Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter ist, sowie Weg, Wahrheit und Leben.
Episode 591: Lazarus und der reiche Mann, Teil 3.
Einführung in das Totenreich und seine Bereiche
Wir werfen mit Jesus gerade einen Blick ins Totenreich. Wir wissen jetzt, dass die Toten im Totenreich wach sind. Außerdem wissen wir, dass es im Hades zwei Bereiche gibt.
Den einen Bereich nennt Jesus Abrahams Schoss. Dieser Bereich wird auch von Paulus in 2. Korinther 12 beschrieben. Ebenso lädt Jesus den Verbrecher am Kreuz in diesen Bereich ein, als er sagt: „Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradies sein“ (Lukas 23,43).
Es ist also der Bereich, in den Jesus selbst nach seinem Tod gegangen ist. Ideen, dass Jesus nach seinem Tod in irgendeiner Hölle war, dürfen wir getrost verwerfen. Wenn Jesus am Kreuz sagt: „Es ist vollbracht“, dann ist sein Auftrag in diesem Moment erledigt.
Jesus musste für uns sterben, aber er musste keine Höllenqualen auf sich nehmen. Im Totenreich gibt es also zwei Bereiche: Auf der einen Seite Abrahams Schoss beziehungsweise das Paradies, auf der anderen Seite einen Ort der Qual.
Dort erwacht der reiche Mann, dem der arme Lazarus Zeit seines Lebens nicht wichtig gewesen ist.
Die Metapher des Schlafes für den Tod
Frage: Wenn die Toten im Totenreich so lebendig sind, warum wird der Tod dann in der Bibel als Schlaf bezeichnet? Und warum werden die Verstorbenen als Entschlafene genannt? Wenn wir schlafen, sind wir doch alles andere als wach und lebendig. Warum ist Schlaf in der Bibel eine gebräuchliche Metapher für den leiblichen Tod?
Antwort: Die Schreiber der Bibel wollen mit dieser Metapher nicht die Nichtexistenz oder Bewusstlosigkeit der Seele beschreiben, sondern die Vorläufigkeit des Zustands im Hinblick auf die Auferstehung. So wie man aus dem Schlaf wieder erwacht, so wird man aus dem Todesschlaf von Gott wieder auferweckt.
Dies wird im Buch Daniel deutlich, wo es heißt: „Viele von denen, die im Land des Staubes schlafen, werden aufwachen, die einen zu ewigem Leben und die anderen zur Schande, zu ewigem Abscheu“ (Daniel 12,2).
Das Gespräch zwischen dem reichen Mann und Abraham
Kehren wir zurück zum Gespräch zwischen dem reichen Mann und Abraham in Lukas 16, Verse 24 und 25.
Der reiche Mann ruft und spricht: „Vater Abraham, erbarme dich meiner und sende Lazarus, dass er die Spitze seines Fingers ins Wasser taucht und meine Zunge kühlt, denn ich leide Pein in dieser Flamme.“
Abraham antwortet: „Kind, denk daran, dass du dein Gutes völlig empfangen hast in deinem Leben, und Lazarus ebenso das Böse. Jetzt aber wird er hier getröstet, du aber leidest Pein.“
Zunächst fällt auf, wie Abraham den reichen Mann nennt: „Kind“. In dieser Anrede steckt Zärtlichkeit, aber kein Trost.
„Denk daran, dass du dein Gutes völlig empfangen hast in deinem Leben.“ Das ist die Antwort auf die Bitte des reichen Mannes, Lazarus zu ihm zu senden. Abraham weist seinen Wunsch nach Hilfe damit zurück. Für ihn gibt es kein weiteres Gutes mehr. Der reiche Mann hat alles erhalten, was ihm zusteht.
Das genaue Gegenteil gilt für Lazarus. Er hat in seinem Leben das Böse empfangen. So wie der Reiche jetzt Pein leidet, wird Lazarus getröstet.
Die unüberwindbare Kluft im Totenreich
Warum schickt Abraham nicht Lazarus, um dem reichen Mann zu helfen?
Punkt eins: Der reiche Mann hat kein Anrecht auf Hilfe. Er hat alles Gute empfangen, das ihm zusteht.
