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Faszination Universum

Jumiko 26, Teil 20/24
11.01.2026
EVENT - Teil 20 / 24Jugendkonferenz für Weltmission 2026
Wie begann das Universum – und wer steckt hinter den Naturgesetzen, die alles lenken? Warum sind die Grundlagen des Kosmos so exakt auf Leben abgestimmt? Forscher wie Einstein und Hawking staunen über die Spuren eines größeren Geistes, der das Universum erschuf. Könnte es sein, dass der Gott, der das Universum geschaffen hat, uns persönlich nahe ist? Warum passt Wissenschaft so gut zum Glauben?

Faszination Universum und die Frage nach Gott – das ist eine spannende Thematik. Wir werden auf einem kleinen Planeten geboren, irgendwo in einer Ecke des Universums. Dort verbringen wir einige Jahre, werden großgezogen, reiben uns die Augen, schauen hinaus und fragen: Wo sind wir gelandet?

Es ist fast wie in einem Science-Fiction-Thriller. Plötzlich finden wir uns auf einem kleinen Raumschiff namens Erde wieder, blicken hinaus und fragen: Wie sind wir hierhergekommen? Ja, unsere Eltern und Großeltern sind bekannt, aber wie ist eigentlich alles entstanden? Irgendwann war ja nichts da.

Wir schauen hinaus. Es sind Bilder, die man im Internet findet und die diese Faszination widerspiegeln: Ein kleiner Mensch blickt in die Weiten des Universums an einer klaren, dunklen Hochgebirgsnacht. Über ihm erstreckt sich der Himmel voller Sterne.

Wir wissen, ein Stern ist kein beliebiges Objekt, sondern beispielsweise so groß wie unsere Sonne. Und der ganze Himmel ist voll davon. Wenn man die Sterne zählt, sind es ja doch nicht so viele. Mit bloßem Auge kann man bei gutem Sehvermögen und dunkler Nacht nur wenige Tausend Sterne sehen. Gar nicht so viele – nur wenige Tausend.

Dann gibt es noch dieses Band am Himmel, das Milchstraße genannt wird. Es wirkt milchig. Dort sind es nicht nur wenige Tausend Sterne, sondern einige Tausend Millionen Sterne. Dieses Band, das wir sehen, ist das eigentliche, was wir am Himmel wahrnehmen: eine Ansammlung von Sternen, die wir nur als milchiges Band erkennen.

Unsere Heimatgalaxie ist die Milchstraße. Die Sonne ist einer dieser Sterne. Wir blicken in diese scheibenförmige Galaxie hinein und sehen dieses milchige Band. Es ist unglaublich, was wir hier sehen.

Die Weite des Universums und die Heimatgalaxie

Wenn wir in das Sternbild Andromeda blicken, sehen wir dort ein kleines Fleckchen, das sogar mit bloßem Auge sichtbar ist: den sogenannten Andromedanebel. Erst im letzten Jahrhundert wurde er entdeckt. Dabei handelt es sich nicht um irgendeinen Nebel, sondern um eine eigene Galaxie. Sie ist sogar etwas größer als unsere Milchstraße und stellt unsere Nachbargalaxie dar, die mit bloßem Auge sichtbar ist.

Diese Entdeckung ist eine Sensation. Erst vor weniger als zwölf Monaten, am 17. Januar 2025, wurde ein Bild der Andromedagalaxie veröffentlicht, aufgenommen mit dem Hubble-Teleskop. Dieses Foto ist das bisher größte Bild der Andromedagalaxie. Darauf sind über 200 Millionen Sterne zu erkennen, die einzeln aufgelöst werden können.

Es ist unglaublich, was wir heute sehen können, was vor einem Jahr noch verborgen war. Eine Generation zuvor hatten die Menschen diese faszinierenden Bilder unseres Universums noch gar nicht gesehen. Woher kommt all das?

Wissenschaftliche Perspektiven auf das Universum und seine Gesetze

Albert Einstein sagt in einem sehr bekannten Zitat Folgendes: Jeder, der ernsthaft in die Ausübung von Wissenschaft involviert ist, kommt zu der Überzeugung, dass sich ein Geist in den Gesetzen des Universums manifestiert. Ein Geist, der dem des Menschen weit überlegen ist. Ein Geist, angesichts dessen wir uns mit unseren begrenzten Möglichkeiten demütig und bescheiden fühlen müssen.

Wir werden klein. Auch der große Einstein wird klein und bescheiden, wenn man die Spuren des Größeren sieht, die sich im Universum manifestieren. Unglaublich, was wir beobachten.

Stephen Hawking, ich denke, der Name sagt Ihnen etwas, wahrscheinlich der bekannteste zeitgenössische Physiker, der Mann im Rollstuhl, der erst vor wenigen Jahren verstorben ist, stellt diese Frage: Warum hat sich unser Universum eigentlich die Mühe gemacht zu existieren? Es könnte ja eigentlich auch nicht da sein.

Irgendwann war es nicht da. Wir wissen heute, dass das Universum nicht ewig ist. Es hatte eine Geburtssekunde null. Selbst Einstein in seinen jungen Jahren wusste das noch nicht. Er ging damals noch von einem ewigen Universum aus. Heute wissen wir, dass der erste Satz in der Bibel richtig ist. Ja, es stimmt, was dort steht: Es gab wirklich einen Anfang.

Wir haben diesen Anfang dann noch während Einsteins Lebenszeit immer weiter erforscht. Es gab einen Anfang. Warum hat das Universum angefangen? Stephen Hawking sagte, er ist überzeugt, dass das Universum aus Nichts entstanden ist, wohl aber ganz nach den Naturgesetzen, so sagt er.

Am Anfang war das Wort. Wir werden daran erinnert, dass da irgendjemand sein muss, der diese Naturgesetze spricht. Ein ganzes Universum entsteht aus Nichts und führt dann diese Gesetze aus. So eine verrückte Sache!

Woher kommen denn die Naturgesetze? Die schnelle Antwort von Physikern lautet: von den Physikern. Aber diese Antwort ist natürlich falsch. Nur ein bisschen Nachdenken genügt. Wir haben die Naturgesetze nicht gemacht, wir haben sie nur gefunden.

Wer hat eigentlich dem ganzen Universum Dinge befohlen? Vom kleinsten Elektron bis zur größten Galaxie führen alle diese Dinge aus, die im Physikbuch stehen, aber die wir nicht hineingeschrieben haben. Die Naturgesetze haben wir nur entdeckt.

Es ist ja nicht so, dass Einstein, Planck, Faraday, Heisenberg und all diese großen Physiker ein einziges elementares Naturgesetz entdeckt hätten. Wir haben alle nur gefunden, was uns vorgeschrieben ist.

Wenn Sie heute in eine große Buchhandlung kommen, sind vielleicht 10.000 Bücher vor Ihnen ausgebreitet. Von diesen 10.000 Büchern enthalten 9.999 ziemlich normale menschliche Überlegungen und Gedanken. Da ist aber noch ein Buch in der Buchhandlung, das zehntausendste, das Botschaften enthält, die nicht von dieser Welt sind. Das ist das Physikbuch.

Dort stehen Dinge drin, die sich kein Mensch ausgedacht hat. Ein ganzes Universum – vom kleinsten Teilchen bis zur größten Galaxie – tanzt nach der Regie dieser Gesetze, die keiner von uns gemacht hat.

Es ist faszinierend. Es sind Spuren. Wer hat die eigentlich gelegt? Woher kommt das Universum? Hat es einen Sinn? Hat es ein Ziel? Ganz viele Menschen fragen sich das.

Albert Einstein stellte diese berühmte Frage: "I want to know God's thoughts, the rest are details." Ich möchte Gottes Gedanken wissen, der Rest sind Details, sagt Einstein. Was hat sich der eigentlich gedacht, der das Physikbuch schrieb, der das Universum gestartet hat? Da muss doch eine Idee dahinterstecken.

