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Geht doch ... mit Jesus auf's Wasser!

JuMiKo 22, Teil 11/14
09.01.2022Matthäus 14,22-33
EVENT - Teil 11 / 14Jugendkonferenz für Weltmission 2022

Einführung: Sicherheit und Risiko im Leben

Schön, dass ihr da seid. Schön, dass wir gemeinsam auf diesen Bibeltext schauen können.

Benjamin Hummel hat mich ja schon etwas vorgestellt. Ich würde mich jetzt nicht als Yumiko-Wipp bezeichnen, sondern eher als Yumiko-Fan. Heute Morgen wurde ich danach gefragt, weil meine erste Yumiko, glaube ich, 1994 war. Das war immer so ein Highlight im Jahr – da musste man einfach hingehen. Deshalb bin ich jetzt auch noch begeisterter Yumiko-Veranstalter, was natürlich etwas Tolles ist.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich bin ein Sicherheitstyp. Menschen brauchen Sicherheit – in der Familie, im Beruf, durch Versicherungen und im Umgang mit anderen Menschen. In vielen Bereichen bin ich ein Sicherheitstyp. Ich bin lieber gut versichert, als dass ich Risiken eingehe. Bei Gesprächen mit der Bank gehe ich lieber auf Nummer sicher, als dass ich voll ins Risiko gehe.

Ich brauche für meinen Beruf und mein Leben gewisse Sicherheiten. Meine Familie unterstützt mich dabei. Auch meine Sicherheit ergibt sich daraus, dass ich mich immer wieder gut auf meine Fähigkeiten und mein Gespür verlassen kann. Wichtig für mein Sicherheitsgefühl ist auch mein Glaube.

Wie würdest du dich einschätzen? Hand aufs Herz: Auf einer Skala von null bis zehn – wobei null absolute Sicherheit bedeutet, also möglichst gar kein Risiko eingehen, und zehn heißt, immer volles Risiko gehen – wo würdest du dich einordnen? Vielleicht ist das manchmal gar nicht so leicht zu beantworten. Manchmal gehen wir an unser Limit und müssen dann eben mit dem umgehen, was passiert oder auch damit, dass nichts passiert.

Vor wenigen Wochen war ich Kartfahren. Das ist jetzt etwas völlig Normales und Ungeistliches, aber ich war Kartfahren. Mein Ehrgeiz und der Wunsch, vorne mitzuhalten, führten dazu, dass ich in jeder Runde immer mehr Gas gegeben und immer später gebremst habe. Runde für Runde wurde ich schneller. Das ging so lange gut, bis ich mit voller Wucht in die Bande gekracht bin. Jetzt spüre ich noch meine Rippen.

Das war dann zu schnell und zu riskant. Vielleicht hätte ich mir vorher mal kurz überlegen sollen, was passiert, wenn man immer später bremst und immer mehr Gas gibt. Aber das habe ich mir einfach zu spät überlegt. Manchmal geht es einfach los, ohne großes Nachdenken. Da drückt man aufs Gas und fährt los.

Wie viel wagen wir in unserem Leben? Was sind wir eigentlich bereit einzusetzen? Gehen wir lieber aufs Ganze oder fahren wir doch lieber mit Standgas, weil es einfach sicherer ist?

Vertrauen als Grundlage für neue Möglichkeiten

Geht doch mit Jesus aufs Wasser, wenn Vertrauen neue Möglichkeiten schafft.

Vertrauen ist so eine Sache. Wir vertrauen, solange wir nicht enttäuscht werden. Wenn meine Kinder mich sehen, kann es passieren, dass sie oben auf der Treppe stehen und einfach losspringen. Sie denken: „Okay, der Papa, der wird schon irgendwie... Der würde es schon machen, der fängt mich schon irgendwie auf.“

Wenn ich sie so sehe, weiß ich, was auf mich zukommt. Ich bin darauf gefasst. Aber was ist, wenn ich mal nicht darauf gefasst bin?

