Liebe Freunde, im Dezember letzten Jahres wurde ich nach Kenia eingeladen. Es ergab sich spontan eine Pastorenschulung zum Thema Evangelisation. Dort war eine Zeltstadt aufgebaut. Mein Freund Hans Scheib und ich kamen dort an.
Es gab eine Prophetin, und in Afrika ist Vollmacht oft mit Lautstärke verbunden. Wer nicht laut brüllt, gilt als machtlos. Es wurde gesagt, dass es nicht Gottes Wille sei, dass wir leiden oder arm sind. Wir fragten uns, was hier gerade passiert.
Ich war gerade angekommen und dachte, ich solle mich aus Höflichkeit zurückhalten, um nicht gleich ins Fettnäpfchen zu treten. Dann wurde ich an die Gemeinde in Smyrna erinnert, die wir heute Vormittag in der Bibel betrachteten. Dort sagt der Herr: „Ich weiß um deine Armut, aber du bist reich.“
Im Sendschreiben heißt es: „Du sagst, ich bin reich, doch du bist arm.“ Diese Möglichkeit der Täuschung zeigt sich tragisch im Wohlstandsevangelium. Ich zitierte daraufhin eine Bibelstelle, um zu widersprechen.
Die Prophetin sagte: „Es ist nicht Gottes Wille, dass wir leiden.“ Paulus nennt Leid jedoch ein Vorrecht. In Philipper 1,29 heißt es: „Euch ist die Gnade geschenkt, nicht nur an Jesus zu glauben, sondern auch um seines Namens willen zu leiden.“
Ich fühle mich oft schuldig, weil ich zu einer Generation gehöre, die Freiheit und Überfluss erlebt hat wie keine andere zuvor in der Menschheitsgeschichte. Ähnlich wie unser Bruder Berger sagte: Das Thema Leid sollten wir hier eigentlich nicht ansprechen. Doch der Wahrhaftigkeit der Schrift wegen müssen wir diese Dinge erwähnen.
Ich hörte einmal Siegfried Müller aus Karlsruhe, ein Ableger von Jungitschow, auf einer Kassette predigen. Es klang, als ob er mit einem homiletischen Zufallsgenerator Verse aneinanderreiht – hier ein Vers, dort ein Vers, ohne Zusammenhang.
Dann sagte er: „Es gibt Armutsdämonen. Wir verunehren Gott, wenn wir ein rostiges Auto fahren.“ Das ist ein wörtliches Zitat.
Ich werde nie vergessen, wie der Mann, durch den ich zum Glauben kam, George Werva, einmal in einem anderen Zusammenhang sagte: Paulus konnte noch sagen: „Die wir arm sind, machen viele reich.“ Doch von manchen unserer heutigen Prediger kann man sagen: „Die wir reich sind, machen viele arm“ – buchstäblich.
Die Botschaft an Laodizea: Warnung vor Selbsttäuschung und Lauheit
Ich lese vor Laodizea das letzte Sendschreiben, und da heißt es ab Vers 14:
„Und dem Engel der Gemeinde zu Laodizea schreibe: Das sagt der Amen, der treue und wahre Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes: Ich weiß deine Werke, dass du weder kalt noch warm bist. Ach, dass du kalt oder warm wärst! Weil du aber lau bist und weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde.
Du sprichst: ‚Ich bin reich, ich habe gesättigt und bedarf nichts‘, und weißt nicht, dass du elend und jämmerlich, arm, blind und bloß bist. Ich rate dir, dass du von mir Gold kaufst, das im Feuer geläutert ist, damit du reich wirst. Und weiße Kleider, dass du dich anziehst und nicht offenbar wirst die Schande deiner Blöße. Und Augensalbe, deine Augen zu salben, damit du sehen mögest.
Wen ich lieb habe, den strafe und züchtige ich; so mache dich auf und tue Buße! Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hört und die Tür auftut, zu dem werde ich eingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir. Wer überwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie ich überwunden habe und mich gesetzt habe mit meinem Vater auf seinen Thron.
Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt.“
Vielleicht allgemeine Dinge noch: Das ist die übliche Form eines Briefes in der antiken Welt. Zuerst kommt die Adresse, dann stellt sich der Absender vor. Üblicherweise wurden auch aus Höflichkeit positive Dinge vorweg erwähnt, bevor man das Kritische ansprach. Das sehen wir bei den anderen Sendschreiben, zum Beispiel an Ephesus.