Die Suche nach dem Schöpfer und die Bedeutung der Naturgesetze

"Ist dort oben jemand?" Hat mal jemand so schön gefragt. Interessiert sich überhaupt jemand für uns? Sind wir etwa auf der Spur von jemandem, der diese Spur gelegt hat? Mein berühmter Nanotechnologiekollege, Professor Herbert Gleiter, stellt diese Frage ebenfalls.

Ich bin davon überzeugt, dass derjenige, der das Universum geschaffen hat, wollte, dass wir ihn bemerken. Er hat Spuren hinterlassen, die wir entdecken können. Ich finde diesen Gedanken spannend und faszinierend. Das Universum – ein Physiker – und ich denke, ihr merkt es: Nicht nur ein Physiker stellt die Frage nach Gott. Wir sind alle davon fasziniert.

Stephen Hawking möchte ich noch einmal zitieren. Er stellt die Frage: "Was hat das Feuer in die Gleichungen gehaucht und ein Universum geschaffen, das ihnen folgen sollte?" Die Gleichungen selbst kann jeder niederschreiben, das konnte sogar Einstein. Aber wer hat den Gleichungen befohlen, dass sie vom Universum ausgeführt werden? Wer hat eigentlich die Vollmacht, den Durchgriff bis ins letzte Elektron, bis zum letzten Elementarteilchen, dass sie das ausführen, was vorgeschrieben ist? Was hat das Feuer in die Gleichungen gehaucht und ein Universum geschaffen, das ihnen folgen sollte?

Stephen Hawking ist als Atheist in die Geschichte eingegangen. Aber so ganz atheistisch war er dann doch nicht. Wenn wir uns seine Aussagen anschauen, hat er Tausende von Göttern abgeschafft. Er sagte: Leute, es macht keinen Sinn, dass ihr euch Götter einführt, um Natursachen zu erklären. Die Naturgesetze tun das. Diese Götter, die ihr euch ausgedacht habt, könnt ihr alle zur Seite schieben, so sagt Stephen Hawking. Und dann bleibt noch der eine übrig, der alles gemacht hat – den wir uns nicht ausgedacht haben, sondern der sich uns ausgedacht hat, der ein Universum geschaffen hat. Über diesen denkt Stephen Hawking ehrfurchtsvoll nach.

Albert Einstein formulierte es etwas kompakter: „The more I study science, the more I believe in God.“ – Je mehr ich Wissenschaft studiere, desto mehr glaube ich an Gott. Die Spuren des Einen sind im Universum hinterlegt.

Der Anfang des Universums und die Gottesfrage

Die Frage nach dem Anfang - es ist schon spannend: Wenn es keinen Anfang gab, brauchen wir vielleicht auch keinen Anfänger. Mittlerweile ist uns jedoch allen klar, dass wir das Universum zurückverfolgen können. Die Naturgesetze waren wohl schon immer vorhanden.

Wir empfangen Botschaften vom alten Licht, Botschaften aus vergangenen Zeiten. So können wir nachschauen, wie sich die Physik im Laufe des Universums entwickelt hat. Die Naturgesetze sind dabei gleich geblieben. Wir können rückwärts rechnen, bis wir zum Ursprung des Universums gelangen. Dabei schrumpft das Universum beim Rückwärtsrechnen zu einem winzigen Punkt, kleiner als der winzig kleine Kern in der Mitte eines Atoms. Man muss sich das einmal vorstellen.

Natürlich hat schon jemand humorvoll die Frage gestellt: Urknall? Ja, ja – aber wer hat denn da geknallt? Wenn es einen Anfang gab, steht plötzlich eine Frage mitten im Raum, die viele bereits abgeschafft haben. Wenn es angefangen hat, muss doch jemand angefangen haben.

Manche sagen, es könnte auch nicht das Nichts gewesen sein. Die Antwort ist simpel: Es konnte auch nicht der Zufall gewesen sein. Der Zufall kann manches tun, vielleicht mehr, als mancher denkt, aber Zufall setzt immer voraus, dass irgendetwas vorhanden war, das sich zufällig entwickelt.

Ihr könnt zweimal hintereinander eine Sechs würfeln. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist eins zu sechsunddreißig. Man kann zehntausendmal hintereinander eine Sechs würfeln. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist sehr klein, aber man kann sie ausrechnen. Man muss nur oft genug würfeln, irgendwann passiert es: zehntausendmal hintereinander eine Sechs.

Aber nehmt mal den Würfel aus dem Würfelspiel heraus – es wird gar keine Sechs mehr gewürfelt. Nehmt dann noch das Würfelspiel selbst weg – es passiert nichts mehr.

Der Zufall kann nicht auf nichts wirken. Er kann kein Universum aus dem Nichts geschaffen haben. Wer steht also hinter dem Universum? Garantiert nicht das Nichts, das ist uns klar. Das können wir selbst gedanklich beantworten.

Wenn das Universum einen Anfang hatte, ein strukturloses Pünktchen, kleiner als ein Atomkern, dann hatte es wohl schon all die Masse und Energie, all die Sterne und Galaxien, die wir heute sehen. Einige davon haben wir jetzt gesehen. Aus diesem Punkt hat sich das Universum dann entfaltet – nach Naturgesetzen, die auf geheimnisvolle Weise in dieses punktförmige Universum implantiert waren. Man ist fassungslos.

Was da dahintersteht, wird deutlich, wenn man in der Bibel diesen ganz bescheidenen Satz liest: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde“ (1. Mose 1,1). Wenn man dann sieht, was alles hinter diesem Satz steckt, was Gott uns heute schenkt, dass wir das entdecken dürfen, wird das deutlich.

Physik ist spannend, Wissenschaft ist spannend, aber es ist eine Sache, die jeder von euch auch mitverfolgen kann. Man muss gar kein Physiker sein.

Das erste Licht und die kosmische Hintergrundstrahlung

Die Frage nach dem Anfang sehen wir heute noch, und ich finde sie eine der faszinierendsten überhaupt. Heute sitzen wir hier und fragen uns: Gibt es noch Überreste des allerersten Lichtes?

Das Universum ist jung, es hat nicht ewig gelebt. Im jungen Universum ging das Licht an – von diesem ersten Licht, das man auch Schöpfungslicht nennen kann, ist nicht alles vergangen. Das ganze Universum ist erfüllt von einer kosmischen Hintergrundstrahlung, wie man sie nennt. Diese Strahlung ist ein Rest, ein Nachklang des allerersten Lichtes. Es handelt sich nicht um Auswirkungen davon, sondern es ist noch der Originalton dieses ersten Lichts.

Jeden Kubikzentimeter dieses Raumes durchdringen noch etwa 400 Lichtquanten dieses ersten Lichts. Woher kenne ich den Raum so gut? Nun, jeder Kubikzentimeter des Universums enthält noch lebende Exemplare von damals – unter Anführungszeichen – 400 Lichtquanten des ersten Lichts in jedem Kubikzentimeter Universum zeugen vom Anfang.

Besonders spannend sind die beiden Wissenschaftler, die dieses erste Licht näher untersucht haben. Sie führten eine aufwendige Satellitenmission durch, die sie leiteten: Mason und Smoot. Bereits 2003 erfolgte die Analyse, und 2006 erhielten sie dafür den Nobelpreis.

Die Eigenschaften der Strahlung waren genau die, die man erwartet, wenn es sich um das Licht vom Anfang handelt. George Smoot sagte auf der legendären Pressekonferenz, bei der diese Daten vorgestellt wurden, einen Satz, den niemand von ihm erwartet hätte. Ganz spontan fügte er hinzu – und dieser Satz wurde weltberühmt: Für den gläubigen Menschen ist das, als erblicke er das Angesicht Gottes.

Natürlich war George Smoot klar, dass dies ein steiler Satz ist. Er erblickt nicht wirklich das Angesicht Gottes, sondern schaut nur, unter dicken Anführungszeichen, in das erste Licht. Aber ihm war auch bewusst: Wenn ich mit meinen Augen in den Anfang hineinschaue, blicke ich vielleicht ein ganz kleines bisschen auch in Richtung des Anfängers.

