalepos. Das bedeutet schwer, schwer zu ertragen, wild, wütend, rau, gefährlich. Also ist jede Übersetzung richtig, ja? Alles drin: gefährliche Zeiten, wo man nicht gerissen werden kann.
Dieses Wort kommt nur noch einmal vor im Neuen Testament, in Matthäus 8,28. Dort ist es übersetzt mit „wütend“. Es geht um diese besessenen und nackten Gadarener, von unzähligen Dämonen besessen. Und die kommen da aus den Grüften hervor, wütend. Und das Wort ist Chalepos.
Also das Wort, das noch einmal im Neuen Testament vorkommt, bezeichnet diese Wut der Dämonen, die den Menschen bis zur totalen Selbstentblößung bringen. Vor kurzem war die Street Parade in Zürich. Woher kommt das, wenn der Mensch die Selbstentblößung anstrebt? Das ist immer ein Wirken von Dämonen.
Und interessant: Dieses Wort Chalepos nochmals hier, die letzten Tage, wütende Zeiten, wo also die Dämonenwelt eine Wut entlädt. Und dann haben wir in diesen Versen 1 bis 5 18 Kennzeichen der Menschen in der Endzeit. 18 ist dreimal sechs, das erinnert so schön an 666 in Offenbarung 13,18, die antichristliche Zeit.
Jannes und Jambres als Vorbild für den endzeitlichen Widerstand
Jetzt lese ich weiter, Vers 6, denn aus diesen sind die, die sich in die Häuser schleichen und Weiblein gefangen nehmen, welche mit Sünden beladen sind und von mancherlei Lüsten getrieben werden, die immer da lernen und niemals zur Erkenntnis der Wahrheit kommen können.
Mal hat es an der Tür geläutet, und dann ist der Vater vom Tisch aufgestanden. Sie hatten gerade eine Familienandacht, lasen 2. Timotheus 3. Dann war ein Zeuge Jehovas an der Tür, nicht einer, es waren sogar zwei. Und dann sagt er: Ach, von Ihnen haben wir gerade gelesen. Ist ja nicht möglich! Ja, klar, denn aus diesen sind die, die sich in die Häuser schleichen und Weiblein gefangen nehmen, welche mit Sünden beladen sind und von mancherlei Lüsten getrieben werden, die immer da lernen, die lesen dauernd Erwachet! und Wachturm, immer da lernen und niemals zur Erkenntnis der Wahrheit kommen können. Das ist auch eine Endzeiterscheinung.
Und dann geht es weiter, Vers 8: „Gleicherweise aber wie Jannes und Jambres Mose widerstanden, also widerstehen auch diese der Wahrheit, Menschen verderbt in der Gesinnung, unbewährt hinsichtlich des Glaubens. Sie werden aber nicht weiter fortschreiten, denn ihr Unverstand wird allen offenbar werden, wie auch der von jenen es wurde.“
Jannes und Jambres, wer ist das? Da kann man die Konkordanz hervornehmen und mal suchen, man findet keinen Jannes und keinen Jambres. Aber man muss die rabbinischen Schriften lesen. Die alten Rabbiner kannten Jannes und Jambres, das waren zwei ägyptische Zauberer zur Zeit von Mose. Und im aramäischen Targum Jonathan – das Alte Testament auf Hebräisch wurde ja für die Juden nach der babylonischen Gefangenschaft, die nicht mehr so gut Hebräisch konnten, in der Synagoge immer auf Aramäisch übersetzt. Diese Übersetzungen hat man dann auch schriftlich niedergelegt, und die nennt man Targumien.
Aber diese Übersetzungen sind oft Umschreibungen, so ein bisschen wie Gute Nachricht oder Hoffnung für alle. Es sind keine Übersetzungen, es sind Umschreibungen, und man hat sie auch nicht als Übersetzungen gebraucht. Man hat immer zuerst in der Synagoge den Bibeltext gelesen, und dann hat man die Targum-Übersetzung gemacht. Das war also eine Umschreibung mit eingefügten Kommentarfloskeln. Das kann man auch machen mit Hoffnung für alle und so weiter oder NGU. Man muss einfach im Klaren sein: Es sind keine Übersetzungen. Übersetzungen gehen nach dem wörtlichen Text, aber es sind Übertragungen, es sind Targumien, wo man gleich noch ein bisschen Erklärung bekommt.
Ihr habt schon gehört, wie Leute gesagt haben: Ich habe von der NGU, von der Neuen Genfer Übersetzung, den Römerbrief gelesen, jetzt habe ich den Römerbrief verstanden. Das ist doch schön, ein schönes Zeugnis. Aber das ist nicht die Grundbibel. Das ist einfach ein Targum, der helfen kann.