Hier aber gibt es nichts Positives mehr. Das ist aus Sicht der prophetischen Entwicklung zu sehen. Man kann dieses Schreiben auf vierfache Weise auslegen. Zunächst einmal ganz persönlich: Man könnte sagen, „Ja, die erste Liebe hast du verlassen“ (vgl. Epheser 2,4 – hier bezieht sich das auf Ephesus). Das wäre schön, aber nein, das trifft uns sehr.
Hier haben wir die Gemeinde auf dem Prüfstand. Es wird uns gezeigt, wie Gott die Gemeinde sieht. Das ist das Allerwichtigste: Wenn ich wissen will, wie Gott mich sieht. Du kannst den Namen haben, dass du lebst, aber du bist tot.
Wir alle kennen den Vers aus Philipper 1,21: „Christus ist mein Leben, Sterben ist mir Gewinn.“ Bin ich zu schnell? Ich habe das Charisma, also müssen wir rechtzeitig Signale geben, wenn ich zu schnell werde. Manchmal sagen mir Leute: „Es war ja so schön und interessant, aber sie waren zu schnell, wir haben nichts verstanden.“ Das ist dann zu spät.
Und was steht in Philipper 2,21? „Sie suchen alle das Ihre, nicht das, was Christi Jesu ist.“ So sieht es heute oft aus, gerade bei Anwesenden, die gern ausgenommen werden.
Also gilt es hier zu entscheiden, dass wir uns dem stellen, was der Herr zu sagen hat.
Historischer und geografischer Hintergrund der Gemeinde Laodizea
Interessant ist, dass der Herr auch diese Sendschreiben, die ja unauslotbar sind, mit historischen und geografischen Ereignissen oder Gegebenheiten in Verbindung bringt.
Nun einige Daten zu Laodizea: Die Stadt liegt ungefähr 65 Kilometer östlich von Ephesus. Sie war die Hauptstadt Phrygiens, nahe bei Kolosse und Hierapolis. Dort gab es eine jüdische Gemeinde. Die Gemeinde selbst entstand durch Epaphras, wie uns in Kolosser 4 berichtet wird. Es gab auch einen Brief an die Kolosser und an die Laodizeer.
Im Kolosserbrief, Kapitel 4, Vers 16, heißt es: Wenn ihr diesen Brief gelesen habt, dann gebt ihn an die Gemeinde zu Laodizea und lest auch den, der an Laodizea geschrieben wurde.
Es gibt verschiedene Spekulationen zu Laodizea. Die Stadt war bekannt für ihr Augenpulver, das phrygische Augenpulver, für ihr Bankwesen, den Goldhandel, und für ihre Textilindustrie, insbesondere die Wollverarbeitung.
Es wird berichtet, dass die Stadt trotz eines schweren Erdbebens im Jahr 60 nach Christus, das die Stadt dem Erdboden gleichmachte, so reich war, dass sie jegliche Hilfe von außen, insbesondere von Rom, ablehnte.
Diese Aspekte fließen in die Betrachtung mit ein. Bekannt ist auch die Aussage: „Ach, dass du heiß oder kalt wärst!“ Laodizea lag am Fluss Lycus, einem Nebenfluss des Mäanders. Bei Hierapolis, das in der Nähe liegt, war der Fluss noch warm oder heiß. Bei Kolosse war er kalt, und bei Laodizea, geografisch betrachtet, war er lauwarm. Das sind alles solche Aspekte, die mit hineinkommen.
Aus der Sicht der historischen Entwicklung ist die Gemeinde natürlich tragisch. Wir hatten vorhin erwähnt, dass man die Sendschreiben vierfach auslegen kann:
Erstens ganz persönlich, um eine direkte Ansprache zu geben.
Zweitens historisch, denn die genannten Städte existierten damals tatsächlich. Es gab auch einen Postweg, der bei Ephesus begann und dann über Smyrna, Pergamon, Thyatira, Sardes, Philadelphia bis Laodizea führte.
Drittens gibt es zu allen Zeiten Gemeinden mit diesen Grundeigenschaften: Gemeinden, die verfolgt wurden, Gemeinden, die ihre erste Liebe verlassen hatten, Gemeinden mit Überfluss usw.
