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Podcast: Sanftmut als Ziel

Deeptalk vom Radio Segenswelle mit Michael Kotsch , Teil 1/16
13.06.2025
SERIE - Teil 1 / 16Deeptalk vom Radio Segenswelle mit Michael Kotsch
Sanftmut ist nicht Schwäche oder Gleichgültigkeit – sondern eine starke Haltung, die Fehler anspricht, ohne aggressiv zu werden. Wie kann man sanftmütig reagieren, ohne die Wahrheit zu vernachlässigen? Und wie geht man mit Menschen um, die Gott spotten oder fluchen? Wie kann man trotz Provokation respektvoll und mutig bleiben? Welche Tipps helfen, um im Glauben standhaft und weise zu antworten?

Herzlich willkommen bei Deep Talk! Wir freuen uns, gemeinsam mit dir Gott besser kennenzulernen. Durch Predigten und Interviews wollen wir uns von ihm immer mehr verändern lassen und ein Leben führen, das sich lohnt – ein Leben zur Ehre Gottes.

Unser Anliegen ist es, mit dir über Themen zu sprechen, die tiefer gehen. Es geht also nicht um Small Talk, sondern um Deep Talk. Sei dabei und lass dich herausfordern!

Einführung in das Thema Sanftmut

Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Frag den Kotsch. Mein Name ist Benjamin, neben mir sitzt Lukas, und natürlich ist auch Michael Kotsch wieder dabei.

Heute geht es um folgende Frage. Ich möchte mit einem Vers aus 1. Timotheus 6,11 einleiten: „Du aber, o Mensch Gottes, fliehe diese Dinge, jage aber nach Gerechtigkeit, Glauben, Liebe, Geduld, Sanftmut.“ Dabei wollen wir uns heute auf die Sanftmut konzentrieren.

Die Bibel sagt offensichtlich, dass wir sanftmütig sein sollen. Doch wir fragen uns heute, was das genau bedeutet und was es nicht bedeutet.

Michael: Ja, also erst einmal fällt mir auf, dass der Begriff Sanftmut in meiner Alltagssprache gar nicht so häufig vorkommt. Wenn ich darüber nachdenke, wann mein Nachbar mir das letzte Mal etwas von Sanftmut gesagt hat, würde ich wahrscheinlich sagen: nie. Also das gibt es eigentlich gar nicht.

Und wenn Sanftmut doch einmal vorkommt, habe ich den Eindruck, dass die Leute, die das benutzen, es oft spöttisch oder von oben herab meinen. So in der Art: „Na ja, sanftmütig, das ist wie eine Kuh, die sich kaum bewegt, dich mit großen Augen anschaut, und du weißt gar nicht, was sie will, sie versteht es auch nicht.“

Manche verbinden Sanftmut mit Schwäche, mangelndem Verständnis oder damit, nicht ganz klar oder frisch zu sein. Oder manchmal heißt es vielleicht auch, dass jemand sich nicht wehrt, weil er so gleichgültig oder flach ist – und das wird dann als sanftmütig bezeichnet.

Vielleicht denkt man auch an den Arbeitskollegen, bei dem ständig etwas schiefgeht und der nie etwas sagt. Dann würde man vielleicht sagen: „Der ist jetzt sanftmütig.“ Die meisten würden das aber nicht als vorbildlich ansehen. Vielmehr hätten sie den Eindruck, dass derjenige entweder nicht ganz mitbekommt, was passiert, oder nicht mutig genug ist. Dass er sich leicht unterdrücken lässt.

Und all das, glaube ich, meint die Bibel im Kern nicht, denn es ist keine besondere biblische Tugend, wenn man etwas Falsches gar nicht benennt oder sich alles einfach gefallen lässt – vielleicht unterstützt man dadurch sogar noch das Böse.

Stellen wir uns vor, du bist irgendwo unterwegs in der Großstadt, und ein Taschendieb klaut bei dir. Du merkst es und sagst: „Guck mal hier, da ist noch was, willst du noch mehr?“ Wahrscheinlich wäre der dann ziemlich irritiert, nehme ich an. Vielleicht wäre das sogar eine gute Vorlage für ein realistisches Gespräch, sodass er hinterher fragt: „Was ist los?“ Vielleicht doch, ja, vielleicht doch.

Aber aus einem anderen Grund – das wäre dann nicht unbedingt Sanftmut. Da würde ich sagen, dass es eher an der Überraschung liegt, weil das Verhalten so anders ist und dadurch Leute neugierig werden.

So etwas habe ich jetzt den Eindruck, ist ein Missverständnis von Sanftmut. Und das ist bestimmt nicht, was die Bibel damit meint.

Vor allem würde ich das auch nicht so nennen, denn in der Bibel gibt es einige ziemlich starke Personen wie Mose oder Jesus, die als sanftmütig bezeichnet werden. Bei ihnen ist es nicht so, dass sie einfach Fünfe gerade sein lassen oder alles nur stehen bleibt. Sie benennen durchaus auch deutlich falsche Dinge.

Sanftmut muss also etwas anderes sein als Gleichgültigkeit oder das ständige Zuschauen und Ja und Amen sagen.

Sanftmut als bewusste Haltung im Umgang mit Fehlern

Sanftmut bedeutet vor allem nicht, auf Kosten der Wahrheit etwas zuzulassen oder einfach stehen zu lassen. Das wäre falsch verstanden, wenn ich sage, ich sei sanftmütig, aber jemand lästert über andere, zum Beispiel Arbeitskollegen, und ich nicke nur dazu und lächle. Das entspricht nicht dem, was Sanftmut wirklich bedeutet.