Und nun im Targum Jonathan, 2. Mose 7,11, wo es um die Zauberer geht, die die Wunder von Mose nachahmen, werden dort Jannes und Jambres genannt. Sie kommen je nach rabbinischer Schrift noch ein bisschen abgewandelt vor, das sind diese Jannes und Jambres. Und die kannte Paulus aus seiner Ausbildung zum Rabbiner, früher bei Gamaliel oder überhaupt durch sein Studium der rabbinischen Traditionen. Und er nennt sie so, weil die tatsächlich so geheißen haben, und das wurde im Judentum neben der Bibel überliefert.
Jannes und Jambres haben vier göttliche Wunder versucht zu imitieren. Sie haben auch wie Mose ihre Stäbe zu Schlangen auf den Boden geworfen, 2. Mose 7,11-12. Sie haben Wasser in Blut verwandelt, 2. Mose 7,22. Und sie haben auch zur Froschplage noch mehr Frösche hinzugefügt, 2. Mose 8,7. Dann ging es um Staub, der zu Stechmücken wurde. Haben sie es auch versucht, mit ihrer ägyptischen Magie? Gelingt nicht, dann haben sie gesagt: Das ist Gottes Finger. Aus toter Materie etwas Lebendiges zu schaffen, das kann auch der Satan nicht. Und so mussten sie eingestehen: Das geht nicht. Aber gewisse Wunder haben sie imitiert, aber nicht alles.
Und nun stellen wir uns vor, wir sind auf einer ganz kleinen Insel, vier mal vier Meter, ich allein mit meiner Frau und noch die Bibel, und wir wissen nichts, was geht in Europa und in Nordamerika. Und dann lesen wir hier: Gleicherweise wie Jannes und Jambres Mose widerstanden, also widerstehen auch diese der Wahrheit. Also in der Endzeit muss es Widerstand geben, indem göttliche Wunder imitiert werden. Das muss so kommen in der Endzeit, also in der Zeit von 1882 bis weiter und weiter. In dieser Zeit muss ein Widerstand gegen die Wahrheit kommen, in dem Wunder imitiert werden.
Nun, wir haben ja alles erlebt im biblisch-christlichen Bereich: drei Wellen. 1906 die erste Welle, das war die Pfingstbewegung. Leute sind auf den Rücken gefallen, haben das Bewusstsein verloren, haben begonnen, plötzlich zu lallen, obwohl sie es nicht verstanden. Die zweite Welle kam nach 1960, das war die sogenannte charismatische Bewegung. Die hat alle Kirchen erfasst. Und dann ab den 80er Jahren eine dritte Welle, die Power-Evangelism-Bewegung. Die hatte als Ziel, alle Gemeinden, die noch nicht durch die charismatische Bewegung erreicht worden waren, nun auch zu erreichen. Und die geht bis heute.
Und da geschehen Zeichen und Wunder in Massen, aber gewisse Zeichen können sie gar nicht imitieren. Zum Beispiel das Sprachenreden. Wo findet man einen unter den Millionen, die Zungen reden, der könnte Sprachen reden? Ich habe noch nie einem solchen begegnet. Warum nicht? Weil in der Apostelgeschichte Fremdsprachen geredet wurden. Es war ja nicht das erste Mal, dass jemand in Sprachen geredet hat in der Bibel. Das gab es ja schon früher, in 1. Mose 11. Die haben plötzlich Sumerisch sprechen können, Akkadisch und Hebräisch usw. Die konnten die Sprache beherrschen, und das kann Satan offensichtlich nicht. Einem Menschen eine fremde Sprache, die er nicht gelernt hat, einzugeben, so dass er sie beherrscht, als Fremdsprache.
Und Paulus sagt ja: Wenn ich in einer Sprache bete, so betet mein Geist, nicht der Heilige Geist in mir, wie es in Hoffnung für alle heißt oder in Gute Nachricht: der Heilige Geist in mir. Nein, mein Geist, mein menschlicher Geist, hat ganz die Sprache. Und das können sie nicht. Sie können nur etwas sagen, aber die Worte selber, die Silben, verstehen sie nicht. Und es gibt das Phänomen, dass jemand plötzlich eine fremde Sprache spricht, eine richtig verständliche Sprache, aber dann sind sie ausgeschaltet. Nicht sie sprechen die Sprache.