Viertens, und das ist besonders einleuchtend, ist die prophetische Entwicklung, die im Reichtum der Bibel dargestellt wird. Danach wäre Laodizea die Gemeinde der letzten Tage – und dort ist nichts Positives mehr zu finden, also nichts Erbauliches.
Die Gefahr eines fremden Geistes bei Kindern Gottes
Liebe Freunde, ich habe das Thema Apologetik und Verführung aufgegriffen und frage die Leute: Kann man als Kind Gottes einen anderen Geist haben? Ich lehne das Wort „besessen“ ab. Die Begriffe im Griechischen, wie Daimonizomenos oder Katharizo, stehen nicht in Verbindung mit Kindern Gottes. Aber kann man trotzdem als Kind Gottes einen fremden Geist empfangen? Die meisten sagen Nein. So habe ich auch einmal gedacht.
Dann frage ich: Waren Ananias und Saphira gläubig? Die meisten sagen Ja. Petrus sagt zu ihnen, dass sie den Heiligen Geist belogen haben. Ich kann ja nicht zu Ungläubigen sagen, sie hätten den Heiligen Geist belogen. Dann fragt Petrus: Warum hat der Teufel dein Herz erfüllt, dass du dir solches vorgenommen hast? Im Griechischen steht hier „plēróō“, dasselbe Wort, das auch in Epheser 5,18 verwendet wird: „Seid erfüllt mit dem Geist.“
Ich sage den Leuten: Obwohl du Kind Gottes bist, kannst du über deinen wahren Zustand restlos betrogen sein. Das dürfen wir nicht von oben herab sagen, denn unser Herz ist trügerisch über alle Maßen. Wer da meint, zu stehen, sollte sehen, dass er nicht falle.
Dann fragen die Leute: Wo ist der biblische Beleg? Offenbarung 3,17: „Du sagst, ich bin reich.“ Ich bin ja öfter auch in der Dritten Welt, und da vereinfacht gesagt, pauschalierend und verallgemeinernd, ausgenommen die Anwesenden von Herzen gerne, sage ich, die östliche Welt ist gewöhnlich Smyrna – Trübsal, Verfolgung, Armut.
Im Westen hingegen lautet es sehr oft: „Wir sind reich, wir sind satt, wir bedürfen nichts. Wir haben das Institut für Gemeindewachstum und Viehzucht, wir machen die Erweckung, wir sind die Manager des Heiligen Geistes.“ Manchmal herrscht ein Größenwahn, der sprachlos macht. Das Gegenteil trifft zu, und man weiß nicht, dass man elend, jämmerlich, arm, blind und bloß dasteht.
Laodizea ist dennoch in der Stellung vor dem Herrn. Es gibt einen Unterschied zwischen Stellung und Wandel, Position und Kondition. Ein goldener Leuchter, auch die Gemeinde zu Korinth, die Paulus fleischlich nennt. Er nennt sie Nepioi, Säuglinge, und ihre Untugenden sind schlimmer als die der Heiden. Die berufenen Heiligen zu Korinth waren der Stellung nach Kinder Gottes, aber ihr Wandel war eine Katastrophe.
Noch einmal sage ich den Leuten: Wenn man nicht begreift, dass man, obwohl man Kind Gottes ist, restlos über seinen wahren Zustand betrogen sein kann, dann weiß man nicht, was sich heute abspielt. Der Herr schreibt in allen sieben Sendschreiben. Er weiß alles, er ist der Allwissende.
Er sagt: „Ich bin der Amen, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes.“ Das erwähne ich hier noch, Vers 14. Mit diesem Vers kommen gern die Zeugen Jehovas. Sie sind Nachkommen des Arius. Sie sagen, Jesus sei geschaffen, habe einen Anfang. Aber das Wort „Archē“, das hier steht, heißt auch Ursprung, Quelle. Und er ist ja die Quelle der Schöpfung Gottes.
Das ist für einen Naturwissenschaftler faszinierend, wenn im Johannesevangelium steht: „Am Anfang war der Logos“, die Information. Alles Leben enthält eine unglaubliche Menge an Information. Er ist die Quelle, der Ursprung. Die Evolution – ich glaube, am Anfang war der Zufall, also die Unintelligenz – und er schuf Himmel und Erde? Nein! „Im Anfang war der Logos.“
Wenn ich wüsste, was in dieser Zelle hier, in dieser Pflanze, verschlüsselt ist, wäre ich ein Supergenie. „Ach, wärst du heiß oder kalt! Weil du lau bist, will ich dich ausspeien.“ Es heißt wörtlich: „dich auszuspeien.“ Und das trifft uns natürlich selbst.