Ich glaube, wir alle kennen das: Als kleine Kinder hatten wir grenzenloses Vertrauen zu unseren Eltern oder anderen Menschen. Wir sind einfach losgesprungen, in dem Vertrauen, dass sie uns auffangen würden. Aber irgendwann haben wir aufgehört, einfach unseren Eltern vom Treppenabsatz in die Arme zu springen. Irgendetwas hat unser Vertrauen erschüttert.

Entweder haben unsere Eltern nicht aufgepasst, oder wir haben erkannt, dass sie unter unserem Gewicht vielleicht zusammenbrechen würden, wenn wir jetzt springen.

Aber ohne Vertrauen funktioniert es nicht. Vertrauen gehört zu unserem Leben dazu. Die Frage ist nur: In welchem Maß vertraue ich? Oder vertraue ich mich sogar jemandem an?

Aber was ist Vertrauen eigentlich? Ich habe recherchiert und folgende Definition gefunden: Vertrauen bezeichnet die subjektive Überzeugung oder auch das Gefühl, den Glauben an die Richtigkeit oder Wahrheit von Handlungen, Einsichten und Aussagen beziehungsweise an die Redlichkeit von Personen.

Vertrauen kann sich auf einen anderen Menschen oder auf das eigene Ich beziehen – das nennt man Selbstvertrauen. Zum Vertrauen gehört auch die Überzeugung von der Möglichkeit und Fähigkeit zu Handlungen. In diesem Fall sprechen wir eher von Zutrauen.

Als Gegenteil des Vertrauens gilt das Misstrauen.

Kurz zusammengefasst bedeutet Vertrauen, überzeugt zu sein von jemandem oder etwas. Und das Maß, wie sehr ich jemandem vertraue, hängt davon ab, ob ich lieber auf Nummer sicher gehe oder volles Risiko fahre.

Die Jünger auf dem See: Aufbruch und Gebet

Die Jünger sind mit Jesus unterwegs. Gerade eben haben sie die Speisung der fünftausend erlebt, und jetzt braucht Jesus Zeit zum Beten. Ich lese uns nun in Abschnitten aus Matthäus 14, und zwar die Verse 22 bis 33. Zuerst lese ich die Verse 22 und 23 aus der Übersetzung der Basisbibel.

Sofort danach drängte Jesus die Jünger, in das Boot zu steigen. Sie sollten an die andere Seite des Sees vorausfahren. Er selbst wollte inzwischen die Volksmenge verabschieden. Nachdem er die Volksmenge verabschiedet hatte, stieg er auf einen Berg, um in der Einsamkeit zu beten. Als es dunkel wurde, war er immer noch allein dort.

Die Jünger sind voller Eindrücke von dem, was sie gerade erlebt haben. Jesus hat fünftausend Menschen satt gemacht – ein Wunder, bei dem sie mittendrin waren. Und jetzt kann es Jesus nicht schnell genug gehen, dass die Jünger losfahren. Jesus zwingt die Jünger geradezu drängend, ins Boot zu steigen und loszufahren.

Wenn wir uns den Text im griechischen Original anschauen, fällt auf, dass dort häufig ein Wort vorkommt, das „schnell“ oder „unverzüglich“ bedeutet. Jesus sagt: „Geht schnell in das Boot und fahrt auf die andere Seite.“ Das ganze Volk ist noch bei Jesus, aber die Jünger sollen losfahren. Nachdem das Volk weg ist, geht Jesus erst einmal beten.

Bei Jesus endet das Wunder der Speisung der fünftausend, das direkt vor unserer Geschichte stattfindet, mit Gebet – und das neue Wunder beginnt ebenfalls mit Gebet. Für Jesus ist das Gebet und das Alleinsein mit Gott die Grundlage allen Handelns. Gebet schafft Beziehung, schafft Vertrauen und schenkt Sicherheit, weil wir mit Gott im Gespräch sind. Beten verändert Situationen und bringt unseren Blick wieder auf das Wesentliche.