Das gab es zum Beispiel auch schon früher, in der Zeit der Kamisardenbewegung in Frankreich, im siebzehnten Jahrhundert. Da gab es ein Mädchen, das konnte plötzlich in Trance Hochfranzösisch sprechen. Also was in Trance ist, das kann der Teufel. Aber da muss er immer den menschlichen Geist auf die Seite tun. Aber was er nicht kann, so dass der menschliche Geist voll da ist und er kann die Sprache sprechen, das kriegt er nicht hin. Aber Gott hat es getan, das ist Gottes Macht. 1. Mose 11 hat es gekonnt, 1. Mose 2 auch: Adam konnte sofort sprechen nach der Erschaffung, er musste nicht lernen wie wir als Kinder. Gott hat ihm das ganze Sprachsystem, Sprachproduktion und Sprachverständnis beides eingegeben. Gott konnte zu ihm sprechen, und er hat es gerade verstanden. Das konnte Gott auch tun in Apostelgeschichte 2, Apostelgeschichte 10, 1. Korinther 12-14. Das können die heutigen nicht.
Das ist interessant: Warum können sie das nicht? Dann sagen sie, ja, es gibt eben zwei Arten Sprachenreden. Es gibt das, das ist einfach so ein Lallen, das man nicht versteht, und es gibt dann das Sprechen mit wirklichen Sprachen. Nun sage ich: Warum kannst du das mit den richtigen Sprachen nicht? Wo sind die Leute, die auf die Straße gehen können und die Albaner verstehen es und die Türken? Nein, Gott wirkt das eine, ja, warum wirkt das andere nicht? Warum könnt ihr das nicht? Und sie können es einfach nicht. Aber das ist ein Beispiel: Satan kann diese Imitation nicht, wo der Mensch voll seinen Geist behält und sein Geist wirkt. So können wir bei gewissen Zeichen merken, dass der Mensch voll seinen Geist behält und sein Geist. Die können Sie nicht nachmachen, wie Jannes und Jambres.
Und anderes können sie: Kranke heilen, der Teufel kann auch heilen, krank machen kann er auch, Hiob, ja, das war ein Angriff mit biologischen Waffen, kann er. Frösche vermehren kann er auch, Reproduktion aktivieren geht, ja, vor der Gentechnik. Aber eben gewisse Grenzen sind ganz klar gesetzt. Und so wird also klar: In der Endzeit werden göttliche Wunder satanisch imitiert, und da müssen wir aber nicht nur an diese drei Bewegungen denken, sondern an die ganze esoterische und okkulte Welle, die besonders seit den sechziger Jahren ganz Europa und Nordamerika überflutet hat.
Offenbarung des Irrtums und das persönliche Vorbild des Apostels
Ich lese weiter. Sie werden aber nicht weiter fortschreiten, denn ihr Unverstand wird allen offenbar werden, wie auch der von jenen es wurde. Es wird also ein Ende geben, an dem wirklich offenbar wird, wie daneben das ist. Man merkt dann plötzlich: Das ist ja total daneben.
In 2. Mose 9,11 werden die Zauberer Jannes und Jambres selbst betroffen und bekommen ausbrechende Beulen. Das heißt, sie konnten nicht mehr vor dem Pharao stehen, sondern mussten sich schämen und weggehen. Für Ägypter war Unreinheit der Haut etwas vom Schlimmsten, was es gibt. Darum haben sie auch die Leichen mumifiziert. Die Erhaltung der Haut war etwas ganz, ganz Wichtiges. So wurde ihr Unverstand richtig deutlich, indem diese hässlichen Beulen sichtbar wurden.
Ich lese weiter, Vers 10: Du aber hast genau erkannt meine Lehre, mein Betragen, meinen Vorsatz, meinen Glauben, meine Geduld, meine Liebe, mein Ausharren, meine Verfolgungen, meine Leiden, welcherlei Leiden mir widerfahren sind in Antiochien, in Ikonium, in Lystra, welcherlei Verfolgungen ich ertrug. Und aus allen hat der Herr mich gerettet.
Jetzt haben wir hier dieses „Du aber“. Das ist ganz eindrücklich im zweiten Timotheusbrief. Ich habe unter Punkt acht aufgeführt: Schon in 2. Timotheus 3,23 hatten wir „du aber“, und jetzt in Vers 10. Dann in Vers 14: „Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast.“ Und in 4. Timotheus 4,5: „Du aber sei nüchtern.“ Dieses „du aber“ ist so persönlich an Timotheus gerichtet. Schau, es gibt diese und diese und diese Verwirrung. Und jetzt spricht er ganz persönlich zu Timotheus: „Du aber“, im Gegensatz zur Masse.