Kann ich sagen, Alexander Seibel ist brennend für den Herrn? Liebe Freunde, es ist tatsächlich so. Leider ist es jetzt Jahrzehnte her, dass mich jemand fragte: „Alexander, betest du eine Nacht für mich?“ Das habe ich gemacht, mache ich nicht mehr.
Damals hat man noch gebrannt, konnte flehen und ringen. Mit der Zeit wird man abgestumpft. Man bekommt heute manchmal Nachrichten, auch von Vertrauten. Da sollte man wie Jeremia sagen: „Ach, dass ich hauptvoll Wasser wäre, meine Augen wie Tränenbäche, dass ich Tag und Nacht beweinen könnte die Erschlagenen meines Volkes.“
Der Erste, den ich mit zitternden Knien nach meiner Bekehrung angesprochen habe, war OM. Er hat uns beigebracht, Jesus zu bekennen. Dem Herrn sei Dank dafür. Ein Studienkollege von mir in Wien an der Hochschule für Bodenkultur – jetzt heißt sie Biokultur – sagte mir seine Frau: „Ja, der Willi liest kaum noch und die Bibel, er ist irgendwie so lau geworden.“
Das hat mich sehr getroffen. Das war die Zeit der ersten Liebe. Ich habe stundenlang für ihn gefleht. Dann hat der Herr wirklich in einmaliger Weise eingegriffen. Aber leider muss ich in der Vergangenheitsform davon sprechen.
Man soll nicht meinen, ich stehe über diese Dinge. Ich darf über Laodizea predigen. Hier steht der brennende Christ. Es gibt nur eine Möglichkeit, solche Themen aufzugreifen: man muss vor Gott wahrhaftig sein.
Wie Alexander Seibel hinter den Kulissen wirklich aussieht, weiß nun Gott allein. Das zeigt uns gerade das Endschreiben. Und das ist die größte Befreiung: mit Gott ehrlich zu sein.
Das ist die Voraussetzung, Gott kennenzulernen. Du musst wahrhaftig sein, auch in dieser Zeit der Lüge.
Die geistliche Nacktheit und die Herausforderung der heutigen Zeit
Da lesen wir vom wahrhaftigen Zeugen: Du weißt nicht, dass du elend, jämmerlich, arm, blind und bloß bist. Das greife ich auch manchmal auf. Was ist damit gemeint? Wir leben in einer Zeit, in der sich die Menschen buchstäblich entblößen. Das ist ein klassisches Symptom der Dämonisierung, wenn sich Menschen öffentlich nackt zeigen. Ein Beispiel ist der Garderiner, der nackt herumlief.
Wir sind seelisch entblößt worden durch Gruppendynamik, seelischen Striptease, Talkshows und Ähnliches. Zum Glück habe ich keinen Fernseher. Dadurch haben wir schon manchen Herzinfarkt erspart. Ich werde nicht vergessen, wie Hans Joachim Friedrichs, der Mister Tagesschau, über das Fernsehen sagte – ich habe es selbst nicht gehört, es wurde zitiert – dass Fernsehen, und das sagte er als unverdächtige Quelle, ein SPD-Mann, die Hinrichtung der Phantasie sei, verordnete Passivität und die größte Zeitvernichtungsmaschine der Welt. Deshalb habe ich den Kasten nicht.
Er hat uns auch manche Ehekrise erspart, weil ich eher fürs Auge anfällig bin und meine Frau damit herzlich wenig anfangen kann. Es gibt ja manche Krise, wenn der Mann da irgendwie hinter der Kiste die Zeit vertrödelt, während die Frau etwas ganz anderes möchte und sich nach einer romantischen Zeit sehnt. Der Mann hängt vor der Klotze und wird erst idiotisiert, wie der Spiegel dann schrieb. Wir sind also sichtbar nackt, seelisch nackt.
Aber was meint jetzt der Herr mit „Du bist nackt“? Das muss ich hier nicht groß erwähnen, aber dieses Fallen auf den Rücken ist eine Aufdeckung der Blöße. Das kennt die Bibel immer nur zum Gericht. Man durfte ja laut 2. Mose 20, Vers 26, den Altar nicht auf Stufen errichten, damit die Blöße nicht aufgedeckt würde, wenn der Priester hinaufgeht. Wie viel mehr das Fallen auf den Rücken und Gericht.