Der Urknall und die Grenzen der Wissenschaft

Das Universum war nicht schon immer da. Die Frage, wer denn da „geknallt“ hat, steht mitten im Raum. Wenn es einen Anfang gab, wer hat ihn dann gemacht? Wenn es Naturgesetze gab, wer war eigentlich der Gesetzgeber?

Und Einstein meldet sich aus dem Hintergrund zu Wort: Ja, und was hat er sich dabei gedacht? Ihr merkt, der Anfang erledigt nicht die Gottesfrage. Der Anfang führt zur Gottesfrage.

Es gibt manchmal die auf einem Missverständnis beruhende Bemerkung: „Ach, früher haben die Leute gedacht, es waren Götter, heute wissen wir, es war der Urknall.“ Doch dahinter steckt ein Denkfehler. Der Urknall erklärt nicht den Anfang; der Urknall ist der Anfang.

Der Urknall erklärt gar nichts. „Urknall“ ist ein technischer Begriff für die sogenannte Sekunde Null. Es hat angefangen. Kein Physiker wird je die Arroganz besitzen zu sagen: „Ich erkläre den Anfang.“ Nein, wir können nicht hinter den Anfang schauen. Wir können auch nicht sagen, wie man Naturgesetze macht. Wer sind wir?

Wir buchstabieren sie nach, wir staunen, wir sehen mit offenen Augen den Anfang und ahnen den, der dahinter steht.

Wissenschaft und Glaube als ergänzende Perspektiven

Max Planck – der Name sagt den meisten von euch etwas. Einstein, Planck und Heisenberg sind die drei großen Väter der modernen Physik. Alle drei haben den Nobelpreis erhalten. Jeder von ihnen hat auf seine eigene Art und Weise die Frage nach Gott gestellt.

Von Max Planck stammt das berühmte Zitat: „Wissenschaft und Glaube sind keine Gegensätze.“ Er fügt hinzu, dass sie sich vielmehr ergänzen und einander bedingen. Ich mag dieses Zitat, denn es bringt die Sache gut zum Ausdruck.

Wissenschaft und Glaube sind nicht dasselbe. Für Max Planck ist das Verhältnis etwa so wie zwischen Bild und Maler. Natürlich wissen wir alle, dass es einen deutlichen Unterschied zwischen Bild und Maler gibt. Niemand würde versehentlich den Maler an die Wand hängen und dann mit dem Bild reden. Wir kennen den Unterschied: Der Maler ist eine Person, eine Persönlichkeit, die Bilder sind seine Werke, also Objekte.

Für Max Planck ist das eine passende Metapher für Wissenschaft und Glaube. Wissenschaft bedeutet, im Bild gesprochen, dass ich die Bilder analysiere. Ich frage mich, wie das geschaffene Werk aussieht, wie unser Universum beschaffen ist und wie die Naturgesetze lauten. Im Bild gesprochen: Ich sammle Bilder und analysiere sie. Das kann ich tun, ohne nach dem Maler zu fragen.

Aber umgekehrt gibt es Menschen, die beim Sammeln von Bildern auch nach dem Maler fragen. Ebenso gibt es Menschen, die beim Staunen über das Universum nach dem fragen, der das Universum geschaffen hat.

Ich denke, Sie merken, was Max Planck meint, wenn er sagt: Beides passt zusammen. Wissenschaft bedeutet, ich studiere das Geschaffene, Glaube bedeutet, ich stelle mir die Frage nach dem und begegne dem, der das alles geschaffen hat.

Die Verbindung von Wissenschaft und Glauben im Alltag

Manchmal höre ich, dass ich eingeladen wurde, im Spannungsfeld Wissenschaft und Glaube zu sprechen. Herr Schimmel wird ebenfalls über dieses Spannungsfeld sprechen. Dann schaue ich immer ganz erstaunt und überlege, wie ich auf die Idee komme, dass es ein Spannungsfeld zwischen Bild und Maler oder zwischen Schöpfung und Schöpfer gibt.

Ich denke, es passt total zusammen. Es sind zwar zwei Dinge, aber zwei Dinge, die zusammengehören: die Welt der Naturphänomene und die Frage nach Gott. Ich denke, ihr merkt, es ist eine spannende Frage.

Dieses alte Glaubensbekenntnis – kaum jemand wird es heute noch sprechen: „Ich glaube nur an das, was ich sehe.“ Es gibt weit mehr, als was wir auf den ersten Blick sehen.

Allein in diesem Stück Raum, das ich mit meinen Händen umfasse, ist jede Menge Musik enthalten. Und wir alle wissen das. Wir wissen, dass hier Musik drin ist – und natürlich auch jede Menge Telefongespräche, Spielfilme und Nachrichtensendungen. Die elektromagnetischen Wellen, die die Information tragen, hören wir nicht, wir sehen sie nicht. Aber wir bräuchten nur einen Rundfunkempfänger, ihn in dieses Stück Raum bringen, auf Empfang gehen, und wir würden sofort die Musik hören. Die Information über die Musik ist bereits vorhanden – übrigens völlig unabhängig davon, ob wir auf Empfang sind. Und auch völlig unabhängig davon, ob wir an elektromagnetische Wellen glauben. Elektromagnetische Wellen müssen gar nicht daran glauben, dass sie existieren – sie sind trotzdem da.

Ich denke manchmal: Was wäre, wenn meine Ur-Ur-Ur-Großeltern in diesen Raum gebeamt würden und mich mit dem Handy telefonieren sehen? Sie würden sagen: „Ach, netter Kerl, unser Ur-Ur-Urenkel.“ Aber ein bisschen Sorge hätten sie schon. „Der hält manchmal für eine halbe Stunde Selbstgespräche, haben wir schon beobachtet.“ „Soll er tun, tut ihm gut.“ Aber er glaubt im Ernst, dass er mit jemand anderem spricht.

Es wird einige Überzeugungsarbeit benötigen, bis meine Ur-Ur-Ur-Ur-Großeltern, die die Maxwell'schen Gleichungen und elektromagnetische Wellen nicht kennen, einem solchen Gerät vertrauen.

Für mich ist das ein Bild für die Standleitung nach ganz oben. Auch da können wir die Schaltpläne nicht analysieren, und trotzdem dürfen wir uns am Ende darauf einlassen.

Und der eine oder andere sagt: „Wie kann das gehen?“ Und der andere sagt: „Ich habe vor zehn Minuten noch mit ihm geredet.“

Die Standleitung nach ganz oben funktioniert. Indem ich mich darauf einlasse, merke ich, dass es geht. Auch beim Handy hat kaum jemand von uns die Schaltpläne überprüft. Indem wir uns darauf eingelassen haben, haben wir gemerkt, dass es funktioniert.

Die Notwendigkeit des Glaubens über die Naturgesetze hinaus

Eine andere Frage, die oft auftaucht, lautet: Wozu brauche ich eigentlich noch den Glauben an Gott, wo doch so viele Dinge naturwissenschaftlich erklärbar sind?

Nein, um Phänomene zu erklären, reichen die Naturgesetze aus. Aber wenn ich weiterdenken möchte – und ich muss es nicht, aber es ist auch nicht verboten – dann stelle ich mir natürlich die Frage, woher die Naturgesetze kommen und wer die Autorität hat, sie durchzusetzen.

Vom Anfang des Universums bis heute funktionieren sie wunderbar: von der Gravitation bis zum Elektromagnetismus, alles läuft. Wenn einer alles geschaffen hat, dann steht er nicht nur hinter den Dingen, die wir nicht verstehen, also hinter unseren Wissenslücken. Er steht natürlich auch hinter den Dingen, die wir verstehen. So verstehen wir, was Einstein meint: Je mehr wir von der Natur entdecken, desto größer wird Gott, desto größer wird unser Staunen.

Gott steht also auch hinter den Dingen, die wir verstehen. Wir dürfen fröhlich Natureffekte und Phänomene erklären. Der, der dahintersteht, wird keine Sorge dadurch kleiner.