Wenn ich sehe, dass etwas falsch läuft, etwa wenn ein Kollege lächerlich gemacht wird, dann geht mich das nicht einfach nichts an. Ich wäre vielmehr herausgefordert, dem etwas entgegenzuhalten. Dabei soll ich das mit Sanftmut tun. Sanftmut heißt nicht, zu schweigen, sondern angemessen zu reagieren. Es bedeutet, etwas zu sagen und richtig zu handeln, aber dabei bestimmte Dinge zu vermeiden, wie Aggression, Provokation oder Übertreibung.

Für mich ist Sanftmut also eher die Art und Weise, wie ich auf Fehler und Probleme hinweise oder auch unangenehme Dinge anspreche. Es geht darum, das Positive zu bewahren und dennoch ehrlich zu sein.

Nun stellt sich die Frage: Wo in der Bibel wird überhaupt von Sanftmut gesprochen? Die Bibel sagt ja, dass wir sanftmütig sein sollen, aber in welchem Zusammenhang? Man kann daraus auch ableiten, was Sanftmut in bestimmten Situationen bedeutet, wenn man sieht, wie sie dort angewandt wird.

Ich habe mir zum Beispiel eine Stelle in 1. Korinther 4,21 angeschaut. Dort schreibt Paulus an die Gemeinde in Korinth: "Was wollt ihr? Soll ich mit der Rute zu euch kommen oder in Liebe und im Geist der Sanftmut?" Hier wird Sanftmut gegenüber der Rute, also Strenge, gestellt. In der Gemeinde in Korinth sind einige Dinge falsch gelaufen, sowohl ethisch als auch geistlich. Es gab dort selbst ernannte Oberapostel, die behaupteten, klüger als Paulus zu sein.

Paulus fragt also: Wie wollt ihr, dass ich zu euch komme? Natürlich wäre die Antwort klar: in Liebe und im Geist der Sanftmut, nicht mit der Rute. Dabei ist mit der Rute wahrscheinlich nicht gemeint, dass Paulus tatsächlich mit einer Rute kommt und die Gemeindeglieder schlägt. Vielmehr steht die Rute symbolisch für scharfe Worte oder Strenge in der Ermahnung.

Gerade im zweiten Korintherbrief sieht man, dass Paulus allen Grund gehabt hätte, sich zu beschweren. Die Korinther behandeln ihn schlecht und folgen falschen Aposteln. Stattdessen rühmt er sich seiner Schwachheit. Er will sie herausfordern und ihnen sagen, dass sie auf die falschen Dinge Wert legen.

Das ist ein Beispiel für Sanftmut: Paulus spricht an, was ihn ärgert, schweigt aber nicht, weil er nicht gleichgültig oder phlegmatisch ist. Gleichzeitig gerät er nicht in Wut oder will die anderen fertig machen. Wenn man jemanden fertig machen will, führt das meist dazu, dass der andere beleidigt oder aggressiv wird, aber selten dazu, dass er einsieht, was falsch ist, und sich ändert.

Für mich bedeutet Sanftmut, heikle Dinge so anzusprechen, dass man seine eigenen Gefühle, Aggressionen und den Ärger unter Kontrolle hat. Man spricht das Problem an, aber so, dass es der andere besser annehmen und verstehen kann. Dabei werden keine neuen Hürden aufgebaut, sondern der andere spürt, dass man das Positive für ihn will und dass man ihm helfen möchte, voranzukommen – nicht, ihn fertigzumachen oder ihn nach eigenem Maßstab zu formen.

So würde ich die Stelle bei Paulus verstehen, wenn er von Sanftmut spricht.

Der Begriff Sanftmut im biblischen Kontext

Ich habe auch ein wenig recherchiert, was den griechischen Grundbegriff des Wortes „Sanftmut“ angeht. Dabei wird viel darüber gesprochen, dass es etwas mit Milde zu tun hat. Zum Beispiel im Bezug auf die Beziehung zu Tieren wird Sanftmut oft mit Zutraulichkeit verbunden.

Für mich bedeutet das, was du auch angesprochen hast, dass ein sanftmütiger Mensch jemand ist, zu dem man hingehen kann, um seine Fehler zu beichten – ohne große Angst zu haben. Man weiß, dass dieser Mensch die Fehler anspricht und sagt, was falsch ist. Aber es ist kein Mensch, vor dem man mit Lampenfieber steht, um etwas zu beichten. Das ist ein praktisches Beispiel, bei dem es um schwierige oder heikle Angelegenheiten geht.

Manche Menschen tun sich generell schwer damit, Fehler einzugestehen. Wenn ich aber weiß, dass der andere mich fertig macht, angreift oder bloßstellt – vielleicht sogar in der Öffentlichkeit –, dann werde ich versuchen, das zu vermeiden oder auszuweichen. Wenn ich aber weiß, da ist jemand sanftmütig, bedeutet das nicht, dass er alles einfach stehen lässt. Er wird mir schon sagen, wenn etwas falsch ist. Aber ich merke, dass er das Gute für mich will, mich begleitet und es mir nicht schwerer macht, als nötig.

Das wäre dann in diesem Sinne, so wie du es beschreibst, Sanftmut.

Was ich mich jetzt frage, ist Folgendes: Man kennt ja die Geschichte von der Tempelreinigung. Wenn man sich vorstellt, wie Jesus dort durch den Tempel wütet, Tische umstößt und die Händler beschimpft, würde ich das nicht gerade als sanftmütig beschreiben. Ist das trotzdem Sanftmut aus biblischer Sicht? Oder bedeutet das, dass man nicht immer sanftmütig sein kann oder sogar soll?