Also sollen wir uns nicht nach der Masse orientieren, sondern der Herr spricht durch den zweiten Timotheusbrief ganz persönlich zu uns und sagt: Schau mal diese Dinge, „du aber“. So wird Timotheus im Gegensatz zur Masse gestellt und aufgefordert, er soll wirklich bewusst den Weg der Treue wählen.
Und das Erste, was er sagt: Du aber hast genau erkannt meine Lehre. Heute ist man ja oft der Meinung, Lehre müsse man nicht so im Detail ausbuchstabieren, das sei alles nur Buchstabenklauberei. Aber der Bibeltext hängt ja an den Buchstaben. Man kann ja mal einen Versuch machen: einen schönen Text auf dem PC auswählen, dann wird alles schwarz, und dann löscht man alle Buchstaben weg. Dann muss man schauen, wie viel noch vom schönen Text übrig bleibt. Der Inhalt wird ja durch die Buchstaben getragen. Und wenn wir den Buchstaben der Bibel keine Ehrfurcht entgegenbringen, indem wir sie genau nehmen, dann verstehen wir auch die Lehre nicht.
Paulus sagt: Du aber hast genau erkannt meine Lehre, nicht nur ungefähr. Halte fest an den gesunden Worten. Aber nicht nur die Lehre, sondern auch das praktische Umsetzen: mein Betragen, meinen Vorsatz, meinen Glauben, meine Geduld, meine Liebe, mein Ausharren. Und dann schreibt er über diese Verfolgungen aus Apostelgeschichte 13 und 14. Aus dieser Gegend kam Timotheus, aus Lystra und Derbe. Er hat alles erlebt, was ich da durchgemacht habe. Auch da wieder kein Wohlstandsevangelium.
Aber du hast gesehen, was ich gelitten habe, und ich habe mich ganz für die Sache des Herrn eingesetzt. Es ist nicht so gewesen, dass mein Leben irgendwie sehr einfach und problemlos war. Und aus allen hat der Herr mich gerettet. Das war so. Am Schluss ist Paulus geköpft worden, aber erst, als es Zeit war.
So eindrücklich hat es einmal Whitfield gesagt, dieser gesegnete Evangelist in Nordeuropa und Amerika aus der Erweckungszeit des achtzehnten Jahrhunderts. Er wurde von Pöbel angegriffen und wäre beinahe ums Leben gekommen. Später schrieb er: Es ist unglaublich, wie unsterblich die Heiligen sind. Wenn noch nicht die Zeit ist, dann sterben sie einfach nicht. Und aus allen hat der Herr mich gerettet, das hat Paulus erlebt.
Und dann generalisiert er in Vers 12: Alle aber auch, die gottselig oder gottesfürchtig leben wollen in Christus Jesus, werden verfolgt werden. Was mich bewegt, ist: Es heißt hier nicht, die gottesfürchtig leben, sondern leben wollen. Es fängt ja damit an, dass wir wirklich diesen Vorsatz in unserem Herzen haben, mit dem Herrn nun in Ehrfurcht vor ihm und seinem Wort zu leben. Aber hier heißt es bereits diejenigen, die das wollen. Ob es uns immer gelingt, das ist eine andere Frage. Aber die das wollen, die werden verfolgt. Das hat Konsequenzen. Wenn wir wollen, am Wort Gottes festzuhalten und das auch in unserem Leben umzusetzen, dann hat das Folgen.
Vers 13: Böse Menschen aber und Wundertäter werden im Bösen fortschreiten, indem sie verführen und verführt werden. Ich habe hier unter Punkt zwölf zu Vers 13 aufgeschrieben: Goes heißt im Griechischen Wundertäter, kann auch ein Trickser bedeuten, also ein wirklicher Wundertäter oder auch ein Trickser, beides. Paulus sagt: Solche Wundertäter werden im Bösen fortschreiten. Es wird also eine Entwicklung geben. Das läuft wellenförmig, kann man sagen, und wird immer intensiver.
Was mich an dieser Stelle sehr bewegt, ist: Es heißt, indem sie verführen und verführt werden. Also Verführer können auch Verführte sein. Wir denken immer, die Verführten, das sind die Opfer. Aber hier nennt Paulus sogar die Verführten böse Menschen. Und da ist ein wichtiger Grundsatz: Menschen, die nicht auf Gott hören wollen, können zu dem Punkt kommen, wo Gott sie in etwas Böses fallen lässt. Das lernen wir auch aus Römer 1, wo gezeigt wird, wie Menschen den Schöpfergott ablehnen und dann plötzlich in alle mögliche Unmoral fallen können. Darum hat Gott sie dahingegeben.
Und das ist ein Prinzip: Wenn ich die Wahrheit nicht will und mich gegen die Wahrheit stelle, kann Gott zulassen, dass ich verführt werde und dann wieder andere verführe.