Ich habe einmal eine originelle Geschichte gehört, die so humorvoll auf den Punkt bringt, worum es geht: Da lebt eine Mäusefamilie in einem Flügel, also in diesem Musikinstrument, seit Generationen. Sie hören immer die schöne Musik, und es gibt eine alte Überlieferung bei den Mäusen, dass es angeblich Menschen gäbe, die die Musik machen.

Jedes Mal, wenn die Mäuse Musik hören, erzählen sie sich die Geschichte von den Menschen. Bis eines Tages zwei Mäusewissenschaftler, die nur einen Raum weitergehen, ganz ernüchternde neue Erkenntnisse mitbringen: Das sind gar keine Menschen, das sind nur kleine Hämmerchen, die auf Stahlseiden schlagen – das ist die Musik. Seither gibt es für die Mäuse keine Menschen mehr.

Es war eine angenehme Geschichte, und man hat sie gerne geglaubt. Aber heute weiß man, dass es die Hämmerchen sind, die auf Stahlseiden schlagen. Natürlich erzählen die großen Mäuse um die Weihnachtszeit ihren kleinen Mäuschen noch das Märchen von den Menschen. Die kleinen Mäuse glauben das noch, die größeren wissen: Hämmerchen, Stahlseiden – das war’s.

Was ist da schiefgelaufen? Die Erkenntnis der Mäuse war durchaus richtig. Das Problem der Mäuse war nicht die richtige Erkenntnis, sondern ihre begrenzte Sicht. Die Mäuse haben nicht weitergedacht, sondern sind bei den Hämmerchen und den Stahlseiden stehen geblieben. Sie haben ganz vergessen, dass es noch weitere Wirklichkeitsebenen gibt – zum Beispiel den, der die Hämmerchen bewegt, jemanden, der die Musik komponiert, jemanden, der den Flügel konstruiert hat. All das haben sie irgendwie vergessen.

Die Grenzen der Naturwissenschaft und die Frage nach Gott

Das Zitat ist vorhin schon kurz angesprochen worden. Meistens wird es dem Nobelpreisträger, dem Physiker Werner Heisenberg, zugeschrieben. Dieses Zitat lautet:

„Der erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch. Ich habe es doch selbst verstanden, so wie die Mäuse. Eine Arbeitshypothese: Gott brauche ich in meinem Weltbild nicht mehr. Der erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch.“

Aber das Zitat geht weiter:

„Aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott.“

Wenn ich es zu Ende denke, stelle ich mir plötzlich die Frage: Ja, Moment, woher kommen denn die Gesetze, die ich entdeckt und richtig verstanden habe? Auf dem Grund des Bechers wartet Gott.

Die Naturgesetze hat mal jemand treffend beschrieben: Sie sind eigentlich keine Vorschriften, wie sich die Natur zu verhalten hat. Es sind vielmehr Nachschriften. Wir schreiben der Natur gar nichts vor, sondern wir stellen fest, wie sich die Natur verhält. Die Frage nach dem Woher, von wem diese Spielregeln, diese Naturgesetze kommen, bleibt natürlich offen.

Wer sind wir Physiker, dass wir Gott erfassen könnten? Wir sehen seine Spuren. Ich sage mal, es wäre vermessen, Gott vermessen zu wollen. Die Gravitation vermessen, das geht einfach. Da nehme ich einen Kugelscheiber oder noch präzisere Geräte und mache vor Ihren Augen ein Gravitationsexperiment. Der Kugelscheiber wird angezogen, er fällt nach unten, alle Kugelscheiber fallen nach unten – oder in Australien nach oben. Das ist Gravitation.

Aber da ist es einfach. Ich bin daher in der Lage, der Kugelscheiber ist mein Objekt, ich mache mit ihm, was ich will. Wenn es um Gott geht, wer bin ich denn, dass ich Gott vermessen kann? Wir werden alle nach Hause gehen, ohne einen Gottesbeweis in der Hosentasche, aber mit vielen spannenden Spuren.

Es wäre vermessen, Gott vermessen zu wollen. Wir sind nicht in der Lage, ihn zu ermessen, aber wir sehen doch überall, wo wir hinsehen, Spuren. Woher kommen die Naturgesetze? Wer kümmert sich darum, dass sie eigentlich noch funktionieren?

Die Feinabstimmung des Universums

Eine andere Frage, die uns Physiker alle fasziniert – und ich glaube, in fünf Minuten auch die Nichtphysiker unter euch – es könnte ja sein, dass jemand Physik studiert, wir schauen alle zu: Es gibt so zwei Handvoll Zahlenwerte, die das Universum ganz entscheidend bestimmen. Diese nennt man Naturkonstanten, zum Beispiel die Vakuumlichtgeschwindigkeit, die Elementarladung, das Plancksche Wirkungsquantum und einige wenige mehr.

Ich möchte nur mal ein Beispiel bringen: Jedes Elektron, das wir jemals beobachtet haben, hatte eine Ladung von 1,602 mal 10 hoch minus 19 Amperesekunden. Diese Zahl könnte man gleich wieder vergessen. Die Elektronen vergessen sie aber nie. Jedes Elektron weiß – unter Anführungszeichen – dass man als Elektron 1,602 mal 10 hoch minus 19 Amperesekunden tragen muss.

Und wir alle wissen: Jedes Atom in unserem Körper hat eine ganze Reihe Elektronen in seiner Hülle, und die alle haben genau diese Ladung. Das ist unglaublich. Wir schauen in die Tiefen des Universums, nehmen Spektren auf, und auch dort draußen in den Tiefen des Universums haben die Elektronen eine Ladung von – ja, ihr ahnt es schon – 1,602 mal 10 hoch minus 19 Amperesekunden. Wer hat es denn da draußen eigentlich nicht? Wir nicht.

Die ersten schmunzeln schon ein bisschen: Das ist so typisch Physiker, die steigern sich da in etwas rein, worüber ein normaler Mensch überhaupt nicht nachdenken würde. Jetzt mal ganz im Ernst: Wenn diese paar Zahlen ein bisschen anders wären, würde das doch keinen Menschen interessieren. Ihr habt Recht: Wenn diese Zahlen ein bisschen anders wären, würde das keinen Menschen interessieren – weil es, wie wir erschrocken feststellen, keine Menschen gäbe.

Im Nu ist der Korridor verlassen, in dem es Atome geben kann, wo es chemische Bindungen geben kann, wo überhaupt die schweren Elemente existieren. Nur ein ganz klitzekleines bisschen Schrauben an diesen Parametern, und der Korridor ist weg. Das ist sogar noch dramatischer, wenn man annimmt, das Universum wurde geschaffen und in Betrieb genommen, die Naturgesetze wurden implantiert und diese Zahlen ganz genau so eingestellt, dass es uns geben kann – unsere Atome, unsere Bindungen, uns.

Und jetzt sind wir da. Jetzt gibt es ein ganz kleines Erdbeben, diese ganz genau eingestellten Zahlen wackeln nur für eine tausendstel Sekunde ein bisschen. Dann ist wieder alles in Ordnung, fast alles in Ordnung – wir sind weg. Da hilft nicht mal ein Notarzt mehr. Es gäbe natürlich auch keinen mehr, aber wenn es ihn auf wundersame Weise gäbe, wäre nichts mehr wiederzubeleben.

Wir wären auf molekularer Skala zerstört und zerfallen nach einer tausendstel Sekunde. Wenn hier etwas wackelt, wäre unsere DNA, die Erbinformation, gelöscht – Zelle für Zelle. Und das Wunder des Lebens wäre vorbei. Ich sehe schon, die Ersten fühlen sich schon ganz nervös, den Puls spüren sie. Aber keine Sorge: Über die ganze Geschichte des Universums war die Natur konstant, nicht nur konstant, sondern auf ganz genau dem Wert, den wir brauchen.