Ich würde spontan eher die zweite Variante für richtig halten: Sanftmut ist eine grundsätzliche geistliche Eigenschaft. Aber es gibt Situationen, in denen Sanftmut nicht im Vordergrund steht. Generell müssen wir bei allen Eigenschaften, die die Bibel nennt, aufpassen. Es gibt eine große Bandbreite, wie zum Beispiel die Liebe Gottes, aber auch seine Gerechtigkeit, seinen Zorn und seine Sanftmut. Gott hat viele Eigenschaften, doch in bestimmten Situationen treten manche stärker hervor als andere.

Ich würde es ziemlich künstlich finden, bei der Tempelreinigung von Sanftmut zu sprechen. Ich frage mich, ob Jesus die Peitsche sanft geschwungen hat oder die Tische langsam umgestoßen hat, damit die Münzen schön langsam runterrollen. Wahrscheinlich nicht. In dieser Situation war Sanftmut nicht präsent.

In anderen Situationen aber schon. Zum Beispiel bei der Begegnung mit der Ehebrecherin: Die Pharisäer sind sehr hart und wollen sie steinigen. Jesus begegnet ihr jedoch sanftmütig. Er benennt die Sünde und sagt nie, Ehebruch sei okay oder mache nichts aus. Er fordert dazu auf, zu bekennen und umzukehren. Aber er merkt, dass hier eine Bereitschaft zur Einsicht da ist, ein Ansatz für Veränderung und Besserung. Deshalb reagiert er mit Sanftmut.

Offensichtlich war das bei den Händlern im Tempel nicht der Fall. Sie sind hartnäckig und hartherzig. Es ist ihnen egal, ob Jesus mit Sanftmut zu ihnen spricht. Wahrscheinlich wäre es besser, wenn er anders handelt. Er hätte sie ausgelacht, und sie hätten nicht zugehört. Weil Jesus das weiß, wählt er einen anderen Weg. Dieser Weg hat dann weniger mit Sanftmut zu tun.

Insofern neige ich eher zu der Auffassung, dass es verschiedene Eigenschaften gibt. Von Gott brauchen wir Weisheit, um zu erkennen, welche Eigenschaft in welcher Situation im Vordergrund steht. Das bedeutet nicht, dass Sanftmut nicht da ist, aber in manchen Situationen tritt sie stärker oder schwächer hervor.

Wege zur Entwicklung von Sanftmut

Die Frage ist jetzt natürlich: Ich glaube, wir haben uns schon ein erstes Bild davon machen können, was Sanftmut bedeutet und was Sanftmut nicht bedeutet. Wir haben Beispiele aus der Bibel betrachtet, die man einordnen muss, wie zum Beispiel Jesus bei der Tempelreinigung. Inwiefern ist das Sanftmut? Wir haben auch Mose als gutes Beispiel für Sanftmut gesehen, wie er auf Kritik eingegangen ist. Außerdem haben wir uns gefragt, wie man sanftmütig führt.

Einerseits wissen wir jetzt, was Sanftmut bedeutet und was nicht. Die nächste Frage ist: Wir sollen sanftmütig sein – aber wie wird man sanftmütig? Man könnte sagen, meditieren. Ich setze mich hin und meditiere. Aber ich glaube eher nicht, dass das reicht. Vielleicht führt es dazu, dass man etwas ruhiger wird, aber dahinter steht die Erkenntnis, dass es bestimmte Dinge gibt, die mich und andere Menschen daran hindern, sanftmütig zu sein.

Wir werden ja bei vielen dieser Eigenschaften aufgefordert, weil wir das von Natur aus nicht sind. Eine erste Stufe, um Sanftmut zu erreichen, ist, anzuerkennen, dass wir eben nicht einfach so sanftmütig sind. Wir müssen erkennen, was uns daran hindert, und dagegen ankämpfen.

Was uns daran hindert, ist oft unsere Impulsivität. Das heißt, wenn uns etwas ärgert, überlegen wir nicht langsam, sondern reagieren sofort. Wir denken nicht darüber nach, dass wir damit vielleicht jemand anderen verletzen. Das kann ein großes Hindernis sein.

Manchmal hindert uns auch der Gedanke, dass wir sonst den Kürzeren ziehen. Wir meinen, wir müssten uns durchsetzen, und das geht nur mit Stärke. In der Welt, in der wir leben, ist das oft so. Wahrscheinlich gibt es keinen Managementkurs für Verkäufer oder andere, in dem gesagt wird: Sei sanftmütig, setz dich durch, aber ohne Überredungskünste. Ohne Gott neigen wir dazu zu glauben, dass wir die Dinge regeln müssen, ohne die Motivationen anderer Menschen zu sehen.

Das Ziel ist nicht, den anderen fertigzumachen, sondern ihn zur Umkehr zu bewegen. Das geht nicht immer durch Druck. Wir müssen zuerst erkennen, was uns hindert. Das sind Impulsivität, mangelndes Einfühlungsvermögen, Ärger, wenig Geduld. Wenn wir merken, dass wir in einer Situation, in der Sanftmut gefragt ist, nicht sanftmütig sind, dann wäre der erste Schritt, Gott schnell um Sanftmut zu bitten.

Hier würde ich sagen, ähnlich wie Jakobus in Kapitel 1, der sagt: Wem Weisheit mangelt, der bittet Gott darum. So sollte auch jeder, dem Sanftmut fehlt, Gott darum bitten. Und am besten bittet man genau in den Situationen darum, in denen man merkt, dass einem die Sanftmut fehlt.