Unser Bruder hat heute Morgen eine interessante Bemerkung gemacht: Wir haben noch keine physische Trübsal, keine physischen Leiden. Du wirst noch nicht ins Gefängnis geworfen, wenn du gewisse Dinge sagst. Aber man kann darunter leiden, wenn man sieht, wie die Verführung um sich greift. Wie Bibelschulen, Seminare, Ausbildungsstätten, die man vor relativ kurzer Zeit noch empfehlen konnte, jetzt warnen muss.
Ich habe einst gesagt: Schickt mir dieses Buch, lasst uns anbeten. Ich sage jetzt nicht, welches Missionswerk das war. Es war vor kurzer Zeit eine Jugendbewegung mit über vier Jugendlichen, die eigentlich mal eine super Bewegung war. Da wurde Lobpreis gemacht. Jemand stand vorne und sagte: Wir machen jetzt Lobpreis. Wir stellen uns vor, wir sind auf einer Asphaltstraße und begegnen einer Kuh. Was macht man mit einer Kuh? Man melkt sie. Also melken wir jetzt die Kuh.
Dann haben über vier Jugendliche in diesem Sinne begonnen, Lobpreis zu machen. Ja, liebe Freunde, was soll man dazu sagen? Da müsste man weinen, das sollte man wirklich vor Gott zerbrechen. Das sind unsere zukünftigen Leute, und sie machen da ahnungslos mit. Man wird erinnert an die Klage des Paulus: Das Volk stand auf und spielte, Beizow steht dann erst unter zehn, benahm sich wie Kinder.
Deshalb habe ich hier diese Bücher mitgebracht. Ich nehme an, die meisten kennen sie schon: Spürst du Gott schon oder liest du noch die Bibel? Ich pflege zu sagen – und das bedrückt mich manchmal, leider bringt es mich nicht so auf die Knie, wie es mich bringen sollte – da ist der Megabestseller von Sarah Young „Ich bleibe bei dir“, eingeleitet über Jenny Link. Darin meldet sich Jesus in der ersten Person, sie schreibt dann die frommen Verse dazu. Das Buch wurde vier Millionen Mal verkauft und steht immer noch in der Ideabestsellerliste ganz oben. Sarah Young ist die meistgelesene Autorin der Evangelikalen in der deutschsprachigen Welt.
Amseln Grün, der Mann, der über Leute spottet, die glauben, dass Gott seinen Sohn opfern muss, um uns vergeben zu können. Gott kann dir doch so vergeben, wenn er dir vergeben will. Also keine Ahnung von der Heiligkeit Gottes und seiner eigenen Sündhaftigkeit. Da kann man wirklich langsam darunter leiden.
Und dass jemand wie – das darf ich ja hier sagen, in anderen Kreisen ging es mir jetzt wie Apostelgeschichte 22, Vers 22. Wissen Sie, was da steht? Ich gehe mal auf Tauchstation, mir ist nämlich etwas runtergefallen. Sie hörten ihm zu bis zu diesem Wort, und dann schrien sie: „Weg mit ihm! Er darf nicht mehr leben!“ Jemand wie Joyce Meyer mit ihrem Hollywood-Evangelium. Zum Glück habe ich keinen Fernseher, sonst hätte ich wirklich schon mehrere – ich weiß nicht was.
Sie ist die beliebteste, populärste Verkündigerin. Man erzählte mir, Helmut Mattis hatte ein kritisches Interview mit Joyce Meyer gebracht, als sie in Bern war, in der Basileia von Martin Bühlmann. Es gab zweihundert Abbestellungen, zwanzigtausend Euro Verlust. Und da sagte ich den Leuten auch ganz offen: Das Christentum befindet sich im Westen in einer großen Krise. Solche Leute sind eigentlich die Megastars geworden.
Das ist jetzt nicht physische Trübsal, aber es lässt einen manchmal resignieren. Das sind viertausend junge Leute, die hüpfen, tanzen und springen. Und das ist Worship. In Amerika spricht man vom Worship War, vom Lobpreis-Krieg, weil er nach Meinung einiger die eine Meinung zerrupft.