Natürlich stellt sich jetzt jeder von euch die gleiche Frage: Wie genau ist denn super oder hypergenau? Der Physiker Paul Davies hat sich mal die Mühe gemacht und ist berühmt geworden, weil er das nachgerechnet hat. Die Rechnung ist leicht nachzuvollziehen, und er hat einen anschaulichen Vergleich gebracht.

Die Parameter müssen mindestens so genau eingestellt sein wie die Genauigkeit, mit der ein Scharfschütze zielen muss, der mit einem Centstück ein ein Zentimeter großes Ziel treffen soll. Ihr sagt zu Recht: Das kommt natürlich auf den Abstand an. Aus hundert Meter Entfernung wird er treffen, aus tausend Meter Entfernung wird er auch noch treffen, aus zehn Kilometer Entfernung halte ich mein Centstück schon ein bisschen weiter weg.

Wir gehen mal nach Kiel. Ein Scharfschütze in Kiel, wir hier in Stuttgart, und der Scharfschütze soll von Kiel aus – wir öffnen das Fenster, gehen nach Norden, er baut sich ein neues Teleskop und einen Turm – von Kiel aus versucht er, in Stuttgart unser Centstück zu treffen. Das geht, er trifft. Wow, sage ich.

Der neben mir sagt nur: „Haben Sie schon mal überlegt, wie klein Deutschland ist?“ Gut, ich verstehe, ich soll weiter weggehen. Ich gehe nicht noch in die Schweiz oder irgendwohin, ich könnte auch schön, aber ich gehe jetzt gleich mal auf den Mond. Waren ohnehin schon länger keiner mehr oben – zwölf Leute, eine längliche Pause.

Jetzt bin ich auf dem Mond, 384 Kilometer vom Scharfschützen entfernt, und er versucht auf dem Mond das Centstück zu treffen. Jetzt brauche ich auch eine ruhige Hand, um nicht zu verwackeln, denn das Geschoss braucht doch eine Weile, bis es von der Erde bis zum Mond kommt. Es trifft – ich fasse es kaum – auf dem Mond ganz genau das Centstück.

So genau ist das ja nicht irgendeine Spielerei mit Zahlen. So genau sind wirklich diese paar Zahlen eingestellt, als wenn ich von der Erde auf dem Mond ein Centstück treffen soll. Der neben mir sagt: „Ach, kann auch mal Zufall sein.“ Ich denke, dass er in seinem Gartenstuhl nicht nur eingefroren, sondern eingeschlafen ist, hat er einen Schuss gelöst, und dass ein Zufallsschuss auf der Erde unser Centstück trifft, das kommt schon mal vor.

„Bitte“, sage ich. „Ja“, sagt er mit erhobenem Zeigefinger, „Herr Schimmel, bedenken Sie, es gibt auch seltene Zufälle.“ Ich bedenke das. Seltene Zufälle kann es zufällig mal geben, dass ein Centstück auf dem Mond durch einen Zufallsschuss getroffen wird.

Ich gehe jetzt noch mal deutlich weiter weg. Ich gehe jetzt – nein, nicht hinter den Mond – ich gehe jetzt auf die Sonne. Also ich stehe jetzt auf der Sonnenoberfläche, ein bisschen warm hier, aber was tut man nicht alles für die Forschung. Ich stehe auf der Sonnenoberfläche mit dem Centstück in der Hand, und die Entfernung ist jetzt gigantisch.

Allein das Licht braucht 8,3 lange Minuten von der Sonne bis zur Erde. 8,3 lange Minuten. In jeder einzelnen Sekunde läuft das Licht 300 Kilometer. In 1,3 Sekunden läuft das Licht die Strecke Sonne-Erde. In 8,3 Minuten ist das Licht von der Sonne bis zur Erde unterwegs. 8,3 Minuten, jede Minute 60 Sekunden, jede Sekunde 300 Kilometer.

Und jetzt stehe ich auf der Sonne und bitte den auf der Erde, bitte freundlicherweise zu versuchen, das Centstück zu treffen. Ich stehe endlos in der Wärme, bis das Geschoss, das ja viel, viel langsamer als Licht ist, diese 8,3 mal 60 mal 300 Kilometer zurücklegt. Und dann passiert das Unglaubliche: Über diese gigantische Entfernung trifft er ganz genau – nichts anderes – dieses eine Centstück auf der Sonne.

Der neben mir sagt zum ersten Mal: „Ich glaube, der hat gezielt.“ Es sind so unglaubliche Genauigkeiten, man ist fassungslos. Was ist da los? In was für einem Universum sind wir da geraten? So absurd genau sind diese Konstanten eingestellt, dass es uns geben kann.

Wir raufen uns die Haare, wir reiben uns die Augen, wir sagen: Irgendwas ist nicht mehr normal an unserem Universum, das kann doch nicht wahr sein. Paul Davies meldet sich noch mal aus der Ecke, sagt: „Wahnsinn!“ Aber fügt er hinzu: „Es reicht noch nicht, es reicht deutlich noch nicht.“

Und dann kommt diese Zahl, bei der wir alle fassungslos sind: So präzise müssen diese Parameter eingestellt sein, damit es Leben überhaupt geben kann. Ich rede gar nicht von der spannenden Biologie, ich rede nur von der Physik, die erst Biologie möglich macht.

So präzise wie ein Scharfschütze, der ein ein Zentimeter großes Ziel treffen soll. Und jetzt kommt es ja im Ernst: Am anderen Ende des beobachtbaren Universums ist es nicht zu fassen. Das heißt, der Abstand ist nicht Erde-Mond – das Licht macht es in 1,3 Sekunden –, auch nicht Erde-Sonne – das Licht macht es in 8,3 Minuten –, sondern der Abstand ist einmal quer durchs Universum bis zu den entferntesten beobachtbaren Galaxien.

Das Licht braucht weit mehr als 10 Millionen Jahre, doppelt so lange, wie die Sonne noch zu brennen hat. Weit mehr als 10 Millionen Jahre. Kommt zu unserer Zielgeraden, in jeder Sekunde noch mal weitere 300 Kilometer dazu, jede Sekunde noch mal 300 Kilometer, weit mehr als 10 Millionen Jahre lang. Und am Ende des Universums wartet das Centstück – und das wird getroffen.

Es ist nicht zu fassen. Wie oft habe ich schon Kollegen im physikalischen Kolloquium gesehen, wenn es auf dieses Thema kommt – alle sind staunend fassungslos, was wir da sehen.

Scharfschütze, der ein ein Zentimeter großes Ziel treffen soll am Ende des beobachtbaren Universums. Feinabstimmung, die Warum-Frage stellt sich plötzlich jeder: Warum ist es so?

Die Bedeutung der Feinabstimmung für den Glauben

Sir Fred Hoyle, ein berühmter Physiker, der den Begriff des Urknalls geprägt hat, ohne ursprünglich an den Anfang des Universums zu glauben, sagte: „Nothing has shaken my atheism as much as this discovery.“ – Nichts hat meinen Atheismus so erschüttert wie diese Entdeckung.

Er beschreibt das längste System, den längsten Plan hinter uns im Universum, den wir die ganze Zeit nicht bemerkt haben und mit dem wir überhaupt nicht gerechnet hatten. Jetzt, spät in der Geschichte, sehen wir ihn – und er ist fassungslos.

Dieses hypergenau abgestimmte Universum weckt einen unglaublichen Verdacht, der viele Menschen beschleicht, die vorher nicht in diese Richtung gedacht haben. Dieser Verdacht lautet: Unser Universum wurde von jemandem bis ins kleinste Detail so inszeniert und konstruiert, dass es nur einen Zweck hat – damit wir leben können. Ein ganzes Universum extra für uns – das ist ein verrückter Gedanke.

Wir sind es eher gewohnt, uns klein zu fühlen, statt groß. Lange Zeit galt der Mensch als die Krone der Schöpfung und als Mittelpunkt des Universums. Sogar die Sonne wurde damals noch als etwas betrachtet, das sich um uns dreht. Doch nach und nach wurden wir immer kleiner.