Festhalten an der überlieferten Wahrheit und die Schrift als Gottes Wort
Jetzt kommt wieder ein „Du“, aber in Vers 14: „Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast.“ Ganz persönlich. Du musst dich nicht entwickeln, wie in der liberalen Theologie. Da geht man immer schön weiter, oder? Zuerst hatte man die Einteilung in Fragmente, die fünf Bücher Mose, dann geht man weiter zur nächsten Theorie, dann wieder zu einer neuen Theorie und dann wieder zu einer neuen Theorie. Das Christentum, die christliche Lehre, entwickelt sich.
„Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und wovon du völlig überzeugt bist, da du weisst, von wem du gelernt hast und weil du von Kind auf die heiligen Schriften kennst.“ In Vers 14 sagt er: Du weisst, von wem du gelernt hast. Das kam später. Zuerst hat Timotheus als kleines Kind die Heilige Schrift, das Alte Testament, kennengelernt, durch Mama und Oma. Aber später ist er mit Paulus in Kontakt gekommen und mit anderen neutestamentlichen Propheten und Aposteln, und von denen hat er die neutestamentliche Wahrheit gelernt.
Also hat Vers 14 Bezug auf die neutestamentliche Offenbarung, Vers 15 auf die alttestamentliche Offenbarung. Und dann heisst es in Vers 16: „Alle Schrift ist von Gott eingegeben.“ Warum „alle Schrift“, warum nicht nur „die Schrift“? „Alle“ sagt nun: nicht nur die heiligen Schriften, die du von Kind auf kennst, das Alte Testament von 1. Mose bis Maleachi, sondern auch die neutestamentliche Offenbarung. Alle Schrift ist von Gott eingegeben.
Ich habe unter Punkt 16 geschrieben: Dieser Vers hier ist eine klassische Inspirationsstelle. Der Ausdruck „von Gott gehaucht“, griechisch Theopneustos, bedeutet, dass Gott durch den Bibeltext direkt zu uns spricht. Nicht wahr, wenn ich spreche, dann muss der Hauch durch meinen Atemkanal hindurch. Nur so kann man kommunizieren. Ohne Hauch geht gar nichts, es gibt keine Kommunikation. Und hier steht: Alle Schrift ist von Gott gehaucht. Das heisst, durch die ganze Heilige Schrift spricht Gott direkt zu uns.
Dieser Vers geht weiter, als wenn man sagen würde, die Bibelschreiber waren durch den Heiligen Geist inspiriert. Das waren sie. Aber dann könnte jemand sagen: Gut, das waren sie, aber beim Aufschreiben haben sie auch noch eigene Ideen in den Text gebracht. Aber hier wird vom Endprodukt, von dem Geschriebenen, gesagt: Es ist Gott gehaucht. Und das zerschlägt jegliche Kritik an der Bibel. Das Geschriebene ist Gottes direkte Rede.
„Nütze zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werk völlig geschickt.“ Da sehen wir diese Allgenügsamkeit der Heiligen Schrift. Das sind alles Resultate, die die Heilige Schrift in uns bewirkt, wenn wir sie mit Ehrfurcht lesen und auf unser Leben beziehen. Sie überführt uns, wo wir nicht klar sind. Sie weist uns zurecht, wo wir wüssten, was richtig wäre, aber es nicht tun.
Es ist nicht das Gleiche: Überführen tut man dort, wo man nicht klar ist. Zurechtweisen, da weiss man es, aber man tut es trotzdem nicht. Und dann zur Unterweisung in der Gerechtigkeit. Die Bibel belehrt uns einfach, und das Ziel ist es eben, ein Mensch Gottes zu sein.
Im Alten Testament findet man verschiedene Personen, die werden genannt: Mann Gottes. Mose, der Mann Gottes. Elija, der Mann Gottes. Und das entspricht diesem neutestamentlichen Ausdruck: der Mensch Gottes. Und diese Männer Gottes, das waren so Einzelpersonen, die sind Gott treu geblieben, auch wenn die Masse andere Wege gegangen ist. Und da wird wieder betont: Gott möchte, dass jeder Erlöste ein Mann Gottes ist, beziehungsweise eine Frau Gottes, wo man auch bereit ist, ohne grosse Massen geradlinig weiterzugehen.
Noch etwas unter Punkt 14: Da haben wir den Ausdruck „die heiligen Schriften“, griechisch Hiera Grammata. Das heisst wörtlich heilige Buchstaben. Da sehen wir, wie das Bezug hat auf das einzelne Zeichen im Grundtext, das eben von Gott inspiriert ist. Und was mich da bewegt: Hier wird nicht das übliche Wort für heilig gebraucht, sondern ein ganz spezielles. Hiera wurde in der Zeit des Neuen Testaments verwendet, auch ausserhalb der Bibel, für die Heiligkeit des Tempels.
