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Scheidung aus jedem Grund? – Teil 4

Jesu Leben und Lehre, Teil 630/673
04.11.2025Matthäus 19,9-10
SERIE - Teil 630 / 673Jesu Leben und Lehre

Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.

Episode 630: Scheidung aus jedem Grund, Teil 4

Die Frage der Pharisäer zur Scheidung

Wir erinnern uns: Die Pharisäer fragen Jesus, ob es aus irgendeinem beliebigen Grund erlaubt ist, sich von seiner Frau zu trennen. Jesus spricht sich gegen diese Ansicht aus und wird dann sehr deutlich, als er sagt:

 Matthäus 19,9: „Ich sage euch aber, dass wer immer seine Frau entlässt, außer wegen Hurerei, und eine andere heiratet, Ehebruch begeht.“

Wer eine Geschiedene heiratet, begeht ebenfalls Ehebruch.

Wer sich, wie die Pharisäer, auf 5. Mose 24 beruft und seine Frau einfach entlässt, um eine andere zu heiraten, ist trotz aller formalen Richtigkeit – also trotz eines Scheidebriefs – ein Ehebrecher.

Die Bedeutung des zweiten Teils der Aussage Jesu

Nun zum zweiten Teil: Wer eine Entlassene heiratet, begeht Ehebruch. Wie passt dieser zweite Teil zu dem Problem der Pharisäer?

Fangen wir mit der Frage an, ob es sich hier einfach um eine geschiedene Frau handelt. So steht es ja da: „Wer eine Entlassene heiratet, begeht Ehebruch.“ Ich habe diese Frage schon recht ausführlich in Episode 200 behandelt. Deshalb möchte ich jetzt nicht mehr allzu tief darauf eingehen.

Ich möchte nur noch einmal darauf hinweisen, dass es durchgängig in der Bibel die Regel war, dass Geschiedene wieder geheiratet wurden. Die einzige Ausnahme bildeten die Priester, die weder eine Hure noch eine Entlassene noch eine Witwe oder eine Verstoßene, sprich Geschiedene, heiraten durften. Das ist nachzulesen in 3. Mose 21.

Vorsicht bei dem Argument: „Siehst du, Jürgen, weil wir alle Priester Gottes sind, dürfen wir keine Geschiedene heiraten. Das war damals so und das ist heute auch noch so.“ Das ist falsch! Warum?

Erstens sind wir keine levitischen Priester. Wir gehören zum neuen Bund. Wenn Priester unter dem mosaischen Gesetz nur Jungfrauen heiraten durften, dann braucht uns das nicht weiter zu kümmern. Wir dürfen Gott ja auch dann unsere Opfer bringen, wenn wir Hautausschlag haben, blind sind oder uns den Fuß gebrochen haben. Für levitische Priester war das alles verboten.

Zweitens: Wer das Argument trotzdem bringt, der muss folgerichtig auch die Heirat mit jeder Frau verbieten, die nicht mehr Jungfrau ist. Denn darum geht es im Text in 3. Mose 21. Und genau an der Stelle wird es schwierig, weil Paulus den gläubigen Witwen in 1. Korinther 7 die erneute Heirat erlaubt und sie in 1. Timotheus 5 sogar gebietet – und zwar „im Herrn“, das heißt mit einem gläubigen Christen.

An dieser Stelle mag es genügen. Hört euch gern Episode 200 noch einmal an, um mein Denken besser zu verstehen.

Interpretation der „Entlassenen“ im Matthäusevangelium

Wenn es hier heißt: „Und wer eine Entlassene heiratet, begeht Ehebruch“, dann denke ich, dass es nicht um eine Frau geht, die gegen ihren Willen entlassen wurde. Vielmehr ist eine Frau gemeint, die sich selbst entlassen hat. Die griechische Sprache ist leider mehrdeutig. Man kann die Stelle passivisch übersetzen, wodurch die Frau entlassen wird. Oder man kann sie medial übersetzen, was bedeutet, dass sie sich selbst entlässt.

Ich denke, genau das ist hier im Blick. Diese Frau ist, wenn man so will, das weibliche Gegenstück zu den Pharisäern. Diese glauben, dass ein Scheidebrief jede Form von Scheidung legitimiert. Doch der Scheidebrief bewirkt noch mehr. Er erlaubt es mir auch, um eine verheiratete Frau zu werben, damit sie sich scheiden lässt, um mich zu heiraten. Dieses Verhalten ist ebenfalls Ehebruch.