Das kann zum Beispiel der Prediger sein, der von der Kanzel her über die böse Welt wettert oder auch über die Gemeindeglieder. Wenn man merkt: „Oh, ich neige dazu, Sachen zu überziehen und aggressiv zu sein“, dann muss man daran arbeiten. Das wird man alleine kaum schaffen. Man sollte Jesus darum bitten, dass er Ärger, Stolz und Aggressivität wegnimmt und durch Sanftmut ersetzt.

Eine weitere Hilfe kann sein, sich Vorbilder zu nehmen, die sanftmütig sind. Wenn wir uns in unserem Umfeld umschauen, finden wir in der Gemeinde oder anderswo Menschen, auf die Sanftmut zutrifft. Damit meine ich nicht schwache Menschen, die nie etwas sagen, sondern solche, die stark sind und etwas wissen, es aber auf eine gute Art vermitteln, sodass andere davon profitieren.

Man kann sich diese Menschen anschauen, sie zum Vorbild nehmen und versuchen, ihnen nachzueifern. Vorbilder spielen in der Bibel eine wichtige Rolle. Die Jünger waren mit Jesus unterwegs, der für sie ein Vorbild war. Die Jünger hatten wiederum Schüler, denen sie Vorbild sein sollten.

Sich Vorbilder zu suchen, die Sanftmut besonders leben, und zu beobachten, wie sie mit schwierigen Situationen umgehen, ist hilfreich. Wie schaffen sie es, bei Provokationen nicht gleich zu explodieren, aber dennoch etwas zu sagen, wenn es nötig ist? Davon kann man lernen.

Vielleicht hilft es auch, zu überlegen, wie das eigene Umfeld ist. Wenn alle Freunde impulsiv und wenig selbstkontrolliert sind, sollte man darüber nachdenken, sich von diesen Menschen zu distanzieren, wenn man merkt, dass das auf einen abfärbt. Das passiert oft, wenn man viel Zeit mit solchen Menschen verbringt.

Da fehlende Sanftmut häufig mit spontanen Reaktionen zu tun hat, bei denen Ärger oder Egoismus durchbrechen, ist es gut, in solchen Momenten bewusst Zeit zu nehmen. Zeit hilft, erst einmal nachzudenken, was man tun oder sagen will, und nicht sofort spontan zu reagieren.

Wenn zum Beispiel jemand in der Gemeinde oder zu Hause etwas falsch macht, kann man sich sagen: „Jetzt nehme ich mir ein paar Sekunden oder Minuten Zeit, Michael, denk darüber nach, was dran ist, was du falsch machen könntest und was richtig. Bitte Gott um Weisheit.“ Manchmal geht das innerlich sehr schnell, bevor man spricht oder reagiert.

Die größere Gefahr, nicht sanftmütig zu sein, besteht also, wenn man sehr spontan reagiert – außer man ist von Natur aus ruhig und liebevoll. Dann ist die Gefahr geringer, und man muss an anderen Stellen lernen.

Wenn man dazu neigt, sich für die eigene Sache einzusetzen oder Dinge überspitzt zu sagen, sollte man in solchen Situationen eine kleine Pause machen, innerlich nachdenken, kurz beten und dann überlegen, wie man am besten reagiert. Das ist oft schwer, weil man das Wort, das man sagen will, oder den Ärger erst einmal zurückhalten muss.

Eine andere Frage ist: Es gibt Situationen, in denen Sanftmut eher in den Hintergrund tritt, wie bei Jesu Tempelreinigung. Wo können wir erkennen, wann Sanftmut angebracht ist und wann nicht? Gibt es eine feste Formel dafür?

Ich glaube, eine feste Formel gibt es nicht. Wenn ich das Beispiel von Jesus nehme, dann müssen wir sehen, welche Reaktion bei der Umgebung oder aus Gottes Sicht das Richtige ist. Das Ziel ist, dass Menschen gottähnlicher werden oder von falschen Wegen abkommen.

Die Frage ist: Was dient diesem Ziel am meisten? Manchmal ist Sanftmut der beste Weg. Hätte Jesus der Ehebrecherin eine Standpauke gehalten, wäre sie wahrscheinlich zusammengebrochen oder gesteinigt worden. Sie brauchte jemanden, der ihr zuhört, aber auch deutlich sagt, wo es falsch läuft.

Bei den Pharisäern oder bei der Tempelreinigung reagierte Jesus dagegen scharf, weil er wusste, dass Sanftmut in diesem Moment nichts bringt. Das Ziel wird so nicht erreicht.

Wir müssen also darauf achten, was in welcher Situation angemessen ist. Wenn jemand Gott verspottet und aggressiv andere verletzen will, ist sanftmütige Reaktion wahrscheinlich nicht angebracht. Da muss man deutlich sagen, dass das falsch ist.

Wenn aber jemand verunsichert ist oder unter Depressionen leidet, dann ist es besser, sanftmütig zu reagieren, wie das geknickte Rohr, das man nicht zerbricht, wie es in der Bibel steht.

Wir müssen lernen, auf Gott zu hören und Weisheit zu bekommen, was in welcher Situation richtig ist. Das sollte nicht willkürlich geschehen, sondern mit dem Ziel, das Gott für diesen Menschen oder diese Situation hat.

Manchmal können wir das ahnen, wenn wir nachdenken. Manchmal ist es nicht ganz klar, weil wir nicht wie Jesus in die Herzen der Menschen sehen können. Das macht es schwierig.

Wir können das nicht einfach systematisieren, indem wir sagen: Bei alten Menschen so, bei jungen Menschen so, bei Männern so, bei Frauen so. Es hängt davon ab, in welcher Situation der Mensch ist und wie bereit er ist, etwas aufzunehmen.