Diesen Triumph des Falschen zu sehen. Gerhard Meyer schreibt in seinem Matthäus-Kommentar zu Matthäus 24, dass der Herr als Erstes vor der Verführung warnt und diese bedenkenswerten Sätze sagt: Verfolgung lässt das Echte hervortreten, Verführung das Falsche triumphieren. Ich sage den Leuten immer wieder, auch mit Berufung auf Laodizea: Wir leben in der Zeit des Triumphs des Falschen.
Und das, wovor ich vor Jahrzehnten schon gewarnt habe – ich habe da den Hintergrund des Terrorismus 1979, 1989 und so weiter – das muss man jetzt zusehen, wie es immer mehr um sich greift. Wie vernünftige Leute, Gemeinden und Kreise, die noch relativ konservativ guten Stand hatten, auf einmal zusammenkommen, die Augen schließen, Bilder bekommen und Stimmen vernehmen. Jetzt praktizieren sie prophetisches Beten und prophetisches Reden und dergleichen.
Da könnte ich Klagelieder singen. Da frage ich mich manchmal, was dann noch übrig bleibt. Uns geht es noch zu gut. Denn gewisse Themen sind sofort vorbei, wenn Verfolgung da ist. Ich kam kürzlich in die Nähe von Gummersbach, in eine Gemeinde, die durch eine positive Spaltung entstanden war. Man hatte sich von Leuten getrennt, die in Sachen Schrift und anderen Dingen nicht mehr die Überzeugung teilten.
Die Gemeinde war gewachsen, dann kam ich hin, und es saß nur die Hälfte da. „Wollen wir die Leihen richten, werden sich die Reihen lichten.“ Das ist ein Schüttelreim, den ich einmal kreiert habe, nicht ganz ernst gemeint.
Ja, was war das Problem? Die Frauenfrage, Anbetung. Ich sagte: Wenn wir Verfolgung hätten, wäre das alles kein Thema. Dann kommt das Echte zum Tragen. Hören diese Dinge auf, schaut man auch nicht mehr auf Gefühle, denn die Gefühle sind bei Verfolgung im Keller. Dann muss man von den Tatsachen leben.
Huntermann sagte, diese Generation – natürlich die westliche, die laodizeische, nicht die verfolgte in China oder in der arabischen Welt, das wäre mehr Smirna – diese Generation kann einen nüchternen Glaubenswandel nicht mehr ertragen. Sie braucht eine sinnliche Religiosität, und genau das bekommen sie heute.
Man sieht heute die größten Gemeinden in Deutschland, etwa das Forum Gospelform Stuttgart. Man denkt, man ist in der Disco. Es ist auch Gutes dabei. Ich wage auch nicht zu sagen, dass sie nicht unsere Geschwister sind. Nochmals: Ich glaube, dass Kinder Gottes, obwohl Kinder Gottes, trotzdem einen anderen Geist haben können.
Paulus klagt die Korinther an, dass sie in der Gemeinschaft der Dämonen sind. Deswegen hat Gott sie ins Gericht genommen und sterben lassen, weil sie Kinder Gottes sind (1. Korinther 11,30). Sie sind schwach, krank und manche sind entschlafen; sie sind nicht gestorben, weil sie in der Gemeinschaft der Dämonen sind – das ist das, was wir heute haben.
Wir haben eine Generation voll Porno. Ich bekomme hin und wieder Informationen von Parental Watch, einer Organisation in Amerika, die sich gegen Kinderpornografisierung sträubt und dank Barack Obama einen schweren Stand hat. Sie haben gesagt: Frag dein Kind nicht, ob es einen Pornofilm gesehen hat, sondern wann es das letzte Mal einen Pornofilm gesehen hat.
Man wollte in Kanada eine Untersuchung anstellen, wie sich Pornografie auf Minderjährige und Teenager auswirkt. Die Untersuchung musste eingestellt werden, weil sie niemanden ab zwölf Jahren fanden, der nicht schon Pornofilme gesehen hatte.
Diese Generation hat natürlich keine Berührungsängste mehr, ist besudelt, wie 2. Korinther 7,1 sagt. Das ist Trübsal in gewisser Hinsicht. Darüber sollte man klagen und zusehen, wie die Dämme brechen.
„Ich bin reich, ich bin satt, bedarf nichts und weiß nicht, dass du elend, jämmerlich, arm, blind und bloß bist.“ Ein goldener Leuchter über den wahren Zustand, restlos betrogen – auch das gibt es bei Kindern Gottes.