Hier können wir extrem viel von Jesus lernen: Das absolut Wesentliche in unserem Leben ist unsere Beziehung zu Gott beziehungsweise zu Jesus. Jesus betet, und die Jünger fahren los – ohne Jesus loszufahren. Einfach mal machen.

Vielleicht befindest du dich gerade in einer Phase, in der du dich entscheiden musst. Es gilt, die Dinge gegeneinander abzuwägen, um die richtige Entscheidung zu treffen – auch um für die Entscheidung zu beten. Immer wieder erlebe ich, dass ich im Gebet keine klare Wegweisung bekomme. Was nun? Warten, bis eine klare Ansage kommt, oder einfach mal losgehen?

Die Jünger fahren los. Sie kennen das Ziel ungefähr, aber sie fahren mitten in die Nacht hinein, mitten hinein in die Unsicherheit der Nacht auf dem See, der so unberechenbar sein kann. Und das alles, weil Jesus sagt: „Geht doch!“

Vielleicht ist das auch manchmal unsere Aufforderung an uns selbst: „Jetzt geht doch mal! Ich werde es dann schon richten.“ Wir starten gefühlt in ein absolut unkalkulierbares Risiko. Aber ist es das auch für Jesus? Ist es ein Problem für Jesus, wenn wir einfach mal losgehen?

Natürlich möchte ich mein Leben so führen, dass es Jesus bestimmt und dass Jesus lenkt, wohin es geht. Aber ich glaube, es gibt Situationen im Leben, in denen Jesus uns die freie Wahl lässt. Dann bleibt es allein bei der Aufforderung: „Jetzt geht doch mal!“

Geht doch mal los, macht doch mal! Losgehen beziehungsweise losfahren im Vertrauen auf Jesus und im Vertrauen darauf, dass Jesus nachkommt. Die Jünger fahren los, gerade im Vertrauen darauf, dass Jesus kommt. Sie fahren mitten in die Nacht hinein.

Angst und Gottesnähe in der dunklen Nacht

Ich lese uns jetzt die Verse vierundzwanzig bis sechsundzwanzig vor.

Das Boot war schon weit vom Land entfernt. Die Wellen machten ihm schwer zu schaffen, denn der Wind blies direkt von vorn. Um die vierte Nachtwache kam Jesus zu den Jüngern. Er lief über den See.

Als die Jünger ihn über den See laufen sahen, wurden sie von Furcht gepackt. Sie riefen: „Das ist ein Gespenst!“ Vor Angst schrien sie laut auf.

Ich kann die Jünger total gut verstehen in ihrer Angst. Da gehe ich also los, und dann geht alles schief: Nacht, Sturm, Wellen, Todesangst, weil das Boot dem Ganzen nicht gewachsen ist. Das Gefühl des Alleinseins und auch der Gottverlassenheit macht sich breit.

Vielleicht kennt ihr solche Situationen auch – Situationen, in denen man denkt, dass die Welt über einem zusammenzubrechen droht. Hilflosigkeit und keine Sicherheit, dass Gott da ist, dass ich ihn einfach nicht spüre.

Und dann die Frage: Hätte ich vielleicht doch nicht losgehen sollen? Die Zweifel an meiner Entscheidung, an mir, an Gott brennen sich tief ein. Das Gefühl, auf allen Ebenen versagt zu haben, wird immer stärker. Und dann legt sich die Dunkelheit wie ein Mantel, wie eine schwere Last auf unsere Schultern.

Matthäus beschreibt hier eine ganz düstere Szene mitten in der Nacht. Die Nacht symbolisiert im Alten Testament immer die Gottesferne. Wo Gott nicht ist, da ist Nacht.

Jesus ist nicht bei den Jüngern, und es ist mitten in der tiefsten Nacht. Die vierte Nachtwache soll zwischen drei und sechs Uhr gewesen sein. Also genau dann, wenn die Nacht am dunkelsten ist und der Morgen irgendwann kommt.