Zuerst erkannten wir: Es ist nicht die kleine Sonne, die sich um unsere große Erde dreht, sondern umgekehrt – eine winzige Erde, die sich um die Sonne bewegt. Eine Million Erdkugeln würden in die Sonne passen. Die Erde ist also eine ziemlich kleine Erscheinung im Sonnensystem.

Als Nächstes erkannten wir: Die Sonne ist gar nicht der Mittelpunkt des Universums. Sie ist nur ein Mitglied unserer Milchstraße, die weit über hunderttausend Millionen Sterne enthält. Die Sonne ist nur einer davon.

Wir schrumpfen weiter in unserer Bedeutungslosigkeit in diesen endlosen Weiten. Dann, tief im zwanzigsten Jahrhundert, entdeckten wir plötzlich: Das ist noch nicht alles.

Der Andromedanebel ist eine andere Galaxie – und es gibt noch viel mehr. Im Universum gibt es mindestens genauso viele Galaxien wie Sterne in der Milchstraße. Man muss sich das einmal vorstellen: Weit über hunderttausend Millionen Sterne in der Milchstraße, die Sonne ist nur einer davon. Und jetzt noch einmal weit über hunderttausend Millionen Galaxien im Universum – und die Milchstraße ist nur eine davon.

Wir sind also winzig, bedeutungslos und vernachlässigbar – multipliziert noch einmal. Die Sonne in der Milchstraße, die Milchstraße im Universum.

Wir alle verstehen, was der berühmte Medizin-Nobelpreisträger Jacques Monod in seinem Buch „Zufall und Notwendigkeit“ meint, wenn er uns die letzte Verlorenheit einer winzigen Menschheit im riesigen Universum vor Augen hält.

Er schreibt: Der Mensch muss seine totale Verlassenheit und radikale Fremdheit erkennen. Er fügt hinzu, dass der Mensch nun weiß, dass er seinen Platz wie ein einsamer Wanderer am Rande des Universums hat – taub für seine Musik und gleichgültig gegenüber seinen Hoffnungen, Leiden oder Verbrechen.

Dem Universum ist das vollkommen egal. Wir können uns Freude bereiten oder Leid zufügen, hoffen oder bangen, geboren werden oder sterben – dem Universum ist es gleichgültig.

Wir rufen, aber niemand hört; wir fragen, aber niemand antwortet. Wir vergehen, und niemand bemerkt es. Kaum sind hundert Jahre vergangen, ist dieser Raum vollständig geräumt. Selbst der Jüngste von uns ist nicht mehr da, und das Universum hat nicht einmal bemerkt, dass einer nach dem anderen von uns im Laufe dieser hundert Jahre in einen geräumigen Papierkorb purzelt, auf dem in großen Lettern „Vergessenheit“ steht.

Das Universum – kaum dass noch ein bisschen Zeit vergeht – hat die ganze Menschheit verpufft und verschwinden lassen. Auf einer Zeitskala des Universums sind wir ziemlich schnell wieder weg.

Und das Universum hat nicht einmal bemerkt, dass auf einem seiner winzigen Planeten knapp zwei Meter große Kreaturen für eine kurze Zeit herumgekrochen sind.

Die Hoffnung auf einen persönlichen Gott

Eine letzte Verlorenheit, eine letzte Verlassenheit eines winzigen Planeten mit uns winzigen Leuten in den gigantischen Weiten unseres Universums – und da kräht kein Hahn danach. Das Universum hat uns noch nicht einmal bemerkt.

Eine letzte Verlorenheit, eine letzte Verlassenheit – wir alle können, glaube ich, diese Gedanken von Jacques Monod zutiefst nachdenken. Wenn wir jetzt alle Jacques Monod meditieren, schlägt diese Nachricht plötzlich wie eine Bombe ein: Ein ganzes Universum ist so angelegt, als ob es extra für uns wäre.

Wenn das stimmt, dann drängt sich ein ganz anderer Gedanke auf. Wenn es stimmt, dass jemand das Universum so hingetunt hat, dass es uns geben kann, dann ist das Universum uns zwar egal, aber nicht dem, der es gemacht hat. Dann wäre es auf einmal egal, dass wir dem Universum egal sind, wenn wir dem nicht egal sind, der das Universum geschaffen hat.

Und ich denke, ihr merkt, das ist nicht nur von akademischem Interesse – das betrifft uns unmittelbar. Wenn das stimmt, dann wäre statt dem letzten Papierkorb und nach unserer Wegstrecke von knapp hundert Jahren der Sturz ins Bodenlose auf einmal geborgen in Gottes Hand.

Nicht verloren in den Weiten des Universums, sondern geborgen in Gottes Hand. Nicht die Weite des Universums ist das Letzte, sondern der, der das Universum gemacht hat. Dann bedeutet das, dass dieser Satz, der so oft zitiert wird – „Ich kann nie tiefer fallen als in Gottes Hand“ – keine fromme Vertröstung ist, sondern ganz tiefer Trost.

Ich darf wissen: Es ist nicht das Universum das Letzte, es ist der dahinter, der das Universum gemacht hat und der uns wollte.

Ich möchte noch einmal Sir Fred Hoyle zitieren, den Wissenschaftler, dessen Atheismus so erschüttert wurde. Er sagt: Das Universum ist offensichtlich, wie er so nett formuliert, eine „abgekartete Sache“. Und er fügt hinzu: Es ist zu vieles, was wie durch Zufall entstanden aussieht, es aber nicht ist. Wenn man genau hinschaut, sieht man das System dahinter.

Noch deutlicher wird Stephen Hawking. Er sagt: Bemerkenswert ist, dass diese Werte, diese Naturkonstanten, sehr fein darauf abgestimmt zu sein scheinen, dass sie die Entwicklung des Lebens ermöglichen. Die meisten Werte würden zur Entstehung von Universen führen, die zwar sehr schön sein könnten – und dann fügt er noch schmunzelnd hinzu – die aber niemand beherbergen könnten, der diese Schönheit bestaunte.

Universen kann ich auf viele Weisen machen, aber ein Universum, in dem wir sein können, ist sehr speziell. Stephen Hawking fasst das in diesem Satz zusammen, den er in seinem wohl berühmten Buch „Eine kurze Geschichte der Zeit“ schreibt: Warum das Universum auch gerade auf diese Weise angefangen haben sollte, mit genau den Parametern, die es uns gibt, wäre sehr schwer zu erklären – und jetzt kommt es – ohne das Eingreifen eines Gottes anzunehmen, der beabsichtigt hätte, Wesen wie uns zu erschaffen.

Da muss man sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Sehr schwer zu erklären ohne das Eingreifen eines Gottes anzunehmen, der beabsichtigt hätte, Wesen wie uns zu erschaffen, schreibt Stephen Hawking in seinem wahrscheinlich bekanntesten Buch.

Er hat alle Gottheiten abgeschafft, die wir uns angeschafft haben, und lässt am Ende staunend den einen stehen, der alles geschaffen hat – mit der Absicht, uns zu erschaffen.

Ein Streifzug durch das Universum

Streifzug bis an die Grenzen des Universums

Ich werde wirklich einen Express-Streifzug machen. Wir haben ja schon vieles gesehen. Wir fangen mit unserer kleinen Erde an. Dort ist der Mond 384.000 Kilometer entfernt. Das Verkehrszeichen muss noch aufgestellt werden – dieser Wegweiser zurück zur Erde: 384.000 Kilometer. Nur zwölf Leute waren dort. Der Apollo-Astronaut Neil Armstrong betrat als erster Mensch den Mond. Dieser legendäre Fußabdruck, den wir auf dem Foto sehen, ist der erste Fußabdruck eines Menschen auf dem Mond.

Und doch war es unsere unmittelbare Nähe.