Also die Hiera Grammata, das sind die Buchstaben und die heiligen Schriften, die der Heiligkeit des Tempels entsprechen. Und es war so: In Jerusalem, im Tempel, hat man den hebräischen Grundtext aufbewahrt, mit besonders prächtigen Handschriften. Das war der Referenztext. Also wenn man seine Bibel in der eigenen Synagoge überprüfen wollte, der Überprüfungstext war in Jerusalem, im Tempel. Und das waren eben tempelheilige Bücher.
Ich habe das in meinem Buch Der Messias im Tempel auch die Quellen angegeben, woher das kommt. Da war es verboten, zum Beispiel irgendwelche profane Literatur mitzubringen. Wenn man zum Tempel ging und man nahm Ilias von Homer mit, da wurde man am Eingang abgewiesen von der levitischen Wache. Dieses Buch kommt nicht in den Tempel, das ist profane, in diesem Fall sogar heidnische Literatur, und entspricht nicht der Heiligkeit des Tempels. Nur zum Beispiel Geschlechtsregister waren erlaubt im Tempel.
Und es ist interessant, dass eben die Bibel genannt wird Hiera Grammata, weil das zeigt: Nur kanonische Bücher wurden im Tempel aufbewahrt. Alles, was nicht dem Kanon der Heiligen Schriften entsprach, zum Beispiel die Makkabäerbücher, die durften nicht auf den Tempelplatz gebracht werden. Die Apokryphen hatten keinen Platz dort.
Und das ist wichtig, weil die liberalen Theologen uns sagen: Der Kanon war noch offen bis 100 nach Christus, und dann gab es ein Konzil in Jamnia, und da haben die Rabbiner schliesslich den Kanon festgelegt. Da müsst ihr den fragen: Wo steht das mit dem Konzil von Jamnia? Ja, irgendwo in der rabbinischen Literatur. Wo bitte? Ja, wahrscheinlich im Talmud. Ja, welche Stelle bitte? Die gibt es gar nicht.
Es gibt Hinweise im Talmud, dass Rabbiner in Jamnia über verschiedene Bücher gesprochen haben, die gefragt haben, gehört zum Beispiel Hesekiel in das Alte Testament oder nicht, obwohl es ja drin war, und der Prediger. Es war schon längst alles festgelegt. Und der Beweis ist, dass eben auch zur Zeit Jesu und schon davor die Bücher, die wir als Altes Testament haben, nur die waren im Tempel aufbewahrt, und nichts anderes. War auch nicht erlaubt.
Und darauf nimmt Paulus also Bezug, auf diese Hiera Grammata. Das sind die Schriften, die tempelwürdig sind. Ja, jetzt gehen wir weiter, Kapitel 4, wir haben noch ein paar Minuten.
Der Auftrag an Timotheus und die Warnung vor der künftigen Ablehnung
Ich bezeuge ernstlich vor Gott und Christus Jesus, der die Lebenden und die Toten richten wird, und bei seiner Erscheinung und seinem Reich: Predige das Wort, halte daran fest, sei dazu bereit in gelegener und ungelegener Zeit. Überführe, strafe, ermahne mit aller Langmut und Lehre.
Wieder wird betont: Man muss begründen. Man kann nicht einfach ermahnen und sagen: Das ist richtig, das ist falsch. Bitte, warum? Wir wollen den biblischen Weisungen folgen. Denn es wird eine Zeit sein, in der sie die gesunde Lehre nicht ertragen werden, sondern nach ihren eigenen Lüsten sich selbst Lehrer aufhäufen werden, weil es ihnen in den Ohren kitzelt. Und sie werden die Ohren von der Wahrheit abkehren und sich zu den Mythen hinwenden.
In dieser Zeit sind wir. Was man hören will, muss irgendwie kitzeln, ja? Da will man etwas hören, wieder eine neue Lehre, aha, jetzt fallen die Leute um nach hinten, das ist heute schon längst wieder vorbei. 50 Kirchen wurden weltweit mit dem Toronto-Segen erreicht. Es ist langweilig, wir brauchen etwas Neues. Und dann kam die Sache mit dem Goldregen. Leute hatten plötzlich die Zähne mit Goldzähnen repariert. Man wundert sich: Warum nicht die natürlichen Zähne? Sie sind viel schöner. Ich möchte keine Goldzähne. Aber das mit dem Goldregen, mit den Goldzähnen, war wieder eine Welle. Das sage ich auch: schon wieder vorbei. Und es braucht immer wieder etwas Neues, was irgendwie in den Ohren kitzelt.