Vielleicht kennen wir das auch: Manche Nacht erscheint endlos. Wir sind voller Sorgen, voller Nöte, voller Schmerzen und können nicht schlafen. In so einer dunklen, schweren Nacht wiegt manches noch viel, viel schwerer als am lichten Tag.

Auch bei den Jüngern ist es mitten in der Nacht, der Sturm braust, und dann kommt Jesus.

Jesus kommt zu den Jüngern. Und Jesus kommt auch zu uns in unserer ganz tiefsten Nacht.

Unvorstellbar für die Jünger und auch für uns, dass Jesus mitten hinein in unsere größte Not kommt.

Die Jünger schreien vor Angst, weil sie ein Gespenst ausmachen. Sie sind voll gefangen in ihrer Gottverlassenheit und rechnen gar nicht damit, dass Jesus kommt. Sie haben kein Vertrauen, dass Jesus in ihre Not kommt.

Und wir? Rechnen wir damit, dass Jesus kommt? Vertrauen wir in all unseren Nöten auf Jesus?

Es gibt doch auch Situationen, da können wir gar nicht mehr beten. Da sind wir in unserer Situation so gefangen, dass nichts mehr geht. Aber Jesus kommt. Wenn das kein Vertrauen schafft!

Persönliche Erfahrung mit Not und Vertrauen

Es ist bei mir jetzt gut drei Jahre her. Wir haben zwei Kinder, und unser Jakob war ein bisschen älter als ein Jahr. Er war krank und hatte hohes Fieber.

Morgens hat ihn meine Frau, die weg musste, zu mir gebracht. Ich legte ihn aufs Sofa und versuchte, nebenbei ein bisschen zu arbeiten. Plötzlich bekam dieser kleine Kerl einen Fieberkrampfanfall. Er zappelte nur noch und krampfte.

Ich wusste gar nicht, dass es so einen Anfall überhaupt gibt, und dachte nur: Mein Kind stirbt jetzt. In diesem Moment schnappte ich mein Kind und rannte los zum Kinderarzt, der glücklicherweise in der Straße nebenan seine Praxis hatte.

Da war keine Zeit mehr zum Beten, da war nur noch Kind schnappen und losrennen zum Kinderarzt. Der Kinderarzt alarmierte sofort den Notarzt und versuchte, mich zu beruhigen. In diesen Momenten hatte ich einfach nur Angst um mein Kind. Da war kein Gedanke an Gebet, und Jesus handelte trotzdem.

Jesus sieht die Not der Jünger, er sah auch meine Not, und er kam. Ich lese uns jetzt einen Abschnitt weiter:

Aber sofort sagte Jesus zu ihnen: „Erschreckt nicht, ich bin es. Ihr braucht keine Angst zu haben.“

Petrus antwortete Jesus: „Wenn du es bist, befiehl mir, über das Wasser zu dir zu kommen.“ Jesus sagte: „Komm.“

Da stieg Petrus aus dem Boot, ging über das Wasser und kam zu Jesus.

Vertrauen in Jesus trotz Angst

Jesus kommt und beruhigt zunächst die Situation. Er schafft Vertrauen und sorgt für Sicherheit – mitten in der dunkelsten Nacht, mitten im Sturm. Jesus ist da, mitten in den tosenden und tobenden Wellen, und allein durch sein Kommen handelt er.

Der Ort der Gottesferne wird plötzlich zum Ort der Gottesnähe. Jesus kommt näher, als wir oft erwarten. Auch bei mir damals, bei meinem Jakob, hat mir Jesus ganz deutlich gezeigt: Ich bin da.

Der Notarzt, der zur Tür hereingerannt kam, war ein guter Bekannter. Einer der Sanitäter war Christ und engagiert im Jugendwerk. In diesem Moment wurde mir klar: Erschrecke nicht, ich bin es, du brauchst keine Angst mehr zu haben.