In diesen Klassikern zum Thema Verführung wird auch erwähnt, dass manchmal Gläubige töricht ihres Sinnes als Weltmenschen handeln. Aber es geht nicht um die Gotteskindschaft. Wir haben ja dank Gottes Gnade dutzende gesehen, die aus diesen Strömungen herauskamen. Es musste sich keiner nochmals bekehren, sie waren Kinder Gottes.
Also nicht richten, vorsichtig sein. Aber die Geister müssen wir prüfen. Auch dürfen wir nicht dastehen und denken, wir seien jetzt die Besseren.
Ich rate dir, Gold von mir zu kaufen, das mit Feuer durchgeläutet ist. Damit zeigt er ganz klar die Diagnose auf: Kaufe Gold, das mit Feuer durchgeläutet ist, also bewährt. Das Feuer ist Trübsal, ist Verfolgung.
Weiße Kleider, damit du dich ankleidest und nicht offenbar werde die Schande deiner Blöße. Und Augensalben, deine Augen zu salben, damit du sehen mögest.
Ich bekenne alle Benedikt Peters, und er sagte mir, er war damals noch auf der Bibelschule New Life, das ist Jahrzehnte her. Da sagte er mir: Wenn ich nicht geistlich kämpfte – er hatte ja auch Drogenvergangenheit, aber Gott hat Großes an ihm getan – würde er überhaupt nicht mehr durchs Leben sehen.
Er erzählte, er habe ein halbes Jahr gebraucht, um zu erkennen, dass Krishna und Christus nicht dasselbe sind. Ich sagte ihm dann fast wie Omer: Reicht da nicht ein Blick in die Bibel und ein Bibelvers, um das zu wissen? Weil ich keine Drogenvergangenheit habe.
Das sage ich deswegen, weil er mich weit überrundet hat. Damals konnte ich noch auf ihn herabblicken, inzwischen – was man sowieso nicht tun soll. Also der Herr hat Großes an ihm getan.
Dann zitiert er Offenbarung 3,18. Er sagte: Kaufe die Augensalbe. Und da sagt er diesen Satz, den ich nicht vergessen werde: Es kostet einen Preis, Durchblick zu haben.
Und weil wir uns so angepasst haben, haben wir eben jetzt diese Entwicklungen.
Na ja, und die größte Gemeinde in der Schweiz, Leo Bigger von ICF International Christian Fellowship, wird jetzt auch auf dem Willow-Kongress, der für nächstes Jahr geplant ist, einer der Starredner sein, gemeinsam mit dem katholischen Theologen Johannes Hartl.
Dieser Leo Bigger hat, als er auf der Evangelistenkonferenz im Jahr 2000 eingeladen war, einen kurzen Beitrag gegeben. Er verglich Evangelisten mit den toten Gebeinen aus Hesekiel 37. Mag er Recht haben. Dann blies er dreimal ins Mikrofon, damit der Geist Gottes über die verdorrten Gebeine dieser eingeschlafenen Evangelisten komme.
Ja, und das ist jetzt der Starredner. Das ist ja reine Magie. Er kann sagen: Ich bin reich, ich bin satt. Das ist die größte Gemeinde in der Schweiz, tausende Jugendliche, bedarf nichts.
Es ist nicht mein Auftrag zu sagen, er sei nicht Kingullis. Wir wollen ja von Mitternacht zu Ende kommen. Ihr wisst ja, Apostelgeschichte 20,7 ist ein Lieblingsvers von mir. Sie sind absolut biblisch, apostolisch, wenn wir bis Mitternacht machen, da Paulus lange redete und bis Mitternacht hinzog, dann torkelte Eutychus aus dem Fenster.
Aber weil ich nicht mehr die apostolische Vollmacht habe, Tote lebendig zu machen, muss ich früher zum Abschluss kommen. Ich glaube nicht mehr an apostolische Zeichen. Und das war eine apostolische besondere Vollmacht.
Habt ihr darüber mal nachgedacht? Jetzt mache ich noch eine Klammer auf, um vier wollte ich ja Schluss machen: Als die Tabita starb, warum konnten die Jünger in Joppe sie nicht selbst auferwecken? Es war ja die Zeit der Urgemeinde. Warum mussten sie den Petrus holen? Sie wussten, dass sie das apostolisch nicht konnten und brauchten einen Apostel.
Die Notwendigkeit der Buße und die Verheißung des Überwindens
Welchen ich lieb habe, den züchtige und erziehe ich, Pateujo. So mache dich auf und tue Buße.