Sie werden die gesunde Lehre nicht mehr ertragen. Sie möchten Dinge, die kitzeln, und sie sind allgemein offen für mythische, fabelhafte Dinge. Und welche Filme sind heute in? Das sind die mythologischen Filme, Herr der Ringe und wie sie alle heißen. Da rennen die Leute hin. Das wollen sie hören: etwas, das irgendwie so übernatürlich, übersinnlich wirkt. Das ist toll.
Und dann kommt: Du aber sei nüchtern in allem. Ich habe unter Punkt 18 aufgeführt: Du aber sei nüchtern in allem. Das mit „nüchtern sein“ übersetzte Verb nefo bedeutet gemäß dem neutestamentlichen Standardwörterbuch von Walter Bauer, in der Fußnote genau angegeben: frei sein von jeder geistigen und seelischen Trunkenheit, von Überschwang, Leidenschaft, Überstürzung, Verwirrung, Exaltiertheit. Das ist doch ein aktuelles Wort.
Und beachten wir: Es ist ein Befehl, ein neutestamentliches Gebot. Nicht: Das soll man anstreben, das wäre besser. Du aber sei nüchtern, das ist imperativ. Also sei frei von jeglicher geistigen und seelischen Trunkenheit, von Überschwang, Leidenschaft, Überstürzung, Verwirrung, Exaltiertheit. Und wer also dagegen verstößt, verstößt gegen ein göttliches Gebot für Christen. Da muss ja niemand kommen und sagen: Das ist gesetzlich. Das steht ja ganz klar im Neuen Testament. Und sehen wir, was da heute alles abgeht unter den Christen, das voll gegen diesen Vers widerspricht.
In allem leide Trübsal, tue das Werk eines Evangelisten, vollführe deinen Dienst! Auch das ist ein Befehl: Tue das Werk eines Evangelisten! Das heißt nicht unbedingt, dass Timotheus ein Evangelist war. Wir sind ja auch nicht alle Evangelisten, gewisse haben diese spezielle Begabung. Aber wir haben alle den Auftrag, das Werk eines Evangelisten zu tun, und das ist ein endzeitlicher Auftrag. Tue das Werk eines Evangelisten. Wir müssen diesen Missionsauftrag erfüllen, mit Hingabe, und eben unseren Dienst vollführen, zum Abschluss bringen.
Paulus’ Ende, sein Beispiel und die Hoffnung bis zum Schluss
Und dann haben wir schon gelesen, Verse 6 bis 8. Paulus sagt: Ich komme jetzt zum Schluss. Ich bin also bis ans Ende gekommen.
Es gibt solche, die fangen gut an und enden schlecht. Paulus hat gut angefangen und gut geendet, und darin ist er ein Vorbild.
Es heißt in Hebräer 13: Gedenket eurer Führer, die das Wort Gottes zu euch geredet haben, und schaut auf den Ausgang ihres Glaubens; ahmt ihren Glauben nach. Es ist ganz wichtig, dass wir bei Männern Gottes, auch bei Frauen Gottes, wie etwa bei Deborah usw., darauf schauen, wie die Leute enden. Entscheidend ist, den Ausgang ihres Glaubens anzuschauen. Ahmt ihren Glauben nach, nicht ihre Art. Wir sind ja alle ein bisschen verschieden und müssen uns nicht nachahmen.
Ich habe auf dem Blatt noch alle 11 Stellen aufgeführt im Neuen Testament, wo dieser Befehl, nüchtern zu sein, auch zu finden ist.
Und dann möchte ich noch lesen, Kapitel 4, Vers 9: „Befleißige dich, bald zu mir zu kommen, denn Demas hat mich verlassen, da er den jetzigen Zeitlauf liebgewonnen hat, und ist nach Thessalonich gegangen.“
Demas hat gut angefangen als Mitarbeiter. Ich habe die Stellen angegeben, Philemon und Philemon 1, wo er vorkommt, und plötzlich hat er das Leben in der Welt liebgewonnen und ist gegangen. Das ist ein wichtiges Beispiel für die Endzeit. Wir dürfen nicht erschüttert werden, wenn wir das immer wieder erleben: Menschen, die ganz klar Kurs gemacht haben und dann die Welt liebgewonnen haben.
Und dann: Kreszens nach Galatien, Titus nach Dalmatien, also nach Jugoslawien ist er gegangen. Lukas ist allein bei mir. Nimm Markus und bringe ihn mit dir, denn er ist mir nützlich zum Dienst. Tychikus aber habe ich nach Ephesus gesandt.