Wenn in der tiefsten Not plötzlich Menschen hereinkommen, ist das kein Zufall mehr. Für mich war das ein Zeichen: Jesus ist da, er sieht meine Not und schickt mir genau die Menschen im Rettungswagen, die sich jetzt um mich und mein Kind kümmern.

Auch bei den Jüngern ist es so. Jesus kommt und schafft so viel Vertrauen, dass Petrus ohne zu zögern losgeht. Petrus erkennt Jesus und will sofort zu ihm aufs Wasser. Er will sicher sein, dass es Jesus ist, bevor er aufs Wasser geht.

Petrus schaut auf Jesus und geht los. Ohne zu überlegen. Es wird nicht lange abgewogen, sondern einfach gehandelt. Petrus steigt aus dem Boot und steht auf dem Wasser. Sein Blick ist ganz auf Jesus gerichtet. Er hat das Wesentliche im Blick – nämlich Jesus.

Kaum zu glauben, oder? Noch wenige Sekunden zuvor schreien die Jünger in Todesangst, und dann steht Petrus plötzlich auf dem Wasser. Geht doch!

Mut zum Losgehen trotz Zweifel

Wenn ich mir die Szene so anschaue, denke ich manchmal nur: Was hat sich Petrus eigentlich dabei gedacht? Das klappt doch nie, wenn ich das so sehe. Vielleicht denken das auch Menschen, die uns beobachten. Vielleicht unsere Eltern, unsere Freunde, Kolleginnen und Kollegen oder Klassenkameraden, wenn wir ihnen erzählen, dass wir uns mit Jesus ins Ungewisse aufmachen wollen.

Aber Jesus schafft plötzlich ganz unfassbare Möglichkeiten. Benjamin hat es vorher kurz angesprochen: Bevor ich Pfarrer wurde, war ich Rechtsanwalt. Noch heute ernte ich erstaunte Blicke, wenn ich davon erzähle, dass ich meinen Beruf als Anwalt an den Nagel gehängt habe, um Pfarrer zu werden. Es sind immer die gleichen Fragen, die da kommen: Wie, du hast alles aufgegeben? Das könnte ich nicht. Du hättest doch bestimmt reich werden können. Wie kann man so eine Sicherheit eigentlich aufgeben?

Aber es sind, glaube ich, genau die Fragen, die ich andersherum auch irgendwie Petrus stellen würde, wenn ich mir die Geschichte so anschaue. Doch wenn ich mich in Petrus hineinversetze oder zurückblicke in mein Leben, dann haben sich diese Fragen nie gestellt. Zu keiner Situation haben sich diese Fragen für mich gestellt, sondern es war einfach klar: Ich muss jetzt losgehen. Ich muss jetzt losgehen, jetzt geht es gar nicht mehr zurück.

Auch Petrus muss einfach losgehen. Er kann nicht lange überlegen, und er will auch nicht lange überlegen, sondern er will losgehen. Viele Fragen, die man später stellen könnte, stellten sich einfach nicht. Jesus lässt uns losgehen, aber er lässt uns nie allein. Jesus reicht uns die Hand, damit wir uns auch aus unserem sicheren Boot aufmachen und aussteigen können – weil er da ist.

Wenn Jesus ruft, dann können wir losgehen. Wenn Jesus sagt, dass er da ist, dann ist er auch da. Das sind keine leeren Versprechungen, sondern Gewissheit. Da können wir aussteigen und auf Jesus zugehen – gegen alle Vernunft, gegen alle Bedenken der Sicherheit, aber voller Vertrauen.

Wenn Jesus ruft, dann können wir losspringen, egal wie alt wir sind, wie kleine Kinder. Einfach los, geht doch. Und es geht, solange wir auf Jesus schauen.

Zweifel und Rettung durch Jesus

Aber auf einmal merkte er, wie stark der Wind war, bekam Angst und begann zu sinken. Er schrie: „Herr, rette mich!“ Sofort streckte Jesus ihm die Hand entgegen und hielt ihn fest.