Die Sonne ist weiter weg und wärmer. Eine Million Erdkugeln passen in die Sonne. Die Milchstraße ist größer. Weit über hunderttausend Millionen Sterne passen in die Milchstraße. Und in der Milchstraße gibt es viele schöne Dinge. Zum Beispiel den Käfernebel – wunderschöne Bilder eines Sterns, der in den Spätphasen seines Lebens die äußere Hülle abstößt und diese wunderschönen Strukturen bildet. Ganz in unserer Nähe ist das Licht erst viertausend Jahre unterwegs, und schon ist es bei uns, direkt vor unserer Haustür, in jenem Winkelchen unserer Milchstraße, wo wir uns befinden.

Wir schauen aber auch aus der Milchstraße heraus. Im Vordergrund sehen wir noch einen kommentierenden Nebel. Wenn wir herausblicken – und das kann man, wenn man nicht in Scheibenrichtung der Milchstraße schaut, sondern quer dazu – haben wir phantastische Blicke von unserem kleinen erdgebundenen Universum.

Dort liegt eine Scheibengalaxie herum, und hier im Hintergrund Pünktchen über Pünktchen. Das sind keine Schneeflocken, natürlich nicht, aber auch keine Sterne. Die meisten dieser Pünktchen sind selbst wieder Galaxien. Typischerweise enthalten sie 100 Millionen Sterne – das ist eine typische Zahl für so ein Pünktchen.

Galaxien über Galaxien zeigen unsere Teleskope, hier das Hubble-Teleskop, von dem die Bilder stammen, von ESA und NASA. Dieses Teleskop ist eines von einer ganzen Reihe von Teleskopen, die uns faszinierende Einblicke ins Universum geben.

Eine Galaxie ähnlich unserer Milchstraße – hätten wir das Glück, mal als Außer-Galaktischer auf unsere Galaxie zu schauen und ein Foto mitzubringen, kämen wir mit einem ganz ähnlichen Foto wie diesem nach Hause, wenn wir die Milchstraße fotografiert hätten.

Geburtsstätten junger Sterne – massenweise junge Sterne, die hier geboren werden. Diese Geburtswolke lässt eine ganze Galaxie aufleuchten. Die kleinen Pünktchen, die ihr hier seht, sind keine Sterne, sondern jedes dieser kleinen Pünktchen enthält bis zu einer Million junger Sterne. Innenbeleuchtet von Gas- und Staubwolken durch Sterne, die dort geboren wurden.

Wunderschöne Bilder! Hier noch einmal ein ganz berühmtes Bild – auch wieder Gas- und Staubwolken mit Innenbeleuchtung.

Wunderschöne Bilder unserer Nachbargalaxie, des Andromedanebels, direkt vor unserer Haustür. Wie gesagt, weit über hunderttausend Millionen Galaxien – eine ist direkt vor der Haustür. Wenn dort etwas passiert, zack, ist das Signal bei uns. Wenn dort etwas leuchtet, sehen wir das Signal fast instantan.

Ich habe leicht übertrieben: Zweieinhalb Millionen Jahre dauert es doch noch. Zweieinhalb Millionen Jahre mit Lichtgeschwindigkeit, jede Sekunde 300.000 Kilometer – das ist die Galaxie vor unserer Haustür.

Die fernsten Galaxien und der Blick ins All

Wo sind die fernsten Galaxien? Wir ahnen bereits, dass es eine überwältigende Zahl ist. Sie befinden sich dort, wo ich vorhin mein Centstück hingehalten habe.

Es ist vielleicht das faszinierendste Bild des heutigen Nachmittags: das Hubble Ultra Deep Field, einer der drei tiefsten Blicke der Menschheit ins Universum. Zu sehen sind ganz normale Scheibengalaxien, Spiralgalaxien, nichts Neues. Nur befinden sie sich in solch gigantischen Entfernungen, dort, wo ich vorhin nur virtuell mit meinem Centstück war. Jetzt machen wir ein reales Foto von der Erde aus.

Es ist unglaublich, welche Messtechnik das möglich macht, aber auch, wie es überhaupt funktioniert. Man muss sich vorstellen: Das Licht läuft über zehn Milliarden Jahre von dort bis hierher. Jetzt sehen wir dieses uralte Licht von Sternen, die zum großen Teil längst nicht mehr existieren. Das Licht ist länger unterwegs als ein Sternenleben, kommt auf unsere Erde, und wir schauen es uns an, wie es dort aussah oder aussieht. Dass das überhaupt möglich ist, ist unglaublich.

Wenn man von Punkt A nach Punkt B fotografiert, weiß jeder von uns, dass dazwischen nichts den Blick versperren darf. Im Universum gibt es tatsächlich, und das ist ein Glücksfall, ein Guckloch, ein Schlüsselloch, das wir entdeckt haben. Von hier bis zu diesen fernen Galaxien befindet sich nirgends ein schwarzes Loch, keine Galaxie, keine Gas- oder Staubwolke, die uns den Blick versperrt. So können wir ungehindert in diese gigantischen Entfernungen schauen, ein Foto machen und es uns ins Wohnzimmer hängen.

Es ist erstaunlich, und dort gelten übrigens ganz genau die gleichen Naturgesetze wie bei uns. Spannend!

Die Suche nach Gott im Universum

Damit schließt sich ein großer Kreis: Wenn das die Größe unseres Universums ist und wir nicht hinausblicken können, dann ist allein unser kleines Universum schon gigantisch.

Wenn das die Spuren des Einen sind, der diese Spuren gelegt hat, stellt sich die entscheidende Frage: Wer ist der, der das Feuer in die Gleichungen gehaucht hat? Wie sollen wir ihn jemals finden?

Unsere kleine Existenz steht dem großen Gott gegenüber, dessen Spuren wir sehen. Ja, die Spuren sehen wir schon, aber wie sollen wir Gott finden? Das ist etwas zu hoch für uns.

Wir schauen hinaus, die Spuren sehen wir, und wir ahnen den, der dahintersteht. Wie es mein Kollege Professor Gleiter sagt: Wir sehen doch alle die Schatten des Einen an der Wand. Ja, das stimmt. Nur uns fehlt der Bohrer, um die Wand zu durchbohren, zu dem, der hinter der Wand ist, oder um denjenigen zu sehen, der die Schatten wirft.

Es gibt Leute, die sagen: Kein Problem, dafür ist Religion da. Religion ist der Weg des Menschen zu Gott. Aber ich glaube, wir merken schon, dass Religion auch zu kurz greift. Theofiction – wir denken uns Götter aus. Macht keinen Sinn, sagt uns schon Stephen Hawking.

Den Einen zu finden, der sich uns ausdachte, ist eine Nummer zu hoch. Da verheben wir uns. Der Mensch ist am Ende doch einsam auf seiner Suche nach Gott. Scheint das Licht auszugehen? Nein.

Wir kommen nicht weiter, wir kommen nicht mehr aus unserer Milchstraße raus. Hunderttausend Lichtjahre Durchmesser hat die Milchstraße. Wie sollen wir zu Gott finden?

Wir sind die Ferngalaxien da ein bisschen im Bild geworden. Auch da war es so, dass jemand uns sagte: Leute, ihr werdet nie dorthin kommen und diese Ferngalaxien sehen. Und dann kam das Licht der Ferngalaxien in unsere kleine Welt.

Nicht wir kamen dorthin, sondern das Licht der Ferngalaxien streift unseren kleinen Planeten.

What if – was wäre, wenn das Licht, nicht auszudenken, das Licht des fernen Gottes, unseren kleinen Planeten streift? Unglaublich!

Und doch erinnern wir uns: Das haben wir schon mal gehört. Das ist doch genau die Botschaft, die wir in der Bibel lesen.

Nicht wir müssen zu Gott kommen, sondern Gott kommt zu uns. Gott findet unsere kleine Welt, wird in Jesus Christus Mensch, reicht uns die Hand, bietet uns Vergebung an und bietet uns eine Standleitung – im Bild gesprochen – nach ganz oben an.

Wir kleinen Leute dürfen zu Gott kommen, nicht weil wir Halbgötter wären oder so religiös, dass es am Ende doch klappt – denn das klappt nie –, sondern weil er in unsere kleine Welt kommt und die Brücke zu uns baut.