Jesus hat das sehr unterschiedlich gehandhabt: Mit manchen hat er intellektuell diskutiert, mit anderen seelsorgerlich gesprochen, manche getröstet und wieder anderen klare Grenzen gesetzt.

Wir können also mitnehmen, dass unterschiedliche Situationen unterschiedliche Verhaltensweisen erfordern. Sanftmut kann viele Türen öffnen und vielen Menschen helfen – auch uns selbst.

Ich kann nur weiter dazu ermutigen: Seid sanftmütig! Ich selbst muss auch viel daran arbeiten, weniger impulsiv zu sein und sanftmütiger zu werden.

Ich hoffe, dieses Gespräch hat euch weitergeholfen, was genau Sanftmut bedeutet und wie man sanftmütiger wird. Ich wünsche euch Gottes Segen. Bis dann!

Umgang mit Gotteslästerung in der heutigen Gesellschaft

Hallo und herzlich willkommen zurück zu Deep Talk. Heute haben wir wieder das sehr bekannte Format „Frag den Kotsch“, und natürlich sind Michael Kotsch und Benni auch dabei. Heute wollen wir uns die Frage stellen: Wie reagiere ich auf Menschen, die Gott fluchen?

Ich habe in der Vorbereitung gehört, dass Leute mit T-Shirts herumlaufen, auf denen steht: „Lieber mit Thor in Valhalla saufen, als mit Jesus im Himmel weinen.“ Manche Menschen tun das vielleicht bewusst oder unbewusst. Vielleicht sind sie sich der Realität von Gott gar nicht bewusst und machen das aus Spaß oder weil sie es einfach cool finden, etwas Kontroverses zu sagen.

Wie geht man damit um, gerade wir als Christen, die wir überzeugt sind, dass es Gott gibt und dass er sich nicht spotten lässt, wie es auch in der Bibel steht? Auf der einen Seite könnte man sagen, so wie du es gerade ausgedrückt hast: Gott lässt sich nicht spotten, also überlassen wir das Gott und brauchen gar nicht viel zu reagieren. Er wird schon für das Richtige sorgen, was wahrscheinlich auch stimmt.

Aber wir finden das ja sowohl im Psalm als auch in anderen Stellen, wo es heißt, dass man eifert um Gottes Angelegenheiten, um sein Wort, um sein Wohl. Zum Beispiel fällt mir Paulus ein: Er kommt nach Athen, sieht die ganzen Götzentempel und es ergrimmt ihn, also er ärgert sich darüber, dass die Leute durch diese Götzentempel von Gott weggezogen werden. Das treibt mich dazu, dass wir nicht reagieren können, wie manche Leute das heute für geistlich halten und Toleranz nennen – auch als Christen. Das ist es aber gar nicht. Das ist eher Gleichgültigkeit.

Wenn ich einem Arbeitskollegen zum Beispiel sage, es ist ja egal, jeder macht seine Sache, Hauptsache ich mache das nicht, dann ist das für mich definitiv eine falsche Reaktion. Diese Reaktion drückt aus: Mich betrifft das nicht. Entweder habe ich kein Interesse am Wohl des anderen, ich weiß, er wird von Gott gestraft, aber es ist mir egal – was keine gute christliche Reaktion ist – oder ich sage sogar, es ist mir egal, dass Gott verspottet wird. Als Christ geht das nicht.

Das wäre so, als wenn du mit deiner Frau oder Freunden unterwegs bist und jemand fängt an, deine Frau übel zu beschimpfen, und du machst gar nichts. So würde ich das nicht akzeptieren. Das ist für mich keine angemessene Reaktion.

Die andere Reaktion wäre aber auch nicht richtig. Ich hatte mal von einem gelesen, der nennt sich selbst „Maschinengun Preacher“. Er befreit in Afrika Leute, die von Terroristen gefangen genommen werden. Er ist ein ehemaliger amerikanischer Soldat und geht dort tatsächlich mit einem Maschinengewehr los. Das scheint mir aber auch nicht die richtige Lösung zu sein.

Wenn unser Kollege so ein T-Shirt trägt, gehe ich nicht zum Kampfsporttraining, um ihm beim nächsten Mal die Zähne rauszuschlagen, damit er das T-Shirt auszieht und wir es verbrennen. Auch das wäre für mich nicht der richtige Weg.

Das wären für mich zwei Extreme: Gewaltanwendung nicht, aber auch nicht Gleichgültigkeit. Das Beschimpfen der anderen Person, zum Beispiel mit Sprüchen wie „Du kommst in die Hölle, hörst du schon brennen?“, ist auch keine angemessene Reaktion.

Wenn wir diese zwei Extreme ausschließen, dann müssen wir reagieren. Die Frage ist: Wie reagiere ich so, dass die Sache deutlich wird? Dass auch die Ehre Gottes mir wichtig ist und dem anderen bewusst wird, was er da eigentlich tut und welche Konsequenzen das hat – weil mir Gott wichtig ist, aber auch die andere Person, die so gotteslästerlich handelt.

Wir müssen ein bisschen abchecken, vielleicht aus der Bibel, wie Personen damit umgegangen sind und wie wir damit umgehen können oder was angemessen scheint. Dafür ist es auch wichtig herauszufinden, aus welchem Grund Leute das tun.

Du hast es gerade schon gesagt: Manche machen das einfach, weil es cool scheint. Ich glaube, die sind sich dessen gar nicht so bewusst. Manche sind wirklich Satanisten oder Christenhasser und machen das, um Christen zu verletzen oder sich gegen Gott zu stellen. Nach meiner Erfahrung ist diese Gruppe aber kleiner.