Er sagte zu Petrus: „Du hast zu wenig Vertrauen, warum hast du gezweifelt?“ Petrus bekommt plötzlich Angst – vielleicht Angst vor seiner eigenen Courage, vor seinem Vertrauen in Jesus. Plötzlich kommen all die Bedenken hoch, die vorher nicht da waren, und die Frage, ob er Jesus wirklich vertrauen kann oder ob doch etwas schiefgehen könnte.

Die Wellen und das Wasser wirken plötzlich wieder unüberwindbar, und unser Vertrauen geht baden. Unser Vertrauen in Jesus geht baden, aber nicht, weil wir von Jesus enttäuscht sind oder weil er uns enttäuscht hat. Nein, sondern weil wir Jesus immer noch zu wenig zutrauen. Unser Vertrauen in Jesus hat manchmal Grenzen. Wo sind deine Grenzen?

Natürlich weiß ich, dass Jesus, also Gott, schon alles kann. Aber ist das auch tief in meinem Verstand und in meinem Herzen verankert? Weiß ich wirklich in jeder Situation: Jesus ist Gott, er kann alles, und ich kann ihm immer und überall vertrauen?

Jesus lässt Petrus mit seinem Vertrauen nicht baden gehen, sondern rettet ihn erneut. Zweimal innerhalb kurzer Zeit rettet Jesus das Leben des Petrus – einmal vor den Wellen und einmal vor den Zweifeln, die Petrus überkommen.

Interessant ist, wie Matthäus hier die Worte Jesu wiedergibt. Jesus sagt nicht: „Du Ungläubiger“, sondern: „Du hast zu wenig Vertrauen“ oder, wie Luther übersetzt, „Du Kleingläubiger!“ Es geht also nicht darum, dass wir nicht glauben, sondern dass wir Jesus noch mehr vertrauen und zutrauen dürfen – ja, sogar müssen.

Aber das mangelnde Vertrauen des Petrus macht die Geschichte nicht zunichte. Im Gegenteil: Die anderen Jünger erkennen dadurch Jesus. Der Blick der anderen richtet sich weg von Petrus und wieder hin zu Jesus.

Ich lese die letzten zwei Verse: „Dann stiegen sie ins Boot, und der Wind legte sich. Die Jünger im Boot warfen sich vor Jesus nieder und sagten: ‚Du bist wirklich der Sohn Gottes.‘“ (Matthäus 14,30-33)

Vertrauen schafft neue Möglichkeiten

Geht doch mit Jesus aufs Wasser, wenn Vertrauen neue Möglichkeiten eröffnet. Für mich ist es immer wieder begeisternd, wie Jesus handelt. Aus dem mangelnden Vertrauen des Petrus folgt nicht, dass sich alle Jünger abwenden, sondern dass sie Jesus erkennen. Sie sehen, was bei Jesus möglich ist, sie erleben ein neues Wunder. Das Grundvertrauen des Petrus zu Jesus bringt ihn dazu, aufs Wasser zu gehen.

Und wir? Auch wir stehen zwischen Sicherheit, Vertrauen und Risiko. Auf der anderen Seite stehen wir zwischen unserer Angst, wer da auf uns zukommt, und dem staunenden Erkennen, dass es Jesus ist.

Ich glaube sogar, dass Sicherheit und Risiko allein unsere menschlichen Kriterien sind, die alles gegeneinander abwägen. Denn was wir als Sicherheit bezeichnen, ist doch eigentlich nur das, was wir für möglich halten, was wir noch in unseren Händen halten und irgendwie steuern können. Risiko ist für uns das, was wir nicht mit absoluter Sicherheit steuern oder in Händen halten können.