Den Mantel, den ich in Troas bei Karpus zurückließ, bringe mit, wenn du kommst, und die Bücher, besonders die Pergamente.
Alexander, der Schmied, hat mir viel Böses erwiesen. Der Herr wird ihm vergelten nach seinen Werken. Vor ihm hüte auch du dich, denn er hat unseren Worten sehr widerstanden.
Bei meiner ersten Verantwortung stand mir niemand bei, sondern alle verließen mich. Also auch die Gläubigen in Rom, als er vor Nero stand. Es werde ihnen nicht zugerechnet. Der Herr aber stand mir bei und stärkte mich, auf dass durch mich die Predigt vollbracht werde und alle, die aus den Nationen hören möchten.
Und ich bin gerettet worden aus dem Rachen des Löwen, das ist Nero, hinter dem Satan stand. Und der Herr wird mich retten von jedem bösen Werk und bewahren für sein himmlisches Reich. Ihm sei die Herrlichkeit in die Zeitalter, oder von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen! Oder: in dem Zeitalter der Zeitalter. Amen!
Das ist übrigens eine schöne Anspielung auf das Unser Vater. Nur im Mehrheitstext Matthäus 6,13 heißt es am Schluss vom Unser Vater: Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen! Und vorher heißt es im Unser Vater noch: Errette uns, führe uns nicht in Versuchung, sondern errette uns von dem Bösen.
Und Paulus sagt hier: Der Herr wird mich retten von jedem bösen Werk und bewahren für sein himmlisches Reich. Denn dein ist das Reich, und die Herrlichkeit sei von Ewigkeit zu Ewigkeit. Denn dein ist das Reich und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Merken wir: Das bestätigt den Mehrheitstext. Paulus spielt hier auf das Unser Vater an, so wie es im Mehrheitstext ist. In manchen Bibeln ist dieser Vers einfach weggelassen worden.
Schlussgedanken, persönliche Grüsse und Gebet
Ja, jetzt möchte ich aber zum Schluss kommen und noch darauf hinweisen: 4. Vers 13, hier Punkt 21, Paulus will Bücher und Pergamente. Kurz vor dem Martyrium will er noch Bücher lesen. Da könnte man heute sagen: Jetzt in der Endzeit sollte man doch nicht mehr Bibelstudium betreiben, nur noch evangelisieren. Nein, das Studium der Heiligen Schrift hat Bedeutung bis zum Schluss. Er wollte noch in der Todeszelle die Bücher, besonders die Pergamente, so eindrücklich.
Und dann wollte er auch noch den Mantel, hier Punkt 20, den Mantel in Troas, weil er wusste, dass jetzt bald der Winter kommt. Ich schliesse Vers 19: Grüße Priska und Aquila. Und das Haus ist ohne Siphorus. Erastus blieb in Korinth, Trophimus aber habe ich in Milet krank zurückgelassen. Eigenartig, warum hat er nicht geheilt? Befleissige dich, vor dem Winter zu kommen, es grüßt dich Eubulus und Pudens und Linus und Claudia und die Brüder alle. Der Herr Jesus Christus sei mit deinem Geist, die Gnade sei mit euch. Amen.
Er sah den Winter herankommen, genauso wie er damals sah, wie er die letzte Zeit, diese raue, wilde Zeit, herannahte. Er wollte den Mantel, um den Kerker warm zu haben. Und wenn wir an Römer 13 am Schluss denken, dort heißt es: Zieht an den Herrn Jesus Christus. Das ist so wichtig, dass wir das uns zu eigen machen. Wir leben jetzt in dieser kalten Winterszeit der Endzeit, und da gilt es, dass wir wirklich in Christus eingekleidet sind. Nichts ist so nahe wie die Kleider, dass wir wirklich in unseren Herrn eingehüllt sind und so nicht erkalten in der Endzeit, wenn die Liebe der vielen erkalten wird.
Und dazu möge unser zweiter Timotheusbrief wirklich ganz praktisch helfen. Wir wollen noch zum Schluss beten.
Herr Jesus, wir sind dir dankbar für die ganze Bibel und auch für den zweiten Timotheusbrief, der so praktisch zu uns spricht und unsere Situation so direkt im Auge hat. Wir bitten dich, dass du uns hilfst, wirklich jeder persönlich dieses Du aber umzusetzen und mit dir treu entschieden zu gehen, uns nicht mitreißen lassen durch den Irrwahn der Ruchlosen, wie Petrus schreibt, sondern dass wir dir treu sind und den Lauf vollenden. Amen.
Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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