Die Mehrheit der Leute, die ich erlebe, macht das, weil sie es cool finden, ein bisschen provozieren wollen, aber gar nicht damit rechnen, dass es ein Jenseits gibt. Wenn ich genau nachfrage, kommt oft heraus: Das gibt es ja sowieso nicht. Oder sie stellen sich das Jenseits der Christen so vor, wie es in Karikaturen gezeigt wird: Wir sitzen alle auf einer Wolke und spielen die ganze Zeit Harfe. Dann denken sie, das sei langweilig, und wollen lieber in der Hölle feiern.

Dabei verstehen sie gar nicht, was Hölle wirklich ist, und auch nicht, was Himmel wirklich ist. Bei solchen Leuten, die nach meiner Erfahrung die größere Gruppe ausmachen, müssen wir anders reagieren als bei den hartnäckigen Leuten, die dem Teufel folgen und andere verletzen wollen.

Bei denen braucht es ein deutliches Stoppsignal: So geht das nicht! Auch wenn wir Ärger bekommen oder Leute uns beschimpfen, sollten wir keine Angst haben, sondern klar sagen: Hier treten wir für die Sache Gottes ein. Wenn jemand Gott verspottet, lassen wir das nicht einfach so stehen.

Aber wie gesagt, viele Menschen tun das eher unbewusst. Das müssen wir am Anfang erst einmal herausfinden, wenn wir mit jemandem zu tun haben, der flucht oder mit so einem T-Shirt andere unter Druck setzen oder sich lächerlich machen will. Das ist heute kulturell oft akzeptiert, Gott zu lästern.

Man muss es unterschiedlich angehen, je nachdem, mit welcher Art Mensch man es zu tun hat. Gerade bei denen, die nicht so beharrlich sind, sondern es einfach machen und nicht genau wissen, worum es geht, ist es besser, im Gespräch nachzufragen und nachzuhaken: Weißt du wirklich, was das bedeutet?

Das halte ich für eine gute Reaktion. Das funktioniert meistens nur, wenn man alleine mit der Person ist, etwas Zeit hat oder in einer kleinen Gruppe. In einer großen Gruppe ist das schwierig, da kann man nur ein kurzes Statement abgeben. Die andere Person will dann oft nicht reden, weil sie sonst schlecht dasteht. Sie will besonders cool sein durch ihre Sprüche oder T-Shirts.

Wenn man nachfragt und die Person keine vernünftige Antwort geben kann, versucht sie oft, das ins Lächerliche zu ziehen. In einer kleinen Gruppe oder im Einzelgespräch kann man aber nachfragen, zum Beispiel: „Was meinst du mit dem T-Shirt? Warum sagst du das?“

Dann lässt man die Person erklären. Meistens kommen keine vernünftigen Antworten, vielleicht nur: „Ich will feiern, es ist cool.“ Dann kann man sagen: „In der Hölle ist es gar nicht cool. Da gibt es kein Feiern, kein Bier. Dort leiden die Leute ständig. Das ist ganz anders, als du dir das vorstellst.“

Man kann die Person sensibilisieren, dass das, was sie sagt, total anders ist als das, was am Ende auf sie zukommt. Der Himmel ist auch anders, als sie denken. Im Himmel wird gefeiert, denn Jesus sagt, dort wird die himmlische Hochzeitsfeier stattfinden, bei der er mit seinen Leuten zusammen ist.

Also: Nein, in der Hölle ist es nicht cool. Das kann man mutig und liebevoll sagen, wenn man nachfragt.

Viele Leute sind überrascht, weil sie nicht damit rechnen. Sie denken, Christen oder die Kirche seien klein und eingeschüchtert. Manche sagen einfach Fluchworte, ohne es zu merken. Sie sind es gewohnt, Gottes Namen so zu missbrauchen.

Dann kann man sagen: „Moment mal, was hast du gerade gesagt? Warum meinst du das? Was willst du damit sagen?“ Und wenn die Person sagt: „Ich meine das gar nicht so“, kann man anknüpfen.

Deshalb ist es besser, nicht direkt anzugreifen oder falsche Motive zu unterstellen oder zu schweigen, sondern interessiert nachzufragen und sich das erklären zu lassen. Man sollte sich nicht provozieren lassen und keine Angst haben. Jesus geht mit uns.

Je nachdem, wie der andere antwortet, kann man unterschiedlich reagieren. Es könnte sein, dass die Person wirklich Satanist ist oder sich auf okkulte Dinge eingelassen hat. Solche Menschen können einschüchternd sein, manchmal sogar besessen, wie der Gerasener in der Bibel, der mit Gewalt und zerrissenen Ketten auf Leute zuging. Das kann Angst machen.

Aber wir müssen uns deutlich sagen: Die können uns nichts tun, wenn Jesus auf unserer Seite ist. Deshalb sollten wir mutig sein und diesen Leuten sagen, dass das, was sie tun, Gottes Strafe nach sich zieht und total daneben ist. Gott verurteilt das. Sie sollen umkehren. Das müssen wir deutlich sagen, weil wir hoffen, dass Jesus ihr Herz noch berührt.

Wie gesagt, das ist die kleinere Gruppe. Die größere Gruppe kommt eher mit Pauschalantworten wie „Im Himmel ist es langweilig“ oder „Ich will feiern“ oder „Jesus ist ein Schwächling, Thor ist der Kämpfer“. Das sind Missverständnisse.