Aber sind das die richtigen Kriterien und Kategorien für Jesus? Geht es wirklich darum, dass wir etwas in unseren Händen halten und steuern können? Nein, denn wir schaffen keine Möglichkeiten, sondern Jesus. Es reicht, wenn Jesus die Dinge in der Hand hat. Es reicht, wenn Jesus seine Hand aufhält, und wir können einfach die Dinge aus der Hand geben.

Jesus hat die Dinge in der Hand und er hat Petrus viel schneller wieder an der Hand, als wir gucken können. Blitzschnell greift Jesus zu und rettet Petrus. Ich bin mir gar nicht sicher, ob Petrus wirklich so viel Wasser geschluckt hat in dem Moment, als er unterging. Ich glaube eher, Jesus hat sofort zugepackt.

Bei Jesus gibt es kein Risiko für uns. Gäbe es ein Risiko, wäre Jesus dann noch Gott? Ich bin mir sicher, bei Jesus gibt es kein Risiko, weil er alle Möglichkeiten hat. Wir können mit absoluter Sicherheit und ohne Risiko größer von Jesus denken.

Ich glaube, das ist unsere Herausforderung: dass unser Vertrauen in Jesus mitwächst – mit all den Möglichkeiten, die wir ihm wirklich einräumen. Vielleicht ist es für dich unvorstellbar, als Missionar oder Missionarin ins Ausland zu gehen oder auch unvorstellbar, hier zu bleiben und nicht ins Ausland zu gehen, sondern hier für Jesus aktiv zu werden.

Aber es kommt nicht auf unsere Vorstellung an, sondern auf Jesu Möglichkeiten. Diese Möglichkeiten sind grenzenlos und unvorstellbar. Es kommt nicht darauf an, was ich für möglich halte oder was ich mir schon immer in meinem kleinen Kopf zurechtgeschustert habe oder mir vorgenommen habe. Es kommt darauf an, dass wir erkennen, dass Jesus Gottes Sohn ist.

Das mag total platt klingen, aber wenn Jesus Gottes Sohn ist, dann hat er Möglichkeiten, die weit höher, mächtiger, herrlicher und größer sind, als wir jemals denken können oder uns in unserem Kopf ausmalen können. Für uns gibt es dann eigentlich kein Risiko, sondern nur Jesusmöglichkeiten.

Einladung zum Vertrauen und Losgehen

Nimm dir Zeit, um über dein Leben nachzudenken. Überlege, wo Jesus in deinem Leben gehandelt hat und wo er dich aus der tiefsten Nacht herausgerettet hat.

Fangen wir an, uns gegenseitig diese Geschichten von Jesu Wirken zu erzählen. Das schafft Vertrauen. Es stärkt unser Vertrauen, wenn wir uns Geschichten erzählen, die vielleicht unglaublich oder unfassbar sind, die wir aber selbst erlebt haben.

Es zeigt uns, welche Möglichkeiten Jesus hat – oft mehr, als wir denken oder fassen können. Dann sollten wir Jesus einfach machen lassen.

Richte deinen Blick, dein Leben, dein Beten und dein Tun voll auf Jesus aus. Schau nur auf ihn – nicht auf das, was unter, hinter, über oder vor dir auftürmt. Oder willst du wirklich baden gehen? Das will ich definitiv nicht.

Jesus geht mit uns durch die Schwierigkeiten und Herausforderungen des Lebens. Diese werden nicht verschwinden, aber mit Jesus machen sie mir keine Angst mehr. Das ist die Sicherheit, die ich zum Leben brauche.

So wie es in unserer Geschichte heißt, in Vers 28 und 29: Petrus antwortete Jesus: „Ja, wenn du es bist, befiehl mir, über das Wasser zu dir zu kommen.“ Jesus sagte: „Komm!“ Dann stieg Petrus aus dem Boot, ging über das Wasser und kam zu Jesus.

Das ist doch die beste Voraussetzung auch für uns: Mit dem Blick auf Jesus auszusteigen, aus unserem Boot und einfach loszugehen. Geht doch! Amen.