Punkt zwei: Es ist nicht möglich. In Lukas 16,26 heißt es: „Und zu diesem allen ist zwischen uns und euch eine große Kluft festgelegt, damit die, welche von hier zu euch hinübergehen wollen, es nicht können, noch die, welche von dort zu uns herüberkommen wollen.“
Gott selbst hat das Totenreich so eingerichtet, dass sich die Geretteten und die Verlorenen nicht begegnen können. Es gibt eine große Kluft, die beide Parteien trennt. Selbst wenn die Gläubigen Mitleid mit den Verlorenen hätten – und wahrscheinlich haben sie das auch – können sie nicht hinübergehen. Noch weniger können die Verlorenen herüberkommen, selbst wenn sie es wollten.
Das bedeutet: Wenn sich die beiden Gruppen nicht mischen können, weil Gott sie getrennt hat, dann gibt es auch keine Errettung mehr nach dem Tod. Eine solche Errettung würde voraussetzen, dass es eine Brücke über die Kluft gibt. Es müsste eine Form von Übergang bestehen, die es den Verlorenen erlaubt, zum Beispiel durch einen Akt der Bekehrung oder des Glaubens, doch noch in Abrahams Schoß – sprich ins Paradies – zu gelangen.
Aber genau das hat Gott selbst durch die Art, wie das Totenreich aufgebaut ist, verhindert.
Die Bitte des reichen Mannes für seine Brüder
Das scheint nun auch der reiche Mann zu verstehen, denn er bittet um etwas ganz anderes (Lukas 16,27-28).
Er sprach: „Ich bitte dich nun, Vater, dass du ihn in das Haus meines Vaters sendest, denn ich habe fünf Brüder, damit er ihnen eindringlich Zeugnis ablegt, damit sie nicht auch an diesen Ort der Qual kommen.“
Ein kurzer Exkurs: Manchmal trifft man auf Menschen, die sich nicht bekehren wollen, weil sie wissen, dass ihr bereits verstorbener Partner nicht gläubig war und sie die Ewigkeit nicht ohne ihn verbringen möchten. Natürlich ist diese Vorstellung an sich mehr als fragwürdig. Doch diese beiden Verse machen deutlich, was sich verlorene Menschen für ihre Angehörigen wünschen.
Wer verloren ist, der wünscht sich von Herzen, dass keiner seiner Lieben dorthin kommt, wo er sich gerade befindet. Diesen Gedanken kann man als Impuls nutzen, sich doch zu bekehren – auch wenn der geliebte Partner es nicht getan hat, jedenfalls soweit man das weiß.
So begreift der reiche Mann die ganze Hoffnungslosigkeit seiner Situation und bittet nun für seine fünf leiblichen Brüder. Er möchte, dass sie nicht denselben Fehler machen wie er. Er denkt, dass Lazarus, wenn er von den Toten auferstehen würde, Zeugnis ablegen könnte.
Die Warnung Jesu an die Zuhörer
Frage: Wovon? Natürlich vom Schicksal des reichen Mannes. Lazarus soll ja dessen Brüder warnen. Und eigentlich warnt hier Jesus durch die Verzweiflung des reichen Mannes seine Zuhörer.
Im Wunsch des reichen Mannes liegt viel Tragik. Es ist die Tragik eines Lebens, das zwar gut gefüllt, aber letztlich völlig verpfuscht ist. Hier ist jemand am Ende angekommen und erkennt, dass er alles falsch gemacht hat. Noch schlimmer ist, dass er weiß, dass andere, die er liebt, gerade dabei sind, denselben Fehler zu begehen.
Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mich machen diese Verse betroffen. Es gibt ein „zu spät“. Und es gibt Millionen von Menschen, die in diesem Augenblick im Totenreich den einen Gedanken haben: „Wenn nur jemand meine Liebsten warnen würde.“ Verlorene, die wissen, dass sie sich nicht mehr retten können, die es sich aber für ihre noch lebenden Familienangehörigen wünschen.
Was könntest du jetzt tun? Denke in Ruhe darüber nach, wen du warnen würdest, wenn du der reiche Mann wärst.
Abschluss und Segenswünsche
Das war es für heute. Die BTA Dual Ost ist ein zweijähriges theologisches Ausbildungsprogramm für ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter in Gemeinden.
Es wird vom Christlichen Bildungszentrum Erzgebirge in Kooperation mit der BTA Wiedenest angeboten. Einen Link mit weiteren Informationen findest du im Skript.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