Dann können wir versuchen, diese Missverständnisse aufzulösen. Häufig haben Leute falsche Vorstellungen vom Himmel, von Gott, von der Bibel, vom Glauben und vom Jenseits.

Man sollte nicht zu lange darüber reden, sondern pointiert ein oder zwei Punkte setzen, sehen, wie der andere reagiert, und damit rechnen, dass er überrascht ist und nicht gleich einknickt, sondern versucht, das Ganze ins Lächerliche zu ziehen.

Das ist aber kein großes Problem. Man muss einfach sagen: „Der wird das mitnehmen, darüber nachdenken, Jesus wird daran arbeiten.“ Darauf kommt es an.

Es geht nicht darum, in diesem Gespräch als Sieger herauszugehen oder dass er sein T-Shirt auszieht und verbrennt. Falls das passiert, ist das gut, aber meistens wird das nicht passieren. Die Leute werden eher versuchen, sich zu verteidigen, weil niemand gerne als Verlierer dasteht.

Es geht darum, jemanden zum Nachdenken zu bringen, ihn ein Stück weiterzuführen und zu hoffen, dass er darüber nachdenkt, wenn er zuhause ist.

Ist das auch die Reaktion, die du normalerweise beobachtest, wenn du mit Leuten sprichst, die wenig Ahnung haben und erst einmal abblocken, aber bei denen du hoffst, dass sie sich weiter Gedanken machen?

Ja, das ist bei den meisten so, denen ich begegne. Man muss auch sehen, dass hinter provokativem Verhalten oft ein Lebensproblem, eine Schwäche oder eine Verletzung steckt. Nicht alle, die auffällig auftreten, sind wirklich so. Es gibt Psychopathen und Soziopathen, vor denen man sich hüten sollte, aber das ist die geringste Zahl.

Die meisten finden es einfach spannender, Christen zu provozieren, weil sie das als progressiv und selbständig empfinden. Das ist das Meiste, was mir begegnet.

Manche biegen gleich ab und sagen: „Weiß ich auch nicht“ oder „Es ist egal“ oder „Das ist nur Spaß“. Das sind auch einige.

Aber bei der Mehrheit steckt dahinter eine Verletzung, ein Missverständnis oder falsche Vorstellungen von Himmel und Hölle. Nicht jeder lässt sich auf ein Gespräch ein. Viele sind verunsichert, wenn man nachfragt, weil sie das nicht gewohnt sind. Dann wissen sie nicht, wie sie reagieren sollen, und wollen das Gespräch nicht weiterführen.

Das muss man nicht erzwingen. Dann kann man das Gespräch abschließen und sagen: „Ich bete für dich.“

Das sollte man auch tun und nicht aufschieben. Normalerweise bete ich innerlich sofort: „Herr Jesus, geh der Person nach mit dem, was ich gesagt habe.“

Man kann der Person, wenn sie ausweicht, noch sagen: „Denk darüber nach, was du gesagt hast. Wenn du Gott ernst nimmst, kann das schlecht ausgehen.“ So gibt man einen Tipp oder guten Wunsch mit, aber ohne Aggression. Man beschimpft die Leute nicht.

Manchmal erwarten sie von Christen, dass sie ruhig bleiben und nicht reagieren. Andere Christen reagieren dann zu heftig. Das bestätigt nur ihr Vorurteil, dass Christen blöd sind. Das ist eine schlechte Reaktion.

Aber nichts zu sagen ist auch falsch.

Wenn man das noch nie gemacht hat, braucht man Überwindung. Die ersten Male sollte man um Weisheit beten.

Wenn wenig Zeit ist, zum Beispiel an der Bushaltestelle, wo jemand flucht und der Bus kommt, kann man das auch mal sein lassen. Man braucht Zeit, um miteinander zu reden.

Wenn Gott uns gebrauchen will, wird er das möglich machen.

Gott Fluchen, negative Worte oder sich über die Bibel oder Christen lustig zu machen, ist in unserer Gesellschaft leider sehr selbstverständlich geworden.

Es gibt das Recht auf Polemik oder Karikaturen, aber Jesus, Gott und die Bibel werden oft lächerlich gemacht. Das verletzt Gott.

Viele Menschen sind sich nicht bewusst, dass sie sich dadurch schuldig machen. Wir wissen das, deshalb sollten wir etwas sagen.

Das ist unsere Verantwortung.

Nicht jeder ist gleich mutig. Wenn es mal nicht klappt, muss man kein schlechtes Gewissen haben, sondern kann für die Person beten, auch ohne gesprochen zu haben.

Man sollte aber daran arbeiten, irgendwann mal einen kleinen Kommentar zu machen. Man kann auch sagen: „Das, was du auf deinem T-Shirt hast oder gesagt hast, verletzt mich.“

Gerade in Westeuropa darf man das sagen. Wenn man sagt: „Das verletzt mich“, bringt das den anderen in die Defensive, und er muss darauf reagieren.

Es sollte einen ja verletzen, wenn jemand Gott verspottet. Das darf man auch sagen.

Das ist eine Möglichkeit, ohne den anderen herauszufordern, sondern die persönliche Betroffenheit auszudrücken.

Wie weit sollte man gehen, wenn die Person sagt: „Mir ist das egal?“ Für mich ist das das Ende des Gesprächs, eine Mauer. So würde ich das behandeln.

Meine Erfahrung ist, wenn jemand sagt: „Mir ist das egal“, bestätigt das meinen Verdacht, dass das unreflektiert ist. Da steht keine große Überzeugung dahinter.

Dann würde ich noch einen Schlusssatz sagen, zum Beispiel: „Das, was du da sagst, kann Gott ernst nehmen. Das kann schlecht ausgehen.“

So gibt man eine Gedankenanregung mit, die die Person mitnehmen kann.