Seht ihr, alle Erweckungen haben damit begonnen, dass die Gläubigen Buße taten. Wir müssen uns hier in Sack und Asche beugen. Keine Gemeinde wirft der Herr vor, du hast einen Mangel an Charismen, oder du brauchst ein Seminar für irgendwelche Gemeindestrategien, Sinusuntersuchungen, emergente Gemeinden oder die Geistesdörfer. Sondern: Tue Buße. Achtmal in den Sendschreiben!
Und das hat man uns ja ausgetrieben: Du diskriminierst ja jemanden, wenn du sagst, tue Buße. Da liegt doch richtig, willst du dich über den erheben? Sie steht vor der Tür und klopft an.
Diesen Vers kennen wir alle, ein berühmter Vers für Evangelisten: „Ich werde mit ihm Gemeinschaft haben, wer überwindet; dem will ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie ich überwunden habe und mich gesetzt habe mit meinem Vater auf seinen Thron. Wer ein Ohr hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt.“
Liebe Freunde, wenn das nicht da stünde, und jemand sagte: Mir hat der Herr gezeigt, ich werde mich setzen auf den Thron Jesu, dann würde ich sagen, das ist Größenwahn, Anmaßung! Aber jetzt steht es da. Das ist mir fast zu viel des Guten.
Laodizea ist ja die traurigste Gemeinde. Und soweit ich das beurteilen kann, bekommt sie die allergrößte Verheißung: sich zu setzen mit Jesus auf den Thron.
Wir wissen, es gibt Gläubige, die sind gerettet wie durch Feuer. Ich habe Heilsgewissheit, Paulus hatte Kronengewissheit. Wie es mit der Belohnung aussieht, das will ich lieber dem Herrn überlassen.
Ich pflege dazu zu sagen: Am Tagesgericht kriegt meine Frau eine Krone und ich eine Watschen. Ist das Wort „Watschen“ bekannt? Das ist ein Wiener Urausdruck.
Wieso bekommt Laodizea so eine Verheißung? Vielleicht hat das folgenden Grund: Es ist womöglich nicht so schwer, brennend zu sein für Jesus, wenn man verfolgt wird. Denn da musst du mit den Herren rechnen. Du kannst nicht einfach Urlaub machen, wenn du auf der Flucht bist, hinter dir womöglich diese IS-Leute. Da betest du ja täglich ganz anders: „Herr, bewahre mich“ und so weiter.
Vielleicht ist es schwieriger, wenn man im Überfluss lebt, in Sattheit, wie es ja der Westen immer noch hatte und hat, da für Jesus zu brennen, wenn man lauwarm geworden ist. Und diese Herausforderung, aus dem lauwarmen Zustand brennend zu werden, bekommt womöglich die allergrößte Verheißung.
Ich schließe mit folgendem ab: Von diesen sieben Sendschreiben wären ja nur zwei nicht getadelt – Smyrna und Philadelphia. Siehst du, Werner, du Glücklicher, du darfst die positiven Dinge weitergeben. Ich habe die traurigste Gemeinde.
Ich habe mal in Siegen bei der Malachi-Tagung den zweiten Petrusbrief behandelt. Dann haben sie mir Kapitel zwei übergeben. Und das hört auf mit einer Sau, die sich nach der Schwemme wieder im Kot wälzt. Also ein schöner Abschluss, Kapitel 2, Vers 22. Dann meint dein Bruder: Ja, das passt ja zu dir. Jedoch ist der Ruf erst ruiniert.
Die Predigt ist ganz ungeniert.
Von diesen fünf verbleibenden Sendschreiben: Ephesus war ohne erste Liebe, Pergamon war ohne Kraft, die falschen Lehrer waren schon drinnen. Thyatira war ohne Treue, du duldetest das Weib Jezebel, die lehrt und verführt meine Knechte, Götzen anzubeten und Unzucht zu treiben. Sardes war ohne Leben und Laodizea war ohne Jesus.
Und das war oft genug eine Entwicklung in der Geschichte der Christenheit, der Gemeinden und manchmal auch im persönlichen Leben: Erst ist man ohne erste Liebe, dann ohne Kraft, dann ohne Treue, dann ohne Leben und schließlich ohne Jesus.
Möge der Herr schenken, dass wir eifrig sind, Buße zu tun.