Gott wird in Jesus Christus Mensch.

Die persönliche Begegnung mit Gott durch Jesus Christus

Mancher sagt: Die Botschaft höre ich wohl, um es mit Goethes Faust zu sagen, allein mir fehlt der Glaube. Natürlich wird man fragen: Glauben wir im Ernst, dass der, der ein Universum schuf, überhaupt von uns weiß? Wir würden alle spontan Nein sagen. Aber wenn wir darüber nachdenken, dass einer, der ein Universum schafft, es so verrückt hingetunt hat, dass es uns geben kann, wenn einer ein Universum schafft, um uns zu schaffen, dann wird es uns überraschen, wenn er plötzlich das Interesse an uns verloren hat.

Ich denke, Sie merken: Es passt total zusammen. Ein Gott, der ein Universum schafft, ganz genau so gebaut, dass es uns geben kann, hat dann auch Interesse an uns. Dass er zu uns kommt, beides ist erstaunlich, beides passt zusammen.

Ich möchte noch einmal Einstein zitieren. Das ist vielleicht sein persönlichstes Interview, das er je gegeben hat: "What Life Means to Einstein", dieses berühmte Interview mit der Saturday Evening Post. Da sagt er: „Ich bin Jude, aber das strahlende Bild des Nazareners“, wenn er von Jesus spricht, „hat einen überwältigenden Eindruck auf mich gemacht. Niemand kann das Evangelium lesen, ohne die persönliche Gegenwart Jesu zu spüren.“ Hier ist das Zitat: „Gott lässt sich finden, sonst hätte man keine Chance.“

Der Apollo-Astronaut James Irwin, einer von den Zwölfen, die auf dem Mond waren, hat immer wieder betont, als er zurückkam: „God walking on the earth“ – Gott, der auf der Erde wandelt, sagt er, „ist wichtiger als der Mensch, der auf dem Mond wandert.“ Dass Gott seinen Fuß auf die Erde setzte, ist wichtiger, als dass der Mensch den Mond betrat. Dieses Bild, die Fußspur Gottes auf der Erde durch Jesus Christus.

Ich denke, wir alle merken, was James Irwin meint: Dass Menschen auf dem Mond waren, ist genauso interessant wie irrelevant. Wir können es fast ins Handbuch des nutzlosen Wissens schreiben. Es ist spannend, sagenhaft spannend finde ich es auch, aber am Ende betrifft es uns nicht, es interessiert uns nicht, es tangiert uns nicht.

Wenn das andere stimmt, dass wirklich der, der das Universum schuf, in unsere kleine Welt kommt, dann merkt man sofort: Da ist keiner hier im Raum, den es nicht unmittelbar betrifft. Das ändert unser Leben völlig.

Das bedeutet: Statt des bedrückenden Bildes von Jacques Monod einer letzten Verlorenheit, einer letzten Verlassenheit in den endlosen Weiten des Universums, der sich keinen Deut für uns interessiert, am Ende der Sturz ins Bodenlose, würde das bedeuten: Gott baut die Brücke. Es ist ein Gehaltensein in unserem Leben und am Ende unseres Lebens. Es wird weitergehen. Der, der dieses Universum schuf, wird ein neues Universum schaffen.

Es ist eine Botschaft, die uns unmittelbar trägt, für mich persönlich die wichtigste Botschaft überhaupt. Ich denke, für Sie kann es spannend sein, aber es wird kein Lebensinhalt sein.

Vertrauen und Geborgenheit in Gottes Hand

Aber ich darf wissen: Mein kleines, zerbrechliches Leben – ich weiß nicht, was die Zukunft bringt, aber ich weiß, wer mit mir geht. Mein kleines, zerbrechliches Leben ist geborgen in Gottes Hand.

Ich persönlich möchte sogar noch hinzufügen: Mein kleiner, zerbrechlicher Glaube ist geborgen in Gottes Hand. Ich brauche keinen starken Glauben. Ich darf ein tiefes Vertrauen haben in den, der mein kleines Leben und meinen kleinen Glauben trägt. Die Fußspur, die Gott auf die Erde gesetzt hat, in Jesus Christus – die entscheidende Fußspur.

Du bist ein Gott, der mich sieht – ein Satz aus der Bibel, der man vor die fernen Galaxien stellt, das riesige Universum. Ein Gott, der mein kleines Leben sieht, nicht nur die Menschheit als Experiment, nein, unser kleines Leben und eine ganz persönliche Liebe zu jedem von uns.

Gott ist nur ein Gebet weit entfernt. Online mit Gott, 24 Stunden am Tag – da gibt es keine Pause. Gott ist an der Leitung, und ich darf online bleiben. Ich muss mich nicht erst einloggen, ich darf im Bild gesprochen eingeloggt bleiben. Online mit Gott.

Ich muss nicht ständig reden. Beten ohne Unterlass heißt für mich: Die Verbindung steht, und dann kann ich reden, wann ich möchte, und Gott kann reden, wann er möchte. Es ist die Standleitung nach ganz oben.

Ich möchte es mal mit einem Bild sagen: Derzeit sind über acht Milliarden Hausanschlüsse gelegt. Mancherorts vielleicht noch nicht, aber im Keller unseres Lebens finden wir ihn auf jeden Fall. Gott hat schon die Glasfaserleitung – im Bild gesprochen – in unser Lebenshaus gelegt.

Und wenn ich mich doch mal anschließen will, gehe ich runter in den Keller. Vielleicht ist es dort ein bisschen verstaubt, aber ich werde sie finden – oder mein Studienfreund oder wer auch immer wird sie finden. Die Hausanschlüsse sind von Gott gelegt, ich darf mich einloggen.

Jesus sagt: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstossen. Es ist eine persönliche Einladung, nicht so aufdringlich missionarisch im negativen Sinn: „Sie sollten mal ein bisschen religiöser werden.“ Ich muss gar nichts. Ich darf, wenn ich möchte, Gott losbleiben, aber ich muss es nicht.

Unser Leben ist ein Geschenk, Glaube ist auch ein Geschenk. Ich darf glauben, und Jesus sagt: Wer zu mir kommt und kein Mindestmaß mitbringt – ich darf sogar als Physiker mit meinen skeptischen Fragen kommen. Es ist eine offene Tür, und den werde ich nicht hinausstossen.

Mir bedeutet dieser Satz sehr viel. Auch diese ganz praktische Sache, wo Jesus sagt: „Ja, wie soll ich denn glauben? Was soll ich denn machen?“ Jesus sagt ganz einfach: „Bittet Gott, so wird euch gegeben; sucht, so werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch aufgetan.“

Mir ist es eine ganz große Hilfe geworden, dieses Praktische bei Jesus. Das sage ich vielleicht noch mal, weil es ihm so wichtig war: Denn wer da bittet, der empfängt. Wir dürfen es ausprobieren. Wer bei Jesus Christus sucht, der wird tatsächlich fündig werden, und wer bei ihm anklopft, dem wird aufgetan.

Es sind keine Botschaften im Nebel philosophischer oder sonstiger Art. Es sind ganz konkrete Sachen. Die Bibel ist wie das Physikbuch ein experimentelles Buch. Ich kann es nicht nachweisen und beweisen, ich kann lange diskutieren, aber indem ich mich darauf einlasse, merke ich: Es geht tatsächlich.

Schlusswort: Wissenschaft und Glaube ergänzen sich

Damit möchte ich auch mit diesem Zitat von Max Planck schließen: Wissenschaft und Glaube – ich denke, wir merken, was er meint. Wissenschaft und Glaube sind keine Gegensätze, sondern sie ergänzen und bedingen einander.

Beides gehört zusammen: das Forschen und Staunen, aber auch das Beten, Vertrauen und Glauben – dieses ganz Persönliche.

Mit diesem Zitat möchte ich abschließen und danke euch ganz herzlich für die Aufmerksamkeit.