Wenn die Person nicht darauf reagiert, ist das das Ende.

Wir können aber darauf hoffen, dass Gott das gebraucht, auch wenn die Person bei Gewohnheiten bleibt.

Manchmal kommen Leute durch solche Reaktionen wirklich zum Nachdenken. Damit sollten wir rechnen und darauf hoffen.

Das kann immer wieder passieren, beim einzelnen Fluchwort oder wenn sich jemand über die Bibel oder Christen lustig macht.

Das kann sogar ein Religionslehrer sein, der sagt: „Die Bibel ist gelogen, alles falsch.“ Dann müssen wir reagieren.

Oder wenn jemand sagt: „Jesus war ja schwul“ oder ähnliches, müssen wir auch reagieren und sagen: „So geht das nicht.“

Es gibt verschiedene Ebenen. Manche sagen das aus Ärger oder weil sie hoch sind, andere machen es, um Christen zu beschimpfen oder biblische Aussagen schlecht zu machen.

Wenn das zum Beispiel im Unterricht passiert, bei einem Religionslehrer oder Professor, dann ist es am besten, eine kluge Frage zu stellen oder eine Bemerkung zu machen.

Man könnte zum Beispiel fragen: „Wie können Sie das wissenschaftlich begründen?“ Professoren legen oft Wert auf Wissenschaftlichkeit, können das aber nicht.

So zeigt man den Mitstudenten, dass der Lehrer über seine Grenzen gegangen ist.

Oder man fragt: „Was sagen Sie dazu, dass der größte Physiker aller Zeiten, Isaac Newton, die Bibel gelesen hat und meinte, jeder vernünftige Naturwissenschaftler sollte die Bibel lesen?“

Da kann der Professor schlecht reagieren.

So kann man mit kurzen Statements oder Fragen zeigen, dass man eine Position hat und diese begründen kann.

Das funktioniert nur, wenn man nicht eins zu eins mit einer Person redet, sondern in einer größeren Gruppe und jemand spottet.

Man sollte nicht erwarten, dass daraus eine große Diskussion wird. Das geht nur im persönlichen Gespräch, wenn Zeit ist und der andere bereit ist zu antworten.

Michael, wir haben viele junge Zuhörer, die oft nicht das Hintergrundwissen haben, um mit Leuten richtig in eine Diskussion einzusteigen. Was würdest du solchen Menschen empfehlen, die ihren Glauben kennen, aber Angst haben, ihn nicht verteidigen zu können?

Das ist völlig normal. Es sollte dazu herausfordern, nicht stehen zu bleiben, sondern das Hintergrundwissen über Gott, den Glauben und die Fragen zu erweitern. So kommt man voran und ist in zehn Jahren weiter als jetzt.

Zweitens sollte man um Weisheit von Gott bitten. Er kann einem Gedanken lenken, sodass man plötzlich auf Dinge zu sprechen kommt, die einem selbst nicht bewusst sind.

Man sollte sich auf die Dinge konzentrieren, die man sicher weiß. Jeder Gläubige kann zum Beispiel fragen: „Warum sagst du das?“ oder sagen: „Im Himmel ist es doch gar nicht langweilig, Jesus sagt das so schön.“

Solche Sachen kann man auch ohne großes Hintergrundwissen sagen.

Manche Dinge, wie Diskussionen mit Professoren, brauchen mehr Wissen. Das muss man sich mit der Zeit erarbeiten, indem man zuhört, nachdenkt und mit anderen Christen spricht, die weiter sind.

So kommt man immer weiter und kann besser antworten und in Diskussionen vorankommen.

Manchmal genügt aber auch ein persönliches Statement oder ein Hinweis auf einen Widerspruch oder ein Missverständnis. Das kann jeder einfache Christ tun.

Zum Beispiel: „Ich glaube, Gott meint es gut mit uns.“ Oder: „Ich bin überzeugt, es gibt ein Leben nach dem Tod.“ Oder: „Jesus hat versprochen, im Jenseits wird es gut sein.“

Wenn der andere sagt, es sei langweilig, kann das jeder mit etwas Mut sagen. Das braucht Herzklopfen und Überwindung, aber man sollte es probieren.

Gott kann das gebrauchen. Er will uns mit dem Heiligen Geist führen.

Gerade in der Schwachheit kann er am meisten wirken. Manchmal hat man selbst nicht erwartet, dass man das kann, aber Gott schenkt es.

Danke, Michael, für diese wirklich guten Ratschläge. Ich glaube, wir sind alle gefordert, in nächster Zeit Dinge anzusprechen, wenn uns etwas auffällt – in der Öffentlichkeit, in der Schule oder wo auch immer.

Auf jeden Fall brauchen wir viel Weisheit. Lieber Zuhörer, bete mit, dass Gott uns Mut schenkt, als Christen aufzustehen und für unseren Glauben einzustehen.

Dass uns der Glaube und die Ehre Gottes wirklich wichtig sind und wir nicht zusehen, wie Leute sie durch den Dreck ziehen.

Ich möchte dich ermutigen, wenn du Fragen hast, die dich brennend interessieren, schick sie gerne ein. Vielleicht können wir sie im nächsten Format mit Michael besprechen.

Ich wünsche dir noch einen schönen Tag und Gottes Segen. Schön, dass du heute dabei warst.

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Wir wünschen dir eine gesegnete Woche mit den Worten aus Kolosser 3,17: Und was immer ihr tut, in Wort oder Werk, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott dem Vater durch ihn.