Lasst uns bitte den Zusammenhang nicht übersehen: Jesus beantwortet hier die Frage, ob man seine Frau wegen jeder Kleinigkeit entlassen darf. Die Antwort lautet: Nein, darf man nicht. Wer das tut, bricht die Ehe. Und wer eine Frau heiratet, die das tut, bricht ebenfalls die Ehe.

Für die Pharisäer endet jede Ehe mit dem Scheidebrief. Der Scheidebrief macht alles gut. Jesus hingegen geht da nicht mit. Er widerspricht jeglicher leichtfertigen Scheidungspraxis.

Zusammenfassung bei Markus und die Rolle der Frau in der Scheidung

 Markus 10, Verse 10-12

Im Haus befragten ihn die Jünger deshalb noch einmal. Er antwortete ihnen: Wer seine Frau entlässt und eine andere heiratet, begeht Ehebruch gegen sie. Und wenn eine Frau ihren Mann entlässt und einen anderen heiratet, begeht auch sie Ehebruch.

Jesus fasst hier für die Jünger den Kern des Gesagten noch einmal kurz zusammen. Dabei lässt er die Ausnahmeklausel „außer aufgrund von Hurerei“ weg – aus einem einfachen Grund: Er will nur das Wesentliche wiederholen und kann voraussetzen, dass die Jünger die Ausschlussklausel bereits gehört haben.

Außerdem formuliert er hier im Blick auf die Frau nicht mehrdeutig, sondern eindeutig: „und wenn sie ihren Mann entlässt“. So wird deutlich, wie die Verse aus dem Matthäusevangelium zu verstehen sind, bei denen man sich zwischen einer passiven und einer medialen Übersetzung nicht entscheiden konnte.

Eine Scheidung kann entweder von einem Mann ausgehen, der sich eine neue Frau sucht, oder von einer Frau, die sich einen neuen Mann sucht. Dabei muss man verstehen, dass die alleinstehende, gut verdienende Single-Frau in der Antike eigentlich nicht existierte. Wurde eine Frau entlassen, musste sie zurück in ihre Herkunftsfamilie.

Wenn sich eine Frau scheiden ließ, war meist kulturbedingt vorher schon ein anderer Mann im Spiel. Frauen ließen sich scheiden, um einen anderen Mann zu heiraten. Dieser Fall war zugegebenermaßen in Israel eher selten, doch am Beispiel der Herodias, die sich für Herodes von ihrem ersten Mann hatte scheiden lassen, war er für die Jünger topaktuell.

Eine Frau, die sich ohne Grund scheiden lässt, um einen anderen Mann zu heiraten, begeht genauso Ehebruch wie jeder Mann, der sich aus einer beliebigen Ursache von seiner Frau trennt.

Die Reaktion der Jünger und die Konsequenzen für die Ehe

 Matthäus 19,10: Seine Jünger sagen zu ihm: „Wenn die Sache des Mannes mit der Frau so steht, ist es nicht ratsam zu heiraten.“

Die Jünger ziehen hier eine logische Konsequenz: Wenn Scheidung kein Recht des Mannes ist, sondern nur im Ausnahmefall erlaubt wird, dann ist es nicht ratsam zu heiraten.

Vielleicht schmunzeln wir darüber, doch wir erkennen, dass die Pharisäer mit ihrer Haltung zur Ehe nicht die Ausnahme, sondern die Regel darstellten. Die Jünger Jesu dachten nicht viel anders.

Mit meinen Worten formuliert: „Wenn ich meine Frau nicht einfach so wieder loswerden kann, dann ist es viel sinnvoller, gar nicht zu heiraten.“

Ich persönlich würde dem nicht zustimmen, doch ich würde sagen, dass es definitiv wichtig ist, vor der Auswahl eines Ehepartners viel zu beten und gut nachzudenken. Ehepartner gehen miteinander einen Bund ein und versprechen sich Exklusivität, Fürsorge und Intimität.

Wo es daran mangelt, beginnt im Herzen Ehebruch. Deshalb tue ich wirklich gut daran, einen Partner zu suchen, bei dem ich mir halbwegs sicher bin, dass er ein Leben lang von Herzen so fühlt, wie es im Hohelied 2,16 heißt: „Mein Geliebter ist mein, und ich bin sein, der in den Lilien weidet.“

Abschluss und Gebetsanregung

Was könntest du jetzt tun? Denke noch einmal über den Text und den Podcast nach. Das Thema ist leider nicht einfach und in vielen Kreisen sehr umstritten.

Das war's für heute. Nimm dir Zeit, um für Ehepaare in deiner Umgebung zu beten. Besonders für diejenigen, die Schwierigkeiten mit Exklusivität, Fürsorge oder Intimität haben.

Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.

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